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Technische Universität München

HFM

Hausarbeit zum Kurs:


Brandverhalten von Holz und Holzwerkstoffen
Sommersemester 2018

Martin Hanöffner

Abgabe: 29.08.2018
Einführung

In diesem Kapitel soll eine Hinführung zum Thema Brand und „Feuer“ im allgemeinen erfolgen,
darüber hinaus eine diesbezügliche Betrachtung des deutschen Baurechtes.
Brand gilt als wesentlicher Aspekt des Holz- Abbaues, auch in der Natur ist (Wald- ) Brand von
(ökologischer) Bedeutung.
Als Anschauungsobjekt für die technische Bedeutung des Themas Brand soll ein Holzpanel mit
angekohlter Oberfläche dienen. Hierbei dient die künstlich verkohlte Oberfläche als Alternative für
einen (Schutz- ) Anstrich, sie soll sowohl optisch ansprechend sein, als auch das Panel selbst vor
Pilzbefall und auch Feuer schützen. Das Verfahren Holzschutz durch anbrennen ist dabei nicht neu:
Viehhalter verkohlen traditionell Zaunpfähle, bevor sie diese in die Erde treiben. Neben der
Auswahl geeigneter Holzarten: z.B. Eiche und Roubinie eine unverzichtbare Maßnahme.
Bei der Einwirkung von Hitze auf Holz geschieht folgendes: durch die Temperatureinwirkung sinkt
der Wassergehalt im Holz, wodurch dieses schwindet. Die Folge davon sind Spannungen und Risse
in den äußeren vier Millimeter des Materials, es ermüdet und eine Verwitterungskette setzt ein. In
einem weiteren Schritt verändern sich zuerst die Zellulosen und Hemizellulosen, letztendlich
verändert auch das Lignin seine Beschaffenbheit, und wird teilweise abgebaut. Dadurch wird das
Holz letztendlich weiß bis grau.
Aber nicht nur Hitze lässt Holz degenerieren, insgesamt sind vier wesentliche Prinzipien zu nennen:

1. Physikalische Degeneration: durch Strahlung und sonstige Energie


2. Mechanische Degeneration: durch die Einwirkung von Kräften
3. Biologische Degeneration: durch Bakterien, Pilze und Insekten
4. Chemische Degeneration: durch Säuren und Laugen

Die vier Arten der Degeneration bewirken zusammen eine Veränderung des molekularen Aufbaus,
einen Abbau von Substanz und letztendlich Defekte und Schäden.
Welche Anforderungen müssen Baustoffe erfüllen, bzw. was schreibt der Gesetzgeber vor:
– Häuser müssen tragfähig und sicher sein
– Häuser sollen vor Feuchtigkeit schützen
– die Baugesundheit mu
– ss gewahrt sein, ausbleiben von Emissionen
– Isolation, sowohl thermisch als auch akustisch
– im Brandfalle muss die Tragfähigkeit von Gebäuden wenigstens eine Stunde aufrecht
gehalten werden, dies entspricht einer angenommenen Fluchtzeit

Brandschutz als Herausforderung


Brand stellt eine stets zu erwartende, inhärente Gefahr, primäre Ursachen sind: Blitzschlag,
elektrische-, und maschinelle Einrichtungen. Der Gesetzgeber richtet sein Augenmerk vor allem auf
potentiell brennbare Baustoffe wie Holz. Bei der Verwendung von Holz als konstruktiver Baustoff
sind besondere Nachweise des Brandverhaltens notwendig. Vor allem die wachsende Vielfalt an
Baustoffen und Kombinationen aus diesen bedeuten eine wachsende Herausforderung, sowohl an
die wissenschaft, als auch an den Gesetzgeber. Zahlreiche Normen und Regelungen haben das Ziel
den Brandschutz zu sichern.
Die drei Kriterien der Feuerwiderstandsklassifikation: Bei den Dauerhaftigkeitsstufen wird die
Leistungszeit jeweils in Minuten angegeben, beispielsweise soll bei „R120“ die Tragfähigkeit 120
Minuten lange gewährleistet sein:
1. Tragfähigkeit (R)
2. Raumabschluss (E)
3. Wärmedämmung (I)
Der Feuerwiderstand von Baustoffen wird in unterschiedliche Klassen eingeteilt, die Zugehörigkeit
zu den jeweiligen Klassen wird durch die unten beschriebenen Brandprüfungen ermittelt. Als
weiteres Kriterium dient das sog. Kapselkriterium von GK1 (feuerhemmend) bis GK5
(feuerbeständig), es besagt in welchem Maße ein Werkstoff in der Lage ist einen anderen
(brennbaren) Werkstoff wie z.B. Holz abzukapseln.

Temperatureinwirkung und Entflammung von Holzwerkstoffen


Grundsätzlich müssen für ein Brandgeschehen die drei Komponenten Brennstoff, Oxydationsmittel
(für gewöhnlich Sauerstoff) und die Zündtemperatur (Aktivierungsenergie) gegeben sein, das
Fehlen von nur einer Komponente macht einen Brand unmöglich. Theoretisch bieten sich folgende
konstruktive Möglichkeit an, Holzkonstruktionen wenigstens eine gewisse Zeit vor Zerstörung
durch Brand zu schützen: Bei genauer Kenntnis der Abbrandgeschwindigkeit die tragenden Teile
entsprechend massig zu dimensionieren. Wobei Holz den bedeutenden Vorteil einer konstanten
Abbrandgeschwindigkeit hat, darüber hinaus bildet Holz bei Hitzeeinwirkung zunächst eine
Schutzschicht aus Kohlenstoff, welche wenigstens eine gewisse Zeit lang brandhemmend wirkt.
Die Temperatureinwirkung auf das Holz kann sowohl natürlich ungewollt z.B. durch Sonnenlicht
erfolgen, aber andererseits auch verfahrenstechnisch kontrolliert, beispielsweise durch
Holztrocknung oder Wärmebehandlung.
Durch die thermische Einwirkung steigt zunächst die Temperatur des Holzes, mit der Temperatur
ändern sich anfangs die Farbe, danach Festigkeit, Volumen und Gewicht, Gase treten aus, zu
Anfang erfolgt der Abbau des Lignins. Bei fortschreitender Hitzeeinwirkung kommt es dabei zur
stets exothermen Verbrennung von Holz, wobei folgende Phasen von Bedeutung sind:
100°C: Trocknung des Holzes, dabei wird das ungebundene Wasser frei
150°C: es erfolgen erste Veränderungen an den Hemizellulosen des Holzes
225°C: Beginn der Zersetzungsphase und Anstieg der Reaktionsgeschwindigkeit, das austretende
Gasgisch wäre jetzt mit einer Flamme entzündbar.
250°C: Flammenausbreitung an der Oberfläche, exotherme Zersetzungsreaktion
600°C: ab dieser Temperatur kommt es zur vollständigen Verbrennung, Mineralstoffe als Rückstand
800°C: Der Brand breitet sich von der Oberfläche in die Tiefe aus.
Dabei ist zu beachten: Das zu Beginn abgebaute Lignin dem Holz seine Festigkeit verleiht,
wodurch es zum Zusammenbruch der Struktur kommt. Vom Verbrennen im eigentlichen Sinne ist
das Glimmen zu unterscheiden, bei dem es zu keiner sichtbaren Flamme kommt. Weiterhin gilt es
eine vollständige von einer unvollständigen Verbrennung abzugrenzen. Erstere ist die rückreaktion
zur Photosynthese, bei der Unvollständigen Verbrennung dagegen kommt es durch
Sauerstoffmangel zur Bildung von Schadstoffen wie CO

Holzeigenschaften und Brennbarkeit:


Zunächst sei die Anisotrope des Holzes erwähnt, die Wärmeleitfähigkeit ist in Faserrichtung größer
als quer zu dieser. Dies spielt vor allem bei den Prüfungen von Holzwerkstoffen mit natürlicher
Faserstruktur eine nicht unwesentliche Rolle. Durch den höheren Lignin-, und damit C- Anteil wäre
bei Nadelhölzern ein höherer Brennwert pro Volumeneinheit zu erwarten, der höhere Porenanteil
des Nadelholzes gleicht dies aber wieder aus.

Holzchemie:
Kohlenstoff ist mit durchschnittlich 50% (Masse) das wesentlichste Element des Holzes, darauf
folgt Sauerstoff mit 43% und Wasserstoff mit lediglich 6%, den Rest bilden Stickstoff und die
Mineralstoffe, was die atomare Ebene betrifft. Auf molekularer Ebene setzt sich Holz aus folgenden
Komponenten zusammen:
– Cellulose: besteht sowohl aus Kristalinen Bereichen ( die Atome sind in einem Raumgitter
nach einer festen Ordnung platziert) die amorphen Bereiche dagegen sind wie die Hemizellulosen
ungeordnet.
– Polyosen sind wie die Cellulose auch Zucker, neben den Extraktstoffen handelt es sich dabei
um die am frühesten abgebauten Verbindungen des Holzes.
– Lignin bildet den „Klebstoff“ des Holzes, welcher - vereinfacht ausgedrückt - die
armirrende Cellulose elastisch zusammen hält, wobei das Lignin des Nadelholzes Resistenter als
das des Laubholzes ist.
– Extraktstoffe sind noch wesentlich Holzarten spezifischer als das Lignin. Wie der Name
schon besagt, lassen sich diese Verbindungen mit Lösungsmitteln aus dem Holz extrahieren, also
herauslösen.

Wirkungsweisen von Flamm- und Feuerschutzmitteln:


Um einen Brand zu verhindern, bzw. einen bestehenden zu unterbinden gilt es die Holzoberfläche
vor Hitzeeinwirkung und Sauerstoffzutritt zu schützen, dies kann nach folgenden Prinzipien
erfolgen:
– Schutzgase bilden, welche im Brandfalle den Sauerstoffzutritt unterbinden
– Oberflächenverkohlung bilden, welche als Schutzschicht wirkt, z.B. durch Säuren
– Sperrschicht bildende Stoffe
– Dämmschicht bildende Stoffe (Kohleschicht aus Brandschutzmittel gebildet)
– radikal abfangende Verbindungen (z.B. Halogene)

Brandschutzklassen und Materialprüfungen:


Das Brandverhalten von Baustoffen ist nach Deutscher Industrie Norm (DIN13501-1) bzw.
Europäischer Norm (EN 4102) in verschiedene Brandwiderstandsklassen unterteilt. Die Einteilung
von Baustoffe nach dem Brandverhalten ist in Deutschland bisher traditionell nach DIN 4102-1 in
die zwei Baustoffklassen A und B erfolgt , wobei unter A die sog. nicht brennbaren Baustoffen
fallen. Unter die Klasse A1 fallen alle nicht brennbaren Baustoffe ohne jegliche brennbare
Bestandteile, die Klasse A2 dagegen beinhaltet Baustoffe, welche auch, im geringen Umfang
brennbare Bestandteile enthalten. Klasse B regelt alle brennbaren Baustoffe, die Klasse B1
beinhaltet schwer entflammbare Baustoffe, z.B. Holzwoll- Leichtbauplatten, oder
Gipskartonplatten. Normalentflammbare Baustoffe fallen in die Klasse B2, üblicherweise Baustoffe
aus Holz, aber auch Kunststoffe. Für diese Klasse ist ggf. durch Materialprüfung nachzuweisen,
dass kein brennendes Abfallen gegeben ist. Alle leicht entflammbaren Baustoffe fallen in die Klasse
B3 Das europäische Klassifizierungssystem: Im Gegensatz zum deutschen Klassifikationssystem
nach DIN 4102- 1 enthält das europäische wesentlich mehr Klassen und Kombinationen. Neben
dem eigentlichen Brandverhalten gehen erstmals auch Brandnebenerscheinungen wie Brennendes
Abfallen, bzw. Abtropfen und die Rauchentwicklung in die Einteilung der Klassen ein. (Enbausa)
Baustoff-Klassifizierung nach DIN EN 13501-1: Die Beurteilung des Brandverhaltens von
Baustoffen erfolgt neuerdings nach dem europäischen System in die Klassen A- F, neben dem
reinen Brandverhalten wird die Rauchentwicklung (s1- s3) und das brennende Abfallen bzw.
Abtropfen (d0 – d2) bei der Klassifizierung berücksichtigt. Damit ist ein direkter Vergleich mit den
bisherigen Klassen nach DIN 4102 mit Ausnahme der nicht brennbaren Baustoffe nach den Klassen
A1 und A2, welche erhalten bleiben nicht mehr möglich.
Die Feuerwiderstandsklassen nach DIN EN 13501-2: Diese werden nach europäischer Norm
durch eine Kombination aus mindestens einem Buchstaben und einer Zahl zum Ausdruck gebracht.
Während das Deutsche System lediglich eine Einteilung in 30 Minuten- Schritten kennt, ist das
Europäische mit den Feuerwiderstandsdauern 15, 20, 30, 45, 60, 90, 120 usw. wesentlich feiner
unterteilt.
Die Baustoffe müssen darüber hinaus nach EN bestimmte Eigenschaften gewährleisten, diese
werden durch die Voranstellung der Buchstaben R, E, I, W, bzw. M ausgedrückt. So beschreibt
beispielsweise EI 45 eine nicht tragende Innenwand, welche den Raumabschluss und die
Wärmedämmung unter der Einwirkung eines Brandes für wenigstens 45 Minuten sicherstellen
muss. (Hagebau- Brandschutzalianz)
Für die Klassifizierung der Konkreten Baustoffe nach DIN und EN sind ebenfalls genormte
Prüfverfahren notwendig, welche im folgenden Abschnitt beschrieben diskutiert werden:
Materialprüfungen
Probenvorbereitung: Vor allen durchgeführten Materialprüfungen mussten die jeweiligen Proben
normgerecht vorbereitet werden. Die Vorbereitung beginnt bereits mit der richtigen Lagerung. Diese
muss bei 23°C und einer relativen Luftfeuchte von 50% erfolgen. Die für die Prüfungen notwendige
Massekonstanz ist erreicht, wenn die Gewichtsdifferenz der Proben im Abstand von 24 Stunden
kleiner als 0,1% des Probegewichtes beträgt.

750°-Ofen nach DIN EN ISO 1182


Die Prüfung im sog. 750° Ofen stellt fest, welche Bauprodukte nur einen unbedeutenden Beitrag zu
einem Brandgeschehen leisten, es wird bestimmt, welchen Beitrag im Grunde nicht brennbare
Baustoffe zu einem vorhandenen Brandgeschehen „leisten“. Getestet werden im sog. 750°- Ofen
Dämmstoffe und Bauplatten , die Prüfkörper bleiben so lange im Ofen bis der Ausgleichszustand
erreicht ist. Wie auf Bild 1 zu erkennen, handelt es sich bei diesem Ofen um einen Prüfgerät,
welches im Grunde nur aus einem feuerfesten Rohr besteht, das von einer Heizwicklung
eingeschlossen und in einen isolierenden Mantel eingehüllt ist. Im Ofen befindet sich ein
kalibriertes Thermoelement. Unterhalb des Ofens befindet sich ein Luftstromstabilisator, oberhalb
eine Zugluftabschirmung. Für eine Klassifizierung nach DIN EN ISO 1182 sind Probekörper mit
einem Durchmesser und einer Tiefe von 50, bzw. 45 mm notwendig. Nach dem stabilisieren der
Ofentemperatur werden die unter Normbedingung klimatisierten Prüfkörper mittels eines
Probenhalters in das Gerät eingeführt. Jetzt werden Materialeigenschaften, wie die Dauer der
Entflammung bzw. Veränderungen der Temperatur gemessen. Im Regelfall ist nach 30 Minuten die
Prüfung beendet, kann aber auch,je nach Werkstoff bis maximal 60 Minuten dauern.

Die Prüfung mit dem 750°- Ofen gilt als bestanden, wenn folgende drei Grenzwerte eingehalten
wurden: Massenverlust, der Grenzwert bezüglich der Temperaturerhöhung, darüber hinaus muss
sich auch die Flammenbildung innerhalb des definierten Grenzwertes befinden.

Verwendung für Baustoffklassifizierung nach DIN EN 13501-1: Die Prüfung der Nicht-
brennbarkeit ist für die Baustoffklassen A1, A2, A1fl, A2fl, A1L relevant. (MFPA Leipzig a)

Bild1: 750° Ofen (Anlagen-Produktsicherheit)

Der durchgeführte Test: Demonstriert wurde der 750′- Ofen mit einer Holzwolleleichtbauplatte
mit einer Magnesit Ummantelung beim Test wurde die maximale Temperaturerhöhung von 50°C
deutlich überschreiten und hat mit mehr als 20 Sekunden auch länger als zulässig gebrannt. Der
Massenverlust war beim Test kleiner 50%, nach der Mindestmesszeit von 30 Minuten war der
Ausgleichszustand erreicht, das Testergebnis war wegen der Überschreitung der maximalen
Temperaturerhöhung und der zulangen Brandzeit negativ.

Diskussion des Verfahrens: Insgesamt handelt es sich hier ein bewährtes Verfahren, welches
teilweise mit dem Muffelofen nach DIN EN 13820 konkurriert, dabei wird aber lediglich der
Massenverlust bestimmt.
Kleinbrenner nach EN 11925-2
Die europäische Kleinbrenner-Prüfung stellt die Beanspruchung durch eine kleine Flamme in
definierter Größenordnung dar. Geprüft werden Baustoffe wie: Folien, Gewebe, Dämmstoffe,
Bauplatten und Kunststoffplatten. Unter einer Beanspruchung in der Größenordnung eines
Zündholzes, bzw. Feuerzeugs müssen sich sowohl Entzündbarkeit, als auch Flammenausbreitung in
(zeitlichen) Grenzen halten. Das auf Bild 2 zu erkennende Prüfgerät wird im Wesentlichen durch
einen Kasten gebildet, der aus einer Blechkammer mit Fenstern besteht, darin sind: ein Brenner
und die Probenhalterung befestigt. Es werden Proben mit einer Abmessung von 250 x 90 mm und
einer einer maximalen Dicke von 60 mm geprüft. Im Gerät wird die Materialprobe an der
Haltevorrichtung befestigt und nach den Vorgaben der Norm ausgerichtet. Anschließend wird der
Brenner der Probe angenähert. Dauer und Ausmaß des Anbrandes und evtl. vorhandenes
brennendes Abtropfen werden beobachtet, und falls notwendig aufgezeichnet. Je nach angestrebter
Brandklasse dauert eine Prüfung 20 bzw. 60 Sekunden. Die Prüfung wird als bestanden gewertet,
wenn auf keiner der beflammten Proben die zulässige Flammhöhe überschritten wurde.

