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Stabtragwerke - Torsion

18.11.2016 ETH Zürich | Prof. Dr. W. Kaufmann | Vorlesung Stahlbeton I 1


Torsion – Allgemeines
Gleichgewichts- und Verträglichkeitstorsion

«Gleichgewichtstorsion»: «Verträglichkeitstorsion»:
Torsion ist für Gleichgewicht erforderlich und Torsion ist nicht für Gleichgewicht, sondern nur für die
unabhängig von der Torsionssteifigkeit GK: Verträglichkeit der Verformungen erforderlich und abhängig
von der Torsionssteifigkeit GK:

Gleichgewicht kann mit


T = 0 erfüllt werden
(Annahme GK = 0)

M M

T T

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Torsion – Allgemeines
Gleichgewichts- und Verträglichkeitstorsion

«Gleichgewichtstorsion»: «Verträglichkeitstorsion»:
Torsion ist für Gleichgewicht erforderlich und Torsion ist nicht für Gleichgewicht, sondern nur für die
unabhängig von der Torsionssteifigkeit GK: Verträglichkeit der Verformungen erforderlich und abhängig
von der Torsionssteifigkeit GK:

Massgebender Parameter: Verhältnis


Torsions- zu Biegesteifigkeit (GK)/(EI)
Im gerissenen Zustand ist
GK II  0.1GK I , EI II  0.3EI I
M M
GK II 1 GK I
 
EI II 3 EI I
Berücksichtigung z.B. durch
T T Berechnung mit ( EI I , GK I 3)
(Verformungen dann aber mit Faktor
3 zu erhöhen)

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Torsion – Allgemeines
Umlauf- und Wölbtorsion

T T
zi T T
2 A0 zi b
b
A0 (Fläche innerhalb - · - ·)

Umlauftorsion Wölbtorsion
Bei Vollquerschnitten und Hohlkastenträgern kann von Bei offenen Querschnitten ergibt sich dagegen Wölbtorsion.
Umlauftorsion mit geschlossenem Schubfluss ausgegangen
werden.

Im Allgemeinen liegt gemischte Torsion mit Umlauf- und Wölbtorsionsanteilen vor, siehe Vorlesung Baustatik III.
Die Schubflüsse aus Torsion in den einzelnen Querschnittsscheiben sind jenen aus Querkraft zu überlagern. Anstelle des
Stegfachwerkmodells bei reiner Schubbeanspruchung resultiert für den gerissenen Zustand ein räumliches Fachwerkmodell
resp. Spannungsfeld.

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Torsion – Allgemeines
Räumliches Spannungsfeld

T T

Stringer = Gurt Scheibe

Scheibe
Die Sicherstellung des
Schubflusses an den Kanten
des Querschnitts erfordert eine
entsprechende konstruktive
Durchbildung, z.B. mit
übergreifenden Steckbügeln.

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Torsion – Torsionswiderstand Hohlkastenquerschnitte
Voraussetzungen:
- Kastenquerschnitt mit konstanter Wanddicke t
- Reine Torsionsbeanspruchung
- Gleichmässige Bügelbewehrung in den Scheiben asw = Asw / s
- Gleichmässig über den Umfang u = Σzi verteilte Längsbewehrung asl = Asl /u
V4

y x T
zi V1 V3 Vi = zi
T 2 A0
z
V2
Die einzelnen Querschnittsscheiben erfahren eine Schubbeanspruchung; Schubkräfte und Torsionsbeanspruchung sind
statisch äquivalent. In jeder Querschnittsscheibe stellt sich ein diagonales Druckfeld mit Neigung α zur x-Achse ein  analog
zur «Querschnittsbetrachtung» (siehe Querkraft):

