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SPRACHE IN DEN MASENMEDIEN

KAPITEL I. MASSENMEDIEN

Inhalt:

1. Massenmedien: Allgemeines
2. Funktionen der Massenmedien
3. Pressefreiheit
4. Manipulation in den Massenmedien
a. Nachrichtenauswahl
b. Bilder in den Medien
c. Datengrafiken in den Massenmedien

1. Massenmedien: Allgemeines

Aufgabe 1. Was verbinden Sie mit dem Wort „Massemedien“? Erstellen Sie in Paaren
eine Schlagwortwolke dazu! Hier ist ein Beispiel für eine Wortwolke:

Aufgabe 2. Besprechen Sie in Paaren folgende Fragen:


a) Gibt es unter den Medien Fernsehen, Rundfunk, Presse und Internet eine
Rangordnung? Wenn ja, ordnen Sie die Medien entsprechend und begründen Sie.
b) Welches Medium hat Ihrer Meinung nach die besten Entwicklungschancen?
Warum denken Sie so?
c) Welche Medien nutzen Sie und wozu?
d) Welche Medien nutzen Sie, um sich eine Meinung (z.B. über ein politisches
Ereignis, eine technische Neuheit, ein Forschungsergebnis o.ä.) zu bilden?
e) Welche Medien nutzen Sie auf Reisen/ unterwegs, zum Entspannen, fürs
Studium? Begründen Sie!
f) Welche Medien haben Ihrer Meinung nach den größten Einfluss auf die
Meinungsbildung in der Gesellschaft?
g) Dürfen die Medien Ihrer Meinung nach alles zeigen und über alles berichten
oder gibt es eine moralische und ethische Grenze, die nicht überschritten werden darf?
Begründen Sie Ihre Meinung.

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Aufgabe 3. Erstellen Sie ein Mindmap zum Thema „Funktionen der Massenmedien“.
Ihre Mindmaps werden im Studienraum ausgehängt und verglichen. Seien Sie bereit, Ihre
Meinung zu kommentieren und zu begründen.

Aufgabe 4. Lesen Sie den Text über die Funktionen der Massenmedien. Erfüllen Sie
danach die Aufgaben dazu.

2. Funktionen der Massenmedien

Massenmedien wie Presse, Radio, Fernsehen und Internet leisten einen


unverzichtbaren Beitrag zum Funktionieren der Demokratie und erfüllen bestimmte
Funktionen.
Der Blick auf die Medienlandschaft zeigt ein buntes Bild: Die Angebote reichen von
der Tagesschau bis zur Verbreitung von Klatsch und Tratsch. Hergestellt wird, was sich auf
dem Markt verkaufen lässt. Den Inhalt der Medien bestimmt nicht der Staat, sondern
letztlich das Publikum, denn produziert wird auf Dauer nur, was auch Absatz findet. Jeder
kann selbst entscheiden, was er liest, hört oder sieht. Er kann sich über das Zeitgeschehen
informieren, muss es aber nicht. Er kann sich stattdessen auch Unterhaltungssendungen
ansehen oder auf Musik-Videos ausweichen.
Dieser Zustand ist durch das Grundrecht der Presse- und Rundfunkfreiheit geschützt,
das sich in Artikel 5 des Grundgesetzes findet. Es schützt die Herstellung und Verbreitung
der Medien gegen staatliche Eingriffe und vor allem gegen solche, die sie an der
Wahrnehmung ihrer „öffentlichen Aufgabe“ hindern würden.
Ihre „öffentliche Aufgabe“ erfüllen die Medien dadurch, dass sie an der freien,
individuellen und öffentlichen Meinungsbildung mitwirken, indem sie zu Angelegenheiten
von allgemeiner Bedeutung Nachrichten sowie Informationen beschaffen und verbreiten, die
jeder Einzelne benötigt, um sich in der Gesellschaft zurechtzufinden. Das Funktionieren
einer Demokratie, in der alle Staatsgewalt vom Volke ausgeht, setzt voraus, dass dessen
Mitglieder über die Informationen verfügen, die sie benötigen, um sich eine eigene
Meinung zu allen politischen Fragen bilden zu können. Diese Informationen können sie zum
größten Teil nur aus den Medien beziehen. Deren Aufgabe besteht deshalb vor allem darin,
die erforderlichen Informationen zu beschaffen, auszuwählen und so zusammenzustellen und
ggf. kritisch zu kommentieren, dass ihr Publikum sie versteht und sich seine eigene Meinung
bilden kann. Damit stellen die Medien zugleich eine Verbindung zwischen dem Volk und
seinen gewählten Vertretern her: Parlamentarier und Regierung erfahren nicht zuletzt aus
den Medien, was im Volk gedacht und gewollt wird, und das Volk erfährt, was Parlament
und Regierung vorhaben und tun. Schließlich üben die Medien gegenüber den Machthabern
eine Kontrollfunktion aus, indem sie auch solche Informationen verbreiten, die jene gern
geheim gehalten hätten, und zu diesen Informationen kritisch Stellung nehmen. Auf Grund
dieser Kontrollfunktion werden die Medien auch als „Wachhunde“ der Demokratie
(watchdogs) oder als „vierte Gewalt“ bezeichnet.
Einen zweiten Ansatzpunkt für die Auswahl und Aufbereitung von Informationen in
den Medien bildet der persönliche Nutzen des einzelnen Lesers, Hörers oder Zuschauers.
Das Angebot von „Service“-Beiträgen ist stark gewachsen. Es reicht vom Waren- oder

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Dienstleistungstest über Tipps zur Freizeitgestaltung bis hin zur Erörterung kritischer
Lebenssituationen.
Noch stärker gewachsen ist das Angebot an Beiträgen, die vor allem oder ausschließlich
der Unterhaltung dienen wie beispielsweise „Lifestyle“-Angebote über das Leben von
Prominenten. Auch solche Beiträge genießen das Privileg der Pressefreiheit, soweit sie die
Rechte der behandelten Personen, zum Beispiel auf Wahrung ihrer Privatsphäre, nicht
verletzen.
Im Bereich Kultur und Soziales dienen die Medien der Orientierung und Lebenshilfe.
Sie können Werte und Normen vermitteln, zur Integration von bestimmten Gruppen in die
Gesellschaft sowie zu Bildung und kultureller Entfaltung beitragen.
Abschließend ist darauf hinzuweisen, dass die Medien und die in ihnen tätigen Personen
nicht automatisch neutral und ohne eigene Interessen agieren. Die Bürger/innen sollten sich
daher gegenüber den Medien und deren Berichterstattung eine kritische Haltung bewahren
und bereit sein, nach Möglichkeit verschiedene Darstellungen zu vergleichen.
Quelle: https://www.bpb.de/

Aufgabe 5. Übersetzen Sie die folgenden Vokabeln aus dem Text in Ihre Muttersprache und
lernen Sie sie. Führen Sie zu jedem Wort bzw. jeder Wortverbindung einen kurzen Kontext
aus dem Text an.
1) reichen von etw. über etw. Akk. bis hin zu etw.
2) Zeitgeschehen, das
3) ausweichen auf etw. Akk.
4) Eingriff, der
5) Wahrnehmung, die → etw. Akk. (seine Aufgaben) wahrnehmen
6) Informationen beschaffen/ beziehen/ aufbereiten
7) zurechtzufinden, sich in etw. Dat.
8) sich Dat. eine Meinung zu etw. bilden
9) eine Funktion ausüben
10) Prominente, die/ der
11) Wahrung, die → (die Privatsphäre) wahren
12) Werte vermitteln
13) Berichterstattung, die
14) etw. Dat. gegenüber eine kritische Haltung bewahren

Aufgabe 6.
1) Nennen Sie die Funktionen der Massenmedien auf Grund des gelesenen Textes und
erläutern Sie die.
2) Welche Unterschiede gibt es zwischen Ihren Mindmaps (Aufgabe 3) und den
Informationen des Textes?

Aufgabe 7. Beschreiben Sie das Schaubild „Funktionen der Medien für die Gesellschaft“.
Welche zusätzlichen Informationen können Sie dem Schaubild entnehmen?

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Aufgabe 8. Lesen Sie einen weiteren Text über die Funktonen der Massenmedien.

Diese Erwartungen an die öffentlichen Massenmedien sind Idealvorstellungen. Anstelle


von transparenter Meinungsvielfalt kann speziell in autoritären Gesellschaften mit
eingeschränkter Medienfreiheit die Meinung von Regierung oder mächtigen Gruppen
unhinterfragt in den Medien dominieren.
Aber auch für Medien in Demokratien stellt sich die Frage, ob und wie stark sie sich für
Gleichheit in der Gesellschaft einsetzen. Es besteht immer die Gefahr, durch einseitige
Darstellungen Einzelpersonen oder gesellschaftliche Gruppen ungerechtfertigt in Verruf zu
bringen. Inhaltsanalysen der Medienberichterstattung zeigen, dass zum Beispiel Migranten
und speziell Muslime in den Medien tendenziell wenig vorkommen, und wenn, dann
stereotyp und negativ dargestellt werden.
Jüngste Entwicklungen im Medienbereich geben Anlass zur Sorge, dass die Qualität der
Medienberichterstattung in Gefahr ist. Warnende Stimmen sprechen sogar von einer
Medienkrise. Im Printbereich wie im Rundfunk ist bei den Medienkonzernen seit längerem
eine wachsende Medienkonzentration im Gange: Große Medienkonzerne werden immer
dominanter. Parallel dazu verschieben sich die Werbeausgaben von der Presse ins Internet
und die Zeitungsnutzung ist rückläufig. Das hat zur Entlassung von Medienschaffenden, zur
Verkleinerung der Redaktionen und zur Schaffung von kostengünstigeren
„Newsrooms“ geführt. Im Nachrichtenraum erfolgt die gemeinsame Produktion der Inhalte
für die Print-Ausgabe und das Online-Angebot. Die Journalisten schreiben somit einen
Artikel nicht mehr nur für die Zeitung, sondern erstellen gleichzeitig auch Online-Versionen
oder Radio- bzw. TV-Beiträge.
Aber die Medienkrise ist nicht nur eine Finanzierungskrise, auch der Journalismus ist
inhaltlich betroffen. Die Kommerzialisierung hat nicht nur zu einer Abnahme der
Medienvielfalt geführt, sondern der wirtschaftliche Druck äußert sich ebenso in einer

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verstärkten externen Einflussnahme von Public Relations (Öffentlichkeitsarbeit) auf die
Berichterstattung. Hierdurch wird die journalistische Unabhängigkeit gefährdet.
Als Folge der Ökonomisierung sind zudem eine verstärkte Orientierung am Publikum
und dessen Wünschen zu konstatieren. Information und Unterhaltung sowie Öffentliches und
Privates etwa von Politikern werden in der Berichterstattung vermischt, um diese
interessanter zu machen. Die Medienkritik fokussiert hier unter den Stichworten
„Personalisierung“ und „Infotainment1“ zum einen auf die Boulevardpresse und zum anderen
auf den Privatrundfunk. Beiden wird Populismus und mangelnde Unabhängigkeit
vorgeworfen.
Analysen der Medienberichterstattung erkennen und kritisieren insbesondere einen
Wandel der sog. Medien-Logik, d. h. der Art und Weise, wie Medien Ereignisse und Themen
selektiv auswählen und darüber berichten: Der Journalismus würde immer mehr Ereignisse
als Media-Events selber inszenieren und fokussierte immer stärker auf Skandalisierung und
Moralisierung einerseits sowie Personalisierung, Emotionalisierung und Intimisierung
andererseits. Dabei würde bewusst das Bedürfnis des Medienpublikums nach Neugier und
Voyeurismus bedient und bewirtschaftet im Sinne der Steigerung von Auflagen und
Reichweiten.

Aufgabe 9. Übersetzen Sie die folgenden Vokabeln/ Wortverbindungen aus dem Text
in Ihre Muttersprache und lernen Sie sie. Führen Sie zu jedem Wort bzw. jeder
Wortverbindung einen kurzen Kontext aus dem Text an.

1) unhinterfragt ← etw. Akk. hinterfragen


2) einsetzen, sich für etw.
3) ungerechtfertigt ← etw. Akk. rechtfertigen
4) jmdn. in Verruf bringen
5) Medienschaffende, die/ der
6) betroffen sein von etw. Dat.
7) gefährden etw. Akk.
8) Auflage, die
9) Reichweite, die

Aufgabe 10. Fassen Sie kurz alle Kritikpunkte zusammen, die im Text enthalten sind.

Aufgabe 11. Betrachten Sie nun das Schaubild unten und berichten Sie, welchen
Kriterien die Massenmedien entsprechen sollten. Erläutern Sie jedes Kriterium.
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Infotainment / Personalisierung
Die Vermischung von informierenden und unterhaltenden Formaten des Fernsehens wird als
Infotainment bezeichnet. Der erste Teil des Wortes stammt von „Information“, der zweite Teil leitet sich aus
dem angloamerikanischen Begriff „Entertainment“ (= Unterhaltung) ab. In der Regel wird damit die
Tendenz beschrieben, z. B. in Nachrichtensendungen immer mehr „weiche“ Themen wie Meldungen über
Prominente aufzunehmen. Infotainment bezeichnet auch die zunehmende Emotionalisierung und
Personalisierung von Nachrichten, wobei letzteres die Ausrichtung auf eine bestimmte Person (Moderator,
„Anchorman“) bedeutet.

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Das magische Vieleck der Medienqualität

Quelle: http://www.bpb.de/gesellschaft/medien/

Aufgabe 12. Bereiten Sie einen informierenden Vortrag über die Funktionen der
Massenmedien vor. Studieren Sie dafür Anhang 1. Kurzvortrag (die methodische Anleitung
und den Mustervortrag) und erfüllen Sie die Aufgaben dort. Wiederholen Sie auch die
Kohärenzmittel (Anhang 2). Berücksichtigen Sie die Informationen in den beiden Anhängen
bei der Vorbereitung.

3. Pressefreiheit

Aufgabe 1. Lesen Sie die Kurzinformationen über die Pressefreiheit.

Pressefreiheit bedeutet die Möglichkeit, über Ereignisse von öffentlichem Interesse zu


berichten. Das hängt mit dem Recht auf Meinungsfreiheit zusammen. Jeder und jede hat das
Recht, frei über seine Anliegen zu berichten. Es darf also keine Zensur geben. Gleichzeitig
gibt es Einschränkungen dieser Pressefreiheit. Es gilt, die Privatsphäre von Personen zu
schützen. So darf nicht behauptet werden, jemand habe eine Straftat begangen, bevor ein
Gericht ein entsprechendes Urteil gefällt hat. Selbstverständlich dürfen keine Unwahrheiten
verbreitet und es darf auch nicht gegen bestimmte Gruppen gehetzt werden. Pressefreiheit
heißt auch, dass unterschiedliche Meinungen und Standpunkte veröffentlicht werden können.
Je mehr unabhängige Medien existieren, desto stärker ist diese Möglichkeit gegeben.

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Mit Pressekonzentration (bzw. Medienkonzentration) wird die Anzahl voneinander
unabhängiger Zeitungen oder Medienprodukte bezeichnet. Hohe Pressekonzentration heißt,
dass es wenige voneinander unabhängige Zeitungen gibt. Je stärker die Pressekonzentration
ist, desto weniger Meinungsvielfalt (Meinungspluralismus) gibt es. wird.
Reporter ohne Grenzen ist eine Menschenrechtsorganisation zur Verteidigung der
Pressefreiheit.

Aufgabe 2. Schauen Sie sich das Bild an. Wie verstehen Sie es?

Aufgabe 3. Beschreiben Sie das Bild. Nutzen Sie dabei die folgenden Redemittel.

Redemittel für die Beschreibung eines Bildes


1. Was sehen Sie? Das Bild zeigt …
Auf dem Bild ist ……… zu sehen.
Das Bild stellt ………………. dar.
Im Vordergrund / Hintergrund
Vorne links / rechts sieht man …
Hinten links / rechts sieht man …
In der Mitte / Oben / Unten ist ……… zu sehen.
Auf der linken / rechten Seite ist ……… zu sehen.

2. Persönliche Mir fällt auf, dass …


Eindrücke Auffallend / Merkwürdig ist, dass …
Auf mich wirkt das Bild beängstigend / sehr melancholisch / …
Beim Betrachten des Bildes empfinde ich …
Ich frage mich, ob / warum / was …
Warum hat der Autor / Zeichner / Maler … ?
Ich stelle mir vor, dass …
Der Mann / Die Frau / … macht auf mich den Eindruck, als
hätte / wäre er / sie …

3. Interpretation Der Autor / Zeichner / Maler


möchte uns mitteilen, dass …
möchte zum Ausdruck bringen, dass …
veranschaulicht das Problem …
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Aufgabe 4. Betrachten Sie das folgende Schaubild. Welche Informationen liefert es
über die Pressefreiheit weltweit? Fassen Sie sie Informationen zusammen.

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Aufgabe 5. Sehen Sie sich das Video über die Pressefreiheit an und erfüllen Sie die
Aufgaben dazu (Anhang 3, Test 1).

Aufgabe 6. Bereiten Sie einen informierenden Vortrag über die Pressefreiheit vor.
Beziehen Sie dabei die Informationen des Videos ein. Recherchieren Sie auch zusätzliche
Informationen im Internet.

4. Manipulation in den Massenmedien

Aufgabe 1.
a) Diskutieren Sie in Paaren und fassen Sie danach zusammen, was Sie unter
Manipulation verstehen.
b) Verbinden Sie den Begriff Nachrichtenauswahl mit der Manipulation? Wenn ja,
dann wie?
c) Lesen Sie den Text „Nachrichtenauswahl“. Stimmen Ihre Vermutungen mit
dem Text überein?

a. Nachrichtenauswahl

Medien müssen aus einer Vielzahl von Informationen und Bildern auswählen. Jeden
Tag passieren auf der Welt unendlich viele Dinge. In keiner Zeitung oder
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Nachrichtensendung kann über alles berichtet werden. Selbst wenn das technisch möglich
wäre, so wäre niemand in der Lage, so viel zur Kenntnis zu nehmen. So besteht die Welt der
Nachrichten aus dem, was die Medien als Nachricht bewerten. Alle anderen Informationen
fallen unter den Tisch und bleiben unbekannt. Medien tragen mit der Auswahl und
Aufbereitung der Themen Verantwortung und verfügen daher über Macht im politischen
Prozess. Nach welchen Kriterien wird ausgewählt?
Grundsätze der Nachrichtenauswahl
Journalisten sortieren Informationen nach so genannten Nachrichtenfaktoren. Das
Grundprinzip der Auswahl ist die Frage: Was interessiert die Leser, Hörer oder Zuschauer?
Interessant ist immer das, was die Leser, Hörer oder Zuschauer unmittelbar betrifft. Ein
gängiges Auswahlschema ist das so genannte GUN-Prinzip:
G = Gesprächswert: Gesprächswert hat ein Ereignis, über das man spricht, diskutiert,
sich ärgert oder sich freut. Beispiele für einen hohen Nachrichtenwert sind:
– Außergewöhnlichkeit: Hund beißt Mann ist keine Nachricht, Mann beißt Hund ist
eine Nachricht!
– Personenbezug: Über bekannte Personen wird häufiger berichtet. Wenn Joschka
Fischer mit dem Jogging anfängt oder aufhört, ist das eine Nachricht; wenn der nur wenigen
bekannte Nachbar das Gleiche tut, interessiert das kaum jemand, ist also keine Nachricht.
– Negativität: Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten. Je schlimmer ein Ereignis
ist, desto eher wird darüber berichtet. Unfälle sind alltäglich und nur dann eine Nachricht,
wenn es besonders viele, besonders junge Opfer oder im Ausland deutsche Opfer gegeben
hat.
– Nähe, vor allem geographische Nähe: Was in der eigenen Stadt passiert, interessiert
die meisten mehr als ein Ereignis in Usbekistan.
U = Unterhaltung: Ein Ereignis, das in Verbindung mit der eigenen Lebenswelt steht,
das verblüfft oder amüsiert, hat ebenfalls einen hohen Nachrichtenwert. Ausschlaggebend ist
die Nähe zur eigenen Lebenssituation, den eigenen Wünschen und Sehnsüchten. So genannte
Boulevardthemen, wie Sex and crime, verkaufen sich besonders gut und sind deshalb für
Zeitungen wichtig, die in erster Linie am Kiosk verkauft werden.
N = Neuigkeit (oder Überraschung): Je unerwarteter ein Ereignis eintritt, desto eher
wird es zur Nachricht. Der Rücktritt der Gesundheitsministerin hat einen höheren
Nachrichtenwert als die wöchentliche Pressekonferenz des Verteidigungsministers.
Weitere Kriterien sind:
– Nutzwert: Nachrichten, die den Menschen helfen, sich in der Welt zu orientieren,
also einen praktischen Nutzen haben (zum Beispiel der Wetterbericht).
– Ereignisentwicklung: Kürzere und abgeschlossene Ereignisse werden leichter zu
einer Nachricht als langfristige Entwicklungen. Beispiel: Über die Verabschiedung der
Rentenreform im Bundestag wird eher berichtet als über die vielen Ausschuss-Sitzungen, die
diesem Beschluss vorausgingen.
– Eindeutigkeit: Über Ereignisse, die klar und einfach strukturiert sind, wird eher
berichtet als über komplizierte Dinge. BSE-Erreger in Schweineleberwurst entdeckt ist eher
eine Meldung als ein Bericht über den Forschungsstreit, ob und wie BSE durch
Separatorenfleisch übertragen werden kann.
– Themenkarriere: Ist ein Ereignis erst einmal zur Nachricht geworden, wird darüber
gerne kontinuierlich berichtet, beispielsweise über die Trennung von Boris und Barbara

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Becker oder die Fortsetzungsgeschichte über die Auswahl von Kanzlerkandidaten vor
Bundestagswahlen.

Aufgabe 2. Beschreiben Sie jeden Grundsatz/ jedes Prinzip. Arbeiten Sie in Paaren.

Aufgabe 3*. Nehmen Sie eine Zeitung zur Hand und analysieren Sie die
Zeitungsartikel nach all diesen Kriterien!

Aufgabe 4** (auf Wunsch, höherer Schwierigkeitsgrad). Entwerfen Sie eine eigene
Zeitungsseite! Meldungen, welche verschiedene Nachrichtenagenturen im Laufe eines Tages
anbieten, lassen sich leicht im Internet abrufen. Arbeiten Sie in Paaren.
Schritte:
1. Ordnen Sie die Meldungen nach Wichtigkeit und überlegen Sie, welche Meldung Ihr
Aufmacher für die Zeitung am nächsten Tag ist.
2. Neben dem Aufmacher wollen Sie noch zwei weitere größere Artikel auf die erste
Seite platzieren. Für welche Meldungen entscheiden Sie sich?
3. Vergleichen Sie Ihre Themenauswahl und -platzierung miteinander.
4. Erläutern Sie die unterschiedliche Themenplatzierung in den Nachrichtensendungen
im Laufe des Tages.

Aufgabe 5.
a) Haben Bilder Ihrer Meinung nach in den Massenmedien etwas mit
Manipulation zu tun? Begründen Sie Ihre Meinung!
b) Hören Sie sich den Vortrag „Achtung, Bilder!“ an. Erfüllen Sie die Aufgaben
dazu und fassen Sie die wichtigsten Informationen kurz zusammen (Anhang 3).
c) Lesen Sie einen Text über die Macht der Bilder.

b. Bilder in den Medien

„Ein Bild sagt mehr als Tausend Worte“. „Wer die Bilder beherrscht, beherrscht
auch die Köpfe“ (Bill Gates). Diese Äußerungen enthalten die Erkenntnis, dass
Menschen gegenüber allen anderen Wahrnehmungskanälen vor allem visuell geprägt sind.
Wir schenken dem, was wir mit eigenen Augen sehen, den größten Glauben.
Bilder prägen unser Weltbild: Wie real sind Bilder?
Viele Stadtkinder malen, gibt man ihnen die Aufgabe Kühe auf einer Wiese
darzustellen, lilafarbene Kühe mit weißen Flecken. Dies zeigt, dass sie Bilder, die
beispielsweise über die Werbung vermittelt werden, als Wirklichkeit begreifen und in ihr
eigenes Weltbild übernehmen.
Die Macht der Bilder in Politik und Medien
Zu allen Zeiten waren sich Politiker über die Macht des Bildes bewusst und nutzten
diese. Früher und heute mach(t)en sich vor allem totalitäre Regime mit Hilfe der Medien die
Macht der Bilder zunutze. Aber auch in demokratischen Gesellschaften lassen sich
regelmäßig Beispiele für Bild- und Medienmanipulationen finden. Die Medienmacher stehen
unter immensem Druck, denn Bilder müssen sich möglichst ohne Text erschließen und die
Aufmerksamkeit auf sich lenken.

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Fotos wirken unstrittiger, unmittelbarer, stärker als jeder Text. Ein Bild scheint keine
Abwägung zuzulassen, so wenig wie ein Blick durchs Schlüsselloch.
Dabei ist jedes Foto das Endprodukt subjektiver Entscheidungen. Ein Fotograf hält,
irgendwo auf der Welt, eine Hundertfünfundzwanzigstelsekunde im Strom der Zeit fest –
von einem Standort seiner Wahl, mit einem Fotoapparat seiner Wahl, mit einem
Bildausschnitt seiner Wahl. Früher war das Resultat ein Negativ. Heute ist es eine Datei aus
Millionen Bildpunkten, genannt RAW-Datei. Nie war es einfacher, sie zu fälschen. Was
bedeutet das für unseren Blick auf die Wirklichkeit?
Am Ende schickt der Fotograf seine Bilder an die Redaktion, die aus 20 Motiven oft nur
ein einziges auswählt, das Foto eventuell noch einmal beschneidet und es womöglich in
einem Kontext präsentiert, den der Fotograf gar nicht im Kopf hatte, als er auf den Auslöser
drückte.

Aufgabe 5. Beschreiben Sie das folgende Bild. Wie verstehen Sie es?
Kommentieren Sie es und nehmen Sie Stellung dazu.

c. Datengrafiken in den Massenmedien

Aufgabe 1. Tauschen Sie sich in Paaren aus:


1) Haben Sie früher mit Grafiken bzw. Diagrammen zu tun gehabt? Wann? In
welchem Zusammenhang?
2) Datengrafiken gelten heute als eine neue Textsorte. Wie ist Ihre Einstellung zu
Grafiken? Welche Vor- bzw. Nachteile sehen Sie an dieser neuen Textsorte? Hier sind
einige Beispiele:

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3) Schauen Sie sich noch einmal die Datengrafik „Pressefreiheit“ an. Was gefällt
Ihnen daran? Ruft etwas vielleicht Zweifel/ Besorgnis hervor? Begründen Sie!

Aufgabe 2. Lesen Sie den Text über die Datengrafiken und beantworten Sie danach
die Fragen.
„Fakten, Fakten, Fakten?“

„Fakten, Fakten, Fakten!“ Mit diesem eingängigen Slogan ist es dem Burda-Verlag
1993 gelungen, mit dem Magazin Focus das Monopol des Konkurrenten Spiegel zu
durchbrechen und ein zweites Nachrichtenmagazin auf dem deutschen Zeitschriftenmarkt zu
etablieren. Zuvor waren bereits weit über fünfzig andere Versuche gescheitert, dem Spiegel
dauerhaft Konkurrenz zu machen. Eine absolute Novität des Focus war seine neuartige
Aufmachung, die es bis dahin in dieser Form noch nicht gegeben hatte. Es wurde großer
Wert auf ein gefälliges Layout, auf kurze Beiträge sowie auf die ausgiebige Verwendung
farbiger Diagramme sowie Karten- und Schaubilder gelegt. Dadurch sollte es den
Leserinnen und Lesern erleichtert werden, sich rasch über komplizierte Sachverhalte zu
informieren. Dieser Ansatz war höchst erfolgreich und hatte zur Folge, dass auch andere
Magazine inklusive des Spiegels selbst ihm folgten.
Der Trend zur grafischen Aufbereitung von Informationen findet sich inzwischen nicht
nur in Tageszeitungen und Nachrichtenmagazinen; auch in der Verwaltung, der Wirtschaft
und der Werbung werden sie immer häufiger eingesetzt. Dort spricht man oft von so
genannten „entscheidungsunterstützenden Grafiken“. Die schnelle Aufbereitung und
grafische Darstellung von Daten soll Entscheidungsprozesse beschleunigen und vor
„Informationsstress“ schützen.
Möglich wird die schnelle Umsetzung von Informationen in Schaubilder durch den
Computer, der auf der anderen Seite aber auch wesentlich zum Ansteigen der Datenflut
beigetragen hat. Datengrafiken dienen in erster Linie der Veranschaulichung quantitativer
Zusammenhänge. In Datengrafiken werden häufig Zahlen in „Bilder“ umgesetzt. Die daraus
resultierenden Diagramme veranschaulichen nicht nur quantitative Zusammenhänge. Sie
interpretieren diese auch durch die Art der gewählten Darstellung und „entlasten“ damit von

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Interpretationsarbeit. Diagramme und Schaubilder sind somit äußerst verbreitete und beliebte
Informationsinstrumente geworden.
Ein wichtiger Grund ist sicherlich, dass Infografiken und Diagramme im Vergleich zur
rein sprachlichen Darstellung eine vermeintlich größere Anschaulichkeit besitzen. Die
Kombination von sprachlichen und nichtsprachlichen Elementen fördert scheinbar eine
bessere Verarbeitung von Informationen. Darüber hinaus sind Menschen für Bildbotschaften
sehr empfänglich, zumal diese oft eine Wirkung entfalten, deren sich der Adressat nicht
immer oder zumindest nicht sofort bewusst wird.
Trotz dieses scheinbar unaufhaltsamen Trends ist die Mischung aus kurzen Texten und
aufwändigen Infografiken nicht unumstritten. So war zum Beispiel zeitweise in den
einschlägigen Internet-Foren auch scherzhaft vom „FocusComputervirus“ die Rede. Dieses
Virus sollte angeblich die Festplatte von PCs nach Textdokumenten durchsuchen, die länger
als zwei Seiten sind, und den überschüssigen Text durch bunte Grafiken ersetzen. Obwohl
dieser Computervirus natürlich in der Realität nie existierte, machte diese Anekdote doch
auf ein Problem aufmerksam: Vermeintlich subjektiv geprägte Texte sollen durch
„objektives“ Datenmaterial ersetzt werden, wobei die Gefahr besteht, dass komplexe
Sachverhalte unzulässig simplifiziert werden.
Die optische Wirkung einer Grafik kann den Betrachter hinters Licht führen. Anstatt
unübersichtliche Zahlenkolonnen zu lesen, die in einer logischen Beziehung zueinander
stehen, sehen wir z. B. auf- oder absteigende Kurven. Der erste schnelle Überblick scheint
uns schon so viele eindeutige Informationen zu liefern, dass wir glauben, die wesentlichen
Informationen aufgenommen zu haben. Der Vorteil, unübersichtliches Zahlenmaterial oder
lange Texte in einer optisch aufbereiteten Übersicht dargestellt zu bekommen, ist zugleich
eine Falle, in die man rasch gehen kann. Zudem ist mit jeder Darstellung eine Absicht bzw.
ein Interesse verbunden. Und das ist ein Nährboden für die Manipulation des Betrachters.
Der kritische und reflektierte Umgang mit Datengrafiken und verschiedenen Formen
der Informationspräsentation ist daher wichtig. Dabei kann es nicht darum gehen, diese
modernen Formen der Informationsaufbereitung einfach zu „verteufeln“, denn schließlich
bieten sie bei aller berechtigten Kritik eine Reihe von großen Vorzügen. Man sollte nur die
Fähigkeit entwickeln, Manipulationen zu durchschauen.

Aufgabe 3. Übersetzen Sie die folgenden Vokabeln aus dem Text in Ihre Muttersprache
und lernen Sie sie. Führen Sie zu jedem Wort bzw. jeder Wortverbindung einen kurzen
Kontext aus dem Text an.

1) Aufmachung, die
2) gefälliges Layout
3) ausgiebig
4) Sachverhalt, der
5) grafische Aufbereitung
6) beschleunigen
7) Veranschaulichung, die
8) sich Dat. etw. Gen. bewusst werden
9) aufwändig
10) etw. unzulässig simplifizieren

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11) jmdn. hinters Licht führen
12) Manipulationen durchschauen

Aufgabe 4. Antworten Sie auf die Fragen zum Text:


1. Wie ist es dem Magazin Fokus gelungen, das Monopol des Konkurrenten Der
Spiegel zu durchbrechen?
2. Welches Ziel hat das Magazin dabei verfolgt?
3. Wo verbreitete sich der Trend zur grafischen Aufbereitung von Informationen?
Warum? (Nennen Sie 6 Gründe!)
4. Welche Probleme bzw. Gefahren davon werden im Text genannt?
5. Wie ist das Fazit des Textes?
6. Was war für Sie neu bzw. unerwartet/ überraschend?

Aufgabe 5. Bereiten Sie zwei Argumentationsvorträge vor: „Manipulation in den


Medien“ und „Die Macht der Bilder“. Studieren Sie vorher die methodische Anleitung zum
Verfassen eines Argumentationsvortrags, lesen Sie den Mustervortrag und erfüllen Sie die
Aufgaben dazu (Anhang 1).

Aufgabe 6. Studieren Sie Anhang 4 „Beschreibung einer Grafik“. Seien Sie bereit, im
Unterricht Datengrafiken und Schaubilder zu beschreiben.

FAKENEWS

Quelle: https://www.ard.de/image/3969564/16x9/4788931524187301356/704

https://www.tagesschau.de/faktenfinder/

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Die ARD gründete im Frühjahr 2017 das Onlineportal faktenfinder zur Aufklärung
und Eindämmung von Fake News. Das Onlineportal soll dazu dienen, Phänomene wie
politische Propaganda, Gerüchte, Lügen, Fake News, Verschwörungstheorien und auch
Hass im Internet zu sammeln und richtigzustellen.
Durch das Internet kursierten zahlreiche Gerüchte und Legenden. Sie könnten
durch ständige Wiederholung zu "alternativen Fakten" mutieren. Hier wolle das
Verifikationsteam für mehr Klarheit sorgen. Dazu werde das Team nicht nur gesicherte
Informationen recherchieren und darstellen, sondern auch anhand von konkreten
Beispielen darlegen, wie gefälschte oder andere unseriöse Meldungen zu erkennen sind.
Dabei spielt vor allem die regionale Kompetenz der ARD eine überragende Rolle, denn
viele Gerüchte und Falschnachrichten verbreiten sich zunächst lokal. Durch die
regionale Präsenz der ARD können solche Gerüchte schnell identifiziert und geprüft
werden. Der "Faktenfinder" versteht sich als ein Knotenpunkt im ARD-Netzwerk, um
solche Phänomene aufzuspüren und – nach Prüfung der Relevanz – gegebenenfalls zu
entkräften. Dies soll in Zusammenarbeit mit Fachredaktionen in der ARD,
Korrespondenten oder regional betroffenen Studios geschehen.
Die Ergebnisse dieser Arbeit veröffentlicht die ARD auf der
Seite faktenfinder.tagesschau.de. Zugleich können Landesrundfunkanstalten und ARD-
Studios die Recherchen für ihre Berichterstattung verwenden. Die Ergebnisse werden
außerdem für die Sozialen Netzwerke aufbereitet, um sie dort auszuspielen, wo falsche
Nachrichten und Gerüchte verbreitet werden.

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KAPITEL 2. PRINTMEDIEN

Inhalt:
1. Zeitung
2. Online-Zeitungen und -Zeitschriften
3. Textsorten in den Massenmedien
a. Informationsbetonte Textsorten
b. Meinungsbetonte Textsorten

Printmedien ist ein Sammelbegriff für alle auf Papier gedruckten Medien: Zeitungen,
Zeitschriften, Bücher und sonstige Druckerzeugnisse (wie z.B. Beilagen, Kataloge,
Prospekte und Anzeigenblätter).

1. Zeitung

Aufgabe 1. Machen Sie sich mit den allgemeinen Informationen bekannt.

Eine Zeitung zeichnet sich durch vier Merkmale aus: Publizität, Zugänglichkeit für
jeden, Öffentlichkeit; Aktualität – Orientierung an der Gegenwart, indem das Geschehen des
Tages oder der Woche behandelt wird; Periodizität – Erscheinen in regelmäßigen Abständen,
täglich oder wöchentlich; Universalität – Offenheit gegenüber allen Themen, thematische
Vielfalt.
Für eine demokratische Gesellschaft ist Meinungsvielfalt unerlässlich. Die große Palette
der Zeitungen unterschiedlichster Ausrichtung steht dafür. Es gibt folgende Arten der
Zeitungen: Lokalzeitungen, Regionalzeitungen, überregionale Zeitungen, Tageszeitungen,
Abendzeitungen, Wochenzeitungen, Sonntagszeitungen, allgemeine Zeitungen,
Boulevardzeitungen, Anzeigenblätter, Abonnementzeitungen, Verkaufszeitungen, kostenlose
Zeitungen.
Eine Tageszeitung erscheint täglich außer sonntags. Sonntagszeitungen sind
Zeitungen, die ausschließlich am Sonntag erscheinen. Sie sind im Abonnement oder am
Kiosk erhältlich, z. B. „Welt am Sonntag“, „Bild am Sonntag“ oder „Frankfurter Allgemeine
Sonntagszeitung“ (FAS).
In Anzeigenblättern steht vor allem Werbung. Sie sehen so ähnlich aus wie Zeitungen,
kosten aber nichts und werden einfach so verteilt. Auch haben sie viel weniger Text als eine

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normale Zeitung. In einem Anzeigenblatt ist etwa dreimal so viel Werbung wie in einer
Zeitung. Anzeigen werden vom Absender bezahlt und gestaltet. Darum ist für sie nicht die
Redaktion, sondern die Anzeigenabteilung zuständig. Anzeigen machen auf Produkte oder
Veranstaltungen aufmerksam. Ein Lebensmittelladen möchte zum Beispiel auf seine
Sonderangebote hinweisen oder ein Zirkus kündigt seine Auftritte in der Stadt an.
Abonnementzeitungen. Wenn man eine Zeitung abonniert, kommt sie regelmäßig
morgens per Post oder Bote bzw. Botin direkt nach Hause in den Briefkasten. Wenn man
jeden Tag Zeitung lesen möchte, ist ein Abo billiger, als sich jeden Tag die Zeitung am
Kiosk zu kaufen.

Regionale Zeitungen
Die föderalistische Struktur der Bundesrepublik spiegelt sich in ihrer Presse wider. In
den Bundesländern haben sich sowohl in den Landeshauptstädten als auch in anderen
Großstädten mehr als 60 Tageszeitungen entwickelt. Die Berichterstattung beschäftigt sich
schwerpunktmäßig mit der Region, z.B.:

Eine überregionale Zeitung erscheint nicht nur in einer bestimmten Region, sondern
im ganzen Land. Sie berichtet mehr über Politik, Wirtschaft und Kultur als die
Regionalzeitungen. Es gibt nur wenige überregionale Tageszeitungen in Deutschland:
Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), Frankfurter Rundschau (FR), Süddeutsche Zeitung

19
(SZ), tageszeitung (taz), Welt, Welt Kompakt, Bild, Neues Deutschland, Financial Times
und Handelsblatt.
Wichtige überregionale Zeitungen

Kennzeichnend sind große Reportagen,


stilistisch gute Glossen,
Korrespondentenberichte aus aller Welt und
Serien zu aktuellen Themen. Interviews mit
Politikern, die auch im Gegensatz zur liberalen
Grundhaltung der Zeitung stehen können.

Verfügt über ein dichtes


Korrespondentennetz, ist daher unabhängig
von Nachrichtenagenturen. Bringt
umfangreichste Berichterstattung zu
außenpolitischen Themen. Große Beachtung
findet ihr Wirtschafts- und Feuilletonteil sowie
ihr ausführlicher Stellenmarkt.

Hat ihre politische Linie mehrfach geändert.


Steht heute für eine liberal-konservative
Richtung. In der Zeit von 1969 bis 1982
bekämpfte sie entschieden die sozial-liberale
Bundesregierung und besonders deren
Ostpolitik.

Ist in ihren Berichten an modernen,


liberalen und sozial gerechten Positionen
ausgerichtet. Tritt für Rechte von Minderheiten
ein. Ihr Nachrichtenteil ist weniger umfangreich,
befasst sich aber mit Themen, die die
Konkurrenz ausspart.

20
(TAZ) gilt als links-alternativ. Erschien
erstmals 1979 und ist in Berlin ansässig. Sie hat
Lokalteile für Hamburg und Bremen. Ihre
Themenschwerpunkte entsprechen vielfach den
Politikfeldern der Bündnisgrünen.

Straßenverkaufspresse
Eine Boulevardzeitung ist ein periodisch in hoher Auflage erscheinendes
Druckerzeugnis, dem nur eingeschränkte Seriosität zugeschrieben wird. Die ersten Vertreter
der Gattung waren nur auf der Straße (Boulevard) käuflich zu erhalten, nicht im Abonnement.
Von den rund 25 Mio. Tageszeitungen, die täglich verkauft werden, entfallen fast 6 Mio.
Exemplare auf die Boulevardpresse. Das sind jene Blätter, die ausschließlich am Kiosk zu
erwerben sind. Sie spielen aber wegen ihrer populären Themen und wegen ihres Urteils über
Politiker in der politischen Meinungsbildung eine nicht zu unterschätzende Rolle.
Kennzeichnend für diesen Zeitungstyp sind auffällige Aufmachung, reißerische
Überschriften, großformatige Fotos, Sex- und Grusel-, Prominenten- und
Skandalgeschichten.

Wochenzeitungen
Durch die wöchentliche Erscheinungsweise bieten sie die Möglichkeit, Themen –
abseits der Hektik tagesaktueller Berichterstattung – ausführlicher zu behandeln, als dies
zum Beispiel bei Tageszeitungen üblich ist. Es werden die gleichen Themengebiete
behandelt und eine Wochenzeitung hat auch denselben Aufbau wie eine Tageszeitung. Leser
können sich hier umfassender über Themen und Ereignisse informieren, hier werden Details
und Hintergründe ebenso wie die großen Zusammenhänge dargestellt. Auch Themen und
Probleme der Vergangenheit werden hier immer wieder aufgegriffen und behandelt.

21
Zusätzlich werden vermehrt wissenschaftliche und populärwissenschaftliche Themen
angesprochen.
Oft werden auch verschiedene Meinungen zu einem politischen Thema in einer
Publikation veröffentlicht, ein Pro- und ein Contra-Artikel. Wochenzeitungen orientieren
sich stärker an einer längerfristigen Meinungsentwicklung und weisen in der Regel ein
umfassenderes Meinungsspektrum auf als Tageszeitungen, ohne dadurch ihr Meinungsprofil
zu verlieren. Typische Textformen sind hier der Kommentar, die Analyse, die Reportage, die
Glosse und Rezensionen im kulturellen Teil.
Bekannte Wochenzeitungen sind:

Aufgabe 2. Stellen Sie sich vor: Sie wollen Ihren Schülern die gesamte
Zeitungslandschaft in einem Schema/ Schaubild präsentieren, um die ziemlich komplexen
Informationen vereinfacht darzubieten und so die Aufnahme davon zu erleichtern. Entwerfen
Sie dieses Schema bzw. Schaubild! Nutzen es dann als Stütze und berichten Sie über die
Zeitungen in Deutschland.

Aufgabe 3. Schauen Sie sich das Video


https://www.youtube.com/watch?v=e3IXTWqrfJA an und machen Sie sich mit der Struktur
einer Zeitung bekannt.

Aufgabe 4. Nehmen Sie Sie eine deutsche Zeitung zur Hand und analysieren Sie die.
Finden Sie folgende Teile:
 Zeitungskopf
 Ressorts (verschiedene thematische Bereiche, in die die Zeitung gegliedert ist.
Einzelne Ressorts sind z. B.: Politik, Wirtschaft, Lokales, Sport, Kultur.)
 Buch
 Unterzeile (die Zeile unter der Überschrift oder einem Bild)
 Zwischentitel / Zwischenzeile = Zwischenüberschriften, um einen langen
Zeitungsartikel aufzulockern. Sie machen Artikel besser verständlich und regen die
Leser/innen zum Weiterlesen an. Wenn man die Überschrift und Zwischenzeilen gelesen hat,
sollte man grob wissen, worum es in dem Artikel geht.
 Anzeige

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 Aufmacher: der wichtigste, auf der Titelseite einer Zeitung hervorgehoben
präsentierte Artikel. Er ist komplett oder mindestens mit der in großen Lettern gesetzten
Schlagzeile auf der oberen Blatthälfte platziert und oft mit einem Bild kombiniert. Beides
soll die Aufmerksamkeit des Betrachters erregen. Im redaktionellen Jargon kann mit
Aufmacher auch nur das Bild gemeint sein.
In Boulevardzeitungen ist der Aufmacher in der Regel mit einer im Verhältnis zum Text
übergroßen, sensationsheischenden und marktschreierischen Schlagzeile versehen. Sein Ziel
ist es, das Interesse des potenziellen Kunden zu wecken, der auf die weiteren Informationen
neugierig gemacht und zum Kauf des Produkts angeregt werden soll. Beispielhaft für
typische Aufmacher dieser Art stehen die von der Bild-Zeitung halbseitig mit großen,
augenfälligen Buchstaben angekündigten, oft mit grellen Fotos unterlegten Tagesmeldungen
auf der Frontseite.
Bei Abonnementzeitungen ist die Überschrift des Aufmachers in der Regel sachlicher
formuliert. Jedoch ist der Aufmacher als solcher auch hier durch Platzierung und
Letterngröße der Schlagzeile eindeutig markiert.
Der tragende Artikel einer Zeitungsseite wird Seitenaufmacher genannt.
 Anreißer

In der Umgangssprache nennt man Anreißer jene


Verkäufer, die auf dem Markt ihre Ware lauthals
anpreisen. In der Zeitungssprache ist das ein Text, der
Interesse wecken und auf eine ausführliche
Darstellung neugierig machen soll. Dabei darf er noch
nicht allzu viel vorwegnehmen. Anreißer sind nur
wenige Zeilen kurz. Sie können wie eine
nachrichtliche Meldung gebaut sein, das Wesentliche
als ‘Summary’ zusammenfassen oder die
elliptische (syntaktisch unvollständige) Form einer
Überschrift annehmen. In jedem Fall verweist die
Redaktion am Ende des Anreißers deutlich mit Rubrik
und Seitenzahl auf jene Stelle im Blattinneren, wo die
Leser mehr erfahren. Anreißer stehen in der Regel auf
der Titelseite einer Zeitung und sind in der linken oder rechten Außenspalte vertikal oder
unter dem Zeitungskopf horizontal gruppiert.

 Agenturkürzel (Nachrichtenagentur: In einer Zeitung stehen jeden Tag viele


hundert Informationen. Diese Informationen können nicht allein die Redakteure oder
Redakteurinnen dieser Zeitung zusammen tragen, das würde zu viel Zeit und Geld kosten.
Darum gibt es die Nachrichtenagenturen. Eine Nachrichtenagentur ist ein Unternehmen, das
Nachrichten sammelt, sichtet und vorsortiert. Gegen Bezahlung werden diese Nachrichten z.
B. an Zeitungsredaktionen weitergegeben. Nachrichtenagenturen haben Korrespondenten auf
der ganzen Welt und damit Zugang zu sehr vielen Informationen. Die bekannteste und die
größte Nachrichtenagentur in Deutschland ist die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Bekannte
ausländische Agenturen sind z. B. AP (Associated Press/USA), Reuters (rtr/Großbritannien),
AFP (Agence France Press, Frankreich)
23
 Datum
 Schlagzeile: die größte Überschrift auf der Zeitungsseite. Sie ist häufig die
Überschrift des Aufmachers auf der Seite
 Spalte: Eine Zeitungsseite ist in mehrere Textspalten (meist fünf oder sieben)
eingeteilt. Die Länge das Artikels wird u. a. nach Spalten sortiert: Einspalter (= Meldung),
Zweispalter, … Eine weitere Maßeinheit ist die Zeile.

 Vorspann/ Lead: leitet einen Artikel ein. Er ist meist fett oder in einer anderen
Schriftgröße als der eigentliche Artikel gedruckt und fasst kurz die wichtigsten
Informationen zusammen

 Einzelverkaufspreis
 Ausgabennummer, Jahrgang

Aufgabe 5.
a) Recherchieren Sie die belarussische Zeitungslandschaft und präsentieren Sie sie im
Unterricht. Welche Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede im Vergleich zu Deutschland
lassen sich feststellen?
b) Analysieren Sie in Paaren die Struktur und das Layout einer belarussischen Zeitung.
Welche Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede im Vergleich zu entsprechenden deutschen
Zeitungen lassen sich feststellen? Präsentieren Sie die Ergebnisse im Plenum.

Aufgabe 6.

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a) Viele Zeitungen sind in den letzten Jahren wirtschaftlich unter Druck geraten,
manche mussten sogar ihr Erscheinen einstellen. Sie werden von zwei Seiten in die Zange
genommen: Zum einen sinkt die Auflage kontinuierlich, denn besonders junge Leute
verzichten auf das gedruckte Papier und informieren sich in den elektronischen Medien wie
Fernsehen und Radio, aber vor allem auch im Internet, das vieles kostenlos bietet. Und auf
der anderen Seite sinken die Erlöse aus dem Anzeigenverkauf: Viele Unternehmen nutzen
lieber das Internet als Werbeplattform, und ein großer Teil der sogenannten Rubrikenmärkte
wie Immobilien- und Stellenanzeigen ist ins „Netz“ abgewandert. Deshalb erscheinen
gedruckte Zeitungen und Zeitschriften in der letzten Zeit auch online.
b) Sammeln Sie bitte Ideen zur Frage: Was unterscheidet Printausgaben der
Zeitungen/ Zeitschriften und Online-Zeitungen/ Zeitschriften? Tauschen Sie Ihre Ideen aus.
c) Lesen Sie jetzt die folgenden Informationen zu diesem Thema und vergleichen
Sie die mit Ihren Ideen.

2. Online-Zeitungen und -Zeitschriften

Seit Mitte der 90-er Jahre sind die meisten deutschsprachigen Zeitungen im WWW mit
einem Angebot zu finden. Sie werden auch rege genutzt. Die meisten Online-Zeitungen
bieten Dienste an, die die Printversion nicht bietet bzw. nicht bieten kann:

25
1. Archive und Suchfunktionen:

2. Links zu externen Seiten:

3. Interaktive Infografiken:

26
4. Interaktive Dienste wie z.B. Diskussionsforen

Ob in einer Online-Ausgabe einer Zeitung alle Texte des gedruckten Pendants zu finden
sind, unterscheidet sich vom Titel zu Titel. So sind bei der Online-Ausgabe der „FAZ“,
FAZ.net, Texte aus der Printversion zu finden, sie sind unten auf der entsprechenden Seite
markiert mit der Angabe „Quelle: F.A.Z.“. Texte, die für die Online-Version verfasst
wurden, sind markiert mit „Quelle: FAZ.NET“, oder mit anderen Quellenangaben („Quelle:
DPA“).

Während es in den Anfängen der Online-Zeitungen üblich war, nur die Anfänge von
Artikeln auf der Webseite zugänglich zu machen, sind heute Artikel in den meisten
Angeboten vollständig. Und sie werden in der Regel kostenlos angeboten. Einige Angebote
sind nur begrenzt kostenlos. Kostenpflichtig sind alle E-Paper-Ausgaben, also die
elektronischen Versionen der Printausgaben.

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Online-Zeitungen sind Hypertexte auf dem WWW, sie sind multimodal, nonlinear,
interaktiv und virtuell. Sie bestehen nicht nur aus schriftlichem Text, sondern auch aus
auditiven, filmischen, fotografischen und grafischen Elementen, sie sind also Hörfunk,
Fernsehen, Video, Zeitung, Bildband und Computeranimation in einem. Online-Zeitungen
machen nicht von allen Modalitäten denselben Gebrauch. Während die einen mit ganz wenig
Bildern auskommen, spielen Photos z.B. in der FAZ eine prominente Rolle. Auf der
Homepage der FAZ wird beinahe jeder „Meldungsanreißer“ mit einem Photo illustriert.

Auch oberhalb der Navigationsleiste fungiert ein Photo als Blickfang und gleichzeitig
als Link:

Regelmäßig wird von Online-Zeitungen auch zu ausgewählten Themen ein


„Fotoalbum“ oder eine „Photostrecke“ angeboten, wo mehrere Photos zu einem Ereignis
eingesehen werden können:

28
Schauen Sie sich diese Photostrecke an:
http://www.wiwo.de/erfolg/coach/glueck/world-happiness-report-skandinavier-
sind-die-gluecklichsten-menschen/8773062.html

Auch Nachrichtenfilme gehören heute zum Angebot der Online-Zeitungen:

Insgesamt zeigt sich als Trend, dass Text-Bild-Konglomerate wichtiger werden. Viele
Online-Zeitungen bieten bereits auf der Homepage einen Video-Link oder einen
Multimedia-Link:

Online-Zeitungen sind interaktiv. Sie führen z.B. Umfragen zu aktuellen Themen durch,
sie führen Listen mit Texten an, die am meisten gelesen, kommentiert oder empfohlen
werden:

29
Außerdem besteht die Möglichkeit, Beiträge über Facebook, Twitter oder Google+
weiterzuleiten oder sie direkt auf der Webseite zu empfehlen.

