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Impressum
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Konzept und Herausgeber:
Zeus gab der Biene den Stachel . . . . . . . 2
LID Landwirtschaftlicher Informationsdienst, Bern
Frischer Honig vom Steighof . . . . . . . . . 4 Ausgabe: 11.12.20’
Ohne Bienen kein Obst . . . . . . . . . . . . . 6 Konzept und Text: David Eppenberger, Reinach AG
Arbeiten und dienen . . . . . . . . . . . . . . . 8 Gestaltung: atelierQuer, Rena Witschi, Niederwangen
Traditionelles Bienenhaus . . . . . . . . . . . 10 Fachliche Mitarbeit: apisuisse
Fotos: Irena Buchmann, Josef Bürli, David Eppenberger,
Erstaunliches aus der Welt der Bienen . 12
Stéphanie Jaquet, Jérôme Jonveaux, David Klauser,
Wildbienen sind Einzelgängerinnen . . . 14 Dominique Lambert, Alicia Pelet, Rudolf Ritter, Markus Seitz,
Bauanleitung Wildbienenhotel . . . . . . . 15

Bienen
Giorgio Skory, Apisuisse, LID
Klimaneutral gedruckt Vögeli AG Druckzentrum
SC2010080905

Wie werde ich Imker? Diese Broschüre ist kostenlos erhältlich bei:
LID Landwirtschaftlicher Informationsdienst
Die Imkerei ist ein anspruchsvolles Hobby.
Weststrasse 10, 3000 Bern 6
Eine gute Ausbildung und viel Erfahrung Tel. 031 359 59 77, Fax 031 359 59 79
sind entscheidend für den Erfolg. Wer mit E-Mail: info@lid.ch, Internet: LID.CH Wichtige Helferinnen der Schweizer Bauern
der Haltung von Honigbienen liebäugelt,
sucht am besten das Gespräch mit einem
Berater oder Kursleiter einer Sektion der Links
drei Landesverbände (www.vdrb.ch). Die
Sektionen bieten Einstiegskurse an und www.apisuisse.ch
www.alp.admin.ch
stellen «Paten» zur Verfügung, bei denen
www.vdrb.ch
das Handwerk praxisnah erlernt werden
www.abeilles.ch
kann. www.apicoltura.ch
www.imkereimuseum.ch
www.bienenlehrpfad.ch
www.pollen-schweiz.ch
(Schweizerische Pollenimker-Vereinigung)
www.vswi.ch
(Verein Schweizerischer Wanderimker)
www.carnica.ch
(Schweizerische Carnicaimker-Vereinigung)
www.buckfastimker.ch
(Buckfastimkerverband Schweiz)
www.mellifera.ch
(Verein Schweizerischer Mellifera Bienenfreunde)
Er war Sinnbild für Reichtum und Süsse. Die Leu- Geld, Alkohol und Medizin Nymphen den griechischen Gott Zeus mit Ho-
te sehnten sich nach dem Land, «in dem Milch Honig war früher nicht nur Süssstoff, sondern nig gefüttert und damit verhindert haben, dass
und Honig fliessen», wie es in der Bibel heisst. wurde schon von den Azteken in Mexiko und er von seinem Vater Kronos ermordet wurde.
Als europäische Einwanderer die Honigbiene später in anderen Kulturen als Zahlungsmittel Aus Dankbarkeit gab Zeus der Honig­biene den
nach Amerika mitbrachten, sprachen die India- verwendet. Die Germanen stellten aus Honig, Stachel – allerdings mit der Auflage, ihn nur zu
ner aber abschätzig von der «Fliege des weissen Wasser und Pflanzenteilen das alkoholische Verteidigungszwecken einzusetzen. Als er selbst
Mannes». Diese sei ähnlich wie die Eroberer: Getränk Met her, um das sich viele Legenden gestochen wurde, bestrafte er den Machtmiss-
raffgierig und vor allem darauf bedacht, mög- bildeten. Schon früh entdeckten die Menschen brauch damit, dass die Biene sterben muss,
lichst schnell Vorräte anzulegen. die desinfizierende Wirkung von Honig. In der sobald sie den Stachel benutzt.

