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Geographie 12/1

1. Eine Welt
1.1 Merkmale und Ursachen globaler Entwicklungsunterschiede
o Unterteilung der Welt nach Entwicklung
- Erste Welt: Westmächte -> Kapitalistische Markwirtschaft -> Industrieländer
- Zweite Welt: Ostblock -> Soz. Planwirtschaft -> Industrie- oder Schwellenländer
- Dritte Welt: „Blockfreie“ Staaten -> Unterteilung in weniger entwickelte und beson-
ders förderungswürdige Länder -> Schwellen- oder Entwicklungsländer

o Indikatoren und Klassifizierung


- BNE = Bruttonationaleinkommen -> GW (Gesamtwert aller Waren)
- BIP = Bruttoinlandsprodukt -> GW (Wert sämtlicher Waren und Dienstleistungen)
- HDI = Human Development Index -> Lebenserwartung (Gesundheit, Hygiene Alter
etc.); Bildungsniveau; BIP pro Kopf

o Entwicklungstheorien
- Modernisierungstheorie (Endogen): Ursachen für Unterentwicklung aus dem Inne-
ren des Landes durch vorherrschenden Entwicklungsrückstand -> Überwindung der
Probleme durch ökonomische Maßnahmen
- Dependenztheorie (Exogen): Ursachen für Unterentwicklung durch äußere Ein-
flüsse nämlich durch Ausbeutung durch die Kolonialmächte -> Abhängigkeit -> Über-
windung durch nationale Entwicklungsstrategien

o Teufelskreise der Armut und der Unterentwicklung

Auch schlechte politische Verhältnisse führen zur Armut (Korruption, Bürgerkriege etc.)

o Endogene Entwicklungshemmnisse
- Hunger: WHI (World Hunger Index: je höher, desto schlechter) -> Teufelskreis der
Armut; Gründe: Fehlende Ressourcen, geringes Einkommen, Klima, Schlechte Wirt-
schaft/Politik
- Armut: Ursache oder Folge (Teufelskreis)
- Gesundheit: beeinträchtigt durch Infektionskrankheiten (Verbreitung durch feh-
lende Medizin, Migration, unsauberes Trinkwasser etc. -> Entwicklungspotential ge-
hemmt) und Armut
- Bad Governance: Fehlende politische/soziale Strukturen, häufig Diktaturen -> Men-
schenrechte nicht gewährleistet, Korruption, Gewaltbereitschaft -> Keine Vergabe
von Krediten, da kein Schutz vor Unterdrückung und Ausbeutung gegeben ist
- Benachteiligte Bevölkerungsgruppen: (= „vulnerable groups“) Menschen gesell-
schaftlich marginalisiert (bed. an den „Rand“ gedrängt): In Entwicklungsländern
meist Frauen und Kinder: Frauen für Familienmanagement zuständig, oft vergewal-
tigt/verstümmelt, Berufe geschlechterspezifisch; Kinder zu Kinderarbeit gezwun-
gen, Bildung fehlt, Grundrechte verwehrt -> Problematik durch Konflikte verstärkt

o Exogene Entwicklungshemmnisse
- Einbindung in den Weltmarkt: Wirtschaft der EL krisenanfällig, da meist nur ein ein-
ziger Rohstoff exportiert wird (landwirtschaftlich oder mineralisch) und industriell
gefertigte Produkte importiert werden -> Naturkatastrophen, Schwankungen der
Rohstoffpreise, Erhöhung des Angebots aus Gründen des Finanzbedarfs u.ä. erhö-
hen die Krisenanfälligkeit
EL zeigen negative Tendenz der Terms of Trade (=Verhältnisse beim Tausch von Im-
port- und Exportgütern)
- Auslandsverschuldung: Zu hohe Kredite -> Mehr Geld nötig -> Keine Investitions-
möglichkeit
- Historisches Handicap: Zeit des Kolonialismus: Verlust von Souveränität, Europäer
früher als herrschende Schicht -> Nachkommen der Urbevölkerung stark entrechtet
und marginalisiert -> Infrastruktur wurde strategisch/wirtschaftlich angelegt -> Nach
der Kolonialzeit: Streit wegen willkürlich gezogener Grenzen; Problem der Einbin-
dung der Kolonien in internationale Arbeitsteilung (Dritte Welt: Rohstoffe; Indust-
rieländer: Fertigwaren) -> Formale Unabhängigkeit ≠ wirtschaftlicher Unabhängig-
keit; Neo-Kolonialismus führt zu Revolutionen/Bürgerkriegen, aber nicht zur Ent-
wicklung

o Raumbeispiel Niger
Exogene Faktoren Endogene Faktoren
Nahrungsmittel über Welthungerhilfe Ungeeignetes Klima (Hohe Temperatu-
ren, geringe NS) -> Hunger
Staatshaushalt basiert auf Zuschüssen Korruption -> Armut
von Geberländern
Abbau von Rohstoffen durch andere Län- Fehlende Bildung, Niedriger Gesund-
der heitsstand, fehl. Elektrizität
Niger (Kolonialmacht) eng mit Frankreich Vulnerable Group: Frauen -> Keine Bil-
verbunden -> Politische Abhängigkeit dung, doppelte Arbeitslast
Amerikaner militärisch präsent zur Ter- Wirtschaftssektoren: 40% LW -> 16% In-
rorunterbindung („Pan-Sahel-Initiative“) dustrie und 38% 3.Sektor -> Subsistenz-
wirtschaft
o Entwicklungsstrategien: Grundbedürfnisstrategie
- 1970er Jahren entwickelt -> bis heute Leitbild in der Entwicklungshilfe vieler Geber-
länder
- Wirtschaftswachstum entsprach nicht unbedingt der Verbesserung der Lebenssitua-
tion bei den Armen
- Ziel: Grundbedürfnisse der Menschen sollen direkt verbessert werden (Ernährung,
Wasser, Bildung, Hygiene etc.) z.B. durch Brunnenbau oder Kanalisationen
- Wichtig: Hilfe zur Selbsthilfe -> Teilfinanzierung/Know-How durch Hilfsländer, der
Rest muss vom Entwicklungsland selbstkommen
- Dann: mehr Arbeitskräfte, sinkende Kindersterblichkeit, schließlich: Bevölkerungs-
wachstum sinkt
- Problem: Strategie zeigt keinerlei Entwicklungsperspektive, sondern macht das Le-
ben dort „erträglicher“ -> Mentalität der Menschen im Land müsste geändert wer-
den

o Entwicklungsstrategien: Angepasste und nachhaltige Entwicklungsstrategie


- Merkmale: Orientierung an Gegebenheiten vor Ort (Kapitalmangel, hohe Arbeitslo-
sigkeit, kulturelle Barrieren, fehlendes Know-How für komplizierte Technologie)
- Grundidee: Entwicklung muss vom Land ausgehen, nur kleine Hilfestellungen von
anderen Ländern; Lokale Ressourcen produktiv selbst nutzen; Mentalität muss ge-
ändert werden -> Menschen sollen nicht an „Wunder“ glauben
- Kritik: IL wollen moderne Technologien EL vorenthalten; Entwicklung soll sofort
nachhaltig sein -> IL verschwenderisch -> Entwicklung muss auch ohne Entwicklungs-
helfer weiter funktionieren

1.2 Bevölkerungsentwicklung und Verstädterung


o Bevölkerungsverteilung
- Einfluss naturräumlicher Faktoren: Klima, Relief Boden Lagemerkmale, Ressourcen-
vorkommen, Ökumene/Anökumene (Kältegrenze = Höhe, Polare Zone; Trocken-
grenze; Küstengrenze)
- Historische/wirtschaftliche Faktoren: Hochkulturen in Gunsträumen; Kolonialismus
-> Bevölkerungsbewegungen; Industrielle Revolution -> Bevölkerungswachstum
(BW); Heute: starkes BW in EL, Migration in IL

o Globale Bevölkerungsverteilung
- 1804: eine Mrd. -> 2019: 7,7 Mrd. Intervall zur nächsten Mrd. wird immer kleiner
- Demographische Grundbegriffe:
Geburtenrate: Zahl der Lebendgeburten pro 1000 EW pro Jahr
Sterberate: Zahl der Todesfälle pro 1000 EW pro Jahr
Wachstumsrate: Geburtenrate minus Sterberate
natürl. BW: Differenz zw. Geburten und Todesfällen
Fertilitätsrate: Zahl von Kindern, die eine Frau zw. 15 und 49 Jahren gebärt (Geburten-
zahl)
natürl. Bevölkerungsbewegung = Wachstumsrate, abhängig von Fruchtbarkeit/Ferti-
lität, Sterblichkeit/Mortalität (Sterbeziffer) sowie der Verheiratungsquote
-> je höher der Lebensstandard, desto geringer das Bevölkerungswachstum und umge-
kehrt
-> unterschiedliche Bevölkerungsstrukturen:
EL: Pyramide (hoher Anteil junger Menschen) IL: Urne/Pilz (wenig Junge, viele Alte)

o Das Modell des demographischen Übergangs


Demographie: Wissenschaft der Struktur, Verteilung und Entwicklung von Bevölkerung
Demographischer Übergang: Modell der Bevölkerungsentwicklung

Je entwickelter ein Land,


desto geringer Geburten-
„Erster Demographischer Übergang“ und Sterberate

PHASEN STERBERATE GEBURTENRATE


1 Hoch wegen Nahrungsmittel- Hoch wegen fehlender Verhütung,
knappheit, Landwirtschaft kommt Kinder als Altersvorsorge
nicht nach, Medizinische Versor-
gung und Hygiene schlecht
2 Sinkt wegen verbesserter Land- Weiter konstant hoch
wirtschaft, Hygiene, Medizin (Peni-
cillin-entdeckung)
3 Weiter sinkend Sinkt wegen Emanzipation der Frau
-> Gleichberechtigung -> „Karriere
statt Kinder“; Verhütungsmittel
4 Stagnierend, keine krassen Ent- Weiter sinkend
wicklungen mehr
5 Stagnierend Stagnierend
o Bevölkerungsentwicklung im Vergleich

Kennzeichen starkes Bevölke- konstante Bevölke- Bevölkerungs- plötzlicher, starker


rungswachstum rungszahl rückgang Bevölkerungsrück-
gang
Beispiel Indien, Pakistan USA, Irland Deutschland, nicht eindeutig, ein-
Japan zelne Einschnitte
z.B. aufgrund von
Kriegen
Problem: Weltbevölkerung steigt zu schnell an, Tragfähigkeit ist nicht mehr gegeben
EL: 98% des globalen BW; Absenkungen der Sterberate durch verbesserte Gesundheit
führt zu schnellem demographischem Wandel ohne wirtschaftliche/gesellschaftliche
Entwicklung; Emanzipation der Frau, Bildung, Abkehr von Traditionen nötig zur Sen-
kung der Geburtenraten
IL: BWsrate wird negativ; Total Fertility Rate bei 2,1 Kindern/Frau -> Überalterung
Herausforderungen EL Herausforderungen IL
Bildungschancen müssen erhöht werden Fachkräftemangel
Fehlende Arbeitsplätze Finanzierungsprobleme für z.B. Alters-
heime, KITAs
Hohe Armut -> Keine Bildungschancen Mehr öffentliche Einrichtungen für Ju-
etc. (vgl. TK der Armut) gendliche nötig
Mangelnde Ernährung
Klima häufig als Herausforderung für LW

