Sie sind auf Seite 1von 385

Über dieses Buch

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Regalen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfügbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde.
Das Buch hat das Urheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch,
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist.
Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei – eine Erin-
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat.

Nutzungsrichtlinien

Google ist stolz, mit Bibliotheken in partnerschaftlicher Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nichtsdestotrotz ist diese
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch
kommerzielle Parteien zu verhindern. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen.
Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien:

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche für Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden.
+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials für diese Zwecke und können Ihnen
unter Umständen helfen.
+ Beibehaltung von Google-Markenelementen Das "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht.
+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein,
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA
öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben.

Über Google Buchsuche

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser Welt zu entdecken, und unterstützt Autoren und Verleger dabei, neue Zielgruppen zu erreichen.
Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter http://books.google.com durchsuchen.
COLUMBIA LIBRARIES OFFSITE
RESTRICTED

CR58217843
160 B23 Grundriss der ersten
UN
IV
ER
SI
TI

THE
LIBRARIES
กา

No

CITY MIT
!

1
$

Grundriß

E r ſt en Logik ,

gereiniget

den Irrthümmern bisheriger Logiten


überhaupt ,
der

Kantiſchen insbeſondere;

Keine Kritif ſondern eine


}
Medicina mentis ,

brauchbar hauptſächlich für Deutſchlands


Kritiſche Philoſophie

pon

C. G. Bardili.

Stuttgart ,
bet Franz Chriſtian foflund,

I 8 o O.

T
Der
‫جموساهتر‬

Berliner Akademie der Wiſſenſchaften ,

den Herren

Herder , Schloſſer , Eberhard ,

Sedem

Retter des erkrankten Schulverſtands in


2

Deutſchland
g

mithin vorzüglich auch dem


abs o

Herrn
Fock

Friederich Nikolai

wiedmet dies Denkmal

die deutſche Vaterlandsliebe .

193229
Е:

13

bo
МЕ

В 23
Vorrede.

In der Vorrede zu meiner Schrift über den

urſprung des Begriffes von der

Wittensfreygeit (Stuttgart 1796) Seit.

V, VI, erflärte ich , „ nichts werde mich

zur útbalten fonnen , den Menſchen

vorerſt ú berat in der Erfa brung

und Geſchichte aufzuſuchen , als!

d'ann , was an ibm ift, ro genau als

w å re ronſt nichts an iấm , auf Nas

iurgereze z v růljufú bren , und ends

lich , nach dieſer naturgeſchichtlis


VI

dhen uno o boliealiſchen Behandi


*
lungsart derfelben , erſt mit eiges Il

nen Hugen zu regen , was denn son


1
ſeinen Beſizthúmmern der Meta:

pbyfie noch anbeimfalle.“ Diefér Vors

ſaz iſt nun ausgefüþrt. Ubgewieſen mit meio

nen weiteren Unterſuchungen von einer erſáta

rigten Empirie , wandte ich mich an die bed:

Here Spekulation , mithin an die Vernunfts

lebre . Eine ſchilliche Gelegenheir darzu

both mir , während der lezten Oſterferien

ein Purzer Aufenthalt auf dem Lande dar , Wor

bin mich Bilfinger's und Ploucquets , !


Logiten begleiteten , weil mir die ſonſtige Gea

ſellſchaft meiner geſchäftloſen Stunden , die

Philoſophen Griechenlands , ohnedies nicht

wohl dabin folgen konnten . Hier die Res

ſultate meines Nachbentens , als Inaugurals

ſchrift ifres Verfaſſers in jenem Gebiethe

des abgezogenern Forſchens, 25 der , iğnen


VII

vorgeſeztë ; Titel anmaſſend ſene, muß - ißr

In alt lehren ; der Vorbericht fann ſich deſo

fen übergeben. Unbeſcheidenbeit iſt mir wer

nigſtens noch nie zum Vorwurfe gemacht

worden . Vielmehr erinnere ich mich , es

mehr als einmal , und nur erſt neuerlich wies

der , offentlich bemerkt gefunden zu Baben ,

daß man die Grenzen des Anſtands und der

Mäßigung , auch im . Verkehr mit Gegnern ,

nirgends von mir überſchritten finde. Bloß

ſich ſelbſt und ſeiner eigenen Beſchaffenbeit

þat es alſo theils das Uebel , welchem bes

gegnet werden ſollte , theils das Betragen

feiner Urheber gegen Andersdentende ,:unfels

bar beijumeſſen , wenn ein Schriftſteller ,

welcher ſo was ſonſt nie gewohnt war , ſich

eine ſtartere Sprache gegen daſſelbe erlaubt.

Nach Befinden der Umſtände iſt dies unvers

meidlich . Wec es unternimmt, macht ſich

auf das Unangenehme der nächſten Folgen


VIII

gefaßt ; tróſtet ſich aber auch darüber mit

dem Vorgefühle eines ſpåtheren Dante. O

magna vis veritatis , quæ contra homi

num ingenia , calliditatem , folertiam , 4

contraque fictas oinnium inſidias facile

ſe per fe ipfam defendat. Wo es bei eis

ner Sefte einmal dahin gedieb , daß , wer

nicht ihres Glaubens iſt, mit dem Ehrentia

tel eines unfritiſchen Ignoranten abs

gefertiget wird , daß fie fich nicht entblodet,

jedes Produkt , das nicht ihren Stempel

trågt , für eine ſchülerhafte Probeübung zu


V
erfláren , daß ſchülerbafte Jungen aus ibrer

Mitre ſogar die Tauglichkeit eines Mannes

zu irgend einem philoſophiſchen Zwefe übers

þaupt , ausſchlieffend und öffentlich nach dem

Antheile deſſelben an ihrer Sippſchaft beſtims

men , da ſcheint es einmal , ſie ſelbſt babe

alle Delitareſſe aufgekündet. Wenn úbris

gens die gegenwärtige Schrife bitter wird,


4
IX

ſo wird ſie es nie gegen das Verdienſt, ſons

dern gegen Jungen des , eben beſchriebenen,

Gelichters , welche durch unzeitiges Lob bei

töðrt, und in iþrem Eigendúntel beſtåret durch

ſchwache Köpfe , mit einer , dem Königs,

berger abgeborgten , aber , wie ſie wagns

ten , weit mehr als Kantiſchen Weißheit

tongebend für Deutſchlands Pkiloſophie

werden wollten , indeß daß ihnen noch die

Zuchtruiße gebührt båtte. Zur Spekulation ,

(wie zum Politifferen , wenn's Pein Kannens

gieſſern rena foll ), gebort Reiffe , und

reiff iſt kein Jüngting , und reiff konnen

nicht alle Menſchen werden :

Cedo , qui veſtram rempublicam tan


tam amiſiſtis tam cito ?
Proveniebant oratores novi , ſtulti ,
adoleſcentuli.

Sonſt weiß ich hier nichts beizufezen , als

etwa dies , daß wenn mich , im Verfolge


Х
4
meines Prius , die Konſequenz zum theil auf

Leibniziſche Vorſtellungen füßrte, es dieſe

Konſequenz , und nicht leibniz ſelbſt war . V


Dieſem großeu Manne muß es mehr Ebre

machen , ihn auch da zu finden , wo man

ihn nicht ſuchte , als ihm bloß darum zu

þuldigen , weil inan in ſeinen Unterſud uns

gen ſchon von ihm ausgieng.

Stuttgart, den 18. Aug. 1799.

1
$
XI

N. S.

Im Intelligenzblatt der Jenaer allgemeinen

1. 3. Num. log ; Mittwochs den 28. Aug.

1799. , Seit. 876 Beißt es aus Gelegenheit

der Erkláru'ng , nach welcher Hr. Kant

Fidte's Wiffenfchafslehre als ein

gånzlich unhaftbares Syftem , fallen

låßt , unter anderem : denn reine Wiſſens

ſchaftslehre iſt nichts mehr oder weniger, als

bloße Sogil , welche mit içren Prinzipien

fich nicht zum Materialen des Erfenntniſſes

perſteigt, ſondern vom Inbalte' derſelben als

reine logit abſtrahiert, aus welcher ein

reales Objekt Berauszufiauben ,' vergebliche

und daher auch nie 'verſuchte

Arbeit iſt." Wenn's denn alſo wirklich

noch nie verſuchte Arbeit iſt, ein ceas

les Objekt dyreh reine logit ( demonſtrativ)

zu regen , und die, in den bisherigen Logiter

1
XII

bemerkten , Irrthümer dringen einem , wels

chen die Empirie nicht mehr befriedigen mochte,

bei ſeinem binlänglich vorbereiteten Uebergange

zur þöberen Spekulation , den Gedanten auf,

der Logił felbſt ren noch igr Prius auszumas

chen ; ſie ſelbſt rey bisher bloß noch eine bes

teronomiſche Kontreszenz von Stoff und Form ,

ſo gar ſchon in iþren vermeintlich reinen

Dentgelezen , geweſen , und, indem er, zufolge

deſſen, ſie nur eben mit içrem Prius zu vers

ſeben unternimmt, findet er, worauf er nicht

ausgieng , ein reales Objekt entweder durch

ſie geſegt, oder ſonſt überall keines Rezbar ,

den Schlüſſel zum Weſen der Natur entwer

der durch ſie gegeben , oder ſonſt überall.

teine logit und teine Philoſophie möglich :

pird wohl diefer Schriftſteller alsdann anmaße

ſend , im Fall er ſeine"logit einen Grundriß

der erſten logit nennt ? Es iſt ja noch

nie verſuchte Arbeit. Was aber das

/
XIII

reale Objekt betrifft , fo Kalte man doch

einmal, folgende Frage rubig und unbefangen

an fein eigenes Denken , indem man überlegt :

ob denn irgend eine Allgemeinbeit und ſtrenge

Rothwendigkeit, es ſey" auch nur vorerſt die

der Zeit und des Raums, dasjenige feyn würde,

wofür ſie ſich gleichwohl im Denfen eines jeden

ausgiebt, eben dieſe Allgemeinheit nämlich und

ftrenge Nothwendigkeit, wenn's um . ſie etwas

bloß ſubjektives, möglicheripeiſſe bloß dieſer

Menſchengattung des dritten Planeten ; wels

cher um die Sonne rolle , und ſeiner indivis

duellen ( oder gemeinſchaftlichen ?) Johbeit zus

tommendes , wäre ? Man erzeige bierauf

aber ebenfalls der Logit den fleinen Dienſt,

und balte zweytens dies rubig und unbefans

gen an ſein Denten : ob denn auch nur e is

aer der Begriffe , eines der Urtheile , eit ,

ner der Schlüſſe , in deren Inneres ſie uns

einzuführen verſpricht , ftate baben tönnte,


XIV

wenn die Eſſentialia conſtitutiva , welche

fie von jenen Begriffen , Urtheilen , Schlüſs


1
fen zu verzeichnen ſucht, ſchon als Effen .

tialia conſtitutiva derfelben , ganz

und gar verſchieden ſeyn ſollten von den El !

fentialibus conſtitutivis deſſen , worüber ges

urtbeilt wird , als Effentialibus conſtituti .

vis des legteren ? Wer auf dieſe Weiffe Dins

ge in die Identität eines Urtheils aufnehmen

tönnte , die in ihrem Wefen mit dem Wies

ren eines Urtheils doch nichts weniger als

identiſch , fondern in ihren Weſen dem Bes

fen eines Urtheils vielmehr diametral entges

gengeſezt wären , der müßte darzu gemacht

ſeyn , Unmöglichkeiten in Mögtichkeiten zu

verwandlen , oder , welches eines iſt , um in

dieſen grundweſentlichen Mangel ei

Re8 Zuſammenhange , dennoch einen

Zuſammenhang bringen zu können , fåme ihm

ein Ficheifches Ich zú . Iſt die logit


XV

fein Schlüſſel zum Wefen der Natur : ro

ſind die Verbindungsmittel , womit ſie ſich ſo


viel weiß , nur privative Verbindungs.
mittel ; die Natur bat feine , oder wieder ihs
re eigene Logit , und die Welt iſt fein Sy:

ſtem . Auf jeden Fall gab dann der lezteren


ſchon Epifur die verdiente Rüge ; abſichts
und planlos , wie in ſeiner Schule, umfaſı
ſen ſich ihre Kinder , die Utomen , um abſichts
und planlos fich wieder abzuſtoſien ; Zufall

und Wideúbr ( ein Unding ) beiße ißr obers


ftes Geſez , und ſelbſt da , wo man dies Ehaos
durch fein Ich zur Tagesordnung zu weiß
fen gedenft, iſt es der Ruf der Wilführ an
die Willußr, mithin , nach H. Kant's neus
ſter Sprache l . c. ein , in der Wab !
der Mittel , 26ſichten (im Weltall) zu

begünſtigen , ſich vertebre benes


mender , colpiſcher Ruf , womit man
die Zeit verderbt. Allgemein beit und
ſtrenge Notowendigkeit tann nicht
erſt in uns Menſchenlindern wers
den ( yírega ) , wie aus Feuchtigkei:
ten der Erde in den Pflanzen Pflan :
1
XVI

jen rafte werden ; da reicht fein chemis

fcher und tein organiſcher Prozeß mehr zu ,


daran giebe’s nichts Subjetrives meør,
was wohl ein Epifur (in altera philofophiæ
parte , quæ aoyin ' dicitur., plane iner
mis et nudus) , als alle Philofophie
den Sinnen aufopfernd , oder der Sos
phiſte Protagoras , als alle Pbilos
pbie netend , behaupten mochten. Werde

es zehnmal Menſchensgeſchlecht genannt ,


was ſo der Dinge Form und Weren privas
tiv (ſubjektiv ) an ſich tragen , folglich alles
nur allein zur Menſchen form machen ſoll :
es hienge dennoch
dem Menſchen alles nuc
5
als Menſchen an , und man fritiſiert ſich
durch das Anþångſel des Geſchlech ts.( zum
Bebufe der Augemeinheit ) feineswegs mit ſeis
iner neuen Kritif über die alte des genanns
ten Sophiſten hinweg , welche da bieß : nav
των χρημάτων μέτρον ειναι άνθρωπον,

Styrtgart den 17. Sept. 1799 .


$. 1

W er rechnet , der denft. Aber er denkt , dine


etwas Anderes , als rein Denken ſelbſt , im Den,
ken zu befchreiben . Erſt beim Berednen ben
ichreibt er ſein Denten in einem Gegenſtande auſo
ſer demſelben ,

S.
Wer rechnet , ohne zu Berechnen , der
denkt außer dem , daß er bie Handlung ſeines
Denkens ſelbſt ausdrült , nichts , und dennoch
denkt er ; mithin beſchreibt er die Handlung fels
nes Denkens ſelbſt ſo geläutert und rein , als 1
möglich).
Anm. Wer Zahlzeichen , als Gegenſtånde
ſich vorſtellt , der rechnet nicht , ſo lange er das
Borſtellen derſelben , a 18 gewifier Gegens 1

ft & ude , nicht aufgiebt, und an ihnen die


Handlung ſeines Denkens ſelbſt , als bloßen
Vermittlern deſſelben , ( ohne ſonſt etwas zu
bedeuten) , nicht verſucht. Kant hålt Zahlen

1
für Begriffe ; fezt alſo , nach ſeinem eiger
nen Syſteme, Kategorieen und Unſchauungen
zur Möglichket eines Zahlenbegriffes vors
aus. ( Kritik der reinen Vernunft ,
2te Aufl. S. 15 u. f. w.) Iſt es möglich ?
frage ich hier nur vorlauffig. Müßten fie, nach
ſeinem eigenen Syſteme, nicht vielmehr
Ideen , - etwa besondere been in einer
: rdeen
reinen Anſchauung , oder , um eß recht zu
fagen , an Millionen , Millionen Bindfåden els
ner aprioriſden Syntheſis reyn ? Jeo
dod , ſo muß es gehen , wenn man das Deno
ten für ein Urtheilen hålt, ( Zahlenbegriffe ,
Zahlenſubjekte , Zahlenprådikate , Zahlenurthei.
le ? - Nein , Zahlenformeln I. c. Sette
105, 206 ) , und mit der reinen Vernunft,
daß beißt eben , mit dem Denken , erſt hins
tendrein kommt,

So 3o
Die abſolute Möglichkeit des Rechnen8 bes
ruht darauf , daß man Eines , als eines und
Ebendalfelbe , im Bielen unendlidymal
wiederholen kann ;
U n m. folglich nicht auf dem empirlo
fchen Gegenſcheine einer reinen Anſbauung ,
wie er fid) an den fünf Fingern zu Königde
berg ergiebt , d. C. S. 15 .
3

S. 4.
Die abſolute Möglichkeit des Denkens beruht
darauf , daß wir Eines , als Eines und Eben ,
dairelbe , im Vielen ( nicht Mannigfaltigen )
unendlichmal wiederholen tonnen .

S. 5.
Man muß dies im Vielen d. f , in der Uns
beſtimmbarkeit aller möglichen Fålle , erſt können ,
um eben deffelben auch am Mannigfaltigen ,
d. t. um (Durch das Denken ) einer Erkenntniß
fåhig zu ſeyn. Die Rüfficht auf das Erſtere ben
achtet man heutzutage zu wenig . Man iſt zu
bald , und eben deßwegen allzumannigfaltig . Man
ſynthetifirt z . B. ſogleich , um alédann alles , was
kommt , auf eine neue Urt , an der Elle , aus.
meſſen zu können .
Anm. Mannigfaltigkeit , als Mannige
faltigkeit , hebt die Fortſezung einer und
eben derſelben Wiederholung auf ; Bielbeit
ſezt fie.
S. 6.
Senes Eine iſt das Unwandelbare uns
ter allem Wandel , das , durftch ſelbſt
vollkommen Beſtimmte fowohl , als Bes
ſtimmendwerdende in der unbeſtimmbaren
Menge aller möglichen Fälle ſeines Gebrauchs ;
(Ens unum , verum , bonum f. perfectum .) Nur
A 2
erlaube man mir die Bitte , meln Elnes = A
nicht alsbald mit einem C in der Phantaſie ton.
kreszieren , mithin das Ens wenigſtens ins
zwiſchen , - das Ich für immer , hins
weg zu laſſen .

K. 7.
A , als Einheit , in A , A , A u. f. m. , mita
hin ( ichon diesfalls ) im Bielen , oder in der
Unbeſtimmbarkeit aller möglichen Fälle ſeines Ge
brauchs , unendlichinal wiederholen können , nens
nen wir alſo unſer Denken .

$. 8.
A , mit ſeiner unendlichen Wiederholbarkeit
E
auch in C lezen können , nennen wir , C durch A
begreiffen , oder erkennen.
$
Anm. Was A für das C mit ſich bringe,
ſagt der 6te s ro weit es ist hieher ges
bort , nåmlich kein Konfreszieren nach
ſeiner dort beſchriebenen Natur , ſondern ein
Beſtimmen . Jenes mag die Phantaſie thun ,
welcher wir hier gar füglich entbehren können .,
u
S. 9.

Die Begreiflichkeit des C , mithin die Mogo


lid teit einer Erkenntnte überhaupt , aus A dar.
thun , nennt man heutzutage Kritil.
5 -

Anm. Das Plus , welches in dieſer Abſicht


noch zu A erforderlich befunden wurde , reze
id = x.

S. 10.

Die grundwefentlichen Stüte ( Effentialia con


ftitutiva ) des Denkens aus der Möglichkeit dare
thun , A , als Eines , welches fich auch im Ble.
len gleich bleibt u . l. w. ( S. 6) , unendlichmal
wiederholen zu können , heißt Vernunft . lehre.
Anm. Das Plus , welches eine fogit er.
fordert , ſiehe unten . Anſtatt grund weſento
liche Stů đe , werde ich in der Folge, nicht
ohne Urſache, undertilgbare modi ſezen ,
und dieſe wieder eintheilen in den modus ge
neralis , und die modos ſpeciales ; die
vertilgbaren modos , oder bloße Affeto
tionen , aber jenen an ſeinem Orte entgegen
ſtellen.

S. 11.
!
A , bezeidnend das Eine , welches ſich
ſelbſt gleid , unwandelbar unter allem Wandel ,
und unendlichmal wiederholbar als A , das Wer
ſen unſeres Denkens ausmacht , kann nie ſich
ſelbſt ungleich , nie wandelbar unter dem Wana
del , nie nicht , wiederholbar als A , mithin A
(in dieſer Bedeutung) nie Non A werden ,
6

S. 12.
Das Denten , als Denten , leidet alfo
Teinen Qualitätsunterſchied. Entwe ,
der Denken , oder Aufhören zu denken ,
d. t. fich Widerſprechen ; ſonſt giebt es 1
im Denken , als Denten , keine Negatione
Anm. Daß dies Aufhören au Dens
ten jedesmal vom bloß unterbliebenen
Verknüpfen gewiffer Vorſtellungen in einem
.
Denken , zu verſtehen ſeyn , und das Denken ,
als Denken , nicht aufhören könne , wird
ůberflüſſig ſeyn , bier erſt beizuſezen.
Bemerkunge

Was der 12te S. auſſagt, låßt fich aud dar.


aus abnehmen , weil , was ein Gedanke , tein
Widerſpruch , revn foul , in irgend einem Kontexte
pon Vorſtellungen , im Denken rezbar reyn muß.
Folgerungen aus S. 12.

1 ) Die Negation kann niemals zu dem , was


an einem kategoriſchen Urtheile A iſt , mits
hin nte zum Eſt , als der logiſchen Kopula
eines fategoriſchen Urtheils , gezogen werden , wie
gleichwohl in allen Logiken geſchieht ; denn das
heißt das Denken in einem kategoriſchen Urthelle
für ein Nichtsdenken , d. l. für einen Widerſpruch
erklären . Die Ropula hat keinen Qualia
18t8unterſ dienos
7

Anm . Schade , daß man nicht auch in


bloßen kategoriſchen Urtheilen , wie in Schlafo
ren , öffentlich disputiert ; ſonſt wäre es einem
doch vielleidt roon eher beigegangen , man
dürfte wohl eben ſo wenig ragen können : 08
gatur copula , als : negatar conclu
fio. Dieſes belacht man ; und jenes wird ges
lehrt.

2) Die negation kann niemals zur Kopula in


einem hypothetiſchen Urtheile , d. t. zur
Konſequenz gezogen , folglich eben ſo wenig
geſagt werden : pegator confequentia , als :
negatur conclufio. Die Konſequenz hat
teinen Qualitåt& unterſchied als Kos
pula.

Anm. Ein zweytes quid pro quo aller


logiken , und zugleid, ein
offenbarer Widers
(pruch mit ihrer Behauptung , daß der Grund
feine Folge nothwendig feze ! Nid t die Folgen
rung , ( Konſequenz , als Kopula ) , kann ge. 1
läugnet werden , ſondern die Zulanglichkeit der,
im Vorderfaze liegenden , Materie ( fuffi
cientia conditionis ), um hier einen Grund
im Denken auszuweiffen , ( um ſich zur Ropula
für dieſe Materte , um ſich zu einem So zu
qualifizteren ). Ferner bleibt A auch hier A ,
die Materie mag nun in modum ponentem
8

oder tollentem einſchlagen . In benden fål


len bleibt die Kopula inalterabel , und leidet
teinen Qualität unterſchied . Daß von hypos
thetiſchen Urtheilen , als folden , nie geſagt
werden könne , fie leyen bejahend oder verneio
1 nend , daß folglich bei thnen , als hypothes
tir , aller Qualitätßunterſchied hinwegfalle ,
behauptet auch Ma a B ( in ſeinem Grundo
riße der fogtt S. 143 ) ; allein er ſucht
den Grund hievon nicht da , wo er ift , in der
Unverånderlich leit der Kopula ; fon .
dern vielmehr barinn , weil in keinem hypothes
tiſchen Urtheile das Verhältniß eines Prädikats
zum Subjekte gedacht werde. Was möchte
aber denn ſonſt darinn gedacht werden fo na
nen ? - Ranten anbelangend , lo hat er
[ chon durch die Eröfnung ſeiner Kategorieenta .
fel mit der togirden Quantität , eben nicht
viel Erſpriebliches für die Logik verſprochen .
Håtte er mit der Qualitåt begonnen , lo
würde er doch etwa noch Bekanntſchaft mit der
Natur des Objekts verrathen haben ; denn dies
bringt, erſt einen Qualitätsunterſchied mit fic .
Uber einen Quantitats unterſchieb , im
bisher üblichen fogirden Sinne des Worts,
kennt weder das Denken , a18 Denten , noch
das Objekt , als objekt ; und mit dem
Quantitätsunterſchied , im bisher üblie

i
9

dhen logiſchen Sinn des Worts , beginnt


gleichwohl bei Kant - die Lafel unſerer
Dentformen

3 ) Die Negation fann niemals zur Kopula


in einem disjunctiven Urtheile , d. . zur
Disjunction ſelbſt , in fo ferne fie durch ein
Denken möglich wird , (zum A , zum Geo
danken im Entweder , oder , als Gedanken )
gezogen werden . Die Disjunktion hat fels
aen Qualitåtsunterſchied als Kropula.

Anm. Auch die Kantianer låugnen ,


daß die disjunctiven Urtheile eine andere Quan
Ittåt haben können , als die bejahende;
( gleich als ob im Denken , al8 Denten ,
ſchon eine Bejahung möglich ware) , wien
wohl ſie ihre Behauptung ebenfalls durch ein
vitium non caufae pro caufa beweißen . Der
Grund liegt nicht in dem Erſchöpfenden der
Merkmale , als Merkmale. Wie können
Merkmale , als Merfmale , nad ber Ran .
tianer eigenen Grundſåzen je erſchöpfend
werden , man ftelle fie unter einem Entes
der , oder , oder , wie es einem beliebt,
zuſammen . Der Grund , ( nicht blos bie con
ditio , fine qua don ) liegt vielmehr in dem ,
was am Entweder s oder , blos Ged ano .
te, kopula , - reines Bernunftwert
10

ift , möchte man in threr Sprache fagen ; mite


hin tft da eigentlich an gar keine Mog.
lichkeit eines Dualitats unterſchieds,
Tohlechthin an feine Qualitåt , zu ges
denken , was auch M a af bemerkt ; jedoch ,
wie nicht anders ſeyn konnte , immer noch per
ſubſtitutionem falfi medii (Seite 154) .

4 ) Die Negation kann niemals zur Kopula


in einem Vernunftſd) Iuße , 0. l. zur
Konkluſion ( zum A110 , Ergo , als dem A
in einem Bernunftſchluße ) gezogen werden. Dies
geſtand man ſich långſt ( vel quali tacite) ein .
uber , Wo findet man das Warum ? erörtert.
Es gehörte zu den logiſchen Geheimniſſen : Die
Stonkluſion hat keinen Qualitåtsunter.
ſchied als Kopula.

Un'n. Die Frage iſt natürlich , und man


tann daher ihre Beantwortung fordern : wie es
komme , daß man hier ſchon ſo frühe das Neo
gleren (d. t. Zernichten ) der Kopula får bero
nunftwidrig anſah ( nicht einſah ) ? Antwort :
weil unter allen modis des Denfens ein Soluß
die meiſte Materie konnectiert ; und man folge
• lich der Nebenwerker von Materie , worlun
man ſich als großer.Logiker herumtummilen
konnte , ſo viel hatte , daß das Ergo , mithin
die Form eines Solußes als Solußes , in ſo
IT

fern ein Denken dabei iſt, zu ihrem Grufe nicht


in Betradit fam ; ſondern , wer fich mit ſeinen
Dppoſitionen auch vollends an das Ergo hátte
wagen roden , vermoge einer dumpfen Empfino
dung des Uebelſtandes , die man ihm ſelbſt
ſchon als einem Vernunftwefen anſinnen
zu müſſen alaubte , geradezu ausgelacht worden
wåre. Man erinnere rid) nur , was einein die
figuren der Schlüße allein ſchon für Unterhals
tung geben konnten , ehe Kant ſie zermalte.
5 ) Was an einem Begriffe bloß gedacht
ift , das iſt feine unendlidmalige Wiederholbarfelt
als A , welche jedes Non - A in der Wiedero
bolung ausſchließt , feine Kopula . Was an ele
nem Begriffe bloß gedacht iſt , fann nie negiert
werden , ohne ihn als Gedanken zu zernichten d .
I. ohne Widerſpruch . Ein Begriff , als Ges
danke , leidet feinen Qualitätsunterſchied.
Anm . Es ift , ohne mein Erinnern , klar ,
daß hier die Kopula von Num. I , die tate.
gorilce Kopula , gemeynt iſt; und daß wir
es folglich nur mit vier Nummern zu thun
haben ; die fünfte iſt bloß ein opus fuperero
gationis für ſolche , welche ſich an der erſten
möchten geſtoßen haben , und für die ich hier
noch beiſeze , daß das Gedachte an einem
kategoriſchen Urtheile und das Gedad te an
einem Begriffe vollkommen eines iſt.
12

Folgen td er , a us S. 12 gezogenen Fola


gerungen .

a) In Deuken , als Denken , tft es volle


kommen eine ; ob , Eft bonus , Eft non bonus ,
oder Nan- homo eft ; ob , Er iſt . Er war , oder
Er wird ſeyn ; Er iſt nicht , Er war nicht , oder
Er wird nicht ſeyn , darinn vorgeſtellt werden ſoll.
Dies erhelt , (um die Bemerkung zum 12. S. an.
ders zu berdeutſchen ) auch daraus , weil das Eine
A
in das Undere übergehen zu laffen , die Umſtånde
gebiethen können . Nur über das vermogen Um
ſtånde nichts , das in der , durdys Denken , als
Denken , gerezten unendlichmaligen Wiederhol.
barkeit des Bonus , des Non - bonus , oder Non
homo , U. P. W. fich) , durch eine veränderte fage
der Dinge , auch eine Nichtwiederholung einidoleia
den dürfte.

A n m . En bem : Er tft nicht, u . f. m.


wird man ſagen , iſt ja die Negation doch zur
Kopula gezogen ; denn wo foll man ſonſt damit
+42
hin ? - 3d bitte um kleine Gedult , und erine
nere vorläufig , ficb bloß an das Deutſche: Er
iſt nicht zu halten, woran die Segung eines
Etwas e ben dadurd , daß man ſeine bloße
3
fzige Abweſenhett bezeichnet, auffallender feyn
dürfte , als an dem non eft . Mon gewinnt
ſchon viel , wenn man ſich an die Deutide
13

Sprade hält , wie unſere Urvåter fie uns


ůberlieferten ; dies beweißt unter andern das
Wort Begriff, das , ſo viel ich weiß , unter
Europas gebildeten wsikern wir allein den Ros
mern nicht entwendet haben ; Römiſch hieße es
complexio. Les langues font le miroir
de l'ésprit humain , Leibniz.

b) Was bisher in den logiken für das Unbes 1


deutendſte in einein kategoriſden Urtheile angeſes
ben wurde , womit man das ja oder Nein rad
Belieben treiben zu können glaubte , und was als
Gedanke ( denn als Midtgedanken wollte man
doch gewiß die Fopula nicht nehmen , oder dod) ? )
- mithin al8 bloßer Gedante , idon dhe
Möglichkeit eines ja oder Nein audichloß ,
die Kopula -- war gerade das Denien ſelbſt,
wie man tzt ſpricht, die Reine Vernunft.
In der Negation der Kopula yåtte alſo bisher je
der logiker fich und anderen die Reine Vers
nunft negiert ; ( Rieſewettere Rompendio
um einer allgemeinen logik nach Rantis
rchen Grundſåjen S. 47 , S. 106 , anderer zu
geſchwelgen ).

Anm . Durdy Kantifde . Grundſåge wäre


die gegebente Biofſe glüklid maaftert worden ,
Wie ſo ? Antwort : weil ihr Bedürfntß einer
gar Iran & cendentalen Logil , welcbe
7
14

ein Mannigfaltiges der Sinnlichkeit fibon a prio


1 ri vor fich liegen hat , ( bequemt ! ) Kritik -der
R. B. 2te Ausg. S. 102. – die Erneurung
des Unterſchieds zwiſchen Endliden und Unto
endlid en Urtheilen wiederum poftulierte (Ebend .
is!
. $.97) ; mithin die Beztehung der Negation
entweder auf die Kopula in negat la
Den Urtheilen , oder auf das Pråditat in Une
8 endlichen bejahenden Urtheilen, dadurch neuer,
dings fanctiontrte.

c) Gede Ropula ( Num . 1 - 4) brúkt einen


modus ſpecialis des Denkens ſelbſt aus ; mito
bin iſt auch die Pategoriíce Ropula das Forg .
2 melle ( Gedachte ) eines kategoriſchen Urtheile ;
Subjekt und Prådikat ſind als Begriffe, wie man's
bißber verſtand, das Materielle. ( Man uitheile
demnach , wie rein unſere bisherigen Reinen
Logiken waren).

Einſchránkung deß , unter Num . c ges


ragten , nach Reſultaten , deren Uns
führung nod niot bieber
gehört.

Es bleibt dabei , daß jede Sopula (14)


einen modus ſpecialis des Denkend ſelbſt aus ,
brûkt. Allein die zwey Erſten darunter , die Ka .
tegoriſche (A in A ) , und die Konſequenz
15

( A buro A) gehören dem Denfen als Denfen,


ohne Anwendung des A auf B und Non B einer
Erkenntniß , an , ( fie find reine modi). Die
zwey lezten hingegen ſind Wiederholungen der bey,
den erſten an der , das Denken als Denten
durch ihre Duplicitår nicht alterierenden , jwe na
theiligen Natur eines Objekts in der Erkennt,
niß , als B 'und Non B.
Aum . Ich merke , das ich don mit dies
ſem lezten da etwas geſagt habe , was ich viele
leicht noch nicht håtte lagen ſollen . Aber es
ift fower , es zu vermeiden , und dadurch daß
man es berührt , dennoch die Verſtåndlichkeit
ſeines Vortragø , ſo lange man daſſelbe noch
nicht erklären kann , nicht zu ſtören. Man ler
ge alſo died B und Non - B jede @ mal , ' wo
ſeine Herbetrufung im gegenw.irtigen Konterte
unvermeidlich tít, wieder bei Seite,' und barre
aug , ſo lange es reyn muß , belm ewigen
Strohme ded , in A wte burd ) A unendlids
mal wiederholbaren A als A , bis er von ſelbſt
über die zwestheilige Katarafte von B und
Non B , ins Leben hinſtürzen wird. SO
muß mid zerſtreuen , und gerathe an die
Löſung eines Råthfeld für Liebhaber etuer ( pes
kulativen Kurzweil. Die Frage kommt nåmlido
hier wiederum ganz natürlich zurút : wie es zur
gegangen ſeyn möchte, 1 ) daß man zuerft Dein
16

Ergo angeſehen , es laffe fide nicht megteren ?


Uuf dies iſt die Antwort ſchon gegeben : weil
Ihm die metſteMaterie im Denken anhångt ;
(io muß ich mid tzt noch ausdrüfen , bis es
berdeutſcht werden kann) ; 2) wie es zugegans
gen fenn möchte , daß man dies aledann auch
der Diöjunction in dibjunctiven Urtheilen auſas
he ? Antwort , weil aud die Dlejunction node
wie der Schluß zu den vermird ten modis
des Denkens gehört : Kantianer ; 3) wie es
zugegangen feyn möchte , daß man dies endlic
auch dem einen reinen modus des Denkens
anſahe ? hier habe ich nichts zu thun , als den INC
Namen Maaß zu nennen ; wiewohl auch von
ihm die Konſequens noch nicht in ihrer nöthigen
Reinheit (Ohne Hypotheſis ) gedacht werden
konnte.: 4 ) Ob es denn niemand beigefallen
14
Tere, den fogikern wegen ihrer unlogijden Vor .
ftellungen von dem anderen reinen modus des
Denkens , vom formellen eines kategoriſchen
11
Urtheils , einen Vorwurf zu machen ? Antwort :
IND
Kant machte ihnen einen Vorwurf darüber
(Kritit der reinen Vernunft S. 140, 141). Als
lein es gieng ihm babel , wie es bei einer Dp .
pofittou gegen das Ergo von jeher gegangen
ſeyn würde. Er wundert ſich , flagt fie eines
Fehlers an , hilft aber nicht , fondern macht
quo Uebel årger , und mußte , vermöge der
Orun da
- 17

Grandanlage Peiner Kritil , nicht nur


das Uebel árger , ſondern für Rechtglaubige
den Schaden unheilbar machen. Die fo ? -
Weil er , vermoge der Grundanlage
ſeiner pririt , den Menſchen durch Rates
gorieen hindurch erſt zur reinen Vernunft führt,
das heißt , ihn zuerſt erkennen und uro
theilen , alsdann erſt denken lågt.

Kurze Zuſammenztebung des Res


fultat 8 aus S. 12 .

Berſteht man unter Logtid , wie bisher in


allen Logiken und in den reinen insbeſondere
geſchabe, das Formelle des Denkens ſelbſt,
unſer Vernunftwert (= A) an jedem Beso
griffe : fo giebt es ſchlechterdings keine logiſche
Negation auſſer dem Widerſpruche, d. t. dem
Nicht denken , Das Non möchte auch bertom .
men , wo es wollte : ſo kann im Denken , als
Denken , kein Qualitåtsunterſchied , mithin kein
Non , tein ja oder Nein ftatt finden ,

Erlå uterung.
Ein Imperatio , und dies iſt das g a no
Zé (nicht nur das halbe praktiſche) , unter
dem Identitårsgereze begriffene, Deno
ten (A rey enig = A) , kann nie Nicht, impes
rativ werden , er mag in Rütficht auf ein Dbo
8
1

1 18

jekt gebiethen oder verbiethen. Dies erkennt man


Doch wohl ; aber dachte man auch ſchon daran ?
Und hat den Imperativ des Einmal Eins
gelernt ? -

Un wendung des Geſagten auf alle fos


giken , und auf die Kaạtiſche frio
tit in fpecie.

fogiſch heißt alſo , nach allen Logiken , das


formelle des Denkens ſelbſt, und den.
noch roll , nach allen logiken , eine Logiſche Rea.
Ittåt (mithin ein Gedanke) nur durch ihre ( dodo
wohl auch logiſche) Negation (durch einen Nichts
gedanten ) aufgehoben werden können , aber das
bet immer noch ein Gedante bleiben ?
- Allerdings ; denn die Kritit , die Sonne,
wie ein Recenſent fido ausdrůdte , für die Philo
fophie aller Jahrhunderte , hat ja ſo gar eine
Dentform (Kategorie) der Negation ento
dekt , um ſich Jahrhunderte hindurch auch an dies
fer zu erquifen. Wohl bekomm es jedem Lichte
bedürftigen , welcher durch Negationen und Limia
tatlonen , als feine Denkformen , denten kann .
Dies kommt heraus dabei , wenn man das Iden .
titåtsgeſez (mithin A oder das Denken in jedem
Urtheile) - ſelbſt für ein Urtheil hålt ; warum
nicht auch vollends für ein ſynthetiſches ?
19

Mit dem Knoten der Aprioritåt verſehen , blelt


es ja alsdann so feſt wie ein analytiſce8.

Gelegenheitlich ein paar Worte über


die Entdetung der Kritit unter dem
Namen Einer aprior tiden Sy 11.

4 theſts ; das Wettere kommt


nach .

Wer ſynthetiſche Urtbelle a priori annimmt ,


der legt ſchon Urtheile in das Denken , als Den.
ten felbft hinein . Wals hierauf zu halten reye,
mag vorlåufig unſer Deutſches Wort Urtbeit
( quafi diviſio primaria Objecti) ankünden .

Wer ſynthetiſche Urthelle a priori annimmt ,


der nimmt , neben dem Identitätsgeſeze, das er
für analytiſd zu erkennen , und allem Denken ,
wiewohl ſchon als ein Urtheil, vorzulegen , ( tacite )
nicht aufgiebt , (denn er fanns nidot) noch etwas
Nicht-analytiſches im Denken als Denken an , ér
nimmt apch etwas Nicht-analytiſches , fage fch,
an , welches nun entweder unter die Analyfis
des Denkens (A unendlichmal wiederholbar als A )
dennoch erſt gelezt werden muß , mithin an fic
noch fein Denken ift , oder das eben to , wie es
ichon ſynthettfd von ſelbſt zuſammenwuchs , auch
unabhängig von A (als ein B , C , D , E u. P.
w.) ſeine Analyſis in ſich hat , folglich nimmt
B2
er an ein Denken als ein Bbenken , und dann
wieder ein Denken als ein Coenten , und ſo fort
das ganze ſynthetiſche Ulphabet bindurch .
Was dies für neue Poſtulate fenen , erinnert das
Gerez des Widerſpruchs.
Wer mit dem Identitätsgeſeze alſo verfährt,
der ſchneidet der Philoſophie ( aus Kritiſcher Deo
fperation, wie Reinhold durch ſeine Willkühr ? )
den Kopf ab , um alsdann mit einem originel
ſpaßhaften, ſchopferiſchen , d . I. ausfoließend
Kantiid en Wize (daher auch nur ihm al
lein das Geſchäft gut fteht ) , ftatt des abges A:
ſchnittenen , bloß nebenber wieder zur Hand geo
nommenen , Kopfes , eine Menge apriorfſcher Kno ,
ten hinmachen zu können , deren jeglider nur
ein Stůt des Rumpfes zur hohen Einheit mit
fich ( o. t. eigentlich allein mit demjenigen , wele
der die Knoten macht und nachmacht ) , zu ber
fördern hat , und die daher das Ganze in ein 6
höchſt Mannigfaltiges unndthiger Stükchen zer ,
faſern laſſen , folglich fich den Rathedern u. F. W.
als Surrogat der ausgeſtåupten Metaphyſit une
gemein empfehlen . Der Königsberger
tennt ſeine Nation ; denn er iſt ein vortreflicher
Empiriter , daher ein brillanter Urtbetler
(weiß allem einen Stil zu drehen , wie man bet
uns jene Syntheſisarbeit ausdrüfen möchte ).
Uber wie ſoll man euch alsdann nennen , Leibe
21

nts , Wolff , Bilfinger , Baumgarten ,


Mendelſohn , Eberhard, Sow ab , Maaß
u . r. w. ? - Nur Analyſten , weil ihr keine
Synthetiker im aprioriſchen genus rend ?
Nein , Denker. Das Weitere kommt nach .