Online-Zeitungen sind nicht an die Zeit gebunden. Sie können in kürzesten Intervallen
aktualisiert werden:

30
Online-Zeitungen sind auch nicht an Seitenzahlen oder Seitengrößen eingeschränkt,
zudem können auf einer Webseite unzählig viele Seiten angeboten werden – etwa in
Archiven.
Während Printprodukte zweidimensional sind, kann man Online-Zeitungen als
dreidimensional bezeichnen: Hinter den Informationsangeboten auf einer Seite sind weitere
Angebote zu finden, die über Links zugänglich werden. Aber: bei Printausgaben kann man
sich schnell einen Überblick über die angebotenen Informationen verschaffen, bei Online-
Ausgaben ist das schwieriger oder sogar unmöglich. Zudem ist auf den meisten Webseiten
heutiger Online-Zeitungen auf dem Bildschirm nur ein Ausschnitt der ganzen Seite zu sehen.
Auch das erschwert es dem Besucher, sich einen Überblick zu verschaffen.
Was die Interaktivität angeht, so konzentriert sich das Angebot heute auf die
Kommentarfunktion und die Diskussionsforen. Leserbriefe werden als E-Mails über ein
elektronisches Formular an die Redaktion versendet. Der Link auf das Formular befindet
sich in der Fußzeile, zu welcher man sich ziemlich mühsam vorscrollen muss, und ist in
kleiner Schrift gehalten. Zum Formular gelangt man, indem man den Link
„Kontakt“ anklickt:

31
Schauen Sie sich das Formular hier an:
http://verlag.faz.net/unternehmen/kontakt/schreiben-sie-uns-11127932.html

Auf solche Weise wird das Verfassen von E-Mails an die Redaktion tendenziell
erschwert (vor einigen Jahren waren „Kontakt“-Links an viel prominenteren Orten zu
finden). Allerdings gehört es heute standardmäßig zu Online-Zeitungen, dass zu einzelnen
Texten Kommentare online verfasst und gepostet werden können. Dabei kann in der Regel
der entsprechenden Autorin direkt eine E-Mail geschickt werden:

Oder es kann ein Online-Kommentar veröffentlicht werden:

Diese Kommentare sind (im Gegensatz zu E-Mails an einzelne Autoren) öffentlich


einsehbar. In den meisten Fällen ist eine Registrierung notwendig.

Die Beiträge werden auch redaktionell überwacht, z.B. wird etwas gelöscht, was nicht
der „Netiquette“ entspricht.

Aufgabe 7. Übersetzen Sie die folgenden Vokabeln bzw. Verbindungen aus dem Text
in Ihre Muttersprache und lernen Sie sie. Führen Sie zu jedem Wort bzw. jeder
Wortverbindung einen kurzen Kontext aus dem Text an.
32
1. zugänglich
2. kostenpflichtig
3. E-Paper-Ausgabe, die
4. Printausgabe, die
5. multimodal
6. nonlinear
7. von etw. Dat. Gebrauch machen
8. auskommen mit / ohne etw.
9. etw. Akk. an jmdn. Akk. weiterleiten
10.zwei-/ dreidimensional
11.sich Dat. einen Überblick über etw. Akk. verschaffen
12.Fußzeile, die
13.sich zu etw. vorscrollen
14.in kleiner Schrift gehalten sein
15.etw. Akk. anklicken
16.ein Kommentar zu etw. verfassen/ posten/ veröffentlichen
17.einsehbar sein
18.Beiträge überwachen / löschen
Aufgabe 8. Fassen die kurz die Informationen des Textes zusammen und tragen Sie die in
die Tabelle ein.

33
Medium Vorteile Nachteile
- -
Gedruckte Zeitungen/ - -
Zeitschriften - -
… …
- -
Online-Versionen der - -
Zeitungen/ Zeitschriften - -
… …

Aufgabe 9. Analysieren Sie die folgenden Screenshots von Online-Zeitungen. Was


erkennen Sie hier von dem wieder, worüber Sie oben gelesen haben? Kommentieren Sie das
bitte.
a)

b) Was erkennen Sie hier?

c)

34
d)

35
e)

Hier können Sie es näher ansehen:


http://www.faz.net/aktuell/reise/fenster-der-freiheit-die-wilden-neunziger-jahre-
in-russland-die-putin-an-die-macht-brachten-14924489.html

f)
36
g)

Aufgabe 10. Schauen Sie sich die Grafik an. Was erfahren Sie über die
Zeitungswebseiten in Deutschland? Berichten Sie. Nutzen Sie dabei die Redemittel im
Anhang 3.

37
Aufgabe 11. Sie sind zu einer Diskussion zum Thema „Hat die gedruckte Zeitung eine
Zukunft?“ eingeladen. Entscheiden Sie sich für die Position „Ja“ oder „Nein“ und sammeln
Sie Argumente.
Pro Contra
- -
- -
- -
- -

Diskutieren Sie mit Ihren Kommilitonen. Beachten Sie bitte dabei Folgendes:
 Halten Sie sich bitte an die Regeln einer Diskussion (Anhang 5. Diskussion);
 Nutzen Sie die entsprechenden Redemittel (Anhang 5. Diskussion);
 Vertreten Sie Ihre Meinung, begründen Sie die und geben Sie Beispiele;
 Gehen Sie auf die Argumente Ihrer Gesprächspartner ein;
 Versuchen Sie, Ihre Gesprächspartnerin von Ihren Argumenten zu überzeugen.

Aufgabe 12. Bereiten Sie einen Argumentationsvortrag zum Thema „Stirbt die
gedruckte Zeitung aus?“ vor.

3. Textsorten in den Massenmedien (Presse und Publizistik)

Aufgabe 1. Welche Textsorten sind Ihnen bekannt? Was ist für sie kennzeichnend?

Aufgabe 2. Lesen Sie die Informationen über die Textsorten.

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Definition. Textsorten (journalistische Genres) sind Sprachhandlungsschemata, die
nach bestimmten Mustern und Strategien spezifische Vermittlungsaufgaben (Funktionen)
erfüllen.
Die journalistischen Textsorten sind meist sehr schwierig voneinander zu unterscheiden.
Das liegt darin begründet, dass sie sich in zahlreichen Merkmalen ähneln.
Einteilung der Textsorten
I. Informationsbetonte Textsorten:
1. Meldung: die elementarteste Textsorte, einfache Sachverhaltsdarstellung, ein
Ereignis hat stattgefunden, keine oder minimale thematische Entfaltung, u.U. nur ein
einziger Satz. Im TV mit Bildern begleitet.
Funktion: Informieren
Sprachliche Realisierung: Einfachsätze, Nominalisierung, syntaktische
Komprimiertheit: Beim Zusammenstoß zweier Straßenbahnen fünf Menschen getötet…

Beispiel:
Boatpeople in Italien
Lampedusa. – Nach dem Tod 28 illegaler afrikanischer Einwanderer im Mittelmeer ist
am Mittwoch erneut ein Flüchtlingsboot mit etwa 100 Menschen in Süditalien angekommen.
Im Kampf gegen die Migration verlangt Italien Hilfe von der EU. Die Regierung erwägt
auch die Einrichtung von Flüchtlingscamps in Afrika.

Eine Kurzmeldung ist die Weitergabe einer kurzen bzw. knapp gehaltenen Information
oder einer Nachricht. Im Zeitungsjournalismus wird darunter meist eine einspaltige Meldung
mit 10-12 Zeilen (zwei bis drei Sätze) verstanden. Ähnlich werden im Fernsehen die
Nachrichtenblöcke in den sonst themenbezogenen Nachrichtensendungen ausschließlich mit
Kurzmeldungen gestaltet. Die stündlichen oder halbstündlichen Nachrichtenblöcke in
musikorientierten Hörfunkprogrammen werden überwiegend oder ausschließlich mit
Kurzmeldungen gestaltet, deren Gesamtumfang bei etwa zwei bis drei Minuten liegt.
Viele Nachrichtenmeldungen werden, solange die Recherche noch andauert, vorab als
Eilmeldung (englisch breaking news) herausgegeben, um das Bedürfnis nach besonders
schnellen und aktuellen Meldungen zu befriedigen und sind bis zum Erscheinen der
ausführlichen Meldung ebenfalls als Kurzmeldung verfügbar. Sie werden teilweise als
Laufschrift im Fernsehprogramm eingeblendet.

2. Nachricht: sollte objektive Sachverhalte darstellen, ist aktuell und enthält


Informationen. Nachrichten beantworten die W-Fragen und dürfen in keinem Fall die
persönliche Meinung des Autors beinhalten. Sie sind kurz und schnörkellos und sollen klar
angeben, worum es geht. Das Wichtigste steht am Anfang.
In der journalistischen Arbeit haben sich 6 W-Fragen herausgebildet, die als Grundlage
des späteren Textes dienen. Zusätzlich werden die folgenden W-Fragen um eine 7. ergänzt -
die Frage nach der Quelle.
W-Fragen in logischer Reihenfolge (nicht unbedingt in dieser Reihenfolge im Text):
1. Was geschah überhaupt?
2. Wer ist am Ereignis beteiligt?
3. Wo geschah das Ganze?

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4. Wann geschah das Ereignis?
5. Wie ist es abgelaufen?
6. Warum geschah es?
7. Welche Quellen gibt es?

Harte Nachricht (hard news): Urzelle der Zeitung. Funktion: den Leser/Hörer aktuell,
sachlich, d.h. ohne Beigabe von Kommentierung, und prägnant zu informieren. Vermittlung
von Informationen in möglichst knapper, unparteilicher Weise. Themen: Angelegenheiten
von großer politischer, wirtschaftlicher und kultureller Bedeutung.
Textaufbau: festes Prinzip – inverted pyramid, umgekehrte Pyramide: Titel (die
wichtigste Information, das Neue); Vorspann (Lead); Haupttext (Body) nach dem Prinzip der
abnehmenden Wichtigkeit.

Das Prinzip der umgekehrten Pyramide im Journalismus besagt, dass Nachrichten mit
den wichtigsten Informationen beginnen und dann immer unbedeutendere Angaben folgen.
Bezogen auf einzelne Nachrichtenmeldungen bedeutet dies, dass am Anfang eine
Überschrift und ein knapp formulierter Einstiegssatz (Leadsatz, Vorspann) mit den
Kerninformationen über das jeweilige Ereignis stehen. Zu diesen Kerninformationen
gehören Antworten auf „W-Fragen“. Im zweiten Satz der Meldung folgen dann meist die
Quelle der Informationen (7. W-Frage) und weitere wichtige Angaben. Daran schließen sich
in weiteren Sätzen nähere Einzelheiten an, am Schluss der Meldung stehen Hintergründe,
Ursachen, Wirkungen und Zusammenhänge.
Bezogen auf ganze Nachrichtenseiten oder -sendungen bedeutet das Prinzip der
umgekehrten Pyramide, dass auf der Titelseite beziehungsweise am Sendungsbeginn die
Hauptmeldungen („Aufmacher“) stehen und dann immer unbedeutendere folgen - bis zu
„human interest“-Meldungen, Sport und Wetter. Hintergründe können meist nur auf hinteren
Seiten beziehungsweise in nachfolgenden Sendungen dargestellt werden.
Der Grund für den Nachrichtenaufbau ist technischer Natur: Als Zeitungen noch mit
Setzkästen gedruckt wurden, konnte eine Nachricht nur schnell der Aktualität folgend
gekürzt werden, wenn sie nach dem Trichterprinzip formuliert war. Man strich sie einfach
von unten her und hatte so wieder mehr Platz auf der Seite. Dieses Prinzip behielt man auch
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in späteren Jahren bei und übernahm es auch für Rundfunk und Fernsehen – auch weil es
dem Leser oder Zuschauer erlaubt, geistig auszusteigen und dennoch das Wichtigste erfahren
zu haben.
Beispiel: In der Tagesschau besitzen alle Beiträge „Sollbruchstellen“, damit sie alle
30 Sekunden gekürzt werden können. Deshalb ist die Tagesschau jeden Tag 14 Minuten lang.
Der große Vorteil des Prinzips der umgekehrten Pyramide im Journalismus besteht
darin, dass sich einzelne Meldungen beziehungsweise ganze Seiten und Sendungen so
aufbauen lassen, dass sie je nach Platz oder Sendezeit beliebig von hinten gekürzt werden
können, ohne dass die Kerninformationen oder Hauptmeldungen verloren gehen. Nach
diesem Prinzip geschriebene Nachrichtenmeldungen sind erstmals in den 1860er Jahren in
den USA nachweisbar. Während des amerikanischen Bürgerkrieges und später waren
Korrespondenten darauf angewiesen, bei der störanfälligen Übermittlung ihrer Berichte
durch Telegrafen, die wichtigsten Informationen an den Anfang zu stellen. Wenn die
Verbindung zusammenbrach, waren zumindest die Kerninformationen bereits übermittelt.
Trotz dieser Vorteile dauerte es noch bis in den Anfang des 20. Jahrhunderts, bis sich das
Prinzip der umgekehrten Pyramide weltweit im Nachrichtenjournalismus durchsetzte.
Ein Nachteil des Prinzips der umgekehrten Pyramide im Journalismus ist, dass
Informationen über die Hintergründe, Ursachen, Wirkungen und Zusammenhänge von
Ereignissen als erstes weggekürzt werden. Doch auch wenn Hintergrundinformationen in
einer Meldung enthalten sind, stehen sie sehr weit entfernt von den Kerninformationen.
Wenn also der Leser oder Hörer die ersten Sätze nicht versteht, kann er sie erst später
einordnen – Neuigkeit geht also häufig zu Lasten der Verständlichkeit. Das Prinzip der
umgekehrten Pyramide widerspricht dem normalen menschlichen Erzählverhalten, wonach
über ein Ereignis eher chronologisch berichtet wird.

Weiche Nachricht (soft news). Themen: Skandale, Verbrechen, Naturkatastrophen,


Unglücksfälle, Einzelheiten aus dem Leben bekannter Persönlichkeiten – human-interest-
Bereich. Variationsreiche Textgestaltung und leserwerbende Informationspräsentation.
Lektüreanreize: Kaufmann bezog Prügel wegen Flirten.
Sprachliche Realisierung: humorvolle Gags (der Gag = etwas, was einen
Überraschungseffekt hat; Besonderheit), markante Zitate, Redewendungen, Umgangssprache,
Pointe (die Pointe = [geistreicher] überraschender [Schluss]effekt in einem Ablauf,
besonders eines Witzes; Höhepunkt, Knaller). Lockere, scherzhafte
Kommunikationsmodalität, Attraktivität durch Abweichungen, Andeutungen,
Übertreibungen. Boulevard, Unterhaltungspresse, auch solide Presse.

3. Bericht ist eine komplexere und ausführlichere Form der Nachricht.


Struktur: Texteröffnung: Titel, Lead. Hauptteil: Berichtendes Hauptgeschehen (Zitate,
Kommentare, Hintergrundinformationen). Textschluss: Stellungnahme, Prognose.
Attraktivität: Zitate, Bewertungen (Adjektiv/Adverb, Redewendungen), Emotionalität,
Expressivität.
Sprache: nüchtern, sachlich und klar. Zeitform ist das Präteritum. Die Sprache ist zwar
recht knapp, schildert aber dennoch alle wesentlichen Ereignisse. Verzicht auf wörtliche

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Rede, indirekte Wiedergabe. Allerdings ist das kein Muss und viele Zeitungen zitieren
wortwörtlich.
Aufbau des Berichts:
Der Bericht besteht im Großen und Ganzen aus drei Einheiten: der Einleitung, dem
Hauptteil und dem Schluss. Jeder Teil beantwortet verschiedene W-Fragen.
˗ Einleitung: Die Einleitung präsentiert knapp die Antworten auf die Fragen Wo? Wer?
Wann? Was?, sodass sich der Leser einen Überblick verschaffen kann. In Zeitungen nennt
man diesen Abschnitt Lead/ Vorspann. Häufig ist dieser fett gedruckt.
˗ Hauptteil: Der Hauptteil des Berichts gibt Aufschluss darüber, was tatsächlich
vorgefallen ist. Wichtig ist hierbei, dass die zeitliche Abfolge der Geschehnisse eingehalten
wird. Wir finden hier also Angaben über das Was, Wie und Warum.
˗ Schluss: Der Schluss des Berichts gibt Antworten darauf, welche Folgen das Ereignis
hatte oder auch darauf, wie das Problem letzten Endes gelöst wurde. Die Sprache bleibt aber
dennoch knapp, sachlich und ohne Deutungsebene des Autors.
Im Fernsehen und Hörfunk ist der Live-Bericht die häufigste Form des Berichts. Dabei
wird von einem Ereignis ohne Zeitverzögerung berichtet, während es geschieht. Verwandt ist
der Live-Bericht mit dem Newsticker oder auch Live-Ticker im Online-Journalismus, auch
wenn bei diesem eine zumindest minimale Zeitspanne zwischen Ereignis und Bericht
vergeht. Dieser berichtet in sehr kurzen, meistens nur einen Satz umfassenden Meldungen
von einem wichtigen Ereignis und wird am häufigsten im Sportjournalismus verwendet.

Aufgabe. Lesen Sie den folgenden Artikel. Überlegen Sie sich, wofür die Farben
stehen können. Was veranschaulichen Sie? Bestimmen Sie danach die Textsorte und
begründen Sie Ihre Entscheidung.
Deponie-Mangel : Kein Platz mehr für den Müll
01.07.2018
In Deutschland gibt es immer weniger Mülldeponien. Gleichzeitig wächst die Abfallmenge. Das
geht nicht mehr lange gut.
Deutschland droht ein Mangel an Mülldeponien. In den kommenden Jahren werden nach Daten des
Statistischen Bundesamts mehrere hundert Deponien das Ende ihrer Betriebsdauer erreichen. Die
Auswirkungen treffen in Form steigender Kosten für die Entsorgung vor allem Häuslebauer und die
Baubranche – Bauabfälle machen über die Hälfte des gesamten deutschen Mülls aus. Bau- und
Recyclingbranche sind besorgt.
Die Zahlen zeigen, dass 2016 noch 1108 Deponien in Deutschland in Betrieb waren, fast 900 weniger
als zehn Jahre zuvor. Und im Zeitraum von 2015 bis 2025 erreichen demnach noch einmal über 500
Deponien das Ende ihrer vorgesehenen Betriebsdauer. Zwar sind bei mehreren hundert Deponien auch
Baumaßnahmen geplant, aber dennoch schrumpft die Zahl kontinuierlich.
Gleichzeitig steigt das Abfallaufkommen. 2016 waren es schon 417 Millionen Tonnen, 25 Millionen
mehr als zu Beginn des Jahrzehnts. Hauptursache ist der Bauboom. Denn Bauabfälle machen mehr als die
Hälfte des gesamten deutschen Abfalls aus: 2016 waren es 223 Millionen Tonnen, 23 Millionen Tonnen
mehr als 2011. Die Folgen: Entsorgungstourismus und hohe Kosten. Wie die F.A.Z. im Februar berichtet hat,
kostet allein der Bodenaushub für ein durchschnittliches Einfamilienhaus rund 30.000 Euro.
Das Bundesumweltministerium teilt die Bedenken der Bauindustrie nicht, wie ein Sprecher erklärt.
„Auf die gesamte Bundesrepublik bezogen ist ausreichend Deponieraum vorhanden.“ Ansonsten wäscht der
Bund die Hände in Unschuld: Denn das Abfallrecht ist Ländersache. „Die Länder treffen bei der
Deponieplanung ihre eigene Entscheidung“, heißt es in der Stellungnahme des Umweltministeriums. „Der
Bund hat hier weder Aufsichtspflichten noch Weisungsrecht.“

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Eigentlich müssten also dringend neue Deponien geplant werden - aber das ist ein sehr langwieriger
Prozess. „Weil die Planung einer neuen Deponie mindestens sieben Jahre in Anspruch nimmt und bis zur
Inbetriebnahme insgesamt neun bis zehn Jahre vergehen können, steuert Bayern auf einen Kollaps zu“, sagt
Pocha. „Gleichzeitig haben wir Landräte und Oberbürgermeister, die die Verwendung von Recycling-
Baustoffen im Straßenbau und für den Straßenunterbau ablehnen“, sagt Pocha. „Dieselben Landräte und
Oberbürgermeister wehren sich dann, wenn in ihrem Amtsbereich eine neue Deponie geplant wird, weil so
etwas dann auch wieder niemand „vor der Tür“ haben will.“
Quelle: bern. / dpa

II. Meinungsbetonte Textsorten

1. Kommentar: Der Begriff leitet sich aus dem Lateinischen ab (commentarius) und
lässt sich in etwa mit Notizen, Tagebuch oder auch Denkschrift übersetzen. Es geht also um
das Notieren eigener Gedanken zu einem beliebigen Thema. Demzufolge meinte das Wort
bei den Römern ursprünglich ein Notizbuch oder Schreibheft, das als Gedächtnisstütze
diente.
Der Begriff Kommentar hat grundsätzlich drei Bedeutungen: 1) eine journalistische
Textsorte, 2) eine persönliche Bemerkung zu einem beliebigen Thema und 3) ein Zusatzwerk
zu einem anderen Text.
Ein Kommentar im Journalismus ist ein Meinungsbeitrag zu einem Thema, der den
Autor namentlich nennt. Bei Printmedien wird der Verfasser oft abgebildet, in Hörfunk und
Fernsehen spricht der Autor den Kommentar meistens selbst. Besondere Formen des
Kommentars sind Leitartikel, Glosse und Kolumne.
Meinungsbeiträge in den Medien sind durch Artikel 5 des Grundgesetzes für die
Bundesrepublik Deutschland geschützt. Die Trennung von Meinungen und Informationen
soll Transparenz für den Leser herstellen. Vor allem im Boulevardjournalismus werden
nachrichtliche (Bericht) und meinungsorientierte Darstellungsweise (Kommentar) jedoch
auch innerhalb eines Beitrages vermischt.
Der Kommentar nimmt im Regelfall zu einer aktuellen Nachricht Stellung. Er erläutert
die Wichtigkeit des Themas, interpretiert die Bedeutung, macht mit Zusammenhängen
vertraut, stellt Kombinationen an, wägt unterschiedliche Auffassungen ab, setzt sich mit
anderen Standpunkten auseinander und verhilft dem Leser dazu, sich ein abgerundetes Bild
über das Ereignis zu machen. In einem guten Kommentar sollte der Hintergrund analysiert
und erklärt, außerdem die Meinung des Schreibers argumentativ belegt werden. Er soll die
Leser dazu anregen, sich eine eigene Meinung zum Thema zu bilden.
Intention: Bewerten, Evaluieren.
Ausgangspunkt: Problematisierung eines Sachverhalts.
Ziel: beim Adressaten bestimmte Einstellungen zu fördern oder zu verändern, zu
überzeugen.
Argumentationsmodell: These – Argumente. Sprachstilistische Realisierung:
bewertende Prädikate, Expressivität: Metaphorik und Idiomatik, syntaktische Abweichungen,
Kausalsätze, Anspielungen, rhetorische Fragen usw.

Merkmale des Kommentars:


1) oftmals zeichnet er sich durch eine reißerische Überschrift und einen prägnanten
Untertitel aus, der den Leser zum Lesen des Textes animieren soll;
43
2) die Ansicht, Perspektive und Meinung des jeweiligen Redakteurs stehen im
Vordergrund; die subjektive, persönliche Meinung zum Sachverhalt ist die Kernaussage des
Textes;
3) meist werden anfangs alle relevanten Informationen des Themas knapp
angerissen und durch den Autor analysiert. Anschließend findet sich meist eine
Stellungnahme und Bewertung des jeweiligen Themas, die die weiteren Folgen erläutern;
4) die Stilmittel: Ironie, Sarkasmus, Polemik, Humor oder ein absichtlich
aggressiver Sprachstil; treffsichere, zum Inhalt passende Adjektive;
5) sehr häufig Parataxen, die Sätze sind nicht sehr lang; so sind die
Gedankengänge für jeden Leser nachvollziehbar;
6) der Leser soll sich mit der Meinung des Kommentars zumeist identifizieren.
Deshalb werden komplexe Sachverhalte für die jeweilige Leserschaft sehr häufig vereinfacht
dargestellt und verallgemeinert, wobei komplizierte Theorien meist auf der Strecke bleiben.

Aufbau eines Kommentars:


1) Überschrift ist kurz und prägnant, oft reißerisch und soll den Leser zum Lesen
animieren.
2) These, um Kontakt zum Leser aufzubauen. Je mehr Widerstand seitens der
Leserschaft zu erwarten ist, desto effektiver ist sie auch.
3) Zusammenfassung der Nachricht oder des Sachverhalts, auf die sich der
Kommentar bezieht. Dafür werden nur wenige Zeilen beansprucht, die aber wichtig sind, um
den Leser ins Thema zu bringen.
4) Argumentation des Autors für seine Sichtweise. Sie verdeutlicht den
Standpunkt des Redakteurs.
5) Wiederlegung gegnerischer Argumente, wenn nötig.
6) Schluss, wobei die anfängliche These aufgegriffen wird und die Folgerungen,
Forderungen oder Mahnungen, die sich aus der Argumentation ergeben haben, dargelegt
werden.
7) Der Name des Kommentators steht am Anfang/ Ende des Beitrags.

Aufgabe. Lesen Sie den folgenden Kommentar. Finden Sie alle Merkmale und
strukturellen Teile des Kommentars, über die Sie gelesen haben.

Organspende : Nein geht auch


Von Joachim Müller-Jung, aktualisiert am 04.09.2018
Zwang? Manipulation? Der vorgeschlagene Systemwechsel in der Organspende würde zu nichts
verpflichten, außer zur Pflicht, sich endlich zu erklären – auch sich selbst zuliebe.
Wer spendet, hilft Menschen in Not. Wer nicht spendet, hilft sich selbst mit einer Notlüge. Das ist, nicht
immer, aber jetzt wieder sehr sichtbar, ein Dilemma der Organspende. Der Gesundheitsminister will die
Organspende neu regeln, weil bisher schlichtweg jeder Versuch, die Zahl der Spenderorgane zu erhöhen,
gescheitert und sie so erbärmlich niedrig ist wie nie zuvor. Nicht mit Spenderzwang, nicht durch
Manipulation soll die Wende geschafft werden, wie sich manch einer einredet, auch nicht durch eine
„Lizenz zur Zwangsausschlachtung“, wie die von Jens Spahn favorisierte Widerspruchslösung schmutzig
genug tituliert wurde, sondern durch einen regulären Gesetzesvorschlag und eine reguläre rechtsstaatliche
Debatte um Ethik und Selbstbestimmung.
Künftig soll also jeder Organspender sein, sofern er, sie oder die Angehörigen dem nicht widersprechen.
Ein Nein geht auch.
Besser mit Organspenderausweis
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Die Widerspruchslösung (statt der deutschen Entscheidungslösung bisher) gilt in 18 europäischen
Ländern, im katholischen Irland, in Spanien, Frankreich, Österreich, Belgien, Luxemburg, seit kurzem auch
in den Niederlanden. Wer sich dort aufhält und verunfallt ist ein potentieller Organspender. Es gilt immer
das Recht des Gastlandes. Hierzulande sind vier von fünf Erwachsenen bereit, nach dem Ableben Organe zu
spenden – historisch viele. Nur 36 Prozent aber besitzen einen Spenderausweis. Obwohl jeder von heute auf
morgen auf ein Organ angewiesen sein kann, gibt es die Einsicht, dass man sich besser früh zur
Organspende (oder eben dagegen) bekennt, bei vielen nicht. Das wird sich, so ist zu hoffen, mit der
Widerspruchslösung ändern – den schwerkranken Nächsten auf der Warteliste zuliebe und auch sich selbst.
https://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin-ernaehrung/organspende-nein-geht-auch-15770024.html

2. Glosse: Das Wort lässt sich aus dem Altgriechischen ableiten und in etwa mit Zunge
oder Sprache übersetzen. Diese Übersetzung verweist auf die wichtigsten Merkmale der
Glosse, die eine Textsorte ist, die sich durch ein hohes Maß an sprachlicher Fertigkeit und
eleganten Formulierungen auszeichnet und dabei sarkastisch und außerdem sehr ironisch ist.
Der Aufbau einer Glosse ist offen und weniger streng. Einerseits hat sie das aktuelle
Geschehen zum Gegenstand, ist dabei ironisch und sarkastisch und kann in jedem Fall eine
Meinung transportieren. Hier werden grundsätzliche Aspekte des gesellschaftlichen,
kulturellen und politischen Lebens thematisiert, bewertet und beurteilt. Sie ist andererseits
stilistisch hochwertig und zeichnet sich weiterhin durch ein hohes Fachwissen in Bezug auf
den glossierten Gegenstand aus.
Merkmale der Glosse:
1) kritisiert (meist aktuelle) Themen und verpackt diese originell, witzig und
komisch, soll zum Nachdenken anregen;
2) erscheint nur in Textform;
3) zeichnet sich durch ihre Kürze aus und nimmt oftmals nur wenige Zeilen oder
Abschnitte ein;
4) unterscheidet sich vom Kommentar durch ein hohes Maß an Sprachfertigkeit
und Sachkenntnis des Autors;
5) wirkt zwar wie ein einfacher Text, der leicht zu lesen ist, aber wird durch
zahlreiche Stilmittel bestimmt; die gängigsten Stilmittel sind Ironie, Sarkasmus, Hyperbel
und eine hohe sprachliche Eleganz;
6) ist satirisch, bärbeißig, ironisch, lustig, zynisch, klar sowie verständlich; greift
in der Regel ein Thema auf, überspitzt es und nimmt es in der Folge journalistisch aufs Korn;
7) gilt als eine der schwierigsten journalistischen Textformen, da es sehr
kompliziert sein kann, die Gratwanderung zwischen Sarkasmus und Einfachheit zu
bewältigen, ohne ins Lächerliche abzurutschen.
Hinweis: Die meisten Zeitungen haben ein eigenes Autorenteam, das die Glossen
anfertigt.

Aufgabe. Lesen die die folgende Glosse. Finden Sie alle Merkmale der Glosse, über die
Sie gelesen haben.

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Schlecht Parken ist keine Straftat, behindert jedoch in vielen Fällen unsere Umwelt und
Mitmenschen. Außerdem kann die Geschichte ziemlich teuer enden, wenn man abgeschleppt werden
muss.
Оb sie jemanden zugeparkt habe, fragt die Dame mit Unschuldsmine, einen Laib Brot in der Hand
über die Straße trottend. Ach, woher denn, ihr Mini steht nur quer hinter dem fremden Wagen, dazu noch
mitten auf dem Fahrradweg, die Spur verengt sie auch, weshalb der Durchgangsverkehr behindert wird, aber:
Mein – im Mini sitzender – Sohn hat einen kaputten Fuß, bringt sie zur Entschuldigung vor. Und sie musste
nur mal rasch zum Rewe, eine Kleinigkeit einkaufen. Es war halt kein Parkplatz frei.
Vor allem aber: Sie hat den Warnblinker eingeschaltet. Der entschuldigt alles. Er entschuldigt
Paketdienste, die nur mal rasch was abgeben müssen, er entschuldigt Getränkelieferanten, die nur mal flink
ein paar Kisten ins Haus tragen müssen, er entschuldigt Umzugswagen und Pizzadienste und Rohrreiniger
und Taxis. Und weil es sowieso alle machen, macht es inzwischen wirklich fast jeder. Für die gewerblichen
Anliegen mag man noch gewisses Verständnis aufbringen, aber warum darf sich mittlerweile Hinz und
Kunz ungestraft in die zweite Reihe stellen? Nonchalant auf den Radweg und damit die armen Radler zu
bisweilen halsbrecherischen Manövern hinein in den fließenden Verkehr zwingen?
Einfach auf den Bürgersteig, sollen die Fußgänger sich halt an der Stoßstange vorbeiquetschen, da ist
doch noch genug Platz. Soweit bekannt, werden Halten oder Parken in der zweiten Reihe eigentlich bestraft,
mit 10 bis 30 Euro, womöglich kommt Nötigung hinzu. Aber wen juckt es? Und der Warnblinker soll doch
wohl warnen vor Gefahren. Vielleicht müsste das erst höchstrichterlich entschieden oder von einer
Expertenkommission untersucht werden, aber auf den ersten Blick gehören weder Mütter, die mal eben in
den Rewe müssen, noch Kerle, die kurz an den Kiosk wollen, zu jenen Gefahren, die der warnblinkende
Gesetzgeber gemeint hat. Der in der zweiten Reihe abgestellte Egoismus verdient die Rote Karte.
https://www.faz.net/aktuell/technik-motor/motor/glosse-geisterparker-15657475.html

3. Leitartikel: kommentierender Artikel an bevorzugter Stelle einer Zeitung oder


Zeitschrift zu wichtigen aktuellen Themen.
Der Begriff Leitartikel stammt vom englischen leading article ab, der ab dem 19.
Jahrhundert in England eingeführt wurde. Zuvor nannte man die deutschen Leitartikel
Hauptartikel, wahrscheinlich wegen ihres großen Umfangs. Bevor es Zeitungen und
Leitartikel gab, wurde die Meinung zumeist auf Flugschriften geäußert. Als Flugschrift
bezeichnet man eine einzeln verbreitete, nicht regelmäßig erscheinende Druckschrift mit
einem Umfang von mehreren Seiten, mindestens vier (im Unterschied zum einseitig
bedruckten Flugblatt). Der Wortbestandteil Flug- kann sich entweder darauf beziehen, dass
die Blätter der Flugschrift nicht gebunden sind, oder auf ihre schnelle, manchmal auch
illegale Verbreitung.
Der Leitartikel nimmt in einer Zeitung in der Regel auf der Titelseite einen festen Platz
ein. Im Leitartikel stellt ein Journalist/ Redakteur ausdrücklich seine Meinung dar, das ist ein
besonders herausgestellter Meinungsartikel. Oft entspricht der Inhalt des Leitartikels der
politischen Ausrichtung einer Zeitung. Für den Leser soll der Leitartikel Orientierung in der
gesellschaftlichen Auseinandersetzung geben und ein Thema umfassend darstellen.

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Der Leitartikel spiegelt allerdings immer die Meinung eines Redakteurs, meist des
Chefredakteurs, wider und ist eben keine aktuelle Nachricht, sondern gewissermaßen
Ansichtssache. Alles, was einen Nachrichtenwert hat, kann Inhalt eines solchen Kommentars
sein. Wichtig ist aber, dass das Thema eine Meinungsäußerung provoziert und öffentliches
Interesse am Thema besteht, wobei der Kommentar den Blickwinkel ändern soll.
Funktion des Leitartikels. Da der Leitartikel in den meisten Medien, die eine solche
Darstellungsform pflegen, länger als die Kommentare ist, gibt es ausreichend Platz für solche
Pro- und Contra-Darstellung. Wie in anderen meinungsorientierten Darstellungsformen muss
jedoch für den Leser stets erkennbar sein, dass es sich um eine journalistische
Meinungsäußerung und nicht um eine Nachricht oder einen Bericht handelt. Hier wird die
Meinung, vor allem die politische Meinung des jeweiligen Redakteurs beziehungsweise der
jeweiligen Redaktion, nach außen dargestellt. Wird der Verfasser des jeweiligen Leitartikels
nicht genannt, so wird der Artikel als Kommentar der gesamten Redaktion dargestellt.
In politischen Krisenzeiten zeichnet sich der Leitartikel vor allem durch seine
kämpferischen spannungsgeladenen Worte, Standpunkte und Themen aus. Heute wird von
Fachleuten und Medienkritikern bemängelt, dass der Leitartikel oft nur noch eine Erklärung
oder Erläuterung von Sachverhalten ist. Insgesamt ist der Leitartikel ein
„Aushängeschild“ der Redaktion, hier wird die politische Richtung der Zeitung
widergespiegelt.
Thema des Leitartikels sind wichtige politische oder wirtschaftliche Ereignisse.

Aufgabe:
1) Zählen Sie die Merkmale auf, die einen Leitartikel von einem Kommentar
unterscheiden.
2) Finden Sie im folgenden Leitartikel die Merkmale aus dem Punkt 1).

Abschied ohne Ende


Wir werden uns noch lange die im Streit mit den Briten ergrauten Haare raufen.
vom 11.12.2019
Siobhán Geets Redakteurin
Zuletzt setzte sich der britische Premier Boris Johnson in einen Bagger mit der
Aufschrift "Get Brexit Done" und fuhr durch eine Wand aus Pappkartons. Das darauf
sichtbare Wort "Stillstand" zerbarst medientauglich, Johnson stieg strahlend aus dem
Fahrzeug. Es war ein weiterer Höhepunkt in der Aneinanderreihung von Plattitüden, die
Johnson im Wahlkampf bemühte, doch immerhin verlief die Show ohne einen weiteren
peinlichen Zwischenfall.
In Großbritannien endet mit den heutigen Wahlen einer der schmutzigsten
Wahlkämpfe in der Geschichte des Landes. Johnsons Verhältnis zur Wahrheit war zwar
schon immer problematisch. Doch mithilfe der Sozialen Medien und zahlreicher Journalisten, die
Falschmeldungen der Tories unhinterfragt teilten, war es diesmal besonders einfach, die Botschaft unters
Volk zu bringen: Den Brexit durchziehen, das Chaos (der Anderen) beenden.
Doch es wird ein böses Erwachen geben. Selbst, falls Johnson eine Mehrheit erreicht und sein Land
am 31. Jänner aus der EU führt: Sein Versprechen, "Get Brexit done", wird damit noch lange nicht Realität.
Mit dem EU-Austritt ist die ersehnte Abnabelung keinesfalls erledigt, sondern bloß eingeläutet: Die
künftigen Beziehungen werden erst nach dem Brexit verhandelt. Johnson will bis Ende 2020 ein
Handelsabkommen mit der EU vereinbaren - ein unwahrscheinliches Szenario. In der Regel dauert das Jahre,
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bis dahin bleibt alles, wie es ist: London zahlt weiterhin in den EU-Haushalt ein, hat aber nichts mehr
mitzureden. Insofern spielt es keine Rolle, wer die Wahlen gewinnt: Wir werden uns noch lange die im
Streit mit den Briten ergrauten Haare raufen.
Bleibt Johnson Premier und weigert sich wie angekündigt, die Übergangsphase über 2020 hinaus zu
verlängern, dann sind die alten Probleme zurück, darunter das Kernthema der Brexit-Verhandlungen: die
irische Grenze. Johnsons Austrittsabkommen sieht vor, dass sich Nordirland weiterhin an die Regeln des
Binnenmarkts hält, damit eine Grenze in Irland überflüssig wird. Wie das in der Praxis aussehen soll, muss
aber erst verhandelt werden.
https://www.wienerzeitung.at

5. Die Kolumne ist ein kurzer Meinungsbeitrag. Der Autor einer regelmäßig
erscheinenden Kolumne wird auch Kolumnist genannt. Die Kolumne ist gewissermaßen eine
Sonderform des Kommentars. Sie wird oftmals von einem Redakteur oder wechselndem
Gastpublizisten verfasst und erscheint immer regelmäßig an der gleichen Stelle. Sie ist ein
Meinungsbeitrag und spiegelt somit die Ansichten des Autors zu einem Sachverhalt wider.
Hier erzählt der Autor eine Geschichte, die häufig in der Ich-Form verfasst ist. Die Kolumne
ist ein Meinungsbeitrag, muss sich aber nicht auf eine Nachricht beziehen.
Merkmale (es ist am schwierigsten, Kolumnen von Nachrichten, Kommentaren und
der Glosse abzugrenzen):
1) erscheinen meist in einem Printmedium und wird von einem einzelnen
(bekannten) Autor oder von renommierten Gastautoren verfasst;
2) erscheinen regelmäßig, wobei das jeweilige Medium den Rhythmus selbst
festlegt, oftmals tages- oder wochenweise; finden sich immer an der gleichen Stelle und sind
farblich, durch Überschriften oder Bilder vom Rest abgegrenzt;
3) Gründe für die Abgrenzung: Kolumnen werden in der Regel nicht redigiert, vor
der Veröffentlichung nicht bearbeitet und somit unverändert gedruckt; so wird klar, dass
sich die Zeitung nicht unbedingt mit der vertretenen Meinung identifiziert;
4) ist grundsätzlich eine Art der Meinungsäußerung und deshalb auf kein
bestimmtes Thema festgelegt, dennoch werden oft aktuelle Nachrichten und bekannte
Bereiche behandelt;
5) die Autoren bedienen sich oft ganz alltäglicher Geschichten, die in der Ichform
geschrieben sind und enden mit einer Pointe, wobei zahlreiche Kolumnen auch einen
polemischen Charakter aufweisen. Die letzten zwei Merkmale sind allerdings nicht in jedem
Text zu finden.

Aufgabe. Lesen Sie eine Kolumne und finden Sie alle Merkmale der Kolumne, über die
Sie gelesen haben.

17. Oktober 2016


Kulturelle Ressentiments : Feindbild Ostler

Der Ostdeutsche hasst alles Fremde. Ständig fühlt er sich benachteiligt und hintergangen.
Wahrscheinlich schlägt er auch öfter seine Kinder. Warum ist das Ostler-Bashing im Westen so
beliebt?

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Ein Glück, dass es den Ostler gibt. Was hätten wir sonst zu lachen? Über Ausländer darf man sich ja
nicht mehr lustig machen, das gilt als ungehörig. Harald Schmidt war der letzte, der sich getraut hat, Polen-
Witze zu reißen und damit durchkam. Auch der Herrenwitz ist tot. Wer einen erzählt, bekommt es mit
Manuela Schwesig zu tun. "Familienministerin fordert Engagement gegen Altherrenwitze", war neulich zu
lesen.
Die einzige Volksgruppe, über die man ungestraft herziehen darf, sind die Ostdeutschen. Der Ostler ist
die Minusvariante des Bundesdeutschen, ein Herrenwitz auf zwei Beinen sozusagen. Wenn es ihn nicht gäbe,
müsste man ihn erfinden.
Der Ostler hasst alle Fremden, was ihn schon mal ins Abseits stellt. Er kennt keine Fremden, weil es
dort, wo er lebt, kaum welche gibt. Trotzdem findet er, dass sie nur Probleme machen. Wenn er nichts
Besseres zu tun hat, was oft der Fall ist, setzt er sich in sein Auto und fährt in die nächstgelegene Stadt, um
Plakate hochzuhalten, auf denen steht, dass die Demokratie ein Betrug ist. Er hat überhaupt ziemlich schnell
das Gefühl, zu kurz zu kommen, weshalb er auch immer schrecklich verkniffen wirkt.
Warum er so anders ist? Man muss nur etwas zurückgehen, dann hat man den Grund. Ostler wurden
nicht gestillt, weil die Mütter immer arbeiten mussten. Außerdem hat man sie in der Krippe zu festen Zeiten
aufs Töpfchen gesetzt, was bei den heute Über-30-Jährigen bleibende seelische Schäden verursacht hat, wie
der berühmte Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz schon vor Jahren diagnostizierte. Wahrscheinlich
schlagen sie im Osten auch ihre Kinder öfter.
Kulturelle Gewohnheiten wachsen sich nur langsam aus
Was für den Ostler spricht, ist der Sex. Weil es in der DDR ansonsten kein Vergnügen gab, wurde halt
mehr geschnackselt. Kulturelle Gewohnheiten wachsen sich nur langsam aus, da braucht es Generationen.
Ich bin sicher, wenn man das in einer Talkshow vertreten würde, nähme niemand daran Anstoß, außer den
Ostlern natürlich, aber die zählen ja nicht.
Die Statistik spricht gegen die Menschen in Ostdeutschland, so viel ist wahr. Bei den rechtsextremen
Straftaten führt der Osten gegenüber dem Westen vier zu eins, aber darum geht es nicht. Das Ostler-Bashing
kommt ohne Statistik und damit Objektivierung aus.
Wenn es um Zahlen ginge, müsste man dazu sagen, dass auf jeden Ausländerfeind mindestens
genauso viele brave Menschen kommen, die nichts gegen Flüchtlinge haben. Aber von denen ist nie die
Rede. Der Witz liegt gerade in der Generalisierung. Wer im Westen vom Ostler spricht, sieht den Pegidisten,
nicht den Fraktionschef der CDU, der vier Flüchtlingskinder aus Afghanistan bei sich zuhause
aufgenommen hat.
Jeder Anlass ist recht, um das Feindbild zu bestätigen. Wenn vor dem Bahnhof in Köln Frauen so
bedrängt werden, dass anschließend die Verschärfung des Asylrechts als angezeigt gilt, ist das ein
bedauerliches, aber erklärbares Polizeiversagen. Wenn in Leipzig die Justizbeamten einen
Terrorverdächtigen nicht am Selbstmord hindern, wird eine ganze Region samt ihrer Repräsentanten in
Haftung genommen. Wie erbärmlich, das Versagen auch noch verteidigen zu wollen, heißt es dann: So
typisch für das ostdeutsche Politpersonal.
Ich will ja hier nicht aufrechnen. Aber wenn ich mich richtig erinnere, hat es nach den Vorgängen in
Köln fünf Tage gebraucht, bis sich Ministerpräsidentin Hannelore Kraft eine dürre Erklärung abrang. Der
verantwortliche Innenminister ist bis heute im Amt. Dennoch war nirgendwo zu lesen, dass der Nordrhein-
Westfale an sich ein Problem darstelle.
Auf die Generalisierung folgt in der Regel die Abwertung
Das Feindbild hat eine lange Tradition. Vor der Wende waren die Ostdeutschen die armen Verwandten,
die man im Westen wegen ihrer knatternden Spielzeugautos und der komischen Jeans belächelte, die so viel
mit einer Levis zu tun hatten wie Karo mit Kaffee. Nach dem Fall der Mauer sorgte ihr Verlangen nach
Anschluss an die D-Mark für Belustigung.
Wenn es ein Bild gibt, das die Vorbehalte auf den Punkt brachte, dann das berühmte "Titanic"-Cover
der "Zonen-Gaby", die glückselig eine geschälte Gurke in der Hand hatte, die sie für ihre "erste Banane"
hielt. Der Auftritt der "Zonen-Gaby" feiert diesen Herbst sein 27-jähriges Jubiläum, aber die Herablassung,
die das "Titanic"-Bild transportierte, ist bis heute abrufbar.
Gibt es Unterschiede zwischen Volksgruppen? Sicher gibt es die. Landstriche, Sprache, die Religion
(oder die Abwesenheit derselben): all das bildet kulturelle Besonderheiten aus. Der Hamburger ist anders als
der Bayer, der Bayer anders als der Sachse. Auch über Landesgrenzen hinweg lassen sich Unterschiede
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feststellen, wie jeder weiß, der seinen Urlaub nicht ausschließlich auf dem Balkon verbringt. Dass es so
etwas wie einen Volkscharakter gibt, ist eine ebenso oft bestrittene wie durch die Anschauung bewiesene
Tatsache des Lebens. Ich bediene mich in meinen Kolumnen regelmäßig nationaler Stereotypen.
Der Chauvinismus beginnt da, wo man meint, aus den Unterschieden ein Überlegenheitsgefühl
ableiten zu können. Wenn vom Ostler die Rede ist, bleibt es ja nicht bei der Feststellung, dass er anders ist.
Auf die Generalisierung folgt in der Regel die Abwertung. Der Ostdeutsche ist weniger weltgewandt, geistig
ein wenig unbeweglich und ökonomisch zurückgeblieben, weshalb aus dem Osten ja auch die guten Frauen
weglaufen.
Kurz, er ist im Vergleich mit seinem westdeutschen Nachbarn das, was der Südstaatler im Vergleich
mit seinem reichen Verwandten im Norden ist: ein Hillbilly, dem man am besten das Wahlrecht entzieht,
wenn am Ende nicht so etwas wie Donald Trump oder die AfD herauskommen soll.
Das Ressentiment sei der Ausdruck einer "imaginären Rache" für ein Gefühl der Machtlosigkeit, hat
Nietzsche einmal gesagt. Vielleicht sind sich Ost und West ähnlicher als sie denken: Wer es nötig hat, sich
auf Kosten anderer Luft zu verschaffen, bei dem stimmt im Psychohaushalt etwas nicht. Was das sein
könnte, vertiefen wir in einer der nächsten Kolumnen.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/kolumne-jan-fleischhauer-der-ostdeutsche-das-feindbild-a-
1116975.html

4. Essey, der/das ist eine geistreiche Abhandlung, in der wissenschaftliche, kulturelle


oder gesellschaftliche Phänomene betrachtet werden. Im Mittelpunkt steht die persönliche
Auseinandersetzung des Autors mit seinem jeweiligen Thema. Die Kriterien
wissenschaftlicher Methodik können dabei vernachlässigt werden; der Schreiber hat relativ
große Freiheiten.
Ähnliche Textarten, teilweise auch synonym verwendet, sind Traktat, Aufsatz.

Aufgabe: Der Essay ist verwandt mit journalistischen Darstellungsformen wie Glosse,
Kolumne, Kommentar und Leitartikel. Lesen Sie den Essay unten und stellen Sie fest, was
ihn von diesen Textsorten unterscheidet.

Warum gibt es so viele Rüpel?


Von Sybille Neth 28. Juli 2017
Wir müssen nicht gleich voreinander auf die Knie fallen, aber einigermaßen gutes Benehmen ist
doch nicht zu viel verlangt. Was sagt es über eine Gesellschaft aus, wenn Rücksichtnahme immer
unwichtiger wird – und manche Höflichkeit erst in einem Kurs lernen müssen?

Übertriebenes Balzgehabe ist vielleicht auch nicht die Lösung.


Angenehm ist Höflichkeit aber allemal.
Foto: dpa

Stuttgart - Kürzlich in einer Kunstausstellung: Vor der Wand mit einer Videoinstallation stehen zwei
Sitzbänke. Auf einer sitze ich – und nur ich. Ein Pärchen schlendert heran und stellt sich zielgenau vor mich.
Ich sehe nichts mehr.
Muss das sein? Die Szene steht für mehr als nur ein kleines Ärgernis, ist sie doch eines von vielen
Erlebnissen dieser Art, die man – so zumindest ein gefühlter Eindruck – im Alltag immer häufiger erleben
muss. Im Supermarkt zum Beispiel, wenn sich am Kühlregal kommentarlos ein fremder Arm an der eigenen
Nase vorbei reckt, weil sein Besitzer jetzt und sofort jenen Joghurt haben will und nicht warten kann. Oder
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wenn die Frau mit der Schnupfnase ihre Bazillen just über dem Regal mit den Salatköpfen ins Taschentuch
schnäuzt. In der überfüllten Straßenbahn versperrt derweil ein breitbeinig sitzender Mann den Zugang zu
einem freien Platz am Fenster. Im anfahrenden Zug mault er auf die Bitte, zu rutschen: „Steigen Sie halt
drüber!“
Weshalb ist der Ton so rau geworden?
Unfreundlichkeit, Ruppigkeit, Pöbelei und Rücksichtslosigkeit: Weshalb ist der Ton in der
Öffentlichkeit so rau geworden? Weshalb gehen wir so gedankenlos und respektlos miteinander um? Von
den unerbittlichen Nachbarschaftsstreitigkeiten oder den Hasskommentaren in sozialen Netzwerken über die
lebensgefährliche Missachtung der Regeln im Straßenverkehr bis hin zu den Handgreiflichkeiten gegen
Ärzte, Sachbearbeiter und Polizeibeamte – jeder Bereich unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens
scheint davon betroffen zu sein. Ist der Wunsch nach Höflichkeit hoffnungslos spießig und nicht mehr
zeitgemäß in einer scheinbar so freizügigen Gesellschaft, die den legeren Umgang pflegt und sich von allen
Konventionen verabschiedet hat?
Es geht hier nicht um den Dress Code für bestimmte Anlässe, nicht um komplizierte Regeln, wer wem
in welcher Situation zuerst die Hand reicht. Obwohl der Wortursprung tatsächlich mit dem Verhalten am
Hofe zu tun hat, definiert der Duden Höflichkeit heute als gesittetes Benehmen, als Zuvorkommenheit. Der
Philosoph Immanuel Kant sah sie im Bund mit Toleranz, Mitleid, Rücksicht und Großzügigkeit: als eine
Haltung. Goethe verstieg sich gar dazu, sie als „in ihren Maximen und Reflexionen der Liebe verwandt“ zu
charakterisieren.
Eines steht jedenfalls fest: Ein höflicher Umgangston macht das Leben sehr viel angenehmer. Wer
nach einem Langstreckenflug völlig übernächtigt am Flughafen die Dame am Infoschalter nach den
Intercityanschlüssen fragt, wäre zwar nicht schlauer, wenn diese sagen würde: „Tut mir leid, da sind sie bei
mir falsch“, statt zu raunen: „Hier ist nur Airline!“ – aber der Reisende wäre ein klein wenig glücklicher.
Der in Deutschland lebende äthiopische Prinz Asfa-Wossen Asserate schrieb in seinem Buch
„Manieren“: „Die Aufmerksamkeit ist ein derart wichtiger Bestandteil der Manieren, dass man gelegentlich
die Begriffe dafür austauscht und einen höflichen Menschen aufmerksam nennt“, schreibt Asserate. Die
vielen Regeln, wer vor wem aufstehen muss, zählen wenig für den Aufmerksamen: „Er steht immer auf“,
fordert Asserate. Ähnlich sah das bereits der Vater des guten Benehmens, Adolph Freiherr Knigge, in
seinem Werk „Über den Umgang mit Menschen“ (1796): „Interessiere Dich für andere, wenn Du willst,
dass andere sich für dich interessieren.“
Tatsächlich geht es beim Umgang miteinander um weit mehr als um ein gutes oder ungutes Gefühl. Es
geht um die Art unseres Zusammenlebens, um Achtung und Respekt, um Hilfsbereitschaft und Empathie.
Der Sozialphilosoph Oskar Negt schreibt: „Werden Konkurrenz, Wettbewerbslust und Rücksichtslosigkeit
im Umgang mit Menschen untereinander zu Tugenden deklariert, dann verändert sich zusehends das
vorherrschende Menschenbild einer Gesellschaft.“ Deshalb leben wir offenbar heute mehr gegen- als
miteinander. Die Maxime lautet „Mach Dein Ding“- egal, ob dabei jemand auf der Strecke bleibt. Anstand,
Skrupel und Rücksichtnahme zahlen sich nicht mehr aus – Egoismus und Ignoranz dagegen lohnen sich.
Ist der Mensch von Natur aus ein Rüpel?
Der Journalist Jörg Schindler hat sich in seinem Buch „Die Rüpel-Republik“ eingehend mit der
Verwahrlosung der Umgangsformen auseinandergesetzt. Seine Beobachtungen reichen dabei von der Politik
bis auf den Fußballplatz. Schindler zitiert Umfragewerte über den Wohlfühlfaktor hierzulande: 1999 fanden
42 Prozent der Befragten, dass das Klima immer eisiger werde. 2003 waren es schon 52 Prozent, vier Jahre
später 58 Prozent. „Deutschland hat die besten Jobs und die unfreundlichste Bevölkerung“, lautet das
Ergebnis einer groß angelegten Studie mit 14 000 so genannten Expatriates, also hochqualifizierten
Menschen, die aus beruflichen Gründen auf Zeit hier leben und arbeiten. Deutschland belegt dabei unter 67
Ländern Platz 17. „Zum kühlen Wetter kommt der frostige Empfang“, lautet der nüchterne
Erklärungsversuch der Autoren.
Ist der Mensch von Natur aus ein rücksichtsloser Rüpel und Egoist – oder ist er von Grund auf gut? An
den beiden Menschenbildern, wie sie die Philosophen Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau einst
diametral unterschiedlich beschrieben haben, scheiden sich die Geister. Hätten die Menschen nicht gelernt,
respektvoll und vernünftig miteinander umzugehen, hätten sie wohl bis heute das Rad nicht erfunden,
argumentieren die Anhänger der Rousseauschen Lehre.

