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In Deutschland gilt auch US-Recht

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11. August 2014, 15:51 Uhr

Deutsch-amerikanische Beziehungen In Deutschland gilt


auch US-Recht
Warum Edward Snowden nicht nach Deutschland kommen darf? Hier droht Auslieferung statt Asyl. Denn
für die Bundesregierung ist die Partnerschaft mit den USA wichtiger als Recht und Verfassung. Eine
bittere Erkenntnis.

Ein Gastbeitrag von Josef Foschepoth

Edward Snowden darf weitere drei Jahre in Russland bleiben und auch frei ins Ausland reisen. Sollte er je
deutschen Boden betreten (was Snowden selbst und viele Deutsche sich wünschen) - nach welchem
Recht würde man diesen Whistleblower hier behandeln? Als in den vergangenen Monaten über
Aufenthaltsmöglichkeiten für Snowden diskutiert wurde, wurden drei Optionen genannt.

Erstens, das Asylrecht - es schied aus, weil ein Antrag auf Asyl nur von einer Person gestellt werden kann,
die sich bereits im Lande aufhält. Eine zweite Möglichkeit wäre, Snowden nach dem Aufenthaltsgesetz
aufzunehmen, das einem Ausländer "aus völkerrechtlichen oder dringenden humanitären Gründen eine
Aufenthaltserlaubnis" ermöglichen kann. Dies lehnte die Bundesregierung ab. Auch die dritte Möglichkeit
lehnte sie ab: Den Whistleblower nur für eine Zeugenvernehmung durch den parlamentarischen NSA-
Untersuchungsausschuss ins Land zu lassen.

Partnerschaft mit den USA ist Teil der deutschen Staatsräson


Die deutsch-amerikanischen Beziehungen stellen einen höheren Wert dar als die Aufklärung der
geheimdienstlichen Angriffe der USA auf die freiheitlichen Grundrechte der Bundesbürger. Eine Einreise
Snowdens, aus welchen Gründen auch immer, wäre deswegen der politische Super-GAU. Die
Bundesregierung würde in die Entscheidung gezwungen, sich zwischen den Interessen der USA und dem
verfassungsrechtlich garantierten Schutz der Grundrechte zu entscheiden. Um dies zu verhindern, darf
Snowden deutschen Boden erst gar nicht betreten.

Die Sicherheitspartnerschaft mit den Vereinigten Staaten ist zentraler Bestandteil der deutschen
Staatsräson. Sie steht gleichsam über Recht und Verfassung.

In der Bundesrepublik gilt auch US-Recht


Die Ziele der amerikanischen Seite, wie sie sich seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs herausgebildet
haben, waren: Erstens die Eindämmung der deutschen Gefahr durch Einbindung der Bundesrepublik in
den Westen. Zweitens die Entwicklung Deutschlands zu einem verlässlichen Bündnispartner mit
minderen Rechten. Drittens die Sicherung und langfristige Nutzung der geostrategischen Lage der
Bundesrepublik für die Sicherung und Ausweitung des amerikanischen Imperiums.

Die deutschen Ziele korrespondierten mit denen der USA. Nur durch die Einbindung in den Westen war
ein demokratischer Neuanfang möglich. Eine dauerhafte Stationierung amerikanischer Truppen und
spezifisch deutsches NATO-Recht haben die Sonderrechte der USA dauerhaft gesichert und
fortgeschrieben - bis heute. Nicht von ungefähr ist die Bundesrepublik, nach Afghanistan, der größte
amerikanische Militärstandort.
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Die Privilegien der USA reichen von der Steuer- und Zollfreiheit über die Mitfinanzierung der militärischen
Infrastruktur, die Übernahme von Sozialleistungen für deutsche Zivilangestellte bis zu Vergünstigungen
für amerikanische Firmen, die bestimmte Dienstleistungen, unter anderem im Geheimdienstbereich, für
die US-Truppen in Deutschland erbringen. Dazu kommen Sonderrechte im Bereich der
Strafgerichtsbarkeit und Strafverfolgung.

In Deutschland gilt nicht nur deutsches Recht, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel mehrfach betont hat,
sondern auch amerikanisches Recht.

Snowden könnte vor Militärgericht angeklagt werden


Wer Soldat der amerikanischen Armee ist, Mitglied des sogenannten zivilen Gefolges, oder zu deren
Angehörigen zählt, untersteht auch in Deutschland amerikanischem Recht beziehungsweise Militärrecht.
Zum zivilen Gefolge gehören Zivilpersonen, die bei der Armee angestellt sind oder in amerikanischen
Firmen arbeiten, die ausschließlich Dienstleistungen für die Armee erbringen, zum Beispiel für
die Datenverarbeitung.

Von Edward Snowden wissen wir, dass er nicht nur für die CIA gearbeitet hat, sondern auch für die NSA
und die DIA (Defense Intelligence Agency), beide unterstehen dem US-Verteidigungsministerium. Es ist
durchaus möglich, dass Snowden, sollte er nach Deutschland kommen, vor einem Militärgericht
angeklagt wird. Denkbar wäre auch, dass die US-Militärbehörden in Deutschland - von welchem Gericht in
den USA auch immer - um Amtshilfe gebeten würden. Die Schwere der Straftaten (Spionage, Verrat von
Amtsgeheimnissen, Diebstahl von geheimen Staatsdokumenten), die Snowden vorgeworfen werden,
lässt dies sogar vermuten. In der Zeit der alten Bundesrepublik ist mancher Straftäter mit Unterstützung
deutscher Behörden in die USA ausgeflogen worden.

