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„Mutter, hast du etwa ein anderes Kind?

Wie man die Urwunde erkennt


und
die Basis von Beziehungen heilt

Channeling von Tio

übermittelt von Silvie Katz

April 2009

www.silvie-katz.de

Copyright by Silvie Katz 2009

Weitergabe zu kommerziellen Zwecken nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin


Weitergabe zu nicht kommerziellen Zwecken erlaubt und gern gesehen

Tio: Wir – Silvie und ich – haben uns entschlossen, ein Thema in unserem
„Vorlesungsplan“ vorzuziehen, dass uns in der Gegenwart immer häufiger begegnet
und das von immer mehr Menschen jetzt erkannt und gelöst werden möchte. Dies ist
die Urwunde, die die meisten Menschen in eurer Kultur in sich tragen und die aus
dem Gefühl entstanden ist, in der Kindheit nicht genug Zuwendung bekommen zu
haben. Entstanden ist diese Wunde in der frühen Kindheit, bemerkbar macht sie sich
aber in Liebesbeziehungen im Erwachsenenleben.
Wird sie erkannt - was nicht so ganz einfach ist – und geheilt – was einfacher ist als
ihr wohl denkt - kann die Basis von Beziehungen heilen und die Beziehungsstruktur
kann eine völlig andere und sehr viel erfreulichere werden.
Dieses Channeling ist keine Neuauflage älterer Artikel von mir, die das Thema bereits
angeschnitten haben, sondern eine Bestandsaufnahme dessen, was bis jetzt zu diesem
Thema sichtbar geworden ist, und das ist sehr viel mehr als noch vor einigen
Monaten.
Also dürft ihr gespannt sein.

Zuvor aber möchte ich euch wie immer in die Meditation entführen, die euch heute in
den April schickt, und dort könnt ihr euch nicht nur mit wechselhaftem Wetter,
sondern mit den Wechselfällen des Lebens in Zeiten des Wandels und einem
entspannteren Umgang damit anfreunden.
Ihr könnt es machen wie ihr möchtet: Ihr könnt diese Meditation lesen und ihr
entspannt in euren Gedanken folgen, ihr könnt sie euch auf Band sprechen und sie
später hören – lasst dabei genug Pausen zwischen den Sätzen, damit nachher die

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inneren Bilder Zeit haben, sich zu entwickeln, oder ihr könnt euch die wichtigsten
Stationen dieses Spaziergangs merken und ihn wiederholen oder auch abwandeln, so
oft ihr wollt und wie ihr wollt.
Und wer der Ansicht ist, er könne keine inneren Bilder sehen, mache sich deswegen
bitte keine Sorgen, ihr könnt es nämlich alle. Es gehört zur menschlichen
Grundausstattung, ihr tut es jede Nacht wenn ihr träumt, und ihr tut es jeden Tag
wenn ihr euren Tagträumen nachhängt. Nur manchmal behauptet das
Unterbewusstsein hartnäckig, dass ihr es nicht könntet, dann gönnt ihm seine
Meinung und kümmert euch nicht weiter darum, und so in Ruhe gelassen, wird es
euch eines Tages erfreut feststellen lassen, dass ihr sehr wohl etwas seht.

So. Lehnt euch bequem zurück oder legt euch hin, deckt euch warm zu, damit ihr
nicht friert. Und dann schliesst ganz sanft eure Augen und beginnt damit, dass ihr
einfach euren Atem wahrnehmt. Nur wahrnehmen, und den Gedanken erlauben,
davon zu fliegen und euch allein zu lassen mit der Wahrnehmung eures Körpers.

Beginnt mit dem Atem, das ist am einfachsten. Bemerkt den persönlichen Rhythmus
von Ausatmen und Einatmen und lasst euch von ihm tragen. Bemerkt, dass es ein
Genuss ist, jegliche Anstrengung abzugeben und sich vom Atem tragen zu lassen, so
als würde man sanft gewiegt oder geschaukelt. Diese sanfte Wellenbewegung allein
trägt bereits dazu bei, dass ihr euch entspannt, dass eure Körper vielleicht in bisschen
schwer werden und ganz warm, dass ihr keinerlei Bedürfnis mehr verspürt, euch zu
bewegen und eure Körper nur daliegen und sich entspannen möchten.

Das ist sehr schön, gönnt es euch. Dankt mit einem kleinen Gruss eurem Atem, dass
er euch euer ganzes Leben lang begleitet und immer weiss, wie er sich zu verhalten
hat, mal tief, mal flacher, mal langsam, mal schnell. Wenn man den Atem in Ruhe
lässt, macht er es meistens richtig. Vielen Dank, Atem, dass du mich trägst. Vielen
Dank, Atem, ich vertraue mich dir an. Vielen Dank, Atem, ich geniesse es, von dir
getragen zu werden.

Dann geht mit eurer Wahrnehmung in eure Brust und nehmt das Schlagen eures
Herzens wahr. Macht euch auch hier bewusst, dass das Herz, ohne dass ihr an es
denkt oder ihm irgendwie helfen müsst, euer ganzes Leben lang für euch schlägt. Ihr
könnt ihm vertrauen, es kann das allein, und wenn es ausnahmsweise doch mal Hilfe
braucht, lässt es euch das wissen.
Die Wahrnehmung des Herzschlages ist sehr subtil, aber wenn ihr genau hin spürt,
jetzt in der Entspannung, dann fühlt ihr die kraftvolle Bewegung in eurer Brust, die
das Blut in Bewegung hält und den Sauerstoff im ganzen Körper verteilt. Danke
Herz, dass du vom Anfang meines Lebens an für mich gearbeitet hast und das weiter
tun wirst bis zum Schluss. Danke Herz, dass du mich immer mit Lebensenergie und
Sauerstoff versorgst. Danke Herz, dass du das alleine machst und ich mich auf dich
verlassen kann.

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Geniesst eine kleine Weile das Vertrauen, euch auf euer Herz verlassen zu können.

Dann geht mit eurer Wahrnehmung in euren Bauch und nehmt das Zusammenspiel
der Bauchorgane wahr. Möglicherweise bekommt ihr nur einen flüchtigen Eindruck,
wie gut das Teamwork hier ist, denn die Bauchorgane lieben es, diskret zu sein und
zu arbeiten, ohne gross aufzufallen. Vielleicht spürt ihr so etwas wie Bewunderung,
denn sie sind ein ganzes Team und leisten sehr hoch qualifizierte Arbeit. Eigentlich
können sie das allein, und wenn sie doch mal aus dem Takt geraten, dann sagen sie
euch das und ihr könnt ihnen helfen. Allzu viel Fürsorge oder Sorge mögen sie
allerdings nicht, lasst sie wann immer es geht ihre Arbeit einfach ungestört tun.

Vielleicht mögt ihr euch bedanken. Danke Bauchorgane, dass ihr so schön zusammen
arbeitet. Meine Hochachtung, Bauchorgane, dass ihr wahre Wunder vollbringt und
aus Nahrung Lebensenergie herstellt. Alle Achtung, Bauchorgane, ihr seid Meister
der Transformation.

Und dann geniesst es, das Zusammenspiel all eurer Organe leise wahrzunehmen,
ganz leise, und ihnen vertrauen zu können. Wer krank ist, dem wird es sehr helfen,
diese kleine Aufmerksamkeitsübung oft zu machen. Es hilft den Organen, wieder zur
Harmonie zurück zu finden und falls sie eure Mithilfe brauchen, euch das deutlich zu
sagen.

Dann macht euch bewusst, dass ihr einen Körper habt, spürt eure Muskeln, findet ein
Gespür dafür, dass ihr Knochen und Sehnen und Gelenke habt und dass euer Körper
etwas wiegt, dass er Gewicht hat. Fühlt die Grenzen eurer Haut, innerhalb derer sich
das befindet, was ihr meint, wenn ihr „ich“ sagt. Ich bin. Ich bin in einem Körper. Ich
bin in meinem Körper. Ich bin inkarniert. Es ist gut so, und wenn etwas nicht gut ist,
wird es noch gut werden. Ich sage ja zu diesem Leben, zu der Person, die ich diesmal
bin, zu dieser Inkarnation, zu diesem Körper. Es ist gut, und wenn etwas nicht gut ist,
wird es noch gut werden.

Ich fühle mich, also bin ich. Nehmt euch ein bisschen Zeit dafür.

Macht euch bewusst, dass euer Körper das Haus für eure Seele ist. Sie lebt in ihm, sie
belebt ihn, und ohne dieses Haus wäre sie heimatlos. Sie sind ein perfektes Paar,
Körper und Seele. Ohne den Körper hätte die Seele keinen Ort zu sein, ohne die Seele
hätte der Körper kein Leben. Macht euch das bewusst und spürt die enge
Verbundenheit zwischen beiden. Ist es nicht ein Wunder? Es ist ein Wunder. Beide
sind von gleicher Wichtigkeit, von gleichem Wert.