Vi x
Td Asw,i
αi
Vd ,i = zi   f sd  zi cot i
2 A0 si
Einwirkung Widerstand der Bügel
z∙cotα
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Torsion – Torsionswiderstand Hohlkastenquerschnitte
Voraussetzungen:
- Kastenquerschnitt mit konstanter Wanddicke t
- Reine Torsionsbeanspruchung
- Gleichmässige Bügelbewehrung in den Scheiben asw = Asw / s
- Gleichmässig über den Umfang u = Σzi verteilte Längsbewehrung asl = Asl /u

Setzt man die Druckfeldneigung in allen Scheiben gleich α, folgt aus dem Widerstand der Bügelbewehrung
Asw
T Rd , Asw = 2 A0   f sd  cot 
s

Infolge der Schubabtragung über ein diagonales Druckfeld resultiert in jeder Scheibe eine zusätzliche Längszugkraft von
Vdi∙cotαi (analog zur Vergrösserung der Längszugkraft aus Biegung durch Querkraft):
i =  = const.

Td T
Ft ,Td = Vdi cot i =   zi cot i = d  u  cot   Asl f sd
2 A0 2 A0
Al
 TRd , Asl = 2 A0   f sd  tan 
u
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Torsion – Torsionswiderstand Hohlkastenquerschnitte
Voraussetzungen:
- Kastenquerschnitt mit konstanter Wanddicke t
- Reine Torsionsbeanspruchung
- Gleichmässige Bügelbewehrung in den Scheiben asw = Asw / s
- Gleichmässig über den Umfang u = Σzi verteilte Längsbewehrung asl = Asl /u

Durch Gleichsetzen der Widerstände der Bügel und der Längsbewehrung resultiert die Druckfeldneigung, bei der Bügel- und
Längsbewehrung voll ausgenutzt werden und der zugehörige Torsionswiderstand:
Asw f sd A f
TRd , Asw = 2 A0   cot  = 2 A0  sl sd  tan  = TRd , Asl
s u
A u Asw u Asw Asl
 tan 2  = sw   tan  =   TRd = TRd , Asw = TRd , Asl = 2 A0 f sd 
s Asl s Asl s u

Zusätzlich müssen die Betondruckspannungen in den diagonalen Druckfeldern überprüft werden:

Td  Asw Asl 
  tan   cot    kc f cd     f sd  kc f cd t
2 A0  t  s u 

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Torsion – Torsionswiderstand Hohlkastenquerschnitte
Beispiel: Torsionswiderstand eines Hohlkastenquerschnitts

- Beton C25/30, fcd = 20 MPa


0.3
- Betonstahl B500B, fsd = 435 MPa
- Bewehrungsüberdeckung cnom = 30 mm
1.8
T - Bügel Ø14@150mm, as = 2∙1’027 mm2/m
0.3 - Längsstäbe Ø16@150mm, Asl,tot = 33’778 mm2

A0 = 4.2  2.1 = 8.82 m 2


0.3 3.9 0.3 u = 2   4.2  2.1 = 12.6 m

Asw Asl 33778


TRd = 2 A0 f sd  = 2  8.82  0.435  2 1027  = 18006 kNm
s u 12.6

Asw u 12.6
tan  =  = 2 1027  = 0.875   = 41.2
s Asl 33778

A A f  33778  435 1
c =  sw  sl  sd =  2 1027    = 6.9 MPa  kc f cd = 0.55 16.5 = 9.1 MPa
 s u  t  12.6  300 1000

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Torsion – Torsionsbemessung Hohlkastenquerschnitte
Torsionsbemessung
• Konstante Wanddicke t, konstante Bügelbewehrung,
gleichmässig über Umfang verteilte Längsbewehrung Td u
• Annahme / Wahl von  (Neigung des diagonalen Druckfelds) x
y
• Bügelbewehrung Asw z
A Asw 1 Td
TRd , Asw = 2  A0  sw  f sd  cot      tan  t
s s f sd 2  A0
• Längsbewehrung Asl
Asl Asw t
A Asl 1 Td
TRd , Asl = 2  A0  sl  f sd  tan      cot 
u u f sd 2  A0
mit u = mittlerer Umfang; Stringerkräfte N = 0

