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Deutschabteilung 09-10

TOURISMUS 1 / Nguyen Hong Trang

Massentourismus

Die Entwicklung des Massentourismus begann nach dem 2. Weltkrieg, durch die Erfindung des
Pauschalurlaubs des Engländers Thomas Cook. Jetzt konnten erstmals nicht nur die reichen Bürger,
sondern auch die „einfachen“ Leute der führenden Industrieländer verreisen. Zusätzlich kamen die
Entwicklung der modernen Verkehrsmittel und die gut organisierte Infrastruktur hinzu. Durch die
permanente Verbilligung werden die Massen angezogen. Dies ist besonders bei Flugreisen zu erkennen.
Heutzutage zählt die Tourismusbranche zu den konstantesten Wirtschaftsbereichen und hat somit eine
enorm wichtige weltwirtschaftliche Bedeutung. Diese Bedeutung ist auf zahlreich andere Wirtschafts-,
Gewerbe- und Industriezweige zurück zu führen, die mit dem Tourismus eng in Verbindung stehen.
Deswegen ist der Tourismus in den Entwicklungsländern zu der Haupteinnahmequelle geworden, was
man am Beispiel Indiens und Thailands deutlich sehen kann, denn dort wurde der Tourismus zur größten
Devisenquelle des Landes. Der Tourismus macht 11% des Welt-BIP aus, bei den kleinen Inselstaaten ist
es schon bis zu 50%. Durch den Tourismus erhoffen sich die Länder der „dritten Welt“ einen
Aufschwung ihrer Wirtschaft.   Obwohl der Tourismus im Nahen Osten und Südostasien stark
zugenommen hat, ist Europa immer noch die meist besuchte Region der Welt.

Was versteht man unter Hartem Reisen?

Unter Hartem Reisen versteht man Massentourismus, denn eine große Gruppe von Touristen ist meist
ungeduldiger und rücksichtsloser als ein individuell Reisender. Das Ziel der Pauschalreisenden ist es,
möglichst billig und leicht in ein fernes Land zu reisen und dort so schnell wie möglich alle
Sehenswürdigkeiten zu betrachten. Dies gestalten sie sich sehr bequem und passiv, um die nötige
Erholung vom Alltag zu erlangen. Pauschalreisende bereiten sich nicht geistig vor, da sie ihren Urlaub
meist kurzfristig buchen. Dieses Verhalten wird durch die vielen „Last Minute“ Angebote gefördert. Der
Reiseveranstalter orientiert sich an den Durchschnittsgeschmäckern und Standards der Reisenden. So wird
dem Reisenden auch die letzte Möglichkeit genommen, etwas über das bereiste Land zu lernen, da ihnen
eine Scheinwelt vorgespielt wird. Freizeit, Verpflegung und kulturelle Unterhaltung werden den
Ansprüchen der Touristen angepasst und somit verfälscht. Da der Urlaub vom Veranstalter oft total
durchgeplant ist, ist eine individuelle Freizeitgestaltung kaum möglich. Aufgrund des hohen
Menschenaufkommens bewirkt der Massentourismus für Außenstehende eine unangenehme
Geräuschkulisse.

Was sind das eigentlich für Leute, die harten Tourismus betreiben?

Häufig sind es Arbeitnehmer, die ihren Urlaub als eine Flucht aus dem Alltag sehen. Ihre Arbeit steht oft
in Verbindung mit Hektik, Konkurrenz, Leistungsdruck und dem Lärm im Betrieb. Sie versuchen, diesen
Kriterien im Urlaub zu entgehen, und suchen dort die nötige Erholung, Ruhe, Sonne und Lebensfreude.
Viele wollen den Effekt noch verstärken, indem sie möglichst viel Alkohol trinken, um die Sorgen des
Alltags zu vergessen.

etwas führt auf etwas zurück: etwas hat den Grund oder die Ursache in etwas.
Devisen, Pl: Geld, ausländische Währung.
Aufschwung, der: Verbesserung der wirtschaftlichen Lage
Scheinwelt, die: keine echte Welt
1Aufkommen, das: Gesamtanzahl
Geräuschkulisse,
Nationaluniversität die, /-n:
zu HCMC Geräusch
Fakultät im Hintergrund
für Geistes- und Sozialwissenschaften
verträglich: so, dass man etwas vertragen kann
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TOURISMUS 1 / Nguyen Hong Trang

