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Der letzte österreichisch-türkische Krieg im

Spiegel serbischer Quellen (1787-1850)

Masterarbeit

zur Erlangung des akademischen Grades


Master of Arts (MA)

an der Karl-Franzens-Universität

vorgelegt von
Jasenko MUDRI

am Institut für Geschichte


Begutachter: Ao.Univ.-Prof. Dr.h.c.mult. Dr.phil. Harald Heppner

Graz, im Juli 2014


EHRENWÖRTLICHE ERKLÄRUNG:

Ich erkläre ehrenwörtlich, dass ich die vorliegende Arbeit selbstständig und ohne fremde Hilfe
verfasst, andere als die angegebenen Quellen nicht benutzt und die den benutzten Quellen
wörtlich oder inhaltlich entnommenen Stellen als solche kenntlich gemacht habe.

Die Arbeit wurde bisher in gleicher oder ähnlicher Form keiner anderen inländischen oder
ausländischen Prüfungsbehörde vorgelegt und auch noch nicht veröffentlicht. Die vorliegende
Fassung entspricht der eingereichten elektronischen Version.

Graz, am 8. Juli 2014 ……………………………

(Jasenko Mudri)

1
INHALTSVERZEICHNIS

1.Danksagung 4
2.Vorwort 5
3.Einleitung – zur Problemstellung und Quellenlage 6
4.Serbien, Südungarn und die österreichische Militärgrenze bis zum Krieg 1788-1791 11
5.Der österreichisch-osmanische Krieg 1788-1791 19
6.Der letzte österreichisch-osmanische Krieg im Spiegel serbischer Quellen 23
6.1.Das komplexe Umfeld der ersten serbischen Medien 23
6.2.Zeitungen 26
6.2.1.Novine serbske iz carstvujućega grada Viene 26
6.2.2.Srpske novine 27
6.2.3.Weitere serbische Zeitungen 27
6.3.Zeitschriften 28
6.3.1.Golubica 28
6.3.2.Glasnik 29
6.3.3.Danica (Wien) 30
6.3.4.Danica (Neusatz) 30
6.3.5.Glasnik Društva srbske slovesnosti 30
6.3.6.Godišnjica Nikole Čupića 31
6.3.7.Šumadinka 31
6.3.8.Andere serbische Zeitschriften 31
6.4.Historiker 32
6.4.1.Milovan Vidaković 32
6.4.2.Vuk Stefanović Karadžić 34
6.4.3.Lazar Arsenijević Batalka 39
6.4.4.Leopold Ranke 40
6.4.5.Stojan Novaković 42
6.4.6.Avram Đukić 43
6.5.Volksdichtung 48
6.5.1.Epische Volksdichtung 48
6.5.2.Die epische Volksdichtung Serbiens 50
6.5.2.1.Tursko vojevanje na Beč 50
6.5.2.2.Kapetan Koča 52
6.5.2.3.Početak bune protiv dahija 53
6.5.2.4.Otac 55
6.6.Literatur, Poesie und Prosa 56
6.6.1.Zaharije Stefanović Orfelin 58
6.6.2.Miloš Svetić 60
6.6.3.Jovan Rajić 61
6.6.4.Dimitrije (Dositej) Obradović 64
6.6.5.Joso Krmpotić 67
6.6.6.Blaž Bošnjak 72
2
6.6.7.Antun Ivanošić 73
6.6.8.Josip Stojanović 74
6.6.9.Gregur Kapucin 75
6.6.10.Đuro Ferić 76
6.7.Memoiren 76
6.7.1.Die Memoiren von Prota Mateja Nenadovićs 76
6.7.2.Die Memoiren des Ritters von L. 80
6.8.Notizen 82
6.8.1.Isidor Stojanović 82
6.8.2.Milan Đure Miličević 84
7.Archive 85
7.1.Archive in Serbien 85
7.2.Ungarisches Nationalarchiv, Sammlung Illyrica 85
7.3.Armeeakten Ungarn 87
8.Conclusio 89
9.Quellen 92
9.1.Monographien und Sammelbände 92
9.2.Lexika 99
9.3.Zeitschriften 99
9.4.Zeitungsartikel 101
9.5.Festschriften 101
9.6.Notizen 101
9.7.Archivalien 101
9.8.Internetquellen 102
10.Anhang 102
10.1.Karten 102
10.1.1.Karte des Kriegsschauplatzes 102
10.1.2.Karte der Belagerung Belgrads 1789 103
10.2.Bilder und Fotos 104
10.2.1.Slaveno-Serbskij Magazin 104
10.2.2.Istorija raznih slavenskih narodov 104
10.2.3. Boj zmaja s orlovi 105
10.2.4.Haralampije 105
10.2.5.Danica 106
10.2.6.Miloš Obrenović, knjaz Serbii 106

3
1.DANKSAGUNG

Diese Masterarbeit entstand am Institut für Geschichte der Karl Franzens Universität Graz.

An dieser Stelle möchte ich mich bei meinem Betreuer, Herrn Ao.Univ.-Prof. Dr.h.c.mult.
Dr.phil. Harald Heppner, der es mir ermöglicht hat, an diesem
interessanten Thema zu arbeiten, für die freundliche und engagierte Betreuung und die
vielen hilfreichen Gespräche und Anregungen bedanken.

4
2. VORWORT

Als spätberufener Historiker interessiere ich mich schon seit langer Zeit für den
südosteuropäischen Raum und die kulturelle und zivilisatorische Vorreiterrolle, die meine
österreichische Heimat im Laufe der vergangenen Jahrhunderte dort spielte. Das mag an
meinem starken persönlichen Bezug zu diesem Raum liegen. Außerdem haben mich mehrere
interdisziplinäre Lehrveranstaltungen in das Themengebiet dieser Masterarbeit eingeführt. Bei
der Wahl des Themas fokussierte ich mich keineswegs ausschließlich auf
militärgeschichtliche Themen, sondern wollte möglichst viele Aspekte der gesamten
gesellschaftlichen Entwicklung historisch erforschen. Dabei kristallisierte sich der letzte
österreichisch-türkische Krieg (1788-1791) schon recht bald als Dreh- und Angelpunkt für
die Entstehung der Nationen in Südosteuropa heraus. Er brachte Weichenstellungen mit sich,
die sich bis heute auswirken. Das gilt vor allem für das serbische Volk, dessen historischen
Quellen diese Arbeit gewidmet ist. Meine Kernforschungsfragen lauten daher: Was bezeugen
die in den westeuropäischen Geschichtswerken bisher kaum beachteten serbischen Quellen,
darunter Zeitungen, Zeitschriften, Volksdichtung, Poesie, Prosa, Historiographie, Memoiren
und Notizen über den Achten Österreichisch-Türkischen Krieg? Lässt sich das Entstehen der
modernen serbischen Volkssprache, der Literatur und Medienlandschaft sowie der serbischen
Historiographie als unmittelbare Folge dieses Konfliktes verstehen? Auf Grund ihrer
Relevanz wurden auch die Reflexionen der späteren serbischen Autoren eingebunden. So
bildet das Jahr 1850 kein ultimatives Ende der hier verfolgten Geschichte. Infolge von
Kriegszerstörungen sind serbische Originalquellen äußerst rar und schwer zugänglich. Auch
nimmt der Krieg von 1788-1791 in der offiziellen serbischen Historiographie keinen so
wichtigen Platz ein wie zum Beispiel die Aufstände 1804-1813 und 1815-1817. Eine Anfrage
nach den eventuellen, den Achten Österreichisch-Türkischen Krieg betreffenden Quellen auf
Serbisch stieß in den Archiven Istanbuls und Ankaras leider auf taube Ohren. Mehr
Entgegenkommen zeigten hingegen das Kriegsarchiv in Wien, das Ungarische Staatsarchiv in
Budapest und die Nationalbibliothek Serbiens in Belgrad. Als wahre Schätze erwiesen sich
die Zeitungssammlungen der Universitätsbibliothek „Svetozar Marković“ in Belgrad und die
Notizen- und Handschriftensammlung der Serbischen Königlichen Akademie (heute SANU),
die mir einen hervorragenden Überblick über das Kriegsgeschehen aus Zeitzeugenperspektive
ermöglichte. Sehr angenehm gestaltete sich auch die Zusammenarbeit mit der Stiftung Dositej
Obradovićs und mit dem Militärmuseum in Belgrad. Die meisten der im Folgenden zitierten
Texte habe ich selbst aus dem Serbischen ins Deutsche übersetzt.

5
3.EINLEITUNG – ZUR PROBLEMSTELLUNG UND QUELLENLAGE

Als der Achte Österreichisch-Türkische Krieg ausbrach, war die Donaumonarchie im Sinne
des aufgeklärten Absolutismus eine moderne aufstrebende Großmacht und das Osmanische
Reich hingegen eine rückständige, krisengerüttelte orientalische Despotie. Serbisches Gebiet
war zu jener Zeit zwischen den beiden Reichen aufgeteilt, wobei Österreichische Serben eine
weitaus bessere Behandlung erfuhren, als jene unter Osmanischer Herrschaft. Einen
ordentlichen Zugang zum Geistesleben erhielten die serbischen Untertanen des Hauses
Habsburg jedoch erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Das hing mit ihrer
diesbezüglich etwas unvorteilhaften Berufs- und Bevölkerungsstruktur zusammen. Bis dahin
gab es in den Reihen der Serben nur sehr wenig gelehrte Köpfe, die das Licht der Aufklärung
bereitwillig ergriffen hätten. Mit der zunehmenden Partizipation serbischer Berufssoldaten,
Kaufleute und Priester am Gesellschaftsleben der Donaumonarchie änderte sich alles.
Ausgerechnet der Krieg 1788-1791 wirkte als Katalysator dieser Entwicklung. Die gebildeten
serbischen Untertanen des Hauses Habsburg verbreiteten mit österreichischer Unterstützung
im Sog dieses Konfliktes den Geist der Aufklärung. Sie schrieben Loblieder über Joseph II.
und über seine Feldherren und es wurden erste Zeitungen auf Serbisch publiziert. Just
während dieser komplexen Zeit entstanden mehr als zwanzig Literatur-, Poesie- und
Geschichtswerke. Res Orientalis und die erwartete Befreiung Serbiens vom sprichwörtlichen
Joch der osmanischen Herrschaft durch die siegreichen kaiserlichen Heere wurden somit zu
einem Thema auch fürs einfache Volk. Österreich spielte bei der kulturellen Emanzipation der
Serben eine Schlüsselrolle. Die österreichischen Serben wirkten in Serbien zeitweise als
geistige Elite des Landes und verbreiteten dort die Ideen der Aufklärung, freilich erst im 19.
Jahrhundert nach der Erlangung der Autonomie.

Jeder Krieg produziert gewollt oder ungewollt viele Quellen. Neben zahlreiche Waffen,
Militärkarten, Banner und Rüstungen gesellen sich auch etliche Zeitzeugenberichte,
Chroniken, Militärakten, Gedichte, Romane und Konfliktanalysen. Die österreichische
Historiographie widmete sich bis dato hauptsächlich der Auswertung der Akten aus den gut
ausgerüsteten Archiven in Wien. Ganz anders als die Türken und Serben verfügte die
Donaumonarchie im 18. Jahrhundert nämlich über eine äußerst exakte und moderne
Militäradministration, die für wahre Aktenberge sorgte. Alfred Ritter von Arneth (1819-1897)
publizierte 1869 in Wien „Joseph II und Katharina von Russland. Ihr Briefwechsel“. Dieses
Fachbuch beschreibt äußerst systematisch den diplomatischen Kriegspfad Österreichs vor
dem Ausbruch des bewaffneten Konfliktes.

6
Interessanterweise entstand die österreichisch-russische Allianz durch einen Briefwechsel der
Monarchen und nicht durch einen offiziellen Vertrag der beiden christlichen Großmächte!1
August Gräffer (1762-1816) war der erste österreichische Historiograph, der den serbischen
Teilnehmern des letzten Türkenkrieges mehr Platz eingeräumt hat. In der „Geschichte der
k. k. oesterreichischen Regimenter, Corps, Bataillons und anderen Militär Branchen seit ihrer
Errichtung bis zum Ende des Feldzuges 1799“ aus dem Jahr 1812 berichtet er ausführlich
über „Demeter Kocsa, ein Seifensieder“ und über seine Flucht ins Habsburgerreich.2 Im Buch
wird auch der Versuch der osmanischen Obrigkeit geschildert, den mittlerweile
österreichischen „Capitän Kocsa“ zu bestechen:

Im Juny versprach ihm der Grossvezier 40.000 Piaster, wenn er mit seinen Leuthen die kaiserlichen
Dienste verlassen und in die türkischen treten wollte.3

Gräffer beschrieb den Tod des serbischen Volkshelden.4 Ausführlich berichtet er auch über
die Taten Stefan5 Mihaljevićs und stellt richtig fest, dass dieser nicht zum General befördert
wurde, da er am 17. April 1794 bei Landrescies in den Niederlanden als Oberst gefallen war.6
Über Mihaljević schrieb auch Franz Vaniček in seiner „Specialgeschichte der Militärgrenze.
Aus Originalquellen und Quellenwerken geschöpft“.7 Constantin Wurzbach Ritter von
Tannenberg (1818-1893), bekannt als Herausgeber des sechzigbändigen „Biographischen
Lexikons des Kaiserthums Oesterreich“, räumt im dritten Band dieses Werkes den
detaillierten Beschreibungen der kriegerischen Aktionen der aufständischen Serben unter
Koča Anđelković viel Platz ein.8 Adolf Beer (1831-1902) schrieb hauptsächlich über die
Korrespondenz der Habsburger mit der Zarin Katharina II. Den Krieg 1788-1791 analysierte
er nur in seinem in Prag 1883 erschienenen Werk „Die orientalische Politik Oesterreichs seit
1774“.

1
ARNETH Alfred, Joseph II und Katharina von Russland. Ihr Briefwechsel. Wien 1869, S. 78-80
2
GRÄFFER August, Geschichte der k. k. oesterreichischen Regimenter, Corps, Bataillons und anderen Militär
Branchen seit ihrer Errichtung bis zum Ende des Feldzuges 1799. Bd. 3, Wien 1812, S. 101
3
ebda., S. 108
4
ebda., S. 154
5
Fehlangabe Gräffers, er hieß nicht Stefan, sondern Mihailo, Bem. d. Aut.
6
ebda., S. 178
7
VANIČEK Franz, Specialgeschichte der Militärgrenze. Aus Originalquellen und Quellenwerken geschöpft. Bd. 3,
Wien 1875, S. 367 u. 455 u. Bd. 4, S. 369
8
WURZBACH Constantin, Biographisches Lexikon des Kaisethums Österreich, enthaltend die Lebensskizzen der
denkwürdigen Personen, welche 1750-1850 im Kaiserstaate und in seinen Kronländern gelebt haben. 60 Bde.
Bd. 3, S. 561, Wien 1856-1891
7
Beer sah in Serbien einen unwillkommenen Drudenfuss Österreichs bei den Verhandlungen
der Habsburger mit Preußen über die bevorstehende Teilung der reichen Gebiete Polens.9 Die
„Belgrader Affäre“ wird in seinen Werken bloß kurz erwähnt.10 Die vermutlich genaueste
militärgeschichtliche Chronik des Konfliktes von 1788 bis 1791 veröffentlichte Wilhelm
Brinner. Seine „Geschichte des k. k. Pionnier-Regimentes, in Verbindung mit einer
Geschichte des Kriegs-Brückenwesens in Österreich“ von 1878 ist voller Einzelheiten und
liest sich wie ein Kriegstagebuch.11 Ernst Benedikt fixierte sich in seinem Werk „Kaiser
Joseph II. 1741-1790. Mit Benützung ungedruckter Quellen“ eher auf die persönlichen
Animositäten innerhalb der österreichischen Staatsführung als auf die Ereignisse im Felde.12

Die moderneren Standardwerke über die Geschichte Österreichs, darunter mehrere Bücher
von Karl Vocelka, trätieren den Achten Österreichisch-Türkischen Krieg eher als eine
unbedeutende und etwas unglücklich verlaufene Nebenschauplatzepisode im Vorfeld des
fünfundzwanzigjährigen Ringens mit der französischen Republik.13 Michael Hochedlinger
sieht die Bedeutung des letzten Türkenkrieges primär im Fall des kauniz’schen
Diplomatiesystems, weil man den bisherigen Feind Preußen nun als Verbündeten im Kampfe
gegen Frankreich benötigte.14 Robert-Tarek Fischer betrachtet den Achten Österreichisch-
Türkischen Krieg eher im Licht der am Ende des 18. Jahrhunderts erfolgten ersten Versuche
der Donaumonarchie, im Nahen Osten Fuss zu fassen.15 Die sozialrevolutionäre
innenpolitische Komponente des letzten Türkenkrieges wird von Helmut Reinalter analysiert,
und zwar im Licht des Aufruhrs in Wien 1788. Reinalter bezieht sich in seinem Buch
„Joseph II. Reformer auf dem Kaiserthron“ fast ausschließlich auf die Quellen, die heute zu
den Beständen der Wiener Archive zählen.16 Die Ereignisse außerhalb des heutigen
Österreichs erforscht er nicht. Reinalter widmet sich lieber der Geschichte der
Geheimgesellschaften Westösterreichs als den Kriegen an der Peripherie des Reiches.

9
BEER Adolf, Die orientalische Politik Oesterreichs seit 1774. Prag-Leipzig 1883, S. 37
10
ebda., S. 93
11
BRINNER Wilhelm, Geschichte des k. k. Pionnier-Regimentes, in Verbindung mit einer Geschichte des Kriegs-
Brückenwesens in Österreich. Bd. 1, Wien 1878, S. 275, 279-280, 284, 289-293, 296, 304, 307-308, 313, 315,
317-319, 329 u. 331-332
12
BENEDIKT Ernst, Kaiser Joseph II 1741-1790. Mit Benützung ungedruckter Quellen. Wien 1947, S. 287 u. 290-
291
13
VOCELKA Karl, Österreichische Geschichte. 1699-1815. Glanz und Untergang der höflichen Welt.
Repräsentation, Reform und Reaktion im Habsburgischen Vielvölkerstaat. München 2001, S. 110, 176 u. 178
14
HOCHEDLINGER Michael, Krise und Wiederherstellung. Österreichische Großmachtpolitik zwischen
Türkenkrieg und „Zweiter Diplomatischen Revolution“ 1787-1791. In: Historische Forschungen. Bd. 65, Berlin
2000, S. 117-118
15
FISCHER Robert-Tarek, Österreich im Nahen Osten. Die Großmachtpolitik der Habsburgermonarchie im
Arabischen Orient 1633-1918. Wien-Köln-Weimar 2006 S. 51
16
REINALTER Helmut, Joseph II. Reformer auf dem Kaiserthron. München 2011, S. 33
8
Einen interessanten Blickwinkel bietet der Beitrag „Bilder von der Front. Berichterstattung
vom letzten österreichischen Türkenkrieg“ von Johannes Feichtinger und Johann Heiss, die
sich allerdings ebenfalls überwiegend auf die Wiener Quellen bezieht. Eine bedeutende
zeitgenössische Quelle über die Kriegsereignisse ist die „Wiener Zeitung“. Neben der
Glorifizierung des Kaisers und seiner Feldherren findet man in der besagten Zeitung mehrere
Erwähnungen des serbischen Kriegschausplatzes und der tapferen Serben wie Oberleutnant
Sava Demelitsch und der Harambascha Maxim Mihailovich.17 Die norddeutsche
Historiographie stützte sich im 19. Jahrhundert mit der Ausnahme Rankes ebenfalls primär
auf die österreichischen Archivbestände und vernachlässigt bis heute die Rolle der Serben im
Krieg von 1788 bis 1791.18

Die serbische Historiographie entstand erst im Zeitalter der Aufklärung und entwickelte sich
in mehreren Phasen. Der letzte österreichisch-osmanische Krieg 1788-1791 hatte den
allerersten Höhenflug der serbischen Patrioten, Dichter, Schriftsteller und Geschichtsschreiber
als Folge. Zu den bedeutendsten Zeitzeugen des Konfliktes zählten Vuk Stefanović Karadžić
(Istorijski Spisi, Pisma, Miloš Obrenović, knjaz Srbije ili građa za srpsku istoriju našega
vremena), Prota Mateja Nenadović (Memoari), Dositej Obradović, Milovan Vidaković
(Istoria Slaveno Serbskoga Naroda) und Lazar Arsenijević Batalka (Istorija Srpskog
Ustanka). In ihren Werken unterstrichen sie die enorme Bedeutung des Achten
Österreichisch-Türkischen Krieges für die „Auferstehung der serbischen Nation“ und die
entscheidende konkrete Unterstützung Österreichs bei diesem Vorhaben. Die zeitgenössischen
Autoren der Serben sahen im von den Aufständischen kontrollierten Gebiet der Kočina
Krajina die erste Partnerschaft des serbischen Volkes mit einer Großmacht und den Anfang
vom Ende der erbarmungslosen türkischen Tyrannei. Die serbischen Historiographen der
zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts teilen sich in zwei Gruppen auf. Die erste Gruppe besteht
aus den österreichischen Serben wie z.B. k. u. k. General Avram Đukić (Učešće titelskog
krajiškog bataljona u austro-turskom ratu godine 1788-1791). Diese Historiker widmeten
sich überwiegend dem harten Tatsachenbestand der seriösen Forschung, weil sie von der
Systematisierung der Archiveinrichtungen Österreich-Ungarns stark profitierten und
präsentieren einen detaillierten Einblick in die Ereignisse des letzten Türkenkrieges. Eine
Sonderstellung innerhalb der serbischen Historiographie genießt der Begründer des
historischen Kritizismus, Ilarion Ruvarac, der Archimandrit von Grgeteg. Die Historiker aus
17
Aus dem Feldlager des Banathischen Trupencorps bey Mehadie, den 1. August. In: Wiener Zeitung Nr. 65 vom
13. August 1788, o. S. Ang.
18
ZINKEISEN Johann Wilhelm, Geschichte des osmanischen Reichs in Europa. Bd. 6, Hamburg-Gotha 1859, S.
613-632
9
dem Fürstentum/Königreich Serbien um Stojan Novaković (Tursko carstvo pred srpski
ustanak 1780-1804), Andra Gavrilović (Prinos istoriji oslobođenja Srbije), Dragoljub
Pavlović (Srbija za vreme poslednjeg austrijsko-turskog rata 1788-1791 g. po arhivskoj i
drugoj građi) und Mihailo Gavrilović (Miloš Obrenović I-III) waren anders als die
„Nemečkari“ und „Švabe“19 im Rahmen ihrer Forschungsarbeit primär darum bemüht, die
Entstehung des modernen serbischen Staates wissenschaftlich zu untermauern. Das 20.
Jahrhundert brachte als Folge der politischen Umwälzungen eine durchaus revidierte Sicht auf
die thematisierte Periode mit sich, wie z.B. bei Mita Kostić (Grof Koler kao kulturno-
prosvetni reformator kod Srba u Austriji u XVIII veku), Novica B. Rakočević (Ratni planovi
Srbije protiv Turske), Dušan Pantelić (Kočina krajina), Petar I. Popović, Grgur Jakšić
(Evropa i vaskrs Srbije 1804-1834), Aleksandar Forišković (Sava Tekelija, Opisanije života,
Plemstvo kod Srba u Habzburškoj monarhiji und Vojna granica kao okvir za istoriju Srba u
Habzburškoj monarhiji), Dušan J. Popović (Srbi u Bačkoj do kraja osamnaestog veka und
Srbi u Banatu do kraja osamnaestog veka), Vladimir Ćorović (Istorija Srba) und Slavko
Gavrilović (Srbi u Habzburškoj monarhiji 1792-1849). Dieselben Autoren dominieren auch
die serbische historische Lexikographie. Im dritten Millennium forschen in Serbien wieder
etliche überwiegend seriöse Historiker, deren Werke teilweise auf bisher unveröffentlichten
Archivdokumenten basieren, wie z.B. Duško M. Kovačević, Srebrica Knežević, Radoš Ljušić
(Tumačenja Srpske revolucije u istoriografiji 19. i 20. veka und Vuk Karadžić o srpskoj
revoluciji), Milorad Tomanić (Srpska crkva i ratovi u njoj), Dejan Medaković (Josef II i Srbi),
Stevan Slavnić (Šajkaški bataljon od osnivanja 1763 do razvojačenja 1873), Ljubomirka
Krkljuš und Čedomir Popov (Evropa i srpske revolucije 1804-1815 als Koautor, Francuzi i
srpska revolucija). Als tendenziöse großserbisch angehauchte Gechischtsschreiber gelten
hingegen Milorad Ekmečić (Dugo kretanje između klanja i oranja. Istorija Srba u Novom
Veku 1492-1992), Atanasije Jeftić (Pravoslavna crkva i rimokatolicizam), Svetislav Basara
und Jovan Deretić. Die Bestände der staatlichen Archivinstitutionen sind in Österreich und in
Ungarn klarer strukturiert als in Serbien. Auch der Zugang zu den Archivalien gestaltet sich in
Serbien in der Praxis wesentlich komplizierter und verlangt nach viel Beharrlichkeit. Die
Serbisch-Orthodoxe Kirche zeigt sich allerdings äußerst entgegenkommend. Bis zum Ende
der kommunistischen Herrschaft beachtete die offizielle serbische Historiographie diverse
kirchliche Quellen fast gar nicht, weshalb auf diesem Gebiet noch große Lücken in der
historischen Aufarbeitung zu schließen sind.

19
Ursprünglich eine Bezeichnung der Serbianer für die Gelehrten unter den österreichischen Serben, Bem. d.
Aut.
10
4.SERBIEN, SÜDUNGARN UND DIE ÖSTERREICHISCHE MILITÄRGRENZE BIS
ZUM KRIEG 1788-1791

Das serbische Volk lebte im Hochmittelalter (1250-1500) im Kosovo, in Süd- und


Zentralserbien, in der Herzegowina, Montenegro und in Bosnien. Der nördlichste Punkt des
damals serbischen Gebietes war Belgrad. Die Expansion des Osmanischen Reiches war von
zahlreichen Kriegen und Plünderungen begleitet und löste eine kontinuierliche Migration der
Serben in die Länder der Stephanskrone aus. Den serbischen Feldherren im Dienste Ungarns
folgte recht bald auch das einfache Landvolk, das im Nordwesten auf eine sichere Existenz
hoffte. Das Regnum Hungarorum erfasste damals, neben dem heutigen ungarischen
Staatsgebiet noch Kroatien, die heutige Slowakei, Siebenbürgen, Transkarpatien, Nordserbien
und große Teile des bosnischen Königreiches. Das ungarische Heer galt im 15. Jahrhundert
unter Johannes/Janos Hunyadi und seinem Sohn, König Matthias Corvinus, als ein äußerst
gefährlicher Gegner. Das Pech Hunyadis als Feldherr und Politiker war es, dass seine Gegner
im Südosten ausgerechnet Murad II. und dessen siegreicher Sohn Mehmed II. (Fatih Sultan,
der Eroberer Konstantinopels) waren.20 Im Jahr 1459 fiel Serbien an das Osmanische Reich,
1463 dann „lautlos flüsternd“ auch Bosnien, 1482 die Herzegowina und 1499
Zeta/Montenegro. Die kriegerischen Maßnahmen der ungarischen Könige und der Venezianer
gegen die Heere der Hohen Pforte blieben trotz gelegentlicher Siege letzendlich erfolglos. Die
eroberten Gebiete Südosteuropas wurden im Laufe des 15. Jahrhunderts direkt ins
Osmanische Reich inkorporiert.21 Für die dort verbliebene Bevölkerung erwies sich die
Herrschaft der Hohen Pforte anfangs als äußerst vorteilhaft. Die feudale Anarchie wurde
weitgehend beseitigt. Die osmanische Verwaltung galt zwar als ausgesprochen streng, aber
gerecht. Auf die bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts erfolgte Eroberungsphase der Turkokratie,
während der man im Namen des Islam den gesamten Balkan besetzte, Menschenfang und
Terror betrieb, folgte bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts die Phase der Konsolidierung und
Festigung der Herrschaft der Sultane, die durch eine recht effiziente und geregelte Verwaltung
seitens der Hohen Pforte charakterisiert war. Die Religionsausübung gestaltete sich relativ
frei, solange sie nicht mit dem Islam kollidierte. Auch die Steuerlasten waren anfangs
niedriger als unter der Steuerschraube der christlichen Herrscher. Für die Handelsbeziehungen
des osmanischen Balkans mit dem Abendland blieben primär Venedig und Ragusa zuständig,
die es prächtig verstanden, sich mit der Hohen Pforte vorteilhaft zu arrangieren. Anderseits

20
TURNBULL Stephen, The Ottoman Empire 1326-1699. Essential history. Oxford 2003. S. 36-37
21
JÄGER Friedrich, Bosniaken, Kroaten, Serben. Ein Leitfaden ihrer Geschichte. Frankfurt/Main-Wien u. a. 2001,
S. 82
11
bedeutete die Pax Ottomanica für die Bevölkerung Südosteuropas einen schmerzhaften Bruch
mit der Kontinuität der europäischen Kulturentwicklung.22 Seit 1493 engagierte sich
Maximilian I. verstärkt in Kroatien im Kampfe gegen die Türken, die seit 1411 auch die
Ländereien der Vasallen der Habsburger in Kärnten, Krain und in der Steiermark verstärkt
plünderten. Die Heiratsverbindungen des Kaisers sicherten seiner Nachkommenschaft, neben
der spanischen und der burgundischen, auch die ungarisch-kroatische Krone auf nachhaltige
Weise. Dieser Erbfall trat bereits am 29. August 1526 ein, als die überlegenen und mit über
dreihundert Kanonen ausgerüsteten osmanischen Truppen das ungarische Adelsheer besiegten
und Ludwig II, der König Ungarns, Kroatiens und Böhmens, auf der Flucht im Flüsschen
Csele ertrank.23 Das einheitliche ungarische Königreich erlosch nach seinem Tode.24
Ferdinand I. wurde in Cetin zum kroatischen König gewählt, sein Feldherr Nikolaus Jurišić
vertrat ihn während der Königswahl.25 Die Lage in Ungarn, Slawonien und Siebenbürgen
erwies sich in der Folgezeit als unerwartet komplex, da dort ein Bürgerkrieg entflammte, an
dem sich neben Kaiser Ferdinand I. und dem Sieger von Mohacs, dem osmanischen Sultan
Süleyman dem Prächtigen, auch der Reichsverweser des Stephansreiches, Johann Zápolya,
beteiligte.26 Nach dem Tode Zápolyas besetzten die Osmanen Mittelungarn und den
Nachfolgern des Palatins verblieb nur Siebenbürgen. Den Habsburgern gelang es, ihre
Herrschaft in West- und Oberungarn zu konsolidieren, aber sie verstrickten sich durch ihren
Anspruch auf die Länder der Stephanskrone in insgesamt acht Kriege gegen das Osmanische
Reich, dessen Heere im Laufe des 16. Jahrhunderts Ungarn und Kroatien zu Reliquae
Reliquiarum reduzierten, die ihre Funktion als Antemurale Christianitatis erfüllten. Ein
starkes Bollwerk gegen die osmanische Gefahr bildete seit den 1530er-Jahren die
habsburgische, stark an die altrömische und byzantinische Wehrbauertradition angelehnte
Militärgrenze.27 Die dort angesiedelten Uskoken, Martholosen und Walachen wurden keine
klassischen spät-feudalen Untertanen, sondern freie kaiserliche Bauernsoldaten.

22
MACAN Trpimir, Povijest Hrvatskog Naroda. Agram 1992, S. 187-189
23
WINTER Otto F, Die österreichische Militärgrenze 1535-1871. Gedächtnisausstellung anlässlich des 100. Jah-
restages ihrer Auflösung. Wien 1971, S. 1, vgl. TURNBULL Stephen, The Ottoman Empire 1326-1699. Essential
History. Oxford 2003. S. 47-49
24
DALOS György, Ungarn. Mythen – Lehren – Lehrbücher. In: Monika Flacke (Hg.): Mythen der Nationen. Ein
europäisches Panorama. Eine Ausstellung des Deutschen Historischen Museums unter der Schirmherrschaft von
Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl. Begleitband zur Ausstellung vom 20. März 1998 bis 9. Juni 1998. München-
Berlin 1998. S. 544-548
25
MACAN Trpimir, Povijest Hrvatskog Naroda. Agram 1992, S. 183-184
26
TURNBULL Stephen, The Ottoman Empire 1326-1699. Essential History. Oxford 2003. S. 49-52
27
WINTER Otto F, Die österreichische Militärgrenze 1535-1871. Gedächtnisausstellung anlässlich des 100. Jah-
restages ihrer Auflösung. Wien 1971, S. 9
12
In der Entwicklung der Militärgrenze unterscheidet man zwei Phasen: die frühe
Grenzgesellschaft von 1535 bis 1754 und die weitgehend militarisierte Gesellschaft von 1754
bis 1881, als das Soldatenland von einem Kleinkriegsbollwerk zu einem
Rekrutierungsreservoire regulärer Regimenter für die kaiserlichen Streitkräfte umfunktioniert
wurde.28 Der Schutz des Herzens des Habsburgerimperiums erwies sich als äußerst effektiv
und hinderte osmanische Plünderer an tieferen Raids in reicheren Gebieten des Hinterlandes.
Die Hauptaufgabe der Militärgrenze blieb bis tief ins 17. Jahrhundert die strategische
Defensive. Wünsche der ungarischen Feudalherren nach größeren Feldzügen ins osmanische
Territorium stießen bei den kaiserlichen Generälen vorerst auf wenig Verständnis. Die
ungarischen und kroatischen Stände wehrten sich ohne Erfolg gegen die Ansiedlung der
„freien Walachen“, d.h. der Serben und Rumänen im Soldatenland, deren Rechte und
Pflichten die Statuta Valachorum aus dem Jahr 1630 regelte. Das Prinzip der Vergabe von
Soldatengütern mit Verpflichtung zum Kriegsdienst wurde erfolgreich mit der militärischen
Verwaltung des Landes verknüpft.29 So gewann der Kaiser wertvolle (weil unbesoldete und
stets verfügbare) Berufskrieger im Inland, die er nach Bedarf sowohl gegen die Osmanen, als
auch gegen die widerspenstigen ungarischen und kroatischen Stände beliebig einsetzen
konnte, was während des Rakoczys Aufstandes auch geschah.30 Neben den Husaren erwiesen
sich die Grenzer, alle Kriege der Habsburger im 17. und im 18. Jahrhundert hindurch, als eine
der effektivsten Waffen der Monarchie. Die „Statuta Valachorum“ garantierten den
Bewohnern der „Confin“, obwohl sie mitten im 30-jährigen Krieg beschlossen wurden, neben
persönlicher Freiheit auch das Recht zur freien Religionsausübung.31 Das Zeitalter des
Absolutismus brachte den Grenzern in der von Leopold I. 1667 erlassenen neuen Fassung der
Statuta Valachorum zwar gewisse Einschränkungen bei den Richterwahlen oder das Verbot
eigenmächtiger Versammlungen bei Androhung der Todesstrafe, ließ jedoch ihre sonstigen
Privilegien bestehen.32

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts kam es im Rahmen des Großen Wienerkrieges zu einer
Allianz Österreichs mit Polen, Venedig, Russland, Bayern und Brandenburg. Diese Liga
Sacra richtete sich gegen die Hohe Pforte und war fest entschlossen, die osmanischen Heere
zurückzudrängen und Südsosteuropa vom „Türkenjoch“ zu befreien.

