Sie sind auf Seite 1von 52

Der Zeitschrift für Musik,

Kultur und Volksleben


27. Jahrgang – Nr. 3 / 2007

Vierzeiler
EUR 2,90

Jodler und Juchzer


Emotionaler Höhenflug
der Stimmbänder
Die Nervn liegn im Kaufhaus blank:
„I muaß no schnell zu meiner Bank!“
Sågt er: „Brauch ma net rennan wia die Dodln,
tuan ma liaba zerscht oan jodln.“
INHALT

Der Vierzeiler
Heft 3 / 2007 Inhalt NEU

Hermann Härtels Leitartikel 3 Notenreihe promonica


Hans Martschins Notiert 4 Band 1:
Evelyn Fink-Mennel Der Jodler als Typ 5 Kapelle Kager
Statement zumThema 12 Tanzmusikstücke für vierreihige Steirische
Hans Koller Jodler und Weisen für Bläser 9 Harmonika eingerichtet von Sewi Krammer
und Elke Margetich
Statement zumThema
Robert Roßkogler Leidenschaft der Extraklasse 10 Gemeinsam mit den Kern-Buam und einigen weiteren weststei-
Hannes Martschin Digitaljodler 12 rischen Tanzmusikkapellen haben die Musikanten rund um Wal-
ter Kager (1933 – 1991) den schneidig-flotten Tanzmusikstil der
Ursula Werluschnig Ein Jodler mit auf dem Weg 14 Weststeiermark maßgeblich geprägt. Viele Stücke sind von an-
deren Gruppen aufgegriffen worden und zählen heute zum stei-
Ulrike Zöller Der Jodler in anderen Kulturen 18
rischen Standardrepertoire.
Norbert Hauer und Fitz Ascher Jodeldidudel 22
Aus dem Inhalt: Damenjagd (Polka schnell), Herbstblätter Walzer,
Lebensbilder – Gustl Leitner und die
Donnersbacher Vorsuppenjodler 26 Steirer Polka (Steirer san’ma selber då), Hab mich lieb (Walzer), Ka-
ger Polka, Schifahrer Franzé …
Liedersuchdienst 27

Liedergeschichte 28
1a In Griffschrift Preis: € 11,–
Aus der Werkstatt geplaudert – 1b In Notenschrift (G-C-F) Preis: € 11,–
Der Jodelkurs 30

Kurznachrichten 32 Bestellungen: Steirisches Volksliedwerk,


Herdergasse3, 8010 Graz
Skurriles aus dem Internet 35 Tel.: 0316 / 877-2660, Fax: DW -5587
service@steirisches-volksliedwerk.at
Aus dem Fotoarchiv 36
www.steirisches-volksliedwerk.at
Aktuelles aus dem Harmonikazentrum 37

gehört & gelesen (Buch- u. CD-Besprechungen) 38


Der IMPRESSUM: MEDIENINHABER (VERLEGER) UND HERAUSGEBER:
Aus der obersten Låd 42 Vierzeiler Steirisches Volksliedwerk VerlagsgesmbH (Gesellschafter: Hans
Martschin, Prof. Hermann Härtel) im Besitz des Vereins „Steiri-
Musik beim Wirt 46 sches Volksliedwerk“, Herdergasse 3, A-8010 Graz.
VORSTAND: Hans Martschin, 8632 Greith, Leitner Weg 12 (Vorsitzender); D.I. Gunther Hasewend,
Einfach selbst gemacht 48 Graz und OSR Franz Wolf, Markt Hartmannsdorf (dessen Stellvertreter); sowie weitere Vorstands-
mitglieder: Hans Neuhold, Graz; Univ. Prof. Dr. Franz Kerschbaumer, Graz; Franz Kodelic, Graz;
Flohmarkt 49 Mag. Zuzana Ronck, Graz; Mag. Sepp Ranftl, Graz; Dr. Heimo Schönhofer, Hausmannstätten,
Arnold Zimmermann, Graz.
Leservierzeiler/Leserwitz/Leserbriefe 50 ANSCHRIFT DER REDAKTION: Steirisches Volksliedwerk, Herdergasse 3, A-8010 Graz, Tel.
+43/(0)316/ 8772660, FAX +43/(0)316/8775587. REDAKTEURE: Prof. Hermann Härtel, her-
Veranstaltungen/Vorschau 51 mann.haertel@stmk.gv.at, Dr. Monika Primas, monika.primas@stmk.gv.at BANKVERBINDUNGEN:
Die Steiermärkische (Österreich), Kto.-Nr. 00000 955757, BLZ 20815 und Sparkasse Rosen-
heim (Deutschland), Kto.-Nr. 50120, BLZ 71150000. EINZELPREIS: EUR 2,90; Jahresabo: EUR
9,60. FOTOS: Steirisches Volksliedarchiv, wenn nicht anders angegeben. GESTALTUNG, SATZ,
LAYOUT: CHSARTS, St. Radegund bei Graz. DRUCK: Medienfabrik, Graz. Mitglied im Österreichi-
schen Zeitschriftenverband (ÖZV).
Kein Teil dieser Zeitschrift darf ohne schriftliche Genehmigung des Medieninhabers in irgendei-
ner Form reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet,
Titelfoto: Mag. Eva Heizmann vervielfältigt oder verbreitet werden.

Seite 2 Der Vierzeiler 3 / 2007


LEITARTIKEL

Von Prof.
Hermann Härtel
Geschäftsführer

Härtels des Steirischen


Volksliedwerkes

Leitartikel
Das Wort „Jodeln“ entlockt uns im Allgemeinen zuerst ein deln im Kurs erlernen“? beantwortet Ursula Werluschnig aus
Lächeln. Kann es sein, dass wir es in die Ecke der Klischees ab- profundem Munde, denn sie schaffte solchermaßen den Ein-
schieben, in der auch das Edelweiß wohnt und uns als eine will- stieg in die Welt des Jodelns. Schließlich führt uns Ulrike Zöller
kommene Delikatesse und Metapher für eine Urwüchsigkeit um den Erdenball und räumt auf mit der ewigen Besitzergrei-
dient, der wir insgeheim nachweinen? Steckt es aber selbst in fung, denn das Jodeln ist keinesfalls dem Älpler vorbehalten …
der Hand – das Edelweiß – und in der Gurgel – das Jodeln, dann
haben wir den Versatzstücken wieder Leben eingehaucht. Das Die Geburtsstunde der Harmonie
Resümee beim Jodelversuch: Es ist die Faszination schlechthin,
deckt stimmliche Mängel zuerst einmal auf und später den Be- Dem Jodeln das Image des musikalischen Blödelns und den ver-
darf an musikalischem Lustgefühl ab. dienstvollen Jodlergruppen andererseits auch den Nimbus des
Unerreichbaren zu nehmen ist eine der Aufgaben des Volkslied-
Im Blut und in der Wiege nichts nachzuweisen werkes. Dieses reizvolle Spiel mit den Tönen zugleich aber allen
zuzumuten, ist ein Hinweis auf die musikalische Eigenverant-
Der Hindernisse, es einfach zu versuchen, gibt es mehrere. An wortung jedes Einzelnen.
vorderster Stelle steht aber die Meinung, das Jodeln müsse man
im Blut haben. Prof. Horst Seidler, ein bedeutender Humanbio- Das Jodeln entzaubern und die Menschen wieder im Gebrauch
loge, hat dazu simpel erklärt: „Ich hab` im Blut keine Musik ge- der eigenen Stimme zu verzaubern, das geht so: Zuerst ver-
funden“. Damit entlarvt er eine unserer gängigen Ausreden, schmilzt die Melodie mit den einzelnen Silben und es bildet
wenn es um die Musikalität geht, die wir ja alle in die Wiege ge- sich eine markant führende Hauptstimme heraus. Es entsteht
legt bekommen haben. Auch wenn dort später nichts als leere eine wohltuende Stimmsicherheit, wobei sich bislang verbor-
Windeln anzufinden sind: Es ist zumindest richtig, dass wir sie gene Emotionen kraftvoll entfalten können. Mit dem Einsetzen
dort oft unbeachtet liegen gelassen haben, denn es gibt auf dem der Gegenstimme aber beginnt ein klanglich abgestimmtes
Weg zum Erwachsenwerden ebenso wichtige Dinge, wie das vielfältiges Springen von Tonstufe zu Tonstufe. Daraus entste-
Löffeln von Griesbrei und das aufrechte Gehen. Trotzdem: Es ist hen eine wechselhafte Überschneidung der Stimmen und eine
schade um alle Versäumnisse, was das Singen betrifft. mitunter kunstvoll erzeugte Verwirrung, die wir als Harmonie
empfinden.
Die Beiträge dieser Ausgabe

Die Vorarlbergerin Evelyn Fink-Mennel stellt den wissenschaft-


lichen Teil dieser Ausgabe sicher. Ihr profunder Beitrag über den
Jodler als Typus mag für den Praktiker abstrakt verschriftlicht
klingen. Dass sie selbst die emotionale Seite des Jodelns prakti-
ziert, macht sie erst zur anerkannten Expertin. Einer der mehr
jodelt als schreibt, ist der Sänger Norbert Hauer. Seine satirische
Jodlersilben-Sezierübung ist allerdings, das werden die aufmerk-
same Leserin und der aufmerksame Leser bemerken, mehr auf
der Seite des tiefen Sinns, als auf der des Nonsens angelegt.
Hans Koller betrachtet das Thema aus der Sicht des Blasmu-
sikspezialisten, der die heutige Blasorchester-Literatur kennt
und das Weisen- und Jodlerblasen als das freie Singen mit dem
Instrument schätzt. Dem Bravourjodler als eine kunstvolle
Überzeichnung des Jodelns ist dann der Beitrag des Mürztalers
Robert Roßkogler gewidmet. Eine Stellungnahme zur neuen
Jodler-Lern-CD kommt von Hannes Martschin. Er meint, dass
dieses technische Hilfsmittel nicht die klingende Wirklichkeit
ist, aber ein Weg dorthin sein kann. Die Frage „Kann man Jo-

Der Vierzeiler 3 / 2007 Seite 3


Notiert

Direkt aus der Seele


Der Jodler
Notiert Alpenluft hat kein Wort, Angesungene Entschleunigung
Von hat nur ein Klingen;
Hans Martschin Was man nicht sagen kann, Unser kulturelles Leben besteht heute vielfach aus
Vorsitzender des muss man halt singen. (Peter Rosegger) einer Aneinanderreihung von Events und da passt
Vereins „Steirisches der alpenländische Jodler ganz und gar nicht hin-
Volksliedwerk“ Alpenluft durch das Wort „Jodler“ ersetzt trifft un- ein. Hier ist Entschleunigung angesagt, besser noch
ser Thema punktgenau. Der Jodler, das Lied ohne angesungen; die Gesetze der Zeitabläufe werden
Worte, geheimnisumwoben und, in der richtigen infrage gestellt. Ob als Ruf alleine, ob zweistimmig,
Stimmung erlebt, - oft „schaurig“ schön, wie es der oder als Dreier. So wie der Traubenzucker gleich ins
Blamberger Lois ausdrücken würde-, ist es schon Blut geht, so wandern die Melodien sofort ins Herz
wert, dass wir gründlichere Überlegungen anstel- und zur Seele. Manchmal hatte ich das Glück, Mo-
len. Wer von uns Liedsängern denkt gleich daran, mente mit Ewigkeitswert zu erleben. Die verschie-
dass man auch jodelt, wenn man das Lied singt denen Mischungen der Stimmen, die abwechs-
vom „Petersbründele“ , „Wann du durchgehst lungsreichen Tonfolgen und das Übereinstimmen
durchs Tal“, „Mein Vatern sei Häusl“ oder Früh- mit der Landschaft heben den Jodler als etwas Be-
jahrs- und Almlieder und bei vielen anderen mehr. sonderes heraus. Gleiche oder ähnliche Jodlerme-
„Die Steirer hängen gerne einen Jodler an jedes lodien von verschiedenen Sängerinnen und Sän-
Lied an“, sagte mir einmal Prof. Walter Deutsch, gern gesungen, klingen wieder ganz anders und oft
manchmal sogar an Weihnachtslieder. Das ist auch überraschend neu. Dabei ist ein Notenblatt nicht
eine Form des Jodlers. In diesen Fällen haben die notwendig; der Blickkontakt und das Aufeinander-
gesungenen Jodlerlaute die Funktion, den vorerst hören beim „Zuwisingen“ sind wichtiger.
gebrachten Liedtext emotional zu verstärken und
durch die Melodie noch einmal nachzuempfin- Von Mund zu Mund
den. Doch auch ein Jodlername kann dazu einla-
den, persönliche Empfindungen und Gefühle zu Die Formen der Vermittlung haben sich in den
erleben. Denken Sie z.B. an den „Andachtsjodler“. letzten Jahrzehnten markant verändert. Nicht nur,
Im kirchlichen Bereich kennen wir hier das „Alle- dass früher in den Familien mehr gesungen wurde,
luja“, oder den geistlichen „Jubilus“, Klänge, die fehlen heute durch andere Lebens- und Berufs-
mit Worten nicht zu beschreiben sind und welche bedingungen die Zeit und der Platz für das gemein-
direkt aus der Seele kommen. same gesellige Singen. In der Holzknechthütte
lernte der junge Mann die Lieder und Jodler des
älteren Holzknechts, auf der Alm waren die
Schwoagerinnen und das Forst- und Jagdpersonal.
Radio und Fernsehen gab es nicht; die gewünschte
Beschallung erfolgte nicht durch künstliche Kon-
servenmusik, sondern war selbst gemacht. Die
musikalische Jugend hat das sehr gut erkannt. Mit
großer Freude stellen wir fest, dass heute wieder
gerne gesungen wird. Es ist schon einen Versuch
wert, dass wir Ihnen mit unserer neuen Jodler-
Lern-CD Hilfestellung geben möchten, wenn Sie
sich gerne Jodler und Jodlerlieder als Ihren persön-
lichen Besitz aneignen wollen. Wir würden glück-
lich sein, wenn es dadurch gelänge, dass die Zahl
der Menschen steigt, die miteinander singen und
einen Jodler anstimmen können.

Seite 4 Der Vierzeiler 3 / 2007


ZUM THEMA

Der Jodler
als Typus Von
Evelyn Fink-Mennel

EINE MUSIKWISSENSCHAFTLICHE BETRACHTUNG

Im bairisch-österreichischen Sprachgebrauch be- Jodeln als Singtechnik


zeichnet der Begriff Jodler sowohl den Sänger als
auch das Musikstück. In der Schweiz hingegen Jodeln ist stimmphysiologisch-akustisch ein Al-
wird zwischen dem Ausführenden, dem Jodler, ternieren von Brust- und Kopfstimme (Falsett)1,
und dem Musikstück, dem Jodel, unterschieden. in der Regel über Silben ohne Wortbedeutung2.
Foto: Nikolaus Walter

Die folgenden Ausführungen beziehen sich aus- Demnach jodeln Aka-Pygmäen in Afrika zur Ele-
schließlich auf die Musikgattung Jodler, auch fantenjagd, demnach wird in Albanien in Liedern
wenn über das Typenhafte des Jodlersängers mit o-i, oder in Georgien und auf den Salomon
nachzudenken seinen Reiz hätte. Inseln gejodelt. Also weltweit an verschiedensten

Der Vierzeiler 3 / 2007 Seite 5


ZUM THEMA

1
Franz Födermayr / Werner A. Orten und ganz kulturunabhängig (siehe weiters Gesang (weltweit) mit bestimmter Stimmgebung
Deutsch: „Analytische Grundla- Beitrag Zöller in dieser Zeitschrift). Der Begriff Jo- ohne Text verknüpft ist, liegt möglicherweise dar-
gen zu einer Typologie des Jo- deln hat sich im deutschsprachigen Raum ausge- an, dass in der Kopfstimme bzw. im Falsett nur die
delns“, Klanganalyse. Systemati- bildet. Er ist eine Kontamination aus dem mittel- geschlossenen Vokale i, u, ü gut singbar sind.
sche Musikwissenschaft II/2 alterlichen Wort „jolen“ (in der Bedeutung „laut
(1994), S. 255–272. und unartikuliert schreien“) und „dudeln“ (seit Notenbeispiel 1 (oben):
dem 17. Jahrhundert ein Ausdruck für instrumen- Jüz (= zwei Juchzer) des Sepp Schneider aus Egg im
Franz Födermayr / Gerlinde
2
tales Musizieren)3 mit den bislang frühesten Wort- Bregenzerwald 1977 (Notenköpfe mit Raute zeigen
Haid: „Jodeln, Jodler, Jodel“, belegen aus Salzburg und Wien 17964. Würde ein das Singen im Falsett im Unterschied zur Bruststimme
http://www.musiklexikon.ac.at/ Jodler ausschließlich nach der Singtechnik defi- mit den herkömmlichen Notenköpfen an)5
ml/musik_J/Jodeln.xml niert werden, wäre manches Volkslied, wären
(Zugriff August 2007). Juchzer oder Almschreie als Jodler zu bezeichnen, Auch wenn die Jodlertechnik in der Vokalmusik
weil in ihnen ebenfalls der Registerwechsel zur der Alpen in verschiedenen Gattungen zur An-
3
Ebenda. Anwendung kommt. Dass registerwechselnder wendung kommt, ist sie im engeren Sinn mit der
Gattung Jodler verknüpft.

Jodler als Gattung

Notenbeispiel 2 (links): Holzknecht-Jodler aus Aflenz


(1843)6. Dieser Jodler entspricht typologisch einem
Ländler mit paralleler Überschlagsmehrstimmigkeit.
Der Aufzeichner Anton Werle notiert keine Textsilben.
Ihre Niederschrift wird erst durch Josef Pommer üblich
(„Jodler und Juchezer“, Wien 1889).

Musikalische Gattungsmerkmale des Jodlers sind


meist periodische acht- und sechzehntaktige For-
men mit Funktionsharmonik und taktschlüssigen
Harmoniefolgen (pro Takt eine Harmonie), Bre-
chungsmelodik (Alpenländischer Melodietypus)
und eine daran gekoppelte meist mehrstimmige
Ausführung (Grundtyp: Überschlagsmehrstimmig-
keit). Die Einsatzfolge der einzelnen Stimmen ist
gestaffelt. Diese Komponenten unterscheiden den
Jodler vom Juchzer, welcher einstimmig gesungen
wird, kürzer und an keine feste Taktform gebun-
den ist (vgl. Notenbeispiel 1 mit 2).

Seite 6 Der Vierzeiler 3 / 2007


ZUM THEMA

4
Evelyn Fink-Mennel: Johlar
und Juz. Registerwechselnder
Gesang im Bregenzerwald
(mit Tonbeispielen 1937–1997)
(Schriften der Vorarlberger
Landesbibliothek 16) (Bregenz:
W. Neugebauer, 2007), S. 11.

5
Ebenda, S. 99.

6
Anton Werle: Almrausch.
Almliada aus Steiermark (Graz:
Josef Kienreich, 1884), S. 430.

7
Walter Deutsch: „Der Jodler
in Österreich“, Handbuch des
Volksliedes II, hg. von Röhrich
Brednich und Wolfgang Suppan
(München: Wilhelm Fink,
1973), S. 647–667.
Diese Merkmale zeigen Übereinstimmung mit ba- schlagstimme. Die Beispiele dokumentieren die
rocken und späteren Formen von Tanzmusik (v.a. (barocke) Praxis, innerhalb eines feststehenden 8
Jodlerlandschaften mit ausge-
Ländler und Walzer). Im Unterschied zur Tanzmu- Gerüstes frei und solistisch zu agieren. Die prägter paralleler Stimm-
sik wird ein Jodler meist langsamer gesungen und schlichteste Form der mehrstimmigen Aus- führung gibt es z.B. im
in der Ausformung der Mehrstimmigkeit zeigen führung, der parallele zweistimmige Satz, ist bei niederösterreichischen Schnee-
die Aufzeichnungen eine Vielheit an Stimm- Pommer nicht notiert, wurde aber zu Beginn des berggebiet. Die dort überlieferte
führungsmöglichkeiten auf (in der Volkstermino- 20. Jahrhunderts „Von der Eggin, der Beit Bertha enge Dreistimmigkeit ist ge-
logie als Gerader, Gegeneinand oder völliger Durch- und dem Anerl Ernstn in den Phonographen ge- paart mit Rubato-Singweise
einand bezeichnet7). Tanzmusik weist tendenziell ludlt“10 und ist vom Bodenseeraum bis nach Nie- und einer reichen Ornamentie-
eine parallel geführte zweite Stimme auf8. derösterreich belegt. rungspraxis. Dort gelten in glei-
cher Weise die in diesem Beitrag
Notenbeispiel 3 (rechts oben): St. Ägydier Jodler angeführten Merkmale der
1894.9 Zweiteiliger Jodler in Überschlagsmehr- mehrstimmigen Ausführung.
stimmigkeit: Die Stimmführung des Über-
schlags zeigt Stimmkreuzung, parallele 9
Josef Pommer: 444 Jodler und
und kontrapunktische Führung. Der II. Juchezer (Wien: Deutscher
Teil des Jodlers folgt dem in der Instru- Volksgesang-Verein, 1906), Nr.
mentalpraxis üblichen Prinzip der Ver- 15f.
knüpfung. Takt 1 und 2 des I. Teiles
werden im Vordersatz des II. Teiles in 10
Konrad Mautner: Alte Lieder
umgekehrter Anordnung gereiht. So und Weisen aus dem Steyer-
beginnt er auf der Dominante (in der märkischen Salzkammergute.
Musikantensprache „verkehrt“ ge- (Graz: Staehelin und Lauen-
nannt). stein, [1918]), S. 316 (3).

