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Merkmale der Jugendsprache

Morphosyntaktische Rahmenphänomene
Die Jugendsprache befindet sich in der heutigen Zeit in einem immer tiefsten Wandel. Um die
heutige Situation zu skizzieren, muss man folgende sprachliche Phänomene nennen1:
1) Die verkürzte Akkusativform des Indefinitartikels
z. B. einen ´nen; ein ´n; eine ´ne
das find ich mal ne sinnvolle idee.
Die verkürzte Form mit den Verbindungen
z. B. ein bisschen ´n bisschen; ein Paar ´n Paar
2) Possessiver Dativ
Z. B. Da kommt dem [Name] Zierfisch.2; Mit´m [Name] seiner Band.
3) Definitartikel bei Personennamen
Z. B. Tja, der [Name] ist echt doof; Ja, die [Name] hat nichts zu sagen.
4) Präpositionen wegen, während mit Dativrektion
z. B. Ich bin halt tagsüber unterwegs wegen dem Praktikum. Wegen der Yupa-Band gehe ich
nicht hin.
5) Am+Infinitiv+sein
Z. B. Wer kennt schon [Band], die auch schon seit 5 Jahren am Rumklapfen sind. [Name],
der gerade am rumtelefonieren am nexten Tag war.
6) Doppeltes Perfekt
Z. B. Als du das gesagt hattest, hast du die Jungs immer noch nicht gesehen gehabt.
7) Es werden sowohl absolute Transitiva als auch reine Intransitiva gebraucht. Dabei kann in
der Jugendsprache zu Intransitivierung kommen.
Z. B. Aber auch ältere Stücke konnten voll überzeugen. / Ich kann mir nicht helfen, dieser
Song nervt völlig.
8) Reflexivierung
Z.B. jn. schocken vs. sich schocken3; etw.einklinken vs. sich einklinken4
9) Ellipse – Verblose Sätze gehen fast immer auf den Wegfall des Kopula- oder Hilfsverb oder
des unpersönlichen Verbs es gibt zurück
Z. B. Ich hab das wirklich gereinigt. Danach noch einmal gekuckt. Gesehen, falsch gemacht.
10) Fragmentierung des Textes
[Kontext: Chatsanfang]
Z.B. 5: MaDcAt Naja - hätte man mir vor der WM gesagt wir kommen ins Halbfinale... ich
wär happy gewesen. Aber nach den vergangenen Leistungen bin ich nun etwas enttäuscht
(auch von der Schiedsrichterleistung, aber das ist ein anderes Thema)
Shopy Zugegeben, Italien hat eindeutig besser gespielt...aber trotzdem. :o(((((

11) Komplexe Benennungen können in einer besonderen Form der Kurzwörter


(Kurzformen) vorkommen. Von den sogenannten Gebrauchsabkürzungen (usw., d.h.) sind
sie zu unterscheiden.

3
sich schocken - gut ankommen, gefallen
4
sich einklinken - sich (einer Gruppe) anschließen
5
12) Komplexe Benennungen können in einer besonderen Form der Kurzwörter
(Kurzformen) vorkommen. Von den sogenannten Gebrauchsabkürzungen (usw., d.h.) sind
sie zu unterscheiden.
Z. B. Komposita oder Wortgruppen
13) umgangssprachliches –e als Lautsatz bei Adverbien und adverbialen Adjektiven
Z.B. vorne, dicke
14) aufgelockerte syntaktische Fügungsweisen
Z.B. : ´s kommt dicke, von wegen
15) Satzanfang mit und, und so
Z.B. Und ich finde ihn total falsch programmiert. Und so hat mich der Typ angeschaut.
16) Gebrauch unbestimmter Adverbien und Pronomen
Z.B. so/dann/da/das kann mir das einer sagen?; da hat wer/einer nach dir gefragt
17) Bevorzugte Verwendung von was und wo, unter anderem zur Einleitung von
Relativsätzen und mit Präpositionen anstelle von standardsprachlich korrekten
Pronominaladverbien
18) Abtönungs-, Grad- und Steigerungspartikeln
Z.B. Shopy Zugegeben, Italien hat eindeutig besser gespielt...aber trotzdem. :o(((((
*heul* Das hätt ned passieren dürfen...maaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaan!!!

