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24/02/2021 Ja, die Nationalsozialisten waren Sozialisten – Ludwig von Mises Institut Deutschland

JA, DIE NATIONALSOZIALISTEN WAREN


SOZIALISTEN
13. November 2020 – von David Gordon

Heute möchte ich gerne meine Diskussion, die ich kürzlich über
Scott Sehon’s Artikel Nein, die Nationalsozialisten waren keine
Sozialisten begonnen hatte, fortsetzen. Am Ende meines Artikels
hatte ich Sehon gescholten, weil er sagte, das Adjektiv
„sozialistisch“ im Namen der NSDAP (Nationalsozialistische
Deutsche Arbeiter Partei) würde nicht beweisen, dass die
Nationalsozialisten tatsächlich Sozialisten waren. Ich hatte beklagt,
dass «Sehon Recht hat, dass das Wort „sozialistisch“ alleine uns
nicht viel sagt. Aber leider kommt es ihm nicht in den Sinn, David Gordon
nachzuforschen, was die Nationalsozialisten damit gemeint und
warum sie es verwendet haben.» Sehon könnte mir fairerweise begegnen, dass ich
das auch nicht getan hatte und daher werde ich das nun in diesem Artikel nachholen.

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24/02/2021 Ja, die Nationalsozialisten waren Sozialisten – Ludwig von Mises Institut Deutschland

Sehon macht einen nützlichen Vorschlag, der uns zu verstehen hilft, was die
Nationalsozialisten mit „Sozialismus“ meinten. Richtigerweise bezieht er sich dabei auf
das 25-Punkte Programm der Nationalsozialisten aus dem Jahr 1921. Dieses, so
Sehon, sei kein Aufruf zur Nationalisierung der industriellen Produktion, sondern ein
größtenteils vorteilhafter Plan für Großindustrielle, der sich gegen die Juden richte:
„Als die Nationalsozialisten über Enteignung sprachen, meinten sie damit die
Arisierung jüdischen Eigentums. Sie sprachen sich sehr für das Privateigentum für alle
anderen aus.“

Wenn wir uns das Programm der Nationalsozialisten durchlesen, kommt jedoch etwas
gänzlich Anderes zum Vorschein. Sein Hauptthema ist, dass das deutsche Volk zu
einer kollektiven Einheit zusammengeführt werden muss: Das Allgemeinwohl muss
über dem des Individuums stehen. Klassen- und Vermögensunterschiede müssen sich
streng dem gesamten Wohl des Deutschen Volkes unterordnen. Die Punkte 10 und 11
des Programmes beinhalten folgendes:

10. Erste P icht jeden Staatsbürgers muss sein, geistig oder körperlich zu


scha en. Die Tätigkeit des Einzelnen darf nicht gegen die Interessen der
Allgemeinheit verstoßen, sondern muss im Rahmen des Gesamten und
zum Nutzen aller erfolgen. Daher fordern wir:

11. Abscha ung des arbeits- und mühelosen Einkommens. Brechung der
Zinsknechtschaft!

Punkt 14 heißt: «Wir fordern Gewinnbeteiligung an Großbetrieben.»

Entscheidend ist Punkt 24:

Wir fordern die Freiheit aller religiösen Bekenntnisse im Staat, soweit sie
nicht dessen Bestand gefährden oder gegen das Sittlichkeits- und
Moralgefühl der germanischen Rasse verstoßen. Die Partei als solche
vertritt den Standpunkt eines positiven Christentums, ohne sich
konfessionell an ein bestimmtes Bekenntnis zu binden. Sie bekämpft den
jüdisch-materialistischen Geist in und außer uns und ist überzeugt, daß
eine dauernde Genesung unseres Volkes nur erfolgen kann von innen
heraus auf der Grundlage:

Gemeinnutz vor Eigennutz


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Der großartige österreichische Historiker Erik von Kuehnelt-Leddihn hat die beste
Analyse über Hitler und sein NSDAP-Programm in seinem Buch Leftism geliefert. Er
betont darin Hitlers Abscheu für die traditionelle deutsche Gesellschaft:

[Hitler] wollte Deutschland in einer kompletten Monotonie aufgehen


sehen, in der lokale Traditionen eliminiert, regionale Selbstverwaltung
zerstört, die Flaggen der Bundesländer streng verboten, die Di erenzen
zwischen den christlichen Glaubensrichtungen ausgelöscht, die Kirchen
zuerst lahm- und dann gewaltsam zusammengelegt worden sind. Er wollte
die Deutschen uniformer gestalten, selbst körperlich, mit gezielten
Zuchtprogrammen und der Zerstörung, Sterilisation oder Deportation
derjenigen, die von der Norm abwichen. Die Stämme sollten aufhören, zu
existieren.

Entgegen dem Eindruck, den Sehon erweckt, sah sich Hitler nicht als ein Fürsprecher
der Industrie. In einem Gespräch mit Carl J. Burckhardt, dem Hochkommissar des
Völkerbundes in Danzig, nannte sich Hitler einen „Proletarier“.

Sehons Antwort darauf ist, dass Hitler an der Macht kein Radikaler war. Es gab
Sozialisten in der NSDAP wie Gregor Strasser, aber Hitler hat sie hinausgeworfen und
in vielen Fällen getötet. Er ergab sich dem Großkapital, um an die Macht zu gelangen.
Er verstaatlichte nicht die wichtigsten Industrien Deutschlands. Er war kein Sozialist,
sondern bevorzugte Privateigentum und Unternehmertum.

Als Antwort auf Sehon erwähnte ich die entscheidende Unterscheidung von Ludwig
von Mises zwischen den zwei Arten von Sozialismus. In der einen Art besitzt der Staat
die Produktionsmittel. In der anderen gibt es immer noch Privateigentum, aber der
Staat sagt den Eigentümern, was zu tun ist. Dies ist eine Form von zentraler Planung
und gilt immer noch als Sozialismus, und genau das haben die Nationalsozialisten in
die Praxis umgesetzt.

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Sehon sagt darauf, dass dies keine genaue Darstellung der nationalsozialistischen
Wirtschaft ist, und zitiert einen Artikel von Christoph Buchheim und Jonas Scherner,
um seine Behauptung zu untermauern, dass das private Unternehmertum im Dritten
Reich eine beträchtliche Autonomie genossen habe. Dank Paul McElroy habe ich jetzt
Zugang zu diesem Artikel.

Bevor ich diesen Artikel diskutiere, muss ich jedoch eine weitere wichtige Erkenntnis
von Mises erwähnen. Wie sich der Leser vielleicht erinnern wird, hat Mises in seinem
berühmten Werk „Wirtschaftsrechnung im Sozialismus“ bewiesen, dass eine vollständig
sozialistische Wirtschaft im Chaos zusammenbrechen würde. Wenn dies richtig ist, wie
können dann angeblich sozialistische Volkswirtschaften wie Sowjetrussland überhaupt
existieren? Als Antwort sagte Mises, dass diese Volkswirtschaften nicht vollständig
sozialistisch seien, da sie einen gewissen Spielraum für private Unternehmen
zuließen, wenn auch von begrenzter Art. Der Punkt von Mises gilt also sowohl für die
deutsche Form des Sozialismus als auch für die russische.

Somit widerlegt das Argument von Buchheim und Scherner, auch wenn wir es
akzeptieren würden, die Behauptung von Mises, die nationalsozialistische Wirtschaft
sei eine Form des Sozialismus, nicht. Die nationalsozialistische Kontrolle über die
Wirtschaft war nicht vollständig, aber die sowjetische Wirtschaft war auch nicht völlig
sozialistisch.

Aber sollten wir das Argument von Buchheim und Scherner akzeptieren? Nein, das
sollten wir nicht. Es ist eine Antwort auf eine Reihe von Wirtschaftshistorikern, die eine
Analyse der nationalsozialistischen Wirtschaft wie die von Mises akzeptieren. Diese
Autoren kritisieren insbesondere den Artikel des berühmten MIT-Ökonomen Peter
Temin „Soviet and Nazi economic planning in the 1930s“, der hier ab Seite 15 verfügbar
ist.

Meiner Meinung nach hat Temin das bessere Argument auf seiner Seite. Buchheim
und Scherner erkennen an, dass

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Das NS-Regime keine Bedenken hatte, Gewalt und Terror anzuwenden,


wenn dies zur Erreichung seiner Ziele als nützlich erachtet wurde. Und in
der Wirtschaftspolitik wurde nicht auf zahlreiche Vorschriften und Eingri e
in die Märkte verzichtet, um die Wiederbewa nung und Autarkie so weit
wie möglich voranzutreiben. Indem das Regime 1934 Schachts
sogenannten „Neuen Plan“ verkündete, verstärkte es seinen Ein uss auf
die Devisen- und Rohsto zuteilung erheblich, um die staatlichen
Prioritäten durchzusetzen. Die Lohnfestsetzung wurde zu einer Aufgabe
der Beamten, der Kapitalmarkt war der staatlichen Nachfrage vorbehalten,
1936 wurde ein allgemeiner Preisstopp beschlossen. Außerdem nahm die
staatliche Nachfrage beispiellos zu. Zwischen 1932 und 1938 stieg sie mit
einer durchschnittlichen Jahresrate von 26 Prozent; ihr Anteil am BSP
explodierte in diesen Jahren von 13,6 auf 30,5 Prozent. Infolgedessen
waren sowohl der private Konsum als auch die Exporte weitgehend
verdrängt.

Aber sie sagen, das sei nicht die gesamte Geschichte:

1. Trotz der weit verbreiteten Rationierung von Mitteln hatten die


Unternehmen normalerweise noch genügend Spielraum, um ihre eigenen
Produktionspläne zu befolgen. 2. Investitionsentscheidungen in der
Industrie wurden durch staatliche Regulierung beein usst, aber die
Initiative blieb im Allgemeinen bei den Unternehmen. Es gab keine zentrale
Planung des Niveaus oder der Zusammensetzung der Investitionen. 3.
Selbst in Bezug auf seine eigenen kriegsbedingten Investitionsprojekte
setzte der Staat normalerweise keine Macht ein, um die bedingungslose
Unterstützung der Industrie sicherzustellen. Vielmehr wurde die
Vertragsfreiheit respektiert. Der Staat versuchte jedoch, die Unternehmen
dazu zu bewegen, sich gemäß seinen Plänen zu engagieren, indem er ihnen
ein ganzes Bündel von Vertragsoptionen zur Auswahl anbot.

Ich denke, dass ihre Vorbehalte ins Leere laufen, wenn man sie im Lichte des
Arguments von Mises liest, nämlich, dass eine sozialistische Wirtschaft Raum für
private Unternehmen bieten muss. Somit bleibt die Darstellung der
nationalsozialistischen Wirtschaft von Mises intakt. In diesem Zusammenhang ist ein
Vorfall, den Temin erwähnt, vielsagend:
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Im Jahr 1939, auf dem Zenit ihres Ein usses, war Terror immer noch eine
potentielle Realität für I.G. Farben. Der Leiter einer der drei Sparten der
Firma soll einer Besuchergruppe von Parteibeamten gesagt haben, dass
Hitler und Göring „nicht kompetent genug seien, um so etwas beurteilen zu
können …“. Der Farben-Direktor wurde dann bei der Gestapo denunziert
und ihm wurde mit einem Gerichtsverfahren und einer möglichen
Haftstrafe gedroht. Er wurde im Gestapo-Büro langen Verhören
unterzogen und musste den örtlichen Nazi-Kreisleiter um Erlaubnis bitten,
ihn anrufen zu dürfen, um sich bei ihm zu entschuldigen. Der Nazi-
Gauleiter tadelte ihn und sagte, er könne ihn nicht noch einmal vor
schwerwiegenderen Konsequenzen schützen.

Sehon argumentiert auch damit, dass die Nationalsozialisten die kommunistischen


und sozialdemokratischen Parteien unterdrückten und viele ihrer Mitglieder in
Konzentrationslager schickten und deshalb keine Sozialisten gewesen sein können.
Ich schlage vor, dass er nachschaut, was Stalin den Menschewiki und
widersprechenden Bolschewiki angetan hat. Sozialisten töten oft ihresgleichen, ein
Punkt, an den sich Sehon gut erinnern sollte.

*****

Aus dem Englischen übersetzt von Mathias Nuding. Der Originalbeitrag mit dem Titel Yes,
the Nazis Were Socialists ist am 23.10.2020 auf der website des Mises-Institute, Auburn, US
Alabama erschienen.

David Gordon ist Senior Fellow des Ludwig von Mises Institute, Auburn, US Alabama.
Er ist Autor von Resurrecting Marx und An Introduction to Economic Reasoning, sowie
Herausgeber zahlreicher Bücher, unter anderem The Essential Rothbard.

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig
von Mises Institut Deutschland wieder.

Foto: www.br.de

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