Josef Pommer stellt diesem Jodler


(Notenbeispiel 3) fünf weitere Varian-
ten bei, sowohl zwei- als auch dreistim-
mig (siehe Josef Pommer: 444 Jodler und Ju-
chezer, Nummer 15a-g). Gemeinsam ist ihnen
die jeweils stabile Hauptstimme (= Ansänger-
stimme), deren „Muster“ in den Diminu-
tionen der ersten beiden Takte ausge-
bildet ist. Das Variable zeigt
sich jeweils in der Über-

Der Vierzeiler 3 / 2007 Seite 7


ZUM THEMA

d.h. nach ihrem Anfangston: „Beginn mit dem


Grundton der Tonart“, weiters Beginn mit der Se-
kund, der Terz bis zum Beginn mit der Septim. Un-
ter den Beispielen „erster Ton der Durleiter“ finden
sich zahlenmäßig die meisten Einträge (154 Jod-
ler). Klassifiziert man darin in jene mit auftakti-
gem und jene mit volltaktigem Beginn, bleiben 65
Beispiele, die volltaktig, auf der Takteins mit dem
Grundton und somit der Tonika beginnen.
Notenbeispiele 3 und 4 sind Vertreter dieser Grup-
pe. Sie entsprechen jenen am Wanderrepertoire
des Bregenzerwaldes festgestellten typologischen
Merkmalen, bezogen auf die Hauptstimme:

1) Die melodische Grundlage ist die Dreiklangs-


brechung (Alpenländischer Melodietypus)
2) Harmonieschema: I-V7-V7-I
3) Periode: Vordersatz – Nachsatz (4 + 4 Takte)
4) Die Melodie folgt dem Vorbild von Takt 1/2
5) Volltaktigkeit (Beginn ohne Auftakt)
11
Ebenda. Notenbeispiel 4: Einer von der Eggin11. Parallele Über- (Ausnahmen möglich)
schlagszweistimmigkeit mit Funktionsbass (= gebasste 6) Beginn mit dem Grundton der Tonart (= 1^)
12
Diesen Begriff habe ich Dreistimmigkeit ). 7) Stimmführung innerhalb der Hauptstimme
für die Bregenzerwälder bei Entsprechung der metrischen Positionen:
Singpraxis eingeführt. Notenbeispiel 3 und 4 bestätigen die Merkmale
Dort wird bei entsprechender der mehrstimmigen Ausführung, die Martin Eybl Die ^1 geht bei der Dominantharmonie in die 7^,
Besetzung jeder Jodler bei der Untersuchung des Bregenzerwälder Jodler- im Takt 4 zurück in die ^ 1. Die ^3 geht im zweiten
mit Funktionsbass gesungen. repertoires festgestellt hat : ^
Takt in die 4 (im Bregenzerwald seltener in die ^ 2),
Aus einem Jodler mit zwei die 5^ bleibt liegen. Vermutlich wegen der überzeu-
Melodiestimmen wird 1) (1.) Überschlag läuft in gerader Bewegung eine genden Schlusswirkung in Takt 7 und 8 mit 7^ → ^ 1
dadurch ein gebasster Stufe höher mit (= wiederholte Hauptstimme dominiert die ^ 1 als häufigster Initialton der Drei-
Dreistimmiger (vgl. Fink- eine Lage höher) klangsbrechungen.
Mennel: Johlar und Juz, 2) Auf der harmonischen V. Stufe wird die
wie Fußnote 4, S. 41). melodische 5^ durch 6^ ersetzt (Septnonen- Notenbeispiel 5 (unten): Hauptstimme des „Triholdie“
akkord entsteht anstatt Septoktavenakkord) (Bregenzerwald), Dreiklangsbrechung als Sextakkord.
13
Abgedruckt in Fink-Mennel: 3) 2. bzw. der höchste Überschlag: Takt 1 – 4 . In Notenbeispiel 3 aus Niederösterreich
Johlar und Juz, wie a) Tendenz zur Überhöhung (virtuos) geht die melodische 3^ in die 2^.
Fußnote 4, S. 102. b) Höherlegung einzelner Töne
c) oft Gegenbewegung Für die Untersuchungen des Repertoires Bregen-
14
Beginn mit der Quint (143). zerwald hat Martin Eybl die Methode der „Ord-
Deutlich reduzierter sind An- nung nach Diminutionen“ entwickelt, die diesem
fänge mit der Terz (46), bis zu Typologischer Ausblick zweischichtigen Repertoire (überregional und re-
jeweils 10 Einträge finden sich gional verbreitet) zu einem Typenschein verholfen
für die Quart, die Quint, die Josef Pommer reiht in seiner umfassendsten hat. Mögen die ausschnittweise vorgestellten Über-
Sext und Septim. Sammlung 444 Jodler und Juchezer die Jodler legungen Anregungen bieten für weitere typologi-
nach der „melodisch-alphabetischen Ordnung“, sche Betrachtungen im Repertoiresegment Jodler.
15
Quelle: Fink-Mennel:
Johlar und Juz, wie
Fußnote 4, S. 101f.

Seite 8 Der Vierzeiler 3 / 2007


STATEMENT ZUM THEMA

Jodler und Weisen Von

für Bläser Hans Koller

JODLER FÜR INSTRUMENTE – HEUTE NICHT MEHR WEGZUDENKEN …

Das Singen des Jodlers ist seit frühester Zeit der Volksliedpotpourrien als Orchesterwerke
menschlichen Stimme vorbehalten. Doch schon
mit den einfachsten Blasinstrumenten, wie Durch die schnelle Entwicklung und moderne
Schwegel (einfache Holz-Querflöte) und Wurz- Bauweise der Blechblasinstrumente ist es heute
horn (Vorläufer des Alphorns) versuchten ge- möglich, alle Lieder, Weisen und Jodler sauber
schickte Volksmusikanten Jodler und Weisen zu und rein zu musizieren. Dadurch wird das Spie-
interpretieren. len dieser Art von Volksmusik immer beliebter.
Im Ausseerland werden auch heute noch viele Einige bedeutende Blasmusikkomponisten wie
Jodler mit den traditionellen Seitelpfeifen ge- Sepp Tanzer, Sepp Thaler oder Sepp Neumayr ha-
spielt, mitunter altbekannte Musikstückln, die ben auch in ihren Orchesterwerken den Jodler
mit Trommel begleitet werden. Schon um 1900 „eingebaut“ und gekonnt arrangiert. Es entstan-
soll es im Raum Schladming und Ramsau/Dach- den viele Volksliederpotpourrien für Blasorches-
stein Wurzhornbläser gegeben haben, die meist ter. Durch die fortschreitende, moderne und
am Abend Jodler geblasen haben, dass es weit zeitgenössische Kompositionstechnik der heuti-
über die Täler hallte. gen Komponisten werden die Blasorchester

Der Vierzeiler 3 / 2007 Seite 9


STATEMENT ZUM THEMA

durch neue Instrumentierung zum internationa-


len sinfonischen Blasorchester erweitert. Dadurch DER BRAVOUR- ODER KUNSTJODLER
werden leider die in original österreichischer Blas-
musikbesetzung wunderschön klingenden Volks-
liederpotpourrien sehr wenig aufgeführt.

Beliebte Jodler und Weisen


Leidenschaft
für kleine Besetzungen

Die Volksmusik ist aber ein Teil unserer Kultur, da- Schon mit 4 Jahren spielte ich auf einer 2-reihigen Steiri-
her wird sie in unseren Kreisen immer eine große schen Harmonika, die ich von meinen Eltern erlernt habe.
Bedeutung haben. Es ist zu beobachten, dass sich Auch der Gesang und das Jodeln haben mich immer faszi-
immer mehr Volksmusikgruppen bilden, die mit niert. Wir hatten zu Hause Schallplatten von Gisela Meissen-
„Herz und Freud“ musizieren. Es gibt hier die ver- bichler, mit Freude hab ich mitgejodelt wenn sie abgespielt
schiedensten Besetzungen. Die Tanzlmusi mit ei- wurden. Als ich 17 Jahre alt war hörte ich zum ersten Mal
nem oder zwei Fügelhörnern, Klarinette, Tenor- den Bayrischen Jodlerkönig Franzl Lang und den Schweizer
horn, Basstuba und Steirische Harmonika. Sie Jodler Peter Hinnen. Von da an habe ich gewusst, das möch-
wird bei vielen Volksmusikveranstaltungen einge- te ich in meinem Leben auch erreichen. So jodeln wie die
setzt und ist sehr beliebt. In dieser Besetzung wer- zwei Profis aus Bayern und der Schweiz.
den vor allem Tanzmusikstückln gespielt, aber
auch Weisen und Jodler geblasen. Die kleine, be- Vom Jodlerkönig…
kannteste und beliebteste Besetzung der Blechblä-
ser ist das Bläserquartett. Es gibt unzählige dieser Da es aber niemanden gab, der es mir zeigen oder erklären
Gruppen, die in ihren Heimatorten mit musikali- konnte, habe ich selbst solange probiert und geübt bis ich so
schen Beiträgen die Veranstaltungen verschö- einigermaßen an die zwei herangekommen bin. Im Laufe der
nern. Die ideale Besetzung mit zwei Flügelhörner, Jahre und durch viel Training bin ich dann soweit gekom-
Tenorhorn (Horn) und Tuba (Bariton) klingt sehr men, dass mich die Medien
weich und ist für die Interpretation von Liedern, schließlich als Österreichi-
Weisen und Jodlern sehr zu empfehlen. Natürlich schen Jodlerkönig beti-
kann man diese Lieder und Jodler auch mit Trom- telt haben. Eigent-
peten und Posaunen spielen, es klingt halt ein lich sollte ich Ih-
wenig „härter“. Besonders wird diese Besetzung in nen, liebe Le-
der Advent- und Weihnachtszeit eingesetzt. sei es
beim „Turmblasen“ oder sonstigen Veranstaltun-
gen, wie Advent- und Weihnachtsmärkten. Auf je-
den Fall sind Jodler und Weisen für Bläser heute
nicht mehr wegzudenken.

Für die Besetzung Bläserquartett


(Weisenbläser) gibt es folgende Notenbüchlein
sowie die dazu passende CD:

■ Almlieder und Jodler für Weisenbläser


■ 24 alte und neue Advent- und
Weihnachtslieder

Koller-Musikverlag, A-8961 Kleinsölk 35


Tel: 03685/8114, Mobil: 0676/7503158
www.kollersound.at

Seite 10 Der Vierzeiler 3 / 2007


STATEMENT ZUM THEMA

Robert
Von
Roßkogler Autorinnen & Autoren
der Gastbeiträge
der Extraklasse FRIEDRICH ASCHER
Schriftsteller, Wien

MAG. EVELYN FINK-MENNEL


Institut für Volksmusikforschung, Wien
serinnen und Leser und Freunde des Jodlers erklären, wie das
NORBERT HAUER
Bravour-Jodeln geht, oder besser gesagt, was man dabei macht?
Sänger und Religionslehrer, St. Oswald im Yspertal
Es ist schwierig das in Worte zu fassen. Ich würde sagen, es be-
ruht auf einem gekonnten Zusammenspiel von Zunge, Kehl- MAG. HANNES MARTSCHIN
kopf und den Wangen. Durch das Rollen der Zunge am Gau- Lehrbeauftragter der Universität Wien,
men, mit teils leicht geöffnetem Mund, und das Abstoßen der GF Martschin & Partner GmbH, Public Relations,
Zunge an den Zähnen formt man den Zungenschlag-Jodler. Der GF Martschin & Partner Werbeagentur GmbH, Wien
Kehlkopf-Jodler ist etwas schwieriger, da er durch rollen und vi- URSULA WERLUSCHNIG
brieren des Kehlkopfes erzeugt wird. Der sogenannte Mischjod- Fachfrau für Altbausanierung, Graz
ler, ein Wechseln von Kehlkopf- und Zungenschlag-Jodler, er-
freut sich bei manchen Jodlern großer Beliebtheit. ULRIKE ZÖLLER
Journalistin Bayrischer Rundfunk, München
…zum Weltrekordjodler STATEMENTS ZUM THEMA:
HANS KOLLER
Obwohl ich seit über 30 Jahren von der Musik und vor allem Musikverleger und Musiker, Kleinsölk
vom Jodeln lebe, kann ich es Ihnen nicht besser erklären. Denn
ich glaube lernen alleine kann man es nicht, es wird einem in ROBERT ROSSKOGLER
die Wiege gelegt und man kann es verfeinern. Ich bin aber ger- Weltrekordjodler, Krieglach
ne bereit Ihnen bei uns im Gashaus Postmühle das Jodeln vor-
zuzeigen. In diesem Sinne viel Spaß beim Jodeln und ver-
schlucken Sie ihre Zunge nicht.
gesucht
■ Günstige Zither
Übrigens will ich noch erwähnen, dass ich am 15. März 1982 Münchner Stimmung, Standardbesaitung
14 Stunden und 37 Minuten gejodelt habe und somit im Petra Preiß, Tel. 0650/32 32 316
Guinness Buch der Rekorde stehe, als Weltrekordhalter im Dau- ■ MC oder CD von Prof. Josef Peyer „Jetzt wird´s tanzt“,
erjodeln. Tel. 0316/877 2660
■ Gebrauchte Volksharfe
37-saitge mit 7 Pedalen, Tel. 03155/2227

Sänger- und Musikantenstammtisch


Jodlerwirt – Gasthof Postmühle

■ Jeden Sonntag, ab 13.00 Uhr:


Kinder-Musikanten-Stammtisch
■ Jeden letzten Freitag im Monat, ab 19.00 Uhr:
Sänger- und Musikantenstammtisch

Jodlerwirt – GH Postmühle
Postmühlweg 64, A-8670 Krieglach
Tel.: 0664/2624524, www.weltrekordjodler.at

Der Vierzeiler 3 / 2007 Seite 11


ZUM THEMA

ZWISCHEN NOTWENDIGKEIT UND KURIOSITÄT

Von Das vom Steirischen Volksliedwerk initiierte Pro- tik sprechen wir von „Überlieferungsträgern“ und
Hannes Martschin jekt einer Jodel-Lern-CD mit einzeln aufgezeich- meinen damit alle Handschriften und Drucke ei-
neten Stimmen-Tracks als Lernhilfe ist außer- nes Werkes. In einer textkritischen Gesamtausga-
gewöhnlich. Und auch wieder nicht. Jedenfalls be, etwa des Nibelungenliedes, werden diese mit
verdient es eine Betrachtung. Hilfe einer stammbaummäßigen Einordnung mit-
einander verglichen, um so den vermeintlichen
Aufzeichnungen und Techniken Urtext eines jeden Werkes zu erstellen.

Die Idee ist nahe liegend und nicht neu: Bereits Überlieferungsträger
der Beginn der Menschheit war vom Bedürfnis
nach Aufzeichnung geprägt. Aufgezeichnet wur- Jeder Datenträger – ob nun Handschrift, Bild
den die Beute, die Jäger und die Familie. Auf oder CD – ist damit ein Überlieferungsträger. Ein
jenem Medium, das gerade zur Verfügung stand, Überlieferungsträger, der seine eigene Wirklich-
auf den Höhlenwänden. Je reicher die Geschich- keit schafft. Werden Datenträger jedoch nicht
ten und Bilder wurden, desto komplexer wurden nur als Überlieferungsträger, sondern auch als
die Aufzeichnungstechniken. Die Schrift wurde er- Lernhilfen konzipiert und verwendet, wird es vor
funden, die Malerei entwickelte ihre Formen und allem dann ganz besonders interessant, wenn das
Bildersprachen, Notenschriften entstanden. Bilder Gelernte wieder rückgeführt werden soll in eine
sprechen zu jedem, und lesen können die meis- rein mündliche, aufzeichnungsfreie Kultur. Wie
ten. Aber eine Notenschrift so lesen, dass in uns eben bei der Jodel-Lern-CD des Steirischen Volks-
die gemeinte Melodie erklingt, gelingt nur mehr liedwerkes. Denn an dieser CD ist ja die Technik
wenigen. selbst im Bereich des E-Learnings (elektronisch

Digital-Jodler
Noch etwas Wesentliches: Dem Moment der Auf- unterstütztes Lernen) nichts Neues. Neu ist hin-
zeichnung von Bildern, Geschichten und Musik gegen der gewählte Lerninhalt: der Jodler, das al-
kommt eine fast magische Macht zu. Wird doch pine Herzstück mündlicher Überlieferung.
dieser Moment aus der Zeit herausgehoben, fest-
gehalten und festgeschrieben, für alle Ewigkeit in-
terpretiert.
Vorteile der Jodel-Lern-CD:

Die Weitergabe ■ individuelle Steuerbarkeit der


Lerngeschwindigkeit und Lerneinheiten
Die Weitergabe von Geschichten geschah jedoch ■ einsichtige Polyphonie durch leichtere
meist vor ihrer Aufzeichnung. Als Oral Poetry, also Fassbarkeit der Einzelstimmen
mittels mündlicher Überlieferung. Das gilt für Ge- ■ zeit- und ortsunabhängiges Lernen
schichten, Sagen und Märchen. Auch beim Evan- ■ asynchrone Lernschritte
gelium war es so, wie in allen anderen Helden- ■ Wiederverwendbarkeit des Mediums mit
epen. Und in der Volksmusik gilt dies in ganz be- unbeschränkter Repetitionsmöglichkeit
sonderer Weise, wie wir wissen. In der Germanis-

Seite 12 Der Vierzeiler 3 / 2007


ZUM THEMA

CD als Kopiereinladung

Lernen durch Nachahmung ist die älteste Lern- nach und üben mit Tonträgern. Für die Guten un-
technik der Welt. Sie ist eine Kopiereinladung. ter ihnen ist es nur ein Weg. Sie werfen nach er-
Die Gefahr dieser CD liegt damit auf der Hand: folgter Aneignung die fremde Interpretationshül-
Die einzigartige Interpretation einer Jodelsänger- le wieder weg und gehen alleine weiter. Die
gruppe, festgehalten in einem singulären Mo- Schlechten bleiben in fremden Hüllen stecken.
ment der Aufzeichnung – sie wird kopiert. Das ist Als blasse Epigonen und Plagiatsänger. Aber auch
ein natürlicher Vorgang beim Lernen, aber ein die muss es geben. Hinweis:
unnatürlicher, wenn es dabei bleibt. Wie überall. Die Jodel-Lern-CD
Wer glaubt denn ernsthaft, dass selbst Opernstars Fazit: Die Jodel-Lern-CD ist beides. Ein Überliefe- ist in Kürze im
die CD-Aufzeichnungen und Interpretationen ih- rungsträger und ein Lernbehelf. Als unterstützen- Steirischen
rer Kollegen nicht höchst genau kennen und stu- der Lernbehelf gilt für ihre richtige Verwendung: Volksliedwerk
dieren? Und wie viele Musikstudenten und -ler- Nach erfolgter Benutzung bitte wieder fachgerecht erhältlich.
nende ahmen die Interpretationen ihrer Lehrer entsorgen.