28
WINTER Otto F., Die österreichische Militärgrenze 1535-1871. Gedächtnisausstellung anlässlich des 100. Jah-
restages ihrer Auflösung. Wien 1971, S. 3
29
ebda., S. 3
30
ebda., S. 3 u. 9
31
ebda., S. 6
32
ebda.
13
Die seitens der Osmanen verschlafene Militärrevolution des 17. Jahrhunderts veränderte die
Verhältnisse im Felde nachhaltig. Nach der Schlacht am Kahlenberg wendete sich 1683 das
Kriegsglück zu Gunsten der Habsburgischen Feldherren. Kaiser Leopold I. rief die Serben,
Albaner und Mazedonier zum Aufstand gegen ihre osmanischen Unterdrücker auf, und sie
gehorchten ihm. Sowohl der serbisch-orthodoxe Klerus, als auch das einfache Volk
unterstützten den Vorstoß der kaiserlichen Truppen in Richtung Prizren und Skopje.

Nach den glorreichen Erfolgen der Christenmächte schlug das Pendel des Gottes Mars jedoch
1689-1691 (ob ausgiebiger französischer Waffen- und Finanzhilfe) kurzfristig wieder auf die
Seite der Türken aus. Sowohl von osmanischen Truppen, als auch von der Pest verfolgt, zog
sich das kaiserliche Heer über Save und Donau zurück nach Ungarn. Ihm folgte ein
Massenexodus der aufständischen Serben, die sich vor der osmanischen Rache fürchteten.
Erst große Triumphe Prinz Eugens brachten der christlichen Koalition veritable Siege, die das
Osmanische Imperium zum Verhandlungstisch zwangen. Mit Ausnahme des Banats und
Südostsyrmiens kamen alle Länder der Stephanskrone nach den Bestimmungen des Friedens
von Karlowitz 1699 unter die Herrschaft der Habsburger. Nach Karlowitz begann die Phase
des Niedergangs und der Auflösung des Osmanischen Reiches.33 Die Eingliederung ins
Habsburgerreich war für die befreiten Territorien mit relativ großen Problemen verbunden, da
sich die Grenzbevölkerung den Anstrengungen der Grafen Zinzendorf und Herberstein, eine
zivile Verwaltung zu errichten, widersetzte.34 Der unter dem Patriarchen Arsenije Čarnojević
im Jahre 1690 ins Soldatenland der Habsburger geflüchteten orthodoxen Bevölkerung,
immerhin 30.-50.000 Menschen, wurden vom Wiener Hofe bedeutende religiöse und
steuerliche Sonderrechte eingeräumt, wodurch die Bestimmungen von 1630 ergänzt wurden.
Dadurch entwickelte sich die Confin zu einem der spannendsten ethnisch-politischen
Experimente der Neuzeit. Den serbischen Zuwanderern wurde das Land in der vom
Hofkriegsratspräsidenten Grafen Staufenberg errichteten slawonischen (Theiß-Maros-)
Grenze zugewiesen.35 Sie galten als tapfere, ergebene und relativ anspruchslose
Berufssoldaten. Viele Gegner im Felde fürchteten sich vor ihnen, weil sie im Blutrausch
manchmal grausame Kriegsverbrechen verübten, was im zivilisierten Westeuropa mittlerweile
als verpönt galt. Die Grenzer, oft auch Granitscharen genannt, trugen keine teuren Uniformen
und aßen auf Grund der vielen orthodoxen Fastenfeiertage vergleichsweise wenig.

33
WEITHMANN Michael M., Balkan-Chronik. 2000 Jahre zwischen Orient und Okzident. Regensburg-Graz-Wien
3
u.a. 2000, S. 136-137
34
WINTER Otto F., Die österreichische Militärgrenze 1535-1871. Gedächtnisausstellung anlässlich des 100. Jah-
restages ihrer Auflösung. Wien 1971, S 7
35
ebda., S. 8
14
Die Grenzregimenter wurden nach ihrem Aufgabenbereich in drei Gruppen unterteilt. Die
Hauptaufgabe der ersten Gruppe war der unmittelbare Grenzschutz. Die zweite Gruppe wurde
mit diversen logistischen und landwirtschaftlichen Aufgaben betraut. Die Soldaten der dritten
Gruppe operierten turnusmäßig (nach dem Rotationsprinzip) auf den Schlachtfeldern im
Ausland, d.h. in Westeuropa.36 Im Jahr 1740 stellte die Militärgrenze 46.615 Mann, von den
insgesamt 113.544 Soldaten des Habsburgerreiches.37 Besonders hoch angesehen waren die
Tschaikisten, die bei Bedarf auch als Pontoniere eingesetzt wurden. Ein Teil der serbischen
Migranten siedelte sich in den vom Krieg verwüsteten, zivil verwalteten Gebieten Ungarns
und Kroatiens an, wo sie allerdings recht schnell den gewaltigen wirtschaftspolitischen Druck
der Magnaten der Länder der Stephanskrone zu spüren bekamen. Ein Riesenschritt zur
Emanzipation der Serben unter der Herrschaft der Habsburger waren ganz eindeutig die von
Kaiser Joseph II. in die Wege geleiteten Reformen. Sie bewirkten eine Gleichstellung der
serbisch-orthodoxen Bevölkerung mit den Angehörigen der anderen anerkannten
Konfessionnen des Imperiums. Ein weiterer Faktor für die Etablierung einer eigenständigen
serbischen Nation war die Abwesenheit feudaler Elemente im Soldatenland. Außerdem
wurden nach 1791 viele Serben durch PRIVILEGIA FEMUNERATORIA um 1.500 Ft. in
den Adelstand erhoben.38

Ein weiterer Krieg gegen die Osmanen brachte 1718 auch das Banat, Südostsyrmien und
vorübergehend Nordbosnien, Nordserbien und die Kleinwalachei unter Habsburgische
Herrschaft. Die knapp 21-jährige Geschichte des Habsburgischen Serbiens von 1718 bis 1739
gilt als äußerst interessant, weil man in diesem neuinkorporierten Königreich mit Kaiser Karl
VI. als Staatsoberhaupt bereits auf die reichen organisatorischen Erfahrungen der
Militärgrenze zurückgreifen konnte und daher von Anfang an die bisherige osmanische
Lokaladministration vollkommen ersetzte. Das Königreich Servien blieb fest in
habsburgischer Hand und wurde nicht an das malcontente Ungarn angeschlossen. Die
neuerworbene Provinz profitierte von einer moderaten Steuerpolitik der österreichischen
Verwaltung. Außerdem wurde in Belgrad 1726 das erste serbische Unterstufengymnasium
eröffnet. Durch den Anschluss an die Randzone des Habsburgerreiches gewann Serbien mehr
Nähe zur westlichen Zivilisation. Nach der Niederlage des Habsburgerreiches im Krieg von
1736 bis 1739 fiel Nordserbien allerdings wieder an das Osmanische Reich.

36 2
JOKSIMOVIĆ Dragoljub, Vojna Krajina. In: Vojna Enciklopedija. Bd. 10. S. 558, Sp. 3, Belgrad 1975
37
ĆOROVIĆ Vladimir, Istorija Srba. Belgrad 1989, S. 386
38
GAVRILOVIĆ Vladan, Plemićke povelje kod Srba u Habsburškoj monarhiji od kraja XVII do sredine XIX veka. In:
Istraživanja (2004) Nr. 15 S. 176-180
15
Die Einrichtung einer neuen Grenze vollzog sich im Banat nach dem Frieden von Passarowitz
nur äußerst langsam und zog sich bis 1778 hin. Nach der Militärkatastrophe im Türkenkrieg
von 1737 bis 1739, nahm die Save-Donau-Grenze der Habsburgermonarchie ihre endgültige
Gestalt an. Die Theiß-Maros-Grenze wurde 1750 aufgelöst. Die von 1764 bis 1770 errichtete
siebenbürgische Grenze erfüllte v.a. eine innenpolitische Funktion, um die Szekler zu binden.
In der Mitte des 18. Jahrhunderts erreichte das Soldatenland seine größte Ausdehnung. Es
erstreckte sich zwischen 15. und 27. Grad östlicher Länge und 44. und 47. Grad nördlicher
Breite, ein „Pufferstaat“ im Staate mit einer Gesamtfläche von ca. 49.190 km2, 1850 km von
Südosten nach Nordwesten und umfasste Gebiete des Karstgebirglandes, die
Hügellandschaften Kroatiens und weite Flussniederungen an Save, Drau und Donau sowie
das Hochgebirge der Süd- und Ostkarpaten.39 Die Grenze wurde in drei Generalate geteilt: das
Karlstädter Generalat, die Slawonische Militärgrenze und die Theiß-Maros-Grenze.40 Bis zum
Karlowitzer Frieden galt die 1579 auf 900 Schädeln von bei Dubovac gefallenen
Osmanensoldaten erbaute Festung Karlstadt (heute Karlovac) als Dreh- und Angelpunkt des
gesamten Soldatenlandes,41 dem nach 1699 (infolge strategischer Gewichtsverlagerungen) das
uneinnehmbare Peterwardein seinen Rang ablief.42 Auch als Cordon Sanitaire erfüllte die
Confin ihre Rolle recht gut. Die Behörden des Osmanischen Reiches betrachteten ja alle
Epidemien als gottgegeben und ergriffen kaum konkrete Maßnahmen gegen die Ausbreitung
derselben. Besonders gefürchtet waren die Pest und diverse Tierkrankheiten. Das
Überschreiten der Grenze aus dem osmanischen Machtbereich war nur an den Kontumanzen
und an den Handelsraststellen möglich. Die Quarantänekontumanzen wurden auf Grund des
Sanitätsgesetzes vom Jahre 1755 und des Patentes Maria Theresias vom 2. Jänner 1770
errichtet.43 Außerdem erfüllte das Soldatenland auch polizeiliche Funktionen. So hinderten
die Grenzer viele unerwünschte Gäste am Grenzübertritt, kontrollierten die Verkehrswege und
unterbrachen die in Südosteuropa verbreiteten Tendenzen zum Nomadenleben im
Niemandsland, was der staatlichen Obrigkeit neben der legislativen auch eine steuerliche
Erfassung aller Bürger ermöglichte, wobei diverse Vorrechte der Hauskommunion-
Oberhäupter beachtet wurden.

39
KAINDL Franz, Die k.k. Militärgrenze. Zur Einführung in ihre Geschichte. In: (= Schriften des
Heeresgeschichtlichen Museums in Wien, Bd. 6). Wien 1971, S. 9
40
ebda., S. 5
41
http://www.matica.he/Kolo/kolo0302.nsf/AllWebDocs/budak [download am 11.04.2012, 04 h 30]
42
KAINDL Franz, Die k.k. Militärgrenze. Zur Einführung in ihre Geschichte. In: (= Schriften des
Heeresgeschichtlichen Museums in Wien, Bd. 6). Wien 1971, S. 13
43
ebda., S. 25
16
Der Einsatz der Grenzbevölkerung „mit Pflug und Muskete“ wurde mit einer niedrigen
Steuerbelastung, Religionsfreiheit und Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb des Militärs belohnt.
Die Militärgrenze besaß ihre eigene Selbstverwaltung und Gerichtsbarkeit.44 Die gesamte
Confin blieb bis zu ihrer Auflösung ein primär rurales Gebiet. Der Anteil der
Stadtbevölkerung betrug kaum mehr als fünf Prozent.45 Eine besondere Bedeutung hatte die
multikulturelle und polyreligiöse Gesellschaftsstruktur der Bevölkerung des Soldatenlandes.
Die christlichen Flüchtlinge aus dem osmanischen Herrschaftsraum exportierten Lebens- und
Denkformen, die in Mitteleuropa vollkommen fremd waren, vom Inneren des Balkans.46
Dennoch gelang es, die Zuwanderer im Laufe der Zeit in die Gesellschaft der Militärgrenze
erfolgreich zu integrieren. Die Schul-, Kommando- und Amtssprache der Grenze war die
deutsche Sprache. Eine weitere Besonderheit der Confin war die relativ hohe Geburtenrate,
die durch die sehr traditionell veranlagte „dinaride“ Familienfassung bedingt war, was trotz
immenser Kriegsverluste immer für genug Kaisersoldaten sorgte.47 Die in den Türkenkriegen
neugewonnenen Gebiete waren infolge der Kampfhandlungen sehr dünn besiedelt.
Entscheidend geschwächt war auch ihre wirtschaftliche Infrastruktur. Die Casa d‘Austria
startete ein ambitioniertes Aufbauprogramm, quasi einen Marshall-Plan des 18. Jahrhunderts,
dessen Basis eine erfolgreiche Kolonisation der neuen Provinzen war. Die deutschen,
ungarischen, serbischen, rumänischen, slowakischen und ruthenischen Siedler hauchten den
verwüsteten Landschaften neues Leben ein. Das Antlitz Südungarns veränderte sich
zusehends. Mit Hilfe des Staates und der katholischen Kirche ließ man viele Ortschaften
wortwörtlich aus der Asche auferstehen und gründete neue Dörfer und Städte, erbaute ein
Straßennetz, regulierte Flüsse, trocknete viele Sümpfe aus und errichtete einen modernen
europäischen Verwaltungsapparat im Sinne des aufgeklärten Absolutismus. Infolge dieser
Maßnahmen ließ der gewaltige wirtschatliche Aufschwung nicht lange auf sich warten.
Südlich der Save und der Donau geschah nichts Vergleichbares. Die militärischen
Niederlagen der osmanischen Heere schwächten die Zentralmacht des Imperiums der Sultane,
was den provinziellen Eliten wesentlich mehr Spielraum ermöglichte. Die lokalen Potentaten
zeigten wenig Interesse an einer umfassenden Modernisierung von Verwaltung und
Produktion und drehten lieber an der bereits erwähnten Steuerschraube, mitunter sogar oft
ausgeschprochen gewaltsam.

44
JÄGER Friedrich, Bosniaken, Kroaten, Serben. Ein Leitfaden ihrer Geschichte. Frankfurt/Main-Wien u. a. 2001,
S. 177
45
KAINDL Franz, Die k.k. Militärgrenze. Zur Einführung in ihre Geschichte. In: (= Schriften des
Heeresgeschichtlichen Museums in Wien, Bd. 6). Wien 1971, S. 24
46
ebda.
47
ebda.
17
Viele Untertanen der Hohen Pforte sahen die Flucht ins benachbarte habsburgische
Südungarn als einzigen Ausweg, um dem blanken Terror der Beys, Agas und Paschas lebend
zu entkommen. In den osmanischen Gebieten Serbiens und Bosniens gab es ein völlig anderes
Bild. Obwohl die Serben des Paschaliks von Smederevo viele Sitten und Lebensweisen der
Osmanen übernommen hatten und in Frieden mit ihnen leben wollten48, entwickelte sich die
gesamte Provinz zu einem failed state. Der unaufhaltsame Verfall der Staatsmacht sorgte für
eine große rechtliche und ökonomische Unsicherheit der überwiegend christlichen
Bevölkerung, die weitgehend der Willkür der zahlreichen lokalen Statthalter ausgesetzt war.
Zusehends wurde sogar die religiöse Freiheit der christlichen Untertanen des Osmanischen
Reiches eingeschränkt. Als besonders hart und ungerecht wurden diverse Kirchenneubau- und
Glockenverbote empfunden, was für eine Solidarisierung des gesamten serbisch-orthodoxen
Klerus mit der einfachen ruralen Bevölkerung sorgte. Immer mehr Serben flohen entweder ins
Habsburgerreich oder lebten jenseits der Straßen und mieden die osmanisch geprägten
Städte.49 Als Folge des Terrors seitens der Obrigkeit nahm das Haidukentum im Laufe des 18.
Jahrhunderts enorm zu und schwächte die Herrschaft der Hohen Pforte noch zusätzlich. Die
Raubüberfälle der Haiduken offenbarten die Ohnmacht des Staates und verursachten hohe
wirtschaftliche Schäden und einen allgemeinen Rückgang der kaufmännischen Tätigkeit.
Somit wurde der Seehandel im Vergleich zum Straßenhandel zusehends bedeutender. Für das
Osmanische Reich ungünstig, befand sich der Seehandel fest in den Händen der maritimen
Großmächte. Die Unsicherheit der Handelswege resultierte einerseits in diversen
Preissteigerungen und anderseits im Verfall des Straßennetzes und seiner Einrichtungen. Die
räuberischen Hauptmänner der Haiduken bereicherten sich zusehends und gewannen an
Bedeutung. Neben den Dorfältesten, den Dorfrichtern und „Kniasen“ genossen sie schon recht
bald das höchste Ansehen am Lande und kooperierten mit dem orthodoxen Klerus. Ganz
anders als in Bosnien und Herzegowina, wogen sich die Türken des Paschaliks von
Smederevo fast ausschließlich in der trügerischen Sicherheit der befestigten Städte und
überließen den Serben die weiten ruralen Landstriche. Damit verfügten die urbanen
osmanischen Eliten de facto über keine ausreichende Machtbasis mehr in Serbien und waren
daher im Fall einer Rebellion der christlichen Bevölkerung extrem verwundbar, weil sie sich
auf diverse lokale serbische Anführer verlassen mussten, deren Loyalität zu wünschen übrig
ließ, was sich als Damokles Schwert erwies.

48
BOUÉ Ami, Die Europäische Türkei. Neudruck der Ausgabe Wien 1889, Bd 2. Melle 2008, S. 377
49
STEFANOVIĆ KARADŽIĆ Vuk, Prvi i drugi srpski ustanak. Život i običaji naroda srpskog. In: Danica 2 (1827), S.
72
18
Schon vor dem Beginn des Achten Österreichisch-Türkischen Krieges schloss sich eine
überwältigende Mehrheit angesehener Serben euphorisch den Österreichern an und richtete
ihre Waffen gegen die osmanischen Truppen.

5. DER ÖSTERREICHISCH-OSMANISCHE KRIEG 1788-1791

Der Ausbruch des letzten österreichisch-osmanischen Krieges hing eng mit der Orientalischen
Frage zusammen. Die ersten größeren Niederlagen der Streitmacht der Hohen Pforte
bewirkten kein Umdenken der Elite im Topkapi Seray. Man betrachtete die herben
Rückschläge als eine vorübergehende Schwäche, denn schließlich gelang es den Truppen der
Sultane immer wieder, kleinere Lokalerfolge auf ihrem Konto zu verbuchen. Nach der
Schlacht bei Lepanto im Herbst 1571 ging zwar die temporäre osmanische Thalassokratie im
Mittelmeer zu Ende, Zypern, Kreta und Morea wurden jedoch trotzdem dem Reiche
einverleibt. Auf dem ungarischen Kriegsschauplatz lief es ähnlich. Erst der „Liga Sacra“
gelang es im Krieg von 1683 bis 1699, die osmanische Speerspitze zu brechen. Die Heere des
Osmanischen Imperiums galten zwar noch lange Zeit als gefürchtete Gegner, ihre offensive
Kraft ging jedoch verloren. Der Verlust der Seeherrschaft im Mittelmeer, die Verlegung der
Schiffshandelsrouten und das Ende der Expansion stürzten das Osmanische Reich in eine tiefe
strukturelle Krise. Als theokratische Militärdespotie war das Imperium auf die kontinuierliche
Eroberung der neuen Territorien angewiesen, um den Kreislauf seiner Tributarherrschaft in
Gang zu halten, was nach den militärischen Niederlagen am Ende des 17. Jahrhunderts nicht
mehr möglich war. Die Umgehung des osmanischen Monopols im Handel mit Indien und
China seitens der westeuropäischen Seemächte erwies sich für die finanziellen Einnahmen des
Reiches als beinahe lethal. Obwohl militärisch im Laufe des 18. Jahrhunderts halbherzig
nachgerüstet wurde, blieben jegliche Reformen des wirtschaftlichen und des politischen
Systems aus, was sich bitter rächte und das Osmanische Reich im 19. Jahrhundert letztendlich
zum „kranken Mann am Bosporus“ degradierte. Außenpolitisch kam es allerdings zu einer
Neuorientierung der Hohen Pforte. Aus Angst vor Österreich und Russland setzten die
Osmanen zwar weiterhin auf ihre alte Allianz mit Frankreich, verbündeten sich jedoch auch
mit Schweden und Preußen, frei nach dem Motto: „Der Feind meines Feindes ist mein
Freund“. Auf diese Weise bemühten sich die Osmanen, die europäischen Großmächte
gegeneinander auszuspielen und ihr Imperium zu sichern.

19
Österreich und Russland wollten die osmanischen Provinzen Südosteuropas unter sich
aufteilen, während Frankreich und Großbritannien eher an den vorderasiatischen und
nordafrikanischen Gebieten Interesse zeigten. Nach den siegreichen Frieden von Karlowitz
1699 und von Passarowitz im Jahre 1718 zeichneten sich bereits die Konturen der erwarteten
Expansion des Habsburgerreiches in Südosteuropa ab. Karl VI. wollte aus politischen und
wirtschaftlichen Gründen die Kontrolle über den ganzen Lauf der Donau erreichen und im
Süden über das Morava-Vardar-Tal bei Saloniki die Ägäis erreichen. In diesem Bestreben
kollidierten die geopolitischen Interessen Österreichs mit denen des Zarenreiches.
Vorübergehend gewann jedoch eine pragmatische Sicht der Dinge die Oberhand und man
verbündete sich im Jahr 1726 trotz aller Gegensätze gegen die Osmanen. Die
Donaumonarchie kämpfte als Folge dieses Bündnisses an der Seite Russlands von 1737 bis
1739 und erlitt dabei eine bittere militärische Niederlage. Nordserbien und Nordbosnien
mussten an das Osmanische Reich abgetreten werden. Während des Österreichischen
Erbfolgekrieges und im Siebenjährigen Krieg war an eine Expansion im Südosten nicht zu
denken. Bis 1787/88 hielt sich Österreich aus den weiteren russisch-osmanischen
Waffengängen heraus und unternahm stattdessen mehrere Versuche, im Westen zu
expandieren, was letztendlich am Widerstand Preußens scheiterte. Bei der ersten Teilung
Polens im Jahre 1772 erhielt Österreich Galizien und Lodomerien. Drei Jahre später wurde
die osmanische Bukowina an das Habsburgerreich abgetreten.

Als das Zarenreich 1783 die Halbinsel Krim annektierte, zeichnete sich am Horizont ein neuer
Krieg gegen das Osmanische Reich ab. Österreich musste sich nolens-volens an ihm
beteiligen, um durch die russischen Eroberungen nicht ins Hintertreffen zu geraten. Russland
wollte nach einem erwarteten Sieg über die osmanischen Truppen Dakien und das
Neubyzantinische Reich als seine Protektorate auferstehen lassen, was in scharfem Gegensatz
zum österreichischen Donau- und Mittelmeerhandel gestanden wäre.50 Das Habsburgerreich
sollte nach dem Kriegsende die Kleinwalachei, Serbien, Bosnien-Herzegowina, Epirus und
Dalmatien erhalten. Morea, Zypern und Kreta sollten wieder venezianisch werden.51
Joseph II. traf sich in Cherson mit Katharina II. und besiegelte mit ihr im Juni 1787 eine neue
antiosmanische Allianz. Der Sultan Abdülhamid I. (reg. 1774-1789) erklärte darauf dem
Russischen Reich am 25. August 1787 einen Präventivkrieg.

50
PAVLOVIĆ, Dragoljub M., Srbija za vreme poslednjeg austrijsko-turskog rata (1788-1791 g.) po arhivskoj i
drugoj građi. Belgrad 1910, S. 3-5
51
CATELLAN Georges, Geschichte des Balkans. XIV-XX Jahrhundert. Paris 1999, S. 233-234
20
Obwohl die Truppen des Habsburgerreiches bereits Ende 1787 an verschiedenen
Scharmützeln teilnahmen, erfolgte eine offizielle Kriegserklärung des Wiener Hofes an die
Hohe Pforte erst am 9. Feber 1788.52 Unter den serbischen Untertanen der beiden nun
mitenander verfeindeten Reiche brach Kriegseuphorie aus. Die angesehenen Serben und die
serbisch-orthodoxe Kirche stellten sich im Paschalik von Smederevo offen auf die Seite
Österreichs, weil sie von Joseph II. die Befreiung von der osmanischen Herrschaft erwarteten.

Österreich verfügte zu Kriegsbeginn über fast 250.000 Soldaten, davon 44.-60.000 Grenzer,
und über etwa 1.150 Kanonen.53 Diese gewaltige Streitkraft verteilte allerdings der
unentschlossene Feldmarschall Lacy kordonmäßig von Zrmanja bis Dnjestr auf insgesamt
sechs Korps, womit er die Gelegenheit verpasste, die noch nicht versammelten osmanischen
Truppen zu schlagen und schnell ins Herz des verfeindeten Reiches vorzustoßen.54 Noch vor
dem offiziellen Kriegsbeginn startete Österreich im November und Dezember 1787 eine
special operation, um Belgrad mit serbischer Hilfe im Handstreich einzunehmen. Das
schlechte Wetter, vor allem der dichte Nebel, vereitelte das Unternehmen, das später als
„Belgrader Affäre“ bekannt wurde. Die Schiffe mit den österreichischen Landungstruppen
unter dem Kommando von General Magdeburg segelten in der stockfinsteren Nacht vom
2. auf den 3. Dezember versehentlich an Belgrad vorbei. Die Vertrauensmänner der
Österreicher unter den Serben, darunter Karađorđe, warteten vergebens mit den
nachgefertigten Schlüsseln zur Festung. Aus Angst vor der möglichen osmanischen
Vergeltung musste sich das ganze Dorf Ostružnica ins Habsburgerreich absetzen.55

Die Hauptstreitmacht der „Schwarz-Gelben“ hatte eine Stärke von 97.000 Mann, war im
April 1788 bei Semlin gruppiert und unternahm recht wenig. Das Slawonische Korps von
Mitrovski eroberte mit seinen 20.000 Soldaten Šabac und zog sich anschließend wieder
zurück. Das Kroatische Korps unter dem Kommando Lichtensteins, später Laudons, eroberte
Drežnik, Dubica und Novi.56 Das osmanische Heer erkannte relativ schnell das Banat und die
Walachei als entscheidende operative Ziele, riss die Initiative an sich und startete dort
mehrere Angriffe.

52
LASZOWSKI Emilij, Vojna Hrvata protiv Turaka u Crnojgori godine 1788. Agram 1896, S. 280
53 2
KALEČAK Vladimir, Austro-turski ratovi. In: Vojna Enciklopedija. Bd. 1, S. 333, Sp. 3, Belgrad 1970
54
ebda.
55
PAVLOVIĆ, Dragoljub M., Srbija za vreme poslednjeg austrijsko-turskog rata (1788-1791 g.) po arhivskoj i
drugoj građi. Belgrad 1910, S. 16-17
56 2
KALEČAK Vladimir, Austro-turski ratovi. In: Vojna Enciklopedija. Bd. 1, S. 333, Sp. 3, Belgrad 1970
21
Seit 1788 musste das Zarenreich einen Zweifrontenkrieg führen, weil das mit dem
Osmanischen Reich verbündete Schweden das russische Engagement in Südosteuropa
ausnutzen wollte, um die im Großen Nordischen Krieg verlorenen Territorien
zurückzugewinnen. Sowohl Russland als auch Österreich hielten einen Teil ihrer Truppen für
den Fall, dass das ebenfalls mit dem Osmanischen Reich verbündete Preußen ihnen ebenfalls
den Krieg erklären sollte, in Bereitschaft.

Die Serben konnten den Beginn der Kampfhandlungen kaum erwarten. Bereits am ersten
Kriegstag griffen die Rebellen in Serbien die osmanischen Truppen an. Unter ihnen zeichnete
sich der Hauptmann Koča Anđelković besonders aus. Die Einheiten unter seinem Kommando
befreiten mehrere Städte Nordserbiens, bekämpften in den Bezirken Jagodina, Smederevo und
Kragujevac die Truppen des Sultans und überfielen die osmanischen Versorgungskarawane
entlang der via militaris, womit die Versorgung Belgrads nicht mehr gewährleistet werden
konnte, was angesichts des erwarteten Angriffs der Österreicher auf die wichtige Festung für
die osmanische Seite äußerst bedrohlich wurde. In Westserbien operierte fast zeitgleich das
berühmte österreichisch-serbische Freikorps Mihailo Mihaljevićs und im Banat das
Tschaikistenbataillon.57 Als Anđelković in Berzaska im heutigen rumänischen Banat im
Kampfe gegen die osmanischen Truppen fiel, brach die Rebellion zusammen. An der
kroatisch-slawonischen Front führte man nach 1789 überwiegend einen Kleinkrieg. Die
Angriffe der osmanischen Truppen im Banat, in der Walachei, in Siebenbürgen und in
Moldawien wurden von den christlichen Alliierten in der Schlacht von Fokschani erfolgreich
abgewehrt. Am 17. August 1789 übernahm der energische Feldmarschall Laudon auf dem
Hauptkriegsschauplatz das Oberkommando über 62.000 Mann, 208 Kanonen und 157 Mörser
und nahm Belgrad nach nur drei Wochen Belagerung am 7. Oktober 1789 ein. 58 Der
osmanischen Garnison wurde ein ehrenvoller Abzug nach Tekija gestattet.59 Nach den Siegen
bei Mehadia am 28. August und bei Rinmik Serat am 22. September 1789 eroberten die
kaiserlichen Truppen im November Bukarest und Craiova. Die Militäroperationen des Jahres
1790 verliefen äußerst abwechslungsreich, aber es sah so aus, als ob Serbien endgültig
habsburgisch geworden wäre. Nach dem Ableben Kaiser Josephs im Feber 1790 und des
mittlerweile nach Böhmen versetzten Laudons im Juli sah sich Leopold II. gezwungen, mit
Preußen den Vertrag von Reichenbach zu schließen und auf alle Eroberungen im Osten zu

57
ĐUKIĆ Avram, Učešće titelskog krajiškog bataljona u austro-turskom ratu godine 1788-1791. In: Letopis
Matice srpske za 1891. Jg. 67, Nr. 162 (1891), Heft 1, S. 83-86
58 2
KALEČAK Vladimir, Austro-turski ratovi. In: Vojna Enciklopedija. Bd. 1, S. 333, Sp. 3, Belgrad 1970
59
ĐUKIĆ Avram, Učešće titelskog krajiškog bataljona u austro-turskom ratu godine 1788-1791. In: Letopis
Matice srpske za 1891. Jg. 67, Nr. 162 (1891), Heft 2, S. 82-85
22
verzichten.60 Nach dem Ausbruch der Französischen Revolution am 14. Juli 1789 ergab sich
in ganz Europa eine völlig neue Konstellation. Großbritannien benutzte seinen Einfluss im
Konzert der Großmächte, um die Staatsspitze des Habsburgerreiches für die
Friedensverhandlungen mit der Hohen Pforte zu gewinnen. Die Rechnung der britischen
Diplomatie war sehr simpel: das Osmanische Reich wurde im Kriege ausreichend
geschwächt, um auf die Hilfe Albions angewiesen zu sein. London wünschte sich jedoch
weder Russland noch Österreich am Bosporus. Diese beiden Großmächte benötigte das
Vereinigte Königreich ohnehin als „Kontinentaldegen“ im Westen, um das revolutionäre
Frankreich in Schach zu halten. So wurden am 19. September 1790 die
Friedensverhandlungen eingeleitet und am 4. August 1791 unterzeichnete Österreich in
Swistowa mit dem Osmanischen Reich einen Friedensvetrag auf Status-Quo-Ante-Basis,
(abgesehen von den geringen Grenzkorrekturen in Lika). Eine Klausel dieses Vertrages
garantierte allen Serben, Bosniern, Montenegrinern und Walachen, die auf der Seite der
Schwarz-Gelben gekämpft hatten, eine weitreichende Generalamnestie. Der junge und
gebildete Sultan Selim III. (reg. 1789-1807) behandelte seine christlichen Untertanen
wesentlich milder als dies während der Herrschaft seiner Vorfahren der Fall war und so kam
es nach dem Ende des Krieges zu keinem Massenexodus von Serben ins Habsburgerreich.
Russland kämpfte noch ein weiteres Jahr und erzwang einen breiteren Zugang zur Küste des
Schwarzen Meeres.61

6. DER LETZTE ÖSTERREICHISCH-TÜRKISCHE KRIEG IM SPIEGEL SERBISCHER


QUELLEN

6.1. DAS KOMPLEXE UMFELD DER ERSTEN SERBISCHEN MEDIEN

Die Anfänge des serbischen Journalismus und der serbischen Publizistik sind von zahlreichen
Schwierigkeiten überschattet. Bis zur Reform Vuk Stefanovićs Karadžićs gab es eigentlich
noch keine kodifizierte serbische Sprache. Bis in die 1730er Jahre schrieb man auf
„Altkirchenslawisch raizischer Redaktion“ bzw. auf Serboslawisch und der Sprache, die
seitens der serbisch-orthodoxen Kirche verwendet wurde.62 Zu diesem Zeitpunkt gab die
Kirche die serboslawische Sprache auf und führte stattdessen Russoslawisch ein, also

60
REITER Ludwig, Österreichische Staats- und Kulturgeschichte. Klagenfurt 1947, S. 179
61 2
KALEČAK Vladimir, Austro-turski ratovi. In: Vojna Enciklopedija. Bd. 1, S. 333, Sp. 3, Belgrad 1970
62
MLADENOVIĆ Aleksandar, Tipovi književnog jezika kod Srba u drugoj polovini 18. i početkom 19. veka. Referat
za VII međunarodni kongres slavista u Varšavi. Neusatz 1973, S. I
23
Altkirchenslawisch russischer Redaktion. Die neue Schriftsprache verbreitete sich rasch in
Zentralserbien und auf dem Territorium der heutigen Vojvodina.63 In der zweiten Hälfte des
18. Jahrhunderts wurde schließlich die slawenoserbische Sprache geschaffen, in der z. B.
Zaharije Orfelin schrieb. Zeitgleich mit dem Serboslawischen und Russoslawischen existierte
im 18. Jahrhundert auch noch die Volkssprache, in der Dositej Obradović und Jovan Rajić
ihre Werke veröffentlichten.64 Die Arbeit von Vuk an der Sprachreform dauerte über dreißig
Jahre. Bis 1847 galt die serbisch-orthodoxe Kirche als stärkste Gegnerin seiner
sprachwissenschaflichen Tätigkeit. Karadžićs Rechtschreibung wurde im Fürstentum Serbien
zwar erst 1868 eingeführt, gilt jedoch bis heute. Ein weiteres Problem war der Umstand, dass
es noch gar keine serbischen Druckereien gab. Aus diesem Grund sah sich die erste serbische
Schule in Karlowitz gezwungen, alle Lehrbücher aus Russland zu importieren, wofür sich
auch der erste Lehrer Maksim Suvorov stark eingesetzt hatte. Die zweite Gruppe der
russischen Lehrkräfte traf 1733 unter der Führung von Emanuel Kozačinski in Karlowitz ein
und hatte ebenfalls diverse Lehrbücher aus ihrer fernen Heimat im Gepäck. In Venedig gab
1768 der serbische Gelehrte Zaharije Orfelin die erste Zeitschrift auf Serbisch heraus, das
„Slaveno-serbski magazin“, es blieb jedoch bei einer einzigen Ausgabe. Joseph II. wollte im
Jahr 1768 eine serbische Druckerei in Wien gründen, um den russischen Kultureinfluss auf
seine serbischen Untertanen besser abwehren zu können. Der Widerstand des Wiener Hofes
war jedoch enorm. Erst am Valentinstag 1770 gewährte Maria-Theresia dem Verleger der
Wiener Univesität Joseph Kurzbeck ein Privilegium auf zwanzig Jahre, Bücher in serbischer
Sprache drucken zu dürfen.65 Es war kein Zufall, dass die allererste serbische Zeitung
ausgerechnet in Wien am 3. März (julianisch!) 1791 das Licht der Welt erblickte. Es handelte
sich dabei um „Serbskija novini“. Diese Zeitung kam zwar zu spät, um die Meinung der
Serben über den Achten Österreichisch-Türkischen Krieg zu beeinflussen, konnte sich aber
als äußerst nützlich bei einer regierungsgerechten Berichtserstattung über die Vorgänge der
Französischen Revolution erweisen. Außerdem verbreitete die Zeitung unter den Serben der
Donaumonarchie recht erfolgreich die Ideen der Aufklärung. Bereits 1792 folgte eine weitere
Zeitung auf Serbisch, die „Serbskija posvednevnija novina“, die am Kopf des Blattes einen
Doppeladler als Symbol der Staatsmacht und der Integration der Serben trug. Damit wurde
die serbische Literatur in Wien aus der Taufe gehoben.66 Die Herausgeber der ersten

63
MLADENOVIĆ Aleksandar, Tipovi književnog jezika kod Srba u drugoj polovini 18. i početkom 19. veka. Referat
za VII međunarodni kongres slavista u Varšavi. Neusatz 1973, S. II
64
KUNA Herta, Jezičke karakteristike književnih djela Dositeja Obradovića. Sarajevo 1970, S. 287
65
ĆOROVIĆ Vladimir, Istorija srpskog naroda. Bd. 2, Banja Luka-Belgrad 1997, S. 390
66
REITER Ludwig, Österreichische Staats- und Kulturgeschichte. Klagenfurt 1947, S. 179
24
serbischen Zeitungen waren die Brüder Publius und Georgios Markides-Pulio, beides
Griechen aus Wien. Gedruckt wurden die Zeitungen im armenischen Kloster in Wien.67 Die
Klosterdruckerei gehörte den Mechitoristen, einem armenisch-katholischen Priesterorden, der
sich stark für die Ökumene einsetze. Diese Druckerei wurde ursprünglich vom Ordensgründer
Mechitar in Venedig gegründet, übersiedelte samt Maschinen anschließend nach Triest und
ließ sich 1811 in Wien nieder.68 Beide Zeitungen wurden nach nur zwei Jahren eingestellt.
Ein weiteres Problem der serbischen Presselandschaft waren die strengen
Zensurbestimmungen in Wien und in Belgrad. Prota Mateja Nenadović erlaubte es nicht,
seine „Memoiren“ zu Lebzeit zu drucken.69 Sein Sohn Ljubomir publizierte sie daher in den
Ausgaben Nr. 12, 15 und 19 der Zeitschrift „Šumadinka“ erst im April 1855, bzw. in 23
Ausgaben im Jahr 1856. In Buchform erschienen sie erst 1867. Die Familienzeitschrift
„Šumadinka“ wurde zwischen 1850 und 1857 von Ljubomir Nenadović herausgegeben, bevor
sie wegen der „milden Kritik der Regierung“ seitens der serbischen Behörden verboten
wurde.70 Als Sima Milutinović Sarajlija (1791-1847) im Jahr 1815 sein geschichtliches Werk
„Istorija Srbije“ publizieren wollte, gab ihm Prota Mateja Nenadović einen wohlgemeinten
Rat, der viel über die Meinungsfreiheit im Fürstentum Serbien aussagt:

Wenn du die Wahrheit schreibst, dann wirst du deinen Kopf verlieren, weil dich der Fürst Miloš köpfen
wird; falls du eine Lüge schreibst, wirst du zwar deinen Kopf behalten, aber die Ehre verlieren.71

Vuk Stefanović Karadžić schrieb eine Biographie über den besagten Miloš Obrenović unter
dem Titel „Miloš Obrenović, knjaz Serbii ili građa za srpsku istoriju našeg vremena“. Es
handelte sich um Lobgesänge an den Fürsten, um von ihm finanzielle Unterstützung zu
erhalten. Mit dem Geld des Fürsten ließ Vuk seine eigenen Bücher drucken. Allerdings
schrieb der schlaue Aufklärer parallel zur erwähnten Biographie ein wesentlich objektiveres
Werk, nämlich „Osobita građa za srpsku istoriju našeg vremena, amanet da se ne otvara
ovoga vijeka (1900)“.72 Karadžić stritt nie ab, ein Schützling des Hauptakteurs der von ihm
verfassten fürstlichen Biographie gewesen zu sein, vergaß darüber aber nicht die Objektivität.

67
ĐORĐEVIĆ Dragan, Srpsko nasleđe. In: Istorijske Sveske, (1998) Nr. 7, o. S. Ang.
68
STEFANOVIĆ KARADŽIĆ Vuk, Pisma. Neusatz 1969, S. 286
69
DEDIJER Vladimir, Književnost i istorija. Belgrad 1985, S. 21
70
ebda., S. 21
71
ĆOROVIĆ Vladimir, Prota Mateja Nenadović. Život i rad. Belgrad 1928, S. 2-3
72
DEDIJER Vladimir, Književnost i istorija. Belgrad 1985, S. 56
25
Er sah seine Hauptaufgabe darin, den kommenden Generationen objektiv über die
historischen Ereignisse zu berichten.73 Die Auftragsbiographie über Miloš Obrenović
verursachte bei Vuk heftige Gewissensbisse und er schrieb dem Fürsten im Zeitraum vom
12. bis 24. April mehrere Briefe, in denen er ihm seine wahre Meinung mitteilte.74 Der
unumstrittene Vater des serbischen Journalismus, Dimitrije Davidović (1789-1838), entschied
sich, die Zeitung „Novine serbskie“ zu reanimieren. Die erste Ausgabe wurde ebenfalls im
armenischen Kloster gedruckt und erschien am 13. August 1813 in Wien, also Mitten im
Krieg gegen Napoleon, unter dem Namen „Novine serbske iz carstvujućega grada Viene“.
1821 erhielt Davidović auf Empfehlung Prota Mateja Nenadovićs einen Staatsposten in der
damaligen serbischen Hauptstadt Kragujevac und überließ sein Blatt dem Jusstudenten Petar
Matić. Der Polizeipräsident Graf Sedlitzky erlaubte diese Übergabe jedoch nicht und so
wurde die Zeitung am 16. März 1822 eingestellt.

Die erste Zeitung im Fürstentum Serbien, „Novine serbske“, erschien am 5. Jänner in


Kragujevac und in Belgrad. Miloš Obrenović genehmigte ihren Druck und Verkauf, weil
Dimitrije Davidović in der Zwischenzeit zu seinem persönlichen Sekretär avanciert war und
für alle Inhalte haftete. Allerdings hatte der Erlass einen Drudenfuß, man durfte nämlich im
Blatt gar nichts über die Innen- und Außenpolitik berichten. Als in der 49. Ausgabe der
„Novine serbske“ im Jahr 1835 eine Meldung über die Krankheit des älteren Fürstensohnes
Milan publiziert wurde, wurde die Zeitung prompt verboten und Davidović nach Smederevo
verbannt.

Alle Zeitungen der Serben kämpften mit einem weiteren Problem. Auf Grund der hohen
Analphabetenrate hatten sie nur sehr wenige Leser und Abonnenten. Der Druck war recht
teuer und alle Herausgeber waren ständig auf der Suche nach Mäzenen. Meistens handelte es
sich dabei um reiche serbische Kaufleute aus Wien, Triest und Venedig. 75 Die größte
Sammlung der ersten serbischen Zeitungen befindet sich heute in der Universitätsbibliothek
„Svetozar Marković“ in Belgrad. Die ganz alten Bücher werden hingegen in der dortigen
„Narodna Biblioteka“ aufbewahrt.

73
STEFANOVIĆ KARADŽIĆ Vuk, Istorijski spisi. Bd. 15, Belgrad 1969, s. 127
74
DEDIJER Vladimir, Književnost i istorija. Belgrad 1985, S. 57
75
ĐORĐEVIĆ Dragan, Srpsko nasleđe. In: Istorijske Sveske, (1998) Nr. 7, o. S. Ang.
26
6.2. ZEITUNGEN

6.2.1. NOVINE SERBSKE IZ CARSTVUJUĆEGA GRADA VIENE

Die „Novine serbske iz carstvujućega grada Viene“ erschienen von 1813 bis 1822 in Wien,
danach als „Novine serbske“ von 1834 bis 1835, wie oben erwähnt, in Serbien. Hinter dem
ganzen Projekt stand Dimitrije Davidović, der die Zeitung mit kräftiger Unterstützung von
Dimitrije Frušić seit August 1813 herausgab. Es handelte sich um die erste richtige Zeitung in
der Volkssprache der Serben. Sie stand allen Beiträgen, Ideen und Polemiken serbischer
Autoren offen. Der bedeutendste unter ihnen war ohne Zweifel Vuk Stefanović Karadžić. Im
Laufe der Zeit wurde aus der „Novine serbske iz carstvujućega grada Viene“ eine Tribüne für
die Ideen der Südslawen, was dem wachsamen Auge der Regierung Metternichs missfiel und
so wurde die Zeitung 1822 kurzerhand verboten. Durchaus ähnlich verlief die Geschichte der
besagten Zeitung in Serbien, wo sie 1835 ebenfalls eingestellt wurde.

6.2.2. SRPSKE NOVINE

Die „Srpske novine“ entstand aus Davidovićs „Novine serbske“. 1843 wurde ihr Name in
„Srpske novine“ geändert. Die Zeitung erschien in Belgrad bis zum Ausbruch des Ersten
Weltkrieges. 1915 kam es zu einer Umsiedlung nach Nisch. Die Zeitung flüchtete gemeinsam
mit der serbischen Regierung, deren Sprachrohr sie war. Von 1916 bis 1918 erschien die
Zeitung auf Korfu und verfügte über eine eigene Literaturbeilage, was im serbischen
Journalismus zu dieser Zeit nicht üblich war. Nach 1919 erfolgte eine neuerliche
Umbenennung der Zeitung, die nun „Službene novine Kraljevstva Srba, Hrvata i Slovenaca“
hieß.

6.2.3. WEITERE SERBISCHE ZEITUNGEN

Neben den bereits erwähnten Zeitungen müssen für das 19. Jahrhundert noch die folgenden
serbischen Blätter und Herausgeber erwähnt werden. Ihre Beiträge widmeten sich oft diversen
historischen Themen: „Peštansko-Budimski skoroteča“ (1842-1844) von Dimitrije Jovanović
aus Ofen, „Stražilovo“ (1885-1894) von Jovan Grčić Milenko aus Neusatz, „Zemunski
glasnik“ (1867-1869) von Ignjat K. Sopron aus Semlin und die Belgrader Erscheinungen
„Srpska nezavisnost“ (1881-1883) von Laza Kostić, „Podunavka“ (1843-1848) von Miloš

27
Popović, „Beogradske opštinske novine“ (1887-1941) von Nikola C. Jovanović, „Male
novine“ (1888-1903) von Đorđe Kimpanović, „Srbadija“ (1874-1877) von Stevan Ćurčić und
„Otadžbina“ (1875-1892) von Vladan Đorđević.

6.3. ZEITSCHRIFTEN

6.3.1. GOLUBICA

„Golubica“, (auf dt. „Taube“), war eine Belgrader Zeitschrift des 19. Jahrhunderts. Auch ihr
Herausgeber war Dimitrije Davidović. Als Chefredakteur agierte Miloš Svetić. Viel Raum in
der 1839 gegründeten Zeitschricht bekamen Themen aus der serbischen Geschichte, vor allem
Serbien im Mittelalter oder Kočina Krajina und die Aufstände gegen die osmanische
Herrschaft. Im Bereich der historischen Forschung spielte „Golubica“ eine Vorreiterrolle. In
der fünften Ausgabe dieser Zeitschrift erschienen 1843-1844 zum ersten Mal die oben bereits
erwähnten Auszüge aus den „Memoiren“ Prota Mateja Nenadovićs unter dem Titel
„Ratovanje Srba sa Turcima Bošnjacima (od konca godine 1805. do Augusta 1806.)“. Viele
Autoren verwendeten Pseudonyme oder gaben nur ihre Familien- oder Spitznamen bekannt,
so auch ein gewisser Šumarski, der in der vierten Ausgabe der „Golubica“ aus dem Jahr 1852
eine detaillierte und eindrucksvolle Beschreibung der Heldentaten der Einheiten unter dem
Oberbefehl Koča Anđelkovićs liefert:

31. marta pođe 400 Turaka pešaka a 800 na konji iz Jagodine u Beograd. Srpski kapetan Koča, od kog
svi Turci drhtaše, sa 400 Srbijanaca udari na nji pram čardaka Karanke, i učini nečuveno čudo, ubi
100 Turaka i njegova Tefterdara, smrtno rani preko 400 Turaka, ostali pobegoše kroz šume razasuti k
selu Ćupriji. Koča dobi ovde 200 konja, mnoga kola s brašnom, novcima i pismima, koja su iz
Carigrada na vezira u Beograd išla.76

Am 31. März marschierten 400 türkische Infanteristen und 800 Kavalleristen von Jagodina nach
Belgrad. Der serbische Hauptmann Koča, vor dem alle Türken zitterten, griff sie mit 400 Serbianern 77
beim Tschardak Karanka an, bewerkstelligte ein unerhörtes Wunder, tötete 100 Türken und ihren
Tefterdar, verletzte über 400 Türken tödlich. Der Rest flüchtete zerstreut durch die Wälder ins Dorf
Ćuprija. Koča bekam hier 200 Pferde und viele Wagen mit Mehl, Geld und Briefen, die auf dem Wege
von Konstantinopel zum Wesir in Belgrad waren.

Der Autor des Beitrages beschreibt die Aktionen der Serben während der „Kočina Krajina“
als einen regelrechten Partisanenkrieg:

76
ŠUMARSKI, Kapetan Koča. In: Golubica (1852), Nr. 4, S. 236
77
Serben aus Serbien, Bem. d. Aut.
28
Malo potom dođe opet 600 Turaka iz Jagodine, no Koča čuje za nji, dočeka ji tajno u zasedi, prospe
oštru vatru na nji, ubije ji 300, među njima beše mnogi velikaši. Koča dobi ovaj dan, kod ove dve retko
čuvene junačke pobede, mnogo krasno oružje i tursko skupoceno odelo, 200 konja sa dragocenim i
skerletom iskićenim sedlama, mnogo novca, baruta i olova, i sa ovim sve svoje Srbe prekrasno obogati,
oboruža, i odene lepim turskim odelom, da se posle od Turaka nisu razaznavati mogli, i u takvom odelu
više puta varali su Turke, i po drumovi sretajući ji užasno tukli i sekli.78

Kurz darauf kamen wieder 600 Türken aus Jagodina, Koča hörte davon, stellte ihnen eine Falle,
beschoss sie heftig und tötete 300 von ihnen. Unter den Getöteten waren viele Großwürdenträger. Koča
erbeutete an diesem Tag, nach zwei namhaften Heldensiegen, viele Prachtwaffen und teure türkische
Kleider, 200 Pferde mit den kostbarsten scharlachroten Satteln, viel Geld, Schießpulver und Blei, womit
er seine Serben bereicherte und bewaffnete. Er steckte sie in die schönen Kleider und man konnte die
Serben von den Türken nicht mehr unterscheiden. Mehrere Male täuschte man so die Türken und
massakrierte sie auf den Verkehrswegen.

Der bedeutende serbische Historiker Pavlović spottete sehr heftig über die äußerst unseriöse
Forschungsarbeit Šumarskis, der angeblich viele Daten, Personen und Ereignisse miteinander
verwechselt habe.79

6.3.2. GLASNIK

Die Zeitschrift „Glasnik“, (auf dt. „der Bote“), erschien ähnlich wie „Golubica“ erstmals
ebenfalls in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Nach mehreren Unterbrechungen durch Kriege
und Zensurverbote erscheint die Zeitschrift sogar noch heute. Von großer historischer
Bedeutung ist die Erzählung eines Zeitzeugen der sogenannten „Belgrader Affäre“ namens
Janjićije Đurić (1779-1850) vom Dezember 1787 im „Glasnik“ Nr. 4 aus dem Jahr 1846.
Đurić war damals zwar noch ein Kind, machte jedoch etliche Jahrzehnte später ausgesprochen
genaue Angaben über die serbischen Teilnehmer der Diversion.80 Daraus darf man schließen,
dass er seine Erinnerungen vermutlich im Gespräch mit anderen Zeitzeugen aufgefrischt
hatte.

78
ŠUMARSKI, Kapetan Koča. In: Golubica (1852), Nr. 4, S. 236
79
PAVLOVIĆ, Dragoljub M., Srbija za vreme poslednjeg austrijsko-turskog rata (1788-1791 g.) po arhivskoj i
drugoj građi. Belgrad 1910, S. 36
80
Kazivanje Janjićija Đurića (1779-1850) o neuspelom zauzimanju Beograda. In: Glasnik (1846), Nr. 4., S. 90
29
6.3.3. DANICA (WIEN)

Die wahre Seele der „Danica“ (auf dt. „Morgenstern“) war ganz eindeutig Vuk Stefanović
Karadžić. In dieser Zeitschrift publizierte er seine Ideen über die notwendige Reform der
serbischen Sprache und auch viele historische Abhandlungen. Viele Beiträge aus der Feder
von Vuk handelten vom letzten österreichisch-türkischen Krieg und werden separat im
Kapitel über den großen Aufklärer näher behandelt. Streng genommen, handelte es sich dabei
eigentlich um die Auszüge aus „Istoriski spisi“. „Danica“ erschien einmal jährlich, von 1826
bis 1832. Als sich Vuk im Jahre 1833 im Dienste des Fürstes Miloš Obrenović in Serbien
aufhielt, wurde „Danica“ schlicht nicht gedruckt, sondern erst im Folgejahr publiziert.

6.3.4. DANICA (NEUSATZ)

Die Neusatzer Zeitschrift „Danica“ wurde von 1860 bis 1872 im Auftrag von Đorđe Popović
im „serbischen Athen“ an der Donau herausgegeben und avancierte recht bald zum
wichtigsten Medium der serbischen Romantik. Für die Zeitschrift schrieben Đura Jakšić,
Ljubomir Nenadović, Laza Kostić, Jovan Jovanović Zmaj und viele andere bedeutende
Serben. „Danica“ spielte eine unvorstellbar große Rolle in der Entstehung des nationalen
Bewusstseins des serbischen Volkes. Ihre Autoren plädierten für die Eintracht aller Serben.

6.3.5. GLASNIK DRUŠTVA SRBSKE SLOVESNOSTI

Diese Zeitschrift war ein Massenmedium der 1842 durch Jovan Sterija Popović und Atanasije
Nikolić gegründeten „Gesellschaft für die serbische Aufklärung, Wissenschaft und Literatur“.
Eines der Hauptziele dieser Gesellschaft war das Sammeln historischer Quellen, die als
Fundamente des erst entstehenden Serbentums dienen konnten. Neben den beiden Gründern
der Zeitschrift publizierten im „Glasnik društva srbske slovesnosti“ fast alle Gelehrten aus
den serbischen Reihen, darunter Stojan Novaković, Janko Šafarik und Đura Daničić ihre
historischen, philosophischen, rechtlichen und philologischen Abhandlungen. Stojan
Novaković schrieb hauptsächlich über die Teilnahme der Serben an den Kriegen und
Aufständen gegen die Osmanen.

30
6.3.6. GODIŠNJICA NIKOLE ČUPIĆA

Nikola Čupić (1836-1870) war ein sehr wohlhabender serbischer Offizier, der an Tuberkulose
erkrankte und in Oran an der nordafrikanischen Küste starb. Viel Geld vermachte er seiner
Stiftung, deren Aufgabe die Publikation der wissenschaftlichen Schriften in serbischer
Sprache in Belgrad war. Daraus entstand eine Zeitschrift, die seinen Namen trug und im
Zeitraum von 1871 bis 1941 auf ihren Seiten die bedeutendsten historischen Werke der
Serben veröffentlichte. So äußerte sich z. B. in der Ausgabe IX aus dem Jahr 1887 eine
Gruppe Historiker zum Tschaikistenbataillon und zu den Kämpfen um Belgrad im
österreichisch-osmanischen Krieg von 1787/88 bis 1791.81

6.3.7. ŠUMADINKA

„Šumadinka“ erschien im Zeitraum von 1850 bis 1857 und war primär eine Zeitschrift für die
ganze Familie. Da ihr Herausgeber aber Ljubomir Nenadović hieß und ein Sohn Prota
Matejas war, kam auch die historisch interessierte Leserschaft auf ihre Kosten. Nenadović
publizierte in den Ausgaben 12, 15 und 19 im April 1855 mehrere Folgen der „Memoiren“
seines Vaters unter dem Titel „Dnevnik Prote Nateje Nenadovića poslanika srbskog 1815 u
Beču“. Den Rest der „Memoiren“ erschien 1856 unter dem Titel „Rukopisi Prote Matije [sic!]
Nenadovića“ in den Nummern 11, 12, 13, 14, 29, 30, 31, 32, 33, 34, 35, 61, 64, 73, 76, 79, 82,
85, 88, 94, 97, 100 und 106 der „Šumadinka“, womit Ljubomir Nenadović einen bedeutenden
Beitrag zur neuzeitlichen serbischen Geschichtsforschung leistete.

6.3.8. ANDERE SERBISCHE ZEITSCHRIFTEN

In der Neusatzer Zeitschrift „Matica“ (1865-1870) erschienen die wissenschaftlichen Texte


Stojan Novakovićs, Mita Popovićs und Jovan Grčićs. In „Srpska zora“ (1876-1881) schrieben
außer den Obenerwähnten auch noch Laza Kostić, Jovan Jovanović Zmaj und Đura Jakšić.
„Vila“, (auf dt. Fee), legte hingegen mehr Wert auf Unterhaltung durch Literatur. Über die
geschichtlichen und literarischen Themen der Periode des Kampfes gegen die Herrschaft der
Osmanen, äußerten sich Kostić, Daničić, Milan Miličević und Ljubomir Nenadović.

81
Odlomak iz istorije Beograda. In: Godišnjica Nikole Čupića (1887), Bd. 9, S. 43-46
31
In „Srpski letopis“ publizierte der österreichisch-serbische General Avram Đukić zahlreiche
Auszüge aus seinen geschichtlichen Werken, primär über das Titeler Tschaikistenbataillon.
Beim in Esseg 1792 gedruckten, „Pučki kalendar za 1793.“ handelte es sich eigentlich um ein
Kalenderbuch. Dort wurden jedoch die zeitgenössischen Briefe Josip (manchmal auch Joseph
oder Josif geschrieben) Stojanovićs aus dem Achten Österreichisch-Osmanischen
Türkenkrieg unter dem Titel „Slidi Pisma. Od slavne Regimente Gradishke slovena u Vrime
ratta Tyrskoga Godine 1788” publiziert, die eine äußerst genau Chronologie der Eregnisse des
ersten Kriegsjahres liefern.82

6.4. HISTORIKER

6.4.1. MILOVAN VIDAKOVIĆ

Der gebürtige Schumadiner Milovan Vidaković (1780-1841) aus Nemenikuće gilt als Vater
des serbischen Romans. Im zarten Alter von zehn Jahren flüchtete er 1790 während des
letzten österreichisch-türkischen Krieges samt seiner Familie von Serbien nach Österreich.
Lesen und Schreiben erlernte er im syrmischen Irig, (auf dt. Iregh), wo er als Flüchtling lebte.
In Szeged studierte er Philosophie und wurde 1817 zum Direktor des Neusatzer Gymnasiums
ernannt. Vidaković sprach fließend Deutsch, Serbisch, Ungarisch, Latein und Französisch.
Nach 1824 unterrichtete er als Privatlehrer in Temeschwar, Karlowitz und Pest. Er starb völlig
verarmt, da fast alle serbischen Schüler in Pest bei ihm unentgeltlich wohnten und aßen. Der
große Altruist betätigte sich auch als Schriftsteller und veröffentlichte insgesamt sieben
Romane: „Usamljeni junoša“, „Velimir i Bosiljka“, Ljubomir u Jelisijumu“, „Kasija carica“,
„Siloan i Milena“, „Ljubezna scena na veselom dvoru Ive Zagorice“ und „Selim i Merima“.
Obwohl Vidaković zeitlebens als Romanautor äußerst populär war, verübelten ihm die
zahlreichen Kritiker seine blumig-kitschige Sprache ohne Kunstwert. Vuk Stefanović
Karadžić lobt ihn anfangs als verdienten Aufklärer sehr:

Gospodin Milovan Vidaković zaslužuje osobitu blagodarnost od svojega roda, ne samo zato što on
svojim knjigama rod svoj prosvještava i ukus mu otvara nego osobito zato što imena slaveno-serpska u
svojim knjigama upotrebljava, i ona mjesta napominje, črez koja bi se mi opomenuti mogli da smo i mi
nekad nešto bili.83

82
STOJANOVIĆ Josip, Slidi Pisma. Od slavne Regimente Gradishke slovena u Vrime ratta Tyrskoga Godine 1788.
In: Novi i stari vetodanik illiti kalendar Illyricski za pristupno godishte 1792 na korist i zabavu Slavonicah sloxen
Po jednom Domorocu iz Poxege rodom. Esseg 1792
83
STEFANOVIĆ KARADŽIĆ Vuk, Mala prostonarodna slaveno-serbska pjesnarica. Wien 1814, S. 5-7
32
Herr Milovan Vidaković verdient eine besondere Dankbarkeit seines Volkes nicht nur deswegen, weil
er das Volk in seinen Büchern aufklärt und ihm den Geschmack offenbart, sondern weil er
slawenoserbische Namen in seinen Büchern verwendet und die Ortschaften nennt, die uns daran
erinnern, dass wir einst jemand waren.

Später wandte sich Vuk allerdings von ihm ab, weil Vidaković in seinen Büchern viele
slawenoserbischen Ausdrücke verwendete.84 Vidakovićs bedeutendstes historisches Werk
erschien 1835 in Belgrad und hieß „Istoria Slaveno Serbskoga Naroda“, (auf dt. „Die
Geschichte des slawenoserbischen Volkes.“). Seine Beschreibungen des Achten
Österreichisch-Osmanischen Krieges galten als besonders eindrucksvoll, weil seine Familie
mit dem Hauptmann Koča Anđelković eng befreundet war und er deswegen direkten Zugang
zu den Quellen hatte. Vidakovićs Schilderung der diplomatischen Aktion der Serben klingt
recht plausibel:

Po kazivanju koliko se ja, još kao dete, sećam, Srbi potajno od Turaka skupe se na neki mali sabor na
kome izaberu nekoga Koču, muža bodra i rečita, koji je bio od trgovačkog reda i s njime još dvojicu
(ako se ne varam popa Đorđa iz Kragujevca i nekojega Vlajka) i pošalju ih u Beč da predlože od
strane naroda Nj. V. Josifu šta narod misli i na koji način oni žele Njemu pripasti i oružje protiv Turaka
dignuti.85

Nach den Erzählungen, an die ich mich aus meiner Kindheit erinnere, trafen sich die Serben in einer
kleinen Versammlung und wählten einen gewissen Koča, einen energischen und redegewandten Mann,
und mit ihm noch zwei Männer (falls ich mich nicht täusche, den Popen Georg aus Kragujevac und
einen Mann Namens Vlajko) und entsandten sie nach Wien, um Seiner kaiserlichen Majestät die
Meinung des Volkes vorzutragen, ihr anzugehören und bewaffnet gegen die Türken zu rebellieren.

Die serbischen Delegierten kamen, reisten bald darauf inkognito nach Österreich und
besuchten das Haus der Familie Vidaković in Irig:

Ova tri muža idući u Beč udare na Irig mesto u Sremu pod Fruškom Gorom i Koča bivši poznat s
Momirom Jovan-Vidakovićem tu u Irigu, svrati se k njemu sa dva svoja druga na prenoćište, koji kažu i
pripovede domaćinu kuda i zašto idu. On ih usrdno dočeka i lepo ih ugosti i sutradan otpusti.86

Auf dem Wege nach Wien kamen diese drei Männer nach Irig, eine Ortschaft in Syrmien unter dem
Gebirge Fruška Gora und da der Koča den Momir Jovan-Vidaković gut kannte, ging er mit seinen zwei
Kameraden zu ihm und dort übernachteten sie. Sie erzählten ihrem Gastgeber vom Grund ihrer Mission.
Er bewirtete sie gut und entließ sie am nächten Tag auf die Reise.

84
STEFANOVIĆ KARADŽIĆ Vuk, Mala prostonarodna slaveno-serbska pjesnarica. Wien 1814, S. 5-7
85
VIDAKOVIĆ Milovan, Istoria Slaveno Serbskoga Naroda. Bd. 4., Belgrad 1835, S. 170
86
ebda.
33
6.4.2. VUK STEFANOVIĆ KARADŽIĆ

Vuk Stefanović (1787-1864) – später nahm er noch den Namen Karadžić nach einem
Anwesen seiner Eltern an – war ein serbischer Dichter, Ethnologe, Philologe, angelernter
Jurist, Bürgermeister von Belgrad und Diplomat. Besonders als Philologe erwarb er sich
große Verdienste. Heute gilt er als bedeutendster Sprachreformer und Vater der modernen
serbischen Sprache. Unter seinen Zeitgenossen galt Vuk mit seinem Holzbein, mit seinem
allgegenwärtigen roten Fes und mit seinem sprichwörtlichen „Mein Gott“ als eine etwas
skurrile Gestalt aus Wien.87 Die meisten seiner Werke widmete der große Aufklärer den
serbischen Fürsten Miloš und Mihailo Obrenović.88 In der Wiener Zeitschrift „Danica“
berichtete Vuk Stefanović Karadžić anno 1827 im zweiten Subkapitel „Geografičesko-
statističesko opisanije Srbije“ ausführlich über die tributare Herrschaft der osmanischen
Sipahi in Serbien am Ende des 18. Jahrhunderts, die im klaren Gegensatz zu den
Verwaltungstendenzen im habsburgischen Königreich Serbien von 1718 bis 1739 standen:

Niti oni imaju po selima svoji kuća ni namjesnika; niti je običaj da im se što radi. Kad bude u jesen,
spaija dođe sam, ili pošalje koga, ako živi daleko, te pokupi glavnicu i desetak, koji su mu ljudi dužni
odnijeti kući, ako ga onđe ne proda ili mu ga oni ne otkupe.89

Weder haben sie in den Dörfern ihre Häuser, noch ihre Verwalter; es ist auch keine Gepflogenheit, bei
ihnen etwas zu arbeiten. Im Herbst kommt entweder der Sipahi höchstpersönlich vorbei oder er schickt
jemanden, falls er weit entfernt lebt und lässt die Kopf-und Zehentsteuer einsammeln, die ihm die Leute
heimbringen, falls er sie dort nicht verkauft oder sie von ihnen zurückgekauft wird.

Dieselbe Jahresausgabe der Zeitschrift bzw. des Almanachs beinhaltet auch Vuks Analyse der
Abgaben in Serbien:

Osim spaijnskoga desetka i glavnice raja daje Turcima još carev arač (carsku glavnicu) i porezu. Arač
je u Srbiji i u Bosni po112 para, i s kojekakvim troškovima iziđe na 3 groša, od svake muške glave od 7
godina pak do same starosti. Poreza se obično daje dva put u godini, t. j. o Đurđevu dne i o Mitrovu
dne; u njoj se daju novci za pašu, i za ostale sve naijske troškove, n. p. što se po nešto daje knezovima,
što se plaćaju panduri, ako je kakav paša, ili drugi ko, kroz naiju prošao i dočekivan bio i t. d.90

Neben dem Zehent für die Spahis und der Kopfsteuer muss das gemeine Volk den Türken auch noch die
normale Steuer und die Kopfsteuer für den Sultan geben. Der Tribut beträgt in Serbien und Bosnien
jeweils 112 Para, und macht mit noch irgendwelchen Unkosten 3 Groschen aus und zwar für jeden
männlichen Kopf, vom 7. Lebensjahr bis ins hohe Alter. Die Steuer bezahlt man üblicherweise zweimal
jährlich, d.h. am St. Georgs- und am St. Demetriostag; das sind die Gelder für den Pascha und für alle
anderen Unkosten der Verwaltungseinheit, zum Beispiel etwas für die Dorffürsten, für die Löhne der
Panduren, falls ein Pascha empfangen wurde, usw.

87
MILIČEVIĆ Milan Đakov, Pomenik. Reprint izdanja iz 1888. i 1901. Neusatz 1971, S. 127
88
STEFANOVIĆ KARADŽIĆ Vuk (Hg.), Srpske narodne pjesme. Bd. 4, Wien 1862, S. 3
89
STEFANOVIĆ KARADŽIĆ Vuk, Prvi i drugi srpski ustanak. Život i običaji naroda srpskog. In: Danica 2 (1827), S.
79
90
ebda., S. 81-82
34
Der Autor beschrieb ausführlich die Gegensätze zwischen der ruralen serbischen und der
urbanen osmanisch-islamischen Bevölkerung:

Imajući Turci nad Srbima taku vlast, i taka prava, naravno je, da se Srbi moraju starati, koliko je
moguće manje da se miješaju s njima. Zato Srbi ne samo što ne žive po gradovima i po varošima, nego
ne žive rado ni blizu ovije, a još manje po velikim drumovima, kuda Turci često prolaze; nego se
najradije zavlače po šumama i po brdima i potocima, kuda se često kuće primiču za šumom; a u
gradove i u varoši ne idu rado bez osobitoga posla ili nevolje. Tako ima matori ljudi, koji nigda nijesu
bili u gradu ni u varoši. A Turci besposleni, srećom, osobito u mirno doba, slabo se skitaju po
selima…91

Da die Türken eine solche Macht und solche Sonderrechte über die Serben haben, müssen sich die
Serben darum kümmern, sich mit ihnen nicht zu vermischen. Deswegen leben die Serben nicht in den
Städten und Städtchen, sondern weit weg von denselben, fern der großen Straßen, die seitens der
Türken oft passiert werden, sie ziehen sich am liebsten in die Wälder, Berge und Bäche zurück und ihre
Häuser befinden sich oft am Waldrand; in die Städte und Städtchen gehen sie nur wegen der Amtswege
oder in Not. Es gibt alte Leute, die noch nie in der Stadt waren. Glücklicherweise meiden die
vagabundierenden Türken die Dörfer, und zwar vor allem in Friedenszeiten.

Vuk sah in der osmanischen Willkürherrschaft die Hauptursache des Haidukentums:


Tursko vladanje i sud, i njiovo postupanje s rajom, najveći je uzrok, što u Srbiji, kao i u Bosni i
Ercegovini i u svoj Turskoj, ima mnogo ajduka.92

Die türkische Herrschaft und Gerichtsbarkeit und ihr Vorgehen gegenüber dem gemeinen Volke ist der
Hauptgrund für die vielen Haiduken in Bosnien, in der Herzegowina und in Serbien.

Einen Kritikpunkt bildete aus der Sicht von Vuk auch die Rückständigkeit der Serben, vor
allem in Bezug auf das Schulwesen:

U Srbiji, kao i u Bosni i Ercegovini, ni u sto sela nema svuda jedne škole, niti joj i đe ima određena i
postojana mjesta; nego oni, koji misle biti popovi i kaluđeri, uče knjigu po namastirima kod kaluđera, i
po selima kod popova.93

In Serbien und in Bosnien und Herzegowina gibt es in hundert Dörfern keine einzige Schule und sie
hätte auch keinen fixen Platz; die künftigen Popen und Mönche lernen aus den Büchern bei den
Mönchen in den Klöstern und in den Dörfern bei den Popen.

Über die Vorgänge im letzten Österreichisch-Osmanischen Krieg berichtete Vuk Stefanović


Karadžić primär in „Istorijski spisi“ und in „Miloš Obrenović – knez srpski ili građa za srpsku
istoriju našeg vremena.“ Im ersten Band der „Historischen Schriften“ ging Vuk auf die
sogenannte „Belgrader Affäre“ unter der Mitwirkung des Popen Radič Petrovićs näher ein:

91
STEFANOVIĆ KARADŽIĆ Vuk, Prvi i drugi srpski ustanak. Život i običaji naroda srpskog. In: Danica 2 (1827), S.
89-90
92
ebda., S. 90
93
ebda., S. 118
35
U početku rata bio je u društvu Jovana Novakovića i Živka Milenkovića i nekaka popa, koji su u
Zemunu (1787 godine 26/15 Nojevrija) ugovorili s Nemačkom gospodom da otvore Beogradski grad.94

Am Anfang des Krieges war in der Gesellschaft von Jovan Novaković und Živko Milinković auch ein
Pope und sie vereinbarten in Semlin (am 26./15. November) mit den deutschen Herren, die [Tore der]
Belgrader Burg zu öffnen.

Der Plan scheiterte allerdings am dichten Donaunebel:


Oni po ugovoru u određenu noć otvore grad, no onu noć i osim pomrčine padne nekakva magla, te
Nemačke lađe s vojskom ne pogode u Beograd, da se izvezu na određeno mesto, nego otidu ispod
Beograda niz Dunav; a ovi uzalud čekavši do pred zoru, jedva se izmaknu natrag.95

Sie eröffneten laut der Vereinbarung in der bestimmten Nacht die Tore der Burg, diese Nacht war
jedoch neben der Dunkelheit auch noch nebelig und die deutschen Schiffe verpassten den Treffpunkt
und fuhren weiter der Donau entlang; sie [die Serben] warteten vergebens bis zum Morgengrauen und
zogen sich mit äußerster Mühe zurück.

Trotz dem mißlungenen Überfall auf die strategisch wichtige Festung erwies sich das
kaiserlich-königliche Heer für manche Serben als Sprungbrett für eine bedeutende Karriere:

Radič posle uz onaj rat postane kapetan u Srpskom frajkoru. Kažu da je jedan put isekao nekake
predate Turke, te mu se zato bilo oduzelo kapetanstvo; no posle povata druge Turke i otme nekake
kamile, te mu se zato opet povrati. Pošto se Nemci umire s Turcima, on, kao i drugi frajkorski oficiri,
koji više nisu bili za Nemačku službu, dobije penziju (i za osobite zasluge Madžarsko plemićstvo), i tako
je živeo u Sremu, u selu Jakovu, do godine 1804.96

Radič wurde im Laufe des Krieges ein Hauptmann des Serbischen Freikorps. Man sagt, er habe einmal
irgendwelche türkischen Kriegsgefangenen niedergemetzelt und aus diesem Grund verlor er den
Hauptmannsrang; später nahm er jedoch andere Türken gefangen, nahm irgendwelche Kamele als Prise
und erhielt seinen Rang wieder zurück. Nachdem die Deutschen sich mit den Türken versöhnten, bekam
er, gleich wie die anderen Freikorpsoffiziere, die für den Dienst bei den Deutschen nicht mehr taugten,
eine Pension (und für die besonderen Verdienste den ungarischen Adelsstand), und so lebte er in
Syrmien, im Dorf Jakovo, bis 1804.

In „Miloš Obrenović – knez srpski ili građa za srpsku istoriju našeg vremena“ lieferte Vuk
eine gute allgemeine Übersicht des Kriegsverlaufes:

94
STEFANOVIĆ KARADŽIĆ Vuk, Kao srpski Plutarh ili žitija zlatni Srbalja u Srbiji našega vremena. Radič Petrović.
In: Danica 4 (1829), S. 11
95
ebda., S. 11-12
96
ebda.,S. 12
36
Godine 1788 na pozivanje ćesara Josifa II. ustanu Srbi na Turke, i sami Turke po Beogradskom
pašaluku sateraju u gradove i popale varoši i palanke. Kad u tom vojska Turska navali na Srbiju, a
Nemačka još ne stigla, onda se narod prosti stane predavati.97

Im Jahr 1788 rebellierten die Serben nach einem Aufruf des Kaisers Joseph II. gegen die Türken und
drängten sie im Belgrader Paschalik98 in die Städte zurück, die sie niederbrannten. Als dann das
Türkenheer Serbien angriff und das deutsche Heer noch nicht ankam, begann sich das gemeine Volk zu
ergeben.

Der Autor schilderte dann sehr eindrucksvoll eine besonders dramatische Episode aus dem
Leben des späteren serbischen Anführers Karađorđe:

A četobaše i znatniji vojnici pobegnu u Srem i u Banat (tada je Crni Đorđe ubio svog oca Petroniju 99
što nije šćeo s njime da beži Srem).100

Die Hauptmänner und die wichtigeren Soldaten flüchteten nach Syrmien und ins Banat (damals tötete
der Schwarze Georg seinen Vater Petronija, weil er mit ihm nach Syrmien nicht flüchten wollte).

Den Beschreibungen der österreichischen und serbischen Freiwilligen widmete Vuk viel
Platz:

Kad Nemci po tom pređu u Srbiju i podignu srpski frajkor pod obršterom Mijaljevićem,101 mlogi i
ondašnji Srbi postanu kapetani, n. p. Radič Petrović iz Levča iza sela Sviokovca, Marjan Jovanović iz
Levča iza sela Laništa, dva brata (Jovan i Petar) Čardaklije od nekud s Arnautske granice, Deli-
Đorđije.102

Als die Deutschen danach nach Serbien kamen und das serbische Freikorps unter dem Oberst Mijaljević
erhoben, wurden viele damalige Serben zu Hauptmännern ernannt, z. B. Radič Petrović aus Levče
hinter dem Dorf Sviokovac, Marjan Jovanović aus Levče hinter dem Dorf Lanište, zwei Brüder (Jovan
und Petar) Čardaklija irgendwo von der albanischen Grenze, Deli-Georg.

Der Autor unterstrich die besondere historische Rolle Koča Anđelkovićs103:

97
STEFANOVIĆ KARADŽIĆ Vuk, Miloš Obrenović – knjaz Serbii ili građa za srpsku istoriju našeg vremena. Ofen
1828, S. 1
98
eigentlich Paschalik von Smederevo, Bem. d. Aut.
99
Petronije war nicht der leibliche Vater von Karađorđe, sondern sein Stiefvater, Bem. d. Aut.
100
STEFANOVIĆ KARADŽIĆ Vuk, Miloš Obrenović – knjaz Serbii ili građa za srpsku istoriju našeg vremena. Ofen
1828, S. 2
101
Oberst Mihaljević, Bem. d. Aut.
102
STEFANOVIĆ KARADŽIĆ Vuk, Miloš Obrenović – knjaz Serbii ili građa za srpsku istoriju našeg vremena. Ofen
1828, S. 2
103
sein richtiger Vorname lautete Korun, obwohl er manche Dokumente auch mit Kosta unterschrieb und sein
Familienname lautete eigentlich Petrović, Anđelković nannte er sich nach seinem Vater Anđelko, einem
Flüchtling aus dem Paschalik von Prizren, Bem. d. Aut.
37
No od sviju je bio najpoznatiji kapetan Koča iz Levča iza sela Panjevca. On je najpre trgovao svinjama,
pa se na godinu pred zavadi nešto s Turcima, u uteče u Banat; a u početku rata pređe opet u Srbiju, i
pobuni narod protiv Turaka; zato se u Srbiji, osobito po donjim krajevima, ovaj rat i današnji dan zove
Kočina Krajina.104

Der berühmteste von allen war der Hauptmann Koča aus Levče hinter dem Dorf Panjevac.105 Zuerst
handelte er mit Schweinen, dann zerstritt er sich mit den Türken und flüchtete ins Banat; am Anfang des
Krieges kehrte er wieder nach Serbien zurück und wiegelte das Volk gegen die Türken auf; aus diesem
Grund nennt man in Serbien, vor allem in seinen nördlichen Gebieten, diesen Krieg noch immer Kočina
Krajina.

Weiter beschrieb Vuk die Eigendynamik der kriegerischen Ereignisse und das Schicksal der
serbischen Kämpfer unter Koča:

Kad su Turci prodrli u Banat, on je s nekoliko stotina svojih frajkora čuvao Dunav više Poreča (iz
nemačke strane prema Dobroj). Došavši Turci u Poreč, poručivali su mu, da se ukloni s puta, dodajući,
da je vojska Nemačka utekla ka Temišvaru, a on sam ne može se upreti carskoj sili; no on to nije hteo
da veruje i da posluša, nego, uzdajući se u svoju dojakošnju sreću, i misleći, kako stanu puške pucati,
da će mu vojska Nemačka (za koju je znao, da je negde blizu) doći u pomoć, s nekoliko stotina ljudi
dočeka Tursku silu.106

Als die Türken ins Banat vorstießen, bewachte er mit mehreren Hunderten Kämpfern seines Freikorps
die Donau oberhalb von Poreč (von der deutschen Seite bis nach Dobra). Als die Türken Poreč
erreichten, ließen sie ihm ausrichten, er möge ihnen aus dem Weg gehen, weil das deutsch Heer ohnehin
nach Temeschwar geflüchtet sei und er gegen die Streitmacht des Sultans keinen Widerstand leisten
könne; er wollte es aber nicht glauben und darauf hören und vertraute seinem bisherigen Glück,
denkend, dass ihm, sobald es zu einem Schusswechsel käme, das deutsche Heer (dessen Nähe ihm
bekannt war) helfen würde; so positionierte er sich mit mehreren Hundert Mann vor der türkischen
Streitmacht.

Vuk Stefanović Karadžić schilderte den Untergang des serbischen Volkshelden und seiner
Truppen am 7. September 1788 in taktischer Hinsicht sehr detailliert:

Dok su se jedni Turci s njim tukli, drugi zađu, te ga opkole, i s one strane, od kud je mislio, da će mu
doći Nemačka vojska u pomoć, udare turski pešaci. Posle dugoga i strašnoga boja i jurišanja uvate
Turci Koču živa sa oko 60 frajkora (a ostali svi izginu), i odvedu ji na Tekije prema Ršavi, te ji onde
ponabijaju na kolje.107

Während sich ein Teil der Türken mit ihm schlug, hinterging ihn ein anderer Teil und ausgerechnet von
der Seite, von der er die Hilfe des deutschen Heeres erwartete, griffen die türkischen Infanteristen an.
Nach einem langen und schrecklichen Kampf und Stürmen nahmen die Türken den Koča samt etwa 60
Freikorpssoldaten lebendig gefangen (die anderen kamen alle um), führten sie nach Tekija in Richtung
Ršava ab, wo sie gepfählt wurden.

104
STEFANOVIĆ KARADŽIĆ Vuk, Miloš Obrenović – knjaz Serbii ili građa za srpsku istoriju našeg vremena. Ofen
1828, S. 2
105
heute Kočino Selo, Bem. d. Aut.
106
STEFANOVIĆ KARADŽIĆ Vuk, Miloš Obrenović – knjaz Serbii ili građa za srpsku istoriju našeg vremena. Ofen
1828, S. 3
107
ebda.
38
Einige Zeit nach dem Tode Vuks verkaufte seine Tochter Mina alle Druckrechte an den
Werken ihres Vaters an die serbische Regierung. Sie bezog zeitlebens eine Jahresrente in der
Höhe von 6.000 Dinar. Außerdem erhielt sie fünfzig Freiexemplare von jedem gedruckten
Buch.108

6.4.3. LAZAR ARSENIJEVIĆ BATALKA

Lazar Arsenijević Batalka (1793-1868) kam im Dorf Bukovik in der Nähe von Kragijevac zur
Welt und war ebenfalls ein sehr bedeutender Historiker. Während des Ersten Serbischen
Aufstandes besuchte er in Belgrad die Große Schule, auch „Jugovićeva škola“ genannt, eine
Vorläuferin der Belgrader Universität. Sie wurde von Ivan Jugović (1772-1813) gegründet,
einem austrophilen Aufklärer aus Sombor, der sich manchmal auch als Jovan Savić
bezeichnete. Als Vorbild für seine Bildungsinstitution als Kaderschmiede der künftigen
serbischen Elite diente ihm die Ungarische Königliche Akademie. Am Anfang war Jugović
der einzige Professor an der Schule, deren Direktor Dositej Obradović war. Nach dem
Schulabschluss diente Lazar Arsenijević als Staatsbeamter in Passarowitz, Kladovo und
Kragujevac, wo ihm übrigens der „Vater der serbischen Presse“, Dimitrije Davidović, den
Spitznamen Batalka, also „Bata Laka“ (auf dt. „Brüderchen Lazarus“) verpasste. Zu den
weiteren Meilensteinen seiner Karriere zählten Smederevo und Belgrad, wo er in der
Markuskirche heute begraben liegt.109 Er gehörte zu den Verehrern Karađorđes. Aus diesem
Grund lag Batalka im Streit mit Vuk, der eher zum Realpolitiker Miloš Obrenović tendierte
und gegen den aufbrausenden „Vožd“ war.110 Batalka schrieb „Memoare“ und übergab seine
Aufzeichnungen dem Mitglied des serbischen Staatsrates Nikola Krstić, der sie allerdings
nicht publizieren wollte.111 Als Historiker widmete er sich hauptsächlich dem Kampf der
Serben für die Befreiung von der osmanischen Herrschaft im 18. und 19. Jahrhundert. Seine
Überlieferungen der historischen Ereignisse unterscheiden sich manchmal im Detail von den
Deutungen der anderen Geschichtsschreiber. Allerdings nannte Batalka stets alle Zeitzeugen
mit ihren vollen Vor- und Nachnamen, was für eine gewisse Seriosität seiner historischen
Forschung spricht. Als Beispiel könnte die Kurzbeschreibung der Gefangennahme Koča
Anđelkovićs dienen:

108
MILIČEVIĆ Milan Đakov, Pomenik. Reprint izdanja iz 1888. i 1901. Neusatz 1971, S. 128
109
ebda., S. 53-56
110
ebda., S. 56
111
ebda., S. 54
39
Po kazivanju Milorada Kukića, četnika u austrijsko turskom ratu i savremenika Kočina, Koču su
opkolili Turci u nekoj pećini i da se on sa svojih 150 četnika junački borio, ali se morao predati
Turcima na veru, jer ne dobi pomoći od Austrijanaca.112

Nach der Erzählung Milorada Kukićs, eines Tschetniks im Österreichisch-Türkischen Krieg und eines
Zeitgenossen Kočas, wurde der Koča seitens der Türken in einer Höhle umzingelt. Er kämpfte mit
seinen 150 Tschetniks zwar heldenhaft, musste sich jedoch im guten Glauben den Türken ergeben, weil
er von den Österreichern keine Hilfe bekam.

6.4.4. LEOPOLD RANKE

Leopold Ranke (1795-1886) war ein deutscher Historiker, Philologe, Hochschullehrer,


Staatsdiener und Politiker.113 Für ihn war die Objektivität der Geschichtsforschung wesentlich
wichtiger als ihr belehrend-aufklärerischer Auftrag. Mit dieser Forderung setzte er sich später
als Historiograph Preußens durch.114 Über den letzten Österreichisch-Türkischen Krieg
schrieb er in seinem Werk „Die serbische Revolution“, dessen Hauptthema die Aufstände der
Serben sind. Die wichtigsten Quellen für dieses Buch erhielt Ranke überwiegend von Vuk
Stefanović Karadžić. 1864 erschien das historische Werk in Belgrad auf Serbisch unter dem
Titel „Istorija srpske revolucije“ und avancierte auf Anhieb im Fürstentum Serbien zu einem
Dauerbestseller unter den Fachpublikationen dieser Zeit. Als Übersetzer und Herausgeber
konnte die serbische Staatsdruckerei den berühmten Gelehrten Stojan Novaković gewinnen.
Für Ranke waren die Ereignisse des Krieges 1787-1791 eine Vorstufe der beiden serbischen
Aufstände. Aus diesem Grund schilderte er das Gesamtgeschehen äußerst analytisch und
facettenreich:

Dobro je mislio car Josif, što je sastavljao od Srba, koji su pristajali uzanj, onaj njegov „frajkor“, taj
frajkor na skoro ojača, te posta golema četa pešaka i konjanika, koji su vojevanju bili od valjane
pomoći odmah još kad je opsađivan Beograd 1789., a još više kad je Beograd osvojen i zemlja bila
zauzeta.115

Kaiser Joseph hatte den guten Gedanken, aus den Serben die sich ihm anschließen würden, ein
Freicorps zu bilden; und bald wuchs dies zu einer ansehnlichen Schaar zu Pferd und zu Fuß an, welche
im Kriege die besten Dienste leistete: schon bei der Belagerung von Belgrad im Jahr 1789, noch mehr
aber, als man diese Stadt erobert hatte und das Land in Besitz nahm. 116

Ranke berichtete auch über einzelne Personen und Ereignisse und lobte die Fertigkeiten der
serbischen Freiwilligen im sogenannten „kleinen Krieg“ sehr:

112
ARSENIJEVIĆ-BATALKA Lazar, Istorija Srpskog Ustanka, Bd. 1. Belgrad 1898, S. 58
113
STEFANOVIĆ KARADŽIĆ Vuk, Pisma. Neusatz 1969, S. 286
114
Ranke Leopold. In: Lingen Lexikon in 20 Bänden. Bd. 15, S. 48, Sp. 1, Köln 1977
115
RANKE Leopold, Istorija srpske revolucije. Belgrad 1864, S. 67
116 2
RANKE Leopold, Die Serbische Revolution. Aus serbischen Papieren und Mittheilungen. Berlin 1844, S. 79
40
Pukovnik Mihaljević, koji je ovom frajkoru, svojevoljcima srpskim, zapovedao, zauzme položaje kod
Ćuprije i Jagodine; putevime, kojima još nikad donde niti je vojska prošla niti top provučen, prođe on
pod Karanovac,117 te ga otme od Turaka;118

Oberst Mihaljewitsch, der das Freicorps serbischer Emigranten befehligte, stellte sich bei Jagodina und
Kjupria auf; auf Wegen, wo noch nie ein Heer gezogen oder Geschütz geführt worden ist, drang er nach
Karanowaz vor und entriss es den Türken; 119

Die politische Dimension der Kampfhandlungen wurde seitens des Autors ebenfalls
berücksichtigt:

Ljudi su se po Srbiji zacelo nadali, da će u ovaj mah ostati pod vladom bečkog ćesara; svuda su se s
voljom udruživali s cesarevom vojskom, po mnogim nahijama su činili pravu podaničku vernost i na
više mesta su branili zajedno s carskom vojskom osvojena mesta od neprijatelja, koji je sad bio
zajednički.120

Die Einwohner hielten für gewiß, daß sie dies Mal Unterthanen des Kaisers zu Wien bleiben würden:
sie hatten sich überall mit Hingebung angeschlossen, in den meisten Bezirken die Huldigung geleistet,
hie und da die eroberten Orte zugleich mit den kaiserlichen Truppen gegen den nun gemeinschaftlichen
Feind zu vertheidigen übernommen. 121

Die Hoffnungen der Serben blieben jedoch durch eine sowohl für sie als auch für Österreich
ungünstige Konstellation im Konzert der europäischen Großmächte auch diesmal unerfüllt:

Nego ni u ovaj mah ne dođe donde, dokle su se oni nadali. Čim bi prilika, da će se namere ruskog i
austrijskog dvora izvršiti, zabrinu se ostala Evropa, da se kako ne poremeti opšta ravnoteža, tim što će
se oblasti tih dvorova, kao što beše u ozgledu, jako povećati; stara suprotnost, koja je uvek protiv onog
koji dobiva, ustane u korist Turaka, te se na skoro pokaza, da ih ne će biti lako upropastiti.122

Allein auch dies Mal sollte es nicht so weit kommen wie sie hofften. Sobald es den Anschein nahm, als
könnten die Entwürfe der Kaiserhöfe sich vollziehen, erwachte in dem übrigen Europa die Besorgnis,
durch eine so weitaussehende Vergrößerung ihrer Gebiete das allgemeine Gleichgewicht gestört zu
sehen: die alte Eifersucht, die sich immer dem Gewinnenden entgegensetzt, erhob sich zu Gunsten der
Osmanen, und bald zeigte sich, daß man sie nicht würde zu Grunde gehen lassen. 123

117
heute Kraljevo, Bem. d. Aut.
118
RANKE Leopold, Istorija srpske revolucije. Belgrad 1864, S. 67
119 2
RANKE Leopold, Die Serbische Revolution. Aus serbischen Papieren und Mittheilungen. Berlin 1844, S. 79
120
RANKE Leopold, Istorija srpske revolucije. Belgrad 1864, S. 68
121 2
RANKE Leopold, Die Serbische Revolution. Aus serbischen Papieren und Mittheilungen. Berlin 1844, S. 79
122
RANKE Leopold, Istorija srpske revolucije. Belgrad 1864, S. 68
123 2
RANKE Leopold, Die Serbische Revolution. Aus serbischen Papieren und Mittheilungen. Berlin 1844, S. 80
41
6.4.5. STOJAN NOVAKOVIĆ

Stojan Novaković (1842-1915) war Sohn eines armen Tischlers aus Šabac. Er absolvierte die
Studien der Philologie und Jura am Belgrader Lyceum und arbeitete vorerst als Bibliothekar,
Hochschulprofessor und Kustos in mehreren Museen der serbischen Hauptstadt. Von 1873 bis
1875 hatte er im Fürstentum Serbien den Posten des Bildungsminsters inne.124 Eine radikale
Reform des Schulwesens in Serbien im Zeitraum von 1880 bis 1883 zählte zu seinen
persönlichen Verdiensten. Danach betätigte er sich als Innen- und Premierminister und
startete anschließend eine glänzende diplomatische Karriere als Botschafter seines Landes in
Konstantinopel, Paris und St. Petersburg.

Nach dem Ende der Balkankriege 1912/13 führte er die serbische Delegation bei den
Verhandlungen mit den Osmanen an.125 Als Militärhistoriker beschäftigte sich Novaković in
seinen zahlreichen Publikationen überwiegend mit Serbien im Mittelalter. Zu seinen
bedeutendsten Werken über den letzten Österreichisch-Osmanischen Krieg zählen „Iz srpske
istorije“ und „Tursko carstvo pred srpski ustanak 1780-1804“. Ein gewaltiger Pluspunkt
seiner Fachbücher ist der Umstand, dass er als aktiver Politiker und Staatsmann unter der
Dynastie Obrenović uneingeschränkten Aktenzugang genoss, wovon viele seiner damaligen
Kollegen bloß träumen konnten. Das merkt man in seiner fachmännischen Analyse der Lage
des serbischen Volkes im Sog der josephinischen Reformen ganz deutlich:

Tako je u 18. veku među Srbima u Ugarskoj svim mogućim načinima izbijala u vrh potreba da se učine
jake, radikalne promene u dotadašnjoj kulturi, upravo da se ta stara, vizantijska kultura, pomiri i
dovede u sklad sa zapadnoevropskom, te da narod ima čim boriti se dalje za svoj opstanak među
narodima.126

So stieg im 18. Jahrhundert unter den Serben in Ungarn auf alle Weisen die Notwendigkeit empor,
starke radikale Veränderungen in ihrer bisherigen Kultur zu bewerkstelligen, um ausgerechnet diese alte
byzantinische Kultur mit der westeuropäischen zu versöhnen und zu harmonisieren, damit das Volk
etwas hat, womit es um sein Überleben unter den anderen Nationen kämpfen kann.

Novakovićs Beschreibungen des letzten Österreichisch-Türkischen Krieges basierten auf


diversen älteren Quellen und brachten enttäuschend wenig Neues ans Licht. Umso schärfer
fiel hingegen seine recht schonungslose Betrachtung der wahren Gründe des Scheiterns der
Bewegung zur Angliederung Serbiens ans Habsburgerreich aus:

124
NOVAKOVIĆ Stojan, Iz srpske istorije. Neusatz 1972, S. 3
125 2
SAMARDŽIĆ Dragana, Novaković Stojan. In: Vojna Enciklopedija. Bd. 6, S. 158, Sp. 7-8, Belgrad 1973
126
NOVAKOVIĆ Stojan, Iz srpske istorije. Neusatz 1972, S. 263
42
Neumešnost, netrpeljivost, bojazan od drugih, nepoznavanje onoga za čim se toliko žudi i naposletku,
odsustvo kuraži smetali su austrijskim državnicima da granice carstva rašire preko Save.127

Die Unschicklichkeit, die Unduldsamkeit, die Angst vor den Anderen, die Unkenntnis von dem, was
man so sehr begehrt und letztendlich die Abwesenheit der Courage hinderten die österreichischen
Staatsmänner daran, die Grenzen des Reiches über die Save zu erstrecken.

6.4.6. AVRAM ĐUKIĆ

Der Banater Serbe Avram Đukić (1844-1906) machte in der kaiserlich-königlichen Armee
eine beispielhafte Karriere. Als General der Intendatur verfügte er über guten Zugang zu den
historiographischen Quellen, vor allem zu den Beständen des Kriegsarchivs in Wien. Dieser
Umstand reflektierte sich in einer großen Anzahl an militärgeschichtlichen Fachpublikationen
aus der Feder Đukićs. Neben seinen beiden Standardwerken „Generali i pukovnici Srbi u
Austrougarskoj od godine 1704 do danas“ und „Život Avrama Stanisavljevića“ zählten
diverse Beiträge über die Wanderungen der Serben, über das serbische Husarenregiment und
über die Teilnahme des Titeler Tschaikistenbataillons am letzten Österreichisch-Osmanischen
Krieg ohne Zweifel zu den Höhepunkten seiner wissenschaftlichen Forschungsarbeit. „Učešće
titelskog krajiškog bataljona u austro-turskom ratu godine 1788-1791“ erschien in „Letopis
Matice srpske“, Nr. 161/162 im Jahr 1891 in Neusatz zum hundertjährigen Jubiläum des
Kriegsendes.128 Die Zeitschrift „Letopis Matice srpske“ erschien zum ersten Mal 1825 und
wird auch heute noch in zwölf Ausgaben jährlich mit sieben Bänden und jeweils sechs Heften
publiziert.129 Đukić selbst empfand seinen Beitrag in „Letopis Matice srpske“ als eine
würdige Ehrung der Leistungen und der Tapferkeit der kaisertreuen Titeler Tschaikisten im
letzten Krieg der Habsbuger gegen die Osmanen. Zuerst gab er eine allgemeine Übersicht der
Tschaikisten:

Zemljište bivšeg titelskog šajkaškog krajiškog bataljona leži u trokutu između Dunava, Tise i velikog
jarka (grosse Römerschanze) u Bačkoj, na kom se nalaze ova šajkaška srpska mesta: Titel, Lok, Vilovo,
Mošorin, Gardinovci, Gornji Kovilj, Donji Kovilj, Kać, Sentivan, Đurđevo, Josifovo Selo (Josefsdorf,
Žabalj), Gospođince, Čurug i Nadalj.130

Das Gebiet des ehemaligen Titeler Tschaikistenbataillons liegt im Dreieck zwischen der Donau, der
Theiss und der Großen Schanze (große Römerschanze) in Batschka, wo sich die folgenden serbischen
Tschaikistenortschaften befinden: Titel, Lok, Vilovo, Mošorin, Gardinovci, Gornji Kovilj, Donji Kovilj,
Kać, Sentivan, Đurđevo, Josifovo Selo (Josefsdorf, Žabalj), Gospođince, Čurug und Nadalj.

127
NOVAKOVIĆ Stojan, Iz srpske istorije. Neusatz 1972, S. 362
128
ĐUKIĆ Avram, Učešće titelskog krajiškog bataljona u austro-turskom ratu godine 1788-1791. In: Letopis
Matice srpske za 1891. Jg. 67, Nr. 162 (1891), Heft 1, S. 83
129
Letopis Matice srpske, Jg. 146, 7/8 1970, Nr. 406, Heft 2-3, innere Titelseite
130
ĐUKIĆ Avram, Učešće titelskog krajiškog bataljona u austro-turskom ratu godine 1788-1791. In: Letopis
Matice srpske za 1891. Jg. 67, Nr. 162 (1891), Heft 1, S. 84
43
Die Vorbedingungen für den bevorstehenden Konflikt sah er sehr differenziert und ortete den
Hauptkriegsgrund weniger in den unmittelbaren Expansionsgelüsten der Donaumonarchie als
im Bestreben, durch die am 28. August erfolgte osmanische Kriegserklärung an das mit
Österreich verbündete Russische Reich nicht ins Hintertreffen zu geraten.131 Wie auch immer,
die unerbittliche Bündnispflicht entwickelte ihre Eigendynamik:

Car Josif II. odluči sad u borbu priteći ne samo sa obećanim korom, već sa svom svojom silom, jer
mišljaše, da mu valja nadoknaditi gubitke njegovih predaka.132

Kaiser Joseph II. entschied, nicht bloß mit dem versprochenen Korps in den Kampf zu ziehen, sondern
mit seiner gesamten bewaffneten Macht, weil er dachte, die Verluste seiner Vorfahren wettmachen zu
können.

Genauestens listete Avram Đukić die Bestände der seit 1786 einsatzbereiten und in
Klosterneuburg und in Titel stationierten österreichischen Donaukriegsflotille auf: 31
Tschaiken (zwei Doppeltschaiken, sechs Ganztschaiken, elf Halbtschaiken und zwölf
Patrouilletschaiken) samt Artillerie mit ihren 22 Einpfund-, zwanzig Dreipfund-, zwei
Zwölfpfundmetall- und zwölf Einpfundeisenkanonen.133 Am 8. September versetzte der
Kaiser die Donauflottile zwischen Peterwardein und Banovci in Kriegsbereitschaft, um nach
dem Allvintzi-Plan vom 19. September 1787 mit ihren acht Bataillonen Belgrad im
Handstreich einnehmen zu können.134 Als Unterstützung der Landungstruppen standen
inkognito vierzehn große und sechs kleine Schiffe plus noch sechs Fährkähne, sechszig
Pontonschiffe und vierzehn Übersetzungsglieder mit je vierhundert Soldaten in Futog
bereit.135 Đukić hatte anscheinend eine gute Einsicht in die archivalischen Personalakten der
kaiserlich-königlichen Armee, denn er war bestens darüber im Bilde, wer militärisch in
welchem Bereich eingesetzt wurde:

General Magdeburg, komandant pontonskog bataljona i vrhovnog lađarskog zvanja, predloži (2.
oktobra), da se za upravljanje ovih brodova naročito upotrebe: kapetan Matija Abdank, natporučnik
Josif Hohenbruk, poručnici Josif Nol, Đura Gavrina i Fridrih Klausberger, i potporučnik Jovan
Brukenfeld od pontonirskog bataljona; dalje kapetan Franc baron Bemler, natporučnici Aron
Stanisavljević i Josif Najdeg, poručnik Jovan Lehner, 2 stražmeštra, 4 kaprala, 8 gefrajtera i 180
prostih momaka od šajkaškog bataljona.136

131
ĐUKIĆ Avram, Učešće titelskog krajiškog bataljona u austro-turskom ratu godine 1788-1791. In: Letopis
Matice srpske za 1891. Jg. 67, Nr. 162 (1891), Heft 1, S. 84-85
132
ebda., S. 85
133
ebda.
134
ebda., S. 86-87
135
ebda., S. 87
136
ĐUKIĆ Avram, Učešće titelskog krajiškog bataljona u austro-turskom ratu godine 1788-1791. In: Letopis
Matice srpske za 1891. Jg. 67, Nr. 162 (1891), Heft 1, S. 88; vgl. Bericht des General Magdeburgs (Wien, am 2.
Oktober 1787) In: Kriegsarchiv 1787, 10, 1 ½ u. 9 (Belgrader Acten)
44
General Magdeburg, der Oberbefehlshaber des Pontoniererbataillons und der Schifferzunft, schlug (am
2. Oktober) vor, insbesondere folgende Personen mit dem Lenken dieser Schiffe zu betrauen:
Hauptmann Matthias Abdank, Oberleutnant Jeseph Hohenbruck, Leutnante Joseph Noll, Đura Gavrina
und Friedrich Clausberger, und Vizeleutnant Johann Bruckenfeld vom Pontonierebataillon; weiter
Hauptmann Franz Baron Böhmler, Oberleutnante Aron Stanisavljević und Joseph Naidegg, Leutnant
Johann Lechner, 2 Wachtmeister, 4 Korporale, 8 Gefreite und 180 einfache Mannschaften vom
Tschaikistenbataillon.

Zusätzlich verlangte und erhielt Allvinzi noch zwei Offiziere, sechs Unteroffiziere, achtzig
Gefreite und fünfzig Tschaikisten als Unterstützung, um in der Nacht vom 2. auf 3. Dezember
1787 Belgrad angreifen zu können.137 Die Angaben über die bei Novi Banovci lagernden
Verstärkungen sind bei Đukić noch wesentlich ausgiebiger. Am 2. Dezember standen dort
vier Infanterieregimenter, vier Grenadierbataillone, vier Sechspfunderkanonen und zwei
Haubitzen bereit. Nach dem Plan Allvinzis inspizierte Leutnant Franz Mihanovich, verkleidet
als Lehrling des ortsansäßigen Hafners Petar Kristiforović, die Belgrader Festung und
zeichnete naturgetreu alle Stellungen der osmanischen Armee auf. Die Helfer aus den Reihen
der Serbianer hätten den österreichischen Landungstruppen die Tore der Stadt eröffnen sollen.
Als unmittelbare Befehlshaber vor Ort beim Angriff auf Belgrad hätten Gyulay, Voltemat,
Stanisavljević, Eszterhazy, Roth, Gavrina, Noll und Schneemayer dienen sollen. Bohmler,
Naidegg und Abdank hätten das Ganze aus Waidzillen befehligen sollen, um eine gute
Übersicht über das Kampfgeschehen im Auge behalten zu können.138 Obwohl die
Witterungsbedingungen, in diesem Fall der dichte Nebel und der ungünstige Südwind,
Allvinzis Überraschungsangriff vereitelten und die Schiffe an Belgrad vorbeizogen, gab er
nicht auf und plante eine weitere Aktion mit elf Bataillonen der Militärgrenze. Diesmal
sollten die Pioniere die mächtigen Befestigungswerke bezwingen, das Wetter war jedoch im
Jänner 1788 zu schlecht, um die nötigen Reserven heranzuschaffen und so gab man auch den
zweiten Plan auf.139 Beide Pläne wurden unter dem Sammelbegriff „Belgrader Affäre“ in der
Öffentlichkeit bekannt. Mittlerweile stand Kaiser Joseph II. mit insgesamt 281.000 Mann und
1.150 Kanonen im Felde. Das war bis dato die größte Streitmacht des Habsburgerreiches. 140
Allerdings wurden diese Truppen nicht massiert verwendet, sondern auf sechs verschiedenen
Kriegsschauplätzen entlang der langen Grenze mit dem Osmanischen Reich eingesetzt, was
sich in strategischer Hinsicht als äußerst unklug erwies. Zum Kommandanten der gesamten

137
ĐUKIĆ Avram, Učešće titelskog krajiškog bataljona u austro-turskom ratu godine 1788-1791. In: Letopis
Matice srpske za 1891. Jg. 67, Nr. 162 (1891), Heft 1, S. 88-89
138
ebda., S. 90-91
139
ebda., S. 91-93
140 2
KALEČAK Vladimir, Austro-turski ratovi. In: Vojna Enciklopedija. Bd. 1. S. 333, Sp. 3, Belgrad 1970
45
Donauflotille und damit auch der Tschaikisten, wurde vom Kaiser der General Baron
Magdeburg ernannt.141 Er reformierte die Zusammensetzung der Tschaikistenbataillone. Neu
waren ein orthodoxer Kaplan und insgesamt fünf Chirurgen in jedem Bataillon. Außerdem
setzte man tschechischsprachige Jäger und eine wesentlich stärkere Artilleriebewaffnung als
Verstärkung der Kampfschiffe ein.142 Joseph II. befahl 1788 ein umfassendes
Schiffsbauprogramm und gab der heterogenen Armada einen neuen Namen. Die
„Kriegsflotille auf der Donau“ bestand aus der „Čaiken-Flotillen-Abtheilung“ unter dem
Kommando Major Redanges und aus der „Fregatte-Flotillen-Abtheilung“ unter dem Befehl
Major Jimens.143 Kaiser Joseph II. erreichte nach einmonatiger Reise sein Hauptquartier in
Futog und befahl prompt einen Ausbau der Deiche und Dämme, um mit seinem Heer
schneller gegen die Osmanen operieren zu können. Da aus den logistischen Gründen eine
Belagerung der damals stärksten osmanischen Festung Belgrad noch nicht in Frage kam,
befreiten die kaiserlichen Truppen unter dem Vizemarschall Mitrovski nach einem heftigen,
aber kurzen Kampf die Stadt Šabac.144 Weiter beschrieb Avram Đukić die Episode über die
Verhandlungen mit einer Delegation der Osmanen an der Savemündung, wobei die Gegner
von einem Kriegsschiff den österreichischen Militärbeauftragten Brenninger erschossen und
Allvinzi und den Tschahikisten-Steuerman Jovan Petrić verwundeten.145 Die Truppen der
Osmanen agierten zwar in Syrmien eher glücklos, im Banat fiel jedoch die Veterani-Höhle in
ihre Hände, womit sie in diesem Bereich die Kontrolle über die Donau erlangten, Belgrad
erreichten und Semlin bedrohten.146 Auf einmal stand die Heimat der Tschaikisten um Titel
vor dem Fall. In die Verteidigungsmaßnahmen wurde, ähnlich wie im Banat, auch die zivile
Bevölkerung einbezogen. Nach dem greisen und kränklichen Marschall Lacy und dem
zögernden Grafen Kinsky, übernahm der äußerst angesehene Feldmarschall Laudon das
Oberkommando des kaiserlichen Hauptheeres.147 Für die Tschaikistenflotille bedeutete das
eine Umstellung auf eine wesentlich offensivere Kriegsführung. 1788/89 waren die Osmanen
mit ihrer quantitativ sehr starken Donauflotille den Tschaikisten noch haushoch überlegen.148

141
ĐUKIĆ Avram, Učešće titelskog krajiškog bataljona u austro-turskom ratu godine 1788-1791. In: Letopis
Matice srpske za 1891. Jg. 67, Nr. 162 (1891), Heft 1, S. 96
142
ĐUKIĆ Avram, Učešće titelskog krajiškog bataljona u austro-turskom ratu godine 1788-1791. In: Letopis
Matice srpske za 1891. Jg. 67, Nr. 162 (1891), Heft 1, S. 97
143
ebda., S. 99
144
ebda., S. 101
145
ebda., S. 102
146
ebda., S. 104-111
147
ebda., S. 114-117
148
ĐUKIĆ Avram, Učešće titelskog krajiškog bataljona u austro-turskom ratu godine 1788-1791. In: Letopis
Matice srpske za 1891. Jg 67, Nr. 162 (1891), Heft 2, S. 69
46
Um einem bevorstehenden osmanischen Angriff auf das Banat und auf Siebenbürgen
zuvorzukommen, wollte Laudon in die Walachei einfallen. Die Hauptbedingung dafür war
jedoch die Kontrolle der Donau, also die Einnahme Belgrads, was vor allem in logistischer
Hinsicht keineswegs einfach zu bewerkstelligen war.149

Die große Stunde der Tschaikisten war gekommen und sie errangen bedeutende Siege über
die Flotille der Osmanen bei Semlin und bei Pancsova. Dadurch konnte der Feldmarschall
Laudon mit seinen Truppen ungestört die Save überqueren und Belgrad belagern. Osman-
Pascha resignierte und übergab die Stadt nach nur zwanzig Tagen.150

Tako pade, posle 20-dnevne opsade, Beograd opet […] u ruke Austrije, koja je toliko puta prolevala krv
pod bedemima i za bedemima ove znamenite tvrđave, prolevala za slavu svojega oružja, a za obranu
civilizacije svekolike Jevrope, koja se mogla nadati boljoj budućnosti samo iza pobedonosnog štita ove
velesile, a naročito za živim bedemima ubojnih bajoneta naših slavnih Graničara.151

So fiel, nach einer 20-tägigen Belagerung, Belgrad wieder […] in die Hände Österreichs, das so viele
Male sein Blut vor und hinter den Mauerwerken dieser berühmten Festung vergoss, zum Ruhme seiner
Waffen und für die Verteidigung der Zivilisation ganz Europas, das nur hinter dem siegreichen Schilde
dieser Großmacht auf eine bessere Zukunft hoffen konnte, insbesondere hinter den lebendigen
Bollwerken der Bajonetten unsrer glorreichen Grenzer.

Nach der Befreiung Smederevos und Passarowitzs begleiteten die Tschaikisten die
osmanische Besatzung der Belgrader Festung und ihre Familien nach dem
Kapitulationsvertrag bis Tekija, darunter 4883 Infanteristen, 1088 Kavalleristen, 682 Kranke
und Verwundete, 2513 Frauen und 2670 Kinder. Ihr nächstes operatives Ziel war Orschawa
(türk. Adakale), deren Befestigungen jedoch auf Anhieb nicht eingenommen werden
konnten.152 Im Jahr 1790 eroberte zwar Prinz Sachsen-Coburg die Walachei, aber die
bedrohliche Haltung Preußens erzwang die Anwesenheit Laudons mit einem Teil der Truppen
in Böhmen. Nach dem Tode Joseph II. am 20. Feber 1790 und nach der Eroberung Orschawas
am 16. April wurden die Friedensverhandlungen in die Wege geleitet und die Tschaikisten
heimgeschickt.153 Diese Heimkehr schilderte General Đukić äußerst plakativ:

149
ĐUKIĆ Avram, Učešće titelskog krajiškog bataljona u austro-turskom ratu godine 1788-1791. In: Letopis
Matice srpske za 1891. Jg 67, Nr. 162 (1891), Heft 2, S S. 77-78
150
ebda., S. 80-81
151
ebda., S. 83
152
ebda., S. 84-87
153
ebda., S. 94-102
47
Posle skoro četirigodišnjeg boravljenja van svoje oblasti dođoše Šajkaši svojim kućama, da uživaju
posle toga dugog vremena blagodat mira, da se krepe za dalje napore u službi svoga cara i gospodara,
kome su, kao i svi Srbi uopšte, svagda verni i odani bili.154

Nach einem fast vierjährigen Aufenthalt außerhalb ihres Gebietes kehrten die Tschaikisten heim, um
den Segen des Friedens zu genießen und um sich für die weiteren Anstrengungen im Dienste ihres
Kaisers und Herrschers zu stärken, dem sie, wie allgemein alle Serben, treu und ergeben waren.

Die kleineren Schiffe der Tschaikisten bewährten sich im Krieg an der Donau bestens,
während die Fregatten kaum operativ eingesetzt werden konnten. Die Tschaikisten nahmen an
allen Feldzügen der Kriege gegen Frankreich im Zeitraum von 1792 bis 1815 teil, was sie
sogar bis nach Paris führte.155

6.5. VOLKSDICHTUNG

6.5.1. EPISCHE VOLKSDICHTUNG

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts konnten nur sehr wenige Menschen in Serbien lesen und
schreiben. Der Analphabetismus war im osmanischen Serbien wesentlich verbreiteter als
unter den Serben der Donaumonarchie. Der Großteil der Landbevölkerung lebte von der
Land- und Forstwirtschaft oder von der Viehzucht.156 An die glorreichen Zeiten des
serbischen Zarenreiches im Mittelalter erinnerte nur die Volksepik, die von umherziehenden
Interpreten mündlich weitergegeben wurde. Dies geschah in Serbien, Montenegro und
Bosnien und Herzegowina, oft musikalisch begleitet von dem traditionellen
Saiteneninstrument Gusle. Das Instrument besteht aus einem dicken Stück Eichenholz mit
einer bespannten Pferdehaarestegkonstruktion, die nach vorne in einen ausgehöhlten breiteren
Resonanzkörper mündet und mit den Pferdehaaren eines Holzbogens bespielt wird.157 In
Slawonien war hingegen die Tamburizza verbreitet.158 Der bekannteste Interpret der
serbischen Volksepen aller Zeiten war der als Kind an den Folgen der Pocken erblindete Poet
Filip Višnjić (1767-1834) aus Bosnien.159 Am liebsten sang er seine Verse im Zehnsilber:

Mi-li Bo-že ču-da ve-li-ko-ga

154
ĐUKIĆ Avram, Učešće titelskog krajiškog bataljona u austro-turskom ratu godine 1788-1791. In: Letopis
Matice srpske za 1891. Jg 67, Nr. 162 (1891), Heft 2, S S., S. 103
155
ebda., S. 104
156 5
ČUBELIĆ Tvrtko (Hg.), Junačke narodne pjesme. Agram 1965, S. 5
157
BOUÉ Ami, Die Europäische Türkei. Neudruck der Ausgabe Wien 1889, Bd. 2, Melle 2008, S. 405
158 5
ČUBELIĆ Tvrtko (Hg.), Junačke narodne pjesme. Agram 1965, S. 6
159
DUČIĆ Jovan, Sabrana dela. Belgrad 2012, S. 401
48
Vor Filip Višnjić widmete sich die serbische Volksepik hauptsächlich den Ereignissen rund
um die Amselfeldschlacht. Višnjić hingegen wollte in seiner Dichtung auch die
zeitgenössischen Ereignisse verarbeiten und verbreiten. Alle von ihm interpretierten Epen
verfolgten das Thema des Kampfes gegen die Türken und wurden in drei Zyklen aufgeteilt.

Der erste Zyklus beinhaltete die Ereignisse des Hochmittelalters in Serbien vor seiner
Eroberung durch das Osmanische Reich, der zweite Zyklus thematisierte die Personen und
Geschehnisse unter der osmanischen Herrschaft und der dritte Zyklus beschäftigte sich mit
den Befreiungskämpfen. Im Rahmen dieser schriftlichen Arbeit werden primär die Epen des
zweiten Zyklus näher erläutert, die seitens der Volksdichter aus Serbien, Bosnien und
Herzegowina sowie Südungarn interpretiert wurden.

Ein geringerer Teil der Epen stammt aus Slawonien, aus Montenegro und aus Dalmatien. Die
Dalmatiner bejubelten hauptsächlich die Heldentaten der Uskoken, während in den anderen
erwähnten Gebieten die Haiducken und ihre Anführer populär waren. Die meisten Epen
handeln von den historischen Ereignissen, die allerdings im Munde der Volksdichter
verschönert und ausgeschmückt wurden. Manchmal verbanden sie sogar die realen Personen
aus dem Achten Österreichisch-Osmanischen Krieg mit den mythischen Figuren der
Amselfeldschlacht. Es kam auch vor, dass die Volksdichter manche Ereignisse zeit- und
raumversetzt glorifizierten, wie zum Beispiel die Belagerung Wiens im Jahre 1683 und die
anschließende Schlacht am Kahlenberg. Die existenzielle Krise des Osmanischen Reiches
eröffnete den serbischen Untertanen des Sultans mehr Freiräume. Die zunehmende Anarchie
manifestierte sich in der erhöhten Bereitschaft der Serben zu einer offenen Rebellion gegen
die osmanische Obrigkeit:

Rani sina, pak šalji na vojsku: Zieh‘ den Sohn groß und schick ihn ins Heer:
160
Srbija se umirit ne može! Serbien kann man nicht befrieden!

Eine Militärkarriere im Dienste der Habsburger erschien vielen Serben trotz der verlangten
harten Disziplin als äußerst erstrebenswert. Sie war eine willkommene Alternative zur
osmanischen Unterdrückung und gleichzeitig ein großes Abenteuer jenseits des
beschwerlichen Lebens am Lande. In den Avala-Dörfern sang man im 18. Jahrhundert ein
bezeichnendes Volkslied:

160
STEFANOVIĆ KARADŽIĆ Vuk (Hg.), Srpske narodne pjesme. Bd. 4, Wien 1862, S. 206, vgl. VESELINOVIĆ Janko,
Hajduk Stanko. Neusatz 1970, S. 303
49
Hajde dušo, u vrajkore! Komm ins Freikorps, Liebchen!

Ni orati, ni kopati, Weder pflügen noch graben,

Veće caru vojevati: Sondern für den Kaiser den Krieg führen:

na godinu sto vorinta, Einhundert Forint jedes Jahr,

a na mesec sto batina.161 und einhundert Prügelschläge monatlich.

An den Ereignissen des letzten Krieges gegen die Osmanen partizipierte übrigens nicht nur
die Volksdichtkunst der Serben und Kroaten, sondern auch der geographisch weit entfernte
slowenischsprachige Raum:

O Laudonu Über Laudon

Ej stajaj, stajaj Beligrad! Belgrad steht!

Za gradom teče erdeča kri Hinter der Stadt fließt rotes Blut

Za gradom teče erdeča kri, Hinter der Stadt fließt rotes Blut,

De b‘ gnala mlinske kamne tri. Das drei Mühlensteine treiben könnte.

Tam Laudon vojvoda stoji, Dort steht Herzog Laudon,

Kervavi meč u rokah derži; In seinen Händen hält er ein blutiges Schwert;

On hoče meti Beligrad, Er möchte Belgrad einnehmen,

In tursko vojsko dokončat. Und das türkische Heer vernichten

[…]

In dokle Beligrad stoji, Und solange Belgrad steht,

Naj slava Laudona slavi!162 Möge der Ruhm den Laudon bejubeln!

6.5.2. DIE EPISCHE VOLKSDICHTUNG SERBIENS

6.5.2.1. TURSKO VOJEVANJE NA BEČ

Wien war in den Augen der Serben schon immer eine Art american dream. Fast ihre gesamte
gesellschaftliche Elite ging an der schönen blauen Donau zur Schule und schloss ihre Studien
ebenfalls dort ab. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts blieb die Stadt an der Wien mit ihren
Bibliotheken, Galerien und kirchlichen Einrichtungen das wichtigste kulturelle Zentrum der

161
MILIČEVIĆ Milan Đuro, Pomenik. Reprint izdanja iz 1888. i 1901. Neusatz 1971, S. 378
162
MACUN Ivan (Hg.), Cvetje jugoslavjansko. S dodanimi cveti drugih slavjanskih cvetov. Triest 1850, S. 112-113
50
Serben, wesentlich bedeutender als Belgrad, Neusatz oder Kragujevac. Das Epos „Der
türkische Angriff auf Wien“ berichtet über die Belagerung Wiens vom 14. Juli bis
12. September 1683 durch ein großes osmanisches Heer unter dem Kommando des Großwesir
Karamustafas und über den Triumph der Liga Sacra am Kahlenberg, womit dem
Osmanischen Reich endgültig die strategische Initiative aus der Hand entrissen wurde.

Unter den Serben fand der Sieg der christlichen Allierten enormes Echo. Sie erwarteten eine
baldige Befreiung Serbiens durch die kaiserlichen Heere und damit das Ende der
sprichwörtlichen osmanischen Schreckensherrschaft. Der anonyme serbische Volksdichter
vertritt ebenfalls solche Ansichten. Das Epos „Tursko vojevanje na Beč besteht übrigens aus
285 Zehnsilberversen und kommt ohne Strophen aus, womit es sich eigentlich um ein Poem
handelt. Der Volksdichter betont in seinem Epos insbesondere zwei Momente, die Plünderung
der nicht näher lozierten Markuskirche und den Schwur Karamustafas nach der Schlacht am
Kahlenberg. Die Plünderung der Markuskirche durch Truppen des Osmanischen Reiches sah
er als casus belli:

E, mu zulum Turci učiniše, Da verübten die Türken etliche Verbrechen,

te u crkvu konje uvodiše, brachten ihre Pferde in die Kirche,

za oltare konje povezaše, banden ihre Pferde an die Altäre,

odeždami konje pokrivaše, deckten die Pferde mit den Talaren zu,

kaležima ladno vino piše; tranken kühlen Wein aus den Kelchen

[…]

Der anonyme Dichter liefert auch eine historische Beschreibung der Belagerung:

Veći zulum Turci učiniše, Eine noch größere Untat verübten die Türken,

te pod Bečom lagum potkopaše, sie gruben eine Mine unter Wien,

potkopaše, te ga užegoše, dann zündeten sie die Mine an.

do nebesa plamene digoše; die Flammen stiegen bis zum Himmel empor;

Der zweite hervorgehobene Augenblick ist der Schwur Karamustafas nach der Schlacht, Wien
nie wieder anzugreifen:

51
Ala, Beče, ne beči se na me! Strarr mich nicht an, Wien!

Evo, mećem ruku na ćitape, Hier, ich lege die Hand an die Bücher,163

da ja neću udariti na te, dass ich dich nicht angreifen werde,

proklinjaću bule i kadune, ich werde Türkenfrauen und Damen verfluchen,

da ne šalju svojih vitezova, dass sie ihre Ritter nicht schicken,

da ne šalju Beču na megdane. dass sie nicht in den Kampf um Wien geschickt werden.

[…]

Dosta sam ti dara ostavio, Ich hinterließ dir genug Geschenke,

sve konjskoga i junačkog mesa, alles Pferde- und Heldenfleisch,

zanajviše svijetla oružja.164 am meisten davon funkelnde Waffen.

6.5.2.2. KAPETAN KOČA

Als größte Feldherren Serbiens zählen noch heute die „drei Wojwoden“. Zu den Wojwoden
Živojin Mišić (1855-1921) und Stepan Stepanović (1856-1929) aus den Balkankriegen bzw.
aus dem Ersten Weltkrieg, gesellte sich auch ein k.k. Hauptmann aus dem letzten
Österreichisch-Osmanischen Krieg dazu. Über das Leben Koča Anđelkovićs (1755-1788)
wurde bereits im Kapitel „Kočina Krajina“ ausführlicher berichtet. Das patriotische Volkslied
„Kapetan Koča“ wird auch im dritten Millenium in Serbien äußerst gerne gesungen und
verbindet in seinen Versen die drei oben genannten Feldherren, obwohl der Hauptmann
Anđelković mehr als ein Jahrhundert vor den anderen beiden Wojwoden lebte, was wohl an
der licentia poetica liegen dürfte:

Pukovi hrabri nadiru, nadiru, Tapfere Regimenter stürmen voran,

Srbiju zemlju osvajaju, erobern Serbien,

Njih vode junaci Koča i Miša, von den Helden Koča und Miša angeführt,

vojvoda Stepa na čelu s njim‘. mit dem Wojwoden Stepa an ihrer Spitze.

„Kapetan Koča“ besteht aus drei Strophen und drei Kehrreimen und wurde mehrmals als
Hymne Serbiens vorgeschlagen. Besonders populär ist die Version des berühmten
Komponisten Vartkes Baronijans (1933-1993), der übrigens auch das patriotische Gedicht
„Vostani, Serbie“ von Dositej Obradović neu vertonte.

163
damit ist der Koran gemeint, Bem. d. Aut.
164
STEFANOVIĆ KARADŽIĆ Vuk, Pjesme junačke srednjijeh vremena. Bd. 3, Wien 1846, S. 45-50
52
Interessanterweise besingt das Volk nicht die Befreiung Serbiens, sondern seine Eroberung.
Der Befreiungsbeitrag Koča Anđelkovićs sieht man programmatisch in den folgenden Versen:

On die u Tursko, Er [Hauptmann Koča]165 geht ins Türkische,

izbavlja sve srpsko… befreit alles Serbische…

Im teilweise unlogisch formulierten Volkslied werden namentlich Nisch, Kragujevac und


Belgrad als Ziele der bevorstehenden Eroberungen genannt.

6.5.2.3. POČETAK BUNE PROTIV DAHIJA

Das Epos „Der Beginn der Revolte gegen Dahijas“ behandelt eigentlich die Umstände
unmittelbar vor dem Ausbruch des Ersten Serbischen Aufstandes, gibt jedoch auch ein sehr
differenziertes Bild Serbiens während und nach dem Achten Österreichisch-Osmanischen
Krieg wieder. Unter den Anführern der Revolte von 1787/88 befanden sich auffällig viele
Teilnehmer des erwähnten Krieges. Janko Gagić, Ilija Trifunović Birčanin und Aleksa
Nenadović dienten 1788 im Freikorps Mihaljević.166 Die letzten zwei wurden noch vor dem
Beginn der Revolte seitens der Dayi bzw. Dahi getötet.167 Der Autor des Epos Filip Višnjić
verwechselte unabsichtlich manche Ereignisse und Personen. Das dürfte wohl auf den
teilweise unzuverlässigen Erzählungen der Zeitzeugen beruhen, auf denen die Epen, die von
Vuk Stefanović Karadžić im Zeitraum nach 1813 niedergeschrieben wurden, basieren. 168 Das
Epos besteht aus drei Teilen und hat insgesamt 628 Verse. Im ersten Teil erörterte Filip
Višnjić die Zwietracht der serbischen Anführer, die den Aufstand aufschieben wollten,
obwohl das einfache Volk unter der Repression der lokalen osmanischen Obrigkeit enorm litt:

Tu knezovi nisu radi kavzi, Hier neigen weder die Schultheiße zum Zank,

nit‘ su radi Turci izjelice noch die gefräßigen Türken,

al‘ je rada sirotinja raja, sondern das arme rechtlose Volk,

koja globa davati ne može, das weder die Abgaben leisten,

165
Bem. d. Aut.
166
MILIČEVIĆ Milan Đakov, Pomenik. Reprint izdanja iz 1888. i 1901. Neusatz 1971, S. 57-59
167 2
MAKSIMOVIĆ Nedeljko, Prvi srpski ustanak. In: Vojna Enciklopedija. Bd. 7. S. 498, Sp. 2, Belgrad 1974
168 5
ČUBELIĆ Tvrtko (Hg.), Junačke narodne pjesme. Agram 1965, S. 125
53
nit‘ trpiti turskoga zuluma.169 noch die türkische Gewaltherrschaft erdulden kann.

Im zweiten Teil des archaisch klingenden Epos thematisierte Višnjić die hartnäckige
Weigerung der lokalen osmanischen Obrigkeit, den guten Rat Sultan Murats zu befolgen und
dem einfachen Volke gegenüber viel Milde zu zeigen:

Turci, braćo, lale i veziri, Türken, Brüder, Lalas und Wesire,

ja umrijeh, vama dobih carstvo! ich sterbe und gewann für euch ein Reich!

Nego ovo meine poslušajte, Hört auf mich,

da vam carstvo dugovečno bude! damit euer Reich langlebig wird!

Vi nemojte raji gorki biti, Seid nicht hart zum Volk,

veće raji vrlo dobri bud’te. sondern seid gut zu ihm.

[…]

Ne iznos’te na raju bijeda; Belastet das Volk nicht mit Elend;

ne dirajte u njihove crkve, lasst seine Kirchen in Ruhe,

ni u zakon, niti u poštenje, auch sein Gesetz und seine Ehre,

ne tjerajte osvete na raji. rächt euch nicht am Volke.

[…]

Car umrije, a mi ostadosmo Der Zar170 starb und wir blieben

i mi našeg cara ne slušasmo, und wir hörten nicht auf unsren Zaren,

već veliki zulum podigosmo: stattdessen errichteten wir eine Gewaltherrschaft:

Pogazismo njihovo poštenje, Wir traten sein Ehre171 mit den Füßen,

svakojake bijede iznosismo, wir trieben es ins Elend,

i na raju globe navalismo, zwangen dem Volke hohe Abgaben auf.

i grihotu Bogu učinismo.172 und wir versündigten uns am Gott.

Das Epos beinhaltet auch eine für diese Zeit unüblich starke sozialpolitische Note:

169 5
ČUBELIĆ Tvrtko (Hg.), Junačke narodne pjesme. Agram 1965, S. 102
170
Damit war der Sultan gemeint, Bem. d. Aut.
171
Die Ehre des einfachen Volkes, Bem. d. Aut.
172 5
ČUBELIĆ Tvrtko (Hg.), Junačke narodne pjesme. Agram 1965, S. 106-107
54
Ne bojte se kralja nijednoga, Fürchtet euch vor keinem König,

kralj na cara udariti neće… kein König greift den Zaren an…

[…]

Čuvajte se raje sirotinje! Nehmt euch vor dem armen Volk in Acht!

Kad ustane kuka i motika, Wenn sich der Haken und die Hacke erheben,

Bit će Turkom po Mediji173 muka…174 dann werden die Türken in Medina in Not geraten…

Der Haken und die Hacke symbolisieren im Epos eine Rebellion des Bauernvolkes, das keine
richtigen Waffen besaß, sondern bloß seine Arbeitswerkzeuge. Den dritten Teil des Epos
widmete der Višnjić ausschließlich dem Beginn des Ersten Serbischen Aufstandes. Die
Serben revanchierten sich für die Tyrannei der Osmanen äußerst blutig:

Kada Srblji dokopaše Turke… Als die Serben die Türken in die Hände bekamen …

Gole, bose, topuzima tuku…175 erschlugen sie sie, nackt und barfuß, mit den Morgensternen…

6.5.2.4. OTAC

„Vater“ ist ein Achtsilber in 70 Versen, der das tragische Lebensende des bereits erwähnten
Haiducken und Teilnehmers des Krieges von 1788 bis 1791, Janko Gagić, beschreibt. Anders
als seinen beiden Mitstreitern gelang ihm vorerst die Flucht ins Gebirge.176

Nenadović hrabri pade Der tapfere Nenadović fiel

I Birčanin s njim poginu. auch Birčanin kam mit ihm ums Leben.

Ali Janko, Gagić Janko Aber Janko Gagić

on umače u planinu.177 flüchtete ins Gebirge.

Die Schergen des Dayi-Anführers Fočić Mehmed-Aga, in den zeitgenossischen Quellen auch
Mehmed Aga Fočali genannt, nahmen jedoch bald darauf den noch minderjährigen Sohn des
serbischen Volkshelden gefangen und erzwangen seine Kapitulation.
173
Medina in Arabien oder Medien/Persien, fig. Asien, Bem. d. Aut.
174 5
ČUBELIĆ Tvrtko (Hg.), Junačke narodne pjesme. Agram 1965, S. 107
175
ebda., S. 123-124
176 2
TRIFUNOVIĆ Dimitrije, Nenadović Aleksa. In: Vojna Enciklopedija. Bd. 6. S. 57, o. Sp , Belgrad 1973
177
www.prelepapoezija.com/otac [download am 12. April 2014 um 19 h 45]
55
Stan’te Turci, stan’te vuci Hört auf, Türken, hört auf, Wölfe

Ne grešite ruke svoje! Versündigt eure Hände nicht!

Ne dirajte sokolića, Rührt den kleinen Falken nicht an,

evo ruse glave moje!178 da habt ihr meinen rotblonden Kopf!

Der Sohn wurde befreit und flüchtete ins Gebirge. Der Vater Gagić wurde durch die Türken
enthauptet. Der Tod des Haiducken gilt als historisch belegt, die Umstände, die dazu führten,
allerdings nicht. Besonders interessant ist die Tatsache, dass die allererste Handlung der Dahis
angesichts der bevorstehenden Rebellion in Serbien die gezielte Gefangennahme und Tötung
der angesehenen Veteranen des letzten Österreichisch-Osmanischen Krieges war, da diese
gleichzeitig auch zu den angesehensten Serben zählten.

6.6. LITERATUR, POESIE UND PROSA

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts konnte die Mehrheit der serbischen Bevölkerung
Serbiens, Südungarns und der Österreichischen Militärgrenze weder lesen noch schreiben.
Besonders schlimm war die Lage am Lande. Unter dem Druck der osmanischen
Gewaltherrschaft, der Wanderungen und der Türkenkriege kämpfte die rurale Bevölkerung
um ihr nacktes Überleben. In kultureller Hinsicht lebte die Mehrheit der Serben im
Niemandsland zwischen der durch das Habsburgerreich geprägten westlichen Zivilisation und
ihren unter den Osmanen konservierten und orientalisierten Volkstraditionen. Diese
Umstände wurden oft von den serbischen Gelehrten angeprangert. Jovan Muškatirović (1743-
1809) kritisierte etwa die Rückständigkeit des einfachen Volkes, vor allem die
Doppelgleisigkeit im Alltag. Jeder Feiertag der orthodoxen Kirche wurde ausgiebig gefeiert
und außerdem wollten viele Serbinnen neben dem Sonntag auch am Freitag, also am freien
Tag des Islam, ruhen.179 Es gab kaum Schuleinrichtungen, außer im Rahmen der Klöster. Dort
wurden in der Regel nur die Söhne der wohlhabenderen Handwerker ausgebildet. Richtige
Mädchenschulen gab es noch nicht. Die erste bescheidene „serbische“ Schule öffnete 1726 in
Karlowitz auf Grund einer Initiative des Metropoliten Mojseja Petrović ihre Pforten. Als
Lehrer wurde ein Russe namens Maksim Suvorov engagiert. Er brachte die ersten Lehrbücher
aus Russland mit, natürlich handelte es sich dabei um russische Schulbücher, deren

178
www.prelepapozija.com/otac [download am 21. April 2014 um 22:13]
179
MUŠKATIROVIĆ Jovan, Kratkoe razmišlenije o prazdnici. Wien 1786, S. 37
56
praktischer Wert eher gering war.180 In den Reihen der serbischen Gelehrten und unter den
Priestern verbreitete sich die serboslawische Sprache, die sehr archaisch klang. Außerdem
verstand das einfache Volk diese Sprache nicht und präferierte stattdessen weiterhin seine
Lokaldialekte voller Turzismen. Unter dem Einfluss der Lehrkräfte aus dem Zarenreich
entstand eine neue Sprache der intellektuellen Oberschicht. Diese gekünstelte Sprache wurde
Russoslawisch genannt, erwies sich allerdings ebenfalls als praxisuntauglich. Erst mit der
Einführung und Verbreitung des Serboslawischen durch die unermüdliche Tätigkeit Dositej
Obradovićs wurde eine tragbare sprachliche Lösung gefunden. Obradović war ein glühender
Anhänger der Aufklärung und insistierte daher auf der Volksnähe der neuen Sprache in ihrer
Funktion als Medium des Wissens. Das erschien ihm sehr wichtig, um in der Epoche des
aufgeklärten Absolutismus dem serbischen Volk einen Anschluss an die europäische Kultur
zu ermöglichen. Trotz seiner Anstrengungen blieb die Zahl der Lesenden und Schreibenden
aber überschaubar. Als illustratives Beispiel darf der Umstand dienen, dass Vuk Stefanović
Karadžić das Lesen und Schreiben durch seinen Verwandten Jevto Savić Čotrić erlernte, der
als einziger Mensch im gesamten Bezirk Loznica über diese Fähigkeit verfügte! Die reicheren
Serben besuchten diverse Schulen in Wien oder in St. Petersburg. Die serbischen Literaten
dieser Zeit kamen überwiegend aus den Reihen der Geistlichkeit. Jerotej Račanin, Gavrilo
Stefanović Venclović, Jovan Rajić, Zaharije Stefanović Orfelin u.a. kämpften außerdem mit
einem weiteren praktischen Problem. Wie bereits erwähnt, es gab noch keine serbischen
Druckereien! Im Frühling 1768 bereiste Kaiser Joseph II. in Begleitung von Feldmarschall
Laudon das damalige Südungarn. In Arad besuchte er eine serbisch-orthodoxe Kirche,
während der heiligen Messe, küsste das Evangelium und kniete mehrmals während der
Liturgie. Er zeigte sich sehr zufrieden, dass in der Kirche um das Wohl seiner Mutter gebetet
wurde und dass der Name der russischen Zarin Katharina II. kein einziges Mal erwähnt
wurde. Um den russischen Einfluss unter den Untertanen der Casa d‘Austria zu verringern,
kam Joseph II. auf die Idee, eine serbische Druckerei zu gründen. 181 Diese Initiative wurde
allerdings seitens der einflussreichen Kreise am Wiener Hof, mit dem serben- und
russenfeindlichen Vorsitzenden der Illyrischen Hofkanzlei Grafen Franz Koller an der Spitze,
schroff abgelehnt, da diese darin eine Stärkung der Orthodoxie sahen.182 Im Reich der
Habsbuger durften sich keine Russen als Lehrer betätigen. Das Einführen der Bücher aus dem
Zarenreich war ebenfalls strengstens verboten. Erst 1770 gestattete Maria-Theresia den Druck

180
SKERLIĆ Jovan, Srpska književnost u 18. veku. Belgrad 1909, S. 146
181
ĆOROVIĆ Vladimir, Istorija Srba. Belgrad 1989, S. 390
182
ebda., S. 390
57
von Texten in serbischer Sprache beim hofnahen Verlag Joseph Kurzbeck.183 Der serbische
Universalgelehrte Emanuel Janković (1758-1791) wollte 1789 mit Hilfe des Metropoliten
Stratimirović eine serbisch-rumänische Druckerei in Neusatz gründen, scheiterte jedoch am
Monopol Kurzbecks. Bezeichnend für die Umstände dieser Periode ist auch das Beispiel von
Gavrilo Stojanović Venclović, einem Mönch, der über 20.000 Seiten eigenhändig schrieb, sie
jedoch nicht publizieren konnte, weil es schlicht keine serbisch-kyrillische Druckerei gab!184
Auch später, als es bereits mehrere Druckereien gab, kämpften etliche Autoren und Aufklärer
mit diversen Schwierigkeiten. Petar II. Petrović Njegoš ließ zwar „Narodne srpske Poslovice“
(dt. „Die Volksweisheiten“) von Vuk Stefanović Karadžić in Cetinje drucken, dem
kirchenkritischen Dositej Obradović verwehrte er jedoch jegliche Unterstützung und zwang
ihn dadurch, seine Werke in Wien, Leipzig, Ofen und Venedig um viel Geld drucken zu
lassen. Vuk Stefanović Karadžić war primär mit seinen Sprach- und Schriftreformen
beschäftigt und Dositej Obradović widmete sein ganzes Leben der Aufklärung. Dadurch
schrieben diese zwei Doyens vergleichsweise wenig über den letzten Österreichisch-
Türkischen Krieg. Diese Lücke füllten die „Slawonier“ Joso Krmpotić, Blaž Bošnjak, Antun
Ivanošić und Josip Stojanović, der Slowene Gregur Kapucin, der Dubrovniker Đuro Ferić u.a.
bereitwillig aus. Interessanterweise glorifizierten alle Autoren die großen Verdienste Joseph
II. und Laudons, die unter den Serben äußert beliebt waren. In den Augen des austrophilen
Dositej Obradovićs verkörperte der Kaiser den bedeutsamsten Aufklärer des Jahrhunderts, der
Klöster schließen ließ, dafür jedoch Schulen und Spitäler gründete. Außerdem erwies sich
sein Toleranzpatent als sehr vorteilhaft für die Gleichberechtigung der Serben und für ihre
bessere Integration in die Strukturen der Donaumonarchie, entgegen den Bestrebungen des
ungarischen Adels.185

6.6.1. ZAHARIJE STEFANOVIĆ ORFELIN

Zaharije Stefanović Orfelin (1726-1785) aus Vukovar, vermutlich der beste serbische Poet
des 18. Jahrhunderts, mütterlicherseits übrigens mit Vuk Stefanović Karadžić verwandt, war
in seiner Jugend als Lehrer tätig. Über seinen Bildungsweg sind jedoch keine Einzelheiten
überliefert. Später fand er eine Stelle als Beamter bei den serbisch-orthodoxen Bischöfen im
damaligen habsburgischen Südungarn und in Slawonien, überwiegend in Karlowitz,
183
ĆOROVIĆ Vladimir, Istorija Srba. Belgrad 1989, S. 390-391
184
MLADENOVIĆ Aleksandar, Tipovi književnog jezika kod Srba u drugoj polovini 18. i početkom 19. veka.
Referat za VII međunarodni kongres slavista u Varšavi. Neusatz 1973, S. II
185
MIKAVICA Dejan, Vojvodina u političkoj ideologiji Svetozara Miletića. In: Istraživanja (2004) Nr. 15, S. 225
58
Temesvar, Neusatz und in Pakrac. Er widmete sein Leben der Aufklärung und schrieb enorm
viel, vor allem Lehrbücher, Katechismen, wissenschaftliche Abhandlungen, Monographien
und Poesie. Neben Poesie und Prosa schrieb er über die Pädagogik, Wirtschaft und Medizin.
Er übersetzte deutsche, lateinische, russische und rumänische Texte ins Serbische. Von ihm
stammt auch das erste in serbischer Sprache gedruckte Werk, das Kollektivklagegedicht „Plač
Serbii“, auch auf „Slawisch“ gedichtet, erschienen 1762/63 in Venedig bei Demetrios
Theodosios.186 In diesem Gedicht beklagte er das bittere Schicksal des serbischen Volkes, das
in der Frühen Neuzeit keinen eigenen Staat hatte und entweder dem Kaiser oder dem Sultan
Untertan war. In Venedig publizierte er 1768 die erste Zeitschrift auf Serbisch,
„Slavenoserbski Magazin“. Nach der ersten Ausgabe musste die Zeitschrift aus finanziellen
Gründen eingestellt werden.

