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Geschichte der Musikpädagogik III (sowjetische Besatzungszone [SBZ) / DDR) 90 91 G ,ichte der Musikpädagogik III (Sowjetische Besatzungszone [SBZ]/

der Musikpädagogik III (Sowjetische Besatzungszone [SBZ]/ DDR)

1960/70er Jahre. 1952 war in der DDR die rakteristisch, auch für das Fach Musik, waren nun lieder. Die Auftritte der musikal. Schulensembles Bezug auf die Auswahl in den Bereichen Lied und
»planmäßige Errichtung der Grundlagen des So- neben den fachlichen Inhalten vor allem der noch waren allerdings häufig auch an Anlässe gebunden, Singen sowie Musikhören. Die Einführung dieses
zialismus« beschlossen worden, was bis zu Beginn stärkere Ideologiebezug sowie äußerst kleinschrit- die durch Staatsfeiertage wie z.B. den 7. Oktober Planes, die als Gratwanderung zwischen Tradition
der l 960er Jahre zumindest im Hinblick auf poli- tige Vorgaben von Unterrichtszielen und -inhal- (Gründungstag der DDR 1949) oder den 1. Mai und Innovation zu charakterisieren ist (Fröde
tische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Struk- ten, die zudem als verbindlich galten. Erstmals (Tag der Arbeit) vorgegeben waren. 1997, S. 91ff.), scheiterte an der Erosion der DDR.
turen im Lande auch verwirklicht wurde. Entspre- waren die Musik-Lehrpläne in sog. Stoffeinhei- Wiss . Diskussionen über das Interpretieren Sie dürfte aber Spuren in der mp. Praxis der frühen
chende Gesetze und Verordnungen zielten - auch ten mit jeweils vorgegebenen Stundenzahlen ge- und mithin Verstehen von Musik unter musik- l 990er Jahre hinterlassen haben.
im Bildungs- und Schulwesen - auf zunehmende gliedert (Lehrpläne Musik 1-12, 1968-1972) . ästhet. Aspekten in der Schule gab es Mitte der Weitere Aspekte. Die ► Stundentafel sah in der
Vereinheitlichung. Das Gesetz über die sozialis- Auch die Nachfolgematerialien zu den Lehrplä- l 970er Jahre, in denen das Formalismus-Realis- Regel (in den Jgg. 11 und 12 konnten die Schüler
tische Entwicklung des Schulwesens von 1959 nen (Lehrbücher, Unterrichtshilfen, Schallplatten) mus-Problem der 1950er Jahre wieder aufgriffen zwischen Kunst und Musik wählen) eine Wochen-
erweiterte den Einheitsschulgedanken nun auf die enthielten exakt nur jene Inhalte, die in den wurde. Dies führte zur Frage ästhet. Erlebens von stunde Musik vor. Dem stand allerdings permanen-
zehnjährige Schulpflicht und führte das Prinzip Plänen vorgeschrieben waren. Das Dreigestirn Kunst bei Schülern. Infolgedessen gelang die Auf- ter Fachlehrermangel gegenüber. An 9 Schulen in
der Polytechnisierung in die Schule ein, d.h . eine »Singen - Musikhören - musikal. Grundwissen« nahme von drei Kompositionen der DDR-Modeme der DDR gab es ab etwa Mitte der 1960er Jahre
stärkere Verbindung der Schulfächer zu Industrie bestimmte deren Struktur. Lernfelder wie instr. in den MU des 10. Jahrgangs. Namentlich R. Brede- Spezialklassen für Musikerziehung, die für den
und Landwirtschaft. Zudem hatten alle Schul- Musizieren, Tanz oder Musik und Bewegung blie- meyer, E Goldmann und G. Katzer waren nun mit Musiklehrer-Nachwuchs eingerichtet worden wa-
fächer, so auch Musik, ihren Beitrag zur Entwick- ben unterrepräsentiert. Die Zahl der vorgeschrie- Musikstücken vertreten, in denen z.B. Aleatorik ren. Für den Berufsmusiker-Nachwuchs existierten
lung des sozialistischen Staates DDR zu leisten benen Pflichtlieder (Volkslieder, Lieder der Arbei- und Clustertechnik, Erfindungen also der west- in Berlin, Dresden, Halle/ S. und Weimar Spezial-
und die Schüler auf das Leben in ihm vorzube- terbewegung, Lieder von DDR-Komponisten) war lichen Modeme, als Kompositionsprinzipien vor- schulen für Musik. - Die Ausbildung der Musik-
reiten. Das wirkte sich auch auf die Zielsetzun- angestiegen. Im Bereich Musikhören sollten »die herrschten, die eigentlich schwer in die geltenden lehrer fand an Fachschulen (Musiklehrer für die
gen in den Fach-Lehrplänen aus. Außerdem nahm Schüler eine repräsentative Auswahl bedeuten- Normierungen einer »sozialistisch-realistischen« Jgg. 1-4), sog. Instituten für Lehrerbildung (IfL),
die Verbindlichkeit der Unterrichtsinhalte zu. Im der Musikwerke aus dem sozialistischen Gegen- Musik hineinpassten. Es bleibt natürlich die Frage an 5 Univ., 2 Päd.H. und der Musikh.Weimar (alle
Musik-Lehrplan 1959 ist zu lesen: »MU (muss) wartsschaffen unserer Republik, aus dem Schaffen nach der Rolle, die diese Musik dann in der Schule Jgg. 5-12) nach zentral gültigen Lehrprogrammen