Der Vierzeiler 3 / 2007 Seite 13


ZUM THEMA

Von Es war mein Glück, an diesem Nachmittag vor die Information, dass es ja auch Jodelkurse gibt.
Ursula Werluschnig sieben Jahren noch auf dem Gelände des Sensen- Im darauf folgenden Frühjahr bin ich kurzerhand
werkes in Deutschfeistritz vorbeigekommen zu mit angemeldet worden – und das war gut so.
sein, wo gerade eine Art Herbstfest im Gange war.
Bestens gelaunt, haben wir uns an einen über- Auf dem Weg in die Südsteiermark war meine Auf-
sichtlichen Standplatz nahe der Tanzmusik be- merksamkeit nur auf die Landschaft gerichtet; ich
geben. Dank dem „Gschroa“ – wie eine kuriose machte mir gar keine Vorstellung von dem, was
Gestalt vor mir im Weggehen gemurmelt hat – uns am „Kollerhof“ erwarten könnte. Überrascht
war ich gleich noch näher am Geschehen. hat mich zu allererst die große Teilnehmerzahl, die
sich schon vor Ort eingefunden hatte. Nach der
Die erste bewusste Vertonung Vorstellung der Referenten und der Erörterung der
solcher Silben Vorgangsweise haben wir uns jeweils in Klein-
gruppen mit einem Referenten einen geeigneten
Beim Verlassen der Veranstaltung summten wir „Arbeitsplatz“ im Freigelände ausgesucht. Das
dann recht beseelt in Richtung Auto und da ergab Aneignen von den jeweiligen Stimmen eines
sich ganz prompt eine Einladung, uns beiden Gesangsstückes ist die Grundlage vor dem
schnell noch einen leichten Jodler auf den Weg „Z’sammsingen“ und passiert rein über das Gehör
mitzugeben. Für mich war es die erste bewusste und den Blickkontakt. Singen vom Notenblatt ist

Ein Jodler
mit auf den Weg ...
Oder das Glück an diesem Nachmittag
Vertonung solcher Silbenfolgen. Mit einem beim Erlernen eines Jodlers nicht hinreichend
Quäntchen Übermut machte es zu Viert gleich ergiebig – wie die Vermittlung eines derartigen
was her, womit die Lust in diese angefacht war. Gesanges vom leibhaftigen Vorbild im Vergleich
Auf den Weg mit nahmen wir schließlich noch zeigt. Spätesten bei den ersten Ansätzen zum

Seite 14 Der Vierzeiler 3 / 2007


ZUM THEMA

Nachsingen wird merklich: Singen und Lied ist Kraft und Impulsivität brauchen Zeit
nicht gleich Jodeln und Jodler. Um der Verständ-
lichkeit wegen möchte ich hier noch einmal auf Die Wurzeln dieser Gesangsform waren zweck-
das anfangs erwähnte „Gschroa“ zurückkommen. dienliche Ruflaute zur gegenseitigen Verständi-
gung über weitere Distanzen; unsere heutigen
Jodler sind bereits Ergebnisse (Kulturentwicklun-
gen) von zunehmend spielerischer und verfeiner-
ter Vertonung, wie sie auch im gesamten Alpen-
raum in regional unterschiedlicher Ausprägung
noch anzutreffen sind.
Und: Der Jodler ist grundsätzlich kein „Schwäch-
ling“! – ganz im Gegenteil: er strotz vor Kraft und
Impulsivität. Als hilfreich bei der Abspeicherung
kann sich neben dem Namen z.B. noch die eigene
Personifizierung der Stücke - gerade wegen der as-
soziierten Charaktere wie der Polterer, der Ehr-

Der Vierzeiler 2 / 2007 Seite 15


ZUM THEMA

würdige, der Läufer oder der Schelm etc. – erwei- deren Seite das Wohlgefallen mit ihrer ganzen
sen. Denn je verzweigter meine „Ablage“ erfolgt Aufmerksamkeit bekunden. Ein „Zwiefacher“ (2
ist, umso leichter wird das wieder Auffinden der Stimmen) zu zweit mit beherztem Engagement ist
Melodie fallen. Am Morgen nach dem ersten Kurs wiederum zur gegenseitigen Beglückung nicht
mussten wir z.B. gleich in der Pension Legat fest- nur imstande, sondern geradezu prädestiniert!
stellen, dass keiner von uns beiden imstande war,
ein erlernt geglaubtes Stück vom Vortag wieder- Bedeutungsvielfalt der Emotionen
zugeben; diese Erfahrung hat sich in einer Enttäu-
schung nieder geschlagen – aber uns auch gleich Das Jodeln lebt somit von und mit der beigesteu-
die Erkenntnis eingebracht: ganz so schnell geht’s erten Bedeutungsvielfalt an emotionalen „Inputs“
also nicht. – ob belustigend, andächtig, verliebt, fordernd …
So wie die Wertschätzung am Volkskultursektor
Vom Erwerb der Fertigkeiten (seit meinem eigenen Einstieg ins Jodelmetier)
wieder breiteren Zuspruch findet, erscheint mir
Liedbesitz ist eine Folge des Erwerbs von Fertig- das gegenwärtig angelernte Jodeln – im Gegenzug
keiten, die es sich erst zu erarbeiten gilt; das setzt dazu – an Örtlichkeiten, wo früher immer schon
im Normalfall voraus, dass man sich erstens Zeit und heute immer noch gejodelt wird, mit beson-
zum Bereichern einräumt, und sich zweitens derem Entgegenkommen aufgenommen zu wer-
dorthin begibt, wo ein Zuhören und Mitsingen den. Aus derarigen Begegnungen – und sie waren
möglich ist. Die mittlerweile schon etablierten in meinem Fall sehr oft nicht geplant oder gezielt
Einrichtungen wie „Singen beim Wirt“ oder „Mu- angesteuert – habe ich bereits ganz viel musi-
sikantenstammtische“ haben sich nach meinem kalisch verpackte Zwischenmenschlichkeit mit-
ersten Jodelkurs (Leutschach, Kollerhof 2001) als erleben dürfen.
nächste Anlaufstelle und Übungsfeld bewährt. Neben den einen und anderen einverleibten „Zu-
In Annis „Babenbergerhof“ kann man z.B. bei fallstreffe(r)n“ ist der eigene Hausgebrauch im
Herbert stets Nachhilfe im „Umschnakeln“ – dem selbst organisierten „Klein Gesang Umfeld“ aber
ganz typischen Stilmittel dieser Gesangsform im der rote Faden, der sich in immer wieder kehren-
Übergang von der Brust- zur Kopfstimme trainie- der Beharrlichkeit abspult. Und einmal „infi-
ren; Spaßfaktor inklusive. ziert“, gibt es ja kein Lassen mehr!
Im Übungsstadium ist die Gelegenheit zum selbst
Ansingen und zum Vorsingen möglichst zu nüt- Zur facettenreichen Eigendynamik
zen! Denn die hier erfahrenen verschiedenen Er-
fordernisse wie ein kräftigerer Stimmeinsatz, das Seit dem Vorjahr komme ich im Rahmen eines Pi-
Mehr an Körpersprache, tatsächliche Textkennt- lot Projektes „ProImpuls“, einer Ausbildung be-
nis oder das alleinige Halten einer Stimmlage züglich Kulturvermittlung, in regelmäßigen Ab-
eröffnen erst das wahre Füllhorn des Jodelwesens. ständen mit einem sehr ambitionierten Perso-
Wenn sich schon versiertere Jodler und Jodlerin- nenkreis zusammen. Im Verlauf der wochenends
nen z.B. in einem Gasthaus zusammen finden, geblockten Ausbildungsmodule hat das Singen
kann ein „Vierer-Jodler“ (Stück mit 4 Stimmen) und Jodeln (im Vorjahr im 3. Modul – von ins-
mit einem Mal das ganze Lokal zum Verstummen gesamt12 Modulen – Thema) untereinander bald
bringen. Das aktivierte Potential auf Seiten der eine äußerst facettenreiche Eigendynamik ent-
Akteure gipfelt in einem besonderen körperli- wickelt. Bei 22 beherzten Leuten zwischen 18
chen Wohlgefühl, wenn die Zuhörer auf der an- und 55 Jahren – hauptberuflich alle in unter-

Seite 16 Der Vierzeiler 3 / 2007


ZUM THEMA

und intakte Stimmbänder meines Erachtens die Basis.


Mein „Gesangsvorleben“ war z.B. eher bescheiden und – mit
wenigen Ausnahmen – auf die Zuhörerposition beschränkt.
Als Kind und Jugendliche gehörte ich eindeutig den Bewe-
gungsorientierten an; mit der erwirkten Bewegungsfreiheit in
Sachen Musik ohne eigenes Wollen nichts praktizieren zu
müssen. Zu den oben erwähnten Ausnahmen, die mir aller-
dings gut in Erinnerung geblieben sind, zählen zum einen
meine damals eigens entwickelte Vorliebe für die Maiandach-
ten, wo ich im weißen Kleid im Spalier stehend mit Begeiste-
rung „Meerstern ich dich grüße …“ gesungen habe. Und zum
anderen gab es mit etwa 14 Jahren eine aktive „Songzeit“, in
schiedlichen Berufssparten tätig, und zudem breit gestreuter der ich mit Freundinnen Musicals wie „Hair“, Interpreten wie
regionaler und auch überregionaler Herkunft – tut sich ein Neil Young und Protestsongs von Arik Brauer bis zum Ruin
beachtliches musikalisches Spektrum auf. Aus unseren ver- der Tonträger nachgesungen habe (und die kann ich heute
schiedenen „musikalischen Vorleben“ bringt jeder seinen noch auswendig).
persönlichen Liedbesitz und seine (mehr oder weniger) Dass meine Mutter, Kapellmeisters- und Musikalienhand-
stimmliche Versiertheit mit bzw. ein. Manchmal zwi- lungsenkelin, zeitlebens viel gesungen hat, war solange ihre
schendurch während Pausen, aber vor allem in die freien eigene Welt, bis ich dann viel später über den absolvierten Jo-
Abendstunden hinein, werden die mitgebrachten Instrumen- delkurs ihre Musikalität für meine Nachhilfe in Anspruch zu
te bespielt und herumgereicht und die Stimmen wechselwei- nehmen begonnen habe. Inwieweit etwaige Anlagen dabei ei-
se formiert; für uns alle DIE Gelegenheit, miteinander zu ne Rolle spielen, beantwortet die Wissenschaft. Aber auf die
üben, zu experimentieren – ganz wichtig auch: Zuzuhören – Frage: „Kannst du bitte den ,Rinnegger’ ansingen?“ – antworte
um sich bis dahin noch nicht Gekanntes mit „Gewährsperso- ich heute voller Stolz: „Ja!“
nen“ erarbeiten zu können. Diese „Apres Pflichts“ gestalten
sich ungezwungen stegreifartig – wer bleibt, wirkt mit.
Das daran beteiligte Aufgebot an Instrumenten reicht von Gi-
tarren, Geigen, Flöten, Harmonikas, Klarinette, Bongos bis
zur weit gereisten Harfe aus Krakaudorf – was die Be-
geisterung an der Sache und das Engagement
füreinander nicht besser zum Ausdruck
bringen könnte. Im Vordergrund ste-
hen neben Ernsthaftigkeit und ge-
genseitigem persönlichen Respekt
die gemeinsame Freude und der
Spaß am aktiven Dabeisein.

Die individuellen
Voraussetzungen

Zuletzt – und das ganz bewusst an


dieser Stelle – ein paar Worte
noch zu den Vorraussetzungen:
Die eigene Vorstellung (ich als
Jodler) und der Wunsch, es
selbst zu probieren, Aufge-
schlossenheit und Kon-
taktfreude erscheinen
mir als grundlegen-
de Wegbereiter.
Gesangstech-
nisch sind ein
durchschnitt-
l i c h e s
G e h ö r

Der Vierzeiler 3 / 2007 Seite 17


ZUM THEMA

Von „Ursprünglich stammt der Jodler aus Zentralafri- von den Landarbeiterinnen vor der Feldarbeit ge-
Ulrike Zöller ka“ – Dieser Satz ist genauso wahr wie die Fest- sungen wurde, um damit böse Geister aus dem
stellung, der echte Jodler stamme nur aus dem Feld zu vertreiben. In Sapmi, der Region, die
Alpenland. Das Singen aus Silben mit einem früher „Lappland“ genannt wurde, hat sich eine
schnellen Wechsel zwischen Brust- und Kopf- Kultur erhalten, die lange nach der offiziellen
stimme ist überall in der Welt, vor allem aber in Christianisierung an dem stark von der Natur ge-
Waldregionen und bei Viehhirten und Jägern ver- prägten alten Glauben festhielt. Dem Joik, einem
breitet. Bei manchen Kulturen wird tatsächlich jodelähnlichen Gesang, der Menschen oder Tie-
noch zur Verständigung mit Mensch und Vieh ren gewidmet ist, wird hier eine besondere Kraft
gejodelt, bei anderen ist es längst in Kunstformen zugesprochen. Kinder erhalten schon in jungen
der verschiedenen Musikgattungen übergegan- Jahren ihren eigenen Joik, gleich einem Taufge-
gen. Manche Jodler sind klanglich kaum ver- schenk, der ihnen Glück und Gesundheit brin-
wandt mit dem, was wir darunter verstehen, an- gen soll. So stark war der Glaube an die Energie
dere werden fern von unserer Zivilisation gesun- des Joik, dass die christliche Kirche den Sami das
gen – und klingen uns trotzdem vertraut. Dass in Joiken lange Zeit verboten hatte.

Der Jodler
in anderen Kulturen
HONIGSAMMELN IN NIGER UND FENSTERLN IN DER SÜDSEE

anderen Teilen der Welt fast identisch gejodelt Jodeln sozial


wird wie im Alpenland, ist für uns oft gar nicht
fassbar. Tatsächlich aber findet sich die stärkste Auch wenn bei vielen Jodlern der Welt kein spiri-
Jodelkultur wohl in Zentralafrika, in der Kultur tueller Hintergrund festgestellt werden kann,
der Ba-Benzélé oder den Baka Pygmäen, in der zeigt sich doch immer wieder ein Bezug zur Na-
heutigen Republik Kongo, aber auch in Kamerun tur, zu Tieren oder Menschen. Wir kennen den
und in Niger. Vor allem mit zwei Tätigkeiten ist Jodler als Almruf, als Viehlockruf und wir kennen
das Jodeln dort verknüpft: Mit dem Honigsam- auch die Aussagen von Bauern und Sennen oder
meln der Frauen und mit der Jagd. Sennerinnen, die die Reaktionen ihrer Tiere auf
bestimmte Rufe und Jodler beobachtet haben.
Jodeln spirituell Wird bei den Pygmäen eine Entschuldigung an
die Geister der Tiere gejodelt, so steht auch in Eu-
Im Regenwald Zentralafrikas sind es die Geister ropa zumindest eine Beeinflussung der Tiere im
der Tiere, die vor der Jagd um Vergebung gebeten Hintergrund, eine Verständigung zwischen Tier-
werden. Der Jodler ist aber auch in anderen Tei- und Menschenwelt.
len der Welt als spiritueller Gesang bekannt: So Die Musikwissenschaftlerin Magdalena Tellen-
berichtete mir vor kurzem die kolumbianische bach, die die „Kölning“ oder „Kölnig“ genannten
Sängerin Lucia Pulido, dass der Jodler, den sie bei Jodelrufe in Nordeuropa untersucht hat, be-
kolumbianischen Frauen aufgezeichnet habe, schreibt den Gesang als: „Kommunikationsmittel

Seite 18 Der Vierzeiler 3 / 2007


ZUM THEMA

für Mitteilungen zwischen Menschen, von Men- Vorsänger, manchmal auch zwei oder drei, singen
schen zu Nutztieren und zu Raubtieren“. Das die Hauptstimme, die anderen singen ungejodelte
Jodeln stellt in den meisten Fällen eine Verbin- Begleitstimmen, unterstützen die Hauptsänger
dung her, zwischen Natur und Mensch, zwischen lediglich. Im Alpenland kennen wir diese Praxis
Tier und Mensch - und nicht zuletzt zwischen den von den Schweizer und Allgäuer Jodelgruppen
Menschen selbst. Mehrstimmiges Jodeln ist in den und -chören.
Alpenländern, in Teilen Afrikas und beispielsweise Bei den Sidamo in Äthiopien gestaltet sich die
in Georgien verbreitet. Oft wird bei den Jodelgrup- Aufteilung des Jodlers noch komplexer: Auch hier
pen eine Rollenverteilung vorgenommen: Ein gibt der Solist als Vorjodler den Ton an, an be-

Der Vierzeiler 3 / 2007 Seite 19


ZUM THEMA

stimmten Stellen spaltet sich der Begleitchor aller- das Spiel kann von neuem beginnen.
dings in zwei Teile auf, von denen einer mit rhy- Weniger kurios, aber im Allgemeinen effektiv ist
thmischem Keuchen den Gesang des anderen das Jodeln auf den Solomon-Inseln und auf Ha-
Chorteils begleitet. waii, wo die jungen Burschen vor dem Fenster
der Mädchen Jodler anstimmen, bis ihnen das ei-
Bei den meisten Kulturen, die den polyphonen ne oder andere Fenster geöffnet wird: Gasslgeh’
Gesang kennen, sind Gesangspraxis und der auf der Südseeinsel. In Palästina und in Gebieten
mehrstimmige Klang ein Indikator für den Zu- des Hohen Atlas dagegen werden Jodler bei der
stand der Gesellschaft. So steht auch der Jodler in Hochzeitszeremonie angestimmt: Beim Anklei-
unmittelbarem Zusammenhang zur gesellschaftli- den der Braut, beim Rasieren des Bräutigams –
chen Struktur und Situation. Was sagt das aus über und in der Zeit, in der die Ankunft der Ehrenwa-
die sehr eng geführte Dreistimmigkeit des alpen- che erwartet wird, singen Gruppen von Männern
ländischen Jodlers – und vor allem über ein zu- oder Frauen.
mindest in Bayern zu beobachtendes allmähliches
Nachlassen des traditionellen dreistimmigen Jo- Yodeling Cowboys und Turbojodel
delns?
Ob die Yodeling Cowboys, die ab den 20er Jahren
Jodeln zur Unterhaltung aus allen amerikanischen Radiogeräten jodelten,
ihre Kunst von den alpenländischen Einwande-
Der kurioseste Unterhaltungsjodler wird wohl bei rern übernommen haben oder ob das Jodeln dem
den Inuit in Alaska angestimmt: Es ist ein Spiel, „Hollering“ der ehemaligen Sklaven entstammt,
bei dem sich zwei Frauen gegenüberstehen, so weiß man nicht genau. Beweise für die immer wie-
nah, dass die Mundhöhle der einen Sängerin ihrer der angeführte Behauptung, dass das „Hollering“
Partnerin als Resonanzraum dient. In einer Mi- vom afrikanischen Jodler stammt, könne bis jetzt
schung aus Jodeln, Keuchen und Rülpsen werden nicht erbracht werden. Und die amerikanische
Laute ausgetauscht – so lange, bis eine der Sänge- Popindustrie bemühte sich, das Jodeln als weiße
rinnen lachen muss. Dann wird abgebrochen und Form publik zu machen und zu kommerzialisie-

Seite 20 Der Vierzeiler 3 / 2007


ZUM THEMA/LITERATURHINWEISE

ren. Eine Kommerzialisierung, die Literaturhinweise


stark an das Geschäftsverhalten volks-
tümlicher Stadlproduzenten erinnert:
Das Prinzip „Höher, schneller weiter“
zum Thema
Zusammengestellt von Mag. Doris Grassmugg und Dr. Heimo Schönhofer
verdrängt hier wie dort den ruhigen,
meditativen und harmonischen
Barcaba, Peter. Zur Typologie des Salzburger Jodlers. Kotek, Georg: Jodler und Jodlerlied in den österreichi-
Aspekt des Gesangs – und es hielt von
In: Die Volksmusik im Lande Salzburg II. (= Schriften schen Bergen. In: Allgemeiner Dt. Sängerschafts- Kalen-
den 70er bis in die 90er Jahre etliche zur Volksmusik, Bd. 13) Wien 1990. S. 233 – 259. der. Das Sängerjahr 1927. Wien 1927, S. 409 – 421.
junge alpenländische Sänger davon
ab, sich mit dem Jodler zu beschäfti- Baumann, Max Peter. Musikfolklore und Musikfolklo- Kotek, Georg: Zwanzig Jodler aus Österreich. Deut-
rismus. Eine ethnomusikologische Untersuchung zum scher Volksgesang - Verein, Wien 1935.
gen, damit man nicht von Unwissen-
Funktionswandel des Jodels. Winterthur 1976.
den in der Stadl – Ecke verortet wurde. Kronfuß, Karl. Der Jodler in Österreichs Alpen.
Derschmidt, Hermann (Hg.).Unsere Jodler. Ober- In: Das deutsche Volkslied, 26. Jg. Wien 1924, S. 5 – 8.
Erst in letzter Zeit jodelt es wieder aus österreichische Jodler. Altenberg bei Linz 1930.
Luchner-Löscher, Claudia: Der Jodler. Wesen, Entste-
jungen, oft experimentellen Kehlen.
Deutsch, Walter. Der Jodler in Österreich. In: Hand- hung, Verbreitung und Gestalt. München 1982, 97 S.
Neben mongolischen Obertonsän- buch des Volksliedes. Bd II. Hrsg. Brednich, Röhrich,
gern und joikenden Samen fällt welt- Suppan. München 1973. S. 647 – 667. Märzendorfer, Wolfram: Franz Zöhrer – ein Jodler
musikbegeisterten alpenländischen erzählt. In: Gedanken zur großen Erntezeit (= Der Vier-
Fink, Evelyn. Der Jodler im Bregenzerwald. Wien zeiler 22:4). Graz 2002, S. 33.
Sängern auf, dass ihre Kultur auch et-
Musikuniv. Dipl. Arb. 1998.
was Besonderes zu bieten hat – und Neumüller, Wolfgang: Der Jodler. Gedanken zur Auf-
sie findet allmählich wieder statt: Ei- Fritz, Hermann: Interpretationsweisen der Jodler im führungspraxis. In: Sänger- und Musikantenzeitung
ne behutsame Annäherung an den Salzburgischen Ennstal. In: Hg. v. : Pietsch, Rudolf: Die 37:4, 1994, S. 217-225.
Jodler, der in aller Welt zu Hause ist – Volksmusik im Lande Salzburg II (= Schriften zur Volks-
musik 13). Wien 1990, S. 39 – 50. Pommer, Helmuth: Jodler des deutschen Alpenvolkes
und dennoch so stark verwurzelt und in planmäßiger Folge. Zimmermann, Frankfurt 1936.
unique in jedem Dorf, in jeder Sing- Gielge, Hans. Klingende Berge. Juchzer, Rufe und Jod-
gemeinschaft, in jedem Sänger, der ler. Verein Schloß Trautenfels, Trautenfels 1992. Pommer, Josef (Hg.): 252 Jodler und Juchezer. („Jod-
ihn anstimmt. ler und Juchezer". Neue Folge). Wien 1893, 212 S.
Gielge, Hans. Klingende Berge. Juchzer, Rufe, Jodler
(Ausseerland). Eigenverlag, Bad Aussee 1937. Pommer, Josef (Hg.): 444 Jodler und Juchezer aus
Steiermark und dem steirisch-österreichischen Grenz-
Graml, Karl: Lieder, Tänze und Jodler aus der Samm- gebiete. Wien 1902, 9 + 386 + 14 S.
lung „Die österreichischen Volksweisen in einer Aus-
wahl von Liedern, Alpen-Melodien und Tänzen, ge- Pommer, Josef (Hg.): Jodler und Juchezer. Wien:
sammelt von weiland Anton Ritter von Spaun“ Wien Adolf Robitschek, [1890] + [1910], 58 S.
1845. München 1998.
Senn, Walter. „Jodeln“ Ein Beitrag zur Entstehung und
Haager, Max. Das Jodlerbuch. Graz, Leipzig, Wien Verbreitung des Wortes- Mundartliche Bezeichnungen.
1936. In: Jahrbuch des Österreichischen Volksliedwerkes Bd.
XI, Wien 1962, S. 150-166.
Held, Dagmar. Formen des Jodelns im Allgäu. In:
Volksmusik. Forschung und Pflege in Bayern. 10. Semi- Sichardt, Wolfgang: Der alpenländische Jodler und
nar: Singen in Bayern. Alte und neue Singformen der Ursprung des Jodelns. Berlin: 1939, 185 S.
„überlieferter Lieder“, München 1991. S. 35 – 50.
Thiel, Helga; Deutsch, Walter: Jodler und Almschrei
Horak, Karl: Der Jodler in Tirol. In: Jahrbuch des Öster- auf historischen Tonträgern in Österreich. In: Jahrbuch
reichischen Volksliedwerkes 13. Wien 1964, S. 78 – 94. des Österreichischen Volksliedwerkes 50. Wien 2001,
S. 65 – 79.
Hornbostel, E.M.: Die Entstehung des Jodelns. In: Das
deutsche Volkslied. 28. Jg. Wien 1926. S. 77 – 80. Walcher, Maria: Der Jodler im Pongau. Persönlicher
Bericht einer Feldforschung. In: Die Volksmusik im Lan-
Hummer, Hermann. Der Jodler in Salzburg. de Salzburg II (= Schriften zur Volksmusik 13). Wien
In: Die Volksmusik im Lande Salzburg. (=Schriften zur 1990, S. 29 – 38.
Volksmusik, Bd. 4 ) Wien 1979, S. 136 – 150.
Wiora, Walter. Jodeln. In: Die Musik in Geschichte
Kiehl, Ernst: Rhythmus-Untersuchungen beim Jodler und Gegenwart. 1958. Sp.73-79.
des Harzes. In: Jahrbuch für Volksliedforschung 41.
Berlin 1996, S. 97 – 99. Weitere Literatur sowie Jodlerausgaben finden sie im
Steirischen Volksliedarchiv!