Danke Körper, dass du meiner Seele eine Heimstatt gibst, damit sie dieses Leben
gestalten kann. Danke Seele, dass du meinen Körper belebst, so dass er das Leben

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erfahren kann.

Danke Mutter Erde, dass du meinen Körper geformt hast, denn von Erde bin ich
gemacht, sie ist meine biologische Mutter. Danke Erde, dass du mich geboren hast.

Danke Vater Kosmos, dass du mich mit Intelligenz begabt hast und mit der Fähigkeit
zu verstehen.

Danke der vollkommenen Verbindung von Mutter Erde und Vater Kosmos, dass ich
ein Wesen bin, das lieben kann.

Und so verbunden mit eurem tiefsten inneren Wissen und mit den Wurzeln euren
Lebens, seid ihr auch verbunden mit all eurer Kreativität, und nun könnt ihr auf eine
innere Reise gehen, eine Wanderung durch eine innere Landschaft unternehmen und
dort in symbolischer Form so manches erfahren, was euch hilft, in dieser Zeit des
Wandels gut zurecht zu kommen.

Lasst nun vor eurem inneren Auge eine Frühlingslandschaft entstehen. Nehmt euch
Zeit, sie so entstehen zu sehen, wie sie heute eben entsteht. Gebt an eure Kreativität
die Bitte, sie möge eine Landschaft im mittleren Frühling, im April, entstehen zu
lassen.

Nun, wenn die Landschaft sich vor eurem inneren Auge oder in eurer inneren
Wahrnehmung entfaltet hat, dann schaut sie an und fühlt ihre Energie.

Was euch zuerst auffallen mag, ist, dass der Frühling nun wirklich erwacht ist. Das
Gras ist von leuchtendem Grün, gesprenkelt mit Blumen, die Luft ist von einem
zugleich süssen und kräftigen Duft erfüllt, und die Bäume werden schon grün und
viele von ihnen haben begonnen zu blühen.

Die Vögel singen laut und ihr wundert euch, dass so kleine Tiere so kräftige Stimmen
haben, und auch andere Tiere laufen munter umher, manches Eichhörnchen und
manche Maus kugelt sich im Gras vor schierer Lebensfreude, und vielleicht seht ihr
das eine oder andere Reh, das vor Freude hüpft und seine langen Beine in die Luft
wirft.

Der April ist der Monat mit der stärksten Lebenskraft. Im Hochfrühling explodiert
das Leben förmlich, an einem warmen Tag wachsen die Pflanzen viele Zentimeter,
und jeden Morgen sieht die Landschaft anders aus, voller, bunter, kraftvoller.

Nun könnt ihr euch vorstellen, dass ihr in eurer Hochfrühlingslandschaft spazieren
geht. Wenn ihr euch traut, dann tut das ruhig mit nackten Füssen. Zwar mag das Gras
noch etwas kühl sein, aber die Haut von Mutter Erde ist warm und lebendig, und

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wenn ihr durch Sand, über Mutterboden oder über Steine schreitet, dann merkt ihr
deutlich, wie die Sonne den Boden erwärmt hat und dass er unter den Füssen sehr
angenehm ist.

Es fühlt sich beinahe an, als würde der Boden vor Kraft und Leben vibrieren. Diese
starke, elementare Lebenskraft steigt über eure Fusssohlen in eure Beine, sie prickelt
und erfüllt euch mit Stärke, Optimismus und Tatendurst, und dann steigt sie noch
weiter hoch und erfüllt euren Bauch, kräftigt eure drei unteren Chakren und bringt sie
zum Leuchten und vereinigt sich schliesslich im Herzen mit der kosmischen Kraft
des kräftigen Sonnenlichts, das von oben herab strömt und durch euer Kronenchakra
in euch einfliesst und euch mit heller, fröhlicher Lebendigkeit erfüllt.

Ihr fühlt euch selber, als wolltet ihr hüpfen, vielleicht tut ihr es jetzt in eurer
Vorstellung, und spürt, dass ihr voller Leben seid und voller Kraft, euch zu
regenerieren, zu wachsen, zuzupacken und zu verändern, was ihr verändern wollt.

Die Sonne scheint warm, und auf das Leben könnt ihr vertrauen. Wie schön das ist.
Geniesst es.

Aber dann bemerkt ihr plötzlich, dass es kühl wird, ein Wind kommt auf, und dann
fegt ein Regenschauer über das Land. Vielleicht ist sogar Hagel dabei und die Wolken
werden richtig dunkel. Bäume und Sträucher triefen vor Nässe, und die Tiere suchen
rasch Unterschlupf in ihren Bauten und zwischen den Wurzeln der Bäume. Auch ihr
selbst werdet vom kalten Regen durchnässt und schüttelt euch.

War der Frühling nur eine Illusion? Wurde euer Vertrauen enttäuscht? Was, wenn
jetzt der Frost zurück kommt und die grünenden Bäume, die spielenden Tiere, die
duftenden Blumen erfrieren lässt?

Aber dann fällt euch ein, es ist April, und auf Regen folgt Sonnenschein. Dieser ist
bereits wieder da, die Natur dampft in der heissen Sonne, der Hagel schmilzt und die
Büsche und Bäume strahlen wie frisch gewaschen. Auch die Tiere sind wieder zurück
und mit der Sonne beginnt das Singen und übermütige Tollen und Spielen erneut.

Innerlich müsst ihr lächeln, denn ihr versteht nun den April und seine ganz besondere
Energie auf eine tiefere Weise. So wie sich in der Zeit und im Leben die
unterschiedlichsten Energien abwechseln, so tun sie das auch im Jahreslauf.

Dies ist jetzt der Hochfrühling, eine Zeit des Wandels und des Neubeginns, und den
Wandel ebenso wie den Neubeginn versteht ihr nun ebenfalls auf einer tieferen
Ebene. Das Leben pulsiert und drängt nach vorn, es ist stark und manchmal
übermütig, Neues will entstehen und erblühen, und genau dies geschieht. Es gehört
zu Zeiten des Übergangs, dass sich dann und wann das Alte zurück meldet, und dies

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geschieht sogar ziemlich regelmässig. Hagel kommt und schlägt die Blüten von den
Bäumen. Nachtfrost kommt und lässt die Blätter erfrieren. Gute Ideen fallen alten
Egoismen zum Opfer, neue Freunde kehren sich ab und gehen woanders hin.

Und dann – besiegt die Kraft des neuen Lebens mühelos das Alte. Ein einziger
warmer Tag genügt, damit die Bäume wieder ausschlagen, ein paar sonnige Stunden
reichen aus, damit sich neue Blüten öffnen und mehr als zuvor. Das Leben ist
unbesiegbar, man kann ihm vertrauen, die Kraft des Neuen setzt sich immer durch.
Wieder neue Freunde kommen und blieben, wieder neue Ideen setzen sich durch und
werden angenommen.

Und so könnt ihr sogar im Hin und Her zwischen Winter und Sommer, im hohen
Frühling, einen verlässlichen Rhythmus erkennen. Das ist ein Gesetz des Lebens, was
ihr da erlebt. Der April zeigt es euch: Jeder Wandel ist mit Bewegung verbunden, und
manchmal kann sie heftig sein. Auf den Rhythmus ist Verlass und auch auf die
Richtung, in die der Wandel geht.

Stellt euch nun vor, der April ist weiter fortgeschritten, das Land ist grüner, die
Pflanzen kräftiger, die Wärme ist beständiger geworden. Gegen Ende des April sind
durchaus schon beinahe sommerliche Tage zu erwarten, und niemand kann mehr
daran zweifeln, wohin die Entwicklung geht.

Dieses Gesetz seht ihr auch in der Zeit gespiegelt, in der ihr jetzt lebt. Es ist
Hochfrühling für die Neue Zeit, mit Kraft drängt das Neue jetzt ans Licht. Neue
Ideen werden geboren und ausprobiert, und es gibt so manchen scheinbaren
Rückschlag, so manchen scheinbaren Rückfall in Altes.
Aber das wird vergehen, ihr wisst nun, das ist das Gesetz des Wandels. Mit der Zeit
überwiegt das Neue immer mehr, es wird sich stabilisieren und das Alte verschwindet
nach und nach.

Macht euch die Kraft des Monats April bewusst, um mit Schwung und Tatendurst die
neue Zeit zu beginnen. Ihr spürt ja, wie sich die Zeit schon wieder beschleunigt hat,
aber das macht nun Freude und weckt Erwartung, denn zur Beschleunigung habt ihr
die nötige Kraft hinzu bekommen.

Es ist April in der Welt, und auf den Wechsel ist Verlass. Der Wechsel ist ein sicheres
Zeichen für Veränderung, und man sieht die Richtung, in die es geht, zum Guten, zum
Leben, zur Freude und zum Glücklichsein.