Plač Serbii Wehklage Serbiens

Kako stade Serbia, slavna i ugodna Ruhmreiches Serbien

sa množestvom naroda, bivša pređe plodna mit der Masse seines Volkes, ehemals fruchtbar

presilnimi carevi i hrabri soldati mit seinen übermächtigen Kaisern und tapferen Soldaten

sad u robstvo drugima morala se dati187 musste es jetzt in die Sklaverei gehen

[…]

Jedna čada u Turskoj, a posvuda druga Ein Zelt in der Türkei und der Rest überall zerstreut

stenjut ljuto, žalostno, ah! pregorka tuga stöhnt grimmig und betrübt, ach! tiefe Trauer!

Po tolikoj je slavi i mojoj hrabrosti Nach so viel Ruhm und nach meiner Tapferkeit

porugana stala sam, o moe žalosti188 verspottet blieb ich stehen, oh mein Leid

[…]

Tko mi može dovoljno žarkih suza dati Wer kann mir ausreichend von glühenden Tränen geben

ovu moju nesreću doveka plakati? über mein Unheil in der Ewigkeit weinen?

Više nejmam nadežde, razve moju žalost Ich habe keine Hoffnung mehr, zerstreue meine Trauer

sam ti, o višnji Bože, premeni na radost!189 du alleine, allerhöchster Gott, verwandle sie in Freude!

186
MLADENOVIĆ Aleksandar, Tipovi književnog jezika kod Srba u drugoj polovini 18. i početkom 19. veka.
Referat za VII međunarodni kongres slavista u Varšavi. Neusatz 1973, S. II
187
ORFELIN (STEFANOVIĆ) Zaharije, Plač Serbii. Venedig 1762/1763, S. 1
188
ebda., S. 2
189
ORFELIN (STEFANOVIĆ) Zaharije, Plač Serbii. In: LESKOVAC Mladen (Hg.), Antologija starije srpske poezije.
Neusatz 1972, S. 55-58, vgl. ORFELIN (STEFANOVIĆ) Zaharije, Plač Serbii. Venedig 1762/1763, S. 7
59
Orfelins spiritus movens war die Aufklärung. Sein Privatleben war voller Tragödien. Er
verstarb 1785 bettelarm in Isajlovo bei Neusatz.190

6.6.2. MILOŠ SVETIĆ

Miloš Svetić hieß eigentlich Jovan Hadžić (1799-1869). In der Literatur wird jedoch
ausschließlich sein Pseudonym Miloš Svetić angeführt. Er betätigte sich als Anwalt. Sein
Hauptwerk ist das erste serbische Gesetzesbuch aus den Jahren 1839 bis 1844. Außerdem
agierte er als Chefredakteur der Zeitschrift „Golubica“.191 Sein Gedicht „Prvi prelazak Crnoga
Đorđa iz Srbije u Srem, pa u Krušedol manastir, pred nemačko-turski rat okolo godine 1787“
beschreibt wahrheitsgetreu die Flucht Karađorđes nach Syrmien und seine Teilnahme in den
Reihen der serbischen Freiwilligen am österreichischen Versuch, in der Nacht vom 2. auf den
3. Dezember 1787 Belgrad im Handstreich einzunehmen. Das Gedicht entstand 1838.192

Prvi prelazak Crnoga Đorđa iz Srbije u Srem, Die erste Überfahrt des Schwarzen Georgs

pa u Krušedol manastir, pred nemačko-turski rat von Serbien nach Syrmien, und dann ins

okolo godine 1787. Kloster Krušedol vor dem deutsch-türkischen Krieg

im Jahre 1787

[…]

Dosta se krvi prolivalo srpske u okovi turski Viel serbisches Blut wurde in den türkischen Fesseln
vergossen

[…]

Dokle će srpske padati žrtve pod jarosti mačem? Wie lange werden die serbischen Opfer unter dem Schwert
des Zornes fallen?

Dokle i svetinje naše se gaziti nogama turskim? Wie lange werden türkische Füße unsere Heiligtümer
treten?

Dokle junaštvo, poštenje pod kivnim propadati nožem, Wie lange werden Heldentum und Ehrbarkeit unter dem
gehässigen Messer verfallen,

190
MLADENOVIĆ Aleksandar, Tipovi književnog jezika kod Srba u drugoj polovini 18. i početkom 19. veka.
Referat za VII međunarodni kongres slavista u Varšavi. Neusatz 1973, S. II
191
riznicasrpska.net/knjizevnost/index.php.?topic [download am 3. März 2014 um 14h22]
192
SVETIĆ Miloš, Prvi prelazak Crnoga Đorđa iz Srbije u Srem, pa u Krušedol manastir, pred nemačko-turski rat
okolo godine 1787. In: LESKOVAC Mladen (Hg.), Antologija starije srpske poezije. Neusatz 1972, S. 219-223
60
svake bez odbrane, osvete, pravedne naknade kazni? Jede Strafe ohne Wehr, Rache, gerechte Entschädigung?

Draga o žalosna braćo! Ja već trpiti neću, Liebe traurige Brüder! Ich will es nicht mehr erdulden,

vratu mi s’neće u gvozdeni jaram svirepa vraga193 mein Hals will nicht mehr ins Eisenjoch des grausamen
Teufels

6.6.3. JOVAN RAJIĆ

Jovan Rajić (1726-1801) kam in Karlowitz zur Welt und war ein bedeutender serbischer
Historiker, Pädagoge, Priester und Archimandrit des Klosters in Kovilje nahe Neusatz. Er galt
als einer der belesensten Serben seiner Zeit. Rajić arbeitete sechszehn bis siebzehn Stunden
täglich, betete drei Stunden lang und schlief sehr wenig. Er war ein gesellschaftlich bestens
vernetztes Mitglied der elitären aufklärerischen Vereine der Monarchie194, polyglott,
übersetzte viele Texte und Bücher auf Serbisch und schrieb mehrere Fachbücher über die
Theologie, darunter 1774 einen Kathechismus im Auftrag des Wiener Hofes 195. Außerdem
schrieb er mehrere Bücher über die Geschichte, Philologie und sogar Astronomie. 1768
beendete er sein opus magnum, eine Monographie über die Geschichte der slawischen Völker
unter dem Titel „Istorija raznih slavenskih narodov“. Sein bekanntestes Poesiewerk ist das
fünfteilige allegorisch-historische Epos „Boj zmaja s orlovi“, auf Deutsch „Der Kampf des
Drachen mit den Adlern“, über den Krieg Österreichs und Russlands gegen das Osmanische
Reich von 1788 bis 1791. In ihm bejubelte der Dichter den Sieg der christlichen Mächte über
die Osmanenheere. Die Hohe Pforte unterdrückte die Serben mehrere Jahrhunderte lang, was
die Begeisterung des Poeten leicht verständlich macht.196 Das Epos wurde im Jahre 1788 in
russisch-slawischer Sprache geschrieben und 1791 in Wien gedruckt.197 Es handelt sich dabei
um ein Rondo. Auf Grund seiner Konzeption und seines dokumentarischen Wertes darf das
Werk als eine durchaus seriöse historische Quelle gelten. Es ist eine ungewöhnliche Synthese
der philosophischen Dichtkunst mit einer Überlieferung der wichtigen zeitgenössischen
Ereignisse, die für das serbische Volk auf beiden Seiten der Österreichisch-Osmanischen
Staatsgrenze von immenser Bedeutung war.198 Vermutlich griff Rajić dabei auf die Wiener

193
SVETIĆ Miloš, Prvi prelazak Crnoga Đorđa iz Srbije u Srem, pa u Krušedol manastir, pred nemačko-turski rat
okolo godine 1787. In: LESKOVAC Mladen (Hg.), Antologija starije srpske poezije. Neusatz 1972, S. 219-223
194
SKERLIĆ Jovan, Pisci i knjige. Belgrad 1964, S. 195
195
ĆOROVIĆ Vladimir, Istorija Srba. Belgrad 1989, S. 390
196
riznicasrpska.net/knjizevnost/index.php.?topic [download am 4. März 2014 um 10h30]
197
MLADENOVIĆ Aleksandar, Tipovi književnog jezika kod Srba u drugoj polovini 18. i početkom 19. veka.
Referat za VII međunarodni kongres slavista u Varšavi. Neusatz 1973, S. 8, vgl. RAJIĆ Jovan, Boj zmaja s orlovi.
Wien 1791, S. 38-39
198
STOJANČEVIĆ Vladimir, Rajićev spev “Boj zmaja s orlovi” kao istorijski izvor. In: FRAJND Marta (Hg.), Jovan
Rajić. Život i delo. Belgrad 1997, S. 156
61
Zeitungen und auf die offiziellen Berichte vom Kriegsschauplatz zurück.199 In seinen Versen
beschrieb er die Freiheitsbestrebungen der Serben während der Schlacht um Otschakow 1788
und die österreichische Belagerung Belgrads vom 11. September bis 8. Oktober 1789. Belgrad
war damals eine orientalisch geprägte Stadt mit achtzehn Moscheen.200

Jasnu svetlost sunčanu Josifa drugoga, Das klare Sonnenlicht Joseph II.

Beograd prima u sebi milog oca svoga. Belgrad empfängt seinen lieben Vater.

Već zmaj ljuti odleti, niti koga bije Schon flieht der Drache davon und schlägt niemanden mehr

jerbo or’ov dvoglavi nad gradom se vije. weil der zweiköpfige Adler über der Stadt weht.

Stare tiće sve svoje pod krilo poziva, Er ruft alle seine alten Vögel unter den Fittich,

koje je zmaj gnjavio s milošću zaziva: die der Drache quälte und ruft sie lieblich zu sich:

Hod’te k meni, ja ću vas pod krilo uzeti Kommt zu mir, ich nehme euch unter meine Fittiche

gdino više ljuti zmaj dopret neće smeti. wo der böse Drache nicht mehr kommen darf.

Sve reke i rečice rukama pljeskajte, Alle Flüsse und Flüsschen mögen mit den Händen
applaudieren,

hvala Bogu i caru od srca podajte!201 und sich von Herzen bei Gott und beim Kaiser bedanken!

Neben diesen zwei bedeutenden Schlachten beschrieb der Rajić in seinem Epos auch die
Kampfhandlungen bei der Festung Bender.202 Die Türkei wurde als ein Drache dargestellt,
Österreich und Russland hingegen als Adler. Das war ein explizites Element der Fantastik von
Rajić.203 Die meisten Andeutungen klingen allegorisch.

Što sam ščepao u nokte Das, was ich mit meinen Fingernägeln schnappte,

doista ti ne dam, gebe ich dir wahrlich nicht,

niti mislim uzeti: aber ich denk auch nicht daran, dir etwas wegzunehmen:

jer ja mojim vladam.204 weil ich über das Meine herrsche.

199
STOJANČEVIĆ Vladimir, Rajićev spev “Boj zmaja s orlovi” kao istorijski izvor. In: FRAJND Marta (Hg.), Jovan
Rajić. Život i delo. Belgrad 1997, S. 160
200
SAMARDŽIĆ Radovan/MILIČEVIĆ Jovo u.a., Istorija srpskog naroda. Buch 4, Bd. 1. Belgrad 2000, S. 320
201
RAJIĆ Jovan, Boj zmaja s orlovi. Wien 1791, S. A2
202
STEFANOVIĆ D. Mirjana, Prvi ep u srpskoj književnosti kao parodija junačkog epa. In: STEFANOVIĆ D. Mirjana
(Hg.), Jovan Rajić: „Boj zmaja s orlovi”. In: Službeni glasnik (1998). S. 118 u. 123
203
DAMJANOV Sava, Elementi fantastike u Rajićevom spevu “Boj zmaja s orlovi”. In: FRAJND Marta (Hg.), Jovan
Rajić. Život i delo. Belgrad 1997, S. 168
204
RAJIĆ Jovan, Boj zmaja s orlovi. Wien 1791, S. A3
62
Zmaj narušio s orlom mir, Der Adler zerschmetterte den Frieden mit dem Adler,

na njega ustaje: erhebt sich gegen ihn:

orao kavge ne traži der Adler sucht keinen Zank

kad mora, pristaje.205 und wehrt sich erst, wenn er muss.

Interessanterweise ist der Hauptheld des Epos der türkische Heilige Muhamed, der äußerst
karikaturenhaft dargestellt wurde.206 Die gesamte Komposition des Werkes beschränkt sich
auf bloß zwei Situationen, und zwar auf die Arroganz Muhameds zu Beginn des Epos und auf
seine fatale Niederlage am Ende.207 Rajić präsentierte die Hauptfigur als einen ausgesprochen
trotzigen und sehr negativen Charakter.208 Im besagten Epos wurden die Gegensätze zwischen
dem Islam und dem Christentums als ein „Clash of Civilisations“ betrachtet, als
Zusammenprall von europäischer Bildung und Kultur sowie orientalischer Dekadenz. Für den
Autor handelte es sich dabei um einen Kampf des Guten gegen das Böse. Österreich und
Russland repräsentierten progressive europäische Reiche, die das rückständige System der
Osmanen niederrangen.209 Jovan Rajić sah als Zeitzeuge in diesem Krieg vor allem eine
Chance, Serbien von der osmanischen Herrschaft zu befreien und das Land als eine Provinz
des Habsburgerreiches im Rahmen einer kulturell-humanitären Mission wieder in die Familie
der zivilisierten europäischen Völker zurückzuführen.210 Diesbezüglich vertrat er ähnliche
Ansichten wie sein Epigone Dositej Obradović. Obwohl beide in ihren Epen und Gedichten
über dieselben kriegerischen Ereignisse berichteten, gab es zwischen ihnen große
Unterschiede. Allgemein war Jovan Rajić als Poet wesentlich talentierter als Dositej
Obradović, für den die Dichtung bloß ein wirksames Mittel war, seine Ideen im Volk
verbreiten zu können.211

205
RAJIĆ Jovan, Boj zmaja s orlovi. Wien 1791, S. A3-A4
206
POPOVIĆ Tanja, O nekim strukturalnim i stilskim odlikama Rajićevog speva “Boj zmaja s orlovi”. In: FRAJND
Marta (Hg.), Jovan Rajić. Život i delo. Belgrad 1997, S. 162-163
207
STANOJEVIĆ Pavle, “Boj zmaja s orlovi” Jovana Rajića u književnoistorijskom kontekstu. In: Književna istorija
(1981) Nr.14/53. S. 92-93
208
STEFANOVIĆ D. Mirjana, Prvi ep u srpskoj književnosti kao parodija junačkog epa. In: STEFANOVIĆ D. Mirjana
(Hg.), Jovan Rajić: „Boj zmaja s orlovi”. In: Službeni glasnik (1998). S. 124
209
STOJANČEVIĆ Vladimir, Rajićev spev “Boj zmaja s orlovi” kao istorijski izvor. In: FRAJND Marta (Hg.), Jovan
Rajić. Život i delo. Belgrad 1997, S. 156
210
ebda, S. 155
211
GRBIĆ Dragana, Duh vremena u delima Jovana Rajića i Dositeja Obradovića. In: IVANIĆ Dušan/JELIĆ Vladimir
(Hgg.), Dositej Obradović 1807-2007. Belgrad 2008, S. 268
63
6.6.4. DIMITRIJE (DOSITEJ) OBRADOVIĆ

Dositej (1744-1811) war der bedeutendste serbische Aufklärer und Reformer der
revolutionären Periode der serbischen Volkserneuerung. Er kam im Dorf Čakovo im
österreichischen Banat, heute Ciacova in Rumänien, zur Welt. Bereits in der Volksschule galt
er als sehr verträumt und interessierte sich vor allem für die religiöse Mystik.

Nach dem Tod seines Vaters hätte er einen Beruf erlernen sollen, stattdessen floh er aber ins
serbisch-orthodoxe Kloster Hopovo. Der dortige Alltag erfüllte nicht seine hohen
Erwartungen. Enttäuscht verließ er das Kloster und unternahm ausgedehnte Reisen quer durch
Europa und nach Kleinasien. In Smirna, heute Izmir, verbrachte er drei Jahren an der
berühmten Theologieschule von Jerotij Dendrin. Der bevorstehende russisch-osmanische
Krieg zwang den „Papa Serbos“ 1768 zur Flucht aus dem Osmanischen Reich.212 In den
darauf folgenden Jahren arbeitete er als Lehrer in Dalmatien, Triest, Wien und der Moldau.
Anschließend studierte er Philosophie in Halle und in Leipzig. Dort begann er zu schreiben.
Unmittelbar nach Ausbruch des Ersten Serbischen Aufstandes reiste er nach Serbien und ließ
sich dort nieder. Er galt als der größte Intellektuelle seines Volkes, gründete erste Schulen und
wurde zum ersten Bildungsminister Serbiens. Recht bald avancierte er zum persönlichen
Berater des Schwarzen Georgs (Karađorđe). Seine letzte Ruhestätte ist die barocke Kathedrale
des heiligen Erzengels Michael in Belgrad. An Dositej erinnern heute viele Schulen, Museen
und Denkmäler. Am 17. September 2004 wurde eine Stiftung unter seinem Namen gegründet.
Seine in Leipzig 1783 gedruckte Autobiographie „Život i priključenija“ wurde in
slawenoserbischer Sprache geschrieben. Der zweite Teil der Memoiren trägt den Titel
„Pisma“ (dt. „Briefe“). Der Aufklärer Dositej kritisierte scharf die Rückständigkeit des
orthodoxen Klerus, womit er sich den montenegrinischen Kirchenfürsten Petar II. Petrović
Njegoš zum Feind machte. In der Folge verbot Njegoš den Druck der Werke Dositejs in
Cetinje.213 1789 verließ Dositej Leipzig und ließ sich in Wien nieder. Er verehrte Kaiser
Joseph II. sehr. In ihm sah Dositej die personifizierte Aufklärung schlechthin, weil der Kaiser
viele Klöster schließen und an ihrer Stelle Spitäler und Schulen eröffnen ließ.214 Dositej
begrüßte die vom Kaiser angeordnete finanzielle Unterstützung des Hofkriegsrates für die

212
OBRADOVIĆ Dositej, Život i priključenija. Belgrad 1833, S. 27-28, vgl. STEFANOVIĆ D. Mirjana, “Napomene”
u: Dositej Obradović. Pismo Haralampiju, Život i Priključenija. In: Sabrana dela Dositeja Obradovića. Bd. 2.
Belgrad 2007, S. 182
213
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214 2
SKERLIĆ Jovan, Srpska književnost u 18. veku. Belgrad 1923, S. 127, 133 u. 140, vgl. SKERLIĆ Jovan, Studije.
Neusatz 1971, Bd. 2, S. 49
64
„illyrischen“, d. h. serbischen Schulen der Österreichischen Militärgrenze.215 Beim Verlag
Kurzbeck ließ er sein patriotisches Gedicht „Pesna o izbavljenju Serbije“ (auf dt. „Das
Gedicht über die Befreiung Serbiens“) drucken.

In seinen Versen glorifizierte der äußerst austrophile Dositej Kaiser Joseph II. und ließ sich
auf der Welle der Begeisterung des ganzen serbischen Volkes tragen.216

O vek zlatni! O mila vremena! Goldenes Jahrhundert! Geliebte Zeiten!

O veselja i slatke radosti! Freude und süßes Glück!

Serbija je naša izbavljena! Unser Serbien wurde erlöst!

Blaga želja od naše mladosti!217 Ein frommer Wunsch aus unsrer Jugendzeit!

Das Thema des Zehnsilbers ist die Befreiung Belgrads von der Türkenherrschaft. Anders als
Rajić, hebt Dositej keine religiösen Momente hervor.218

Josifa Ftorog, slavnog vladatelja, Joseph II., der ruhmreiche Herrscher,

Velikoga rimskoga cesara, der große römische Kaiser,

Srbije mile blagog spasitelja der gütige Heiland des geliebten Serbiens,

Koji silu sultansku obara. der die Macht des Sultans niederringt.

Serbija je mila izbavljena! Das geliebte Serbien wurde erlöst.

[…]

Na verhovi visoki planina In den hohen Bergesgipfeln

Nek‘ se čuju pesne od junaka möge man den Heldengesang hören.

Po livadam‘ veseli dolina - Auf den Wiesen der frohen Täler –

Slatki glasi serpski devojaka. möge man den süßen Stimmen der serbischen Mädchen
lauschen.

Neka poju i veselo kliču, Mögen sie singen und erfreut jubeln,

Na pohvalu rimskom cesaru: als Lob an den römischen Kaiser:

„vivat, Josif Ftori“ – neka viču, “Vivat Joseph II.” – mögen sie jubeln,

„Srbije mile, mili gospodaru!“219 „der geliebte Herrscher des geliebten Serbiens!“

215 2
SKERLIĆ Jovan, Srpska književnost u 18. veku. Belgrad 1923, S. 74
216
KOSTIĆ Mita, Dositej Obradović u istorijskoj perspektivi 18. i 19. veka. Belgrad 1952, S. 78
217
OBRADOVIĆ Dositej, Pesna o izbavljenju Serbije. 1789 Wien, S. o. Ang., vgl. OBRADOVIĆ Dositej, Ljubezni
Haralampije. Leipzig 1783, S. 2
218
OSTOJIĆ Tihomir, Dositejevi stihovi. In: GRDINIĆ Nikola (Hg.), Dositej Obradović. Dela. Belgrad 2005, S. 418
65
Der Empfänger von „Ljubezni Haralampije“, bzw. „Pismo Haralampiju“ (dt. „Ein Brief an
Haralampije“) war ein gleichnamiger Freund Dositejs, übrigens ein Serbe aus Kroatien, der
sich in Triest als Kaufmann sehr erfolgreich betätigte.

Auch in diesem Werk kommt die Verehrung des Autors für den Kaiser Joseph II. als
Wohltäter und Befreier der Serben stark zum Ausdruck, besonders in seiner persönlichen
Widmung:

Na pohvalu rimskoga cesara, Zum Lobe an den römischen Kaiser,

Austrijskog dvora gospodara. an den Herrscher des österreichischen Hofes.

Josife Ftori, mili vladjetelju, Joseph II, lieber Monarch,

Blažena majka koja te rodila!220 Gesegnet sei die Mutter, die dich gebar!

Dositej glaubte fest an die Befreiung Serbiens und Bosniens durch die kaiserlichen Heere:

Obrati lice i tvoj pogled blagi Wende dein Gesicht und deinen milden Blick

Na dedova tvojih narod dragi, zu dem geliebten Volk deiner Großväter,

Na Srbiju bednu i na Bosnu, schau auf elende Serbien und auf Bosnien,

Koje trpe rabotu nesnosnu.221 die unerträglichen Taten erdulden.

Alle Gedichte Dositejs sind von starkem Patriotismus geprägt. Sein Spätwerk, das Gedicht
„Pesma na insurekciju Serbijanov“, wurde 1804 in Venedig gedruckt und anschließend
vertont. Es wurde mehrmals als neue Hymne Serbiens vorgeschlagen.222 „Pismo
Haralampiju“ war ein Manifest von Dotejs künftiger, aufklärerischer Publikationsarbeit.223
Dositej Obradović widmete auch dem bedeutendsten österreichischen Heeresanführer des
Achten Türkenkrieges, dem Feldmarschall Laudon (1717-1790), ein Gedicht. „O Laudonu
generalu pod Josifom Ftorim“ war eine poetische Danksagung an den in Serbien damals auf
Grund der blitzschnellen Befreiung Belgrads äußerst populären Feldherrn. Als Vorlage diente
dem Dositej ein zeitgenössisches Volkslied.224

219
OBRADOVIĆ Dositej, Pesna o izbavljenju Serbije. 1789 Wien, S. o. Ang.
220
OBRADOVIĆ Dositej, Ljubezni Haralampije. Leipzig 1783, S. 1-2
221
ebda.
222
OBRADOVIĆ Dositej, Pesna na insurekciju Serbijanov. In: LESKOVAC Mladen (Hg.), Antologija starije srpske
poezije. Neusatz 1972, S. 101-103
223
OBRADOVIĆ Dositej/KOVAČEK Božidar (Hg.), Izabrani spisi. Neusatz 1969, S. 34
224
KOSTIĆ Mita, Dositej Obradović u istorijskoj perspektivi 18. i 19. veka. Belgrad 1952, S. 78
66
Slatko peva lira Apolona Süß spielt die Lyra Apollos

Neka svoje glase proiznosi; Möge sie ihre Klänge verbreiten;

i nek slavi hrabrog Laudona, möge sie den tapferen Laudon preisen,

Austrija s kojim se ponosi. 225 den Stolz Österreichs.

Emanuil Janković, ein guter Freund Dositejs, ließ bereits 1788 in Wien eine etwas archaisch
klingende Übersetzung der Biographie Laudons drucken. Ihr serbischer Titel lautet „Opisanie
života i heroičeskih djel c. kr. feldmaršala Barona ot Laudon“.

6.6.5. JOSO KRMPOTIĆ

Streng genommen war der berühmte Epiker Joso Krmpotić (1750-1797) zwar kein ethnischer
Serbe, sondern nach unseren heutigen Maßstäben ein Kroate, aber er verkehrte mit vielen
Aufklärern und Patrioten serbischer Herkunft, und inspirierte sie zu ihren Werken. Er kam im
Dorf Barlete in der Nähe von Gospić zur Welt. Der lernwillige junge Likaner studierte
Theologie und betätigte sich zuerst in Senj als Seelsorger. 1783 wurde er nach Temesvar
versetzt und agierte dort als Militärkaplan. 1788 avancierte er zum Hofkaplan und behielt
diese Stelle bis zu seinem frühen Tod.226 Die Epen von Krmpotić behandeln die Ereignisse
rund um den Ausbruch des letzten Türkenkrieges aus zeitgenössischer Perspektive. Die
militärische Auseinandersetzung Österreichs und Russlands mit der Türkei sah er als einen
wünschenswerten, gerechten und modernen Kreuzzug. Den Beginn seines Zyklus bildete das
1787 in Wien gedruckte dreizehnteilige Achtsilbnerepos in 453 ABAB-gereimten Quaträren
„Katharine II. i Jose II. put u Krim. Izpjevan po Josi Kermpotichu, svjetomisniku Licsaninu.
U Becsu, Slovotisom od Jose Hraschanzky“ (dt. „Die Krimreise von Katharina II. und Joseph
II.“), in dem Krmpotić die Begegnung zweier Monarchen samt den diplomatischen
Verhandlungen beschrieb. Die besagte Reise ereignete sich im Zeitraum von Jänner bis Juli
1787.227 Trotz der Tatsache, dass der Schöpfer des Epos ein katholischer Geistlicher war,
erwiesen sich die Verse vom Krmpotić als äußerst wichtig für die serbische Sache, da sie eine
hervorragende Quelle über die Pläne für den bevorstehenden Krieg in Serbien und im Banat

225
OBRADOVIĆ Dositej, O Laudonu generalu pod Josifom Ftorim. 1790 Wien, S. o. A., vgl. OSTOJIĆ Tihomir,
Dositejevi stihovi. In: GRDINIĆ Nikola (Hg.), Dositej Obradović. Dela. Belgrad 2005, S. 422
226
KARAKAŠ Jure, Dvorski vojni kapelan i Panegiričar iz Barleta. In: Ličke Novine. Kritika 44 vom 17. Feber 2013,
S. 44
227
HERTSLET William Lewis/Hofmann Winfried, Der Treppenwitz der Weltgeschichte. Geschichtliche Irrtümer,
4
Entstellungen und Erfindungen. Berlin 2008, S. 401
67
waren. Joseph II. und seine Verbündete Katharina II. wollten bei ihrer Zusammenkunft
jenseits der sprichwörtlichen Potemkin‘schen Dörfer eine neue geopolitische Karte
Südosteuropas kreieren, ohne freilich ihre künftigen neuen Untertanen in das Unternehmen zu
involvieren. Diese Absprache verärgerte die Hohe Pforte sehr, die ihre bisherigen
Friedensabkommen mit den beiden christlichen Kaiserreichen als annulliert betrachtete und
einen Präventivkrieg gegen Russland vom Zaun brach.228

Die einzelnen Kapitel des Epos waren:

I. PIESMA

II. Muhamed S-Sergiom od Bogovah u sovjetu pomoch kupi

III. Muhamed I Sergio iz sovjeta protirani, sverha sovjeta, Juno KATHARINI II. pishe,
Katharina odpisuje Juni

IV. Muhameda Cvil i Serxba

V. KATHARINA II. JOSI II. pishe, JOSO odpisuje KATHARINI

VI. KATHARINA i JOSO putujuchi

VII. KATHARINA II. S-STANISLAOM II. poljskim kraljem u Kanjevu

VIII. JOSO II. S-STANISLAOM II. u Kerzonu

IX. KATHARINA II. S-JOSOM II. u Kerzonu

X. Zbori, gosti, igre, i Veselja u Kerzonu

XI. KATHARINE s-gostom JOSOM put po Krimu

XII. Muhameda na Cernom moru pogibel, bjeg u Asiu, placs, i proklinjanje

XIII. Sergja pokora

Das Epos beginnt mit dem Rat der Götter auf dem Olymp, zu denen zwei Bittsteller,
Muhamed und Sergios, stoßen. Sie ersuchen die Götter um den Schutz der türkischen Gebiete
der Halbinsel Krim, die einst russisch waren. Die Götter nehmen sie jedoch nicht in Schutz
und beschließen die Vertreibung der Türken aus Europa.

228
LASZOWSKI Emilij, Vojna Hrvata protiv Turaka u Crnojgori godine 1788. Agram 1896, S. 280
68
In Folge dessen überredet die Göttin Juno die russische Zarin Katharina II., sich mit dem
Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Joseph II. ausgerechnet auf der besagten Halbinsel zu
treffen. Joseph II. reist nach Cherson. Katharina kommt ihm entgegen. So erfolgt auf der
Krim ein Treffen der beiden „Gottheiten auf Erden“.

Zuerst glorifiziert Krmpotić die Zarin und die russische Geschichte, danach bejubelt er Kaiser
Joseph II. und das Reich der Habsburger. Während einer gemeinsamen Schifffahrt bedroht ein
Borasturm die christlichen Monarchen, wird jedoch von den Göttern beruhigt. Das Epos endet
mit der schmählichen Niederlage Muhameds und mit seiner anschließenden Flucht nach
Mekka229 und thematisiert durchaus weltliche Ereignisse, was für einen katholischen
Geistlichen aus dem Soldatenland eher untypisch gewesen sein dürfte.

Die Religion wurde bloß im Sinne des Lebensraumes der ihm zugewiesenen Gottheiten
erwähnt. Den antiken heidnischen Göttern gehört der Himmel, dem Islam Asien und dem
Christentum ganz Europa.230 Der Dichter verfolgte ganz eindeutig gewisse russophile
Tendenzen. Höchstwahrscheinlich wies er deshalb in seinem Epos Zarin Katharina II. mehr
Bedeutung ein, als Kaiser Joseph II. In ihr sah er im Gegensatz zu manchen seinen kurialen
Zeitgenossen keine brutal herrschende autokratische Schismatikerin, sondern eine strahlende
Halbgöttin, die selbst von der Göttin Juno als Schwester bejubelt wird:

TISI xiva moja slika, DU BIST mein lebendiges Abbild,

Ja kraljujem na visini, Ich regiere im Himmel,

A u TEBI ma prilika Und mit DIR

Gospoduje na nixini. Herrscht meine Gestalt auf Erden.231

Der große Reformer aus dem Hause Habsburg blieb beim Joso Krmpotić hingegen
interessanterweise eine eher farblose Gestalt, quasi ein gutmütiger Helfer der mächtigen
Sevastokratorin. Ein möglicher Grund für die russenfreundliche Haltung des Poeten dürfte
wohl die Tatsache gewesen sein, dass das Zarenreich gegen Ende des 18. Jahrhunderts das
einzige selbständige slawische Land war, freilich auf Kosten der Teilungen Polens, an denen
sich Russland beteiligte.232 Wie auch immer, dadurch sahen manche gelehrte Südslawen in

229
KRMPOTIĆ Joso, Katharine II. i Jose II. put u Krim. Izpjevan po Josi Kermpotichu, svjetomisniku Licsaninu.
Wien 1787
230
DUKIĆ Davor, Poetika hrvatske epike 18. stoljeća. Split 2002, S. 111
231
Ue.d.Aut.
232
DUKIĆ Davor, Poetika hrvatske epike 18. stoljeća. Split 2002, S. 111, vgl. FALIŠEVAC Dunja, Kaliopin vrt.
Studije o hrvatskoj epici. Split 1997, S. 268
69
dieser Zeit in Russland einen Leuchtturm der Freiheit, ohne jedoch jemals dort gewesen zu
sein und das wahre Wesen der Herrschaft der Romanow kennengelernt zu haben. In seinem
Epos über die Krimreise der beiden gekrönten Häupter agierte Krmpotić ganz eindeutig als
ein Befürworter der slawischen Sache, ohne jedoch seine Treue zum Kaiser in Frage zu
stellen.233

Neben seiner großen Bedeutung für die Historiographie gilt „Katharine II. i Jose II. put u
Krim“ heute als ein Synthesewerk der sogenannten „slawonischen Literatur“. 234 Ein zentraler
Punkt des Epos ist die negative Bewertung der Türken.235 Der „Türke“ war in den
christlichen, südslawischen Poesie- und Prosawerken stets ein ungläubiger Feind,
erbarmungsloser Gewalttäter und Eroberer.236 Das Osmanische Reich wurde metonymisch
mit dem Islam gleichgesetzt.237

Krmpotićs nächstes Epos „Pjesma voevodam austrianskim i rosianskim pripjevana. od Jose


Kermpoticha c. k. dvora i vojnicskoga sveshtenika“ (dt. „Das Gedicht über österreichische
und russische Herzöge. Von Joso Kermpotich, k.k. Militärhofkaplan“) umfasst insgesamt 944
Verse im Zehnsilber und wurde 1789 ebenfalls in Wien gedruckt. Interessanterweise entstand
dieses Werk zwei Jahre vor den realen Ereignissen! Das Epos wurde in zwei Teilen angelegt.
Im ersten Teil widmete sich der Autor dem Kampf gegen die Türken und im zweiten Teil
wurde eine islamfeindliche, patriotische Slawenfee glorifiziert. Es handelt sich um eine
direkte Fortsetzung von „Katharine II. i Jose II. put u Krim“.238 In diesem Nachfolgeepos
wurden viele Aspekte des Krieges 1787-1791 beschrieben, darunter die Eroberungen von
Belgrad, Šabac, (Bosanski) Novi und Otschakow. Diesmal wurden Joseph II. und
Katharina II. als übernatürliche Schlangen mit Flügeln dargestellt, die über die Türkenheere
triumphieren und mit Gottes Segen die christlichen Länder befreien.

Svitlost tmine dixe, i razmata, Das Licht vertreibt die Dunkelheit,

Sjevaju na vedru razmaku. Es blitzt auf der Lichtung.

Csudnovitom rukom upisane, Mit der Zauberhand geschrieben,

JOSE DRUGOG, DRUGE KATARINE Joseph II und Katharina II

233
FALIŠEVAC Dunja, Kaliopin vrt. Studije o hrvatskoj epici. Split 1997, S. 268
234
ebda.
235
DUKIĆ Davor, Sultanova djeca. Predodžba Turaka u hrvatskoj književnosti novovjekovlja. Zadar 2004, S. 197-
218
236
DUKIĆ Davor, Turci u hrvatskoj književnosti 18. stoljeća. (= Hrvatsko filološko društvo (Hg.) Prvi hrvatski
slavistički kongres. Drugi dio. Agram 1997, S. 134
237
ebda., S. 136-137
238
ŠURMIN Đuro, Povijest književnosti hrvatske i srpske. Agram 1898, S. 125
70
Cijelom svjetu hrabrenosti znane;239 Ihre Tapferkeit ist weltberühmt;

Joso Krmpotić galt unter seinen Zeitgenossen als stets gut informiert und das war kein Zufall.
Sein adeliger Freund aus Senj, Hauptmann Joseph Philipp von Wukassovich (1755-1809),
bekam von Kaiser Joseph II. den Auftrag, nach Montenegro zu reisen. Das kleine gebirgige
Land gehörte damals wie der gesamte Westbalkan zur österreichischen Interessenssphäre.
Kaiser Joseph II. wollte nach der geplanten Befreiung von der osmanischen Herrschaft durch
die k.k. Truppen auch Montenegro in sein Reich inkorporieren.240 Das Ziel dieser
Geheimmission war es, den Mehmed Pascha von Shkodra zu treffen und ihn im
österreichischen Sinne zu beeinflussen, damit er in seinem Vilayet bleibt und keine Truppen
an die Save-Drau[sic!]-Front schickt.241 Wukassovich, der 1796/97 tapfer gegen Napoleon
Bonaparte in Oberitalien kämpfte, nahm 1788 ausgerechnet den Priester Krmpotić als
Begleiter nach Montenegro mit, was sich letztendlich als kluger diplomatischer Schachzug
erwies.242 Wukassowich und Krmpotić erhielten am 28. April 1788 ein Patent, eigentlich eine
Legitimation für die Offiziere, die sie dazu berechtigte, „Verhandlungen mit den
Montenegrinern über den gemeinsamen Kampf gegen die osmanische Tyrannei zu führen“
und gemeinsam überquerten sie die montenegrinische Grenze.243 Ihre Mission kostete die
Hofkassa insgesamt 124.557 Forint und verlief äußerst erfolgreich. Krmpotić avancierte
infolgedessen zum Hofkaplan und Wukassowich wurde zum Oberstleutnant und
Freikorpskommandanten befördert.244 Dieses Unternehmen inspirierte Krmpotić zu seinem
Heldengedicht „Pjesma Crnogorcem ispjevana i vojvodi Philippu Wukassowichu pripjevana“
(dt. „Das Gedicht zu Ehren der Montenegriner und des Wojvoden Philipp Wukassowich“),
das er 1788 in Wien publizierte.

In seinem Werk bejubelte der Dichter alle orthodoxen Slawenvölker. Damals agierte der
orthodoxe Klerus neben dem Bürgertum als eine wichtige Stütze der Politik des Wiener Hofes
in Südosteuropa.245 Auch in diesem Gedicht verband Krmpotić auf eine anachronistische
Weise die Welt des Islam mit den historischen Türken.246 Er zählte die Montenegriner zu den

239
KRMPOTIĆ Joso, Pjesma voevodam austrianskim i rosianskim pripjevana. od Jose Kermpoticha c. k. dvora i
vojnicskoga sveshtenika. Wien 1789, o. S. A.
240
FALIŠEVAC Dunja, Kaliopin vrt. Studije o hrvatskoj epici. Split 1997, S. 288
241
LASZOWSKI Emilij, Vojna Hrvata protiv Turaka u Crnojgori godine 1788. Agram 1896, S. 280
242
ebda., S. 283
243
ĆOROVIĆ Vladimir, Istorija srpskog naroda. Bd. 2, Banja Luka/Belgrad 1997, S. 499
244
LASZOWSKI Emilij, Vojna Hrvata protiv Turaka u Crnojgori godine 1788. Agram 1896, S. 346
245
DUKIĆ Davor, Poetika hrvatske epike 18. stoljeća. Split 2002, S. 116
246
ebda., S. 112
71
Serben und erwähnte etliche Namen der serbischen Helden, die nachweislich keinen Anteil an
den von ihm beschriebenen Ereignissen hatten, darunter auch diverse Personen, die an der
Amselfeldschlacht im Jahr 1389 teilnahmen! Damit wirkt das Gedicht panserbisch und hat
einen sehr geringen historischen Wert.247

6.6.6. BLAŽ BOŠNJAK

Blaž Bošnjak (1743-1807) aus Nova Gradiška, seitens der Serben auch Vasilije oder Vaso
genannt, ordinierte lange Zeit als Franziskanerprior der Pfarre Sveti Miklaš, zu Deutsch
St. Nikolaus, im Banat, bevor er zum Kaplan im kaiserlichen Heere avancierte. Er war ein
Zeitzeuge des letzten österreichisch-türkischen Krieges. Während der Eroberung der Stadt
Šabac im serbischen Mačva am 24. April 1788 hielt er sich in der Nähe des Kaisers auf:

Svi junaci skuppa bishe Alle Helden waren zusammen

Ao Misnika tu ne bishe, Aber es gab darunter keine Priester,

Neg‘ sam‘ Boshnjak Pater Vaso Außer Pater Vaso Bošnjak

I Enderich Popo Thosho. Und dem Popen Thomas Enderich.

[…]

Jutrom ranno vojska pojde, In der Früh marschierte das Heer los,

Al u devet k- Shabcu dojde, War jedoch erst um neun Uhr vor Šabac

Ter pod Shabac kad dojdoshe Als sie Šabac erreichten

Na oruxjem svi stadoshe, Blieben alle unter Waffen stehen,

Pojde Cesar s- Generali Der Kaiser marschierte mit den Generälen los

Vridno to jest dase fali, Das ist lobenswert,

Kak’Matica pcelleh voddi Als ob eine Bienenkönigin ihre Bienen führe

Tak‘ prid njima Cesar hodi, So schreitet der Kaiser vor ihnen,

Jer u Varosh bash on idde Weil er gerade in die Stadt geht

Generali njega slide, Folgen ihm die Generäle,

I Ferdinand za njim idde so auch der Ferdinand

I za njima Sriemci slide. Und hinter ihnen die Syrmier.

247
DUKIĆ Davor, Poetika hrvatske epike 18. stoljeća. Split 2002, S. 117
72
Sein bedeutendstes Epos in der Volkssprache ist „Ispisivanje rata turskega pod Josipom
cesarom II. počevši od godine 1787“ (dt. „Beschreibung des Türkenkrieges unter dem Kaiser
Joseph II. ab 1787“).

Das zweiteilige Epos wurde im Acht- und Zehnsilber erdichtet und hatte insgesamt achtzehn
Kapitel. Im ersten Teil beschrieb Bošnjak seine eigenen Kriegsbeobachtungen. Im zweiten
Teil wurden diverse Ereignisse, bei denen der Autor selber nicht dabei war, thematisiert.248
Klarerweise war Blaž Bošnjak über alles bestens informiert und sparte keineswegs mit den
Details über die Truppenbewegungen der Kontrahenten und die Kampfverläufe. Sein 1792 im
Franziskaner-Kloster in Osijek (dt. Esseg) anonym gedrucktes Epos wurde blitzschnell
äußerst populär. Dem zeitgenössischen Lesepublikum wurde ein genaues Bild der
Kampfhandlungen präsentiert.249 Das Epos behandelte drei Kampfschauplätze, den bosnisch-
kroatischen, den serbischen als Kriegsteilnehmer und den walachischen.250

„Sermo spiritualis de Passione Christi“ von 1795, das nächste Werk Bošnjaks, wurde
ebenfalls im Franziskanerkloster zu Osijek publiziert. In Südungarn gab es damals noch keine
Druckereien. Es handelt sich dabei um kein weiteres Epos, sondern um die Abschrift einer
mittlerweile verschollenen Predigt des Autors in der Franziskanerkirche zum fünften
Jahrestag des Todes von Feldmarschall Laudon über die Befreiung der Ortschaften Šabac und
Nova Palanka. Auf Grund seiner Tapferkeit im Türkenkrieg und noch mehr wegen seiner
missionarischen Tätigkeit im Palfy-Regiment, die zur Konversion von insgesamt 72
„griechisch-orientalischen“, calvinistischen und lutheranischen Soldaten zum Katholizismus
führte, erhielt Blaž Bošnjak mehrere Auszeichnungen und wurde schließlich zum Provinzial
der Franziskaner ernannt.251

6.6.7. ANTUN IVANOŠIĆ

Der in poetischer Hinsicht vermutlich bedeutendste Vertreter der Kriegsepik der


Militärgrenze und Restslawoniens war der Geistliche Antun Ivanošić (1748-1800).

248
DUKIĆ Davor, Poetika hrvatske epike 18. stoljeća. Split 2002, S. 128
249
DUKAT Vladoje, Pater Gregur Kapucin (Juraj Malevac) kajkavski književnik 18. vijeka. Agram 1915, S. 198
250
ĐUKIĆ Avram, Učešće titelskog krajiškog bataljona u austro-turskom ratu godine 1788-1791. In: Letopis
Matice srpske za 1891 Nr. 162 (1891), Heft 1, S. 101
251
ANDRIĆ Nikola, Iz ratničke književnosti hrvatske. Pod apsolutizmom. In: Slavonica (2004), Nr. 35, S. 48, vgl.
FRANIČEVIĆ Marin, Slavonski pisci 18. stoljeća u okviru hrvatske književnosti. In: Forum (1968), Nr. 7, 2/3, S.
321-322, bzw. HOŠKO Franjo Emanuel, Franjevci i knjiga za slavonske krajišnike. In: Kačić (1984), Nr. 16, S. 158
73
Er studierte Philosophie in Wien und Theologie in Bologna und Agram. Ivanošić schrieb
überwiegend stokawisch-ikawisch. Seine Gedichte und Poemen ähneln der Volksepik im
Zehnsilber. Als kriegerischer Poet verachtete er sowohl die Türken als auch die Ideen der
Aufklärung und vertrat äußerst konservative Weltansichten.252 Sein wichtigstes Werk war der
Zehnsilber in 260 Versen „Pisma, koju piva Slavonac zu tamburu, a Licsanin odpiva od uzetja
turske Gradishke illiti Berbira grada kojeg osvoi glasoviti pos veg sviga kraljevinah vitez
general feld-marschal vishe nego sedamdesetlitni starac Gedeon Laudon pod neobladnim
rimskim carom i macxarskim kraljem Josipom II. cile vojske pervi vojvoda zapovidnik i
upravitelj“ über die Eroberung Gradiškas unter dem Kommando Laudons, gedruckt in Agram
im Jahre 1789. Interessanterweise ließ Ivanošić in seinem Epos die Kriegskunst des großen
österreichischen Feldherrn aus dem Munde eines weisen Türken loben.

6.6.8. JOSIP STOJANOVIĆ

Als Militärkaplan nahm ein weiterer slawonischer Poet Namens Josip Stojanović am Achten
Österreichisch-Türkischen Krieg teil und verarbeitete seine Erlebnisse in zwei bedeutenden
Epen. Stilistisch blieb er zwar weit hinter dem offensichtlich wesentlich begabteren Ivanošić,
der hohe dokumentarische Wert der beiden Werke Stojanovićs hat jedoch eine immense
Bedeutung als historische Quelle, da der Autor alle Einzelheiten des Kriegsgeschehens
genauestens notierte, darunter sogar den Verbrauch der Kanonenkugeln! Die Haupttendenz
von Stojanovićs Epen war die Glorifizierung der „illyrischen“ Soldaten und ihres
Oberbefehlshabers Laudon.253 Das Beste Beispiel dafür findet man in „Pisma od slavne
Regimente Gradishke slovena u Vrime ratta Tyrskoga Godine 1788“.

Kauri su vas grad pokvarili, Die Christen zerstörten eure Burg,

zid debeli od njeg razvalili. mit ihren dicken Mauern.

U njem csucse Turci ko divjaci, In der Burg hocken die Türken wie die Wilden,

jer ji tuku cesarski junaci weil sie von den Helden des Kaisers

iz veliki prijaki topova, aus den großen mächtigen Kanonen beschossen werden,

252
http://www.krizevci.net/hr/html/pjesnici.html [download am 31. März 2014 um 20h05], vgl.
http://enciklopedija.hr/Natuknica.aspx?ID=28187 [download am 31. März 2014 um 19h43]
253
TATARIN Milovan, Josip Stojanović, protivnik apostola himbenog svita. In: TATARIN Milovan (Hg.), Josip
Stojanović. Djela. Vinkovci 2005, S. 14-15
74
sve padaju kano od gromova.254 sie [die Türken] fallen alle, wie vom Donner getroffen.

Der Tod des Feldmarschalls Laudon als ein Verlust für die Erde, aber ein Gewinn für den
Himmel war Stojanović einen eigenen Prosatext im Stil einer Totenmesse Namens „Smrt
preuzvishenoga gospodina Gedeona Laudona“ wert.255 Das Zielpublikum des Werkes bestand
ganz eindeutig aus slawonischen Grenzsoldaten, die gewisse edle und gerechte
Charaktereigenschaften ihres verstorbenen Kommandanten in wacher Erinnerung behalten
sollten. Im Text relativierte der Autor die übertriebene Strenge, Barschheit und Schroffheit
des Feldmarschalls.

6.6.9. GREGUR KAPUCIN

Pater Gregur Kapucin (1734-1812) hieß eigentlich Georg (Juraj) Maljevac, kam ursprünglich
aus Krain und lebte überwiegend in Nordwestkroatien. Zu seinen bedeutendsten Werken
zählte das kajkawische Zwölfsilbnerepos „Neztranchno vezdassnyega tabora izpiszivanje“,
das von 1789 bis 1791 in der Wiener Hofzeitung „Hofbericht“ erschien.256 Gregur Kapucin
beschrieb die Kriegsereignisse eher als ein Journalist257 , vernachlässigte dabei jedoch in
seinen frischen und geistvollen Versen jedoch keineswegs die sprachliche Stilistik.258 Seine
wichtigste Quelle war ein Informant aus der Redaktion des „Hofberichts“. Als Ursache des
Krieges Österreichs und Russlands gegen das Osmanische Reich sah er das Bestreben der
Hohen Pforte, die Halbinsel Krim zurückzugewinnen, was das Zarenreich schroff ablehnte.
Österreich half seinem angegriffenen russischen Verbündeten. So kam es zu einem Krieg
gegen die Türken, den der Wiener Hof ursprünglich vermeiden wollte. Gregur Kapucin
schilderte ausführlich die Kämpfe und deren Schauplätze. Über die österreichischen Feldzüge
dichtete er in den Kapiteln „Vu Bosnye“, „Pri Belgradu“ und „Vu Bukovine“, über die
russischen hingegen in „Moskoviti Od Basse Vu Skutari“. Die Haupthelden dieses Krieges
waren für Gregor Kapucin ganz eindeutig Laudon, den er vergötterte, und Philipp
Wukassowich.

254
STOJANOVIĆ Josip, Slidi Pisma. Od slavne Regimente Gradishke slovena u Vrime ratta Tyrskoga Godine 1788.
In: Novi i stari vetodanik illiti kalendar Illyricski za pristupno godishte 1792 na korist i zabavu Slavonicah sloxen
Po jednom Domorocu iz Poxege rodom. Esseg 1792, o.SA.
255
TATARIN Milovan, Josip Stojanović, protivnik apostola himbenog svita. In: TATARIN Milovan (Hg.), Josip
Stojanović. Djela. Vinkovci 2005, S.75
256
http://www.slovenska-biografija.si/oseba/sbi345177/ [download am 31. März 2014 um 23h17]
257
DUKAT Vladoje, Pater Gregur Kapucin (Juraj Malevac) kajkavski književnik 18. vijeka. Agram 1915, S. 161
258
LONČARIĆ Mijo, Kajkawisch. In: Lexikon der Sprachen des europäischen Ostens. Bd. 10. S. 262, Sp. 5,
Klagenfurt 2013
75
6.6.10. ĐURO FERIĆ

Đuro Ferić (1739-1820) war ein Geistlicher, Philosoph, Dichter und Übersetzer aus
Dubrovnik. Der Gelehrte widmete zwei Epen der letzten militärischen Auseinandersetzung
Österreichs mit dem Osmanischen Reich. In seinem Epos auf Latein „Praefecti Gedeoni de
laudon sub auspiciis Joseph II.“ glorifizierte er die Heldentaten von Laudon und Joseph II.259
Es handelte sich dabei um eine poetische Verarbeitung der Bestrebungen der Diplomatie der
Republik von Ragusa, mit Kaiser Joseph II. als künftigem Nachbar nach der erwarteten
Befreiung Bosnien-Herzegowinas und Serbiens gute Beziehungen zu pflegen. 260 Ähnlich
agierten auch die Vertreter Dubrovniks am Zarenhof in St. Petersburg. 261 Im Epos „Pjesan“
bejubelte Ferić die Tapferkeit der österreichischen und montenegrinischen Soldaten unter dem
Kommando von Wukassowich und prophezeite das baldige Ende des Imperiums der
Osmanen:

Vidim smartnom u bljedilu Ich sehe in der Todesblässe,

turski mjesec gdje zapada dass der türkische Mond untergeht

za u vijek stati u tamnilu für immer in der Dunkelheit bleiben

I ne istechi vech nikada Und nie wieder herauskommen

Orla vidim dvoglavoga Ich sehe den zweiköpfigen Adler

pri cestitom gdino u slavi wie er im ehrsamen Ruhm

priko cvjeta Otomanskoga über der osmanischen Blume

nasret krila jur se spravi262 seine Flügel bereits spreizt

6.7. MEMOIREN

6.7.1. DIE MEMOIREN VON PROTA MATEJA NENADOVIĆ

Prota (orthodoxer Priester) Mateja Nenadović (1777-1854) war ein serbischer Aufklärer,
orthodoxer Priester, Feldherr, Wojwode der Aufstände von 1804 bis 1813 und von 1815 bis
1817, parteiloser Spitzenpolitiker, Vorsitzender des Staatsrates, Chronist und Diplomat.

259
GEORGIJEVIĆ Krešimir, Hrvatska književnost od 16. do 18. stoljeća u sjevernoj Hrvatskoj i Bosni. Agram 1969,
S. 257
260
BAKIJA Katja, Đuro Ferić između hrvatskog i latinskog jezika. In: DOROVSKY V. Ivan, Studia Balcanica
Bohemo-Slovaca. Brünn 2002, S. 47-54
261
KOLENDIĆ Petar, Simpatije Dubrovčana ruskom oružju prilikom osvajanja Očakova. Dubrovnik 1940, S. 36
262
BAKIJA Katja, Đuro Ferić između hrvatskog i latinskog jezika. In: DOROVSKY V. Ivan, Studia Balcanica
Bohemo-Slovaca. Brünn 2002, S. 51
76
Seiner unermüdlichen Tätigkeit waren die guten Beziehungen der aufständischen Serben zu
den Höfen in Wien und in St. Petersburg zu verdanken. Außerdem agierte er als
Cheflogistiker und als Beschaffer von Waffen und Munition aus den Beständen der
Donaumonarchie für die beiden Aufstände in Serbien. Bereits sein Vater Aleksa Nenadović
zählte zu den führenden Köpfen der Serben im Osmanischen Reich, zumindest bis zu seiner
Köpfung auf Befehl der Dayi.263 Mateja Nenadović zerstritt sich schon bald nach dem
Verhandlungssieg der Rebellen mit dem Fürsten Miloš Obrenović, der ihn 1832
zwangspensionierte. Fürst Mihailo Obrenović schickte den unbequemen Geistlichen 1840
sogar ins Exil.264 Ljubomir Nenadović (1826-1895), ein Sohn Prota Matejas, führte das
Aufklärungswerk seines Vaters fort, studierte Philosophie in Prag, Berlin und Heidelberg und
betätigte sich anschließend als Lehrer am Belgrader Lyzeum und als Herausgeber mehrerer
Zeitschriften. In „Šumadinka“ publizierte er im Jahr 1856 in den Heften 11, 12, 13, 14, 29, 30,
31, 32, 33, 34, 35, 61, 64, 73, 76, 79, 82, 85, 88, 94, 97, 97, 100 und 106 die Memoiren seines
verstorbenen Vaters. 1893 wurden sie in Belgrad auch in Buchform von der Srpska književna
zadruga herausgegeben. Ljubomir Nenadović avancierte zum Sekretär von Petar II. Petrović
Njegoš und bereiste mit ihm Italien.265

„Memoari Prote Mateje Nenadovića“ liefern eine äußerst detaillierte Beschreibung der
Ereignisse im Paschalik von Smederevo im Zeitraum vom Beginn des letzten Österreichisch-
Osmanischen Krieges 1787 bis zur temporären Befreiung Serbiens im Jahre 1806. Die
kausalen Zusammenhänge des Krieges 1787-1791 wurden dem Autor von seinem Vater
Aleksa, einem aktiven Teilnehmer der Kampfhandlungen erklärt. Den Beginn der
Feindschaften beschrieb Prota Mateja äußerst plastisch:

Ja sam čuvao – priča dalje moj otac Aleksa – da ne pređu Nemci, a neprestano sam preko Save gledao i
jedva čekao kad će preći, dok uz naše mesojeđe 1788. pređe Kićan, Isailo, Ivan i sa njima nekakav
gospodin Mijuško, donesu nešto baruta i jedan doboš, i kažu da ih je car poslao da se dižemo na Turke,
dok velika vojska ne pređe.266

Ich bewachte [die Grenze, wohl die Save] 267 – erzählt weiter mein Vater Aleksa – damit die Deutschen
sie nicht überqueren, aber ich konnte es kaum erwarten, dass sie rüberkommen, bis an unserem
Fleischessertag 1788 Kićan, Isailo, Ivan und mit ihnen irgendein Herr Mijuško mit etwas Schiesspulver
und mit einer Trommel rüberkamen und sagten, der Kaiser hätte sie geschickt, damit wir einen Aufstand
gegen die Türken machen, bis das große Heer [die Save]268 überquert.

263
DEDIJER Vladimir, Književnost i istorija. Belgrad 1985, S. 37
264
MILIČEVIĆ Milan Đakov, Pomenik. Reprint izdanja iz 1888. i 1901. Neusatz 1971, S. 205
265
DEDIJER Vladimir, Književnost i istorija. Belgrad 1985, S. 21
266
NENADOVIĆ Prota Mateja, Memoari. Belgrad 1893, S. 9
267
Bem. d. Aut.
268
Bem. d. Aut.
77
Der Herr Mijuško, der sich übrigens etwas später als Betrüger entpuppte und vermutlich nie
Joseph II. sah, leitete die ersten Maßnahmen ein:

Gospodin Mijuško okrene govoriti: „Car je meine poslao k tebi da koje najvrednije ljude znaš pozoveš
da se dignu da varoš palimo i Turke bijemo.“269

Herr Mijuško begann zu reden: „Der Kaiser entsandte mich zu dir, damit du deine fleißigsten Männer
zusammenrufst, um die Stadt zu verbrennen und um die Türken zu schlagen.“

Manche Erinnerungen aus den Memoiren stammen auch von Prota Mateja selbst:

Petar Bakarac i Mali Janko prodru u samo Valjevo i prazne kuće zapale, onda Turci počnu begati
Čačku i Užicu. To mi priča moj otac, a i ja još pamtim kako sam onaj dan iz planine Posova izlazio i s
drugom decom kako sam se na vinogradske plotove penjao, da možemo bolje videti kako Valjevo gori.
To je bilo 28. 2. 1788.270

Petar Bakarac und Mali Janko drangen in Valjevo ein und verbrannten die leerstehenden Häuser. Dann
begannen die Türken nach Čačak und Užice zu flüchten. Das erzählt mir mein Vater, aber ich erinnere
mich ebenfalls, als ich an diesem Tag das Gebirge Posovo verließ und mit den anderen Kindern auf die
Zäune der Weingärten hinaufkletterte, um sehen zu können, wie Valjevo brennt. Das war am 28. 2.
1788.

Mateja Nenadović schilderte die meisten Kampfhandlungen recht minuziös:

Mi smo gonili Turke do Čačka – priča dalje moj otac – naša je vojska bila iz same valjevske nahije. Kod
Čačka, Turci nas dobro dočekaju i ubiju nam 27 dobrih momaka, no mi opet i Čačane i Valjevce
(Turke) rasteramo i sav Čačak popalimo.271

Wir verfolgten die Türken bis Čačak – erzählt mein Vater weiter – unser Heer war nur aus dem
Verwaltungsbezirk Valjevo. Bei Čačak wehrten uns die Türken ab und töteten 27 gute junge Männer
unter uns, aber wir zerstreuten die Türken aus Čačak und Valjevo und verbrannten Čačak.

Der Autor war mit den lokalen Verhältnissen bestens vertraut:

U to vreme je u Valjevu bilo preko 3000 kuća turskih, a 200 hrišćanskih.272

Zu dieser Zeit gab es in Valjevo über 3000 türkische und 200 christliche Häuser.

269
NENADOVIĆ Prota Mateja, Memoari. Belgrad 1893, S. 10
270
ebda.
271
ebda., S. 12
272
ebda.
78
Prota Mateja berichtete auch über diverse Zweifel und manche Auflösungserscheinungen im
Lager der Auständischen, die vergebens auf das versprochene große kaiserliche Heer
warteten:

Govorim ja jednako Miljušku: Piši neka ćesar šalje što pre svoju vojsku, pak ćemo lakše i naše vojnike
u skupu držati.273

Ich sagte zu Miljuško das Gleiche: Schreib, der Kaiser möge sein Heer dringendst in Marsch setzen,
dann halten wir unsere Soldaten zusammen.

Dabei zeigte Prota Mateja tiefen strategischen Durchblick:

Istina pored granice, od Zemuna do Mitrovice, vrlo je mnogo spremne vojske ležalo; ali to je sve
badava, nema je na ovoj strani.274

Es ist wahr, an der Grenze, von Semlin bis Mitrowitz, liegt viel Heer einsatzbereit herum; aber das ist ja
alles umsonst, weil es nicht auf dieser Seite ist.

Viel Aufmerksamkeit widmete Prota Mateja einer Audienz seines Vaters bei Joseph II. im
syrmischen Kloster Fenek275:

Car: „Moj dragi kneže ja se od vas i od tog naroda uzdam da ćete pomoći mojoj vojsci, moga i vašega
neprijatelja prognati.“276

Kaiser: „Mein lieber Fürst, ich erwarte von Ihnen und von Ihrem Volke, meinem Heer dabei zu helfen,
meinen und Ihren Feind zu vertreiben.“

In den „Memoiren“ werden sowohl diverse Kriegsgreuel als auch humanitäre Aspekte, wie
die Sklavenbefreiung, erwähnt:

Mi kuće popalismo, roblje i stoku oterasmo. Tursko roblje pošaljemo u Nemačku.277

Wir brannten die Häuser nieder, das Vieh und die Sklaven trieben wir weg. Die türkischen Sklaven
schickten wir nach Deutschland.

Die Initiationszündung für alle drei Waffengänge von 1787 bis 1817, quasi für den
„Dreißigjährigen Krieg der Serben“, sah Prota Mateja in der unerträglichen Situation des
serbischen Bauerntums. Er sah die Zeit gekommen, „das Türkenjoch, das der Serbe seit der
Amselfeldschalcht mit sich schleppt, abzuschütteln.“278

273
NENADOVIĆ Prota Mateja, Memoari. Belgrad 1893, S. 12
274
ebda.
275
ebda., S. 14-15
276
ebda., S. 15
277
ebda., S. 17
278
DEDIJER Vladimir, Književnost i istorija. Belgrad 1985, S. 28-29 u. S. 37
79
Obwohl einer der Wojwoden der beiden Aufstände, fühlte er sich der historischen Objektivität
verpflichtet. Nenadovićs Volkserzähler-Memoiren sind das stilistisch schönste
Erinnerungsbuch in serbischer Sprache, und zwar ohne Konkurrenz. Sie sind voller
Anekdoten, Gedanken, Realität und Humor.279

6.7.2. DIE MEMOIREN DES RITTERS VON L.

Die „Memoiren des Ritters von L.“ erschienen zum ersten Mal im Verlag Friedrich Viewegh
und Sohn in Braunschweig 1842 in deutscher Sprache und stellen einen deutlichen
Kontrapunkt zu den Werken der südslawischen Literaten und Historiker. Ihr Autor bleibt
unbekannt, möglicherweise handelt es sich bei ihm jedoch um einen Wiener, da er manche
Städte, die er bereiste, mit Wien verglich und stellenweise diverse Bemerkungen über die
Mode in der Metropole des Habsburgerreiches machte.280 Offenbar handelte es sich dabei um
einen unmittelbaren Zeugen der Ereignisse des letzten Österreichisch-Türkischen Krieges.
Von besonderem Interesse sind die Passagen des Textes über Belgrad nach der Befreiung
durch kaiserliche Truppen und über die Rückreise des anonymen Reiseberichterstatters in den
Westen durch Syrmien und Slawonien. Seine dokumentarische Beschreibung der
Kriegsschäden in Belgrad nach dem Triumph Laudons läßt sich auch im 3. Millennium gut
lesen:

Nach überstandenen schrecklichen Wegen fuhr ich den 27. December 1789 früh in Belgrad ein. […]
Von fern stellte die Stadt einen kleinen Pfeilerwald vor, mit ihren zahllosen schmalen Thürmen an allen
öffentlichen Plätzen, Brunnen, Thoren und Bethäusern, auf welchen überall, wo sie nicht von der gewalt
des Geschützes getroffen worden, ein halber Mond stand. So wie ich aber ins Innere kam, sah ich nichts
als niedergeschossene, ausgebrannte Häuser ohne dach, mit ihren kahlen Feuerwänden dastehend, vor
den verlassenen Häusern überall ein großes Rudel zurückgebliebener Hunde liegend, Juden aus den
Kellerlöchern guckend, raizische281 Bauern ihre Esel über die Schutthaufen stachelnd.282

Anschließend widmete der Autor viel Platz den Beschreibungen der vornehmen Häuser und
des Harems. Darauf folgt ein ausführlicher Exkurs über seine bereits erwähnte beschwerliche
Rückreise durch das unkultivierte syrmisch-slawonische Grenzland:

279
DERETIĆ Jovan, Istorija srpske književnosti. Belgrad 1983, S. 4
280
LEITHÄUSER Joachim G. (Hg.), Der ruhelose Balkan. In: Reportagen zur Weltgeschichte. Memoiren des Ritters
von L. Stuttgart 1964, S. 165
281
raizisch = serbisch, Bem. d. Aut.
282
LEITHÄUSER Joachim G. (Hg.), Der ruhelose Balkan. In: Reportagen zur Weltgeschichte. Memoiren des Ritters
von L. Stuttgart 1964, S. 165
80
Nach einem wahrhaft wehmütigen Abschiede von meinem alten Hauptmann verließ ich am 3. Januar
1790 Belgrad und näherte mich nicht ohne Grauen den Morästen von Esseck. […] Fast nirgend in
weiter Umgebung des Schlosses, besonders in dieser feuchten Jahreszeit, traf man außer den
gedämmten Wegen ein hartes, festes Land, überall nur weichen, mit Schilf bewachsenen Boden; keinen
Baum, kein Gemüse, aber das üppig aus dem Sumpf emporsteigende türkische Korn 283; kein Schaf, kein
Rind, kein Wilpret, aber zahllose in ihrem Schlamm wohlgehaltene Schweineherden.284

Obwohl es in diesem Abschnitt der Militärgrenze eigentlich gar keine Feldzüge gab, fühlte
sich der Reisende angesichts der Nähe des Osmanischen Reiches äußerst unwohl:

Mit einbrechender Nacht, wo man überhaupt ohne Licht nicht mehr aus dem hause gehen durfte, wegen
der überall umherschleichenden Rohrwölfe285, einer ganz kleinen Art, die aber im Finstern schleicht
und recht tückisch beißt, zündeten 25 Panduren mitten im Schloßhof ein großes Feuer an, bei dem sie
wach blieben. Alle Thüren und Läden, in welche man Schießscharten angebracht, wurden vor dem
Schlafengehen fest verrammelt, und geladene Schießgewehre daneben gestellt, zur Schutzwehr gegen
die Räuberhorden, die sich nicht selten über die türkische grenze hinüberschlichen, um die Schlösser zu
überfallen.286

Über die Bevölkerung der Militärgrenze verliert der Anonymus kein gutes Wort:

Der slawonische Bauer selbst, von dem die berühmten Rothmäntel bis zu uns gekommen, schien mir
nicht viel mehr als halb Sau und halb Rohrwolf. Seine Arbeit mit dem Haupterzeugniß, dem Kukuretz,
ist unbedeutend. Er frißt also die meiste Zeit und säuft und schläft. ist nichts mehr in der Küche, so holt
er sich ein Schwein aus dem Sumpf, schlachtet es und bratet es ganz;so bleibt es dann auf einem
Schragen liegen, und jeder im Hause, oder wer auch sonst ein und ausgeht, schneidet sich von dem, am
Ende stinkend und madig gewordenen Schweine ein Stück herunter […] Man zerstößt die in Tonnen
faul gewordenen Zwetschen sammt den Kernen und bereitet daraus den berühmten Sliwowitzer.287

Auch manche Volksbräuche seiner slawonischen Zeitgenossen kann der Autor in moralischer
Hinsicht nicht nachvollziehen:

Die Religion des gemeinen Volkes ist die griechische. Vor den Häusern der Verstorbenen hört man die
ganze Nacht hindurch abscheuliches Wehegeheul von mehreren dazu bestellten alten Weibern. Die
neuverheiratheten Weiber enthalten sich die ersten vier Wochen aller Arbeit, liegen beständig
aufgeputzt am Fenster und rufen alle jungen Mannsleute herein, die sie mit Küssen empfangen und mit
Kuchen und Branntwein bewirthen.288

283
Mais, Bem. d. Aut.
284
LEITHÄUSER Joachim G. (Hg.), Der ruhelose Balkan. In: Reportagen zur Weltgeschichte. Memoiren des Ritters
von L. Stuttgart 1964, S. 166
285
der Schakal, Bem. d. Aut.
286
LEITHÄUSER Joachim G. (Hg.), Der ruhelose Balkan. In: Reportagen zur Weltgeschichte. Memoiren des Ritters
von L. Stuttgart 1964, S. 166-167
287
ebda., S. 167
288
ebda.
81
6.8. NOTIZEN

6.8.1. ISIDOR STOJANOVIĆ

Die Notizen Isidor Stojanovićs (1809-1849), eines Professors für allgemeine Geschichte am
Belgrader Lyzeum, entstanden nach den Erzählungen von Gaja Pantelić Vodeničarević.
Stojanović war ein aktiver Teilnehmer am Österreichisch-Osmanischen Krieg 1788-1791.
Seine Notizen werden als Handschrift der Königlichen Serbischen Akademie aufbewahrt. Der
Zeitzeuge schilderte dem Stojanović alle Verbrechen der „Türken“ und die dafür
verantwortlichen Personen und verglich die Periode vor dem Ausbruch des Krieges recht
treffend mit der Situation in Serbien unmittelbar vor dem Ausbruch des Ersten Serbischen
Aufstandes. Gaja Pantelić Vodeničarević kannte den späteren Hauptmann Koča Anđelković
noch zu Friedenszeit und war über sein Leben bestens informiert:

Koča je još u zimu 27. 1. 1788 po Sv. Jovanu prešao s porodicom u Ostružnicu i došao za noć u Žabare.
[…] Mnoge srpske porodice beže u južnu Ugarsku ili u Austriju.289

Koča kam noch im Winter am 27. Jänner 1788 nach dem Hl. Johannes mit seiner Familie nach
Ostružnica und in der Nacht nach Žabari. […] Viele Serbenfamilien flüchteten nach Südungarn und
Österreich

Der Erzähler zeigte sich auch mit der Reise der serbischen Deputation zu Kaiser Joseph II.
nach Wien vertraut:

Koča, pop Đorđe iz Kragujevca i neki Vlajko išli u Beč tražiti (i dobili) od cara oružje. […] Oni su se
tamo odobrali i otišli Josifu ćesaru, pa mu ovako Koča govorio: „Aman čestiti ćesaru, sunce ogrejalo,
po Bogu otac, ajde kurtališi naš narod, skidaj teški zulum.“ Tako on smilovao se i Koču opravio, a
drugi su svi tamo ostali, podpisali se u vojnike, dobili ruo i oružje.290

Koča, der Pope Đorđe aus Kragujevac und ein gewisser Vlajko reisten nach Wien, um beim Kaiser
Joseph Waffen zu ersuchen (und zu erhalten). Als sie dort ankamen, gingen sie zum Kaiser und Koča
sprach so zu ihm: „Edler Kaiser, unsre warme Sonne, unser Gottvater, befreie unser Volk, beende die
drückende Gewaltherrschaft.“ So erbarmte sich der Kaiser und erhörte den Koča und schickte ihn heim,
die anderen blieben dort und wurden Soldaten, sie bekamen Uniformen und Waffen.