• Scheibendicke t (Beschränkung der Betondruckspannung)
1 T
t  d   tan   cot   
kc  f sd 2  A0

N =0

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Torsion – Torsionsbemessung Hohlkastenquerschnitte
Lasteinleitung über Endträger / Querscheibe
indirekte Lagerung
gleichmässige Einleitung über ganze Scheibenhöhe,
Resultierende in Scheibenmitte
Lagerreaktionen

T/b T/b +
Reaktion aus
T/2a T/2b Beanspruchung
T/2b T/2b Querscheibe
T/b T/2a
=
T/2b Umlauftorsion
T/b erforderliche
Äussere Lasten bzw. T/2a Querbewehrung zur T/2a
Auflagerreaktionen T/b
Lastaufhängung bei
direkte Lagerung Auflager
Querscheibe zur Auflagerung konzentrierte Einleitung mit Spannungsfächer,
Lagerreaktionen
bzw. Lasteinleitung Resultierende in Scheibenecke
T/b T/b +
T/2a T/2b T/2a
Reaktion aus
T/2b T/2b Beanspruchung
T/2a Querscheibe
T/b

=
T/b Umlauftorsion
Querscheibe trägt über «reinen Schub»
(vgl. SB III Scheibenelemente) T/2a T/2b T/2a T/2b
T/b
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Torsion – Torsionsbemessung Hohlkastenquerschnitte
Lasteinleitung über Endträger / Querscheibe
indirekte Lagerung direkte Lagerung

Asl über Scheiben verteilt → Asl/u Asl in Eckstringern konzentriert


(durchgehend über gesamte Länge) (total gleich gross wie indirekte Lagerung)

asw asw

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Torsion – Torsionssteifigkeit Hohlkastenquerschnitte
Voraussetzungen:
- Kastenquerschnitt mit konstanter Wanddicke t
- Reine Torsionsbeanspruchung
- Gleichmässige Bügelbewehrung in den Scheiben asw = Asw / s
- Gleichmässig über den Umfang u = Σzi verteilte Längsbewehrung asl = Asl /u

4 A0 2Gc 4 A0 2Gc Ec
Ungerissene Steifigkeit: GK =
I
= Gc =
ds zi 2  1   
(siehe Baustatik I/II)
 t  ti

t
4 A0 2 Es
Gerissene Steifigkeit: GK II = u
cot 2  tan 2 
  n   tan   cot  
2

l w

1
n
l Asl Asw Es
tan  = l = w = n=
u t s t
4
1 Ec
n
w

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Torsion – Torsionssteifigkeit Hohlkastenquerschnitte
Beispiel: Torsionssteifigkeit eines Hohlkastenquerschnitts

0.3 - Beton C25/30, fcd = 20 MPa, Ec = 32 kN/mm2, ν = 0.2


A0 = 8.82 m 2 - Betonstahl B500B, fsd = 435 MPa, Es = 205 kN/mm2
1.8
- Bügel Ø14@150mm, as = 2∙1’027mm2/m
T
u = 12.6 m
- Längsstäbe Ø16@150mm, Asl,tot = 33’778mm2
0.3
32
4  8.822 
2
4 A0 Gc 2  1  0.2 
0.3 3.9 0.3 GK I = = = 98.8 GNm 2
ds 12.6
 t 0.3

Asw 2 1027 Asl 33778 205


w = = = 0.684% l = = = 0.894% n= = 6.406
s  t 300 1000 u  t 12600  300 32

1 1
n  6.406
l 0.00894
tan  = 4 = 4 = 0.9384   = 43.2
1 1
n  6.406
w 0.00684

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Torsion – Torsionssteifigkeit Hohlkastenquerschnitte
Beispiel: Torsionssteifigkeit eines Hohlkastenquerschnitts

t 0.3
4 A0 2 Es 4  8.822  205 
GK II = u = 12.6
cot  tan 
2 2 2
 
2
  n   tan   cot   1 0.9384 1
2
  6.406   0.9384  
l w 0.93842  0.00894 0.00684  0.9384 
GK II = 5.40 GNm 2 0.0546  GK I