Mit diesem tief inneren Wissen könnt ihr gelassen dem Rhythmus des Wandels
zustimmen, könnt eure Ziele im Auge behalten und euer Vertrauen ins Leben
behalten. Es wird auch in der Welt Mai werden, und zwar bald, und kein Weg führt
daran vorbei.

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Mit diesem beruhigenden Wissen könnt ihr nun in den Tag zurückkehren und es
mitnehmen ebenso wie die Kraft und den Optimismus des Aufbruchs. Fühlt, wie die
prickelnde frische Kraft des Frühlings in allen euren Körperzellen das Licht
angezündet hat. Euer Körper liebt den Frühling, und eure Seele begrüsst ihn mit
Freude.

Reckt und streckt euch, als würdet ihr von einem Bad in der Aprilsonne aufsehen.
Atmet tief aus und lasst den Atem kraftvoll wieder einströmen. Dann schaut euch um
und nehmt eure Umgebung in ganz neuen, strahlenden Farben wahr und macht euch
ans Werk, tut, was zu tun ist, heilt, was zu heilen ist und fühlt euch vom Leben
gesegnet.

Silvie: Schööööön! Sogar beim Schreiben habe ich was davon!

Tio: Das freut mich. Möchtest du weiter schreiben oder eine Pause einlegen?

Silvie: Eine Pause einlegen. Machen wir in ein paar Tagen weiter. Das Thema
diesmal hat doch eine ganz andere Energie als der April.

Tio: Das würde ich gar nicht mal so sagen. Das Thema ist ein grosser Aufbruch in
eine gesündere, heilere und freiere Art zu leben. Aber wenn du möchtest, machen wir
Pause.

Silvie: Dann machen wir das.

(Einige Tage später):

Tio: So. Da bin ich wieder. Es wird heute wohl kaum abgehen, ohne dass ich an ein
paar alten und entsprechend festen Tabus rüttle. Deshalb eine Bitte an euch vorweg:
Ihr müsst mir nichts „glauben“. Mir nicht und Anderen auch nicht. Schaut einfach, ob
ihr das, was ich euch gebe, als Gedankenanstoss verwenden könnt, ob es eine
Erweiterung der bekannten Sichtweisen ist, ob es neue Perspektiven eröffnet, ob es
sich einfach für euch gut anfühlt oder ob es endlich mal was erklärt, was ihr euch
bisher nicht erklären konntet.

Ihr müsst also gar nichts, und wenn ich an Tabus rüttle, dann mache ich das mit
Respekt. Aber rütteln muss ich, sonst bekommt man das Thema langfristig nicht aus
der Welt.
Was auch immer ihr glaubt, fühlt und tut, entwickelt euch so, dass ihr euch mit
Tempo und Inhalten wohl fühlt, dann geht das alles sehr gut.

Nun aber: Die Liebesbeziehungen, in denen ihr lebt oder in denen ihr euch wünscht

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zu leben, sind in ein neues Stadium ihrer Entwicklung getreten.
Dies hat eine Vorgeschichte und einen besonderen Hintergrund, und um euch das
alles zu erklären und durchsichtig zu machen, muss ich ein wenig weiter ausholen.
Ich verspreche euch aber, dass das ganz bestimmt nicht langweilig wird.

Als die Entwicklungsgeschichte der Menschheit hier auf eurer Erde begann, hat die
Seele der Menschheit beschlossen, dass verschiedene Menschengruppen die zu
machenden Erfahrungen unter sich aufteilen. Anders wäre das umfangreiche
Programm, das auf eurem Planeten zum Wachstum absolviert wurde, nicht zu
schaffen gewesen. Es gab also eine Arbeitsteilung, und damit die wirklich grossen
Themen erfahren und bearbeitet werden konnten, mussten einige unterschiedliche
Kulturen entstehen, in denen unterschiedlich gefühlt, gedacht und gelebt wurde. Jede
von ihnen hatte ihre Schwerpunktthemen, und diese wurden in den vergangenen ca.
zwölftausend Jahren gründlich in allen ihren Facetten gelebt und erfahren.

Dabei spiegelte sich die Problematik – oder man kann auch sagen, das Lernprogramm
oder Erfahrungsprogramm – einer jeden Kultur in den einzelnen Leben ihrer
Angehörigen wider. Dies ist eine ganz normale Erscheinungsform des holografischen
Aufbaus all dessen, was ist. Das Kleine spiegelt sich im Grossen, und das Grosse im
Kleinen.

Die grossen kulturellen Themen werden in dem viel kleineren Rahmen eines
jeden individuellen Lebens als persönliche Dramen erfahren.

Silvie, kannst du diesen Satz irgendwie markieren, der ist nämlich wichtig. Wenn
man diesen Satz begriffen hat, versteht man viel besser, wie das Leben aufgebaut ist
und wie man selbst damit zusammen hängt.

Silvie: Klar, schau mal hin, ich mache den Satz fett.

Tio: Geht klar. Bitte unterstreiche noch die Dramen. Dann mache ich jetzt mal weiter.

Also: Das ist ein allgemeiner Inhalt von Entwicklung. Was euch jetzt im Besonderen
interessieren wird, ist, welchen Anteil an der gesamten menschlichen Erfahrung eure
europäische Kultur übernommen hat. Und wenn ich sage, eure europäische Kultur,
dann zähle ich auch ihre Ableger dazu, also die Landstriche, in die grosse Scharen
von Europäern ausgewandert sind, wie die USA, Kanada und Australien. Dort macht
man zwar keine ganz identischen, aber ähnliche Erfahrungen. Und besonders
verdichtet hat sich das Drama (ein anderes Wort für „gründliches Kennenlernen des
Problems“) in Nordwesteuropa, also hier bei euch zu Hause. In andern europäischen
Ländern gibt es das Thema ebenfalls, und auch ziemlich deutlich, aber hier bei euch
ist es so klar wie nirgends sonst.

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Es geht mit kurzen Worten darum, dass es in jeder Kultur eine menschliche Urwunde
gibt, die gründlich erfahren und dann geheilt werden möchte. Urwunden werden
einem früh im Leben zugefügt, in der „Urzeit“ der persönlichen Entwicklung
sozusagen, und sie werden sehr spät im Leben wiedergefunden und können dann erst
geheilt werden. Das ist nichts besonderes, das ist die normale Richtung der Heilung.
Je früher eine Wunde zugefügt wurde, desto tiefer, schmerzlicher und unbewusster ist
sie, das heisst, sie muss sich in den äusseren Ereignissen spiegeln, andere Menschen,
Mit-Menschen, müssen sie einem präsentieren, und dann dauert es dennoch lange, bis
man die Projektion durchschauen und die Wunde dahinter sehen kann.
Alles, was in späteren Jahren der persönlichen Entwicklung kommt, ist meist eine
Neuauflage dieser Urwunde oder etwas anderes, was nicht so zentral ist. Dieses
Andere ist im Leben leichter zu finden, es heilt schneller, es sass nicht so tief und war
weniger unbewusst. Wenn jemand Psychoanalyse macht – oder einfach nur wächst,
wie euch das heute so geht – dann heilen diese Lebenswunden in rückwärtiger
Reihenfolge, das heisst, die letzten zuerst, die frühesten zuletzt. Die Heilung geht von
spät nach früh, von leichter nach schwerer und von weniger unbewusst nach völlig
unbewusst.
Und genau wie im Leben eines Menschen geschieht auch in einer Kultur die Heilung
ihrer Urwunde spät. Also geschieht das jetzt, gegen Ende des Zeitalters der Dritten
Dimension.

Nun werdet ihr aber allmählich mal wissen wollen, was das für eine Wunde ist, die
sich eure Kultur vorgenommen hat.

Es ist die Erfahrung, sich gleich nach der Geburt oder zumindest sehr früh in
der Entwicklung von der Mutter verlassen zu fühlen.

Silvie, kannst du das auch fett machen?

Silvie: Ja sicher. Ich unterstreiche mal das Fühlen, das ist, denke ich, nämlich das
entscheidende Wort.

Tio: Ja. Danke. Ich mache weiter. Das Fühlen ist entscheidend. Fühlen ist ein anderes
Wort für „subjektive Wirklichkeit“ oder auch für „persönliches Drama“. Manche
Kinder wurden emotional schon im Mutterleib verlassen, weil diese ihrerseits unter
Verlassenheit litten und keine Gelegenheit zur Heilung gehabt hatten. Andere Babies
litten unter Geburtskomplikationen oder Sauerstoffmangel und fühlten sich
ausgeliefert, obwohl ihre Mütter emotional besser beieinander waren und sich auf ihr
Kleines gefreut hatten. Wieder andere wurden tatsächlich verlassen, abgegeben, nicht
gesehen, emotional vernachlässigt oder in ihrem So-Sein nicht respektiert.

