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Methamphetamin

Meth, Crystal, Ice, Speed - es gibt viele Straßennamen für Chrystal Meth, sie


alle beziehen sich auf einen Stoff: Methamphetamin. Chemisch ist die Droge
eng mit Amphetaminen verwandt, beide wirken aufputschend. Meth wird
geschnieft, geraucht oder in Wasser aufgelöst injiziert

Methamphetamin (N-Methyl-alpha-methylphenethylamin) ist eine synthetisch


hergestellte Substanz aus der Stoffgruppe der Phenylethylamine.  Andere
Namen sind Metamfetamin oder N-Methylamphetamin; umgangssprachlich
und in der Drogenszene wird auch von Crystal Meth, Meth, Crystal, Ice oder 
Panzerschokolade gesprochen.  ist ein potentes Stimulans und
indirektes Sympathomimetikum, d. h., es regt stark die sympathischen Teile
des vegetativen Nervensystems an.

Geschichte:
Methamphetamin wurde erstmals 1893 durch den japanischen
Chemiker Nagayoshi Nagai in flüssiger Form synthetisiert. 1919 wurde die
Substanz im Zuge der Strukturaufklärung von Ephedrin erstmals in Reinform
von Akira Ogata kristallisiert, 1921 patentiert.  Der Name enthält vermutlich die
japanischen Wortteile ‚Müdigkeit‘ . Methamphetamin wurde 1938 unter
der Marke Pervitin von den Temmler-Werken in den Handel gebracht.

Im zweiten weltkrieg:
 Blitzkriege gegen Polen und Frankreich 1939/40 fand Methamphetamin
millionenfache Verwendung. Unter den Spitznamen „Panzerschokolade“,
„Stuka-Tabletten“, „Hermann-Göring-Pillen“ und „Fliegermarzipan“ diente das
(somit meist oral verabreichte) Mittel zur Dämpfung des Angstgefühls.
Bedeutung gewann Pervitin 1944 für die Kleinst-U-
Boote der Kriegsmarine unter Admiral Hellmuth Heye. In der Zeit von April bis
Juni 1940 bezog die Wehrmacht mehr als 35 Millionen Tabletten Pervitin
Nach 1945:
Sowohl Bundeswehr als auch Nationale Volksarmee (NVA) lagerten Pervitin.
Der unter starken Rückenschmerzen leidende US-Präsident Kennedy wurde in
den frühen 1960er Jahren regelmäßig mit Amphetaminen therapiert. Einsatz
findet die Droge auch in Sex-Orgien, sogenannten „Chem-Sexpartys“. In Berlin
liegt der Konsumentenschwerpunkt gegenwärtig (2016) in der Homosexuellen-
Szene

Wirkung:
N-Methylamphetamin unterdrückt Müdigkeit, Hungergefühl und Schmerz. Es
verleiht kurzzeitig Selbstvertrauen, ein Gefühl der Stärke und dem Leben eine
ungewohnte Geschwindigkeit. Nebenwirkungen:
Persönlichkeitsveränderungen, Psychosen und Paranoia aufgrund
von Schlafentzug oder bei Prädisposition.

Pharmakokinetik:
Verglichen mit Amphetamin kann N-Methyl-Amphetamin die Blut-Hirn-
Schranke besser überwinden und in höheren Konzentrationen im Gehirn
wirksam werden. Im Körper wird Methamphetamin durch das Cytochrom
P450-Isoenzym CYP2D6 per N-Demethylierung zum Amphetamin
(Hauptmetabolit) verstoffwechselt, das über die Niere ausgeschieden wird.

