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Theorien der

Beratung

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Prof. Dr. Susanne Weissman
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I. II.

Subjektive Theorien Anthropologische Grundlagen


von Beratungstheorien
• „Bausteine“ von Beratungstheorien
• Menschenbilder in der
• Subjektive und intersubjektive Wirtschaftspsychologie
(wissenschaftliche) Theorien
• Diskussionsfragen
• Diskussionsfragen

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2 Prof. Dr. Susanne Weissman
Subjektive Theorien

I.
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„Was ist ein Praktiker? Ein Mensch, bei dem alles funktioniert, er aber nicht weiss
warum.

Was ist ein Theoretiker? Ein Mensch, der weiss, wie es geht, bei dem aber nichts
funktioniert.

Was ist theoretisch fundierte Praxis? Ein Arbeitsfeld, in dem nichts funktioniert und
keiner weiss warum.“

Beratungstheorien und Beratungshandeln: Wie lässt sich eine


funktionierende Praxis erreichen, die durch Theorien aus der
Psychologie gestützt ist?

I.
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Eine (sozialwissenschaftliche) Theorie ist..

.... eine modellhafte Abbildung eines spezifischen Ausschnitts der Realität.

Mit Hilfe dieser modellhaften Abbildung wird dieser Ausschnitt beschrieben


(„deskriptive“ Aussagen und/oder erklärt („kausale“Aussagen).

Mit Hilfe kausaler Aussagen werden prognosen abgeleitet, die in


Handlungsempfehlungen münden („theoriegeleitete Praxis“)

Theoretische Aussagen haben hypothetischen Charakter bis ihre Gültigkeit


empirisch validiert werden konnte.

I.
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Schritte der wissenschaftlichen Theoriebildung

1. Wahrnehmen: Informationen aufnehmen (Vorstufe)

2. Hypothesenbildung

3. Empirische Überprüfung unter Befolgung entsprechend methodischer Richtlinien

4. Gesetzmäßigkeiten und Erklärungen in Form kausaler Verknüpfungen finden

Beratungstheorie beschreiben

1. was „Beratung“ meint (Definition)

2. wie ein Beratungsprozess abläuft (deskriptive Prozesstheorie)

3. was sich in den handelnden Personen abspielt (Theorien der Persönlichkeit,

I.
Handlungstheorien)

4. wie und wodurch Veränderung entsteht (Entwicklungstheorien) Prof. Dr. Susanne Weissman
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Gütekriterien wissenschaftlicher Theorien

Widerspruchsfreiheit: eine Aussage innerhalb ein und desselben Theoriegebäudes darf


einer anderen Aussage dieser Theorie nicht widersprechen.

Geschlossenheit und logische Einheitlichkeit: eine Theorie soll ein in sich schlüssiges
Denkgebäude sein, aus dem eine Aussage aus der anderen folgt.

Empirisch Überprüfbarkeit, d.h. die Theorie muss erlauben, Hypothesen zu formulieren,


die einer empirischen Überprüfung zugänglich sein müssen. Der Schlüsselbegriff hierzu
lautet „Operationalisierbarkeit“, was bedeutet, dass Begriffe und Konstrukte in
beobachtbare Ereignisse transformierbar sind.

I.
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Beratungstheorien und Beratungshandeln: Wie lässt sich eine


funktionierende Praxis erreichen, die durch Theorien aus der
Psychologie gestützt ist?

Relevanz: Welche Bedeutung hat die Beratungstheorie für das Beratungshandeln?


(Erklärungswert, Konzeptrahmen, Methoden, Nützlichkeit)

„Wahrheitsgehalt“: empirische Validierung oder auch Funktionalität

Kompatibilität: bezogen auf andere Theorien und Modelle (Integrationsfähigkeit)

I.
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„Bausteine“ von Beratungstheorien

Menschenbild

Entwicklungstheorie

Methoden

Praxis
I.
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Subjektive Theorien

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Subjektive und wissenschaftliche („intersubjektive) Theorien und
Beraterverhalten

Subjektive Intersubjektive Beraterverhalten


Theorie Theorie

I.
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Vom Wissen zur Handlung- SOAP-Modell

SO: Situationsorientierung AP: Aktionsplanung

Worum geht es, wie wird sich die Entwicklung von Zielen und Entwurf
Situation weiterentwickeln? dazu passender Handlungspläne

Rückgriff auf subjektive Theorien/


biographisch erworbenes Handeln als ständiges Ineinander von
Erfahrungswissen, um die Situation zu Situationsorientierung und
verstehen Aktionsplanung

In diesen Prozess greift neu erworbenes Wissen nicht ein. I.