Probe über den 12ten S.

Man reze zwey Nullen zuſammen ohne ein


vorange dittes Eins , und ſie bedeuten nichts.
Man böre einen aus der großen Nation der
neuen Römer ſein Non , Non abgerezt aus ,
(prechen , und er verdoppelt dadurch bloß ſei,
ne Perneinung. Wenn aber Non Non in
einem Gedanken als Gedanken . B. in ets
nem Prädikate als Gedanken (nicht als Ber
griff ) verknüpft , mithin zur Ropula cines Bes
griffes oder zur kategoriſchen Kopula ( Nuni . I
und 5 ) gezogen werden fol!: To bemerken die

Grammatifer , es verdopple reine Beo


ja hung . Es ſezt wenigſtens. Sonderbar ; uur
eben für eine Fakultåt zu gemein . Selbſt lo
lange einem die Transzendentale Spule noch
leer lief , batte man ſich zu viel in den wichtigen
Artifeln der Converſion und Contrapoſition eines
Sazes u. . w . umzutreiben , als daß man ſich
mit derlen Kleinigkeiten in einem , etwa von
Grammaticis eingeholten , philoſophiſchen Beden ,
ken , fakultätsmaßig håtte abgeben können . Dhe
22

ne , wie Wieland's Kanzler , auf jede Frage


etne Antwort zu wiſſen , mochte es aud) , bet
wirklich erfolgter Herablaffung zu einem Refcri
batur , ſchwer gefallen feyn , die Dabia Gramma
ticorum zu Ibſen , nachdem einmal die popula
geläugnet , und durch die Kritit das Negieren zu
einer eigenen Denkform vollends erhoben worden
war. Scribatur itaque Logicis ;

ein , am Denten ſelbſt gemachter ,


Berſud , e $ , nach Art des , im Deni
b
ken vorgeſtellten , auch in ſeiner
SE
eigenen Qualitåt ju dupliciereti,
ſezt wieder ſchlechthin , was bor.
ber gelegt worden , dupliciert folg.
Itch nicht; fondern macht nur (in eie
nem Urthetle) die Probe darüber , daß RE
A unendlich mal wiederholbar als
Ą , ohne das Denken ſelbſt aufzus
geben , nidt eben ſo aud Non A
werden Ponne , wie B in der Vorſtele
lung allerdings a ud Non B wer .
Den kann ; (In welchem Sinn dies leztere,
fiehe unten ! ) HE

Die nächſte Probe darüber , mithin über das


Geſez der Identitåt , iſt der Sag des Widerſpru .
des ſelbſt , in welchem bas Denken ſo ganz ele
gentlig fick ſein eigenes Weſen ( A unendlichmal
C 23

wiederholbar als A) zum Gegenſtande eines Uro


theils aufgtebt, welches dann fo ausfallen muß :

A unendlichmal wiederholbar als A , ſchließt


alles Non - A in der Wiederholung aus ;
( logiſche Negation , wenn unter fogiſch
wie bisher das Formelle des Denkens ſelbſt
verſtanden wird , iſt ein Widerſprud))

In allen Såzen nun , welde lauten wie B


non eſt non - B , oder Nullus doctus eft non
doctus macht man an jedem beliebigen G co
genſtande dieſelbe Probe , daß ein , in B eing
mal geſeztes A , durd keinen Verſuch einer vom
Objecte B auch auf A (den Gedanken ) überge.
tragenen Verneinung , in ſeiner Dualttåt fich dus
plicieren , oder überhaupt auf irgend eine Weiße
alterieren laſſe.

Berdolu B de 12. S.
Sollte man vermuthen , daß fogiker das
Identitåtsgeſez erſt aus dem Saze des Wider'.
ſpruchs håtten folgern , mithin das Ausſchliere
fen hatten vorher verſuchen können , ehe noch ets
was gerezt war ? Sie konnten es ; denn ſie than
ten's , man ſehe die neueſten Logiken alle. Der
Grund ? — well die Sonne mit einem Blog
negativen Kriterium aller Wahrheit
das heißt mit einer Sonnenfinſterniß , aufgegans
24

gen war. Man ſehe ipfiffima verba der Stritil


der Reinen Bernunft S. 190 . eines
oid
$. 13+

Das Denten , als Denten , leidet


9
Aber auch feinen Quantitársunter,
gan
ried ; rondern iſt allemal A , unendo
dru
Iich mal wiederholbar alb A in allen
ne
meglichen fållen feines Gebrauds ,
lid
mithin all gemein im ftreng ft en Sino
ne mitUusidhließung der Möglichkeit
Des Gegentheil 8.
BRE
Bemerkung.
Dies erhellt auch daraus , well kein Sedan , 31
He als Gedanke einen Quantitåtsunterſchied fibi

zuläßt. Man nehme das Ergo. inte

Folgerungen.
Der
I) Da ein Omne das Gegentheil von rich ,
als einem Omne , in einem Nullus , Quidam
und Hic gar wohl vorſtellen låßt : fo würde die
Sezung des Denkens in ein Ompe- denken eben
ſowohl , wie die Sezung beffelben in ein Belons
ber- oder Einzeln denken , das Denter ſelbſt zu
einem Nicht, denken machen .

2) Was an dem Begriffe hic homo eigento


lld gedacht iſt , das muß eben ſowohl unendlich
:

25

mal wiederholbar reyn in allen möglichen Fåflent


ſeines (Sebrauchs , als was an dem Begriffe
quidam homines , oder omnes homines , els

gentlich gedacht iſte

Anm. Es iſt mir ſchon etlichemal belges


gangen , man könnte ſich ſtoßen an dem Vus .
drufe : in allen möglichen Fållen Pete
nes Gebraud 8. 28as ſoll da $ : Mog.
Iid : hier wird ein Kritiker entgegnen . 4.
lein man årgere lich nicht zu frühe; es wäre
vergeblich : denn , warum důrft' ich's nicht lan
gen ? - Ich ſehe bereits bin aus,

3) Das Omnes , Quidam , Hic , låßt


fich demnach , als Bezeichnung eines Quantitåts . 1
unterſchieds , durchaus nicht im Denken , als
Denken , fuchen . Es kann fein modus des
Denfens , al 8 Denten 8 , fern , wie die Ros
pula im kategoriſen Urthelle , und in der

Konſequenza

4) Im Denken , al 8 Denken , tft Omnes,


Quidam , Hic , vielmehr ganz eins. Man
kann ſo gar auf eber denſelben Gegenſtand , je
nachdem es die Umſtånde gebtethen , eben daffelo:
be Denten in einem Omne , Quoddam oder
)
Hoc , anwenden müſſen . Die Einſdrånkung
oder Erweiterung dabet ift nicht durch eine Bers
26

ånderung des Denkend , al 8 Dentens , möge


lich ; dies wäre ein Nicht mehr , denken , folglich
ein Widerſpruch . Sie kann alſo auch nicht durch
Denken raon im Denken beſtimmt feyn , wie die
modi der Kopula . Sie kann nicht durch das
Objekt , als objekt , im Denken beſtimmt AN

reyn ; Objekt , als object , hat ſelbſt keinen


Quantitåtsunterſchied . Sie muß demnach eine
bloße Wiederholung deſſelben Denkens' ( ſamt dem
Weſen ſeiner unendlichmaligen Wiederholbarkeit
als A ) nach vorliegenden R eyhen der
Úffociation in der Einbildung ( nicht
Phantaſie ) reyn , die nun das einemal ein Qui
dam , als Zeichen ihres tzigen Aggregats in der 2
Einbildung , dann ein Omnes , als ein Zeicheu
zu gleicher Abſicht, dann ein Hic verlaugen ,
Hier mußt' id zum erſtenmal zu unſerer Hino
einbildung in die Welt ( tanquam infor
mationes noftras in mundum ) meine Zuflucht
r
nehmen , um dem Denken meiner Leſer ſelbſt eta
me , hier nöthige , und für die reine Wiederauf.
nahme des A , als A , in der Folge doch nicht
dådliche , Unterlage zu verſchaffen .
5) Im Denken , als Denken , find nicht
nur allgemeine und einzelne , wle man
bisher annahm , ſondern auch alle besondere
kategoriſche Urthetle einander vollkommen gleich ;
denn im Denten , als Denfen können fie keinen
27

QuantitåtBunterſchied haben ; dieſer Unterſchied


módyte auch berkommen wo er wollte : lo tann
er weder im Denken , noch in der Vorſtellung ei. 1
nes Objekts , als Objekts liegen ; indem das lez.
tere zwar die Möglichkeit eines Dualit åtde
aber keineswegs einen Quantitat8unters
fied (als Objekt) in ſeine Vorſtellbarkeit (im
?
Denken) mitbringt.
Anm. Hieraus ergiebt fid , was darauf
zu halren war , wenn man den Ruantitåtdun .
terſchied in den bisherigen Logiken ( Salob
3 Uuft. S. 52 , 53) auch ſo gar ſchon auf den
Umfang der Begriffe , als Begriffe , (ob .
• ne daß fie gerade bereits in einem Urtheile
verbunden waren) anwandte , und ſie in dies
ſer Hinſicht in allgemeine und beſondere
· zulezt mit der gehörigen Weiflung , was Une
logiſch daran reye , auch vollends in einzelne
( individuelle ib. S. 119. ) einthellte. Aierea
wettern ahndete nichts gutes bei dieſer Quan .
titåtstaration eines Dbjekts , als Objekts oder
gar eines Denkens als Denkens ; denn ſonſt
wüßt id) nicht was fich Logiích ( folglto
von eigentlichem Gedankenwerte , wie
man bisher das fogtrobe verſtand ) , an ela
nem Begriffe unterſcheiden ließ ; ( Compendium
einer allgemeinen Logit S. 22 , 23 ). Er ſagt
daher zuerſt nur : ufon ft theilte man die
28

4
Begriffe ihrem Umfangen ad in alls
gemeine , beſondere und einzelne, "
proteſtiert alsdann gegen die Eintheilung, aber
anſtatt dieſen Wint weiter zu verfolgen , ſpringt
er endlich von der Sace , welche hier allein
in Frage geſtellt fern konnte ; ob nämlich ein
Begriff, an und für ſich und außer e lo
ne in Urtheile betrachtet , einen Duanti
tårsunterſchied zulaffe , plázlich ab , und entdeft,
Daß man denn doch den einen Begriff einen
allgemeinen , den anderen einen beſona
deren nennen könnte , wenn man ſie in Rükr
ficht auf ihre Sphären mit einander vergleio
den wolle , das heißt , wenn man ihre Sphae
ren in einem Urtheile gegen einander bal.
te , folglich aufhöre , jeden derſelben al 8 ets
nen Begriff an und für ſich zu betrach .
ten. Getroffen ; denn hievon war ja gerade
die Rede ; nicht wahr ? Nein , derin ich ſchla .
/
* ge einige Blätter um , und finde S. 34 , bei
Kieſewettern ſelbſt , daß das eigentlich erft
In ſeine Lehre von der Relation der Begriffe
unter fich , mithin nicht zur Quantitåt eines
Begriffes , als Begriffes , gehört håtte ;
fiude auch , daß da der allgemeinen und
beſonderen Begriffe ſo fort, nicht mehr ger
dacht , ſondern der Pusbruk hobere und nic.
derere Begriffe , berkommlichermaffen wieder
29

dafür eingeſezt wird. Hiemit waren wir alſo


wiederum , wo wir waren , nåmlich bei der
Frage : giebts denn keinen Quantitåtsunterſchied
an einem Begriffe, an und für ſid , und
a ußer einem Urtheile betrachtet ,
und in wie ferne giebt es feinen ? Es
glebt in ro ferne Peinen , als es keinen geben
kann , alſo 1 ) in ro ferne jeber Begriff
ein Gedante ſeyn , 2 ) in ſo ferne in jea
dem Begriffe ein Objeft als Obiekt voro
geſtellt werden muß , ein Objekt als Objekt
aber feinen Quantitätsunterſchied zuläßt. Was
demnach in einem Begriffe an und für ſich
betrachtet ( vielleicht bei einigen nicht genug
abſtraktionsfähigen Köpfen ) noch logiſcher
QuantitåtBunterſchied ſcheinen möchte , davon
darf man ſicher ſeyn , daß es weder zum Vero
nunftwerke noch zur Vorſtellung eined Objekts
als Objekts in dieſem Begriffe , ſondern ſchlechte
hin zu ſeiner Materiatur gehöre. Dieſe
Materiatur nun ( die Rüfſicht auf das Sinnen .
werk ) iſt ja nach allen Logiken etwas unlogte
ſces ; folglich iſt , nach allen fogiten , thre eie
gene Eintheilung der Begriffe , in allgemeine ,
beſondere, einzelne , unlogiſch ; und iſt es die
der Begriffe , ſo iſt es auch die der Urtheile ;
lezteres verſteht ſich , wie mich deudt , von
ſelbſt ; indem par ratio von Num. 1 , 2 , bet
30

den Urtheilen , wie bei den Begriffen eintritt.


Warum wollte aber fatob nur an den
Einzelnen Begriffen etwas dergleichen růs
gen ? Warum macht Kieſewetter das , was
man gewöhnlich für einzelne Begriffe ausgiebt
3. B. die Nomina propria , gar vollends bloß
zu zeiden für die Vorſtellungen einzelner
Gegenſtånde ( Unſchauungen ) ? S. 22 1. c .
Dtes nöthiget mich ſelbſt ins Einzelne zu ges
hen. - Mit 3 eid ett für die Vorftels
lungen fiengen wir alſo unſere Vorſtellungen
an bel Kieſewetter ; denn wir fangen doch
wohl mit dem Einzelnen , und nidyt mit dem
utgemeinen , in unſeren Porſtellungen an ? -
Mit etwas Unlogiſchem oder Halblogtſchem
fiengen wir bei Salob an ; denn ein indible
dueller Begriff gehört zwar logiſch zu den all.
gemeinen ( wie jedes Einzelne Urtheil logiſch
zu den Algemeinen gehört) , ſo ſteht es überall,
(nur bei Rieſewetter nicht , vielleicht durch
einen Drukfehler ? S. 56) , geſchrieben ; aber
ed hångt thm , als individuel , doch auch
etwas Unlogiſches, nåmlich ein eigenthümliches
Merkmal eines einzelnen Gegenſtandes oder eio
nes Fdividuums , an , ſo ſteht bei Farob geo
ſchrieben 1. c. Ich weiß nidt , bin ich
blind , oder iſt'b , hier wie dort , noch nie Dag
geworden ? Wie wär ' es daher , wenn wir
31

Menſchen ( nicht wir Logiter ) , uns Menſchen


doch auch einmal mit dem Denken anfangen
ließen , die Kategorieen ber ullheit u..m.
hactenus in Ehren ? - Es iſt alſo einmal
ein Denken = A da , und ſoll nun meinetwe.
gen auch einmal ein Finnlicher Stoff = C da
ſeyn . Dieſe Materiatur ( = C ) muß , a 18
Materiatur , durch Denken im Denken
/ zernichtet werden , ſonſt wird fein Gedanke bar.
aus. Ein nomen proprium tft ein Gedanke ,
wie ein nomen nonproprium ; folglich wird
eß durch denſelbigen Proceß , wie ein jeder Beo
griff , zu einem Gedanken , das heißt nicht
bloß zu einem Zeichen für Vorftellung
gen (wobei Kieſewettern , nadh neuefter
Deutſcher Sitte , das Denken im Denfen aus.
1 gteng ) , ſondern , wie geſagt , zu einem wab,
ren , vollkommenen Gedanken gemacht werden
müſſen , für welchen nun die wirklichen Fål.
le feines Gebrauchs durch jene , thm vorange,
gangene , Unſchauung beſtimmt ſind. Dieß der
durchgängige Proceß bei allem , was in einem
( Menſchen denken vorgeſtellt werden ſoll!
Da giebt es alſo kein allgemeines , kein beſons
V
deres und kein einzelnes Gedankens und Dbs
jektsweſen . Gedacht tft gedact ; Objekt iſt Db.
jelt. Aber ich fagte: die wirklichen Fälle reis
nes Gebraucs legen jenem nomen proprium
32

durch die , thm vorangegangene , Anſchauung


beſtimmt. Wie ? wenn nun bei uns Menſchen ,
nach unſerer generiſmen Art der Welteinbil.
dung , in einer Anſchauung auch ſchon meh.
rere Auſchauungen beſtimmt ſeyn könnten , je
nachdem noch etwas von auſſen , die nöthige
gute Gelegenheit , darzu kåme ? Kürzer , und
vielleicht deutlicher , wie ? wenn nun wir Men.
ſchen , nach unſerer generiſchen Art der Welte
etnbildung , mit einer gehabten Unſchauung bet E
Gelegenheit das Multiplicieren verſtån.
den ? Alsdann dürfte in ſolchen Fällen , wo die
Multiplikation durch einen vorliegenden Stoff
geſtattet wird , die Materiatur , als Materias
tur , durchs Denken im Denten eben ein.
mal zernichtet werden , und ſie wäre in fol.
chen Fällen für allemal gernichtet. Dies ließ
ich mir einen Begriff nennen ; : ein ſolcher
Begriff wåre aber alsdann für A , was ein
nomen proprium für daſſelbe iſt , und ein no
men proprium wäre für A , was ein Begriff
får daffelbe ift. So hat es Jatob doch wohl
gemeynt , wenn er , nach Logiſdem Herkoms
men , und wie ich daher glaube , ohne Druk,
fehler , ſagte I. c. , ein individueller B es
griff gebore zu den allgemeinen .
Aber , wenn Jakob ſich dann an dem eigena
thümlichen Merkmale des individuellen Begriffs,
33

alb etwas unlogiſchem , dennoch ftdet: ſo tonnte


ihm , bermoge aller bisherigen Logiken nie , und
vermoge der Kritik , am alerwenigften beigen
hen , daß ein Begriff eine ganze Complexion
wahrhaft ſinnlicher , und daber auch finnlich
bleibender Merkmale , folglich logird , d. l.
wie's bisher gemeynt war , får das De ne
ten ſelbft , mit einer Unſchauung ( beffer :
Gewahrnehmung) ganz eines Pene. Die
Långe der Rethe , in welcher fidh A auf eine
mal wiederholen låßt, thut nichts zur Sache.
Wil man es noch weiter treiben , lo tann man
ſagen , die ( nicht logiſch , wie man es bisher
verſtand ) ſondern ihrer Materiatur nad
einzelnen Begriffe, f. B. die berühmten No
mina Propria fant und flerewetter ,
find reinere Gedanken , als der allgemeine Bes
griff Menfco ( genus humanum ) , reiner
find ite , nicht durch einen Widerſpruch mit
einem A ewig gleich A ; ſondern well wes
niger Matertatur durchs Denken im Denten
bei threr Borſtellung zernichtet werden darf ,
als bei einer Vorſtellung des ganzen menſchlis
den Geſchlechts im Denken. Die ( nidot for
glich , wie man es immer verſtand ) ſondern ih.
rer Materiatur nach beſonderen Beo
griffe find entweder eine mit der Welteinbilo
Đang ) , finnliden Complexion eines gewiſſen
34

au in der Borſtellung vorgenommene Divio


fion :
Omnes homines funt mortales 1
Quidam homines funt mortales

oder ſie ſind eine , an der finnlichen Comples


xion eines gewiſſen ud in der Vorſtellung, vors
genommene Subtraktion : 1

Omnes homines funt homines E


Quidam homines funt docti homines .

Da nun auch ein hic homo ( excluſive ges


nommen) eine Subtraktion von einem Au in
1.
der Vorſtellung iſt : ſo kann ich es Kiefer
wetter'n nicht übel nehmen , wenn er , ſelbſt
ohne Drukfehler , bloß můde des alten unver,
ftåndlichen Sazes , an dem Jakob noch hans IN
gen bileb : propofitiones fingulares æquipollent
univerſalibus ; die einzelnen Urtheile zu den
beſonderen zåhlte. Er meynte eben die Sub.
traktion. . Der weitere Verfolg wird von al.
lem , was in dieſer Anmerkung behauptet wird,
wie ich hoffe , befriedigenden Aufidhluß geben. H
1 Es kann nicht fehlen , ſo lange ich nicht inton.
requent werbe ; und nur der Mißverſtand eint.
ger , hier zur Erlåuterung angebrachten , Auss
drůke , wie die ber Multiplication u. ſ. w ..
konnte mir bis ijt den Schein einer Unrid .
35

tigkeit in meinen Behauptungen zuziehen , wela


cher ſich aber , unter der genannten Vorausſes
zung , wieder verlieren muß. Denen , welche
fich in die Zernichtung der Materiatur als M a.
teriatur im Denken als Denten nicht foul,
ten finden können , weil id unter dem 12ten
S. den Schluß z. B. die meiſte Materte im
Denken fonnectieren ( dies hieß eben, al8 M a.
terie zernichten ) ließ , gebe ich zu bedeno
ten , was ſie fich denn bisher unter der Form
gegenüber vom Stoffe möchten vorgeſtellt har
ben , wenn es nicht eine , im Denken als Deno
Ben zernichtete, Materte war ? Ich erſuche
fie ferner , mir zu ſagen , ob ihr Auge würde
ſehen , thr Ohr hören können , wenn jenes nicht
die lichtſtrahlen und die Luft , dieſes die Luft,
als Gegenſtånde in einem Schen oder
Hören , durch die Handlung des Sehens oder
Hörens ſelbſt , zernichtete ; ob fie vor dem Ge.
tümmel der kleinen organiſchen Welt in ihnen ,
als das was fie find , als diere Menſdeno
weſen , würden beſtehen können , wenn nicht
ihre Materiatur , der Kreislauf ihrer Säfte ,
ihr Verdauungso und Sekretionsgeſchäft, die
tauſend Stůtwerke ( åſerchen u . f. w. mit ih.
.
rer Arbeit) aus welchen ihr phyſiſdier Menſch
zuſammengeſezt iſt , in ihrer Vorſtellung
zernichtet würden ? Ich bin ſo frei, fie noch
36
1
eines zu fragen , das freilich als fchwache
Kopen nicht mehr ſo ſtark für meine Sache
ſprechen kann , wie das Original. Es ift : 06
irgend ein Künſtler oder gar Handwerker etwas
zu formen vermogend feyn dürfte , wenn er
nicht über das Daleyn des zu formenden ( uns
geachtet dieſes in rerum natura immerfort
bleibt) noch ein anderes Daſeyn aufzoge , vero
breitete , oder vermittelſt des Feuers ( wie bei
1
Schmelzungen ) ausgóffe , mithin das erſtere in
dieſer Beziehung zernichtete ? Wem endlich ein
Begriff , als beſtimmte Art unſerer menſch
lichen Welteinbildung , als bloße Complerton
wahrhaft ſinnlicher und daher ( bloß das A
b18 ijt in ihnen abgerechnet ) auch finnlich
bleibender Merkmale , worinn das Menſchen .
kind durd die Handlung einer , zuerſt an els
nem Bilde ( 2. B. der Mutter ) vorgenomme.
nen Multiplikation reine laufbahn begiunt ,
wem dies alles tetueswegs einleuchten wollte ,
den kann id vielleicht inzwiſchen vermittelſt
der Erinnerung beruhigen , daß er ſich durch
dieſe wunderliche Behauptung , fo zu ſagen als
durch eine Hypotheſe , die noch viel wunder.
barere Erſcheinung erklären könne : warum die
Philoſophen ſo gerne Poeten werden , da doch
den Mathemattfern in der Mathematit
dies nicht eben ſo widerfahren kann ; erklären

7
37

folglich , wie es denn auch gekommen feyn dårfo


te , daß aus der bisherigen Metap by flo
ichen ligata , lo gar in einer Kritit der reinen
Bernunft, bloß eine Iranszendentale li
gata , ( Syntheſis a priori genannt) , erwach .
ſen mochte. Ein abgebrannter Poet j. 3.
geht uns nun absque faltu zu den Kategorieen
ůber , und findet da wieder Dach und fach .
als ob er zu Hauße wäre. Man wil nåmo
Itch bemerken , ( S. 2 , Unm.) daß nach dieſer
Kritit , worinn die Kategorieen verzeichnet ſind,
das Denken erſt hintendrein tommen darf , und
daß daher in derſelben , ( wie erſt tzt beigefügt
werden kann) , fein reines A mehr , ſondern
ein mit B und Non B , ſogar mit C , vermiſch .
tes A , folglich ein ungemein Manntgo
faltiges , ganz neu zu haben ren , woran
ſich von einem Poeten , dem es a poſteriori
ausgleng , nun a priori noch viel artiges vero
ſuden läßt.

6) Im Denken , alb Denten , haben we


der hypothetiſce noch 018j uncive Urtheile
einen Quantitätsunterſchleb .

Anm. Na a fab' es ihnen an . Es war


dem ſcharfſinnigen Manne ſo , als mußte dies
feyn. Allein er wußte nicht , warum , und ſuba
ftituirte daber auch hier einen Falfum medium ,
38

Ich bin ihm Rechenſchaft von meiner Behaupa


tung ſchuldig. Sier iſt ſie. - Er ſagt ( S.
143. I. c . ) „ Qualität upp Quantitat fomme
nicht dem hypothetiſchen Urthelle , al6 ſolo
chem , zu , (und ſagt dles S. 154 auch vom
disjunktiven unter Berufung auf eben denſel,
ben Grund ) ; dfes erhelle augenſcheinlich dars
aus , well gedachtę Dualttåt und Quantitat in
dem Borderfaze und Nadlaze auch ſtatt finde,
wenn ſie gar nid t zu einem hypothetiſden Ur.
thelle verbunden , ſondern ganz einzeln für ſich
betrachtet werden , So lautet ſein medius,
Zergliedert beruht er auf der unverwerfliden
Bemerkung , daß , was ſchon da eft , von ei ,
nem , der iz¢ eben kommt , nicht erſt mitges
bracht werden kann ; nun aber ſind Qualitat
und Quantitåt in dem , einzeln betrachteten ,
tategoriſchen Vorderíaze und Nachlaze , wors
aus ein hypothetlides Urtheil beſteht , ſchon da :
alſo kann ein hypothetiſches Urtheil , als hy
pothetiſch , die Quantitåt und Qualität nicht
erft mit ſich bringen. - Allein wie folgt hier.
aus , daß es nun ſelbſt gar keine Qualität und
Quantitåt mehr haben ſolle ? Bringen doch die
Kategortſchen Urthelle , woraus es beſteht, beya
des mit. Untwort : „ I ) als bypothetid
bat es denn doch keinen , 2 ) die mitgebrachte
Qualitåt und Quantitåt tommt hier in einem
39

hypothetiſchen wie nach S. 154 in einem dles


junctiven Urtheile) nur als Materie , nicht
mehr als Form , in Betracht , d. t. fie wird
als Form , vermittelft der Hypotheſis , im Den .
ken durchs Denken tzt zernichtet. “ Wie ? tann
nun aber das , was form iſt , als Form ,
je Materie werden , ungeachtet , was Materie
iſt , als Materie , durch die Form zernich ,
tet wird ? Kann dies ſeyn , kann das Denken ,
durd ein Denken , ſich ſelbſt , als ein Denken
oder Gedachthaben , ( denn dies iſt beim Dens
ken eins ) ohne Widerſpruch zernichten ? Und
wenn denn dies nicht ſeyn kann , iſt es mög.
lich , daß die , izt zernichtete , Qualitåt und
Quantitåt, vorher zur Form eines kategoris
den Urtheils håtte gehören können ? - Der
Maaßliche medius hieße alſo nun : ,, weil die
vorherige Form eines kategoriſchen Urs
theile , und mit ihr auch ſeine Qualitåt und
Quantitåt , tzt beim Uebergange deſſelben in
ein hypothetiſches , durch das Hypothet is
rche des lezteren (eben ſo bei der Disjunction ),
zur Materie , mithin all form jers
nichtet wird : ſo hat das hypothetiſche Ur.
theil , als ſolches (eben ſo das disjunctive)
weder Qualitåt noch Quantitåt mehr. “ Dies
aber wåre tein Falſus medius , Zernichtung der
Form , alt form , wåre gedenkbar ? Weiter !
40

Maaß fagt åberdies ; „ well hypothetiſche


( eben lo diojunctive ) Urtheile tein Subjekt
und Prädikat mehr haben : ſo höre vermoge
des erft er en die Qualitåt bet Ihnen auf.“
Nan find aber in einem hypothetiſchen Urtheile
( eben ſo in einem disjunctiven ) Subjekt und
Pråditat als Zheile kategoriícher Urtheile , mito
hin als Begriffe , dennoch vorhanden , folglich
find ſie izt , da fie , nach Maa 8 , aufhören
Subjekt und Prädikat zu ſeyn , als Materie
vorhanden . Hårten fie nun aber als Subjekt
und Prädikat in einem kategoriſchen Urtheile
je zur Form eines kategorijden Urthello geo
hort : fo würde nun auch an ihnen eben derſele
be Fall eintreten , wie bei der Qualität und
Quantitåt , daß izt , durch ihren Gebrauch als
einer Materie , das Denken , durch ein Dene
ten fich felbft als ein Denken oder Gedacht.
haben ( denn dies iſt beim Denken eing ) zero
nichtete. Auf gleiche Weiße verhält es ſich
mit dem , was an dem Wörtchen Eft in eta
nem kategortſchen Urtheile zur Form gehört,
Sft es form : lo bletbt es form , und kann ,
man mag mit dem kategoriíchen Urtheile auch
beginnen was man will , all form , nie zur
Materie in einem anderen Urthetle d. t. nle
zeruichtet werden ohne Widerſpruch . Zuſam .
mengeſtellt , heißt demnach der Maa Bilde
41

medios : „weil 1 ) Qualitåt und Quant to


tåt 2 ) Subielt und Prädikat eines tas
tegoriſchen Urtheils in einem hypothetiſden
( und disjunctiven ) Urtheile zur Materle were
ben : ſo hat das hypothetiſche (und dibjunctive)
Urthetl keinen Qualitäts . noc Quantitåtsuns
terſchied . “ Dieſem zufolge nimmt er an , ento
weder daß die Form in Materte åbergehen ,
das Denten durch ein Denken jerntdytet were
den tønne , oder er nimmt an , daß Qualität
und Quantitåt , Subjekt und Praditat in els
nem kategoriíden Urthelle , nie zur Form
b . t. nie zum Denken , als Denten , gehört
haben . Im erſteren falle nimmt er einen Bio
derſpruch an . im anderen widerſpråche er ſela
nen eigenen Grundſåzen über das kategoriſche
Urtheil S. 90 , 91 u. l. m .; denn er håtte
fonſt diesfalls , wle von ſelbſt erhelt , fchon im
Fahre 1793 gånglich meiner Meynung feyn
måſſen . Dtes war er aber nur in der Zhele
von Num. 6 , daß weder hypothetiſche noch
disjunctive Urthelle einen Quantitats. ( und was
vorher gezeigt wurbe) auch teinen Qualitätsun .
terſchied haben können ; keinedwego ta thren
Fundamenten , ohne die fie gletchwohl fådta
Die Kanttaner geben den hopothetiſchen
und disjunttiven Urtheilen fohledthin dfe Quane
ettåt der udgemeinheit als eines Omne , -
42

( Omne . So , Omne - Entweder s ober) ; weil


feine Aufnahme dabet ſtattfinde ? - Nein ;
vielmehr well kein Omne dabei ſtatt findet ,
(wenn je induktionsmåſig abgeurtheilt werden
Tou ) , haben hypothetiſche und disjunctive Ur.
thelle gar keine Quantitåt. Ich kehre zu M a aß
zurük. Wie kommt es , daß Maaß eine ganz
richtige Theſe, und dennoch eben dieſe richtige
Theſe aus einem falſusmedius aufſtellen tonns
te ? Wie konnte er , obne einen wohlben
rathenen Gegenſtand für ein Ergo
(man erlaube mir den medius inzwiſchen
fo zu umſchreiben doch im Schlußiaze einen
wahren Saz berausbringen ? Antwort : nicht
relu Ergo hat ihm dieſen wahren Saz hers
ausgebracht; er hatte ganz eigentlich aufgehört,
Feine Vorſtellungen in einem Denken zu vero
knüpfen ( ſo iſt das Aufhören zu denken,
wie ich doch noch einmal erinnern will , alles
mal zu verſtehen , als er zu dieſem Ergo
In ſeiner Vorſtellung kam ; hatte folglich nur
in ſeiner Vorſtellung fich ein Ergo angeſchries
ben , wo nicht mehr von ſeinen Vorſtellungen
1 im Denken verknüpft , mithin für's Denken eia
Non - Ergo d. t. ein Nicht gedachtſeyn , ' eļn
Widerſpruch da war. Aber die here
war ſoon oorber und aus einem ,
ium folgeru qualifizierten , prius

1
43

richtig. Uit etwas , das richtig fennt máſle,


fiel fie dem Scarfſinne des Mannes , da er
die hypothetiſchen und disjunctiven Urtheile beo
achtete , auf ; denn Sdarfſinn iſt , als Sinn
genommen , der ruſtigſte Vorllufer des Wars
um. über dieweil er ſich nun folglich ist
erſt nad einem medius umſahe : lo ſtieß er ,
in Ermanglung einer bisherigen Analyſis des
Denkens als Denkens , bloß auf eine Sea
ob a chtung , welche fid) an allen derley Urs
thellen machen laſſen. Die Beobachtung war
wiederum richtig , und gieng bei allen Induk.
tionsmåſig ( ich ſage induktionsmåſtg) durdi.
An allen ließ es ja ſich zeigen , 1 ) daß
ſchon die kategoriſden Urtheile , aus welchen
ſie beſtehen , einzeln betrachtet, Qualte
tåt , Quantitåt , Prädikat und Subjekt haben ,
daß mithin die hypothetiſchen und disjunctiven
Urtheile dies nicht erft mit ſich bringen ; an
allen zeigte ſich's 2 ) in der Beobach .
tung , daß die eingetretene Hypothefis oder
Disjunction ' das Prädikat. und Subjekt , die
Qualitåt und Quantitåt , als das , was
ſie vorher in einem kategoriſchen Ur.
theile waren , ist im Denken aufreibe .
Der Handel,ſchien richtig ; es war gezeigt
(monſtriert , aber nicht demonſtriert). Allein
es ſollte nun doch aud zur Rechenſchaft von
44

der gemachten richtigen Beobachtung geſchrite


ten werden. Dieſe Beobachtung hatte ein Zers
malmtwerden des Prådikats und Subjekts , der
Qualität und Quantitåt kategortſcher Urtheile
durchs Denken derſelben in hypothetiſchen und
die junctiven ganz unzwendeutig zu erkennen geo
geben . Die Rechenſdaft mußte alſo dabin
ausfallen , „weil Prådikat und Subjekt , Qua .
lität und Quantitat der tategorifchen Urtheile
im Denken derſelben unter einer Hypotheſis
oder Disjunction fo offenbar germalmt werden :
ſo muffe nur das an der Qualitåts, und Quan .
titåtsloſigkeit der hypothetiſchen und disjunctio
ven Urtheile Schuld reyn , daß benannte
Ståle der kategoriid en Urtheile in
ienen zur materie werden . " Und
doch gehörten , nach allen Logiten , Subjekt
und Prädikat , Qualitåt und Quantitåt zur
form kategoriſcher Urtheile ; denn ſonſt was
ren dieſe fogiken in allen dieſen Stüten nicht
rein geweſen ? Und doch låßt fid ; keine Form
als Form zur Materie machen , tein Denten
durchs Denten im Denken zermalmen ? Was
war alſo das Ergo in der Vorſtellung ?
Ein Non - ergo im Denten , d . t. ein Wider
{ pruch . Niemit glaube id , den Berlauf der
Sachen in allen bisherigen Logiten beſchrieben
zu haben, Shre melften Zhefen waren richo
1

- 45

tig , und als Thefen ohne Fehler ; denn es ließ


lid , was ſie auſſagten , Induktionsmåfig zeto
gen. Uber alle beruhten auf Ir ro
tbůmern , welche durch die Kantide
Kritit vollendo una brehbar muro
den. Geſchieht was geſchehen ſoll : ſo iſt das
Geſchehene als Geſchehen tein Fehler ;
man kann die Leiſtung wie es ſeyn ſolle
te , zeigen ; worauf fich Kant auch gleido la
ſeiner Vorrede zur Kritik der R. B. beruft.
Adeln es kann deßwegen doch ein grober
Srrthum ſeyn. Das Geſchehene darf nur
aus einem vermeintliden Warum , das
bloß ein Warum in der Vorſtellung war,
entſtanden regn. Der Irrthum iſt ein Deficit
im Gebrauch des Denkend felbſt , und da bom
Denten als Denten tein Fehler ausgeben
! kann , ein Aufhören des Verknüpfens gewiſſer
Vorſtellungen in einem Denken , ein Nicht dens
ten gewiſſer , im Zuſammenhange einer bloro
fen uffociation Poaliſierten , Merkmale ; kurz
jeder Irrthum iſt ein Widerſpruch , das Ges
chebene rep a 18 Gerdbeben wie es ſeyn ſoll,
oder nicht wie es ſeyn fou , der Irrthum ſelbſt
fey Widerſpruch durch Inkonſequenz , wo
bet nach wiederholten Sezungen des A in B
endlich doch ein Non - A in der Reihe vors
tommt, oder baarer " Biderſpruch bel A und
46

Non - A in einem Othemzuge , wie der alte


fogiſche Wlz eines Sidirorylon. Alle Theſen
unſerer bisherigen foglfen , ſo richtig fie als
Theſen feyn mochten , beruhten auf Srrthümern ,
'mithin auf Widerſprüchen . Dies erhelt ſchon
aus ihrer Unmaſſung eines reinen formellen
Gedankenwerks in thnen , da ſie doch im Stoffe
arbeiteten ; den weiteren Proceß dabei ſehe man Na

an obiger Theſe. Ein guter Kopf nach dem


anderen fand nåmlich ſolche Theſen ſcharfſinnig
auf , verfuhr induktionsmåfig damit , probierte
an Beiſpielen , fand an dieſen bas probatum
. eſt der gefundenen Theſe , welches er ſchon ges
ahndet hatte , unwiderſprechlid , glaubte daher tite
nichts als Form , midts als Wert des reinen
Denkens an ihnen zu haben . Wenn aber von od
der Richtigkeit ſollte Rechenſchaft abgelegt wers D
den : ſo mußte er das , was er vorber als
Form der Begriffe angenommen hatte , bei den
Urtheilen , und ſeine angebliche Form der Uro
theile bei den Schlüſſen zu lauter Materie im
Denken durd's Denken zernichten , folglich ,
wenn er darüber nachgedacht hätte , ſich ſelbſt
einer Reihe von Irrthümern oder Widerſprůs
dhen in feiner Logit ſchuldig geben ; wie denn
wirklich an dieſer wunderlichen Formzernichtung
mein eigenes Nachdenken über Grund oder Uns
grund aller unſerer bisherigen Logiken, erwachte.
47

7) Im Denken , a18 Denten , hat kein


Schluß , er ſey kategoriſch , hypothetiſch oder
disjunctio , einen Quantitätsunterſchied . ( Ein
Schluß tft A , ausgedrukt in der Ropula ulo;
und wenn A ſo viel Materte auf einmal fonnecs
tiert , folglich qua Materie zernichtet , als es
auf einmal im Menſchen konnectieren , folglich
qua Materie zernichten kann : ſo wird es durd
alſo ausgedrütt ).