In der Medizin:
Methamphetamin ist in Deutschland als verkehrsfähiges, aber nicht
verschreibungsfähiges Betäubungsmittel eingestuft, somit ist eine medizinische
Verwendung nicht mehr möglich. In den USA wird (S)-Methamphetamin-
Hydrochlorid (Desoxyn) unter anderem bei der Behandlung
von Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Erwachsenen
und Kindern ab 6 Jahren, der Narkolepsie (einer Störung der Schlaf-Wach-
Regulation) und bei krankhaftem Übergewicht angewendet.
Nebenwirkungen:
 Schwächung des Immunsystems
 Jucken (meth mites) und Hautentzündungen
 Repetitive Handlungen (Punding)
 Bruxismus und Kieferklemme
 Magenschmerzen und Magengeschwür
 Herzrhythmusstörungen
 Erregung und Schlafstörungen
 Erhöhte Körpertemperatur (Hyperthermie)
 Paranoide Wahnvorstellungen
 Akustische Halluzinationen
 Aggressivität
 Neurotoxizität

Chronische Folgen eines starken Konsums


 Abmagerung
 Zersetzung der Schleimhäute in Mund und Nase (bei Rauchen oder
Schnupfen)
 Ausfall der Zähne durch Bruxismus und verminderten Speichelfluss
 Möglicherweise verstärkte Karies (sog. Meth-Mund)
 Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
 Vermehrte Angststörungen, Depressionen und Methamphetamin-
induzierte Psychosen
Konsumformen und Szenenamen
Ice: Als Ice (oder Crystal) wird eine sehr reine Form des
Methamphetaminhydrochlorids bezeichnet, die durch die klaren Kristalle eine
Ähnlichkeit mit Eis (engl. ice) aufweist. 

Wint: Wint (russ. Винт = „Schraube“) oder Vint ist der russische Szenename


für privat hergestellte Lösungen, die Ephedrin und Methamphetamin
enthalten. Es fand in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion große
Verbreitung, unter anderem wegen der niedrigen Beschaffungs- und
Herstellungskosten.

Sisa: ist ein Derivat der Droge Crystal Meth und findet seit 2013
in Griechenland, vor allem in der Hauptstadt Athen Verbreitung

Ya Ba: In Thailand sind Tabletten mit einem Gemisch aus Methamphetamin


und Koffein verbreitet, die thailändisch ยาบ ้า, RTGS Ya Ba,
auch Yaba oder Yaabaa geschrieben, genannt werden. Diese Droge wurde
zunächst als Ya Ma, „Pferdedroge“, vermarktet. 

Herstellung
Methamphetamin entsteht durch:
 Kondensation von 1-Phenyl-2-propanon (Phenylaceton)
mit Methylamin zum entsprechenden N-Methylimin und
anschließender Reduktion, entweder durch Aluminium-
bzw. Natriumamalgam, durch Lithiumaluminiumhydrid oder mittels
katalytischer Hydrierung.
 Leuckart-Wallach-Reaktion von Phenylaceton mit N-Methylformamid
oder N-Methylammoniumformiat, gefolgt von saurer Hydrolyse.
 Reduktion von L-Ephedrin oder D-
Pseudoephedrin mit Iodwasserstoffsäure und rotem Phosphor zu D-MA;
diese Reaktion ist auch in Modifikation
mit Hydrazin oder Phosphinsäure anstelle des Phosphors bekannt.
 Reduktion von L-Ephedrin oder D-Pseudoephedrin mit Lithium oder
Natrium in flüssigem Ammoniak (Birch-Reduktion) zu D-MA.
 Hydrogenolyse von Ephedrin, Pseudoephedrin bzw. deren funktionellen
Derivaten (1-substituiert, wie z. B. Ephedrin-1-ylacetat, Ephedrin-1-
ylphenoxycarbonat oder 1-Chlorephedrin), meist mittels katalytischer
Hydrierung unter Druck in saurem Milieu.

Stereochemie:
Methamphetamin besitzt ein Stereozentrum am C2-Kohlenstoff. Das (S)-(+)-
Isomer ist optisch rechtsdrehend und pharmakologisch etwa 3- bis 4-mal
stärker wirksam als das (R)-(−)-Isomer.