dazu beitragen, sozialistische Anschauungen und sowjetischer Komponisten, aus dem humanis- wirklich spielte. statt. Die mp. Forschung an den Universitäten,
Überzeugungen zu festigen.« Eine Vielzahl von tischen Erbe und aus dem progressiven bürger- Die 1980er Jahre. Mitte der l 980er Jahre be- Päd.H. und den IfL war im Wesentlichen zentral
Liedern, vor allem »neue sozialistische Lieder, lichen Musikgut der Gegenwart kennenlernen« fand sich die DDR in einem Zustand zwischen koordiniert von der Akad. der Päd. Wissenschaften
revolutionäre Lieder der Arbeiterbewegung, frohe (Lpl. Musik, Klassen 5-10, 1972, S. 9) . Dabei Erstarrung und Niedergang (H. Weber 1991, (APW) in Abstimmung mit einer »Forschungs-
Pionierlieder und Lieder der FDJ« (Lpl. 1959), stand formal-strukturelle Analyse mit politisch- S. l 78ff.). Bestrebungen zu polit. Kursänderungen gemeinschaft Musikerziehung«, die sich aus Hoch-
wurde erstmals zu Pflichtliedern bestimmt. Neben ideologisch ausgerichteter Interpretation - z. B. in der Sowjetunion (Perestroika/ Glasnost) und in und Fachschullehrern zusammensetzte. Die APW
dem Singen und Musizieren, das den Hauptinhalt Bach, Mozart, Beethoven als revolutionäre Huma- Polen (Gewerkschaftsbewegung Solidarnosi:) so- war wiederum gegenüber dem Ministerium für
des MU bilden sollte (»Im Mittelpunkt steht das nisten - im Vordergrund . Musik der damaligen Zeit wie eine Friedens- und Menschenrechtsbewegung Volksbildung rechenschaftspflichtig.
Singen«; ebd., S. 1), waren die Gebiete Musik- aus dem westlichen Ausland sowie Phänomene der und zunehmend artikulierter Unmut der DDR- Quellen : Birnberg; S.: Methodisch-didaktische
hören sowie Musiktheorie mit klaren inhaltlichen popularmusikalischen Entwicklung fanden keine Bevölkerung trugen neben der immer schlechter Grundlagen der Musikerziehung ( = Hb. der Musik-
Vorgaben festgelegt. Berücksichtigung. werdenden Wirtschaftslage zu diesem Zustand erziehung, Bd. 3),Leipzig 1968 und 21973. Brack,
War bis zum Ende der 1950er Jahre die ideo- Ohne administrative Planungsvorgaben hin- bei. So wurde eine längst fällige Modernisierung H. (Hg.): Musik hören - Musik erleben, Berlin
logische Okkupation der Schule in der DDR ab- gegen war die außerunterrichtliche MP in Form der Erziehungs- und Bildungsarbeit in der Schule (Ost) 1985. Hoffmann, K. (Hg.): Methodik MU,
geschlossen, begann seit Mitte der l 960er Jahre von Chören, Singegruppen und Instrumental-AGs. zu einer Art Rettungsanker stilisiert und - nach Berlin (Ost) 1976. Ders. (Hg.): Singen - Stimm-
der Ausbau der sozialistischen Schule im Rahmen Hier konnten die Musiklehrer Musikstücke frei nunmehr 15 Jahren - für das Schulfach Musik bildung - Liedgestaltung, Berlin (Ost) 1983.
eines einheitlichen Bildungssystems, was durch wählen aus Materialien ganz unterschiedlichen In- mit Hilfe eines neuen Lehrplans der Versuch unter- Lehrpläne Musik, Lehrbücher, Unterrichtshilfen
das Gesetz über das einheitliche sozialistische halts. Hervorzuheben ist die Chorarbeit in Kinder- nommen, die Effektivität und Erziehungswirksam- und SCHOLA-Schallplatten, Berlin (Ost) 1946 bis
Bildungssystem (1965) eingeleitet wurde. Eine chören und bes. die in den Schulen mit Spezial- keit des MU zu erhöhen. Zwar hielt dieser neue 1989. Michel, P. : Psychol. Grundlagen der Musik-
noch minutiösere Planung von Bildung und Erzie- klassen für Musik, die ein äußerst hohes künstler. Lehrplan keine gravierenden Änderungen bereit, erziehung (= Hb. der Musikerziehung, Bd. 2),
hung zur »allseitig und harmonisch entwickelten Niveau aufwies. In den Singegruppen wurden Lie- aber einige neue Akzente wurden in ihm den- Leipzig 1968. Musik in der Schule. Zs. für Theo-
sozialistischen Persönlichkeit« sollte adäquat zur der der DDR-Singebewegung musiziert, die zwar noch gesetzt, z.B. Förderung von Individualität, rie und Praxis des MU, Berlin (Ost) 1949-1989.
strengen Wirtschaftsplanung stehen. Ein neues zumeist auch politischen Charakter besaßen, aber Fähigkeit ästhet. Erlebens und musikal. Genie- Siegmund-Schulze, W : Ziele und Aufgaben der
Lehrplanwerk für alle Schulfächer, dessen Ziele dem Musikgeschmack Jugendlicher wesentlich ßens, Werteerziehung, vergleichsweise inhaltliche sozialistischen Musikerziehung ( = Hb. der Musik-
aufeinander abgestimmt waren, entstand. Cha- näher kamen als die Volks- und Arbeiterkampf- Breite und Vielfalt, Freiräume für Musiklehrer in erziehung, Bd. 1), Leipzig 1967.