Anm. Hier erft , bei den Sdlüffen, bradh


Rant durd). Es gelang thm , da wo es die
meifte Materie als Materie im Denken zernich
tet , dem Weſen des Denkens näher zu råken ,
als es vor ihm geſchehen war . Die Vernunft,
oder das Denken als Denken , geht auf ets
was unbedingtes , indem es als Dens
ten immer iſt was es iſt , dennoch aber auch
al 8 610 Bes Denten Pein Ding ſchon hat
noch haben kann . Hierinn håtte er recht ges
habt und hierinn weiter geſehen als ſeine Bor.
gånger , porausgeſezt, daß er erkannt haben
würde , wie er mit ſeinem Unbedingten
im angezeigten Sinne eigentlich eben bloß den
Proceß des Dentens ſelbſt im Eft z . B. , kurz
im A mit ſeiner unendlichmaltgen Wiederhols
barkeit , glüflicherweiße einmal zu beſchreiben
beginne. Das Unbedingte iſt ein Ding,
48

oder giebt ein Ding (mas es auch Tene )


hierinn hatte er gewaltig unrecht. Es verhält
fid damit folgendermaßen . Was am Unbeo
dingten , welches Rant der Bernunft erft
im dhließen zum Ziele ſezt , wirklide
Vera unft ift , ( das übrige geht uns hier
aldt8 an) , das ift , wie geſagt , niders anders
als das Denken felbft in einer ganzlichen
Qualitat Bv und Quantitåtsloſigkeit,
mithin , auch aus dieſem Geſichtspunkte bes
trachtet , ein wahres ( nur nicht nachher wieo
der Kanttſch verdrehtes ) ſondern wahret
Unbedingtes , welches nicht einmal ein Db.
5 jekt ( ohne vorangegangenes C ) bloß aus fid
und durch fich lezen tann ; das alſo ( in fich 11
und durdo fich ) nichts fezt als ſich ſelbſt.
Aber , anſtatt in die Liefe , welche ſich vor
thm zu öfnen begann , hinabzuſteigen , benaha
er fic und allen Forſchern , die in feine Fuß
ftapfen traten , jede Gelegenheit , jemals wieder
eher als nur erſt beim Sdließen , einen
diefen Blit in fie zu werfen . Ja ſo gar durch
den Aufſchluß , welchen es dieſem beſonderen
Manne von fidh anzuvertrauen ſcien , wurde
das Geſchäft des Dentens in einem neuen ra .
Ichen willen wollen vollends unwiederbring
Itdb berwirrt. Das wiffenwollen war
obendrein diesmal auf etwas Seltſames angeo
legt,
49

legt , bloß darauf angelegt , gewiß ju tolfo


fen , daß man in der Metaphyfit , (mie's
Rant mit thr meynte ), midt& wiffe. Son
Frattid ; aber brauchte man dabei ſo weit aus .
zuhohlen ? - Nur Kant's Genie war ed
möglich , ſich und anderen ſo viele beredte Šele
ten hindurit ( von S. 349 an 1 , c . ) die Bio
derſprüche auf das künſtlichſte zu verſteken , in
welden er fich , ſeine Aufmerkſamkeit ungethellt
auf jenen Bertilgungskrieg geheftet, rieſenmäßig
umtrieb DAB és Widerſprüché find , ftebe
nun kürzlich zu beweiffen. Bor das erſte deüdet
einen , e8 feye idon ſchlimm mit einer Behaup .
tung beſtellt , wenn fich von der Dypotheſe,
worauf ſie beruht , das gerade Gegentheil ans
nehmen , und das gegebene Problem nun auc
durch dtes angenommiene Gegentheil fich eben
po richtig oder urridhtig , als es durch jene
felbft geſchah , folglich gleid befriedigend iden
låßt. Håtte Ma a B dem eigentlichen Gedan .
kenwerke án kategorijden Urtheilen feine
gånzliche Qualitäts- und Quantitätsloſigkeit
pollends eben ſo ſcharfſinnig angeſehen , wie er
dies den hypothetiſchen und disjunctiven Uro
theilen anſahe : fo müßte er aus den erſteren
die , ( wiewohl nad Kant bloß dialektiſche )
1
Unvermeiditchkeit einer Zrang jendentalen Seen
lenlebte , aus dert hypothetiſchen die , (wiewohl
D
so'm

nad Kant bloß dialektirde) Undermeidlichtelt


einer Transgendentalen Weltlehre , aus den dibs
junctiven die , (wiewohl nad Krant bloß dias
lefttide ) Unvermeidlichkeit einer Gotteslebre ,
auf ein Haar ſo haben herausbringen können,
wie Kant ſelbſt dieſes alles aus der Forin
der kategoriſben , hypothettiden und diajuncti .
ven Vernunftſchlüſſe herausbrachte. Uuf
dieſe Art wäre nåmlich nun bereits an den Ur.
thetlen alles dahin eingeleitet geweſen , daß das
Unbedingte, das heißt eben das bloße Dens
ten ſelbſt am Eft in fategoriſchen Urtheilen
auch ein unbedingtes Subiekt für unſere Ge.
müthBerſcheinungen , mithin eine Seele, das Un.
bedingte am Wenu (oder vielmehr am So) ein
unbedingtei Subjekt für die åufſeren Erſcheinungen,
mithin ein Weltganzes , das Unbedingte am
Entweder oder ein unbedingtes Subjekt
für alles zuſammen , mithin die Idee eines
Gottes , voukommen in der Kantirden
Manier deinbar håtte måßen begründen for
nen. Allein nicht aus den Urtheilen ,, ſondern
bloß aus der , den Urtheilen dießfalls von ihm
entgegengeſezten , Natur der reinen vero
nunftſchlüſſe , welche ausſdoließend auf
eln Unbedingtes (0, t. aufs Denken ?) dringen
ſollen , wollte ja Kaut jene Metaphyſiſchen
Ideen ableiten. Das fundament fann alſo uus
st

moglid haltbar reyn , da fich aus ſeinem angen


nommenen Gegentheile dieſelbe Folgerungen für
ktebhaber zu Stande bringen ließen. Aber
ein Streben nach dem Uubedingtent, bas , alb
dieſes Streben nach einem Unbedingten , ein
Ding fezt ; ein Schluß , der , ( nad stant
felbft ) , ein bloßes reines Denken ift , und dodo,
als dieſes bloße reine Denken , Objekte produs
ciert : ein , auf dieſe Art productextes Ding an
fid , das dod feta Ding an fid , ſondern eta
ne ydee ift ; dren Dinge an fide , die feine
Dinge an fic , føndern bloß drey Sbeen ſind :
drey Fbeen , worinn Gott , Seele , Welt , als
einander vollkommen parallel ? aus einem unb
demſelben Weſen des Denkens ohne weiteres
auslauffen ; ein kategoriíder Schluß, der nicht
kategoriicher ſeyn konnte , als tu der Idee von
einem Gott , und der mir dode nur meine eigen
ne Seele ( dialektiſch ) aufdringt : ein hypothetis
rder Schluß , der nicht hypothetiſder feyn könn.
te als in der gewöhnliden Metaphyfiſden Fdee
von meiner Seele , und der mir doch die Belt
als ein Ganzes ( dialektiſd ) aufdringt; ein disa
junctiver Soluß , der in nichts disjunctiver
feyn könnte als in meinen menſdlichen Weltans
mauungen , und der mir doch die Idee von ele
nem Nicht, weltwefen , von einem Gott (blalets
tifo ) aufbringt : eine reine Vernunft , die mido
52

da, wo fie am relnften wird, bloß daduro


daß fie am reinſten wird , betrügen muß , ein
Denken alſo, das da , wo es ſich am meiſten in
ſeinem eigenthümlichen Weſen zeigt und zeigen
kann , mir ein Dialettides Gaukelſpiel in drey
Aufzügen (die Auftritte nicht mit eingerede net ),
wohl gemerkt bloß au 8 td a 18 dieſem
Denten mit ſeinem eigenthůmliden
Weſen , aufzuführen beliebt , mithin doch
Zweifels ohne fid dadurch zu einem Nichtsmehr.
denken degrabierte : eine Synthefis , folglich ein
Urtheil man weiß nicht woher geflogen ? als
Bedingung der Möglidkett det allerreinften
Denkens ; ein Schluß , als Bedingung der Mögs
lichkeit des allerreinſten Sollefſens , dabei aber
ein falfeber Soluß , und das allerreinfte Solieſ
ren ein falſches Schließen : dies ſind Sels
tenbelten ohne Gleichen , bei welchen einem die
reine Bernunft felbſt ſtille ſtehen inodore. Uber
mit dieſem unaufhörliden Plånklen um bað
Denken herum , doch nur immer weiter vom
rechten Flek abwärts kommen , das demüthiget
die Spekulation noch einmal , und demüthiget
fie , - wer folite daran zweiflen ? – in threm
kühnſten Sadwalter. - Maaß war in fets
ner Behauptung von der gånzlichen Qualitate,
und Quantitåtsloſigkeit der hypothetiſchen und
disjunctiven Urtheile doch ſeit Menſden Geden ,

1
53

ken das erſtemal , ( auch node auſſerhalb der


Sdlußlehre) über die Schranfe der udhett ( Om
nitudo ) vorgerůkt , ohne zu ahnden , wie viel
er damit durchbrochen hatte. Kant , weit ents
fernt in ſeiner neuen Sdilußlehre auf das Er
go , als das einzig Dualttåto : und Quantis
tåtsloſe , mithin das eigentlich unbedingte
am Schluße , als einem Gedankenwerke ) zu
gerathen , und ſich dadurch den allein rido
tigen Weg über die Omnitudo hinweg zu
bahnen , geht , ftatt deſſen , von der udgemeins
heit des Prädikat89 im Oberſaze aus , welo
des wir in dem Oberſare , wie er ſagt , (1. c .
S. 379 ) in ſeinem ganzen Umfange unter
einer gewißen Bedingung gedacht has
ben . Dieſe vollendete Große des
Umfang 8 , Pezt er hinzu , in Bezte hung
auf eine ſolche Bedingung , beißt die
ullgemeinheit (Univerſalitas ).“ Nahe
am rechten Ziele , man vergleiche ſeine vortrefo
Ilohe , thm eigene , Erklårung vom Abroluo
ten , zu welchem er an der Univerſalität des

Prädikars im Oberſaze , mithin als ein


herrlider Empiriter , zulezt aufſteigt,
von S. 382-385 ; aber das prius darzu
war nicht gefunden , ſondern vielmehr unrichtig
angegeben , folglich nahm alles ſogleich wieder
elne falſche Richtung, E8 dåmmerte ſtark ,
bas ſieht man (daher vielleicht das ftarke Ses je
1
( chren ) ; zum Lagesanbruch kam es nicht , hier
von kann ſich überzeugen , wer leſen und den
ten kann , wenn er im angeführten Terte wel.
ter leſen will ; (daher vielleidet der motus re
trogradus gemiffer Planeten um die Sonne, ALE
.
wår’s möglich , ganz der Mitternacht zu).
Ein Denken X. B. welches als ein Denten M
auf Iotalttåt d. I. auf die Beendigung leis RCE
ner ſelbft als eines Denkens , drånge , HT
und wodurd eben Rant ſeinen , fo vielverſpre.
dend angeregten Gedanken vom Abſoluten los
gleich wieder entſtellt (1. c .) , wåre tein Demo
ken mehr , ſondern iſt als ein Denken (als
ein Beginnen der reinen Vernunft) betrachtet , le
ein Widerſpruch. Genug alſo !

Probe aber ben 13ten . &

Zuerſt eine Bitte. Man befinne fide doc .


warum es bei einer Geometriſden Figur , id will
lezen , bei der Bered nung eines gleidſchenklichten
Dreyeks , eines ift, ob geſagt wird : hoc trian
gulum æquicrarum , oder quoddam triangp
lum æquicrurum , oder o mne triangulum æqui.
frurum . In einem A æquicruro ſind etnis
ge æquicrgra und find alle æquicrura berechnet,
Sollte bei wirklichen Quantitåten die , bløber for
s's

genannte , logirde Quantitas , wie es felnt,


überflüſſig werden ? Wåren die reinen ( blinde )
Unſchauungen ist nicht Mode : ſo glaubte ido beto
nahe , das müſſe nur vom Weſen des Denkens
ſelbſt und etwa aud von der Natur eines Objekts
ald Objekts , herkommen . Jedoch aud dies
wird ſich gehörigen Orts geben. Inzwiſchen mag
die Vorſtellung eines Etwas als eines Etwas , ela
nes Objekte als Objekts , die Stelle jenes A
vertreten ; denn auch don bei dieſer iſt Eines
wie alle , und alle wie einige . Nun zur
Probe !

Nidt ein Omne dem Omne , ſondern ein


Quoddam dem Omne negtert , gtebt ausſchlief
rend einen Widerſpru do ; lo lautet die Auſſage
der fogtten in der Lehre von den Urtheilet .
Findet man aber nun in irgend einer Logit eine
genugthuende Rechenſchaft hlevon , oder auch nur
elne Vereinbarkeit deſſen , was man vom Saje
des Widerſpruchs lehrte , mit dem , was von wir
derſprechenden Urtheilen gelehrt wurde : fo nehme
ich gerne alle meine bisherigen Behauptungen zu.
råt , gelezt daß fie fich zuråknehmen lieſſen. Om
ne und Non - Omne fol nåmlid bloß deßwegen
nicht widerſpredend , ( contradictorium )
ſondern nur widerſtreitend (contrarium ) feyn ,
weil ſchon das Non - Quoddam un tek
einem Omnę einen Widerſpru de ents
balte ? Ein Widerſtrett ſoll das fenn , wenn zum
Biderſprude in Begriffen noch etwas pofittnes
hinzukomme; alſo ein plus zu einem Widerſprude
und doch kein Widerſprud mehr , ſondern ein
bloßer Widerſtrett ? ( Man rehe 9 a aß S. 30
und alle Rantirse Logiken). Oft ntdot etwa
dies ſelbſt , was man vom Widerſpruche ' lehrt ,
bat auffallendſte Betſpiel von einem Widerſprude ?
Nein , ſo gewiß es dies iſt ; ſo wenig konnte es ,
als das was eo ift , auffallen , ſo lange man , bor
lauter logik und Kritik , das Weſen ſeines eigenen
Denkens miffannte , und eß der Kritit ſelbſt
möglid war (S. 48 , 49) , das Seyn an einem 3
Drte , und das Nidhtſeyn eben deſſelben Dings 2
an demſelben Orte , zu einer anderen Zeit ,
für die Verbindung kontradiktoriſch entge. IN
gengerezter Prådikate in einem und demſelo 11
ben Objelte ( für A als A und A al8 Non
A) in einem Objekte aubzugeben. Sit erſt kann,
wer da wil , e $ aud hlemit bet fic aufs Reine 11
bringen. Das Omnis und Omne ift ein bloßer,
für's Denten , als Denken widkührlicher , db .
ſchnitt menſdlicher Hineinbildung in die Welt ,
unter der ewigen udgemeinheit des Denkens ſelbſt,
wie das Quidam und Quoddam , das His
und Hoc ein folcher Abſchnitt ift. -96 ftau .
me , indem id diefes ateberſchreibe , felbft vor dies
57

fem Ubgrunde , vor der Allgemeinheit ohne Quat.


tiråt , für welche jeder Begriff zu enge und das
her zerſtörend , jedes 28ort zu klein fft. - Id
ergreiffe die Feber wieder , und ſchreibe noch eins
mal Das Omnis und Omne iſt ein bloßer ,
für'6 Denken als Denken willkührlicher Abs
ſchnitt menſchlicher Sineinbildung in die Pelt uns
ter der ewigen Augemeinheit des Denkens ſelbſt,
wie das Quidam und Quoddam , das Hic
und Hoc ein folder Abſchnitt iſt ; daher kann
das , omnes homines funt mortales , nach der
Reihe vorliegender Aſſociationen , auch ein qui
dam homines funt mortales , und ein hic ho
mo eft mortalis , fo wie endlich , ohne das Dens
ken felbſt im mindeſten zu alterieren , auch ein
omnes homines non funt mortales , ein
quidam homines non funt mortales , ein
hic homo non eft mortalis , werden . Dieb ,
( felbſt das was daran widerfreitend iſt a
wenn man's ſo nennen wil) ; geht das Denken ,
al 8 Denten , gar nichts an ; das Ja iſt für
daffelbe als ein Denken , wie Nein , und dies
Ja und Nein ( Daſeyn , oder Nichtoaſey the
mithin Dortfeyn ; die Rantiſche Rontradits
tion , Krit. S. 48) mag inzwiſchen den Widero
ftreit bezeichnen . Sezt man hingegen eines
oder das andere dieſer Urtheile ( für's Denten
gleichviel welches ? ) ſo fezt man blemit ſetne una
58

endlicymalige Wiederholbarkeit als A d . t. als


eines Gedankens , mithin wird in der Reihe der BE
unendlichmaligen Wiederholbarkeit des A als A , 에
ein Non- A alles Denken aufheben , d. f. ein
Widerſpruch werben. Ein Widerſpruch iſt
alſo :
A als A und Non- A

folglich ein Widerſpruch


Omnes homines funt mortales
Quidam homines non funt mortales
Al
(Hier hört das Berknüpfen in einem Denken ,
HE
mithin , ( wie ich nach der gehörigen Erklårung
f
des kürzeren Ausdruks S. 12 Anm.) kürzer ſagen
be
kann , das Denten ſelbft auf. Die Kopula
3.
iſt negiert d. t. gernichtet ; denn ein Negleren
be
der Ropula iſt ein Zernichten derſelben , kein Ber.
+ Reinen . Widerſpruch iſt eine Zerni che
be
tung der Kopula).

Ein Widerſpruch iſt ferner , was man bisher i


nicht als Widerſpruch einſahe , noch einſehen konna
te , das

Quidam homines funt mortales


Non - Quidam homines funt mortales ,
wenn , was am Quidam nur gedacht fft , der
Gedanke Quidam , ( eben ſo das omnis : non
omnis ) und nicht ein bloßer , für's Denken als
59
1
Denten ganz widfährlicher Abſchnitt der menſd .
Hichen hineinbildung in die Welt, neben welchem
alsdann wieder ein Non - Quidam unendlichmal wies
derholbar beſtehen tann , darunter gemeint wird.

Ein Widerſpruch ferner das


Hic homo eft mortalis
Non - Hic homo eſt mortalis ,

wenn , was am Hic bloß gedacht iſt , der er


danke Hic , und nicht ein bloßer , får's Denker
alb Denken ganz wilführlicher Abſchnitt der
menſchlichen Hineinbildung in die Welt , gemeynt
iſt , neben dem freilid alsdann wieder unbeſtimm .
bar viele Non - hic homo eſt mortalis , ohne
Anſtand beſtehen können . Auf jenem erſten , in
der Reihe der unendlichmaligen Wiederholbarkeit
des Hic gerezten , Non - Hic beruhte , um dies
beiläufig zu erinnern , der bisherige falſche Uus.
brut des mißverſtandenen widerſpruch día.
jes , wo er noch am beſten ausgedrukt war ,
wie bei M a a B. „ B , das nicht B wåre,
iſt nicht 8. Hic 3. B. als B , und Non
Hic als Non - B vertragen ſich vollkommen zu .
ſammen , find alſo nichts weniger als Nichts ,
wenn nur nicht das eine in der unendlich maligen
Wiederholbarkeit des anderen , mithin im Denker
des anderen vorkommt. Dann erft wird das Dens
ten ein Nichts mehr. Denken d . t. ein Nichts der
60

Bertnúpſtreynd in einein Denken , ein Wider.


fpruch . Demnadh muß der Widerſprudysraz ,
fchon auf ein Dbjett angewandt , helffen :
B Non - B
in deffen Vorſtellung in deffen Vorſtellung
das A als A und Non das A als A und Non
A vorkommt , iſt tein A vorkommt , iſt kein
Sedanke Gedanke .
Muß nun , dieſem allem zufolge , die Omni E
tudo für's Denten als Denken nicht ganz eis
nes reye mit dem Quoddam und Hoc ? Doch
für was dieſe Zurüfdeutung auf das Erwieſene ?
Dbiges Non - Quidam macht ja felbſt die Probe
über den wahren Gehalt der Omnitudo , und bes
weißt dur das , was im Non - Quidam ( als
einem Weltabſchnitte ) vorgeſtellt wird , daß die
Omnitudo bloß beſtehe in einer Vorſtellung des
Nichtseinige ; denn wie fonnte ſonſt jenes
Non -Quidam (als Abſchnitt) die Vorſtellung des
Omnis im Denken vertreten ? atlein biebei åuſo
fert fich noch eine , bisher ganz unbeachtete , Merko
würdigkeit.

Das obige
Non - quidam homines funt mortales
ſchlågt einem nämlich unter der Handlung des
Denkens eben ſowohl um in die Vorſtellung eis
acf
61

Omnis homo eft mortalis

als in die Vorſtellung eines


Nullus homo eft mortalis

das heißt mit anderen Worten , die veråuberte


Qualitåt des Objekts (Einige) , perändert mir
zwar auch den Weltabſchnitt , in weldhem idete
was von ihm auffagen roll , und giebt mir eben
dadurch zu erkennen , daß es , als Objekt ,
bermittelft feines mitgebrachten Dualitätsunter
Ichieds , dieſen Weltabſchnitt beherrſdien moge.
Aber ſie füllt ihn , als veränderte Qualitåt des
Dbjekts , noch mit nichts aus ; ſondern fordert
Gewahrnehmungen , melche über das Om
nis oder Nullus erſt entſcheiden müſſen . Es iſt
alſo nicht allein das Denken , als Denken ,
weldes über den Qualitätsunterſchied nidits ent.
ſcheiden kann ; ſondern auch das Objekt als Obo
jekt , bringt zwar die Möglichkeit dieſes Quali,
tåtbunterſchiebs mit ſich , beſtimmt ihn aber nicht
felbft ; vielmehr iſt es blind ohne Gewahrnehmuns
gen. Iſt aber einmal die Qualitåt durch Geo
wahrnehmungen beſtimmt : fo dominiert die , burdy
Gewahrnehmungen beſtimmte , Dualitåt auch die
Quantitåt. Dies wird fid beſtätigen , wenn wir
das obige Non - Hic darzu nehmen, Selbſt
das obige
Non . His homo eft mortalis
62
.
wird uns nämlich im Denken umſchlagen tonnen
entweder in die Vorſtellung eines
Nullus homo eft mortalis

oder in die Vorſtellung eines


Omnis homo eft mortalis

das heißt mit anderen Worten , die beränderte


Qualitåt des Objekts ( dieſer ) verändert mir
zwar auch den Weltabſchnitt , in welchem ich ets
1 was von ihm auſſagen
roll , aber ſie füllt ihn ,
als beränderte Qualität des Objekts noch mit
nichts aus ; ſondern ſtellt, was daran noch nicht
auf einer wirklichen Gewahrnehmung beruht , erſt
der weiteren Erfahrung anheim. Nun aber beo
ruht nichts daran auf einer wirklichen Gewahrs
nehmung , als daß dieſer Menſch nicht fterb ,
lich ſeye , folglich wird aud) diefes allein entſdles
den , d. i. das Ombis wird mit einer Erzeption
für dieſen ( excepto hoc ) belegt werden muf
ſen . Das Nullus hingegen bleibt , in ro ferné
das Non - Hic auch ein bloßer att der Diviſion
deffen ſeyn kann , was im Nullus beretts mul.
12
tipliciert worden iſt ; mit anderen Worten , in ſo
ferne das , \ im Nullus bereits gerezte , A , aus
Gelegenheit einer wirklichen Gewahrnehmung in
einem gewiffen Hic auch bloß wiederholt worden
ſeyn tann , indem ich ſagte :
Non - Hic homo eft mortalis,

*
63

Noch Einiges. , das id au 8 d teſer Pros


be ergab. , angeſchloſſen an das
vorher Erwieſene.

1 ) Das Denten , al Denten , hat weber


einen Qualitäts: noch Quantitätsunterſchied ( A ).
2. ) Die Möglid teit eines Qualitåtsunters
fchleds ergiebt ſich erſt mit dem Dbjekte als
Dbjekte ( B , Non B ).

3 ) Die Dualität ſelbſt aber kann nur


durd) Gewahrnehmungen beſtimmt werden (C).

4 ) Ein Objekt als Objekt hat ketue ( Logtſche )


Quantität.

5 ) Ungeachtet ein Objekt als Objekt ſelbſt keis


ne ( logiſte) Quantitat hat : ſo begründet es
dodh , nach vorangegangenem C , die Möglichs
teit eines Quantitätsunterſchieds .
6) Die Quantitat felbft aber kann nur
durch Gewahrnehmungen ( = C ) beſtimmt wers
den.
7 ) Ein Omne wie ein Nallum ift bloß ein
Nidreinige , ſagt folglich bloß die vollſtåndig.
fte Komplerion gemachter Gewahrnehmungen ,
die bei Menſchen ſtatt finden kann , in einem geo
wiſſen Falle als bereits vollzogen aus. Es ber

zeichnet mithin eines wie das andere den gröften


Abſchnitt menſdlicher Hineinbildung in die Welt.
a 64

Šo btet folgt aus dein bisherige * für das


Omne und Nullum .

8) Für Begriffe überhaupt , als Begriffe


(nicht als Gedanken ) folgt ferner , ( aber wie ges
ſagt) bio B aus dem bisherigen ; denn
die Reihe , wo ſie obent ftehen dürfen , kommt
erſt nad , - daß ein Begriff als Begriff , wie
man ihn bisher verſtand , eine bloße Rom ,
plerion finnlicher Gewahrnehmungen feye.

Anm . Mie mag es zugegangen feyn , daß


4 man für die Entſtehung der Begriffe als Ben
griffe nod nie ein eigenes Denkgerez. ges
habt hat ? Der Sprung von den Denkgeſezen
auf die Entſtehung der Begriffe , ohne in den
Denfgeſezen, al & Dentgelezen , etras dar.
ju vorbereitetes , niedergelegt zu finden , war
doch auffallend. Dieſem Uebelftande halfen die
Kantianer dadurch bortreflich ab , daß fie
die Entſtehung der Begriffe erſt nach den Ben
griffen zeigten. Dies galt für rein ; denn das
Unreine war endlich nur nod) als ein Ner
benher der" reinen logit , mitgeführt.
Durch Begriffe , folt es einem vorkommen ,
konſtruiere fich bloß die Natur in un 8 ,
wie ſie , nad vorangegangenen Gewahrnehmunt.
gen unſerer Gattung , ſich außer uns tonto
ftruiert. Haben wir doch nicht eher Begriffe
von
- . 65

von thr , als bis ſie ſich konſtruiert ; und kons


ftruiert ſie ſich doch in den , am feinſten ors
gantſierten , Kopfen welche man deßhalb
ſcharfſinnig nennt , auch auf die , ihrem
wirklichen Gange gemäßeſte , Urt , weit ento
fernt noch von jedem vorangegangenen 28 a ru
um , ja tauſendmal, wenn das Warum hins
tennach erzwungen werden ſoll , unter einem
falſchen prius ; daher vielleicht die Poeten , wie
die Philoſophen , manchmal ſo glúklich weiſs
ſagen , und am glúklichſten , wenn ſie ſich
das Warum dabet verbitten . Kant merkte
dies , und that es ; denn er erklärte die logit
(d. i. das Denken an ein Warum , insbes
ſondere nach vorangegangener Kritit) , felt 1
Ariſtoteles für beſchloſſen , laut der Vorres
de zur zweyten Auflage der Kritit der R. B.
S. VIII , IX, Die ganze , hier unter Num .
8 beigebrachte , Anmerkung gelte , wie meine
bisherigen gehåuften Parentheſen , für mehr
nicht , als dieſe auch ; dei.n a hnden 1åßt
fie ; allein geahndet iſt nicht gedacht.
Man muß audy manchmal ausruhen d. t. un .
ter das Denken hinein ſeiner Begier , etwas
vorlåuffig Wiſſen zu wollen , die Bitte nicht
abídhlagen .
* 9 ) Ein Begriff ift , als das , was er als
Begriff bisbes in allen fogiten a uso
E
66

wles , vollfommen eben das , was eine Gewahrs


nehmung iſt ; und Gewahrnehmungen , ohne
Begriffe , ( bei den Thieren ) können zu eben
1 dem führen , worzu man (bei uns Menſchen )
auch durch Begriffe gelangt. Begriffe hingegen
ohne Gewahrnehmungen , würben , alb feine
Begriffe , nie zu dem führen können , worzu man
durch Gewahrnehmungen gelangt.

10 ) Ein Omne ( etwa in der Major eines


Schlußes ) gewißen Begriffen , als unentbehrs
Itche Sicherung der Algemeinheit ihrer Auſſage,
1
vorgelezt , iſt ein Omne, gewißen Gewahrnehmun . RE
gen vorgeſezt. (Eben ſo das Nullum ).

II ) Ein Omne , das , als unentbehrlide


Sicherung der Allgemeinheit ihrer Auſſage , ( eto
wa in der Major eines Schlußes ) , gewißen Bes
griffen ohne Gewahrnehmungen vorgeſezt
wäre , das wäre Gewahrnehmung in und auch
teinen Gewahrnehmungen vorgeſezt , folglich
ein Widerſpruch . ( Eben ſo daß Nullam ) .

12 ) Es giebt für einen , aus Begriffen beftes


benden , Schluß , mithin auch für das , woraus
er materialiter beſteht , für Begriffe , als das ,
was ſie inzwiſchen in allen Logiten
a uswieſen , für Urtheile , als Urthelle
(ohne das A bis tzt dabei in Anſchlag zu brin .

1
67

gen ) keine andere Wahrheit , als die Richtigkeit


der Gewahrnehmungen , worauf ſie beruhen , mits
hin die 23 abrheit ihrer Materiatur.

Nothige Anticipation Einiger Såje


aus der Urstheilung 8 : 00er Ob.
jettlebre , zum Behufe des
nå ch it folgenden 15ten S.

1) Das Denken , als Denten , muß die


Materte , als Materie im Denken zernichten ;
ſonſt kommt es mit der Materie nicht zu einem
Etwas , als Etw a 6 Ged a dotem .

Unm. Geſprochene wie gefchriebene


Worte 3. B, můßen als Materie im Hd.
ren und leſen zernichtet werden , wenn Gedano
ten daraus entſtehen ſollen .

2 ) Udein wie das Gedachtwerden bei efe


ner Materte ein Zernichten derſelben als Mate.
rte vorausſezt , eben ſowohl rezt das , daß man
an ihr einen Gedanken bekommen kann ; etwas
an dicer Materie voraus , welches ſich durch das
Denken , in einem Denken , ſchlechterdings nicht
zernichten läßt. Ohne das erſtere würde aus ihr
kein Gedanke , ohne das leztere wurde aus ihr
nichts Gedachtes , ſondern vielmehr ein Ge.
dachtes und aud nichts Gedachtes , , t. ein Wie
derſpruch.
68

3 ) Sol es mithin , nach vorangegange.


nen Gewahrnehmungen (= C) , mit der
Materie im Denken durd's Denken zu einem Et .
was , a18 Etwas Gedachtem fommen : To
muß dieſer Proceß des , auf eine Materie ans
gewandten , Denkens , (vermoge Num . 2) eine
Ur stheilung im Gedachten mit ſich bringen

a ) als einem Gedachten Etwa 8 (B Wirto


liteit )

b) als Gedachten (Non-B Möglichkeit .)

4 ) Mit anderen Worten heißt dies , bas Dens


ten verſchafft ſich durch ſeine Anwendung auf Mas
terie ein Objekt = B , Non - B , oder , wie ich es
izt , nad Unterlegung der Gedanken ſelbſt , die
es bezeichnet , ohne Mißverſtåndniße mehr beo
fürchten zu müſſen , richtiger ausdrüfen kann ,
B (minus) В

recio leit
B irklich Möglichreit
als Gedante als Gedanke.
Zuſammen

Objett
als ein Etwas in einem Denten , L
als Vorſtellung, zwar nach aufges
hobenem Mangel eines Denkens an ihr,
mithin nicht mehr bloße Vorſtellung,
69

aber auch ohne ein anderes plus , als


zur Möglichkeit des Dentens eines Eto
was weſentlich erforderlich iſt.

Dieß das obige Zwentheilige , worüber A ,


nadh dem es an einem C Stoff belo mo
men , ins Leben hinſtürzt. Dies die benden Rete
hen der urotheilung , in welchen das Dens
ten , ſich ſelbſt emig gleich und eben daſſelbe , in
ſeiner Unwendung (bei uns Menſchen ) über alles
ausfließt. ad unſer Erkennen , jeder Begriff, jes
1 des Urtheil , das tategoriſche wie das hypothetto
ſobe , jeder Schluß beruht daher auf einer vorans
gegangenen Disjunction , als dem Erften in der
Anwendung eines Denfens. Dieſe foglide Aben. “
theuerlichkeit mag behagen oder nicht ; e 8 muß
ro ſeyn. ( Imperativ , der fich vor keinem Im
perativo caret zu fürchten hat , wie stant's
ſynthetiſche Knoten).

5) Dies Objekt, als Objekt , iſt das Be.


ginnen nicht des Denkens felbft , das Denken
felbſt beginnt und endet nicht , ſondern der
Unwendung eines Denkens auf Materle , ift
reiner , allen Erkennen zum Grunde liegender
Gedanke , woran alles Gewahrnehmbare ſo weit
in einem Denten durch's Denken zernichtet iſt ,
als es zernichtet werden konnte , a) um nicht ein
Gedachtes und auch Nichts . Gedachtes d. t. ein.
70

Widerſpruch zu werden , um daher b) Gewahr,


nehmungen , in ſo ferne fie vorher als ein Nichts
denken , als bloße Vorſtellungen beigiengen, ist
unter einem Denken fich wieder an ſid , E
als an ein , nun im Denken durchs Denten una [
vertilgbar gewordenes , Etwas , anſchließen zu
Ļaſſeng 1
U a m.Dies , nach vorangegangenen Ges
1
wahrnehmungen , durch's Denten im Denken
unvertilgbar gewordene , Etwas eines Objekts
an ſich , hat Kanten berült , wenn er ein
Ding an fid . ( nenn' er's Idee , oder wie er
wil) durch reine Vernunft ſelbſt d. l, burds
Denten , als ein bloßes Denken gelegt were L
den , wenn er ferner die reine Vernunft , als
rein , mithin das Denten als ein Denten F

auf eine abſolute Totalttåt dringen låßt. Delo


fen nicht zu gedenken , daß er den , bet thm ſo
vielverſprechend angeregten Gedanken eines Ube
poluten (ſiehen oben) durch den Bellaz einer
1 Zotalitåt zum baaren QBiderſpruche ſogleich wie
der erniedrigt ; denn ein Totum iſt ein Quan
tum , und ein Quantum hebt das Abros
lutſeyn auf ; deſſen alſo nicht zu gedenken ,
fo würde ein Denten , welches als Denken auf
eine Lotalität ſeiner ſelbſt drånge, auf eine
Begrånzung feiner felbft d . i. auf eine Beendt
gung ſeiner felbſt , d . t, auf A als A und auf
71

A als Non - A , d. t. auf einen Widerſpruch,


dringen .

6) Sod alſo die8 Etwas noch ein Erwas


Teyn : ſo muß es fich vom Denten ſelbſt als bloqu
rem Denken , nody unterſcheiden .

7) Wað fich nun vom Denken , als Deno


ten , blog ſo weit unterſdeldet , als nöthig iſt,
um noch als ein Etwas gedacht werden zu köns
nen , iſt für ein Denfen in ſeiner Unwette
fung nothwendig .

8) Nothig iſt , um noch als ein Erwas gedacht


werden zu fönnen , daß an dem Nichtgedachten ,
mithin an der Materie in der blosſen Borſtel.
lung , etwas hafte , das ſich im Denken durchs
Denlon feineswegs jernichten läßt (Num . 2).

9 ) Nöthig iſt folglich zu dem Ende , daß an


dem non Nidtgedachten , mithin an der Mater
rie in der blorren Borſtellung , ein eben ſo un .
veränderlicher modus des Vorgeſtelltwers
den 8 hafte , als an dem Denken ein unverån ,
derlicher modus generalis und zwey unverán
derlicbe modi ſpeciales des Denkens haften ;

1 (die des Denkens ſind A alb A 1 ) in A ; A


al 6 A 2 ) durch A) .
10 ) Was nöthig iſt , zeigt ſich hier auch wirk,
lich. Der unveränderliche modus generalis
72

des Vorgeſtelltwerdens eines Vorgeſtellten ,


ift, daß es nicht, gleichwie A ſchon als A geo
dacht wird , eben ſo , als das was es iſt , ſchon
mit dem , das es iſt , ganz und vollkommen gee
geben reye , ſondern vielmehr außer einander
vorgeſtellt werde. Dies der modus generalis
des Borgeſtelltwerdens , gleichwie im Gegentheile
A ſchon als A modas generalis des Deukens
ift. Sener ift nöthig , weil es ſonſt kein Erwas,
als diftinktes Etwas für's Denken , d. 1. feln
Objekt , wie es bisher überall logild verſtanden
purde , gåbe,

11 ) Daß zur Möglichkeit eines Objekts als


Objekts , ein Vorgeſtelltwerden , als ein Auffers PA
einander Vorgeſtelltwerden , weſentlich erfordero
lich ſeye, mithin kein A ſchon al8 A , hier als
in einer bloßen Vorſtellung , ſtattfinden könne ,
fo viel , deucht mich , ift klar.

12) Klar folglich auch , daß ein Objekt ohne


ein Aufſereinander in der Vorſtellung tein
Dbjekt wäre ;

13 ) Klar folglid ) aud , daß ein Objekt ohne


ein U uſpereinander in der Vorſtellung anges
nommen , wie bisher überall , ein Objekt und auch
Fein Objekt wäre , folglich ein Widerſpruch ſeye.

14) Ein bloßer Mtz , mithin für's Denken


als Denten eine Ungereimtheit , die es der Körpe
73

weil verzeiht , würde es ſeyn , dies xuſfereins


ander , welches das Denken felbſt zur Möglich .
keit eines Objekte für daffelbe unhintertreiblich
fordert , etwa noch ad analogiam modorum fpe
cialium des Denkens , zweythellig ſpalten zu
wollen , wenn nicht Probleme vorlågen , welche
dieſe Spaltung dem I enten ſelbſt in ſeiner
Anwendung nothwendig machten ,

15) Die Probleme , welche hier vorliegen .


fordern , daß jenes , zum Denken eines Objekts
weſentlich befundene Auſſereinander . Vorgea
ſtelltwerden 1 ) zerlegt werde in ein Borgeftellte
werden nach einander d. i. in vorfallende Pere '
ånderungen zum Behufe der Möglichkeit einer
Vorſtellung überhaupt ( denn dieſe ſchließe
foon eine Veränderung in fid) ) und eines o ta
ftinften Etwas im Denken , insbeſondere aber
zum Behufe des Gebankens von einer Zeit ,
in weldjem Gedanken fich alsdann bloß das Dens
ten felbft , angewandt auf ein Nach einander
in den Vorſtellungen , beſchreibt. In dieſem
Nadein ander tft nåmlich das gerade Gegen .
theil des , ſchon in A gedachten , A als A , folge
lich fann A alb in einem Etwas , darinn gen
fezt werden ; dies Etwas rey nun inzwiſchen aude
was eß wolle. (Man ſebe gaten dfe Probe).
74

Anm. Zeit iſt ein Gedanke. Das Nach ,


einander , oder eine vorgehende Veränderung,
iſt eine nothwendige Bedingung der Möglichkeit
einer Vorſtellung überhaupt , mithin auch der
Anwendbarkeit elnes ( menſchlichen ) Denkens
insbeſondere. Die Zeit hingegen iſt das Dens
Ei
ken ſelbſt , ſchon angewandt auf das Nady .
einander in den Vorſtellungen , oder A uns
MP
endlichmal wiederholbar als A in dem Nacho
ein ander der Borſtellungen . Rant fohloß
mt
hier ſo ; well die Zeit kein Begriff, und doch
nothwendig iſt : ro muß fie nur etwas ganz
Neues , eine apriori de reine und a us
ung reyn . Der Schluß iſt unmittelbar gebaut
auf das ( Kritiſch , folglich nicht wie ſonſt , ans
gewandte) principium excluſi tertii ; denn Geo
danken giebt es in der Kritik erſt hinten ; mito IHRE

hin ftand einem vornen und in der Zran B.


zendentalen Aeſthetit nur die Wahl offen
zwiſchen Begriffen ( als meiner Meynung
nach, ſebenden) und reinen (als blinden)
Anſchauungen. Ein tertium wäre ein Widers -
(pruch geweſen . So enthalte mich des welte.
ren , , und ſchreibe hier aus der Transzenden.
talen Aeſthetit nur noch bei nach S. 47 und
71 einige

1
75

Worte der Kritik.

