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Demente Patienten mit Handy gefilmt

Klaus Stopper, 19.10.2012 - 05:02 Uhr


Zustände in Pflegeheim sind Thema vor Amtsgericht. Zwei junge Männer auf Anklagebank.

Burladingen - Demente Patienten wurden in entwürdigenden Situationen gefilmt – dieser Vorfall im


Burladinger Pflegeheim St. Georg wurde gestern in einem Prozess vor dem Amtsgericht Hechingen
eingeräumt. Ob es weitere Missstände gab, ist noch fraglich.

Um umfangreiche Beweisanträge des Anwalts würdigen zu können, wurde das Verfahren gestern auf
Mittwoch, 31. Oktober, um 14 Uhr, vertagt. Zwei junge Männer sind angeklagt. Unklar blieb am ersten
Verhandlungstag, ob ein heute 23-jähriger Pfleger einen 90-Jährigen Heimbewohner im Jahr 2011
geschlagen hat. Der junge Mann, dem nach Bekanntwerden der Vorwürfe gekündigt wurde, bestritt die
Schläge vehement. Er räumte aber ein, dass er kräftig zupacken musste, wenn demente Bewohner um
sich schlugen oder bissen.

Grundsätzlich zeigte sich in der Verhandlung, dass die Stimmung im Burladinger Heim im Jahr 2011
schlecht war. Aus mehreren Aussagen ergibt sich, dass sich in dieser Zeit das Personal überlastet und
alleingelassen fühlte, die Pflegerinnen lästerten übereinander, und die Heimleitung ließ wohl offenbar
auch den Angeklagten unbehelligt seine Auffassung von "Spaß" in der Altenpflege ausleben.

Eine Zeugin schilderte, wie der Pfleger einer Bewohnerin das Licht im Klo ausgeknipst und dann über die
empörte Reaktion gelacht hatte. Er war auch einer von denen, die einen blinden Mann gerne mal von
hinten erschreckten und sich auch sonst über allerlei Verhaltensweisen der Bewohner in Raucherpausen
vor Kollegen amüsierte. "Da erlebte man halt schon kuriose Sachen", entschuldigte er dies vor Gericht.

Es herrschte offenbar eine Grundstimmung, die einen Praktikanten dazu brachte, den "Spaß" noch
weiter zu treiben. Er log einem schwer dementen Bewohner vor, sein Sohn sei mit dem Auto tödlich
verunglückt. Dann filmte er mit dem Handy, wie der Mann verzweifelt in Tränen ausbrach. Er filmte auch
Männer unter der Dusche, oder wie sie im Bett mit Kissen schmusten.

Bald Stadtgespräch in Burladingen

Die Filme zeigte er zur Belustigung auch dem jungen Pfleger. Er habe sie aus eigenem Antrieb wieder
gelöscht, "weil mir doch das Gewissen schlug", sagte er vor Gericht. Gezeigt habe er die Aufnahmen
eigentlich niemand. Sonderbar nur, dass die Filme bald Stadtgespräch in Burladingen wurden. Daraufhin
wurde das Praktikum beendet. Der Pfleger erhielt eine Abmahnung, weil er nicht eingeschritten war.

Einige Zeit später soll der Pfleger einen Heimbewohner geschlagen haben. Ein damals 16-jähriger
Praktikant schilderte, wie entsetzt er gewesen sei, als er beobachtete, dass der Pfleger einen dementen
Mann in den Arm boxte, nachdem dieser ihn wohl auch geschlagen habe. Ein Praktikantin erzählt von
ähnlichen Beobachtungen. Die beiden Angeklagten seien ihr als besonders grob aufgefallen.

Allerdings bestätigten Pflegerinnen im Zeugenstand, dass die betreffenden Bewohner schwierig zu


pflegen waren. Sie litten unter Stimmungsschwankungen und waren aggressiv. Der Angeklagte selbst
schilderte die Probleme, die er hatte, wenn er einen 80 Kilogramm schweren Mann in ein Bett wuchten
musste. Da sei er oft auf sich allein gestellt gewesen. Das klang durchaus nachvollziehbar.
Zu seinen Ungunsten sprach dann allerdings, dass die Polizei bei einer Hausdurchsuchung in seinem
Zimmer einen Schlagring und Hitlerbilder fand. "Jugendliche Dummheiten" seien das gewesen, davon
habe er sich gelöst, tat er diese Funde ab.

Dementia patients filmed with cell phone


Klaus Stopper, 19.10.2012 - 05:02 Uhr
Conditions in nursing home are topic before district court. Two young men in the dock.

Burladingen - Dementia patients were filmed in degrading situations - this incident in the Burladingen
nursing home St. Georg was admitted yesterday in a trial before the District Court of Hechingen.
Whether there were further abuses is still questionable.

In order to be able to appreciate extensive requests for evidence from the lawyer, the proceedings were
adjourned yesterday to Wednesday, October 31, at 2 pm. Two young men are accused. It remained
unclear on the first day of the trial whether a now 23-year-old caregiver beat a 90-year-old home
resident in 2011. The young man, who was terminated after the allegations became known, vehemently
denied the beatings. He did, however, admit that he had to grip hard when residents with dementia
lashes out or bites.

Basically, the trial showed that the atmosphere in the Burladingen home was bad in 2011. Several
testimonies show that the staff felt overworked and left alone during this time, the nurses blasphemed
about each other, and the home's management apparently also allowed the defendant to live out his
view of "fun" in geriatric care unchallenged.

A witness described how the nurse had turned off the light in the toilet of a resident and then laughed at
the indignant reaction. He was also one of those who liked to scare a blind man from behind and was
otherwise amused by all kinds of behavior of residents in smoking breaks in front of colleagues. "There
one experienced just already curious things", he excused this before court.

There was apparently an underlying mood that led an intern to take the "fun" even further. He lied to a
resident with severe dementia that his son had been killed in a car accident. Then he filmed on his cell
phone as the man burst into tears in despair. He also filmed men in the shower, or cuddling with pillows
in bed.

Soon the talk of the town in Burladingen

He also showed the films to the young nurse for his amusement. He deleted them of his own accord,
"because my conscience was bothering me," he said in court. He had not actually shown the recordings
to anyone. Strangely, the films soon became the talk of the town in Burladingen. As a result, the
internship was terminated. The nurse received a warning for not intervening.

Some time later, the caregiver allegedly beat a resident of the home. A 16-year-old intern at the time
described how horrified he had been when he observed the caregiver punching a man with dementia in
the arm after the man had probably also hit him. A female intern recounted similar observations. The
two defendants had struck her as particularly rough.

However, nurses on the witness stand confirmed that the residents in question were difficult to care for.
They suffered from mood swings and were aggressive. The defendant himself described the problems he
had when he had to heave a man weighing 80 kilograms into a bed. He was often left to his own devices.
That sounded quite understandable.

However, the fact that the police found a pair of brass knuckles and Hitler pictures in his room during a
house search spoke against him. He dismissed these findings as "juvenile foolishness", which he had
come to terms with.