Ich weise an dieser Stelle darauf hin, dass in diesem Channeling, genau wie in allen
meinen anderen Channelings auch, keine Schurkenrollen verteilt werden. Ich mache

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nur eine Bestandsaufnahme, ohne jede Wertung. Ich denke, zur Heilung dieser
Wunde gehört auch, zu verstehen, was das für eine Erfahrung war, dann kann man
das Drama auf seine jeweils persönliche Weise beenden und dazu kann gehören, dass
man verzeiht oder auch dass man sieht, dass Verzeihen sich erübrigt, weil nichts
verbrochen worden ist und alles nur Erfahrung und Wachstum war. Das überlasse ich
euch. Ich werte hier nicht, das möchte ich ganz klar sagen.

Was diese Urwunde, die eigentlich eine Mutter-Wunde ist, mit euren
Liebesbeziehungen zu tun hat, das werden wir nachher noch ganz deutlich machen.

Zuerst aber noch einige andere Aspekte, die zum Verständnis wichtig sind: Andere
Kulturen habe andere Urwunden. Wenn ich sehr stark pauschaliere (und dabei gehen
unvermeidlich die Feinheiten verloren, aber sicher versteht man einen sehr
verallgemeinernden Überblick besser), dann ist das Sich-Verlassen-Fühlen eine
europäische Spezialität. Afrikanische Kinder und afrikanische Erwachsene haben
dieses Problem sicherlich nicht, es sei denn, sie sind stark europäisch beeinflusst.
Afrikanische Kinder werden oft in eine Welt extremen Mangels und extremer
Unzuverlässigkeit der Lebensumstände geboren, das ist sehr hart, aber ihre Mütter
tragen sie mit sich und verhungern lieber mit ihnen zusammen, als dass sie sie
abgeben, und sie lassen sie auch nicht emotional allein. Das können sie gar nicht, das
lässt ihre spezielle kulturelle Prägung nicht zu.
Asiatische Kinder haben wieder andere Erfahrungsprogramme, und Kinder kleinerer
Subkulturen wiederum andere. Seht nur, dass die Urwunden unterschiedlich sind, und
dann kümmert euch dann ohne zu werten um eure eigene.

Das Aufbrechen der Urwunde des sich ungeliebt Fühlens ist relativ neu. Natürlich
war das Thema in Europa unterschwellig immer da, aber zum Problem wurde es erst
nach der Mitte des 20. Jahrhunderts. Es ist in Ordnung, dass es so spät aufbrach, man
kann es ja auch erst jetzt heilen. Eure Kultur zeigt sehr deutlich an äusseren
Elementen, wie gründlich die Entfremdung von Müttern und Kindern erfahren
werden wollte. Da sehe ich solche Erscheinungen wie getrenntes Unterbringen von
Müttern und ihren Säuglingen auf der Geburtsstation, Geburten, in Narkose ohne dass
eine medizinische Notwendigkeit dafür bestand (die Mutter ist dann buchstäblich
„nicht da“), was in den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts in Mode
war, das Lesen vieler Bücher über Kindererziehung und einen eklatanten Mangel an
Praxis, das frühe Abstillen – früher oft wegen der verbreiteten Norm, das jugendliche
Aussehen der Mutter zu bewahren, dem das Stillen angeblich nicht bekam;
heutzutage, weil die Mutter ohne ihr Kind bald wieder in die Arbeit gehen muss und
ihr Baby, wenn sie Glück hat, bei der Tagesmutter oder Oma, wenn sie und ihr Kind
Pech haben, im Kinderhort lassen muss.

Ich verteile auch hier keine Schurkenrollen, sondern beschreibe nur ohne zu werten,
wie die Gesellschaft in den letzten ca. 60 Jahren die Situation gespiegelt hat. Und das

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sind nur Beispiele, es gibt noch viele andere Situationen, an denen man die
Einsamkeit des Neugeborenen sehen kann. Zum Glück sind gegenläufige Tendenzen
bereits sehr im Kommen, denn man beginnt, die Einsamkeit des Neugeborenen
allmählich ermessen zu können und die ersten Schritte zur Heilung sind auch auf
gesellschaftlicher Ebene bereits eingeleitet. Aber der Normalfall sind sie noch nicht.

Wenn einige von euch ihre Kinder unter den genannten Bedingungen bekommen
haben, einfach weil sie es nicht besser wussten oder weil es keine anderen
Möglichkeiten gab, dann macht euch bitte keine Vorwürfe. Liebe gleicht vieles aus,
und man kann Liebe auch noch nachträglich geben. Aber schaut eure erwachsenen
Kinder an, viele von denen sind munter dabei, ihre Wunden selber zu heilen und
kommen damit gut weiter. Und sie brauchen eine glückliche Mutter und keine
schuldbewusste.

Wenn ihr jung seid und eure Kinder erst noch kommen, schaut euch beizeiten nach
günstigen, warmen, liebevollen Bedingungen für die Geburt um, heilt, wenn es geht,
zumindest eure schlimmsten Wunden vorher selber, und ihr werdet einen
unschätzbaren Beitrag für die Gesundung der Welt und für das Glück eurer Kinder
leisten. Stillt eure Kinder selber, solange es geht, und tragt sie viel am Körper. Dies
fördert deren Talent zum Glücklichsein ganz ungemein.

Nun aber zurück zu so vielen Menschen, die die Spitze jener Urwunde erfahren
haben, die zu der Zeit geboren wurden, als sie sich am deutlichsten in der
Gesellschaft spiegelte.
Wie fühlt sich ein Kind, das im grellen Licht eines Kreisssaals zur Welt kommt, in
einem Säuglingszimmer fern von der Mutter untergebracht wird, und das vielleicht
auch die Sorge der werdenden Eltern gespürt hat, die mit Theorien überfrachtet waren
und nicht wussten, dass eine einfache Berührung, ein leise gesungenes Lied, das
Saugen an der Mutterbrust, der enge Kontakt mit ihr und ein Lächeln und ein liebes
Wort zu den heilsamsten Dingen auf Erden gehören. Oder die einfach nur in
schwierigen Bedingungen leben und nicht wissen, ob sie ihren Kindern eine gute
Lebensbasis geben können. Und die Väter sind hier ebenfalls gefordert: Herzt und
streichelt eure Babies, ihr Väter, legt sie euch auf die nackte Brust, albert mit ihren
herum. Aber die Väter haben generell mit der Urwunde weniger zu tun als die Mütter,
dazu später noch etwas.

Diese Kinder fühlen sich einsam und verlassen (nein, auch jetzt verteile ich keine
Schurkenrollen). Die Urwunde tritt in unterschiedlichen Schweregraden auf,
abhängig von der Vorgeschichte des Kindes, von seiner seelischen Kraft, und
natürlich auch von den äusseren Bedingungen und dem emotionalen Klima in der
Familie.

Sich einsam und verlassen fühlen ist für einen gesunden Erwachsenen und ein

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gesundes älteres Kind nicht weiter schlimm, man kann sich helfen und aktiv nach
guten Kontakten suchen. Man kann auch erkennen, dass man gar nicht wirklich
einsam ist. Aber das ist ein reiferer Umgang damit, ein Baby kann das nicht. Ein
Baby kann noch nicht denken, sondern nur fühlen, und es kann auch nicht selber
aktiv werden. Es kann nicht einmal laufen, und wenn die Liebe nicht zu ihm kommt,
dann kann es nicht dorthin gehen, wo die Liebe ist.

Ein Säugling, der sich nicht genug geliebt fühlt, fühlt sich in Lebensgefahr. Und
wenn es jemanden schlimm erwischt hat, wenn die Wunde gross ist, dann wird er
diese Angst, verlassen zu sein und sterben zu müssen, tief in sich verschliessen und
sie wird ihm sein Leben erschweren, bis er sie erkennt und erlöst. Für einen Säugling
ist es unerheblich, ob er körperlichen Hunger hat oder emotionalen. Der körperliche
Kontakt mit der Mutter und die Aufnahme einer harmonischen Energie durch den
Kontakt mit einer Mutter, der es einigermassen gut geht, wird beides auf der Stelle
lindern. Kinder hören auf zu schreien, wenn Mutter sie hoch nimmt, auch wenn das
Fläschchen oder die Brust erst Minuten später gegeben werden und das Kind das gar
nicht wissen kann.

Kleine Kinder können Körper und Psyche noch nicht unterscheiden, für sie ist beides
eins. Euer menschlicher Biocomputer hat gespeichert: „Hunger haben bedeutet an
Entkräftung sterben zu müssen, wenn nicht schnell was Essbares gefunden wird“. Die
junge, noch unentwickelte Psyche übernimmt das und denkt: „Emotional im Stich
gelassen zu werden bedeutet an Entkräftung zu sterben, wenn nicht bald Zuwendung
gefunden wird“.
Es ist dasselbe Gefühl: Todesangst. So viele Menschen in eurer Kultur sind von
Todesangst belastet und versuchen auf die unterschiedlichsten Arten und Weisen,
damit fertig zu werden, durch Esssucht, Demonstration von Macht, um sich Andere
gefügig zu machen, damit sie ihnen Nähe geben, übertriebene Genügsamkeit in Form
von Rückzug und Depression, in übersteigerter Religiösität, wozu ich auch das
kritiklose Anhängen an Gurus und Lehren rechne, und, vor allem, in Partnerschaften,
in denen unbewusst das gesucht wird, was man nicht hatte, als man drei Minuten, drei
Tage oder drei Monate alt war.

Was die Entstehung dieser unglücklichen Gefühlslage von Anfang an verhindert oder
zumindest lindert, ist Körperkontakt, liebevoller natürlich, denn dieser vermittelt
sofort das Gefühl geborgen und „satt“ zu sein.
Und wo gibt es ganz engen Körperkontakt ausser bei der Mutter? Wo kann man Haut
an Haut liegen, ganz in der schützenden Aura des Anderen aufgehen, seine Wärme
spüren und von liebevollen Armen gehalten werden? In einer Partnerschaft, in einer
Liebesbeziehung natürlich.

Und die unbewusste Erwartung an eine Partnerschaft ist, dass man all dies dort
bekommt.

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Fett drucken, bitte.

Auch das ist neu und etwa um dieselbe Zeit entstanden wie die Verschärfung der
Urwunde: Nach der Mitte des 20. Jahrhunderts.

Davor waren die äusseren Lebensumstände nicht darauf ausgerichtet, von


Beziehungen allzu viel Heilung zu erwarten. Es war leichter, ein Leben voller Mangel
und harter Arbeit durchzustehen, wenn man zu zweit war. Es war wichtig, Kinder zu
bekommen und sie gross zu ziehen, denn sie sorgten im Alter für einen. Man gab
ihnen soviel Liebe wie man konnte, das war nicht immer genug, aber für die
damaligen Lebensumstände reichte es meistens. Zum „Damals“ rechne ich auch die
erste Hälfte des vergangenen Jahrhunderts mit ihren beiden Kriegen und
nachfolgenden Notzeiten. Erst im „Wirtschaftswunder“ wurde das Leben deutlich
anders.

Die Idee der romantischen Liebe, am Anfang des 19. Jahrhunderts von der kleinen
Schicht des damaligen Bildungsbürgertums in Europa erfunden und über die Literatur
zunächst in gehobenen Schichten verbreitet, hielt nun Einzug in praktisch alle
Bevölkerungsschichten.

Nun war der Partner kein Überlebensgefährte mehr in einer Welt materieller Not und
äusserer Herausforderungen, sondern er sollte einen „glücklich machen“. Man
erhoffte und erwartete Ergänzung und Heilung von ihm, damit man endlich glücklich
sein konnte.

Wenn man dies genauer anschaut, dann wird sofort klar, dass der Partner eben doch
ein Über-Lebensgefährte war, nur anstatt auf materieller nun auf emotionaler Ebene,
und dass das, was von ihm – oder ihr – erwartet wurde, das war, was die Mutter
einem nicht hatte geben können, weil die Kultur und die Zeitqualität es nicht
vorsahen oder nicht ermöglichten.

Man kann das leicht erkennen, wenn man sich anhört und anschaut, was das
Massenbewusstsein von Partnerschaften und Liebesbeziehungen erwartet. Da trällern
die Songs der Hitparade durchweg Inhalte wie: Du bist alles, was ich brauche, ohne
dich kann ich nicht leben, ohne dich gibt es keinen Sonnenschein, du bist mein für
immer, nur du allein (bist für mich da), und so weiter. Und für die ganz Aktiven unter
den Menschen, die den Spiess umgedreht haben und Heilung suchen, indem sie
Heilung anbieten: Ich tue alles für dich, ich will dich beschützen, ich bin immer für
dich da, ich lass dich nie allein, schau mir in die Augen, Kleines (du braucht nichts zu
tun, lass mich das nur machen) und so weiter.
Betont starke Männer (die verdrängt haben, dass sie tief in ihrem Innern noch immer
kleine einsame Jungs sind), nennen ihr Weibchen „Baby“, und alte Ehepaare nennen

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einander Vater und Mutter. Letztere haben sich mit der Situation arrangiert und haben
einander vielleicht wirklich schon ein bisschen Heilung gegeben, aber bis zum Ziel
kommt man so nicht.
Auch Filme und Bücher erzählen dieselben Geschichten von einem – oder einer – der
auszog, im Partner die Mutter zu finden und geheilt zu werden. Und wenn die Mutter
gefunden ist, in Form des oder der Geliebten, die einem alles gibt, was man braucht,
endet der Roman oder auf der Kinoleinwand erscheint das Wort „Ende“. Das macht
auch Sinn, denn den Rest der Geschichte kennt man zu genüge selber und will ihn
nicht auch noch im Kino sehen.

All dies sind Wünsche, die ein Kind an seine Mutter hat. Egal ob Junge oder
Mädchen, diese Wünsche werden lange vor jeder geschlechtlichen Bewusstheit
enttäuscht. Es sind berechtigte Wünsche. Und wenn sie nicht erfüllt worden sind,
dann haben sie Wunden geschlagen. Diese Wunden sind so tief verborgen, dass sie
nur durch Projektion sichtbar werden können. So suchen Männer die Mutter in der
Frau – was noch einigermassen leicht zu verstehen ist – und Frauen suchen die
Mutter im Mann. Jawohl, sie suchen keineswegs den Vater. Sie suchen diejenige, die
sie geboren, sie vorher 9 Monate in ihrem Bauch getragen, sie mit ihrer Liebe hätte
umhüllen sollen und die sie mit ihrem Blut ernährt hat. Und nach der Geburt auch mit
ihrer Liebe und nicht nur mit Milch. Und die die Liebe aus irgend einem Grund nicht
ausreichend geben konnte. Das kann nicht der Vater sein, die Menschen suchen
einfach immer nur die Mutter. So einfach ist das im Grunde. Druck das fett,
Silvie.

Während der Embryonalzeit und der ersten Säuglingszeit ist körperliche Nähe das
Wichtigste, und eure Kultur bietet diese ausser bei der Mutter nur in einer
Liebesbeziehung an. Über Sex brauchen wir hier ausnahmsweise mal nicht viel zu
reden, der gehört in einen anderen Zusammenhang. Geniesst euren Sex, er gehört zu
den Segnungen der Inkarnation, aber euer Sex wird erst dann wirklich befreit sein,
wenn er von der Suche nach der Mutter erlöst ist. Dann erst ist er Glück und Freude
und ein freudiger und lustvoller Ausdruck der Liebe.

Vorher kann er sehr häufig Ausdruck extremer Bedürftigkeit sein.

Es gibt eine Stufenfolge von Gefühlslagen, an der man die Schwere der Wunde
erkennen kann und die Wahrscheinlichkeit, dass die Heilung bisher mit
Schwierigkeiten verbunden war:

Je schwerer die Wunde, desto grösser die emotionale Bedürftigkeit.


Je grösser die emotionale Bedürftigkeit, desto grösser die Sehnsucht nach einem
Partner (der die Wunde heilen soll).
Je grösser die Sehnsucht, desto grösser die Wahrscheinlichkeit, einen ebenso
bedürftigen Menschen anzuziehen.

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Je bedürftiger zwei Menschen, desto grösser sind die Erwartungen aneinander.
Je grösser die Erwartungen, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit auf
„Enttäuschung“.
Je mehr Enttäuschung, desto mehr Leidensdruck, das Problem verschärft sich und die
Motivation wächst, therapeutische Hilfe zu suchen.

Nun müsst ihr aber, wenn ihr erkannt habt, wie emotionale Bedürftigkeit zustande
kommt, keineswegs diese Stufenpyramide durchlaufen, oder dieses sogar mehrfach
tun. Das kennt ihr doch alle schon. Und ihr braucht auch keineswegs immer
therapeutische Hilfe. Anderseits, scheut euch nicht, welche anzunehmen, wenn ihr
aus eigener Kraft eure Urwunde nicht heilen könnt. Dafür seid ihr Menschen viele,
damit ihr euch gegenseitig unterstützen könnt.