Lexikalische Elemente
19) Bedeutungsverschiebungen bzw. –veränderungen
Z.B. fähig = sehr gut, klasse (eigentlich: begabt, tüchtig, imstande); Melone = Kopf)
20) Bedeutungserweiterungen
Z.B. fett = 1. super, voll in Ordnung 2. fett sein/werden = reich sein/werden; hämmern =
hart arbeiten; Message = (konkrete) Aussage/Philosophie
21) Neologismen
Z.B. Toffel = Dummkopf; Härterpreis = weit überhöhter Preis; Proggi = Denk-Programm
22) Verbalisierung von Substantiven
Z.B. müllen = quatschen, dummes Zeug reden; zoffen = streiten
23) Vereinfachungen
Z.B. Poli = meist abwertend für „seinen Freund und Helfer“; Proggi = Denk-Programm
24) Kreative Wortspiele
Z.B. labundig = lebendig, lebenslustig; hoppeldihop =flink, schnell
25) Bildung neuer Lexeme

 Bei der Bildung neuer Lexeme ist das produktive Suffix ist -o. Es wird am häufigsten
an Adjektive angefügt und verändert deren Form: z.B. (du) capito
 Das Basiswort intensivieren die Präfixe super- und hyper-.
z. B. supergeil – Steigerungsform von geil; Superbirne – 1.Person mit hoher Denkintelligenz
(positiv) 2. Person mit wenig Denkintelligenz (negativ); superlustig – besonders lustig;
hyperhysterisch – besonders hysterisch, hyperclean – besonders drogenfrei
 Neue Lexeme werden
 durch Abkürzungen gebildet
z.B. Sponti – diejenigen, bei denen Spontaneität am wichtigsten ist; Zivi – 1.
Zivildienstleistende 2. V-Mann der Polizei bei Demonstrationen.
 durch Entlehnung, u.a. durch Derivation und Kürzungen6. Die Entlehnungen
entstammen:
a) aus dem Englischen
z. B. abgefuckt – erschöpft (vulg.); anpowern –in Schwung bringen
b) aus dem Lateinischen
z.B. Cannabis – Fachausdruck für Marihuana
c) aus dem Italienischen
z.B. Ciao - Grußwort; Mafia-Torte - Pizza
d) aus dem Arabischen
z. B. Kaftan - Jackett; Mufti - derjenige, der sich gern als Anführer anspielt
e) aus dem Französischen
z.B. Liberté - Freiheit, Charrette - Auto
f) aus anderen Sprachen

26) Fremdwörter
 Fremdwörter sind aus nichtheimischem Material gebildete lexikalische Einheiten, die in
Phonem- und Morphemstruktur, Aussprache und/oder Schreibung und z. T. auch in der
Flexion von den heimischen (indigen, nativen) Regeln mehr oder weniger abweichen.
„Sie sind entweder als fertige Wörter aus einer fremden Sprache entlehnt (Camping,
Sputnik) oder innerhalb des Deutschen aus fremden Morphemen bzw.
Morphemkomplexen gebildet worden (Telekommunikation, Minimine)“ (Fleischer 1993,
S. 85). In der Jugendsprache sind sie sehr produktiv und die übernommenen Fremdwörter
unterliegen einer ständigen Tendenz der Integration in die heimische Sprache. Es beginnt
mit der Großschreibung und dem Genus der Substantive.
z.B. r Quickie – r schnelle Sex; r Trouble,- s Problem

 Anschließend kommt obligatorische deutsche Personalendung der Verben


Z.B. auspowern, beamen, dealen, jobben, killen, relaxen

 und immer gehender phonetisch-orthographischer „Eindeutschung“.


z.B. nix nichts; Photograph Fotograf

Fremdwörter können auch als Simplizia eine Kurzform haben. Die Kurzform wird aus
sprachökonomischen Gründen verwendet und ihre Verwendung wird noch durch andere
Faktoren beeinflusst. Bei diesen Wörtern kommt oft Verlust der Transparenz vor und sind nicht
selten an begrenzte Kommunikationsgemeinschaften gebunden.
Z. B. Demo(nstration); Mathe(matik); Reli(gion); Bio(logie); Akku(mulator); Limo(nade);
Labor(atorium).
27) Vulgarismen werden oft benutzt und enthalten einen niedrigen semantischen Gehalt.

Der folgende Überblick zeigt die Vulgarismen nach lexematischer Struktur und
kommunikativer Funktion: