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DAS TAXOS - PROJEKT

Arbeit und Einkommen schaffen

EINE DISKUSSIONS-UNTERLAGE FÜR DIE EXPERTINNENKONFERENZ


IN WAIDHOFEN/TH.
AM 28. UND 29. APRIL 2006

Vorbemerkung

Von den Initiatoren dieser Konferenz wurden folgende Primärziele vorgegeben:

1. Erstellung eines, hinsichtlich der Umsetzung, realistischen und im Rahmen der


gesetzlichen Möglichkeiten liegenden Modells - komplementären
Verrechnungssystems (KVS) - mit klar nachvollziehbarem ökonomischen,
ökologischen und sozialen Nutzen.

2. Behandlung grundlegender Fragestellungen unser Geldsystem betreffend. Der


Versuch Antworten zu finden auf eine der dringendsten Fragen in unserer
gesellschaftspolitischen Entwicklung. Wir wollen versuchen, konkrete Vorschläge zu
skizzieren/entwickeln, die als Empfehlung an die zuständigen/verantwortlichen
Institutionen weitergegeben werden können.

Entgegen der o.a. angeführten Reihenfolge darf ich mit den grundlegenden Fragestellungen
beginnen, bildet doch die Analyse des Ist-Zustandes das Fundament für den weiteren
Vorschlag mit einem nachvollziehbaren ökonomischen, ökologischen und sozialen Nutzen.

A. GRUNDSÄTZLICHES

Mehrfach-Ursachen der sozio-ökonomischen Probleme.

Die in vielen Regionen initiierten Regiogeld-Projekte gehen von der monokausalen Meinung
aus, die sozio-ökonomischen Probleme wären von einem unzureichenden bzw. zu langsamen
Umlauf des Geldes, insbesondere des Bargeldes, verursacht.

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Diese Meinung tritt m. E. nach zu kurz, da alleine schon die Vorstellung eines Geldumlaufes,
wie sie bei den Initiatoren der Regiogeld-Projekte zu finden ist, wenig zutreffend ist. Das
„von Hand zu Hand gehen“ von Geld kann vielleicht noch am Monatsmarkt in Timbuktu
stattfinden, nicht aber in der vielstufig arbeitsteiligen Wertschöpfungstreppe unserer
Industriewirtschaft. Hier geht es von Stufe zu Stufe um verschränkte Ver- und
Entschuldungsprozesse, in deren Ablauf auch jene Arbeitseinkommen entstehen, beim
Bäckereiarbeiter genau so wie beim Arbeiter in der Gewinnung von Rohstoffen, mit denen
dann die Endnachfrage getätigt wird.

Es gilt also zu bedenken: Damit heute die Einkommen mehr oder weniger rasch ausgegeben
werden können, müssen sie heute auch entstehen. Auch die Arbeitseinkommen. Diese
Arbeitseinkommen treffen dann „am Markt“ auf die schon früher fertiggestellten Produkte.
Wobei „früher“ eine Gemengelage aus einem breiten Zeitraum meint: Die Semmel selbst
eben erst aus dem Backofen, der aber schon vor Jahren aus Stahl und Schamotte und mit
Einrichtungen aus noch früheren Zeiten gefertigt wurde. Auch dessen und alle anderen Kosten
gehen anteilig in die Semmel ein. Und so ist auch die heutige Dynamik der Transaktionen –
und damit das ganze Arbeitseinkommen -- abhängig von unterschiedlich weit in die Zukunft
reichenden Erwartungen.

Dies alles findet seinen Ausdruck in den Bilanzen der Unternehmen. Dem Vermögen auf der
Aktivseite stehen die Schulden (im weiteren Sinn) auf der Passivseite zu einem bestimmten
Zeitpunkt gegenüber. Obwohl also Statusreport, verbirgt sich darin Dynamik: Jenes
Vermögen, zu dessen Erwerb und Erschaffung in der Vergangenheit die Schulden in Geld
eingegangen wurden, muss in Geld erst in Zukunft durch den Verkauf erlöst werden. Damit
bringt die Bilanz die unternehmerische Hoffnung auf „Vergangenheitsbewältigung“ zum
Ausdruck.

In der davon abhängigen gesamtwirtschaftlichen Dynamik sind die Arbeitseinkommen nur ein
geringer Teil des gesamten Zahlungs- oder Transaktionsvolumens. So betragen in
Deutschland für das Jahr 2004:

o das gesamte Transaktionsvolumen ........33.450 Mrd. Euro,


o das Bruttoinlandsprodukt .........2.214 Mrd. Euro,
o die privaten Konsumausgaben ..........1.312 Mrd. Euro,
o die Arbeitnehmerentgelte ......... 1.134 Mrd. Euro.

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Man sieht: Das Transaktionsvolumen ist ein Vielfaches des BIP bzw. der privaten Konsum-
ausgaben bzw. der Arbeitnehmerentgelte. Diese sind aber zu jeder Zeit abhängig von der
Dynamik der Transaktionen und damit vom jeweiligen Transaktionsvolumen.

So geht es auch nicht allein um die Oberflächen-Bewegung des Bar- und Buchgeldes. Es geht
um den ständigen Fluss der Geldschulden/Geldvermögen. Die Beschleunigung des Umlaufs
von Bargeld spielt dabei keine Rolle, höchstens die Konsum- bzw. Sparneigung. Dagegen
gehen mit der Verlangsamung des gesamten Schulden/Vermögensstromes auch die
Arbeitseinkommen zurück, ebenso wie das Finanzierungspotential des Staates.

Die vorliegenden Probleme des Sozialstaates lassen sich dabei auf mehrere Ursachen
zurückführen, die selbst wieder in einem logischen Zusammenhang stehen. Diese sind:

1. Die Entstehung des Geldes aus dem Kredit, also durch Verschuldung
vorzugsweise der Unternehmen.
2. Der globale Wettbewerb um die Reduzierung der Arbeits- und der Kapitalkosten,
wobei es aber auf Grund der hohen Flexibilität des Kapitals vornehmlich um die
Arbeitskosten geht.
3. Die Finanzierung des Staates durch eine stark einseitige Belastung der Arbeit mit
Steuern und Abgaben, die diesen Wettbewerb um die Reduzierung der
Arbeitskosten noch verstärkt.

Auch wenn es bei der Globalisierung primär um einen Wettbewerb um die Reduzierung der
Arbeitskosten geht, so bleibt doch das oben im Zusammenhang mit dem Transaktions-
volumen Gesagte aufrecht: Jedes Unternehmen muss sich zuerst einmal dazu entschließen, all
die Vorprodukte und Einrichtungen zuzukaufen und sich hierfür zu verschulden, ehe es diese
Vorprodukte und Einrichtungen durch Hinzufügung von menschlicher Arbeit weiter veredeln
kann.

Damit geht es von Stufe zu Stufe der Veredelung immer wieder um die Übernahme der bis
dorthin aufgelaufenen Gesamtkosten bzw. Gesamtschulden plus Zinsen und Gewinn durch
das nachfolgende Unternehmen, was dann den Zwang zum Wachstum hervorruft – die
Spirale in den Abbildungen. Die Unternehmen sind also diejenigen, die immer wieder das
ganze Geld „in die Hand nehmen müssen“, mit dem Vorprodukte und Einrichtungen, aber

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auch die zusätzliche Arbeit bezahlt werden. Um damit die vorausliegenden Unternehmen von
ihren Kredit-Schulden zu befreien, müssen sie selbst wieder – noch höhere - Kreditschulden
auf sich nehmen.

Die Unternehmen leben daher von vorneherein in einem besonderen Biotop, sind sie doch in
einer Kreditgeld-Wirtschaft die Initiatoren des gesamten Geschehens, von dem nicht zuletzt
auch die Finanzierung des gesamten Sozialstaates abhängt. Diesem Artenschutz entsprechend
ist auch das System der Steuern und Abgaben ausgelegt. Die Initiative der Unternehmen ist ja
stets zu ermuntern und keinesfalls zu dämpfen. Ohne deren Initiative keine Musik, kein Geld!
Will sich unter den Bedingungen des Kreditgeldes der Staat selbst die Musik schaffen, also
Geld über Kredite aufnehmen, dann führt dies zur immer stärkeren Verschuldung des
Gemeinwesens, das Staates. Denn die Kreditaufnahme des Gemeinwesens in Form des deficit
spending dient ja in letzter Konsequenz nur der Sicherung der Gewinne der produzierenden
Unternehmen und der Banken. Das Geld kehrt nicht zum Staat zurück.

Um diese Zusammenhänge nun aber aufzubrechen, braucht es eine Herauslösung des


Gemeinwesens aus diesem Zusammenhang. Es geht um ein System einer eigenständigen
Finanzierung des Gemeinwesens, und damit um eine Befreiung aus der dargestellten
Abhängigkeit vom Kreditgeldsystem. Erst mit einem eigenen und entsprechend
ausgestaltetem Finanzierungssystem hat das Gemeinwesen dann auch die Möglichkeit, das,
was mit Steuern und Abgaben belastet werden soll, so zu gestalten, dass nicht mehr
vorzugsweise die menschliche Arbeit belastet wird. Erst dann kann die Arbeit aus ihrer Rolle
als Ressource, als nutzbares Objekt des Wirtschaftens, zum Subjekt mutieren.

Dieser Vorschlag zielt darauf. Er leitet sich auch von einer Aussage Silvio Gesells ab, der im
Zusammenhang mit der von Flürschein vorgeschlagenen Geldreform meinte:

”Der zweite Widerspruch liegt darin, dass der Staat das Geld bei der Ausgabe selber nicht als
Tauschmittel benutzte, es also nicht gegen Waren, sondern gegen Wechsel, Pfandbriefe oder
sonstige Sicherheiten hergab. Und das Geld ist doch Tauschmittel, und als solches durfte es nur
gegen Waren ausgegeben werden.” (Gesell, NWO, 1916, S.330)

Schon in einem ersten Schritt wird das Gemeinwesen mit einer ihm zugeordneten
Geldemission zum Auftraggeber der Unternehmen. Es muss nicht mehr auf die Finanzierung

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über Steuereinnahmen warten, um Arbeit und Einkommen zu schaffen. Dieser Prozess - und
damit die Abhängigkeit -- ist umzukehren.

2. DER VORSCHLAG

Der hier vorgestellte Vorschlag findet, so wie die Regio-Geld-Projekte, die Barterclubs und
Tauschringe, sein Vorbild im Wörgler-Experiment des Jahres 1932.
Im Gegensatz zu den angeführten Modellen wird aber der entscheidende Effekt nicht so sehr
in der Umlaufsicherung des damals emittierten Komplemetärgeldes, der Arbeitswertscheine,
gesehen. Das entscheidende Merkmal liegt m. M. nach in der aktiven Rolle der Gemeinde
Wörgl, also einer staatlichen Institution mit – wenn auch beschränkter – Steuerhoheit. Sie hat
von sich aus Zahlungsmittel emittiert, wobei sie sich verpflichtet hat, damit die fälligen – und
überfälligen -- Steuer- und Abgabenschulden bei ihr tilgen zu können. Diese Möglichkeit ist
in Wörgl für die örtlichen Betriebe von Interesse gewesen, konnten sie doch so – statt
Daumen drehend herumzustehen - gegen Lieferung von Waren und Leistungen ihre Steuern
begleichen.

.”