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Vom Wissen zur Handlung- SOAP-Modell

SO: Situationsorientierung AP: Aktionsplanung

Worum geht es, wie wird sich die Entwicklung von Zielen und Entwurf
Situation weiterentwickeln? dazu passender Handlungspläne

Rückgriff auf subjektive Theorien/


biographisch erworbenes Handeln als ständiges Ineinander von
Erfahrungswissen, um die Situation zu Situationsorientierung und
verstehen Aktionsplanung

I.
Entwicklung von Entwicklung von
Situations- „Prototypen“ Handlungs- „Prototypen“
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Fazit:
•Mit der Aneignung wissenschaftlicher Theorien werden subjektive Theorien differenzierter
und genauer.

•Die Handlungsmuster bleiben davon jedoch unberührt: Handlungsentwürfe werden auf der
Grundlage von SO- und AP- Prototypen zu einer Art „Drehbuch“ organisiert, um zielsicheres
und effizientes Handeln zu ermöglichen.

Wie greift man nun in solche festen Strukturen ein?

Da diese Strukturen bewusstseinsfähig und reflexiv bearbeitbar sind, müssen Menschen in


die Lage versetzt werden, sich ihrer „Drehbücher“ bewusst zu werden (Rekonstruktion
subjektiver Theorien).

I.
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Anthropologische
Grundlagen von
Beratungstheorien

II.
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Die Anfänge: Triebgesteuert oder „Black box“-Wesen

Triebgesteuert „Black box“-Wesen

•deterministisch: situative Reize steuern


• deterministisch: triebmotiviertes
entsprechende Reaktionen
menschliches Verhalten

•Verhalten als Ausdruck der


•Verhalten als Reiz-Reaktionsverknüpfungen
Psychodynamik
•Verhalten ist das Resultat einer
•Verhalten dient der Triebreduktion und der
Lerngeschichte
Balance der Psycho-bzw. Konfliktdynamik
•„Walden Two“(Futurum 2): Skinner negiert
•„Wo „Es“ ist, soll „Ich“ werden“(Freud): die Fähigkeit des Menschen zu Autonomie
Entwicklung als perösnlicher und Selbststeuerung, denn er steht den
Reifungsprozess Entwicklungsprozessen völlig passiv
gegenüber.

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„Homo oeconomicus“

•übernimmt wenig Verantwortung am


• handelt völlig zweckrational, d.h. wägt
Arbeitsplatz, weil Arbeit mit Zeit und
Kosten und Nutzen gegeneinander ab
Anstrengung verbunden ist (ausschließlich
•strebt nach dem maximalen Nutzen oder extrinsische Orientierung)
Gewinn
•besitzt völlige Übersicht über
•handelt immer im Sinne der
Handlungsmöglichkeiten („Markttransparenz“)
Nutzenmaximierung

•verfügt idealerweise über alle •antwortet mit hoher Geschwindigkeit auf


Informationen über das, was am Markt veränderte Angebotsdaten
angeboten wird
•hat stabile und linear auf die Zukunft
•ist mit Voraussicht in wirtschaftlichen gerichtete Bedürfnisse, die zudem
Dingen begabt unabhängig sind von anderen Personen

Quelle: Kirchler, E., Meier-Pesti, K., Hofmann,

II.
•ist nur durch monetäre Anreize E.,„Menschenbilder in Organisationen“,
motivierbar Facultas, 2004

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„Self-actualizing man“: Selbstverwirklichung des Individuums