,,Die Vorſtellung, die nur durch einen einto


sigen Gegenſtand gegeben werden kann,
( es iſt von der Vorſtellung der Zeit die Rede)
iſt aber Anſchauung ? Auch würde ſich der
Saz , daß verſchiedene Zeiten nicht zugleid , rena
können , aus einem allgemeinen Begriff nicht here
leiten laſſen ; (getroffen !) - Der Saz iſt ſyns
theiird , und kann aus Begriffen allein nicht
entſpringen .“ ( Ulſo reine Anſchauung und doch
durch einen Gegenſtand , den einzigen nicht
zu 'vergeſſen , gegebene Vorſtellung, uno dies
die Zeit ; — Alſo ein ſynthetiſcher Saz , daß
man ein n a deinanderſeyn nidt als ein
Zugleich ſeyn , mithin keinen Widerſpruch , den .
fen fann ; Alſo ein ſynthetiſcher Saz . der
zwar aus Begriffen , aber nur nicht aus Begrifo
fen allein entſpringen kann ? Doch , wie
fiyon hieraus erhellen dürfte , und in der Kritik
S. 71 wörtlich ſteht, das Denken ſelbſt hat
ja Schranken jederzeit).

Wørte der Aritif.

Es iſt hier vom Gegenſtande der natürlichen


Theologie , mithin von Gott die Rede , der, oh
ne die Bedingungen der Zeit und des Raums,
als bloßen reinen Anſchauungen des Meno
fchen und auderer endlider Beſen wier
76

derum ſeine eigene reine Anschauung haber


foll ; ,, benn , heißt es , dergleichen muß alles rein
ME
Ertenntniß fenn , und nicht Denken , welches
jederzeit Scranten beweiſet " SIV
nug , mehr als Genug !

Ob es wahr ift , daß man feit dieſen Worten


der Kritik , in Deutſchland ſich ſeine Zeit nun
auch felbſt machen könne , laß' ich noch dahin
he
geſtellt reyn .
BE
16) Die Probleme , welche hier vorliegen ,
fordern ferner 2) daß jenes , zum Denken eines
Objekts weſevilich befundene Auſfere in ander
" = Vorgeſtelltwerden zerlegt werbe in ein Vorges
ftelltwerden neben einander , als den zweyten
modus ſpecialis jenes , zum Denken eines
Objekts weſentlich befundenen , modi genera
lis eines Vorgeſtelltwerdens Uuſſereinander.
Ein Objekt alſo , wenn es für ein ( menſchliches )
Denken Objekt ſeyn fod , darf nicht eben fo, gleich .
wie A ſchon durch A gedacht wird , als eines
durd das andere vorgeſtellt werden , ſondern
fchließt roon als Objeft ein Nebeneinandero
Þorgeſtelltwerder in fich . Dies iſt durch
die erkannte Nothwendigke it eines Auſſereins
ander für jedes mögliche Objekt eines (menſch .
liden) Denkens , im Grunde bereits zugegeben ,
und ſchließt an jenem erſteren bloß das zwepte
77

Wie (modus fpecialis) nad Maaßgabe


vorliegender Probleme auf. Da es aber,
ungeachtet ſeiner Unge:neffenheit zur Löſung jener
Probleme , folglich ungeachtet ſeiner Tauglichkeit
als hypotheſe , dennoch als There Wider.
ſtand finden dürfte : ſo wil ich's , zum Ueberfluſo
ſe , felbft als There noch zu beweißen ſuchen ,
in der Hofnung , daß auch dieſe Unterſuchung,
wenn ihr Standpunct richtig iſt , durch das tiefer
Gehen nur gewinnen könne. Bewieſen
nenne ich es alóbann , wenn ein Objekt , ohne
ein Nebeneinanderſey'n in eine m (menid ,
lichen ) Denken vorgeſtellt , für dies Dens
ken auf eine Borſtellung und auch auf keine Vors
ftellung im Denken , mithin auf einen 2Biber
( pruch , unwiderſprechlich hinauslaufft.

Beweis , daß , wenn ein Objekt


ohne ein Nebeneinanderſeyn in
einem ( menſchlichen ) Denten
vorg
rgeſtellt werden ſollte , dies,
alſo vorgeſtellte , Objekt auf
eine Vorſtellung und aud auf
teine Borſtellung im Denken ,
mithin auf einen Widerſprud ,
unwiderſpre lich hinausliefe.

Eine Vorſtellung bezeichnet entweder die


Handlung des Porſtellens in einem Denken ,
78

oder das , was dieſe Handlung får's Denken mito WM


bringt , das Borgeſtellte ſelbſt. Fene
Sandlung ſchlteßt ein Nacheinander ein , dies
iſt erwieſen ; denn ſonſt wår's kein diftinftes
Etwas , keine Handlung . De
Das was dieſe Handlung für's Denken mit
bringt , das Vorgeſtellte ſelbſt , aber ift
entweder ein Borgeſtelltes ober kein Borgeſtelltes.
Kein Vorgeſtelltes in einem Denken , und doch
als ein Borgeſtelltes in einem Denten , gedacht, ME
iſt ein Widerſpruch. Fenes ( etti Borgeſtelltes in
eirem Denken nåmlid) ) fann ég aber nicht ſeyn.
ohne fich weſentlich vom Denken zu unterfcheiben ;
denn ſonſt wäre es ein Borgeſtelltes und auch -
Fein Borgeſtelltee , mithin abermal ein Widere
ſpruch . Um alſo nicht ein Vorgeſtelltes in einem
Denken und auch kein Borgeſtelltes in einem Den.
ken zu feyn , muß ſich das Vorgeſtellte weſentlich
vom Denken unterſcheiden . So viel bringe ich 493
durch das bloße Denken gegenüber von einem
Vorſtellen , als vorſtellen , unividerſprechlid
beraus. Uber das Wie dieſes weſentlich erfors
derlichen Unterſchiede in Abſicht auf die Natur
des Vorgeſtellten ſelbft , ( nicht in Ubricht
auf die weſentlich erforderliche Handlung eis
nes Vorgeſtelltwerdens überhaupt ) and
noch aus dem Denken als Denken , dem Voro
ſtellen als Dorftellen , ganz allein beſtimo
79

men zu wollen , wåre ebenfalls ein Widerſpruc ;


denn es iſt izt von dem Wie eines Vorgeſtellten
als Vorgeſtellten die Rede , von welchem
Wie id , durch bloße Kombinationen aus einem
Denten und Vorſtellen überhaupt , unmög .
lich noch etwas anderes herausbringen tann , als
daß das Wie dieſes Borgeſtellten weſentlich
verſchieden ſeyn můße vom Wie des Denkens.
hiemit wäre ich alſo mit meinem weiteren Bes
weiße får die weſentlide Beſchaffenheit dies 1
feb Wie eines Borgeſtellten , deſſen Unterſchied
son dem Wie eines Denkens ich gleichwohl als
weſentlich nothwendig erkannt habe , abs
gewieſen an das , was ich mir an der Natur
dieſes Vorgeſtellten felbft niemals als Nidt , Nas
tur defſelben werde denken können , mithin als
weſentliche Beſchaffenheit dieſes Wie eines Bors
geſtellten werde denken müſſen. Auf dieſem Wes
ge allein kann ich klug darüber werden , was mein
Gedanke eines Aufier einander , welcher bet
mir den Gedanken eines Nebeneinander
Ichon nothwendig einſchloß , mit dieſem Nebene
einander denn eigentlich habe ausweißen wolo
len. Ich ſchlage den Weg ein , ſicer daß er zum
Ziele führen muß.
Der Stoff heißt mir C. Dhne dieſes C ift
keine Anwendung eines (menſchlichen ) Denkens
beim Erwachen deſſelben in einem Menſchenindia

1
80

olduum möglich , denn auf was ſoll es fonft , bet


ſeinem Erwachen in einem Menſchenindividuum ,
angewandt werden ? An dieſem Stoffe zernichtet WW
A im Denken , was fich daran als Stoff zers
nichten låßt ; ſonſt würde im Denken Stoff und ME
Gedanke , mithin das vorher diametral Entgegen .
gelezte , gånzlich eines d. I. ein Unding , ein lio
Widerſpruch , oder aber es fáme zu gar keinem
Gedachten ( alb einem im Denken vorgeſtello
ten ). Ich ſage , bas , vorher diametra Entges *
gengeſezte würde entweder gånzlich eines , oder
aber es würde nichts Gedadyted (als ein im Den
ten Vorgeſtelltes ) daraus , wenn nicht der
Stoff all Stoff im Denken , als Denten ,
zernichtet würde. Was war alſo diesfalls einan .
der diametral entgegengeſezt ? Stoff und Den
ten , mit anderen Worten Stoff und form.
Wenn nun aber zugegeben werden muß , daß an
jenem Stoffe in ſeiner bloßen Vorſtellung , als
einem noc Nichtgedachten , ein gewiſſes Wie
des Uuſſereinanderſeyns , das mein , ſchon in dies
les Aufiereinanderſeyn aufgenommenes ,
Nebeneinanderſey n nun vollends von ſelbſt
WC
durch wirklich vorhandene Raumdimenſionen
vollkommen beſtimmte , unabinderlich hafte : fo
muß auch zugegeben werden , daß dieſer Stoff
ſelbſt eine una bånderliche form habe. Eto
ne form lann , als Form , die andere nicht
81

zernichten ; folglich kann auch das Denken , all


Form , dasjenige was dem Stoffe als Form
anhångt , nicht zernichten ; (dies hieße abermal
eine scopula zernichten . ) Kann das Denken
dasjenige, was am Stoffe Form iſt, nicht zernichten,
und iſt das genannte, izt durch Raumdimeno
ftonen beſtimmte, Nebeneinanderſey nt
offenbar ſeine Form auch auſſer einemmenſchlichen )
Denken : (denn wie gieng es ſonſt der Ihteren ?) To
tann dies Nebeneinanderſey n nad Raum .
dimenſionen auch im Denken eines Objekts
überhaupt , woran gleichwohl aller Stoff, als
Stoff , zernichtet iſt , ohne eine Formzernich »
tung durch eine form , d. t. ohne einen Wi
derſpruch , nicht zernichtet werden. Aber , wird
man ſagen , folglich auch nicht gedacht
werden . Richtig ; dieſe Form fann nicht ,
fondern ſie muß vielmehr gedacht werden. Das,
woran kein Stoff mehr von einem Denken im .
Denken zu zernichten iſt , und das doch noch ein
Etwas iſt , muß gedacht werden. Wenn an
meinem Tiſche hier alles , was Stoff daran fft
von meinem Denten im Denken zernichtet iſt : 1

fo hat er es gewonnen ; denn er kann nun als


das was er in mir geworden iſt , als Ses
dante , - nicht mehr zernichtet , ſondern muß
vielmehr gedacht werden , ( Formæ rerum æternae ),

$
82

Nur einige der Folgerungen , welche


fich aus dieſem Beweiße ero
geben.

a) Dhne ein Nebeneinander nach


Raumdimenſionen in einer Vorſtellung ,
wäre ein Objekt etwas Vorgeſtellten und auch
Nichts Vorgeſtelltes", mithin ein Widerſpruch ( io
lange ein menſchliches Denken in ſeiner Un.
wendung nur von C , mithin von einem Stoffe,
ausgeht).

B ) Der Raum iſt als Ausdehnung die


weſentlich nothwendige Bedingung der Vorſtells
barkeit eines Objekts , als eines , im Denken nod
vorzuſtellenden , Erwas. Der Raum ift , nach
ES
ſeinen drey Dimenſionen , das im Dens
fen , durch's Denken Unvertilgbare Neben,
einander , mithin die Form am Stoffe, als
im Denten noch vorzuſtellenden Etwas.
einem ,
Der Raum ift , nach dem Detail feiner
Geometriſchen Verbåltniſſe ( das heißt,
in das Rechnen gezogen) eine Anwendung des
Denkens als eines Denkens auf das im Denken
durd's Denken Unvertilgbare Nebenein.
ander mithin auf die Form am Stoffe , als
einem im Denten noch vorzuſtellenden Erwas.
Dieß der Grund des U podiktirden in der
Geoinetrier
83

Anm . Dies Apodiktiſche in einem Nebene


ein ander hat vielleicht Kanten zur Ents
dekung ſeiner aprioriſchen ſynthetiſchen Så .
ze verholfen ; wobei er bann dem Denken ſelbſt
das zuſdjob , was in der Form des Stoffes
liegt , nåmlich die Kopula des Stoffs , die
Syntheſis eines unvertilgbaren Nebeneitto
ander , ohne A ſelbſt zu ſeyn ; folglich nahm
er in ſeinen aprioriſch en ſynthetiſchen Sås
zen , als Såzen , die im Weſen de B. Dens
tens felbft idon ſynthetiſch Itegen ſols
len , ein A an , wo , als in einer S y no
thefis , oder Kopula des Stoffe , fein A ,
ſondern bloß eine weſentliche Bedingung ler
Anwendbarkeit eines A auf einen Stoff , um
für ſich ein Et w a8 daran zu gewinnen , liegt.
Kurz , die Kopula der Materie , um als ein
Etwas in einem Denken vorgeſtellt werden zu
können , konkrebzierte ihm in ſeiner Phantaſie
mit der Knpula des Denkens , welche bloß
ift A unendlicymal wiederholbar als A In A
und durch A ; er nahm in das A ein Non
A auf als A ; zappelte alſo , feine ganze Krio
tik hindurch , an ettel Widerſprůdyen ; denn das
prius war ein Srrthum .

g) Eine vorgehende Veränderung


(ein Nad einander ) iſt weſentliche Bedingung
84

der Möglichkeit einer Vorſtellung überhaupt als 11


einer Handlung (als eines Uctus ). U u B.
deb nung (ein Nebeneinander ) iſt weſents 1
liche Bedingung , wenn dieſe Handlung für's Den ,
ten Etwas mit ſich bringen roll , folglich
weſentliche Bedingung des Vorgeſtellten ſelbſt, h
als reines im Denken nod) vorzuſtellenden
Etwas. M

3) Kein Objekt tann ohne Ausdehnung


in einem Denken vorgeſtellt werden . Mein Tiſch
da , meine Feder , mein Papier , in dem Gedans
ten von ihnen , ohne Ausdehnung vorgeſtellt , wår
ein Tiſch und Nicht . Zlich u . l.w. – Wie fich's
mit Individuen verhålt , ſo verhält es fid) auch
G
mit Gattungen , als dem , was ſie bisher
71
in den logiten aus wielen , mit Arten ,
Unterarten , ſo lange ein menſchliches Denkeu in
ſeiner Unwendung nur von C , mithin von einem
Stoffe, ausgeht. 1

Beiſaz für Poiche, Benen dieſe fonres


quenz zu hart důnlen módte.

A , mit C verbunden , und mit dieſem ein


( B -- B ) produzierend , um daran das C wieder in eto
ne Vorſtellung für ein Denken aufnehmen zu köns
nen , dies iſt der Kreis , welchen unſer Denken in
ſeiner Anwendung beſchreibt. Man ſage mir aber
85 -

nun, wie es möglich wäre, an ( B -- B ) das C wie :


der in eine Vorſtellung für ein Denken aufzuneho
men , wenn an jenem ( B- B) ſo gar die weſentli,
che Form von dieſem (C) durch's Denken (A)
zernichtet worden ware ? Nein , unter dem Bes

harrlichen dieſer unvertilgbaren Form des N e .


beneinanderſeyns findet vielmehr alsdann
erſt unſere ganze wirkliche Hineinbildung
in die Welt , und , was uns oft noch lieber iſt ,
unſere Phantaſie ihren Plazi po wie ,
durch das Beharrlide im N a chefnander, ein
Gedå chtniß ſein , zum Dienſte eines Denkens
in uns zu treibendes , Tagewerk rich angewieſen
findet. Man thue es alſo ſeiner Phantaſie zu
Gefallen , und beſinne ſid ), ob nicht ein jedes th.
Ter Bilder dhon als Bild etwas Räumliches ento
halten můffe, oder ſonſt ein Bild und auch kein
Bild wåre ? Man thue dabei aber doch auch dem
geſunden Menſchenverſtande , ( ich rede mit dem
Kritiſchen Uebermuth ) einen kleinen Gefallen , und
beſinne fich ; ob nicht die ganz Raum, und Zeite
loſen Kantiſchen Kategorieen als vereinzels
te Formen der Möglichkeit eines Denkens ein
Ding und auch kein Ding reven , oder nicht ?
Bei Kindern , welde zu denken beginnen , wären
fie ein Ding , weil da doch wohl alles noch durch
Bilder ( Gemeinbilder von einigen ges
nannt ) zu gehen pflegt: aber dann find's keine
86

Mantiſche Rategorieen ; bet uns alteren Leuten


würden ſie KantildeKategorieen : fiengen aber,
nach meinem geringen Ermeffen , eben dadurch 10
an , bei uns alteren Leuten ein Ding und auch
kein Ding zu werden ; das Denken entwiſchte eis 11
nem , je alter man würde , vor lauter Reinheit, 0
unter dem Denken , indem ſein Objekt durch zwölf
Kategorieen hindurch alle Ausdehnung verlore.
Es iſt auch wirklich bemerfungswerth , daß Kant
an reine Kategorieen nur noch reine Schlüße an. 188
knüpfen darf , um qus ihnen unter dem Geſchafte WV
des reinen Schließend , mithin , wie er glaubte
durch ein ganz reines Denten , Ideen
zu produzteren . Wåren ſeine Kategorieen lo rein , fil
ſo ganz Raum uno Zeitlos wie er meynt , ſo würs
de er , über die Grången einer möglichen Gewahr.
nehmung hinaus nichts , auch nicht einmal Ideen
mehr . durch ſie haben entſtehen laſſen können,
ſondern gendthigt geweſen ſeyn , den rechten Weg
hier einzuſchlagen , und zur Phantaſie diese 0
falls ſeine Zuflucht zu nehmen. Was endlid an
den Ranti( d) en Kategorieen eigentlich gedacht
iſt , das iſt eo ipfo keine Kantiſche Kategorie
mehr , ſondern ein Denken , als dieſes aber
låßt es ſich nicht in bereinzelte Formen als
Bedingungen ſeiner Möglichkeit zerfaſern . Biels
mehr iſt es , wo es iſt , ein und ebendaſſelbe.

?
1

87

17 ) Ich glaube , durch das , urter Num. 16 ,


Geſagte , und inebeſondere durch Num . 7 gezeigt
zu haben , daß ich keine Konſequenz fürchte , ſo
bald ſie nach einem unumſtößliden ( das heißt ,
nur eben wirklichen ) prius unabwendbar fidy
aufdringt ( das heißt , nur eben eine Konſes
que u z ift ). Das : Einige :, den Folgerungen
in der Aufſdhrift vor Num. a) beigerezt , bedeutet
bloß , daß id mich hier des Aufſchluſſes , weld en
jener vorangeſchikte Beweiß Mathematikern
über den Grund der Unumſtößlich feit ihrer WC.
ſenſchaft , P ſychologen über das ganze Phan ,,
taſieweſen am Menſchen , giebt , hier im Detail
enthalten wolle , weil's nicht hieher gehörte. -
Allein , wie konnt' ich vergeffen , daß ja . gewekt
durch C , wirkſam in C durd, die Produktion eto
nes B.B aus demſelben , mein eigenes Denker ,
wo es zur hödiften' möglichen läuterung von
jenem C wie von dieſem B - B , durchgebrochen ,
nur in fich ſelbſt eingekehrt ift , auch
1
ſich ſelbſt bloß denken kann ? Auch feine
Form iſt unvertilgbar , weil ſie form iſt ; und
ſeine Form iſt kein Uuſper , keln Nachs fein
Nebeneinander , mithin apobiktiſch gewiß
teine Ausdehnung , ſondern apobiktiſch gewiß
Rau m.. und Zeitlos. In ſeinen reingedachi
ten Gelezen ( A als A In A , durch A ) denke
ich mir ja nichts anders als mein Denken ſelbſt,
88

und denke doch . Ja ſchon in jedem - Bi 0. l.


in jeder Möglichkeit , als Möglichkeit , jedem Se
dachten als Gedachten ohne ein vorgeſtelltes
Etwas , mithin ohne eine Vorſtellung , mithin
ohne ein Objekt , wie es bisher beſtimmt wor.
E
den iſt , denke ich mir nichts anders , als mein
Denken felbft , und bente doch .

Sen ' mir gegrüßt , Heiliges licht , möchte


ich hier mit Milton ausrufen ; wenn nicht
jedes ficht nur ein Wiederſdein von dieſem 101
Lichte wåre , nach dem ein Stoff dan h
i wiſden getreten iſt.

18) Iſt gleich dies — B fein Objekt , wie 40


ein Objekt bisher beſchrteben wurde , und wie ed ,
als Objekt , als Vorſtellung in einem Denken,
als ein , in einem Denken vorgeſtelltes , Et,
was feyn muß : ſo mußt' id ) gleichwohl durdy's
Denken im .Denken eine Form zernichten , můßte
gerade die Form zernichten , welche mich am nåch.
ften angeht , wenn ich ihm keine Realität , oder ,
1 - wie foll' ich es , ſchwebend wiederum über dies
ſem Abgrunde , nennen ? nicht das reinſte
Seyn (eivo) beilegte. Aber dieſe Sache iſt allo
zuwichtig , als daß ich nicht noch zu dieſem , an
fic rohon unerſchütterlichen , Grunde
threr Behauptung ( ſo lange teine Form als Form
durd eine Form als Form zernichtet werden kann ),
89

alles aufſuchen ſollte, was zu threr weiteren Bea


leuchtung dienen möchte.
1
19) Ich thue es alſo , und gehe izt , abgeſes
hen von B , jenem B weiter nacy. Zwar ges
lang' ich , und dtes kann nicht andere Peyn , auf
dieſem Wege zu lauter minus ; zum minus einer
Vorſtellung , zum minus eines , .in einer Vors
ſtellung gedachten , Ermas , zum minus eines
Objekte , zum minus eines Auſſereinander , zum
minus einedo Nebeneinander ; folglich auch zumn
minus einer Zeit und zum minus eines Raumsi
folglich auch zum minus eines ( animaliſchen ) Lee
bens , und zum minus eines Daſeyns, weldes
ein möglides Dortreyn , und ein mogo
Itches Andersſeyn als das , was es iſt,
gulieſſe.

20) Ulein , aller dieſer minus ungeachtet , die


daraus folgen , konnte ich ohne dies - B ( dieſe
Möglichkeit) auch kein B (keine Wirklichkeit ) als
Gedanken in mir haben ; ſo wie ich ohne B
als einem Gedanken , auch nichts von - B wife
len würde. Das — B begründet alſo die Mogo
lichkeit von B als einem Gedanken ; das B
hingegen deutet nur auf etwas , das ich durd
den Vorgang von — B bereits denken gelernt
babe. Kann alſo das B , und was es in feia
nem Gefolge mit ſich bringt, ein Niots ſeyn ?
90

21 ) Abgeſehen von B , und noch weiter zua 0)


0
růkgehend an dieſem - B , ſtoße ich endlich , un ,
11
geachtet aller daraus folgenden minus , ſo gar
auf eigene Geſeze , welche dies - B hat. Fd bes 11
finde mich alſo hier doc wobl nicht im Gebiete
des Nichts ; fo febr ich mir dabet bewußt bleibe, GE
lta
daß ich ist über alles Qusgedehnte und darum
1
Borſtellbare, über Naum und Zeit , über alles 4
11
Sichibare und Betaſtbare hinweggerúft bin . Die
41
ſe Gereze find. Wären ſie nicht , wie könnte
id ) ihnen alles , was an meinem Wiffen und Ero
kennen gedacht iſt , zu verdanken haben ? Was
114
an meinem Biffen und Erfennen bloß gedacht
iſt , iſt , als gedadt , nothwendig . Noths
wendig ſind alſo dieſe Gereze. Es iſt ewig daſ
felbe , iſt wahr und feiner Einſdyrånfung noch
Uusnahme fåhiy. Ewig daſſelbe , wahr , feiner
Einſchränkung noch Ausnahme fähig , ſind dieſe
Geleze ; thr Nichtdenken , wie ihr Andersdenten
wåre ein Widerſpruch. So weit gelåutert , daß 1
die Sprache fie noch auszudrůken vermag , lau.
ten ſie: A als A , in A , durch A.

22) Das B ain Objekte iſt demnach ist ſo in


meinem Denken eingeleitet , daß es die Reihe
binab auf Vorſtellungen zeigt , und ſich (un.
ter dieſem Geſichtspunkte ) zu Gunſten der
Borſtellbarkeit eines Etwas ( ad formam
91

C) , nicht zernichten läßt. Das – B eft fzt jo


in meinem Denken eingeleitet, daß es (unter dies
ſem Geſichtspunkte ) nidit mehr , wie hinabwärts
In der Reihe å berall , eines B ( ad formam
bedürftig , nun auch aufwärts in derſelben auf
Gedanken als Gedanken zeigt , und zu Guns
ften eines Denteng , als Denkens (ad formam
A , wenn's durch C geweckt worden iſt ), ſich
nicht gernichten lågt. Nun aber läßt fich in der
Anwendung eines Denkens unterwarts vom Dens
P
ken felbſt , und in's Phyfiſde berein , kein - B
ohne voranſtehendes B im Denken borſtellen ,
(ung htet die Möglichkeit bei der Wirklich leit
im Denken vorausgelegt wird) , und nur B - B
beiſammen geben hier ein Objekt , ( oben
bewieſen ) ; mithin fann ich auch nur hier von ele
nem Objekte ( einem Daſeyn , Dortfern unter eio
nem Denken ) ; beim Denken felbſt aber nicht
mehr von einem Objekte ( einem Daſenn , Dort .
reyn unter einem Denken ) ; ſondern ich muß da
pielmehr von einen Seyn ſchlechthin reden.

23) Und ; wenn ich denn da vom Seyn


dhlechthin rede , von was für einem Seyn rede
ich wohl , laut des bisherigen ? ' Iſt es ein Dias
Lettiſches Seyn , womit mich mein eigenes
Denten , ineine eigene reine Vernunft ,
hluhålt und betrůgt , ja ihrem Grund und Wefen
92

nach , als mit einer erbſündlichen unvertilgbaren


füge , auf der ſie nur erſt ſeit ungefåht breyſſig
Jahren ertappt wurde , hinhalten und betrügen
muß ? Dies hat , ſeit Menſchen Gedenken , nur
ein Menſch , der Vernunft zum Spott , ro beo
hauptet , wie es izt in Deutſchland behauptet wird ,
und nachgebethet haben's tauſende. Nein , es iſt
ein wahres , nothwendiges , ewiges und unwan,
delbareb , feiner Ausnahme noch Einſchränkung
fåhiges , Seyn , beffen Nichtdenken oder Anderso
denken als es tft , ein Widerſpruch wäre ; es iſt
ein Seyn , wie es die Weltweisheit , vor threr
Krittſchen Hinrichtung , von Pythagoras und
von Platon's Zeiten an immerdar , als das
Seyn einer intelligiblen Welt , die ſich am
Denken des Menſchen offenbare , und als ein
Seyn , wie's bei Gott iſt , betrachtete , und
worůber fie , als apodiktiſcher Gewißheit eines
Seyn’s auſſer dieſem wandelbaren Daſeyn im
Stoffe , in ihren denkendſten Sadwaltern frob
war.
Wie's berMetaphorik,, mit der
Metaphyfir
Lehre von Gott , gegen Ende des
18ten Fahrhunderts in Deutſch
land ergangen ſeye , eine Note
z Ú N u m . 23.
Ein Philoſoph , welcher die ganze Philoſophie
melftern wollte , ſtand , hinter einem måchtigen

7
1
93

Bollwerke neuer Wörter mit der bedenklichen


Erzeption gegen die Theſe von einem Gott auf :

„ 6 denn der ſubjektive Gedante


von einem Gott a u dy objektive Re
alitåt haben möchte ? "

Daran , meynte er , haben die einfältigen


Schulen bor ihm noch nie gebacht , und das feny
doch die Hauptſache. Nun erſcholl's von Mund
zu Mund : an der Philoſophie , welcher ſo eten
erſt der rechte Arzt den Puls gefählt, åuſſere
ſich eine gar ſonderbare Kriſis , über die man 1
Sammt und ſonders zu Rathe gehen muße. Geo
fagt , gethan ! Wer nicht mitmadte , hatte keto
nen Kopf. Es waren folglich lauter Gentes ;
und , wer es noch nicht war , wußte durch ein
Au ſezendes Ich der Kargheit der Natur in einer
unbegreiflichen Zeitkürze , C wie das auch die ans
geſehenſten gelehrten Blätter Deutſchlands nicht
bergen konnten , auf das glútlichſte abzuhel.
fen . Plözlich hob' er ſich , nnd ward , nach einer
kleinen kritiſchen Evolutionskrankheit , ein Uni.
verſalgenie: Wenn nun aber ein Nichtruniverſal.
genie über den , oben vorgelegten , nach und nach
zu ihrer Lieblingsmaterie gewordenen , Punct ſich
nur in aller Einfalt der einfältigen alten Schu .
len , eine Frage an die Serren vom Sektenhaup.
te an durdoweg , erlauben dürfte ! Sie wäre : 06
mu
94

denn der berühmte Königsberger auch ges


wußt habe , was er rede ; wenn er nach einer
obiettiven Realitåt bei Gott , d. i, nach
einer Raums und Zeitfälligen , ausgedehnten , dem 0

Stoffe angehörigen , entweder , weun's möglich 4


wäre , gar todten , oder höchſtens animaliſchen ,
palpabelen , folglich nie rein intelligibes
len Realttát , - und das bei Gott , als eto
ner , in den Augen jedes Vernünftigen ganz refo
nen Intelligenz ( Deutſch : einem Geiſte ) ,
habe fragen können ? - Das Unheil , welches
dieſer Mann durch eine ſolche unreife Erzeption,
die keinen Sinn hat , noch haben kann , bereits
anrichtete , liegt am Lage. *) Allein ſo geht's,

* ) Daß er dabei ſelbſt nidt gewußt habe , was er


wolle , ergelt auch daraus , weil es ihm möglich
TEN
war , die , als fonſtitutiv d . i. als etwas, das
ein wirkliches Sepa auſagte , in der Kritit der
reinen Vernunft verworfene , ghee von einem
Gott , hintendrein mit der Bedeutung eines Res
gulativ s für unſere Erfahrungstennt ,
nifre zu belegen . Nach der , tonſtitutiv dialek,
tiſchen , Idee von einem Gott roll der Menſe
nämlich dennoch reine Erfahrungen regulieren ;
windem man , ( dies ſind Worte der Kritik s .
698) , den Gegenſtand der Erfahrung gleichſam
von dem eingebildeten Gegenſtande dieſer Idee,
alf feinem Grunde , oder Urſache ableitet. “ alſo
95

wenn man eine Kritik des Denkens ( chreiben will,


und nicht weiß, weder was das Denken , noch
was ein Objekt iſt. Håtte Fid )te aus ſeinem
Id , in welches ihn , als einen konſequenten
Kopf , Kant zulezt verſtriken mußte , und das,
Fichte mochte es beſtimmen wie er wollte , doch
immer eine individualttåt bleibt , ſich mies
der herauswillen können : dieſe Rüge würde er
ſeinem Sektenſtifter ſelbſt gegeben haben.
war der Betrogene durch Kant's Schuld. Sein
Scharfſinn wollte auf dem gelegten Boden vors
warts ; der Boden taugte nichts , und er fiel.
Fållt nun der Wagen , ſagt ein Provinzialipridh,
wort bei uns , ſo hat er allemal fünf Råder o. i.
die gröbſten Fehler gehabt , die vorher tein
Menſch an ihm bemerken wollte, 30
bedaure dieren Mann von Grund meines Her.
zens , eß mag ihm an mir liegen was da will.
Kanten hingegen bin ich gram über ihm ; und
thu ' ich dieſem zu blel : ro proteſttere man ;
ich verantworte es. Dixi ! -

ein Vel quafi - ableiten der Erfahrungsgegens


ſtånde von einem , tonftitutis gleid wohl dia.
lettiſden , Gott, als wär' er ihre Urſache, madt
Gott zu einem Regulativ , und macht eo ipſo dies
Regulativ zu einem unding , weil's tonftitutiv
dialettiſch iſt. 2
. 96

24 ) Was ficha) auſſer dem Raume allein


noch denken låßt , und weil wir denken , gedacht
werden muß , iſt das Denken ſelbſt in ſeinem
Seyn , nicht in einem raumfälligen Erwas,
nebſt dem , worauf es nach den lezten Nummern
zeigt.

25) Bas fich ) auſſer der Zeit allein nody


denken lågt , und weil wir denken , gedacht were
den muß , iſt das Denten ſelbſt in ſeinem Seyni,
nicht in einem zeitfålligen Etwas , nebſt
dem , worauf es nach den lezten Nummern zeigt.

Anm . Daher , ( a , b ), der auffallende


Kontraſt von einer Unendlichkeit ( deb Seyns
als eines Denfens ) , noch auffer einer Uno
endlichkeit ( des Raums und der Zeit , denen
man alsdann doch wieder gegen jener Unend,
Itch leit Schranken anlegte ) - in Augenbliken
der Weyhe bet erhabenen Getſtern , und miro
1
igend erhabener , als beim großen Haller,
über die Ewigteit , wenn er von Gott
ſagt :
Die ſchnellen Schwingen der Gedanken ,
Mogegen Zeit , und Schal , und Wind ,
Und ſelbſt des fiches Flügel langſam ſind ,
Ermúden über dir , und hoffen keine Schran ,
ken ;
Ich håuffe ungeheure Zahlen
97

Gebürge Millionen auf ,


I welze Zeit auf Zeit , und Welt auf Welt
zu Hauf ;
Und wenn ich von der fürchterlichen Höhe ,
Mit Sdwindlen wieder nach dir ſebe ,
Iſt alle Macht der Zahl , vermehrt mit tau .
rend Malen ,
Noch nicht ein Theil von dir ;
Fch tilge pie , und du lieg ft g'ang
vor mir .

Daher aber auch das vorſtellungsloſe


1
Gefühl in Augenbliken der Weyhe bei der Reo
ligioſitåt überhaupt !

26) Keine Materie kann als Materte geo


dadt , ſondern kann , als Materte nur für ein
Denken (um für ſich ein Objekt daraus zu ma.
den) vorgeſtellt werden.

27) Was , an der Materie , Form ( copola


materiæ ) tft , tann nicht nur , ſondern muß gen
dacht werden , d. i. es muß an der Vorſtellung
des C in einem Denken , mithin auch an jedem
Objekte ( B - B abwårt 8 in der Reihe und ins
phyſiſche Leben herein) unvertilgbar haften. Mug
es auf dieſe Weiſe , die tzt erft verftåndlich
entwikelt werden konnte , gedacht werden : ſo muß
<8 auch duro Etwas, das weber felbft ein
$

}
98

Denken iſt , noch als das , was es iſt, je ſelbſt


ein Denken (durch Formjernichtung ) werden Pann,
im Denken vorgeſtellt werden ; denn ſonſt hlengen
formen der Materte ( ein Auffer , Nach
Neben , einander , und zwar lezteres nadh drey
Dimenſionen) , dem Denken don alb einem
Denken an , welches abſurd iſt ; ( A in die
Queere , mithin Non - A ).
Anm . Hier , bei dieſem Abſurdſeyn , fått
mir etwas bei von einem Kritiſchen Ideas
It 8 muß , den ich als eine nod ) weiter ausges
ſponnene, Kantiſch , Fichtifde, Philoſophie
hler und dort angezeigt finde. Sollte dieſer Rritto
fobe Idealiomu8 etwa ebenfalls darinn beſtehen ;
denn ich habe mich nie genauer nach ihm 'er.
kundiget ; daß auch der Raum , wie die
Zeit , ſchon als durdy's I do rezbar gedad)t wür,
de : o iſt dies d ) entweder das Denfen = A.
oder das Objekt = B - B , oder der Stoff = C.
Iſt es das Denken , so ift's ein abſurdes
laut Num . 27 ; iſt es das Objekt , so ift's
kein ja neu'ſten Schlag's : iſt's der Stoff ro
iſt's wieder kein • d) ; folglich würde dieſer
neue Kritiſche Idealismus , vorausgeſezt ( wie
ich ſchließen muß , wenn die Herren konſequent
find ) , daß er noch immer um ein Ich fid
dreht , ein , aus der Kritiſchen Philoſophie hero
vorgegangener , Uuswuchs von dem ſeyn , daß
99

Kant , ( ley's praktiſch over theoretiſd ) durchs


Denten als Denken , ſchon ein Etwas (mithin
ein Objekt , mithin Raum und Zeit) im Mens
rden geſezt werden låßt ; und alſo ſeine Ans
hånger zulezt auf a prioriſche Viſionen,
als nicht mehr mittheilbaren Grund aller und
jeder Philoſophie hinaustreiben mußte. Aller
dings , möchte man meynen , der Unblik1 der
Thiere håtte dieſe neueſten Weltweiſen bereits
überzeugen müſſen , daß das neben und
Nach ein ander · Vorgeſtel'twerden nicht
allein im Menſchen . Ich liegen könne , fons
dern bereits dem Bewußtſeyn in einem animas
liſchen Leben , mithin auch dem Pferd . 30
u. 1. w. , wie ich zu meiner Verwunderung ſo
eben erſt an einem derſelben bemerkte , anhanı
gen müſſe, wenn's darinn zu Vorſtellungen
kommen ſoll. Allein dieſe Ueberzeugung wäre
nur empiriſden , und nicht, wie's in einer
wahren Philoſophie feyn muß , anſchault
transzendentalen Urſprungs geweſen .
Hinweg damit !

28) Was an der Materie Form ift , muß


alſo im angezeigten Sinne gedacht were
den. Nun aber fragt fich ; ob denn , auffer dem
Nachs und Nebeneinander , nichts an der
Materte form reve , auſſer dieſem mithin nichts
1

100

an thr gedacht werden müſſe im angezeige


ten Sinne des Worts ?

29) Iſt einmal A in einem gewiſſen C durch


B-B gelezt : ſo lauft nun an dieſem C alles , was
baran ( als Objekt ) gedacht werden kann ,
auf B - B zurük. Was demnach an C nicht auf
1
B - B ( als Objekt ) zurútgebracht werden kann ,
iſt an C (als Objekt) nidot gedacht. Was aber
HE
daran auf B - B als dieſes zuråklauft , das A
muß an C ( als Objekt ) gedacht werden , iſt
mithin Form von C , ( als einem Obiette) .
V So viel für lyt ; das Uebrige in der Urtheis
lungs , oder Objeftlehre ſelbſt ! - Und um
ung dieſer alsdann ( in der weiteren Ausführung
der Logit ) ungetheilt wiedmen zu können , muſs
ſen wir hier uns vorerſt der Zeit vollends ents
ledigen.

30 ) Die Zeit zieht fich nåmiid , in der Eis


genſchaft von Num . 25 , zwar parallel mit den
Raume hin ( Num. 24 ) ; dies iſt nicht zu låugs
nen . Aber von einer anderen Seite , als Bedin ,
gung der Möglichkett innerer ſowohl als &niſer
i rer Gewahrnehmungen , wie man igt ſpridt ,
da der Raum nur für å uffere Gewahrnehmun .
gen Bedingung ihrer Möglichkeit ift , droht fie
neue Schwierigkeiten . Sie ſind nicht gefährlich .
Bas daran iſt , wird die Probe aufweiſen ,
TOI :

Probe über die , aus der Objektlehre


hier (von Num. I - 30 ) antisto
pirten Såje.

Der Beitrag , weldien dieſe Nummern zur


Ertlårung deffen , was ich noch über die Logit
zu ſagen habe , unfehlbar liefern werden , verbuns
den mit den Merkmalen der Konſequenz , welche
fie , wie mich deucht , an fic tragen , iſt ohne
Zweifel die bewährteſte Probe threr Richtigkeit.
Misverſtändniſſen vorzubeugen , und dem , was
daran noch einer genaueren Beſtimmung fåhig
oder bedürftig iſt, dieſe Beſtimmung auf eine ſolo
che Art angedeyhen zu laſſen , daß nur die Will.
kühr ( ein Nichtsdenten ) den behaupteten Såzen
ihre Wahrheit ftreitig machen könnte , dies iſt es
alſo allein , was unter dieſer Aufſchrift die se
mal noch geleiſtet werden muß.