Zeus gab der Biene traditionellen chinesischen Medizin steht Honig


als Naturheilmittel an erster Stelle. Doch die
Bienen liefern nicht nur Honig, sondern auch Bienenwachs für Kerzen
den Stachel Wachs, das bis ins späte Mittelalter ein wichtiges Im Mittelalter erlebte die Bienenhaltung vor
Handelsgut war. Die Ägypter verwendeten Wachs allem dank der Kirche ihre Hochblüte. Ein
zur Mumifizierung verstorbener Menschen. Bienenvolk war gleich viel Wert wie eine Kuh. In
Bienen besiedelten die Erde lange vor den Men- den Klöstern produzierten die Mönche viel Ho-
schen. Später prägten sie deren Entwicklung: nig und vor allem Bienenwachs für Kerzen. Sie
Bereits die Höhlenbewohner stärkten sich einst Bienen aus Tierkadavern verehrten die Bienen lange als selbstlose, fleis-
mit Honig. Ein über 8000 Jahre altes Höhlenbild Die Menschen erkannten schon bald, dass die sige und keusche Arbeiterinnen, weil sie glaub-
in Spanien zeigt Menschen bei der Honigernte. Bienenvölker in ihren Stöcken strikt organisiert ten, dass sie sich asexuell fortpflanzten. Über
Die Ägypter betrieben vor über 4000 Jahren Im- lebten und wertvolle Bestäubungsdienste leis- 1000 Jahre alte Urkunden aus dem Kloster St.
kerei und setzten die Bienenvölker vermutlich als teten. Doch erst im 16. Jahrhundert beschrieb Gallen enthalten Verzeichnisse über Honig- und
Erste gezielt zur Bestäubung in Obstplantagen ein spanischer Wissenschaftler die Bienenköni- Wachsabgaben, die damals als Zinsen erhoben
ein. Die Römer bauten Bienenstöcke aus Kork, gin als Weibchen, das Eier legt und zur Mutter wurden.
Ton, Schlamm oder Kuhmist. Die Menschen in- aller Bienen wird. Griechen und Römer meinten
teressierten sich früher vor allem für den Honig. lange, dass Bienen aus Tierkadavern ent­stehen. Mit der Reformation und durch die aufkommen-
Die Biene wurde zum Symbol für Tod und de Konkurrenz durch Zucker, Konfitüren und
Der Bienenfreund, Hans Thoma 1863
Wieder­auferstehung. Überhaupt kursieren viele Alternativen zu Kerzen verlor die traditionelle
Sagen und Mythen über die Biene. So sollen einst Imkerei ihre vormalig grosse Bedeutung.

Die Bienenzüchter, Federzeichnung von Pieter Bruegel Fast eineinhalb Kilogramm Honig isst eine Person
dem Älteren, gezeichnet um 1568. in der Schweiz pro Jahr.

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Vor dem Bienenhaus von Landwirt und Imker Bis zu 25 Kilogramm Honig waren selten.» Hygiene sei für ihn als Imker heu-
Hans Reimann in Wölflinswil AG herrscht reger Die Brutwaben mit den Eiern und Larven befin- te das oberste Gebot, sagt Hans Reimann. Die
Betrieb. Pausenlos fliegen die Bienen durch die den sich in der Mitte und bilden das Zentrum der Bekämpfung der Varroamilbe gehört dabei zu
farbigen Eingangsluken hinein zu ihren Völkern, Aktivitäten des Volkes. Den Honig lagern die Bie- den wichtigen Aufgaben der Imker.
um den gesammelten Nektar abzuliefern. Dieser nen in der Regel im oberen Bereich der Waben
Tag Ende Mai ist ein besonderer: Die erste Honig­ ein. Im Frühling hängt Hans Reimann deshalb für
ernte des Jahres steht bevor. Hans Reimann steht die Honiggewinnung leere Waben über den Brut- Deckel müssen weg
im Bienenhaus und schaut durch das Fenster waben ins Volk. Mit Hilfe einer Zange entnimmt Im klinisch sauberen Verarbeitungsraum im Kel-
hinten im Bienenkasten, wo Hunderte von Bie- der Imker nun vorsichtig die mit Honig gefüllten ler seines Wohnhauses «entdeckelt» er zuerst