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Der Anthropologe und Verhaltensforscher Michael Tomasello zeigt anhand einer Reihe von
Videoclips mit Kleinkindern, die am Max-Planck-Institut in Leipzig gedreht wurden, dass die
Hilfsbereitschaft vielleicht doch angeboren ist. Ein Baby robbt herbei, um einer Frau einen
heruntergefallenen Stift zu reichen. Ein Kleinkind hilft beim Öffnen eines Schrankes, weil der voll beladene
Mann es alleine nicht schafft. Das alles geschieht unaufgefordert. Dreijährige assistieren sich gegenseitig,
wenn sie konkurrierend eine Aufgabe lösen sollen. Der Sündenfall in Tomasellos Versuchsaufbauten trat ein,
als er begann, Gratifikationen zu verteilen. Jene Kinder, die keinerlei Belohnung für ihre Hilfsbereitschaft
bekamen, behielten diese Eigenschaft uneingeschränkt bei. Die anderen Kinder jedoch, die für jede
Gefälligkeit ein Spielzeug erhalten hatten, halfen nur noch dann, wenn ihnen zuvor eine Belohnung in
Aussicht gestellt wurde. Soziales Verhalten ist ansteckend. Was wir schon immer ahnten, haben Forscher
von der Universität Florida nun auch wissenschaftlich bewiesen. Sie gingen in einer Studie der Frage nach,
ob sich Unhöflichkeit im Berufsalltag überträgt. Dafür wurden unter anderem 90 Doktoranden beobachtet,
wie sie mit Kommilitonen verhandelten. Wer seinen Verhandlungspartner im Anschluss an die Übung als
unhöflich bewertete, wurde von nachfolgenden Partnern häufiger selbst als unhöflich bewertet. Schon die
Begegnung mit einem einzigen unhöflichen Menschen zeigt also eine negative Wirkung – und zwar nicht
nur dem Unhöflichen, sondern auch allen anderen gegenüber.
Eltern sollen Werte vermitteln
Erwachsene sind Vorbilder, die wichtigste Erziehungsinstanz ist die Familie. Aber wenn Eltern selbst
Toleranz, Achtsamkeit, Respekt, Manieren und Rücksichtnahme nicht gelernt haben, können sie diese Werte
nicht weiter vermitteln. Werden Kinder also automatisch zu kleinen Egoisten? Schlechtes Benehmen ist
salonfähig geworden. Ein Eindruck, den bestimmte Fernsehshows bestärken, bei denen Mobbing unter dem
Gejohle des Publikums belohnt wird. Und wer verbietet den Erwachsenen beim Essen auf dem Smartphone
herumzuspielen – oder andere durch lautstarkes Telefonieren in der Öffentlichkeit zu Zeugen ihrer
Familienstreitigkeiten zu machen? Knigge postulierte einst: „Eine der wichtigsten Tugenden im
gesellschaftlichen Leben ist die Verschwiegenheit.“ Und weiter: „Niemand sollte in der Öffentlichkeit bloß
gestellt werden.“ Daran sollten sich manche in ihrem hektischen Alltag öfter einmal erinnern.
Es ist erstaunlich, dass heute zugleich das Erlernen von Benehmen bei Tisch aber beispielsweise sehr
angesagt ist. Ein ganzer Geschäftszweig ist entstanden. Es gibt etliche Apps mit Titeln wie „Etikette für
Businessleute“, „Etikette für Kinder“ oder das Pocket-Quiz „Knigge zum Üben“. Lehrer für gute Manieren
sind gefragt. Inge Wolf, die Benimm-Päpstin und Vorsitzende des Bielefelder Arbeitskreises
„Umgangsformen International“ sagt aber, worauf es ankomme, sei in erster Linie Empathie. Jeder Mensch
habe dieselbe Wertschätzung verdient. Und: „Ein Mensch kann die perfektesten Tischmanieren haben und
zugleich, mit Verlaub, das größte Schwein sein.“
Vielleicht ist es also doch nicht ganz so verwunderlich, dass manche Leute Manieren in einem Kurs
lernen wollen – wie Vokabeln, die man auswendig lernen muss. Wer von sich aus kein Mitgefühl und keine
Empathie empfindet, dem ist das Prinzip der Rücksichtnahme sicher fremd. Er kommt nicht von selbst
darauf, wie höfliches Benehmen aussehen könnte.
Der Verfall der Umgangsformen – das prominenteste Beispiel ist der US-Präsident Donald Trump –
verursacht einen allgemeinen Vertrauensverlust. Das Sicherheitsgewerbe, professionelle Streitschlichter und
die Ratgeberliteratur lebt davon. Der Soziologe Emile Durkheim beschrieb 1893 einen gesellschaftlichen
Zustand, in dem gemeinschaftliche Normen verschwinden, die Gruppenmoral ins Wanken gerät und soziale
Kontrolle kaum noch vorhanden ist. Als Folge davon skizzierte er die Grundzüge einer Gesellschaft mit
steigender Selbstmordrate, mehr Scheidungen, Kirchenaustritten, Bindungslosigkeit, zunehmenden
psychischen Erkrankungen, Vereinzelung und der Zunahme von Gewalt. Die Folgen seien andauernde
Unzufriedenheit und Angst, so Durkheim. Ein Schilderung, die auch die Gegenwart meinen könnte.
Anstatt jedoch dem Kern dieser gesellschaftlichen Phänomene eingehender nachzuspüren, versucht die
Wissenschaft, das Vertrauen auf andere Weise wiederherzustellen. In Tierversuchen mit Mäusen haben
Forscher herausgefunden, dass der Botenstoff Oxytocin Stress abbaut und prosoziales Verhalten fördert.
Eine Firma in Florida hat daraufhin sogleich „Liquid Trust“ – flüssiges Vertrauen – als Spray auf den Markt
gebracht. Verkehrte Welt.
https://www.stuttgarter-zeitung.de

52
5. Reportage, die: Spezielle Form der Informationspräsentation. Das ist ein
tatsachenbezogener, jedoch persönlicher Erlebnisbericht, stark persönlich gefärbte
Geschehens- bzw. Situationsdarstellung. Nicht nur auf den Gegenstand bezogen, sondern
durch die Perspektive und das Temperament des Reporters mitbestimmt. Strenge Bindung an
Fakten, aktuelle Ereignisse und Vorgänge einerseits, persönliches Engagement andererseits.
Dem Reporter ist es – im Gegensatz zum Verfasser von Nachrichten oder Berichten –
erlaubt, Fakten durch eigene Eindrücke zu ergänzen, die er oder sie – oft bei Anwesenheit
am Ort des Geschehens – gesammelt hat. Er beschränkt sich auf eine narrative Funktion,
spricht überwiegend im Präsens und bewirkt dadurch, dass sich der Rezipient (Leser/in,
Zuhörer/in oder Fernsehzuschauer/in) gut in die Situation hineinversetzen kann.
Beispiel: „In einem Haus hat es gebrannt.“ In den Nachrichten heißt es dazu:„Der
Brand war in einem Nebengebäude der Brauerei ausgebrochen. Glücklicherweise gab es aber
keine Verletzten.“ Die Reportage würde dieses Geschehen für den Leser bildlicher
aufbereiten und ihn so direkt ins Geschehen holen. So könnte es beispielsweise heißen, wenn
viele Adjektive gebraucht und die Sinne angesprochen werden:
„Der Geruch von Feuer und kaltem Rauch liegt in der schweren Luft, als wir das Haus
betreten. Der Brand war in der Nacht im Nebengebäude ausgebrochen, ist aber schon nach
kurzer Zeit auf das Haupthaus der Familie übergegangen. Überall frisst sich der Ruß ins
poröse Mauerwerk und zeichnet grau-schwarze Flecken in die einstige Familienidylle.
Inmitten des Eingangsbereichs klafft ein riesiges Loch in der Decke: noch vor wenigen
Stunden führte hier eine Treppe ins Obergeschoss des Hause, von der nur ein gräulicher
Aschehaufen zeugt. Familie Meyer steht vor den Trümmern ihrer Existenz, auch wenn
glücklicherweise niemand verletzt wurde.“
Die Reportage beschreibt detailliert, wie es darin aussieht, und versucht, beim
Rezipienten oder bei der Rezipientin „Kino im Kopf“ ablaufen zu lassen. Sie schildert die
„versengten, schwarzen Treppengeländer, denen man nur schwer ansieht, dass sie aus Holz
sind“.
Die Reportage lebt von Anschaulichkeit, dem Gebrauch der Sinne, kräftigen Bildern
und Zitaten und versucht, beim Rezipienten oder bei der Rezipientin „Kino im
Kopf“ ablaufen zu lassen. Der Leser gewinnt den Eindruck, er sei beim Geschehen dabei
gewesen. Die Reportage wird subjektiv durch die Auswahl der Tatsachen.
Das naheliegende Gliederungsprinzip ist die Chronologie. Der erste Satz ist besonders
wichtig, weil er den Leser auf den „Ton“ der Reportage einstimmt.
Ziel/ Funktion: Ansprechen, Aufrütteln und Fesseln des breiten Empfängerkreises.
Sprachliche Mittel: Syntax einfach und überschaubar, Präteritum u. aktualisierendes
Präsens, Temporaldeiktika und Adverbialbestimmungen, Ortsangaben, konkrete Realien und
Details, Zitate, indirekte Rede, umgangssprachliche Lexik.
Verfahren: schildern, beschreiben, berichten.
Typen von Reportagen: mündlich und schriftlich; Sportreportage, Kriegsreportage,
wichtige politische und gesellschaftliche Ereignisse, Reisebericht. Die wichtigste A Vor-Ort-
Reportage, Hintergrundreportage (Dokumentationsebene), Personenebene.

7. Neue Textsorten: Blogs

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Aufgabe 1) Lesen Sie die folgenden Texte. Erstellen Sie danach nach dem Muster der
anderen Textsorten die Liste der Merkmale der Textsorte Blog.

(K)ein Kind macht glücklich!

7. August 2018 von Martin Benninghoff | 32 Lesermeinungen

Wer es sich mit Eltern so richtig verscherzen möchte, der sollte mal en passant fallenlassen, wie schön
und erfüllt ja ein Leben ohne Kinder sei. Beim Geburtstagsbrunch vielleicht. Oder beim Kaffeetrinken. Nur
als Testballon. Viel Spaß! Das sorgt für Stimmung und Heiterkeit, und man erfährt nebenbei, wie sehr an
sich unspektakuläre Aussagen zur ideologisch aufgeladenen Debatte taugen. Dazu kann jeder was sagen:
Wir Eltern waren ja auch mal kinderlos und haben dazu eine Meinung. Und die Kinderlosen kennen Kinder-
Beispiele aus der eigenen Familie, die vielleicht abstoßend sein mögen. Wie auch immer: Die Debatte erfüllt
alle Kriterien einer Schwarz-Weiß-Betrachtung, und am Ende heißt es nur noch: Bist du für oder gegen
Kinder?
Die Frage, ob wir Kinder wollen, stellen wir uns alle irgendwann im Leben. Teenager haben dazu
häufig eine Meinung („ja, später bestimmt!“), bei Studierenden zwischen 20 und 30 hat man eher den
Eindruck, dass sie das Thema scheuen; zumindest scheint es manchmal meilenweit weg von der
Lebensrealität junger Erwachsener vor allem in den akademischen Großstadtmilieus zu sein. Dem
Vernehmen nach sind Kinder in den Berlin-Neuköllner Kneipen und vorm „Späti“ in Kreuzberg nur ein
Randthema, aber durchaus ein Thema, das noch mit einigem Abstand durchdiskutiert wird. Spätestens mit
30 gibt es dann kein Entrinnen mehr, wenn die ersten Gleichaltrigen Familien gründen – und man selbst in
Gesprächen mehr oder minder deutlich aufgefordert wird, Farbe zu bekennen. „Wollt Ihr eigentlich
Kinder?“ ist eine häufig gestellte Frage, auf die man sich besser eine gute Antwort überlegt, sonst findet
man sich in allerlei gestammelten Rechtfertigungsschleifen wieder.
Etwa zur gleichen Zeit trennen sich die Freundeskreise ein bisschen in Spreu und Weizen – in die, die
bei den Partys bis in die Puppen bleiben, und die, die früher ins Bett gehen, weil das Kind am nächsten
Morgen um sieben auf der Matte steht. Für jene, die länger bei der Party bleiben, ist der Fall klar: Kinder
zerstören das Privatleben. Doch ist das wirklich so? Auch in dem Alter, da man gerade mehr oder minder
dem Studentenleben entwachsen ist, kann man differenzierter sein: Kinder „zerstören“ (besser:
beeinträchtigen) zwar einen Teil des früheren Privatlebens, aber sie schaffen auch ein neues. Sie helfen, sich
weiterzuentwickeln. Ob Kinder glücklich machen, ist hingegen umstritten: Studien zeigen, dass sie das nicht
zwangsläufig tun. Andere argumentieren, dass Eltern ab 40 wieder glücklicher werden, wahrscheinlich
deshalb, da bei den meisten Paaren die Kinder aus dem Gröbsten heraus sind.
Je nachdem, ob Sie zur Partei der überzeugten Kinderlosen oder der Familienfans gehören, werden Sie
den ein oder anderen Aspekt stärker gewichten und akzentuieren. Der einzig sinnvolle Lebensentwurf ist
jedoch keine der beiden Möglichkeiten. So wie sich manche den Islam oder den Katholizismus zur einzig

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wahren Religion zurechtinterpretieren, so scheinen die Vertreter dieser beiden Zivilreligionen – Eltern-
Fanatiker und Kinder-Ablehner – ihre Messen nicht weniger entschlossen zu zelebrieren. Dabei bringen
Kinder Vor- und Nachteile, über die man sich im Klaren sein sollte. Genau wie Kinderlosigkeit. Mehr aber
auch nicht: Letztlich muss das Bauchgefühl stimmen, wenn man sich für Kinder entscheidet. Ein paar
Überlegungen können helfen:
Was für Kinder spricht
 Kinder schaffen viele schöne Momente im Familienleben, erfreuen Eltern, Großeltern, Tanten und
Onkel, sorgen für eine schöne Atmosphäre.
 Kinder lassen einen auch mal wieder Dinge sehen, die man als Erwachsener völlig vergessen hat.
Wie schön es zum Beispiel sein kann, den Flug eines Schmetterlings nachzuvollziehen, ohne gleich über
das Artensterben nachzudenken.
 Kinder bewahren das eigene Erbe, und hier vor allem die gemeinsamen Erlebnisse, die Geschichte
der Familie, vielleicht die Namen.
 Durch Kinder lassen sich neue Kontakte knüpfen, mit anderen Eltern und Familien.
 Kinder bringen Kindergeld – und die Möglichkeit, Elternzeit zu nehmen.
Was gegen Kinder spricht
 Kinder kosten Geld. Dazu gibt es eine Reihe von Rechnungen: Nimmt man die laufenden
Konsumausgaben, dann belaufen sich die Kosten bis zum 18. Lebensjahr auf rund 130.000 Euro. Danach
geht es aber munter weiter: Wohnung, Studium, Geldgeschenke.
 Kinder kosten Nerven. Sie sind anstrengend, verlangen ihren eigenen Zeittakt, sorgen für
mangelnden Schlaf.
 Kinder können Berufsaussichten behindern. Teilzeit gilt noch immer als Karrierekiller, Elternzeit ist
allen Beteuerungen zum Trotz auch nicht immer und überall beförderungsförderlich.
 Kinder erschweren die Sozialkontakte mit Leuten ohne Kindern.
Die Debatte ist natürlich nur was für Menschen, die den Luxus der Entscheidung haben. Wer
ungewollt kinderlos bleibt, wird Kinder entweder durch die rosarote Brille sehen oder sie gleich verdammen.
Wer hingegen ungewollt Mutter oder Vater wird, mag sich die Freiheit der Kinderlosigkeit zurückwünschen.
Aber nehmen wir die Fälle freier Entscheidungen, dann haben beide Wege etwas für sich – und sind
vielleicht sogar gesellschaftlich wünschenswert, vor allem da sie Verständnis füreinander voraussetzen, also
Empathie, und im besten Falle erzeugen. Das kann nur Gutes bewirken. Dazu ein paar Überlegungen:
 Wer kinderlos bleiben möchte, kann Tatkraft und Geld in andere Projekte stecken. Das muss nicht
zwangsläufig egoistisch sein, wie Eltern Kinderlosen gerne unterstellen (Partys und Rucksackreisen),
sondern kann auch ein Ehrenamt oder die Pflege der Eltern sein. Muss aber nicht. Wer weit
herumgekommen ist und seine Zeit nicht im Hüpfburgenparadies verbracht hat, ist für eine Gesellschaft
genauso wertvoll.
 Wer Kinder hat, braucht das Verständnis kinderloser Freunde. Es ist eben nicht so, dass das
Kleinkind morgens länger schläft, wenn man es abends später ins Bett bringt. Wer mit Kind am nächsten
Tag verreist, braucht mehr Zeit zum Packen – und hat vielleicht auch keinen Nerv mehr fürs Bierchen am
Abend vorher. „Spießig“ (der Generalvorwurf mancher Kinderloser in Richtung Eltern) ist man deswegen
lange nicht.
 Auch Eltern finden Eltern nervig, die sich nur noch über ihre Kinder definieren. Wer bei Whatsapp
oder Facebook dauerhaft nur seine Kinder als Profilbild präsentiert oder sich selbst nur noch als
„Mama“ bezeichnet, könnte zu wenig an Eigenem haben. Küchenpsychologie? Vielleicht. Und Erfahrung!
 Andersherum gilt auch: Wer auf Geburtstagseinladungen schreibt, die Kinder seien zuhause zu
lassen und nicht erwünscht, nimmt die Spaltung der eigenen Bekanntschaft und des Freundeskreises in Kauf.
Ich würde da jedenfalls nicht mehr hingehen wollen. Nicht, weil ich partout das Kind auf eine verrauchte
Party schleppen möchte, aber ich habe keine Lust auf Leute, die solche Regeln erlassen – wie auch nicht auf
solche, die gegen Kinderspielplätze in der Nachbarschaft prozessieren oder nur noch in kinderfreie Hotels
fahren. Die sind mir einfach unsympathisch.
Vielleicht wäre es hilfreich, von den Funktionszuschreibungen wegzukommen: Kinder sind nicht für
irgendwas da; sie müssen ihren Eltern weder Sinn verschaffen, noch ihr Erbe weitertragen, noch ihnen die
Angst vor dem Tod nehmen (sie tun das alles auch, aber es ist nicht ihr Sinn!). Kinder machen einen auch

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nicht zum besseren Menschen, der durchs Kinderkriegen etwas Besonderes für die Gesellschaft leistet. Das
muss man Eltern sagen, wenn sie behaupten, Kinderlose könnten das, was mit Familie zusammenhängt,
nicht beurteilen. Der Satz „da spricht ein Blinder über Farbe“ ist die erste Stufe der Verirrung, danach
kommen manche auf die absurde Idee, eine kinderlose Person könne keine Familienministerin werden.
Grotesk – oder muss ein Arbeits- und Sozialminister zuvor Hartz IV bezogen haben, um zu wissen, worüber
er spricht? Es ist gerade gut, wenn jemand (auf den ersten Blick) Fachfremdes für gelegentlichen
Perspektivwechsel sorgt. Insofern erübrigt sich auch der ideologische Blick aufs Kinderkriegen: Der
Geburtstagsbrunch ist gerettet, wenn alle begreifen, wie bereichernd die Perspektiven kinderreicher und
kinderloser Menschen sind.

32 Lesermeinungen
Schreibe eine Lesermeinung →

Konrad Vogeler sagt:


7. August 2018 um 13:15 Uhr
Bleibt die Frage
Wieso kann ich erwarten, dass anderer Leute Kinder später mal meine Rente zahlen?
Der Generationenvertrag besteht aus zwei Teilen:
1. Einzahlen für die Renten der Eltern- und Grosselterngeneration
2. Mit eigenen Kindern dafür sorgen, dass dieses Modell weiter existieren kann
Wer keine Kinder hat, der hat auch eine Menge Sorgen und Kosten weniger.
Der kann auch, anstatt in Urlaub zu fahren und Party zu machen, für sein Alter selber sorgen.

Michael Mahlke sagt:


7. August 2018 um 14:11 Uhr
Guter Vorschlag
Was halten Sie davon dass Eltern solange wie Kinderlose diskriminiert werden bei der Höhe der
Sozialversicherung, der Steuerklasse und den Abzugsmöglichkeiten bis die eigenen Kinder in die
Sozialversicherung einzahlen? Das ist doch fair, wenn es um das Argument der Rente geht. Denn vorher
bezahlen die Kinderlosen ja wohl über ihre Steuern und Sozialabgaben mehr als jede Familie. Oder wir
nehmen ihren Vorschlag auf und jeder sorgt selbst fürs Alter vor – Sie über Kinder und Kinderlose übers
Geldverdienen. Oder was wollen Sie?

Julian Moeslein sagt:


7. August 2018 um 13:35 Uhr
Unfassbar…
…dass wir solch eine Debatte überhaupt führen müssen. Und dann wundern wir uns darüber, dass
Deutschland vergreist, und der Sozialstaat wenige Jahrzehnte vor dem Zusammenbruch steht.

Martina Gromeier-Pautke sagt:


7. August 2018 um 14:39 Uhr
Schöner Artikel
und ich danke dem Autor für die Umsicht, dass Kinderlose keineswegs Egomonster sein müssen und Eltern
keine Heiligen. Gleichzeitig fiel mir oft eine gewisse Entweder-Oder-Sicht auf. Es gibt jede Menge
Zwischentöne: z.B. Leute, die sich keineswegs direkt gegen Kinder entschieden haben, damit aber gut leben
können, dass sie keine haben, wie es ebenso Menschen gibt, die auf jeden Fall welche haben wollten und
den Schritt nun bereuen. Jugendämter und Vormundschaftsgerichte können davon ein Lied singen. Wir
sollten aufhören, die Welt in schwarz-weiß zu tauchen. Sie ist bunt. Noch ein letztes Wort zu den Leuten,
die Gäste bitten, die Kinder zu Hause zu lassen. Das kann auch damit zusammenhängen, dass sie dem Gast
schon mehrfach darum gebeten haben, dafür zu sorgen, dass er sein Kind nicht über Tische und Bänke

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springen lässt. Man muss nicht kinderlos sein, um das zu hassen, denn es gibt auch heute noch Eltern, die
sich die Erziehung zur Aufgabe machen. Deren Kinder sind überal.

http://blogs.faz.net/schlaflos/2018/08/07/kein-kind-macht-gluecklich-258/

Aufgabe 2)
1) Vergleichen Sie in Paaren Ihre Listen. Einigen Sie sich auf eine gemeinsame Liste
der charakteristischen Merkmale der Textsorte Blog.
2) Lesen/ Führen Sie selbst Blogs? Warum? Berichten Sie im Plenum!

8. Textsorte „Leserbrief“
Leser der Zeitungen und Zeitschriften, denen das Geschehen im Heimatland und in der
Welt nicht gleichgültig ist, reagieren oft auf Beiträge in diesen Massenmedien, indem sie
ihre Meinung/ Stellungnahme in Leserbriefen zum Ausdruck bringen.
Zur Übung sollte man mit der argumentierenden Stellungnahme beginnen, das heißt,
dass ein einzelner Aspekt des ursprünglichen Beitrags herausgegriffen und argumentativ
kritisiert wird. Hierbei reicht die einfache Meinungsäußerung nicht mehr aus.
Allgemeine Regeln für das Verfassen eines Leserbriefes:
1. Stellen Sie deutlich klar, auf welchen Teil des jeweiligen Artikels Sie sich
beziehen und benennen Sie korrekt, an welcher Stelle und zu welchem Zeitpunkt Sie das
Ganze gefunden haben.
2. Verweisen Sie außerdem darauf, welche Rolle Sie selbst einnehmen. Sind Sie
ein Experte auf dem jeweiligen Gebiet oder sind Sie unter Umständen selbst von der
Thematik betroffen?
3. Achten Sie grundsätzlich darauf, die eigenen Argumente logisch und sachlich zu
formulieren. Dies erhöht die Chance, dass das Ganze abgedruckt wird und wirkt auch für
andere nachvollziehbarer.
4. Machen Sie ihre Argumente an eindeutigen Beispielen fest und greifen Sie
außerdem neue Aspekte der Thematik auf, die mitunter im ursprünglichen Beitrag nicht
beleuchtet wurden.

Möglicher Aufbau eines Leserbriefes:


Anrede: Entweder Nennung, wenn ersichtlich, des jeweiligen Autors oder Anrede der
Redaktion.
Bezugnahme: Auf welchen Beitrag (Datum, Titel) beziehen Sie sich und welchen Teil
davon möchten Sie kommentieren? Fassen Sie komplexe Abschnitte zusammen.
Eigener Standpunkt: Verdeutlichung des eigenen Standpunktes und Verweis darauf,
welche Rolle Sie selbst einnehmen (Schüler, Experte, Betroffener).
1. Argument: Stützen Sie nun Ihren Standpunkt oder Ihre These mit einem Argument,
entkräften Sie möglichst die mögliche Argumentation der Gegenseite (Indirektes Argument)
2. Argument und Beispiel: Untermauern Sie Ihre These durch ein weiteres Argument
und machen Sie dieses für eine größere Bildhaftigkeit an einem Beispiel aus Ihrer Erfahrung
fest.
Schlussteil: Machen Sie erneut deutlich, worauf es Ihnen ankommt und schlussfolgern
Sie, was sich aus ihrer Argumentation ableiten lässt.

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Hinweis: Grundsätzlich können auch noch mehr Argumente in den Leserbrief
einfließen. Allerdings sollten Sie beachten, dass die Textform eher als kurze
Meinungsäußerung zu verstehen ist. Lange Ausführungen sind hierbei also eher hinderlich
und eine knackige Argumentation ist zu bevorzugen.

Arten der Leserbriefe: textbezogen oder frei.


Der textbezogene Leserbrief nimmt Bezug auf einen Artikel und greift bestimmte
Abschnitte oder Meinungen auf, um diese zu kommentieren. Er ist somit eine Stellungnahme
zu einem Sachverhalt oder einer primären Äußerung über ein Problem oder eine
Zeiterscheinung.
Der freie Leserbrief bezieht sich im Gegensatz dazu nicht unmittelbar auf den
eigentlichen Text, sondern greift vielmehr eine bestimmte Tendenz des Artikels auf und
kommentiert sie allgemein.

Aufgabe.
a) Ein digitalskeptischer Deutschlehrer hatte in einem Zeitungsartikel vor der Nutzung von
Tablets im Unterricht gewarnt. Lesen Sie den Anfang des Artikels (Der Volltext ist nur gegen
Bezahlung einzusehen).

Einwand eines Lehrers : Tablets lenken nur ab!


Von Fabian Geyer, 26.04.2018

Welchen Beitrag elektronische Geräte zur Verbesserung des Schreibens leisten sollen, ist
schleierhaft. Als Deutschlehrer kann man vor dem unbedingten Willen der Politik zur Digitalisierung
der Schulen nur warnen. Ein Gastbeitrag
Der einfältige Werbeslogan „Digital first. Bedenken second.“ aus dem vergangenen
Bundestagswahlkampf diente als Schlachtruf gegen die ‚Bedenkenträger‘ – so die abwertende Bezeichnung
für kritische Köpfe – und zeichnet den Weg aus der vermeintlich analogen Rückständigkeit in die gepriesene
digitale Zukunft vor. In dieser Richtung liegen die bildungspolitischen Bestrebungen, die Klassenzimmer
flächendeckend zu digitalisieren: „Einmaleins und ABC nur noch mit PC“ – so lautete im Jahr 2016 die
Maxime der „Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft“.
Diesen unbedingten und unkritischen Willen zur Digitalisierung der Schulen sehe ich als Lehrer mit
Sorge. Er widerstreitet dem Grundsatz, Methoden und Medien zweckorientiert einzusetzen…
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/einwand-eines-lehrers-tablets-lenken-nur-ab

b) Lesen Sie den Leserbrief einer achten Schulklasse als Reaktion auf diesen Artikel.

Sehr geehrter Fabian Geyer,


wir, die Klasse 8c des Schiller-Gymnasiums in Witten, haben uns in der vergangenen Deutschstunde
mit Ihrem Kommentar „Tablets lenken nur ab“ beschäftigt. Wir teilen Ihre Ansicht nicht, sondern meinen im
Gegenteil, dass Tablets im Schulunterricht sinnvoll sind und deshalb in den Unterricht integriert werden
sollten.
58
Dem Argument, dass die Verwendung von Tablets im Unterricht zu Sprachstörungen und
Aufmerksamkeitsproblemen führt, können wir nicht zustimmen. Im Gegenteil können wir uns
Unterrichtssituationen vorstellen, in denen Tablets sehr hilfreich sind. So haben wir auch für diesen Brief
Ihre Argumente arbeitsteilig in Gruppen untersucht. Wir haben dann per E-Mail unsere Ergebnisse an
unseren Deutschlehrer, Herrn Lothar Adam, geschickt, der sie gesammelt, integriert und neu ausgedruckt hat.
Anschließend erfolgte eine zweite Überarbeitung und Angleichung unserer Stellungnahme – wieder mit
demselben umständlichen Vorgehen. Wie viel einfacher wäre es gewesen, wir hätten alle ein Tablet gehabt
und hätten direkt die Texte austauschen und überarbeiten können?
Die Lesefähigkeit wird von Ihnen unter anderem dadurch definiert, dass komplexe kulturelle und
wissenschaftliche Werke verstanden und interpretiert werden können. Es ist uns nicht ohne weiteres klar,
wieso durch die Anwendung von elektronischen Geräten im Unterricht diese Fähigkeit verloren gehen soll.
Vielmehr kann der Lehrer im Unterricht, unabhängig davon, ob er ein Buch oder elektronische Medien nutzt,
dafür sorgen, dass weiterhin die kulturell wichtigen Werke (zum Beispiel von Goethe und Schiller)
vermittelt und verstanden werden.
Der Lehrer kann den Einsatz der elektronischen Medien wie Internet, eBooks, Tablets doch auch dafür
nutzen, anspruchsvolle Literatur mit den Schülern neu zu entdecken. So gibt es zum Beispiel auf Youtube
und auf Wikipedia Inhaltsangaben, biografische Hintergründe, ja sogar ganze Zusammenfassungen
komplexer Werke zum Beispiel in Gestalt von Zeichentrickfilmen, die man gut und einfach auf Tablets im
Unterricht anschauen und diskutieren kann. Nach diesen Lernhilfen wenden sich die Schüler wieder
motivierter der Lektüre zu: die Lesebereitschaft wird gesteigert, was der Lesefähigkeit natürlich
zugutekommt.
Ein weiteres Ihrer Argumente gegen die Nutzung von Tablets im Unterricht ist, dass die
Schreibfähigkeit durch die Arbeit mit diesen vermindert werde. Auch wenn dieses Argument, falls man
damit die Schreibschrift meint, nicht ganz von der Hand zu weisen ist, sollte man bedenken, dass es doch die
Möglichkeit gibt, die Schreibschrift in bestimmten Stunden ganz gezielt zu üben. So könnten
Klassenarbeiten und Hausarbeiten weiterhin grundsätzlich mit Papier und Stift geschrieben werden.
Außerdem gibt es auch Stifte, mit denen auf Tablets per Hand geschrieben werden kann.
Zum Abschluss möchten wir erwähnen, dass mittlerweile Zeitungen wie die „Frankfurter Allgemeine
Zeitung“, die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ oder die „Berliner Zeitung“ zu ihrem Abo ein Tablet
anbieten, mit denen man Nachrichten online abrufen kann. Das Tablet kann den einen oder anderen Schüler
somit zum Zeitunglesen verführen, vor allem dann, wenn es im Deutschunterricht in einem Zeitungsprojekt
gezielt eingesetzt wird.
Insgesamt sollen unsere Beispiele zeigen, dass uns Ihre pauschale Warnung vor Tablets im Unterricht
nicht differenziert genug erscheint.

Mit freundlichen Grüßen


Klasse 8c des Schiller-Gymnasiums Witten

c) Finden Sie alle Merkmale und strukturellen Teile eines Leserbriefs, über die Sie
gelesen haben.
d) Vergleichen Sie in Paaren die Ergebnisse.
e) Verfassen Sie selbst Leserbriefe zu einem Zeitungsbeitrag. Tauschen Sie die aus und
bewerten Sie die anhand der Checkliste (Anhang 6). Geben Sie einander danach ein
ausführliches Feedback.

ZEITSCHRIFTEN
59
Zum selbständigen Studium (Anhang ????=

KAPITEL 3. FERNSEHEN

Inhalt:
1. Nützliche Links
2. Ein Ausflug in die Fernsehgeschichte in Deutschland
3. Aufstieg des Fernsehens zum Leitmedium
4. Im Wettbewerb mit dem Internet
5. Deutsches Fernsehen heute: Klassifikation der Fernsehprogramme
6. Technik- und Programmvielfalt
7. Werbung (selbständig)
8. Formate
a. Nonfiktive Formate
- Bilder im Fernsehen
b. Fiktive Formate

1. Nützliche Links

http://www.deutschesender.de/
http://programm.ard.de/tv
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/kanaluebersicht/aktuellste/884724#/hauptnavigation/
startseite
http://www.rtl.de/sendungen/a-z.html
http://www.sat1.de/tv
http://www.prosieben.de/tv

2. Ein Ausflug in die Fernsehgeschichte in Deutschland

Aufgabe 1. Tauschen Sie sich im Plenum oder in Kleingruppen aus.


1. Was wissen Sie über die Geschichte des Fernsehens?
2. Was wissen Sie über die Geschichte des Fernsehens in Deutschland?

Aufgabe 2. Lesen Sie den Text „Ein Ausflug in die Fernsehgeschichte in Deutschland“.
Erfüllen Sie danach die Aufgaben dazu.

Ein Ausflug in die Fernsehgeschichte in Deutschland


Einige Jahrzehnte der Forschung sind nötig, bis 1931 auf der Funkausstellung in
Deutschland das erste vollelektronische Fernsehgerät präsentiert werden kann. Die Technik
ist noch nicht sonderlich ausgereift, und so gibt es zunächst nur ein spärliches Testprogramm
für wenige Empfangsgeräte. Da die Fernsehgeräte handgefertigt und so gut wie unbezahlbar

60
sind, entstehen in Berlin erste öffentliche

Fernsehstuben, in denen man das Programm kostenlos sehen kann.

Drei Dutzend Berliner scharen sich um 18x22 Zentimeter Flackern. Sie können nicht
viel erkennen, das Bild ist kontrastarm, wenig ansehnlich. Aber das, was sie sehen, ist
Fernsehen, live, vom Funkturm übertragen in die Fernsehstube. Ein Gemeinschaftserlebnis
im Kleinformat.
Im März 1935 hatte in Berlin der erste regelmäßig ausstrahlende Fernsehsender seinen
Betrieb begonnen. Jeden Abend gab es eineinhalb Stunden Programm  Deutschland war
ganz vorn, sogar sieben Monate vor der BBC. Doch nur Rundfunk-Funktionäre und NS-
Bonzen konnten sich überhaupt einen Fernseher leisten. Mehrere Tausend Reichsmark
kostete der klobige Empfänger. Gesendet wurde für eine exklusive Zuschauerschaft. Nicht
einmal 50 Fernseher sollen es gewesen sein. Die Lösung? Fernsehstuben.
Eine erste dieser Stuben eröffnete am 9. April 1935 im Berliner Reichspostmuseum.
Zwei Bildschirme, Platz für 40 Personen, Eintritt kostenfrei. Das Bild war anfangs so
schlecht, dass man auf den Kommentar eines Sprechers angewiesen war. Später kamen
Stuben mit Platz für knapp 300 Menschen und größeren Bildschirmen dazu.
Alles mit dem einen Ziel: Die NS-Propaganda betrieb die TV-Revolution im Hinblick
auf die Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin. Man rühmte sich seiner Vorreiterrolle.
Am 22.03.1935 eröffnete Reichssendeleiter Eugen Hadamovsky den regelmäßigen
Programmdienst des Senders mit den Worten:“… in dieser Stunde wird der Rundfunk
berufen, die größte und heiligste Mission zu erfüllen: nun das Bild des Führers
unverlöschlich in alle deutsche Herzen zu pflanzen …“
Gesendet wurde anfangs an drei Tagen in der Woche, vom Mai 1935 an täglich, jeweils
von 20:30 bis 22:00 Uhr. Damit war dieses Programm weltweit der erste reguläre
Fernsehsender.
Die erste Ansagerin des „Deutschen Fernseh-Rundfunks“ war Ursula Patzschke-Beutel.
Sie meldete sich mit den Worten „Achtung, Achtung! Fernsehsender Paul Nipkow. Wir
begrüßen alle Volksgenossen und Volksgenossinnen in den Fernsehstuben Großberlins mit
dem deutschen Gruß: Heil Hitler!“ und verabschiedete sich mit: „Hiermit beendet der
Fernsehprogrammbetrieb der Reichssendeleitung sein heutiges Bildprogramm. Waren Sie
zufrieden? Wenn ja, sagen Sie es bitte allen Ihren Bekannten weiter. Gefiel es Ihnen nicht,
sagen Sie es bitte uns. Schreiben Sie an den Fernsehbetrieb der Reichssendeleitung, Berlin,

61
Haus des Rundfunks. Zum Ausklang des Abends: Marschmusik. Auf Wiedersehen bei der
nächsten Sendung. Heil Hitler!“
Seine wahre Stärke spielte das Fernsehen im Sommer 1936, als die Olympischen
Sommerspiele übertragen wurden, aus  wie von den Propagandisten geplant: Athleten aus
aller Welt kämpften im Berliner Olympiastadion um Medaillen, die „Fernsehkanonen“ des
Senders übertrugen die Rekordläufe von Jesse Owens in die Stuben. Das Publikum drängelte
sich vor den Apparaten. Die Schnelligkeit, das Live-Gefühl, das gemeinschaftliche Erleben.
Für die propagandistische Inszenierung der Spiele war damals auf die modernste
Medientechnik zurückgegriffen worden. So wurden erstmals die Olympischen Spiele live in
Radio und Fernsehen übertragen. Durch Live-Berichterstattungen sollten möglichst viele
Menschen direkt an den Ereignissen teilhaben. Die Nationalsozialisten haben die
Olympischen Sommerspiele drei Jahre nach der Machtübernahme dazu benutzt, um der Welt
Deutschlands „neue Größe“ und seinen scheinbar weltoffenen Charakter zu zeigen. Die
Spiele wurden am 1. August 1936 eröffnet. Auf dem Bild unten ist die Kamera mit riesigem
Objektiv für die Übertragung von Leichtathletikwettkämpfen und Nahaufnahmen zu sehen 
die sogenannte Olympiakanone.
Vor dem Dom, der
Siegessäule oder auf der Berliner
Schlossbrücke standen
Pilzlautsprecher zur Beschallung
öffentlicher Plätze. 3.000 Live-
Berichte wurden an die deutschen
und 41 ausländischen Radiosender
übertragen und zeitgleich auch
über öffentliche
Lautsprecheranlagen ausgestrahlt.
Auch wenn sich das Fernsehen zu
Schon die Nationalsozialisten veranstalteten „Public Viewing“ den Sommerspielen „noch im
Versuchsstadium“ befand  mit
der ersten öffentlichen TV-
Ausstrahlung im Jahr 1935 gelang dem NS-Regime ein Propaganda-Coup: Vor Briten und
Amerikanern startete Deutschland nach einem technologischen Kopf-an-Kopf-Rennen als
erstes Land ein reguläres Programm. Gesendet wurde zunächst zwei Stunden täglich  zu
den olympischen Spielen 1936 waren es bereits täglich acht Stunden. Die Sommerspiele
1936 wurden von den Nationalsozialisten
in vielen Facetten als
Propagandaspektakel missbraucht. Sie
präsentierten sich der Weltöffentlichkeit
dabei als gemäßigter Staat:
Antisemitische Parolen wurden aus der
Öffentlichkeit verbannt, für die Dauer der
Spiele verzichteten die Medien auf
Hetzparolen. Die deutschen Sportler
zeigten gleichzeitig bei Siegerehrungen
den rechten Arm zum „Hitlergruß“ und
62
Adolf Hitler weigerte sich, den schwarzen US-Athleten Jesse Owens zu seinen Siegen zu
beglückwünschen. Gleichzeitig führten die Nationalsozialsten Deutschland als neue Macht
vor  unter anderem mit dem neuerrichteten Olympiastadion für 100.000 Zuschauer in
Berlin.
Programm des „Deutschen Fernseh-Rundfunks“ vom 3. bis 8. Januar 1938:

Montag Donnerstag
20.00 Ein netter alter Herr (Hörszene) 20.00 Hinein, hinein! (Ulksendung)
20.05 Ufa-Tonwoche 20.05 Ufa-Tonwoche
20.18 Musik aus unseren vier Wänden (L. Hainisch) 20.18 Schneeflocken (Spukfilm; A. Bronnen)
21.00 Das gestohlene Herz (Scherenschnittfilm) 21.18 Kater Lampe (Tobis-Film; Veit Harlan)
21.12 Liebe zur Harmonika (Ufa-Kulturfilm) 21.51 Abenteuer im Zoo (Trickfilm)
21.25 Bauernmusiken 21.57 Sendeschluss
21.40 Die Geige lockt (Ufa-Film)
21.50 Sendeschluss
Dienstag Freitag
20.00 Die Speisekarte (Fernsehspiel) 20.00 Vor der Haltestelle (Kurzinterview)
20.05 Ufa-Tonwoche 20.05 Ufa-Tonwoche
20.18 Buntes Allerlei (L. Hainisch) 20.18 Fünf Personen suchen Anschluss (Ufa-Film)
21.00 Knigge und wir (Tobis-Film) 20.30 Das Patentkunstschloss (Ufa-Film)
21.17 Fahrt durchs Kinderland 20.47 Eulenspiegelei (Theo Lingen)
21.28 Die Sänger von dar Waterkant 21.05 Ufa-Tonwoche
21.48 Eine tolle Fuchsjagd (Trickfilm) 21.18 Fünf Personen suchen Anschluss
21.56 Sendeschluss (Wiederholung)
21.30 Das Patentkunstschloss (Wiederholung)
21.47 Eulenspiegelei (Wiederholung)
22.00 Sendeschluss
Mittwoch Samstag
20.00 Ufa-Tonwoche 20.00 Ufa-Tonwoche
20.18 Tante Inges Garten (NSDAP-Film) 20.18 Filmbericht aus einem NS-Kinderheim
20.30 Achtung: Rotes Licht (Verkehrserziehung) 20.23 Fernsehkabarett (L. Hainisch)
21.14 Alkohol am Steuerrad (Ufa-Film) 21.30 Truxa (Tobis-Film)
21.28 Die Lokomotivenbraut (Ufa-Film) 21.51 Sendeschluss
21.42 Letzte Grüße von Marie (Ufa-Film, 1931)
21.57 Sendeschluss

Für die Nazi-Propaganda hatten die Fernsehstuben kurz vor Beginn des Zweiten
Weltkriegs ihren Zweck erfüllt. Der Sender sollte im August 1939 geschlossen werden.
Befürwortern gelang es jedoch, den Sender als „kriegswichtig“ einzustufen. Bis Oktober
1944 sendete man weiter, vor allem um die Stimmung in der Truppe zu verbessern. Wo die
Zuschauer nicht kommen konnten, machten sich die Geräte auf den Weg: Bildschirme aus
Fernsehstuben wurden in Berliner Lazarette geschafft, um Verwundete zu unterhalten.
Am 19.10.1944 erfolgte dann die letzte Sendung, da durch den Kriegseinsatz das
Personal nicht mehr ausreichte, wurden diese eingestellt.
Nach dem Krieg wird die Arbeit am Fernsehbetrieb wiederaufgenommen, allerdings
unter anderen Voraussetzungen. Rundfunk im Dienst einer politischen Partei soll es nicht
mehr geben. 1950 einigen sich die Rundfunkanstalten darauf, die «Arbeitsgemeinschaft der
öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland» zu gründen, kurz
ard. Man verpflichtet sich, alle Menschen mit ihren jeweils unterschiedlichen Interessen
63
gleichermaßen mit Informationen zu versorgen, also eine möglichst große Programmvielfalt
zu gewährleisten. Dieser Standard nennt sich Grundversorgung. Das Fernsehen soll im
Dienste der Öffentlichkeit stehen, das heißt, es gehört weder dem Staat noch einer Person,
sondern allen Menschen.
Ein weiterer Grundsatz beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen ist: Es soll keine einzelne
Person oder eine politische Gruppe von Menschen geben, die sich das Recht, über das
Fernsehen zu bestimmen, erkaufen kann. Darum finanzieren die Bürger ihr Fernsehen durch
die Rundfunkgebühren weitestgehend selbst. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass
Fernsehen nicht für politische Propaganda oder die Durchsetzung von Privatinteressen
missbraucht wird. Dieses Finanzierungsmodell hat auch Auswirkungen auf den Einsatz von
Fernsehwerbung und die Verwendung der Gebühren: Während alle dritten
Fernsehprogramme komplett werbefrei sind, zeigten Das Erste und das zdf werktags
lediglich 20 Minuten Werbung.
Viele grundsätzliche Entscheidungen eines öffentlich-rechtlichen Senders trifft der
Rundfunkrat. Er besteht aus frei gewählten Mitgliedern vieler unterschiedlicher
gesellschaftlicher Gruppen, zum Beispiel Vertretern der Kirche, der Kulturverbände oder der
Gewerkschaften. Der Rundfunkrat wählt die Mitglieder des Verwaltungsrats, die Direktoren
sowie die Intendantin oder den Intendanten. Der Verwaltungsrat kontrolliert, wie die
Gebühren der Zuschauer genutzt werden.

Aufgaben zum Text

Aufgabe 1. Übersetzen Sie die folgenden Vokabeln aus dem Text in Ihre Muttersprache
und lernen Sie sie. Führen Sie zu jedem Wort einen kurzen Kontext aus dem Text an.
1) ausgereift sein
2) spärlich
3) scharen, sich um etw. Akk.
4) ansehnlich
5) ausstrahlen/ senden/ übertragen
6) Vorreiterrolle, die
7) Befürworter, der
8) einstufen etw. Akk. als ewt. Akk.
9) einstellen
10) aufnehmen
11) einigen, sich auf etw. Akk.
12) gewährleisten
13) sicherstellen
14) Eisatz, der ← einsetzen

Aufgabe 2. Ergänzen Sie die Tabelle mit den Informationen aus dem Text.

№ Datum Was geschah in dieser Zeit?


1 1931
2 9.04. 1935
3 22.03.1935
64
4 Sommer 1936
5 1. August 1936
6 August 1939
7 bis Oktober 1944
8 19.10.1944
9 nach dem Krieg
10 1950

Aufgabe 3. Antworten Sie auf die folgenden Fragen:


1. Warum entstehen in Berlin öffentliche Fernsehstuben? (Nennen Sie 2 Gründe!)
2. Das erste Fernsehbild war kontrastarm und wenig ansehnlich. Warum kamen die
Menschen dennoch in die Fernsehstuben?
3. Wie waren die ersten Fernsehstuben?
4. Welchem Ziel sollten die ersten Fernsehstuben dienen?
5. Was faszinierte das Fernsehpublikum während der Olympischen Sommerspiele
1936?
6. Welches Ziel haben die Nationalsozialisten mit der Direktübertragung der
Olympischen Sommerspiele 1936 verfolgt?
7. Was wurde als „Olympiakanone“ bezeichnet?
8. Was wird im Text als „Beschallung öffentlicher Plätze“ bezeichnet?
9. Was wird mit dem Propaganda-Coup gemeint?
10. Erklären Sie bitte laut dem Text den Satz „Die Sommerspiele 1936 wurden von
den Nationalsozialisten in vielen Facetten als Propagandaspektakel missbraucht.“
11. Sie haben das Programm des „Deutschen Fernseh-Rundfunks“ vom 3. bis 8.
Januar 1938 durchgesehen. Was ist Ihnen aufgefallen? Begründen Sie bitte, warum!
12. Grundsätze beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen:
a)
b)
13. Welche Folgen hatte Grundsatz 2?
14. Worin besteht die Funktion des Rundfunkrats/ Verwaltungsrats?

Aufgabe 4. Stellen Sie sich vor: In einer Landeskundestunde wollen Sie Ihre Schüler
der 10. Klasse über die Geschichte des deutschen Fernsehens informieren. Bereiten Sie dafür
einen Vortrag vor und präsentieren Sie ihn.

3. Aufstieg des Fernsehens zum Leitmedium

Aufgabe 1. Lesen Sie den folgenden Text über die weitere Entwicklung des Fernsehens.

Zum Jahresende 1952 wird erstmalig in beiden Teilen Deutschlands der regelmäßige
Sendebetrieb aufgenommen. Allerdings können sich in der Nachkriegszeit nur wenige
Haushalte einen eigenen Apparat leisten. Häufig kommen darum Familien, Nachbarn,
Freunde und Bekannte zusammen, um einen Film oder Nachrichten gemeinsam anzusehen.
Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung steigt die Zahl der Fernsehkäufer und -konsumenten
jedoch stark an: Bereits Mitte der 1960er-Jahre verfügen 10 Millionen Haushalte über einen
65
Fernseher. Man spricht nun vom Fernsehen als einem Massenmedium. Die Geräte werden
technisch und in ihrer Ausstattung ständig verbessert. Ab dem Jahr 1967 gibt es
Farbfernseher – ein Meilenstein in der Fernsehgeschichte – und seit circa 1975 kann man
umschalten, ohne aufzustehen: Die Fernbedienung ist auf dem Markt. Da es Anfang der
1960er-Jahre nur ein Programm gibt, entwickeln sich besonders beliebte Filme zu
sogenannten Straßenfegern. Tatsächlich saß fast die gesamte Bevölkerung vor dem
Fernseher, als Anfang der 1960er-Jahre der Kriminalfilm „Das Halstuch“ von Francis
Durbridge gesendet wurde. 1963 nimmt das Zweite Deutsche Fernsehen (zdf) als zweite
öffentlich-rechtliche Rundfunkgesellschaft ihren Sendebetrieb auf. In der Folge entstehen die
regionalen Programme der ard, die sogenannten dritten Programme. 1997 gründen ard und
zdf den werbefreien „Kinderkanal“ den KI.KA, mit Sitz in Erfurt.

Aufgabe 2. Ergänzen Sie die Tabelle:

Datum Was ist geschehen?


1952
Anfang der
1960er-Jahre
Mitte der 1960er-
Jahre
1963
1967
1975
1997

Aufgabe 3. Schauen Sie sich die Grafik an. Was ist die Botschaft, die wichtigste Idee
davon? Beschreiben Sie bitte die Grafik und kommentieren Sie sie.

66
Aufgabe 4. Machen Sie sich mit den Informationen über die weitere Entwicklung des
Fernsehens bekannt.

Die Durchsetzung des Fernsehens hatte zur Folge, dass sich die Mediennutzung
insgesamt veränderte und die herkömmlichen Massenmedien an Boden verloren. Das
Kinosterben und die Einstellung zahlreicher Publikumszeitschriften2 in den 60er Jahren sind
deutliche Indizien dafür.
Aber die herkömmlichen Medien konnten sich dann behaupten, wenn sie sich an die
veränderten Bedingungen anpassten und ihr Profil veränderten:
 Das Radio vollzog den Wandel vom Einschalt- zum Begleitmedium.
 Die Tageszeitungen legten den Schwerpunkt auf lokale Informationen und auf
Hintergrundinformationen.
 Der Film kooperierte mit dem Fernsehen.
 Die Publikumszeitschriften differenzierten sich aus und orientierten sich an sehr
schmal geschnittenen Zielgruppen mit engen Interessenprofilen. Oder sie erfüllten gleich
eine Servicefunktion für das Fernsehen wie die Programmzeitschriften.
Ein Teil der herkömmlichen Medien wurde also durch das Fernsehen ersetzt und hatte
sich zunehmend einzuschränken. Ein anderer Teil wurde zur Komplementarität (durch
ergänzende Umorientierung) gezwungen und musste sich ein verändertes Profil aufbauen.
Schaut man aber genauer hin, so deuten einige Indikatoren auf eine Erosion der
Vormachtstellung des Fernsehens.
2
Eine Gattung unter den Zeitschriften, die auf ein breites Publikum gerichtet ist. Unterhaltung und Information ohne fachliche
Prägung stehen daher im Mittelpunkt [Begriffe aus Werbung und Medien
https://www.crossvertise.com/informieren/hilfe/glossar/#c693]
67
Das Fernsehen hat für die jüngeren Jahrgänge nicht die Bedeutung, die es früher einmal
in den jeweiligen Altersgruppen hatte. Die Prioritäten haben sich verschoben.

Aufgabe 5: Beschreiben Sie die Entwicklung des Fernsehens auf der Grundlage der
Grafik unten.

Aufgabe 6: Was erfahren Sie mehr über die Veränderungen im Fernsehkonsum


aus der Grafik unten? Berichten Sie bitte!

68
Dies ist ein langfristiger Trend. Die Jugendlichen wenden sich vom Fernsehen ab, und
sie wenden sich vor allem anderen Medien zu. Ihre Aufmerksamkeit wird von anderen
Angeboten gefesselt, insbesondere von den Sozialen Netzwerken. Diese Verschiebungen
sind nicht so zu erklären, dass sich die Rezipienten erst dem Fernsehen zugewandt und dann
wieder abgewandt hätten. Vielmehr sind diese Gruppen in einer Medienwelt groß geworden,
in der die Stellung des Fernsehens bereits relativiert war: Für die „Digital Natives“3 stehen
Online-Medien selbstverständlich an erster Stelle und dabei wird es bleiben.

Abb. – Digital natives


Aufgabe 7: Übersetzen Sie die folgenden Vokabeln bzw. Wortverbindungen aus dem
Text in Ihre Muttersprache und lernen Sie sie. Führen Sie zu jedem Wort einen kurzen
Kontext aus dem Text an.
1) herkömmlich
2) an Boden verlieren
3) das Indiz für etw. Akk.

3
Als digital native (deutsch: „digitaler Ureinwohner“) wird eine Person der gesellschaftlichen Generation bezeichnet, die in der
digitalen Welt aufgewachsen ist. Als Antonym existiert der Begriff des digital immigrant (deutsch: „digitaler Einwanderer“ oder
„digitaler Immigrant“) für jemanden, der diese Welt erst im Erwachsenenalter kennengelernt hat.
69
4) das Einschaltmedium
5) das Begleitmedium
6) schmal geschnittene Zielgruppen
7) sich ein verändertes Profil aufbauen
8) Vormachtstellung des Fernsehens
9) sich von etw. Dat. abwenden
10) sich etw. Dat. zuwenden
11) jmds. Aufmerksamkeit fesseln
12) etw. Akk. relativieren

Aufgabe 8: Antworten Sie auf die folgenden Fragen:


1. Welche Folgen hatte die Durchsetzung des Fernsehens?
2. Worin bestand aber die Erosion des Fernsehens?
3. Was bot dem Fernsehen Konkurrenz?
4. Wer sind „Digital Natives“?

Aufgabe 9. Stellen Sie sich vor: Mit dem Vortrag über die Geschichte des deutschen
Fernsehens haben Sie das Interesse Ihrer Schüler geweckt, so dass sie Sie bitten, über die
weitere Entwicklung des Fernsehens zu erzählen. Bereiten Sie einen informierenden Vortrag
über den Aufstieg des Fernsehens zum Leitmedium und den Verlust der Vormachtstellung
vor und präsentieren Sie ihn.

4. Im Wettbewerb mit dem Internet

Aufgabe 1. Was stellen Sie sich unter dem Titel „Das Fernsehen im Wettbewerb mit
dem Internet“ vor? Erklären Sie bitte!

70
Aufgabe 2. Lesen Sie bitte den folgenden Text und erfüllen Sie die Aufgaben dazu.

Das Fernsehen im Wettbewerb mit dem Internet

Durch die steigende Bedeutung des Internet verliert das Fernsehen seine Funktion als
Leitmedium. Das liegt daran, dass die Menschen in ihren Berufen verstärkt an Computern
mit Internetzugang arbeiten. Insbesondere Jugendliche nutzen das Internet umfangreich in
ihrer Freizeit. Der Zugang zu den Nachrichtenportalen des Internets steht jederzeit und
jedem zur Verfügung. Dem suchen diese Portale durch permanente Auffrischung ihrer
Titelzeilen gerecht zu werden. Informationen „in Echtzeit“, wie aktuelle Aktienkurse oder
Verläufe von Sportereignissen, erhöhen die Attraktivität. Das traditionell durch Antenne,
Kabel oder Satellit zum Zuschauer gebrachte Fernsehen hinkt dem hinterher.
Diesem strukturellen Nachteil suchen die Sender dadurch zu entkommen, dass sie selbst
umfangreiche Portale im Netz aufbauen, die beispielsweise aktuelle Nachrichtensendungen
und andere Sendungen auf Abruf bereithalten oder Hintergrundinformationen zu Themen
bieten, auf die in den Sendungen hingewiesen wird. Gelegentlich wurden auf diesen Portalen
bereits aktuell laufende Serien mit einzelnen Folgen vorab präsentiert.
Doch die umfangreichen Online-Auftritte gerade der öffentlich-rechtlichen
Sendeanstalten sind in der Mediendiskussion umstritten. Vor allem die kommerziellen
Fernsehanbieter kämpfen seit 2007 heftig dagegen, weil sie darin einen Übergriff der
öffentlich-rechtlichen Anstalten auf den Pressebereich (“elektronische Zeitung“) sehen. Sie
drängten darauf, dass der Rundfunkstaatsvertrag die Online-Auftritte einschränkt und den
öffentlich-rechtlichen Anstalten nur noch programmbegleitende Onlinepräsentationen
gestattet. Auch das öffentliche Zugänglichmachen von Sendungen, die auf Datenbanken
gespeichert sind und in der Form einer Mediathek im Netz (wie z. B. beim ZDF) individuell
durch den Nutzer aufgerufen werden können, stört die kommerzielle Konkurrenz, die
ihrerseits durch Mediatheken zusätzliche Einnahmen generiert: RTL z. B. bietet auf
rtlnow.de Sendungen, die dort “on demand“ angeschaut werden können – zum Teil kostenlos,
zum Teil aber eben kostenpflichtig.
Mit dem 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag traten am 1. Juni 2009 verschiedene
Einschränkungen für die Online-Aktivitäten der öffentlich-rechtlichen Sender in Kraft. So
dürfen die Internetangebote nur programmbegleitend und in der Regel nicht länger als sieben
Tage im Netz sein.
Schrumpfen und Lernen
Nach wie vor ist das Fernsehen ein Medium von großem Einfluss. Aber das Fernsehen
trägt nicht mehr wie selbstverständlich die Krone der Medienwelt. In Gestalt der Online-
Medien ist ihm auf dem Rezipienten-, dem Werbe- und dem Inhaltemarkt eine mächtige
Konkurrenz erwachsen. Zwar sind die einzelnen Online-Angebote nicht in der Lage, das
Fernsehen zu ersetzen. Aber in der Gesamtheit beginnen sie, das Fernsehen aus der Rolle des
Leitmediums zu drängen.
Sicherlich wird das Fernsehen nicht verschwinden; die über Jahrzehnte gewachsene
Größe und die eingeschliffenen Gewohnheiten garantieren den Fortbestand. Einmal
eingeführte Medien bestehen auch unter veränderten Bedingungen weiter. Aber sie müssen
sich den veränderten Bedingungen anpassen sowie Form und Funktion ändern. So ist selbst
der Steintafel ein „Überleben“ als Grabstein und als Denkmal vergönnt. Auch Zeitungen und

71
Radio sind nicht verschwunden, obgleich das Fernsehen eine übermächtige Konkurrenz
darstellte. Sie haben überlebt, weil sie sich gewandelt, sich mit dem Verlust der
Vormachtstellung arrangiert, ihre Funktionsnische gefunden und ihre Formen gewandelt
haben.
Auch das Fernsehen wird sich damit abfinden müssen, seinen bisher erfolgreichen Weg
nicht mehr einfach nur fortsetzen zu können. Fernsehen wird eingebettet in
Medienrepertoires und bestimmt nicht mehr dieses Repertoire. Es wird sich in die veränderte
Medienlandschaft ein- und an eine von Online-Medien dominierte Welt anpassen. Es wird
unter den veränderten Bedingungen schrumpfen und lernen müssen: Selbst wenn sich das
Fernsehangebot gerade durch die Digitalisierung weiter ausdehnt, wird die Bedeutung des
Fernsehens sinken. Und Fernsehen wird sich verändern müssen, wie sich auch das Radio
verändert hat.
Fernsehen sollte sich also der veränderten Medienlogik anpassen: Es muss flexibler,
pluraler, schneller, emotionaler werden. Es wird neue Mischformen mit Online-Medien
geben, wie z. B. Web-TV, Videoplattformen, Internet-TV (IPTV), Video on Demand,
Mediatheken, Online-Ableger der Fernsehanbieter, durch die Fernsehanbieter gewünschte
und gesteuerte Bildung von virtuellen Gemeinschaften rund um Sender und Formate,
Übernahme von Online-Ästhetik in das Fernsehen. Es wird eine stärkere Integration von
Sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook ins Fernsehprogramm geben (Social TV),
und umgekehrt wird Fernsehen stärker eingebettet in Online-Angebote. Die Parallelnutzung
wird zunehmen. In dem Maße, in dem einzelne Fernsehanbieter oder Teile von
Fernsehanbietern lernen, werden sie weniger schrumpfen müssen, als andere Teile, die nicht
bereit sind, sich im erforderlichen Maße zu wandeln.

Aufgabe 3: Übersetzen Sie die folgenden Vokabeln bzw. Wortverbindungen aus dem
Text in Ihre Muttersprache und lernen Sie sie. Führen Sie zu jedem Wort bzw. jeder
Wortverbindung einen kurzen Kontext aus dem Text an.

1) das Nachrichtenportal
2) Auffrischung der Titelzeilen
3) etw. Dat. gerecht werden
4) etw. Dat. hinterherhinken
5) suchen etw. Dat. durch etw. Akk. zu entkommen
6) etw. Akk. auf Abruf bereithalten
7) der Online-Auftritt
8) umstritten sein
9) der Übergriff der öffentlich-rechtlichen Anstalten auf etw. Akk.
10) auf etw. Akk. drängen
11) programmbegleitende Onlinepräsentationen
12) etw. Akk. zugänglich machen
13) zusätzliche Einnahmen generieren
14) “on demand“ anschauen
15) jmdm. ist eine mächtige Konkurrenz erwachsen
16) das Fernsehen aus der Rolle des Leitmediums drängen
17) sich mit dem Verlust der Vormachtstellung arrangieren

72
18) sich mit etw. abfinden
19) etw. Akk. in etw. Akk. einbetten/ eingebettet sein
20) Online-Ableger der Fernsehanbieter

Aufgabe 4: Antworten Sie auf die Fragen zum Text:


1. Warum verlor das Fernsehen seine Funktion als Leitmedium? Nennen Sie 4
Gründe!
2. Welche Lösung haben die Fernsehsender gefunden?
3. Welche Probleme sind aber dabei entstanden?
4. Welche Regelung trat diesbezüglich 2009 in Kraft?
5. Wie wird im Text das Schrumpfen des Fernsehens beschrieben/ definiert?
6. Mit welchen Tatsachen wird der Grundsatz „Einmal eingeführte Medien
bestehen auch unter veränderten Bedingungen weiter“ veranschaulicht und bewiesen?
7. Was bedeutet in diesem Zusammenhang für das Fernsehen „Lernen“?

Aufgabe 5: Bereiten Sie einen Kurzvortrag über die Konkurrenz zwischen Fernsehen
und Internet. Entscheiden Sie selbst über die Art – informierender oder
Argumentationsvortrag.

5. Deutsches Fernsehen heute

Aufgabe 1. Was wissen Sie über das moderne deutsche Fernsehen: Programme, Sender
usw.? Haben Sie Erfahrungen damit?

Aufgabe 2. Lesen Sie die folgenden Informationen über das moderne Fernsehen und
erfüllen Sie danach die Aufgaben.

Fernsehen kann nach verschiedenen Gesichtspunkten differenziert werden:


 nach der Finanzierung (vor allem durch Steuern, Gebühren, Werbung,
Rezipientenentgelte),
 nach der Rechtsform der Anbieter (vor allem als staatliche Behörde, öffentlich-
rechtliche Anstalt, Verein, Unternehmen),
 nach den Programmschwerpunkten (vor allem Unterhaltung, Information, Bildung,
Beratung),
 nach dem Programmtyp (vor allem Vollprogramm, Spartenprogramm),
 nach der Reichweite (lokal, regional, national, global),
 nach dem Signaltyp (analog, digital),
 nach der technischen Basis des Empfangs (Antenne, Kabel, Satellit, Mobilfunk).

Die Liste deutschsprachiger Fernsehsender enthält gebührenfinanzierte öffentlich-


rechtliche und werbefinanzierte private Vollprogramme und Spartenprogramme, sowie
Bezahlfernsehen.
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk (kurz ÖRR) hat das Gebot der Staatsferne und der
Unabhängigkeit. Deshalb werden die Sender nicht durch Steuern finanziert wie bei einem
echten staatlichen Rundfunk. Öffentlich-rechtliche Sender finanzieren sich durch

73
Rundfunkgebühren. Darüber hinaus dürfen die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in
ihren Hauptprogrammen ARD und ZDF an Werktagen bis 20.00 Uhr im Schnitt maximal 20
Minuten Werbung ausstrahlen. Außerhalb dieser Zeit ist mit Ausnahme der Übertragung von
Großereignissen kein Sponsoring zulässig.
Werbung – selbständiges Studium (Anhang )

Formate
Das Vollprogramm ist ein Begriff, der bis 1984 in Deutschland das typische
Programmangebot eines Hörfunksenders beschrieb, der „im Laufe des Tages die
unterschiedlichsten Zielgruppen mit allen möglichen Themen und Formen bediente“. Der
Gegensatz zum Vollprogramm ist das Spartenprogramm. Das Fernsehen hat den Begriff
„Vollprogramm“ vom Radio übernommen. Ein Vollprogramm ist „ein Rundfunkprogramm
mit vielfältigen Inhalten, in welchem Informationen, Bildung, Beratung und Unterhaltung
einen wesentlichen Teil des Gesamtprogramms bilden“.
Derzeit gibt es in Deutschland unter anderem folgende bundesweit empfangbare
Fernseh-Vollprogramme:
1. öffentlich-rechtlich:
a) Grundversorgung: Das Erste („Erstes Deutsches Fernsehen“ oder ARD), ZDF
(Das Zweite Deutsche Fernsehen), die Dritten Fernsehprogramme (umgangssprachlich die
Dritten, die regionalen Programme der ARD. Der Begriff rührt daher, dass es in den 1960er
Jahren mit dem Ersten und dem Zweiten Deutschen Fernsehen zunächst nur zwei nationale
Fernsehprogramme gab. Die regional orientierten und daher auch nur regional ausgestrahlten
Fernsehprogramme waren somit in ihrem Verbreitungsgebiet jeweils die dritten Programme.
b) Gemeinschaftsprogramme von ARD und ZDF: 3sat ist ein werbefreies
deutschsprachiges öffentlich-rechtliches Fernsehprogramm mit kulturellem Schwerpunkt;
ARTE (Abkürzung für französisch: Association Relative à la Télévision Européenne) ist ein
öffentlich-rechtlicher Rundfunkveranstalter mit Hauptsitz im französischen Straßburg. Der
Sender ist als Europäische wirtschaftliche Interessenvereinigung (EWIV) organisiert und
wird in deutsch-französischer Kooperation betrieben.
2. bundesweite private Programme: Mediengruppe RTL Deutschland (RTL 2,
RTL Television, VOX); ProSiebenSat.1 Media (kabel eins, ProSieben, Sat.1); ServusTV.
Als Spartenprogramm (auch Spartensender oder Zielgruppenprogramm) wird ein
Hörfunk- oder Fernsehprogramm bezeichnet, das sich auf spezielle Themen und
Sendeformate spezialisiert. Typische Spartenprogramme bieten beispielsweise im
Fernsehbereich die Musiksender und Nachrichtenkanäle.
Spartenprogramme haben ihren Ursprung in den USA. Die dortigen
Privatrundfunksender begannen zunächst mit der Ausstrahlung von Vollprogrammen, bevor
die ersten im Jahre 1951 damit begannen, ausschließlich die aktuelle Hitparade auszustrahlen.
Diese Idee verbreitete sich landesweit und wurde Top40-Radio genannt, weil sich die
Stationen darauf konzentrierten, die oberen 40 Ränge der Hitparade zu senden. Das
Fernsehen entdeckte diese Spezialisierung auch für sich und entwickelte reine
Nachrichtenkanäle (CNN International im Juni 1980), Wettersender (The Weather Channel;
Juli 1980) oder Musikkanäle wie MTV (August 1981)4.

Seit der Zulassung des privaten Rundfunks in Deutschland im Januar 1984 gibt es auch hier diese als
4

„Formatradio“ bezeichneten Spartensender. Formatradio zeichnet sich heute durch „ausgeklügelte, perfekt
74
Unter den deutschen Hörfunk- und Fernsehsendern gibt es überwiegend
Spartenprogramme. Man unterscheidet bei Spartenprogrammen zwischen folgenden
Kategorien: Information/Dokumentation, Kinder, Musik, Nachrichten, Sport, Unterhaltung
und Sonstiges. Durch die digitalen Verbreitungswege stieg das Angebot an
Spartenprogrammen insbesondere im Bezahlfernsehen in den letzten Jahren deutlich an.
Weitere Spartenbildungen sind denkbar. In Frankreich und Spanien bestehen z. B.
eigenständige Fernsehprogramme für Jäger und Angler. Und "Fashion-TV" befriedigt die
Bedürfnisse all derjenigen, die über Mode und die neueste Entwicklung der Pariser Haute
Couture auf dem Laufenden sein wollen. Fernsehenthusiasten sprechen von mehr als tausend
möglichen Programmen auf den Satellitenkanälen. Weitere Spezialisierungen sind deshalb
zu erwarten. Voraussetzung ist jedoch – und dadurch begrenzt sich die Zahl der Programme
wieder stark – dass sie ein größeres, für die Werbung interessantes Publikum finden und sich
auf diese Weise finanzieren lassen.

Tabelle 1. – Sender mit Spartenprogrammen

Öffentlich-rechtlich Privatrechtlich
Information/Dokumentation: Information/Dokumentation: Nachrichten:
 ARD-alpha  Discovery Channel  n-tv
 ZDFinfo  DW-TV (Deutsche Welle)  N24
 Phoenix  National Geographic Channel
 Welt der Wunder

Kinder: Sport:
 Disney XD  Eurosport 1
 Nickelodeon  Sport1
 RiC  Sky Sport
Kinder: Musik: Unterhaltung:
 KiKA  Deluxe Music  Disney Channel
 Jukebox  RTL Nitro
 MTV Brand New  sixx
 Tele 5
 VIVA
Nachrichten: Sonstiges:
 tagesschau24  Bibel TV
 RTL Living
Unterhaltung:
 One
 ZDFneo

Sonstiges:
 EinsPlus
 ZDFkultur

durchgetestete und in ihrer Wirkung absolut austauschbare“ Musikprogramme aus, die nur durch die –
spätestens im Viertelstundentakt – wiederholten Jingles mit der Stationskennung unterscheidbar sind. Es ist
ein „Begleitmedium, das zu allen Sendezeiten seinen Grundaufbau und Grundcharakter beibehält“

75
Liste deutschsprachiger Fernsehsender:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_deutschsprachiger_Fernsehsender

Bezahlfernsehen, Pay-TV (von englisch: Pay television), bezeichnet private


Fernsehsender, für deren Empfang mit dem Programmanbieter ein kostenpflichtiger Vertrag
abgeschlossen werden muss. In der ursprünglichen Form werden die Sendungen
grundverschlüsselt ausgestrahlt und mit einem speziellen Decoder und einer Dekoderkarte
entschlüsselt.
Jedes Programm hat eine offizielle Bezeichnung (Kurzform).

Abb. 1 – Offizielle Kurzbezeichnungen der Fernsehprogramme

Aufgabe 3. Übersetzen Sie die folgenden Wörter und Wortverbindungen in Ihre


Muttersprache und lernen Sie die. Führen Sie damit einen möglichst kurzen Beispielssatz aus
dem Text an.
1) Vollprogramm, das
2) Spartenprogramm, das
3) öffentlich-rechtlich
4) regional ausgestrahlte Fernsehprogramme
76
5) werbefrei
6) betreiben etw. Akk.
7) spezialisieren, sich auf etw. Akk.
8) unterscheiden zwischen etw. Dat. und etw. Dat.
9) ein Bedürfnis nach etw. Dat befriedigen
10) über etw. Akk. auf dem Laufenden sein/ bleiben
11) Empfang, der ← etw. (ein Programm) empfangen
12) Programmanbieter, der
13) mit jmdm. einen (kostenpflichtigen) Vertrag abschließen
14) eine Sendung grundverschlüsselt ausstrahlen
15) etw. entschlüsseln

Aufgabe 4. Stellen Sie sich vor: Sie behandeln den in Aufgabe 2 gelesenen Text mit
Ihren SchülerInnen in der 10. Klasse.

- Formulieren Sie 8 Fragen zum Text, die Ihre SchülerInnen beantworten sollen.
- Lassen Sie Ihre Kommilitonen diese Fragen beantworten.
- Spielen Sie dabei die Rolle der Lehrerin/ des Lehrers: Bewerten Sie, kommentieren
Sie, ergänzen Sie, verbessern Sie usw.

Aufgabe 5. Lesen Sie das Schaubild unten. Was erfahren Sie über den öffentlich-
rechtlichen Rundfunk in Deutschland? Sie wollen Ihre SchülerInnen darüber informieren.
Berichten Sie!

77
Aufgabe 6. Beschreiben Sie die Grafik „Die beliebtesten TV-Sender“. Was finden Sie
auffällig? Kommentieren Sie bitte die Informationen der Grafik!

78
Aufgabe 7. Berichten Sie über das Fernsehen und die Fernsehsender: a) in Deutschland; b)
in Belarus (Recherchieren Sie im Internet!).
6. TECHNIK- UND PROGRAMMVIELFALT

Aufgabe 1. Betrachten Sie bitte das Schaubild unten. Was ist das Thema davon?
Welche Informationen können sie dem Schaubild entnehmen? Beschreiben Sie es!

Aufgabe 2. Lesen Sie mehr über moderne TV-Angebote.

Das Fernsehen bestand um 1980 aus drei bis sechs vom Zuschauer empfangbaren
Programmen, die terrestrisch verbreitet wurden. 2008 hat es sich in eine unübersichtliche
Zahl von Programmen ausdifferenziert. Sie kommen über sehr unterschiedliche Wege
(terrestrisch, Kabel, Satellit, Internet via Telefonkabel, Mobil-TV via UMTS, DMB, DVB-H
oder DVB-T) und in unterschiedlicher Qualität (HDTV vs. klassisches PAL-Bild,
Schreibtischmonitor versus LCD-, Plasma- oder Projektionsgroßbild, Surroundsound gegen
Mono-Ton) zum Zuschauer. Dieser kann die Sendungen individuell auf Festplatte oder DVD
speichern.
Neue Angebote und Verbreitungswege
Die digitale Technik eröffnet der Fernsehbranche zahlreiche neue Möglichkeiten. So
entstehen zusätzliche Übertragungskapazitäten, aber auch Multimedia-Angebote, wie sie
bislang vor allem aus dem Internet bekannt sind. Galt die Mediennutzung beim analogen
Fernsehen bislang vor allem als eine Einbahnstraße vom Sender zum Nutzer, so erlaubt die
Digitalisierung der Kabelnetze nun auch einen sogenannten Rückkanal vom Nutzer zum
Sender. Diese Interaktivität ermöglicht es, dass TV-Zuschauer auch aktiv in TV-Programme
einbezogen werden können. So sind zum Beispiel elektronische Abstimmungen per
Fernbedienung möglich oder die Ergänzung von TV-Programmen um Internet-Inhalte.
Voraussetzung für den Empfang digitaler TV-Angebote ist ein entsprechender Decoder (Set-
Top-Box), der gegen Entgelt auch verschlüsselte Pay-TV-Programme frei schalten kann.
79
Und so wird das Spektrum vom Fernsehen breiter – zugleich wird es durch die
Ausdehnung der Grauzone konturloser. Im Zuge der „Konvergenz“ verschiedener Dienste
und Geräte, wie z. B. die Entwicklung von Fernseher, Computer, DVD- und Blu-ray-Spieler
sowie Spielkonsole zu multifunktionalen Entertainment- und Informationssystemen, verliert
das Fernsehen den Status des Leitmediums: Stattdessen wird Fernsehen der massenmediale
Teil von neuen „Hybridmedien“.

Tabelle 1 – Multimedia-Angebote

Multimedia- Beschreibung
Angebote
1. Web-TV Web-TV ist eine Form des Internetfernsehens. Ursprünglich wurde als
Web-TV nur die Nutzung von Videos über Computer bezeichnet,
inzwischen kann aber auch die Nutzung über Smartphones oder Hybrid-
TV-Geräte als Web-TV bezeichnet werden. Beim Web-TV können
beliebige Videos bzw. Fernsehprogramme, die frei im Netz verfügbar
sind, von jedermann angeschaut werden. Im Unterschied zum IPTV, für
das i. d. R. ein Abonnement abgeschlossen werden muss, bezieht sich die
Bezeichnung Web-TV auf frei zugängliche Bezugskanäle, z. B.
Videoplattformen.
Hybrid-TV-Geräte vereinen im Fernsehgerät unterschiedliche
Empfangswege und Zusatzfunktionen (z. B. für Digitalfotos). Fernseher
mit integriertem Internetanschluss werden seit dem Jahr 2009 verkauft
und haben inzwischen einen Marktanteil von mindestens 1/3 bei den neu
verkauften Fernsehern. Damit ist neben dem digitalen Kabel-, Satelliten-
oder Antennenempfang auch der Zugang zum Internet möglich. Und das
nicht nur für Abonnenten, wie beim IPTV, sondern für alle, die solch
einen internetfähigen Fernsehapparat besitzen.
2. Videoplatt- Webangebote, auf denen Nutzer/innen selbst gemachte Videos
formen bereitstellen können, gehören weltweit zu den meist besuchten
Internetseiten. Videoplattformen wie YouTube, MyVideo oder Clipfish
integrieren manchmal auch professionelle Inhalte (insbes.
Fernsehsendungen), so dass Videoplattformen ein abwechslungsreiches
Angebot bereitstellen. Mit diesen Inhalten, auf die jederzeit und nahezu
überall zugegriffen werden kann, stellen sie eine ernsthafte Konkurrenz
für das an lineare Programmschema gebundene Fernsehen dar.
3. Internet-TV Das Internet könnte eine lang beschworene Vision Wirklichkeit werden
(IPTV) lassen: Der Fernseher wird zum Multimedia-Kiosk. Fernsehen und
Computer verschmelzen zu einer Plattform. All das soll die
Zauberformel IPTV bewirken. Die vier Buchstaben stehen für das
Verschicken der TV-Signale über das Internet-Protokoll (IP). Die neuen
IP-Fernsehangebote haben – wie das Internet – den Vorteil eines
Rückkanals. Der TV-Zuschauer kann deshalb interaktiv an
Gewinnspielen und Umfragen teilnehmen, in virtuellen Warenhäusern
einkaufen oder Inhalte unabhängig von vorgegebenen Programmfolgen
80
abrufen. Anbieter von IPTV-Formaten wittern den Vorteil, dass
Zuschauer und Nutzer im Internet Spuren hinterlassen. Wird die Online-
Nutzung präzise analysiert, lassen sich Programm und Werbung (bis hin
zum Direktmarketing) speziell auf die Nutzer abstimmen.
Internet Protocol Television ist die digitale Übertragung von Filmen oder
Fernsehprogrammen über ein geschlossenes, eigenständiges (Breitband-)
Datennetz. Dies geschieht meistens in Fernsehqualität oder besser. Für
die Nutzung solcher Angebote muss oftmals ein Abonnement mit einem
Anbieter abgeschlossen werden. Der Fernseher wird dann über ein
Zusatzgerät bedient, eine Set-Top-Box, die die digitalen Signale
empfängt und gleichzeitig einen Rückkanal herstellt. Dadurch kann der
Zuschauer direkt auf Programm- oder Werbeangebote reagieren.
4. Video on Der Ausdruck Video-on-Demand (Abrufvideo) bezeichnet einen Dienst,
Demand der mit Hilfe digitaler Technologie im Internet professionelle
(VoD) audiovisuelle Medieninhalte zur Verfügung stellt, also Spielfilme,
Serienepisoden, Dokumentationen, Magazine etc.
Filme werden auf Abruf zu der Zeit, zu der der Zuschauer es sich
wünscht, bereitgehalten. Die Sendung wird aus einem großen Archiv
abgerufen. Ein solches Programmprinzip wird per Kabel oder über
Telefonleitungen verwirklicht. Video-on-Demand-Dienste sind
Videoplattformen, die häufig als Alternative bzw. Ergänzung zum
traditionellen Fernsehen gehandelt werden, da sie eine individualisierte
und zeitversetzte Mediennutzung ermöglichen (z. B. Mediatheken der
Fernsehsender im Internet). In den letzten Jahren haben sich digitale
Abrufdienste etabliert, die Videos entweder kostenfrei ins Netz stellen
(oft werbefinanziert) oder Nutzungsgebühren verlangen.
5. Soziales Soziale Netzwerke sind Gemeinschaften von Internet-Nutzern, die der
Netzwerk/ Unterhaltung, dem Informationsaustausch oder der Pflege von alten und
Social neuen (beruflichen) Kontakten dienen. Die Nutzer/innen erstellen i. d. R.
Network ein Profil, in dem sie ihre Person möglichst ausführlich selbst
darstellen – wirklichkeitsgetreu oder aber auch abweichend von der
Realität. Themen sind z. B. Hobbys, Urlaub, Familie, aber auch die
Schule bzw. Arbeit. Das bekannteste Netzwerk ist Facebook, fast alle
anderen Netzwerke wie Ask.fm, Google+, Jappy, StudiVZ / MeinVZ /
SchülerVZ (inzwischen offline), Twitter, wer-kennt-wen oder Xing
haben wesentlich weniger Nutzer/innen. Der einfachen Möglichkeit der
Kontaktpflege steht die ebenso einfache und stark kritisierte Möglichkeit
des Datensammelns durch die Anbieter z. B. zu Werbezwecken
gegenüber.
6. Social TV Die gleichzeitige Nutzung von linearen Fernsehangeboten und sozialen
Netzwerken wie Twitter und Facebook: Immer mehr Menschen tauschen
sich in sozialen Netzwerken parallel zur Fernsehnutzung auch über die
Fernsehinhalte aus (Second Screen).
7. Second Die Internetnutzung, die parallel und oft ergänzend zum Fernsehen auf
Screen einem zweiten Bildschirmgerät stattfindet. Über das Angebot von
81
Zusatzinformationen und -funktionen zum laufenden Programm wird
diese parallele Nutzung inzwischen auch gezielt angeregt (z. B.
Experten-Chat, Twitter-Kommentare, Kauf-Optionen). Laut ARD/ZDF-
Onlinestudie beschäftigen sich jedoch ca. 20 % der Fernsehzuschauer,
die parallel zur Fernsehsendung im Internet surfen, häufig mit etwas
anderem als dem aktuellen Programm.
Quelle: http://www.bpb.de/gesellschaft/medien/medienpolitik/171586/glossar?p=0#inhalt-H

Auswirkungen der Konvergenz von Internet und Fernsehen

Die wachsende Diversität der Angebote, ihre vielfältigen technischen Voraussetzungen


und komplexen Formen der Angebotsstrukturierung werden auf absehbare Zeit dazu führen,
dass diese zusätzlichen Angebote aufgrund der erforderlichen technischen Kompetenz nur
von Teilen der Bevölkerung genutzt werden können. Auch erfordert die selbstorganisierte
Suche nach gewünschten Angeboten zusätzliche Organisationszeit der Zuschauer. Von daher
wird auch weiterhin ein großer Bedarf nach vorstrukturierten Angeboten, also nach einem
Programmfernsehen, bestehen. Die Mediengeschichte hat zudem gezeigt, dass auch bei
großer Ähnlichkeit der medialen Angebote ältere Medien nicht vollständig durch neue
Medien substituiert werden. Zwar gibt es Funktionsverschiebungen (so hat z. B. das Kino
seine Funktion als Informationsmedium an das Fernsehen abgegeben, was z. B. zum Ende
der Wochenschau im Kino führte), aber das Kino ist nicht vollständig verschwunden,
sondern hat statt dessen seine Funktion als illusionsbestimmtes Unterhaltungsmedium
verstärkt. Deshalb dürfte auch im Verhältnis von Internet und Fernsehen der traditionelle
TV-Konsum nicht ersetzt, sondern langfristig durch die neuen Angebote ergänzt werden.

Aufgaben zum Text:

1. Übersetzen Sie und lernen Sie bitte die rot markierten Wörter und Wendungen. Und
wenn Sie in der Technik nicht besonders beschlagen sind – man muss heute imstande
sein, darüber zu sprechen . Dazu gehört die Kenntnis der Fachwörter!
2. Recherchieren Sie die volle Form für die Kürzel im Text wie z.B. UMTS.
3. Nennen Sie bitte a) die Wege, auf denen Programme zum Zuschauer kommen, und b)
deren unterschiedliche Qualität.
4. Vergleichen Sie bitte das analoge und das digitale Fernsehen! Welche Vorteile hat das
digitale Fernsehen?
5. Welche negativen Folgen ergeben sich aus dieser Entwicklung?
6. Beschreiben (charakterisieren) Sie bitte jedes Multimedia-Angebot (Tabelle 1)!
7. Schildern Sie bitte die Auswirkungen der Konvergenz von Internet und Fernsehen!

7. Werbung (selbständiges Studium)

82
8. FORMATE

Aufgabe 1. Lesen Sie die allgemeinen Informationen über die Formate im deutschen
Fernsehen.

Die unterschiedlichen Arten von Fernsehbeiträgen und Sendungen nennt man Formate.
Jedem Format liegt eine ganz bestimmte Form und Erzählstrategie zugrunde. Grundsätzlich
unterscheidet man fiktive und nonfiktive Formate. Bei den fiktiven Formaten werden
Geschichten erzählt, die von Drehbuchautorinnen und Drehbuchautoren geschrieben werden.
Sie können der Wirklichkeit ähneln, aber auch ganz und gar fantastisch sein. Zu nonfiktiven
Formaten zählen hingegen Nachrichten, Wissenssendungen, Reportagen und
Dokumentarfilme, in denen es um die Vermittlung von Tatsachen geht.
Im Folgenden finden Sie die Beschreibung der Formate. Sie können/ sollten sich die
auch ansehen. Sollten Sie Interesse daran bekommen, schauen Sie sich die entsprechenden
Sendungen an. Machen Sie sich Notizen dazu.

a) Nonfiktive Formate

Die Reportage (lat. reportare = zusammentragen, zurückbringen) erzählt ein Ereignis


aus der Sicht eines Augenzeugen, dadurch ist sie „dicht dran“ und gefühlsbetont. Sie widmet
sich immer einem einzelnen Thema, zum Beispiel in die story oder Menschen hautnah.

http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/weltspiegel/reportage/index.html

Eine Dokumentation berichtet anhand von Quellen und Fakten über einen Sachverhalt.
Sie möchte den Zuschauern ein möglichst objektives und authentisches Bild der
geschilderten Situation ermöglichen.

Schauen Sie sich eine Dokumentation an:


http://www.daserste.de/sport/sportschau/videosextern/geheimsache-doping-das-olympiakomplott-teil-eins-
100.html
83
Oder wählen Sie hier eine andere: http://www.daserste.de/information/reportage-
dokumentation/dokus/sendung/index.html

Doku-Soaps
Als Doku-Soap (Dokumentar-Seifenoper) bezeichnet man eine Form des Reality-TV
(deutsch: Wirklichkeits-Fernsehen), in der die gezeigten („dokumentierten“) Personen in
dramatisch inszenierter, unterhaltender Weise dargestellt werden. Im strengen Sinne handelt
es sich um eine Art Dokumentarfilm, die Familien in außergewöhnlichen Situationen
begleitet wie einem Umzug ins Ausland, oder jede Folge unterschiedliche Personen zeigt bei
einem gleichbleibenden Grundthema wie Erziehung, finanzielle Schieflage oder
Renovierung. Die Fernsehsender bezeichnen allerdings auch so genannte „Scripted
Reality“ („Realität nach Drehbuch“) als „Doku-Soap“, die große Ähnlichkeit zu klassischen
Doku-Soaps aufweist, jedoch einem frei erfundenen Drehbuch folgt und von
Laiendarstellern oder professionellen Schauspielerin inszeniert wird, die sich von den
Inhalten der Handlung distanzieren.
Doku-Soaps vermischen Unterhaltung mit Information und sollen daher Vertreter des
Infotainment (informierende Unterhaltung) oder Edutainment (bildende Unterhaltung) sein.
Wie bei den namensgebenden Seifenopern oder täglichen Talkshows stehen aber in der
Regel Emotionen im Vordergrund, Probleme und Konflikte, die oft künstlich herausgehoben
werden. Bei den meisten Vertretern des Formats ist dadurch ein informativer, lehrender
Effekt oft nicht vorhanden.
Doku-Soaps erscheinen grundsätzlich in Fortsetzungen.

Die Doku-Soaps, die sich im deutschen Fernsehen im ersten Jahrzehnt nach 2000
etablieren, lassen sich senderspezifisch unterschiedlichen Konzepten zuordnen. Die ARD
benutzt die Form der Doku-Soap, z. B. um die Zuschauer in vergangene Epochen zu
versetzen und Menschen ihre Alltagsprobleme in historischen Umgebungen mit all ihren
Beschwernissen und sozialen Einengungen bewältigen zu lassen.
Das ZDF hat sich dem Konzept der Doku-Soap erst später zugewendet und setzte
dagegen mehr auf gegenwartsnahe Lebenskontexte: “Babystation“, 21 Folgen, 2007 (über

84
das Perinatalzentrum der Asklepios Klinik in Hamburg Altona) und seit 2006 diverse Zoo-
Sendungen, z. B. “Dresdner Schnauzen“, 31 Folgen, 2007 (über den Zoo Dresden).

Doku-Soaps im Privatfernsehen
Bei den in den kommerziellen Programmen nach 2000 gesendeten Doku-Soaps werden
die seriellen Formen der erzählend-unterhaltenden Darstellung von Menschen des Alltags,
wie sie ihre Probleme lösen und häufiger nicht lösen können, vielfach mit der
Programmgattung der Ratgebersendung verbunden. Bei vielen Doku-Soaps ist der Übergang
zu Scripted Reality für die Zuschauer nicht oder nur schwer erkennbar, da eine einheitliche
Kennzeichnung der Sendungen fehlt.

Doku-Soaps bei RTL und RTL II


RTL sendet(e) Doku-Soaps wie “Raus aus den Schulden“ (seit 2007), “Einsatz in 4
Wänden“ (seit 2003), “Unsere Erste Gemeinsame Wohnung“ (seit 2005), “Helfer mit
Herz“ (seit 2006) oder “Die Super Nanny“ (2004–2011). Kindererziehung, Einzug in neue
Wohnungen und Heimwerkerprobleme sowie die Schuldnerbetreuung sind die Themenfelder.
Hinzu kamen aber auch Doku-Soaps, in denen es um Beziehungen ging.
“Raus aus den Schulden“ ist eines der erfolgreichsten Reality-Programme, in dem der
Schuldnerberater Peter Zwegat Menschen mit großen finanziellen Problemen besucht und
Lösungswege aus der Verschuldung aufzeigt.

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Hier können Sie sich eines der Programme ansehen: http://www.tvnow.de/superrtl/raus-
aus-den-schulden-superrtl/list/aktuell

“Bauer sucht Frau“ (RTL, seit 2005), nach dem britischen Vorbild “Farmer wants a
Wife“ (seit 2001), thematisierte den Frauenmangel auf dem Lande, wo junge Bauern und
Hofbesitzer keine Frauen fanden, die aufs Land ziehen wollten und für die nun die Doku-
Soap warb. 2009 brachte RTL außerdem das umstrittene Baby-Experiment “Erwachsen auf
Probe“ ins Programm.
RTL II listet im Jahr 2012 in der Rubrik “Doku-Soaps“ über 30 Sendungen auf, z. B.
“Teenie-Mütter“ (früher ähnlich: “Schnulleralarm! – Wir bekommen ein Baby“),
“Wunschkinder“, “Das Messie-Team“, “Der Trödeltrupp“, “Die Geissens – eine schrecklich
glamouröse Familie“ und “Frauentausch“.

“Frauentausch“

“Frauentausch“ (RTL II, seit 2003), nach der britischen Serie “Wife Swap“, bringt in
jeder Sendung zwei Frauen für jeweils 10 Tage in einen anderen Lebenszusammenhang, so
dass sich beispielsweise eine Großstadtfrau auf dem Lande bewähren muss und eine
86
Landfrau in der Stadt. Die Tauschmütter müssen sich in den neuen Haushalten rasch
einleben und vor allem auch mit den fremden Kindern zurechtkommen, wobei die jeweiligen
Tauschmütter sich nur kurz über ihre Familien informieren können. Die eigene Familie
einmal anders zu sehen, in einer anderen Familie neue Erfahrungen zu machen, kann der
Grund für diese Art von Familien- bzw. Mütterwechsel sein. Am Ende jeder Sendung gibt es
auch “Manöverkritik“ am jeweils eigenen Verhalten. Es kam aber auch schon nach Ende
einer Produktion zu Handgreiflichkeiten zwischen zwei Müttern wegen unterschiedlicher
Ansichten über die Kindererziehung.

Hier können Sie sich eines der Programme ansehen:


http://www.tvnow.de/rtl2/frauentausch/jahr/2016/11

Scripted Reality
Scripted Reality/ Skript-Doku/ Pseudo-Doku ist ein Genre des Reality-TV, in dem die
Dokumentation realer Ereignisse vorgetäuscht wird. Die Szenen werden dabei von
Schauspielern (meist Laiendarstellern) nach Regieanweisung (Skript) gespielt. Die
Fernsehsender bezeichnen viele dieser Serien irreführend als Doku-Soaps.
Thema sind zumeist alltägliche, zwischenmenschliche Situationen, die mittels
planmäßiger dramaturgischer Inszenierung (Drehbuch/Skript) den Anschein einer
Dokumentation oder einer Reportage erwecken sollen. Diese Methodik erlaubt es dem
Regisseur, die Sendung relativ real wirken zu lassen.
Wesentliche Merkmale sind:
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 dokumentarischer Stil (Vortäuschung von Authentizität);
 alle handelnden Personen agieren nach einem Drehbuch;
 handelnde Personen werden meist von gecasteten Laiendarstellern gespielt;
 eine gewisse Neigung zu Voyeurismus und Vulgarität;
 die frei erfundenen Geschichten bedienen häufig bestehende Vorurteile;
 in Deutschland oftmals Hinweis im Abspann: „Alle handelnden Personen sind
frei erfunden.“
Hier wird der Wortlaut nicht genau festgeschrieben, die Darsteller sprechen den Text
nicht wortwörtlich, sondern geben ihn lediglich sinngemäß wieder. Daraus resultierende
Versprecher, Sprechpausen und ein generelles Durcheinanderreden verschiedener Personen
lassen die Darsteller authentischer wirken, auch die meist echte Nervosität trägt dazu bei. Oft
stellen die Darsteller eine gewisse Begriffsstutzigkeit zur Schau. Es soll also der Schein des
Dokumentarischen erzeugt werden.
Das aber ist auch das Prinzip des Reality-TV: Dokumentarisches und Fiktionales
werden vermischt und zu einer neuen Attraktion für den Zuschauer (Vermeintliche
Realitätsnähe).
Doku-Soaps als “Coaching TV“. Das Gemeinsame vieler dieser Formen von
Realitätsfernsehen ist “das Versprechen: Wir können Dein Leben ändern“ – und damit ist
das Leben der Zuschauer gemeint. Indem gezeigt wird, wie die Probleme von
Alltagsmenschen in den einzelnen Folgen dieser Serien durch Experten in die Hand
genommen und gelöst werden, soll der Zuschauer den Eindruck gewinnen, auch sein Leben
könnte sich ändern (z. B. “Die Super Nanny“, “Raus aus den Schulden“). Stand zu Beginn
der 1990er Jahre im Zentrum des Reality-TV, dem Zuschauer einen “hautnahen“ Eindruck
von den Katastrophen und Schicksalen der Welt zu vermitteln, mit der Botschaft, es gehe
ihm ja letztlich noch gut, – so will Reality-TV fast zwanzig Jahre später, dass der Zuschauer
sein Leben aktiv angeht, es effektiver gestaltet und sich damit den veränderten Bedingungen
der Welt anpasst. Dazu benötigt er Hilfe von Experten.
“Coaching TV“ ist deshalb auch eine häufiger benutzte Bezeichnung, wonach es hier
darum geht, dem Zuschauer einen medialen 'Coach' an die Seite zu stellen, der ihn
individuell berät und ihm weiterhilft. Auch Coaching TV dient deshalb – bei allem
Realitätsanspruch, den die Probleme wie die Schuldnerberatung sichtbar machen – immer
vor allem der Unterhaltung. Erst in zweiter Linie geht es darum, dass der Zuschauer sein
Verhalten wirklich ändert.
Prominentestes Beispiel dieser Kombination von Ratgebersendung und erzählender
Darstellung wurde die RTL-Reihe „Die Super Nanny“ (ab Herbst 2004 bis Ende 2011). Es
ging darum, gestressten Eltern, die mit ihren Kindern und deren Erziehung Probleme hatten,
beizubringen, wie Verhaltensregeln, Sauberkeit und Ordnung durchgesetzt werden, wie
Leistungsbereitschaft, das Einhalten vorgegebener Regeln, Disziplin und
Durchhaltevermögen erzeugt werden.
Die Kritik an diesen und ähnlichen Sendereihen richtete sich auf den angeblichen
pädagogischen Erfolg und konstatierte, dass das hier empfohlene Verhalten den Menschen in
der gegenwärtigen komplexen Welt wenig helfen werde. Dennoch gehörte das Format zu
den erfolgreichsten Produktionen dieser Art und erfreute sich großer Beliebtheit bei den
Zuschauern.
Reality-TV als “Möglichkeitsfernsehen“
88
Man kann diese neuen Formate und Sendungsarten auch aus einer anderen Perspektive
betrachten. Fernsehen kann nämlich nicht nur über etwas informieren oder etwas
präsentieren, um einen wichtigen Aspekt der Welt darzustellen, sondern auch dazu dienen,
die Lebensbedingungen in unserer Gesellschaft zu erhalten und zu verbessern. So kann auch
danach gefragt werden, ob nicht einige neue Formate des 'Realitätsfernsehens' einen Beitrag
leisten können, Menschen anzuregen und ihnen Beispiele zu liefern, damit sie ihr Leben
besser meistern können. In diesem Sinne ziel(t)en Sendereihen wie „Bauer sucht Frau“ oder
„Super Nanny“ darauf, Probleme, die sie darstellen, zu lösen, also aktiv an der Veränderung
der Welt mitzuwirken.

Eine besondere Rolle spielen Sportsendungen: Live-Übertragungen von


Fußballspielen oder Boxwettkämpfen etwa oder Sportmagazine mit Interviews und kurzen
Reportagen aus dem aktuellen Sportgeschehen, wie zum Beispiel Die Sportschau.

Aufgabe. Ordnen Sie die Definitionen den Formaten zu.

1. Sitcom A … ist ein Film, der über ein tatsächliches Geschehen berichtet. Er
folgt keinem Drehbuch, dem eine ausgedachte Geschichte zugrunde
liegt, sondern zeigt einen Teil der Wirklichkeit.
2. Seifenoper B … will den Eindruck erwecken, dass die gezeigten
Situationen dem richtigen Leben entnommen
sind. Der Zuschauer soll sich fühlen, als wäre er unmittelbar «dabei».
3. Reality-TV C … ist eine über viele Folgen erzählte Geschichte,
in der es vor allem um Herz-Schmerz-Themen
geht.
4. Castingshow D … ist eine Sendung mit einem Moderator.
Es gibt unterschiedliche Filmbeiträge zu
einem oder mehreren Themen.
5. Dokumentation E … ist eine Unterhaltungsserie, deren Witz aus
den verrückten Situationen erwächst, in die die
immer gleichen Darsteller Folge für Folge geraten.
6. Magazin F … ist eine Sendung, in der die Zuschauer und
eine Jury bestimmen, wer als Darsteller dabei
sein darf und wer nicht.

Die phoenix Runde ist eine politische Talkshow des deutschen TV-Senders Phoenix.
Sie wird derzeit jeweils dienstags bis donnerstags
ausgestrahlt.
Regelmäßig diskutieren kompetente Gäste Fragen
zum politischen, wirtschaftlichen und sozialen Leben in
Deutschland. Darüber hinaus widmet sich die Sendung
aktuellen Ereignissen aus dem Ausland. Das
Themenspektrum reicht von der sozialen Lage der
Familien in Deutschland über die Entwicklung der politischen Parteien bis zur
89
Auseinandersetzung mit dem internationalen Terrorismus. Die Sendung wird im Wechsel
von Anke Plättner und Alexander Kähler moderiert.

Wissenssendungen sind meistens Magazin-Formate. Ein Magazin ist auf ein Thema
oder mehrere Themen ausgerichtet. Es besteht aus unterschiedlichen Beiträgen. Oft spricht
eine Moderatorin oder ein Moderator mit Gästen.
Magazinsendungen sind Sendungen, die aus mehreren Beiträgen zusammengesetzt sind.
Sie sind meist von einem Moderator oder einer Moderatorin durch Überleitungen
miteinander verbunden. Magazine sind in der Regel thematisch spezialisiert.

90
http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/morgenmagazin/index.html

Politische Magazine liefern Hintergrundinformationen zu aktuellen Themen. Kritisch


hinterfragen sie das politische Geschehen auf kommunaler, nationaler oder internationaler
Ebene. Der Politikbegriff ist oft weit gefasst. Ein politischer Standort ist in der Regel zu
erkennen und hängt – bei den ARD-Sendern – oft auch vom Standort und von den
politischen Mehrheiten im betreffenden Bundesland ab.

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Hier können Sie sich Videos von allen Magazinen ansehen:
http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/politikmagazine/index.html

Panorama ist das älteste deutsche politische


Fernsehmagazin. Es geht am 4. Juni 1961 auf
Sendung. 1969 wurde im Studio noch geraucht!

Die Zuschauer sind noch geprägt vom


Unterhaltungsprogramm der 50er.
Jetzt sehen sie erstmals Obdachlose in Deutschland, den Kolonialkrieg in Algerien oder die
Verstrickungen von Franz Josef Strauß.

Das Magazin wird vom Norddeutschen Rundfunk produziert und alle drei Wochen im
Wechsel mit Monitor und Kontraste donnerstags um 21:45 Uhr auf Das Erste ausgestrahlt. In
der Bundesrepublik etablierte sich die Magazinform für politische Themen mit Filmbericht,
Interview, Kommentar und Moderation nach einigen Vorläufern ab 1961. Vorbild war ein
BBC-Magazin. Die Idee wurde von kritischen Journalisten getragen, Ziel war die Schaffung
einer kritisch-liberalen Öffentlichkeit. Das Magazin verstand sich als eine Form medialer
Opposition zur damaligen Bundesregierung unter Konrad Adenauer. Es informierte über die
anti-kolonialen Befreiungskämpfe in Algerien und im Kongo, berichtete über
bundesdeutsche Skandale und zog in den ersten Jahren heftige Proteste der Bundesregierung
auf sich, die versuchte, Verantwortliche unter Druck zu setzen.

Nachrichtensendungen

“Tagesschau“ und “Tagesthemen“ der ARD

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Die “Tagesschau“ ist die älteste Nachrichtensendung im bundesdeutschen Fernsehen,
die noch heute ausgestrahlt wird. Am 26.12.1952, einen Tag nach dem offiziellen Beginn
des bundesdeutschen Fernsehens, lief die erste “Tagesschau“ – mit einem Bericht über die
Rückkehr des künftigen US-Präsidenten Eisenhower von seiner dreitägigen Koreareise
(Zeitpunkt des Ereignisses: Anfang Dezember). In der Folgezeit erschien die
Nachrichtensendung dreimal in der Woche mit einer neuen Ausgabe um 20.00 Uhr. An den
Tagen dazwischen wurde die Vortagssendung am Ende des Programms gegen 22.00 Uhr
wiederholt. Sonntags gab es anfangs keine Sendung.
Politik spielte zunächst nur eine geringe Rolle. Es dominierte ein Mix aus Katastrophen,
Sport und “bunten Nachrichten“. Als Zusammenfassung der “Tagesschau“ wurde sonntags
der “Wochenspiegel“ ausgestrahlt, dessen erste Sendung am Sonntag, den 4.1.1953, lief. Die
Sendezeit betrug 15 Minuten.
Die “Tagesschau“ wird heute vom NDR in Hamburg produziert. Sie sendet bis zu 23
verschiedene Ausgaben am Tag. Die Hauptausgabe um 20.00 Uhr erreicht bis zu zehn
Millionen Zuschauer.
Als Ersatz für die Spätausgabe der “Tagesschau“ (seit 1965) kam am 2.1.1978 die erste
Sendung der “Tagesthemen“ ins Programm. Die “Tagesschau“ präsentierte weiterhin
aktuelle politische Ereignisse, ohne dabei größere Zusammenhänge herzustellen oder
Sachverhalte zu kommentieren. Das wurde im 30 Minuten dauernden Hintergrund-Magazin
möglich. Im Gegensatz zur Tagesschau, die nur einen Nachrichtenüberblick geben soll,
sollen die Tagesthemen den Zuschauern ergänzende Informationen, übergeordnete
Zusammenhänge und Hintergrundinformationen bieten. Die Tagesthemen zählen zu den
großen meinungsbildenden journalistischen Formaten in Deutschland.

b. FIKTIVE FORMATE

Zum Format der Fernsehfilme zählen unterschiedliche Genres wie Krimis, Komödien,
Gesellschaftsdramen oder Kinderfilme. Sie zeichnen sich durch eine abgeschlossene
Handlung aus und dauern in der Regel länger als 60 Minuten. Zu den Fernsehserien
gehören zum Beispiel Schloss Einstein, Lindenstraße oder Rennschwein Rudi Rüssel, die
einen fortlaufenden Handlungsstrang besitzen und kürzer als Fernsehfilme sind. Bei jüngeren
Kindern sind zudem Zeichentrickserien sehr beliebt (zum Beispiel Biene Maja, Wicki und
die starken Männer und viele andere), die auch von wiederkehrenden Figuren leben.

Soap Operas
Eine Seifenoper ist ein serielles Unterhaltungsformat im Fernsehen, das in Form einer
Endlosserie ausgestrahlt wird. Charakteristisch für Soaps ist, dass mehrere Handlungen
93
parallel gezeigt werden („Handlungsstränge“/ „Storylines“); sie werden in einer Folge jedoch
nicht abgeschlossen, sondern in späteren Folgen zwecks Spannungserhöhung fortgesetzt. Es
werden pro Folge mehrere dieser Handlungsstränge nacheinander gezeigt, so dass sich ein
Geflecht an nicht abgeschlossenen Handlungen ergibt („Zopfdramaturgie“). Einzelne Folgen
enden in der Regel nicht mit einem Happy End, sondern im Gegenteil mit einer Zuspitzung
entstandener Konflikte, um das Interesse des Zuschauers zu wecken, auch die nächste Folge
anzuschauen.
In Deutschland galt dieses Genre zunächst als minderwertig. Erst im dualen
Fernsehsystem besannen sich die Sender auf diese rentable Serienform, die wegen den
geringen Produktionskosten, der guten Eignung als
Werbeumfeld und wegen des hohen
Bindungspotenzials dem kommerziellen Fernsehen
entgegenkam. 1992 ging „Gute Zeiten, schlechte
Zeiten“ oder „GZSZ“ (RTL) erstmals auf Sendung.
Das ist die erfolgreichste Daily Soap für Jugendliche.
Nach wie vor hat das Programm hohe
Einschaltquoten in seiner Zielgruppe.
Diese erste Vorabend-Daily formulierte – wie
http://www.rtl.de/cms/sendungen/gzsz. später die ARD-Pendants, die problemorientierte
html Serie „Marienhof“ (1992–2011) und die Romantik-
Soap „Verbotene Liebe“ (ARD, ab 1995) – Wünsche,
Probleme und Stimmungen der jugendlichen Zielgruppe. Die Figuren waren und sind
stereotyp gezeichnet und entsprechen einem Schema, in dem die Figuren eindeutig entweder
korrekt oder korrupt, gut oder böse sind. Lifestyle-Themen wie Mode, Musik und
Geschmack und die Nähe zu den großen Gefühlen und kleinen Dramen der jugendlichen
Zuschauer schafften und schaffen Identifikation.

„Lindenstraße“ (ARD)
„Lindenstraße“ war die erste
deutsche Serie, die wöchentlich
gesendet wurde (ein sogenanntes
Weekly). „Lindenstraße“ ist die erste
und langlebigste „Seifenoper“ im
deutschen Fernsehprogramm. Die
Lindenstraße ist bekannt dafür, dass sie immer wieder aktuelle soziale und politische
Themen aufgreift. „Lindenstraße“ wurde zum sonntäglichen Ritual für Millionen
Bundesbürger.
Hier können Sie sich diese Seifenoper ansehen oder mehr darüber erfahren:
http://www1.wdr.de/daserste/lindenstrasse/

Telenovelas
Die Telenovela (spanisch telenovela ‚Fernsehroman‘) ist eine spezielle Form der
Fernsehserie, die aus Lateinamerika stammt.

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Mockumentary
Der Begriff ist ein Kofferwort (englisch to mock ‚vortäuschen‘, ‚verspotten‘ +
documentary ‚Dokumentarfilm‘). Mockumentary ist ein Filmgenre und die Bezeichnung für
einen fiktionalen Dokumentarfilm, der einen echten Dokumentarfilm oder das ganze Genre
parodiert. Es ist ein geläufiges filmisches Genremittel für Parodie und Satire und setzt sich
somit oft dafür ein, ein stärkeres medienkritisches Bewusstsein beim Publikum zu schaffen.
Ein Mockumentary gibt vor, ein Dokumentarfilm zu sein, ist es jedoch nicht, weil er auf
einem Drehbuch beruht und eine ausgedachte Geschichte erzählt.

„Stromberg“ (ProSieben)

Prototypen dieser Mockumentarys im deutschen Fernsehen sind Sendereihen wie


„Stromberg“ (ProSieben, seit 2004, orientiert an der britischen
Serie "The Office", 2001) und „Dittsche“ (WDR/Das Erste, seit
2004). Sie geben vor, eine Art von Reportage zu sein, arbeiten mit
bewusst überzogener Darstellung, verwackelter Kamera,
verrutschten Bildausschnitten, undeutlichem Ton, schlechter,
manchmal auch improvisiert erscheinender Ausleuchtung und
benutzen bekannte Klischees. „Stromberg“ handelt vom Büroalltag
in einem Versicherungsunternehmen: Es geht um die Beziehungen
der Angestellten untereinander und zu dem unfähigen Abteilungsleiter Bernd Stromberg.

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„Dittsche – Das wirklich wahre Leben“ (WDR/Das Erste) zeigt einen Hamburger
Imbiss (“Eppendorfer Grillstation“), in dem sich der Arbeitslose Dittsche Bier holt und mit
dem Imbiss-Wirt Ingo und dem Stammgast Schildkröte in einer Art Wochenrückblick über
die Welt räsoniert. Dittsche schlurft im blau-braun-weiß gestreiften Bademantel herein, wirkt
ungepflegt und immer etwas verwirrt. Er gibt seine Sicht auf die Dinge der Welt zum Besten;
die Bild-Zeitung und das Fernsehen dienen ihm dabei als wichtige Quellen für seine
Theorien und Problemlösungsansätze. „Dittsche“ wird live gesendet, ohne Drehbuch und mit
zuvor festgelegten Kameraeinstellungen.

Ein klassisches Fernsehformat ist die Unterhaltungsshow. Das können Shows


beispielsweise mit dem Schwerpunkt Tanz oder Musik sein oder Wettkämpfe, bei denen
mehrere Personengruppen gegeneinander antreten. Es gibt Rate- und Gewinnshows, Talk-,
Gerichts- und Kochshows. Sind die Zuschauerinnen und Zuschauer an der Entscheidung
beteiligt, wer auftreten darf bzw. welche Rolle mit wem besetzt wird, handelt es sich um
Castingshows. Der Begriff leitet sich von dem englischen Wort to cast ‘besetzen‘ ab.

Unterhaltungsshows im Ersten

Link zum Ansehen: http://www.daserste.de/sendungen-a-z/live-az-100~category.html

Kochshows: Die Kocharena, Das perfekte Dinner (VOX); Lafer!Lichter!Lecker!,


Kerner kocht (ZDF); Jamie at Home (RTL2). Mehr dazu: Die Top5 der Kochsendungen im
deutschen Fernsehen

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Talkshows beim Ersten

Hier finden Sie die Liste der Sendungen im Ersten nach Rubriken und können sich alles
ansehen: http://www.daserste.de/sendungen-a-z/live-az-100~category.html

In Comedysendungen treten Komikerinnen und Komiker entweder live auf oder es


werden Episoden gezeigt, die die Schauspielerinnen und Schauspieler in ganz alltäglichen
Situationen zeigen.

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Link zum Anschauen: http://www.daserste.de/sendungen-a-z/live-az-100~category.html

Unterhaltung im Privatfernsehen

„Glücksrad“ und Co. – Quizshows nach amerikanischem Vorbild


Das kommerzielle Fernsehen setzte in Deutschland vor allem auf gewinnträchtige
Quizshows, mit denen es an amerikanische Vorbilder anknüpfte und von denen es die
Lizenzen erwarb. Die wichtigste Unterhaltungsshow des kommerziellen Fernsehens war die
nach dem amerikanischen Titel "Wheel of fortune" benannte Reihe "Glücksrad". Sie wurde
1988 zuerst von Sat.1 ausgestrahlt, zunächst werktäglich, dann samstags und sonntags und
lief mit über 4.000 Folgen bis 2005 auf verschiedenen Sendern (nach Sat.1 auf kabeleins und
zuletzt bis 2005 auf 9Live). Frederic Meisner und Peter Bond moderierten die Sendung im
wöchentlichen Wechsel.
Trotz ihres Erfolges wurde „Glücksrad“ 1998 von Sat.1 abgesetzt, weil überwiegend
ältere Zuschauer zusahen, die als nicht werberelevant galten. Das Spiel war eine Art von
Kreuzworträtsel, bei dem Worte zu erraten waren. Das sich drehende Glücksrad zeigte auf
verschiedene Geldbeträge, die man gewinnen konnte. Aus einer vorgegebenen
Produktpalette konnten sich die Kandidaten Waren im Gegenwert ihres Gewinnes aussuchen.
Wegen dieser Warenpräsentation wurde "Glücksrad" als "Dauerwerbesendung" eingestuft.

Tägliche Gameshows
Zehn Monate zuvor war als andere 'Daily Gameshow' die Sendereihe "Ruckzuck" (RTL
II u. a.) gestartet, die bis 2005 ebenfalls auf verschiedenen Kanälen lief und 2.330 Folgen
erlebte. Ab 1992 lief ebenfalls auf Sat.1 die Gameshow "Geh aufs Ganze", die nach ihrer
Absetzung bei Sat.1 im Jahre 1997 noch bis 2003 auf anderen kommerziellen Kanälen
beheimatet war. Hier mussten Zuschauer ein Tor auswählen, hinter dem sich ein Gewinn
verbarg. Sie konnten dabei jedoch vom Moderator in die Irre geleitet werden.

Umstritten: „Der Preis ist heiß“ und „Tutti


Frutti“ (RTL)
Wegen ihrer Vermischung von Werbung und
Spielaktionen umstritten waren Vorabend-Reihen wie
die aus den USA stammende Rateshow "Der Preis ist
heiß" (1989–1997, RTL), mit denen private Sender
Zuschauer zu ködern suchten. Die meiste Erregung
erntete RTL mit "Tutti Frutti" (1990–1993), einer von
Hugo Egon Balder und Assistentinnen Hugo Egon Balder moderierten, aus Italien
in der Show „Tutti Frutti“ (© RTL) übernommenen Spielshow, in der die Kandidaten und
Kandidatinnen durch Ablegen von Kleidungsstücken zusätzliche Punkte erringen konnten.

98
Mischformen und Neuauflagen
Durch die Ausweitung von Anzahl und
Umfang der Programme bot das Fernsehen mit
Beginn des neuen Jahrtausends vielfältige
Unterhaltungssendungen, darunter etliche
Mischformen und Neuauflagen altbekannter
Ideen.
„Wer wird Millionär?“ ist seit Beginn die
beliebteste Quizshow im deutschen Fernsehen
mit dem Moderator Günther Jauch, in der die Kandidaten durch das Beantworten von Fragen
Millionär werden oder zumindest größere Geldsummen erspielen können. Ihnen stehen dabei
verschiedene Joker zur Verfügung.

„Schlag den Raab“ (ProSieben)


Die seit 2006 auf ProSieben laufende Show „Schlag den
Raab“ mit Stefan Raab ist eine der besonders bemerkenswerten
Sendungen. Hier wurde das Show-Prinzip dahingehend variiert,
dass ein Kandidat, den die Zuschauer per Televoting bewerten,
in unterschiedlichen Disziplinen gegen den Moderator Stefan
Raab antreten muss. In bis zu 15 Runden treten Raab und der Kandidat gegeneinander an.
Der Sieger jeder Runde bekommt einen Punkt mehr (also in der ersten Runde einen Punkt, in
der zweiten 2, in der dritten 3 usf.). Der Sieger erhält 500.000 Euro, wenn sie an Raab fallen,
gehen sie in einen Jackpot für die nächste Runde, deren Preisgeld sich entsprechend erhöht.
Die Sendung, eine neue Art großer Abendshow, ist erfolgreich, und die Lizenz für dieses
Format wurde unter dem Titel „Beat Your Host“ von ProSieben in verschiedene Länder,
darunter die USA, verkauft.
2015 hat Stefan Raab seine TV-Karriere beendet. Der
Nachfolger der Sendung ist „Schlag den Star“. In bis zu 15
Spielrunden geht es bei „Schlag den Star“ um Wettkampf und
Fitness, um Blamieren oder Kassieren, um Alles oder Nichts.
Ein prominenter Spieler gewinnt am Ende die Siegesprämie in
Höhe von 100.000 Euro, der andere geht mit leeren Händen
nach Hause. Wolfgang Link, Vorsitzender der Geschäftsführung ProSiebenSat.1 TV
Deutschland und ProSieben-Chef: „‘Schlag den Star‘ gehört seit sieben Jahren zu unseren
erfolgreichsten Programmen am Samstagabend. Jetzt senden wir die Show zum ersten Mal
live. Zudem müssen die prominenten Kandidaten 15 Runden gegeneinander spielen – wie
einst bei ‚Schlag den Raab‘.
Link zum Anschauen: http://www.prosieben.de/tv/schlag-den-star/sensation-schlag-den-star-ist-
zurueck-100019

Deutsche Telenovelas
Die Telenovela (spanisch telenovela ‘Fernsehroman‘) ist eine spezielle Form der
Fernsehserie, die aus Lateinamerika stammt. Klassisch erzählt die Telenovela aus der
Perspektive der meist weiblichen Hauptfigur. Allerdings werden auch Telenovelas mit

99
männlichen oder jugendlichen Hauptfiguren und Themen, die das gesamte Publikum
ansprechen, produziert.
Bei Telenovelas wird normalerweise – ähnlich den US-amerikanischen Seifenopern –
täglich ein Kapitel ausgestrahlt. Auch wird stets das Konzept des Cliffhangers verwendet:
Ein Kapitel endet mit einem dramatischen Ereignis, der Ausgang bleibt zunächst offen. Das
soll motivieren, am folgenden Tag wieder einzuschalten. Anders als Seifenopern haben
Telenovelas einen klar definierten Anfang und ein vorher festgelegtes Ende. Normalerweise
dauern sie mindestens vier Monate bis maximal ein Jahr (80–250 Kapitel).
Als südamerikanischer Export („Die Sklavin Isaura“, ARD, 1986/87) fand das zunächst
belächelte Genre Eingang ins deutsche Fernsehen. Das ZDF übertrug die melodramatischen
Geschichten und den Regelkanon des Genres auf deutsche Verhältnisse.
Erfolgreiche Telenovelas
1. „Verliebt in Berlin“ (Sat.1, 2005–2007)

Wegen der großen Popularität wurde die Serie von den üblichen 200 Folgen auf 645
aufgestockt. „Verliebt in Berlin“ mit Alexandra Neldel war die junge Variante der
Telenovela, eine typische Aschenputtel-Story mit etwas Sozialtouch, Humor, einem
zielgruppengerechten „Look“ und einer Heldin zum Gernhaben.

2. „Wege zum Glück“ (ZDF, 2005–2009)

3. „Sturm der Liebe“ (Das Erste, seit 2005)

4. „Rote Rosen“ (Das Erste, seit 2006)

100
http://www.daserste.de/unterhaltung/soaps-telenovelas/rote-rosen/videos/index.html

101
INTERNET
Inhalt:
1. Entstehung des Internets
2. Soziale Netzwerke
a. Cyber-Mobbing
b. Shitstorm
c. Internet-Trolle
d. Fake News
e. Cookies
f. Filterblasen
3. Online-shopping
4. Digitale Risiken für Kinder
5. Sicherheit im Internet

1. Entstehung des Internets

Aufgabe 1. a) Betrachten Sie die Grafik. Welche Informationen liefert sie? Fassen Sie
sie zusammen.

b) Was wissen Sie über die Entwicklung des Internets? Wie hat alles angefangen?

102
Aufgabe 2. Machen Sie sich mit der Geschichte des Internets bekannt. Erfüllen Sie
danach die Aufgaben zum Text.

Entstehung des Internets


Bei vielen Erfindungen, die die Zivilisationsgesellschaft für sich nutzt, liegen die
Wurzeln im militärischen Bereich – das Internet (abgekürzt aus engl. international network)
macht keine Ausnahme. Das Internet ist das größte Computernetz der Welt. Genauer gesagt
besteht es aus vielen selbstständigen Computernetzen, die miteinander verbunden sind, rund
um den Erdball. Dieses komplexe Rechnergeflecht entwickelte sich als Antwort auf ein
Problem des kalten Krieges: Wie konnten die US-Regierungsstellen nach einem Atomschlag
sicher und effektiv miteinander kommunizieren?
Gefordert war ein Befehls- und Kontrollnetzwerk, das Städte und Militärbasen
miteinander verband. Aber Kabel und Schaltstellen waren gegen einen Angriff mit
Nuklearwaffen nicht zu schützen, und eine zentrale Kontrollstelle wäre das erste Angriffsziel
gewesen. Die Lösung für dieses Problem war ein Netzwerk ohne zentrale Steuerung,
Computer bildeten die Netzknoten (siehe Abb. 1).

Abb. 1. Internationales Computernetzwerk

Es war so angelegt, dass die einzelnen Teile unabhängig voneinander agieren konnten.
Der Nachrichtenaustausch zwischen den einzelnen Netzknoten sollte durch Datenpakete
erfolgen, die ihre eigenen Wege durch das Netz gingen. Wäre ein Leitungsweg zerstört,
würde ein anderer eingeschlagen.
Von einer Abteilung des US-Verteidigungsministeriums, der ARPA (Advanced
Research Project Agency), wurde das erste Netzwerk in der Praxis entwickelt und betreut.
Zunächst durften nur Militärs und Forscher im militärischen Bereich die nach damaligen
Verhältnissen superschnellen High Tech-Computer-Anlagen nutzen. Bald wurde diese
Beschränkung jedoch aufgehoben und die Zahl der Knoten erhöhte sich. Das Hauptinteresse
der Netzbenutzer galt dem elektronischen Austausch von Nachrichten, der sog. E-Mail. Die
einzelnen Benutzer hatten ihre eigenen E-Mail-Adressen, konnten also von Person zu Person
kommunizieren. Forscher konnten Informationen über ihre Arbeiten austauschen und
bequem in Projekten zusammenarbeiten.
Das Internet weitete sich weltweit aus. Denn der Reiz des Internet liegt zum einen in
seiner freiheitlichen, anarchischen Struktur. Es gibt keine Internetzentrale, keine Aktionäre,
keine Vorsitzenden und keine Zensur. Zum anderen wurden die Möglichkeiten und

103
Dienstleistungen des Internets immer benutzerfreundlicher und für den Normalbürger
interessanter.
Das WWW (World Wide Web)
In den 90er Jahren begann die kommerzielle Nutzung des bis dahin rein akademischen
Netzes. Viele Firmen benutzen das Internet zur Verbreitung von Kundeninformation und
Software oder als Feedback-Instrument. Elektronische Dienstleister, Online-Shops,
Versicherungen und Banken drängen ins Internet.
Mit Ausbau des Business-to-Business Geschäfts „B2B“, entdeckten auch die
Marktführer der traditionellen „Old Economy“ das Netz, um über virtuelle Marktplätze und
Plattformen ihre Waren zu verkaufen und zu ordern und damit konkurrenzfähig zu bleiben.
Mit der wirtschaftlichen Nutzung entstand auch das Problem der Datensicherheit und
Computerkriminalität. Ausgefeilte Verschlüsselungssysteme sollen die Privatsphäre und das
Geld des Benutzers vor unberechtigtem Zugriff schützen.
Mit der Einführung des World Wide Web (WWW) konnte das Internet auch in der
breiten Masse an Beliebtheit gewinnen. Denn das Internet stellt eine reichhaltige
Schatzkammer für kostenlose Software, Informationsdateien, Forschungsdaten, Grafiken,
Bilder, Sounddateien, Datenbanken, Archive und vieles andere dar. Über das Web sind diese
Ressourcen bequem zu erschließen.
Das WWW basiert auf Hypertext und nutzt ausgiebig die Möglichkeiten grafischer
Benutzeroberflächen moderner Computersysteme. Hypertext bedeutet, dass der Text
implizite Verweise auf andere Quellen, Personen usw. enthält.
Die Entwicklung des WWW geht ständig weiter. So wird die Interaktion mit dem
Nutzer immer dynamischer und virtuelle Realitäten entstehen.

Aufgaben zum Text

Aufgabe 1. Übersetzen Sie die folgenden Wörter und Wortverbindungen nach ihrer
Bedeutung im Text und lernen Sie die bitte.
1) gefordert sein
2) das Befehls- und Kontrollnetzwerk
3) ein Netzwerk ohne zentrale Steuerung
4) erfolgen
5) einen Leitungsweg einschlagen
6) etw. (eine Beschränkung) aufheben
7) das Interesse gilt etw. Dat.
8) der Reiz von etw. liegt in etw.
9) benutzerfreundlich
10) ins Internet drängen
11) Datensicherheit, die
12) Verschlüsselung, die
13) unberechtigter Zugriff auf/ zu etw.
14) schützen vor/ gegen etw.
15) an Beliebtheit gewinnen ↔ an Beliebtheit verlieren
16) Datei, die
17) etw. (eine Ressource) erschließen

104
18) Benutzeroberfläche, die
19) der Verweis auf etw. Akk.

Aufgabe 2. Beantworten Sie die Fragen zum Text. Verwenden Sie dabei die Wörter
und Wendungen aus Aufgabe 1.

1. Was war der Anstoß zur Entwicklung des ersten Computernetzes?


2. Wie funktionierte das Computernetz?
3. Ergänzen Sie die Tabelle mit den Angaben aus dem Text. Vergleichen Sie danach
Ihre Tabellen im Unterricht.
Tabelle 1. - Etappen der Entwicklung des Internets
№ Zeitraum Entwicklung
1. Kalter Krieg Nur Militärs und Forscher im militärischen Bereich dürfen die
nach damaligen Verhältnissen superschnellen High Tech-
Computer-Anlagen nutzen.
2. … Die einzelnen Benutzer hatten ihre eigenen E-Mail-Adressen,
tauschten Nachrichten aus und konnten also von Person zu Person
kommunizieren.
3. … …
4.
5.
6.
7.

4. Welche Probleme ergaben sich mit der wirtschaftlichen Nutzung des Internets?
5. Welche Vorteile brachte es dennoch mit sich?
6. Worauf basiert das WWW?

Aufgabe 3. Welche zusätzlichen Informationen über die Entwicklung des Internet


können Sie der folgenden Grafik entnehmen? Fassen Sie die zusammen!

105
Aufgabe 4. Das Internet ist heute im Berufs- genauso wie im privaten Leben
unentbehrlich, ein fester Bestandteil des Alltags. Was machen Sie alles im Internet? Erstellen
Sie ein Mindmap dazu. Vergleichen Sie danach in der Gruppe.

E-Mails
schreiben

Internet
ssoosoz

Aufgabe 5. Betrachten Sie und analysieren Sie die nachstehende Grafik. Welche
Informationen über die Nutzung des Internets in Deutschland können Sie ihr
entnehmen? Fassen Sie zusammen! Was überrascht Sie?

106
Aufgabe 6. Bereiten Sie einen Kurzvortrag zum Thema „Entstehung und Entwicklung
des Internets“ vor. Um welche Art des Kurzvortrags handelt es sich in diesem Fall Ihrer
Meinung nach: informierenden oder Argumentationsvortrag?

107
2. SOZIALE NETZWERKE

Aufgabe 1. Welche sozialen Medien bzw. Netzwerke kennen Sie? In welchen sind Sie
aktiv? Warum/Warum nicht? Tauschen Sie sich aus.

Aufgabe 2. Wo werden soziale Netzwerke genutzt? Was erfahren Sie aus der
nachstehenden Grafik? Fassen Sie zusammen und äußern Sie Ihre Meinung dazu.

Aufgabe 3. Beschreiben Sie das nachfolgende Schaubild. Finden Sie etwas auffällig?
Hat sich vielleicht etwas in den letzten Jahren verändert?

108
Aufgabe 4. Recherchieren Sie im Internet und sammeln Sie Informationen über eines
der sozialen Netzwerke (entscheiden Sie in der Gruppe, wer welches soziale Netz
übernimmt). Berichten Sie im nächsten Unterricht darüber (ca. 5 Min.). Über die Form der
Präsentation können Sie selbst frei entscheiden.

Aufgabe 5. Lesen Sie den folgenden Text. Erfüllen Sie danach die Aufgaben zum Text.
Soziale Netzwerke hat es immer schon gegeben

„Netzwerken“ ist in. Seit Facebook, Xing und Twitter von immer mehr „fans“,
„Freunden“ und „Kontakten“ genutzt werden, wird es immer schwerer, sich den Sozialen
Netzwerken zu entziehen, ohne als a-sozial zu gelten. Genauer betrachtet ist der Begriff
„Social Networks“ allerdings redundant. Denn Netzwerken ist immer ein gesellschaftliches
und damit soziales Phänomen gewesen. Dass es heute vor allem online  auf eigens zu
diesem Zweck eröffneten Plattformen  stattfindet, ändert nichts daran, dass es sich beim
„Netzwerken“ um ein tief in der Geschichte verwurzeltes, menschliches Verhalten handelt.
Allianzen schmieden, Kontakte knüpfen, Informationen oder Referenzen in
Tauschgeschäften einlösen, Empfehlungen aussprechen sowie Wissen und Erfahrungen
(mit)teilen  das sind wahrlich keine Erfindungen des Web 2.0. Anders als die klassischen
Netzwerke der Offline-Welt sind die digitalen Communities auf Masse und Wachstum
ausgelegt.

109
Früher traf man sich in einer Kneipe, um seine Freunde zu sehen, im Schwimmbad oder
beim Fußball. Dabei wurden Neuigkeiten ausgetauscht, Partytermine bekannt gegeben,
Urlaube geplant, da wurde gelacht und gehänselt. Früher heißt hier vor wenigen Jahren, als
das Internet noch nicht das Alltagsleben durchdrang. Heute trifft man sich noch immer in der
Kneipe und beim Sport, aber für das soziale Netzwerk spielen die sogenannten Online-
Communities zunehmend eine Rolle. Viele Bekannt- und Freundschaften aber auch
Geschäftsbeziehungen entstehen über das Internet oder werden darüber gepflegt.
Ein Streifzug durch Online-Communities
Der Student Mark Zuckerberg entwickelte 2004 für seine
Kommilitonen der Harvard University eine Internet-Plattform. Hier sollten
kostenlos Neuigkeiten rund um den Campus ausgetauscht werden. Die Idee
kam bei den jungen Menschen an, und schnell nutzten auch andere Studenten
in Amerika die Plattform unter der Internetadresse facebook.com. Was bietet Facebook? Das
persönliche Profil kann man mit Bildern und Videos anreichern. Es gibt u.a. Chats,
Benachrichtigungen, Anstupser (so etwas wie ein Gruß), Pinnwände, Notizen, die
Möglichkeit Gruppen zu bilden, Freunde zu suchen und Freundschaften zu bestätigen.
Mit dem Erfolg kamen auch gleich die Nachahmer. Der Bekannteste
ist StudiVZ (= Studentenverzeichnis). Die in Berlin lebenden
Studenten Ehssan Dariani und Dennis Bemmann gründeten das
Online-Netzwerk im Herbst 2005. Ihnen wurde häufig vorgeworfen,
Facebook eins zu eins kopiert zu haben. Um die Plattform haben sich
auch schuelerVZ.net und meinVZ.net (für Nutzer, die ihr Studium
absolviert haben) gebildet.
Geschäftsleute können sich bereits seit 2003 im Open
Business Club (Open BC) treffen. Im Jahre 2007 wurde das
Berufstätigen-Portal in XING umbenannt, das bedeutet im
Chinesischen can do oder es ist möglich. Auch hier tragen angemeldete Nutzer ihr Profil ein,
laden ihr Bild hoch und schauen sich nach Bekannten und Kontakten um. Es gibt eine
kostenlose Mitgliedschaft mit beschränkten Funktionen und eine Premium-Mitgliedschaft,
die knapp sechs Euro im Monat kostet.
Seit Mitte 2011 ist es am Start: das soziale Netzwerk Google+ vom
Suchmaschinen-Riesen Google Inc. Von Anfang an bekam Google+
großen Zuspruch für die neuartige Einteilung in so genannte „Kreise“, in
die die virtuellen Freunde bzw. Follower eingeteilt werden können. Zum
Beispiel: Familie, Arbeitskollegen und Musikverein. Dies macht es für den Nutzer leicht, in
kurzer Zeit zu entscheiden, wer seine Beiträge lesen darf und wer nicht. Doch welche
Möglichkeiten bietet Google+ noch? Und wie geht der Kampf Google+ vs. Facebook aus?
Google+ ist ein soziales Netzwerk für Nutzer ab 13 Jahren. Nach eigenen Angaben
von Google Inc. sind weltweit zurzeit rund 100 Millionen Mitglieder aktiv. Zwar können die
Nutzer – ähnlich wie bei Facebook – Beiträge, Fotos, Videos und Links liken, teilen und
empfehlen. Das ist allerdings eine der wenigen Gemeinsamkeiten der beiden Social-
Network-Plattformen. Doch mit welchen Leistungen kann der Suchmaschinen-Ableger
punkten beim Wettstreit Google+ vs. Facebook? Google+ wartet mit einem für bis zu zehn
Personen nutzbaren Chat mit Videofunktion auf. Außerdem werden hochgeladene Fotos
direkt mit dem Google Programm Picasa vernetzt und können dort auch direkt bearbeitet

110
werden. Facebook vernetzt Menschen miteinander, die sich auch privat gut oder flüchtig
kennen. Nur die wenigsten Nutzer adden Menschen, denen sie noch nie über den Weg
gelaufen sind. Die so genannten Kreise bei Google+ geben den Nutzern die Möglichkeit,
schnell zu entscheiden, mit wem die eigenen Beiträge geteilt werden. Bei Facebook ist dies
auch möglich, aber mit einem höheren Aufwand verbunden. Google+ versteht sich hingegen
eher als soziales Informationsnetzwerk, in dem sich User miteinander vernetzen, die sich
privat zwar nicht kennen, aber gemeinsame Interessen haben und deshalb voneinander
profitieren.
Hashtag-Gezwitscher. Twitter ist ein Mikroblogging-Dienst, bei dem sogenannte
Tweets mit maximal 140 Zeichen veröffentlicht werden können. Twitter lebt
von der Aktualität. Das Echtzeitmedium arbeitet dabei mit sogenannten
Hashtags (#), also verlinkten Schlagwörtern. Diese bündeln Themen, die sich
über das soziale Netzwerk schnell verbreiten können.
Twittern bedeutet nichts anderes als das Versenden von
Kurznachrichten über das Internet, wobei die Nachrichten für alle öffentlich sichtbar sind.
Ausgetauscht werden News und alles was so am Tag passiert. Was als Dienst für
Privatnutzer begann, entwickelte sich sehr schnell zu einem Dienst, der auch von
professionellen Medien und Unternehmen genutzt wurde. Daher wird das Tool zum Beispiel
auch für Werbung und Angebote genutzt. Besonders viele Nutzer interessieren sich für die
Tweets von großen Nachrichtenportalen wie beispielsweise CNN. Promis haben die
Werbewirkung ebenfalls erkannt und nutzen Twitter teilweise sehr intensiv zur
Eigenwerbung bzw. zur Information für ihre Fans.
Twitter: So funktioniert die Nutzung des Online-Dienstes
Jeder, der sich bei Twitter anmeldet, kann Nachrichten veröffentlichen, die maximal
140 Zeichen lang sind. Diese sind im Online- und Mobile-Browser abrufbar. Wer sich für
die Beiträge einer bestimmten Person interessiert und diese täglich verfolgen möchte, kann
zum „Follower“ werden. Sobald Sie sich dann bei Twitter anmelden, erhalten Sie alle
Nachrichten von den Personen angezeigt, deren Follower Sie sind. So entsteht eine digitale
Vernetzung, die es so vorher noch nie gab. Der Dienst wurde deshalb so erfolgreich, weil die
Nachrichten hier viel schneller die Runde machen, als es über TV- und Zeitung möglich
wäre. Auch die internationale Vernetzung ist ein Faktor für den großen Erfolg von Twitter.
Während Twitter im privaten Umfeld noch hinter Facebook und Co. eine
untergeordnete Rolle spielt, ist der Dienst inzwischen in der großen Medienwelt
unverzichtbar. Donald Trump, Angela Merkel, der Papst – kaum eine Person der
Öffentlichkeit kommt inzwischen ohne Tweets aus.
Die sozialen Netzwerke Facebook, Twitter und Co. erleben seit Jahren einen
ungebremsten Zulauf. Vor allem Jugendliche nutzen gerne diese unkomplizierte Möglichkeit
der Kontaktpflege. Über ein persönliches Profil können andere Nutzer der sozialen
Netzwerke kontaktiert werden. Die regelmäßige Pflege des eigenen Profils lässt Freunde und
Bekannte an Neuigkeiten teilhaben. Auch Interessensgemeinschaften und Clubs bilden sich
über die sozialen Netzwerke.

Aufgaben zum Text

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Aufgabe 1. Übersetzen Sie die folgenden Wörter und Wortverbindungen in Ihre
Muttersprache. Führen Sie damit Sätze (auf ein Minimum verkürzt) aus dem Text an.

1) sich etw. Dat. entziehen


2) redundant
3) (tief) in der Geschichte verwurzelt sein
4) etw. (Informationen/ Referenzen in Tauschgeschäften) einlösen
5) Offline-Welt, die ↔ Online-Welt, die (online sein ↔ offline sein)
6) die digitale Community/ die Online- Community
7) auf etw. Akk. ausgelegt sein
8) etw. Akk. austauschen
9) hänseln
10) das Alltagsleben durchdringen
11) etw. über das Internet machen
12) das Profil durch etw. anreichern
13) Chat, der (Aussprache: https://www.duden.de/rechtschreibung/Chat)
14) Pinnwand, die
15) eine Gruppe bilden
16) eine Freundschaft bestätigen
17) angemeldeter Nutzer → sich bei etw./ jmdm. anmelden
18) ein Bild hochladen
19) sich nach etw. Dat umschauen
20) Follower, der (Aussprache: https://www.duden.de/rechtschreibung/Follower)
21) Beitrag, der
22) etw. Akk. liken
23) bei etw./ jmdm. mit etw. punkten
24) mit etw. aufwarten
25) jmdn. Akk. adden
26) jmdm. über den Weg laufen
27) User, der = Nutzer, der
28) sich vernetzen
29) Tweet, der/das (Aussprache: https://www.duden.de/rechtschreibung/Tweet)
30) Hashtag, der (#) (Aussprache: https://www.duden.de/rechtschreibung/Hashtag)
31) Schlagwort, das
32) etw. Akk. verlinken → Link, das/ der
33) für alle öffentlich sichtbar sein
34) Tool, das
35) Eigenwerbung, die
36) abrufbar → etw. Akk. abrufen
37) Browser, der (Aussprache: https://www.duden.de/rechtschreibung/Browser)
38) etw. Akk. verfolgen
39) etw. angezeigt erhalten/bekommen
40) die Runde machen
41) eine untergeordnete Rolle spielen
42) einen (ungebremsten) Zulauf erleben

112
43) jmdn. Akk. kontaktieren
44) das eigene Profil pflegen

Aufgabe 2. Ergänzen Sie die passenden Wörter aus Aufgabe 1.

Referenzen in Tauschgeschäften …; auf Masse und Wachstum … sein; das


Alltagsleben …; bei jmdm. mit etw. …; das eigene Profil …; eine Gruppe …; eine
Empfehlung …; sich den sozialen Netzwerken nicht … können; das Profil durch etw. …;
einen (ungebremsten) Zulauf …; für alle öffentlich … sein; ein Bild …; Neuigkeiten
mit Freunden …; eine Freundschaft …; (tief) in der Geschichte … sein; Referenzen in
Tauschgeschäften … ; jmdm. über den Weg … .

Aufgabe 3. Welche Wörter und Wendungen aus Aufgabe 1 sind mit den folgenden
Definitionen gemeint:
1) Programm von geringem Umfang, das zusätzliche Aufgaben für ein bestimmtes
Betriebssystem oder Anwendungsprogramm übernimmt = …
2) jmdn. als Freund zum eigenen Profil im Internet hinzufügen = …
3) regelmäßiger Empfänger einer Nachricht beim Twittern = …
4) sich mit jmdn. im Internet verbinden = …
5) überflüssig, überreichlich = …
6) Anklang/Widerhall/Zustimmung finden = …
7) [in einem sozialen Netzwerk] im Internet eine Schaltfläche anklicken, um eine
positive Bewertung abzugeben = …
8) etw. anbieten, zu bieten haben = …
9) jmdm. begegnen = …
10) Anstrengung, Einsatz, Kosten = …
11) ärgern, auslachen, foppen = …

Aufgabe 4. Antworten Sie auf die Fragen zum Text. Verwenden Sie dabei die Wörter
und Wortverbindungen aus Aufgabe 1.

1. Wie verstehen Sie den Titel des Textes? Wie wird er im Text erläutert?
Stimmen Sie dem zu?
2. Formulieren Sie bitte genauer den Unterschied zwischen früher und heute, wie
er im Text dargestellt ist!
3. Was haben Sie aus dem Text über die folgenden sozialen Netzwerke erfahren?
Berichten Sie darüber einander abwechselnd. Arbeiten Sie in Paaren.

1. 2. 3. 4. 5.

113
Aufgabe 5*. Hören Sie sich ein Interview über soziale Medien „Instagram top,
Facebook flop: Was läuft bei Social Media?“ an
(https://blogs.faz.net/digitec/2018/12/07/instagram-top-facebook-flop-was-laeuft-bei-social-
media-folge-27-198/#Drucken). Fassen Sie die Informationen zusammen.
Hier ist ein Abstract davon: Instagram ist ein Alltagsmedium geworden, Facebook inzwischen nur
noch etwas für die älteren Semester. Twitter muss in Deutschland kämpfen, Google schaltet sein Netzwerk
Google+ wieder ab. In der Social-Media-Welt tobt ein harter Konkurrenzkampf, Favoriten wechseln schnell.
Aber wenn die Nutzerinnen und Nutzer im angesagtesten Netzwerk ein Thema bewegt, dann gibt es kein
Halten mehr. Was aber tun, wenn man als Unternehmen Teil einer Welle lauter Kritik wird? Und wie schafft
man es, sein Handeln in möglichst positivem Licht erscheinen zu lassen? Nicht nur darüber reden wir mit
Stefanie Michels, der Social-Media-Chefin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, in unserem neuen Digitec-
Podcast.

Aufgabe 6. a) Lesen Sie die Überschrift und den Vorspann von einem Interview mit der
Kulturwissenschaftlerin Sherry Turkle im Magazin der Süddeutschen Zeitung. Worum
könnte es in dem Interview gehen?
Verloren unter 100 Freunden
Früher haben die Menschen miteinander gesprochen. Heute tippen, chatten
und mailen sie. Smartphones, Computer und das Internet sind nicht schlecht. Es geht
um den Platz, den wir ihnen in unserem Leben einräumen.
b) Lesen Sie nun das Interview und erfüllen Sie danach die Aufgaben dazu.
Vergleichen Sie auch die Infos aus dem Interview mit Ihren Vermutungen in Aufgabe 2a).

Süddeutschen Zeitung (SZ): Mrs Turkle, Sie galten lange als großer Freund jeder
neuen Technologie – mittlerweile kritisieren Sie die Vereinsamung, die permanentes Starren
auf das Smartphone mit sich bringt.
Sh. Turkle: Jugendliche geraten in Panik, wenn sie es nicht dabeihaben. Sie sagen
Sachen wie: „Ich habe mein iPhone verloren, es fühlt sich an, wie wenn jemand gestorben
wäre, ich meinen Kopf verloren hätte.“ Oder: „Auch wenn ich es nicht bei mir habe, spüre
ich es vibrieren. Ich denke daran, wenn es im Schließfach ist.“ Die Technik ist bereits ein
Teil von ihnen selbst geworden.
SZ: Wie schafft so ein Ding das?
Sh. Turkle: Smartphones befriedigen drei Fantasien: dass wir uns immer sofort an
jemanden wenden können, dass wir immer angehört werden und dass wir nie allein sind. Die
Möglichkeit, nie allein sein zu müssen, verändert unsere Psyche. In dem Augenblick, in dem
man allein ist, beginnt man sich zu ängstigen und greift nach dem Handy. Alleinsein ist zu
einem Problem geworden, das behoben werden muss.
SZ: Waren Sie oft allein als Kind?
Sh. Turkle: Ja, und es war großartig. Was wir Langeweile nennen, ist wichtig für
unsere Entwicklung. Es ist die Zeit der Imagination, in der man an nichts Bestimmtes denkt,
seine Vorstellung wandern lässt.
SZ: Ohne 3.000 SMS pro Monat zu verschicken wie der durchschnittliche Teenager
heute. Erwachsene sind aber auch nicht faul.
114
Sh. Turkle: Ja. Sie simsen in Geschäftssitzungen, während des Unterrichts und in
Vorträgen eigentlich ständig – selbst bei Begräbnisfeierlichkeiten. Ich habe das bei der
Beerdigung eines engen Freundes erlebt. Mehrere taten das, während der Musik, der
Gedenkreden. Eine ältere Frau sagte mir danach, sie habe es nicht ausgehalten, ihr Handy so
lange nicht zu benutzen.
Viele Kinder, die ich interviewt habe, klagen darüber, dass das Smartphone der Eltern
zum Konkurrenten geworden ist. Mütter und Väter, die „Harry Potter" vorlesen und
gleichzeitig unter der Bettdecke SMS schreiben. Nicht von ihrem Smartphone aufblicken,
wenn ihre Sprösslinge aus der Schule kommen.
SZ: Die Jungen sind doch nicht besser. Sie vermeiden sogar das Telefonieren –
weshalb eigentlich?
Sh. Turkle: Sie bevorzugen SMS, weil es weniger riskant ist. Sie sagen: „Ich kann die
Info rausschicken, bin nicht involviert in den ganzen Rest.“ Sie brauchen dem anderen nicht
gegenüberzutreten. Wer telefoniert, riskiert ein Gespräch. Es geht um Kontrolle und um den
Auftritt. Einen Text kann ich nach meinem Belieben formulieren, den Facebook- Status nach
meinem Gutdünken aktualisieren. Diese Generation ist daran gewöhnt, sich zu präsentieren.
SMS, E-Mails, Posts – man kann sich so zeigen, wie man sein und gesehen werden möchte.
Man kann redigieren, retuschieren, nicht nur die Messages, sondern auch sein Gesicht,
seinen Körper.
SZ: Das ist doch gut. Warum soll man sich mit Minderwertigkeitsgefühlen quälen?
Sh. Turkle: Was Freundschaft und Intimität von einem fordern, ist kompliziert.
Beziehungen sind schwierig, chaotisch und verlangen einem etwas ab, gerade in der
Adoleszenz. Die Technologie wird genutzt, das zu umgehen, um sich nicht mit den
Problemen auseinandersetzen zu müssen. Die Jungen schätzen ein Kommunikationsmedium,
in dem man Verlegenheit und Unbeholfenheit ausblenden kann. Man zieht sich zurück,
bevor man abgelehnt wird.
SZ: Aber sie haben doch auch reale Beziehungen, lieben einander...
Sh. Turkle: Natürlich ist es nicht so, dass niemand mehr Freunde hat, man einander
nicht mehr persönlich sieht. Die vielen Schüler und Studenten, die ich interviewt habe,
treffen sich gern, suchen die körperliche Nähe. Aber sie reden nicht mehr so viel miteinander.
Sie spielen Videospiele, simsen, kaufen online ein.
SZ: Verbringen Ihre besten Studenten auch so viel Zeit mit SMS, mit Facebook?
Sh. Turkle: Ja. Auch sie können sich kaum auf eine Sache konzentrieren. Sie schreiben
schlechter als früher, und es fällt ihnen schwer, eine komplexe Idee bis zum Ende
durchzudenken. Sie machen immer Multitasking. Die neuen Studien zeigen eindeutig, dass
sich beim Multitasking alles ein bisschen verschlechtert. Fatal ist, dass der Multitasker
glaubt, er sei besser, weil er immer mehr auf einmal tut. Das Gegenteil ist der Fall.
Wir haben unseren Kindern Facebook gegeben und gesagt: Habt Spaß damit. Und jetzt
ist es, wie wenn wir ihnen eine Art Mini-Stasi gegeben hätten. Wo alles, was sie denken und
tun, auf alle Ewigkeit im Besitz von Facebook ist und für welche Zwecke auch immer von
Facebook genutzt werden kann. Google, eine Suchmaschine? Nein, eigentlich nicht, es
verleibt sich alles ein, was je geschrieben wurde, und speichert die Spuren meiner Suche.
Das ist nicht illegal – dass ich die Vereinbarung nicht gelesen habe, mein Fehler.
SZ: Was raten Sie uns, als Fazit Ihrer Untersuchungen?
Sh. Turkle: Darüber zu reden, wohin dies alles führt. Wir ängstigen uns wie junge

115
Liebende, dass zu viel reden die Romantik verdirbt. Wir denken, das Internet sei erwachsen,
bloß weil wir damit aufgewachsen sind. Aber es ist nicht erwachsen, es ist erst in seinen
Anfängen; Wir haben eine Menge Zeit uns zu überlegen, wie wir es nutzen, modifizieren und
ausbauen.

Aufgaben zum Interview

Aufgabe 6 a). Übersetzen Sie die folgenden Wörter und Wortverbindungen in Ihre
Muttersprache. Führen Sie damit die Sätze aus dem Interview (gekürzt) an.

1) die Vereinsamung
2) auf etw. Akk. starren
3) ein Problem beheben
4) simsen = SMS schreiben
5) von dem Smartphone aufblicken
6) jmdm. Dat. gegenübertreten
7) etw. nach seinem Belieben/ nach seinem Gutdünken tun
8) etw. Akk. redigieren
9) sich mit Minderwertigkeitsgefühlen quälen
10) jmdm. Dat. etwas Akk. abverlangen
11) die Adoleszenz
12) Verlegenheit und Unbeholfenheit ausblenden
13) sich zurückziehen
14) Multitasking machen
15) der Multitasker
16) sich Dat. etw. Akk. einverleiben
17) die Spuren der Suche speichern
18) mit etwas aufwachsen

Aufgabe 6 b). Antworten Sie auf die Fragen zum Interview.

1) Alleinsein: Welche Einstellung haben Jugendliche dazu, welche Prof. Turkle?


2) Was kritisieren Jugendliche an der Smartphone-Nutzung ihrer Eltern?
3) Warum schreiben Jugendliche eher SMS, als zu telefonieren, und was kritisiert Prof.
Turkle daran?
4) Wie haben sich laut Prof. Turkle die persönlichen Kontakte verändert?
5) Welchen Einfluss hat intensive Internet-Nutzung auf Studenten?
6) Was kritisiert Prof. Turkle an Facebook und Google?
7) Welches Fazit zieht sie?

Aufgabe 6 c). Stellen Sie Vermutungen an: Welche weiteren Probleme könnte es bei
der Nutzung der sozialen Netzwerke geben? Arbeiten Sie in Paaren. Vergleichen Sie danach
im Plenum Ihre Vermutungen.

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Aufgabe 6 d). Lesen Sie die folgenden Kurztexte. Vergleichen Sie Ihre Vermutungen
mit den Informationen in den Texten. Was haben Sie nicht vermutet?

Text A. das Engagement in sozialen Netzwerken hat nicht nur positive Aspekte. Da
sich mit der Zeit eine Vielzahl an Kontakten ansammelt, bleibt die Kommunikation über
Seiten wie Facebook meist eher oberflächlich. Diese Form der „Kontaktpflege light“ kann
den persönlichen Kontakt kaum ersetzen. Die Faszination, die davon dennoch ungebrochen
ausgeht, ist der Schnelllebigkeit und dem Zeitmangel in der modernen Zeit geschuldet. Die
Anonymität des Internets öffnet zudem kriminellen Aktivitäten wie Cybermobbing Tür und
Tor. Wer die Vorteile der sozialen Netzwerke nutzen möchte, sollte deshalb vor allem auf
die Wahrung der eigenen Privatsphäre achten und keine zu persönlichen Details oder gar
private Photos im Internet veröffentlichen. Seriöse Anbieter informieren immer wieder
mithilfe von Aufklärungskampagnen über die Risiken, die soziale Netzwerke mit sich
bringen können und rufen zu einem bewussten Schutz der Privatsphäre im Internet auf. Die
europäische Initiative für mehr Sicherheit im Netz (klicksafe.de) richtet sich vor allem an
Kinder und Jugendliche, die sich im Internet bewegen, und vermittelt wichtiges
Hintergrundwissen und Strategien für einen verantwortungsbewussten Umgang mit
sensiblen Daten im Netz.

Vokabeln zum Text: Übersetzen Sie die folgenden Wörter und Wortverbindungen in
Ihre Muttersprache. Führen Sie damit die Sätze (auf ein Minimum verkürzt) aus dem Text an.

1) das Engagement in sozialen Netzwerken


2) sich ansammeln
3) etw. Dat. geschuldet sein
4) etw. Dat. Tür und Tor eröffnen
5) die Wahrung der eigenen Privatsphäre
6) sich richten an jmdn. Akk.
7) sich im Internet bewegen

Text B. Soziale Netzwerke rauben Nutzern den Schlaf

Junge Erwachsene, die sich öfter in sozialen


Netzwerken aufhalten, leiden häufiger an
Schlafstörungen. Das ist das Ergebnis
einer Studie von Forschern der Universität
Pittsburgh. Die Wissenschaftler hatten mehr als
1700 Amerikaner zwischen 19 und 32 Jahren zu
ihren Nutzungsgewohnheiten bei
Facebook, Twitter und Co. befragt und ihr
Schlafverhalten beobachtet.
Das Ergebnis: Der durchschnittliche Proband verbrachte laut Forschern täglich etwa
eine Stunde in sozialen Netzwerken und loggte sich 30 Mal pro Woche bei Snapchat und Co.
ein. Bei jedem Dritten stellten die Wissenschaftler Schlafstörungen fest. Die Nutzer, die
überdurchschnittlich viel Zeit auf den Plattformen verbrachten, hätten im Vergleich zu

117
Abstinenzlern ein dreifach erhöhtes Risiko, an Schlafstörungen zu erkranken. „Die
Untersuchung ist einer der ersten Hinweise, dass die Social-Media-Nutzung den Schlaf
beeinträchtigen kann“, sagt Jessica C. Levenson, Autorin der Studie.
Sie geht davon aus, dass nicht unbedingt die Dauer des täglichen Aufenthalts mit den
Schlafstörungen zusammenhängt, sondern das ständige Einloggen auf diversen Plattformen –
also das Checken neuer Meldungen. Die Forscher sind sich zwar sicher, dass soziale Medien
den Schlaf verdrängen. Allerdings könne es verschiedene Gründe dafür geben: Die
Plattformen könnten die Nutzer emotional so aufregen, dass sie nachts wach liegen. Oder
aber Nutzer bewegten sich nachts in sozialen Netzwerken, weil sie nicht schlafen können.
Das führe wiederum dazu, dass die Schlafprobleme von Nacht zu Nacht zunähmen.
Auch das helle Licht des Displays könne den Tagesrhythmus durcheinander bringen,
vermuten die Forscher. Das Licht von mobilen Endgeräten wie das eines E-Book-Readers
oder Tablet-PCs habe oft einen hohen Blau-Anteil. Das kurzwellige Licht wirke wie ein
Alarmsignal auf den Menschen. Die Folge: Im Körper wird später und weniger Schlaf-
Hormon freigesetzt.
Apple hat dieses Problem erkannt – und bei iOS 9.3 eine Night-Shift-Funktion
integriert. Der Nachtmodus verringert in den Abendstunden den Blaulichtanteil des Displays,
so dass iPhone-Nutzer besser in den Schlaf finden. Nutzer können den Modus manuell
aktivieren oder zeitgesteuert einsetzen.

Vokabeln zum Text: Übersetzen Sie die folgenden Wörter und Wortverbindungen in
Ihre Muttersprache. Führen Sie damit die Sätze (auf ein Minimum verkürzt) aus dem Text an.

1. sich in sozialen Netzwerken aufhalten


2. jmdn. zu etw. befragen
3. sich bei etw. einloggen
4. Abstinenzler, der
5. etw. Akk. beeinträchtigen
6. etw. Akk. (neue Meldungen) checken
7. Display, das
8. etw. Akk. durcheinanderbringen
9. das mobile Endgerät
10.E-Book-Reader, der (Aussprache: https://www.duden.de/rechtschreibung/E_Book_Reader)
11.Tablet, das (Aussprache: https://www.duden.de/rechtschreibung/Tablet)
12.etw. zeitgesteuert einsetzen

Text C. So einsam machen Facebook & Co

Liken, posten, chatten, kommentieren – eigentlich bieten soziale Medien wie


Facebook, Twitter und Instagram die Möglichkeit, sich zu vernetzen und miteinander
zu kommunizieren. Trotzdem macht die
Nutzung einsam, wie eine neue Studie
behauptet.
Die Studie ergab: Menschen, die zwei
Stunden und mehr pro Tag bei Facebook und Co

118
verbringen, fühlen sich doppelt so häufig sozial isoliert wie jene, die weniger als eine halbe
Stunde in sozialen Netzwerken sind. Die Forscher berücksichtigten neben der Zeit auch die
Häufigkeit, mit der Menschen soziale Medien nutzen. Jene Menschen, die sich besonders
häufig in der Woche (mehr als 58 Besuche) in den sozialen Medien „herumtreiben“, besitzen
ebenfalls eine erhöhte Anfälligkeit, sich ausgeschlossen zu fühlen. Bei ihnen ist diese im
Vergleich zu Nutzern, die nur bis zu acht Mal pro Woche die entsprechenden Seiten aufrufen,
um das Dreifache erhöht.
Warum soziale Medien das Gefühl von Einsamkeit fördern
Die Forscher stellen unterschiedliche Thesen dazu auf, warum sich Menschen, die viel
Zeit in sozialen Netzwerken verbringen, einsamer fühlen. Zum einen könnte der Grund darin
liegen, dass sie tatsächlich durch die Zeit in sozialen Netzwerken keine Zeit mehr für
Offline-Beziehungen haben. Zum anderen sehen Nutzer in diesen Plattformen oft Fotos von
Menschen, die ein sehr reges Sozialleben und viele Kontakte zu haben scheinen. Dadurch
können Gefühle von Neid und Ausgeschlossenheit hervorgerufen werden.
Eine andere Erklärung der Forscher ist, dass die Nutzung der Plattformen nicht die
Ursache, sondern das Ergebnis für die gefühlte Einsamkeit ist. Menschen, die sich sowieso
schon sozial isoliert fühlen, könnten dazu neigen, bei Facebook und Co Anschluss zu suchen.
Die Online-Netzwerke würden dann als eine Art Ersatz für mangelnde Beziehungen im
realen Leben fungieren.

Aufgabe zum Text. Übersetzen Sie die folgenden Wörter und Wortverbindungen in
Ihre Muttersprache. Führen Sie damit die Sätze (auf ein Minimum verkürzt) aus dem Text an.

1) etw. Akk. posten


(Aussprache: https://www.duden.de/rechtschreibung/posten_schreiben_Internet_Newsgroup)
2) Instagram, das (Aussprache: https://www.duden.de/rechtschreibung/Instagram)
3) sich in den sozialen Medien „herumtreiben“
4) sich ausgeschlossen fühlen
5) eine Seite aufrufen
6) eine These zu etw. aufstellen
7) Offline-Beziehung, die
8) reges Sozialleben
9) Anschluss suchen
10) fungieren als etw. Nom.

Text D. Facebook-Experiment: Das Soziale Netzwerk macht neidisch und


unglücklich

Forscher haben Facebook-Nutzer zur Online-Abstinenz verdonnert: Eine Woche


lang keine Likes, keine Urlaubsfotos, keine Katzenvideos bei Facebook. Das hatte
erstaunliche Auswirkungen.
Die Dänen gelten als das glücklichste Völkchen Europas: Jahr für Jahr stehen sie im
Glücksatlas ganz oben. Morten Tromholt, Marie Lundby, Kjartan Andsbjerg und Meik

119
Wiking erforschen, woran das liegt. Die Forscher wollten wissen, inwiefern die Nutzung
sozialer Medien die Lebensqualität beeinflusst.
Die Frage an sich ist nicht neu, je nach Herangehensweise kommen unterschiedliche
Ergebnisse ans Tageslicht. So belegte beispielsweise eine Studie aus dem Jahr 2012, dass
Facebook unzufrieden macht, wenn sich Nutzer ständig mit den Photoshop-Leben ihrer
Kontakte vergleichen. Gegen das omnipräsente „Mein Haus, mein Auto, mein Boot“ kann
das eigene Kinderzimmer nebst klapprigem Fahrrad eben nur verlieren.
Die Forscher stellten damals fest: Je länger ihre Probanden Facebook nutzten und je
mehr Zeit sie dort verbrachten, desto stärker gingen sie davon aus, dass andere Menschen
glücklicher waren und ein besseres Leben führten als sie. „Social Media ist ein
Nachrichtenkanal, auf dem es ununterbrochen gute Nachrichten gibt: Ein konstanter Strom
aus editierten Leben verzerrt unsere Wahrnehmung der Realität“, so das Fazit der dänischen
Glücksforscher. Schließlich neigt die Mehrheit der Nutzer sozialer Medien zu
weichgezeichneten Beschönigungen.
Für ihr eigenes Facebook-Experiment haben die Dänen 1095 User gebeten, ihre
allgemeine Zufriedenheit und ihr Stresslevel auf der Skala von ein bis zehn einzuschätzen.
Dann teilten sie die Probanden per Zufallsprinzip in zwei Gruppen auf. Eine Gruppe
verzichtete eine Woche lang auf das soziale Netzwerk, die andere nutzte es wie gewohnt.
Nach sieben Tagen mussten sich beide Gruppen erneut einschätzen.
Das Ergebnis: Die Facebook-Gruppe freute sich deutlich weniger über das, was sie
selbst hatte. Fünf von zehn Facebook-Nutzern gaben zu, neidisch auf tolle Erlebnisse zu sein,
die andere posten. Und einer von dreien gab an, allgemein auf das glückliche Leben anderer
Facebook-User neidisch zu sein.
Zu einem ganz ähnlichen Ergebnis kamen Forscher der Technischen Universität
Darmstadt und der Humboldt-Universität zu Berlin im Jahr 2013. Über ein Drittel der von
ihnen befragten Facebook-User fühle sich während und nach der Nutzung schlecht.
Facebook-Nutzer seien einsam, müde, traurig oder frustriert, konstatierten die
Wissenschaftler. Als wesentlichen Grund sehen sie den Neid auf positive Nachrichten der
Facebook-Freunde. Die Forscher sprechen von einer „Neidspirale“. Das führe dazu, dass die
Nutzer ihr Leben positiver darstellten, als es tatsächlich sei.
Prinzipiell kann Neid ein Ansporn sein, selbst mehr zu leisten. Wer im sozialen
Vergleich aber dauerhaft unterliegt, gerät unter Druck.
Wie bei allen Studien aus der Glücksforschung trifft das sicher nicht für Jeden zu. Aber
es kann sicher nicht schaden, ab und zu etwas mit echten Freunden im realen Leben zu
unternehmen, anstatt virtuelle Kontakte zu beneiden. Das meiste, was man dort sieht, ist
ohnehin nicht echt.

Aufgabe zum Text. Übersetzen Sie die folgenden Wörter und Wortverbindungen in
Ihre Muttersprache. Führen Sie damit die Sätze (auf ein Minimum verkürzt) aus dem Text an.

1) Kontakt, der
2) etw. Akk. verzerren
3) etw. Dat. unterliegen
4) zutreffen für jmdn. Akk.
5) neidisch sein auf etw./ jmdn. Akk.

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6) jmdn. Akk. um etw. Akk. beneiden

Aufgabe 7.
1. Nennen Sie alle Probleme der Nutzung von sozialen Medien, die in den Texten
behandelt wurden.
2. Kennen Sie weitere Probleme bzw. Gefahren der Nutzung von sozialen Medien,
die in den Texten nicht erwähnt wurden? Welche sind das?
3. Beschreiben Sie und kommentieren Sie die Fotos unten.

Foto 2
Foto 1
Aufgabe 8. a) Kennen Sie den Neologismus „instagrammable“? Was könnte es
bedeuten?
b) Lesen Sie den folgenden Artikel. Erklären Sie danach, was der Begriff
„instagrammable“ bedeutet. Wie ist die Einstellung der Autorin dazu? Was halten Sie von
diesem Phänomen?

Social-Media-Stress: Instagrammable

Der Kodak-Moment ist tot, es lebe die


Instagrammibilität: Der Millenial, so heißt
es, sucht seine Urlaubsziele nach ihrer
Social-Media-Verwertbarkeit aus. Das
macht sich die Tourismusbranche gern zu
Nutze.

Bitte beachten Sie nicht die dreihundert


Von Andrea Diener Influencer, die noch hinter mir stehen: Auf der
Trolltunga über dem norwegischen
In den neunziger Jahren erfand die
Ringedalsvatnet-See ist man nur noch selten
Firma Eastman Kodak für eine allein.
Werbekampagne den „Kodak Moment“,
ein Begriff, der bald in die englische
Umgangssprache einging. Er bezeichnete
einen perfekten Augenblick des Alltags,
zum Beispiel Meilensteine im Leben der
Kinder, die es wert sind, auf Fotos
festgehalten zu werden. Das Baby krabbelt,
121
das Kind schaukelt, alle im Urlaub, Kuchen zu Tante Ilses Siebzigstem: Da holt man gerne
einmal die Kamera heraus und bringt später den Film zum Entwickeln, was für die üblichen
36 Bilder leicht zwanzig bis dreißig Mark kostete.
Doch vorbei die goldenen Zeiten der Firma Kodak, vorbei auch der eher geizige
Umgang mit lichtbildnerischen Erzeugnissen im innerfamiliären Alltag. Das Smartphone ist
stets dabei, und der Nachwuchs muss sich heute keine Sorgen mehr machen, dass zu wenige
Fotos auf zu schlechtem Film von ihm existieren. Wir erleben vielmehr eine Inflationierung
des besonderen Augenblicks. Verfolgt man das Familienleben einiger Bekannter auf
Facebook, könnte man glauben, sie verbrächten ihre Tage in einem einzigen langen Kodak-
Moment.
Wenn das Foto wichtiger ist als die Erholung
Es gilt nun also, neue Maßstäbe zu setzen, und zu Hilfe kommen uns – hurra! – die
Tourismusindustrie sowie die Fotoplattform Instagram. Eine große deutsche Reederei baut
ein neues Schiff und verspricht ihren Gästen laut Pressemitteilung „instagrammable
moments“, da sie in „unterschiedlichste Szenarios und Raumerlebnisse
mitgenommen“ würden. Ein arabisches Luxushotel prahlt, es gehöre zu den „most
instagramable“ Hotels. Was ja eigentlich bedeutet, dass das Foto am Ende wichtiger ist als
die Erholung.
Nun ist es nicht nur so, dass Schiffe und Hotels danach konzipiert werden, dass sie auf
den Urlaubsfotos der Gäste gut aussehen, weil diese Gäste wiederum vor ihren Followern
gut dastehen wollen. Die Umfrage einer englischen Versicherungsfirma ergab, dass vierzig
Prozent aller Reisenden unter 33 Jahren ihr Reiseziel nach Instagrammibilität aussuchen,
weshalb einige Reiseziele derzeit besonders boomen. Neuseeland erweist sich anscheinend
als äußerst Instagrammable, ebenso Norwegen.
Inzwischen stehen sich die Influencer zu Hunderten an der Felszunge Trolltunga bei
Skjekkedal die Beine in den Bauch, und jeder einzelne fotografiert sich so, als sei keine
Menschenseele außer ihm gerade dort. Weil das dauern kann, bis alle ihr Fotochen geknipst
haben, schaffen es ein bis zwei pro Woche nicht mehr im Hellen nach Hause und müssen aus
den Felsen gerettet werden, was dann leider nicht so Instagrammable ist. Der Kodak Moment
war da doch weniger verlogen, denn das Kind krabbelte wirklich und Tante Ilse hatte echten
Kuchen. Und wenn man im Leben die Wahl hat zwischen Schlange stehen und Kuchen essen,
was tut da ein vernünftiger Mensch? Genau.
Quelle: F.A.Z.

Aufgabe 9. Schreiben Sie einen Kommentar zu diesem Artikel. Studieren Sie davor die
methodische Anleitung (Anhang 7).

Aufgabe 10. a) Bereiten Sie sich auf die Diskussion zum Thema „Soziale Netzwerke:
Fluch oder Segen?“ vor. Sammeln Sie Argumente dafür und dagegen.
b) Bereiten Sie einen Argumentationsvortrag zum Thema „Soziale Netzwerke: Fluch
oder Segen?“ vor.

Aufgabe 11. Lesen Sie weitere Artikel über die Gefahren der sozialen Medien.

Cyber-Mobbing

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Soziale Netzwerke machen die Hetze auf Andere gefährlich einfach. Nacktbilder,
Gerüchte, Lügen und peinliche Videos: Wenn Schüler im Internet anderen Kindern
und Jugendlichen das Leben zur Hölle machen, dann sprechen Experten von Cyber-
Mobbing oder Cyber-Bulling.

Was ist Cyber-Mobbing?


Früher haben Schüler ihre Gerüchte und Lästereien auf dem Schulhof verbreitet. Doch
heute werden Facebook-Pinnwände oder SMS genutzt, um Feindschaften auszutragen. Das
ist ein gravierender Unterschied. „Auf dem Schulhof kriegen nur die Umstehenden die
Beleidigungen mit  und vielleicht noch ein paar andere Kinder vom Hörensagen“, sagt die
Psychologin und Cyber-Mobbing-Expertin Dr. Stephanie Pieschl von der Universität
Münster. Bei Cyber-Mobbing kann man Menschen vor Hunderttausenden Fremden
demütigen.
Zu Cyber-Mobbing zählt Pieschl alle Formen von Schikane, Betrug, Vertrauensbruch
oder Ausgrenzung, die über Internet oder Handy gestreut werden. „Im Internet verbreiten
sich Gerüchte und peinliche Bilder rasend schnell unter einem großen Publikum. Alle
können sich das immer wieder ansehen, Kommentare dazu schreiben und den Link an andere
weiterschicken.“ Außerdem sei es schwer, die Schmähungen und Bilder wieder zu entfernen.
Auch Jahre später lassen sie sich im Netz finden.
Dennoch ist nicht jede Beleidigung oder unfaire Online-Attacke als Cyber-Mobbing zu
betrachten. Für die Münsteraner Psychologin ist die Opfer-Perspektive wichtig: „Erst wenn
sich ein Mensch durch Gemeinheiten im Internet belastet oder gestört fühlt, ist das Cyber-
Mobbing.“ Am häufigsten kommt Cyber-Mobbing bei Jugendlichen zwischen 12 und 16
Jahren vor.
Wie wird im Internet gemobbt?
Es gibt verschiedene Arten des Cyber-Mobbings: Opfer können beleidigt, beschimpft
oder bloßgestellt werden. Den Schülern wird Gewalt angedroht oder es werden fiese
Gerüchte verbreitet. „Da kann es schon Sachen geben wie „Der Jürgen ist schwul“ oder „Die
Marie war schwanger und hat abgetrieben“, sagt Pieschl. Auch wenn jemand aus seiner
Gruppe im sozialen Netzwerk ausgeschlossen wird oder bei einem Computer-Rollenspiel
nicht mehr zu seiner Gilde gehören darf, kann das als Mobbing angesehen werden.
Androhungen von körperlicher Gewalt zählen ebenfalls. Besonders hart trifft es die Schüler,
wenn Klassenkameraden peinliche Privatfotos und Videos ins Internet stellen. Auch
Identitätsdiebstahl gehört zu den Cyber-Mobbing-Varianten. Jemand gibt sich als das Opfer
aus und schiebt ihm Aussagen und Taten in die Schuhe.
Wissen die Täter, was sie anrichten?
Oft ist den Mobbern nicht bewusst, wie viel Leid sie anrichten. „Der potenzielle Täter
kann es lustig gemeint haben, aber er sieht nicht, wenn der Betroffene am anderen Ende
weint“, sagt Pieschl. „Aus unserer Arbeit mit Schülern wissen wir, dass es für sie häufig viel
einfacher sei, etwas Gemeines über jemanden zu schreiben, als es ihm ins Gesicht zu
sagen.“ Viele junge Menschen missbrauchten das Internet als Rachewerkzeug.
Was sind die Folgen?
„Die Folgen von Cyber-Mobbing hängen stark vom Opfer und seinem sozialen Umfeld
ab“, weiß Pieschl. „Einige sagen, dass es ihnen nichts ausmacht. Viele geben aber an, dass

123
die Angriffe im Internet sie traurig oder wütend gemacht haben, einige berichten von Kopf-
oder Bauschmerzen. Auch depressive oder suizidale Gedanken kommen bei Opfern von
Cyber-Mobbing häufiger vor als bei anderen Jugendlichen.“ Schlechtere Noten könnten
ebenfalls die Folge sein. „Insgesamt hängen die Auswirkungen auch damit zusammen, wie
intensiv und wie lange ein Kind im Internet beleidigt wird.“
Wer kann helfen?
„Cyber-Mobbing findet außerhalb der Schule statt, deshalb fühlen sich nicht alle
Schulen zuständig für das Thema“, erläutert die Psychologin. „Dennoch rückt Cyber-
Mobbing immer stärker in Bewusstsein von Lehrern. Viele Schulen haben Regeln gegen
Cyber-Mobbing aufgestellt und bieten Präventionen an.“ Doch nicht nur die Schulen, auch
Eltern seien in der Pflicht. „Das Internet ist für Kinder meist ein Eltern freier Raum. Viele
Erwachsene kennen sich in sozialen Netzwerken kaum aus. Kinder werden da teilweise
alleine gelassen.“ Auch Betreiber von sozialen Netzwerken wie Facebook oder Schüler VZ
seien gefordert. Einige haben bereits Möglichkeiten zur Beschwerde geschaffen.
Wie sollten Opfer reagieren?
Betroffene sollten jemandem von dem Mobbing erzählen, rät die Expertin. „Sie sollten
sich emotionale Unterstützung suchen. Sie sollten auch nicht alles löschen, sondern E-Mails
ausdrucken, Screenshots von den Gemeinheiten machen und wenn möglich sofort melden,
damit der Betreiber die Sachen schnell löschen kann.“ Schüler sollten sich aber auch an
Erwachsene wenden. „Eltern, Lehrer oder schulpsychologische Beratungsstellen wissen
meist, was man tun kann oder können geeignete Hilfe organisieren. Es gibt zwar kein Gesetz
gegen Cyber-Mobbing, aber viele bestehende Rechte können angewendet werden.“ Zum
Beispiel griffen das Anti-Stalking-Gesetz oder das Recht am eigenen Bild, schildert die
Psychologin. Auf dieser Grundlage könne man Anzeige erstatten. Auch im Internet finden
sich einige Portale, die informieren und den Betroffenen helfen:
www.klicksafe.de
www.saferinternet.at
www.jugendschutz.net
www.mobbing-schluss-damit.de
www.time4teen.de

Aufgaben zum Text

Aufgabe 1. Übersetzen Sie die folgenden Wörter und Wortverbindungen in Ihre


Muttersprache. Führen Sie damit Sätze (auf ein Minimum verkürzt) aus dem Text an.

1) die Hetze auf jmdn. Akk.


2) Cyber-Mobbing, das (alles über das Wort: https://www.owid.de/artikel/317378)
3) Cyber-Bulling, das
4) Lästerei, die → lästern über jmdn. Akk.
5) etw. Akk. (Feindschaften) austragen
6) demütigen
7) Schikane, die → schikanieren
8) der Vertrauensbruch
9) etw. Akk. streuen

124
10) den Link an jmdn. Akk. weiterschicken
11) Schmähung, die → schmähen
12) etw. Akk. entfernen
13) jmdn. Akk. bloßstellen
14) jmdm. Gewalt androhen
15) etw. ins Internet stellen
16) sich als jmd./ etw. ausgeben
17) jmdm. etw. Akk. in die Schuhe schieben
18) etw. Akk. anrichten
19) Mobber, der → mobben
20) die/ der Betroffene
21) Regeln aufstellen
22) die Prävention
23) in der Pflicht sein
24) der Betreiber
25) gefordert sein
26) etw. Akk. löschen
27) Stalking, das (alles über das Wort: https://www.owid.de/artikel/316503)
28) Anzeige erstatten

Aufgabe 2. Antworten Sie auf die Fragen zum Text. Verwenden Sie dabei die Wörter
und Wortverbindungen aus Aufgabe 1.

1. Was ist Cyber-Mobbing?


2. Wie wird im Internet gemobbt?
3. Wissen die Täter, was sie anrichten?
4. Was sind die Folgen?
5. Wer kann helfen?
6. Wie sollten Opfer reagieren?
7. Sind Ihnen diese Probleme aus eigener Erfahrung bekannt? Berichten Sie bitte
darüber!

Aufgabe 3. Sehen Sie sich die Nachricht aus der Tagesschau zu diesem Thema „Gesetz
gegen Hetze im Internet“ an. Was haben Sie erfahren? Fassen Sie die Informationen der
Nachricht zusammen. Video

Aufgabe 4. a) Hetze im Internet, Hassrede, Hatespeach


(https://www.owid.de/artikel/407490), Cyberbullying, Cybergrooming ... Informieren Sie sich
über diese Begriffe und berichten Sie danach im Unterricht.

Shitstorm

Shitstorm, der: unkontrollierter virtueller Sturm der Entrüstung als Reaktion auf die
Äußerung einer bekannten Person in Form von massenweise versendeten beleidigenden und
bedrohlichen E-Mails oder Facebook-Nachrichten, der von den Medien aufgegriffen wird

125
Erfahren Sie mehr über das Wort unter: https://www.owid.de/artikel/402347. Berichten Sie darüber,
was Sie erfahren haben.

Bullshit, der: Unsinn; etwas Dummes, Ärgerliches, Abzulehnendes (englisch bullshit


= Bullenscheiße)
Erfahren Sie mehr über das Wort unter: https://www.owid.de/artikel/26388. Berichten Sie darüber,
was Sie erfahren haben.

b) Lesen Sie einen Artikel über den Shitstorm.

Raus aus dem Shitstorm: 7 goldene Tipps gegen Netzhetze

Shitstorm wörtlich übersetzt bedeutet „Sturm aus Scheiße“. Der Begriff ist bewusst so
vulgär gewählt. 2011 wurde Shitstorm zum Anglizismus des Jahres gewählt – ziemlich
komisch, denn im Englischen gibt es das Wort überhaupt nicht. Wir haben es hier mit einem
sogenannten „False Friend“ zu tun, also einem Wort, das zwar englisch klingt, aber im
Englischen gänzlich unbekannt ist – so wie Handy, Wellness oder Barkeeper. Doch auch
wenn das Wort anderswo unbekannt ist – das Phänomen des Shitstorms gibt es global.
Wer im Duden unter Shitstorm nachliest, findet diese Definition: Sturm der Entrüstung
in einem Kommunikationsmedium des Internets.
Mit Kommunikationsmedien können zum Beispiel Blogs gemeint sein oder Facebook,
Twitter oder YouTube, aber auch Messenger-Nachrichten oder E-Mails. Häufig entsteht ein
Shitstorm in einem sozialen Medium und greift dann nach und nach auf andere
Kommunikationskanäle über. Ganz heftige Shitstorms finden schließlich sogar Erwähnung
in Offline-Medien wie Zeitungen und Fernsehen.
Unterschied zwischen Kritik und Shitstorm
Nicht jede online geäußerte Entrüstung ist allerdings gleich ein Shitstorm, auch dann
nicht, wenn sich sehr viele Nutzer empören. Manchmal handelt es sich nämlich schlicht und
ergreifend um vollkommen berechtigte (oder auch unberechtigte) Kritik, die allerdings mehr
oder weniger überfallartig über den Kritisierten hereinbricht.
Um zwischen Kritik und Shitstorm differenzieren zu können, muss ein weiteres
Merkmal hinzukommen, und auch das nennt der Duden. Der Shitstorm geht „zum Teil mit
beleidigenden Äußerungen“ einher. Prägend für einen Shitstorm ist also, dass es nicht zum
Austausch sachlicher Argumente kommt. Sondern es hagelt mit negativen Emotionen
aufgeladene Beiträge und Kommentare auf persönlicher Ebene. Von der einfachen Stichelei
über strafbare Beleidigungen bis hin zu schlimmsten Mordphantasien kann dann alles dabei
126
sein. Entsprechend übersetzt die Gesellschaft für deutsche Sprache den Begriff treffend mit
dem Wort "Netzhetze".
Von einem Shitstorm können sowohl Unternehmen als auch Personen des öffentlichen
Lebens betroffen sein, in sehr seltenen Fällen sogar Privatpersonen.
Shitstorm: einige Beispiele
Ehefrau Carmen schoss gegen Kollegah und Farid Bang Nach Posting von Ehefrau
Carmen: TV-Millionär wütet gegen Ausländer
Busch-Besuch für mehr Follower Nach Shitstorm wegen Dschungelflucht: Jetzt spricht
Giuliana Farfalla Klartext
Shitstorm für frisch Vermählte Pärchen macht Hochzeitsbilder – direkt hinter ihnen
spielt sich eine Katastrophe ab
Rassismus-Debatte um Twitter-Post Polizei will vor Diebstahl warnen - und löst
stattdessen einen Shitstorm aus
Die TV-Blondine polarisiert „Wie ich es möchte“: Daniela Katzenberger verpasst ihren
Fans einen Maulkorb
Umweltsünde des Discounters Lidl verkauft geschälte Zwiebeln in Plastik - und
bekommt Wut der Verbraucher zu spüren
Zornige Serien-Fans Amazon im Shitstorm: User sauer - beliebte Prime-Serie plötzlich
kostenpflichtig
Shitstorm: So erkennen Sie die ersten Anzeichen
Ein Shitstorm bricht typischerweise nicht einfach so über ein Unternehmen oder eine
Person herein – viele Shitstorms kündigen sich in irgendeiner Form an. Wenn ein
internationaler Lebensmittelkonzern in einem Schwellenland Grundwasser abpumpt, in
Flaschen abfüllt und zu vollkommen überzogenen Preisen an die um ihr Grundrecht auf
Wasser betrogenen Menschen verkauft, ist ein Shitstorm so sicher wie das Amen in der
Kirche. Doch manchmal lässt sich ein Shitstorm eben nicht so einfach vorhersehen. Es gibt
aber durchaus erste Anzeichen.
Ein Shitstorm benötigt eine kritische Masse. Wenn nur zwei, drei User auf ihrem
Unternehmen herumhacken, können Sie das getrost wie gewohnt mittels normalen
Community Managements moderieren. Hier entsteht dann niemals die Empörungswelle, die
für einen echten Shitstorm nötig ist. Wenn jedoch gefühlt ganze Bevölkerungsteile über Sie
herfallen, lässt sich mit normaler Moderation nichts mehr retten.
Bei diesen Alarmsignalen ist Vorsicht geboten
Tauchen in kurzer Zeit überdurchschnittlich viele Kommentare unter einem Beitrag
etwa bei Facebook auf, heißt es, wachsam zu sein. Grundsätzlich sind viele Kommentare
nichts Schlimmes – im Gegenteil. Wenn aber ein Nutzer einen negativ-emotionalen oder
überkritischen Kommentar postet, der sich inhaltlich gar nicht (oder nur scheinbar) auf den
Kontext des Beitrags bezieht, sondern auf Ihr Unternehmen oder gar Sie selbst, könnte ein
Shitstorm hier seinen Ausgangspunkt finden.
Ein weiteres Alarmsignal kann sein, wenn ein und derselbe User in schneller Folge
überkritische Kommentare unter Ihre Beiträge postet. Reagieren in beiden Fällen weitere
Nutzer ebenso negativ-emotional oder überkritisch, ist höchste Vorsicht geboten. Der
Shitstorm kann aber auch ganz woanders entstehen – auf der Seite oder dem Twitter-Kanal
eines Meinungsführers oder gar beim Wettbewerber.

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Argh, es ist ein Shitstorm - was jetzt?
Wenn die kritischen User auf Ihre Bemühungen um Sachlichkeit oder Ihre
Moderationsversuche nicht eingehen, wollen sie keine sachliche Erkenntnis gewinnen. Dann
wollen sie Streit provozieren. Dann wollen sie einen Shitstorm. Und manchmal gelingt es
ihnen, einen solchen zu entfachen. In dem Fall können Sie diese Schritte befolgen:
1. Haben Sie einen Plan in der Schublade!
Was auch immer auf Ihrer Facebook-Seite oder auf Twitter passiert – Sie können darauf
vorbereitet sein, denn Sie kennen die Leichen in Ihrem Keller. Jeder, der in Ihrem
Unternehmen mit sozialen Netzwerken betraut ist, sollte wissen, was zu tun ist, wenn eine
dieser Leichen ans Tageslicht kommt.
Hierfür erstellen Sie einen Plan: Welche Schritte müssen unternommen werden? Wo
sind Argumentationshilfen für absehbare Krisen zu finden? Wer ist für die Bewältigung der
Krise verantwortlich und wer ist zusätzlich zu informieren? Wie sind diese Personen im
Bedarfsfall zu erreichen? Wer kann stellvertretend für einen nicht erreichbaren
Verantwortlichen einspringen? Wie können Sie das Moderatorenteam in kurzer Zeit
skalieren? Gibt es zum Beispiel externe Personen oder Agenturen, die Sie im Ernstfall
jederzeit hinzuziehen können? Wir etwa bieten unseren Kunden ein „Panik-Telefon“ an, über
das ein kompetenter Mitarbeiter unserer Agentur rund um die Uhr an jedem Tag des Jahres
zu erreichen ist – schließlich entstehen Shitstorms gerne am Wochenende oder nach
Feierabend.
2. Hören Sie aufmerksam zu!
Ein Shitstorm kündigt sich immer an. Er kommt nie aus dem Nichts. Er entsteht auch
nicht zwingend auf Ihrer Facebook-Seite oder in Ihrem Blog, sondern oft auf anderen
Kanälen – dem Twitter-Kanal eines Meinungsführers, der Facebook-Seite eines
Mitbewerbers. Darum: Hören Sie immer den Gesprächen über Ihr Unternehmen und Ihre
Branche zu. Hierzu benötigen Sie Monitoring-Tools, die leider häufig kostspielig sind. Aber
es helfen auch schon simple Google Alerts oder die Funktionen der Plattformen selber. Zum
Beispiel lassen sich bei Twitter beliebige Suchbegriffe abspeichern und jederzeit aufrufen.
3. Erkennen Sie das Problem!
Wenn ein Shitstorm über Sie hereinbricht, müssen Sie zunächst einmal verstehen, was
das eigentliche Problem ist. Ein Shitstorm ist hoch emotional und dreckig, aber doch liegt
ihm eine echte Empörung über einen Missstand zugrunde. Finden Sie also heraus, welcher
Missstand gemeint ist. Identifizieren Sie die Meinungsführer und versuchen Sie zu verstehen,
warum die anderen Nutzer diesen Meinungsführern folgen.
4. Geben Sie Feedback!
Sobald erste Anzeichen eines Shitstorms zu erkennen sind, agieren Sie schnell. Sie
haben keine Zeit zu verlieren. Rechtfertigen Sie sich nicht. Verteidigen Sie sich nicht. Und
vor allem: Ignorieren Sie die Sache nicht – das macht alles nur schlimmer. Fassen Sie lieber
das Problem in eigenen, kurzen und absolut objektiven Worten zusammen, nennen Sie also
das Kind präzise beim Namen und reden Sie auf keinen Fall drum herum.
Geben Sie danach den Empörten ein wesentliches Signal: „Wir hören euch! Wir
kümmern uns!“ Sie dürfen sich Zeit erbitten, besonders wenn der Shitstorm nachts oder am
Wochenende aufkommt. Aber: Kümmern Sie sich auch wirklich! Sprechen Sie
schnellstmöglich mit denjenigen Personen Ihres Unternehmens, die den Missstand beheben

128
können. Sorgen Sie für ein offizielles Statement. Und seien Sie in allem, was Sie tun,
vollkommen transparent!
Wenn Sie zum Beispiel Frau Müller als Leiterin der Qualitätskontrolle über den
Shitstorm informiert haben, geben Sie als Feedback etwas in dieser Art in den Shitstorm
hinein: "Ich habe eure Beschwerden jetzt an Frau Müller weitergegeben. Sie ist unsere
Leiterin des Qualitätsmanagements." Bitten Sie immer wieder um etwas Zeit und bleiben Sie
dabei freundlich. Sorgen Sie dafür, dass Frau Müller auch wirklich antwortet. Sorgen Sie
dafür, dass ihre Antwort eher defensiv und deeskalierend ausfällt.
5. Bleiben Sie cool!
Während Sie auf die Antwort der Verantwortlichen warten, werden die Hitzköpfe unter
den Diskussionsteilnehmern schäumen und Gift und Galle spucken. Dagegen können Sie
rein gar nichts machen. Lassen Sie sie also einfach weiter schäumen und bewahren Sie Ruhe.
Geben Sie ab und zu Hinweise zum Stand der Dinge, etwa "Ich höre gerade von Frau Müller
aus dem Qualitätsmanagement, dass sich jetzt unser Geschäftsführer der Sache angenommen
hat". Bleiben Sie dabei aber unbedingt bei der Wahrheit!
Die meisten Shitstorm-Mitläufer sind eigentlich schon zufrieden damit, dass Sie sich
um die Beseitigung des Missstands bemühen und lassen von der Diskussion ab. Bei den
Hardlinern haben Sie allerdings ohnehin keine Chance, also bleiben Sie cool und beginnen
Sie auf keinen Fall eine Diskussion mit denen, egal wie haarsträubend ihre Argumente und
Vorwürfe auch sein mögen.
Bleiben Sie beim „Ich kümmere mich um die Lösung des Problems und bitte noch um
etwas Geduld“ und reagieren Sie grundsätzlich mit Verständnis für die Shitstormer.
6. Kontrollieren Sie die Informationen!
Wenn Sie ein Content Management System wie WordPress, Joomla oder Typo3
einsetzen, ist es ein Leichtes, schnell eine Unterseite aufzusetzen, die nicht in der
Navigationsleiste erscheint und die Sie von der Google-Indexierung ausschließen. Das heißt:
Diese Seite ist quasi unsichtbar. Hier fassen Sie alle Informationen zum Problem
zusammen – und zwar so neutral und objektiv wie möglich.
Beschreiben Sie, um welches Problem es geht, wie es aufgekommen ist, was bisher
passiert ist und wie Sie reagiert haben. Bleiben Sie bei den Tatsachen und aktualisieren Sie
die Seite regelmäßig mit Updates. Weisen Sie immer wieder im Shitstorm auf diese
Faktensammlung hin, besonders, wenn Sie etwas mit neuen Informationen aktualisiert haben:
„Wir haben eine Seite eingerichtet, auf der wir all eure Beschwerden zusammenfassen. Sind
alle Argumente drauf? Schaut mal bitte nach! Hier ist der Link…“
Sinn und Zweck ist es, die Diskussion aus den sozialen Medien, die Sie nicht
kontrollieren können, wenigstens in Teilen auf Ihr eigenes „digitales Grundstück“ zu lenken
und so die öffentliche Aufmerksamkeit in den sozialen Medien zu reduzieren.
Selbstverständlich muss die Kommentarfunktion der neu angelegten Seite aktiviert sein. So
kann es gelingen, insbesondere die Mitläufer von öffentlich sichtbaren Kanälen auf die für
die Öffentlichkeit quasi unsichtbare Blog-Seite zu schleusen.
Der Shitstorm läuft sich auf diese Weise viel früher als normal tot, weil irgendwann
einfach die nötige kritische Masse unterschritten wird. Natürlich aktualisieren Sie die Seite
so lange um weitere Fakten, bis der Shitstorm vorbei ist.
Twitter bietet eine besondere Möglichkeit, die öffentliche in eine private Diskussion zu
transformieren. Dazu fügen Sie einen speziell formatierten Link in einen Tweet ein, den

129
Twitter dann automatisch in eine einfache Handlungsaufforderung umwandelt. Mit diesem
Call-to-Action fordern Sie den Kritiker auf, Ihnen jetzt eine Direktnachricht zu senden, statt
öffentlich zu diskutieren.
So könnten Sie zum Beispiel an Ihren Widerpart twittern:
„280 Zeichen sind an dieser Stelle nicht genug – lass uns privat weitersprechen:
https://twitter.com/messages/compose?recipient_id={nummerische Nutzer-ID Ihres
Accounts}“
Die nummerische Nutzer-ID Ihres eigenen Twitter-Accounts finden Sie bei
gettwitterid.com.
7. Übernehmen Sie Verantwortung!
Wenn sich abzeichnet, dass Sie guten Grund für einen Shitstorm gegeben haben, dann
übernehmen Sie Verantwortung und stehen Sie zu Ihrem Fehler: "Wir haben offensichtlich
Mist gebaut. Das haben wir dank euch erkannt. Wir beginnen jetzt, das Problem aus der Welt
zu schaffen."
Schaffen Sie das Problem dann auch wirklich aus der Welt und berichten Sie darüber
gerne auf Ihren Social-Media-Kanälen, in Ihrem offiziellen Corporate Blog und – wenn Sie
zu den Unternehmen gehören, die sich mutig im Markt präsentieren wollen – sogar mit einer
Pressemitteilung für Offline-Medien.
Fassen Sie noch einmal ganz knapp den Verlauf des Shitstorms zusammen, bedanken
Sie sich für die konstruktive Kritik (die üblicherweise ebenfalls bei einem Shitstorm dabei ist)
und erläutern Sie, was Ihre nächsten Schritte sind. Das bringt Ihnen Anerkennung bei denen,
die den Shitstorm als Mitläufer oder Beobachter miterlebt haben. Nur nicht bei den
Provokateuren. Denn die wollten ja eigentlich einen nervenzehrenden Shitstorm haben.
22.06.2018, FOCUS-Online-Experte Gero Pflüger
https://www.focus.de/digital/experten/shitstorm-bedeutung-und-richtige-reaktion-gegen-hetze-in-
social-media_id_9141832.html

Aufgaben zum Artikel

Aufgabe 1. Übersetzen Sie die folgenden Wörter und Wortverbindungen in Ihre


Muttersprache. Geben Sie damit die Sätze (möglichst verkürzt) aus dem Text an.

1. die Entrüstung
2. auf etw. Akk. übergreifen
3. über jmdn. Akk. hereinbrechen
4. mit etw. einhergehen
5. mit negativen Emotionen aufgeladene Beiträge
6. es hagelt etw. Akk.
7. die Stichelei
8. strafbar
9. sich ankündigen
10.über jmdn. Akk. herfallen
11.Kommentare tauchen unter einem Beitrag auf
12.in schneller Folge
13.auf etw. Akk. (jmds. Bemühungen) eingehen
14.die Leichen in seinem Keller kennen
130
15.aus dem Nichts kommen
16.der Meinungsführer
17.der Mitbewerber
18.Suchbegriffe abspeichern/ aufrufen
19.jmdn./ sich Akk. rechtfertigen
20.das Kind beim Namen nennen
21.den Missstand beheben
22.(irgendwie) ausfallen
23.der Hardliner
24.der Shitstormer
25.der Shitstorm-Mitläufer
26.die Navigationsleiste

27.Reiter, der
28.eine Seite einrichten/ anlegen
29.die Kommentarfunktion aktivieren
30.eine Seite um weitere Fakten aktualisieren
31.der Widerpart
32.sich abzeichnen
33.Mist gebaut haben
34.ein Problem aus der Welt schaffen

Aufgabe 2. Erarbeiten Sie 10 inhaltlich wichtige Fragen zum Artikel „Raus aus dem
Shitstorm: 7 goldene Tipps gegen Netzhetze“. Lassen Sie Ihre GesprächspartnerIn die im
Unterricht beantworten bzw. beantworten Sie die Fragen der GesprächspartnerIn.

Aufgabe 3. Stellen Sie sich vor: Sie wollen Ihre Schüler über den Shitstorm im Internet
informieren und sie davor warnen und schützen. Bereiten Sie aus diesem Anlass einen
Vortrag und präsentieren Sie ihn.
Internet-Trolle

Aufgabe 4. Haben Sie etwas über Internet-Trolle gehört? Was wissen Sie darüber?
Lesen Sie einen Artikel über Internet-Trolle. Erfüllen Sie danach die Aufgaben dazu.

Internet-Trolle: Provokation statt Netiquette


Waren sie einst nur im Märchen anzutreffen,
machen sie heute digitale Medien unsicher:
Trolle. Die grobschlächtig-boshaften Wesen sind
der Sagenwelt entstiegen und treiben sich nun als
Einzelgänger oder hordenweise in sozialen
Netzwerken herum. Doch woran erkennt man
Blog- oder Foren-Trolle? Und wie soll man ihnen

131
entgegentreten? wissen.de-Autorin Monika Wittmann folgte den Trollspuren im Netz und
fragte nach Strategien im Umgang mit digitalen Unruhestiftern.
Als die Väter des Internet innerhalb der Internet Society die technischen Standards
ausarbeiteten, machten sie sich auch Gedanken über die Umgangsformen in dem neuen
weltumspannenden Kommunikationsmedium. Die rund 20 Jahre alte legendäre Grundregel
der Netiquette lautet: „Vergiss niemals, dass auf der anderen Seite ein Mensch sitzt.“
Ein Mensch? Ein Troll ist eine Erfindung, eine Kunstfigur. Ein Gedankenaustausch
interessiert ihn nicht wirklich. Trolle wollen ärgern, foppen, sehen, wer ihnen auf den Leim
geht. Raubten ihre mythologischen Namensvettern früher Menschenkinder und tauschten
diese gegen Abkömmlinge ihres eigenen Blutes aus – sogenannte Wechselbälger – reißen
Trolle heute mit Vorliebe das Gespräch in Foren oder Chats an sich.
In der englischen Fischersprache bedeutet „trolling“ Schleppangeln. Ähnlich wie ein
Fischer einen Wurm an die Angel hängt, werfen Trolle ihre Beiträge als Köder unter eine
Gruppe. Und freuen sich, wenn ihnen ein ganzer Schwarm von Leichtgläubigen ins Netz
geht. Dabei gehen sie meist wesentlich raffinierter zu Werk als eine andere ungeliebte
Spezies aus der virtuellen Welt: die Flamer. Während diese in erster Linie beleidigen, unter
der Gürtellinie treffen wollen, haben Trolle ihren Spaß am subtileren Spiel mit
der Provokation.
„Einfach mal in einen Beitrag über Gleichberechtigung reingehen und dort „Und wer
macht dann die Küche sauber und schmiert Sandwiches?“ posten und sich über die
Kommentare von aufgebrachten Feministinnen amüsieren“, bringt ein Leserkommentar in
der Westdeutschen Zeitung das Grundprinzip der Troll-Kultur auf den Punkt. Feministische
Gruppen und andere, die sich leidenschaftlich für ihre Interessen engagieren, geraten
aufgrund ihrer emotionalen Angreifbarkeit besonders oft ins Visier von Trollangriffen.
„Don't feed the troll!“
Was dagegen tun? Am besten gar nichts, lautet der landläufige Ratschlag. Ignorieren
und hoffen, dass der virtuelle Unruhestifter bald Ruhe gibt. „Don't feed the troll!“ Der Satz,
in einer virtuellen Debatte fallengelassen, bedeutet zweierlei: Zum einen – ein Teilnehmer
wurde als Troll enttarnt. Zum anderen ist es ein Appell, sich nicht ablenken zu lassen:
Freunde, vergesst den Störenfried und lasst uns bei der Sache bleiben!
Dass das Aussitzen einer Trollkrise Sinn macht, ist mittlerweile auch wissenschaftlich
erwiesen. Die Sprachwissenschaftlerin Claire Hardaker von der britischen University of
Central Lancashire nahm über 170 Millionen Wörter aus einem Online-Forum für
Pferdefreunde unter die Lupe. Fazit der Studie: Ernsthafte Antworten auf ihre falschen
Diskussionsanstöße machen für Trolle die Sache richtig prickelnd. Bleiben die Reaktionen
aus, verlieren die ungebetenen Gäste schneller die Lust an dem einseitigen Spiel.
Spiel mit Sockenpuppen
Diese Taktik, sie auszubremsen, kennen die Trolle allerdings auch. Deshalb haben die
Nervensägen aus Leidenschaft einen Trick entwickelt, sich wieder ins Gespräch zu bringen.
Häufig bauen sie sich Sockenpuppen, also weitere Benutzerkonten. Per Fake-Account geben
sie selbst ihrem ersten Ich Kontra, wenn die anderen Gäste es partout nicht beachten wollen.
Häufig haben sie damit Erfolg, die geschlossene Front des Schweigens wieder aufzuweichen.
Oder sie blockieren den Austausch durch pure Masse ihrer Wortmeldungen.
Negative Aufmerksamkeit

132
Doch was bringt's den Störenfrieden? Was treibt sie dazu, sich als Wolf im Schafspelz
in eine Gruppe von Menschen einzuschleichen und dort nach allen Regeln ihrer Kunst
Unruhe zu stiften?
Pädagogen kennen dieses Phänomen schon lange. Sie nennen es „negative
Aufmerksamkeit“. Kinder, die sich ungeliebt oder wenig beachtet fühlen, versuchen häufig
in einem verzweifelten Kraftakt, das Interesse ihrer Umwelt auf sich zu ziehen. Wenn nicht
in Form von Lob und Liebe, dann eben per Tadel für ungezogenes Benehmen. Alles besser
als nichts.
Wenn sich Kinder absichtlich daneben benehmen, hilft es meist schon, sich mehr Zeit
für sie zu nehmen. Mit ihnen zu sprechen, zu spielen. Ihnen das Gefühl zu geben: Du bist
richtig so wie du bist. Könnte dies auch ein Weg sein, mit ausgewachsenen Rüpeln
umzugehen? Die Piratenpartei hat sich in ihrem Wiki-Eintrag über Trolle mit dieser Frage
befasst. Und gelangt für reale offline-Treffen zu dem Schluss:
„Es kann aus psychologischer Sicht in der politischen Arbeit wichtig sein, Trolle zu
integrieren. Denn sie können eine Message haben, einen Erfahrungsschatz bzw. einen
persönlichen Hintergrund, der von der bisherigen Mehrheitsgesellschaft unterdrückt /
diskriminiert / marginalisiert wird. Müssen sie aber nicht. Es kann ebenso gut sein, dass ein
Troll nicht aus inhaltlichen, sondern rein aus persönlichen oder machtpolitischen Gründen
trollt.“
Im World Wide Web dürfte es schwer sein, die Spreu vom Weizen zu trennen – also die
eine Sorte Troll von der anderen zu unterscheiden. Deshalb vertreten auch die Piraten den
Grundsatz, jeglichen Trollen in der Netzwelt „kein Futter in Form von negativen
Emotionen“ zu liefern.
Trollen und trollen lassen
Nach einer Studie der US-amerikanischen Northwestern University können sich
Internet-Trolle an der anonymen Kommunikationssituation nämlich ähnlich berauschen wie
am Genuss von Alkohol. Ein Gegenmittel, um die enthemmten User wieder zur Besinnung
zu bringen, ist nach dem Psychologen Dr. Darryl Cross die Erinnerung an deren Alltags-Ich.
Zum Beispiel durch die Frage: Was würde dein Großvater oder deine Großmutter zu dem
sagen, was du da gerade schreibst?
Einen anderen Weg ging Blogger und Buchautor Sascha Lobo. Er drehte den Spieß
einfach um. Nach einer Reihe von Verbalattacken bot er einem Troll die Zusammenarbeit an.
Er habe den Vertrag zu einem Buch „Die Poesie der Beschimpfung“ inklusive 50.000 €
Vorauszahlung bereits in der Tasche und benötige nun dessen Koautorschaft. Der Troll
zeigte sich flugs gezähmt und bereit in das Projekt einzusteigen. Zuletzt hatte Lobo die
Lacher auf seiner Seite.
Vielleicht kann sich das ja als zweite goldene Regel im Umgang mit Trollen erweisen:
Locker bleiben, ihr Spiel nach eigenen Regeln weiterspielen und ihnen am Ende eine lange
Nase drehen - LOL!
Der Kommunikationsdesigner Stefan Krappitz, der seine Diplomarbeit zum Thema
„Troll Culture“ verfasste, sieht jedenfalls kreatives Potential in den aufmüpfigen
Mediennutzern: „Trolle wollen Spielregeln brechen und Erwartungen unterwandern. Deshalb
kann man das Trollen durchaus als ein Mittel des künstlerischen Ausdrucks
verstehen.“ Ähnlich wie das Meme des breit grinsenden Trollgesichts, das trotz – oder

133
gerade wegen – seiner Hässlichkeit den virtuellen Raum erobert hat. Als Ausdruck von
Schadenfreude, dass mal wieder jemand veräppelt – oder neudeutsch: getrollt – wurde.
von wissen.de-Autorin Monika Wittmann, November 2012

Aufgaben zum Artikel

Aufgabe 1. Übersetzen Sie die folgenden Wörter und Wortverbindungen in Ihre


Muttersprache. Führen Sie damit die Sätze (auf ein Minimum verkürzt) aus dem Text an.

1) Troll, der (alles über das Wort: https://www.owid.de/artikel/404293)


2) trollen
3) sich in sozialen Netzwerken herumtreiben
4) Unruhestifter, der → Unruhe stiften
5) jmdm. Dat. entgegentreten
6) jmdn. Akk. foppen
7) jmdm. Dat. auf den Leim gehen
8) das Gespräch an sich reißen
9) jmdm. Dat. ins Netz gehen
10) Flamer, der
11) unter der Gürtellinie treffen
12) subtil
13) aufgebracht sein → jmdn. Akk. aufbringen
14) etw. auf den Punkt bringen
15) ins Visier von jmdm. geraten
16) jmdn. als etw. etntarnen
17) etw. Akk. aussitzen
18) prickelnd
19) ausbleiben
20) sich ins Gespräch bringen
21) Benutzerkonto, das = Account, der/ selten: das (alles über das Wort:
https://www.owid.de/artikel/403722)
22) Fake-Account, der/ das
23) partout [parˈtuː]
24) Wortmeldung, die
25) Störenfried, der
26) sich in etw. Akk. einschleichen
27) das Interesse auf sich ziehen
28) Rüpel, der
29) ausgewachsen sein
30) eine Message haben
31) etw. Akk. marginalisieren
32) die Spreu vom Weizen trennen
33) sich an etw. Dat. berauschen
34) die Lacher auf seiner Seite haben
35) jmdm. eine lange Nase drehen

134
36) aufmüpfig
37) Erwartungen unterwandern
38) Meme, das (alles über das Wort: https://www.owid.de/artikel/407571)
39) jmdn. Akk. veräppeln

Aufgabe 2. Erarbeiten Sie in Paaren 7 Fragen zum Artikel. Tauschen Sie die
GesprächspartnerIn und lassen Sie sie die Fragen beantworten bzw. beantworten Sie selbst
die Fragen der GesprächspartnerIn.