Aus der Materie , heißt es Num. 2 , würde


nichts Gedachtes , ſondern vielmehr ein Gedad
tes und auch Nichts Gedachtes , wenn nicht an
ihr etwas haftete , welches ſich durch das Dens
ken in einem Denken nidyt zernichten lleſſe. Wem
dieſer Saz , auf ſolche Art geſtellt , nicht einleuch .
ten will , der findet ihn unter einer anderen Stela
lung im Beweiße zu Num. 16 , wo er alſo laus
tet : an dieſem Stoffe zernichtet A im Denken ,
was ſich daran als Stoff zernichten låßt ; ſonſt

:
102

mårbe im Denken Stoff und Gedanke , mithin


das , vorher diametral Entgegengeſezte , gånz.
lich eines d. I. ein Unding , ein Widerſpruch ,
oder aber es kåme ju gar keinem Gedagten.
Man bemerke , daß hier zwar beydemal vom
Denten einer Materie , mithin vom Vorftels
len einer Materie in einem Denken , die Rede
iſt; allein beydemal dengod das Wort : Gęs
dia dt : nicht: Vorgeſtellt : gebraudyt wird .
Warum dies ? Sft nicht das Denken ciner Ma.
terie , als Denken einer Materie , ein Widers
ſpruch , wenn ſie, um gedad )t werden zu können,
im Denken durch's Denken als Materte zero
nichtet werden muß ? Gemiß , ein baarer Widers
ſpruch ! Warum denn alſo doch die , einen Wi.
derſpruch einſchlieſſenden , Uusdrůke , dergleichen
dieſer tft : aus der Materie würde nicht 8
Gedachtes ? Antwort ) was den Widerſpruch
betrift , ſo beliebe' man darauf zu achten , daß
nicht die Materie , ſondern aus der Materte
geſagt wird ; und der Widerſpruch iſt weg. Mein
Ziſch , als dieſer Tiſch da , wird freulich nie ein
Gedanke , aber aus dieſem Zifde wird in mir
ein Gebanke , oder etwas Gebadres. - Antwort
B ) was die Eigenheit betrift , daß ich denn doch
hier nicht ſagen wollte , wie von Num . 8 an ,
es wird nicht in einem Denken More
geftelltes daraus : ſo geſchah es der 4 a ar
103

lyrt 8 gemåß , welche erſt unter der progreffio


ven Entwiklung des , zuerſt in einem Zuſams
mengefaßten , die erforderlichen Scheidungen vors
nehmen darf , wenn ſie nicht , ſtatt eines Fas
dens im Denten , ſogleid zehn bekommen , und
fidh dadurch unvermeidlid verwirren will. Id
half mir daher anfänglich da , wo id das Dens
ten mit der Materie in Berbindung zu ſezen bats
te , bet der lezteren bloß mit Pråpoſitionen .

Was die , unter Num . 30 erwähnte Scwles


rigkeit betrift , welche in Abſicht auf die vollſtåno
dige Erðrterung der Zeit noch übrig zu ſeyn
ſcheint , ſo hoffe ich , die Leichtigkeit , womit fie
ſich nach der obigen Erklärung von thr heben
lüßt , werde zur Befråftigung der lezteren ſo viel
austragen , daß fie fernerhin keinem weiteren
Zweifel unterworfen feyn dürfte.

Daß die Zeit , als Zeit , ein Gedanke reye,


bekennen wir jedesmal ſelbſt , ſo oft wir ſie in dle
Rechnung stehen , dies heißt eben , ſo oft wir
von der unendlich maligen Sezung des A all A
in thr ( ſie ſey nun an fid was ſie wolle ) in els
nem Denken wirklichen und gegenwårt to
gen Gebrauch machen . Es fragt ſich alſo nur
noch : von wa 8 tft fie ein Gedanke ? Antwort :
von einem Nacheinander , oder von vorgehen.
den Verånderungen , nidot als einem Vero
104

& nderten , ſondern als Veränderungen , kurz


als einem Nadeinander. Hiebei glaube ich ,
mich ſchlechthin auf das Bewußtſenn eines jeden
berufen zu darfen , Die Zeit iſt alio ein , in's
Denken gezogenes N acheinander der Borſtel.
lungen in einem Denken. Aber als etwas , von 1
uns bereits schon fn's Denken Gezogenes ,
tann ſie niemals die Bedingung der Möglichkeit
trgend einer äuſſeren oder inneren Gewahrneho 1

mung ſeyn ; dies wäre ein Kanttiches Űsepov trgó


Trgov . Kann ſie ohne Widerſprnd dies nicht ;
M
To fann ſie es nicht als Zeit ; und tann ſie es
nicht als Zeit : ſo kann ſie es entweder gar nicht,
oder aber nur das Nacheinander an ihr
(mithta nicht mehr die Zeit als Zeit) kann die
Bedingung der Möglichkeit gewißer Gewahrneho
mungen reyn. Lezteres iſt der Fall wirklich . Es
kann nåmlich ohne ein N a dyeinander nie zur
Anwendung eines Denkens (beim Menſchen ) foms
men ; dies Denken werde nun auf das Dens
ten ſelbſt , oder auf ein Objekt angewandt.
Ademal und in jedem Falle rezt es , zur Mog.
lichkeit ſeiner Anwendung , eine , von auffen vors
gehende , Veränderung , eine Handlung ( Ac
tus) , einen Smpuls durch Materte voraus ,
was man nun meinetwegen ein Etwas des Ims
pulſes ( durch animaliſches Leben ) , nur nicht
V
1
105

ſchon eine Zeit , die , als Zeit , erft mit der Ans
wendung des Denfens kommt , nennen mag. Dies
Nadeinander wird demnach bei jedem möglichen
Denfen in ſeiner Anwendung vorausgeſeze ,
und ohne daſſelbe gåbe es beim Menſchen gar
nichts Gedad tes von irgend einer Urt ,
mithin meder innere noch åufſere Gewahrnehmuns
gen , mithin keine Erfahrungen von irgend einer
Urt. War alſo die Schwierigkeit gefährlich ? Es
war keine ; denn das oben Geſagte durfte bloß
wiederholt , und ausgelegt werden. Kant en bes
gegnete hier wieder , was ihnı immer begegnet ,
- eine KontreBzenz in feiner Phant a
fie , und zwar diesmal des A po gar mit C.
Das an der Zeit , als 3eit . Gedachte ward in
ihm verſchmelzt mit der , wie er ja annimmt
empiriſchen Borſtellung einer Veränderung ;
und , anſtatt zu ſagen : ohne eine borangehende
Veränderung (ohne ein Nacheinander) wåren we.
der innere noch åufſere Gewahrnehmungen mög .
lid , ſagt er , ohne Zeit , d. t. ohne A unends
7
lid mal wiederholbar als A im Na ceinander
der Vorſtellungen d . t. ohne ein bei uns bereits
ſchon vorgegangenes Denken des N adeinanı
der in der Anwendung eines Denkens auf ein
Nacheinander , wåre kein Nacheinander der Boro
ſtellungen möglich. Da möchte einem die Zeit
lange werden , ehe man zu einer Vorſtellung tảo
106

me. Und wie gleng es abermal den armen Thies lle


ren ? - Dieſe gelangten zu gar nichts von eto
rier Borſtellung ; denn Denken können ſie beo
kanntlich nicht. – Aber es iſt noch was zurüt ,
das nicht unbeachtet llegen bleiben darf. Soul LE
ein Nadeinander alſo in einem Denken vors ‫ܐ‬a
geſtellt werden können , daß es in dem , Num. 1
27 beſtimmten Sinne , gedacht werden in u B : ro
kann es in einem Denken burd's Denken nie.
mals zernichtet werden. Kann das Nacheinan.
der , als Nadeinander , im Denken durch
Denken niemals zernidytet werden : lo fann auch
die Bedingung der Möglichkeit dieſes Nadeinants
der , der Impuls , oder das Etras de 8 im .
pulſes , oder das animaliſche leben , im Dene
ten durchs Denten nicht zernichtet , ſondern muß
vielmehr gedacht werden ; wie ſchon daraus era
hellen dürfte , weil ſonſt das Denken , in einer
Anwendung ſeiner ſelbſt, nidot durch dieſen mo
pulB gewekt werden würde , wenn das Denken
dieſen Impuls in einem Denken zernichtete. Der
Impuls muß demnach gedacht werden , ſo lange
er Impuls für ein Denken bleibt , d . t. das fer
ben des Menſchen , als leben , muß von ihm
gedacht werden , ſo lang es in ihm Impuls für
ein Denten bleibt. Das Leben des Menſchen alt
feben iſt Fein Bewußtſeyn , daß (nicht wie ) er
lebt. Das Bewußtſeyn , daß er lebt ( folgo
107

lich auch das , was weſentlich damit , al8 eta


nem Impulſe zuſammenhängt, Gefühl ,
a 18 Gefühl , Iriebe al 8 Ertebe ) , dies
Bewußiſeyn , daß er lebt , kann alſo im Men.
Ichen , als Menſchen , durchs Denken im Dento
ten nie zernichtet , ſondern es muß vielmehr ,
nebſt ſeinem weſentlichen Unhange , von thm ges
dadt werden. Es iſt eine form , aber eben
nicht eine Form des Dentens als Dentens,
ſondern des Stoffs ; und zwar des Stoffs , fur
ſo ferne fårs Denten ein Impuls von
ihm ausgeht. Daber die Einfachheit
(nicht des Weſens , ſondern des Afts ) , daher
die Unbegreifbarkeit - nidit Undentbarkeit
oder Unbegreiflichkeit) in allen dem , was unter
den Impuls als Impuls , unter das Naceins
ander , als ein Nadeinander , in der Reihe
der Begebenheiten an uns , ( wie Gefühle , Zries
be, Neigungen , als dieſe 8 ) , zu ſtehen kommt !
Nichts verråth , eben wegen der Einfach
beit des Afts eines Impulſe 8 , mehr
Annäherung zum Weſen des Deitens , ungeac ).
tet es doch gewiß noch kein Denten ſelbſt iſt, als
das Gefühl. Aus ihm , als einem bror
ren urte , fått die Ausdehnung gånzlich
hinweg , ungeachtet es ohne Ausdehnung deffen ,
was den eft erſt möglich machte , ohne Ausdeh .
nung des Stoff , wohl auc nie kein ult , tein
108 -

Impuls für ein Denken , geworden wäre.


nug vom Etwas des Impulſes ; denn ijt
kommt die Ordnung auch an eine zweyte , gleich
weſentliche , Frage. Sie heißt : wie erhålt der
Menſch auch ein Etwas der Sache, nicht bloß
des Impulſes zu einer Sache , ( ia des Impulſes
zur Anwendung eines Dentens überhaupt ) ? Mit
anderen Worten : wie erhält er nun auch ein ,
im Denken Borgeſtelltes (als das , was wir
bis daher ſchlechthin ein Etwas nannten ) , wie
erhålt er ein Objeft ?
Ich bin , nur nach dem bisherigen zu urtheis 1
len , ſehr geneigt , ſelbſt die Thiere von Zeit zu |
Zeit auch mein Nachdenken, noch ein wenig ges
nießen zu laſſen. Anſtatt daher vom Bewußt.
feyn , als dem vernieintlich höchſten Puncte in
der Menſchheit, wie Kant that , beim Meniden
auszugehen , ſuche ich , in Rükſicht auf das B es
wußtſeyn , vorerſt nur dem animaliſchen les
ben einen Vortheil für meine Erkenntniß abzuges
winnen. Zu dem Ende faße ich alſo das anima,
liſche Leben , das mir als bloßer Impuls bereits
con merkliche Dienſte geleiſtet zu haben ſcheint,
noch einmal , und faße es diesmal im Ganzen
an. Was bringt es außer dem Impulſe , was
bringt es im Ganzen da , wo es ein Denken ano
trift, für dies Denken mit fid ? Es bringt mit
fiche -
109

Nicht nur ein Sondern auc ein


Etwa 8 des Impulſes ; Etwa 8 der Sade,

Gefühl , Apprehenſion
Bewußtſeyn , daß man lebt, Apperzeption
Driebe als Driebe , Vorſtellungen
Ein Begehren als Begehren,

Das Total
Eine
Individualitåt.

Beyde Reihen begreife ich demnadi izt zus


nåchſt unter dem Ausdrufe einer Individu ar
Ittåt in demjenigen Sinne , der hier beſtimmt
worden iſt. Dieſe Individualität im eben be
ftimmten Sinne muß für ein Denken , als
Denken , Stoff (=C) reyn , und um ſie in ein
Denken aufnehmen zu können , muß demnach das
Denken alles dadjenige an dieſer Individualitat,
was Stoff, nicht Form , daran iſt , jernich .
ten : denn ſollte je dieſe Individualität ein Midte
Stoff für das Denken ſeyn , folglich ſich nicht ,
wie jeder andere Stoff auch vom Denken müſ.
ſen bearbeiten Taffen : fo mache man mir doch bes
greiflich , was ſie denn ſonſt und auffer dieſem fürs
Denken , als Denten , feyn ſollte oder könnte ?
Halb . Stoff etwa , koagulfert mit einem Halb.
Deuken , 'eine Konkreszenz Rantilder Katego:
rieen , wie ſie in einer Kantt den Phantafie
1
IIO

prdformiert daliegen ? dabei vermag ich nichts


zu denken . Stoff iſt alſo dies animali de les de

* ben felbſt nebſt Zugehör , kurz die ganze Indivi.


dualitåt im oben beſtimmten Sinne des Worts AL
iſt Stoff für ein Denken als Denken. Ich
habe und finde ſonſt nidrs , als Denken und
Stoff , ehe jenes aus dieſem ſich in einem Obs
jekte etwas zurechte gelegt hat. Und hat man ง
auch nichts anders , ohne zu dichten : ſo laſje man
mir’s wenigſtens ſo lange , bis wir alle zuſamo
men einmal was beſſeres bekommen. OL
Ward dies animaliſche feben vorher gegen GE
eine Individualitåt überhaupt umgeſezt: po rezi
ich tzt die Individualitåt wieder um gegen ein
plus überhaupt. Unimaliſches Leben als ein Die
resim individuellen Bewußtwerden , India TE
vidualitåt , nenne ich alſo nun ſchlechthin das ,
zur Möglichkeit einer Anwendung des ( menſchlia
den ) Denkens erforderliche plus. An dieſem
plus muß durchs Denten im Denken zernichtet
werden , was daran Stoff iſt; ſonſt fåm'es da
mit nicht zu einem Gedachten . Es muß aber
aud etwas daran ſeyn , das ſich im Dentent
durch's Denken nicht zernichten lågt ; ſonſt fåma'
eß damit nicht zu einem Etmas , als Etwas im
Denten Vorgeſtellten . Iſt dies plus Stoff:
ſo laßt fic allis daran zernichten , was nicht
zum Auſler ein ander deffelben überhaupt, zum
1
III

Nach- und Nebeneinander daran insbeſon ,


dere , und (wie das die Probe als Bedingung der
Möglichkeit eines Nacheinander in Vorſtellungen ,
auswieß ) was nicht zum Sinpulſe gehört.
Dies plus eines animaliſchen Lebens wird dems
nach , als Gedanke , nichts mehr an ſid ) haben ,
als den im Denken durchs Denken unvertilgbaren
Impuls , ein Auffer . Nad . Nebenein,
ander , weldes empiriſch d, 1. durc indivis
duelle Gefühle als individuel , durch indivis
duelle Borſtellungen als individuel erſt aus.
gefüllt oder in ſeiner Vereinzelung caratteriſtiſch
beſtimmt werden muß. Hter , meine Herrn , euer
Id mit allem feinem Unfuge , den es noch hin,
ter den Weltentrůmmern und hoch oben über den
tauſendmal tauſend Sonnen treibt , laut der Ap .
pellation ( S. 113 , 114 ). Es iſt eine Rous
fredzenz in eurer Phantaſie , feiner als die eu.
reb Sektenhaupts durchweg find ; eß ift' die erſte
Regung eines , nach ſeiner Kritiſchen Guilliotinis
rung , wiewohl unter ſtarken Ronvulſionen fich
wieder ankündigenden , Denkens in jungeren Deuts
iden Köpfen . Ihr hobet eure Håuprer wieder
empor ; aber truget ſie dafür' um ro berabwürdi.
gender für jeden anderen im Zranszendentalen
Nebel , aus dem nun einmal , feit der Königsber.
ger Epoche, auf Deutſchen hohen Schulen nicht
mehr herauszukommen war. Ihr dachtet wieder
112

halb , und Halb . denken iſt Nicht , denken ; Daher NE


das Poſſierliche eurer Philoſophie für den Mens
fchenverſtand , daher die bunte Saifenblaſe eures
08 für dieſen. - Wie ſo ? - Antwort : Euer
Id ift nichts anders als was jedes Objekt, a 18
Objeft , auch ift ; nur daß ihm der , im Dens
ken durchs Denken unvertilgbare , Impul8 (des IME
animalifden Lebens an euch ) auch unvertilge
bar anhångt , um weldes unvertilgbaren Anban, 1
ges willen ihr euch dann dies Objekt ( das übrie
gens iſt und bleibt wie jedes andere Objekt ), als
eure unveräuſſerliche Selbſtheit beileget und bets
/
legen múffet. Iſt aber euer Id , ( abgeſehen
tzt vom anhangenden Impulſe) , ein Objekt :
ſo ift es ein Auſſer , Nadh , N ebenein a no
der , welches , wie alle dieſe Aufſer : Nad .
Nebeneinander , an fich gar mager wäre ,
wenn es nicht empiriſd ( ſtoffhaltig ) aufge.
füllt , und erſt dadurch caratteriſtiſch beſtimmt 41
würde. Empiriſch aber wird euer Auffer ,
Nach , Nebeneinander bei euch ausgefüllt
durch eure individuellen Gefühle als individuel
durch eure individuellen Vorſtellungen , als in die
viduel ; und hiemit iſt euer Fo , als ich , A
fertig : denn ihr rend in eurer Vereinzelung chas
rakteriſtiſch beſtimmt. Ich finde mich im Stande,
euch hierüber noch eine anderweitige , vermuthlich
unerwartete , Auskunft zu geben , die mir das
anima.
1
1

113

animaliſche Leben , in ein plus ( zur Anwen.


dung eines Dentens) umgeſezt, darbiethet , und
wodurch eben dieſe Umſezung deſſelben in ein plus
ſich noch in einem anderen Geſichtepunkte , alo
in dem einer bloßen Spielerey zeigen dürfte. Ich
gieng vom Rechnen aus ( $ 1 ) ; ich ſprach in der
Folge , bloß im Vorbeigehen , von einem Subtras
hieren , Multiplicieren und Dividieren im Geſchäfa
te des Denkens . Mancher , das weiß ich gewiß,
hat die Naſe hierüber gerümpft. Dies fümmert
mich nicht ; ich fahre alſo fort und abdiere izt
auch im Denken , um , wenn's Zelt darzu iſt ,
nicht mehr bloß im Vorbeigehen von einem
Subtrahieren , Multiplicieren und Dividieren im
Geſchäfte des Denkens ſprechen zu dürfen. Eins
iſt gelezt , (A = I ). Adein einmal Eins bleibt
ewig Eins ; und doch kommt der Menſch heraus
zu 3 w ey. Iſt er aber einmal heraus zu dieſem
zwey : ſo fcheints , es gehe mit dem Nebeno
und Nach dem ub . und zueinander , dem
Multiplicieren und Dividieren des bereits Multips
licierten , ſeinen angewieſenen Weg bis an's Ens
de feines Lebens. Wie kommt er alſo heraus zu
zwey , ungeachtet einmal Eins emig Eins bleibt ?
Doch wohl unfehlbar durd) ein plus. Dies
plus im ,,Einmal eins iſt ewig Eins "
zu ſuchen , wäre ein Widerſpruch ; plus ift , als
plus , noch kein in und durch , ungeachtet jeg

114 .

des plus zulezt auf ein plus , als ein in und


durchführen muß . Sey's aber auch an fich
was es wolle : To mår' es immerhin ein Wider:
ſpruch), im „ Einmal Eins iſt ewig Eingo
als einem Einmal Eins tſt ewig Eins , nody
nebenher ein plus zu ſuchen . Zur Möglichkeit
der Anwendung jenes Eins muß alſo ein plus ,
mithin ein Etwas hinzukommen. Dies Etwas
tann nicht jene 8 Eins ſelbſt wieder feyn ; denn
fonſt hätte es ja fein plus , ſondern bloß ſich
ſelbſt wieder. Dies Etwas muß aber auch von
folder Beſchaffenheit ſeyn , daß jenes Eins baſe
felbe annehmen kaun ; wie brådite man ſonſt jes
nes Eins und dieſes Etwas zuſammen ? Was
re dieſes Etwas ein Eins , und wåre doch nicht
jenes Eins : ſo dürften fie fich fügen. Wåre
dieſes Etwas tein Eins , und jenes Eins könnte
es zu einem Eins machen : ſo dürften ſie ſich für
gen. Wäre dieſes Etwas z . B. Stoff , und
der Stoff håtte eine Form , und dieſe Form wå,
re , all form , unvertilgbar, und jenes Eins
tönnte alles am Stoffe biß auf ſeine Form gers
nichten : ſo könnte jene 8 Eins dieſes Etwas zu
einem Eins machen , und jenes Eins und dies
fes zum Eins gemachte Etwas , dürften ſich füs
gen , můßten ſich fügen , weil keine Form die
andere mehr zernichten kann. Wir båtten mit .
hin 1 + 1 , d. l wir wåren heraus zu unſerem
115

Z wey , und hiemit zu allem unſerem obigen Nede


nungsweſen in einem angewandten Denken .
Auf das leztere Eins da rend ihr gekommen , ihr
Herren mit dem I.ch , ( daher euch auch die ganı
ze Welt in eurem Ich ſteken mußte . ) und habt
gemeynt , es rey ' hiemit ſchon bis zum erſteren
Eins durchgebrochen. Aber nein ; es war eudo
noch was in eurer Phantaſie verwachſen , wie
aus dem Einmal Eins unſchwehr zu verneh,
men ſeyn möchte. Ich merke nun wohl , was
euch an eurem ſecierten Id , ro offen ſeine viſce
rá izt daliegen , am wenigſten behagen wird. Es
iſt ohne Zweifel das Neben , einander daratt.
faßt euch das nicht anfechten ; es bleibt dabei.
Oben ward behauptet , das Aufſereinander abliefie
ſchon ein Nebeneinander wenigſtens in meinem
(angewandten) Denken ein. Daß dies keine will.
führliche Behauptung , ſondern ein Denken , war,
könnte ich fzt durch eine bloße Berufung auf die
entwikeltere Natur eines E t was , oder eines ,
zur Möglichkeit der Anwendung eines Denkens er .
forderlichen , plus darthun . Senes Etwas , oder
dieſes plus , muß nåmlich der Beſchaffenheit des
A als A 19 A durch A , entgegengeſezt reya ,
ſonſt kåm es damit zu nichts im Denken Vors
geſtellten . Soll es der Beſchaffenheit des A
ald A in A durch A , entgegengeſezt ſeyn, und
man nennt es B : lo tann es nicht Ball B ,
116

fondern e$ muß B auffer B , es tann nidt B


in B. ſondern es muß B nach B , es kann nicht
Bdur d B , ſondern es muß B neben B ſeyn ,
et
Allein ich will es hiebet nicht bewenden laffen ,
ſondern noch überdies fragen : wie es denn mit
dem Impulſe gienge , auf welchen jenes B (cum
annexis) in einem angewandten Denken erſt folo
gen kann , wenn das , was den Jinpuls erſt mas
.
chen fou , kein Aulier , und kein Neben ein,
ander wåre ? Ich will noch einmal fragen , wie
es da nur möglich wäre , zu Erwas als Etwas
in einem Denten Borgeſtellten jemals zu ges
langen , es ſey nun dies oder das , ein ich , wie
ihr ſprechet , oder ein Nichtig , d . t. Objekt,
berſehen mit dem im Denken unvertilgbaren line
bange des animaliſchen Impulſes , oder Objekt
ohne denſelben in Vorſtellungen , welche von auf
ren kornmen ? Uusdehnung muß alſo dareyn , zu
Gunſten des Impulſes , wenn er ein Etwas
für's Denken ſoll mit ſich bringen können ; denn
was wåre fonſt dtes Etwas ? Ein Nidt, Etwas;
was wäre der Impuls ? Ein Nicht . Jmpuls.
Daß aber dieſe Ausdehnung ihr Weſen nun eben
in dre » Raumdimenſionen an den Kors
pern ausſtelle , dieß erfahren wir freilich erſt als
fertig gewordene , d. l. ' zum Denten gelangte
Menſchen durch einen , mit A verbundenen , mr.
bin bereits in ein Denken gezogenen,
117
!
Anblik dieſer Körper ſelbſt , und erfahren und ero
kennen es dadurch , weil dieſe drey Raumdimem
fionen gerade das , durchs Denfen im Denken
Unvertilgbare an jenen Körpern find , das uns
von der , ohne die vorangegangene Beachtung eis
ner vorliegenden Körperwelt , unſerem Bewußts
werden allerdings ewig verſchloſſenen , Ausdehnung
als Ausdehnung in drey Raumdimens
itonen , ein a podiktiſch gewiſſes Zeugniß abs
legt. Szt kann ich weiter ; das Denken hat
ſein Objekt , im Objekte der Geometer nebſt dem
Rechner , der er iſt , ſeine Wiſſenſchaft , - bas
Ich hat , als ich , ſeine Wetffung.

!
$. 14 .

Das Denken , als Denken , leidet teie


nen modalitats unterſchied im fano
tiſden Sinne des Worts ; fondern ift
vielmehr die unverå nderlide abſolute
Bedingung der Moglidheit irgend els
ner Modalitat bloß empiriſcher Auf
ragen ; an ſich aber bleibt es immer
gleich nothwendig und ohne Wandel
reiner ewigen Gereze , mithin A unendo
lid mal wiederholbar als A in allen
mögliden fållen ſeines Gebrauchs.
TIS

Bemerkung.

Dies erheat auch daraus , well , wat in eis


nem Denken verknüpft iſt, als in einem De no
ten verknüpft , nie gelåugnet werden kann .
Nur wenn es nicht im Denten verknüpft d. t.
ein Widerſpruch ift , fann es gelåugnet werden.
Mit anderen Worten : daß etwas ein Gedans
te , daß mithin die Materie daran durch die Vers
knüpfung deſſelben in einem Denken zernichtet
worden reye , kann nie gelåugnet werden , 'wenn
es ein Gedanke , kein Widerſpruch , ift. Der Mo,
dalitätsunterſchied , ob etwas bloß noch probles
mattſd ( cum formidine oppoſiti ) , oder ſchon
affertoriſch ( absque formidine oppoſiti) oder
gar ohne irgend eine von einem M e no
fchen zu befürchtende Widerrede (tan
quam id , quod in confeffo eft ) , ausgeſagt
werden dürfe , muß demnach auf dem Empire
den beruhen. Sehr richtig rechnet daher Maaß
1. c. S. 92 den Modalitätsunterſchied bloß zu
dem , „ ab nur in dieſem oder jenem
urtheilenden Subiekte gerade ſo ft att
findet “ und was mithin in feine , für Rein
und obendrein Allgemein ausgegebene , Logit
gehört. Warum die Kantianer ( insbeſondere
Kieſewetter ) in Ihren Reinen und obendrein
#llgemeinen (ein Kritiſdes ſurplus) fog
119

giken mit dem Modalitåtsunterſchiebe , als etwas


Rein logiſdem , ſo ganz ohne Bedenken übers
all vorfahren , wird fid) aus der Totalverwirrung
ergeben , welche ihr Sektenhaupt vorzüglich in
dieſem Artikel angeriditet hat , inden es die Ur.
theile nur bis in's Bewußtſeyn ſteigerte , und dann ,
was empiriſch war , für rein anſahe.

folgerungen.

1 ) Was an einem Begriffe wie an einer Vors


ſtellung , bloß gedacht iſt , das iſt ſchlechthin noth
wendig und leidet feinen Modalitåtdunterſchied.

2 ) Die Ropula in kategorifd en Urthelo


len , ſie reyen allgemeine , beſondere oder einzelne,
fie bejahen oder verneinen , iſt ſchlechthin noth.
wendig und ohne Modalitåtsunterſchied ; oder ,
was in jedem möglichen kategoriſden Urtheile
bloß gedacht ( mithin formel und eigentlich los
girc iſt im bisherigen Sinne des Worts ) das
iſt ſlechthin nothwendig und ohne Modalitåts ,

unterſchied.
Anm. „ Die ftrengen allgemein bejahenden
affertoriſchen Urtheile , die keine Ausnahme
geſtatten ', heißt es bei Kieſewetter 1. c. S.
56 , find apodiktird . “ Nun entſteht die
Frage : was denn dieſe ſtrengen , allgemein be
jahenden , affertorifden Urtheile , welche
120

hierauf für a podiktiſch erklärt werden , Peyn


follen ? Sie find 1 ) ſtreng ; und ſtreng
find ſie , bel Kieſewetter , nicht deßwegen,
well fie gar keines Omne mehr bedarfen : die
Möglichkett eines Hinwegſeynd über allen Quan,
titåtdunterſchied , mithin das Weſen des Dens
Pens ſowohl als des Objekts , mithin die
Logit , tam ihm in ſeiner ganzen logiť nie
in Sinn ; und er regt ihnen ja ſogleidy ſelbſt
die beſonders bejahenden Urthelle entgegen ,
Es tft demnach nicht die ſtrenge Allgemeinbeit,
die, feines Omne mehr bedürftig , dieſen Ur.
thellen ſchon , als etwas Gedad tem , ans
hångt , und wobei das Beſonders . Uufſagen
( z. B. ein Partikulårtriangel ) ein Widerſpruchy
wåre ; fondern ſie ſind durch ein vorgeleztes
Omne , folglich nach menſchlichen Weltabſchnit :
ten in der Erfahrung , folglich empiriſ do
ſtreng d . t. nicht ſtreng. Sie find 2) allges
mein bejahead ; giebt es denn im Bejahen,
als Bejaben , eine Partikularitåt , oder iſt
hier nicht eine Syntraſis des Att8 der Bes
jahung , theils mift der Anzahl der Bejabenden
theils des Bejahten ? Die , von der alten Logis
iden Formel : Afferit A. e. c . noch ab.
ftammenden , unlogiſchen Ausordte eines UIL
gemein oder Beſonders bejahenden ,
Allgemein , oder Beſonders verneine to
I21

den Sazes , welche , auf eine berkehrte Welf.


fe , die Quantitåt (der Sprache nad ) zum Bes
jahen oder Verneinen zleben , follte man , zu
Vermeidung ſolcher Mißverſtändnifie , lieber
ganz aufgeben , und dafür regen : Beiabte
Allgemeine , Berneinte Allgemeine
Urtheile u . Po w . worzu in fantilden los
giken noch geſezt werden müßte : allgemelas
bejahte , allgemeine Urtheile und allgemeittroers
neinte , allgemeine Urtheile ; fonſt würden ſie
nicht Kantiſch . apodiktiſch . Kieſewetter
wollte ſagen : fie find etwas allgemein bej a hs
tes theils in Rükſicht auf das Zeugniß. aller
Menſchen , theils de Råkficht auf die ganze
Komplerion von Gewahrnehmungen , welche ſie
ausdrüfen . Sie ſind 3) affertorildo , d . t.
nad sant ( mithin auch nach Kieſewetter)
thr Bejaben iſt bloß wirklich , in Kieſeweto
ter's Sprade ( Seite 41 ) : Die Vereinigung
ihrer Mertınale in eine Einheit des Bewußts
reyns iſt bloß ſchon vor ſich gegangen , und
poch follen ſie auch apodiktiſch , d. l. weit
thr Bejahen bloß wirklich iſt , ſo ſoll es
aud nothwendig reyn . Hier war er nur
Kantil de befangen in Widerſprüchen , die fich
hinter der Synkrafis. Num. 2 und hinter dem ,
in dieſer Verbindung leeren , Epttheton des
Strengen , ganz ordentlid vor the verftett
1 22

hielten. Deutſch und unverworren heißt


nämlich ſein aufgeſtellter Saz : tft einmal ein
Urtheil theils in Rüfſicht auf das Zeugntß al.
ler Menſchen theils in Rütſicht auf die ganze
Komplerion von Gewahrnehmungen , die es
ausdrüft , allgemein bejaht : ſo iſt es apodiks
tiſch . Eine Affertion ohne Ausnahme ſowohl
in Rütſicht auf die auſſagende Menſchenzahl
als auch in Rüfſicht auf das Ausgeſagte, kurz
eine Erfahrung ohne U u øn ahme iſt ihm
alſo etwas apodiktir ches. Da nun eine
Affertion ohne Ausnahme bei einem Einzele
nen Urtheile ftatt findet , wie bei einem All
gemeinen : ſo iſt bei thm auch ein Eints
zelne 8 Urtheil (was er doch ſicher nicht wůra
de zugegeben haben) ein ſtreng allgemein
beja bende s . affertoriſches Urtheil , und ift
erſt alsdann wieder , als ſtreng allgemein bes
jabend und affertorid , auch zugleich a por
dittird . Da er ferner (wenn es kein Drut.
fehler iſt man vergl. S. 46 , S 102 ) auf der.
felben Seite , die einzelnen Urtheile zu den
Beſonderen zählt : ſo tft bei ihm auch ein
Beſonderes Urtheil
ein ftreng allges
mein bejabendes , affertoriſches Ur.
theil ohne Ausnahme , mithin apodit
tiſch , und doch ſagt er ſelbft I. c . die bes
sonders bejahenden Urtheile können probles
123

matiſch , affertoriſch und apobiettich ſeyn. So


groß ift die Verwirrung auf dieſer einzigen
Seite bei Kieſewetter , und dieſe Verwira
rung iſt & cht Rantiſch. - Kant hatte nåm .
lich , um ſeine Kategorteentafel nach Gebühr
zu bedienen , die vorher jdon erkannte , Quan.
titåt, Qualitåt und Relation eines Urtheils
noch mit etwas Neuem , unter dem Ztrel M D.
balttåt d. t. mit der Art der Aufnahme eines
Urtheils im Bewußtſenn , oder , in feiner Sprde
che, mit der gradweiſſen Einverleibung eines
Urtheils in den Berſtand ? ( S. 101. I. c. ) vers
mehrt. Bei dieſer Gelegenheit wiederfuhr ihm
das Unglüf , daß er aus der Transzendeutalo
philoſophie in die triviale Erfahrungsſeelenkuno
De berabfiel , ein Unglat , welches man ihm
håtte prophezenhen können ,'weil er nicht wuße
te , was Denfen iſt , und daher über das
Bewußtſenn , mithin über das Animaliſche am
Menſchenkind , im Kritiſieren der Reinen
Vernunft ohnehin nie hinausſahe. Cezteres ers
hårtet auch nur der gegenwårtige Fall
ſelbſt ſchon dadurd , meil es dem Bater der
Kritik moglid war, dem Berſtande etwas grado
weiſe einverleiben zu laſſen . Ein folder
gradweiſer Berſtand beim Geſchäfte des
Inkorporierens in denſelben iſt kein Denten ,
mithin kein Verſtand a 18 ein Denten , mito
i

124

hin lediglich ſonſt nichts , als licht oder Schats


ten in einem gewißen animaliſchen Bewußtwer.
den , hinter welchem alsdann erſt das , ' als
Denken unveränderliche, modalitåtsloſe, Dens
ken bei unſerer Weſentlaffe liegt. So bald
ihm daher der alte foglide Fußboden der Duano
titåt , Qualitåt und Relation eines Urtheils
ausgteng , und er uun Zranszendental weiter
hinaus wollte , gieng's , ſtatt aufwarts , untero
warts. Es iſt , nach jedermanns Ermeſſen ,
eine Erfahrung , daß , wenn man einen Mens
ſchen in der Ferne fieht , und noch nicht recht
fiebt , man zu ſagen pflegt, es ſey möglich ,
daß dies ein Menſch måre ( Problematis
des Urtheil ; Sezt ab : eine Kategorie der
Meglid teir , beſtehend in der Annå bes
rung , oder einem ſtuffenweilfen lichte
für's antmallſche Bewußtwerden ). Es iſt, nad
jedermanns Ermeſſen , eine zweyte Erfahrung,
daß wenn der Menſch nåber kommt und man
ihn beffer fiebt , man zu ſagen pflegt , das fer
wirklich ein Menſch , ( uffertoriid es
Urtheil ; Sezt ab eine Kategorie des Dareyn 8 ,
beſtehend in der Gegenwart , oder einem
entſcheidenden lichte für's animaliſche
Bewußtwerden ). Es ift , nach jedermanns Ero
meſſen , eine dritte Erfahrung , daß , wenn der
Menſd nun einmal da iſt , und die ganze Ges
125

felicyaft fieht ihn , einer aus der Geſellſchaft


aber wollte doch noch dawider reden , und fas
gen , es ſeyy kein Menſch , man ihn zu dem
Menſchen hinführen , und dem Unglaubigen
zeigen ( durch Aug , Dhr und Latt mono
ſtrieren ) würde , dies můſie ein Menſch
ſeyn ; ober , wenn der Menſch bereits vorbeige.
gangen iſt , und man thn nidht mehr fåbe, eia
ner aus der Geſellſchaft aber wollte doch noch
darpider reden , und ſagen , der Menſch ſey im .
mer noch da , man ihn durch das Nicht mehr,
Fehen , Nicht-mebrshören , Nidit . mehr:beraſtens
können des Menſchen überzeugen würde , die
Eriſtenz des Menſchen ſey ihm izt nur noch
durch ihre Moglichkeit , nicht aber mehr
durch ſeine Slunen gegeben , mithin můrre er
izt , fo chloß Kant S. III , die Nichteriften ;
dieſes Menſchen , vermoge des Gegebenreyns
der Exiſtenz deffelben durch eine bloße
Moglichkeit , unumgånglid zugeben ,
(Rantiſ d ', a podiktirdes Urtheil ; Sezt
ab eine Rategorie der Notwendigkeit ,
beſtehend theils in einer , durch Aug , Dhr und
Zaft befråftigten , Gegenwart , und eto
nem durch Dhr und Lakt ' uoc unter ſtú zo
ten , entſcheidenden Lidhte für's animallide
Bewußtwerden , theils in einem Nicht mehrsſes
ben , Nichtsmehrobdren , Nicht mehrobetaſtentono
126

nen , mithin einem unbeſtreitbar gemißen


Scatten für's animaliſche Bewußtwerden ).
Daß dieſe Darſtellung der Kantiſchen Mo.
dalitårskategorieen die einzig mögliche ſene, kann
ich überhaupt daraus beweiſen , weil er ja die,
bisher ſogenannte , foglice Realitåt (die Bes
jahung an ſich betra dhtet ) ſchon unter der
Klaſſe der Qualitåtstategorieen ( in
Geſellſchaft der Negation und Limitation als
der thr zugetheilteu Denk for men ? ) abges
fertiget hatte , mithin ihm , bei der Kategorie
des Dareyns , Idlechterdings nichts mehr üb,
¿ rig leyn konnte , als das örtliche Daſenn , d .
1. Annäherung , oder Gegenwart, Entfernung
ober örtliches Verſchwinden . Daß aber inobe
ſondere die Kantiſche Nothwendigkeit hier
nach ihrer Natur gezeichnet rene , wird dadurch
evident , weil 1 ) nach S. 110 ,,Die dritte Ras

1 tegorie allenthalben aus der Verbindung der


zweyten mit der erſten ihrer Klaſſe entſpringt “
mithin im vorliegenden Falle die Nothwendige
keit , (als die dritte ihrer Klaſſe ), aus der Vers
bindung der Rategorie des Daleyns ( als der
zweyten ) mit der Kategorie der Möglichkeit
(alb der erſten ) entſpringen muß ; Dafeyn, noch
mit der Möglid )keit verbunden aber nichts an :
ders iſt , als drtliche Gegenwart aufgedrungen ,
(bet sant apodikotid oder nothwens
127

dig gemacht) durch die Sinnen , (dies måre


das licht ini animaliſchen Berrußtwerden ,
die erſte Helfte der Kategorie der Nothwene
digkeit ) ; weil 2) nach S. III „ die Noth.
wendigkeit nichts anders iſt , als die Griftenz,
die durch die Möglid,kelt felbſt gegeben iſt“
das Gegebenſeyn einer Eriften ; ( eines Da.
reyns) durch die bloße Möglidkeit aber
" nichts anders ſeyn kann , als ein Nidt mehr,
fehen . Nichtmehr hören , Nidit , mehr : betaſten,
können deffen , was man vorher Tahe , borte
oder betaſten konnte , und weil endlid) eine
Nothwendigkelt , als eine , durch die Mog.
lidkeit ſelbſt gegebene, Eriften z nichis
anders ſeyn kann , als ein , durch ein Nid )ts
mehrsſehen , Nicht mehr hören , nicht mehrsbes
taſtenkönnen eihem abgedrungenes , u na
ausweichlides und Kantiſdapodite
tirdes Bekenntniß ( in confeſſo eft ) , daß
dieſe , nun ,durch eine bloße Möglichkeit gegeben
ue , Exiſtenz eine Nicht-mehr.Eriſtenz, eine Ab.
weſenheit , ein Schatten für ein animaliſdes
Bewußtwerden ( = o ) , Feye. – Hiemit wåren
wir Sterbliche auch von dieſer Seite in der
Kritik ausgemeſſen. Ueber das digito mon
ſtrare , aut digitò non amplius monftra .
re poffe , hinaus geht thr Maßſtab diesfalls
nicht. Bom Demonſtrieren keine Rede ;
1

128

das wäre Wolfiſch : vom Nothwendigen des


Denkend als eines Denkens , des objekts r

als Objekts , keine Rede ; das wäre dialek,


0
tiſch : es ſtreift über das Fingerzeigen hinweg,
und wo was über das Fingerzeigen hinwegs
ſtreift , da entſteht die Nothwendigkeit eines
Gegebenfeyns ſeiner Eriſtenz durch die blola
re Möglickeit , mithin entſteht durch dieſe
bloße Möglichkeit, in welcher ſeine Exiſtenz izt
gegeben iſt , ein si antiſch , nothwendiges
0
und Kantiid . apodittiides Gegeben.
feyn ſeiner Nidt , mehr , exiſtenz für ein anima.
d
liſches Bewußtwerden , in ſo ferne einem ani:
mallſchen Bewußtwerden nur durch Sehen ,
Hören , Betaſten eine Exiſtenz ( als Daſeyn , f

Dortſeyn ) gegeben werden kann. Von der Mög.


lichkeit und Wirklichkeit , als weſentlichem Cha.
rakter jedes möglichen Objekts in einem Dens
ten überhaupt , nicht nur als gleichgeltend
( nach der Sprache des Lebens) mit einer ente
weder noch nid )t verliehenen , oder aber bereits
verliehenen , Gegenwart in der Vorſtellung eis
nes animaliſden Bewußrfeyns , - teine Rede :
dies zeigte ſchon auf ein Seyn , und ein Seya
gchårt bekanntlich erſt in's praktiſche Fach
wert , nachdeni es fic theoretiſd durch
nicht8 al8 blo Bes Denten (durch Dento
formen , mit Sd;låßen gepaart) , Ideen zu
129

en del bereiten gewußt hat. Sollte ich aber nun wirt.


