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Tourismus – Lernzettel

Raumzeitliche Entfaltung des deutschen Tourismus:


Mit der raumzeitlichen Ausbreitung des deutschen Tourismus greifen verschiedene Prozesse
ineinander. Im Verlauf der Zeit ändern sich Urlaubsziele, der Grad der Reiseorganisation oder das
soziale Milleu. Steigendes Einkommen breiter sozialer Schichten, verbesserte Transportmöglichkeiten
und veränderte Konsumgewohnheiten haben zu dem Verbreitungsmuster geführt.

- Tendenz zu immer weiter entfernten Destinationen (Individualtourismus mit höherem


Einkommen)
- Ausbreitung des Massentourismus (Abdeckung unterer Einkommensschichten)
- wachsende Zahl von Pioniertouristen
- Massentourismus vorerst nur im europäischen Mittelmeerraum  später: Ägypten,
Nordafrika, Vorderasien, USA, Karibik
- Tourismus wird für alle Einkommensschichten möglich
- bessere Transportmöglichkeiten, Ausbau der Infrastruktur

Tourismusarten
- Erholungstourismus (je nach Saison naturnaher Aktivurlaub mit Baden, Wandern, Skifahren,
etc.)
- Städtetourismus (Besichtigungen kultureller Sehenswürdigkeiten, meistens mit
Shoppingtourismus)
- Event-Tourismus (in der Regel Kurzaufenthalte zum Besuch von Festivals oder
Großveranstaltungen aus Kultur und Sport)
- Kur-/Wellness-Tourismus (Gesundheit, Entspannung und Wohlbefinden)
- Kreuzfahrttourismus (Erlebnisreisen mit dem Schiff)

Boombranche Tourismus
Wirtschaftliche Rahmbedingungen

- Globalisierungsprozess
- Effizienter Transport- & Kommunikationsnetze
- Wirtschaftliche Auswirkungen des Globalen Klimawandels
- Weltwirtschaftliche Rezessionen
- Ausländische Direktinvestitionen

Politische Rahmenbedingungen

- Mit Ende des kalten Krieges, neue Erschließung von Touristengebieten


- Vereinfachung internationaler Kapitaltransfer
- Politische Instabilität, Naturkatastrophen, Kriege, Terroranschläge

Gesellschaftliche Rahmenbedingungen

- Zunehmender Wohlstand mit steigenden Einkommen


- Sehnsucht nach Reisen und Erholung
- Zunehmende Mobilität
- Erhöhte Lebenserwartung
- Flexible Arbeitszeiten  wachsender Freizeitanteil

Folgen:

- Wirtschaftsaufschwung in vielen Entwicklung- & Schwellenländern


- Verringerung der Preise im Reisesektor
- erhöhtes Bildungs- und Erholungsbedürfnis in einer Informationsgesellschaft
- Ausbau von Kommunikationsnetzwerken, Internet vereinfach Buchungen
- offene Grenzen, dadurch größere Reisefreiheit
- Ausbau der Transportmöglichkeiten

Wachstumszyklusmodell touristischer Destinationen nach Butler:


- Phase 1 – Erkundungen der Destination
o Destinationsziel kürzlich von Pionieren entdeckt
o keine Infrastruktur
o geringer ökonomischer Nutzen
o keine Belastung des lokalen Ökosystems
- Phase 2 – Erschließung
o langsam steigende Beliebtheit
o Infrastruktur entsteht
o z.B. erste Hotels, Attraktionen usw.
- Phase 3 – Entwicklung
o exponentielles Wachstum der Touristenzahlen
o Kommerzialisierung (Firmen und Investoren)
o langsam spürbare Belastung der Umwelt
- Phase 4 – Konsolidierung
o Zuwachsrate steigt langsam (immer noch am Wachsen)
o Etablierung des Destinationsziel
o Infrastruktur ausreichend konsolidiert
o ökologische Tragfähigkeit erreicht einen kritischen Wert (z.B. Luft- und
Bodenverschmutzung, Vermüllung, Bodenverknappung, Wasserknappheit (falls
Region arid oder semiarid ist))
- Phase 5 – Stagnation
o keine weiteren Zuwächse
o fallender ökonomischer Nutzen
o immer stärker werdender Konkurrenzkampf zwischen den touristischen Betrieben
- Phase 6 – Erneuerung oder Verfall
o Erneuerung:
 Destinationsziel erreicht ursprüngliche Bedeutung wieder
 ökonomische Nutzen und Zuwachsrate steigt wieder
 Gründe: Modernisierung der Region, Verfall einer anderen Region, gute
Konjunktur, erfolgreiche Werbung
o Verfall:
 Destinationsziel scheitert komplett
 ökonomische Nutzen am fallen
 Entstehung von Arbeitslosigkeit
 Infrastruktur verfällt
 Vor allem bei monostruktuellen Wirtschaftsstrukturen

Soziokulturelle Effekte des Tourismus


positiv +:

- Annäherung und Völkerverständigung


o Anpassung von Touristen kann zur Beseitigung von Vorurteilen und für Verständnis
sorgen
o vor allem Reisen in kulturell nicht so weit entfernte Gebiete können Konfliktpotenzial
minimieren

negativ -:

- räumliche Segregation
o Touristen halten sich in abgeschotteten Resorts auf, geschlossene Clubanlagen usw.
- soziokulturelle Spannung
o Einheimische erleben Touristen meistens nur im Ausnahmezustand und fühlen sich
durch die Abgestoßen
o Einheimische nehmen Touristen als Kolonialherren war
o innerhalb der lokalen Bevölkerung gibt es nur wenige Profiteure des Tourismus (z.B.
Investoren, Unternehmer)
- Verminderung der Lebensqualität
o Gentrifizierung durch Touristen  Erhöhung der Mietpreise
- Identitätsverlust
o Kulturschock auf beiden Seiten
o kulturell nicht adäquates Verhalten auf Seite der Touristen
o Verlust der kulturellen Identität

Vergleich vom Massentourismus und den nachhaltigen Tourismus

Massentourismus Sanfter Tourismus


 Konzept für Nachhaltigkeit
 fremdbestimmte Planung von  Einbeziehung der einheimischen
ausländischen Reisekonzernen, Bevölkerung an Tourismusgeschäft
 Planung und Umsetzung von Projekten sowie an touristischen Ausbau einer
allein mit den von Gewinnmaximierung Region
 Verdrängung von Einheimischen  Erhalt einer intakten Umwelt & Natur
 Ziel sind stark frequentierte, gut  Anpassung an die Umwelt bei
angeschlossene Regionen Großprojekten, z.B beim Straßenbau
 starke Umweltbelastung, v.a. durch  Erfahrungsaustausch mit regionaler
Großprojekte Kultur & Natur
 Planung von Infrastrukturprojekten
allein unter Zeitökonomischen
Gesichtspunkten
 Pauschaltourimus  Individualtourimus
 importierter Lebensstil, der keine  keine Zersiedelung von Landschaften
Berührungspunkte mit der durch langfristige und nachhaltige
einheimischen Kultur hat Baulandausweisungen
 unbedingtes Wirtschaftswachstum als
Maxime, sodass auch periphere
Regionen großflächig bebaut werden

Phasenmodell touristische Erschließung peripherer Räume (nach Vorläufer)


- 1. vortouristische Phase
o kaum ausgeprägter Tourismus in der Kernregion
o kein Tourismus in der Peripherie
o erste touristische Pioniere erkunden Kernregion
- 2. Initialphase
o erste Auslandsinvestitionen ins Kerngebiet
o Import ausländischer Waren
o erste touristische Infrastruktur in der Peripherie (unterstützt durch Waren-
und Leistungsfluss in der Kernregion)
o Arbeitskräftefluss aus der Peripherie in die Kernregion
o Zulieferung mit Agrarprodukten aus dem Umland in die Peripherie
- 3. Wachstumsphase
o massiver Anstieg der Touristenzahlen (im Erschließungsraum)
o starker Anstieg von Auslandswaren und Kapital, insbesondere im
Erschließungsraum
o enormen Anstieg des Waren- und Leistungsflusses (Agrarprodukte,
Bauleistungen, usw.) von Kernregion in die Erschließungsregion
o deutlicher Anstieg der Unternehmen und Betriebe in der Kernregion und
erhöhte Zulieferung mit Agrarprodukten aus dem Umland
o erste Unternehmen im Bereich der Bauwirtschaft und im Bereich der
Lebensmittelindustrie im Erschließungsraum
o Arbeitskräftefluss von Kernregion in den Erschließungsraum beginnt
- 4. Konsolidierungsphase
o Anstieg der ökonomischen Autarkie des Erschließungsraum  demnach
Abnahme im Bereich Waren- und Leistungsfluss
o keine Auslandsinvestitionen in Kernregion und Kapitalabfluss aus dem
Erschließungsraum im Ausland
o im Erschließungsraum entsteht ein Markt für Importprodukte
o Kernregion erleidet (möglichweise) ökonomischen Niedergang (im Bereich
des Tourismus)

Direkte, Indirekte und induzierte ökonomische Effekte des Tourismus


Die wirtschaftlichen Wirkungen des Tourismus können in direkte, indirekte und induzierte Wirkungen
unterteilt werden.
- Die direkten Wirkungen entstehen dort, wo touristische Ausgaben getätigt werden (also zum
Beispiel in der Hotellerie oder Gastronomie).
- Die indirekten Wirkungen entstehen durch Vorleistungen (also zum Beispiel Bau von
touristischer Infrastruktur, Lebensmittel für die Gastronomie).
- Die induzierten Wirkungen entstehen durch das Ausgeben der Einnahmen, die durch die
direkten und indirekten Effekte geschaffen wurden. Investition in andere Branche