Zum Vergleich: Biegesteifigkeiten

EI I = 105.2 GNm 2 EI II = 11.14 GNm 2 0.106  EI I


mit As = 21715 mm2, d = 1783.3 mm, As’ = 12064 mm2, d’ = 150 mm
b = 4500 mm, n = 6.406  x = 296 mm

EI II EI I
[GNm2] ungerissen gerissen d.h. 2
EI 105.2 -89% 11.14 GK II GK I
GK 98.8 -95% 5.40  Einfluss auf Schnittgrössen bei
statisch unbestimmten Systemen
(Verträglichkeitstorsion)

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Torsion – Gekrümmte Träger
Statik
T M
- Radius r
V
ds = r·dφ - Streckenlast q
mt∙ds
q∙ds - kleiner Winkel dφ  0
z
d.h. sin(dφ) = dφ, cos(dφ) = 1
n dφ
V+dV M+dM
t
T+dT
F z = 0 = V  V  dV  q  ds
dV
r q  ds  dV = q  r  d   dV = 0  qr = 
d

ds
M n = 0 =  M   M  dM  cos d    T  dT  sin d   V  dV  ds  q  ds 
2
 mt  ds  sin d 

dM
V  ds  dM  Td  = V  r  d   dM  Td  = 0  =V r T
d

ds
M t = 0 = T   T  dT  cos d    M  dM  sin d   V  dV   ds  sin d   q  ds 
2
sin d   mt  ds  cos d 

dT
mt  ds  Md   dT = mt  r  d   Md   dT = 0  = M  mt  r
d

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Torsion – Gekrümmte Träger

dM dV dT
=V r T qr =  = M  mt  r
d d d

d 2M d d 2M
= V  r  T  =  q  r 2  M  mt  r 
d
 M = mt  r  q  r 2
d d
2 2

für Kreisringträger (r = const.)

 inhomogene Differentialgleichung 2. Ordnung; allgemeine Lösung für konstante Koeffizienten d.h.

mt (φ) = mt = const. und q(φ) = q = const.: M () = c1 sin   c2 cos   mt r  qr 2

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Torsion – Gekrümmte Träger

Die Differentialgleichung lässt sich auch iterativ lösen. Das Vorgehen ist anschaulich und konvergiert für kleine Öffnungswinkel resp. grosse
Radien sehr schnell.

d 2M 1. Erste Näherung für M : Gerader Träger mit Spannweite s = r unter Belastung q 


mt
 M = mt  r  q  r 2
d 2 r
d 2M d 2M m M m mt
 M = mt  r  q  r 2  = t  2 q t q (d.h. Balkenbiegung mit Belastung q  )
d 2
ds 2
r r r r

M mt M
2. Iteration von (1) mit Belastung q   bis Konvergenz erreicht ist (oft unnötig da q)
r2 r r2

M
3. Ermittlung von T: Gerader Träger mit Spannweite s = r unter Torsionsbelastung  mt :
r
dT dT M
= M  mt  r  =  mt
d ds r

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Torsion – Gekrümmte Träger
Beispiel:

- Träger mit gekrümmter Länge l = 2rα


A B - Konstante Streckenlast q = const.
φ
- Allgemeine Lösung:

r M = c1 sin   c2 cos   qr 2

q = const.
- Randbedingungen:
dM
2rα  = 0  c1 = 0
d =0

qr 2
 M =0  c2 =
=
cos 

 cos    sin  
M = qr 2   1 V =  qr T = qr 2   
 cos    cos  

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Torsion – Gekrümmte Träger
Beispiel:

A B Md [MNm]
+
φ
76.3
r 2α
-7.5

q = 375 kN/m
-

Vd [MN]
+

2rα 7.5

-10.2

r = 100 m l = 40 m α = 0.2 (11.46°) qd = 375 kN/m


-
Td [MNm]
+

10.2
NB: Näherung gerader Träger mit Spannweite 2r = 40 m
 Md (qd) = 75 MNm (parabolisch),  Iteration unnötig da zusätzliche Belastung Md ()/r 2 = 7.5 kN/m = nur 2% von qd
 Td unter parabolischer Torsionsbelastung Md /r = 750 kNm/m  Td = 750·20·2/3 = 10.0 MNm in A resp. B  2% weniger als exakte Lösung
(mit Iteration : Md ()/r 2 = 7.5 kN/m (parabolisch)  DMd = 5/6·7.5·402/8 = 1.3 MNm  Md = 76.3 MNm, Td  763·20·2/3 = 10.2 MNm)

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Torsion – Krafteinleitung
Beispiel Auflagerbereich A (Lager vertikal):
Endquerscheibe Hohlkastenträger, b = 7.0 m, h = 2.0 m (Achsmasse) V
2m T
3750 Aussenseite
4476 7m
2541 726 2541
10163
5202 x
y Innenseite
z 7500
3750
2541 2541
3024 726

2298

10163 kNm 7500 kN 10163 kNm 7500 kN


Auflagerkräfte (vertikal): Ad ,aussen =  = 5202 kN, Ad ,innen =   = 2298 kN
7m 2 7m 2
10163 kNm 10163 kNm
Scheibenkräfte in Stegen infolge Umlauftorsion: Sd ,vertikal =  2 m = 726 kN, Sd ,horizontal =  7 m = 2541 kN
22 m7 m 22 m7 m
7500 kN 7500 kN
Scheibenkräfte in vertikalen Stegen total: Sd ,aussen = +726 kN = 4476 kN Sd ,innen =  726 kN = 3024 kN
2 2
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Torsion – Krafteinleitung
Beispiel Endquerscheibe A (Lager vertikal):
2541 - 0 = 2541 V
Aussenseite Innenseite
2m T
5202 – 4476
y x
= 726
z 3024 - 2298 = 726 7m

2541 - 0 = 2541
• Die Endquerscheibe muss die Differenz zwischen den Scheibenkräften aus dem Träger und den Auflagerreaktionen aufnehmen
 reine Schubbeanspruchung, Schubfluss 726/2 = 2541/7 = 363 kN/m.
• Die in den Flanschen und im inneren Steg verlaufenden geneigten Risse werden in der Endquerscheibe spiralförmig fortgesetzt.
• Der Schubfluss kann beispielsweise über ein unter 45° zur y-Achse geneigtes Druckfeld abgetragen werden. Dies erfordert
gleichmässig verteilte Bewehrung in x- und y-Richtung mit einem Widerstand von je 363 kN/m.
363
as ,erf = = 834 mm 2 /m  beidseitig 10@150 ( as = 2  523 = 1046 mm 2 /m)
0.435
• Die Betondruckspannungen betragen mit einer Scheibenstärke von t = 200 mm
726
c = = 3.63 N/mm 2
200  2  sin 45 cos 45
NB: Normalerweise ist in den Endquerträgern eine Öffnung vorzusehen (Zugang für Unterhalt, Werkleitungen). Die Bemessung erfolgt
mit Spannungsfeldern / Fachwerkmodellen, siehe Vorlesung Stahlbeton III.