•Menschen sind primär intrinsisch motiviert,


•Unabhängig vom (Aus-)Bildungsstand
externe Belohnung bewirkt träge Anpassung
streben alle ArbeitnehmerInnnen nach
und verhindert Weiterentwicklung
Selbstverwirklichung
•Zwischen individuellen Streben nach
•Individuelle Selbstverwirklichung sind
Selbstverwirklichung und den Zielen der
wichtiger als die Integration in eine
Organisation besteht nicht zwingend eine
funktionierende Arbeitsgruppe und soziale
Diskrepanz: ArbeitnehmerInnen versuchen
Beziehungen
freiwillig ihre Ziele in die der Organisation zu
•Selbstverwirklichung und Autonomie sind integrieren.
wichtige Motivationsfaktoren
•Beratung ist Anregen und Unterstützen
•ArbeitsnehmerInnen sind fähig zur
Weiterentwicklung und möchten als reife
MitarbeiterInnen gesehen werden
(Entscheidungsautonomie) Quelle: Kirchler, E., Meier-Pesti, K., Hofmann,
E.,„Menschenbilder in Organisationen“,
Facultas, 2004 II.
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„Complex man“: Berücksichtigung inter- als auch intraindividueller
Unterschiede

•Bedürfnissse variieren inter- und


•Arbeitszufriedenheit und Leistung
intraindividuell
(„Performance“) lassen sich nur teilweise auf
•Motive sind zu einem komplexen
verschiedene Motivmuster von
Motivmuster verwoben ArbeitnehmerInnen zurückführen

•Neue Motive können im Verlauf der


Lerngeschichte in der Organisation •Beratung muss sich den individuellen
hinzukommen
Ansprüchen von ArbeitnehmerInnen
•Innerhalb einer Organisation kann eine
auseinandersetzen, Lösungen sind jeweils
Person unterschiedliche Motive verfolgen situations- und personspezifisch zu finden

Quelle: Kirchler, E., Meier-Pesti, K., Hofmann,


E.,„Menschenbilder in Organisationen“,
Facultas, 2004 II.
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Blick in die Zukunft: die Persönlichkeit als „Portfolio“

II.
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Literatur

•Hier finden Sie die von die mir genutzten Quellen: E., Meier-Pesti, K., Hofmann, E.,
Menschenbilder in Organisationen

Taschenbuch: 210 Seiten


Verlag: Facultas Universitätsverlag;
Auflage: 1 (April 2004)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 385114628X
ISBN-13: 978-3851146288

II.
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Literatur

•Hier finden Sie die von die mir genutzten Quellen: Wolfgang Rechtien, Beratung.
Theorien, Modelle und Methoden

Taschenbuch: 170 Seiten


Verlag: Profil Verlag; Auflage: 2., überarb. A. (Oktober 2004)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3890195598
ISBN-13: 978-3890195599

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Fragen, Anmerkungen,
sonstiges?

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Das Menschenbild der


Wissensgesellschaft als
Anforderung an
BeraterInnen

II.
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“Der Coaching-Markt nimmt nicht nur an Umfang und Bedeutung zu, er
entwickelt sich auch in andere Richtungen. So kann z.B. festgestellt werden,
dass in der zunehmenden Zahl verfügbarer Angebote auch solche vertreten
sind, die weitreichende Erwartungen wecken. So können in diversen
Broschüren und Internetseiten oftmals Formulierungen folgender Art gefunden
werden:

- "Sie erreichen Ihre Ergebnisse in 3-5 Sitzungen."


- "Coaching hilft Ihnen dabei, Spitzenleistung zu entfalten."
- "Unser Anspruch ist, Sie erfolgreich zu machen."
- "Wir begleiten Sie bis zum Erfolg."
- "Als Coach helfe ich Ihnen, Ihre Wunschziele zu erreichen."
- "Was Sie im Coaching erreichen, hängt alleine von Ihrer Disziplin ab."
- "Ab heute erfolgreich."
usw.

Angesichts solcher Aussagen stellt sich die Frage, welches Menschenbild

II.
derartige Coaching-Anbieter eigentlich vertreten.“ (Christopher Rauen)

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Wie würden Ihre Aussagen lauten?

Bitte diskutieren Sie in Arbeitsgruppen folgende Fragen

Welches Menschenbild verbinden Sie mit Aussagen wie diesen?

Wie würden Ihre Aussagen lauten?

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