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2.

1 Das biopsychische Modell:


Einführung in die Psychologie Ein Beispiel
2. Modelle des Menschen und der Nächtlicher Gang
Gewahrwerden der Aktivierung der
durch unbeleuchteten
Persönlichkeit Park
Schutzlosigkeit Hypophyse

Eindruck der Aktivierung der


Bedrohtheit Nebenniere:
Ausschüttung
von Adrenalin
Prof. Dr. Ernst Hany
Wahrnehmung der
körperlichen Vorgänge Schweißausbruch
Schneller Atem
Herzklopfen
Laufen ANGST

2. Modelle des Menschen und der 2.1 Das biopsychische Modell:


Persönlichkeit Grundannahmen
„ Menschliches Verhalten gilt als abhängig von körperlichen
Vorgängen (Sinne, Zentralnervensystem, Hormone, Interozeption).

„ Das biopsychische Modell „ Psychologische Vorgänge können durch die zu Grunde liegenden
körperlichen Vorgänge erklärt werden (z. B. Müdigkeit, Hunger,
„ Das psychodynamische Modell Angst, Depressivität).
„ Das behavioristische Modell „ Erklärungen sind reduktionistisch: Komplexe Verhaltensphänomene
werden auf einfachere physische Vorgänge zurückgeführt.
„ Das kognitive Modell „ Verhalten ist in erster Linie von vererbten körperlichen Strukturen
„ Das humanistische Modell abhängig; diese können jedoch durch Erfahrung modifiziert werden.

2.1 Das biopsychische Modell:


Zur Vielfalt der Modelle in der Psychologie Empirischer Status
„ Menschliches Verhalten ist so vielfältig, • körperliche – mentale „ In den letzten Jahrzehnten wurde die Funktionsweise des
dass es nicht durch eine Gesamttheorie Vorgänge
• Leidenschaften und
Gehirns, der Neurotransmitter, der Hormone usw. für
erklärbar ist.
Verstand psychische Prozesse (Wahrnehmung, Gedächtnis,
„ Die meisten Theorien der Psychologie
sind bereichsspezifisch, unterstellen aber
• Anlage und Umwelt Sprache, Persönlichkeit) in vielerlei Hinsicht offengelegt.
(Lernen)
ein bestimmtes Modell des Menschen. • Denken, Gedächtnis „ Die Neurowissenschaften arbeiten interdisziplinär am
„ Die wichtigsten Modelle sollen vorgestellt und Verstehen „Geheimnis des Gehirns“.
werden. • Soziale Beziehungen,
Entwicklung und „ Forschung erfolgt streng naturwissenschaftlich.
„ Bildung von globalen Modellen wird
Werte „ Die Erkenntnisse sind sowohl für die
beeinflusst von anderen Wissenschaften, • Unterschiede und
politischen Idealen, Forschungsmethoden Gemeinsamkeiten
Grundlagenforschung als auch für die
usw. zwischen Völkern und Rehabilitationsarbeit wichtig.
Kulturen

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2.1 Das biopsychische Modell: 2.2 Das psychodynamische Modell:
Bewertung Eine exemplarische Theorie
„ Forschung konzentriert sich auf einzelne Schritte in der „ Sigmund Freud entwickelte um 1900 die Psychoanalyse.
Kette Gene – Eiweiße – Gehirnstrukturen - neuronale „ Der Mensch sei triebbestimmt und sich seiner wahren
Regungen oft nicht bewusst.
Aktivitäten – Wahrnehmungsreize – Denkprozesse – „ Höhere geistige Strebungen sind nur Umleitungen unserer
Persönlichkeit. animalischen Regungen.
„ Es fehlt noch das kohärente Bild. Die Zusammenhänge „ Die Entwicklung in der Kindheit verläuft in
psychosexuellen Phasen.
zwischen entfernteren Gliedern sind weniger bekannt. „ In diesen Phasen werden unsere Persönlichkeitsstruktur
„ Forschung ist äußerst produktiv und innovativ. (Es, Ich und Über-Ich) sowie die wesentlichen
Charakterzüge geprägt.
„ In der therapeutischen Beziehung zum Analytiker werden
frühe Konflikte bewusst und können durch angepasstere
Bearbeitungsformen ersetzt werden.