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Torsion – gekrümmte Träger
Querbiegung aus Stabkrümmung: Zuggurt Druckgurt

x
M y M M M M M
M M
a ar a a ar a
r

Die Zug- und Druckkräfte in den Flanschen M/a, infolge Biegung produzieren Umlenkkräfte
M/(ar), welche einerseits zum Torsionsschubfluss beitragen und andererseits Querbiegung
y x verursachen.
a
z Die Umlenkkräfte entsprechen einer verteilten Torsionsbelastung mt, welche durch horizontale
Kräftepaare erzeugt wird und in eine Umlauftorsion umgewandelt werden muss.
b Die Eckmomente betragen bei gleicher Steifigkeit der beiden Flanschplatten M/(8r).
M
M M M 8r
ar 2ar 2ar
M M
2br 2br
=  M
M M
2br 2br
M M M
ar 2ar 2ar
Umlenkkräfte Schubfluss «profilverformende Gruppe» Querbiegung
(Umlauftorsion)

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Torsion – gekrümmte Träger
Querbiegung aus Stabkrümmung
Die Querbiegemomente infolge Stabkrümmung können als verteilte Beanspruchungen (kNm/m) grundsätzlich durch den Querschnitt
selber aufgenommen werden (Plattenbiegung und –querkräfte in Querrichtung). Bei starker Krümmung wird die Beanspruchung der
Stege und Flansche resp. die Querschnittsverwölbung zu gross, so dass zur Aufnahme der Querbiegemomente Aussteifungsrippen
oder Querscheiben angeordnet werden müssen («Feldquerträger»). Alternativ können beispielsweise K-Fachwerke vorgesehen
werden (analog wie im Stahlbau).

Aussteifungsrippen (Rahmen) Querscheibe K-Fachwerk

Durch vertikale Lasten resp. Reaktionen erzeugte Torsionsbelastungen werden – auch bei geraden Trägern – analog behandelt.
Verteilte Torsionsbelastungen (z.B. infolge verteilter Verkehrslasten) können meist ohne aussteifende Elemente aufgenommen resp.
eingeleitet werden.
Bei konzentrierten Lasteinleitungen, insbesondere Auflagern, sind aussteifende Elemente («Stützenquerträger», «Endquerträger») oft
unvermeidbar (siehe Folie 19). Werden konzentrierte Torsionsbelastungen (z.B. infolge Achslasten) ohne aussteifende Elemente
eingeleitet, ist die Breite, über welche die resultierenden Querbiegemomente verteilt werden, mit Bedacht festzulegen.

NB: Querscheiben behindern das Vorschieben der Innenschalung  bei Einsatz von Vorschubgerüsten Feldquerträger nach
Möglichkeit vermeiden, Stützenquerträger als Rahmen oder Fachwerk ausbilden.

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Torsion – schief gelagerte Träger
Typisierung

Träger Träger

Hindernis
Benutzer (Fluss, Benutzer Hindernis
Bahn, …) (Fluss,
Bahn, …)

Nach links schief Nach rechts schief

Aus der Sicht des Benutzers können «nach links» und «nach rechts schiefe» Träger unterschieden werden.

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Torsion – schief gelagerte Träger
Behandlung mit Kraftmethode
Der nach links schiefe Träger AB mit EI = const. und GK = const. ist über starre, um ihre Achse drehbar gelagerte
Endquerträger gelagert und durch q = const. belastet.
DM QT My DM QT
My
α β
A α B β X1
a
a T T M QT ,B
M QT ,A
M y = T cot  M y = T cot 
q M0 +

ql 2
8
l M1 +

cot  cot 
ql 3
10 =  cot   cot  
24 EI T1 +

11 =
l
3EI
 cot 2   cot  cot   cot 2   
l
GK
1
Schiefe nach links führt zu negativen Torsionsmomenten.
 Schiefe nach rechts ergäbe positive Torsionsmomente.
 X 1 = T = 10 ; M y , A = T cot , DM y ,QTA = T sin 
11 Lasteinleitung nicht trivial (Endquerträger)
M y ,B = T cot , DM y ,QTB = T sin   Vorlesung Brückenbau

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Torsion – schief gelagerte Träger
Beispiel:

A2 B2 - Beispiel mit α = β = 45°


a α β - l = 8a
a
A1 B1 - EI / GK = 5/3

ql 3 l l
q 10 = 11 = 
12 EI EI GK
 ql 2
l
10 12 EI ql 2 1
X 1 = T = M y , A = M y ,B = = = 
11  1 1  12 1  EI
 ql 2 3 ql 2   
M =   EI GK  GK
+
32 8 12
Volle Einspannung
3ql 2 Reduktion da GK<∞
32
ql 2 ql X ql ql 2
32 A1,2 =  1 =
 EI 
-
T 4 2a 4
24a   1  
 GK 
ql 3ql
 A1 = A2 =
8 8

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Torsion – schief gelagerte Träger
Erkenntnis:

3ql ql
8 8
M
+
Haupttragrichtung

ql 3ql
8 8

• Schiefe Lagerung von Trägern wirkt ähnlich wie eine Einspannung der Trägerenden.
• Die lastnahen Lager A2 und B1 erfahren grössere Auflagerkräfte als die lastfernen Lager A1 und B2. Man erkennt, dass
derartige Platten über die stumpfen Ecken tragen. Bei grosser Schiefe können die spitzen Ecken abheben d.h. sie müssen
nach unten gehalten werden.

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Torsion – Zusammenfassung

1. Grundsätzlich sind Fälle von


- Gleichgewichtstorsion (T für Gleichgewicht notwendig, unabhängig von GK) und
- Verträglichkeitstorsion (T abhängig von GK, Gleichgewicht ohne T möglich)
zu unterscheiden.
2. Im allgemeinen liegt gemischte Torsion (Umlauftorsion und Wölbtorsion) vor.
3. Torsion tritt in der Regel kombiniert mit anderen Beanspruchungen auf. Die Schubflüsse aus Torsion sind jenen aus
Querkraft zu überlagern.
4. Für den Grenzzustand der Tragsicherheit können räumliche Fachwerkmodelle und entsprechende Spannungsfelder
entwickelt werden.
5. Zur Sicherstellung des Schubflusses an Querschnittskanten ist eine entsprechende konstruktive Durchbildung, z.B. mit
übergreifenden Bügeln erforderlich.
6. Bei fliessender Längs- und Bügelbewehrung ist der Torsionswiderstand wie der Querkraftwiderstand proportional zum
geometrischen Mittel der Längs- und Bügelbewehrungsgehalte.
7. Die Torsionssteifigkeit nimmt vom ungerissenen zum gerissenen Zustand meist viel ausgeprägter ab als die
Biegesteifigkeit. Dies kann man in der statischen Berechnung z.B. dadurch berücksichtigen, dass man mit EII und GKI/3
rechnet (Verformungen aber mit EIII und GKII ermitteln, Kriechen berücksichtigen).

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Torsion – Zusammenfassung

8. Zur Einleitung konzentrierter Torsionsmomente in Träger, insbesondere bei End- und Zwischenauflagern, sind im
allgemeinen Querscheiben erforderlich (zum Beispiel Umwandlung vertikales Kräftepaar in Umlauftorsion) .
9. Stabkrümmungen und verteilte Torsionsbelastungen (infolge horizontaler oder vertikaler Lasten) verursachen
Querbiegung der Stabquerschnitte. Gegebenenfalls sind zur Aufnahme der Querbiegemomente Aussteifungsrippen oder
Querscheiben bzw. Ausfachungen anzuordnen. Dabei ist zu beachten, dass solche Elemente den Bauablauf (Vorschieben
der Innenschalung) behindern.
10. Schiefe Lagerung von Trägern wirkt ähnlich wie eine Einspannung der Trägerenden. Die Grösse der Einspannwirkung ist
vom Verhältnis GK/EI abhängig.
11. Schief gelagerte Platten tragen über die stumpfen Ecken. Gegebenenfalls müssen die spitzen Ecken nach unten
verankert werden (negative Auflagerreaktionen).

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