Über die Rückreise Anđelkovićs verlor Gaja kein Wort. Er sagte auch nichts darüber, wann
Koča wieder daheim war. Der Strang der Erzählung setzt sich erst mit der erneuten Flucht der
serbischen Anführer nach Österreich als Folge der osmanischen Tyrannei und mit dem
Stimmungsbild des einfachen Volkes fort:

289
STOJANOVIĆ Isidor, Zabeleške nastale po pričanju Gaje Pantelića Vodeničarevića. In: Rukopis Kraljevske
Srpske Akademije, o. S. Ang.
290
ebda.
82
Koča iz Panjevca, kod Jagodine, glavni trgovac. Ču se kradom po narodu: uteče Koča u Nemačku!
Tako postaja malo vreme dok rekoše ljudi: uteče Radič iz Bačevice 291 u Nemačku! Pa zatim: uteče pop
Đorđe Nikolajević iz Pasijevića, pa knez Stanoje iz Žabara sa svom kućom i pređe na Kovinu u
Nemačku, […] svi u Kovin. […] pa posle će uteći Đorđe Petrović iz Zagorice sa celom svojom
familijom.292

Koča aus Panjevac bei Jagodina, ein Oberkaufmann. Man hörte insgeheim im Volke: Der Koča sei nach
Deutschland geflüchtet! Nach einiger Zeit sagten die Leute: Radič aus Bačevica sei nach Deutschland
geflüchtet! Danach: Der Pope Đorđe Nikolajević aus Pasijevići und der Knias Stanoje aus Žabari samt
seiner Familie seien nach Deutschland geflüchtet […] alle nach Kubin. […] später wird auch Đorđe
Petrović aus Zagorica mit seiner ganzen Familie flüchten.

Interessanterweise erwähnte Gaja Pantelić Vodeničarević die Flucht des künftigen „Voždes“
der Serben. Über seine Militärkarriere im Freikorps Laćman und über die Teilnahme des
Schwarzen Georgs am Feldzug des habsburgischen Heeres in Italien als Unteroffizier äußerte
sich der Erzähler freilich überhaupt nicht.

Pantelić berichtete dem Stojanović über den Sieg Kočas am Lipar gegen die osmanischen
Truppen:

…i to pašu koji je s vojskom pošao Beogradu. Koča je pobio oko 400 Turaka! Paša se vratio u
Jagodinu.293

…und zwar den Pascha, der mit einer Armee nach Belgrad marschierte. Koča tötete etwa 400 Türken!
Der Pascha kehrte zurück nach Jagodina.

Den letzten Kampf des Hauptmannes schilderte Gaja so detailliert, als ob er selbst dabei
gewesen wäre:

Koča se u šancu držao junački i branio sa sabljom, no jedan mlad Arnautin baci svoju aljinu na sablju i
uhvati ga i posle ga Turci postaviše pašom i ovaj posle čuven bio pod imenom Malić-paša. Koču su
Turci živa udarili na kolac.294

Koča hielt sich in der Schanze tapfer und verteidigte sich mit seinem Säbel, ein junger Albaner warf
jedoch seine Kleidung auf den Säbel, nahm ihn gefangen, wurde seitens der Türken zum Pascha ernannt
und unter dem Namen Maliq-Pascha sehr berühmt.

Der Erzähler fand auch recht schnell die Sündenböcke, die an der Niederlage Kočas und
seiner serbischen Freiwilligen schuld gewesen seien:

291
Radič Petrović, Bem. d. Aut.
292
STOJANOVIĆ Isidor, Zabeleške nastale po pričanju Gaje Pantelića Vodeničarevića. In: Rukopis Kraljevske
Srpske Akademije, o. S. Ang.
293
ebda.
294
ebda.
83
Svadio se bio Koča s Nemcima i oni ne hteli mu dati pomoć no ga izdali.295

Der Koča zerstritt sich mit den Deutschen und sie wollten ihm nicht helfen, sondern verrieten ihn.

6.8.2. MILAN ĐURE MILIČEVIĆ

Milan Đure (manchmal auch Đakova) Miličević (1831-1908) ist heute in Serbien bekannt als
Autor der geschichtlichen Standardwerke „Kneževina Srbija“ von 1876, „Kraljevina Srbija“
von 1884, „Pomenik“ von 1888 und des zweibändigen „Knez Miloš u pričama“ von
1891/1900. Er absolvierte das Priesterseminar in Belgrad und arbeitete anschließend als
Lehrer in Lešnica und Topola und als Bibliothekar in Belgrad. Miličević war auch als
serbischer Bildungsminister tätig und ging als Staatsrat in Pension.296 Von einiger Bedeutung
für die moderne Kriegsforschung sind seine Notizen der Erzählungen von Petar Jokić (um
1770-1852). Jokić war eine interessante historische Persönlichkeit. Er nahm an den
Kampfhandlungen des letzten Österreichisch-Osmanischen Krieges teil und profitierte von
dieser Erfahrung. 1804 avancierte er zum Buljubaša der Garde von Karađorđe und bekam von
ihm den Spitznamen Buljubašić. Nach der Niederlage der aufständischen Serben verließ er
1813 seine Heimat und lebte bis 1838 im österreichischen Semlin als Kaufmann. 1839 kehrte
er nach Serbien zurück und wurde prompt zum Richter des Bezirksgerichtes in Valjevo
ernannt. Auf Wunsch der Serbischen Gelehrtengesellschaft verbrachte Milan Đure Miličević
den Winter 1851/1852 im Haus von Petar Jokić Buljubašić, der ihm viel über die
Kampfhandlungen in Serbien berichtete.297

Die Angaben des Erzählers aus dem Zeitraum von 1787 bis 1791 stimmen weitgehend mit
denen von Gaja Pantelić Vodeničarević überein, was Platz für mehrere Rückschlüsse lässt.
Als Besonderheit erwähnte Petar Jokić Buljubašić die Teilnahme Karađorđes als Unteroffizier
der österreichischen Landungstruppen auf einer Tschaike. Die meisten historischen Quellen
vertreten nämlich eher die Meinung, dass er zu dem Zeitpunkt in Belgrad als österreichischer
Vertrauensmann agierte und für die Besetzung der Stadttore zuständig war.

295
STOJANOVIĆ Isidor, Zabeleške nastale po pričanju Gaje Pantelića Vodeničarevića. In: Rukopis Kraljevske
Srpske Akademije, o. S. Ang.
296
MILIČEVIĆ Milan Đuro, Pomenik. Reprint izdanja iz 1888. i 1901. Neusatz 1971, S. 409
297
ebda., S. 106-107
84
7. ARCHIVE

7.1. ARCHIVE IN SERBIEN

In Serbien sind heute nur noch sehr wenige schriftliche Archivalien aus der Zeit vor dem
Ersten Serbischen Aufstand vorhanden. Viele Akten wurden entweder in den Weltkriegen
vernichtet oder gelten schlicht als vermisst. Die Archivbehörden in Belgrad rufen
diesbezüglich den Abtransport der wichtigen Archivalien nach Wien Ende 1915 unter der
Leitung Franz Wilhelms in Erinnerung. Darunter waren etwa die Nachlässe des Philologen
Vuk Stefanović Karadžić und der Belgrader Hof- und Nationalbibliothek.298 Nach dem Ende
des Ersten Weltkrieges traten diese Archivbestände den Rückweg an, ein Teil ging leider
unterwegs verloren. Im Zweiten Weltkrieg wurde aus den erbeuteten Beständen aus Belgrad
und Neusatz sogar eine eigene „Aktensammelstelle Südost“ eingerichtet.299 Die meisten
dieser Archivalien wurden nach 1945 Jugoslawien zurückerstattet. Das Serbische
Militärarchiv existiert erst seit 1876 und ausgerechnet seine älteren Bestände, die ohnehin
nicht besonders zahlreich waren, gingen während der Kämpfe um Belgrad im Ersten
Weltkrieg größtenteils verloren. Die Schriften des Archivs des Belgrader Militärmuseums
reichen nur bis 1847 zurück. Das Militärhistorische Institut in Belgrad wurde erst nach dem
Zweiten Weltkrieg gegründet. Die meisten Akten aus dem 18. Jahrhundert befinden sich im
Kriegsarchiv in Wien. Weitere Bestände, die sich auf den serbischen Raum beziehen, liegen
heute überwiegend in den Archiven Budapests, Konstantinopels, Venedigs, Roms, des
Vatikans, Moskaus, St. Petersburgs, Paris, Londons, Münchens, Dresdens, Berlins,
Washingtons und Sofias.

7.2. UNGARISCHES NATIONALARCHIV, SAMMLUNG ILLYRICA

Ganz anders als das Osmanische Reich, das kaum Interesse an seinen christlichen Untertanen
zeigte, ließen sich die Behörden des Habsburgerreiches genauestens über die Zustände der
„Spielwiese der Monarchie“ informieren, vor allem im Rahmen der Vorbereitungen für einen
künftigen Krieg. Man setzte dabei primär auf die Zusammenarbeit mit den Vertretern der
österreichfreundlichen serbisch-orthodoxen Kirche:

298
HOCHEDLINGER Michael, Österreichische Archivgeschichte. Vom Spätmittelalter bis zum Ende des
Papierzeitalters. Wien-Köln-Weimar 2013, S. 166
299
ebda., S. 229
85
Jeromonachus Spiridon Wujanowics aus Kloster Kallenich äußert sich wie der erstere in allem gleich,
nur mit dem Beisatze, dass er auf gleiche die kaiserlichen Espions und Vertraute in sein Kloster wohl
aufgenommen, geleitet und unter der schriftlichen Urkunde von Kloster weiters im Lande geführt, dann
wiedereum anhero befördert hat. Weiters äussert sich der obgedachte Jeromonachus, dass lang vor dem
Ausbruche des Krieges, die kaiserlicherseits nach Servien ausgeschickte Ausforscher oder Kundschafter
zu ihnen in das Kloster gekommen und das ihnen aufgetragene geheime Geschäft unter ihrer Leitung
und Beschützung verrichtet hätten nach vollendeter Verrichtung aber, hätten Sie abermalenunter ihrer
Aufsicht dieselbe unverletzt anhero befördert.300

Es handelte sich offensichtlich um keinen Einzellfall, weil sich die Akte über die
Zusammenarbeit des Popen Jovan Rakičević mit dem Freikorpskommandanten Branovački
sehr ähnlich liest, was auf eine diesbezügliche Abmachung der österreichischen
Militärobrigkeit mit dem serbisch-orthodoxen Klerus hindeutet.301 Die Kooperation der
Priesterschaft mit dem habsburgischen Heer hatte neben diversen finanziellen Vorteilen
jedoch auch eine Kehrseite. Die Hohe Pforte duldete unter ihren serbischen Untertanen keine
„fünfte Kolonne“. Die österreichfreundlichen Kircheneinrichtungen wurden seitens der
osmanischen Feldtruppen oft niedergebrannt:

5-tus Mitrofan Joakimovics Jeromonachus aus dem Kloster Voljavcse äußert sich, dass sein
verstorbener Igumen Alexius Jefremovics noch vor dem Ausbruche des Krieges unter Anleitung
diesseitiger Herren Officiers zum besten Oesterreichischen Hofes wichtig und denkwürdige Dienste
geleistet hat, wofür er auch eine Pension von seiner Majestät dem weyland höchstseligen Kaiser Joseph
tem II-ten erhielt, welches er schriftlih darthun kann; - und es ist auch hievon dem Herrn Obristen von
Mihaljevics bestens bekannt, was für dienste er geleistet hat. – Endlichen als die Türken es in Erfahrung
gebracht haben, so wurde das Kloster samt der Kirche ein Raub der Flammen und dergestalten
gänzlichen ruinirt.302

Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der Großmacht Österreich war keineswegs nur auf
die kirchlichen Würdenträger beschränkt, auch das einfache Volk wartete sehnsüchtig auf
seine Befreiung durch die Schwarz-Gelben und zeigte sich dementsprechend
kooperationsbereit. Nach der Bekanntgabe des kaiserlichen Toleranzpatentes in Serbien 1788
„durch den Hauptmann Koča, den Oberlieutenant Wujadinovics und Major Branovaczki“
nahm die austrophile Haltung der Bevölkerung rapide zu und auch die Unterstützung im Felde
machte sich bemerkbar:

300
Ungarisches Nationalarchiv, Sammlung lllyrica, Acten der Illyrischen Hofkanzlei, 1791-7-13
301
ebda., 1792-5-27
302
ebda., 1791-7-13
86
Es ist nicht zu beschreiben welch eine Gährung dieses Patent im ganz Servien bewirket; und wie es die
Gemüther aller christlichen Einwohner für die k.k. Waffen gestimmt habe. Sie beschlossen einhellig
ihre Unholden, wo es nur möglich sein wird, zu verfolgen und auf die Seite der Oesterreicher zu tretten.
Sie öffneten den einrückenden oesterreichischen Truppen, Thöre und Thüre und gingen ihnen mit
offenen Armen entgegen; Waffenfähige leisteten Kriegsdienste, beunruhigten den Feind, hinderten ihn
in seinen Unternehmungen und thaten ihm namhaften Abbruch: Greise, Weiber und Schwächlinge
trotzten allen Wiederwärtigkeiten, viele verliessen Haus und Hof, trieben alles hinweg und suchten in
diesseitiges Gebieth Schutz und Sicherheit, kurz: alles was man von ihnen forderte befolgten sie willigst
in der Hoffnung ihre Sclavenkette dadurch zu zerreissen. 303

„Kočina Krajina“ gewann immer mehr an nationaler Prägung. Die Serben begannen mit den
Österreichern wettzueifern, wer tapferer sei und wollten sich als zuverlässige und vollwertige
Partner der kaiserlichen Streitmacht präsentieren, worüber auch der Oberstleutnant Makovac
aus Orschawa eindrucksvoll schrieb:

…und dass derselbe auch damalen als ich Endesgefertigter bey der Veteranischen Höhle durch den
Feind umrungen war, mit der Aufbringung der geschickten jenseitiger Steuermännern und sonstigen
Schiffsleuten, welche Nachtzeit die mit Lebensmitteln beladene Schiffe, der dort mit mir gestanden –
denen Truppen mit allergrössten Gefahr hineingelassen. 304

Zahlreiche Serben wollten allerdings Kapital aus ihrem Engagement schlagen und suchten
nach Kriegsende beim Wiener Hofe um diverse finanzielle Zuwendungen an. Oft konnten sie
sich dabei, wie etwa der Pope Isaije Stevanović, auf hochkarätige Zeugen wie Ceentner,
Mihaljević und Liderskron berufen.305

7.3. ARMEEAKTEN UNGARN

Die reichhaltigen Beziehungen der serbischen Orthodoxie zum Wiener Hofe umfassen /
enthalten viele Bittstellerakten. Sie geben ein gutes Bild der Zusammenarbeit vor dem
Konflikt, weil sich die serbischen Priester in der Nachkriegsnot auf ihre früheren Verdienste
in der gemeinsamen Sache beriefen und damit ihre Spionagetätigkeit offenbarten.306 Auch
viele Privatpersonen im osmanischen Serbien unterstützten diesbezüglich Österreich. Die
Brüder Petar und Jovan Novaković zogen nach Belgrad und eröffneten in der Nähe von
Stambol Kapi ein Geschäft, um die osmanischen Befestigungen besichtigen zu können:

303
Ungarisches Nationalarchiv, Sammlung lllyrica, Acten der Illyrischen Hofkanzlei, 1791-11-329
304
ebda., 1792-2-36
305
ebda., 1792-5-27
306
ebda., 1791-35-10797
87
Auch zu Belgrad unterhielten sie ein Gewölbe nahe an dem Stamboler Tor und bestimmten mittels
einen an einem Flihtenkugel gebundenen Faden die Höhe der Schanzenmauer um die
307
Montirungstreppen darnach einrichten zu können.

Die Armee Acten Ungarn liefern auch mehrere Perspektiven der „Belgrader Affäre“ vom
2. auf den 3. Dezember 1787. Als Hauptursache des Misserfolges wurden seitens der
Teilnehmer die ungünstigen Witterungsverhältnisse angegeben.308 Bemerkenswert ist auch
das auffällige Interesse der Behörden der Donaumonarchie an der familiären Situation Koča
Anđelkovićs:

Ist bei seiner Herüberemigrirung aus jenseitigem Gebiet anni 1787 im Monat Juli schon verehelichtet
gewesen.309

Die Maßnahmen zur Rekrutierung der Flüchtlinge aus Serbien für die Armee des
Habsburgerreiches wurden ebenfalls ausgiebig protokolliert:

Der Oberlieutenant Branowatzky verspricht sich noch von denjenigen Leuten; welchen in der Grenze
zubleiben erlaubt worden 3 bis 400 Mann aufzutreiben, wenn ihnen Löhnung und Brod verabreicht wird
wesenthalben er einen hier befindlichen Bulug-Bassa den Auftrag erteilen wird um diese Leute sobald
möglich zusammenzubringen Ferners würde sehr erspriesslich sein, wenn Se. Majestät den
Oberlieutenant Branowatzky autorisirten, denen anderen Vorstehern der Freiwilligen und denen
Freiwilligen selbst die allerhöchste Gnade und resp. ausserordentlich Belohnung auf den fall des
glücklichen Ausschlagung der Unternehmung zu versichern wenn nämlich der Feind vertrieben und der
Posten behauptet wird.310

Der Hauptmann Koča Anđelković wurde in den frühen offiziellen Berichten vermutlich mit
Absicht noch nicht als gefallen gemeldet, allerdings waren die Behörden bestens über das
Schicksal seiner Familie unterrichtet:

Urkunde für die mit 3 unversorgten Kinder hinterbliebene Witwe des vor dem Feind gebliebenen
Freicorps Hauptmann Kotscha Angelkovich. 311

307
Ungarisches Nationalarchiv, Sammlung lllyrica, Acten der Illyrischen Hofkanzlei,, 1791-42-790
308
ebda., 1788-16-3224
309
ebda., 1790-42-473
310
ebda., 1788-9-327
311
ebda., 1790-42-473
88
8. CONCLUSIO

Der Achte Österreichisch-Türkische Krieg von 1788 bis 1791 ereignete sich während einer
tiefen gesellschaftlichen Krise der Serben. Die serbischen Aufklärer im Habsburgerreich
glorifizierten Joseph II. in ihren poetischen Werken bereits vor dem Ausbruch des Konfliktes
als Türkenbesieger und Serbenbefreier.312 Die gelehrten Serben waren alle sehr stark
austrophil ausgerichtet. Ihre gesellschaftliche Stellung wurde nach dem Toleranzpatent von
1783 bedeutend aufgewertet und sie intergrierten sich immer besser in die Strukturen der
Monarchie. Die Lobeshymnen auf Katharina II. von Russland flossen interessanterweise
überwiegend aus kroatischen Schreibfedern. Der Grund für diese Tendenz mag recht plausibel
klingen; die Serben der Donaumonarchie konnten es kaum erwarten, dass die kaiserlichen
Truppen ihre Brüder in Serbien vom orientalischen „Türkenjoch“ befreien, während viele
Kroaten damals hofften, dass die Siege des einzigen slawischen Großreiches indirekt eine
Milderung des ungarischen Druckes und eine Aufwertung des „alten dreieinigen
Königreiches“ bewirken würden. „Kapetan Kocza“, der vermutlich größte serbische Held des
Krieges wurde von seinen dichtenden Zeitgenossen gar nicht wahrgenommen, sie bejubelten
in ihren Versen lieber die Triumphe Laudons und der kaiserlichen Truppen. Die Türken
wurden in den Gedichten der serbischen Poeten der Aufklärungszeit hingegen äußerst negativ
dargestellt und auf ethnischer und religiöser Basis verspottet. Viele Serben sahen ihr Land
bereits als ein Kronland des Imperiums der Habsburger und freuten sich sehr darüber. Aus
diesem Grund empfanden die serbischen Literaten und Historiker den Achten Österreichisch-
Türkischen Krieg nicht als eine militärische Auseinandersetzung zweier Großmächte, sondern
als „ihren“ serbischen Befreiungskrieg. Nach den ersten großen Erfolgen der kaiserlichen
Truppen auf dem Schlachtfeld änderte sich jedoch die gesamtpolitische Lage. Preußen drohte
mit Krieg und die Französische Revolution schuf eine völlig neue, für Österreich äußerst
ungünstige diplomatische Konstellation. Mit dem Frieden von Swistowa waren sowohl
Österreich als auch die serbische Seite äußerst unzufrieden. Die Donaumonarchie stand vor
dem Bankrott und Serbien blieb weiterhin osmanisch. Ausgerechnet der ungünstig verlaufene
Krieg erwies sich in Wien als Motor zum Druck der ersten bedeutenderen Bücher und
Zeitungen in serbischer Sprache. In diesem Sinne waren die aufklärerischen Impulse und
Entscheidungen des Wiener Hofes richtungsweisend. Sie beeinflussten nicht nur die
Durchsetzung der serbischen Volkssprache, sondern auch die Entstehung der serbischen
Nation und des modernen serbischen Staates.

312
PAVIĆ Milorad, Istorija srpske književnosti klasicizma i predromantizma. Klasicizam. Belgrad 1979
89
Obwohl das offizielle Österreich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die territoriale
Integrität des Osmanischen Reiches respektierte, setzte Metternich geheime Maßnahmen in
Gang, die letztendlich zu einer breiten politischen Autonomie Serbiens bzw. zur Sprachreform
Vuk Karadžićs führten.

Über den letzten Österreichisch-Türkischen Krieg findet man in den serbischen Archiven
recht wenige Quellen, weil Serbien damals über keine eigene Staatsstruktur verfügte.
Wesentlich ergiebiger erweisen sich die literarischen Quellen. Ganz interessant fällt eine
Beurteilung der österreichisch-serbischen Beziehungen im Krieg von 1788-1791 aus. Die
serbischen Aufklärer des 18. Jahrhunderts bejubelten Österreich in den allerhöchsten Tönen
und sahen in Serbien einen künftigen Edelstein in der Krone der Habsburger. Die Werke der
serbischen Historiker der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Prota Mateja Nenadović, Vuk
Stefanović Karadžić, etc.) waren sehr um eine gewisse Objektivität bemüht. Die Belgrader
Geschichtsschreiber des späten 19. Jahrhunderts schilderten Österreich im Lichte der
Ereignisse des Krieges von 1788-1791 hingegen nicht mehr als einen ehrlichen Verbündeten
und Unterstützer, sondern beinahe als eine perfide und feindlich gesinnte Großmacht.
Skurrilerweise verwendeten sie dabei ein- und dieselben historischen Quellen aus Wien und
Budapest wie ihre Vorgänger. Dieselbe Tendenz merkt man deutlich bei Crnjanski, der
allerdings auch nicht viel von Russland hielt, und auch bei Ivo Andrić, der sich jedoch primär
über das Osmanische Reich negativ äußerte.

Vermutlich kam es auf Grund der politischen Spannungen, die dem bevorstehenden
Jugoslawien-Konflikt vorauseilten, zu keinen bedeutenderen Kundgebungen oder
wissenschaftlichen Publikationen zum 200. Jubiläum des letzten Türkenkrieges. Auf dem
Weg in die Europäische Union kehrt im dritten Millenium die historische Forschung in
Serbien wieder zu den Pfaden einer objektiveren Geschichtsschreibung zurück und verstärkt
ihre Zusammenarbeit mit den diesbezüglich erfahreneren Kollegen aus Österreich. Der
serbischen Historiographie des 20. Jahrhunderts darf man einen gewissen Ethnozentrismus
vorwerfen. Lieber schreibt man über die großen Triumphe und bitteren Niederlagen der
serbischen Waffen als über den Neustart der eigenen Geschichte, der halt nicht 1804, sondern
bereits 1788, also in einem „fremden“ Krieg erfolgt war! Erst der Waffengang von 1788 bis
1791 inkorporierte im Geiste der serbischen Elite im Habsburgerreich verschiedene
befreiende, nationale, aufklärerische, sprachliche, mediale und religiöse Aspekte, die
letztendlich mit österreichischer Hilfe die serbische Nation in die Familie der modernen
europäischen Völker katapultierten.

90
Den Serben der Donaumonarchie gelang es dadurch sowohl ihren autochtonen orthodoxen
Glauben als auch ihre serbisch-nationale Identität erfolgreich zu bewahren, was ihnen zum
Beispiel in Russland nicht gelang.

Der Achte Österreichisch-Türkische Krieg wird in der offiziellen österreichischen


Geschichtsschreibung ebenfalls eher wie ein Stiefkind behandelt. Man schreibt wesentlich
lieber über den Großen Wienerkrieg 1683-1699 oder über die glänzenden Siege Prinz Eugens.
Wenn über den letzten Türkenkrieg des Hauses Habsburg in verschiedenen historischen
Zeitschriften und Publikationen geschrieben wird, dann stützt man sich dabei hauptsächlich
auf die reichhaltigen in Wien liegenden Archivalien. An der Seriosität der Quellen gibt es
zwar nichts auszusetzen, der sogenannte „Wiener Blickwinkel“ der österreichischen
Historiographie führt jedoch letztendlich dazu, dass man vor lauter Bäumen den Wald nicht
mehr sieht. Die von den alpenländischen Historikern kaum beachteten serbischen Quellen
ergänzen nämlich die bisherige Deutung des letzten Türkenkrieges in mehreren Facetten und
bezeugen von einer äußerst lebhaften und produktiven Zusammenarbeit der österreichischen
Behörden mit den Serben Österreichs und Serbiens. Als Initiator dieser Kooperation darf wohl
Kaiser Joseph II. gelten. Seine Verordnungen ermöglichten eine in jeder Hinsicht gelungene
Integration der Serben ins habsburgische Staatsgefüge.

Die Entstehung der serbischen Medienlandschaft hängt mit dem Achten Österreichisch-
Türkischen Krieg eng zusammen. Dasselbe gilt auch für die Literatur der Serben. Unter
Leopold II. und Franz II. (I.) wurden konkrete Maßnahmen ergriffen, um eine moderne
serbische Volkssprache neuzugestalten, was ein bedeutender Schritt zur nationalen
Emanzipation der serbischen Untertanen auf ihrem Weg in den Schoss der europäischen
Zivilisation war. In diese Richtung deuten übrigens auch die Quellen der Serbisch-
Orthodoxen Kirche, wo noch viel Arbeit auf österreichsiche und serbische Historiker wartet.

Die historische Forschung konzertrierte sich bisher überwiegend auf diverse militärische
Aspekte des Achten Österreichisch-Türkischen Krieges und vernachlässigte dabei die
kulturelle Dimension. Erst die Erschliessung der literarischen Quellen der Völker, die am
besagten Konflikt teilgenommen haben und ihre anschließende kritische Analyse liefern als
Resultat ein realistisches und äußerst facettenreiches Gesamtbild der Gesellschaften
Südosteuropas zur Zeit der Aufklärung.

91
9. QUELLEN

9.1.MONOGRAPHIEN UND SAMMELBÄNDE


ANDRIĆ Ivo, Na Drini ćuprija. Belgrad 1945
ANDRIĆ Ivo, Veletovci i Priča o kmetu Simanu. Belgrad 31959
ARNETH Alfred, Joseph II und Katharina von Russland. Ihr Briefwechsel. Wien 1869
ARSENIJEVIĆ-BATALKA Lazar, Istorija Srpskog Ustanka, Bd. 1. Belgrad 1898
BAKIJA Katja, Đuro Ferić između hrvatskog i latinskog jezika. In: DOROVSKY V. Ivan,
Studia Balcanica Bohemo-Slovaca. Brünn 2002, S. 47-54
BARKER Thomas M., Doppeladler und Halbmond. Graz-Wien-Köln 1982
BEER Adolf, Die orientalische Politik Oesterreichs seit 1774. Prag-Leipzig 1883
BELIĆ Aleksandar, Borba oko našeg kniževnog jezika i pravopisa. Belgrad 1935
BENEDIKT Ernst, Kaiser Joseph II 1741-1790. Mit Benützung ungedruckter Quellen. Wien
1947
BOUÉ Ami, Die Europäische Türkei. Neudruck der Ausgabe Wien 1889, Bd 1 u. 2, Melle
2008
BOŠNJAK Blaž, Ispisivanje rata turskoga pod Josipom cesarom II. počevši od godine 1787.
Esseg 1792
BOŠNJAK Blaž, Sermo Spiritualis de Passione Christi, Esseg 1795 (Original verschollen)
BRINNER Wilhelm, Geschichte des k. k. Pionnier-Regimentes, in Verbindung mit einer
Geschichte des Kriegs-Brückenwesens in Österreich. Bd. 1, Wien 1878
BUCHMANN Bertrand Michael, Österreich und das Osmanische Reich. Eine bilaterale
Geschichte. Wien 1999
CATELLAN Georges, Geschichte des Balkans. XIV-XX Jahrhundert. Paris 1999
CRNJANSKI Miloš, Seobe. Belgrad 1966
CRNJANSKI Miloš, Druga knjiga seoba. Belgrad 1978
ĆOROVIĆ Vladimir, Prota Mateja Nenadović. Život i rad. Belgrad 1928, S. 2-3
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100
9.4.ZEITUNGSARTIKEL
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9.5.FESTSCHRIFTEN
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9.6.NOTIZZEN
STOJANOVIĆ Isidor, Zabeleške nastale po pričanju Gaje Pantelića Vodeničarevića. In:
Rukopis Kraljevske Srpske Akademije

9.7.ARCHIVALIEN
Bericht des General Magdeburgs (Wien, am 2. Oktober 1787) In: Kriegsarchiv 1787, 10, 1 ½
u. 9 (Belgrader Acten)
Ungarisches Nationalarchiv, Sammlung lllyrica, Acten der Illyrischen Hofkanzlei, 1791-7-13
Ungarisches Nationalarchiv, Sammlung lllyrica, Acten der Illyrischen Hofkanzlei, 1792-5-27
Ungarisches Nationalarchiv, Sammlung lllyrica, Acten der Illyrischen Hofkanzlei, 1791-7-13
Ungarisches Nationalarchiv, Sammlung lllyrica, Acten der Illyrischen Hofkanzlei, 1791-11-
329
Ungarisches Nationalarchiv, Sammlung lllyrica, Acten der Illyrischen Hofkanzlei, 1792-2-36
Ungarisches Nationalarchiv, Sammlung lllyrica, Acten der Illyrischen Hofkanzlei, 1792-5-27
Ungarisches Nationalarchiv, Sammlung lllyrica, Acten der Illyrischen Hofkanzlei, 1791-35-
10797
Ungarisches Nationalarchiv, Sammlung lllyrica, Acten der Illyrischen Hofkanzlei, 1791-42-
790
Ungarisches Nationalarchiv, Sammlung lllyrica, Acten der Illyrischen Hofkanzlei, 1788-16-
3224
Ungarisches Nationalarchiv, Sammlung lllyrica, Acten der Illyrischen Hofkanzlei, 1790-42-
473
Ungarisches Nationalarchiv, Sammlung lllyrica, Acten der Illyrischen Hofkanzlei, 1788-9-
327

101
9.8.INTERNETQUELLEN
http://www.ebritic.com/?p=310114cult/12-l.htm [download am 22. Feber 2014 um 12h11]
http://enciklopedija.hr/Natuknica.aspx?ID=28187 [download am 31. März 2014 um 19h43]
http://kovceg.tripod.com/globalizam_o_vuku.htm [download am 3. März 2014 um 10h24]
http://www.krizevci.net/hr/html/pjesnici.html [download am 31. März 2014 um 20h05]
http://www.rastko.rs/isk/isk_14.html [download am 2. März 2014 um 10h22]
http://www.rastko.rs/isk/isk_20.html [download am 2. März 2014 um 21h18]
riznicasrpska.net/knjizevnost/index.php.?topic [download am 3. März 2014 um 14h34]
http://www.serbianschool.com/cult/12-l.htm [download am 11. Feber 2014 um 10h44]
http://www.slovenska-biografija.si/oseba/sbi345177/ [download am 31. März 2014 um
23h17]

10.ANHANG
10.1.KARTEN
10.1.1.KARTE DES KRIEGSSCHAUPLATZES

Quelle: HOMAN Johan Baptist, Neu Geographisch Vorgestelltes Ungarisches Kriegs-


Theatrum in Servien und dem Bannat Temeswar. Nürnberg 1717 In: Kartensammlung der
Nationalen Bibliothek Serbiens
102
10.1.2.KARTE DER BELAGERUNG BELGRADS 1789

Quelle: Opsada Beograda 1789. god. Litographie der Staatsdruckerei. Belgrad 1887 In:
Kartensammlung der Nationalen Bibliothek Serbiens

103
10.2.BILDER UND FOTOS
10.2.1.SLAVENO-SERBSKIJ MAGAZIN

Quelle: ORFELIN (STEFANOVIĆ) Zaharije (Hg.), Slaveno-serbskij magazin (1768). Nr. 1,


Titelseite, In: Büchersammlung von Zaharije Orfelin, Nationale Bibliothek Serbiens

10.2.2.ISTORIJA RAZNIH SLAVENSKIH NARODOV

Quelle: RAJIĆ Jovan, Istorija raznih slavenskih narodov.Wien 1794, Titelseite, In:
Büchersammlung von Jovan Rajić, Nationale Bibliothek Serbiens

104
10.2.3.BOJ ZMAJA S ORLOVI

Quelle: RAJIĆ Jovan, Boj zmaja s orlovi. Wien 1791, Titelseite, In: Büchersammlung von
Jovan Rajić, Nationale Bibliothek Serbiens

10.2.4.HARALAMPIJE

Quelle: OBRADOVIĆ Dositej, Ljubezni Haralampije. Leipzig 1783, S. 1-2, In:


Büchersammlung von Dositej Obradović, Nationale Bibliothek Serbiens

105
10.2.5.DANICA

Quelle: Danica 1 (1826), Titelseite, In: Büchersammlung von Vuk Stefanović Karadžić,
Nationale Bibliothek Serbiens

10.2.6.MILOŠ OBRENOVIĆ, KNJAZ SERBII

Quelle: STEFANOVIĆ KARADŽIĆ Vuk, Miloš Obrenović – knjaz Serbii ili građa za srpsku
istoriju našeg vremena. Ofen 1828, Titelseite, Büchersammlung von Vuk Stefanović Karadžić,
Nationale Bibliothek Serbiens

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