2.2 Das psychodynamische Modell: 2.2 Das psychodynamische Modell:


Beispiele Empirischer Status
„ Ein Patient beschreibt seinen Vater als aggressiven, „ Datenbasis sind fast ausschließlich Patientenbehandlungen
rücksichtslosen Menschen. Als der Therapeut den Vater (Kasuistiken).
kennen lernt, entpuppt sich dieser als zwar „ Patienten waren vor allem junge Frauen der Wiener Oberschicht.
selbstbewusster, aber freundlicher Mensch. Wie kommt „ Genaue Aufzeichnungen der Äußerungen und der therapeutischen
Interaktion wurden nicht gemacht oder gleich wieder vernichtet.
der Patient zu seiner Meinung?
„ Einige psychodynamische Annahmen sind bestätigt (unbewusste
„ Eine junge Frau, die jüngste von drei Schwestern, erzählt Wahrnehmung, Rolle der Angst bei Neurosen, Abwehr).
ihr Lieblingsmärchen „Die zertanzten Schuhe“. Drei „ Zahlreiche psychodynamische Annahmen sind nicht zu beweisen und
Schwestern schleichen nachts heimlich zum Tanzen, bis und nicht zu widerlegen (Struktur der Persönlichkeit, Triebe).
ein Prinz dies aufdeckt und zur Belohnung die jüngste zur „ „Hermeneutischer Ansatz“ der Psychoanalyse verwahrt sich gegen
Frau bekommt. quantifizierende empirische Forschung.

2.2 Das psychodynamische Modell: 2.2 Das psychodynamische Modell:


Grundannahmen Bewertung
„ Alle psychischen Vorgänge hängen kausal zusammen. „ Die Psychoanalyse hat den Blick für unbewusste
Alles Verhalten ist psychisch determiniert. Vorgänge als Ursprünge des Handelns geschärft.
„ Sie setzte Impulse für die Erforschung der kindlichen
„ Die Kindheit ist die sensibelste Zeit in unserem Leben.
Entwicklung.
Die Erfahrungen unserer ersten Lebensjahre, die wir oft
„ Veränderungen der gesellschaftlichen (freizügige
nicht bewusst verarbeiten können, prägen unser Leben bis
Sexualität statt Hysterien) und politischen Problemlagen
ins Alter. und Fortschritte der Forschung (Biologie, Pharma) haben
„ Sexualität und Aggressivität sind unsere Urtriebe. Weil der Psychoanalyse den Boden entzogen.
uns diese Strebungen Angst machen, leiten wir die Angst „ Widerstand gegen empirische Überprüfung führte zur
um und bekämpfen sie, indem wir sie beispielsweise nach Ablehnung.
außen projizieren. „ Sie fristet im akademischen Bereich ein Schattendasein.

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2.3 Das behavioristische Modell: 2.3 Das behavioristische Modell:
Ein Beispiel Eine exemplarische Theorie
„ Lernsituation:
„ Hund hat mehrere Stunden nichts gefressen. Situation Reaktion Konsequenz
„ Beim Herumlaufen stößt er versehentlich eine geöffnete
Packung Hundefutter um.
Nahrungs- Umstoßen der Zugang zur Fressen
„ Das herausfallende Futter kann er fressen.
mangel Futterpackung Nahrung Sättigung
„ Demonstration des gelerntes Verhaltens:
„ Hund hat erneut mehrere Stunden nichts gefressen.
„ Kaum sieht er die Packung Hundefutter, stößt er sie um Verstärkung
„ Wieder bekommt er Futter.
• Physiologisches Bedürfnis löst Aktivierung aus.
• Umstoßen der Packung ist zentraler Schritt zur Bedürfnisbefriedigung.
• Diese Befriedigung verstärkt die Verknüpfung von Situation und Reaktion.
• Modell kann auch ohne Rückgriff auf Bedürfnis aufrecht erhalten werden.