Der Vierzeiler 3 / 2007 Seite 21


SATIRE

Von Norbert Hauer … 1.April, Nonsenstag, Herrnbaumgarten im Wein- von selbst. Etwa das Steirerlied schlechthin: „Hui-
viertel, im „Nonseum” des Vereins zur Verwertung di-a rei-dul-jeh“!
von Gedankenüberschüssen; nach dem vor 16
Jahren veranstalteten „Jodeldidudlfestival“ nun ein „Rei-dul“ weiß der nun schon geübte Leser durch
die vorangegangene Trinkaufforderung als „Stei-
„Jodeldidudltag“. rer“ zu deuten. „Rei-dul-jeh“ ist (O jeh!) der
Steirerbua! „A“steht für „ein“, „di“ für „bin“, …
Die Reduzierung der Sprache auf Jodlersilben – bleibt für „ich“ oder „i“ nur mehr das steirisch-
zur Ergötzung des Gemütes. Ein heiterer Tag mit stürmische „Hui!“
Weinverkostung bis tief in die Nacht hinein.
Hui-di-a rei-dul-jeh,
Zum besseren Verständnis nur einige Beispiele: he ri-a tre-da-hö,
Zur Begrüßung statt „Grüß Gott! Guten Tag! Ser- hui-i-jo hiss-tra-ho,
vas! Heast Oida! Mahlzeit! Jo wen siech I denn ho tria-lei rei-dul-jöh!
do!? Jö, schau!“ ein fröhliches „Hollareidulliöh“! Bei uns in rei-dul- …
usw.
Oder: „Ich bin mit dem Auto da, zwar eine Stunde
später, aber – trotz Stau – wohlauf.“ Heißt in der Setzen Sie ruhig dieses Lied fort und wählen Sie
Jodlersprache „Didldü-Didlda.“ 0664/4712899! (Es gilt die Unschuldsvermutung)

Jodeldidudl
Auszug aus Norberts Jodeltagebuch
„Didldü-Didldei“ heißt folglich „Ich habe es auch Mit Ihrem Anruf dürfen Sie sich ab sofort als Mit-
mit dem Auto geschafft, bin aber wegen einer Rei- arbeiter und Schlüsselarbeitskraft betrachten. Sie
fenpanne zwei Stunden später hier.“ sind ab nun ein weiteres Rädchen in der umtriebi-
gen Arbeitsgruppe „Entschlüsselung der Jodler-
Zu später Stunde, im Keller: „Tria-di-ri Holla-ro“ codierung“.
„Mein liaba Friedl, bitte hol noch einen Roten,
… und Fritz Ascher weil der schmeckt uns nämlich.“ Eines der letzten Geheimnisse der Bergregionen
(Leopoldsberg oder Bisamberg?) ist bereits gelüf-
Und vorm Gehen, so gegen Mitternacht: Mir tet: Japanischen Wissenschaftlern ist es gelun-
hättn gern noch einen Schluck aus Steiermark – gen, gemeinsam mit alpinen Sprachexperten ei-
egal va wo. Hauptsoch, er is do!“ – „Tria-di-ri ner der aufs Extremste verschlüsselten Bergbot-
Holla-rei-dul-joh“! schaften, nämlich dem Ur-Jodler, auf die Schli-
che zu kommen. Denn eine Frage schien bisher
Dass dazu der Wein auch durch ein passendes unlösbar zu sein. Die von Generation zu Genera-
Lied gelobt, in Jodlersilben umgedeutet und auf tion weitergegebenen markärschütternden Jod-
Teufel-komm-raus gejubelt wird, versteht sich ler, die Tourismus-Genießer mehr an den Brunft-

Seite 22 Der Vierzeiler 3 / 2007


SATIRE

schrei der Neanderthaler als an wichtige kom- Himmel dankten. Hier nun die einzig richtige
munikativ verschlüsselte Botschaften erinnert. und revolutionäre Übersetzung:
Diese verbalen Eruptionen lassen einerseits das
Blut in den Adern gefrieren, andererseits die in ■ Holla: eigentlich der Hollunder, sprich Holler,
die Bergwelt mitgeschleppten Transistorradios masculin, ein Gesträuch, in Mythen, Liedern
und Lap-Tops buchstäblich zerbröseln. In mühe- und Legenden als Hexenstrauch angeführt.
voller Kleinstarbeit wurde Laut um Laut, Luft- ■ Re: eigentlich das Reh, in der Jodler-Konnexi-
ausstoß um Luftausstoß, Silbe für Silbe, Neben- on aber eindeutig die, sprich die Reh(geiß),
geräusch um Nebengeräusch aufgezeichnet, bis feminin, aufrechtgehend, gefräßig und lust-
das Grundgerüst aller Jodler am Bildschirm der voll.
AustroJapsen zu lesen war: „Holla-re-gu-gu!“ ■ Gu: eigentlich das, sprich das Auge, das rechte
im Reh meinend, somit das Rehauge, das eine
Herzergreifend, als beim Anblick diese Urbot- aber nur.
schaft die Wissenschaftler beider Nationen auf die ■ Gu: na, was sonst, das andere, das zweite Reh-
Knie sanken und mit Tränen in den Augen dem auge, aber ohne Farbangabe.

Der Vierzeiler 3 / 2007 Seite 23


SATIRE

Mit diesem decodierten Vokabular steht nun der endgültigen Schreiens oder Singens“, das „wortlose Ausströmen einer Freu-
Übersetzung nicht einmal mehr ein misslungenes Komma de, die so groß ist, dass sie alle Worte zerbricht.“ Jodeln also
im Wege: „Die Rehgeiß (steht) in dem Hollerstrauch (und) doch das „Hallelujah der Berge“? Jodeln als die fröhlichste
schaut mit ihren (zwei) Augen (he)raus!“ Form einer Sinngebung des Unsinns?! „Jodeln ist“ nach Zabi-
ne Kapfinger, „auf jeden Fall gscheiter als viel Blödsinn reden
Eine einmalige Leistung, diese Rehgeiß, diese Übersetzung. und denken!“
Einwände kamen bisher nur vom Silo-Jodlerverband. Dieser
behauptet nämlich, über weitere bisher noch nicht ent- 4. Juli, Rumänien, Sibiu/Hermannstadt:
schlüsselte geheime Botschaften aus dem bayrischen Raum „Hätt i di, hob i di, hob i di dann tät i di,
zu verfügen. Lass mas herankommen. tria lei da rei- dul jeh, rei-dul-i-oh!”
Versuch eines Rumänen (der Freunde in Österreich hat), mit
Jede Mitarbeit, das heißt, auch schon jede telefonische Kon- mir Kontakt aufzunehmen. Es ist ihm gelungen.
taktaufnahme wird mit einer Jodelnacht belohnt. Nein, nicht
wie bei (Gott-hab-ihn-selig) Franz Antel, dessen Wirtinnen 10. Juli, Jodelkurs in Imst: Monika P. bittet mich um einen
bis zur Glückseligkeit jodelten, sondern fromm-steirisch in Beitrag im Vierzeiler; rund um die Jodl-Dodl-Thematik – Ab-
der Nähe von Mariazell, zwischen Papstbesuch und nächster gabe 15. August.
Musikantenwallfahrt.
Laut Josef Ratzinger/Papst Benedikt XVI. hat schon der Kir- Anita O. vergeht in den Wochen darauf das Jodeln; erinnert
chenlehrer Augustinus von Hippo vom Jodeln gesprochen, mich aber immer wieder sehr liebevoll, doch endlich … Ich
als er vom „Jubilus“ schrieb, einer „Form wortlosen Rufens, darf einer holländischen Familie im Rahmen von KULT-UR-
LAUB in Imst einige Jodler beibringen und wir philosophie-
ren und singen und philosophieren über „Hau-dria-lei-ho!”
Das ist eine Herausforderung!

■ Der Olperer! Oder doch Alperer?


■ Wie kommt der „Dui“ zum
„Schweinsbeuschel“?
■ Haben die „Brigettierer“ beim Pressen
der feinen Salzpartikel zu einem Konglo-
merat auch gesungen? Ist es ein Standes-
jodler? Oder gar ein Arbeitsjodler?

Seite 24 Der Vierzeiler 3 / 2007


SATIRE

„Djo-i-di-ri da-rai ho-i holla rei-ho-i!“ was ein Jodlerseminar-Veranstalter mit „Jodeln –
Na, probieren wir es einmal … die Kunstform der Ewigkeit“ gemeint haben
könnte. Jodeln – klingende Harmonie zwischen
■ Wissen überhaupt die Punzen, ein altes Menschen; ursprüngliche archaische Musik;
Bauerngeschlecht am Fuße des Grim- berührend schön; Ausdruck des Eins-Seins mit
mings, dass es über sie einen Jodler gibt? der Schöpfung!
Oder stammt er gar von ihnen? Aus den Im Glas noch immer der Messwein 2006 vom
Quellen geht es nicht klar hervor, aber Weingut Stift Göttweig und im Ohr der Punzen-
Ansingen, des geht allerweil: „Ho-e-o-ho, jodler. „Leicht pfeffrig mit schöner Frucht, tän-
hol-la da-rei djo-e-ho“ zelt am Gaumen dahin und macht Lust …!“ Der
Wein? Der Jodler? Die Frauen? Eine sinnig-sinn-
Das „Lära Brett“ kann, so scheint es, nie vergeigt liche Dreieinigkeit hier auf dem Göttweiger
werden. „Üwan See“, der Jodler für angehende Berg, und hoffentlich noch auf manch anderem
Schwegelpfeifer, ist die Visitenkarte aller Neulin- Fleckerl dieser Erde. Für jeden Menschen nach-
ge beim Pfeifertag. vollziehbar, wenn er sich drauf einlässt! Jeder
Wer kennt den Jodel-König Franzl Lang? Warum kann es, auch lernen. Sogar Jhibaro Rodriguez-
kommt der Königsjodler in den Liedsammlungen Rodriguez aus Venezuela! Mit einem „Ho-e-ho!“
nicht vor? Hat der Erzherzog Johann auch ge- zerschneidet er die schwangere Abendluft und
weint? Joiken und Juchazen und Jodeln und holt mich aus der Idylle ins Hier und Jetzt
überhaupt. Der Jodler ist so schlecht wie sein Ruf. zurück. Sein Jodler bereitet uns an diesem
Oder doch so gut wie sein Rufer? Abend und in den kommenden Tagen noch
großes Kopfzerbrechen. Nein, nicht wie er ihn
19. Juli, der heißste Tag des Jahres, Monte Cassi- gesungen hat, sondern warum er ihn so gerne
no de Austria, vor Sonnenuntergang: hinausjubelt. Ich hab keine Lust mehr nachzu-
„Es ist schon ein erhebendes Gefühl, auf der Ter- denken über Entstehungsgeschichten und Hin-
rasse des Stiftes Göttweig zu sitzen!“ tergründiges und Offensichliches und Verdode-
Ich bin ganz der Meinung des Weinredakteurs lungen und Missbräuche und Vermarktung und
Helmut Knall. Der Blick zieht über die Weingär- … ja, ich freu mich ganz einfach, dass es so viele
ten den Göttweiger Berg hinunter – der gleich- gut und gerne tun! „Holla-re-i-ti!“
namige Wein kühlt unsere Stimmbänder – , was-
sert an der Donau, verklammert sich kurz an der Übrigens: Letzte Meldung am Montag, 17.9.,
Jahrhunderte umspannenden Himmelslinie von Münchner Abendzeitung:
Krems und Stein (o, du „eing´sperrter Bua“!) und „Musikantenstadl muss auswärts jodeln!“ Es hät-
verliert sich später stromaufwärts in die Wach- te so gut gepasst: Zum Wiesn-Auftakt wollte Mo-
au. Von einem der Nebentische erklingen stade derator Andy Borg den Musikantenstadl aus
Weisen, ganz ruhige und bedächtige Jodler. Drei München präsentieren. Die Olympiahalle war
Frauen aus dem Salzburgischen Sirenien bringen schon angemietet, die Technik organisiert – nur
Erfrischung in den Abend. Mit jedem Lied wan- die Hotelzimmer für die 300-Mann-Crew haben
dert die orange Sonne eine Liedlänge tiefer und die Organisatoren vergessen …
taucht endlich ins abendrote Meer. Betörend
wie die Erynnien singen sie. Jetzt erahne ich, Zurück an den Start. 1.April. Jodldidudltag …

Der Vierzeiler 3 / 2007 Seite 25


LEBENSBILDER

Von
Monika Primas

GUSTL LEITNER UND DIE DONNERSBACHER VORSUPPENJODLER

Im obersteirischen Donnersbach ist es noch so, da die Bäurin oder eine Magd mit dem Frühstück
kennt jeder jeden. Zumindest kennen alle den kam, das war damals eine Suppe, wurde zuerst
Gustl Leitner (geb. 1924), und das auch weit über einmal ein Jodler ins Tal hinausgesungen – ein
den kleinen Ort hinaus. Vor allem seine Stimme Vorsuppenjodler eben. Von Berg zu Berg hallte
ist es – er singt einen bemerkenswerten, glasklaren der Gesang, teils erwidert von Arbeitenden auf
1. Tenor - die den heute 83jährigen als „Ansinger“ gegenüber liegenden Berghängen. Erst dann wur-
mit der Gruppe „Donnersbacher Vorsuppenjod- de gegessen!“ So berichtet Gustl und nennt
ler“ schon viele Reisen tun ließ und einen überre- gleich den Schrabacher Vorsuppenjodler, als ei-
gionalen Bekanntheitsgrad verleiht. nen der Paradejodler der drei Männer.

Appetit aufs Jodeln


Jodler als Gebet Viele Jodler aus der Jugend

Gemeinsam mit Sepp Stieg (geb. 19??) und Hubert Gern erzählt der begeisterte Sänger von Erlebnissen
Luidold (1941-2007) hat er sich im 1986er Jahr zu- und Erfahrungen, die er mit seinen Kameraden bei
Hinweis: sammengetan, um einfach zu singen und zu jo- verschiedensten Auftritten und Feiern machen
Lieder und Jodler der deln, so wie es in der Region eben üblich ist. Den durfte, gedrückt allerdings, denn der jüngste, der
Vorsuppenjodler finden größten Teil des Repertoires kannten die Sänger Hubert Luidold ist gerade erst vor vier Wochen
sie in: Steirisches Lieder- noch aus ihrer Jugend, denn für alle drei gehörte ganz unerwartet verstorben. Schwer kann der
blatt, 9. Jg., Blatt 3, das Singen zum alltäglichen Geschehen. So ist Freund und Sänger ersetzt werden, denn über so
September 1990. auch der Gruppenname ver- viele Jahre waren sie so harmonisch und fein zu-
Restexemplare erhält- ständlich: „Früher sammengesungen. „Da findet sich kaum ein Jun-
lich im Steirischen sind die Bauern ger, der sich da dazugesellt, den das interessiert, der
Volksliedwerk unter und Knechte die passende Stimme, ei-
Tel. 0316/8775867 schon früh, so nen 2. Tenor, mit-
gegen 4 Uhr, bringt. Hoffen tu ich
zum Mähen ge- wohl, dass noch ei-
gangen. Und ner kommt!“ meint
als dann der Leitner Gustl ein
wenig nachdenklich.
Das Singen liegt ihm
halt so am und

Seite 26 Der Vierzeiler 2 / 2007


LIEDERDIENST

im Herzen, weil sein ganzes Leben davon be-


gleitet wurde. Und leicht hat er es nicht ge-
habt. Als lediger Sohn einer Sennerin wurde
er gleich nach seiner Geburt weggegeben und
Liedersuchdienst
verbrachte die ersten fünf Lebensjahre auf WER HILFT UNS WEITER? +43/(0)316/877 5516
verschiedenen Bauernhöfen. Erst mit 5 Jahren
kam er zum Luidold, vulgo Paffer, in Don-
nersbach, wo er bis zu seiner Einberufung Lieder ■ Uns locken die sonnigen Tage,
zum Militär mit 16 Jahren bleiben konnte. hinweg mit Sorge und Plage
Auf jenem Hoft begann er auch zu singen, ■ Wir wandern, wenn früh die Sonn
viele Jodler und Lieder erlernte er in dieser ■ Bin einst amoal in an Såmstag- aufgeht
Zeit, die er eben später mit den Vorsuppen- nåcht … Zimmer gångan … ■ Wie feurig leuchtet die Sonne auf
jodlern wieder in Erinnerung brachte. dås Ding håt mia wohl gfålln … Stubaier Höh
■ Kimmt’s scho schea ■ Der Morgen ergraut, Kameraden
Kein Bedarf an Noten üba die Ålm daher wacht auf
■ Herbstzeit ■ Mittendrin im Alpenland liegt meine
Noten haben sie freilich nie besessen, nur ■ Im tiafn Zirbenwåld, då is a Jagarei Heimatstadt
über das Vor- und Nachsingen wurden die ■ Im grünen Steirerlånd is da Zirbitz ■ Ålle Leit frågn mi … åba i steh auf di
Texte und Melodien überliefert. „Da muss åltbekånnt ■ I håb den Lehrer nie was broat
man halt ein gutes ‚Ohrwaschl’ haben, dann ■ Schlåf, mei Biaberle du, gugu ■ Vergessen lässt uns Sorg und Leid
funktioniert das!“, betont der Gustl. „Nach ■ Tatzelwurm das kleine Wort Zufriedenheit
Noten sind gerade die Jodler nie so erlernbar ■ Kupferschmiedlied: … so leben die ■ Leopoldsteinersee … ein kleines
wie im direkten Miteinander mit einem zwei- Gesellen … ein Vivat Meer
ten.“ Und so hält er es auch heute und gibt ■ Sulzkarlied
gerne seine lieb gewonnenen Lieder und Jod- ■ Bole mi leci (dalmatinisches Lied) Instrumental
ler sozusagen von „Mund zu Mund“ an die ■ Kà man Kl`ajas (lettisches Lied)
Jungen weiter, wann immer es ihm möglich ■ Wenn ins wogende Gras stille ■ Bunte Rosen
ist. Die Wertschätzung, die er diesen Melodi- Dämmerung fällt ■ Ohne dich bin ich verloren
en und Texten gegenüber bringt, könnte für ■ Mein schönes Österreich ■ Das kleine Kreuz
viele Sänger und
Musikanten
wegweisend Herzlichen Dank für Ihre Mithilfe! Ingeborg Magdalena Härtel,
sein. +43/(0)316/877 5516, Mail: liederdienst@steirisches-volksliedwerk.at

Der Vierzeiler 3 / 2007 Seite 27


LIEDERGESCHICHTE

Wo i geh und steh…


Von „… tuat mir mei Herz so weh“, so hörten wohl Kellnerin nach Graz, lernte ihren späteren Mann
Doris Grassmugg viele genauso wie ich Gisela Meissenbichler in kennen und zog mit ihm nach Mürzzuschlag.
Radio Steiermark, damals Ö Regional singen. Es Durch Zufall wurde ihr Talent auf der Schneealm
gab in den 50er bis 70er Jahren des 20.Jahrhun- erkannt und Meissenbichler kam direkt zu Radio
derts wohl kaum einen Tag, an dem „ihr Lied“ Steiermark, wo sie wöchentlich live sang. All die
nicht erklang. Gisela Meissenbichler wurde 1906 Jahre begleitet von Ignaz Gletthofer auf der Har-
in Kufstein geboren. Im Jahre 1930 kam sie als monika wurde Gisela Meissenbichler durch ihre

Seite 28 Der Vierzeiler 3 / 2007


LIEDERGESCHICHTE

Bravourjodler, allen voran dem „Erzherzog Johann Jodler“ als „Steirische


Jodlerkönigin“ bekannt. Auftritte brachten sie nach Italien, Deutschland,
England und in die Schweiz. Sie erzählte, dass es keinen Auftritt gab, bei
dem das Erzherzog Johann Lied nicht erklang.