Cbjekte lich aus Problematiſchen Urtheilen eine
dlalet Kategorie der Möglichkeit, aus Ufiertos
inweg rifden eine Kategorie des Dareyns , aus
inweg Upodittiidhen eine Rategorie der Noth ,
- eines wendigkeit , als die , einem ſolchen Urtheile
bloi jedesmal zum Grunde liegende , Denkform aus.
ch dieje heben laffen ; ſollte Daſern und Möglich .
teit mit einander verbunden , nach S. 110
Tenz bis
die Dentform der Nothwendigkeit geben,
diges
egeben oder nach S. 11 die Nothwendigkeit
anima nichts anders feyn als ein Gegeben ſeyn
m ani der Eriftenz durch die Möglidkeit :
Sehen ſo würde folgen , daß nad S. 110 , ein Affero
Durpm , toriſches Urtheil , mit welchem etipas Problem
mattſches berbunden worden , deßwegen Apos
Még
am Choy diftiſch werden müßte , weil etwas Problemas
1 Deny tiſches und Uffertoriſches in ihm zuſammenk&.
d
gelten me , oder , nach S. III , de Bwegen , well
er ento das affertortiche eines Urthello , (die Eriſtenz )
bereits ſchon durch das Problematiſche daran ( durch
id die Möglichkeit ſelbft ) gegeben wäre. So ftes
inge
hen die Saden ; nicht einmal auf die unto.
Rede :
tale , d. t. mit feiner ausdråkliden
Geno
Drtsanzeige verſehene , Gegenwart einer Vors
Fadhe
ſtellung im Bewußtſenn , nicht einmal auf dies
durch
Dento jentge Art der gradweiffen Einberleibung eio
ner Borſtellung in daſſelbe (wie Kant ſpricht),
9
130

welche der Menſch durch nachmalige Entwik.


lung deſſen , was thm darinn vorgeſtellt wors
den iſt , entweder ſelbſt , oder mit Hülfe andes
rer , zu Stande bringen kann , nicht einmal
auf licht und Schatten , Deutlichkeit oder Ber.
worreuheit im Bewußrwerden von Begrifs
fen , ward alſo bei der Kantirden Ein .
theilung der Urtheile in problematiſche ,
aſſertoriide und apodiktif d e .Råflicht
genommen ; ſondern Kants ganze Modalität
iſt eigentlid Palpabilitåt , die , wo ſie
nicht gånzlich handfällig wird , bloß die Rates
gorie der Möglichkeit ; wo ſie handfådig wird ,
die Kategorie des Dareyns ; wo fie aus dem ,
nicht gånzlich Handfådigen, handfällig wird nach
S. 110 , oder aber , wo ſie nach S. 111 hins
wegfält, und nur den Bodenſaz der Möglid).
teit einer Eriftenz im Bewußtſeyn zurút.
laßt , die Kategorie der Nothwendigkeit
erzeugt. Und eine ſolche Philoſophie konnte
auf Prinzipien dringen ? Eine Philoſophie,
die das Nothwendige und Apodiftilde
auf Anſchauungen , reine oder grobe , und die
reinen wieder auf die groben , (die fünf Finger
1. c .) zuråkbringt , eine Philoſophie , die dem
Denken da , wo es über die Palpabilitåt hins
ausläuft , den Spott eines leeren Dialektiſchen
Schein's anhångt , konnte nur ein vernünftiges

2
131

Wort von Principien reden ? Unbårtige Jun .


gen , die ihr , verkrochen hinter die legibe eur
; ' res Meiſters , Deutſchlands feibnizen und
Mendelſohnen Hohn ſprachet , well ſie
die Bahn der Prinzipien , wie ihr wähntet ,
noch nicht gewandelt hatten , was waren Prin .
zipien in eurem Munde ? Unſinn , wie thn der
finſterſte Scholaſtiker nie von ſic kommen B.
Doch , von euch kann die Rede gar nicht ſeyn ;
poltert, wie ihr wollt, in Geſellſchaften und in
Offentlichen Blåttern . Ihr feyd und bleibt mir
1
låderliche Leute. Euren auf immer berichro .
benen Kopf mag Rant berantworten , zu dem
ich zurükkehre . Dieſer war ſo klug , erſt hins
; ten in der Kritik , wo die getödtete Theoretis
iche Vernunft als praktiſd nådiftens wien
der auferſtehen ſollte , den Lon von Prinzipien
in der Philoſopbte , anzunehmen , und ge.
rieth dann endlich, in ſeiner Kritit der Prats
tilden Vernunft , aus Gelegenheit des
Imperativ's, in einem Moralgeſeze , weldes er
ein Faktum , und zwar das einzige Faktum
der reinen Vernunft (mithin das einzige
1 Faktum des Denkens ? S. 56 , 72 , 73 )
nennt , an das , wonitt er die Kritik der bed .
I
retiſden Bernunft håtte anfangen ſollen ,
an's Denken , folglich erſt da an eine , mehr
als palpabele Exiſtenz ( ein Seyn ) , folge
- 132

lich erſt da an Prinzipien d. t. an ein prius


als nothwendige Bedingung der Möglichkeit eie
nes folden Imperativ's , wie er meynte , und
welches er ſchnurſtraks in der Freiheit ges !
funden zu haben glaubte. An der Freiheit
knüpften daber auch die ftärkſten Geifter unter
feinen Unhångern ihre Prinzipien ( Wörter) nach
Finander an ; und weil ſie theoretiſch nicht wußs
ten , wie ſie mit dem Denken daran waren ,
ſondern ihnen theoretiſch , nada ådet fant to
ſcher Art , das Denken mit C , alſo mit dem
Stoffe, verwachſen war , fie folglich da über
das animaliſche Bewußtſeyn ſo wenig , als
Kant , hinwegfaben : lo gteng'i thnen , wie
oben beſchrieben worden , 'fie rezten die Chimåre
etnes (Kantilden ) Freiheitsimperativs, als
einzigen über finnlichen Szebel für fie, (als ein.
ziges Faktum der reinen , mithin auch einzi.
ges Faktum ihrer Bernunft ) in ihr , mit der
Welt konkresziertes , ich hinein , und produs
zierteni , mit Hilfe derſelben , .nun durch ihr
Id die ganze Welt , welche alß ein , mit dem
Denten in ihnen ohnehin dhon konkresziertes C ,
mithin als ihre Karrikatur , vermittelft jenes
Hebels gar leicht abzuſtoffen war ; ( Rritis
rober , auf ein , mit Freiheit befr u cha
tetes Ich gebauter , Idealismus ,
nun aud vollends mit ſeinem prius verſehen ).
133

Was iſt nun aber mit jenem Spåtling eio


ner stantiſch · praktiſchen , und als prako
tird , erft Prinzipien gebåhrenden , Vernunft
überhaupt anzufangen ? Nichts mehr. Con .
clamatum eſt. Denn entweder ift ſie ein Dens
ten , und dann iſt ſie dialettiſch ; oder ſie ift
kela Denken , und dann iſt ſie keine Vernunft.
Dies ſind die reinen Prinzipien des armſeeligen
Gezůchts Rantiider Philoſophlein , (wie ſie
Nikolai lo treffend beneant). - Die Freio
heit , Kantird verſtanden , als nothwendige
Bedingung der Möglichkeit eines Imperativ's
iſt ein Denten als nothwendige Bedingung der
Möglichkeit eines Denkens ( noch auffer feiner
Anwendung erwogen) ; mithin ein Denken ( noch
auffer ſeiner Anwendung erwogen ), als prius,
und abermal ein Denken ( noch aufſer ſeiner
Unwendung erwogen ) als pofterius, mithin ,
Rantiſch verſtanden , abermal nichts ; fondern
eine Freiheit , wie fie ſchon im Imperativ des
Einmal Eins gegeben iſt , eine Freiheit, womit
ein Mann , welchem das Denten , als ein
Denken , verborgen blieb , ohne es zu wiffen ,
bloß das Denken ſelbſt einfeitig beſchrieb.
Meil er aber dies nicht wußte : fo find go B.
alle Poſtulate reiner Rechtslehre Poſtulate oh.
ne thren Kopf ; die Bernunft will eben ;
wetter tonnte er nimmer : denn theoretiſd war
134

das Denken in feine Ruhe eingegangen , und


Deutſchland hatte nur noch Prinzipien des
Wollens , kopflore Prinzipien mithin : volo,
jubeo , mando. Darzu kommt noch der Ues
belſtand , daß gerade im Praktiſchen und beim
Handlen , die gånzliche Unmöglichkeit eines
Gebraucmadens von ſeinem Denken mithin
von ſeiner Freiheit , ohne einen jedesmal
und zwar mertbar vorangegangenen , ant.
maliſchen Impuls i am aderauffallendſten tſt ;
daher die Mübreligkeiten , unter welchen Fant,
in ſeiner Kritit der Praktiſchen Vernunft, mit
reiner Freiheit , ( als einem wenigſtens rein
dentbaren Anfaze zu einem Handlen) , der
Zeit (d. l. allen möglichen Umſtänden ) auszus
weichen ſuchen mußte. In der Reihe abwarts
und in's Reben herein kann nåmlid - B
idlechterdings nicht ohne voranſtehendes B ftatt
finden . Nun aber läßt ſich der Impuls , als
ein ,, im Denken durchs Denken unvertilgbares,
Etwas , in ſeinem ganzen Detail gar füglide
unter unſer B ; der antide imperatio
aber mit ſeinem Detail unter - B als das
am Etwas bloß Gedacte , lezen , das Ger
ragte demnady burch folgende Stalen faßlich
machen :
135

B B
Impuls des anto Imperatiu .
maltra en 3 fen
ben 8
Zriebe Gollen
Begehren 90 ollen
Werft and ( als A Bernunft ( ald A in
in B gelezt ) B geſezt )
Bewegungsgrün. Wollen um des
de Sollen willen

Klugheit (als relfo Pflicht


fe Ueberlegung , pru.
dentia )
Gute A uffů ho Zugend (x & Toptwrice )
rung ( x « Iinov )
Gelegenheit von Moralifdes Bers
a uſſen ( Tunces) dienſt
Geſundheit der Wohlbefinden ( als
Gemüthskråfte — B, als gutes Ge
wiffen ).

Logiſch iſt dieſe Entgegenſezung , unter der ,


hier beigebrachten Veränderung , ohne Zadel ;
denn nichts von dem was in der einen Reihe
vorkommt , iſt im bloßen Denken deffen , was
In der anderen vorkommt , ſchon miteingeſchloſs
fen : A , als A , obgleich unwandelbar , alb
dieſes , af dennod , als A in B geſezt , la

i
136

und mit dieſem B allein , nicht auch zugleich


als in . ( - B) geſezt zu betrachten ; ſonſt ben
trachtete man B und ( B ) als unterſchieden
und doch auch als Nichtunterſchieden , d. to
man verfiele in einen Widerſpruch . Aber pra ko
tiſch kann ſie , als Entgegenſezung , nicht ben
ſtehen , weil fein ( - B ) abwårts in der Rele
be und In's Leben herein , ohne vorangehendes
B , ſtatt findet ; folglich was unter B ſteht ,
1 in allen Fållen vorangehen muß , eh? es zu
bem , unter - B ftehenden , tommen kann ,
welches schon dem geſunden Menſchenverſtande
gerade im Praktiſchen am merkbarſten
auffällt, ungeachtet bei jeder Vorſtellung und
1 jedem Begriffe durchgängig derſelbe Fall ein .
treten muß. Ein homo Noumenon in einem
homo Phænomenon iſt daher ein Unding;
denn als Phænomenon ift er ein Indipiduum ,
als Noumenon Pein Individuum , mithin in
dieſer Rüfficht auch tein homo mehr. 2Bets
ter , und noch einmal zur Modalitåt felbſt zu .
råt , um alédann ausmachen zu können , was
die Nothwendigkeit , nicht Krautird , ſondern
wirklich iſt. Vorerſt zur Möglichkeit ! Sie
foll , nad Rant , dasjenige ſeyn , was , bet
der Zergliederung eines problematiſchen Urthelle,
als Urform deſſelben befunden wird , was mits
bin jedes problematiſche Unthell zum problem
137

matilden Urthetle macht. Kommt denn


aber die Möglichkeit nur problematiſchen Ur.
theilen zu , oder iſt ſie nicht der weſentliche
Charakter des Gedachten überhaupt , als ele
nes Gedachten ? Kann fie folglich je auso
ſchließend zum unterſcheidenden Charakter deſo
fen gemacht werden , was der Menſch noch
nicht gewiß weiß ? Iſt es nicht eine , eto
nem Philoſophen unverzeihliche , Dberflådolid ).
telt , wenn er aus dem Problematiſchen oder
Ungewiffen eines Sinneneindruks , welches die
Sprache des Lebens mit einer bloßen Moga
lichkett ( des Gegebenfeyafónnens in einer Vors
ſtellung ) bezeichnen mag , das Weſen der Mög.
lichkeit felbſt , als eines Gedankens , aufgefunto
den , und ſie hiemit , unter dem Namen einer
Denkform für alles Problematiſche , ganz und
gar abgefertigt zu haben glaubt ? - Zerglies
dert man ein affertoriides Urtheil : ro roll
als Urform deſſelben befunden werden eine gea
wille Kategorie des Daley'n 8. Wird in der
Sprache des Lebens dasjenige möglich ges
nannt , was man zwar als einen ſogena a no
ten Gedanken nicht verwerfen kann , aber
doch noch vermittelft keiner beſtimmten Borſtel.
lung als das , wofür es ausgegeben wird , in
ſeinem Bewußtſeyn gegenw artig hat : fo
nennt man in eben derſelben Sprache dasjen
138 -

nige wirtlid eriftierend , afferiert oder


behauptet es , was man nicht nur als fo.
genannten Gedanken nicht verwerfen kann ;
ſondern auch in einer beftimmten Vorſtellung ,
fie ley eigene Gewahrnehmung oder Zeugniß .
Tey wahr oder falſch , in ſeinem Bewußtſeyn
gegenwårtig hat. Und bei dieſer Wirka
lidkeit der fofalgegenwart in Vorſtellungen ,
welche allein in einem Kantiſch ausgeleg.
ten , Afferteren , einem , Kantiſch ausgeleg.
ten , Behaupten , es ſey eigene Gewahrneh .
mung oder Zeugniß . es ſey wahr oder falſch ,
als fureichender Grund deſſelben , liegt,
tann es ein Philoſoph da bemenden laſſen ,
wo er , vermöge des , hier in eine Klaſſe mit
dem Dafeyn geſtellten , Gedankens der Mögs
lichkeit , einem über den Gedanken einer
Wirklichkeit überhaupt Auskunft zu geben båt
te ? Daher brauchte Kieſewetter oben ro
viele . Epitheta , um ein affertoriſches Urtheit
zum apodiktiſchen hinaufzuſchrauben ; daher
mußte es vorher ein allgemein bejahendes,
d. t. , wenn es einen Sinn haben ſoll , ein Alle
gemein bejahtes Urtheil werden , eh ' es
in ein Rantiſch - apodikttides übergehen konn .
te. Zergliedert man endlich ein apodiktio
de 8 Urtheil : ro roll als Urform deſſelben bes
funden werden eine gewiſſe Kategorie der Notho

3
139

wendigkeit. Dieſe Nothwendigkeit iſt nun


theils als eine , durd die Möglidzkelt ſelbſt ges
gebene , Exiſtenz (S. MI) , theils als etwas ,
aus der Verbindung des Dajeyns mit der Mögs
lichkeit Entſprungenes ( S. 110 ) vorgeſtellt.
Theilt man ſie nun nicht , (wie oben , um über
die Verwirrung Meiſter zu werden , geſdiabe),
In zwey Nothwendigkeiten , wovon die eine das
lokale Verſchwinden , die andere das lokale
Daſern zu threr Baſis hat , ſondern nimmt ſie,
wie fichs geziemt , nur als eines und eben daro
ſelbe im Denken an : Po zerſtört rich Kant's
Idee von einer Nothwendigkeit , als eine und
dieſelbe Idee betrachtet , ſchon von ſelbſt. Denn
eine Eriftenz , welche durd) die Möglid telt bes
reits gegeben iſt , kann doch gewiß keine Eria
ftenz ſeyn , die aus einer Verbindung des
Dare yns mit der Möglichkeit erſt entſprån.
ge ; ( wenn etwas in einem Anderen ſelbſt bes
reits gegeben iſt , wie kann es da aus einer
vorzunehmenden Verbindung deſſelben mit jeo
nem anderen erſt entſpringen ? ) Nun aber iſt,
nach S. 111 , die Nothwendigkeit nichts an.
ders , als die Eriſtenz, die durch die Möglich .
kelt ſelbſt gegeben iſt; folglich kann ſie , ohne
Widerſpruch , nicht mehr , wie S. 110 geſchieht,
als etwas , aus der Verbindung des Daſeins
mit der Möglichkeit Entſprungenes , vorgeſtellt
1
140

werden . Wir wollen aber nun einmal anneho


men 1 ) die Nothwendigkeit rey nichts anders,
als eine durch die Möglichkeit ſelbſt gegebene,
Eriſtenz: lo tft dieſe Eriftenz entweder ein (lo.
taleo ) Daſeyn , oder eine Wirklichkeit ( als
Gedante). Ift ſie , wie sant annimmt ,
ein (lotales) Daleyn : ſo iſt alſo die Notho
wendigkeit ein , durch die Möglichkeit felbft gee
gebeneb , ( lokales ) Daſeyn . Nun aber iſt
cin , durch die Möglichkeit ſelbſt gegebenes (I 0 .
tales) Dafeyn ein lokales Nicht daſeyn (was
die Gegenwart betrift ) ; folglich wäre die
Nothwendigkeit , als ein durch die Möglichkeit
felbſt gegebenes , (lokales) Dafeyn , ein los
tales Nichtsbaſeyn (was die Gegenwart bes
trift ) , ela Schatten = 0 , weil es da unber
ftreitbar gewiß mit der wirklichen Anſchauung
Borbet ift ; daher Kieſewetter ganz im Geis
fte dieſer einen Helfte einer Kantiſchen
Nothwendigkeit ( daß prius darzu tannte er
nicht) 1. c . S. 56 , erinnert : die verneinen ,
den Urtheile können nicht problematiſch regn ,
und die allgemein verneinenden (d . t.
die Allgemein verneinten , allgemeinen )
affertorifchen Urtheile ſeyen a podittird .
(wie der Schatten = 0 , von welchem fich u ato
: beftreitbar gewiß nichts mehr , als von
141

einem angeſchauten wirklichen Gegenſtande ,


ſagen låßt). -
Sft aber , was Kant nicht annimmt , (ins
dem er die Realitåt ſchon vorher als Denko
form abgefertiget hatte ) , dieſe , durch die
Möglichkeit felbft gegebene Eriftenz, die Wirks
lichkeit ( als Gedanke ) ; lo beſteht alſo die
Nothwendigkeit in einer , durch die Mögliditeit
felbft gegebenen , Wirklichkeit, in einem Seyn,
welches bekanntlich erſt in der Kritit der Prato
tiſchen Bernunft ſide bliden laſſen darf, mits
hin in der Kategorieen: oder, wie man's Deutſch
nennen müßte , Denktafel, als Senin 0. t.
als ein Denken , nirgends einen Zutritt fand.
Wir wollen 2) Rezen , ( weil dies ja bei al.
len Klaffen der Kategorieen der Fall ſeyn ſoll
nach S. 110 , mithin ohnebies die Majoritåt
auf ſeiner Seite hat) , die Nothwendigkeit, als
dritte Kategorie ihrer Klaffe , fer aus der Ver .
bindung der zweyten threr Klaſſe mit der era
ften , alſo aus der Verbindung des Daleyns
mit der Möglichkeit , entſprungen : To lſt nun
dieſe Nothwendigkett entweder aus der Mögo
lichkeit , als etwas Problematiſdem ,
und aus dem Dareyn , als etwas uffers
toriloem , entſprungen , oder ſie iſt nicht
hieraus entſprungen . Iſt ſie aus der Moge
lidtett , alt etwas Problematiſdem , und
142

aus dem Daſenn , als etwas auffertorto


Idem entſprungen ( dies nimmt Rantan );
ſo ift fie ein Etwas , das man ſchon als Ges
danten nicht verwerfen konnte , und worzu noch
die Gegenwart in gewiſſen beſtimmten Vors
ſtellungen hinzukam. Dieſem zufolge wåre fie
aber weiter nichts , als wiederum ein uileries
ren , das auf der Gegenwart gewiffer bes
ftimmten Vorſtellungen beruhte , die entweder
eigene Gewahrnehmungen oder Zeugniß , ento
weder wahr oder falſch regn konnten , und wos
bei es , um Kantifch sa podik riſch zu wers
den , auf das Kieſewetteri dhe udgemeine
bejahen (auf das in confeffo eſt ), hinauslau.
fen müßte. Ift aber diefe Nothwendigkeit nid )t
aus der Möglichkeit , al 8 etwas Probles
matiſch em , und nicht aus dem Daſeyn ,
als etwas affertoriídem , entſprungen :
ſo tann fie aud thren Grund weder in etwas
Problematiſchem , noch in etwas Uffertoriſchem
haben. Hat dieſe Nothwendigkeit ihren Grund
weder in etwas Problematiſchem , noch in et
was affertoriſchem : fo beruht fie entweder gar
aidt auf der Möglichkeit und dem Daleyn ,
oder ſie beruht auf der Möglichkeit , als e to
was Nichts problematiſch em , und auf
dem Daleyn , als etwas Nidtialiſerto.
riiden . Etwas das gar nicht auf der Mögo
143

lichkeit beruhte , und doch als ein Etwas ( als


Dbjekt ) in's Syſtem der Weltweſen hereinges
hören ſollte , wäre ein Widerſpruch ; dieſe Norh.
wendigkeit muß demnach auf der Moglichkeit
(- B ) beruhen. Etwas , das gar nicht auf
bem Daſeyn beruhte , beruhte entweder auf
Nichts und follte doch auf Etwas beruhen ,
wåre mithin abermal ein Widerſpruch , oder
es beruhte auf dem Dareyn ( bloß als nichts
monſtrabelem mehr ) mithin auf dem Daſeyn
al 8 Wirtlidt eit (B. Sft's demnach wis
derſprechend , daß dieſe Nothwendigkeit gar nicht
auf der Möglichkeit , und gar nicht auf dem
Dareyn ( als Wirklichkeit = B ) beruhte :
ſo muß fie nur bloß auf der Möglichkeit, als
etwas Nichtsproblematiſchem , nur
bloß auf dem Daſeyn , als etwas nicht.
aſſertorird em , beruhen . Möglichkeit, als
nid) t $ Problematiſches mehr , ſondern
als ſchlechthin a podiktid , iſt das Gedachte
ſelbſt , als Gedacht ( B ) ; Daleyn , als
nichts affertoriſd ) e 8 mehr , ſondern als
ſchlechthin a pobilt tid , iſt das Gedachte ,
als ein Gedactes Etwas , d . t. als ein,
im Denken vorgeftelites , Etwas (B) ; folglich
beruht die Nothwendigkeit 1 ) auf den Gedach .
ten ſelbſt , als Gedachten 2) auf dem Ge.
dachten , als einem Gedachten Etwas,
144

mit einem Worte auf dem Denken , 418 Deno


ten ( A ) , auf dem Objefte, als Objekte
(B — B ). Nothwendigkeit iſt bloß der , izt
einmal in allgemeinen Umlauf geſezte , Aus.
drut für das im Denken a m Denken , und
im Denken am Vorgeft-ellten in einem
Denken , unvertilgbar Befundene ,
und dtere Nothwendigkeit ( ſonft feine , kein
bloßes in confeffo eſt ) , iſt apodiktid ;
denn ſie iſt gegeben in der Möglichkeit , als
nid t8 Problemattidemmebr , ſons
dern als etwas Apobiktiſchem , in dem Da,
ſeyn , als nichts affertorifdem mehr ,
ſondern als etwas Apodiktiſchem ( im Seyn).
Durch dieſe Art der Entwiklung des Kritto
ſchen Chaos hoffe ich zugleid die Schiefheit
bemerkbar gemacht zu haben , mit welcher
Kant das Daleyn mit der Möglichkeit gekup,
pelt hat. Möglichkeit iſt reiner Gedanke ; Das
reya (mit dem möglichen Gegenſaze eines Dorto
renns, folglid, eines nichtmehr, daſeyns ) ift
Sinnenwerk , angehångt in uns , wenn ich ſo
ſagen darf , an den underånderlichen Gedanken
eines Dbjekts , fobald einmal C durch A bis
auf ein B – B im Denken zernichtet worden
iſt. Kommt nun ein Gegenſtand vor unſere
Sinnen : fo findet der Stuneneindrut , den er
auf uns macht , den Gedanken des Objekts ,
mtt.
145

mithin der Möglichkeit und Wirklichkeit und der,


in threm Denken eingeſchloſſenen , Nothwendige
keit , don bor , fließt fich auch , weil's nicht
anders ſeyn kann , an alle drey gleichmäßig an .
Nur iſt es alsdann erſt Empiriſden Bedino
gungen anheim geſtellt , ob wir dieſem Sinnens
eindrufe , der , als Objekt , möglich wie wirklich ,
und wirklich wie nothwendig iſt , auch noch die
( Finnlide ) Vorſtellung einer lokalen Wirklich .
kelt ( eines Daleyns 3. B. als eines Menſchen ,
dajeyns ) , oder aber die Nicht vorſtellung einer
lokalen Wirklichkeit eines Dafeyns z. B. alb
Feines Menſchendaſenns ) muffen angedeyhen laſ
ſen . Im erſteren Falle nennen wir , in der Spray
che des Rebene , die , an ſich immer nothwendige
mögliche Vorſtellung , ist als Vorſtellung ,
nothwendig wirklich , mithin , als nicht . 0 0 10
ſtellung , bloß möglich ; im lezteren Falle hin,
gegen nennen wir dle , an ſich immer nothwens
dig mögliche Nichtsvorſtellung , ijt alb Nidh to
vorſtellung , nothwendig wirklid , mithin, wie
wir zu ſagen pflegen , als Vorſtellung , blog
möglich . Auf dem einfachen , ſo eben beſchrieben
nen , Geſchäfte des Denkens als eines , in B - B
gelezten , A , und der Vorſtellung , als eines
Fichts ( mit ſeinen Stuffen ) oder eines Sdat.
tens (mit ſeinen Stuffen ) für's animaltíde Beo
wußtwerden , beruht das ganze Weſen des Der
min 146

monſtrierend auf der einen , des Fingerzeigens


( Monſtrierens ) auf der anderen Seite. Was
noch ſtoffhaltiges Sinnenwert iſt , låßt ſich
nicht demonſtrieren ; was Sache des Denkens
ift , al 8 Sache des Denkens , nicht mons
ftrieren . Daß man das Dareyn der Dinge auſs
fer uns in der Philoſophie nicht demonſtrieren
konnte , und wo man klug war , nie demonſtries
ren wollte , ehe Kant auch dieſe große Entdes
kung machte ( Vorrede zur Kritik, der reinen Bere
nunft S. XXXIX ), kam daher , well's etwas
Monſtrabeles , aber eben deßwegen nichts Des
monftrabeled iſt. Kant iſt dieſer Meynung kels
neswegs. Ihm bleibt es immer , ein Scandal
der Philoſophie und allgemeinen Menſchenvernunft,
das Daleyn der Dinge auſſer uns , von denen
wir doch den ganzen Stoff zu Erkenntniſſen ſelbſt
für unſeren inneren Sinn herhaben , bloß auf
Glauben annehmen zu müſſen , und wenu es
jemand einfällt es zu bezweiflen , ihm keinen ges
nugthuenden Beweiß entgegenſtellen zu köns
nen . " Hier tritt der , vielleicht nicht ſeltene ,
Fall ein , daß ein Scandalum acceptum dad årg
fte Scandalum datum , wenigſtens von Seiten eis
nes Meiſters in der Philoſophie, ift. Doch dies
war für die erſte , theils grobe theils reine , Ana
r ch a u ung 8 philoſophie in der Welt konſes
quent , für eine Philoſophie , die , wo ſie von reto
147

nen Anſchauungen ſpricht , von Gott felbft ber


merkt : ,, denn dergleichen muß alles fein Er.
tenntniß ſeyn , und nicht Denken , welches jes
71.. Es
derzeit Schranken beweiſet " I. c . S. 71
war konſequent , nachdem einmal das , was nur
demonſtrabel iſt ( Gottes Seyn ) als monftr an
bel , bei einem Philofophen , in Frage geſtellt
war , auch umgekehrt das , was nur monſtrabel
ift , ( das Daleyn einer Sinnenwelt ) , als der
monſtrabel in Frage zu ſtellen . Es ließ fich
überhaupt nicht wohl anders erwarten nad den
ſonſtigen Proben einer Kantiſchen Demonſtra .
tionsmethode , wie fie z. B. in ſeinem Beweiße
für's Daleyn einer intelligibelen Welt , deren wir
uns nach dieſem Leben erft zu erfreuen haben , '
fid anließ. Es fen mir erlaubt , in dieſen Bes
weiß ein wenig einzugehen , ehe über die Demons
ftration ein Mehreres belgeſezt wird. Sein Ober .
ſaz lautet Stoirch : er heißt :
Wohlverhalten und Wohlbefinden müſſen belo
ſammen ſeyn ; mit anderen Worten , im Den .
ten einer erfüllten Pflicht iſt auch ſchon mit
eingeſchloſſen das Denken eines , dieſer gea
( chehenen Pflichterfüllung gemäßen, Gemüths.
zuſtandes als – B , (in welchem die Stoa
alsdann die einzige rein : menſchliche Voll.
kommenheit oder Glütſeligkeit , den finis bo
norum , ſudte).
148 -

Dieſem Stoilden reinen Vernunftſaze, als


ſeiner Major , Pezt nun Kant das gerade Wider.
ſpiel in einer 1 ) die Auſſage des Oberſazet l'im ta
tierenden 2 ) empiriſchen Minor unter , zerſtört
alſo ſeinen Oberfaz als reinen , mithin unzerſtör.
baren , Vernunftſaz wieder ; (denn das Limitieren
eines Vernunftſazes , auſtatt ihm , als ewiger
Regel , jede Minor in der Empirle ſlechthin zu
unterwerfen , iſt ein Aufgeben ſeiner allgemets
nen Wahrheit , mithin eine Zerſtörung ſeiner
felbſt ) ; indem er ſchließt :

Nun aber iſt dies im gegenwårtigen feben


der Fall nicht ( Kritit der Praktiſchen Ver .
nunft S. 207 , 208 ) ; folglich muß es noch
eine andere Welt geben.

So mas båtte einem Chryfipp nicht begego


nen mögen. Nein , der Stoiter zeigte fich auch
in ſeiner Moral als Logiker. Der Vernunftſaz
blieb ihm , was er iſt , unzerſtörbarer Vernunfts
faz, deffen Wahrheit der Philoſoph , als in der
Weltbeurtheilung begriffen , gegen jedes leiden
der Zeit (burch Umſtånde) feſtzuhalten , und , als
thåriger Weiſer , durch ſeine geſammte Handlungso
art“ zu realiſieren habe , indem er die Pflichter.
füllung ſchlechthin und ohne alle andere Rütfichs
ten zum Maßſtabe möglichſter Vollkommenheit
für den Menſchen , a 18 Menſchen , unnachlafe
149

fig annehmen , und in dieſem Betrachte das


otile nte vom honeſto trennen ſollte. Cicero ers
innert ( off, Ill , 3 ) Socratem execrari
folitum eos , qui primum hæc ( honeftum et
utile ) natura cohærentia , opinione diftraxiffent,
Das thaten die Sophiften , und das that
Kant. Bei beiden Zheilen gieng es durch Drug,
ſchlaffe. - Um aber wieder auf Dbtges zurüt .
zukommen , ſo fragt fich : kann man denn das
Daſeyn der Dinge aufſer uns wirklich nicht des
monſtrieren ? Poftulieren , damit wir etwas
denken können , aber keineswegs demonſtries
ren ; denn 1 ) iſt das , was fich nur poftulieren
låßt , eben deswegen indemonſtrabel , 2 ) beſteht
das Demonſtrieren gerade darinn , daß man eto
nem feine Anſchauungen über einen gegebenen
Sinnengegenſtand, als bloße Anſchauungen
eines gewisſen Stoff 8 , zernichten muß .
um ihn , ungeachtet er für ſich Sinnengegenſtand
bleibt , als gelåutert vom Stoffe , nur in ſeiner
form , mithin allein in den nothwendigen
Stufen , welche ihm als Sinnengegenſtande uns
vertilgbar anhangen , auf A in B - B zurük.
zubringen ; das Zeigen hingegen beſteht darinn ,
daß man dem Objekte B - B wiederum ein bes
ſtimmtes C in Unſchauungen ( oder Gewahrneh,
mungen) beiglebt :
(A + C ) gefezt in (B - B + C)

1
150.

wåre alſo zeigen , ( Monſtrieren , nicht aber


Abweiſen vom Monſtrabelen , d . I. nicht Des
monſtrieren ). Nun aber läßt fich nichts , was
Materie iſt , als Materie , in ein Denken auf
nehmen : folglich wird auch dieſes C a 18 M a .
terie , im Denken zernichret , d. i. ein Ged a no
te werden müffen . Soll aber dies C nun als
Gedante ,,# doch noch vom B - B unterſcheidbar
feyn : ſo wird auffer dem , was bereits in B - B
tiegt , noch etwas daran als dieſem C haften
müſſen , das es gerade zum Gedanken von dies
fem C macht. Man begreift, daß das , daran
Haftende , um es zu dieſem C in einem Ge.
danken zu machen , nicht im Denken ſelbſt , als
einem Denken , llegen , und , wenn es nicht
im Denken liegt , doch auch als Materie
eben ſo wenig in ein Denken übergehen könne ,
wie irgend ein Cats C. Das daran Haftende
muß alſo dem C alß dierem C zukommen , ſo
viel iſt klar ; es fann ihm aber nicht als blojo
ſem Stoffe betrachtet zukommer , nicht in ihm
felbſt , als bloßem Stoffe betrachtet, ges
legen ſeyn , ſo viel iſt auch klar. Muß es dem
C als dieſem C zukommen , und kann ihm doch
, nicht , als bloßem Stoffe betrachtet, zu.
kommen : ſo muß es ihm zukommen , in ſo ferne
der Stoff bts auf feine Form gelåutert worden
ift. Dies geſchieht im Objekte, worinn der Stoff
151

bis auf die Form ( eines Nebeneinander , oder blb


auf die Ausdehnung , und bis auf die Form ſeto
nes Nacheinander , oder bis auf die Veränderung
an ſich und ohne weitere Veränderlichteit, jernid
tet worden iſt. Allein eben dies haben wir ja
(don im B - B , und was wir igt ſuchen , iſt
ein plus zum B - B. Ein plus zum B - B
das weder ein Denken , al 8 Denten , noch ein
Stoff , als Stoff , ſeyn ſoll , ſcheint unter der
Vorausſezung , daß im B - B auch ſchon die Auso
dehnung nebſt der Veränderung ohne weitere Vers
ånderlichkeit , gegeben ren , ein verkehrtes Ding
zu ſeyn , das einem mit ſeiner Eriſtenz nach Uto .
pien zu deuten verheißt. Wir können einmal kele
nen Stoff in ein Denken , d. l . , wie (dyon öfters
erinnert worden , nie in die , für ein Denken nun
ferner unvertilgbare , nothwendige Vorſtellung des
Objefts , als Objekts überhaupt , aufnehmen ,
dies ragte unſere Unterſuchung bisher aus. Wir
darfen es alſo auch izt , und dieſem plus zu lieb ,
nicht thun , daran erinnern die , ſo eben auf jene
Unterſuchung gebauten , Schlüſſe. Wað Raths
alſo mit dieſem plus ? - Es muß ſich geben ,
wenn wir uns die Urt und Weiße zurůtrufen ,
wie es ſich mit dem Dbjekte oben gegeben hat ;
denn es iſt ja wiederum von einem Objekte , nur
mit dem Unterſchiede , daß es izt ein , Dieſes
Obiekt : werden ſoll , die Rede. Dhne ein, von
1
152

thm unabhängiges , Nacheipander würde , wie


wir ſahen , unſer Denken nie zu einem Objekte ,
und ohne den inneren , vom Denten , als Deno
ten unverttigbaren , Lebendimpuls nte zu einem
Nacheinander gelangen. Allein mit dieſem innes,
ren Lebenslmpulſe ift bloß das , vom Denken uns
vertilgbare , Merkbarmachen einer geriffen bes
ftimmten Entbehrung gegeben ( Gefühle , Triebe
u . f. w. ) ; folglich bloß ein beſtimmtes Minus
(Subtraktion ) zum Empfange eines Plus ( einer
Addition) in unſerem animaliſchen Bewußtwerden
angelegt. Mit anderen Worten heißt dies , der
Innere , mit dem Gegenſtande , worauf er zielt ,
ſchon vermittelſt eines Minus d. i. durch eine
Entbehrung deſſelben , verſehene Impuls
belſdot noch etwas , adequat für ihn tbåtiges
Ue urreres , im Denken gleich unvertilgbares
wie er ſelbſt iſt. Zu der , für die Möglichkeit der
Anwendung eines Denkens weſentlich erforderlio
chen , und von ihm nicht zu alterierenden Verans
derung von innen hätten wir alſo nun auch eine,
für die Möglichkeit der Anwendung eines Dens
tens weſentlich erforderliche , und von ihm nicht
zu alterterende , beſtimmte Veränderung von auf
fen , alß unumgånglich befunden , welche bende
alsdann ſich an das , ebenfalls inalterabele Db
jekt (in B -- B) ganz füglid anſchließen können .
Nur fragt ſich , was denn dieſe å uſiere Vera
153

&nderung feyn , und worinn fie beſtehen ſoll ? In


einer beſtimmten Gemahrnehmung oder finnlichen
Þorſtellung , als dieſer Vorſtellung , mit dies
ſem beſtimmten , und als für dieſe nun inala
terabelen Nebeneinander , und als für dieſe
nun inalterabelen Nacheinander. Dieſe Gewahrs
nehmung , als Handlung einer beſtimmten finnlig
chen Vorſtellung in unſerem animaliſchen Bewußto
werden , kann mit ihren weſentlichen Beſtimmun .
gen vom Denken , al 8 Denten , ebenſo wenig
vertilgt werden , wie der Rebendimpuls mit feinen
weſentlichen Beſtimmungen ; denn ſonſt zernichtete
eine Form die andere ( ein , für ſich beſtehender,
Alt eines unbertilgbaren modus würde ein , von
einem anderen , får fich beſtehenden , utte eines
unvertilgbaren modas zernichteter , Att , mithin
ein Uft der Vertilgung an etwas Unvertilgbarem ).
Kann fie , als Handlung nicht zernichtet werden :
ſo iſt alſo am C , als dieſem C , etwas , das
in's Denken aufgenommen werden nuß , nåmlich
die Handlung ſeiner Vorſtellung , als dieſer
Vorſtellung ; und das Inalterabele an einem gea
wiffen C , wodurch es zum plus für ein , ſchon
an ſich unvertilgbares , B - B tauglich wird , iſt
mithin die Handlung ſeiner Vorſtellung in einem
animaliſden Bewußtwerden , als dieſer , burde
ein an ihr gegebenes Neben , und Nacheinander
beftimmten Vorſtellung. Muß dieſe Spandlung
1

154

in's Denken aufgenommen werden : po tft der Weg


ausgemittelt , auf welchem , ungeachtet der uns
bermeidlichen Bertilgung des Stoffes an einem
gewiſſen C , um es als dieſes C in ein Denten
aufzunehmen , ſich alsdann , nach geſchehenema
Webergange beffelben in ein Denken , alles wieder
anhången kann , was in den Konzeptionsorganen
> unſerer fünf Sinnen daran hieng , und in unſes
rem animaliſchen Bewußtſeyn ( nicht im Denken )
unter mancherley Wandel empiriſch · beharrlich
aud) für die Zukunft hangen bleiben mag. Dies
leztere nåmlid tft bloß eine , uns durch unſere
fünf Sinnen als Konzeptionsorgane gegebene ,
Mannigfaltigkeit in der Art des Daleyns eines
Stoffs , wie die ſieben Grundfarben , die ſieben
Grundtone , die einfachen Gefühle, Geruchs- und
Geſchmakseindrůde , welche nichts weniger , als
Begriffe ( perceptiones oder gar notiones tan
tummodo claræ ) ſondern vielmehr ein Ses
zen unſeres Denkens ( durch B - B ) ſind in die
urſprünglichen , von unſerem animaliſchen Bewußto
werden unvertilgbaren Elemente ( empfindbaren
Anfänge ) der Mannigfaltigkeit , unter welcher
uns durch unſere fünf Sinnen die Art des Das
ſeyng eines Stoffs abwechslend gegeben wird ,
und die daher unſerem animaliſchen Bewußtſeyn,
als zum Daſeyn eines Stoffs für uns gehörig ,
durch Impulſe von auſſen aufgedrungen werden ,
155

ohne daß unſer animaliſches Bewußtſeyn fie vero


tilgen könnte. Da ſie aber , den Akt des Im .
pulſes ausgenommen , doch im Denken überhaupt
vertilgbar ſind , und gleichwohl feine Form die
andere vertilgen kann : ſo muß ich ſchließen , daß
fie eigentlich das , am Stoffe für mich Perå no
derlide Etwa 8 , kurz daß ſie wedslende Afo
feftionen ( modi im Daleyn für mein Be.
wußtwerden , nicht unvertilgbare modi , wie id's
bisher nahm , nidt modi des Sey'n'S) mito
hin bloß wechslende Uffektionen des Stoffes als
Stoffes find , welche in meinem ( empiriſch )
beharrlich hinterlegten Bilde von gewtffen Sino
nengegenſtånden bald ſo bald anders können den
koriert werden müſſen ; daher ſie dann auch ele
neb , von Zeit zu Zeit wiederholten Fingerzeigens
oder Betaſtens ( insbeſondere wenn des Lebens
Blüthe vorůber ift ) bedürftig werden , um vom
Lichte , das ſie für ein animaltides Bewußtſeyn
ſind, nicht allzujåhe in einen Schatten für daſſela
be überzugehen . Die Sinnenwert wäre alſo das
plus des Zeigen's auf ein Ausgedehntes hin , um
eB für die Konzeption in einem animaltſchen Ben
wußtwerden zu firieren , wäre die Grundlage von
dem , was Kant ſynthetiſche Urtheile a pofte
riori nennt , der baare Stoff am c , welder
hiemit an unſerem plus gehörig geſchieben ere
156

foheint ; indem ſich unſere obige formel für das


Zelgen ,

(A + C ) geſezt tu (B - B + C)
1
ijt aufgelößt hat in die formeln ,

1) (A + C ) geſezt in (B - B + einem Bes


ftimmten , für das , was ſianlich vorliegt , inals
terabelen Etwas einer Verånderung und Yusdehs
nung ohne weiter mögliche Verånderung an dem ,
was ist eben finnlich vorliegt , in so fern es
Ijt eben ſinnlich vorliegt) ; woran ſich ald.
dann wieder anſchließt ,

II ) ( A + C ) geſezt in ( B - B + einem vers


ånderlichen Etwas ).