2.3 Das behavioristische Modell: 2.3 Das behavioristische Modell:


Grundannahmen Empirischer Status
„ Entwicklung des Menschen in der Evolution: Für das Erleben
entscheidend sind Verhaltensweisen, die der Situation angepasst sind
„ Vorbildliche naturwissenschaftlich orientierte Studien
„ Evolutionäre Entwicklung kann allein durch Erfassung von
Verhaltensweisen und Umweltreizen erklärt werden im subhumanen Bereich.
„ Wissenschaftliche Erklärung des Verhaltens eines einzelnen
„ Gelungene Übertragung auf die Verhaltenstherapie –
Menschen kann ebenfalls auf „mentalistische“ Konzepte verzichten auch mit entsprechenden Studien.
„ Beispiel: Max isst, weil er sich hungrig fühlt. Oder: Max isst, weil er „ Ausschluss mentaler Operationen wurde zunehmend
seit fünf Stunden nichts gegessen hat. Folgerung: Konzept „Hunger“ zum theoretischen Problem, das auch methodisch nicht
ist überflüssig. mehr in den Griff zu bekommen war.

2.3 Das behavioristische Modell: 2.3 Das behavioristische Modell:


Vorstellungen über Ursachen des Verhaltens Bewertung
„ Jedes Verhalten gründet in der spezies-spezifischen Ausstattung des „ Untersuchungen konzentrierten sich auf Mäuse, Ratten
Organismus.
und Tauben. Artspezifische Besonderheiten wurden zu
„ Es gibt zwei Arten von spontanen (nicht-gelernten)
Verhaltensweisen: wenig berücksichtigt.
„ (1) Reflexe bzw. spontane Gefühlsreaktionen – von der Evolution
vorprogrammiert;
„ Übertragung auf den Menschen zwar fragwürdig, aber in
„ (2) zufälliges, ungesteuertes Probierverhalten verschiedenen Studien gelungen.
„ Diese Verhaltensweisen können „kontrolliert“, d. h. durch die „ Konzentration auf äußeres Verhalten ließ seit der
‚Außenwelt gesteuert werden.
„kognitiven Wende“ in den 70-er Jahren nach.
„ Respondentes Verhalten: Reflex/Gefühlreaktion tritt auch bei
anderen Reizen auf (=klassisches Konditionieren). „ Behaviorismus gilt als einseitige Schule, die der Vielfalt
„ Operantes Verhalten: Zufällige Verhaltensweisen werden durch und Komplexität menschlichen Verhaltens nicht gerecht
nachfolgende „Verstärker“ in ihrer Auftretensweise verändert
(=operantes Konditionieren). werden kann.

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2.4 Das kognitive Modell: 2.5 Das humanistische Modell:
Beispiele Beispiele
„ „Gestern waren wir im Restaurant. Wir mussten eine Stunde warten
und gaben deshalb kein Trinkgeld.“ Warum verstehen wir knappe
Aussagen wie diese? „ Wie lässt es sich erklären, dass Menschen sich
oft ein Leben lang für andere einsetzen?
„ Eine Schülerin der ersten Klasse rechnet „7 + 5 = 102“
„9 + 6 = 105“. Wieso können wir ihr helfen? „ Warum ist für junge Leute Familienglück oft
wichtiger als beruflicher Erfolg?
„ Ein Forscher erzählt Kindern im Kindergarten, dass im Lauf des
Vormittags ein lustiger Clown kommen werde und tolle Sachen
„ Wie lässt sich die „midlife crisis“ erfolgreicher
machen würde. Obwohl der Clown nicht kommen, können die Kinder Menschen erklären?
zwei Tage später genau berichten, was der Clown in der Gruppe
gemacht hat. Wieso?