Frischer Honig nen auf den Waben herumkrabbeln. Der Land-


wirt ist zufrieden: «Das Volk hat sich bereits gut
Waben. Von jeder einzelnen wischt er die Bienen
vorsichtig noch vor dem Kasten ab, damit sie
die Honigwaben. Die Bienen verschliessen die
mit Honig gefüllten Zellen auf der Wabe jeweils

vom Steighof entwickelt.» Nach der Winterruhe flogen die Bie-


nen im Frühling aus und sammelten Nektar und
möglichst schnell wieder den Weg zurück zum
Volk finden. Zur Beruhigung besprüht er sie
mit einem Wachsdeckel. «Für den Imker ein Zei-
chen, dass der Wassergehalt im Honig stimmt»,
Pollen. Diese dienen als Futter für die Aufzucht mit Wasser: «Wasser verklebt den Bienen die sagt Hans Reimann. Sind die Deckel weg, kommt
der Larven und damit der ständigen Vergrösse- Flügel.» Die Bienen reagieren scheinbar gelassen der goldgelb glänzende flüssige Honig zum Vor-
rung des Bienenvolkes. Wenn der Platz knapp auf den Eingriff. Trotzdem trägt der Imker zum schein. In der Honigschleuder werden die Waben
wird, bauen die Bienen neue Waben. Ist das Volk Schutz vor Stichen einen Imkerschleier. «Ich bin schliesslich ausgeschleudert. Den Honig füllt
genug gross, schwärmt die Königin mit einigen allergisch auf Bienengift.» Der geübte Blick auf Hans Reimann in Gläser ab und klebt die neue
Tausend Bienen aus und macht den verbleiben- die entnommene Wabe zeigt ihm, welche Honig­ Etikette drauf: «Hier wäre er also, der erste Blü-
den Bienen mit einer jungen Königin Platz. So ernte er zu erwarten hat: «In guten Jahren sind tenhonig des Jahres vom Steighof!»
erneuern sich die Bienenvölker. «Meistens lässt es bis zu 25 Kilogramm pro Volk.»
sich der Schwarm nicht weit weg an einem
Baum nieder», sagt der Fricktaler Imker. Er fängt Als Hans Reimann vor bald 50 Jahren seine ers-
diese Schwarmtraube ein und bringt sie wieder ten Obstbäume setzte, legte er sich die ersten
zurück ins Bienenhaus in einen neuen, noch Bienenvölker zu. Heute bestäuben sie die Blüten
leeren Kasten, wo das Volk erneut seine Arbeit in der modernen Obstanlage des Sohnes, die
aufnimmt. unweit des Bienenhauses steht. Die Imkerei
sei anspruchsvoller als früher: «Schädlinge wie
die Varroamilbe gab es nicht, und Krankheiten

Beim «Entdeckeln» entfernt Hans Reimann den Mit Hilfe der Zentrifugalkraft wird der Honig aus den Der Honig ist der Lohn des Imkers für seine
Wachsdeckel von den gefüllten Honigwaben. Waben geschleudert. wertvolle Arbeit.

4 5
Biene als ideale Partnerin
der Landwirtschaft Bioimkerei
Im Gegensatz zu den Wildbienen leben Honig­ Für die Produktion von Biohonig muss die
bienen während des ganzen Jahres in Völkern Bienenweide im Umkreis von 3 Kilometern um
von 5000 bis 40 000 Tieren. Von dieser immen- das Bienenhaus aus mindestens 50 Prozent
sen Schlagkraft profitieren im Frühling die Bio- und Wildpflanzen oder Flächen beste­-
blühen­­den Obstbäume, wenn innert kürzester hen, die dem ökologischen Leistungsnachweis
Zeit Millio­nen von Blüten bestäubt werden (ÖLN) für die Landwirtschaft entsprechen.
müssen. Die Biene ist zudem blütenstetig: Ein­- Synthetische Schädlingsbekämpfungsmittel