Auf leztered deuten helßt zeigen oder ans


tiſch Demonſtrieren ; die erſtere formel aber be.
gründet jede Art der wirklichen Demonſtration .
Bei dieſer müſſen wir uns alſo noch verwellen.
Inzwiſchen will ich vorerſt nur gelegenheitlich er
innern , daß das plus eines beſtimmten , für
das , was ſinnlich vorliegt , inalterabelen Etwas
einer Berånderung und Ausdehnung ohne weiter
mögliche Veränderung , in der erſteren Formel,
die Vorſtellung einer Subſtanz ( ejus , quod
rebus ſubftat ) , giebt , welche vom logiter ,
aus der Metaphyfik berüber , und bloß auf's
Dentwert daran unter B bezogen , Subjekt
157

genannt wird , und unter dem - B ein Prädikat


annimmt ; ( wird aber - B 3. B. in der Tugend
zum Subjekte gemacht, ſo wird dies B unter
B auf eine Subſtanz bezogen, z. B. Tugend ' mar
der Charakter des Sokrates) ; 2) daß in jedem
möglichen empiriſchen Urtheile ( mithin auch
Begriffe ) , es habe für eine Quantitåt , Qualttåt,
Relation und Modalitåt , was es für eine wil ,
die erſtere Formel ausgedrült feyn muß , und daß
fie das eigentlich formell é , mithin fogiſche,
daran erſchöpft ; 3) daß jedes mögliche empirle
de Urtheil , in ſo ferne darinn die erftere Fors
mel ausgedrukt iſt , analytiſch , in so ferne die
zweyte darinn ausgedrukt iſt , ſynthetiſch reve,
folglich der Anfang der Kantiſchen Kritik auch
diesfalls in dem Anfange einer unverzeihlichen
Oberflächlichkeit in Deutſchlands neuſter Philoſos
phie , beſtehe. Was aber die Begründung des
ganzen Geſchäfts der Demonſtration durch die
Formel von Num I betrift, ſo wird dies aus
folgender Analyſis erhellen. Das Objett tft ( alb
A tn - B ) das Denten felbft ohne Möglichkeit
einer Uusdehnung noch Veränderung. Das Db .
jekt iſt (alb A in B) die Ausdehnung ſelbft ohne
weiter mögliche Veränderung des Ausgedehnten.
Das Dbjekt iſt ebenfalls als A in B ) die Bers
ånderung ſelbſt ohne weiter mögliche Verånderung 1
des Berånderlichen , Das Denten läßt ſich in
ber Ausdehnung und Veränderung , als etwas
158

weiter under ånderlichem , idledthin res


zen . Die Ausdehnung läßt ſich in der Veråndes
rung , Aſo lange ſie noch etwas Berånderltches
( ſtoffhaltig ) iſt , als
ſie beſtimmend lezen ,
bis die Veränderung unperänderlich wird (Im Dbe
jekte oder in dieſem Objekte als Gedanken ) ,
und ſich die Ausdehnung ſelbſt als eine , nicht
mebr zu ändernde Veränderung des Anøgedehnten
erwelßt. Die Verånderung låßt ſich in der Auss
dehnung , ſo lange fie noch etwas Uusgedehntes
( ſtoffhaltig ) ift ,
als ſie beftimmend lezen ,
bis das Uusgedehnte ( alb ſtoffhaltig ), im
Denken zerulchtet iſt , und ſich die , nidt mehr
zu ändernde , Veränderung des Perånderlichen ,
ſelbſt als eine Ausdehnung erweißt. Das Den,
ten kann mithin angewandt werden auf eine Auß ,
dehnung , a 18 Uusdehnung, ohne ſich oder
fie zu alterieren ,
auf eine Veränderuug , als
Beranderung , ohne fich oder ſie zu alterte.
ren. : Die Ausdehnung tann in einem Denken ,
bermittelft feines Gefeztwerdens in diefelbe , ber
ftimmt werden , ohne daß das Denken fich oder
fie alterlerte. Die Ausdehnung kann durch eine
Beränderung ( nicht der Ausdehnung ſelbſt , als
1
Aus den ung , ſondern des Uusgedehnten ſtoff
haltigen ) , beſtimmt werden , ohne daß die Vers
ånderung , als Veränderung , rich oder ſie als
Uusdehnung alterierte ; ( dies iſt das plus der
Formel unter Num. 1 ). Die Perånderung kann
159

durch eine Ausdehnung beſtimmt werden , ohne


daß die Ausdehnung ſich oder ſie alterterte ; ( eben,
falls das plus der Formel unter Num. I). Els
ne bloß durch eine Verånderung ( nicht der Aus.
dehnung ſelbſt , al & U u 8 dehnung , ſondern
des ausgedehnten Stoffhaltigen ) beſtimmte Auss
dehnung , ohne daß die Veränderung fich oder
fie als Ausdehnung alterferte , wäre ein
gewiſſes beſtimmtes , für's Denten als Dens
ten unvertilgbares , mithin bei der Sejung
eines Denkens in baffelbe , gleichwie es ſelbſt uns
vertilgbar iſt , alſo auch in allem , was daran ge.
dacht würde ( in allem - B daran ) unvertilgba .
red d . to nothwendiges Etwas , welches lauter
Apodiktiſodes oder nothwendig zu Denkendes für
ein Denken lieferte. Eine , bloß durch eine Auss
dehnung beſtinimte , Veränderung ( ohne weiter
mögliche Verånderung pro eo , quod fubftat,
wie die Figuren der Geometrie , oder di Con .
ducteurs meines Denkens beim Leſen , die Bud.
ſtaben ſowohl als Zahlen ) , ohne daß die Aus,
dehnung fich oder ſie , als Verånderung,
alterierte , wäre ein gewiffes beſtimmtes , für's
Denken , als Denten , unvertilgbares , mithin ,
bei der Sezung eines Denkens in daſſelbe, gletch . +

wie es ſelbſt unvertilgbar iſt , alſo auch in al.


lem , was daran gedacht würde , (in allem - B
daran ) unvertilgbares , d. t. nothwendiges Et.
was , welches lauter Apodiktiſches oder nothwens
160

dig zu Dentendes für ein Denten lieferte. Bles


mit wåren wir nun vollends mit dem apodikti
icben nicht nur der Geometrie überhaupt , ſons
dorn aud jeder beſonderen Geometr to
rohen figur heraus . Elue ſolde Figur , z. B.
das Vierec meines Zilches als Piered , ift
nlähts anderes als eine , in einem derånderlichen
( ſtoffhaltigen ) Etwas , pro eo quod fubftat una
veränderlich beſtimmte Veränderung , 'vermittelft
der Uusdehnung als Ausdehnung , kurz , das
Pieredt an dieſem Zifde iſt eine Subſtanz ,
(ausſchlieſſend verſehen mit Finnlichen Attribus
ten , alles übrige an dieſem Itſche Find Accle
dentien ) oder das Piered daran lft das bes
ſtimmte , für's Denten , als Denken unvertilabas
re , mithin bei der Sejung eines Denfens in baſ,
ſelbe , gleichwie es ſelbſt unvertilgbar iſt, alſo
auch in allem , was daran gedacht wird , (in al.
lem - B daran ) unvertilgbare d. l. nothwendige
Etwas , weldes lauter Upobiktiſches oder noth.
wendig zu Denkendes für ein Denken liefert. Den
analytiſchen Gang meines Denkens hiebel bes
(chreiben mir beyde obige Formeln. Ich fange
nåmlich an mit Num . II , ( A + C ) geſezt in
( B - B + einem veränderlichen Etmas ) ; ( dles
plus des Monſtrierend z . B. die Farbe oder die
Reinbeit , die Große oder Kleinheit der Striche
bet einer Geometriſchen Figur muß , als Sade
1

IỐI

de 8 Monſtrierens , beim Demonſtrieren


im Denken vertilgt werden) ; und ende mit der
Formel unter Num. I.

(A + C ) geſezt in (B – B + einem beſtimmo


ten , für das was ſinnlich vorliegt inalteraben
len Etwas einer Veränderung und Ausdeha
nung ohne weiter mögliche Veränderung an
dem , was ist eben ſinnlich vorliegt , in ſo
fern es ist eben finnlid borliegt ).

Daß die erſtere Formel bloß der Analyſis zu


lieb aufgeſtellt werden mußte , und daß ihr plus,
wenn's an das Denken kommt, ein vertilgtes plus,
mithin ein minus , werde , wie die zweyte Formel
ausweißt , ſieht man ohne mein Erinnern . Sollte
aber denn dod dies .minus hier und da nicht eins
leuchten wollen : ſo habe ich weiter nichts zu thun,
als einen jeden auf ſein eigenes Bewußtwerden reto
ner , als eines Menſchen , zu vermelſen ; wie wåre
ef möglich, daß er je auch nur zu dieſem Bewußta
reyn . gelangen könnte , wenn die tauſendrådrigte
!
Maſchine , woraus fein Phyſiſches beſteht , in ſeio
nem Bewußtwerden, als einem Bewußtwers
den , nicht vertilgt , o . to ungeachtet fie das plus
feiner Eriſtenz tft , in ſeinem Bewußtſern nicht
zum minus würde , uub wenn ihm , in ſo ferne
er fidh feiner , als eines Menſchen , bewußt wird ,
nodo etwas anders übrig bltebe, auſſer dem ( A + C)
2
162

gelezt tu ( B - B + einem beſtimmten Inalterabes


len Etwas eines inneren ſowohl als åuſſeren Ims
pulſes nebſt allem dem , was er , als Impuls, von
benden Seiten nalterabeles mit ſich bringt) ?
Dies aber iſt unſere Formel unter Num. II , an.
gemandt auf ein mendliches Bewußtwerden übers
haupt in ſeiner , ſpeciel ( nicht mehr bloß wie
unter dem vorigen S. generel ) betrachteten Thås
tigkeit. Wað nåmlich in jedem möglichen anto
mal iſden Bewußtwerden , (wie wir das menſos
liche unter dem vorigen S. betragteten ) , nothwens
dig der Fall ſeyn muß , daß das plus des Stoffes ,
woraus das aniin aliide individuum
felbft beft eht, in ſeinem Bewußtſeyn , als
Bewußtſern , ein minus des Stoffes wird ,
das geſchieht in einem animaliſchen Bewußtwerden
unter einem Denken ( unter A ) , welches
eben daruin ein mênrclides Bewußtwerden
genannt wird , durd's Denken an Allem ,
was gedacht ſeyn roll , überall ; ſonſt iſt
es note Gedachtes Uber wie , wenn nun das
plus des veränderlichen Etwas der zweyten For.
mel in gewiſſen Fällen von ſolcher Beſchaffenheit
wäre , daß es einem hier und da im Leben zuerſt
etwa nur zweymal oder dreymal , zwar nicht auf
eine gleiche und Identide , ( dled wåre am Stoffe
als Stoffe unmöglid ; Principium indiſcernibi
lium ) , jedoch auf eine åbnlide Art , auf eine
163

Art alſo , welche Folge unſerer Hineinbildung in


die Welt, unſeres animaliſchen Bewußtwerdens ift,
vorkåme ; und unſer animaliſches Bewußtwerden
riefe ( durch ein Erinnerungdvermogen ) das zweytes
und drittemal , daß es auf eine åbnlide Art vora
kåme , jenes veränderlide Etwas der zweyten Foro
mel in ſich zurük : ro håtten wir vielleicht den
Vortheil , auch dies zweyte und dritte, jenem áhns
lice , Pohlechthin unter jene erſte Formel rezen ,
mithin ein Mannigfaltiges in einem
begreifen , folglich auch für eine ganze Reihe
ähnlicher Gewahrnehmungen alles was folgen
mag , aus jener erſten Formel ſchlechthin ber a uso
demonſtrieren zu können. Der Vortheil iſt
hier nur als ein Bielleicht , d . t. node nicht
als etwas Gedachtes , d. f. noch nicht mit ſeinem
prius Verſehened, angerührt. Wo fånde fich alſo
etwa ein prius , ( keine Induktion ) , zur Tilgung
des unphilofophliden Vielleicht ? Fåtten wir
für die Uehnlichkeit unſeres zwey - und dreymal
zurütfehrenden Falls , als dieſe Aehnlichkeit , alſo
als etwas, bloß in unſeren ſinnlichen Konzeption du
organen hangen Gebliebenes , aud noch eine , fic
anderdwo herſchreibende Gleich beit : ſo wåre jen
ne8 Vielleicht hier geådatet. Nun aber kann
die Gleichheit in nichts Itegen , als entweder in der
Form des Denkens , oder in der Form des Stoffb.
Was wir ſuchen ift Gleichheit einer Form får
- 164

unfer Denken , nidt Gleichheit der Form


unſeres Denfens ; mithin ſind wir mit der
Gleidheit , welde geſucht wird , zuförderſt an die
Form des Stoffes abgewieſen. Gleichheit (sden
titåt ) in der Form des Stoffes iſt Gleichheit in
der Veränderung , als einer Veränderung ,
ohne weiter mögliche Veränderung pro eo quod
ſubftat , und iſt Gleichheit der Ausdehnung , als
A u 8 dehnung, ohne weiter mögliche Berånde.
rung des Ausgedehnten , als diejenige iſt , welde
im zuerſt geſezten plas des veränderlichen Etwas
ber zweyten Formel fide eingewikelt fand. 280
uns alſo im plus eines zweyten und dritten vers
ånderlidien Emas ( beim Anblite der zweyten und
dritten Tulpe , nachdem wir das erſtemal eine
Tulpe geſehen haben ) , unſere ſinnlichen Konzep.
tionsorgane , Aehnlichkeit des zwey - und drenmal
zurůkkehrenden Falls mit dem erſten anzeigen ,
und es kommt im zweyten und dritten Falle zu
jener dehnlichkeit nod hinzu Gleichheit in der Ber.
ånderung , als einer Verånderung , che
weiter mögliche Veränderung , pro eo quod ſub
ftat, und Gleichheit der Ausdehnung , als A ud,
dehnung , ohne weitere mögliche Veränderung
des Ausgedehnten als diejenige iſt , welche im zu :
erſt gelezten Falle eine gewiſſen veränderliden
Erwae ſich ( får ein Denken ) eingewikelt fand , da
paßt unſere erſte Formel nicht nur für den erſten,
165

ſondern auch für den zweyten und dritten Fall,


d . i. wir haben ist einmal einen Begriff , oder
eine Komplerton ſinnlicher Merkmale , ja einer
ganzen Reihe ſinnlider Gewahrnehmungen , wela
de fick alle aus eben demſelbigen plus der erſten
Formel apobiktiſch herausdemonſtrieren laſſen , oha
ne daß fie monſtriert wurden. Da aber die Sache
hierdurch in's Großere auszulaufen beginnt , fo
rathet die , zur Ueberſicht nöthige , Kürze vorerſt
uur für eine kürzere Faſſung unſerer Formeln ſelbſt,
die Wichtigkeit des Gegenſtandes aber , für eine
möglich ſt deutlide Rekapitulierung der wes
ſentlichen Puncte unſeres prius zu ſorgen , um es
der Fåhigkeit eines jeden ſo nahe zu legen, als es
fid thun låßt. Was das Erftere betrift, ſo köns
nen wir tzt zu dem Ende das unter

Num. I. ftehende in folgenden Buchſtaben

( A + C ) gelezt in (BB + b )

Das unter

Num. Il. ſtehende in den Buchſtaben

( A + C ) geſezt in (B - B + c)

zuſammenfaſſen. (A + C ) gefezt In ( B - B + c)
wird mir im Denken = (A + C) geſezt in (B -
B -c ) d. t. im Denken = (A + C ) geſezt
in ( B - B + b ). Aus den Bud ftaben Lulpe
(B- B + c) wird in mir der Gedanke Tule
- 166

pe = (B - B - C (B - B + b ). Wenn ich
aber dann wieder eine Zulpe ſebe , und meine Oro
gane rufen dabei das , was von der erſteren in ihs
nen hangen blieb , in mein animallfdes Bewußts
werden zurůk , und ich finde meinem animaliſchen
Bewußtwerden dadurch aufgedrungen eine de huis
lidheit : ſo habe ich nuu ( A + C ) geſezt in
( B - B + c + c ) , und bei der dritten Rüfkehr
deffelben falls habe ide (A + C) geſezt in ( B
B + c + c + c). Allein im Denken verharren alle
dieſe ( + c) nur als Ein und eben daſſelbe ( A + C)
gelezt in BB
( + b ). Wie kommt dieb ? -
Id erlaube mir hier zuförderſt nur analogira
zu fragen : ob nicht auch alle Objekte im Denken
nur als Ein und eben daſſelbe Objekt verharren ?
Ich ſchlieffe alsdann weiter fort; nun aber iſt
meine Tulpe im Denken ganz und gar ein Db.
jekt ; folglich wird ſie auch als Ein und eben daſo
ſelbe Objekt im Denken verharren müſſen . Nur
låuft einem izt eben wieder das ſchwierige : Dies
res : in die Queere ; denn die Frage iſt ja eigento
lid nicht mehr auf die Beharrlichkeit des ( B - B ),
fondern des , darzu gekommenen (+ b) , als El.
nes und eben deſſelben (+ b) , in allen mögliden
fållen feines Gebrauchs , gerichtet, Sft man
einmal mit dem : Dieſe 8 : fertig geworden , lo
tft man einmal für allemal damit fertig gewors
den , oder aber es war kein Fertigwerden damit ;
167

man berfehlte das prius . Ein verfehltet , d . t. ,


wie man's nennt , falſa es prius ( kein prius )
aber birgt ſich nicht : das beweißt Kant durch
weg , und beweißt es noch nahe am Ende ſeiner
ſpekulativen Laufbahn in ſeinen animalipo en
Anfangegründen einer Rechtslehre , die er , zum
Spott der Vernunft, Metaphysiſche Anfangsa
gründe derſelben nennt. Unſere zweyte Sorge
muß alſo izt feyn eine möglidoſt dcutſide Reta.
pitulierung der weſentlichen Punkte unſeres prius ,
um eß der Fåhigkeit eines jeden ſo nahe zu legen,
als es fich thun låßt ; was für unſer (+ b) daro
aus folgt, wird ſich alsdann von ſelbſt anſchlieſſen :
A al . A с
In A , durd A Auſſereinander ,
Neben . Nacheinander.
Durch ( A + C ) entſteht
ein Objekt = B - B .

Im Objekte entſteht ein Nacheinander ohne


weiter mögliches Nacheinander , als das Nadeins
ander ſeiner ſelbſt im Lebenfimpulſe , d. t. es ento
ſteht eine Beränderung ohne weiter mögliche Bera
ånderung , ober ohne alle weitere Veränderlichkeit.

Eine Veränderung , ( oder ein Verändertes ) ,


ohne weiter mögliche Veränderung , ohne alle wel.
tere Veränderlichkeit , iſt eine , in den Zuſtand der
168 1

Entbehrung , der Leerheit eines Veränderlichen ,


( in den Zuſtand eines minus ) verfezte Verändes
răng

Eine Veränderung , ( oder ein Verändertes ),


ohne wetter mögliche Veränderung , ohne alle wets
tere Verånderlichkeit , iſt aber auch die Ausdehs
nung an ſich und ohne anhangenden Stoff ( ohne
ein Ausgedehntes ) betrachtet , denn was ſich an
der Ausdehnung verändern lågt , tft nte fie ſelbſt,
als Ausdehnung , ſondern das Ausgedeh ne
te als ein ausgedehntes Etwas : robafft man als
To dies Etwas hinweg : ſo hat man an der Auds
dehnung die einzig gedenkbare Veränderung ohne
weiter mögliche Veränderung , oder das einzig ges
denkbare Verånderte ohne alle weitere Verånder.
lichkeit , nachdem der Stoff davon geſondert wors
den.

Haben wir daher an der Veränderung ohne


weiter mögliche Verånderung etwas in den Zus
ftand der Entbehrung oder Leerheit verfezted , mit
hin in dieſem Betrachte ein minus : ro haben wir
auf der anderen Seite an ihr aud etwas Poſitts
ves , ' ein plus , d. i. die Ausdehnung an fich
und ohne anhangenden Stoff.

Wo es demnad zu einer Verånderung ohne


weiter mögliche Veränderung , als etwas Negar
tivem (einem minus ) kommt, da kommt es zu .
169

gleich zur Ausdehnung an fich und ohne anhangen.


den Stoff. als etwas Poſitivem ( als einem
plus).

Wo es zu einer Perånderung ohne weiter mög.


1
liche Verånderung als etwas Negativem , als der
Entbehrung und Reerheit eines Verånderlichen ,
kommt , da wird fido das Berånderlide noths
wendig anſchlieſſen můffen , weil es ſonſt ang
Uufhören eines Nadeinander , mithin an die Zers
nichtung einer Form gienge , welche fich doch
gleidwohl in dem minus einer Verånderung ohne
weiter mögliche Veränderung , nichts anders als
ein Mittel zur ewigen Fortſezung ihrer Form uns
ter Multiplikationen derſelben in ihrer Einheit , bem
reitet haben konnte.

Wo es zu einer Ausdehnung an ſich und ohne


anhangenden Stoff , als etwas Poſitivem , kommt,
da wird die Ausdehnung das Verånderliche , wels
ches fich an jene Veränderung ohne weiter mögo
liche Veränderung nothwendig anſchließt , beftimo
meu můffen , fo wie fie vorher durch eine Vera
ånderung ohne welter mögliche Veränderung ben
ſtimmt d. t. zur Ausdehnung ohne etwað Audgen
dehntes gemacht worden iſt.

Ein , in einer Veränderung ohne weiter moge


liche Veränderung (nach einer in ſich ſelbſt zurüt
1

1
170

kehrenden Bewegung) durch die Ausdehnung , als


Ausdehnung beſtimmtes Nebens und Nadeln.
ander heißt Drgant8mus
Geſchieht dies durch das Ausgedehnte , ſo
nennt man's Mecanismu 8 .
Im Drgantomus multiplicfert oder vervielfale
tiget fich demnad die Form des Stoffes , ohne
als Form etwas anders zu feyn und zu werden ,
als ſie iſt , ja ohne weitere Vielerlenheit (Multi.
plikationsfähigkeit ) all form , auffer der in den
drey Raumdimenſionen unvertilgbar gelegenen , und
vermittelſt dieſer ſonſt noch im Stoffe ,
als Stoffe , möglichen. Dies giebt dem Geos
meter ſeine Trichotomie , als anerkannte reine Bar
ſis ſeiner Wiſſenſchaft in Winkeln , Triangeln u .
F. w. Für den Organismus hat ſie der Natur.
forſcher noch zu ſuchen ? -

Im Objekte ( B - B ) iſt uns alſo der Organ


nismus (ſeiner Möglichkeit nach ) gegeben ; aber
das Objekt ſelbſt iſt uns nur unter einem Denken
(als unbeweglichem Mittelpunkte) geworden. Nur
unter einem Denken kann mithin auch der
Drganiomus werden ; = ( A + C) all A , In A,
durch A , geſezt in B - B + b ; ubridaten ,
Zwele , Gott ! (Monas monadum , Eps rea
liflimum beim unſterblichen feibuiz ; Phyfikos
theologie).

2
171

Fede Pflanze iſt für denkende Wefen Redes


lation. Daß gegenwärtig die Sonne ſcheint ,
iſt ein bloges in confeſſo eſt , in aller Men,
ichen Uugen ;ein gåttliches Weſen iſt mir
apodiktiſo (don mit und an dem Deno
ten geoffenbart ; (die Einwendungen , welche
man aus meiner obigen Behauptung , daß
das Denken nichts auſſer fich fezen könne ,
gegen dieſe da maden wird , ſehe ich vor .
aus ; werde aber auf derley Einwendungen
aud nichts antworten , ſondern bloß fragen :
ob man ein gewisſes Faktum , als Fake
tum , zugebe , oder nicht ? Faktum tft nicht
Philoſophie , und Philoſophie nicht faktum .

!
Die Form des Stoffe ſelbſt iſt demnach zur
gleich , als form , der Multiplikator tha
1
rer ſelbſt unter einem Denken auffer uno ,
ohne ſich als Form im mindeſten zu alterteren ,
und unter einem Denken in uns giebt ſich uns
dieſer Multiplikator als ſtehend und gleid inaltes
rabel , wie das ( B — B) ſelbſt , durch ein (+ b) ,
das noch zum B - B hinzukomint, = i + 1 + 1
= 3. Izt , mit dieſem drey da , find wir aud
vollends heraus zum Einzelnen und doch Ganzen ,
welches alle Reihen anfaßt , wie scrher zur Mogo
lichkeit des aus der Reihen in 1 + 1 = 2.
Das Bieierley im Unveränderlichen , beſtimmt durdo
172

ein Unverånderlidhes am veränderliden Stoffe ,


als Stoffe , hebt an. Das erſte Elus ift
das prius nat' fogov , das zweyte Eins lſt
der Grund ( fundamenti loco ponendum ,
f. id quod omnibus rebus ſubſtat , quate
nus omnibus fubftat) , das dritte Eino
iſt die urs fade ; was der Stoff , als Stoff ,
darreicht , find bloß Bedingungen ( conditiones )
für'8 animaliſde Bewußtwerden , um auf die Urs
face, dann auf den Grund und endlich auf's.
prius rat' iloxin , in einem Denken zurůkzukom .
meni , Uber die Urſache låßt ſich nicht ohne den
Grund , der Grund nicht ohne das prius nat
& Foxrv, (die Logit nicht ohne Metaphyſik ) in ein
Denken , als ein Denken aufnehmen , d. t.
demonftratio erkennen ( beſſer : fohled ta
bin erfen ne 1 ). Was man daher bisher für
Urſachen in der Philoſophie ausgab , waren nicht
die erkannte Ur.face ; (ſonſt wäre doch wohl
das ſufficiens , als beſchåmender Pleonas ,
mus , den ſo gar die Sprache des Lebens hier und
da umgteng , aus dem principio rationis auch
von Philoſophen långſt verbannt worden ; denn
ratio iſt entweder ratio oter es iſt keine , ein drits
tes , mithin eine fufficientem rationem bes
haupten , heißt ſich ſelbſt nicht verſtehen , indem
man ein Prinzip zu haben wågut und doch unter
173

den conditionibus des Stoffs damir ſtekt).


Was man alſo bisher für Urſachen in der Philos
ſophie ausgab , waren nicht die erkannte U r.
face ; und was denn ? Antwort : eine, induk.
tion 8måfitg bis zur Omnitudo oder Univer
falitas in áhnliden Fällen geſteigerte , Komplerion
fianlider ( 0. i . wie ich nicht mehr werde erklas
ren darfen , bom Stoffe nod nidt gelå u
terter) Gewahrnehmungen im Empirtid ),beharr.
Itchen eines animaliſden Bewußtwerdens , zu wels
cher die Ur : ſade (mithin das + b) fehlte, kurz,
es war bloß die finnliche Hülle des (+ b ) , un.
ter dem Namen von Kräften , wobei man mit
der Dents und Verſtandeekraft begann ; ( die Kante
tianer waren hier wiederum fein ; nur in ihren
Seelenlehren gab's einen Verſtand als Kraft ,
in der Logit ward er zum Vermögen d. 1. blog
zum Grund der Möglidkeit eines Erkenntnißs
vermögens angeſtaltet). Was nemlich unter den
conditionibus für's animaliſche Bewußtwerden ,
induktionsmåffig als conditio ſine qua non für
alle andere to åhnlichen Fållen befunden wurde,
nennt man Kraft (Gefühiskraft , Sehkraft , Elek ,
trizitåt ) , und ſpricht dann am Ende noch von
elner Grundfraft , als der conditione fine
qua non für alle vorhergehende. Aber hat man
auch ſchon bedacht , daß dieſe (Sirundkraft enime.
der keine Kraft mehr , folglich aud ) Peine Grund .
174

kraft ift , oder , wenn ſie nod eine Kraft ift, ebenu
falls wieder die Spaale um den Kern d. t. eine ,
bis zur Univerſalitas geſteigerte Komplerton finns
lidher ( immer nog ſtoffhaltiger ) Gewahrnehmun,
gen , mithlu eine petitio quæſiti ift , ohne das
(+ b) ohne die Ur - rado e ? (Hat etwa Repler
das einfache und allgemeine Geſez der himmlis
roben Bewegungen aus einer Rraft heraus
eutdekt , und wenn ſein Schüler Newton auf
die Keplertido e Entdekung ſeine allgemeine
Attraktion gründete , war's wohl dieſe Attraktion ,
als eine Straft , oder war's nicht vielmehr dad,
von Keplern einmal gefundene Prius , an
welchem Newton fortſchloß ? Nein , das erſtere
war's nicht ; denn Newton felbft betradotete ja
ſeine Attraktion bloß als ein Phånomen , und
dies iſt es gerade , was wir hier wollen ). Nicht
die Kraft , mau nenne fie Grundkraft oder wie man
wiu , produciert den Organismus , ſondern der
Organismus (das + b) produciert die Kraft , wie
fie alédann in einem animaliſden Bewußtwerden,
durch den Stoff bedingt , fich offenbart. Mecha.
niemus läßt ſide , ohne ( im Denken) vorausgeſejo
ten Organismus , ſo wenig denken , als ein Auss
gedehntes ohne Ausdehnung ; ( an dieſem lezteren
Saze, vermöge deſſen der Medanionismus den Dr.
gantémuß voraudſezt , oder , mit anderen Worten,
der Medanismus durd den Organida
- 175

mu8 erſt möglid gema do t wird , hieng


ich ſchon lange ro feſt , daß ido endlich das viele
von mir darüber Niedergeſchriebene , einem der
gróften Deutſchen Naturforſer zur Einſicht übers
dhikte ; izt kann ich mir ihn mit wenig Worten
demonſtrieren ). Wie bodenlos die Verwir .
rung da werden müffe , wo man Kanttide
Philoſophie auf höhere d . I. mit ihrem prius bers
ſehene , Phyfik anwenden will , Prinzipien zu
erhalden meynt , und im Stoffe und unter An.
ſchauungen herumtappt ,folglich auf alle Fälle ,
(man hånge nun auch noch ſo vielverſprechend feta
nen Weltſeelen dild , ftatt der verlaſſenen
Heerberge zum Sd , aus ) , mit eitel Kraft bes
ginnt und endet , - wie bodenlos , ſage ich , die
Verwirrung da werden müſſe , erhellt von ſelbſt.
(Schade , daß der Schriftſteller , welchen ich hier
meyne , den Gelehrten , zu welchem er gebohren
war , an ſich verderben ließ , und eine Laufbahą
wählte , worinn er bloß zum Nacbethen und Ue.
bertreiben , mithin zu Paradorieen , gemacht iſt ;
in dieſer Region eß , vermittelſt ſeiner oder frem .
der Augen , endlich zum Halbfehen bringen , iſt
ſchlimmer , als blind reyn. Man vergl. 3. B. ,
was , in den Ideen zu einer Philoſophie
der Natur S. 128 folg. ů ber den Urſprung
des Begriff B der Materie , inébeſondere
S. 131 , 139 , 140 , 141 , behauptet wird , und
176

wenn ein vernünftiger Menſch einen Sinn darinn


findet, will ich nichts geſagt haben. )
Dieſer Multiplikator , dieſe ſtehende Einheit im
Bielen ( in der , durch die drey Naumdimenſionen
möglichen Vielerleyheit der form , ohne ſich al8
form , zu alterteren iſt das , uns durch unſer
Denken gewordene , facit einet Denkens aurrer
uns das wir nun , als in einem (+ b) zum Facit
eines Denkens in uns , ( im animaliſchen 3 )
gemacht , und als die Natur dadurch verſt er
bend , unſeren Verſtand nennen , das uns folg .
lich nach der Lehre vom Denten überhaupt
und nad der Lehre vom Objekte überhaupt
oder der Ur , theilungslehre , das oben ( S.
10. Anm . ) erwähnte plus zu einer Verſt a no
deslehre , oder zur , bisher ſogenannten , fogte
giebt. Mit Vorbellaſſung aller anderen , eben
nicht ſehr ſchwehren , Folgerungen , lenken wir als
ſo damit izt bloß wieder auf die Logit ein , nach
1
dem ihr auc , als bisher ſogenannter , Logit the
prius ( ihre Urſache im + b ) vollends ( demons
ftratio ) ausgemacht , und die Unveranderlichkeit
dieſes ( + b ), als die nothwendige Folge einer, ohne
irgend eine Alteration threr ſelbſt ſich im Stoffe
(unter A ) inultiplicierenden , Form befunden wors
den iſt.
Wir bliebeu oben beim ( A + C ) geregt in
( B - B + ctcut c) ſtehen , das , als Gedans
te ,
177

fe , (A + C ) gefegt in (B - B + b) word. Jen


nes iſt eine dreyfache Gewahrnehmung ; dieb eió
und eben derſelbe Gedante in einer dreyfadyen Gen
wahrnehmung , mithin , um der dreyfadert
Gewa hrnehmung willen , ein Begriff
als Gedante . In dieſen Begriff als Gebana
ten multiplicieren wir ſodann aud vollends dat
vierte , fünfte ( + c ) u. r. w. , die vierte , fünfte
Zulpe u. 1. w. , gelangen alſo auf dieſem Wege
zu einer Omnitudo von Komplerfonen final to
der Merkmale unter einem ( + b ) , einem
Gedanken , zum Genus , worein wir in der Ma.
jor eines Schluffes z. B. eine gewiſſe ſinulido
gegebene Elgenſchaft aller Tulpen aufnehmen ,
um in der Minor bloß die Diviſion der Major
mit einer einzelnen Zulpe børnehmen zu darfen ,
und dieſer ſofort in der Konkluſion jene Eigens
ſchaft unberehen andemonſtrieren zu köna
nen , vorausgeſezt, daß dieſe finnliche Eigenſchaft
an der Veränderung ohne weiter mögliche Verån .
derung , mithin am ( + b ) der Lulpe , ſo oft wir
noch eine Zulpe ſaben , in unſerem animaliſden
Bewußtwerden ( nicht im Denken ) als jededo
malige effektion deſſelben ( als in allen Fällen
unvertilgbarer Smpuls) beim Anblike emer Zuli
pe empiriſch , beharrlich hangen blieb , folglich zu
den ſinnlichen Attributen ( conditionibus , fine
quibus non ) der Lulpe gehörte , die , wie oben
M
178

son meinem Zlídhe geſagt wurde , zulezt an ih.