2.4 Das kognitive Modell: 2.5 Das humanistische Modell:


Grundannahmen Grundannahmen
„ Geistige Vorgänge werden als Kognitionen verstanden. „ Der Mensch ist von Natur aus gut, aktiv und fähig, die
Sie bilden die Elemente der geistigen eigene Persönlichkeit positiv zu entfalten. Der Mensch
Informationsverarbeitung. gibt seinem Leben einen Sinn und strebt nach
„ Der Mensch gilt als informationsverarbeitendes System, befriedigender Gemeinschaft.
der Reize von außen aufnimmt und intern (ganz
„ Psychische Störungen resultieren, wenn eine
individuell) verarbeitet.
einschränkende Umwelt die Selbstentfaltungskräfte
„ Im Mittelpunkt der Forschung stehen Prozesse der
hemmt.
Wahrnehmung, der Schlussfolgerung, des Denkens und
Erinnerns, des Problemlösens und Entscheidens. „ Der Mensch muss von seinen besten Werken (Kunst,
„ „Maschinenmodell“ – Ausgangspunkt der Forschung zur Kultur, Wissenschaft, Religion) her verstanden werden,
Künstlichen Intelligenz. nicht von Störungen oder animalischen Triebimpulsen.

2.4 Das kognitive Modell: Das humanistische Modell:


Bewertung Abraham Maslows hierarchisches
„ Wichtige Befunde zu Lernen und Gedächtnis. Motivsystem
Anwendung in der Wissensvermittlung und
Unterrichtsgestaltung. „ Mangelbedürfnisse:
„ Physiologische Homöostase (Hunger, Durst, Sexualität etc.)
„ Methode der „Introspektion“ ist umstritten, deshalb
„ Sicherheit (Schutz vor Schmerz, Angst und Ungeordnetheit;
Versuche zur objektiven Messung (Leistungen, äußeres Bedürfnis nach schützender Abhängigkeit, Gesetzen)
Verhalten).
„ Intensive experimentelle Forschung.
„ Wachstumsbedürfnisse:
„ Soziale Bindung (Liebe, Zärtlichkeit, Geborgenheit, Anschluß)
„ Ausklammern der emotionalen und motivationalen Seite? „ Selbstachtung (Leistung, Geltung, Anerkennung)
„ Modellierung von sozialen Beziehungen? „ Selbstverwirklichung (Ausleben der eigenen Möglichkeiten und
Fähigkeiten)
Kontrast zu Freud und
den Behavioristen

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Entwicklungszusammenhänge der Motive
(nach Maslow) Resümee
„ Alle psychologischen Modelle beleuchten wichtige
Aspekte des Menschseins.
„ Vollständige Erklärung von psychischen Ereignissen und
Handlungen muss alle Modelle berücksichtigen.
„ Modelle sind teilweise vereinbar (z. B. kognitiver und
kulturvergleichender Ansatz), teilweise schließen sie sich
aus (z. B. psychodynamischer und behavioristischer
Ansatz).
„ Die tägliche Forschungsarbeit der Wissenschaft reflektiert
selten die eigenen Modellgrundlagen.

2.5 Das humanistische Modell:


Bewertung
„ Neue Perspektive in der Psychologie – Werteorientierung,
Selbstverwirklichung, Kreativität, Ganzheitlichkeit
„ Negativer Kontrast zwischen Zustand und vermuteter
Natur des Menschen führte zu bemerkenswerter
Gesellschaftsanalyse
„ Befruchtung von empirischer Forschung
(Therapeutenvariablen) und der Psychotherapie
(Selbsterfahrungsgruppen, klientenzentrierte
Gesprächstherapie)

Worin unterscheiden sich die


Menschenbilder?
„ Betonung animalischer Strebungen versus
Betonung höherer geistiger Regungen
„ Konzentration auf innere Prozesse oder äußere
Einflüsse
„ Betonung automatischer Lernvorgänge oder
bewusster Verarbeitung
„ Determinismus versus Freiheit
„ Konzentration auf die frühe Kindheit oder auf
den Lebenslauf