Das Lied ist aber keine Komposition aus der Zeit Meissenbichlers. Der
Text stammt mit großer Wahrscheinlichkeit vom oberösterreichischen
Dichter Anton Schosser (1801 – 1849). Die Weise entstammt nach seinen
Angaben den damals im oberösterreichischen Ennstal gebräuchlichen
Melodien.

Zahlreiche Text- und Melodievarianten

Schosser schreibt dazu in seinem Buch Naturbilder aus dem Leben der
Gebirgsbewohner in den Grenzalpen zwischen Steyermark und dem
Traunkreise, Linz 1849: „Das steyrische Alpenlied. Das Heimweh (Wo i
geh und steh’ thut mir’s Herz so weh) welches ich im Jahre 1830 während
meines Aufenthalts in Scheerding schrieb…“. Bereits einige Jahre später
wurde der Text im Haller Liederkranz, Schwäbisch Hall, 1838, Nr. 175,
sowie Text und Melodie in der Sammlung auserwählter Gebirgslieder,
München 1839 veröffentlicht. Schosser selbst sorgte für eine rasche Ver-
breitung seines Liedes, denn er gab einige seiner Lieder einer der damals
sehr beliebten steyrischen Alpensängergruppen mit, die ihre national-
naiven Lieder in Österreich, Deutschland und Frankreich verbreiteten.
Dadurch kam es zu zahlreichen Text – und Melodievarianten.

Im Steirischen Volksliedarchiv befindet sich eine Aufzeichnung von


Robert Popelak (1871-1951) aus dem Jahre 1909 mit dem Hinweis: „Die-
se Singweise des bekannten Liedes hat um das Jahr 1825 – 1830 herum die
Mutter des Gerichtsarztes Dr. Kautzner in Graz aufgeschrieben. Das Ma-
nuskript befindet sich in Händen des Herrn Dr. Kautzner. Von Dr. Kautzner
mitgeteilt.“ ( STVLA Mappe 46, Blatt 2) Weitere Aufzeichnungen aus dem
19. Jahrhundert stammen aus Arnfels 1850 (STVLA Mappe 163), Rotten-
mann 1868 (STVLA Mappe 280), Ennstal um 1870 (STVLA Mappe 375).

Ironie der Geschichte

Helmut Brenner schreibt „Es ist eine Ironie der Geschichte, dass mit „Wo i
geh und steh“ ausgerechnet jenes Erzherzog Johann Lied den Lauf der Zei-
ten am beständigsten überdauert hat, welches seinerzeit weder für den Erz-
herzog geschrieben, noch diesem gewidmet worden war, und in welchem die
Nennung seines Namens wohl kaum mehr Funktion hatte, als …steirisches
Lokalkolorit heraufzubeschwören“. (Brenner, Helmut. Gehundsteh Herzso-
weh. ars styriae, Mürzzuschlag 1996, S. 11).

Der Vierzeiler 3 / 2007 Seite 29


AUS DER WERKSTATT GEPLAUDERT

HERMANN HÄRTEL ÜBER DIE „JODEL-WERKSTÄTTE“

Bislang war diese Seite den handwerklichen Tätig- emotionalen Tun den optimalen Rahmen zu ge-
keiten rund um die Musikinstrumente gewidmet ben, suchen wir jeweils ein gemütliches Gasthaus
und dennoch hat der Gedanke, die Jodelkurse mit oder einen Berggasthof aus. Wenn uns aus der
dem Begriff Werkstätte zu verbinden, seinen Reiz. Feldforschung einheimische Sängerinnen und
Dabei sind hier die Form und der Ablauf eines Sänger bekannt sind, so ist dies ein weiterer
Kurses gemeint und eben nicht das Lernen im Grund, gerade diese Örtlichkeit zu wählen, denn
Überlieferungsprozess. Diesem Vorgang des Ler- nichts ist lehrreicher als das lebendige Beispiel des
nens von den Großeltern, den Eltern oder Nach- Jodelns, wie es am Lande noch erlebbar ist.
barn haben wir ja schon viele Beiträge gewidmet. Das Jodeln als Einstieg in das Singen – übrigens
Nun geht es aber um das Erlernen des Jodelns in auch für Jugendliche – hat gegenüber dem Volks-
Kursen, wie wir sie in der Steiermark seit zwei Jahr- liedersingen einen Vorteil: Die dabei gebräuchli-
zehnten anbieten. chen Vokale haben zwar eine Eigengesetzlichkeit,

Der Jodel- Kurs


Wo gejodelt wird fallen keine Späne
und wo gehobelt wird fallen keine Töne …
Warum also ausgerechnet Jodelkurse? die in der Abfolge der Vokale zwischen Höhen und
Tiefen liegt, sie unterliegen aber – wie denn auch?
Zuallererst, um dem da und dort unterbrochenen – keiner Textkritik. Allzu viele Volksliedtexte sind
Überlieferungsprozess nachzuhelfen. Um diesem ja an örtliche Lebensumstände, an die Stimmung

Seite 30 Der Vierzeiler 3 / 2007


AUS DER WERKSTATT GEPLAUDERT

des Augenblicks und an ein tieferes Verständnis für die Poesie Gruppen im Freien geprobt. Dabei stehen mehrere Referen-
von Gestern gebunden. Das Jodeln hingegen ist ein äußerst be- ten zur Verfügung. Meist ist auch ein Stimmbildner darun-
freiendes, von Textinhalten völlig unbelastetes Spiel mit den ter, der für die sehr unterschiedlichen Stimmprobleme Hilfe-
Tönen. stellungen anbietet. Besonderes Augenmerk wird auf das An-
Jodeln fördert zudem das Selbstbewusstsein. Emotionale singen gelegt, weil die richtige Tonhöhe ausschlaggebend
Stimmerhebung ist ein der Seelenhygiene dienender Vorgang. für das Gelingen ist und die Angst vor dem ersten Ton ge-
Ja, es gibt heute einen steigenden Bedarf, sich selbst in Positi- nommen werden soll. Auf die Artikulation der Jodlersilben
on zu bringen und sei es in der prägnanten Form des kraftvol- wird besonderer Wert gelegt, denn ohne Vehemenz verän-
len Ausbruchs von Tönen aus unserem Innersten. Zudem: Jo- dert sich das eigentliche Jodeln zum Singen. Der Kurs findet
deln ist schon zu Zweien zu verwirklichen und fördert damit ohne Notenvorlage statt – die Unterlagen werden anschlie-
das spontane und allerorts mögliche Musikmachen. Jeder ßend mit einem Teilnahmezertifikat zugesandt. Das hat zwar
kann aber auch seinen kreativen Teil zum Jodeln beitragen, sei einen Nachteil, weil an einem Tag nur wenige Jodler erlernt
es durch einen besonders ausgeprägten Personalstil oder werden können. Der Vorteil liegt aber darin, dass die weni-
durch das System der Variantenbildung. Auch wenn dem Jo- gen Melodien ohne Texthilfe im Gedächtnis bleiben - im
deln eine Aura des Originalen und Echten anhaftet: In der In- besten Falle unauslöschlich.
terpretation ist der Vielfalt keine Grenze gesetzt. Aus all diesen
Gründen spricht das Jodeln eine Zielgruppe an, die weit über Erfahrungen
die Volksmusik-Interessenten hinausgeht. Jodeln – das ist ein
Stück Natur, spürbare Archaik, die klingende Form zwischen- Das Ergebnis ist schwer abzuschätzen. Es gibt viele Kompli-
menschlicher Beziehung mente: „Mir hat der Tag gut getan, ich habe nicht gewusst,
welch kräftige Stimme ich habe“. Es geht offensichtlich auch
Die Absicht und die Zielgruppe um eine positive Wirkung auf die allgemeine Befindlichkeit,
weil so ein Tag auch ein schönes Gemeinschafts- und Berger-
Wir möchten die Teilnehmer auf die eigene Stimme aufmerk- lebnis, ebenso aber auch für viele ein sinnliches Erlebnis ist.
sam machen, sie vom „eigene-Töne-machen“ begeistern. Wir Dann und wann bekommen wir die Rückmeldung, dass sich
möchten sie daher befähigen, zuallererst einen bis zwei Jodler eine Runde von Leuten wieder gefunden hat, um zu jodeln
selber anzusingen – sie sollen beim Kurs vor allem auf den Ge- und zu singen. Die fröhliche Arbeitsweise und Offenheit in
schmack kommen. Das Jodeln soll sie nicht mehr loslassen. der Teilnehmerauswahl (wir suchen ja nicht aus, sondern mu-
Wir möchten Menschen erreichen, die bis jetzt gar nicht oder ten den Kurs allen zu) bringt uns den besonderen Ruf einer
wenig gesungen haben, ebenso aber auch solche, die bereits Kulturinitiative, die in die Breite geht.
singen und das Jodeln erstmals probieren.
Für die Zukunft
Kursdauer und Methodik
Zusätzlich zu den Jodelkursen bieten wir Jodelstammtische
In der Regel veranstalten wir diese Einsteigerkurse eintägig und Kurzjodelkurse im Bereich des Tourismus an und bringen
mit offenem Ende als Abendgestaltung mit einheimischen mit unserem Schulprojekt „einfach lebendig“ das Jodeln wie-
Sängerinnen und Sängern. Der Kurstag beginnt mit einer Ein- der in die Volksschulen. Die in der Steiermark entwickelte Jo-
führung, der Vorstellung der Wirtsleute und organisatori- del-Lern-CD ist eine ganz neue Form der Vermittlungshilfe
schen Belangen, denn einen Teil der Stimmung tragen die ku- und wird zur weiteren Verbreitung des Jodelns beitragen. Un-
linarischen Genüsse und die Sympathie der Wirtsleute bei. sere Absicht ist es nicht so sehr, ein altes Kulturgut zu erhal-
Weitere Themen sind zwischen den praktischen Teilen ange- ten. Vielmehr ist es uns Ernst mit dem Vorhaben, das beim Jo-
siedelt: Die Geschichte des Jodlers, die berühmtesten Auf- deln spürbare Kraftfeld im Zusammenspiel zwischen Musik
zeichner und Sammlungen, die Technik des Jodelns, Stimm- und Mensch vielen erlebbar zu machen.
aufteilung und die verschiedenen Jodlertypen wie Zweier,
Drei, Gegeneinand etc. Und die gängige Meinung: Das Jodeln müsste man einfach im
Einige Jodler werden dann gemeinsam mit allen (etwa 40 – Blut haben, wird so lange ein Märchen bleiben, solange wir an
60) Teilnehmern erlernt, aber schon bald wird in kleinen Jodelprinzessinnen glauben ...

Der Vierzeiler 3 / 2007 Seite 31


IN ALLER KÜRZE

Kurz-Nachrichten
as ÖSTERREICHISCHE VOLKSLIEDWERK in Kooperation mit
D der MEISTERSTRASSE AUSTRIA präsentiert im Herbst und zu
Weihnachten vergangene und gegenwärtige Formen der Hand-
und des Landlers nahe. Eine eigene Kunst noch das Påschn dazu,
gar das Vierer - und Sechser Påschn. Alles in allem eine gelungene
Veranstaltung, die im nächsten Jahr traditionelle Fortsetzung fin-
werkskultur. Dazu gehören Handwerksbetriebe und -techniken, den wird.
Dachorganisationen und Dokumentationsstellen genauso wie Ins- Info ARGE Volkstanz, Tel.: 0699/11350151 oder bag@volkstanz.st
trumentenbauer, Handwerkslieder und das Handwerkszeug des
Musikers. Alt Bewährtes wird von Generation zu Generation über-
liefert und durch Neues erweitert. Die Produkte sind Botschaften
regionaler Identität. Sie bilden einen Gegenpol zur anonymen in-
H erzlicher Dank gebührt Herrn Bert Czamy aus Mürzzuschlag,
der dem Steirischen Volksliedarchiv einige Repros von Auf-
nahmen der Mürzzuschlager „GEISSLER SCHRAMMELN“ über-
dustriellen Massenproduktion. Als Teil des kulturellen Erbes tragen ließ. Die Gruppe spielte in verschiedenen Schrammelbesetzun-
sie zur Entwicklung bzw. Erhaltung von regionaler Wirtschaft und gen, und war weithin bekannt und beliebt. Als Musiker sehen wir
Kultur bei. Heinrich Haberfellner (hier Kontragitarre) und Edmund Geißler
Info: Österreichisches Volksliedwerk, Operngasse 6, 1010 Wien, (hier Harmonika) welche das Ensemble von Beginn an begleiteten
Tel. 01/5126335 oder office@volksliedwerk.at sowie Georg Strubegger und Herrn Klein (hier beide Geige). Ed-
mund Geißler galt als echtes Original in der Region und war auch

V om 26. August bis 01.September 2007 konnten wieder be-


geisterte Tänzer und Tänzerinnen ihrer Tanzlust frönen und
so richtig die Beine schwingen lassen bei der BAG-Tanzwoche
als Blasmusiker sehr aktiv. „Gerne erinnere ich mich an die Geißler
Schrammeln“, so Czamy und erfreut sich an der Gitarre und einen
großen Pack Noten – teils handgeschrieben – von Haberfellner,
2007 im weststeirischen Maria Lankowitz unter dem Titel „DER die er vor einigen Jahren käuflich erwerben konnte und später ger-
STEIRER TANZ. TÄNZE DER STEIRER, STEIRISCHE TÄNZE“. Von ne in einem Museum aufbewahrt sehen würde. Das Steirische
fern, nämlich von A wie Augsburg bis nah, wie Z am Ende von Graz, Volksliedwerk spricht nochmals Dank aus und hofft auf viele Men-
sind die Volkstänzer und Volktänzerinnen nach Maria Lankowitz schen, die durch Nachahmung dieser Idee ebenfalls zur Erweite-
angereist. Schier unentwirrbar verknotet beim Untersteirer Landler rung des Archivbestandes mitwirken und damit einen wichtigen
der Bayer mit der Oststeirerin, die Weststeirerin mit dem Tiroler, Beitrag zur Kulturarbeit in unserem Land liefern.

„Der Steirer Tanz“: BAG-Tanzwoche Neuer „Archivzugang“: Die Geißler Schrammeln Leseserie: Aloisia Steinberger

doch am Ende ein Dreh, noch ein Dreh, noch einer und noch ei-
ner und sie waren frei zum Walzer. Das reichhaltige Programm
spannte einen Bogen vom auflockernden gemeinsamen Singen
E ine Lesung der besonderen Art im Bereich der Volkskultur
plant die obersteirische HEIMATDICHTERIN ALOISIA STEIN-
BERGER . Die Dichterin, die auch als Moderatorin bekannt ist und
über Wissenswertes zur Historie und Kulinarium der Region bis hin bei Lieder- und Musikabenden, sowie bei Sänger- und Musikan-
zu ausgewählten Tänzen. So fordert ein Meister der Polka franzè tentreffen, immer öfter durch das Programm führt, schreibt schon
aus der Musikantengegend Stiwoll, Herbert Krienzer vom Steiri- seit ihrer Kindheit. Aus den Werken spürt man ihre tiefe Verbun-
schen Volksliedwerk, zu diesem Tanze auf, wobei vielen Teilneh- denheit und Liebe zur Heimat. Sie versteht es aber auch aktuelle
mern vom Zusehen allein schon schwindelt. Vor allem wenn es Themen und Probleme aufzuzeigen und sie mit Ironie verpackt,
dann noch links herum geht, da liegt das Paar in Schrägachse, der den Menschen näher zu bringen und zum Nachdenken anzure-
Schwung erhöht sich dabei sichtlich. Lang herbeigesehnt, manch gen. Der Bogen ihrer Werke spannt sich von sinnig bis heiter. Ein
Tänzer oder Volkstanzleiter ist extra deswegen aus bayrischen und Highlight bei diesen Lesungen wird aber auch die musikalische
sonstigen Landen angereist, bringen dann die Ausseer unter der Umrahmung sein: „Die Pirschbichler-Brass“ – eine bekannte und
Leitung von Andreas Holzinger die Hohe Schule des Steirischen immer wieder gern gehörte Gruppe, wird Aloisia Steinberger an

Seite 32 Der Vierzeiler 3 / 2007


IN ALLER KÜRZE

diesen Abenden instrumental begleiten. Derzeit wird von Prof. Siegfried Greimler
Beginnen wird diese Leseserie im Bezirk eine Sammelaktion unter den steirischen
Knittelfeld am 3. November 2007 im Kul- Harmonikalehrern gestartet und vor al-
turstadl in der Rachau um 19.30 Uhr, ein lem um alte, nicht gedruckte Werke für
zweiter bereits fixierter Termin wird der die Aufnahme in unsere Datenbank gebe-
17. November 2007 im Festsaal Feistritz, ten. Daher geht auch an Sie der Aufruf:
ebenfalls 19.30 Uhr sein. Falls Sie zuhause Noten für Steirische Har-
Info: Frau Steinberger, Tel. 03512/85655 monika in Noten- oder Griffschrift haben
und diese unserer Datenbank zur Verfü-

D as Steirische Volksliedarchiv ist nach


langjährigen Verhandlungen im
DATENVERBUND DES ÖSTERREICHI-
gung stellen wollen, melden Sie sich bitte
im Steirischen Volksliedarchiv.
Kontakt: 0316/877-3559 oder unter
SCHEN V OLKSLIEDWERKES eingebun- doris.grassmugg@stmk.gv.at
den. Durch die Einbindung unseres Da-
tenbestandes (derzeit ca. 71.000 Daten-
sätze) ins Netz können nun auch vom In-
ternet aus unser Archiv, aber auch die Ar-
E s ist immer erfreulich, wenn unsere
Zeitschrift „Der Vierzeiler“ mit seinen
Themen Menschen anspricht und zum
chive der Bundesländer besucht werden. Nachdenken anregt. So geschehen beim
Sie finden den entsprechenden Link auf Thema „Stille“ (Vierzeiler 4/2006), wel-
unserer Homepage www.steirisches- ches die Rosegger-Gesellschaft Mürzzu-
volksliedwerk.at. G emeinsam mit dem schlag veranlasste den LITERATURWETTBE-
Steirischen Musikschulwerk wurde das WERB „ROSEGGER FREUNDSCHAFTSKRUG“
Projekt „Die Steirische Harmonikalitera- eben diesem Inhalt zu widmen. Aus den
tur“ betrieben. Derzeit sind 2809 ge- zahlreichen Einsendungen wurden von ei-
druckt Werke in Griffschrift in unserer Da- ner Fachjury die Gewinner ausgewählt.
tenbank zu finden. Diese Datenbank soll Der erste Preis ging an Frau Hildegard
einen Überblick über die Literatur bieten. Mair aus Oberösterreich mit dem Text:

Günther Novak - ein 85er


A ls goldrichtigen Ort für sein Fest hatte der Jubilar Günther Novak ein Eck der Steiermark gewählt, das gemein-
hin als eine der Bastionen gelebten Brauchtums gilt: Das Steirische Salzkammergut und hier
wiederum Gössl am Ostufer des „Steirischen Meeres“ Grundlsee. Die ganze große
Familienrunde mit Töchtern, Schwiegersöhnen, Enkeln, Schwagern und Schwä-
gerinnen hatten ein Festprogramm für den feiernden Gastgeber zusammen-
gestellt, in dem Musik und Gesang hohen Stellenwert genossen. Gut so –
denn so wie sich die Feier nach dem köstlichen Mahl entwickelte, war aus-
reichend Platz zum Tanzen sehr gefragt. Das wusste auch der beneidens-
wert fit gebliebene 85-er Günther Novak zu schätzen und schwang mit
ausnahmslos allen weiblichen Mitfeiernden und mit jugendlichem Elan
das Tanzbein. Zu späterer Stunde schloss er sich der Höller-Hausmusi
an und vergatterte sogar die gesamte Gästeschar zum Mitsingen der
Liederschätze aus seinem reichen Volksliedfundus. So feiern echte
Freunde steirischer Volkskultur, zu denen ja der Jubilar unbedingt
zählt. Darum schließen wir uns vom Steirischen Volksliedwerk eben-
falls mit den besten Glückwünschen an, hat Günther Novak doch
über lange Zeit sehr intensiv zu Feldforschungen und redaktionellen
Beiträgen zu unserer Zeitschrift „Der Vierzeiler“ beigetragen.