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Deutsch-amerikanische Beziehungen USA stehen
Privilegien laut Nato-Statut zu
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11. August 2014, 15:51 Uhr

Nach Artikel VII des Nato-Truppenstatuts von 1951 haben die amerikanischen Militärbehörden das Recht,
innerhalb der Bundesrepublik "die gesamte Straf- und Disziplinargerichtsbarkeit" über alle dem
amerikanischen Militärrecht unterworfenen Personen auszuüben. Sie haben ferner das Recht, "die
ausschließliche Gerichtsbarkeit in Bezug auf diejenigen Handlungen, einschließlich Handlungen gegen
die Sicherheit dieses Staates, auszuüben, welche nach dem Recht des Entsendestaates, jedoch nicht
nach dem Recht des Aufnahmestaates strafbar sind".

Zu den strafbaren Handlungen gegen die Sicherheit des Staates gehören Hochverrat, Spionage oder
Verletzung eines Gesetzes, das sich auf die Amtsgeheimnisse bezieht oder Geheimnisse im
Zusammenhang mit der Landesverteidigung der Vereinigten Staaten. Die Behörden der Bundesrepublik
und der USA unterstützen sich gegenseitig bei der Strafermittlung, der Sicherung von Beweismitteln,
sowie bei der Festnahme und Übergabe beschuldigter Personen an die zuständigen Militärbehörden
der USA.

Zusätzliche Abkommen regeln Sicherheit der US-Truppen in Deutschland


In dem nur mit den Deutschen abgeschlossenen Zusatzabkommen zum Nato-Truppenstatut wurde der
Personenkreis, auf den sich die Verpflichtung zu engster Zusammenarbeit bezieht, noch
erheblich erweitert.

Die Zusammenarbeit erstreckt sich "auf die Förderung und Wahrung der Sicherheit sowie den Schutz des
Vermögens der Bundesrepublik, der Entsendestaaten und der Truppen, namentlich auf die Sammlung,
den Austausch und den Schutz aller Nachrichten, die für diese Zwecke von Bedeutung sind". Und - "auf
den Schutz des Vermögens von Deutschen, Mitgliedern der Truppen und der zivilen Gefolge und
Angehörigen sowie von Staatsangehörigen der Entsendestaaten, die nicht zu diesem
Personenkreis gehören."

Immer wieder musste sich die Bundesrepublik in der Vergangenheit verpflichten, Verwaltungsabkommen
und Vereinbarungen mit den USA zu treffen, die die Sicherheit der USA und ihrer Truppen in
Deutschland gewährleisteten.

Deutsche Behörden sind zu enger Zusammenarbeit verpflichtet


Nach der Wiedervereinigung wurde eine Änderung des Zusatzabkommens zum Nato-Truppenstatut nötig.
Das, was früher die amerikanischen und deutschen Geheimdienste unter sich erledigt hatten, muss nun
unter Beteiligung eines Amtsrichters erfolgen. Die deutschen Strafverfolgungsbehörden sind weiterhin zu
enger Zusammenarbeit mit den amerikanischen Militärbehörden verpflichtet, zum Beispiel bei der
Ermittlung des Aufenthaltsortes eines Gesuchten.

Ist der Aufenthaltsort bekannt, muss der Verfolgte vorläufig festgenommen und unverzüglich dem Richter
des nächsten Amtsgerichtes vorgeführt werden. Der Richter vernimmt den Verfolgten "über seine
persönlichen Verhältnisse, insbesondere über seine Staatsangehörigkeit". Er teilt ihm die Gründe für die
Festnahme mit und klärt ihn über seine Rechte auf.

Hält der Richter die Voraussetzungen für die vorläufige Festnahme für gegeben und das Ersuchen um
Übergabe für gerechtfertigt, ordnet er an, dass der Verfolgte unverzüglich an die zuständige
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Militärbehörde der USA übergeben wird, andernfalls wird der Verfolgte freigelassen.

USA würden nicht auf ihre Rechte und Möglichkeiten verzichten


Die im Grundgesetz garantierten Grundrechte der körperlichen Unversehrtheit, der Freiheit der Person und
der Unverletzlichkeit der Wohnung werden dadurch ausdrücklich eingeschränkt beziehungsweise außer
Kraft gesetzt.

Es ist nicht vorzustellen, dass die USA ausgerechnet bei einem so prominenten "Spion" und "Verräter",
den sie in Edward Snowden sehen, auf ihre Rechte und Möglichkeiten verzichten, die ihnen nach
amerikanischem Recht zustehen - dessen Gültigkeit die Bundesrepublik ausdrücklich anerkannt hat.

Sollte die Bundesregierung sich weigern, bei der Festnahme und Übergabe von Edward Snowden zu
helfen, so würde das die über sechzig Jahre gewachsene Sicherheitspartnerschaft in ihre schwerste
Krise stürzen.

So bitter die Erkenntnis für alle ist, die in Edward Snowden einen mutigen Whistleblower sehen, darf er
deutschen Boden nicht betreten. Die Bundesregierung wird seine Auslieferung an die amerikanischen
Behörden nicht verhindern, sondern ermöglichen, ob aus rechtlichen oder politischen Gründen. Denn das
entspricht der deutschen Staatsräson.

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