o Migration
- Definitionen:
Migration ist die dauerhafte Verlagerung des Wohnsitzes (Bevölkerungsmobilität).
Immigration/Emigration: Zu/Abwanderung
Nettomigration: Zuwanderung minus Abwanderung
- Push und Pull Faktoren:
Herkunftsland (Push) Zielland (Pull)
Materielle Nöte Wohlstand
Krieg, Verfolgung, Korruption Politische Stabilität, Freiheit
Übermäßiges Bevölkerungswachstum Arbeitskräftemangel
Umweltkatastrophen Sicherheit
Armut -> Keine Perspektive Bildungsmöglichkeiten
- Nettomigrationsrate: Binnenmigration öfter als internationale Migration, Flücht-
linge fliehen eher in Nachbarstaaten
- Auswirkungen der Migration
Herkunftsland Zielland
Vorteile Nachteile Vorteile Nachteile
Erwerb neuer Quali- Braindrain = Ab- Erhöhung des Kon- Mangelnde Integra-
fikationen bei evtl. wanderung qualifi- sums und des Sozi- tion -> Segrega-
Rückwanderung zierter Arbeits- alprodukts tion/Ghettos
kräfte
Verjüngung der Be- Kulturelle Konflikte
völkerung

- Fluchtgründe: Gewalt, Krieg, Unterdrückung, Armut, Naturkatastrophen, Ressour-


cenknappheit, Ungerechtigkeit, Korruption

o Bevölkerungspolitik im 21. Jhd.


- Definition: Beeinflussen der Bevölkerungsentwicklung
- Expansive (=pronatalistisch z.B. in Dt.) und Restriktive (=antinatalistisch z.B. in
China) Bevölkerungspolitik -> Nachhaltige Sicherung menschlicher Existenz
- Hohe Geburtenraten in EL -> Probleme wegen BW
- Lösungen: Bessere Gesundheitsversorgung, Emanzipation der Frau, Bildung, Semi-
nare zur Familienplanung
- Zwangssterilisation in Indien: Geldprämien als Anreiz -> Viele Todesfälle wegen feh-
lender Hygiene -> Trotzdem kaum Reduzierung des Wachstums
- 1-Kind-Politik in China: Verlangsamung des BW, aber Männerüberschuss, Mädchen-
handel, Überalterung der Gesellschaft
- Niedrige Geburtenraten in IL -> Probleme wegen überalterter Gesellschaft
- Lösungen: KiTa-plätze, Kindergeld erhöhen, bessere Vereinbarkeit von Familie und
Beruf, Einstellungswandel

o Verstädterung
Stadt (Definition): Gliederung in funktionale und physiognomische Merkmale
- Größere, geschlossene Siedlung ab 2000 EW in DT
- Differenzierte sozialräumliche Gliederung
- Einpendlerüberschuss
- Mindestmas an Zentralität
- Höhere Arbeitsplatzdichte
- Relativ hohe Verkehrswertigkeit
- Hohe Bebauungsdichte, oft künstliche Umweltgestaltung z.B. Parkanlagen
- Infrastruktur
Binnenwanderungsformen:
- Verstädterung (Quantitativ)/ Urbanisierung (Qualitativ): Stadtwachstum
- Suburbanisierung: Abwanderung ins Stadtumland -> Urban Sprawl = Zersiedlung
- Desurbanisierung: BW-Verlagerung in den ländl. Raum
- Reurbanisierung: Gentrification (Aufwertung der Innenstädte durch Sanierung)
Wanderungsursachen in IL
- Bildungswanderer (16 – 20 J.)
- qualifizierte Arbeitsplatzzuwanderer (21 – 34 J.)
- Wohn- und Wohnumfeldswanderer (35 – 49 J.)
- Altersruhesitzwanderer (≥ 50 J.)
Wanderungsursachen in EWL
- wirtschaftliche Motive (Arbeitssuche, sozialer Aufstieg) von überragender Bedeu-
tung
- Ausbildung- und familiäre Gründe
- Verbesserung der Kommunikation zwischen Stadt und Land
 Verstärkung der Disparitäten