Der Vierzeiler 3 / 2007 Seite 33


ZUM THEMA

Ich habe die Stille herbeigesehnt, mehreren Stationen als Lehrer,


sie gerufen und gesucht. lebt er nunmehr in Gleinstätten,
Als ich sie endlich fand, wo er – wie könnte es bei einem
habe ich sie laut und überschwänglich begrüßt, so aktiven Musiker sein – im Kul-
worauf sie sich abwandte turbereich maßgeblich wirkt.
und unbemerkt verschwand. KARL MUSTEIN war in seinem
früheren Beruf ein Schulmeister
Wir gratulieren herzlich! und ist nach wie vor ein Chor-
Gleichzeitig möchte das Steirische Volksliedarchiv/ Volkspoesie in- meister, wie er im Bilderbuch
teressierte Texterinnen und Texter – welchen Alters auch immer – steht. Mehr noch: Er ist für viele
auffordern den Vierzeiler Themen folgend nach Lust und Laune zu jüngere ein Lehrmeister als Verbinder im Chorensemble, als Mittler
schreiben und Werke an unser Archiv zu senden. Vielleicht kann zwischen Jung und Alt. Von der Aufgabe in der Schule bis zu sei-
auch Ihr Text einmal in einer der nächsten Ausgaben unserer Zeit- nem Wirken in Chören: Er hat stets sein besonderes Charisma und
schrift „Der Vierzeiler“ veröffentlicht werden. seine musische Begeisterung eingebracht und in allen seinen Wir-
kungsbereichen sein Leben lang Freunde gewonnen und Freude
Einsendungen erbeten an: entfacht. Seine umfassende musikalische Bildung – von der Hoch-
Steirisches Volksliedarchiv/Volkspoesie kunst bis zur Volkskunst - und seine Zuneigung zu den Menschen
z.H. Fritz Kreisl, Herdergasse 3, 8010 Graz die ihn umgeben, haben ihn nicht alt werden lassen. Im Geiste
jung geblieben ist er und als solcher zählt er auch zu den Mitden-

K arl Mustein – ein Achtziger. Der in der Aflenzer Gegend gebo-


rene Weststeirer feierte kürzlich seinen 80. Geburtstag. Nach
kern des Volksliedwerkes. Dafür ist ihm sehr zu danken! Wir wün-
schen ihm Gesundheit und noch viele aktive, klingende Jahre.

Kultur leben und erleben, 15. November 2007, 9.30 – 18.00 Uhr, in der FH Joanneum Bad Gleichenberg

Symposion Volkskultourismus
Wir bewegen uns in einem Spannungsfeld zwischen gelebter und inszenierter Tradition. Berge und Seen werden – wenn sie nur
Kulisse sind – nicht punkten, ebenso wenig Menschen, die sich nur im Rollenspiel eines sympathischen Urlaubslandes finden …

PROGRAMM

9.30 Uhr: Zum Anfang ein Ständchen 14.00 Uhr: Von der Darstellung und Vermarktung
der wahren Authentizität
10.00 Uhr: Begrüßung Reinhart Grundner (ORF Steiermark, Graz)
Landeshauptmann-Stellverteter Hermann
Schützenhöfer (Steiermärk. Landesregierung, 14.45 Uhr: Die Marke darf nicht zum Label verkommen
Ressort Volkskultur, Tourismus und Gemeinden) – Chancen und Risiken der Marke „Steier-
mark“ im Wettbewerb der Regionen
10.30 Uhr: Impulsreferate Dr. Robert Trasser (Markenberatung –
„Leutln, das is hålt da steirische Brauch…“ Marke Steiermark, Innsbruck)
– aber was ist Volkskultur?
Prof. Hermann Härtel (Steir. Volksliedwerk, Graz) 15.30 Uhr: Pause

Urlaub im Grünen Herzen Österreichs – 15.45 Uhr: Die Bühne hinter den Kulissen
Wie funktioniert Tourismus? Alfred Komarek (Autor und Journalist, Wien)
Dir. Georg Bliem (Steiermark Tourismus, Graz)
16.30 Uhr: Schlussdiskussion
11.30 Uhr: Pause
ab 17 Uhr: Zum Ausklang ein Stück harmonische
11.45 Uhr: Die neuen Volkskultouristen… Gastlichkeit …
Mag. Andreas Reiter
(Trend- und Zukunftsforscher, Wien)
Moderation: Michael Tschida (Kleine Zeitung, Graz)
12.30 – 14.00 Uhr: Mittagspause Musik: Edi Luis und die Jazzbanditen

Seite 34 Der Vierzeiler 3 / 2007


INTERNETTES

Skuriles
internettes Jodeln
Als erstes ist wohl die Frage dem Internet zu stellen: Hingegen beschäftigt sich das Forum „alpenlaen- Von Arnold Zimmermann
Wie wurde das Jodeln erfunden? Sofort kommt die dischjodeln.at“ mit verbalen Erklärungen wie: „Natür-
Antwort von www.lustich.de: lich darf so ein erster Jodler nicht mit der zarten Stimme
Zwei Japaner waren auf einer Bergtour. Plötzlich fällt einer Nachtigall gesungen werden. Ein gestandener Jod-
ihr Radio in eine Schlucht. Sagt der eine Japaner: Ho- ler sollte unter Aufbietung aller Leibeskraft dargeboten,
lidiladio odel Holdudiladio? gewisser Massen ,geröhrt’ werden. Dem Balzruf des El-
ches gleich muß das klingen, nämlich markerschütternd,
Das Wort „Jodeln“ wird in der heutigen Umgangs- stark und Ehrfurcht gebietend! Die Jodler müssen Angst
sprache ja vielfach beschrieben. So schreibt ein Jodel- und Panik hervorrufen, Schneebretter zum Abbruch
anfänger vom „Bungee-Jumping für die Stimmbänder!“ bringen und Lawinen auslösen.“ Schi Heil, kann man
da nur sagen. Nehmen sie zu einer Schitour nie einen
Um diese Art Bungee Jumping zu lernen schaut man Jodl Dodl mit. Die Lawinengefahr erhöht sich dras-
am besten auf die Seite von einem gewissen Herrn tisch.
Norman. www.yodelcourse.com „I love to hear a yo-
del“. Ja, sie lesen richtig. Es ist ein Jodelkurs in engli- Ebenfalls kritich beschäftigt sich die Seite von „kame-
scher Sprache. Gut aufgebaut mit Hör- und Notati- lopedia“ mit dem Jodeln: Jodeln ist eine volksdümm-
onsbeispielen, verschiedene Audiofiles zur Auswahl. liche Abart, Musik zu verunstalten, in Etwa wie ’Did-
Zusätzlich sind Links zu Radioaufnahmen die sich mit geridoo spielen’ (*) oder wie Rap. Ursprung und Cha-
Bungee Jumping für Stimmbänder beschäftigen. Prä- rackter nach aber eher der afrikanischen Tanzmusik
dikat: Sehens- und hörenswert. zuzuordnen. Gejodelt wird häufig in Bayern oder
beim Beischlaf im Bett. (*) Wenn man aboriginärartig
Dem will die Kronen Zeitung offenbar um nichts mit einem Rohr jodelt, heißt das ,Didgeridoo spielen’.
nachstehen, denn auf der krone.at Seite findet man Ja, unerschöpflich wird mit unserem „Jodeln“ umge-
ebenfalls: „Online-Holladrio - Jodeln wie die Dodeln – gangen. Skurril or not skurril! Um die letzten Fragen
der Online-Kurs“. im Forum Jodeln zu klären, bittet Georg Simmel im
Diesen Kurs dürfte offensichtlich auch der Sänger der Interesse einer anthropologischen Forschung, unter
Ennstaler Spitzbuam besucht haben. Auf einer CD be- dieser Seite http://socio.ch/sim/jod78.htm seine Fra-
singt er sich mit: „I bin der Jodl-Dodl!“ Er weiß es gen zu beantworten. Also los geht’s.
wahrscheinlich gar nicht wie recht er hat mit dieser
Nummer. Internette Leut, deis wår’s für heit!

Der Vierzeiler 3 / 2007 Seite 35


AUS DEM FOTOARCHIV

Von Margit Suntinger

Jodelforscher
in der Steiermark
Im Archiv des Steirischen Volksliedwerkes finden sich Bilder, Bücher, Handschriften und Noten von berühmten Volkliedforschern. Zwei der
bekanntesten Sammler von Jodlern in Österreich sind zweifelsohne Josef Pommer und Karl Mautner:

1 Josef Pommer

Josef Pommer (1845 – 1918) war Herausgeber der Zeitschrift „Das Deutsche Volks-
lied“ und gilt als Begründer der Volksmusikforschung in Österreich. Der Gymnasial-
lehrer und Politiker hat unzählige Jodler, Volkslieder und Gstanzeln systematisch auf-
gezeichnet. Er gesellte sich zu den Menschen am Wirtshaustisch, um sich mit ihnen
zu unterhalten und die gesungenen Jodler und Juchezer sofort zu notieren. 1902 er-
schien seine große Jodlersammlung 444 Jodler und Juchezer aus Steiermark und dem
steirisch-österreichischen Grenzgebiete. Auffallend ist dabei die „melodisch-alphabeti-
sche“ Anordnung, d.h. dass die Jodler nach dem Grundton der Tonart geordnet sind.
Zwei Jahre später legte Pommer mit der Gründung des „Arbeitsausschusses für das
Steirische Volkslied“ den Grundstein für das Steirische Volksliedwerk.

Konrad Mautner
2
Der Wiener Großindustrielle Konrad Mautner (1880 – 1924), machte sich als Volks-
musikforscher im Ausseerland einen Namen. Seine Sammlungstätigkeit ist von der
tiefen Liebe zu den einfachen Leuten geprägt. Sein 1910 erschienenes Hauptwerk,
Steyerisches Rasplwerk, liest sich wie ein persönliches Liedertagebuch, das mit liebe-
voll gestalteten Illustrationen versehen ist. Das Steyerische Rasplwerk enthält 730
Vierzeiler, 164 Lieder, Jodler, Kinderreime, Instrumentalmusik u.v.m. Es zeichnet sich
durch seinen Umfang und seine Qualität aus. Das Steyerische Rasplwerk erschien in
einer Auflage von nur 400 Stück. Einige wertvolle Originalblätter befinden sich im
Steirischen Volksliedarchiv.

3 4

Bild 1: Dr. Josef Pommer: Bedeutender Auf-


zeichner und Sammler von Volksliedern

Bild 2: Sammelte Jodler und Lieder als Aus-


druck der Verbundenheit zum Ausseer Land:
Konrad Mautner

Bild 3: Pommer zeichnete nicht nur auf, was


er zufällig fand – jeder Jodler wurde kom-
mentiert.

Bild 4: Besitzer eines Originals können sich


glücklich schätzen – das Steyrische Raspl-
werk ist aber auch als Nachdruck erhältlich.

Seite 36 Der Vierzeiler 3 / 2007


AKTUELLES AUS DEM HARMONIKAZENTRUM

Tief Luft holen


In nur wenigen Jahrzehnten haben die Harmonikainstrumente seit der ersten Hälfte VERANSTALTUNGEN DES
des 19. Jahrhunderts praktisch die ganze Welt erobert. Noch keine 200 Jahre alt, ist HARMONIKAZENTRUMS GRAZ
die Geschichte der vielen Erscheinungsformen der weit verzweigten Instrumentenfa-
milie eine unerschöpfliche Quelle an originellen Einzelleistungen, die sich von An- Wenn nicht anders angegeben, finden alle
fang an einer Vereinheitlichung des Instrumentes entgegengestellt haben. Veranstaltungen im Harmonikazentrum
Graz, Griesgasse 24, 8020 Graz statt
Das Harmonikazentrum Graz bietet in Form einer ausgewählten Instrumentensamm-
lung und einer Präsenzbibliothek Anschauungsmaterial zu diesem Themenkomplex. Zauberei, Klang und Phantasie
Zugleich ist es Treffpunkt für Forscher und Musikinteressierte, die von hier aus Kon- Erich Jägers Kinderprogramm – 1 x monatlich
takte zu verwandten Institutionen im In- und Ausland pflegen können. Vorträge, Samstag, 20. Oktober 2007, 15 – 16 Uhr,
Themenabende und die Vermittlung von praktischen und künstlerischen Fähigkeiten Freiwillige Spende (die Einnahmen kommen
auf diversen Harmonikainstrumenten mit Schwerpunkten auf der Steirischen Zieh- dem Erhalt des Harmonikazentrums zugute)
harmonika, der Mundharmonika und dem Akkordeon (Spielkurse, Seminare, Info: 0316/323202
Schnuppertage, Einzelunterricht) ergänzen das Programm des Harmonikazentrums
Graz, das sich ganz besonders um die Laien-Musik-Szene fernab der schulischen Aus- Das Theremin
bildung annehmen möchte. Klangerzeugung ohne direkte Berührung des
Instruments. Ein Vortrag mit Hörbeispielen
Das Harmonikazentrum Graz, ursprünglich beim Steirischen Volksliedwerk ange- von Martin Schemitsch
siedelt, ist seit Mitte des Jahres ein eigenständiger Verein. Wenn Sie sich für das Mittwoch, 24. Oktober 2007, 19 Uhr
Thema Harmonika interessieren oder einen Beitritt zum Verein Harmonikazentrum
in Erwägung ziehen, wenden Sie sich bitte an Wolfram Märzendorfer (Tel.: Das Harmonium
+43/676/7086392; info@harmonikazentrum.at). Vortrag mit Hörbeispielen von Franz
Schöninckle, Termin noch offen

Harmonikakonzerte in der Brücke


von Klassik bis Avantgarde, von Volksmusik
bis Jazz – eine Reihe in Kooperation mit
dem Verein „Die Brücke“, jeweils mittwochs,
7., 14., 21. und 28. November,
„Die Brücke“, Grabenstrasse 39a,
Harmonikazentrum Graz 8010 Graz, www.bruecke-graz.com
A-8020 Gra, Griesgasse 24 Programm zu Redaktionsschluss noch in
Kontakt: +43/676/7086392 Ausarbeitung (Die Künstler verzichten auf
info@harmonikazentrum.at ihr Honorar, der Reingewinn kommt dem
www.harmonikazentrum.at Erhalt des Harmonikazentrums zugute)

Vorschau:
Mundharmonikaspielertreffen und
Harmonikafestival promonica-west
5. – 8. Juni 2008, Region 10vorGraz

Der Vierzeiler 3 / 2007 Seite 37


REZENSIONEN

gehört & gelesen


1 1 JOHLAR UND JUZ um und ideales Geschenk für jeden Liebhaber des
Steirerlandes, der mehr über die grüne Mark wissen
Auf der Basis aktueller Feldforschung und Archivre- möchte. So, wie die Steiermark zu Österreich kam,
cherchen ist ein Quellenwerk zum primär mündlich wann das letzte Todesurteil in der Steiermark voll-
überlieferten Jodler der Musiklandschaft Bregenzer- streckt wurde, was Haiducken sind oder wie oft die
wald einschließlich der Vorarlberger Varianten ent- Familiennamen Huber und Maier im steirischen Tele-
standen. In der zusammenfassenden wissenschaft- fonbuch vorkommen. Und, nicht zu vergessen: Sie
lich-kritischen Darstellung wird erstmals das ist 1,63 cm groß, ist 63 kg schwer, ist 43 Jahre alt
Problem der metrischen Deutung, die Frage der und wird mit 29 1/2 Jahren Mutter heißt es über die
richtigen und falschen Taktstrichsetzung zum The- Durchschnittssteirerin. Ganz sicher?
ma gemacht – mit Methoden, die in der Jodlerfor-
schung noch kaum angewendet wurden: die rhyth- ROBERT ENGELE UND CHRISTIAN PENZ: Kramasuri.
2 mische Reduktion, die metrische Konjektur und die Das umfassende Handbuch des Steirerwissens. Styria
metrische Hypothese. Eine neue Methode der „Ord- Verlag, Graz 2007. € 16,90
nung der Jodler nach Diminutionen“ ist die Grundla-
ge für den typologischen Vergleich des Bregenzer-
waldes mit anderen alpinen Jodlerlandschaften. 3 HA, HAB ICH DICH!
Transkriptionen der beigelegten historischen Tonbei-
spiele, die die lokale Praxis über den Zeitraum von …so einer der Texte in Konrad Mautners Skizzen-
60 Jahren akustisch dokumentieren, sind bereits pu- buch, das nach einer Idee und dem Gesamtkon-
blizierten Notenaufzeichnungen beigestellt. Infor- zept von Georg Frena entstanden ist. Das hübsche
mationen zur Quellenlage und Aufzeichnungsge- Büchlein im Original stammt aus dem Besitz von
schichte, biografische Informationen zu den Auf- Anna Wolsey-Mautner, der jüngsten Tochter Kon-
zeichnern und die Darstellung des mündlich überlie- rad Mautners. Dieser legte das mehr als 30 num-
ferten Singens vermitteln neben Wortbelegen in der merierte Zeichnungen umfassende Büchlein für sei-
3
Toponomastik Vorarlbergs, in Sagen und Familien- ne Kinder, wahrscheinlich in den letzten Jahren vor
namen ein umfassendes Bild zum Jodler und Juchzer seinem Tod 1924 an. Die Tochter Anna erinnert
einer wenig bekannten Jodlerlandschaft. sich noch gerne an die schönen Stunden mit dem
Vater, voll an herrlichen Erzählungen, wunderbaren
EVELYN FINK-MENNEL: Johlar und Juz. Registerwech- Zeichnungen und viel Spaß. In einem ausführli-
selnder Gesang im Bregenzerwald (mit Tonbeispielen chen Kommentar von Dr. Gerlinde Haid werden
1937–1997), Schriften der Vorarlberger Landes- eben jene Zeichnungen erläutert, wobei an erster
bibliothek 16, W. Neugebauer, Bregenz 2007. € 29,50 Stelle die Inhaltsbeschreibung steht, dann – falls
vorhanden – die Texte wiedergegeben werden,
und abschließend Zusatzinformationen angeführt
2 DER DURCHSCHNITTSSTEIRER … sind. Ein stilvolles Büchlein, das sich wunderbar als
Geschenk eignet, nicht nur für Freunde des großen
4 … ist 75 cm groß, ist 80 kg schwer, ist 40 Jahre alt Sammlers und Aufzeichners Konrad Mautner.
und wird mit 34 Jahren Vater.“ Dies und noch vieles
mehr behaupten zumindest Robert Engele und Chri- KONRAD MAUTNER SKIZZENBUCH: 2007, € 35,–
tian Penz in ihrem neuen umfassenden Handbuch
des Steirerwissens. Wissenswerte Details, skurrile Be-
sonderheiten, völlig unnütze Informationen ebenso 4 FÜR JUNGE VOLKSMUSIKANTEN …
wie wichtiges Basiswissen und ungewöhnliche Sta-
tistiken, kurz: allerhand Kramasuri aus der Steier- Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht eine „Schu-
mark. Auf jeden Fall ein vergnügliches Sammelsuri- le für junge Volksmusikanten“ zu verfassen! Kle-

Seite 38 Der Vierzeiler 3 / 2007


REZENSIONEN

ment und Elisabeth Feichtenhofer, selbst Eltern ELISABETH UND KLEMENT FEICHTENHOFER: Steirische 5

von vier musizierenden Kindern, legen nun ein Harmonika. Eine Schule und ein Spielheft für junge
Spielheft für die Steirische Harmonika in Griff- Volksmusikanten (Notenheft und CD). Eigenverlag,
schrift vor, die es dem Schüler durch den Aufbau Mürzhofen 2007. € 25,–
in kleinen Schritten unter Einbeziehung der wich-
tigsten theoretischen Grundlagen ermöglicht,
sehr rasch zu einem Erfolgserlebnis zu gelangen. 5 ICH PFEIF’ DIR EINS …
Vor allem die einfachen Kinderlieder und Volkswei-
sen sind es, die ein lustvolles Erlernen von techni- In drei neuen Notenheften widmen sich die Routi-
schen Abläufen und Griffen unterstützen. So fällt nies diverser Volksmusikinstrumente Elke Marge-
es dem Schüler leicht, sich auf Rhythmus, Finger- tich und Sewi Krammer der Schwegel. Diese findet
sätze und Phrasierung zu konzentrieren. Ebenso in der Volksmusik vielseitige Anwendung, begon-
finden sich viele schöne Spielstücke, die sich her- nen bei Schwegelduos bis hin zu größeren Beset- 5
vorragend für das Zusammenspiel mit anderen zungen mit Okarinas, Geigen oder ähnlichen In-
Instrumenten eigenen. Dadurch ergibt sich schon strumenten. Nun bietet Heft 4 dreistimmige
früh die Gelegenheit mit Gleichgesinnten zu musi- Schwegelstücke, versehen mit passenden Akkord-
zieren. Sicherlich ein Erlebnis nicht nur für junge bezeichnungen für Gitarre oder Kontrabass, Heft 5
Volksmusikanten! lässt Einblick nehmen in das reichhaltige Angebot
an 2 und 3 stimmigen Jodlern, die nicht nur ge-
ELISABETH UND KLEMENT FEICHTENHOFER: Steirische pfiffen sondern auch gesungen werden sollten,
Harmonika. Eine Schule und ein Spielheft für junge Heft 6 zu guter Letzt beinhaltet eine bunte Mi-
Volksmusikanten (Notenheft). Eigenverlag, Mürzhofen schung von Tanzmusikstücken für zwei Schwe-
2007. € 18,– geln, die – ebenfalls mit Akkordbezeichnungen

Der Vierzeiler 3 / 2007 Seite 39


REZENSIONEN

6 versehen – mit Gitarre und Kontrabass gut begleit- schenken bis hin zum leeren Glas. Ein Hörgenuss der
bar sind. Jedes Heft enthält auch eine kurze Ge- anderen Art!
schichte der Schwegel sowie eine Grifftabelle. Nun
heißt es, Schwegel zur Hand, und angepfiffen!! MUSIKKAPELLE SEGGAUBERG:
Der Junker. Blasmusik aus dem südsteirischen Weinland.
ELKE MARGETICH UND SEWI KRAMMER: REC-RECORDS 2007. € 18,–
Schwegel 3-stimmig. Heft 4, 2007. € 10,–
ELKE MARGETICH UND SEWI KRAMMER:
Schwegel Jodler. Heft 5, 2007. € 10,– 7 VOM SCHÖNSTEN MANN DER WELT
ELKE MARGETICH UND SEWI KRAMMER:
7
Schwegel 2-stimmig. Heft 6, 2007. € 10,– Lange waren sie versteckt in Schubladen, blieben
schlicht und ergreifend un-erhört. Umso mehr ge-
hen sie jetzt wieder ins Ohr. In Wort und Klang sind
6 JUNGE MENSCHEN, JUNGE MUSIK, auf dieser CD anregende, witzige, skurrile und
JUNGER WEIN … sinnliche erotische Volksmärchen, eine feine Aus-
wahl aus dem Alpenland und verschiedensten
So macht Blasmusik richtig Spaß! Die Musikkapelle Weltgegenden zu hören. Angela Stummer beglei-
Seggauberg kann ihren ersten Tonträger präsentie- tet diese Texte auf der Harfe, die Almtaler Dudel-
ren und das bereits 8 Jahre nach ihrer Gründung. sackmusik spielt dazu in der traditionellen Beset-
8
Unter ihrem höchst aktiven Kapellmeister Fritz Pölzl zung der kleinen böhmischen Bauernmusik. Volker
agieren mittlerweile 45 Musiker und Musikerinnen Derschmid hat dafür rare Stücke aus seiner Feldfor-
mit einem Durchschnittsalter von 23 Jahren mit Be- schung im oberösterreichischen Mühlviertel her-
geisterung. Da kann wirklich von florierender Ju- vorgesucht und aufbereitet. Aus alten Quellen
gendarbeit gesprochen werden. Dazu kommt noch singt Franz Bernegger „liederliche“ Volkslieder, au-
die Kreativität und Schaffenskraft von Fritz Pölzl, aus thentisch und unbereinigt. Die Erzählungen blei-
dessen Feder sämtliche Stücke der neuen CD stam- ben dem altgedienten Helmut Wittmann vorbehal-
men. Hervorzuheben ist sicherlich das Musikstück ten, der in gewohnter Manier die Faszination der
„Der Junker“, welches der Produktion auch seinen Worte auf die Zuhörer zu übertragen vermag. Ein
Namen gibt. Ist es doch die Liebe zum Wein, die die weiteres Produkt aus der Werkstatt des Märchener-
9
Südsteirer im Besonderen auszeichnet. Zwischen zählers, das es lohnt in die große Sammlung aufzu-
den Weinfässern, in den Kellern der Seggauberger nehmen.
Weinbauern, wurde auch die Idee zu eben jenem
Stück geboren. Eine Hommage an den jungen Wein HELMUT WITTMANN: Erotische Märchen und liederli-
musikalisch serviert, vom Reifeprozess über das Ein- che Lieder I. ATS Records 2007. € 18,–

Seite 40 Der Vierzeiler 3 / 2007


AKTUELLE ANGEBOTE

8 SCHMISSIG-KERNIGE TANZMUSIK

Im Mühlviertl geht es hoch her, wenn ein unver-


wechselbarer Stil, hörbare Freude an der Musik und
zum Tanz auffordernder Schwung, Musikantenher-
zen höher schlagen lassen. Das Mühlviertler Quintett,
kurz M5, bringt durch eine gewisse Leichtigkeit des
Musizierens und das unbeschwerte Gestalten von al-
ten und neuen Melodien eine frische bunte Farbe in
die leicht verstaubte Volksmusikszene. Ähnlich verhält
es sich mit dem Dumfart Trio, kurz D3, das den
legendären Klang des Edler Trios mit attraktiven
Klangfarben und neuen Stücken erweitert. Mit Mu- Für Kinder
sikstücken wie „Auf geht’s“, so die erste Polka, dann
weiter „Über Berg und Tal“ bis „Am Grundlsee“ und
„Da Russische“ entführen M5 und D3 den interessier-
und Familien
ten Hörer zu einer musikalisch-topografischen Rund- Kinderlieder- und Kindertanzbücher mit CD
reise. Also: Einsteigen und Mitfahren…

MÜHLVIERTLER QUINTETT UND DUMFART-TRIO: Kinderlieder hopsassa


M5 und D3, 2007. € 18,– Ein Kinderliederbuch mit lustigen Liedern, Reimen
und Tänzen für kleine und große Sänger. Mit einer
CD, die zum Mitsingen und -tanzen einlädt.
9 ENDGÜLTIG AUSGEJODELT… Henderl bibi. Über’s Bacherl bin i g’sprungen. Spånnen-
långer Hansl. Und wånn i amål reich sullt werdn …
Vorsicht: Keine Fachliteratur über das Jodeln, aber Preis: € 25,30
ein Krimi im Jodelmilieu. Die Journalistin Mira Valen- (Zur Zeit vergriffen!)
sky, beauftragt mit einer Recherche im volkstümli-
chen Musikzirkus, trifft auf die heile Welt im Herz-
Schmerz-Rhythmus und hinter den Kulissen der Kindertänze trallala
volkstümlichen Schlagerwelt auf einen mysteriösen Ein Kindertanzbuch mit schwungvollen Tänzen,
Mordfall. Den Downhill-Sepp, vormals Ski-As hat’s Singspielen und Liedern für große und kleine
erwischt und kurze Zeit später liegt der schleimige Tänzer. Dazu die passende CD zum Mitwirbeln ...
Regisseur Langthaler, erschlagen von einem Schein- Kreuzpolka. Es geht nix über die Gemüatlichkeit.
werfer, tot in seiner Gardarobe. Die Polizei tappt im Neukatholischer. Gemma, gemma, såg die Emma ...
Dunkeln, aber Mira pirscht sich umso eifriger in die Preis: € 25,30
Unterwelt des Heimat verbundenen Showbetriebes
und beschreibt einerseits das nach seichter Beglü-
ckung schmachtende Publikum und andererseits Weihnachtszeit in der Familie
die Bühnenscheinwelt aus einer Mischung von Ein Weihnachtsliederbuch für die Familie –
Schminke und schlüpfrigen Witzen, die selbst so ab- mit Noten, Texten, Sprüchen und Rästeln. Mit
geklärte Darstellerinnen wie die fünf Frohsinn-Mä- dabei: eine lustvolle CD von Kindern für Kinder,
del nur mittels Betablocker zu überstehen imstande die zum Mitsingen animiert.
sind. Kann Mira den Fall aufklären? Eine Eva-Ross- Alle Jahre wieder. Der Bratapfel. Komm,
mann Krimi, bei dem bei Mord und Totschlag auch wir gehen nach Bethlehem. Still, still, still …
die Trachtenjoppe, Hirschhornknopf und feine Preis: € 25,30
Schlagertexte als Begleitmelodie eine Rolle spielen. (Zur Zeit vergriffen!)
Eine unterhaltsame Grauslichkeit …

EVA ROSSMANN:
Roman: Ausgejodelt. Bastei Lübbe – Taschenbuch 2002. Alle Produkte der Rubriken „gehört und gelesen“
€ 7,20 sowie „Aus der oberst‘n Låd’“ sind erhältlich im
Steirischen Volksliedwerk, Tel. +43/(0)316/8772660
(siehe Bestellschein) www.steirisches-volksliedwerk.at

Der Vierzeiler 3 / 2007 Seite 41


AKTUELLE ANGEBOTE

Aus der
oberst´n Låd´
Regionale Kostbarkeiten …

Lieder der Regionen


im praktischen Rocktaschenformat (10 x 14,5cm) Preis € 8,50

Band 1: Band 3:
Preitenegg, Schiefling, Auerling, Enns Grimming Land
Schroatalm, Hebalm, Pack Eine umfangreiche Liedersammlung,
Eine besondere Liedersammlung aus der die sich dem Liedgut des Enns Grimming
Region an der steirisch-kärntnerischen Landes widmet. Zweistimmig gesetzt, mit
Grenze. Zweistimmig gesetzt, mit Begleitakkorden, 160 S.
Begleitakkorden, 176 S. Da Grimma is mei Hoamatlånd. Und dås
Wia schean san die Liabschåften auf dem Ennståler Tål. Das Planner Lied. Der Irdninger
Lånd. Kiadadileisum. Die Elektrische muaß Nåcheinånd. Das Wurzlgråberlied.
eingführt werdn. Es wår amål a Mann … Da Summa is uma …

Band 2: Band 4:
Ausseerland Almenland
Eine einmalige Liedersammlung, die Eine außergewöhnliche Liedersammlung
die Vielfalt der Singtradition des Aus- aus dem größten zusammenhängenden
seerlandes wiedergibt. Zweistimmig Almweidegebiet Europas. Zweistimmig
gesetzt, mit Begleitakkorden, 160 S. gesetzt, mit Begleitakkorden, 160 S.
Der Herr im Haus. Mir san die zwoa Das Hundschneiderlied. Jå, bin i’s net a
Pfeiferlbuam. Nåchtn spåt, erscht uma lustiger Roßhåndlasbua. Mixnitzlied.
neini. Der Brigettierer. Fåhrn ma hoam. Der Bergmann im schwarzen Gewande.
Da Ålt Ausseer Postillion ... Dås Köstnbråterlied …

Sondernummer:
Mariazeller Advent Liederbuch Notenreihe
Von bekannten Weihnachtsliedern
bis zu regional bezogenen Liedern,
promonica
Instrumentalweisen, Rezepten,
Brauchbeschreibungen und Band 1: Kapelle Kager
Geschichten spannt sich der breite 12 Tanzmusikstücke für vierreihige
Bogen dieser Buchausgabe. SteirischeHarmonika (eingerichtet von
Zweistimmig gesetzt, Sewi Krammer und Elke Margetich)
mit Begleitakkorden, 160 S. Gemeinsam mit den Kern-Buam und weite-
Hirten auf um Mitternacht. ren Tanzmusikkapellen haben Musikanten
Mariazeller Jodler. Schnittlebkuchen. rund um Walter Kager den Tanzmusikstil der
Wir ziehen zur Mutter der Gnade. Weststeiermark maßgeblich geprägt.
Schifferlsetzen ...
1a In Griffschrift
1b In Notenschrift (G-C-F)
Preis: je € 11,–

Seite 42 Der Vierzeiler 3 / 2007


AKTUELLE ANGEBOTE

Für jede Gelegenheit das passende Lied …

Lieder aus der Rocktasche


im praktischen Rocktaschenformat (10 x 14,5cm) Preis* € 7,50 (für Mitglieder: € 6,70)

Jäger- und Almlieder Jäger- und Almlieder


Eine Sammlung der schönsten (Zweiter Schuss)
Lieder zum Thema Jagd und Alm. Weitere Kostbarkeiten zu Jagd und Alm aus
Ålmfrieden. Dås schönste Bleamerl dem reichen Fundus des Volksliedarchives.
auf der Ålm. Die Gamslan schwårz Die Gams, de tuan schean pfeifn. Ein Jäger längs dem
und braun. Ålpera … Weiher ging. Im Wåld steht a Hüttn. Mirzl, mågst mit
Zweistimmig gesetzt, mir auf d´Ålma gehen. Wo der Berge schöne Täler …
mit Begleitakkorden, 152 S. Zweistimmig gesetzt, mit Begleitakkorden, 176 S.

Lieder zur Wallfahrt Singen im Buschenschank


Enthält alle gängigen Lieder, die Eine bunte Mischung an Liedern für
man beim Wallfahrten braucht. gemütliche Stunden im Buschenschank.
Wir ziehen zur Mutter der Gnade. Lustig und kreuzfidel. Das Lied vom
Maria, wir dich grüßen. Segne du, Höllerhansl. Iss mit mir, trink mit mir.
Maria. Die Glocken verkünden Es gibt Millionen von Sternen …
mit fröhlichem Laut … Zweistimmig gesetzt,
Zweistimmig gesetzt, 176 S. mit Begleitakkorden, 176 S.

Singen im Wirtshaus Weihnachtslieder selber singen …


Lieder und Jodler für gesellige Runden Das musikalische Handbuch
und fröhliche Stunden im Wirtshaus. für den Weihnachtsfestkreis.
Bin da Turlhofer. Der Weltverdruß. Lasst uns froh und munter sein. Is finster draußt.
Herr Wirt, wås san ma denn schuldig. Da draußen auf dem Berge. O Jubel, o Freud …
Zur Zeit Da steirische Brauch … Zweistimmig gesetzt,
vergriffen! Zweistimmig gesetzt, mit Begleitakkorden, 160 S.
mit Begleitakkorden, 160 S.
* Preis wenn nicht anders angegeben

Instrumental-Noten
TIPP: Singen im Wirtshaus – In Griffschrift (für Steir. Harmonika)
Seit den ersten Ausgaben unserer Liederbuchreihe gibt es die Nachfrage nach jenen Liedern in Griffschrift. Nunmehr liegt
mit diesem Büchl eine erste umfassende Sammlung vor, die der klingenden Geselligkeit Tür und Tor öffnen soll.
Format 12,7 x 17,5 cm, 126 S., mit Texten
Preis: € 15,–

Der Vierzeiler 3 / 2007 Seite 43


AKTUELLE ANGEBOTE

Steirische
Tonspuren
1 2 3 4 5 6

DIE VITAMIN CDS - 1) „Steirisches auf Schellacks“


HÖRBARES AUS DER Musikalische Gustostückerln aus den Jahren 1910 – 1945. Im Originalklang hörbar.
Scheiben-Jodler. Steirischer Figurentanz. Der Wurzelgraber. Das Liad vom Stainzer Wunderdokta …
STEIERMARK
Die Reihe „Steirische Tonspuren“ 2) „Kinderlieder hopsassa“
will ungewöhnliche Dokumente Eine erfrischende Kinderlieder-CD, die zum Mitsingen und –tanzen einlädt.
dem Ohr anvertrauen, neue Ton- Henderl bibi. Über’s Bacherl bin i g’sprungen. Spånnenlånger Hansl. Und wånn i amål reich sullt werdn …
spuren am Markt ziehen und un-
veröffentlichte Belege des Steiri- 3) „Steirischer Geigentag“
schen Volksliedarchives, aber auch Wohlklingende Köstlichkeiten eines einzigartigen, steirischen Musikfestes.
Musikbilder der Steiermark publi- Achtung Marsch. Lahnsåttler Holzknecht. Der Melcker. Heuschober Boarisch …
zieren, die bislang kaum Beach-
tung fanden. Diese Tonträger 4) „Die Steiner Sänger“
weisen auf die Ästhetik der tö- Mit ihren Liedern und Jodlern prägten sie jahrzehntelang die Musiklandschaft des oberen Ennstales,
nenden Wirklichkeit hin und zei- Gretl Steiner und Heli Gebauer aus der Ramsau am Dachstein. Die Gamsei. Der Gipfljodler ...
gen die Vielfalt und Schönheit
von Momentaufnahmen steiri- 5) „Klangbild Südsteiermark“
scher Musik auf. Vielfältige Sing- und Musizierkultur an der südsteirisch-slowenischen Grenze.
Ich liebte einst ein Mädchen. Gremo na Štajersko. Micika v püngredi. Gemma hoam-Polka.
Preis pro CD: € 18,–
(Für Mitglieder: € 16,20) 6) „Weihnachtszeit in der Familie“
Eine lustvolle Weihnachtslieder-CD von Kindern für Kinder – mit Sprüchen und Rätseln bereichert.
Animiert zum Mitsingen. Alle Jahre wieder. Der Bratapfel. Komm, wir gehen nach Bethlehem. Stil, still, still …

Volksliedwerk-Tanzboden
Der mobile Tanzboden – Zum Verleih und zum Kauf ■ Zum Verleih: Zerlegt auf einem PKW-Anhänger,
Für den Aufbau einer Tanzfläche am Festplatz oder beim Wirtshaus inkl. Versicherung für Anhänger und Montageanleitung
wurde früher das ganze Dorf zusammengerufen. Heute ist die ge- Miete: € 160,–/Tag (für Mitglieder: € 150,–/Tag)
samte Infrastruktur unserer Feste recht einfach zu besorgen - Bierti- (Aufstellhilfe: € 25,– zzgl. Fahrtspesen)
sche, Griller, Getränke und Musik. Aber wie kommt man zu einem ■ Zum Kauf:
Tanzboden? Das Steirische Volksliedwerk hat diese Marktlücke auf- Preis: € 1.400,–
gegriffen und bietet nun einen transportablen Tanzboden zum Ver- (für Mitglieder:
leih und zum Kauf an. € 1.350,–)
Mobiler Tanzboden, massives Holz, lackiert, transportabel, Stecksystem,
mit Handlauf und Rosenbogen, Größe: 30m2 (5 x 6 m).

Seite 44 Der Vierzeiler 3 / 2007


AKTUELLE ANGEBOTE

Volksliedwerk Steyerisches
Tücherl Rasplwerk
GESAMTWERK „STEYERISCHES RASPLWERK“
IM NACHDRUCK ERHÄLTLICH:

EIN AUFPUTZ MIT PFIFF … Das „Steyerische Rasplwerk“ – die liebevoll gestaltete Volkslied-
sammlung aus Gössl am Grundlsee von Konrad Mautner - ist im Jahr
DAS VOLKSLIEDWERK-TÜCHERL
1910 in einer Auflage von nur 400 Exemplaren erschienen, wobei
„Wia die Sait’n zur Geig’n, zum Madl a Bua, die Farbdruckbögen zerschnitten und Blatt für Blatt auf 372 Karton-
g’heart zua an schen Gwand des Volksliedwerk-Tücherl dazua!“ seiten geklebt wurden. Im Nachdruck ist dieses bekannte Werk in 2
Variationen erhältlich:
Ausseer Handdruck-Seidentücher aus dem Hause Sepp Wach mit ei-
gens kreierter, musikalischer Volksliedwerk-Bordüre. In reinster
Handarbeit gedruckt. Für Frauen als Halstuch, für Männer als Bin- ■ In Originalgröße
del verwendbar. In zwei Farbzusammenstellungen und Größen er- Verlegt bei Hans Schneider, 1977.
hältlich – exklusiv im Volksliedwerk. 372 S., (11,2 x 15,5 cm, 8,5 cm dick)
Preis: € 300,–

Modell A: ziegelrot/wiesengrün/vergiss-mein-nicht-blau/lachs ■ Auf Normalpapier


Modell B: altrosa/flaschengrün/himmelblau/ Das Steyerische Rasplwerk ist seit 2005
vergiss-mein-nicht-blau auch in leicht vergrößerter Form und
auf Normalpapier gedruckt erhältlich:
Größen: 45 x 45 cm: € 35,– (für Mitglieder: € 31,–) Buchdeckel in Elefantenhaut, Innenteil
60 x 60 cm: € 50,– (für Mitglieder: € 45,–) auf Normalpapier – inklusive Inhalts-
verzeichnis und Sprachkommentar.
(12 x 16 x 4 cm).
Preis: € 60,–

Instrumente
Das Maul voll nehmen…
Der Volksliedwerk-Maultrommel-Zweier
2 handgefertigte Maultrommeln Eine große Auswahl an
in klassischer Mollner-Form weiteren CDs, Instrumentalnoten
und Liederbüchern
(aus dem Haus Hörzing/Jofen)
gibt’s im Internet unter
in Stimmung A und E
www.steirisches-volksliedwerk.at!
(feingestimmt), inkl.
Maultrommel-Klemme.

Preis: € 39,– (Für Mitglieder: € 35,–)

Der Vierzeiler 3 / 2007 Seite 45


MUSIK BEIM WIRT

*gefördert von der


Wirtschaftskammer
Steiermark und dem
Veranstalterverband
Österreich

Musikantenfreundliche
Die Aktion „Musik beim Wirt“ wird nach wie vor von begeisterten Kräften getragen. Beinahe monatlich
gibt es Jubiläen zu feiern oder werden neue Gastbetriebe in die Reihen der „Musikantenfreundlichen Gast-
stätten“ aufgenommen.
Das Steirische Volksliedwerk unterstützt die musikalischen Ambitionen der Wirtsleute überaus gerne
und gratuliert den Urkundenempfängern zu diesem wichtigen kulturellen und sozialen Beitrag an der
Gemeinschaft. Besonderer Dank gilt an dieser Stelle der Wirtschaftskammer Steiermark, Fachgruppe
Gastronomie, ohne deren Hilfe diese Aktion nicht in dieser Bedeutung durchgeführt werden könnte,
und dem Veranstalterverband Österreich, dem es gemeinsam mit dem Österreichischen Volksliedwerk
gelungen ist eine pauschale Regelung mit der AKM zu erreichen.

Auffrischen – Wiederholen –
Neues dazulernen –
„Melodien tauschen“

Jodelstammtisch Gasthaus „Zur Lackner Lisl“ Jausenstation Granitzbauer


Elisabeth Lackner Erika und Franz Schrotthofer
jeden letzten Freitag im 8151 Hitzendorf 9 Hönigsberg / Lechen 33, 8665 Langenwang
Monat ab 20 Uhr im Tel. 03852/2065, www.granitzbauer.at
Babenbergerhof Regelmäßig einmal im Monat, immer am zweiten
Babenbergerstraße 39 Dienstag, hieß es bei der „Lackner Lisl“ in Hitzendorf Von wo aus einst das legendäre Edler Trio seinen Er-
8020 Graz „Sänger- und Musikantenstammtisch“. Ganz beson- folgskurs nahm und auch heute noch ein ehrendes An-
Info: 0316/877-8768 ders gerne nahmen die Musikschüler der Musikschule denken stark zu spüren ist, in Hönigsberg bei Langen-
diese Gelegenheit wahr um ihre jüngst erworbenen wang im oberen Mürztal, besteht schon seit vielen
Herzliche Einladung zum Fertigkeiten in die Geselligkeit zu tragen. Am 12. Juli Jahren ein überaus lebendiger und blühender Sänger-
gemeinsamen Jodeln! war nun der letzte Stammtisch gekommen, Frau Elisa- und Musikantenstammtisch. In idealer Zusammenar-
Wer es einmal probieren beth Lackner (zweite von links, inmitten der jungen beit bewerkstelligen Ing. Walter Riesemann (2.v.r.), Al-
will genauso, wie schon Musikanten) tritt ihren wohl verdienten Ruhestand fred Budl (rechts außen) und die Wirtsleute Erika und
erfahrene Sänger. an. Arnold Zimmermann vom Steirischen Volkslied- Franz Schrotthofer (Mitte) mit Sohn (links außen) das
werk (auch stellvertretend für die Wirtschaftskammer monatliche musikalische Ereignis. Franz Kodelic (2.v.l.)
Eintritt frei! Steiermark) und Bürgermeister Franz Höfler bedank- vom Steirischen Volksliedwerk überbrachte mit Freu-
ten sich herzlich mit einer Ehrenurkunde. den die wohlverdiente Urkunde.

NEU! KINDER-MUSIKANTENSTAMMTISCH
Jeden ersten Sonntag im Monat gibt es in der Postmühle in Krieglach ab 13 Uhr einen
Kinder-Musikantenstammtisch! Info: www.weltrekordjodler.at oder Tel.: 03855/2571

Seite 46 Der Vierzeiler 3 / 2007


MUSIK BEIM WIRT / ZITATE

Von
Herbert Krienzer Zitate
Junge jodelnde Jodler-Jungen jodeln jaulende Jodel-Jauchzer, jaulende Jo-

Gaststätten
del-Jauchzer jodeln Junge jodelnde Jodler-Jungen.
Zungenbrecher

Was ist ein Österreicher?


„Ein Bergvolk, das sich durch jodeln verständigt.“
Gasthaus Reinbacher aus einem amerikanischen Wörterbuch
Brigitte und Dieter Rainer
8783 Gaishorn am See 2, Tel. 03617/2263 Der Juchzer ist „ein Jubellaut, den nur der ungebundenste Frohsinn und
das Bewußtsein der vollen Freiheit hervorbringt, ein Wecker für die Trä-
Im Rahmen des Jubiläums „100 Jahre MGV Gaishorn am gen, der einem Schusse gleich, der langweiligen Stimmung den Boden
See“ nahmen die Wirtsleute Brigitte und Dieter Rainer (im Bild ein- und ausschlägt und die Fröhlichkeit bis zum Jubel steigert.“
der Wirt mit Hans Neuhold vom Steirischen Volksliedwerk) – Wiora, Walter
in ihrem Haus wird regelmäßig geprobt und der Wirt ist akti-
ver und begeisterter Sänger beim MGV – am 16. Juni 2007 Der Jodler ist das einzige Lied ohne Worte, das doch mehr sagt, als alle
die Urkunde „Musikantenfreundliche Gaststätte“ entgegen. Sprachen zusammen.
Heinrich Federer

Papst Benedikt XVI (früher Dr. Joseph Ratzinger) über den Jodler:
Der hl. Augustinus über die „Lieder ohne Worte“
Univ.-Prof. Dr. Joseph Ratzinger, Bonn – ein gebürtiger Traunsteiner –, hat
vor einigen Jahren als Dozent an der Theol.-Philos. Hochschule Freising
seine Ansprache anlässlich des „Dombergsingens“ im Priesterseminar ge-
schlossen wie folgt:
„… möchte ich noch eine Bemerkung machen über die Lieder ohne Wor-
te, die im Bayrischen „Jodler“ heißen, oder vielmehr nicht ich, sondern
ich überlasse da das Wort dem größten Theologen der abendländischen
Kirche, dem heiligen Augustinus. Er kennt nämlich den „Jodler“. Er heißt
zwar bei ihm „Jubilus“, aber es ist kein Zweifel, dass er das gleiche meint:
Stiegenwirt dies wortlose Ausströmen einer Freude, die so groß ist, dass sie alle Wor-
Gottfried und Frieda Pöschl te zerbricht. Er redet sogar verhältnismäßig oft darüber, ich kenne allein
Mittlerer Kreuzberg 704, 8583 Edelschrott acht Stellen in seinen Predigten, in denen er davon spricht.
Tel. 03145/3240 Eine davon, die mir die schönste davon zu sein scheint, will ich Ihnen vor-
lesen. Er legt da den Psalm 32 aus und kommt zum Vers 3: Bene cantate
Den Wirtsleuten Gottfried und Frieda Pöschl vom Stiegenwirt in eum iubilatione – Singt Ihm (dem ewigen Gott nämlich) gut mit iubila-
Edelschrott ist die Musik, ganz besonders das Singen und Jo- tio. Er fährt fort: „Was heißt das doch, mit iubilatio singen? Das heißt, mit
deln, ein Herzensanliegen. Angeregt von Dir. Reinhold Haring Worten nicht ausdrücken, nicht sagen können das Lied, das dir im Her-
(1.v.l.) fanden sich am 4.7.2007 (v.l.n.r.) Franz Jechart (WKO), zen singt. Wenn nämlich die Erntearbeiter auf dem Feld oder im Wein-
Ing. Peter Kalcher (WKO), Franz Kodelic (Steir. VLW) und Bgm. berg in immer jubelndere Freude geraten, dann geschieht es wohl, dass
Franz Kienzl zum monatlichen Sänger- und Musikanten- sie ob der Überfülle der Freude keine Worte mehr finden. Dann verzich-
stammtisch ein um dieses Bemühen um die Musik mit der Ur- ten sie auf Worte und Silben und ihr Singen wird zum „Jubilus“. Der Jubi-
kunde „Musikantenfreundliche Gaststätte“ zu würdigen. lus ist nämlich ein Klang, der da zeigt, dass das Herz verkünden will, was
es doch nimmer sagen kann. Und wem gebührt solcher Jubilus mehr als
dem, der „unsagbar“ ist, Gott. Unsagbar ist nämlich der, den deine Wor-
te nicht fassen können. Wenn du ihn aber nicht sagen kannst und doch
nimmer von ihm schweigen darfst, was bleibt dir da, als jubilieren? Was
bleibt dir da, als dass dein Herz sich freue ohne Worte und die unmess-
bare Weite deiner Freuden sprenge alle Grenzen der Silben. Singt dem
Herrn im Jubilus, denn: Beatus populos qui seit iubilationem – Selig das
Volk, das zu jubilieren weiß.“ (Ps. 88, 16).
In: Sänger- und Musikantenzeitung, 4. Jahrgang Nummer 5, München,
September/Oktober 1961

Der Vierzeiler 3 / 2007 Seite 47


EINFACH SELBST GEMACHT

Von Josef Klampfer,


Obmann der Neureiteregger
Brauchtumsmusi

Rumms, bumm, bumm…


DER LUFTBALLON-BASS ODER BUMBASS

Wer findet nicht Spaß daran, eine Musikantengruppe beim Singen und Spie-
len rhythmisch zu begleiten. Mit einfachen selbstgebastelten Rhythmusinstru-
zu menten wie dem Luftballonbass geht das wie von selbst!

verkaufen Wir brauchen dazu:


2 Holzleisten 1x 2 x 120 cm, 1 Holzleiste 1 x 2 x 30 cm,
■ Schrammel-Harmonika, 1 Holzleiste 1 x 2 x 20 cm, 1 Holzleiste 1 x 2 x 10 cm,
Sammlerstück von Jo- eine Gewindeschraube 6 x 80 mm mit Flügelmutter,
hann Gattaj, Skofia Loka einen Luftballon, Bindfaden ca. 1,5 Meter und etwas
(Slo) mit Holzstimm- Holzleim.
platten im Bass (spätes
19. Jhdt). Zu besichtigen Bauanleitung:
im Harmonikazentrum In die zwei langen Holzleisten wird an einem
Graz, Voranmeldung Ende, mit einem 6 mm Bohrer, jeweils ein Loch
unter Tel. 0676/7086392 gebohrt. Ebenso wird in die 30 cm Holzleiste
an einem Ende an der Schmalseite (1cm) ein
■ Knopfharmonika, Baujahr Loch gebohrt und in die 20 cm Holzleiste
1886 v. Johann Gattaj, wird an einem Ende und in der Mitte ein
Uhrmacher aus Bischof- 6 mm Loch gebohrt.
lack, Oberkrainer Origi-
nal, reparaturbedürftig, Danach wird die 30 cm Leiste zwischen
Preis auf Anfrage die beiden 120 cm Leisten mit etwas
Christa Smola, Leim eingeleimt. Am anderen Ende wird
Tel. 0650/68 03 200 mit der vorbereiteten Schraube die 20
cm lange Holzleiste festgeschraubt.
■ Konrad Mautner
„Steyerisches Rasplwerk“ Jetzt wird der Bindfaden am Fußende
(Originalausgabe) (eine befestigt und über den aufgeblase-
Metallschließe ist leicht nen Luftballon gespannt und am
beschädigt) zum Preis oberen Stimmhebel befestigt. Zu-
von € 2.650,–, letzt wird noch die 10 cm Holzleis-
Tel. 0676/86662660 te zwischen Luftballon und Bind-
faden eingespannt.
Wir sind stets auf
■ Konrad Mautner „Alte der Suche nach
Lieder und Weisen aus neuem Alten. Jetzt geht’s los! Zum Spielen
dem steyermärkischen Wenn Sie von Bastel- kann mit dem Stimmhebel die
Salzkammergut“ zum arbeiten oder Spielen Stimmlage bestimmt und mit
Preis von € 105,–, aus früherer Zeit einem Finger der anderen Hand am
Tel. 0676/8666 2660 zu berichten wissen, Bindfaden gezupft werden. Das Reso-
bitten wir um nanzvolumen ist von der Größe des Luftbal-
Kontaktnahme unter lons abhängig.
Tel. 0316/877 8768 Und nun steht einem kraftvollen Musizieren nichts
bzw.
mehr im Wege…
herbert.krienzer@stmk.gv.at

Seite 48 Der Vierzeiler 3 / 2007


FLOHMARKT

Das

dankt seinen

Flohmarkt Generalsponsoren

1) Rund um Aussee! VOLKSLIEDER, JODLER UND 8) Chorbuch für gemischte Stimmen. 1. TEIL: 17) ZWEIUNDDREIßIG DEUTSCHE VOLKSLIEDER AUS
RUFE AUS DEM STEIERMÄRKISCHEN SALZKAMMERGUT VOLKSLIEDER UND VOLKSTÜMLICHE LIEDER AUS ALTÖSTERREICH U. DEM BURGENLANDE, im Volke
gesammelt v. Hans Gielge. Universal – Edition, SECHS JAHRHUNDERTEN. Ausgewählt und bear- gesammelt u. für zwei Frauen- u. zwei Männer-
Wien u. Leipzig 1935. 59 S., m. Noten, € 20,– beitet von Gustav Moissl und Sigismund stimmen gesetzt v. Karl Liebleitner. 2. verbes-
Schnabel. Hölder-Pichler-Tempsky, Wien 1950, serte Aufl., Wien 1931, 76 S., m. Noten, € 10,–
2) Klassiker für den Schulgebrauch. 25 MEIS- 79 S., mit Noten, € 5,–
TERCHÖRE IN ZWEI- UND DREISTIMMIGEN SATZ von 18) ALTÖSTERREICHISCHE VOLKSTÄNZE MIT BE-
Prof. Dr. Richard Maux. Robitschek, Wien o.J., 9) CHORHEFT für die 11. Kärntner Singwoche SCHREIBUNG UND NOTEN. Gesammelt von Rai-
30 S., mit Noten, € 5,– am Turnersee im Sommer 1962. Zusammen- mund Zoder, Österreichischer Schulbücher-
gestellt von Anton Anderluh. Kärntner Heimat- verlag, 2. Auflage, Wien 1924, € 10,–
3) Alpenland. VOLKSLIEDER FÜR DREI GLEICHE werk, Klagenfurt 1962, 60 S., mit Noten, € 5,–
STIMMEN gesetzt von Franz Burkhart. Teil 1. 19) ALTÖSTERREICHISCHE VOLKSTÄNZE MIT BE-
Doblinger, Wien 1946, 37 S., mit Noten, € 5,– 10) CHORHEFT für die 13. Kärntner Singwoche SCHREIBUNG UND NOTEN. 2. TEIL. Gesammelt
am Turnersee im Sommer 1964. Zusammen- von Raimund Zoder, Österreichischer Bun-
4) ALTE LIEDER AUS DEM INNVIERTEL MIT IHREN gestellt von Anton Anderluh. Kärntner Heimat- desverlag, Wien 1928, € 10,–
SINGEWEISEN gesammelt von Ernst Jungwirth. werk, Klagenfurt 1964, 36 S., mit Noten, € 5,–
Österreichischer Bundesverlag, Wien 1925, 20) ALTÖSTERREICHISCHE VOLKSTÄNZE MIT BE-
72 S., mit Noten, € 15,– 11) Nesitka, Egon. MUNDARTLIEDER NACH TEX- SCHREIBUNG UND NOTEN. 3. TEIL. Gesammelt
TEN STEIRISCHER DICHTER. Singstimmen zur Aus- von Raimund Zoder, Österreichischer Bun-
5) Mit Herz und Mund. MUSIKBUCH FÜR DIE JU- gabe mit Instrumentalbegleitung. Eigenver- desverlag, Wien 1932, € 10,–
GEND. Deutscher Verl. f. Jugend u. Volk, Wien lag, o.J., 34 S., mit Noten, € 4,–
1929, 208 S., mit Noten, € 8.– 21) ALTÖSTERREICHICHE VOLKSTÄNZE MIT BE-
12) Müller-Einigen, Hans. JUGEND IN WIEN. F. SCHREIBUNG UND NOTEN. 4. TEIL. Gesammelt
6) Margetich, Elke, Stelzl Willibald. Steirisch Speidelsche Verlagsbuchhandlung, Wien von Raimund Zoder, Österreichischer Bun-
aufg’spielt. SPIELHEFT V IN NOTENSCHRIFT. 1948, 457 S., € 5,– desverlag, Wien 1934, € 10,–
Gutenberghaus, Knittelfeld 2004, 43 S., mit
Noten, € 6,– 13) So sangen sie in den dreissiger Jahren. LIE- 22) WIR LERNEN VOLKSLIEDER. Erstes Dutzend
DER UND SPRÜCHE VORGETRAGEN VON FRAUEN AUS aus der Lehrstunde des österreichischen Sen-
7) Fanderl, Wastl. OBERBAYERISCHE LIEDER: CSÁSZÁRTÖLTÒS UND AUS KATYMÁR. Niederöster- ders von Karl M. Klier. Augustinus Druckerei,
CHIEMGAU. RUPERTIWINKEL. BERCHTESGADENER reichisches Bildungs- und Heimatwerk, Wien o.J., 31 S., mit Noten, € 5,–
LAND. Ehrenwirth, München 1988, 180 S., 1993, 171 S., mit Noten, € 6,–
mit Noten, € 18,– 23) ZWEIHUNDERT KÄRNTNER LIEDER. 2- und 3-
14) Geistl. Lieder aus Niederösterreich für den stimmig. Kollitsch Verlag, Klagenfurt o.J., 145
15) VOLKSMUSIK DER DEUTSCHEN IM SÜDOSTEN Gottesdienst. NIEDERÖSTERREICHISCHE LIEDERHEFTE S., mit Noten, € 7,–
(Schwäbische Türkei, Batschka, Slawonien, 1. ARGE SINGEN UND MUSIZIEREN IN NIEDERÖSTER-
Banat, Siebenbürgen). für zwei Melodie-In- REICH, Wien 1983, 48 S., mit Noten, € 4,– 24) Goldene Wiener Musik. 100 JAHRE WIENER-
strumente (dritte Stimme nach Belieben) Gi- LIED. Wiener Lieder u. Tänze unter dem Motto
tarrebegleitung und Harmonikabezeichung. 16) Koller, Sepp. I hätt enk ganz gen wos va- Wien und der Wein. Band II für Akkordeon.
Hrsg.v. Viktor Korda und Karl M. Klier. Doblin- zöhlt. MUNDARTGEDICHTE. Eigenverlag, Schlad- Franz Christ Arion Verlag, Wien o.J., 98 S.,
ger, Wien 1943, 18 S., mit Noten, € 5,– ming 1983, 20 S., € 3,– mit Noten, € 7,–

Bestellungen unter : 0316/877-3559 oder per email unter archiv@steirisches-volksliedwerk.at

Der Vierzeiler 3 / 2007 Seite 49


UNTERHALTUNG/LESERBRIEFE

Leserwitz Leserbriefe
Artikel über die Sauschneider

Hans und Edi treffen sich auf der Straße. Als geborener Steirer lebe ich seit fünfzig Jahren im Lungau und beschäftige mich
Edi: „Ich habe gehört, Du bist jetzt in einem sehr eingehend mit der Volkskultur. Der sehr gut gestaltete „Vierzeiler“ ist daher für
Chor, als Bass oder als Tenor? Hans: „Als mich immer wieder eine interessante Lektüre. Sie haben in der letzten Ausgabe ei-
Ausrede“ nen Artikel über die Lungauer Sauschneider verfasst.
Das Sauschneiderlied „Ihrer neune müaßns sein..“, wird zwar noch öfter gesungen,
Franz Eineder, St. Kathrein aber es gibt nur mehr einen aktiven Sauschneider der in sein steirisches „Gai“ fährt.
Ein Sauschneider aus Niederösterreich mit Lungauer Abstammung fährt noch ins
Mürztal um dort vor allem Rinder zu kastrieren.
Das immer wieder (falsch)zitierte Patent der „Kaiserin Wittib Maria Theresia“ aus
1775 liegt im steirischem Landesarchiv und räumt keineswegs den Lungauern das
Recht auf ihre Arbeit als Sauschneider in Österreich ein. Dieses Recht war um diese
Zeit schon lange „Übung“ in der Monarchie. Vielmehr sollte mit diesem Patent ver-

Leser hindert werden, dass die Lungauer als Ausländer dem Staat Geld entziehen. Des-
halb wurde in diesem Patent auch vorgeschlagen, in der Steiermark eigene Ausbil-

Vierzeiler dungsstätten für Sauschneider zu schaffen. In diesem Zusammenhang ist es inte-


ressant, dass die angeführten Ausbildner zum Großteil ausgewanderte Lungauer
waren. Es ist aber beim Versuch geblieben. 1939 waren noch fünfundsiebzig Sau-
schneider aus dem Lungau in ganz Österreich und auch im benachbarten Ausland
Beim Volksliedwerk sågns dånn und wånn, tätig. 1950 waren es noch vierundfünfzig und 1980 immerhin noch siebzehn, die
dass des Jodeln eigentli a jeder kånn. eine Gewerbeberechtigung hatten, wovon allerdings nur sieben genützt wurden.
Und weiter geht die gscheite Red: 1990 wurde ein interessantes Buch über die Lungauer Sauschneider herausgege-
Aber Zuahörn, des kånn ma Jedem net! ben, das alle wichtigen Aufzeichnungen enthält. Vor einigen Jahren wurde vom
ORF Salzburg eine Dokumentation (FS) über die Lungauer Sauschneider gestaltet,
Hasler G. Lannach an der ich auch mitgearbeitet habe, die sich sehr ausführlich mit dem Sauschnei-
derwesen befasst.
Das nur zur Ergänzung Ihres Artikels und damit schöne Grüsse in die Steiermark
nach Graz

Arnold Pichler, Mariapfarr

Seite 50 Der Vierzeiler 3 / 2007


VERANSTALTUNGEN/VORSCHAU

Information und Anmeldung: Von


Tel. 0316 / 877 2660, service@steirisches-volksliedwerk.at
www.steirisches-volksliedwerk.at
Kultur leben
Veranstaltungen des Steirischen Volksliedwerkes
und Kultur
13. Oktober 2007
Jodeln-Vertiefungskurs
Buschenschank Dorner, 8151 St. Bartholomä
erleben …
20. Oktober 2007
Harmonika für Wieder- und Späteinsteiger
Gasthaus Kirchenwirt, 8943 Aigen im Ennstal

25. – 28. Oktober 2007


Murauer Harfenseminar
Gasthaus Moser, 8813 St. Blasen BEREITS AUSGEBUCHT!

9. – 11. November 2007


Musik aus Erde und Eisen - Okarina/Maultrommel
Gasthof Großauer, 8124 Übelbach

10. November 2007


Gitarrenkurs
Gasthof Altes Fassl, 8044 Weinitzen
Der nächste Vierzeiler erscheint
1. – 2. Dezember 2007 im November 2007 und beschäftigt sich
Gut gestimmt in die Weihnachtszeit
Familiengästehaus Pöllau, 8225 Pöllau mit dem Thema
„Volkskultur und Tourismus“
Bei allen Veranstaltungen: REDAKTIONSSCHLUSS
Anmeldung erforderlich!
ANFANG NOVEMBER 2007

BÜRO FÜR WEIHNACHTSLIEDER:


29. 11. – 22. Dezember 2007
Grazer Rathaus – Innenhof
Tel. 0316 / 83 80 99, Fax 0316 / 82 07 28
weihnachtslieder@steirisches-volksliedwerk.at
www.steirisches-volksliedwerk.at

Außenstelle des Weihnachtsliederbüros


beim Mariazeller Advent!
Am Mariazeller Hauptplatz -
geöffnet an allen Adventwochenenden
Freitag: 11 – 19 Uhr
Samstag: 10 – 20 Uhr
Sonntag: 10 – 19 Uhr

Der Vierzeiler 3 / 2007 Seite 51


Verlagspostamt 8010 Graz – Erscheinungsort Graz – P.b.b. – 02Z033813M