Damit aber war der erste und entscheidende Schritt in der Akzeptanz der Arbeitswertscheine
als Zahlungsmittel gesetzt: Jeder war sicher, damit zumindest die fälligen Steuern und
Abgaben bei der Gemeinde tilgen zu können. Die Finanzierung öffentlicher Baumaßnahmen
mit einem eigenen Zahlungssystem war damit möglich geworden. Sie brachte Arbeitslosen
Arbeit und Lohn, der gesamten Gemeinde aber reales Einkommen in Form asphaltierter
Straßen, einer Brücke und einer Verbesserung der Kanalisation.
Dieser Schritt führt zu einer nicht so angedachten Veränderung: Zur Einführung von
Chartalem Geld
Dies greift nun auch dieser Vorschlag auf: Das Gemeinwesen, vertreten durch die beteiligten
Gemeinden, akzeptiert nicht nur die alternativen Zahlungsmittel, sondern emittiert sie auch.
Es sind dies nichts anderes als Steuergutschriften, die deshalb „TAXOS“ genannt werden.

Taxos können als Steuergutschriften von jedermann gegen Lieferung von Waren und
Leistungen erworben werden, und kommen so in den Verkehr. Sie können dann von jeder
Person zur Begleichung ihrer Steuerschuld verwendet werden. Wobei die Steuerschuld
selbst durch die direkte oder indirekte Lieferung an die Gemeinschaft schon erbracht wird, die
Vorlage der Steuergutschrift also nur mehr diese reale Erbringung bestätigt.

Der Miteinbezug des Gemeinwesens, der res publica, vertreten durch den Staat und seinen
Gebietkörperschaften, ist dabei ganz entscheidend. Der Staat hat ja als einzige Rechtsperson
im Rechtsstaat das Recht auf den Zwangszugriff auf das Eigentum anderer Personen. Es ist
das Steuerrecht, mit dem der Staat unser Gemeinwesen mit all dem versorgt, was wir

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kollektiv konsumieren – Sicherheit, Bildung, Soziales, Gesundheit, Infrastruktur, Kultur,
Rechtssprechung. Darüber sollte es ja keine Glaubenskriege mehr geben, wohl aber Diskurse
über die detaillierte Ausgestaltung dieses Tuns.

Mit einem vom Staat emittierten und gegen Lieferung von Waren und/oder Leistungen in den
Verkehr gebrachten Zahlungsmitteln wird dann eine intelligente Logistik dieses sozial
gestalteten Zugriffs ermöglich
 Der Staat (die Gemeinde) zahlt mit Steuergutschriften (Taxos) über eine interne
Finanzierungorganisation Leistungen und Lieferungen für den Staat (Gemeinde), die von
einer Cooperrative (Coop) erbracht werden.
 In dieser Coop sind lokale Unternehmen Auftragnehmer, die dann für konkrete
Leistungen mit Taxos bezahlt werden.
 Diese können dann damit einen Teil der Löhne, aber auch Zukäufe von Vorlieferanten
bezahlen.
 Mit den Zahlungen in Taxos für Konsumgüter kommen damit in alle Wirtschaftsbereiche
und –verästelungen, und können von dort, soweit sie nicht wirtschaftsintern
weitergegeben werden, zur Bezahlung der fälligen Steuern verwendet werden.
 -Damit kommen die Taxos wieder zum Staat und zur IntraFin zurück.

Damit ist ein Zahlungsmittel-Kreislauf hergestellt, der seinen Anfangs- und Endpunkt beim
Staat hat. Im Gegensatz zum Kreditgeld, das in der Bank entspringt und dorthin auch wieder
zurückkehren muss. So aber wie Kreditgeld als buchhalterische Gläubiger/Schuldner-Relation
durch Schuldentilgung wieder vernichtet wird, werden auch die Taxos in der IntraFin
buchhalterisch vernichtet.