Nun, die „Enttäuschung“ und die damit verbundene erlösende Erkenntnis besteht
darin, dass das Problem innerhalb einer Liebesbeziehung nicht gelöst werden kann.
Aber bevor ich euch erzähle, wie es gelöst werden kann, will ich noch auf ein
wichtiges Thema eingehen, das die meisten Menschen beschäftigt und das in eurer
Kultur für viel emotionale Dramatik sorgt. Wenn ihr das versteht, könnt ihr sehen,
wie sich auch dieses Thema mit der Heilung der Urwunde auflösen kann und das
hoffentlich auch tut. Ich bin diesbezüglich sehr optimistisch - im Neuen Bewusstsein
wird das schon gehen.

Das Thema heisst: Fremdgehen - Betrügen und betrogen werden? Und wer von
wem?

Das ist in eurer Zeit ja ein ganz heisses Eisen, was zumindest auf den ersten Blick
verwundern möchte. Denn gab es da nicht mal in den sechziger Jahren des
vergangenen Jahrhunderts eine fröhliche Revolution, die ohne Blutvergiessen abging
und mehr Freiheit in Beziehungen im Sinn hatte?

Ich meine die Studentenbewegung von 1968, auch die „sexuelle Revolution“
genannt, die doch wirklich allerhand verkrustete Strukturen aufgebrochen hat. Nun
gut, es war eine kleine Revolution. Immerhin ist es aber seither möglich, ehrlicher mit
seinen Gefühlen in Liebesbeziehungen umzugehen und eine Beziehung zu beenden,
wenn sie für die Partner unzuträglich ist. Vorher war dies sehr schwer, und das
blockierte oft weitere persönliche Entwicklung.
Aber eines hat sich, von einem kurzen „Aufmucken“ einiger sehr experimen-
tierfreudiger Teile der Bevölkerung abgesehen, nicht geändert: Das Postulat der
sexuellen Treue, sprich Monogamie. Diese hat ja nun allerhand soziologische und
psychologische Gründe, die für sie sprechen, aber was uns hier oben auf Wolke 7 bis
9 auffällt, ist, dass sie nicht praktiziert wird, weil sie ein recht gutes und brauchbares
Lebenskonzept darstellt, sondern weil sie offensichtlich dem emotionalen Über-leben
dient und für dieses oftmals als unverzichtbar gehalten wird.

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Auch hier sehen wir die Urwunde wieder auftauchen – gerade hier! Ich bitte euch –
mit einem kleinen Schmunzeln – mir nicht gleich an den Hals zu gehen für das, was
ich jetzt sage. Lest es erst einmal in Ruhe und dann entscheidet, was ihr damit macht.

Nun – für einen emotional gesunden Erwachsenen ist es sicherlich unerfreulich, wenn
er feststellen muss, dass sein Partner fremdgegangen ist. Es wird traurig sein,
verärgert, er wird einiges wissen und besprechen wollen. Aber er wird bestimmt nicht
in den Grundfesten seiner Existenz erschüttert sein.
Genau das ist aber, wie wir oft sehen, der „Normalfall“ in eurer Kultur: In den
Grundfesten der Existenz erschüttert zu sein, wenn man „betrogen“ wurde.
Fremdgehen kann durchaus Betrug sein, aber auch alle möglichen anderen Gründe
haben, die teils unedel, teils aber auch recht gut verständlich sind, jedoch das trägt zu
unserem Thema hier wenig bei.
Was etwas beiträgt, das ist die gängige Reaktion darauf, ohne näheres Anschauen der
Gründe. Der „Betrogene“ fühlt sich im Kern seiner Existenz verletzt, vielleicht
tödlich verletzt, zumindest aber schwer im Stich gelassen.

Nun, ich sage, dass das einem emotional gesunden Erwachsenen überhaupt nicht
passieren kann. Ein solcher wird mit der dargestellten Situation eingermassen
souverän umgehen können und kein grosses persönliches Drama daraus machen.
Wem jedoch, wenn nicht dem emotional gesunden Erwachsenen, ist denn da
eigentlich so übel mitgespielt worden?

Ihr könnt es euch denken. Wer da so verletzt, ist, dass er fast glaubt, sterben zu
müssen, das ist das kleine Kind mit der noch ungeheilten Urwunde. Dieses Kind lebt
in jedem Menschen, es hat einen grösseren oder kleineren Raum in seiner Psyche, bis
man es findet und ihm nachträglich gibt, was es am Anfang seines Lebens so
schmerzlich vermisst hat. Dann kann es erwachsen werden und mit dem Leben
gelassen und angstfrei umgehen. Das ist ein echtes Stück Seelenintegration.

Wenn wir uns nun daran erinnern, dass Menschen im Partner gern die ideale Mutter
sehen, die sie nicht hatten, aber gebraucht hätten, dann bedeutet Fremdgehen, dass
das kleine Kind im Menschen das Monopol auf die Mutter gerade verloren hat. Das
kann tatsächlich lebensbedrohlich wirken, zumindest wird es im emotionalen Bereich
so empfunden.
„Hast du etwa eine Andere?“ bedeutet: „Mutter, hast du etwa ein anderes Kind?“ Und
die berühmte Frage: „Liebst du mich nicht mehr?“ heisst in der Sprache des inneren
Kindes: „Ist dir jetzt das neue Kleine wichtiger als ich? Muss ich jetzt sterben?“
Das ist das, was kleine Kinder, in etwa solche unter 4 Jahren, empfinden, wenn sie
ein Geschwisterchen bekommen und nicht gut darauf vorbereitet worden sind. Bisher
hat die Mutter ihnen ganz allein gehört, und nun „betrügt“ sie sie, indem sie noch ein
Kind bekommt, das den grössten Teil ihrer Aufmerksamkeit erhält. Das muss als

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gemein, bedrohlich, unsäglich und extrem schmerzhaft empfunden werden –
vorausgesetzt eben, das ältere Kind ist nicht gut vorbereitet.
Ein solches Erlebnis wird natürlich tief verdrängt, was vorübergehend Sinn macht,
denn es kann vom Kind, solange es Kind ist, nicht verarbeitet werden und muss im
Unterbewusstsein verschwinden, damit das Kind weiterleben und heranwachsen
kann. Bearbeiten kann es die Wunde erst viel später.
Nun, bis hierher betrifft dies im Wesentlichen die Gefühlslage des oder der
„Betrogenen“, der offensichtlich den passiven Teil des Problems gewählt hat.

Der „Betrüger“, der oder die Ungetreue, hat den aktiven Teil gewählt, den ihr jetzt
leicht verstehen werdet: Hat die Partnerin-Mutter oder die Partner-Mutter enttäuscht,
dann wird das Unterbewusstsein den oder die Betreffende dazu treiben, eine neue
Mutter zu suchen, die hoffentlich besser die Bedürfnisse erfüllt als die andere, von
der man „enttäuscht“ war.
Ich sage nicht, dass man das mit böser Absicht tut, sondern es geschieht in den
meisten Fällen unbewusst. Und es ist meist das unbewusste Gefühl, dass den meisten
der unterschiedlichen Motive fürs Fremdgehen zu Grunde liegt.

Die Partnerin-Mutter ist natürlich dann wie vor den Kopf geschlagen, denn sie war
sich ihrer Mutterrolle ja gar nicht bewusst und suchte ihrerseits im Partner die Mutter.

Und innere Kinder, die sich betrogen fühlen und dies, was ihr inneres Kind-Sein
betrifft, tatsächlich auch sind, können sehr heftig reagieren. Manche werden krank,
andere werden sehr wütend, fast alle verlieren das Vertrauen. Wenn man so im Stich
gelassen worden ist, ist das ja auch kein Wunder.

Und dann kommt die Scheidung und der nächste Versuch, bis man endlich die
Struktur erkennt, und dann wird es endlich wirklich anders.

Das ist die Dynamik in Partnerschaften des Alten Bewusstseins speziell in eurer
Kultur. Noch ist es ein Dogma (das heisst ein Wert, den zu hinterfragen nicht erlaubt
ist). Wer so tollkühn ist und ein Dogma dennoch hinterfragt, bekommt in der
Gesellschaft Ärger, deshalb war ich so besorgt um meinen Hals (schmunzelt). Aber
ich denke, ihr werdet mich gar nicht würgen, weil ihr als Vorreiter für das Neue
Bewusstsein mehr versteht als die grosse Masse und das auch müsst, weil ihr die
Anderen ins Neue Bewusstsein ziehen sollt. Dafür müsst ihr schliesslich eher dort
angekommen sein.

Was man mit dieser oben geschilderten Dynamik in Beziehungen alles erleben
konnte, war bestimmt nicht langweilig und schuf eine Menge Karma. Das dürfte nun
bei euch grösstenteils aufgelöst sein und den Rest schafft ihr mit Erkenntnis.

Das Problem ist gar nicht so schwierig zu lösen. Merkt euch nur einige wenige

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Kernsätze:

Im Alten Bewusstsein wurde im Liebespartner die Mutter gesucht, aber nicht


gefunden.