Bild 2: Kleinbrenner (Interempresas.net)

Verwendung Baustoffklassifizierung nach DIN EN 13501-1: Die Prüfergebnisse sind für die
Baustoffklassen B, C, D, E, Bfl, Cfl, Dfl , Efl, BL, CL, DL und EL relevant (MFPA Leipzig a)

Der durchgeführte Test: Getestet wurden folgende Baustoffe: Furnier, welches fast vollständig
verbrannt ist, und den Test somit nicht bestanden hat. Außerdem Polystyrol und Plastikfolie, diese
beiden Werkstoffe haben kaum gebrannt, haben aber brennend abgetropft.

Diskussion des Verfahrens: Es handelt sich um ein sehr etabliertes,einfaches Verfahren welches
eine schnelle preiswerte Prüfung möglich macht. Es ergänzt den SBI- Test, und die Brandschacht-
Prüfung bei der Baustoffklassifizierung nach DIN EN 13501-1, bzw. DIN 4102-1.

Prakt. Demonstration: Wandprüfstandversuch nach DIN 4102-2 und EN 1363-1


In einem Wandprüfstand wie ihn Bild 3 zeigt, werden Türe und Wände mit einem relativ hohen
Aufwand geprüft. Bestimmt wird dabei der Feuerwiderstand der getesteten Bauelemente. Wie auf
dem Bild 3 zu erkennen ist, befinden sich im Prüfstand zweimal vier Brenndüsen, die Zündflamme
wird mit Erdgas betrieben, der eigentliche Brenner mit Heizöl. Auf den zu Prüfenden Bauelementen
– im Regelfall Türen - werden beim Test, M um die Verformungen des Baustoffes eindeutig
erkennen zu können Messpunkte angezeichnet. Auf der Innenseite, also zwischen Brenner und
Messobjekt herrschen beim Test Temperaturen bis 1145°C und 12 bzw. 20 Pascal Druck ( beim Test
nach EN 1363-1). Selbst auf der dem Brand abgewandten Seite des Prüfstandes sind Temperaturen
bis 180°C möglich.

Bild 3: Wandprüfstand (MFPA Leipzig b)

Der durchgeführte Test: Während des Kurses wurde kein Wandprüfstandversuch durchgeführt,
lediglich die Brenner wurden eindrucksvoll in Betrieb gesetzt.
Diskussion des Verfahrens: Hier handelt es sich um ein aufwändiges und nicht ungefährliches
Prüfverfahren, welches dem Prüfinstitut erhebliche Sicherheitsvorkehrungen abverlangt. Vorteil
dabei ist: Baustoffe wie Wände und Türen werden in in Originalgröße getestet.
Prakt. Übung und Demonstration: Kalorimeter nach DIN EN ISO 1716
Die Prüfungen im Bomben- Kalorimeter, auch Bertholtsche Bombe wie es Bild 4 zeigt, dienen dem
Nachweis der Nichtbrennbarkeit von Baustoffen nach DIN EN ISO 1716 In dieser Prüfung wird
eine Materialprobe mit festgelegter Masse unter standardisierten Bedingungen bei konstantem
Volumen in einer reinen Sauerstoffatmosphäre, unter adiabatischen Bedingungen verbrannt. Die
bestimmte Verbrennungsenergie wird auf der Grundlage des gemessenen Temperaturanstiegs und
der latenten Verdampfungswärme von Wasser berechnet. Mit diesem Prüfverfahren wird der
absolute Wert der Verbrennungsenergie eines Produkts bestimmt und anschließend der Brennwert
des Produktes ermittelt. Aus wenigstens drei einzelnen Versuchen nach DIN EN ISO 1716 wird ein
Mittelwert des Brennwertes bestimmt.

Holz hat einen Brennwert von durchschnittlich etwa 18 MJ/Kg. Vom Brennwert ist der Heizwert
zu unterscheiden, um diesen zu erhalten, muss vom Brennwert noch jene Wärmemenge abgezogen
werden, die notwendig ist, um das im Material enthaltene Wasser zu verdampfen.

Bild 4: Schema Bomben- Kalorimeter (Wissen.de)