Touristische Boom-Faktoren im Schweizer Tourismuskonzept

Anpassungsfähigkeit der Touristen an das bereiste Land

Touristentypus Zahlenmäßiges Auftreten Anpassungsgrad


Forschungsreisende äußerst begrenzt vollständige Akzeptierung
Elite-Touristen sehr selten zu sehen volle Anpassung
„Oft-Beat“-Touristen ungewöhnlich, aber durchaus zu sehen passt sich weitgehend an
ungewöhnliche Touristen gelegentlich zu sehen passt sich teilweise an
Beginnender Massentourismus stetig steigende Zahl sucht westlichen Komfort
Massentourismus kontinuierlicher Zustrom erwartet westlichen Komfort
Chartertourismus Massenankünfte verlangt westlichen Komfort
(nach Krippendorf, 1984: 59; Freyer 1991:374; Maurer, 1992:92; Spreitzhofer 1995:109)

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Vorteile vom Harten Tourismus

1. Im Gegensatz zu Sanftem Tourismus ist der Harte Tourismus für Normalbürger leicht zu
organisieren und zu finanzieren. So kann man es sich leisten, öfters in den Urlaub zu fahren.
2. Jugendliche sind meist auf die billigen Angebote der Pauschalveranstalter angewiesen, wenn sie
ohne Eltern verreisen wollen, da es ihnen an Orientierung und nötigem Kleingeld fehlt.
3. Die gesuchte Erholung vom Alltag wird meist nur im Urlaub gefunden.
4. „Dritte Weltländern“ wird es ermöglicht, langsam eine eigene Wirtschaft aufzubauen.
5. Nicht nur in den bereisten Ländern, sondern auch in den Reisebüros der Industrieländer und der
Verkehrsindustrie werden Arbeitsplätze geschaffen.

Nachteile des Harten Tourismus

1. Viele Entwicklungsländer erhoffen sich durch die Tourismusindustrie einen wirtschaftlichen


Aufschwung, doch die Tourismusindustrie wird fremdbestimmt. Die Vorleistungen für
internationalen Tourismus (Infrastruktur) sind für die Entwicklungsländer kaum finanzierbar. Es
werden ausländische Investoren gesucht.
2. Bei den Hotels ausländischer Investoren werden meist auch ausländische Importgüter verwendet,
um den Standards der Reisenden gerecht zu werden. So fließt das Geld nicht ins bereiste Land.
3. Es entsteht ein Konkurrenzkampf um Boden, Arbeit und Kapital. Diese sind durch die hohen
Preise für die Einheimischen kaum noch finanzierbar, was sich stark auf die Landwirtschaft
auswirkt und somit die Wirtschaft behindert. Die Lebenshaltungskosten steigen.
4. Die Abhängigkeit ist gefährlich. Bei vielen kleinen Inselstaaten ist das BIPs bis zur Hälfte vom
Tourismus bestimmt. Die Urlauber interessiert jedoch nur, dass der Preis und die Atmosphäre
stimmen. Bei politischen Unruhen ist die gesamte Wirtschaft des Landes bedroht.
5. Durch permanente Konfrontation mit den reichen Touristen der Industrieländer entsteht auf Dauer
ein Werteverlust. Die Jugend hält die Touristen für das „schnelle Geld“ und ist nicht mehr daran
interessiert, handwerkliche Berufe zu erlernen oder in der Landwirtschaft zu arbeiten. Die Kinder
gehen lieber bei den Touristen betteln, anstatt die Schule zu besuchen.
6. Es entsteht ein „Ausverkauf der Kultur“. Traditionelle und religiöse Zeremonien werden
kommerzialisiert und verlieren ihre ursprüngliche Bedeutung.     
7. Viele Touristen nutzen ihr Urlaubsparadies um „endlich mal die Sau raus zu lassen“. Sie besaufen
sich, machen Lärm, Müll und belästigen die Einwohner.
8. Tourismus ist eine regelrechte Bedrohung für die Natur z.B. durch Flugverkehr (
Treibhauseffekt), Müll, Ausbeutung seltener Tierarten durch Jagdtourismus, extrem hohen
Wasserverbrauch...

Quelle: www.gymnasiumhorn.de/projekte/Agenda21/AndersreiseBesserreisen.htm

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Aufgaben
1. Erklären Sie die Begriffe „Massentourismus“ bzw. „Harten Tourismus“

2. Erläutern Sie die touristischen Boom-Faktoren.

3. Erläutern Sie die Tabelle zur Anpassungsfähigkeit der Touristen.

4. Erklären Sie die Vorteile des Tourismus für Länder der Dritten Welt.

5. Erläutern Sie die Auswirkungen des Tourismus auf Länder der Dritten Welt.

Reflexion
1. Ist der Tourismus in Vietnam „hart“ bzw. „Massentourismus“?

2. Was sind die Ursachen bzw. Gründe dafür?

3. Wer kann alle daran beteiligt sein, den Tourismus in Vietnam ökologisch-,
ökonomisch- und sozialverträglicher zu machen?

4. Was glauben Sie, was man dafür tun kann?

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