Bitte mach das fett, Silvie. Damit wurde die Urwunde, sich nicht genug geliebt
gefühlt zu haben, aufgekratzt und kann nun heilen.

Was daraus folgt, ist allerdings:

Innerhalb einer Beziehung kann diese Wunde nicht geheilt werden.

Dafür ist die Beziehung nicht da, das kann sie nicht leisten. Sie kann die Wunde nur
zeigen.
Je nach Schweregrad stehen für die Heilung der Wunde verschiedene Möglichkeiten
zur Verfügung, von denen ich euch hier einige nenne, aber diese Liste ist bestimmt
nicht vollständig.

Das Wichtigste ist zunächst, dass ihr euch ein wenig Zeit nehmt, um die Struktur und
Dynamik eurer gegenwärtigen Beziehung zu verstehen, wenn ihr euch dort dauernd
verletzt, im Stich gelassen, ungeliebt usw. fühlt. Nehmt euch einfach Zeit dafür und
lasst die neuen Erkenntnisimpulse in der Tiefe wirken - und eure Wahrnehmung wird
sich verändern.

Dann, im zweiten Schritt, seid achtsam. Wenn ihr euch verletzt fühlt, greift nicht
gleich euren Partner an, sondern geht in euch und nehmt in eurem Herzen Kontakt
mit dem kleinen Kind auf, das ihr einmal wart und das noch in euch lebt. Der lösende
Satz ist: „Es war nicht mein Mann/meine Frau, der mich so verletzt hat. Er macht mir
nur deutlich, wie ich mich gefühlt habe, als ich sehr klein und hilflos war.“ Und das
gilt sogar für ernste Beleidigungen. Hätte er oder sie - nicht unbewusst gespürt, dass
da eine Wunde aufgekratzt und so bewusst gemacht werden will, dann wäre er gar
nicht auf diesen wunden Punkt angesprungen. Und das, (schmunzelt) heisst jetzt ganz
und gar nicht „selber Schuld“, sondern „schaut genau hin – wann habt ihr euch denn
zum ersten Mal im Leben so gefühlt?“.

Der Satz „Es war nicht....“ löst alle Projektionen auf, man kann ihn immer im Leben
verwenden, und in Beziehungen ist er ganz besonders brauchbar.

Gebt euch Zeit für die Achtsamkeit. Ist die Wunde nicht allzu schlimm, reicht das
vielleicht zu einer stillen inneren Heilung bereits aus. Ich habe schon sehr viele alte
Schmerzen allein durch Achtsamkeit weggehen sehen, aber man braucht Zeit dafür.
Vielleicht ist die Heilung dann genug bereits in Gang gekommen und die Beziehung
verändert sich langsam ebenfalls zum Guten. Oder sie geht auseinander, aber in

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Frieden, wenn sie keine andere Basis hatte als das Einander-Aufmerksam-Machen
auf die die Urwunde. Auch das kommt vor, und das kann man dann ertragen, man ist
ja dann viel weniger bedürftig als vor der Heilung.

In einem weiteren Schritt könnt ihr, wenn ihr wollt und wenn ihr meint, es sei nötig.
in eurem Herzen Kontakt mit eurem inneren Kind aufnehmen – dem Kind, das ihr
mal wart und das immer noch in euch lebt – und gut zu ihm sein, seine Bedürfnisse
wahrnehmen und achten und ihm genug Liebe geben, um die alte Wunde zu heilen.
So kann man sich selber bemuttern, und das ist sehr heilsam.

Und wenn es ganz schlimm war und ihr es alleine nicht heilen könnt, dann nehmt
therapeutische Hilfe in Anspruch. Das ist keine Schande, sondern ein Beweis für Mut.
Und es gehört eben oft zur Heilung dazu. Lange muss es nicht dauern, es gibt so viele
rasche und wirksame Methoden.

Wenn eine Partnerschaft schon viele Anteile aus dem Neuen Bewusstsein in sich
trägt, dann können die beiden Partner einander motivieren, ihre jeweilige Wunde zu
heilen. Sie können darüber reden und einander den Rücken stärken, wenn es ihnen
vorübergehend schwer wird. Sie können miteinander üben, Projektion und Realität
auseinander zu halten.
Was nicht geht, ist, dass einer des anderen Wunde heilt. Das kann jeder nur für sich
selber tun. Aber der Andere kann ihn dabei liebevoll unterstützen.

Nun sind aber nicht alle Partnerschaften so. Oft hat einer mehr Angst, hin zu schauen,
und der andere weniger. Dann fange der mit der geringeren Angst bitte an, für sich zu
arbeiten, ohne ein grosses Thema daraus zu machen. Oft wird er mit gutem Beispiel
voran gehen, und nach einer Zeit zieht der Ängstlichere nach. Oder einer befreit sich
allein von alten Schmerzen und man sieht dann, was wird. Auf jeden Fall braucht
man hinterher keine Mutter mehr, man ist erwachen und heil, und den meisten
Beziehungen tut das gut und verleiht ihnen viel Wachstumsimpuls. Und wenn nicht –
ist man stark genug, in Frieden Lebewohl zu sagen und sich zu öffnen für einen
ebenfalls erwachsenen Partner.

Der „Wachstumsgewinn“ ist enorm, wie auch immer man es angeht. Wichtig ist nur,
dass man es angeht, denn mit geduldigem Ausharren und immer neuen Verletzungen
geht das Problem nicht weg. Und auch nicht mit immer neuen Affären, dadurch wird
das Innere Kind nicht heil, es braucht Erkenntnis und Integration in die Psyche des
Erwachsenen.

Was so entsteht, ist eine Beziehung im Neuen Bewusstsein.


Diese zeichnet sich durch einige Charakteristika aus (die Liste ist erweiterungsfähig):

Hier begegnen sich zwei Erwachsene, deren innere Kinder zumindest im

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Wesentlichen geheilt sind.

Keiner braucht hier des anderen emotionale Wunden zu heilen, das heisst, niemand
ist bedürftig.

Beide können einigermassen angstfrei mit dem Leben, mit sich selbst und
miteinander umgehen.

Der Andere wird erkannt als eigenständiger Mensch, der kein Wunschbild ist,
sondern Ecken und Kanten hat – wie man selbst. Man kann dies achten und es wird
nicht mehr stören.

Beide übernehmen Verantwortung für sich selbst und Verantwortung für die
Beziehung.

Beide können ehrlich mit einander umgehen, weil sie keine Angst haben, und sagen,
was sie wollen, was sie geben, was sie gerne empfangen möchten, worüber sie sich
freuen und woran sie noch arbeiten.

Jeglicher Grund für Eifersucht entfällt, da die inneren Kinder zufrieden, geliebt und
geachtet sind und jeder sich in sich selbst vollständig fühlt.

Wenn man Kinder bekommt oder schon welche hat, stellt die beschriebene Reife der
Erwachsenen die optimale Basis dar, auf der sie sich bestmöglich entwickeln können.

Silvie: Das hört sich ja gut an, Tio. Aber andererseits, ist das nicht eine Garantie für
langweiligen Sex?

Tio (lacht): Woran du immer zuerst denkst! Ganz bestimmt nicht. Das ist eine Option
auf super guten Sex, wie ihr ihn bisher selten genossen habt. (Amüsiert) Ihr werdet es
erleben.

Silvie: Was ist mit der Treue in Beziehungen des Neuen Bewusstseins?

Tio: Sexuelle Ausschiesslichkeit hat auch im Neuen Bewusstsein sicherlich einen


hohen Stellenwert. Sie hat eine ganze Menge echte Vorteile. Aber sie ist dann kein
Muss mehr. Man ist einander freiwillig treu, und das ist kein Gegensatz zur Freiheit.
Wenn doch mal ein Ausrutscher passiert, und ihr seid ja nun nicht aus Holz (lacht
leise), dann ist das kein Drama. Man sagt: „Na hoffentlich war's schön“ und gönnt's.
Es wird ja kein inneres Kind mehr zutiefst verletzt, und man wird auch keinen Betrug
mehr darin sehen.
Man kann auch andere Konzepte leben, man kann auch polygame Beziehungen
führen wenn man will, das ist möglich und liegt im Bereich eurer Wahlfreiheit, und

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ihr könnt darauf vertrauen, dass sich da schon die richtigen Leute zusammenfinden
werden. Einer treu und still leidend, der andere notorisch untreu und immer
umgetrieben – das ist Altes Bewusstsein und sieht sehr nach nicht geheilter Wunde
aus, das gibt es dann seltener und seltener und irgendwann gar nicht mehr.

Silvie: Das kann ich mir alles sehr gut und schön vorstellen und so einiges erlebe ich
ja auch schon davon.
Nun aber noch eine andere Frage:
Es gibt Leute, die hatten keine Geschwister und reagieren dennoch allergisch darauf,
„betrogen“ zu werden.