Vorgehen: Von einer mindestens 250 x 250mm großen Baustoffplatte werden 50 Gramm möglichst
homogene Probe entnommen. Dabei wird die diese zunächst mit einer Ringsiebmühle zerkleinert.
Weil die Mühle einer Zentrifuge gleicht, kommt es dabei zu Entmischungen zwischen Holz und
Bindemitteln, die einzelnen Bestandteile müssen wieder sorgfältig vermischt werden.
Bei mehrschichtigen Baustoffen gilt es den Brennwert jeder einzelnen Schicht separat zu
bestimmen, um danach einen mittleren Brennwert nach den einzelnen Gewichtsanteilen zu bilden.
Von der fein zermahlenen und homogenisierten Probe werden 0,492g mit einer ebenfalls 0,492g
schweren Brennhilfsstofftablette in den Verbrennungsraum des Kalorienmeters gegeben. Der
Brennwert dieser Tablette ist bekannt, wird die Probe in einer sog. „Zigarette“ aus handelsüblichen
Papers in die Brennkammer gegeben, muss außerdem der Brennwert des verwendeten Papiers
bekannt sein. Die erwähne Brennhilfsstofftablette besteht aus Benzoesäure, eine aromatische
Carbonsäure, welche aus Benzoeharz, einem Bestandteil des Weihrauchs dargestellt wird. Ebenso
könnte auch handelsüblicher Haushaltszucker verwendet werden. Für diesen müsste aber zunächst
der exakte Brennwert ermittelt und eine definierte Menge abgewogen werden. Brennhilfstoffe im
allgemeinen haben die Aufgabe, eine ordentliche Verbrennung sicher zu stellen. In die Bombe
kommt noch ein Gramm Wasser als Ionenfänger, um das Gerät zu schützen. Für die Prüfung im
Bomben- Kalorienmeter sind mindestens drei Durchgänge notwendig, die ermittelten Brennwerte
dürfen sich dabei m nicht mehr als 0,2 Mj/Kg unterscheiden. Für eine Klassifizierung als „nicht
brennbar“ nach DIN EN ISO darf der Heizwert maximal 3,2 MJ/kg betragen. Zusätzlich ist eine
weitere Prüfung, z.B. im ISO Ofen notwendig.
Verwendung für Baustoffklassifizierung nach DIN 4102-1: Der Brennwertes ist für die
Baustoffklassen DIN 4102-A1 und DIN 4102-A2 von Bedeutung. (MFPA Leipzig a)

Der durchgeführte Test: Getestet wurde eine Holzwolle- Leichtbauplatte, also ein Holzwerkstoff
mit mineralischen Bindemittel. Es wurde aus Zeitgründen nur ein Durchgang ausgeführt. Nach der
Prüfung waren noch Kohlenstoffreste in der Brennkammer vorhanden, die Probe ist also nicht
vollständig verbrannt. Im Normalfall hätte die Brennkammer mit dem Rest der Probe nochmals mit
einer Brennhilfsstoff Tablette bestückt werden, und abermals gezündet werden müssen.
Selbstverständlich müsste der Brennwert sämtlicher zugeführter Brennhilfsstoffe subtrahiert
werden. Aus Zeitgründen wurde aber das Ergebnis verworfen, der Durchgang nicht erneut gestartet.
Diskussion des Verfahrens: Hierbei handelt es sich um eine in vielen Fachgebieten bewährte
Methodik. Lediglich die Probennahme und -aufbereitung hat Schwächen. Durch die bei der
zentrifugenartig arbeitenden Ringsiebmühle auftretenden Endmischung von Klebstoff und Holz
besteht die Möglichkeit der Ergebnis- Verfälschung. Auch das Vorgehen bei mehrschichtigen
Baustoffen birgt die Gefahr von Ergebnisverfälschungen in sich.
SBI- Test nach EN 13823
Der SBI- Test oder oder: Single Burning Item ist ein Prüfverfahren zur Bestimmung des
Brandverhaltens von Bauprodukten bei thermischer Beanspruchung durch einen Papierkorb, oder
einen anderen, einzelnen brennenden Gegenstand im in der Ecke eines Raumes. Symuliert wird
diese Situation durch einem L-förmigen Teststand mit angebrachtem Brandherd. Wie beim
Brandschachttest nach DIN 4102-1/-15 auch, ist also das Ziel die Flammenausbeitung beim Brand
eines einzelnen Gegenstandes zu ermitteln. Die Prüfeinrichtung setzt sich aus einem Prüfraum,
einem Prüfgerät, ein Rauchabzugssystem und der allgemeinen Messgeräteausstattung zusammen.
Der SBI-Prüfkörper befindet sich in der Prüfraumecke auf dem Probenträgerwagen. Bei der
Durchführung der Prüfung wird der Baustoff nach einer bestimmten Vorlaufzeit eines Brenners der
direkten Beflammung durch einen identischen Hauptbrenners ausgesetzt. Der Brandverlauf wird
gemessen und aufgezeichnet. Dadurch kann sowohl die Wärmefreisetzung als auch die
Rauchentwicklung berechnet werden. Brandnebenerscheinungen z.B. brennendes Abtropfen und
brennendes Abfallen können beobachtet, bzw. als Video aufgezeichnet werden. Für den Test sind
Probekörper, bestehend aus je einem breiten (1500mm) und einem schmalen Probenflügel (500mm)
bereit zu stellen.
Verwendung Baustoffklassifizierung nach DIN EN 13501-1: Die Prüfergebnisse sind für die
Baustoffklassen A1, A2, B, C, D, A1L, A2L, BL, CL und DL von Bedeutung. Zusätzlich zum SBI
müssen die Baustoffe für die Klassifizierung B1 dem bereits erwähnten Kleinbrennertest
unterzogen werden, vgl. Brandschachttest. (MFPA Leipzig a)

Der durchgeführte Test: Der Test hätte laut Plan an der Außenstelle Dachau stattfinden sollen,
konnte aber leider aus technischen Gründen nicht durchgeführt werden. Ersatzweise wurde eine
Filmaufnahme von einem im Institut durchgeführten SBI- Test vorgeführt.

Diskussion des Verfahrens: Im Vergleich zum konkurrierenden Prüfverfahren, dem


Brandschachttest nach DIN 4102-1/-15, scheint die modernere SBI- Prüfung technisch überlegen,
da bei dieser zusätzliche Parameter wie: Wärmefreisetzungsrate, Rauchentwicklung und die
horizontale Brandweiterleitung bei der Beurteilung des Brandverhaltens Berücksichtigung finden.
Andererseits ist auch das aktuellere SBI- Verfahren umstritten, weil: „bei mehreren Testreihen
einmal erzielte Ergebnisse nicht reproduziert werden konnten. Bei jeder Testwiederholung wurden
andere Ergebnisse erzielt“. (emsa bau.). Ein Umstand welcher die Testergebnisse angreifbar macht.