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Dieser Zahlungsmittel-Kreislauf vom Staat zum Staat zurück ist in einem Staatswesen mit
hoher Staatsquote sicher schaffbar. Führt man diese Überlegungen nun weiter, dann kann
das Gemeinwesen auch zusätzliche Arbeit für einzelne Menschen durch eine alternative
Finanzierung im Bereich von Infrastruktur- und Energieversorgungsprojekten, im Bereich der
Sozialarbeit, also all jenen Bereichen, die von allen genutzt werden, bereitstellen. Damit aber
zusätzliche Nachfrage und zusätzliche Einkommen für alle.
Der eigentliche Lohn findet sich dann in der kollektiven Nutzung der bereitgestellten
Einrichtungen und Leistungen, während die Zahlungsmittel selbst als Nachweis der
erbrachten Steuerleistung vom Gemeinwesen wieder eingezogen werden. Damit wird aber
auch eine effektive Kontrolle der so umlaufenden Menge an Taxos möglich, Das jedoch, was
an zusätzlichen Einkommen für alle entstanden ist, findet sich also nicht in monetärer Form,
sondern in einer als reales Gut.

Dies mag auf den ersten Blick als zusätzlicher Zugriff des Gemeinwesens auf unsere
Einkommen verschrecken. In der Tat geht es aber um die Bereitstellung zusätzlicher Güter
und Leistungen durch die Nutzung von Arbeit, die sonst brach liegt. Eine gigantische
Verschwendung, die heute als solche nicht wahrgenommen wird.

3. Ausformung des Vorschlages

Einführung eines Internen Finanzierungs- und Abrechnungssystem, kurz IntraFin, das im


Sinne des Taxos-Vorschlages TAXOS emittiert, die zur Finanzierung der Ausgaben der
Gemeinden bzw. der von ihnen zu gründenden Genossenschaft dienen. Die Genossenschaft
tätigt damit ihre Zukäufe an Waren und Leistungen bei Genossenschaftsmitgliedern, die mit
diesen Taxos-Einnahmen ihre Steuern und Abgaben an die Gemeinden begleichen können.
Von den Gemeinden fließen die Taxos zu IntraFin zurück.

Das Vorgehen erfolgt in Stufen:

1. EINGEWÖHNUNGSPHASE: Einführen interner Zahlungsmittel (TAXOS) in


allmählich gesteigerter Menge, die vorerst einmal im ganz normalen internen
Geschäftsverkehr eingesetzt werden und im Anfang sehr rasch zur
Begleichung der Steuerschulden bei den Gemeinden verwendet werden.

2. NORMALPHASE: Vorziehung von geplanten Projekten, die aus Steuermittel


finanziert werden, durch Finanzierung mittels TAXOS. Einhebung der Steuern
so wie bisher, damit Einziehen der emittierten TAXOS. Die Ausführung der
Sonderaufträge sind von den schon existierenden regionalen Unternehmen zu
leisten, die die Möglichkeit haben, die Taxos-Einnahmen mit den weitaus
höheren Euro-Einnahmen aus den „normalen“ Aufträgen zu durchmischen.
Damit soll sichergestellt werden, dass die Taxos zu den Zahlungen verwendet
werden können, wo sie angenommen werden, und Euros auch beim
„Sonderauftrag“ für Zahlungen zur Verfügung stehen, die nur mit Euros
bezahlt werden können.

3. BAUPROJEKT: Zusätzliche Arbeitsplätze und Nachfrage, finanziert durch


zusätzlich ausgegebenen TAXOS. Diese werden dann über die Einhebung von
relativ weit in der Zukunft liegenden Steuern wieder eingezogen, so dass in
der Zwischenzeit zusätzliche Zahlungsmittel umlaufen und damit Nachfrage
gehalten wird. Damit wird der Grundsatz, dass jeder ausgestellte
Steuergutschrift auch eine Steuerforderung gegenüber steht, eingehalten,

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wenngleich aber flexibel ausgelegt. Das Pendant dazu, also die vorzeitige
Einziehung von Taxos über Steuern, ist dabei auch mit zu bedenken. Finanziert
sollen damit vor allem größere Bauprojekte werden, deren
Finanzierungsbedarf über eine Periode hinausreicht.