Ohne Bienen kein Obst mal auf Löwenzahn gelandet, konzentriert sich
eine Biene auf diese Pflanzenart, bis sie dort
sind verboten, und die Bienenkästen müssen
aus natürlichen Materialien gebaut sein. Bio-
nicht mehr genügend Nektar oder Pollen findet. imker dürfen ihre Bienen nur mit Biozucker
Je nach Wetter produzieren die rund 160 000 Bestäubung von landwirtschaftlichen Kulturen Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit einer er- oder eigenem Honig füttern.
Bienenvölker in der Schweiz jährlich zwischen wie beispielsweise Obst, Beeren, Gemüse oder folgreichen Befruchtung deutlich an. Überwiegt
2000 und 3500 Tonnen Honig. Das Bienenvolk Raps bis zu sechs Mal mehr Wert ist. Er wird in in einem Gebiet ein Nektarlieferant, kann
legt ihn vor allem als Nahrungsvorrat für den der Schweiz auf rund 340 Millionen Franken pro Sortenhonig geerntet wer­den, beispielsweise
harten Winter an, wenn es in der Natur keinen Jahr geschätzt. Fachleute bezeichnen die Bienen Edelkastanien- oder Weisstannenhonig. In der
Nektar zu ernten gibt. So gerne die Menschen als drittwichtigstes Tier in der Landwirtschaft, kleinräumigen Schweiz sind allerdings Misch­
den Honig haben, der eigentliche Nutzen der hinter dem Rind und dem Schwein. honige häufiger, weil die Bienen Nektar von
Biene liegt woanders: Beim Nektarsammeln vielen verschiedenen Pflanzen in die Stöcke brin-
fliegt die Biene nämlich von Blüte zu Blüte, da- gen. Wichtige Nektarlieferanten sind neben den
bei bleiben Pollen an ihren Beinen hängen. Diese Obstbäumen der Löwenzahn, der Raps oder im
verteilt sie unbewusst auf die Narben der ande- Wald die Weiss- und die Rottanne.
ren Blüten und sorgt so für deren Befruchtung. Weitere Bienenprodukte
Etwa 80 Prozent der wichtigsten Kulturpflanzen n Bienen produzieren in ihren Wachsdrüsen

sind auf die Insektenbestäubung angewiesen. Wachs für den Bau neuer Zellen und Waben.
Der Wert des verkauften Honigs liegt weit unter Bienenwachs wird in Kerzen, als Überzug für
dem, was die Bienen sonst für die Volkswirtschaft Lebensmittel sowie in Farben, Polituren und
leisten. Fachleute gehen davon aus, dass die Kosmetika verwendet.
n Pollen dienen dem Bienenvolk als Eiweiss-

nahrung. Es wird vom Menschen als kraft-


Der Wert der Bienen wird auch in dieser Niederstamm­ Bei ihrer Suche nach Nektar befruchtet die Biene eine Der direkte Kontakt von Imkern und Konsumenten schafft
obstanlage sichtbar. spendendes Nahrungsmittel oder als Heil- Löwenzahnblüte. Kenntnis und damit Verständnis.
mittel genutzt.
n Die Arbeitsbienen füttern die Königin mit

dem vitaminreichen Gelée Royale. Er wird


als kraftspendendes Nahrungsergänzungs-
mittel verwendet. In der Schweiz wird kein
Gelée Royale für den Handel geerntet.
n Bienen sammeln Harz von Baumknospen

und nutzen dieses Propolis, um Risse und


Löcher im Stock zu stopfen. Es wird zu medi-
zinischen Zwecken und in Holzbehandlungs-
mitteln und Lacken verwendet.
n Bei Gefahr spritzen Bienen über ihren Sta-

chel Bienengift in ihr Opfer. Das Gift wird in


6 Medikamenten verwendet. 7
Arbeit bestimmt das Leben Königin auf Hochzeitsflug Ein neues Volk entsteht
Kurz nach dem Schlüpfen aus der Larve überneh- Die Königinnenlarven wachsen in der Wabe in Ist das Volk genug gross und
men Arbeitsbienen ihre erste Aufgabe in ihrem der extra für sie gebauten, grösseren Weisel- in Schwarmstimmung, zieht die
kurzen Leben und beginnen als Zellputzerinnen zelle heran. Im Unterschied zu den «normalen» alte Königin mit einem Teil des Volkes
mit dem Säubern der Brutzellen. Zwischen dem Larven – den späteren Arbeitsbienen – enthal- aus und setzt sich beispielsweise an
dritten und zwölften Lebenstag arbeiten sie als ten sie den speziellen Futtersaft Gelée Royale, einem Baum nieder. Der Imker fängt
Ammenbienen und füttern die Larven. In der der sie erst zu Königinnen macht. Schon sechs den Schwarm dort ein und gibt ihm
letzten Phase als Stockbiene stellen sie Honig Tage nach dem Schlüpfen fliegen sie aus. Auf eine neue Bienenwohnung, in der
her, lagern ihn ein, bauen aus körpereigenem diesen «Hochzeitsflügen» lässt sich eine Königin die Schwarmkönigin ein neues

Arbeiten und dienen Wachs die sechseckigen Waben oder bewachen


als Wächterbienen den Stockeingang. Erst ab
im freien Flug von mehreren Drohnen aus an­
deren Völkern begatten und füllt ihre Samen­
starkes Bienenvolk aufbaut. Im
zurückgelassenen Volk streiten sich
dem zwanzigsten Tag verlassen sie den Stock als blase mit drei bis sieben Millionen Spermien. die Jungköniginnen um die Vor-
Ein Bienenvolk besteht aus bis zu 30 000 Ar- Flugbiene und sammeln bis an ihr Lebensende Zurück im Volk, startet sie mit dem Legen von herrschaft, nur die Siegerin überlebt.
beitsbienen, einer Königin sowie aus 1000 bis Nektar, Honigtau, Pollen und Wasser als Fut- bis zu 1200 Eiern pro Tag. Beim Öffnen der Nach dem Hochzeitsflug übernimmt sie
2000 Drohnen. Die Rollen sind klar verteilt im tergrundlage für den Stock. Wenn das Angebot Samenblase entweichen männliche Samenzellen das Zepter im Volk und nimmt die Pro-
Bienenstock: Die Arbeitsbienen ziehen die Jun- an Pollen und Nektar in der Umgebung nicht und befruchten die Eizelle. In diesem Fall gibt duktion von neuen Eiern auf. Königinnen
gen auf, produzieren Honig, bauen Waben und ausreicht, überbrückt der Imker dies mit Zucker- es Arbeiterinnen. Lässt die Königin die Sperma- werden bis zu fünf Jahre alt.
schleppen Pollen, Nektar oder Wasser heran. Die wasser. Sommerbienen sterben nach etwa einem theke geschlossen, bleiben die Eier unbefruchtet
viel grössere Königin legt die Eier und sichert Monat, Winterbienen werden hingegen sechs bis und es entstehen Drohnen. Diese haben nur eine Ein Bienenschwarm mit einer Königin in der Mitte und
den Fortbestand des Volkes. Die Arbeitsbienen neun Monate alt. Sie leben von den im Sommer Aufgabe: die Begattung von Königinnen. Sie mehreren Tausend Bienen bildet ein neues Volk.
sind ihre Töchter, als solche aber nur rudimen- gebildeten Vorräten und füttern die Königin. Das sterben sofort nach der Paarung.
tär mit Geschlechtsorganen ausgestattet. In ih- Volk bildet eine wärmende Wintertraube und
ren Eierstöcken könnten sie zwar unbefruchtete sorgt so für die nötige Betriebstemperatur im
Eier entwickeln, aus denen Drohnen entstehen. Stock. Leben einer Arbeitsbiene
Botenstoffe der Königin hindern sie aber an der Tage
Eiablage.
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19

Bienenköniginnen sind farbig markiert. Die Farbe kennzeichnet Die männlichen Drohnen sind deutlich grösser und dicker als
den Jahrgang und die Nummer die Herkunft der Königin. normale Arbeitsbienen.
20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 …

Tage nach Schlüpfen Tätigkeit


Stockbiene 1–2 Zellenputzerin, säubert Brutzellen
3 – 12 Ammenbiene, füttert die Larven
12 – 20 Nektarabnehmerin, Herstellung und
Einlagerung von Honig
Baubiene, Wabenbau
Wächterbiene, bewacht Stockeingang
Flugbiene 20 bis Lebensende Sammelbiene, sammelt Nektar, Honigtau, Pollen,
8 Wasser, Kittharz 9
Kampf gegen Varroamilbe Schweizer Imker
Viren, Bakterien und Pilze treten immer Die Branchenorganisation apisuisse vertritt
wieder in Bienenvölkern auf. Natürliche Ab- die Interessen der Schweizer Imker. Sie be-
wehrmassnahmen der Bienen wie der Putz- treibt im Auftrag des Bundes und der Kanto-
trieb sowie Hygienemassnahmen des Imkers ne ein Kompetenzzentrum für Bienen mit den
verhindern normalerweise den Ausbruch von Bereichen Zucht, Ausbildung, Marketing und
Krankheiten. 1984 wurde in der Schweiz aber einem Bienengesundheitsdienst. Mit­glie­der
erstmals die blutsaugende Milbenart Varroa von apisuisse sind die drei Landes­verbände
nachgewiesen. Seither macht sie sich in den Verein deutschschweizerischer und räto­ro­
Bienenvölkern breit und führt jedes Jahr zu manischer Bienenfreunde (VDRB), Société
massiven Schäden. Romande d‘Apiculture (SRA) und Società
Traditionelles Bienenhaus Die Varroa verbreitet sich als «blinder Passa­ Ticinese di Apicoltura (STA).
gier» auf dem Rücken der Biene und ver-
Die meisten der rund 16 000 Imker in der Häufige graue Biene mehrt sich in der Bienenbrut. Sie ernährt
Landwirte und Imker
Schweiz betreiben die Imkerei als Hobby. Sie Weltweit werden in der Imkerei am häufigsten sich vom Blut von Bienen und Larven und
Nur noch rund 5 Prozent der Landwirte hal-
pflegen im Durchschnitt zehn Bienenvölker. die Rassen der Westlichen Honigbiene (Apis mel- überträgt zusätzlich schädliche Viren. Durch
ten selbst Bienen. In der Landwirtschaft steht
Traditionell halten sie diese seit dem 19. Jahr- lifera) eingesetzt. Schweizer Imker verwenden starken Befall geschwächte Völker überle-
die Bewirtschaftung von Flächen im Vorder-
hundert mehrheitlich in sogenannten Schweizer- vor allem die graue Biene (Apis mellifera car- ben den Winter in der Regel nicht, wenn sie
grund. Dabei kann es zu Zielkonflikten mit der
kästen in Bienenhäusern. Die meisten Imker sind nica), die hier ursprünglich heimischen dunklen nicht behandelt werden. Die Bekämpfung der
Imkerei kommen: Früh abgemähte Wiesen,
Standortimker, im Gegensatz zu den mobilen Nigra (Apis mellifera mellifera) und die Zucht­ Varroa ist anspruchsvoll und verlangt lang-
Pflanzenschutzmittel, das Mähen während
Wanderimkern. Diese Wanderimker verwenden rasse Buckfastbiene. Um Winterverluste auszu- jährige Erfahrung des Imkers. In warmen und
des Bienenflugs oder blütenarme Kulturen
Magazine im Baukastensystem. Sie fahren mit gleichen und schlechte Völker zu ersetzen, bilden langen Sommerhalbjahren vermehrt sich die
sind ein Nachteil für die Bienen. Dem wirken
ihren Bienenkästen zu Bauern in deren blühende Imker regelmässig Jungvölker mit einer jungen Milbe besonders stark. Das führt im Folge-
die Bauern aber beispielsweise mit spät ge-
Kulturen und sichern die Befruchtung. Die Hal- Königin. Für die Zucht sind Sanftmut, Krankheits- winter zu noch massiveren Ausfällen, wie es
schnittenen Ökowiesen entgegen oder indem
tung von Bienenvölkern in Schweizerkästen ist toleranz oder Honigertrag wichtige Kriterien. beispielsweise 2012 der Fall war.
sie das Spritzen von Pflanzenschutzmitteln
im Vergleich zur Magazinimkerei aufwendiger Dank den Zuchtanstrengungen stieg die durch- auf den Abend verschieben, wenn die Bienen
und teurer. Deshalb nimmt die Zahl der Magazin­ schnittliche Honigleistung pro Volk in den letzten nicht mehr fliegen.
imker in der Schweiz eher zu. Jahrzehnten von etwa 3 auf 15 Kilogramm an.

Mobile Bienenkasten für die Magazinimkerei werden Das traditionelle Bienenhaus ist mit sogenannten Biene mit einer blutsaugenden Milbe auf dem Rücken. Bienen werden gegen die schädlichen Varroamilben
immer beliebter. Schweizerkasten bestückt. behandelt.

10 11
Honigproduktion: Grundbausteine für Honig Kennzahlen für die Schweiz
sind Nektar und Honigtau, der von zuckerhal­ Bienenfüttern
Anzahl Völker 160 000
tigen Ausscheidungen blattsaugender Insekten, im Agrarmuseum Burgrain
Anzahl Imker 16 000
beispielsweise der Tannenlaus, stammt. Die Biene Beim Besuch des «Bienenerlebnisses» summt
saugt mit dem bis zu 7 Millimeter langen Rüssel es gewaltig. Die attraktive Ausstellung im Durchschnittlicher Honigertrag 15 kg
pro Volk und Jahr
den Nektar aus den Blüten auf. Beides speichert Agrarmuseum Burgrain in Alberswil LU lädt
sie für den Transport zum Stock im Honigmagen, zum Eintauchen in die Welt der Bienen ein. Jährliche Honigernte total 2000 – 3500 t
der mehr als die Hälfte des eigenen Körper­ Als Highlight können die Bienen im Schau- Honigkonsum pro Einwohner 1,4 kg
gewichtes fasst. Bienen verarbeiten den Nektar kasten sogar von Hand gefüttert werden. Wert Honig 45 – 75 Mio. Fr.

Erstaunliches und den Honigtau mit körpereigenen Sekreten


zu Honig.
Ausserhalb des Museums steht der Schau- und
Lehrbienenstand, in dem die Kenntnisse pra-
Wert Wachs, Pollen, Propolis
Wert der Bienenprodukte
500 000 Fr.
300 Fr.
xisnah vertieft werden können. Das Angebot
aus der Welt der Bienen Honigernte: Der Imker erntet den von den richtet sich vor allem auch an Schulklassen.
pro Volk und Jahr
Wert Bestäubung der Nutz­ 2250 Fr.
Bienen produzierten Honig. Der dadurch ent- www.museumburgrain.ch pflanzen durch die Honigbienen
nommene Honigvorrat ersetzt er durch eine pro Volk und Jahr
Bienentanz: Mit Hilfe dieses Tanzes teilt die Zucker­lösung. Für 1 Kilogramm Honig müssen
Quelle: Das schweizerische Bienenhandbuch
Biene ihren Kolleginnen mit, wo und wie weit die Bienen 2 bis 3 Kilogramm Nektar und Honig-
weg eine Futterquelle ist. Es wird unterschieden tau sammeln. Dafür besuchen sie etwa zwei
zwischen dem Rundtanz, wenn sich die Futter- Millionen Blüten.
quelle in der Nähe befindet, und dem Schwän-
zeltanz mit zusätzlicher Richtungsangabe bei Temperatur: Das Bienenvolk reguliert die Tem-
weiteren Entfernungen. (Bild 1) peratur im Stock selbst. Die optimale Temperatur
beträgt im Sommer 34 Grad Celsius. Wird es zu
heiss, fächeln die Bienen mit den Flügeln und
1
erzeugen einen Luftstrom, der die überschüs-
sige Wärme ableitet. Im Winter bildet das Volk
eine Traube um die Königin und gibt sich selbst
warm. Im Innern der Traube ist es dann zwischen
20 und 30 Grad Celsius warm. (Bild 2)

Vegetarier: Honig- und Wildbienen ernähren


Ein Bienenvolk produziert etwa 15 Kilogramm
sich ausschliesslich von einem Gemisch aus Pol- Honig im Jahr.
len und Nektar, die sie auf den Blüten sammeln.
Die Wespenlarven hingegen ernähren sich vom
2
Fleisch eingetragener Insekten.

Stachel: Nur weibliche Bienen haben einen Sta-


chel. In der Giftdrüse bilden sie das Bienengift.
Beim Stechen gelangt es über die Stechborsten in
die Wunde, und der Stachel bleibt dort mit seinen
Widerhaken stecken. Der Stachel wird ausgeris-
sen und die Biene stirbt. Den Kampf mit anderen
Insekten überlebt sie, weil sich die Widerhaken in
den dünnen Häuten nicht verfangen können.

12 13
Vielfalt anstatt Thujah-Hecke
Die auch als Solitärbienen bezeichneten Wild-
Bauanleitung Schritt für Schritt
1. Sägen der Bretter auf die
richtige Länge (3× A / 2× B /
bienen sind noch mehr als die Honigbienen auf
eine intakte Umwelt angewiesen. Die Wildbie-
Wildbienenhotel 5× C / 1× D / 2× E / 1× F /
2× G).
nenpopulation nimmt in der Schweiz seit Jahren 2. je zwei Bretter A1 und A3
Material
ab. Das ist vor allem eine Folge der abnehmende festschrauben, dazwischen in
20 cm breite 2 cm dicke der Mitte Brett A3 platzieren
Pflanzenvielfalt und von wegfallenden Klein- Bei diesem Wildbienenhotel handelt es unbehandelte Holzlatten und festschrauben.
strukturen. Findet die Wildbiene «ihre Blüte» sich nur um ein Beispiel. Das Format (ca. 7 Laufmeter)
3. C1 zwischen A2 und A3
nicht mehr, fehlt ihr die Nahrungsgrundlage. und die Aufteilung der Kompartimente 2×20 cm lange Holzlatten, festschrauben. Darunter H

Wildbienen sind Für den Bau ihrer Nester brauchen Wildbienen können individuell angepasst werden. Durchmesser ca. 3×3 cm einfügen und festschrauben.
zudem möglichst naturbelassene Flächen mit Schrauben Dito mit C2 und D.
vielen Ritzen, Löchern, hohlen Hölzern, Kies oder
Einzelgängerinnen gewinkeltes Blech 4. C3, C4 und C5 in selbst
Sand. gewähltem Abstand zwischen
Füllmaterial A1 und A2 platzieren und
evtl. zwei stabile Pfähle festschrauben.
Pelzig oder unbehaart, winzig oder bis zu Den Wildbienen ein Zuhause geben zum Aufstellen 5. E1 und E2 an B2 festschrau-
35 Millimeter gross, gelbschwarz gestreift, weiss Mit artenreichen Magerwiesen, Steinhaufen an ben, dazwischen F platzieren
gefleckt oder blau grün schimmernd: In der Feldrändern, Hecken oder Hochstammbäumen Gewinkeltes Blech für Dach und seitlich an E festschrau-
(falls im Freien aufgestellt) ben.
Schweiz kommen über 750 ganz unterschiedliche schaffen Schweizer Bauern Orte, wo Wildbienen
m 6. G1 und G2 anschrauben,
Wildbienenarten vor. Im Gegensatz zu Honigbie- eine Lebensgrundlage finden. Privatgärten sind ) 50 c Dachplatten zum Fixieren
G 1 (G 2 danach Eisenwinkel anbringen.
nen bilden Wildbienen keine Staaten. Die Weib- heute oft sehr aufgeräumt und eintönig. Privat- der Dachstütze
7. Abteile auffüllen mit
chen bauen ihre Nester allein und versorgen die gärtner können den Solitärbienen mit speziellen G2
Material, das als Nisthilfe

F 10 cm
Brut ohne Mithilfe von Artgenossen. Wildbienen Wildbienenkästen Nestgelegenheiten anbieten.

F
geeignet ist.
B1 E E
leben wie Honigbienen vor allem von Nektar und Diese nützen allerdings nichts, wenn in der 8. Aufhängen mit Schrauben
Pollen, die sie auf Blüten sammeln. Sie leisten so Umgebung nur englischer Rasen oder Thujah- und Dübeln oder mit Pfählen
C1 über dem Boden anbringen.
für die Pflanzenwelt ebenfalls unverzichtbare Be- Hecken stehen. Ideal für Wildbienen wären
stäubungsdienste. Im Gegensatz zur Honigbiene, artenreiche Naturwiesen. C4 Standort: gegen Süden aus-
gerichtet vor Regen geschützt,
die sich als Generalist den Nektar und die Pollen am besten an einer Hauswand.
auf verschiedenen Pflanzen holt, sind Wildbienen Eventuell auf der Rückseite ein
C12 Brett anbringen, falls Gefahr
eher Spezialisten, die oft nur bestimmte Blüten

D 30 cm
von Durchzug.

D
anfliegen. Die Sandbiene beispielsweise sammelt
den Pollen ausschliesslich auf der Zaunrübe. Weil

A1 (A2) 100 cm
Wildbienen mit wenig Nektar auskommen, be- Wildbienen sind meist kleiner als Honigbienen.
C5
steht kaum Konkurrenz von den Honigbienen.

A1
Geeignetes Füllmaterial:
C3
Bambusrohre, Holzwolle,
Holunderholz, Sand,

H 50 cm
Lehm, Ziegelsteine,

A2
H
Rundhölzer, Stroh,
Steine, Tannenzapfen,
Schneckenhäuser
Bemerkung: Bei Sand muss
hinten ein Gitter angebracht
B2 werden.

C1 (C2345) 36 cm

14 B1 (B2) 80 cm 15