Praxisübungen Chemie: Gaschromatographie mit Massenspektrometer (GC/MS)

Am Anfang der Gaschromatographie von Baustoffen steht die Pyrorlyse, dieses thermische
Trennsystem bringt die zur Analyse notwendigen gasförmigen Spaltprodukte hervor.Wie bei den
anderen Analysemethoden auch sind bei der Gaschromatographie (kurz GC) auch die Analyse-
Temperaturen von entscheidender Bedeutung. Die Pyrolyse erfolgt in einem Temperaturspektrum
von 40°C bis 800°C, wobei bei 800°C nur noch unspezifische Gase vorhanden sind, es sind alle
Verbindungen gebrochen. Auf der anderen Seite des Temperaturspektrums würde eine zu niedrige
Pyrolyse- Temperatur lediglich langkettige Verbindungen hervorbringen. Beide Extreme würden die
eigentliche Trennmethode, die Gaschromatographie und deren sinnvolle Auswertung erschweren,
bzw. im Extremfalle unmöglich machen. Die optimale Pyrolyse- Temperatur für Holzwerkstoffe
liegt bei 450°C. Die durch die Pyrorlyse hervorgebrachten Moleküle werden zusammen mit einem
Inertgas dem Gaschromatographen zugeführt, dieses Gemisch bildet die Mobile Phase des
Systems. Im GC befindet eine Kapilare, welche auch als Trennsäule bezeichnet wird. An der
Innenwand dieser Kapilare findet sich die stationäre Phase welche mit der durch geleiteten Mobilen
Phase interagiert. Dadurch ergeben sich je eine nach den Siedepunkten der Moleküle
unterschiedliche Wandergeschwindigkeiten, wodurch eine Trennung des Pyrolysegases erfolgt.
Ein Massenspektrometer, wie es in Abbildung 5 schematisch wiedergegeben ist, bildet den
Detektor des Systems, es detektiert die getrennt ankommenden Moleküle durch deren
unterschiedliche Ladung und Masse. Üblicherweise arbeiten Massenspektrometer mit Elektronen-
Ionisierung, aber auch andere Ionen können zum Verwendung finden. Die von der Trennsäule in
zeitlicher Abfolge ankommenden Moleküle werden durch die Ionenquelle zerschlagen, und als
Massenspektrum abgebildet, vgl. Abb 5. Jede organische Substanz besitzt – einem Fingerabdruck
gleich- ein eigenes Massenspektrum. Um Moleküle eindeutig detektieren zu können, ist die scharfe
Trennung der einzelnen Moleküle durch den Chromatographen entscheidend. Bei einem
Stoffgemisch aus mehreren Molekülen wäre eine eindeutige Detektion der Verbindung nicht
machbar. Um nach verschiedenen Verbindungen in den untersuchten Werkstoffen zu suchen, ist eine
schrittweise Analyse notwendig. Mittels“Selectet Ion Monitoring“ kurz SIM kann gezielt nach
bestimmten Verbindungen, wie zugesetzten Klebstoffen gesucht werden. Rückschlüsse auf des
konkrete Brandverhalten der Werkstoffe sind dadurch allerdings nicht möglich. Generell aber bietet
die Gaschromatochraphie in Verbindung mit einem Massenspektrometer eine Vielzahl von Analyse-
Möglichkeiten an Stoffen unterschiedlichster Herkunft.

Bild 5: Schema Massenspektrometer (Wikipedia)


Der durchgeführte Test:
Der Gruppe wurde die Gaschromatographie an Baustoffen aus Holz und Polystyrol unter
unterschiedlichen Versuchsbedingungen vorgeführt, wobei beispielsweise die größere Menge an
den beinhaltenden Verbindungen beim Holz- im Gegensatz zu Polystyrol - deutlich wurde.
Diskussion des Verfahrens: Wie bereits erwähnt, ermöglicht dieses Prüfverfahren keine konkreten
Rückschlüsse zum eigentlichen Bandverhalten von Baustoffen. Aber es ermöglicht die gezielte
Suche nach bestimmten Verbindungen wie sie beispielsweise in Klebstoffen und Lacken enthalten
sind, und damit auch Rückschlüsse ob im Brandfalle eine giftige Rauchentwicklung zu erwarten
wäre. Eine Einschätzung der Entzündbarkeit von Baustoffen sollte durch das beschriebene
Verfahren ebenfalls möglich sein.
Prakt. Übung bzw. Demonstration: Brandschacht nach DIN 4102-15, -16
Diese Prüfung bildet den Brand eines Papierkorbes, bzw. eines ähnlichen Gegenstandes in einer
Raumecke nach. Unter den Prüfbedingungen darf sich der Brand nur im geringen Umfang
außerhalb des Aufstellortes ausbreiten, darüber hinaus muss auch die Wärmeabgabe begrenzt
bleiben. Wie auf Bild 6 zu erkennen, wird der Brandschacht nach DIN 4102-15 von einem
Gehäuse mit quadratischem Querschnitt gebildet. In den senkrecht stehenden Schacht wird von
unten ein konstanter Luftstrom eingeblasen. Auf der gegenüberliegenden Seite wird das entstandene
Rauchgas wieder abgeführt. Im Brandschacht steht ein Gasbrenner mit quadratischer Grundfläche
der die Aufgabe hat, die Proben zu beflammen. Die vier Teilproben werden schlotartig um den eben
genannten Brenner angeordnet und von einem speziellen Gestell gehalten. Für eine
Brandschachtprüfung nach DIN 4102-15 sind im Regelfall drei ebenfalls schachtförmige
Probekörper notwendig, welche jeweils aus vier Teilproben zusammengesetzt sind. Ergibt sich nach
dem ersten Versuch eine eine Restlänge größer 55cm ist ein Prüfdurchgang ausreichend. Die
quadratischen, ebenfalls schachtförmigen Probekörper haben eine Höhe von 1000mm und eine
Kantenlänge von 190mm +d (d= Dicke des Baustoffes).