4. SOZIALES ZUKUNFTSPROJEKT: Zusätzliche Arbeitsplätze und Nachfrage,


finanziert durch zusätzlich ausgegebenen TAXOS, die über zusätzliche Steuern
und Abgaben wieder eingezogen werden. Der Lohn der Arbeit findet sich
somit in dem, was zusätzlich gemeinschaftlich konsumiert werden kann, was ja
auf kommunaler und daher kleinräumiger Ebene im Sinne von Solidarität und
Reziprozität auch noch gut vermittelt werden kann.

Bei Implementierung der Stufe 4, in der es vor allem um die Bereitstellung von bezahlbaren
sozialen Dienstleistungen gehen wird, stellt sich eine weitere große Herausforderung:
Eine Änderung der Besteuerung weg von der Arbeit hin zu anderen Steuerarten.

Mit dieser Einsicht begeben wir uns aber in einen Bereich , wo zusätzliche Schwierigkeiten
dadurch entstehen, dass wir mit einem Regionalprojekt nicht auf das ganze Bundesgebiet als
das Gebiet der Steuerhoheit zugreifen können . Nachfolgende Überlegungen sind daher auch
nur als erste Diskussionsanregung:
o Auf alle in TAXOS bezahlten Arbeitskosten werden keine Sozialabgaben und wird
keine Mehrwertsteuer erhoben.
o An deren Stelle wird auf alle Waren ein Zuschlag auf die Mehrwertsteuer erhoben, der
diesen Steuer- und Abgabenentgang ausgleicht und die Abführung an den Bund bzw.
Sozialversicherung ermöglicht. Dabei können dann alle im Inland geleisteten
Arbeitsaufwendungen nach Nachweis herausgerechnet werden.

Eine Voraussetzungen für das Funktionieren all dieser Vorschlages ist eine positive
Leistungsbilanz dieses „Inlandes“, das durch eine Genossenschaft dargestellt wird.
Entsprechende Schritte sind auch hier zu setzen. Es wird ja so sein, dass vom „Ausland“ her
doch relativ viel „importiert“ werden muss, das in Euro zu bezahlen ist. Ebenso wie Steuern
und Abgaben an den Bund in Euro zu bezahlen sind. Es wird also eine der ersten Aufgaben
sein, dies zu prüfen bzw. Schritte hin zu diesem Ziel zu setzen.

4. Zusätzliche Anmerkungen

Für den Einzelnen entsteht durch Nutzung brach liegender Arbeit reales Einkommen in Form
von kollektiv zu nutzenden Einrichtungen, nicht aber unbedingt zusätzliches monetäres
Einkommen. Dies mag manchen so lange bedenklich erscheinen, als die Alternative nicht in
Betracht gezogen wird: Nicht nur Arbeit von Menschen brach liegen zu lassen, sondern
diesen Menschen ganz ohne Gegenleistung Anteil am Sozialprodukt zu gewähren. Nun
können diese ihren Anteil erhöhen, gleichzeitig aber ihren sozialen Status dadurch verbessern,
dass sie hierfür Arbeit leisten können. Gleichermaßen aber wird für alle ein Mehr an realem
Gegenwert bereitgestellt.

Hinzuweisen ist aber auch, dass sich durch die aufgezeigte Alternative die Situation für das
gegenwärtige Finanzierungssystem auf Basis von Kreditgeld nicht verbessert werden kann.
Dies würde verlangen, das System, das immer wieder einen Fuß schon in der Zukunft hat –
die Kredite von heute sind die Schulden von morgen – zu alimentieren, wie es mit dem deficit
spending geschehen ist. Ein Umstieg auf ein neues System ist daher nicht ohne Bruch
möglich. Damit aber wird das Gelingen nicht nur eine Angelegenheit geeigneter

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Institutionen, sondern auch eine Angelegenheit der Menschen, die hierzu Bereitschaft zeigen
müssen. Es geht schlicht und einfach um die Erkenntnis, dass unser Reichtum nicht allein im
individuellen Eigentum besteht, sondern im gemeinschaftlichen Eigentum, also dem, was wir
als materielle und immaterielle Infrastruktur bezeichnen. Um es aufzuspießen: Nicht „die
Breitling“ zeigt unseren Reichtum, sondern – sehr banal - das funktionierende Spülklosett.