Fake News5

Aufgabe 3. Schauen Sie sich das Video „Wie gefährlich sind Fake News“ an. Erfüllen
Sie die Aufgaben dazu.
Aufgabe 4. Schauen Sie sich eine Nachricht vom Januar 2017 „Kampf gegen Fake
News“ an. Fassen Sie die Informationen zusammen.
Aufgabe 5. Lesen Sie den folgenden Text. Was erfahren Sie mehr über die Macht von
Fake News?
Fake News: Die Macht der erfundenen Nachrichten

Verdrehte Welt: Seit dem Wahlsieg Donald Trumps wird viel über gefälschte
Nachrichten diskutiert. Doch das Phänomen Fake News ist mitnichten so jung wie die
letzte US-Wahl. Schon Napoleon wurde angeblich Opfer dreister Meinungsmacher.
Heute sind Fake News jedoch viel mächtiger als im 18. und 19. Jahrhundert: Über die
sozialen Medien verbreiten sie sich schneller und weiter als jemals zuvor - immer öfter
sogar ganz ohne menschliche Hilfe.
Seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten herrscht viel Aufregung um
sogenannte Fake News. Denn während des Wahlkampfes kursierten im Internet immer
wieder solche gefälschten Nachrichten. Sie machten Stimmung gegen Trumps politische
Gegner und versuchten Menschen mit erfundenen Geschichten gezielt zu manipulieren.
Könnten sie womöglich der Grund für den Wahlerfolg des Unternehmers gewesen sein?
Wissenschaftler bezweifeln diese Theorie inzwischen. Die Debatte um Fake News im
Präsidentschaftswahlkampf hat dem Begriff jedoch zu einer eindrücklichen Karriere
verholfen. Im November 2016 habe der Begriff einen heftigen und plötzlichen Durchbruch
in den allgemeinen Sprachgebrauch geschafft – als Bezeichnung für eine Art von
Manipulationsabsichten und Wunschvorstellungen getriebene Propaganda.
Seitdem wird in der Öffentlichkeit intensiv über die Macht der falschen Nachrichten
diskutiert. Fake News sind aber nicht erst seit Trump ein Problem. In Deutschland machten
Vertreter sogenannter Bürgerwehren zum Beispiel bereits im Sommer 2015 mit frei
erfundenen Gerüchten über Geflüchtete Stimmung – und um noch weiter zurückzugehen:
Schon über Napoleon sollen bewusst Lügenmärchen in der Presse verbreitet worden sein.
Tatsächlich taucht der Begriff Fake News in diesem Zusammenhang zum ersten Mal
auf. In einer Abhandlung über die Rolle und Qualität von Lokalzeitungen in den USA stellt
die Autorin im Jahr 1894 fest: Außer den Wunschvorstellungen von Napoleons Gegnern

5
Erfahren Sie mehr über das Wort unter https://www.owid.de/artikel/407464.
135
gebe es keine Belege für die damals in der Zeitung beschriebenen Ereignisse. Sie fragt
deshalb rhetorisch: „Or was it fake news?“
Nicht neu – aber anders
Gefälschte Nachrichten sind demnach kein neues Phänomen. Allerdings haben sie in
der jüngeren Vergangenheit eine neue Dynamik entwickelt. Vor allem dank der sozialen
Medien kann heutzutage im Prinzip jeder Fake News veröffentlichen und ein Publikum dafür
finden. Der Weg absichtlich lancierter Falschmeldungen in die Öffentlichkeit führt nun nicht
mehr zwangsläufig über Journalisten.
Außerdem verbreiten sich die gefälschten Meldungen über Facebook, Twitter & Co so
schnell und so weit wie nie zuvor. Ein Beispiel: Allein die Nachricht, der Papst unterstütze
Donald Trump, wurde innerhalb kürzester Zeit 960.000 Mal auf Facebook geteilt.
Automatisierte Meinungsmache
Für politische Kommunikationsberater und
Aktivisten sind Fake News daher ein verführerisches
Mittel, um ihre Interessen durchzusetzen. Das
funktioniert auch deshalb so gut, weil professionell
gemachte Falschmeldungen oft schwer von
„echten“ zu unterscheiden sind. Hinzu kommt: Man
muss die Lügenarbeit noch nicht einmal von
Menschen leisten lassen. Denn die Meinungsmache
Die Digitaliserung macht's möglich: funktioniert sogar automatisiert – und wird dadurch
Die Meinungsmache lässt sich besonders effizient.
inzwischen weitgehend automatisieren. Das klappt mit sogenannten Bots. Diese
Softwareroboter kreieren künstliche Identitäten in den
Sozialen Medien und arbeiten inzwischen so raffiniert, dass sie selbständig tweeten und
retweeten, Inhalte teilen und kommentieren können. Auf diese Weise täuschen sie zum
Beispiel Zustimmung oder Ablehnung von bestimmten politischen Meinungen vor. Sich
solche Bots zunutze zu machen ist sogar für einzelne Privatpersonen ein Kinderspiel, sagen
Experten.
Einflussreiche Wahlentscheider?
Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel warnt inzwischen offen vor diesen
„Meinungsverstärkern“. Sie forderte angesichts der bevorstehenden Bundestagswahl vor
kurzem bei einer Rede im Bundestag eine Debatte darüber, dass „Fake-Seiten und Bots
Meinungsbildung verfälschen können“. Doch wie groß ist der Einfluss gefälschter
Nachrichten wirklich?
Klar scheint: Fake News und Bots sind in der Lage, Diskussionen in den sozialen
Medien zu beeinflussen, Themen zu setzen und Debatten weiter zu polarisieren. Damit haben
sie theoretisch auch das Potenzial, Meinungen zu manipulieren. Manche Fachleute sagen
aber auch: Menschen glauben nur Dinge, die ohnehin in ihr Weltbild passen. Im Wahlkampf
könnten Fake News demnach zwar Meinungen verstärken – aber keine Wähler umstimmen.
Fake wird mit der Zeit zu Fakt
Gleichzeitig offenbaren Studien jedoch: Je öfter Rezipienten einer gefälschten
Nachricht ausgesetzt werden, desto glaubhafter und plausibler kommt sie ihnen nach einiger
Zeit vor – und zwar auch dann, wenn sie die Nachricht ursprünglich sogar als Fake News

136
enttarnt und für unwahr gehalten hatten. Wissenschaftler nennen dieses bereits seit den
1950er Jahren bekannte Phänomen den Sleeper-Effekt.
Demnach erinnern sich Menschen nach gewisser Zeit noch an den Inhalt einer
Botschaft, haben die Quelle aber vergessen. Sie schreiben der Falschinformationen deshalb
nach zeitlicher Verzögerung eine seriöse Quelle zu. Dieses Beispiel zeigt: Völlig immun
gegen Fake News ist wohl niemand.
06.02.2017, http://www.wissen.de/fake-news-die-macht-der-erfundenen-nachrichten

Aufgabe 6. Übersetzen Sie die folgenden Wörter und Wortverbindungen in Ihre


Muttersprache. Führen Sie damit Sätze (auf ein Minimum verkürzt) aus dem Text an.

1) etw. Dat/ jmdm. zu etwas verhelfen


2) lancieren
3) Meinungsmache, die
4) Bot, der
5) kreieren
6) retweeten (alles über das Wort: https://www.owid.de/artikel/404004)
7) etw. Akk. vortäuschen
8) sich Dat. etw. Akk. zunutze machen
9) jmdn. Akk. umstimmen
10) etw. Dat. ausgesetzt werden

Aufgabe 7. Fassen Sie die Informationen des Artikels über Fake News zusammen.

Aufgabe 8. a) Erarbeiten Sie ein paar Vorschläge, wie man Lügen im Netz erkennen
und sich dagegen verteidigen kann;
b) Machen Sie sich mit 7 solchen Regeln bekannt und vergleichen Sie die mit Ihren
Vorschlägen.
Wie Sie der Manipulationsfalle entgehen

Wer in den sozialen Medien aktiv ist, muss mit Desinformation rechnen. Diese
sieben Regeln helfen Ihnen, sich gegen Lügen und Kampagnen zu verteidigen.
1. Auswahl der Informationsquellen
Suchen Sie sich Ihre Nachrichten, zweifeln Sie an Nachrichten, von denen Sie gefunden
werden. Meldungen, die den Usern in Web-Gruppen von angeblichen Freunden und
Followern zugetragen werden, müssen zunächst einmal als nicht vertrauenswürdig gelten.
Fragen Sie sich, woher diese Meldung stammen könnte. Wer könnte von ihr profitieren?
Wem schadet sie?
2. Andere Medien als Kontrolle
Sensationsmeldungen und Gerüchte unbedingt abklären: Wird die Nachricht von
anderen Medien übernommen? Wird sie dort dementiert? Seriöse Medien sind im Netz nur
einen Klick entfernt. Glauben Sie nicht das verächtliche Gerede über Mainstream-Medien.
3. Andere Meinungen zulassen

137
Wer die Wahrheit sucht, muss immer auch die Gegenstimme zulassen. Nur wer die
andere Seite hört, kann sich eine eigene Meinung und Überzeugung bilden. Social-Media-
Gruppen, die andere Meinungen mit Ausgrenzung und Anfeindungen bestrafen, sind
unbedingt zu meiden.
4. Ruhig bleiben
Manipulation im Netz funktioniert über Gruppen: Gleichgesinnte sollen gleich
reagieren. Sie sollen den gleichen Humor, die gleichen Feinde, die gleichen Gefühle haben.
Insbesondere sollen sie die gleiche Wut empfinden. Wut verleitet zum Kommentieren. Weil
Facebook Beiträge pusht, die häufig kommentiert werden, gilt Wut als idealer Verstärker von
polarisierenden Botschaften. Dieses Spiel sollten Sie nicht mitmachen.
5. Vorsicht bei Humor
Kampagnen richten sich im Netz häufig gegen bestimmte Personen. Man macht sich
gern über Zitate oder Verhaltensweisen lustig. Das wirkt zunächst harmlos, doch wenn wir
über andere Menschen lachen, ist damit oft ein negatives Urteil verbunden: Wir finden sie
lächerlich. Wenn drei oder vier Menschen jemanden lächerlich finden, ist das womöglich
keine große Sache. Im Netz aber finden Hunderte, Tausende oder gar Millionen Menschen
eine bestimmte Person lächerlich. Das ist nicht weniger als ein massiver Angriff auf die
Würde und Integrität. Und als solcher wurde er auch von den Urhebern der jeweiligen
humorvollen Botschaft geplant.
6. Kontakt zur Welt halten
Millionen Menschen verbringen täglich Stunden im Netz. Ihre sozialen Kontakte
reduzieren sich auf Chats, Likes und Klicks. Das verengt die Weltsicht, macht einsam und
anfällig für einfache Wahrheiten und radikale Ansichten. Erden Sie sich! Gehen Sie raus,
führen Sie wirkliche Gespräche. Sie werden sehen: Auch das Leben im Analog-Modus kann
aufregend und lehrreich sein.
7. Lieber zögern als teilen
Sämtliche Lügen, Manipulationen und Falschinformationen im Netz wollen nur eines:
sich verbreiten. Sie brauchen dafür ein Publikum, das sie teilt. Was die Manipulateure
überhaupt nicht wollen: ein Publikum, das zögert, zweifelt und nachdenkt. Deshalb sollten
Sie als Nutzer sozialer Medien genau das tun: zögern, zweifeln, nachdenken. Wer eine Lüge
teilt, trägt zu ihrer Verbreitung bei. Er macht sie glaubwürdiger und erfolgreicher. Wer eine
zweifelhafte Nachricht teilt, mindert die Zweifel an ihr. Teilen bedeutet Aufmerksamkeit
herstellen. Aufmerksamkeit ist die universale Währung im Netz. Gehen Sie mit dieser
Währung verantwortungsvoll um.
https://www.focus.de, 16.22.2019

Aufgabe 9. Stellen Sie sich vor: Sie sind Klassenleiterin und wollen Ihre Schüler vor
Lügen im Internet schützen. Informieren Sie sie über diese 7 Regeln!

Aufgabe 10. Schauen Sie sich ein kurzes Video über Sozial Bots an und erfüllen Sie
die Aufgaben dazu.

138
Aufgabe 11. Sehen Sie sich eine Nachricht vom Januar 2017 „Faktenfinder“ an
über die Lösung, die in Deutschland gegen Fake-News gefunden wurde. Fassen Sie die
Informationen zusammen.

Aufgabe 12. Berichten Sie bitte über Fake News. Nutzen Sie dabei die Informationen
des Artikels, der Videofilme sowie andere Quellen nach Ihrem Wunsch. Achten Sie dabei
auf den logischen Aufbau des Berichts.

Cookies

Aufgabe 1. Haben Sie etwas über Cookies gehört? Was ist das?
Aufgabe 2. Lesen einen kurzen Text über Cookies.

So gut wie jeder Deutsche ist regelmäßig im Internet unterwegs. Dabei ruft er jedoch
nicht nur Daten ab, sondern hinterlässt auch welche. Diese Informationen sind vor allem für
Unternehmen und Webseitenbetreiber interessant. Dadurch können sie erfahren, wann der
Besuch war, welcher Browser benutzt wurde und welche anderen Web-Seiten aufgerufen
wurden. So können die Anbieter mehr über das Verhalten und die Interessen ihrer Nutzer
erfahren und Werbung gezielt darauf abstimmen können.
Wenn Cookies heute in Kritik geraten, wurden sie am Anfang als Einkaufshilfe gedacht.
Sie wurden erfunden, um eine Schwachstelle beim Surfen im Internet zu beheben. Der
Browser des Internetnutzers, wie Firefox oder Internet-Explorer, und der Webserver der
aufgerufenen Internetseite kommunizieren über das HTTP-Protokoll. Wenn ein
Internetnutzer mehrere Seiten ein und desselben Webauftritts geöffnet hat, ist es für den
Webserver jedes Mal ein neuer Nutzer. Beim Online-Shopping würde das bedeuten, mit
jedem neuen Seitenaufruf des Onlineshops wäre der Warenkorb wieder leer. Ein
Onlineeinkauf wäre nicht möglich. Damit der Webserver auch über mehrere Seitenaufrufe
hinweg die Informationen speichern und den Nutzer eindeutig zuordnen kann, wurden
Cookies entwickelt. Diese kleinen Textdateien stammen von der besuchten Webseite und
werden im Browser des Nutzers gespeichert. Diese Datei funktioniert wie eine Art Ausweis.
Bei jedem weiteren Seitenaufruf sendet der Browser das Cookie wieder zurück an den
Webserver. Der Webserver weiß dann, dass es sich um denselben Nutzer handelt. Schuhe,
Jacken und Spielzeug landen auch über mehrere geöffnete Internetseiten im gleichen
Warenkorb. In Kritik geraten sind Cookies, weil sie auch von Werbefimen und anderen
Drittanbietern genutzt werden, um personalisierte Werbung zu platzieren. Experten raten
allerdings davon ab, generell alle Cookies abzulehnen. Wichtige Funktionen von Webseiten
hängen davon ab, dass Cookies gespeichert werden können. Ohne diesen Cookie ist der
Browser, wie oben schon beschrieben, ziemlich vergesslich. Zwei Tipps: Von Zeit zu Zeit
die im Browser gespeicherten Cookies löschen. Außerdem kann der Nutzer in den
Einstellungen des Browsers die Cookies von Drittanbietern blockieren.

Aufgaben zum Text

139
Aufgabe 1. Übersetzen Sie die folgenden Wörter und Wortverbindungen in Ihre
Muttersprache. Führen Sie damit die Sätze (auf ein Minimum verkürzt) aus dem Text an.

1) Cookie, der/das (alles über das Wort: https://www.owid.de/artikel/308798)


2) im Internet unterwegs sein
3) Daten abrufen
4) Daten hinterlassen
5) Webseitenbetreiber, der
6) eine Web-Seite aufrufen → Seitenaufruf, der
7) Anbieter, der
8) etw. Akk. auf etw. Akk. abstimmen
9) der Browser [ˈbra z ] (Aussprache: https://www.duden.de/rechtschreibung/Browser)
10) Webauftritt, der
11) Warenkorb, der
12) den Nutzer zuordnen

Aufgabe 2. Sehen Sie sich nun das Schaubild unten an. Was erfahren Sie mehr aus
dem Schaubild?

140
Aufgabe 3. Berichten Sie über Cookies: Was ist das? Die Vorteile und Nachteile
davon? Ihre eigene Einstellung in dieser Frage?

Aufgabe 4. Ein mit dem obigen Thema verwandtes Phänomen sind Filterblasen.
Schauen Sie sich ein Video darüber an. Was erfahren Sie über Filterblasen? Berichten Sie.

Filterblasen

Aufgabe 5. Lesen Sie einen Zeitungsartikel über Filterblasen.

Filterblasen manipulieren Ihre Meinung

Durch manipulierte Suchergebnisse haben Unternehmen wie Google und


Facebook das Potential Wahlen zu entscheiden.
In der Netzwelt lebt es sich eintönig: Wir umgeben uns mit Gleichgesinnten, deren
immer gleiche Meinung wir teilen. Gerade in politisch polarisierten Zeiten werden wir
dadurch zur digitalen Manipuliermasse.
Schon 2004 warnte Cass Sunstein, Jura-Professor an der Universität Harvard, vor den
Echokammern des Internets: In der digitalen Umgebung, so Sunstein, hallten auf Plattformen
und Netzwerken lediglich unsere eigenen Präferenzen und Überzeugungen wider. Ein paar
Jahre später mahnte der Internetaktivist Eli Pariser, die Algorithmen der größten IT-Firmen
errechneten uns sogar Filterblasen, die die wahre Vielfalt an Meinungen im Netz – und der
Realität – vor unserem eigenen Bildschirm fernhalten.
Der Effekt mag zunächst eine menschliche Tendenz widerspiegeln: Auch in der
analogen Welt umgeben wir uns am liebsten mit Gleichgesinnten. Doch je öfter
Suchmaschinen für uns vorab Treffer gewichten und soziale Medien zur ersten
Informationsquelle werden, umso schneller wächst dieser Echoeffekt zum digitalen
Tunnelblick heran.
Und die Forschung zeigt: Auf den Onlineplattformen können inzwischen Ansichten
stärker beeinflusst und Unentschlossene überzeugt werden als je zuvor. Das macht die
virtuelle Verstärkung von gedanklicher Isolation so gefährlich. Ganz besonders in Zeiten der
politischen Polarisierung und des radikalen Extremismus, in denen wir gerade leben.
Im Internet sind nur Nutzer mit gleicher Einstellung vernetzt
In der Netzwelt lebt es sich meist eintönig. In einer Studie mit italienischen und
amerikanischen Facebook-Nutzern zeigte sich, dass diese nur ihre präferierte Version über
kontroverse Themen teilten. Nutzer unterschiedlicher Gesinnungen waren kaum mit
andersdenkenden Netzbewohnern vernetzt.
Eingeschleuste Fehlinformationen wurden zudem als glaubwürdig angenommen,
solange sie die eigene Überzeugung bekräftigen. Die Ergebnisse decken sich mit der
Erkenntnis aus der Sozialpsychologie: Wir glauben eher, ja suchen sogar nach Informationen,
die unsere eigene Weltanschauung bestätigen.
Suchmaschinen können Wahlpräferenzen beeinflussen
Aber warum ist dieser Effekt im Netz besonders besorgniserregend? Weil gerade in
politisch radikalisierten Zeiten, in denen der Ausgang von Wahlen zugleich unsicher
geworden ist wie kaum jemals zuvor, dieser Netz-Silo-Effekt wahlentscheidend sein kann –

141
und das nicht nur in den USA. Zwei Forscher am Amerikanischen Institut für
Verhaltensforschung und Technologie belegten etwa, dass verzerrte
Suchmaschinenergebnisse die Wahlpräferenzen von Probanden deutlich beeinflussen
konnten.
Die Studie machte sich unser gängiges Verhalten zunutze, wonach rund 90 Prozent
unserer Klicks auf die Top Ten der Suchergebnisse entfallen. Die ersten zwei Treffer
erhalten sogar rund 50 Prozent der Klicks. Hoch eingestufte Links erhalten also
überproportional mehr Aufmerksamkeit. Durch eine favorisierende Auflistung von
Nachrichten über verschiedene Wahlkandidaten – positive Informationen erschienen weiter
oben – konnte das Team den Anteil der Befürworter eines Kandidaten bei verschiedenen
Experimenten zu Wahlen von Australien über Indien bis in die USA um 20 Prozent
vergrößern. In einigen Zielgruppen war es sogar deutlich mehr.
Wer kontrolliert die Techkonzerne?
Dass Suchmaschinen tatsächlich schmeichelnde Meldungen über bestimmte
Parteirepräsentanten bevorzugt anzeigen, ist damit nicht gezeigt. Die Forscher aber schätzen,
dass alleine Google mit seinem monopolistischen Anteil am Suchmaschinenmarkt das
Potenzial hätte, durch verzerrte Link-Rankings 25 Prozent der nationalen Wahlen weltweit
zu beeinflussen. Die Techkonzerne haben eine extreme Macht gewonnen. Sie beteuern, sie
nicht auszuspielen.
Aber wer kontrolliert das eigentlich? Facebook gelang es 2012, mit virtuellen Wahl-
Stickern, die aufpoppten, wenn Freunde aus dem eigenen Netzwerk wählen gingen, dass bis
zu 340.000 User, die eigentlich nicht vorgehabt hatten, wählen zu gehen, doch ihr Kreuz
setzten. Auch im aktuellen Wahlkampf trommeln soziale Netzwerke und Toptechnologen
mit neuen Tools gerade bei Jugendlichen, wählen zu gehen – indirekt womöglich eine
Hilfestellung für Hillary Clinton, für die diese Wählerschicht entscheidend sein könnte.
Gerade in einer Zeit, in der Gesellschaften gespalten sind, sind ruhiger Dialog und
gründlich belegte Fakten gefragt. Ideologische Silos, die zur Digitalschleuder von
Fehlinformation mutieren, verstärken dagegen extreme, ja extremistische Meinungsmache.
In der Netzwelt könnte statt politischer Lösungsfindung bald der digitale Schreikampf siegen.
Denn das virtuelle Echo brüllt noch lauter als man selbst zurück.

Léa Steinacker; WiWo, 23. Oktober 2016

Aufgabe 1. Stellen Sie sich vor: Sie arbeiten als LehrerIn in der Oberstufe. Ihre
Zehntklässler haben Sie gefragt, was Filterblasen sind. Sie wollen sie nun ausführlich
darüber informieren, denn das ist für junge Menschen sehr wichtig. Bereiten Sie einen
Kurzvortrag darüber und halten Sie ihn. Sie können ihn natürlich auch anschaulich gestalten.

ONLINE-SHOPPING

Aufgabe 1. Welche Informationen können Sie den folgenden Grafiken entnehmen?


Berichten Sie bitte!

142
Aufgabe 2. Lesen Sie den folgenden Artikel.

Das Phänomen Online-Welt: Vor- und Nachteile


Die Online-Welt ist heutzutage kein Paralleluniversum mehr, sondern gelebte
Wirklichkeit. Online wird das passende Auto oder die Wohnung gesucht, das Mobiliar wird
ebenfalls online geshoppt, die günstigste Handwerkerleistung wird online ersteigert und auch
die neue Liebe wird im Netz gesucht (oder über einen Online-Vermittlungsdienst
kennengelernt). Die Welt tickt online – doch warum? Und ist wirklich alles so phänomenal
in dieser Online-Welt oder gibt es auch Nachteile?
Diese Argumente sprechen für die Online-Welt
1. Die Online-Welt kommt dem Wunsch nach Flexibilität und Freiheit nach.
In der Online-Welt gibt es alles und zwar immer und im Zuge der stärkeren
Fokussierung auf mobile Angebote auch wahrlich überall. Das heißt, dass das Internet nicht
mehr als abendliche Freizeitbeschäftigung anzusehen ist – frei nach dem Motto „der Laden
hat zu, dann shoppe ich eben online“ – sondern als allzeit bereites Medium der

143
Konsumgesellschaft fungiert. Und das kommt an. Hier haben sich die Menschen bereits
freigesagt von Öffnungszeiten oder Firmenstandorten.
2. Die Online-Welt ermöglicht einen Preis-Leistungsvergleich
Mit dem größer werdenden Stellenwert des Online-Shoppings treten auch immer mehr
Vergleichsportale auf, die einen möglichst einfachen Preis-Leistungsvergleich für ganz
unterschiedliche Produkte möglich machen. Seriöse Preis-Leistungsportale bieten eine gute
Möglichkeit, den Markt zu sondieren und auf Sonderleistungen und etwaige Boni
aufmerksam zu werden. Diese Vergleichsinstrumente sowie auch Bewertungen von Kunden
ersetzen in der Online-Welt die Beratungsfunktion von ausgebildeten Fachberatern.
3. Die Online-Welt bietet größtmögliche Anonymität
Single-Partys sind rar geworden. Immer häufiger jedoch sieht man verliebte Paare, die
ihre Lovestory schildern, die bei einer Online-Partnervermittlungsagentur oder auf einem
Dating-Portal begonnen haben. Warum? Weil das wiederum dem Zeitgeist entspricht, online
„alles“ zu bekommen, und sich dabei nicht einmal als „suchender Single“ in der örtlichen
Disko outen zu müssen, sondern nach einer erfolgreichen Vermittlung gleich die Herzdame
oder den Herzbuben präsentieren zu können. Ein wichtiger Grund ist sicherlich auch das
riesige Angebot an Anbietern.
Diese Argumente sprechen gegen die Online-Welt

Abb. 2. Würde ausschließlich online eingekauft werden, dann könnten Einkaufsmalls


bald so ausgestorben aussehen.

1. Die Online-Welt lässt Einkaufsgelegenheiten schwinden


„Lass den Klick in deiner Stadt“ ist eine Aktion der Einzelhändler, die ihren Kunden
fast schon flehentlich zurufen: „Kauf da ein, wo Du auch lebst.“ Einen Grund für diese Art
von Kundenwerbung haben sicherlich viele, die unter dem Online-Trend zu leiden haben,
denn: Bleiben die Kunden aus den Geschäften fern, stagniert der Absatz und die Geschäfte,
die die Innenstädte und Shopping-Malls beleben, schließen. Die Folge: Verhangene
Schaufenster zeigen ein düsteres Bild und legen Zeugnis darüber ab, was durch die
zunehmende Käufer-Tendenz zum Online-Shopping in der Offline-Welt passiert – nämlich
das Aussterben von belebten Innenstädten.
2. Das Shopping-Gefühl schwindet

144
Abb. 3. Wer nicht in der Offline-Welt shoppen geht, versagt sich auch jede Menge Spaß.

Wer nicht mehr durch die Boutiquen streunen kann und die ausgelegten Waren auch
haptisch erfassen kann, verliert ein ganz essentielles Gefühl – das Shopping-Gefühl, das
einem die Position zurückgibt, selbst entscheiden zu können, was man erwerben möchte.
Auch sehen Forscher eine erhöhte Gefahr darin, durch die Möglichkeiten des Online-
Shoppings kaufsüchtig zu werden. Bereits im Jahr 2008 wurde nachgewiesen, dass ein
empirisch belegbarer, positiver Zusammenhang zwischen der Internet- und der Kaufsucht
bestehe.
3. Das soziale Leben verkümmert
In diesem Punkt scheiden sich die Geister. Während die Befürworter des Internets
anführen, dass die Online-Welt Zeit verschafft, um sich mehr um das soziale Leben zu
kümmern, sehen andere gerade im Internet die Verkümmerung des sozialen Lebens, denn
wer online shoppt, spielt oder datet, begibt sich nicht ins Café, um dort einen Kaffee zu
trinken, Freunde zu treffen oder zu flirten.
Fazit: Beratungsinteresse sinkt, aber nicht der Blick auf die eigene Meinung
Zurück in die Steinzeit und damit in einen Offline-Modus zu gehen, ist sicherlich kein
erstrebenswertes Ziel, jedoch zeichnen gerade die eingangs erwähnten Produktgruppen doch
ein deutliches Bild und das zeigt: Menschen vertrauen gerade bei technischen
Gebrauchsgütern mehr den Vergleichsoptionen im Netz. Die eigene Kauferfahrung zählt
hingegen bei Lebensmitteln noch weitaus mehr, obgleich es auch Händler am Markt gibt, die
einen Online-Service bieten.
http://www.wissen.de/das-phaenomen-online-welt

Aufgaben zum Text

Aufgabe 1. Übersetzen Sie die folgenden Wörter und Wortverbindungen in Ihre


Muttersprache. Führen Sie damit die Sätze (auf ein Minimum verkürzt) aus dem Text an.
Ersteigern

1. sich als jmd. Nom. Outen


2. das Angebot an etw. Dat.
3. der Absatz
4. stagnieren
5. durch die Boutiquen streunen
6. haptisch

145
7. erwerben
8. verkümmern
9. Shopping-Mall, die
10. daten

Aufgabe 2. a) Schauen Sie sich das Schaubild an. Was erfahren Sie daraus? Fassen Sie
kurz zusammen.

Aufgabe 3. Sehen Sie sich das Video „Eine Stadt kämpft gegen Amazon“ an und
erfüllen Sie die Aufgaben dazu.

Aufgabe 4. Schauen Sie sich 2 Videos an.


a) „Schutz beim Online-Shoppen“ https://www.bsi-fuer-
buerger.de/BSIFB/DE/DigitaleGesellschaft/EinkaufenImInternet/OnlineShoppingbeachten/O
nlineShoppingbeachten_node.html
b) „Online-Shopping: Verbraucherfalle Fake-Shops“
http://www.ardmediathek.de/tv/Mittagsmagazin/Online-Shopping-Verbraucherfalle-Fake-
S/Das-Erste/Video?bcastId=314636&documentId=39247362

Aufgabe 5. a) Einer der Vorteile beim Online-Shopping sind kostenlose


Rücksendungen. Haben Sie sich irgendwann Gedanken darüber gemacht, dass dieser Vorteil
auch eine Kehrseite hat? Lesen Sie einen Text zu diesem Thema. Erfüllen Sie danach die
Aufgaben dazu.

So verringern Sie Rücksendungen im Online-Handel


146
Rücksendungen gehören zum Alltag im Online-Handel. Doch jeder Artikel, den
Ihre Kunden zurückschicken, verursacht Kosten. Schon mit einfachen Vorkehrungen
kann man viele Retouren vermeiden.

„Benötigen Sie wirklich mehrere Größen? Bitte bedenken Sie: Jede Retoure erzeugt
Kosten und belastet die Umwelt.“ So lesen es Online-Shopper beim Versandhändler
Mirapodo, wenn sie das gleiche Paar Schuhe in zwei verschiedenen Größen in den
Warenkorb legen und damit zur (digitalen) Kasse gehen. Tatsächlich sei der häufigste Grund
für eine Retoure die Größe der Schuhe, berichtet Johannes Merkl, Leiter der Business Unit
bei Mirapodo.
Der Appell an das gute Gewissen der Konsumenten ist nur ein Mittel, das der
Versandhändler nutzt, um die Retourenquote zu senken. „Um unseren Kunden bereits vor
dem Kauf Hinweise zur Passform der Schuhe zu geben, sind für uns die Erfahrungen anderer
Kunden in Form der Bewertungen sehr wichtig“, erklärt Merkl. Außerdem bietet der Online-
Händler seinen Käufern Fotos in unterschiedlichen Ansichten sowie ausführliche
Beschreibungen.
Besonders viele Retouren bei Bekleidung
Durchschnittlich werden 16 Prozent der bestellten Waren über alle Produktbereiche
hinweg retourniert. Besonders betroffen: Online-Händler aus der Bekleidungsbranche. Sie
kennen Retourenquoten von mehr als 25 Prozent.
Julia Miosga, Bereichsleiterin Handel & Logistik beim Berliner Digitalverband Bitkom,
erklärt: „Wahlloses Bestellen im Internet ist zwar kein Massenphänomen, aber eine nicht zu
vernachlässigende Herausforderung für die Händler.“ Retouren bedeuten nicht nur einen
entgangenen Umsatz. Sie verursachen auch Personal- und Prozesskosten, etwa um die
Retoure zu prüfen und in den Lagerbestand zurückzuführen. Durchschnittlich 20 Euro
müssen Händler für jede Retoure einkalkulieren.
Die Retourenvermeidung gehen Online-Händler unterschiedlich an: Während viele auf
Tipps von der Community zu bereits gekauften Artikeln setzen oder ihre
Produktbeschreibungen mit Videos verbessern, bieten andere Beratungen via Telefon oder
Live-Chat an, damit der Kunde gleich das passende Produkt bestellt.
Neben Beratern aus Fleisch und Blut, die zu den Geschäftszeiten via Telefon oder Chat
erreichbar sind, nutzt Otto.de beispielsweise die virtuelle Beraterin Clara. Sie ist rund um die
Uhr im Einsatz. Gleichzeitig profitiert der Online-Shop von der Technik der Otto-Tochter
Blue Yonder, einem Unternehmen, das auf maschinelles Lernen spezialisiert ist.
147
Vorbeugende Strategien nutzen
Davon profitiert die Disposition des Versandhändlers, die genau das ins Lager ordert,
was auch wahrscheinlich abgesetzt wird. Mithilfe der per Computer automatisierten
Bestellentscheidungen hat es Otto geschafft, die Lieferfrist von eigenen und
Partnerprodukten auf ein bis zwei Tage zu verkürzen – ohne dafür Überhänge im Lager zu
riskieren. Die schnelle Zustellung steigert die Kundenzufriedenheit deutlich. Und das hilft,
die Retourenquote etwas zu senken.
Die meisten Maßnahmen funktionieren im Alltagsgeschäft gut. Doch was können
Online-Shops gegen sogenannte „Hochretournierer“ unternehmen, also Kunden, die fast
alles wieder zurückschicken?
Tanya Stariradeff, Rechtsexpertin bei Trusted Shops, erklärt: „Solange kein Vertrag
zustande gekommen ist, steht es dem Händler frei, Bestellungen des Kunden nicht
anzunehmen. Die Ablehnung muss auch nicht begründet werden.“ Experten sprechen hier
von Vertragsfreiheit.
„Eine weitere Möglichkeit besteht auch darin, den Kunden mit hohen Retouren keine
Werbung mehr zu schicken, ihnen nicht das gesamte Produktangebot anzubieten oder nur
bestimmte Zahlungsmittel“, erklärt Ibi-Reasearch-Chef Georg Wittmann. Kunden, die auf
Rechnung bestellen, retournieren häufiger als die mit anderen Zahlungsmitteln. Wittmann
rät Online-Händlern zu einem Belohnungssystem für Kunden, die eben nicht retournieren,
etwa in Form von portofreien Sendungen oder Bonuspunkten.
Hochaufgelöste Fotos, präzise Beschreibungen, moderne Technik, Bonuspunkte: Lohnt
sich der ganze Aufwand am Ende überhaupt? „Ja“, sagt der Ibi-Research-Experte Wittmann.
„Ein Drittel der von uns befragten Händler glaubt, dass bei einer um zehn Prozent
niedrigeren Retourenquote der Gewinn um bis zu fünf Prozent ansteigen würde.“
http://asv.faz.net/investitionleasing/retouren.php

Aufgaben zum Text

Aufgabe 1. Übersetzen Sie die folgenden Wörter und Wortverbindungen in Ihre


Muttersprache. Führen Sie damit die Sätze (auf ein Minimum verkürzt) aus dem Text an.

1. Retoure, die [reˈtuːrə] – retournieren


2. Kosten erzeugen
3. etw. Akk. in den Warenkorb legen
4. Fotos in unterschiedlichen Ansichten
5. wahllos bestellen
6. entgangener Umsatz
7. etw. Akk. in den Lagerbestand zurückführen
8. etw. Akk. einkalkulieren
9. zu den Geschäftszeiten
10. rund um die Uhr im Einsatz sein
11. etw. Akk. ins Lager ordern
12. etw. Akk. absetzen
13. Lieferfrist, die
14. etw. Akk. auf etw. Akk. verkürzen
15. Überhang, der
148
16. Zustellung, die → etw. zustellen
17. jmdm. freistehen
18. eine Bestellung annehmen
19. auf Rechnung bestellen
20. portofreie Sendung
21. hochaufgelöste Fotos

Aufgabe 2. a) Erarbeiten Sie 7 Fragen zum Text. Stellen Sie sich dabei vor, dass Sie
das als Lehrerin in einer 10. Klasse machen, um das Verständnis des Textes zu überprüfen.
b) Arbeiten Sie in Paaren. Stellen Sie diese Fragen an Ihre Gespächspartnerin/ Ihren
Gesprächspartner.

Aufgabe 3. Fassen Sie zusammen:


1) Welche weiteren Vor- bzw. Nachteile des Online-Shoppings haben Sie erfahren?
2) Welche Gefahren existieren beim Online-Kaufen?
3) Welche Tipps werden in den Videos fürs Online-Kaufen gegeben?

Aufgabe 4. Bereiten Sie sich auf die Diskussion zum Thema „Online-Shopping: Vor-
und Nachteile“ vor. Nutzen Sie dabei die Texte, die Videos und andere Quellen nach Ihrem
Wunsch. Seien Sie bereit, beide Rollen (des Befürworters und des Gegners) zu spielen.

Aufgabe 5. Bereiten Sie einen Argumentatiobsvortrag zum Thema „Online-


Shopping“ vor.
DIGITALE RISIKEN FÜR KINDER

Aufgabe 1. Haben Sie sich als künftige LehrerInnen Gedanken über digitale Risiken
für Kinder gemacht? Sehen Sie welche? Berichten Sie darüber!

Aufgabe 2. Informieren Sie sich aus der Grafik unten über die Sorgen der Eltern in
Bezug auf digitale Risiken für ihre Kinder. Fassen Sie die Informationen zusammen.

149
Aufgabe 3. Betrachten Sie das Schaubild unten. Was erfahren Sie noch über digitale
Risiken für Kinder? Fassen Sie zusammen!

150
Computerspiele im Netz

Aufgabe 4. Was halten Sie von Computerspielen im Netz?


Aufgabe 5. Lesen Sie die Kommentare aus einer Fachzeitschrift für Erziehung. Welche
Einstellung haben die Autoren zu Computerspielen im Netz? Markieren Sie positive und
negative Aspekte im Text.

I. Online-Spiel als Lebensinhalt?


Langeweile in der freien Zeit? Kein Problem: Für viele junge Menschen sind Online-
Computerspiele das Mittel der Wahl für die Freizeitgestaltung. Im Rahmen einer Studie über
Videospiele gaben 60 % der befragten 13- bis 15-Jährigen an, mehr als 30 Stunden
wöchentlich im Internet zu spielen. Doch dachte man bisher, dass es hauptsächlich
Jugendliche sind, die so ihre Freizeit verbringen, stellte sich nun heraus, dass auch immer 5
mehr über 30-Jährige stundenlang am PC sitzen und spielen. Über 30 % dieser Gruppe
verbringen sogar mehr als vier Stunden pro Tag damit, obwohl die meisten berufstätig sind.
Die Studie ergab zudem, dass auch die Anzahl weiblicher Dauerzockerinnen zunimmt.
80 % der befragten Frauen spielen mehr als drei Stunden am Tag, 10 % sogar über zehn
Stunden täglich. Vier von fünf Befragten sind Mitglieder von Zusammenschlüssen wie Clans
oder Gilden, die ihre Spielstrategien gemeinsam verfolgen. Und jede Dritte betreibt die
Online-Spiele wettkampfmäßig, indem sie in einer Liga gegen andere Spieler antritt. Es
herrscht auf diese Weise eine Art sozialer Zwang, der dazu antreibt, immer weiter zu spielen.
151
Schon allein daraus und natürlich auch aus der extrem hohen Anzahl von Spielern sowie dem
ungeheuren Zeitaufwand sieht man, wie erheblich die Suchtgefahr ist, die solche Spiele mit
sich bringen können. Bei vielen Spielern, die in eine solche virtuelle Gemeinschaft eintreten,
beherrscht diese nach und nach ihr ganzes Denken und Fühlen, und die reale Welt verliert
dadurch immer mehr an Bedeutung. Dies kann so weit gehen, dass sie ihren Tagesablauf
total dem Spielen unterordnen, Lernen und Schlafen, ja sogar manchmal das Essen vergessen.
Wie ist es möglich, dass insbesondere betroffene Angehörige oder Freunde, aber auch die
Gesellschaft hier nicht einschreiten?!

II. Computerspiele - Dosieren statt verdammen!


„Computerspiele machen einsam, dumm oder sogar gewalttätig.“ Dieses
Pauschalurteil ist immer wieder zu hören und zu lesen. Andere halten diesem Urteil die
zahlreichen positiven Effekte von Computerspielen entgegen. So haben Studien gezeigt, dass
viele Spiele Intelligenz und Konzentration fördern; dies ist besonders bei den Online-
Strategiespielen der Fall, bei denen man von Echtzeit-Schlachten bis zur
Wirtschaftssimulation strategisches Denken, schnelles Entscheiden und Reagieren trainieren
kann – Eigenschaften, die auch im realen Leben wichtig sind. Selbst umstrittene Online-
Spiele wie z. B. „World of Warcraft“, das weltweit von über 10 Millionen Menschen gespielt
wird, darunter rund eine halbe Million in Deutschland, sind auch durchaus positiv zu
bewerten, denn damit lassen sich Kooperation, aber auch erfolgreiches Konkurrieren und
taktisches Denken üben. Außerdem fördern sie Kreativität und Fantasie. Obwohl diese
Argumente zunächst überzeugend wirken, betonen Fachleute die negativen Auswirkungen
von solchen Online-Massen-Spielen, weil gerade diese dazu verführen, in ein
Paralleluniversum abzutauchen, das viel attraktiver scheint als das reale Leben. So hat jüngst
der Drogenbeauftragte der Bundesregierung gewarnt, dass bereits 560.000 Menschen in
Deutschland an Online-Sucht erkrankt seien, darunter besonders viele Jugendliche. Und
Pessimisten sagen voraus, dass die Anzahl weiter steigen wird.
Im Gegensatz dazu führt der Zukunftsforscher Matthias Horx an: So wie viele
Menschen heute Computerspiele für gefährlich hielten, habe das Lesen von Romanen im 16.
bis 18. Jahrhundert als dekadent gegolten. Und zu Beginn der Kinofilme habe man ebenfalls
behauptet, die Menschen verschwänden in Schweinwelten und könnten danach mit der
Wirklichkeit nicht mehr umgehen. Deshalb solle man die neue Entwicklung nicht verteufeln.
Es komme eine neue Technologie auf, man experimentiere damit und dann lernten
Menschen langsam, sinnvoll damit umzugehen. Dem Argument, dass Online-Spieler
vereinsamten, hält er entgegen, dass diese Spiele sehr häufig in „realen Gruppen“ gespielt
würden, z. B. bei den sogenannten Lan-Parties, bei denen sich Jugendliche mit ihren PCs
vernetzen und zusammen online spielen, also im Gegenteil den Gemeinschaftssinn stärkten.
Ein weiterer Aspekt, der überall diskutiert wird, ist, ob man aggressive oder
gewalttätige Spiele verbieten sollte. Gegen ein Verbot spreche jedoch die Tatsache, dass
Verbotenes die Sache erst recht interessant macht. Gerade bei den gefährdeten Jugendlichen
sei es wichtig, dass man ihnen andere attraktive Freizeitangebote mache. Gegen richtig
dosiertes Spielen sei dann nichts einzuwenden.

Aufgabe 6. Füllen Sie die folgende Tabelle mit den Informationen aus dem Text aus!

152
Positive Argumente Negative Argumente

Text I

Text II

Aufgabe 7. Hören Sie sich ein Interview „Sind Computerspiele gefährlich?“ an.
Notieren Sie positive und negative Aspekte der Computerspiele, die dort behandelt werden.
Aufgabe 8. Bereiten Sie sich auf die Diskussion zum Thema „Sind Computerspiele
gefährlich?“ vor. Seien Sie bereit, beide Standpunkte (ja und nein) zu vertreten.
Recherchieren Sie zusätzliche Informationen zu diesem Thema.
Aufgabe 9. Stellen Sie sich vor: An einem Elternabend wollen mit den Eltern über das
Thema „Digitale Risiken für Kinder“ sprechen. Bereiten Sie als Einstieg einen Kurzvortrag
(ca. 5 Min.) zu diesem Thema vor.

SICHERHEIT IM INTERNET

A. Surfen ohne Spuren – ist das möglich?

Aufgabe 1. Wissen Sie, was ein Darknet ist? Lesen Sie kurze Informationen darüber.

Das Darknet6 (dunkles Netz) ist eine Internet-Parallelwelt, ein in sich abgeschlossener
Teil des Internets mit speziellen Zugangsvoraussetzungen, in dem die Nutzer anonym
bleiben.
Ursprünglich wurde das Darknet zum Schutz von Dissidenten entwickelt, die darauf
angewiesen sind, anonym zu veröffentlichen und sich informieren zu können. Der anonyme
6
Alles über das Wort unter: https://www.owid.de/artikel/407298
153
Raum bietet Regimekritikern und Journalisten, die in ihrer Heimat unter einer starken Zensur
leben, einen geschützten Ort zum Meinungsaustausch.
Danach wurde dieser Bereich auf andere Internetnutzer erweitert, um ihnen Anonymität
zu bieten. Das Verfahren funktioniert so: Der Nutzer ruft in seinem Browser eine
Internetseite auf, diese öffnet sich und die Nachrichten können gelesen oder die Schuhe
gekauft werden. Dabei wird unter anderem die eindeutige IP-Adresse des Computers, also
die Nutzeridentität, an den Zielserver gesendet. Wer keine digitalen Spuren hinterlassen will,
kann auf eine Vielzahl anonymer Netzwerke zurückgreifen. Das Darknet bzw. die
verschiedenen Darknets sind nur über spezielle Software zu erreichen und mit Kenntnis einer
Zieladresse und eventuell der Zugangsdaten. Die bekannteste Software-Variante ist das Tor-
Netzwerk. Diese Software verschlüsselt die Daten und Anfragen und leitet sie über drei
zufällig ausgewählte Tor-Server weiter. Jeder Tor-Server kennt dabei nur seinen Vorgänger
und seinen Nachfolger. Die gesamte Verbindung kann nicht zurückverfolgt werden. Ein
wesentlicher Bestandteil des Darknets sind die sogenannten „Black Markets“ – Marktplätze,
auf denen Drogen, Waffen, Falschgeld und andere illegale Güter gehandelt werden.

Aufgabe 2. Übersetzen Sie die folgenden Wörter und Wortverbindungen in Ihre


Muttersprache. Führen Sie damit die Sätze (auf ein Minimum verkürzt) aus dem Text an.

1. digitale Spuren hinterlassen


2. zurückgreifen auf etw. Akk.
3. Vorgänger, der
4. Nachfolger, der
5. etw. Akk. zurückverfolgen

Aufgabe 3. Das Funktionieren des Darknets ist anschaulich auf dem Schaubild unten
dargestellt. Sehen Sie es sich an.

154
Aufgabe 4. Übersetzen Sie die folgenden Wörter und Wortverbindungen aus dem
Schaubild in Ihre Muttersprache. Führen Sie damit die Sätze (auf ein Minimum verkürzt) an.

1. eine Adresse eingeben


2. kryptisch
3. Ausgangscomputer, der
4. Zielcomputer, der
5. Suchmaschine, die

Aufgabe 5. Fassen Sie die Informationen des Schaubildes zusammen.

B. Schutz vor Hackern

Aufgabe 1. Schauen Sie sich das Video „Ist die Verschlüsselung sicher?“ an. Von
welcher Sicherheit ist dort die Rede? Wie ist sie zu gewährleisten?

155
Aufgabe 2. Für kriminelle Hacker ist es ein Leichtes, über schwache Passwörter
Zugriff auf persönliche Informationen und Accounts zu bekommen, und der Handel mit
gestohlenen Identitäten wächst stetig. Wie dem vorzubeugen ist, informiert das Schaubild
unten. Betrachten Sie es.

Aufgabe 3. Erfahren Sie im folgenden Artikel mehr zu diesem Thema erfahren.

156
Sicherheit im Internet: W3cks3ln Si3 !hr Pa§§w0rt!

Schon gehört? Der 1. Februar ist Passwortwechseltag. Klingt doof, ist aber eine
gute Sache: Wir zeigen Ihnen, wie Sie ein wirklich kräftiges Passwort hinbekommen.
Zu viele von uns greifen noch immer zu den beliebten Evergreens unter den
Passwörtern: zum unverwüstlichen "Passwort", zu "12345", "qwertz" oder Vornamen mit
oder ohne Geburtsjahr.
Die Folge im Falle eines Hacks: kleine PC- und Smartphone-Katastrophen, die neben
Geld auch Nerven kosten. Und volkswirtschaftlich gesehen Schäden in Milliardenhöhe
verursachen.
Man macht es uns aber auch nicht leicht. Wir brauchen immer mehr Passwörter, und die
Anforderungen steigen ständig. Je leistungsfähiger Computer werden, desto mehr Zeichen
sollen unsere Passwörter umfassen und desto häufiger sollen wir sie ändern. Aber das
Problem kann man lösen.
Grundlegende Sicherheitsmaßnahmen
Zunächst sollte man die auf PC oder Smartphone vorhandenen Sicherheitsmechanismen
auch nutzen (Virenscanner, Firewall, Passwort beim Booten etc.). Das erschwert schon
einmal PC-Einbruch und Datendiebstahl.
Man sollte sich auch über gängige Tricks im Klaren sein, mit denen Passwörter
ausgeforscht werden (z.B. Phishing-Mails). Vor allem aber sollte man Kriminellen keinen
"Generalschlüssel" liefern: Wer nur ein einziges, unsicheres Passwort nutzt, riskiert, alle
seine Konten offenzulegen, wenn es zum Passwortdiebstahl kommt.
So etwas ist häufiger als man denkt. Milliarden E-Mail-Passwörter sind frei käuflich in
Umlauf. Nicht unwahrscheinlich, dass zum Beispiel auch Ihr privater E-Mail-Account
darunter ist: Überprüfen können Sie das hier.

Passwortsicherheit: Was sollte man auf keinen Fall tun? Die Top-Sünden:
 Immer dieselben Passwörter nutzen. Nummerieren hilft auch nicht (Passwort1,
Passwort2 etc.)
 Namen von Haustieren, Verwandten oder Freunden, Geburtsdaten und ähnliches
nutzen
 Kurze, Sinn ergebende Passwörter wählen, die sich in Lexika finden
 Ab Werk vorgegebene Standardpasswörter unverändert lassen (Passwort, 1111)
 Tastatur-Zeichenfolgen nutzen (1234567, qwertz)
 Passwörter an den Monitor oder unter die Tastatur kleben
 Passwörter aufschreiben und mit sich tragen
 Passwörter online speichern, per Mail verschicken etc.
 Auf keinen Fall sollte man die Autovervollständigungs- und Passwort-
Verwaltungslösungen von Webbrowsern nutzen ("Wollen Sie das Passwort
speichern?"). Das ist zwar bequem, aber in etwa so, als verteilte man seine
Haustürschlüssel in der Gasse hinter dem Bahnhof.
 Was nützt ein starkes Passwort, wenn man nur den Browser-Cache auslesen muss, um
es zu erfahren? Browser merken sich alle möglichen Dinge, die sie nichts angehen.
Verhindern kann man das, indem man in den Einstellungen des Browsers unter
Datenschutz und Privatsphäre für Amnesie sorgt: Bei jedem Schließen des Browsers
157
sollten alle Cookies, Formulardaten, Passwörter und die History des Browsers
gelöscht werden. Automatisch.
Gibt es hundertprozentig sichere Passwörter?
Prinzipiell ist alles knackbar, es ist nur eine Frage von Rechenleistung und Zeit. Man
kann aber dafür sorgen, dass eventuelle Angreifer sehr viel davon brauchen.
Viele Dienstleister verlangen heute eine Mindestpasswortlänge von acht Zeichen, aber
das reicht nicht. Passwort-Hacker arbeiten mit sogenannten Brute-Force-Attacken, bei denen
ein Programm jede mögliche Kombination unserer Tastaturzeichen ausprobiert.
Und wie lang dauert es dann, ein gängiges Passwort zu knacken? Vom billigen alten
Gebraucht-Laptop eines kriminellen Hackers irgendwo in Wasweißichistan ausgehend,
kommt man zu folgender Tabelle:
Ein moderner Top-Rechner ist bis zu hundertmal schneller. Prinzipiell muss ein
Passwort also möglichst lang und zeichenreich sein, wenn es Sicherheit bieten soll.
Wie kommt man zu sicheren Passwörtern?
IT-Experten raten zu Nonsense-Zeichenfolgen wie H8&!fby$§L:=?g4. So etwas kann
sich natürlich niemand merken, der nicht Sheldon Cooper heißt. Zum Glück kann man es
sich etwas leichter machen.
Das Geheimnis eines wirklich sicheren Passwortes ist Länge – nichts spricht gegen 20
Zeichen und mehr! Kombiniert man das noch mit Sonderzeichen, wird eine Festung daraus.
Beispiel: Der erste Satz eines Gedichts
Nehmen wir "Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren Sind Schlüssel aller Kreaturen"
(Novalis, 1800). So ein Satz ist ohne Zweifel lang. Sicher ist er trotzdem nicht, weil man ihn
mit einer lexikalischen Methode, die sinnvolle Buchstabenkombinationen durchprüft, relativ
schnell knacken könnte.
Also muss man ihn verfremden. Man könnte z.B. nur die ersten Buchstaben jedes
Wortes als Passwortbestandteil nehmen:
Wenn
Nicht
Mehr
Zahlen
Und
Figuren
Sind
Schlüssel
Aller
Kreaturen

ergibt dann WnmZuFsSaK.

Vorn und hinten ein Sonderzeichen plus Zahl und die Sache wird knallhart zu knacken:
+WnmZuFsSaK-78.
Zu kompliziert? Man kann es Kriminellen auch schwer machen, indem man persönliche
Regeln für den Austausch von Zeichen nutzt. Die muss man sich zwar merken, aber das ist
im Grunde leicht.

158
Regel: e = 3
Resultat: W3nnNichtM3hrZahlenUndFigur3n
Regel: i = :
Resultat: W3nnN:chtM3hrZahlenUndF:gur3n
Regel: c = (
Resultat: W3nnN:(htM3hrZahlenUndF:gur3n
Regel: a/o/u = ä/ö/ü
Resultat: W3nnN:(htM3hrZählenÜndF:gür3n
Jede zusätzliche Regel verfremdet das Ergebnis stärker. Das Beispiel ist extrem und soll
nur das Prinzip verdeutlichen.
Vier relativ einfache, selbst aufgestellte Regeln sorgen in diesem Beispiel dafür, dass
selbst ein wirklich kräftiger Rechner per Brute Force mehrere Millionen Jahre brauchen
würde, um alle möglichen Kombinationen durchzutesten.
Feine Sache, Problem gelöst? Nicht ganz: Wir brauchen ja nicht eines, sondern viele
Passwörter. Zig verschiedene derart verfremdete Zeilen kann sich auch kein Mensch merken.
Wie behält man den Überblick über die Vielzahl der Passwörter?
Die erste Regel: Unterscheiden Sie zwischen wichtig und weniger wichtig.
Nicht jeder Online-Account muss gesichert sein wie Fort Knox. Triviale Anwendungen,
die Sie weder Geld kosten können noch Zugänge zu anderen Konten eröffnen, sichern Sie
mit einem (auch mehrfach verwendbaren) Standardpasswort ab, das Sie ab und zu variieren.
Mehr Mühe verwenden Sie auf Passwörter für wichtigere Dienste, die Zugang zu
persönlichen Daten, zu Möglichkeiten von Finanztransaktionen oder Einkäufen bieten: Hier
kommt das Muster W3nnN:(htM3hrZählenÜndF:gür3n zum Einsatz – lang und kompliziert.
Doch selbst derart sortiert kommen in der Regel zu viele Passwörter zusammen, um sie
alle im Kopf zu behalten. Da hilft nur eines: Man muss sie irgendwie dokumentieren.
Die analoge Methode: Sie notieren Ihre Passwörter in einem nur dafür vorgesehenen
Notizbuch, das Sie sicher und nicht in der Nähe des PC verwahren.
Die digitale Methode beruht auf sogenannten Passwort-Managern. Das sind Dienste
oder Apps, in denen man seine jeweils aktuellen Passwörter in verschlüsselter Form
hinterlegen kann. Jetzt kommt der Witz: Um an so gespeicherte Passwörter zu kommen,
braucht man wiederum ein Passwort.
Das sollte natürlich so lang, kompliziert und darum mächtig sein wie
W3nnN:(htM3hrZählenÜndF:gür3n. Selbst im Falle eines Datendiebstahls wäre die
verschlüsselte Passwortdatenbank damit für den Dieb nutzlos, weil nicht entschlüsselbar.
Aber aufgepasst: Bei dieser Lösung wird das komplizierte Langpasswort zum
Generalschlüssel für alle anderen Passwörter – es sollte entsprechend gut sein, periodisch
gewechselt und sicher verwahrt werden.
Als vertrauenswürdige Dienste gelten zum Beispiel: KeePass (wird vom Bundesamt für
Sicherheit in der Informationstechnik empfohlen); 1Password; DashLane; Enpass; LastPass.
P.S.: W3nnN:(htM3hrZählenÜndF:gür3n ist durch diese Veröffentlichung kein sicheres
Passwort mehr. Sicher ist nur, was man sich selbst ausdenkt – und das gilt natürlich auch für
die Regeln, mit denen man seine Passworte verfremdet.
01. Februar 2018, http://www.spiegel.de/netzwelt/web/internetsicherheit-regeln-fuer-ein-wirklich-
sicheres-passwort-a-1190550.html

159
Aufgabe zum Text: Übersetzen Sie die folgenden Wörter und Wortverbindungen in
Ihre Muttersprache. Führen Sie damit die Sätze (auf ein Minimum verkürzt) aus dem
Text an.