Vorgehen: Der Probekörper ist zehn Minuten lang mit dem Brenner zu beflammen, er muss bis
zum vollständigen Erliegen des Brandgeschehens inklusive eventuellen Nachbrennens oder
Nachglimmens im Brandschacht bleiben. Die Brandschachtprüfung ist dann bestanden, wenn bei
der Prüfung die Restlängen aller drei Probekörpers größer gleich 15 cm ist, und dabei keine
Teilprobe eine Seite des schachtförmigen Probekörpers komplett abgebrannt ist, also noch ein
messbarer Rest vorhanden ist. Der Probenkörper darf nur so weit mit Flamme nachbrennen, bzw.
ohne Flamme nachglimmen, dass die Anforderungen an die Restlänge nach dem kompletten
erliegen jeglichen Brandgeschehens trotzdem erfüllt werden. Darüber hinaus darf die mittlere
gemessene Rauchgastemperatur bei keinem der Durchgänge 200°C überschreiten.

Verwendung für Baustoffklassifizierung nach DIN 4102-1: Die Prüfung ist für die
Baustoffklassen DIN 4102-A1, DIN 4102-A2 sowie DIN 4102-B1 von Bedeutung. Zusätzlich zum
Brandschachttest müssen Baustoffe für die Klassifizierung B1 dem oben abgehandelten
Kleinbrennertest unterzogen werden. (MFPA Leipzig a)

Bild 6: Brandschachttest (Dom-hotel.ru)

Der durchgeführte Test: Getestet wurde eine Akustikplate aus Holz mit rückseitigem Flies. Die
Abgastemperatur wurde mit 150′C gemessen, die Restlänge war beim Test größer als 20cm,
brennendes Abtropfen und Brennen auf der Rückseite waren nicht zu beobachten. Damit wäre eine
Einstufung in die Brandklasse B1 möglich.
Diskussion des Verfahrens Die unbegrenzte Prüfdauer bis zum Brandende macht dieses Verfahren
– je nach Baustoff- zeitaufwändig und damit teuer. Die Möglichkeit bei einem ausufern des Brandes
den Brandschacht zu fluten, macht dieses Verfahren im vergleichsweise sicher in der Anwendung.
Die Brandschachtprüfung wird zunehmend durch das modernere Verfahren SBI nach EN 13823, bei
dem während des Tests weitere Parameter erfasst werden verdrängt,vgl. SBI.
Schweltest nach EN 16733:2016-07
Mit Hilfe des Schweltests können Baustoffe hinsichtlich ihrer Neigung zum kontinuierlichen
Schwelen überprüft werden, simuliert wird ein Fassadenbrand. Der Nachweis des Schwelen erfolgt
durch die Temperaturmessung im Inneren eines vertikal angeordneten Probekörpers, außerdem
durch die Beobachtung einer evtl. Flammenbildung durch selbstständiges Wiederentzündung.

Bild 7: Schweltest (MPA-Dresden)

Wie auf Bild 7 zu erkennen ist, erfolgt die Beflammung mittels eines – dem Bunsenbrenner
ähnelndem - Teklubrenners, der 10cm Abstand über der Unterkante des Prüfkörpers angebracht ist.
Nach 15 Minuten Dauerbeflammung wird der Brenner vom Testkörper entfernt. Sollte nach dem
entfernen des Brenners innerhalb von 5 Minuten eine Wiederbeflammung erfolgen, muss der Test
wiederholt werden. In einem Abstand von 10cm über der beflammten Stelle befinden sich im
Inneren des Probekörpers sechs entlang der Mittellinie des Probekörpers vertikal angeordnete
Thermoelemente,wodurch der Temperaturverlauf im Inneren überwacht werden kann.

Die Prüfung muss spätestens 6 Stunden nach dem Entfernen des Brenners beendet sein, bzw. nach
dem sämtliche Thermoelemente im Inneren des Probekörpers über eine Dauer von 60 Minuten
keinen weiteren Temperaturanstieg registriert haben.

Kontinuierliches Schwelen ist aufgetreten wenn: eine Entzündung der oberen Stirnkannte, bzw.
Seitenkannte ohne sichtbare Flammenausbreitung auf der Oberfläche erfolgt ist, sich der
Probekörper nach entfernendes Brenners nach mindestens 5 Minuten wieder- entzündet, oder: wenn
nach der maximalen Testdauer von 6 Stunden mehr als 50°C ansteigt, bzw. in den letzten 60
Minuten noch weiterhin steigende Temperaturen registriert wurden. Der Grund für Kontinuierliches
(weiter) Schwelen von Dämmstoffen liegt an dem Umstand, dass die Heißen Verbrennungsgase
innerhalb der üblicherweise vertikal angebrachten Dämmplatten aufsteigen, und dadurch unten
frische, sauerstoffreiche Luft angesaugt wird. Durch diesen Luftstrom erfolgt zum einen – die für
einen Verbrennungsvorgang notwendige - Versorgung mit Sauerstoff, und darüber hinaus auch das
Überspringen der notwendigen Hitze auf benachbarte Fasern innerhalb der Dämmstoffplatte.

Verwendung für Baustoffklassifizierung nach DIN EN 13501-1: Die Prüfung ist für die
Baustoffklasse A1 relevant.

Der durchgeführte Test: Getestet wurde eine Holzfaserdämmplatte. Zwei Stunden nach
Beendigung der Beflammung konnte an zwei verschiedenen Punkten eine Wiederentzündung
beobachtet werden, die getestete Platte hat den Test folglich nicht bestanden.

Diskussion des Verfahrens: Auf Grund des Umstandes, dass die staatlich geförderte thermische
Isolierung von Fassaden - durch Polystyrol – Dämmplatten derzeit massiv in der Kritik steht, und
u.a. auch für größer Brandgeschehen an Wohnhäusern verantwortlich gemacht wird, ist ein
modernes, technisch einwandfrei nachvollziehbares Prüfverfahren für derartige Baustoffe unbedingt
notwendig, und begrüßenswert. Dieses relativ zeitintensive und nicht einfach gestaltete
Testverfahren wird diesen Ansprüche durchaus gerecht. Andererseits ist die für den Test zulässige
Materialstärke von maximal 100mm für Dämmstoffe im Grunde zu gering bemessen. In der Praxis
finden durchaus auch stärkere Dämmplatten Verwendung, ein Umstand, welcher die Anwendung
stärkerer Baustoffe angreifbar macht.
Bestimmung des organischen Anteils nach DIN EN 13820
Die Bestimmung des organischen Anteils dient im Wesentlichen der Produktkontrolle von
Dämmstoffen wie Holzwolle, Steinwolle, oder Glasfaser. Im Falle der Holzwolle wird sich die
Faser als Folge der Temperatureinwirkung verflüchtigen, übrig bleiben lediglich mineralische
Fasern, bzw. Bindemittel.
Vorgehen: den zu prüfenden Platten werden mit einer Lochsäge über die gesamte Fläche
gleichmäßig verteilt mehrere Rundproben entnommen. Anschließend werden diese bei 105°C zwei
Stunden lang im Trockenofen gedarrt und im Exikator abgekühlt. Holzwolle bleibt generell 24
Stunden im Trockenofen. Sobald die definierte Massenkonstanz eingetreten ist, bzw. nach 24
Stunden bei Holzwolle, werden die Proben gewogen und in den sog. Muffelofen - einen mit
Schamottplatten ausgekleideter Hochtemperaturofen, wie er auf Bild 8 zu erkennen ist - gegeben

Bild 8: Muffelofen (K-zeitung.de)

Bei Holzwolle beträgt die Temperatur des Ofens lediglich 750°C, Stein- und Glaswolle dagegen
werden bei 820°C behandelt.
Der durchgeführte Test: Getestet wurde eine Holzwoll- Leichtbauplatte, mit mineralischen
Bindemittel. Bei den gegebenen 750°C fängt die Probe sofort Feuer. Nach kurzer Zeit im Ofen ist
das Feuer aber schon wieder erloschen. Übrig blieb nur das Bindemittel Magnesit. Aus Zeitgründen
wurde auf das Abkühlen und Wiegen der durchgeglühten Probe verzichtet.
Diskussion des Verfahrens: Hierbei handelt es sich um ein einfaches, in vielen wissenschaftlichen
Disziplinen verbreitetes Standardverfahren, welches eindeutige Ergebnisse liefert, trotzdem aber
mit geringem Aufwand ohne große Fachkenntnisse durchzuführen ist. Ein ähnliches Verfahren ist
der 750°-Ofen nach DIN EN ISO 1182, dabei werden aber auch weitere Parameter wie die
Temperaturentwicklung erfasst.
Zusammenfassung:
Die vorliegende Abhandlung soll zunächst grundlegend in die Themen Feuer Holz und Brandschutz
aus naturwissenschaftlicher Sicht einführen. Anschließend erfolgt ein Abriss der entsprechenden
Baugesetzgebung und eine Einführung in die entsprechenden Normen. Im Hauptteil werden die
durchgeführten Brandprüfungen inkl. Eventueller Ergebnisse vorgestellt und anschließend
diskutiert.
Schlussbetrachtung:
Insgesamt vermitteln alle Prüfungen zur Festlegung der Brandwiderstandsklassen einen schlüssigen
Eindruck. Für jede die Baustoffe betreffende Brandschutz Fragestellung steht – nach bisherigen
Erkenntnissen – ein entsprechendes Prüfverfahren zur Verfügung. Das grundlegende
Brandverhalten von Werkstoffen, wie Beispielsweise Holz und die dabei auftretende
Rauchentwicklung, inklusive der darin evtl. enthaltenen Schadstoffe können heute mittels modernen
Analyseverfahren wie Bomben- Kalorienmeter und GC / MS exakt, schnell, und ohne großen
Kostenaufwand bestimmt werden. Die Forschung am Brandverhalten von Baustoffen, und die
daraus resultierende Normung der Prüfverfahren muss, auch aus politischen Gründen stets
unangreifbar sein. Am besten wird dies am Beispiel energetischer Fassadendämmung
deutlich. Zu groß sind die ideologischen Interessen, welche das Sparen von Heizenergie, und die
dafür unabdingbare Fassadendämmung, mit dem Argument einer angeblich bestehenden massiven
Brandgefahr konterkarieren wollen. Auch aus diesem Grund, aber vor allem zum Schutz der
Menschen vor Feuer in den Gebäuden, müssen die genormten Prüfverfahren eindeutige und
wiederholbare Ergebnisse liefern.
Literatur:
MFPA Leipzig a: Online verfügbar unter: mfpa-leipzig.de/geschaeftsbereiche/baulicher-
brandschutz/brandverhalten-von-bauprodukten/

Enbausa: Online verfügbar unter: enbausa.de/fakten/brandklassen-deutsche-und-europaeische-


pruefmethode-vergleich.html
Hagebau- Brandschutzalianz: Online verfügbar unter: hagebau
brandschutzallianz.de/publish/binarydata/home/
europaeische_baustoffklassifizierung_nach_din_en_13501.pdf

Bilder:
Anlagen-Produktsicherheit: Online verfügbar unter: anlagen-produktsicherheit.dmt-
group.com/fileadmin/downloads/produktpruefung/ produktsicherheit/IMO-
de/Produktdatenblatt_IMO_2010_FTPC_Teil_1_ Nichtbrennbarkei_DEU_2016.pdf

Dom-hotel.ru: Online verfügbar unter: dom-hotel.ru/treartex/about/

MFPA Leipzig b: Online verfügbar unter: mfpa-leipzig.de/geschaeftsbereiche/baulicher-


brandschutz/brandverhalten-von-bauarten-und-sonderkonstruktionen/pruefverfahren/
MPA-Dresden: Online verfügbar unter: mpa-dresden.de/artikel/bestimmung-des-glimmverhaltens-
von-bauprodukten.html
Interempresas.net: Online verfügbar unter: interempresas.net/Plastico/Articulos/14562-Seguridad-
contra-incendios-de-los-productos-de-la-construccion-en-la-Union-Europea.html
K-zeitung.de: Online verügbar unter: k-zeitung.de/der-schnellste-muffelofen/150/1086/92688/
Wikipedia: Online verfügbar unter: wikipedia.org/wiki/Massenspektrometrie#/media/
File:Mass_Spectrometer_Schematic_DE.svg
Wissen.de: Online verfügbar unter: wissen.de/lexikon/kalorimeter