B. DIE TEILNEHMER

Es geht nicht um etwas von oben aufgesetztes, das die Menschen antreibt. Es geht um
Menschen, die von sich aus mitmachen wollen, die ihre Kreativität und ihre Motivation in
eine Gemeinschaftsanstrengung einbringen.
Es geht also um die aktive Teilnahme der Bevölkerung der Region, den Unternehmen und
nicht zuletzt der Gebietskörperschaften. Dazu braucht es aber einen Kristallisationskern, den
die Gemeinden bilden sollen.

Alle können und sollen mitmachen.

C. DIE STRUKTUREN

Diese Gemeinschaftsanstrengung braucht eine Struktur. Diese Struktur besteht aus folgenden
hierarchischen Elementen:

o COop Genossenschaft,
o IntraFin Internes Finanzierungs- und Abrechnungssystem
o EXchange als Nahtstelle zur „finanziellen Außenwelt“
o Projekte

Warum Genossenschaft?
1. Um einen Innenbereich zu schaffen, in dem über ein „Internes Finanzierungs- und
Verrechnungssystems“ Forderungen und Verbindlichkeiten eigenständig abgerechnet
werden kann.
2. Um jene (physischen und juridischen) Personen zu definieren, die überhaupt am
Gesamtprojekt teilnehmen können.

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Hierbei können A-Mitglieder alle Unternehmen, sowie all jene Haushalte werden, die
aus bereits vorhandenen Arbeitsplätzen Einkommen beziehen, B-Mitglieder müssen
aber all jene werden, die über die Genossenschaft Arbeit und Einkommen erhalten.
3. Zur Ermöglichung begrenzter Ausschreibungen entgegen EU-Wettbewerbsregeln
4. Wegen der Abgrenzung von TAXOS-Gebiet (Innen = alle Mitglieder unabhängig von
Region) und EXtra (Außen = Nichtmitglieder)

Warum InterFin (Internes Finanzierungs- und Abrechnungssystem)?


 Um ein einheitliches internen Zahlungsmittels, genannt „TAXOS“ zu schaffen.
 Um ein Zusammenfließen der internen Finanzierungsströme mit den von extern
kommenden zu ermöglichen.
 Um eine zusätzliche Nachfrage nach Arbeit, Leistungen und Waren durch
außerordentliche Finanzmittel zu ermöglichen.
 Um eine Durchmischung von ordentlichen und außerordentlichen internen
Zahlungsströmen zu ermöglichen.
 Um eine Einrichtung für die Vermittlung von Ersparnissen/Darlehen in TAXOS zu
schaffen.
 Um das COoperative-Projekt unter Bedachtnahme auf den TAXOS-Ausgleich
finanzieren.

Warum EXchange?
1. Alle Mitglieder verpflichten sich, im Innen-Zahlungsverkehr nur die TAXOS zu
verwenden.
2. Die von außen kommenden EURO-Einkommen werden von EXchange (kurz EX) im
Verhältnis 1:1 umgewandelt. EX hält den Bestand an Euro-Einkommen, wobei die
Einkommensbezieher soweit den Zugriff auf ihre Euro-Einkommen behalten, als sie
nicht durch TAXOS-Zahlungen verbraucht wurden.
3. Zahlungen nach außen erfolgen über EX, wobei die Einzahlung in TAXOS erfolgt,
die Überweisung nach außen aber dann in EURO im Verhältnis 1:1 erfolgt. Dabei
wird auf jene Euro zugegriffen, die von Euro-Einkommen nach Abzug der TAXOS-
Zahlungen verbleiben.

Ernst Dorfner, 24.04.06

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