1. Passwort, das
2. greifen zu etw. Dat.
3. Evergreen, der/ das
4. unverwüstlich
5. hacken (https://www.duden.de/rechtschreibung/hacken_mit_Hacke_Beil#b2-Bedeutung-6)
6. Hacker, der
7. Hack, der
8. einen Schaden verursachen
9. Sicherheitsmaßnahmen, die
10.Smartphone, das
11.Virenscanner, der (-[ˈskɛn ]; https://www.duden.de/rechtschreibung/Scanner)
12.Firewall, der/ die ([ˈfa w ːl]; https://www.duden.de/rechtschreibung/Firewall)
13.booten ([ˈbuːtn]; https://www.duden.de/rechtschreibung/booten)
14.PC-Einbruch, der
15.Datendiebstahl, der
16.Trick, der
17.ausforschen etw. Akk.
18.Phishingmail/ Phishing-Mail das/ die ([ˈf mɛ l];
https://www.duden.de/rechtschreibung/Phishingmail)
19.ein Konto offenlegen
20.frei käuflich sein
21.E-Mail-Account, der/ das (https://www.owid.de/artikel/403722)
22.Browser-Cache, der (- ; https://www.owid.de/artikel/317380)
23.auslesen
24.Einstellung, die (des Browsers) → etw. einstellen
25.History, die
26.Mindestpasswortlänge, die
27.knacken etw. Akk.
28.verfremden etw. Akk.
29.einen Zugang zu etw. (anderen Konten) eröffnen
30.mehrfach verwendbar
31.absichern etw. Akk.
32.Mühe verwenden auf etw. Akk.
33.verwahren etw. Akk.
34.App, die/das (https://www.duden.de/rechtschreibung/App)
35.hinterlegen etw. Akk.

Aufgabe 4. Machen Sie sich mit den „Passwort-Typen“ bekannt und antworten Sie auf
die Frage im Titel. Kommentieren / Begründen Sie Ihre Wahl!

Welcher Passwort-Typ sind Sie?

160
Faul, nerdig oder vergesslich: Wie verhalten Sie sich, wenn es um Ihre Passwörter
geht? Fünf Typen im Überblick.

161
Typ Beschreibung Sein Vorteil Sein Nachteil
Er macht es sich gern Vergessen kann er das Das Passwort ist
der Faule einfach. Und das im analogen Passwort nicht. Weil es so so naheliegend, dass
wie im digitalen Leben. Er hat naheliegend ist - aber auch, selbst Menschen es
sein Konto bei der Bank, wo weil er es so häufig eingibt. erraten können, die
seine Eltern auch sind. Er fährt Schließlich verwendet er ihn erst seit zwei
das Auto, das sein bester stets das gleiche Passwort, Stunden kennen. Sie
Freund für gut befunden hat. egal ob er sich beim müssen nur auf den
Und als Passwort? Da nimmt nächsten angesagten Fanschal um seinen
er natürlich den Namen seines sozialen Netzwerk anmeldet Hals schauen.
Fußballvereins: Der fällt ihm oder per Online-Banking
wirklich in jedem Zustand den Kontostand kontrolliert.
noch ein. Und es ist auch seit
20 Jahren schon derselbe.
Klar, den Hochzeitstag Der Kollege im Büro Für Menschen
der Neunmalkluge nimmt ja jeder. Oder auch den kommt vermutlich nicht so aber, deren Beruf es
Vornamen der Ehefrau. Nicht schnell auf das Passwort, ist, E-Mail-Fächer zu
so der Neunmalkluge. Der ist sollte er es mal probieren. hacken, ist es nur eine
da deutlich raffinierter. Oder er Und leicht zu merken ist es Sache von Sekunden,
hält sich dafür. Er nimmt als auch noch. ganze Wörter, die es
Passwort den zweiten wirklich gibt, zu
Vornamen der Ehefrau. Oder, erraten. Das Passwort
wenn sie nun mal nur einen ncc1701 steht
hat, dreht er den wenigstens übrigens in einer Liste
um. Er beantwortet selbst derer, die weltweit am
gestellte Sicherheitsfragen wie meisten benutzt
"Welche Form hat der Mond?" werden und deshalb
mit: eckig. auch am unsichersten
sind. Es ist die
Nummer des
Raumschiff
Enterprise.
Das Darknet ist sein Selbst die Nerds, mit Das Passwort ist
der Nerd zweites Wohnzimmer. Der denen er die Wochenenden so lang, dass Myspace
Nerd verbringt seine auf Games Conventions nicht mal so viele
Wochenenden auf Games verbringt und die sich mit Stellen vorgesehen
Conventions. Für Menschen, Hacken ein nettes hat. Hinzu kommt:
die Windows nutzen oder auch Taschengeld verdienen, Die Kombination aus
ein Gerät von Apple, hat er nur kommen nicht an seine E- Zahlen, Groß- und
Verachtung übrig. Er selbst hat Mails. Kleinbuchstaben
natürlich sein eigenes sowie Sonderzeichen
Betriebssystem programmiert. ist nur etwas für
Und auch sein Passwort ist Momente höchster
Ausdruck dieses Expertentums: Konzentration. Die ist
raffiniert beziehungsweise nach fünf Stunden
kompliziert. Zocken aber nicht
immer vorhanden.
Seinen Hochzeitstag Niemand kann seine Mal schnell
der vergisst er regelmäßig. Und Passwörter erraten. Denn in nachschauen, wo man
Vergessliche selbst guten Freunden Wahrheit hat er keines für das Treffen
gratuliert er mit Verspätung davon länger als 24 verabredet war? Geht
zum Geburtstag. Irgendwann, Stunden. nicht - oder geht nur,
als er sich beim dritten wenn man Geduld hat.
162
Anbieter einer E-Mail-Adresse Denn wenn man den
angemeldet hat, da hat er Zugang zu Facebook
einfach aufgegeben. jedes Mal neu
Handyzugangscode, Bank-Pin, beantragen muss, dann
Facebook-Passwort - wer soll dauert das.
sich das denn alles merken?
Und das, wo es doch den tollen
"Passwort-vergessen"-Button
gibt. Auf den klickt der
Vergessliche im schlimmsten
Fall mehrmals täglich.
Seine Handynummer Er hat Verliert er den
der Analoge klebt, von zahlreichen Gehirnkapazitäten für Merkzettel einmal,
angegilbten Streifen Tesafilm Wesentliches frei. dann ist er
fixiert, auf der Rückseite seines aufgeschmissen -
Telefons. Er besitzt sogar noch zumal sich darauf
einen Kalender aus Papier. Der vermutlich auch
Analoge ist es ganz und gar andere geheime
nicht gewohnt, sich Details zu Zugangsdaten
merken, die in Pixelform auf befinden. Daneben
Bildschirmen auftauchen. steht zum Beispiel:
Seine Pin für den der Geheimcode
Bankautomaten findet sich seiner Kreditkarte.
deshalb mit großer
Wahrscheinlichkeit auf einem
sichtlich gealterten Post-it im
Geldbeutel. Die Zugangsdaten
für all die Programme im Büro
hat er immerhin in der
Schublade versteckt.

Quelle: https://www.sueddeutsche.de/digital/sicherheit-im-internet-welcher-passwort-typ-sind-sie-
1.2726437

Aufgabe 5. Weitere Informationen zum Thema können Sie hier finden: http://www.pc-
magazin.de/bildergalerie/10-tipps-fuer-ein-sicheres-passwort-1937711-369562.html.

Aufgabe 6. Stellen Sie sich vor: Sie wollen Ihre SchülerInnen ausführlich darüber
informieren, wie sie ein sicheres Passwort erstellen. Geben Sie ihnen Tipps, warnen Sie sie
vor möglichen Gefahren! Bereiten Sie dafür einen Kurzvortrag vor.

ANHANG 1. KURZVORTRAG

Methodische Anleitung zum Verfassen eines informierenden Vortrags/ Monologs

163
Struktureller Funktion Redemittel
Teil
1. Vorstellung des Themas In meinem Vortrag befasse mich mit dem
Thema …
In meinem Vortrag geht es um …
Ich möchte Ihnen kurz das Thema …
vorstellen.
I Einleitung 2. Überblick über die zu Lassen Sie mich vorab den Aufbau meines
behandelnden Schwerpunkte Vortrags skizzieren/ erst einmal sagen, wie ich
mir das vorgestellt habe:
Zunächst/ Zu Beginn möchte ich auf …
eingehen/ Im ersten Teil werde ich mich mit …
beschäftigen.
Als Nächstes komme ich zu …
Danach möchte ich das Thema … beleuchten/
behandeln.
Ein weiterer Punkt ist …/ wird … sein.
Im dritten Teil wende ich mich … zu.
Am Ende/ Zum Schluss möchte ich …/ fasse
ich die wichtigsten Punkte noch einmal
zusammen.
Hauptteil 1. Gestalten Sie den Zum ersten Punkt: …
Hauptteil nach dem Jetzt komme ich zu …
skizzierten Plan. Jetzt möchte ich das Augenmerk/ den Fokus
II 2. Machen Sie der auf … legen/ lenken.
Zuhörerschaft deutlich, wenn Ich komme nun zu einem anderen / weiteren
ein neuer Inhaltspunkt Aspekt dieses Themas …
beginnt. Allerdings müssen wir auch festhalten, dass …
3. Führen Sie Beispiele an. Dafür gibt es mehrere Gründe: …
Hierfür kann ich ein Beispiel anführen/ Das
kann ich mit einem Beispiel veranschaulichen.
Zusammenfassung Jetzt fasse ich die wichtigsten Punkte noch
Schluss einmal zusammen: …
III Fazit (Ihre abschließende Als Fazit ergibt sich Folgendes: …
Haltung/ Meinung) Meine Schlussfolgerung lautet also …
Abschließend könnte man festhalten, dass …/
lässt sich also sagen …
Ein abschließendes Statement könnte
folgendermaßen lauten: …

Zusätzlich: Bezug zu anderen Teilen des Vortrags:


Wie ich einleitend gesagt habe, …
Ich habe schon darauf hingewiesen, dass …
Wie schon anfangs erwähnt, ist …
Wie wir später noch sehen werden, ist …
Bevor ich zu X komme, vielleicht noch ein paar Bemerkungen zu Y.
Und nun zu den angekündigten Erläuterungen der …

164
Redemittel für einen Argumentationsvortrag

Argumente für/ gegen etw. einführen Argumente für/ gegen etw. aneinander
anknüpfen
Die folgenden Argumente sprechen Zum einen … . Zum anderen … .
eindeutig für/ gegen … Hinzu kommt außerdem, dass …
Ein weiterer Aspekt/ weiteres Argument
Allerdings gibt es (viele/ manche/einige) dafür/ dagegen ist, dass …
Argumente gegen/ für … Man darf auch nicht vergessen, dass … / Man
muss auch berücksichtigen, dass …
Allerdings kann man (viele/ manche/einige) Von Bedeutung könnte auch sein, dass …
Argumente gegen/ für … benennen. Hierfür ist auch ausschlaggebend, dass …
Ein entscheidender Faktor scheint zu sein,
Für/ gegen … sprechen folgende Gründe. … dass / scheint … zu sein.

MUSTER “Informierender Kurzvortrag“

Aufgaben:
1. Analysieren Sie den Kurzvortrag. Finden Sie die strukturellen Teile, die Sie in der
methodischen Anleitung kennen gelernt haben.
2. Markieren Sie die Redemittel.
3. Welchen Eindruck macht dieser Kurzvortrag auf Sie? Begründen Sie Ihre Meinung!

Gewalt im Film und Fernsehen

In meinem Vortrag beschäftige ich mich mit der Frage, wie sich Gewalt im Fernsehen
auf den Zuschauer auswirkt, vor allem auf jugendliche Zuschauer.
Lassen Sie mich vorab den Aufbau meines Vortrags skizzieren. Zunächst werde ich
einige Zahlen zur Fernsehgewalt und zum Fernsehkonsum nennen. Als Nächstes stelle ich
zwei Theorien vor – die Katharsistheorie und ihr Gegenstück, die Imitationstheorie. Im
dritten Teil wende ich mich zwei neuen empirischen Studien zu. Am Ende fasse ich die
wichtigsten Punkte noch einmal zusammen.
Zum ersten Punkt: Die Darstellung von Gewalt hat in den letzten Jahren zugenommen.
Laut statistischen Angaben zeigen die privaten Sender RTL, SAT 1 und Pro 7 erheblich
mehr Gewalt als die öffentlich-rechtlichen ARD und ZDF. In einer anderen Kölner Studie
wurde ermittelt, dass körperliche Gewalt im Fernsehen besonders häufig zwischen 18 und 20
Uhr gezeigt wird, zu einer Zeit, wo Jugendliche vor den Fernseher sitzen.
Jetzt komme ich zum zweiten Teil meines Vortrags. In Bezug auf die Frage, wie sich
diese fiktive Gewalt auf das Verhalten von Jugendlichen auswirkt, gibt es zwei polare
Meinungen. Beide gründen sich auf zwei alte Theorien - die Katharsistheorie und
Imitationstheorie. Ich werde sie Ihnen kurz vorstellen. „Katharsis“ ist griechisch und
bedeutet „Reinigung“. Die Anhänger dieser Theorie behaupten, dass fiktive Brutalität im

165
Fernsehen den Zuschauer „reinigt“ – von Aggressionen und Angstgefühlen. Der Zuschauer
erlebt Gewaltszenen im Fernsehen, er kämpft und schießt mit. Dadurch reagiert er innere
Aggressionen und Ängste ab, was sein wirkliches Verhalten positiv beeinflusst. Lieber ein
Rambo im Fernsehen als auf dem Schulhof!
Die Imitationstheorie behauptet das Gegenteil: Gewalt in den Medien führt zur
Imitation, zur Nachahmung. Eine fiktive Schlägerei, ein Mord würden als Aufforderung
wirken, in der wirklichen Welt zu schlagen und zu morden. In den meisten Filmen werden
Konflikte mit Gewalt gelöst. Aus diesem Grund würden Jugendliche solche Lösungen als
Modelle für ihren Alltag übernehmen.
Beide Theorien sind höchst umstritten, denn es gibt keine empirischen Untersuchungen,
die diese Theorien bestätigen.
Jetzt möchte ich das Augenmerk auf zwei neuere Untersuchungen legen. Die eine
wurde von der UNESCO durchgeführt, die andere von dem Mannheimer
Medienwissenschaftler Grimm.
Zuerst zur UNESCO-Studie. Sie wurde in 23 Ländern auf der ganzen Welt durchgeführt.
Sie kam zum Ergebnis, dass weltweit typische Gewaltfiguren wie Schwarzenegger
(Terminator) oder Rambo die beliebtesten Vorbilder sind. Ein zweites Ergebnis der Studie ist,
dass Kinder aus Ländern, in denen Gewalt in der Wirklichkeit eine große Rolle spielt, wo
z.B. ein Bürgerkrieg herrscht, dass in solchen Ländern Kinder häufiger Spaß an Gewalt im
Fernsehen haben. Für die Entstehung von Gewalt sind hier zwar die wirtschaftlichen und
sozialen Verhältnisse entscheidend, aber die Medien würden auch zu einer aggressiven
Kultur beitragen. Hier sehen wir eine Ähnlichkeit mit der Katharsistheorie.
Die zweite Studie hatte ganz andere Methoden und kam zu ganz anderen Ergebnissen.
Die Forscher untersuchten die physiologischen Körperreaktionen wie Atemfrequenz und
Pulsschlag bei Versuchspersonen, die sich Gewaltszenen im Fernsehen ansahen. Das
Ergebnis war: Gewaltdarstellungen könnten Aggressionen vermindern, wenn die Zuschauer
sich mit dem Opfer identifizieren. Das Opfer schreit, es blutet, hat starke Schmerzen, leidet.
Dann kritisieren die Zuschauer die Gewalt. Wenn sie sich mit dem Täter identifizieren, kann
die Gewalt sogar eine Vorbildfunktion haben.
Eine Steigerung von Aggressionen wurde auch festgestellt, wenn es kein Happyend gibt
und der „Böse“ für seine Taten nicht bestraft wird. In solchen Fällen entwickeln sich bei
Zuschauern Rachegefühle.
Jetzt fasse ich kurz zusammen. Ich habe Ihnen einige Untersuchungen vorgestellt. Sie
haben gezeigt, dass die Frage nach den Auswirkungen von Mediengewalt nicht eindeutig
beantwortet werden kann. Das Problem ist zu komplex für eindeutige Antworten.

Muster „Argumentationsvortrag“

Aufgabe 1. Lesen Sie den Argumentationsvortrag zum Thema „Schuluniformen“.


Welche strukturellen Teile erkennen Sie? Schreiben Sie das in die rechte Spalte.
Vergleichen Sie DANACH mit der Lösung unten.

166
Inhalt des Vortrags Teile
In meinem Vortrag befasse mich mit dem Thema „Schuluniformen“.
Lassen Sie mich vorab den Aufbau meines Vortrags skizzieren. Zunächst gehe
ich auf die Vorteile der Schuluniformen ein. Dann möchte ich die Argumente gegen
die Schuluniform beleuchten. Zum Schluss sage ich meine eigene Meinung zu diesem
Thema.
Die folgenden Argumente sprechen eindeutig für die Schuluniformen. Zum
einen entsteht durch die Uniform eine stärkere Bindung zur Schule. Gleichzeitig
entsteht dadurch auch ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl. Man darf auch nicht
vergessen, dass das Tragen einer Uniform sich positiv auf das Sozialverhalten
auswirkt. Wenn man ein Gemeinschaftsgefühl hat, dann hilft man einander, schützt
einander, steht füreinander usw. Ein entscheidender Faktor scheint zu sein, dass man,
wenn man gleich gekleidet ist, eher auf den Charakter schaut als auf das Aussehen.
Als Folge wird die Persönlichkeit geachtet und geschätzt und nicht das Äußere. Von
Bedeutung könnte auch sein, dass Schuluniformen nicht der Mode unterworfen sind.
Deshalb werden Schüler – besonders in oberen Klassen – durch diesen Gedanken
vom Lernen nicht abgelenkt.
Allerdings gibt es auch Argumente gegen die Schuluniformen. Man muss
berücksichtigen, dass sie oft teuer sind. Ein weiterer Aspekt dagegen ist, dass die
Schüler ihren eigenen Stil nicht entwickeln können. Und dies könnte sich negativ auf
ihre Leistungen auswirken, z.B. ihre Kreativität bremsen bzw. hindern. Hinzu kommt
außerdem, dass durch die unterschiedlichen Uniformen für Mädchen und Jungen
spezifische Geschlechterrollen gefördert werden. Dies widerspricht aber völlig dem
modernen Geist der Gesellschaft und dem Gebot der Gleichbehandlung von Frau und
Mann. Man darf auch nicht vergessen, dass Schuluniformen zwar die Konkurrenz
unter Schülern, jedoch nicht die Konkurrenz zwischen Schulen und Schultypen
mildern. Gerade für Deutschland, wo diese Konkurrenz ein Problem darstellt, wäre
das nicht empfehlenswert.
Ein abschließendes Statement könnte folgendermaßen lauten: Argumente für
eine Schuluniform überwiegen aus meiner Sicht schon zahlenmäßig. Aber auch
inhaltlich wiegen sie mehr als Argumente dagegen. Deshalb könnte man festhalten,
dass Schuluniformen eher einen positiven Effekt im Schulleben haben.

Aufgabe 2. Markieren Sie im Vortrag Redemittel und Verknüpfungen. Vergleichen Sie


danach mit der Lösung unten.

LÖSUNGEN
Aufgabe 1.
Inhalt des Vortrags Teile
In meinem Vortrag befasse mich mit dem Thema „Schuluniformen“. Einleitung 1
Lassen Sie mich vorab den Aufbau meines Vortrags skizzieren.
Zunächst gehe ich auf die Vorteile der Schuluniformen ein. Dann möchte ich Einleitung 2
167
die Argumente gegen die Schuluniform beleuchten. Zum Schluss sage ich
meine eigene Meinung zu diesem Thema.
Die folgenden Argumente sprechen eindeutig für die Schuluniformen.
Zum einen entsteht durch die Uniform eine stärkere Bindung zur Schule.
Gleichzeitig entsteht dadurch auch ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl. Man
darf auch nicht vergessen, dass das Tragen einer Uniform sich positiv auf das
Sozialverhalten auswirkt. Wenn man ein Gemeinschaftsgefühl hat, dann hilft Hauptteil A
man einander, schützt einander, steht füreinander usw. Ein entscheidender
Faktor scheint zu sein, dass man, wenn man gleich gekleidet ist, eher auf den
Charakter schaut als auf das Aussehen. Als Folge wird die Persönlichkeit
geachtet und geschätzt und nicht das Äußere. Von Bedeutung könnte auch
sein, dass Schuluniformen nicht der Mode unterworfen sind. Deshalb werden
Schüler – besonders in oberen Klassen – durch diesen Gedanken vom Lernen
nicht abgelenkt.
Allerdings gibt es auch Argumente gegen die Schuluniformen. Man muss
berücksichtigen, dass sie oft teuer sind. Ein weiterer Aspekt dagegen ist, dass
die Schüler ihren eigenen Stil nicht entwickeln können. Und dies könnte sich
negativ auf ihre Leistungen auswirken, z.B. ihre Kreativität bremsen bzw.
hindern. Hinzu kommt außerdem, dass durch die unterschiedlichen Uniformen
für Mädchen und Jungen spezifische Geschlechterrollen gefördert werden. Hauptteil B
Dies widerspricht aber völlig dem modernen Geist der Gesellschaft und dem
Gebot der Gleichbehandlung von Frau und Mann. Man darf auch nicht
vergessen, dass Schuluniformen zwar die Konkurrenz unter Schülern, jedoch
nicht die Konkurrenz zwischen Schulen und Schultypen mildern. Gerade für
Deutschland, wo diese Konkurrenz ein Problem darstellt, wäre das nicht
empfehlenswert.
Ein abschließendes Statement könnte folgendermaßen lauten: Argumente
für eine Schuluniform überwiegen aus meiner Sicht schon zahlenmäßig. Aber Schluss
auch inhaltlich wiegen sie mehr als Argumente dagegen. Deshalb könnte man
festhalten, dass Schuluniformen eher einen positiven Effekt im Schulleben
haben.

Aufgabe 2.

In meinem Vortrag befasse mich mit dem Thema „Schuluniformen“.


Lassen Sie mich vorab den Aufbau meines Vortrags skizzieren. Zunächst gehe ich auf
die Vorteile der Schuluniformen ein. Danach möchte ich die Argumente gegen die
Schuluniform beleuchten. Zum Schluss sage ich meine eigene Meinung zu diesem Thema.
Die folgenden Argumente sprechen eindeutig für die Schuluniformen. Zum einen entsteht
durch die Uniform eine stärkere Bindung zur Schule. Gleichzeitig entsteht dadurch auch ein
stärkeres Gemeinschaftsgefühl. Man darf auch nicht vergessen, dass das Tragen einer
Uniform sich positiv auf das Sozialverhalten auswirkt. Wenn man ein Gemeinschaftsgefühl
hat, dann hilft man einander, schützt einander, steht füreinander usw. Ein entscheidender
Faktor scheint zu sein, dass man, wenn man gleich gekleidet ist, eher auf den Charakter
schaut als auf das Aussehen. Als Folge wird die Persönlichkeit geachtet und geschätzt und

168
nicht das Äußere. Von Bedeutung könnte auch sein, dass Schuluniformen nicht der Mode
unterworfen sind. Deshalb werden Schüler – besonders in oberen Klassen – durch diesen
Gedanken vom Lernen nicht abgelenkt.
Allerdings gibt es auch Argumente gegen die Schuluniformen. Man muss berücksichtigen,
dass sie oft teuer sind. Ein weiterer Aspekt dagegen ist, dass die Schüler ihren eigenen Stil
nicht entwickeln können. Und dies könnte sich negativ auf ihre Leistungen auswirken, z.B.
ihre Kreativität bremsen bzw. hindern. Hinzu kommt außerdem, dass durch die
unterschiedlichen Uniformen für Mädchen und Jungen spezifische Geschlechterrollen
gefördert werden. Dies widerspricht aber völlig dem modernen Geist der Gesellschaft und
dem Gebot der Gleichbehandlung von Frau und Mann. Man darf auch nicht vergessen, dass
Schuluniformen zwar die Konkurrenz unter Schülern, jedoch nicht die Konkurrenz zwischen
Schulen und Schultypen mildern. Gerade für Deutschland, wo diese Konkurrenz ein Problem
darstellt, wäre das nicht empfehlenswert.
Ein abschließendes Statement könnte folgendermaßen lauten: Argumente für eine
Schuluniform überwiegen aus meiner Sicht schon zahlenmäßig. Aber auch inhaltlich wiegen
sie mehr als Argumente dagegen. Deshalb könnte man festhalten, dass Schuluniformen eher
einen positiven Effekt im Schulleben haben.

Aufgabe 3. Wofür stehen die drei verschiedenen Farben: grün, blau, orange?

ANHANG 2. SPRACHLICHE MITTEL ZUR KOHÄRENZ EINES TEXTES

Funktion Konnektoren Beispielssätze


1. Erstens … . Zweitens … Erstens müssen Massenmedien über
aktuelles Geschehen informieren.
Zweitens kommt ihnen eine

169
Kontrollfunktion zu.
Als Erstes … . Als Als Erstes ist die Informationsfunktion
Aufzählen Zweites … . zu nennen. Als Zweites muss die
(von Bildungsfunktion genannt werden.
Argumenten, Außerdem … Erstens müssen Massenmedien über
Gründen für aktuelles Geschehen informieren.
etwas etc.) Außerdem müssen sie auch den
Gesichtskreis erweitern.
Darüber hinaus … Darüber hinaus kommt den
Massenmedien eine Kontrollfunktion zu.
Hinzu kommt auch … Hinzu kommt auch, dass Massenmedien
eine Bildungsfunktion haben. / Hinzu
kommt auch die Bildungsfunktion der
Massenmedien.
Nicht zuletzt … Nicht zuletzt ist die meinungsbildende
Funktion der Massenmedien zu nennen.
Zu erwähnen ist auch … Zu erwähnen ist auch, dass
Massenmedien eine unterhaltende
Funktion haben. / Zu erwähnen ist auch
die unterhaltende Funktion der
Massenmedien.
Abschließend …. Abschließend ist darauf hinzuweisen,
dass die Medien Werte und Normen
vermitteln können.
2. Während …. Während den Medien wichtige
… , wohingegen … . Funktionen in der Gesellschaft
zukommen, agieren die in ihnen tätigen
Personen nicht automatisch ohne eigene
Vergleichen/ Interessen.
Den Medien kommen wichtige
gegenüberstellen Funktionen in der Gesellschaft zu,
wohingegen die in ihnen tätigen Personen
nicht automatisch ohne eigene Interessen
agieren.
Einerseits … Andererseits … Einerseits leisten Massenmedien einen
unverzichtbaren Beitrag zum
Funktionieren der Demokratie.
Andererseits gibt es auch in den
Demokratien Einschränkungen der
Pressefreiheit
Im Vergleich zu … Im Vergleich zu früheren Zeiten werden
heute immer weniger gedruckte
Zeitungen gelesen.
Wenn man … vergleicht, Wenn man die Auflagen der Zeitungen
dann … früher und heute vergleicht, dann ist ein
Rückgang der Zahlen zu beobachten.
Im Unterschied zu … Im Unterschied zu jungen Menschen
lesen Ältere gern gedruckte Zeitungen.

170
Im Gegensatz zu … Im Gegensatz zu jungen Menschen lesen
Ältere gern gedruckte Zeitungen.
Zwar … aber … Zwar müssen die Medien für eine
objektive Berichterstattung sorgen, aber
ihre Freiheit ist eingeschränkt.
3. Deshalb/ deswegen/ darum/ Im Printbereich werden große
daher … Medienkonzerne immer dominanter.
Folgen nennen Deshalb/ deswegen/ darum/ daher
nimmt die Medienvielfalt ab.
Infolgedessen/ demzufolge/ Im Printbereich werden große
sonst/ andernfalls Medienkonzerne immer dominanter.
Infolgedessen/ demzufolge nimmt die
Medienvielfalt ab.
Man muss verschiedene Meinungen zu
einem Thema kennen. Sonst/ andernfalls
kann man sich keine eigene bilden.
… . Daraus ergibt sich … Im Printbereich werden große
Medienkonzerne immer dominanter.
Daraus ergibt sich eine Abnahme der
Medienvielfalt ab.
… , sodass Im Printbereich werden große
Medienkonzerne immer dominanter,
sodass die Medienvielfalt abnimmt.
4. Alternativen Einerseits … Andererseits … Einerseits dienen die Medien der
nennen Gesellschaft. Andererseits agieren die in
ihnen tätigen Personen nicht automatisch
ohne eigene Interessen.
Zum einen … Zum Zum einen dienen die Medien der
anderen … Gesellschaft. Zum anderen agieren die in
ihnen tätigen Personen nicht automatisch
ohne eigene Interessen.
5. Trotzdem / dennoch/ jedoch/ Medien erfüllen wichtige Funktionen in
Einräumen allerdings/ nichtsdestotrotz/ der Gesellschaft, allerdings/ trotzdem/
zwar … trotzdem dennoch/ jedoch/ nichtsdestotrotz
agieren die in ihnen tätigen Personen
nicht automatisch ohne eigene Interessen.
Obwohl …/ auch wenn … Obwohl/ Auch wenn die in den Medien
tätigen Personen nicht automatisch ohne
eigene Interessen agieren, erfüllen sie (die
Medien) wichtige Funktionen in der
Gesellschaft.

ANHANG 3. HÖR- UND VIDEOTESTS

Test 1. Video „Warum Pressefreiheit wichtig ist?“

171
1. Was ist die Bedingung für die Bildung der eigenen Meinung?

2. Ergänzen Sie die Lücken. Es gibt drei Gründe für die Probleme im Bereich
Pressefreiheit:
1) Es gibt immer mehr ________________________________ , die __________
_______________________ . In Ägypten __________________________
_________________________ . In der Türkei werden ________________________
_____________________ und _______________________ ________________.
Pressefreiheit ___________________________ .

2) ____________ oder __________________________ . Organisationen wie der


Islamische Staat _____________________________________________________ .
Statt _________________________ gibt es dort nur noch __________________ .
In Amerika sind _____________________________________ ein großes Problem.
Allein in Mexiko wurden seit _______ mehr als
_____________________________________________ .

3) Immer mehr Medien werden ________________________________________ . In


Polen wurden die ____________________ durch ___________________ ersetzt.

3. Wie wird die Situation in Tunesien bewertet?

4. Wer liegt im Ranking der Pressefreiheit ganz oben und ganz unten? Welchen Platz
nimmt Deutschland ein?

5. Die Situation in Deutschland: Im vergangenen Jahr gab es 39 _________________


_______________ , die Pressefreiheit ist _______________________________ .

6. Wie beeinflussen das Internet und Social Media die Pressefreiheit und warum?

7. Was macht die Pressefreiheit aus?

b) Fassen Sie zusammen: Was haben Sie über die Pressefreiheit erfahren?

Test 2. Vortrag „ACHTUNG, BILDER!“

Aufgabe. Hören Sie sich den Vortrag mit dem Titel „Achtung, Bilder“ an. Erfüllen Sie die
Aufgaben dazu.

Hörtest „Achtung, Bilder“

172
1. Die zentrale These des Vortrags formuliert der Autor in der Einleitung. Wie lautet sie?

2. Angenommen, es gibt einen Widerspruch zwischen Bild und Text. Was denken wir?

3. Warum ist der Sehsinn physiologisch etwas Besonderes?

4. Erklären Sie das Kanisza-Dreieck.

Man sieht ………………………………………….. , …..


………………………………………………………….. .
Das schwarze Dreieck …………………………………
………………………………………………………… .
Doch …………………………………………………….
…………………………………………………………. .
Deswegen ……………………………………………. ,
………………………………………………………. .

5. Das Gehirn verfügt über „erstaunliche Fähigkeiten. Worin bestehen sie? Ergänzen Sie.
Rolle des Gehirns beim Sehen
Gehirn 1. kombiniert ………………………………..
2. ……………………………………………….
3. ………………………………………………….
Wichtige ………………………………………………………………………..
Rolle
spielt/
spielen

6. Im Vortrag wird gesagt, dass Bilder eine „suggestive“ Kraft haben. Was ist
damit gemeint?

7. Geben Sie das „Hubschrauber-Experiment“ in einem zusammenhängenden Text


wieder.

8. Im Vortrag werden Bilder aus der Gehirnforschung erwähnt. Ergänzen Sie den
entsprechenden Lückentext.

173
Die Hirnforschung zum Beispiel ist einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden
durch bunte Bilder, die angeblich ……………………………………………………….
zeigen. Mit der sogenannten Positronenemissionstomographie (PET)
können …………………… ……………………. im Gehirn ………………….. dargestellt
werden. Diese Bilder zeigen uns angeblich, was wir mit unseren
Augen ………………………………………. …………………….. . Sie zeigen uns auch,
was wir …………………………………….. ……………………… , nämlich wie
Nervenzellen unseres Gehirns ……………………... …………………….. und
dadurch ……………………….. ………………………. ….. . Was die meisten Menschen
aber auch nicht verstehen, ist,
dass …………………………. ………………………………………………………… ,
sondern ……………………….. …………………………………. .

9. Wissenschaftliche Bilder verwenden Farben. Welche Gefahren sind damit


verbunden? Geben den Textabschnitt wieder, in dem Abbildung 4 erläutert wird.

10. Welche Fragen sollte man sich beim „kritischen Sehen“ stellen?
1)
2)
11. Welche Forderung wird am Schluss des Hörtextes formuliert?

12. Erklären Sie die Überschrift des Hörtextes.

13. Fassen Sie die Informationen des Textes zusammen. Achten Sie dabei auf den
logischen Aufbau der Zusammenfassung. Der Vortragende macht den Aufbau seines
Vortrags sehr deutlich.

174
ANHANG 4. BESCHREIBUNG DER GRAFIKEN

I. Redemittel zur Beschreibung der Grafiken:

Thema: Die Grafik mit dem Titel … liefert Informationen über …


Die Grafik mit dem Titel … zeigt/ veranschaulicht/ verdeutlicht …
In der vorliegenden Grafik wird/ werden … dargestellt.
Quelle: Die Angaben/ Daten/ Informationen stammen aus/ von …
Als Quelle wird … angegeben.
Legende: Die Grafik beschreibt einen Zeitraum von … bis …
Die Angaben erfolgen in Prozent/ Tausend/ Kilogramm …
Die Angaben beziehen sich auf den Zeitraum von … bis …/ das
Jahr …
Die Werte sind in … angegeben.

Eine statische Grafik beschreiben Eine dynamische Grafik beschreiben


Der Anteil/ Der Prozentsatz von liegt bei … ansteigen/ wachsen/ sich erhöhen ↔
Die Zahl von beträgt …/ beläuft sich auf … sinken/ fallen/ zurückgehen/ sich
(Der) Spitzenreiter ist … vermindern
An erster (zweiter/ dritter …) Stelle steht/ von … auf … Prozent/ Millionen etc.
kommt … um … Prozent/ Millionen etc.
Den ersten Platz belegt … rückläufig sein
Im Mittelfeld befindet sich … sich verdoppeln/ verdreifachen …
konstant/ unveränderlich/ gleich bleiben
Der Anstieg/ Das Wachstum/ Die
Erhöhung beträgt …
Der Rückgang/ Die Verringerung
beträgt …

Vergleichen:
Im Vergleich zu/ mit …
Wenn man … vergleicht, dann erkennt man eine Erhöhung/ Steigerung/ einen Zuwachs/
einen Rückgang/ eine Abnahme/ eine Stagnation.
Im Gegensatz zu … / Im Unterschied zu …
Während …

Hervorheben/ Betonen
erheblich/ stark/ deutlich/ enorm ↔ geringfügig/ kaum zugenommen haben
kontinuierlich wachsen
Auffallend/ Auffällig/ Bemerkenswert ist …
Was ins Auge springt, ist …

175
Zusammenfassen:
Zusammenfassend/ Abschließend kann man sagen, dass …
Insgesamt sieht man …

II. Schritt für Schritt zur Beschreibung der Grafik

Schritt 1. Stellen Sie fest, welches Diagramm Ihnen vorliegt. Es gibt


Balkendiagramme (Abb. 1), Säulendiagramme (Abb. 3b), Liniendiagramme (Abb. 3a) und
Kreisdiagramme (Tortendiagramme) (Abb. 2).

Abb. 1 Balkendiagramm Abb. 2 Kreisdiagramm

176
3. a) Liniendiagramm (links) b) Säulendiagramm (rechts)
Schritt 2. Diagramme können statisch und dynamisch sein. Davon ist die Beschreibung und
die Wahl der Redemittel abhängig. Die statische Grafik stellt einen Sachverhalt, eine
Situation zu einem bestimmten Zeitpunkt dar (Abb. 1, 2, 3b). Die dynamische Grafik zeigt
eine Entwicklung innerhalb einer bestimmten Periode dar (Abb. 3a). Stellen Sie fest, welcher
Typ Ihnen vorliegt.

Schritt 3. Antworten Sie auf die folgenden Fragen zur Grafik:


1. Was ist das Thema (der Titel) der Grafik?
2. Was ist die Quelle?
3. Welche Maßangaben werden benutzt?
4. Welcher Zeitraum bzw. Zeitpunkt wird dargestellt?

Schritt 4. Informationen der Grafik verstehen. Überlegen Sie sich:


1. Welche Informationen können Sie der Grafik entnehmen?
Nennen Sie keine Einzelheiten. Konzentrieren Sie sich nur auf das Wesentliche. Sie können
auch nur die „Eckdaten“ nennen, d.h. die kleinsten und die größten Zahlen.
2. Was muss man hervorheben? Was ist auffällig?
3. Welche Daten/ Werte sollten verglichen werden?
4. Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen den einzelnen Positionen? Kann man Gruppen
bilden?
5. In welcher Reihenfolge werden Sie die Daten beschreiben?
6. Welche Redemittel werden Sie verwenden?

Schritt 5. Überlegen Sie sich die Aussageabsicht der Grafik:


1. Welche Schlussfolgerungen lassen sich ziehen?
2. Welche Aussagen werden dem Betrachter nahegelegt?
3. Will das Schaubild etwas erklären, etwas empfehlen oder zu einer Handlung
auffordern?
4. Gibt es Informationen, die im Schaubild fehlen?
5. Will das Schaubild auf den Betrachter manipulierend Einfluss nehmen? Wie?

177
III. Muster für die Beschreibung der

Grafik
Die vorliegende Grafik mit dem Titel „Ohne Schulabschluss“ liefert Informationen über
den Anteil der Bevölkerung in Deutschland ab 15 Jahren ohne allgemeinen Schulabschluss.
Als Quelle ist Statistisches Bundesamt angegeben. Die Angaben erfolgen in Prozent. Die
Grafik links ist ein Liniendiagramm und stellt die Entwicklung im Zeitraum 1996 bis 2013
dar. Rechts sehen wir die Landkarte Deutschlands und ein Balkendiagramm, die den Stand
im Jahr 2013 beschreiben.
Aus dem Liniendiagramm ist ersichtlich, dass die Zahl (der Anteil) der Menschen ohne
Schulabschluss in dem genannten Zeitraum zwar geschwankt hat, dennoch kontinuierlich
gewachsen ist – von 2,6 % im Jahr 1996 auf 4,1 % im Jahr 2010. Auffällig ist dabei, dass die
Zahl sich seit 2011 stabilisiert hat und unter 4% liegt.
Die Grafik vergleicht auch die Situation in West- und Ostdeutschland im Jahr 2013.
Bemerkenswert ist, dass der Anteil der Bevölkerung ohne allgemeinen Schulabschluss in
Westdeutschland fast zweimal so hoch ist wie in Ostdeutschland.
Das Balkendiagramm stellt t den Anteil der Menschen ohne Schulabschluss nach
Nationalität gegenüber. Der Unterschied zwischen den Ausländern und den Deutschen ist
enorm. Während bei den Deutschen 2013 nur 2,4 % keinen allgemeinbildenden
Schulabschluss hatten, lag der Anteil solcher Menschen bei den Ausländern bei knapp 18%.
Zusammenfassend kann man sagen, dass die Tendenz leicht rückläufig, aber immerhin
Besorgnis erregend ist. Die geschilderte Situation ist auf engste mit der Integration der
Ausländer in die Gesellschaft verbunden. Fehlender Schulabschluss ist ein gewaltiges
Hindernis im diesem Prozess.
ANHANG 5. DISKUSSION

5.1Diskussionsregeln

№ Regeln

178
1 Sich melden, wenn Beitrag gewünscht!
2 Kurz und präzise argumentieren!
3 Beim Thema bleiben/ Frage beachten!
4 Meinungen/ Behauptungen begründen!
5 Gut zuhören, wenn andere reden!
6 Auf Vorredner Bezug nehmen!
7 Beim Reden die Gesprächspartner anschauen!
8 Das Wort an die Gesprächspartner weitergeben!
9 Die „Schweiger“ zum Sprechen ermutigen/ veranlassen!
10 Nebengespräche und sonstige Störungen vermeiden!

5.2 Redemittel

Meinung äußern:
Ich bin der Ansicht, dass …
Meines Erachtens / Meiner Auffassung nach …
Ich bin zu der Auffassung / zu der Überzeugung gelangt, dass …
Ich glaube / denke / finde, dass …
Sich auf vorher Gesagtes beziehen:
Ich möchte gern noch einmal auf das zurückkommen, was Sie vorhin gesagt haben.
Ich würde gern noch einmal darauf eingehen, was vorhin gesagt wurde.
Zustimmung:
Ich stimme dir/Ihnen zu …
Da kann ich voll zustimmen.
Das sehe ich auch / genauso.
Der Meinung bin ich auch.
Ablehnung:
Da bin ich aber völlig anderer Meinung.
Das sehe ich doch etwas anders.
Da muss ich widersprechen.
Das stimmt doch überhaupt nicht.
Ihre/ deine Argumente überzeugen mich nicht.
Einschränkung:
Ja schon / gut, aber …
So pauschal kann man das aber nicht sagen.
Das kann schon sein, aber …
Zweifel:
Stimmt das wirklich?
Mir kommen da doch ein paar Zweifel…
179
Auf der einen Seite … auf der anderen Seite
Nachfragen:
Wenn ich Sie / dich richtig verstanden habe, meinen Sie, dass …
Etwas besonders betonen:
Besonders wichtig / entscheidend für mich ist …
Ich möchte besonders betonen/ unterstreichen, dass …
Ich würde gern auf einen Punkt eingehen, der mir besonders wichtig ist. …
Ich finde Folgendes ganz entscheidend: …
Zu einem anderen Punkt überleiten:
Ich würde gern noch einen anderen Punkt ansprechen.
Darf ich auf etwas anderes kommen?

Etwas ergänzen / klarstellen:


Ich würde gerne noch etwas ergänzen / hinzufügen …
Das würde ich gern noch etwas genauer erläutern / erklären …
Ich habe mich vorhin vielleicht nicht ganz nicht ganz klar / missverständlich ausgedrückt.
Ich meinte Folgendes…
Lassen Sie mich das noch einmal anders formulieren…
Ich möchte gern etwas richtig stellen.

Jemanden unterbrechen:
Darf ich dazu kurz etwas bemerken / sagen / hinzufügen?
Darf ich da kurz einhaken?
Entschuldigen Sie, dass ich Ihnen ins Wort falle, aber …

ANHANG 6. LESERBRIEF

Checkliste Leserbrief

Anhand der folgenden Checkliste können Sie kontrollieren, ob es sich um einen gut
aufgebauten, gelungenen Leserbrief handelt. Wenn Sie einander bewerten, sollten Sie genaue
Rückmeldungen geben: Beantworten nicht immer alles mit JA, sondern machen Sie
Verbesserungsvorschläge. Schreiben Sie diese in die entsprechende Spalte.

Kriterium Mögliche Fragen Anmerkungen und


Verbesserungsvorschläge
1. Aufbau Enthält der Leserbrief die
Teile Betreff, Anrede,
Einleitung, Hauptteil, Schluss,
Grußformel und Unterschrift?
Gibt es Absätze (Leerzeilen)
zwischen den einzelnen
Teilen?

180
Inhalt
a) Einleitung Ist der Anlass genannt worden,
der die Autorin zum Schreiben
bewegt?
b) Hauptteil Ist die Meinung klar
formuliert?
Sind Argumente für die
Position angeführt und durch
Beispiele gestützt worden?
Sind Argumente sprachlich
miteinander verknüpft
(Bindewörter etc.)?
Extra:
Sind Argumente nach ihrer
Überzeugungskraft (auf- oder
absteigend) sortiert?
Sind mögliche Einwände
(Gegenargumente) genannt,
um sie zu entkräften?
c) Schluss Hat die Autorin am Ende ihre
Position zusammengefasst
oder einen Vorschlag oder
Wunsch geäußert?
Sprache
a) Ausdruck Drückt sich die Autorin genau
und abwechslungsreich aus?
Verwendet sie/ er eine
sachliche Sprache?
b) Satzbau Verwendet sie/ er passende
Bindewörter?

Variiert sie/ er den Satzbau


und benutzt Satzreihen und
Satzgefüge?
c) Sprachrichtigkeit Schreibt sie/ er sprachlich
richtig und macht wenig
Rechtschreibungs- und
Grammatikfehler?

Das hat mir besonders gut gefallen!/ Weitere Anmerkungen:

ANHANG 7. KOMMENTAR

181
Der Begriff Kommentar bedeutet Erläuterung, Interpretation oder Anmerkung. Im
Deutschunterricht ist mit einem Kommentar meist auch eine Stellungnahme gemeint.
Recherche
Bevor man einen Text kommentieren kann, muss man nicht nur diesen aufmerksam
lesen, sondern sich auch eine Meinung bilden. Diese Meinung setzt voraus, dass man zu dem
betreffenden Thema recherchiert, wenn man nicht genügend Hintergrundwissen hat.
Grundsätzlich gilt: je mehr man über das Thema weiß, umso besser kann man es
kommentieren und umso besser fällt in der Regel auch die Bewertung aus.
Ihre reine Meinung reicht für einen guten Kommentar nicht aus, man muss diese auch
begründen und diese Begründung muss logisch nachvollziehbar sein. Ist der Kommentar
eine Hausaufgabe, sollte man genügend Zeit für die Recherche einplanen. Wird der
Kommentar als Klassenarbeit geschrieben, geht es meist um Themen, die entweder im
Unterricht besprochen wurden oder die zur Allgemeinbildung gehören und für Sie inhaltlich
kein Problem darstellen sollten.
Aufbau
Der Aufbau sollte logisch und nachvollziehbar sein. Als sinnvoll erwiesen hat sich,
wenn man mit einer kurzen These beginnt. Diese darf gerne provokant sein. Anschließend
sollte man den Text, um den es geht, kurz zusammenfassen, ohne dass man ihn an dieser
Stelle schon bewertet.
Die Bewertung beziehungsweise Argumentation erfolgt im Anschluss. Erläutern Sie
die Argumente für Ihre These, gehen Sie auch hierbei auf die Argumente im Text, den
Sie kommentieren, ein. Greifen Sie auch Gegenargumente aus, die im Text stehen oder im
Zusammenhang mit Ihrer Recherche aufgetaucht sind, und entkräften Sie diese. Erst im
Schlussteil zieht man seine Schlussfolgerungen aus der Argumentation und bringt diese in
Zusammenhang mit der These, die man zu Beginn aufgestellt hat.
Eigene Meinung
In einem Kommentar darf die eigene Meinung grundsätzlich vertreten werden.
Allerdings sollte man seine Meinung hierfür gut vertreten und argumentativ begründen
können.
Stil eines Kommentars
Ein Kommentar im Deutschunterricht hat nicht viel mit Kommentaren gemeinsam, die
im Internet unter Artikel gepostet werden. Achten Sie daher auf einen sachlichen Stil und
eine logische Argumentationskette. Greifen Sie die Argumente im Text auf, indem Sie
diese sachlich wiedergeben und dann logisch auf diese eingehen. Ihre stärksten Argumente
sollten Sie immer am Schluss vorbringen, das gilt nicht nur für Kommentare. Grund dafür ist,
dass diese dann nicht von anderen Argumenten, die möglicherweise schwächer sind,
überdeckt werden.
Die Kommentarfunktion (eine beliebte Funktion auf den verschiedensten sozialen
Netzwerken, Nachrichtenportalen oder Blogs): Sie gibt Lesern die Möglichkeit, ihre
Meinung zu einem Thema zu äußern. Deshalb wird er von der Wissenschaft zur
„Königsdisziplin“ erhoben.
https://www.kapiert.de/deutsch/klasse-9-10/schreiben/argumentieren-und-stellung-nehmen/einen-kommentar-verfassen/
Ein Kommentar stellt somit eine Ergänzung zu einem vorhandenen Artikel dar. Der
Autor des Kommentars reichert den Artikel durch Hintergrundinformationen,
Interpretationsmöglichkeiten oder das Herausarbeiten von Widersprüchlichkeiten an und
gibt anhand dieser Erläuterungen seine persönliche Meinung wieder.
182
Arten der Kommentare:

1. Argumentationskommentar
(Einerseits-Andererseits-Kommentar): Er erörtert das Für und Wieder ausführlich,
ohne unbedingt zu einem Ergebnis zu gelangen.
Dem Namen entsprechend liegt das Hauptaugenmerk eines
Argumentationskommentars auf Argumenten. Hierbei fasst der Autor verschiedene
Argumente zusammen, beleuchtet diese und verfasst abschließend ein Fazit, das er aufgrund
seiner persönlichen Meinung erstellt.

2. Pro- und contra-kommentar


Bei dem Pro- und Contra-Kommentar werden ebenfalls Argumente für und gegen
das behandelte Thema abgewogen. Er erörtert das Problem von allen Seiten, bleibt aber nicht
dabei stehen, sondern zieht eine Schlussfolgerung. Das Fazit fällt mitunter nicht eindeutig
aus. Der Autor vertritt entweder einen klaren Standpunkt und schließt diesen in sein Fazit ein,
er entschließt sich abschließend für einen Kompromiss, oder er entzieht sich der
Meinungsäußerung und bezieht keine eindeutige Stellung zum Thema.

3. Geradeheraus-kommentar (Kurzkommentar): Es geht nicht um Argumentation,


sondern nur um die positive oder negative Meinung des Kommentators (z.B. nach Artikeln
im Internet). Diese Form des Kommentars unterscheidet sich markant von den anderen
beiden. Bei dem Geradeheraus-Kommentar beginnt der Autor direkt, seine Meinung zu
äußern und verzichtet auf eine umständliche Abwägung von Argumenten. Die verwendete
Sprache ist bei dieser Form des Kommentars meist einfach und verständlich, sodass für den
Leser schnell die Position des Verfassers klar wird, z.B.:

Am 28. März 2019 um 14:49 von Tada


Trend
„Auf der „China Fashion Week“ zeigt sich die Vorliebe für heimische Designs und Marken.“
Nicht nur da. Es ist schon länger der Trend vorhanden traditionelle Muster und Formen
modern umzusetzen - und zwar welche aus aller Welt.
In Europa gibt es durchaus erschwingliche Marken, auch wenn es dann reduziert am Ende
der oder von der letzten Saison sein muss, weil die neuste Kreation doch das Budget
sprengen würde.
Daher ist auch China voll im Trend, nicht im Gegentrend.).
https://meta.tagesschau.de/id/141392/selbstbewusst-und-unabhaengig-chinas-neues-
modebewusstsein#comment-3787407

Видео:
https://uni-24.de/den-perfekten-kommentar-schreiben-aufbau-gliederung-tipps/
Grundsätzlich kann jede Meldung kommentiert werden und auch im Hinblick auf
den strukturellen Aufbau oder den Schreibstil gibt es keine starre Anleitung und keine festen
Regeln.
Ein Kommentar gliedert sich im Wesentlichen in zwei (drei) Teile:

183
Zuerst folgt eine Einleitung, die in kurzer und knapper Form über den Sachverhalt
informiert, und danach kommt eine logisch aufgebaute Argumentation, die schließlich in
einem nachvollziehbaren und verständlichen Fazit endet.
Um die eigene Meinung schlüssig darzustellen und den Leser zu überzeugen, zu
provozieren oder dazu anzuregen, sich seine eigenen Gedanken zu machen, kann der
Verfasser auf einige Tipps und Tricks zurückgreifen. Beliebte Mittel in Kommentaren sind
beispielsweise rhetorische Fragen, Ironie, Übertreibungen, mehrdeutige Begriffe oder
Metaphern.

184