Tio: Dann erlebt das innere Kind den Verlust des Mutter-Monopols eben später. Man
muss nicht unbedingt Geschwister dafür gehabt haben.

Silvie: Wie kann man seine Kinder auf die Ankunft eines Geschwisterchens denn gut
vorbereiten, damit sie sich nicht verstossen und betrogen fühlen?

Tio: Ich denke, das werdet ihr schon immer besser können. Die grossen Wunden
betreffen ja hauptsächlich die Generationen, in denen man nicht wusste, wie man das
macht und was Kinder brauchen. Ihr könnt das ältere Kind das Heranwachsen des
Kleinen im Mutterleib miterleben lassen, lasst es fühlen und hören, lasst es die
Ultraschallbilder vom Baby sehen und die Babywäsche mit aussuchen. Lasst es sich
gross und wichtig fühlen und übertragt ihm etwas Verantwortung. Wenn es für all das
noch zu jung ist, dann lasst es dennoch soviel an der Schwangerschaft und an dem
neuen Kind miterleben, wie es altersgerecht möglich ist. Auch ein Einjähriges kann
man sich neben den Bauch legen, es im Arm halten und ihm erzählen: „Fühl mal, hör
mal, hier drin wächst den Schwesterchen“. Und dann ein bisschen mit ihm spielen
und lachen oder was es sonst mag, damit es weiss, es ist wichtig und bleibt wichtig.
„Du bist die/der Grosse“ z.B. hören alle Kinder gern. Damit ist ihre Position in der
Geschwisterreihe klar und ihre Würde bleibt unangetastet.
Und erzählt den Kindern nie, wirklich nie solche Sachen, wie ihr sie vielleicht selber
gehört habt, z.B.: „Wenn das neue Kind da ist, musst du alles teilen.“ Sagt ihm lieber:
„Es ist reichlich genug für euch alle da.“ Und das stimmt ja auch. Sogar wenn man
mit der Materie vorsichtig rechnen muss, Liebe ist unbegrenzt da und äussert sich in
den Minuten und Stunden, in denen man als Familie etwas Schönes unternimmt und
sich zusammengehörig fühlt.

Silvie (halb lustig, halb wehmütig): Ich wollt', ich hätt' sowas Schönes erlebt.

Tio (grinst liebevoll): Na, manchmal hast du das. Und wenn es nicht reichte, dann
kannst du ja noch mehr davon erleben. Haben da nicht Leute in deinem Freundeskreis
Enkel? Besuch sie und knuddel ruhig mal mit den Kleinen, du musst dich nur trauen.
Und dann verschwimmen den Grenzen zwischen Geben und Empfangen.

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Silvie: Schön!
Ich möchte dich aber doch noch bitten, etwas zur Rolle der Väter zu sagen. Bisher
war nur von den Müttern die Rede.

Tio: Eigentlich ist das ein Thema für ein eigenes Channeling, und die grosse Stunde
der Väter kommt erst noch.
Aber ich sage schon ein bisschen. Ich fände es auch gemein, wenn die Väter nun
denken, sie seien ganz vergessen worden. Das stimmt ja nicht. Väter sind sehr
wichtig. Sie geben ihren Kindern 50 Prozent von deren Genetik, sie geben ihnen also
die Hälfte ihres biologischen Lebens, und dafür haben sie nun wirklich keine
Statistenrolle verdient. Sie schenken ihren Kindern Liebe und das, was man
„männliche Energie“ nennt. Sie sind Vorbilder, Berater, Problemlöser und oft auch
Spielgefährten für ihren Nachwuchs. Und ihre grosse Stunde kommt wirklich noch,
hoffentlich bald. Um alle diese Werte ihren Kindern wirklich geben zu können,
brauchen Väter Zeit. Sie können das nicht so gut tun, wie sie sicherlich wollen, wenn
sie den wesentlichen Teil ihrer Zeit in der Berufsarbeit verbringen und erschöpft nach
Hause kommen. Wir hier oben hoffen, dass bald andere Modelle für eure Arbeitszeit
und das Geldverdienen entwickelt werden, die es Müttern und Vätern ermöglichen
einen Teil ihrer Zeit in der Berufsarbeit und einen anderen Teil mit ihren Kindern zu
verbringen. Ich denke an so etwas Ähnliches wie Halbtagsarbeit für alle, und das ist
möglich. Es dauert vielleicht noch etwas, bis konsequent genug umgedacht worden
ist, um so etwas auch für möglich zu halten. Und dann müsste auch eine andere
Einstellung zu Konsum und Lebensqualität gefunden werden. Aber diesbezüglich
sind wir sehr zuversichtlich.

Zwei Dinge jedoch haben Väter nicht: Sie haben ihre Kindern nicht neun Monate in
ihrem Bauch getragen, und sie haben sie nicht gestillt. Beides schafft eine
ausserordentlich enge Bindung zwischen Mutter und Kind, die biologisch und
energetisch ist. Also werdende Väter, dafür könnt ihr nichts und das ist kein Manko.
Legt eure Ohren demnächst häufiger auf den Bauch eurer Frau, wenn darin euer
beider Kind heranwächst. Legt eure Hände auf, nehmt Kontakt mit dem werdenden
kleinen Wesen auf, und stellt so eine gute und stabile Bindung her. Und nehmt euch,
wenn es geboren ist, soviel Zeit wie ihr könnt, um euren Anteil zu geben, damit es
einen guten Start ins Leben hat. Es wird euch tausendfach gelohnt durch die Freude,
glückliche Kinder heranwachsen zu sehen!

Silvie: Eifersucht – ist das eigentlich das alte kleinkindliche Gefühl, zu leiden, weil
die Mutter sich abwendet?

Tio: Klar. Das haben wir etwas weiter oben ja schon angeschaut. Das ist das Gefühl
des Kleinen, das entsetzt die Frage stellt: „Mutter, hast du etwa ein anderes Kind?
Und was wird nun aus mir?“

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Wenn ihr das erst einmal wirklich verstanden habt, dann werdet ihr nicht mehr
eifersüchtig sein. Eifersucht gilt in eurer Gesellschaft allerdings immer noch recht
häufig als Liebesbeweis. Das ist absurd, daran kann man sehen, wie absurd manche
kollektiven „Weisheiten“ inzwischen sind. „Was ich liebe, das will ich behalten, das
gönne ich keinem/keiner Anderen“ - das ist der tief ins Unterbewusstsein gesunkene
Satz: „Ich will meine Mutter ganz für mich allein!“

Tut etwas für euch, gestaltet euer eigenes Leben, werdet heil und ganz. Verbringt Zeit
mit euch allein und für euch allein. Und dann verbringt Zeit mit euren Liebespartnern
und freut euch an der Gemeinsamkeit und an dem, was ihr über eure eigenen
Entwicklungsprozesse zu berichten habt und er über seine!

Silvie: Und Liebeskummer ist dann bald ein Relikt aus der fernen Vergangenheit...

Tio: Genau. So wird es sein, und wenn ihr eure Urwunden geheilt habt, dann ist das
auch so. (Lustig): Liebeskummer lohnt sich nicht, Leute, schaut lieber hin, was euch
da wirklich weh tut und heilt es. Dann kann die Liebe echt werden und euch erfreuen.

Silvie: Eines noch, Tio: Es gibt wirklich Schurken auf dieser Welt, und Schurkinnen
gibt es auch. Wenn man mit denen angebandelt hat, hilft keine innere Arbeit und
keine Selbsterkenntnis, da hilft nur Flucht!

Tio: Manchmal ist das so, obwohl ich ja prinzipiell keine Schurkenrollen verteile,
wie du weisst. Aber es gibt Leute beiderlei Geschlechts, die sind so verletzt und von
ihren Lebensumständen verbogen worden, dass sie sich für einen destruktiven
Lebensstil entschieden haben, der für Ihre Partner unmöglich zu ertragen ist. Und
wenn es wirklich nicht geht, dann muss man sich von einem solchen Menschen
trennen. Aber wenn es nötig ist, dann tut das mit Würde und mit Anerkenntnis dessen,
dass er euch wahrscheinlich sehr deutlich dabei unterstützt hat, eure Urwunde zu
finden. Segnet den oder die Betreffende in euren Gedanken und lasst ihn oder sie
ziehen. Und dann werdet heil und ganz und macht die Erfahrung, dass ihr künftig
keinen destruktiven Übungspartner mehr anziehen müsst.

Nun aber ist es genug für diesmal. Hoffentlich rauchen euch nicht allzu sehr die
Köpfe!

Ich danke dir, Silvie, fürs Schreiben und euch allen fürs Lesen.

Bis nächstes Mal dann, alles Liebe, ja, es ist alles Liebe (schmunzelt spürbar, Silvie
merkt es an ihrem Gesichtsmuskeln)

Euer Tio

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* * *

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