rer Subſtanz , mithin zunächſt auch an dem , auf
fie angewandten ( + b ) , nicht als finsliche UC
cidentien , ſondern als thre ſinnlichen Attribute
hafteten , und daher von uns auch ganz richtig
für die Merkmale threr Urfade, als einer
Iulpe , angeſehen werden, Die fpecies , fub
ſpecies , varietates der Lulpen hingegen ſind die,
oben beſdoriebene , latitudo in der Art des Da.
ſeyn 8 eines Stoffes , welche, den Impuls in
einem gegenwårtigen Vorliegen einer gewiſs
ſen Lulpe , als eines Sinnengegenſtandes , aus.
genommen , an einer Iulpe überhaupt vertilgbar
find , mithin zu den Accidentten der Lulpe
gehören , und mir den fogtſchen Saz oled to
bin erkennbar machen ( demonſtrieren ,
nicht nur induktionsmåfig einregiſtrieren ) , daß
alles , was vom Genus ( ullgemeinen ) gilt , auch
vom Befonderen gelten müſſe, das unter ihm
fteht, was hingegen vom Beſonderen gilt , deße
wegen nicht auch vom Allgemeinen gelten müſſe,
d . i. daß ( in der Ordnung unſeres Erkennen )
die Accidentien von den Attributen ,
nicht aber die Attribute von den Uccis
Dentien nothwendig beſtimmt wers
beni . Ulein es fragt fich : was denn das für
Finnlide Attribute ſeyn werden , die , auf jede
Lulpe nothwendig anwendbar , in meinem ante
179

maltſchen Bewußtwerden von einer Zulpe empte


riſch . beharrlich hangen bleiben ? 1 ) daß die Vera
ånderung ohne weiter mögliche Veränderung bet
ihr an einen gemtffen seim gebunden iſt ( ge
nus remotiffimum der organiſchen Storper
å berhaupt , das im genus der Lulpen mito
eingeſchloſſen ſeyn muß als ſinnliches Attribut al.
ler und jeder organiſchen Körper ) 2) daß dieſer
Reim die Geſtalt , Große ( Nebeneinander
ta einem ausgedehnten Erwas) , Entwiklungsart,
( N aceinander in einem veränderlichen Etu
was ) der Pflanzenfeime überhaupt in meta
nem animaliſchen Bewußtwerben darſtellt (genus
remotius der Pflanzen überhaupt ,
welches im genus der Lulpen miteingeſchloſſen
ſeyn muß ) 3 ) daß dieſer Reim Wurzeln und
Stengel , einen Kelch , Staubfåden , Staubbeutel,
ein Piſtill und eine Narbe ( N ebeneinander
in einem ausgedehnten Etwas ) , ein Wachsthum
(Nadeinander in einem derånderlidhen Etu
was) , in meinem animaliſchen Bewußtwerden
ablezt , wie die Blumen überhaupt die alles dar .
Inn abzuſezen pflegen ( genus proximum der
Blumen überhaupt , welches im genus der
Tulpen miteingeſchloffen ſeyn muß) , daß endlich
4 ) der unvertilgbare Impuls , beim jedesmaligett
Anbitte einer Zulpe , meinem animaliſchen Bes
wußtwerden an dem , unter Num. 3 genannten ,
180

nod Finnliche Unterſchiede bemerkbar mache , die


thm ſonſt nirgends bei den Blumen , bei den Zuls

pen aber allemal , aufgedrungen werden ; genus


der Zulpen , beſtimmt durch lauter Complexio.
nen finnlicher Mertmale im animaliſchen Bewußts
werden unter dem ſtehenden inalterabelen (+ b) ,
welches in uns wie auſſer uns die Urſache bes
zeichnet , dort Berſtand , als ſtehender Multi
plifator , hier Organismus als ſtehender Mule
tipfitator genannt wird . Dieſe verſchiedene Ben
nennung aber iſt , wie aus dem Bisherigen fatto
ram erhellen wird , ein bloßes gv dia duciv;
Denn eben das ( A al 6 A , In A , durd A )
in uns , gelezt in C , giebt uns ein ( B - B )
als Objekt überhaupt , und ein ( B – B + b) als
unſer Objekt , mit dem Anhange unſerer les
bendimpulſes , unſer Selbſt ;. und glebt uns ,
nach Verttigung des Stoffs an åhnlichen Weſen
auſſer uns , eln ( A als A , in A , durdA )
geſezt In (B - B + b) an åhnlichen Weſen a uſo
Per uns zu erkennen . Deutlicher kann ich nicht
reyn ;, ich glaube, es iſt genug für einen Grundo
riß : jede Monade tft Sptegel des Weltalls ,
ſprach der große feibniz , freilich noch ſehr did
terlieb , und brach ab. Nur die ſinnliden
Attribute bedarfen vorerſt noch einer Erläuterung,
ehe zu weiteren Folgerungen fortgeſchritten were
den kann . Scheint es dod ), als ob wir ſelbſt
181

eine Form durd die andere zernichtet werden lielo


ſen , indem wir die ſinnlichen Uttribute des Zul.
pengeſchlechts z. B. , beim Denken einer Blume
überhaupt , aus dem Bewußtſeyn ausſtoffen . Es
ſcheint ; aber iſt nicht. Ich bitte , vorerſt das
Sinnlide an dieſen Attributen uicht auffer
Acht zu laſſen ; und dann was heißt ein finnlto
des Attribut einer Tulpe ? Was , bet der je
de 8maligen Gewahrnehmung einer Tulpe alt
unvertilgbarer Impuls für's animaliſche Bewußto
werden , an derſelben zurůktommt , und eben deße
wegen zu threr conditio , fine qua non , von
uns gemacht wird. Nun aber gaben wir ſchon
bem einfachſten Impulſe Unvertilgbarkeit für ein
1
Denten ; folglich doch wohl auch dem wiederhols
ten. Nur iſt eben der Impuls einer anderen
Blume , im unvertibgbaren N acheinan .
der unſerer Vorſtellungen , es geſchehe
im Erinnerungsvermogen oder bei Ihrem Anblife,
nicht mehr der Impuls einer Zulpe, was das
Stoffhaltige beim Impulſe betrift , und wo eto
was , vermöge des veränderten Impulſes im uno
pertilgbaren Nadeinander unſerer
Vorſtellungen , was das Stoffhaltige beim
Impulſe betrift , fchon von ſelbſt hinwegfädt, da
tann und darf es hoffentlich nicht erft zernichtet
werden. Wichtiger , als die Hebung dieſer , leicht
vorauszuſehenben , Einwendung iſt das , was fic
182

aus der bisherigen Beachtung der finnlichen Alto


tribute , für die demonftrative Beſchaffenheit
der Sdlüffe folgern läßt. Daß die Omnitudo
beim Objekte überhaupt , wie beim Denken ſelbſt,
hinwegfalle , tft gezeigt worden , Ste fåüt aber
auch hinweg beim ( + b ) an und für fid beo
trachtet , und bet finnlichen Attributen , als
ſeiner unmittelbaren Einkleldung in einen gewiſs
len Stoff, mithin beim Genus , oder , wo ſie in
dieſem Falle gelezt wird , vertritt fie bloß die
Stelle des Genus , 3. B, alle Tulpen wachſen.
Das Genus , oder ſein Stellvertreter in dieſem
Falle , die Ompitudo (beſſer : dte ullgemeine
belt) , al8 Erponent der bereits geſchehenen ,
Multiplikation gewiſſer finnlichen Gewahrnehmun ,
gen in ein ( + b ) , macht mit ſeinem , izt eben in
Unregung gebrachten , finulichen Attribute , den
einen Terminus ( = x ) eines , (in der Empi .
rie ) demonſtrativen Soluſſes aus , und
giebt das Dividendum ; die vereinzelte Gewahre
nehmung ( in der Minor ) macht den anderen Ter
minus deffelben ( = y ) aus , und gtebt den Di
B + bin x
vivilor Be They Der Terminus der

udgemeinheit eines Attributs , erkannt durch


B + bin x
mithin burd den , in einer
B in y
* ). mnthia burch den
183

gewiffen Gewahrnehmung gefesten , Berſtand ,


auc alb Terminus des Einzelnen ( vermöge der
Auffage eines Ull = 10 ) , iſt mithin das Weſen
eines (in der Empirle) demonftrativen Schluſo
ſes. Wo folglich der Terminus der Allgemeitto
beit (x = -B) ein Attribut = n , und der Ter
minus des Einzelnen ( y = B ) ein Uttribut = n
tft , da iſt der Terminus der udgemeinheit (x =
B ) auch der Terminus des Einzelnen ( y = B ).
Feder (in der Empirie) demonftrative Soluß
beruht demnach form el bloß auf zwey Termi.
pis , dem Terminus des ullgemeinen, erkannt durch
einen , in einer Gewahrnehmung gerezten , Vers
ſtand , auch als Terminos des Einzelnen. AL
leln , wie geht es da dem alten Medius , oder,
nach unſerer modernen .Sprade, gar vollends dem
Mittel . Begriffe ? Er iſt , als Begriff , ein
derzeyhlicher Auswuchs unſerer bisherigen B co
griff8. oder Stofflogiten , ſo wie die Kantto
roen Reflexionsbegriffe ein , für eine Kritit der
reinen Bernunft ſelbſt , unverzenhlicher
Uuswuchs derſelben , in vier paar neuen Zaftungso
maſchinen des menſchlichen Verſtands, ſind , woo
mit er nad den Erſcheinungen herauðgreift , und
fie , unter dem Belftande der Kategorieen , rechts
und links anfaßt. Man ſchlage einmal die fon
giken , und insbeſondere die Rantiſchen daruno
ter , nado : ſo wird man gewahrwerden , daß de
184

In der Lehre von den Begriffen , von einem ges


wiſſen Principio lodiſcernibilium die Rede iſt ,
nac weldem zwey Begriffe , die gånzlich einers
ley wåren , fich gar nicht rollen denten laſſen
( Salob l. c. S. 61 ). Nun wird man begies
rig zu erfahren , wie denn dieſe logiter alddann
I) das Genus , 2 ) den Medius erklären ?. ,,Ein
höherer Begriff , ( fteht I. c . S. 64 , vergl. Kies
rewetter l. c. S. 32 — 35) , der die gemeine
famen weſentlichen Merkmale einer gewiſſen Sphås
re von niedrigeren Begriffen enthalt , heißt ein
Gattung8. oder Geſchledtsbegriff. “
Alſo gemeinſame , weſentlide Merkmale
ſchon in niedrigeren Begriffen , und dieſe gemeins
ſamen weſentlichen Merkmale alsdann erſt wie.
der alle belſammen im Gattungsbegriffe , folglich
doch wohl aud gemeinſame weſentliche Merts
male des Gattungsbegriffes ; und dennoch follen
i ſchon zwey Begriffe , die gånzlich einerley wåren
ein Unding reyn ? Da låm ' es klårlidh mit dem
Genus auf ein Unding heraus. Die gemeinſamen
weſentlichen Merkmale ſind nämlich entweder iden .
ttſdy oder nicht. Sind fie identiſch , ſo giebt's
identiſche Merkmale , folglich auch identilde Bes
griffe ( Salob l. c . p. 50 S III ) , und das ,
etliche Setten vor dem Genus behauptete , Prin
cipium indiſcernibilium wird an Begriffen
zum Widerſpruce. Sind ſie nicht identifdlo
185

- hat das gemeinſam und weſentlich keinen


Sinn ; denn was iſt gemeinſam ? Was iſt
weſentlich , wenn'B im Einen gånzlich wie im
Anderen angetroffen werden ſoll, und dennoch
nicht identiſch , folglich hier fo , dort anders iſt ?
Nichtgemeinſam , Nichtweſentlich iſt es auf dieſe
Meifle , und ſoll doch gemeinſam , und ſoll we
ſentlich ſeyn , mithin tſt's ein Widerſpruch. Kann
1
man alſo , wenn man ſich keinem Widerſprude
auffezen , das heißt im Grunde mehr nicht, als
wenn man ſeine Menſchheit nicht verläugnen will,
das Gemeinſame, das Weſentliche, die Identität
in Merkmale , als Mertmale , in Begriffe ,
als Begriffe , Rezen , oder muß nicht vielmehr
die Identitåt und das Weſen , auſſerhalb der
Merkmale und Begriffe , in der Form , al8
form , mithin im Inalterabelen des Impulſes
åberhaupt , als einer Veränderung ohne weiter
mögliche Verånderung beim augenbliklic en
Gewahrnehmen , beim Gedanken aber und beim
Genus im ( A a 18 Ain A durch A) geſezt in
( B - B + b ) geſucht werden ? So wenig in der
Form , alt form , eine Mannigfaltigkeit ſtatt
findet , ebenſo wenig findet im Stoffe , als
Stoffe , eine Identität , mithin ein Gemeinſam
mes , mithin ein Weſen ftatt : dies bewies leiba
atz einmal induktionsmapig an Baumblättern in
eluem Garten , die , bei der gröften Nehnlichkeit ,
186

doch keine Gleichheit zeigten. Die Kantic en


Reflerionsbegriffe find demnach I ) als Begrife
fe , welche einen uit des Verſtandes erſt möglich
machen ſollen , da doch Begriffe ein Denken und
einen Berſtand , al8 Facit des Denkens , zu th .
rer Möglichkeit ſelbſt ſchon vorausſezen 2 ) als
Mannigfaltigkeiten eines Denkens nodi
anſfer der Denktafel , unter aller Kritik. Einers
len oder Nichteinerley , Einſtimmung oder Nichts
einſtimmung, Innerlich oder Ueuſſerlich verknüpft.
Formal oder Material , ( und als material reaa
liter ? ) verknüpft , und das alles im Denten
als Denfen ; ( denn die Refleriondbegriffe beo
ziehen ſich nicht eirmal mehr auf die Beſtimmung
eines Gegenſtande 8 , wie die Kategorteen ) :
dies iſt die erſte Philoſophie von der Art un.
ter der Sonne. Aber , um den Mittelbegriff
nicht zu vergeſſen , ſo ſoll er einer von den drey
Hauptbegriffen eines kategoriſchen Schlusſes , foll
ein Merkmal bed Subjekts ſeyn , und endlich foll
durch ihn das richtige Berhältniß der beyden an
deren ( des Subjekts und Prädikats) erkannt wera
den (Jakob S. 112 ). Kieſewetter nennt
ihn ( S. 104 ) ſchlechthin die vermittlende Bore
ſtellung , das Zwiſdenmerkmal eines jeden fate.
gorlichen Vernunftſchluſſes . Der Medius iſt alſo
hier und dort ein Begriff eine Vorſtellung , ein
Merkmal , und gehört, als dieſes weſentlich
187

zur Möglichkeit eines Schluſſes , d. t. zur Erkennt.


miß der Identität des x , als eines Allgemeinen ,
mit y , als einem Vereinzelten. Nun aber laſe
fen ſich nicht einmal zwey Begriffe , zwey Bors
ſtellungen , zwey Merkmale , die gänzlich einero
ley wåren , denken ( Sat ob'8 uud Kieſeweto
ter's Principium Indiſcernibilium locis cit. ) ;
folglich läßt ſich auch an keinem Begriffe , als
Begriffe , keiner Vorſtellung , als Vorſtelo
lung , feinem Merkmale , a 18 Mertmale ,
die Identität des x , als eines Allgemeinen , mit
y , als einem Vereinzelten , erkennen , d. t. an.
ſtatt durch einen dritten Begriff , als Begriff,
möglich zu werden , wird ein Schluß durch elo
nen dritten Begriff , als Begriff unmöglich) ,
und alle Logiker , welche durch den Medius , als
Begriff , die Möglichkeit eines Soluffes zu
Geiger glaubten , haben durch thn , als Be.
griff , feine Unmöglichkeit demonſtriert.
Wenn ich ſage : Ade Planeten bewegen fic ; die
Erde iſt ein Planet ; alſo bewegt ſich die Erde :
fo fann die Identitåt der Bewegung , als eines
Allgemeinen , mit der Bewegung der Erde , als
eines Vereinzelten , ſchlechterdings nicht im Pla.
neten , alb einem Begriffe , einer Vorſtellung ,
einem Merkmale , liegen ; denn es giebt ja keine
Begriffe , keine Vorſtellungen , keine Merkmale ,
die gånzlich einerley wåren ; jeder Planet , alt
188

Begriff , als Vorſtellung , als Merkmal , iſt vielo


mehr ſelbſt etwas Bereinzeltes und von den an.
deren Planeten Verſchiedenes , wie kann er folg,
lid , als Planet , oder als Begriff eines
Planeten , eine Identität vermittlen ? Nein , die
Gdentitåt llegt vielmehr in einem Nidhtbegriffe ,
und zwar im Ulle , als einem Nichtbegriffe bei
trachtet , im Stellvertreter des Genas , nicht als
einer Komplexion ſinnlicher Merkmale , ſondern
als einem , noch hinter den finnlichen Attributer
gelegenen ( + b ) , im Verſtande , a.18 Verft a no
de. Der vermeynte Medius iſt unſer Verſtand
ſeibft , der , wenn in gewiſſen finnlichen Attribu.
ten die conditiones , fine quibus non , finnlich
gegeben find , als ſtehender Multiplikator , die ,
von jenen finnlichen Attributen keineswegs erſt
beſtimmbare , ſondern ihm , alb Berſtande
ſchon verliehene , Form des ( ftoffhaltig ) Bereine
zelten in die Form des udgemeinen , als gånzlido
Einerley aufnimmt , und dann , bei einer vorfal.
lenden Diviſion des udgemeinen durch vereinzelte
Gewahrnehmungen , die Form des ullgemeinen
aud wieder als ( vollkommen ) identlid mit der
Form des Vereinzelten erkennt. In der Formel
X = n
y = n iſt das , was unter dem Attribute in die
хау

Øleidung giebt , unſer Verſtand , der die ihm ,


- 189

al 8 Berſtande , als einem Facit des Dene


tens , kundgewordene Identitat der Form , fie has
be ſich nun unter einem Finnlichen Attribute = X
oder = y oder = n eingekleidet , ſie zeige fich
unter Winkeln an der Baſis oder an der Spize
eines Triangels , als ( vollkommen ) identiſch ers
tennt, Es bleibt demnac babel , daß das Wes
ſen eines (In der Empirle ) demonſtrativen Soluſu
fes , keinen Medius kennt , fondern logiſd bloß
B + b in x
beruht auf Being i Was iſt aber denn

doch der , bisher zur Möglichkeit eines Schluſſes


uſurpierte , Medius z. B. im obigen Planeten .
medios ? fogird das Mittel der Einerleyheit
zweyer Begriffe in unſerer Erkenntniß , und doch
giebt es nicht zwey Begriffe , die einerley wåren,
folglich logiſch ein Widerſpruch. Sinnlid
1 betrachtet hingegen , tft er ein , zuerſt durd Aebne
lichkeiten überhaupt , alsdann durch dehnlichtete
ten in wiederholten Gewahrnehmungen , mithin
durch unſere fortſchreitende Hineinbildung in die
Welt , uns verliehener Index oder Erponent eto
mer bentitåt in der Form , ein Erponent , den
wir un 6 im Omnis anſchreiben , oder , wo der
Terminus der Allgemeinheit (don durch die Uno
möglichkeit einer Parttkulartåt geſichert iſt wie
in der Mathematit , (dlechthin in Budiftaben
bemerkbar maden ; (denn « iſt doch geiß nicht
190

y und dieſe in nicht jenes n. , der Winkel att


der Spize eines gleichſeitigen Triangels keiner
der Winkel an ſeiner Baſis , was das ſinnlio
che Attributengeſchäft daran betrift : mithin find
auch fie bloße Erponenten einer Sådentitåt ; (man
bringe doch einmal zwey , dem Auge ſelbſt noch
ſo gleid ſcheinende Winfel , unter ein Vergroſo
ferung glas ; oder urthelle , ob der vortrefliche
Blumenbach , unter der möglichſt ſtårlften
Bergröſſerung , in der Entſtehung eines Waſſers
mooſes die identitåt wurde geſehen haben ).
Die Achnlichkeit betreffend , ſo hat ihre Ero
örterung ſo ganz feine Schwierigkeit , daß fie geo
hörig verftanden , fide uns von ſelbſt als Medius
antragen , und , da dehnlichkeit nur im Stoffe
ſtattfindet , dem Wermeynten fogiſchen
Medius eben dadurch die Nativitåt noch einmal
ſtellen wird. dehalid ift nicht , wie man ges
wohnlich ſagt , wenn die ſinnlichen Merkmale deg
elnen Sinnengegenſtandes auch in einem andes
ren angetroffen werden : dies kann nicht ſeyn ;
ſondern wenn von den finnlichen Merkmalen des
einen Sinnengegenſtandes ſo viele in der En
wahrnehmung hinwegfallen , daß das Accidens
daran dem ſinnlichen Uttribute , das finnlide
Attribut dem (fb) , oder der , nicht mehr finto
liden , Identität, zum ( unabwendbaren ) Uns
(chluſſe an die vorliegende Sinnlichkeit Plazmadt.
1
191

deb nlidfeit beruht alſo auf einem Nichtbes


wußtwerden , oder Nicht mehr bewußtwerden ges
wiffer finnlichen Merkmale , folglich immer auf
dem , ſchon durch die Animalitåt jedesmal beo
ftimmten , Minus eines Bewußtwerbens in Rüt.
ficht auf die Menge und Mannigfaltigkeit des
Stoff8 ; jedes Minos in der Welt iſt nur Minus,
um einem Plus Plaz zu machen , (es giebt feine
Negation , die nicht relativ wåre , keine Negas
tion alb ettel Negation , in der Welt , das
zweyte Gedek an Deutſchlands Denttafel ausges
nommen ) : das Minus eines Bewußtwerdens in
Rafficht auf die Menge und Mannigfaltigkeit des
Stoffo ( kleinerer Umfang der Begriffe in den
Logiken ) wird alſo das Plus einer Komplerion ,
eines Zuſammenziehens von finnliden Merkma.
len , ( grófferer gnhalt der Begriffe in den for
giten ) , herbelführen måffen , welche , ſo wenig
fie identiſch feyn tennen , ebenſo wenig in der
>
Folge mehr ( finnlich ) von einander trennbar ſind ,
(baher die Feſtigtett der Begriffe , als bisherigen
Fundaments der Philoſophie ; fie verwachſen eto
nem gar ſtark ) ; und das Minus eines Bewußte
werdens in Rüfficht auf alle finnlidhen Mert
male , als ſinnlido , eben deßwegen aber uns
möglich identiſch , wird das ( + b ) alo Iben
titåt herbeiführen müſſen , um dann zunächit dle
finnliden Attribute an ſich ſelbſt (alb ein + b),
193

ble Uccidentien aber an die Attribute ( quafi ve


ro in gyrum res rediret ) , ordnungsmåffig fich
ja
anſdiſteffen zu laſſen . Was dem ( + b ) zu felo
ner leichteren Mantfeftation hiebet ungemein bes
hůlflich werden muß , ift , wie fich von ſelbſt vers
ſteht , entweder ein , durch die beſondere Art det A
AD
Animalttåt an einem , beſchleunigtes Minds eines
Bewußtwerdend in Rüfſicht auf die Menge und 99
M.
Mannigfaltigkeit des Stoffs , ( 2013 , unſer Alfa
E
fentalent , noch nahe um die Uccidentien herum ,
eben darum mannigfaltig , und , wo man reden
tann , ungemein geſchmåzig ; S darfiton ;
te
faßt fich kürzer ; Ziefftau am türzeſten ,
#
er vertilgt den meiſten Stoff) , oder es iſt die df
tere Wiederholuug der Gewahrnehmungen in eta
6
nem gewiſſen Weltabſdonitte unter der ſtehenden
Einheit des (+ b) , mithin Erfahrung , aur
W
keine Kantirche ; daher der Nanie eines Ers
fahrenen Mannes in ſeinem Fache , wenn er's
ti
bis zur Hülle des ( + b) , zur Sülle der Urspas
ME
che, in den ſinnlichen Attributen (dem Finnlichen
0
Medius) reines Weltabrdonitts gebracht hat.
Der Medias iſt reciert; weiter alſo zum Weſen
der Schlüſſe überhaupt , nicht nur der , in (
der Empirie demonftrativen Schlüſſe ; denn
izt , nach Hinwegidhaffung des Medius, als eines
vermeyntlichen Ingredient des ( A + Call A in
A duro A) geſezt in (B - B + b ) , haben wir
Bahn

1
193

Bahn dorthin. Das x und y , als Merkmale


des , in der Empirie Demonſtrativen , ebens
hinweggeſchaft , ſo ſteht die Formel ſo :
falls
B + b
EBB + b) p. t. das Prius xar" itozerv ( als
A + C in - B) , zu welchem noch die Ur , ſache
addiert wird , dividiert durch den Grund ( per id ,
quod eſt fundamenti loco ponendum ). Dies
muß die Formel für die demonftrativen
Solüffe in demjenigen ſeyn , was man ohne Ems
pirie , ohne vorher gemachte Erfahrungen , ohne
Rutine , dennoch gewiß weiß. ( - B + b) heißt
eine ( durch A + C gelezte ) , Möglichkeit ,
oder ein ( durch A + geleztes ) angewandtes
Denten , zu welchem noch eine Urſache oder
Subſtanz, folglich eine Ausdehnung , die (un.
ter einem A ) der Multiplikator ihrer ſelbſt ges
worden iſt , hinzukam . Das untergeſezte B heißt,
als B , die Wirklichkeit , in ſo ferne fie in
ein Denken aufgenommen iſt , oder der Grund,
mithin die Ausdehnung als Ausdehnung ,
ohne weiter mögliche Veränderung des Ausges
dehnten. Das untergelezte B , als Divtfor des
( -B + b ) , heißt demnac , die Ausdehnung ,
a 18 Ausdehnung , ohne weiter mögliche Ber.
ånderung des Vusgedehnten , in to ferne ſie ento
halten iſt in einer Urs ſache oder Subſtanz,
welche das Produkt eines Denkens aus jener Uusbeh .
N
194
',
nung iſt. Die Ausdehnung , als Ausdehnung
ohne weiter mögliche Perånderung ( unter einem
A) , ift feben überhaupt , das , in ſo ferne die NE
Ausdehnung , als Ausdehnung , enthalten iſt
i
in einer Ur : face oder Subſtanz fich als Mul.
tiplikator ſeiner ſelbſt in die Mannigfaltigkeit des
Stoffs , manifeſtiert ( Pflanzenleben , animaliſches
1
Leben) , und in dem B , beim Menſchen , ein
B + b
Denken zu fich genommen hat.
6+
B )
wird folglich heiffen , feben überhaupt , ento
halten in einer Subſt,a nj , zu wel cher
der Imperativ des Dentens felbft noch
addiert ward. Dies iſt der Menſch ; er in
eigener Perſon iſt alſo unſere erſte confequentia
immediata geworden , indem wir in jener Foro
mel nur die conſequentias immediatas ſuch.
ten , die er , als Menſch , zu machen pflegt. Zur
Probe nehme man es daher einmal aud hier
mit obigen Stalen auf , werfe das , inzwiſchen
erſt gefundene, zu dieſer Probe überflüſſige ( + b ),
wieder weg , und ſeze , was auf jenen Stalen

ſteht , in unter : ſo hat man


B

als einen Impuls des animaliſchen fes
6 B )
bens , enthalten beim Menſchen noch in einem
Imperativ.
195

als Lrtebe , enthalten beim Meniden


B
6)
noch in einem Sollen .

als ein Begehren , enthalten beim Mens


B
6) ,
fdhen noch in einem Wollen .
B
u. l. w. Man wende aber daſſelbe aud
B

auf Theoretiſche an , ſo fommt wieder eben dalo


felbe nach folgenden Stalen beraus :
B - В
Impuls des animas Imperativ
tiſchen Lebens
Apprehenſion Ein Denten , nach der M Sg.
lidteit ſeiner Anweno
bung betragtet.
Apperzeption Ein Denlen , nach der
Wirtliditeit feiner
Anwendung betrachtet.
Vorſtellung Ein Denten , nad der N otha

wendigkeit ſeiner Ans


wendung betrachtet.
Ein Denken , nach der bene
Begriff titåt ſeiner Anwendung
Urtheil auf ganze Komplertonen
Splus)] ſinnlicher Gewahrnehmun.
gen , betrachtet.
N 2
1
196

wird alſo , nach der zweyten Reihe dies


G B )
fer Stalen ſeyn eine Upprehenſion , enthalten in
der Möglichkeit eines Denkens , 0. t. in einem
Menſchen . Nach den drey lezten Reihen wird
В:
6 B ) fevn ein Begriff,ein Urtheit; ein Schluß,
als Romplexionen finnlicher Merkmale , enthalten
in der Identitåt eines Denkens . Theils auf
(-B) , thells auf (+ b) , theils auf ( B ) , muſs
ſen ſich nun auch alle conſequentiæ immediatæ ,
muß fich ales dasjenige beziehen , was der Menſch
gewiß weiß ohne Empirie ; denn aus

EB + b) beſteht er ſelbſt. (— B) giebt die


conſequentias immediatas der Vernunftleh .
re , d. t. des Denkens , als eines Denkens,
in fo ferné es das Wiſſen ſowohl als Handlen
umfaßt , d. 1. ( B ) giebt die , von Rant zu
unerhörten , folglich in der That neuen , Mans
nigfaltigkeiten im Denken felbſt , per Syntheſes
a priori mißbrauchten, Poftulate unter ( -B).
Es giebt und kann nur Ein Poſtulat geben für
Bahrbeit , Zugend , Recht, mithin für for
git , moral , Naturrecht, Ein Poſtulat,
Eine conſequentiam immediatam , von welcher
alle andere (unter - B) , als ihre conſequentia
immediatæ , oder beſſer : als verſciedene Hus .
197

dråke für ſie nach der Mannigfaltigkeit vorkoms


mender Fåtle , wiederum auslaufen müſſen . Dies
Poftulat tft eine , ohne Empirte demonſtrative,
confequentia immediata unſeres Denkens , als
eines Imperativ's , und heißt : Alles , was
dir der Impuls von innen und die Impulſe von

1 auſſen ( Empfindungen und Vorſtellungen ) zufüh.


reu ( mithin zu einer menſoliden Bearbeio
i
tung vorlegen ) , das laß nicht nur ſo , wie es
an dich gebracht worden , nach Zeitlauf , berkomms
licher Weiffe , und gangbaren Vorſpieglungen
(permettes moi , que je vous endoctrine ,
ſagt Voltatre's Be! chtbater ), nach Reihen deis
ner eigenen Aſſociation , nach Impulſen de to
mer Leidenſchaften bei dir liegen , ſondern tilge
vielmehr dieſes (deine) daran und nimm ' eg tu
ein Denken Kurz , Cogita ; befördere alles von
E1
der erſten auch zur zweyten Skale , von dem uns
ter (B) auch zu dem unter ( - B) , um alsdann
erſt das unter ( B ) , fich wieder an das unter
(- B ) anſchlieffen zu laſſen ; darum biſt du
Menſch , und indem du dies als Menſch zu
leiften haſt , ſo begehſt du einen Widerſpruce ,
entmenſcheft did , wenn du es nicht leiſteft. Bes
gehe alſo Peiner Widerſpruch , weder
in deiner Erkenntniß , noch in deiner
Handlungsweiffe; dies das Univerſal-poftur
lat unter dem Imperativ deiner Menſchheit ,
198

fruchtbar an lauter confequentiis immediatis ,


(unter - B ). Indem du z. B. wiuft , daß
man dich nicht beleldige , ſo wilft du , baß man
teinen Menſchen beleidige ; beleidigeſt du aber
doch jemand , fo verfauft du mit deinem Wollen
in elnen Widerſpruch . Bollen , unter eta
nem imperatis Begehren , fordern ,
tannſt du nåmlich nur als Menſch ; ( abgeſen
ben von Kantiſch ,abſoluter Freiheit , und Würde ,
1 und Selbſtzwet , und wie das Ding an fic al
les benamót Reyn mag). Inden du alſo nur
als Menſch wollen kannſt : ſo gilt , was du
willſt , der Menichheit. Nichtbeleidigung der
Menſchheir forderſt du mithin in der Forderung ,
daß man did nicht beletdígen ſolle ; beleidigeft du
aber denn dod : Po verfäuft du , wie geſagt, in
einen Widerſpruch ; ( was du willſt , daß dir die
feuthe nicht thun follen , das thue thnen aud
nidt ; und was du willſt, daß dir die Leuthe thuis
follen , das thue thnen auch ; mur waltet hier der
Unterſchied vor , daß das Ihunfollen , officia
bumanitatis , erſt durd die vorangegangene Uuſu
nahme eines gewiſſen Falls in ein Denken ,
mithin empiriſc , tonftituiert werden fann ,
geregelt iſt es immer ; das Nidttbunſollen
aber fteht für alle Fåde voraus unter dem Saje
des Widerſpruchs ). Berfduft du in einen Bibero
(pruch fo kannſt du dich mit nichts mehr ents
199

ſchuldigen ( dein Gewiſſen ) ; denn entſchuldigen


tann ſich nur der Menſch , und der Menſch iſt
bir in deinem Widerſpruche entwiſcht. Iſt dir
dieſer entwiſcht : To bift du dießfalls Zhier ( troj
aller deiner Materiatur in Begriffen , Urtheilen ,
Schlüffen ) , die Sicherheit vor Beleidigungen ,
welche dir deine Menſchheit eben dadurch gab,
daß fie beleidiget werden konnte , und wie du
felbft wilft , nicht beleidiget werden ſollte , dieſe
Sicherheit iſt weg ; du biſt Thier , und ohne dich
dlesfalls zu beleidigen ( dieß iſt für dieſen Fall
nicht mehr möglid ) , kann man dich izt ſtraffen,
denn man ſtraft bloß das Thteriſche an dir ( fammt
der Materiatur deiner Begriffe, Urtheile ,
Schlaffe ) , da du doch ja felbft Menſch ſeyn woollo
teft , mithin ſtraft man den Widerſpruch in dete
nem Weſen , welcher mit anderen Worten genannt
wird pflicht vergeſſenheit , Unrecht. Nur
da , wo du nicht Unrecht thuſt , keine Pflicht vero
1
lezeſt , mithin Recht haſt , kann man did beleto
digen . Nun aber verlezeſt du z. B. keine Pflicht,
wenn du eine herrenloſe Sache ( rem nullius ) ,
occupierſt , well's res nullius iſt ; du thuft folg.

1 lich Recht daran , daß du fie occupierft, und wer


dich etwa in der Folge ſtören wollte , da du
doch mit deiner Occupation feine Pflicht verlez.
teft , fondern Recht daran thateft , der würde
dido beleidigen , und würde , wie ſich leicht
200

zeigen Tieffe , in einen Widerſpruch mit demjent.


gen verfallen , was er gleichwohl ſelbſt will ; u.
1. w. - Lauter unmittelbare folgerungen unter
(- B ) wenn'b mit Handlungen zum Deuken
kommt ; daher eo , bor der Kantiſchen Epo .
che, doch man kann faſt fagen , aufier balb
mancher Schulen und Katheder überhaupt , im ,
merbtu lo hell ausſahe , wenn man einen , auch
noch ganz jungen Menſden , zu überzeugen
barte , diesley Recht , jenes Unrecht. Es tam
einem wirklich ſo vor , das wiffe der Junge alles
ſchon , ehe man's ihm ſage , durch fynthetiſche
Poftulate a priori ; es hleng ihm , wie an einer
Schnur. Pflict- und Recht iſt nichts an .
ders , als die Identitåt unſeres Denkens ſelbſt ,
gelezt in gewiſſe
Vorſtellungen und Begriffe.
Eben dies iſt Wahrheit ; dieſelbe confequentia
immediata des Denkens als eines Denkens ( in
-BB ) , welche für Pflicht und Recht ſpricht ;
begebe keinen Widerſpruch ; tſt auch Unb
verſalıpoſtulat für die Wahrheit. Hier manifes
fttert fich aber nun auf's neue die ganze Schwås
dhe unſerer, bisher fogenannten , theoretiſchen
Philoſophle. In Handlungen gab unſer Dene
ken jedem von uns fich felbft, als ein Den
ten , zur ewigen Norm auf , drang im augenblit.

lichen Handlungsfalle auf ein Prius nat' itoxin


für jede Handlung , die igt eben : im Werke war,

9
201

auf Bertilgung der conditionum , fine quibus


non im Etoffe , der finnlichen Artribute an uns
(bes Temperament's ) , um unter feiner Oberherr ,
lichkeit dies Sinnliche fich wieder anſchlieffen zu
laffen , auf unmittelbare Einwirkung des ( A als
A , in A , durch A) in den Grund , ( in die
Ausdehnung , als Ausdehnung , ohne weiter mög.
liche Beränderung des Ausgedehnten , folglich
in's Leben ú bérh a up t ) , und in die Urifas
che ( in die , ſich in ſich ſelbſt unter einem Dens
ten multiplizierende Ausdehnung , oder die Sub .
ftauz an uns , folglich in unſer Leben). Hter,
in Handlungen , war alſo das Prius natº
Eoxrv ( durchs Denken im Gewiſſen ) gefors
dert . ' lag ba am Lage , als an den gemeinſten
Menſchen gefordert , um Menſch zu feyn ,
und dieſem , am Tage daliegenden , das angeſes
ben zu haben , was er ihm anſahe , charakteriſiert
den tantiſchen Scharfſinn eben ſo vortheil.
haft auf der einen Seite , als die Art , wie er
mit jener glatlichen Anſicht verfuhr , fein fpelus
Tatives Talent , reine Konſequenzfähigkeit , kurz
das Denken in ſeiner Anwendung bei ihm , in ein
nachtheiliges Licht ftellt. Mit jener Unſicht auch
zum Denken ſelbſt zu gelangen , war ihm nåmo
lich, vermoge der Lebhaftigkeit feines Gentes und
der Originalitåt feines ' kombinterenden Wizes ,
nicht mehr möglich , und er mußte daher das
202

Denten , als ein Denten , oder die reine (pe.


kulative Bernunft , wie er's nennt , auf das un.
gebührlichſte mißhandlen , es als unzulånglich zu
ſeinen eigenen Zweten , als wollend und nicht
könnend , als Dialektiſch , vom Praktiſchen ( das
kann , weil es will ?) abreiffen , und das Prattt
fche ſelbſt , in ſo ferne er das Prius nur in dies
ſem , (in der Freiheit ) fahe , verkehrt genug
einleiten , bis es endlich , im konſequenten fid .
te , in ein d mit allen feinen neuen Herrlich
teiten ausſchlug , welche der fich tiſd en Roni
fequenz von raſchen Gedächtnißkopfen ohne Fora
bergiſden Geſdımak , und ohne Forbergie
Ide faune , node überdieß beigebracht wurden .
Anſtatt alles zu einigen , zerrieß Kant alles,
um , unter dem Zauberſtabe ſeines machtigen Gen
nies , neuer fynt betiſcher Schöpfer von allem
zu werden. Und dod muß eben das , was unſer
Denten in einem Gemiller auſſagt , überall
ſeine allgemeine Auſſage ſeyn. Ueber die condi
tiones , fine quibus non im Stoffe hinweg , die
Urſache , al 8 urfade, den Grund , a16
Grund , das Prius nat ' étoxriv , alb Prius
Kat Exchv, in einem Denken zu ergreifen ,
und Urſache und Grund mit ihrer Unveränder .
lichkeit als dieſe 8 , dennoch in dem Beränder.
lichen des Stoffes , welches unter ihnen ſteht, son
i
jenem Prius gånglich abhångig zu erkennen , folge
1

203

lido dfefem Prius zulezt Alles in allem zu unters


werfen , dies iſt eben ſo gut das Ziel alo
ler Spekulation , als es die tågliche
Aufgabe unſeres Geniens iſt. Allein
wo war bisher die ſpekulative Philoſophie,
welche es ( ohne Bilder über die conditiones
fine quibus non hinweg , auch nur bis zur Ure
fache gebracht hätte ? Doch , zur Urſache ( + b )
und dem Grunde ( B) kommen wir erſt: dle theor
retirden conſequentiæ immediatæ unter ( -B)
müſſen vorher beendiget feyn. Wo war alio bisa
her dle ſpekulative Philoſophie , welche es zum
Denken , als einem Denten , und mithin zu
den theoretiſchen conſequentiis immediatis
unter ( - B ) gebracht hätte ? Man ſebe nur th»
re allererſten Folgerungen in der Spekulation an !
Das Identitätsgeſez , mithin das Denken ſelbſt ,
follte eine unmittelbare Folge vom Saze des Wie
berſpruchs ſeyn ; verſtand man da das Denfen ,
als ein Denken ? Der Saz der Ausſchlieſſung
follte fchlechthin aus dem Denken , als einem
(reinen) Denken abflieffen ; denn er befand ſich
ja überall unter den oberſten Denkgelezen , und
zwar hier und da mit der ausdråklichen Welfſung,
daß er von dem reinen Denken im Widerſpruch
laze ? unmittelbar ausgehe . Aus unſerem Dens
ten , als einem reinen Denken , folgte mithin
ſchon ein Entweder - oder , folgte ſchon , daß
204

jedem Gegenſtande ein gewiſſes Merkmal ( etwas


Sinnliche ) entweder zukomme oder nicht zukomto
me; denn ſo verſtand man ja bisher den Saz der
Ausſchlieſſung. Das Principium rationis , ( una
fer Prius nat' xoxon ) ( A als A durch A ) ,
welches mit dem Identitåtsgeſe; ( A als A in
A ) rines iſt , ward als eine finnliche conditio
fine qua non behandelt , daher mit dem Beiſaze
einer Sufficien ; verſehen , und dann doch aus
thm ſchlechthin gefolgert , der Grund , foon als
Grund , ( unſer Prius rat' isoxiv) feze feine
Folge nothwendig. Aus dem Denfen , als einem
reinen Denken , - folgte mithin auch ſchon eine
Hypotheſis ( der Sufficienz ) , und doch wies
ber keine Hypotheſis , in lo ferne der Grund ſchon
ald Grund ( unſer Prius xar' foxcain ) ſetne Fols
ge nothwendig fezte. Mit derley conſequen
tiis immediatis unter (- B) begann die biso
herige Spekulation. Nein , die conſequentice
immediatæ unſered Denkens , als eines Deno
Tens unter (-B) , des ( A alb A in A durch A)
find vielmehr , daß es ſo wenig , als der Impes
rativ unſeres Gewiſſens, trgend einen Quantitåts.
Qualitäts « Modalitåts , oder Relationsunterſchied
zulåſt , nebſt dem , was bisher hierüber erinnert
worden iſt. Nun zu den conſequentiis imme
diatis unter ( + b ), wenn vorher wird ausgemacht 1

1
205

worden ſeyn , ob wir nicht etwa das ( B ) noch


vor dem ( + b ) mit ſeinen unmittelbaren Folges
rungen , unſerer gegen'm årtigen Abſicht geo
måß , werden vorzunehmen haben . ( + b) ſelbſt
iſt eine Folge des Denkens , wenn es , in den
Stoff geſezt , dieſen im Denken vertilgt , ein Db .
jekt = B
( B) dadurch aufgefunden , zu dem
Dbjekte aber auch noch das Genus für ein : die .
fed Dbjekt : gewonnen hat. Dem ( + b ) geht
mithin voran' ein (A als A in A durch A ) . geo
(ezt in ( B - B ) , und demnach werden wir , oh
ne Rüfſicht auf die Stellung der obigen Formel
B +
der Ordnung und unſerer gegens
( B + b), der Ordnungund unſerer
B
wårtigen Übſicht gemåß , zuerſt zum (B) forte
fobreiten můffen . Welches fiud alſo die confe
quentiæ immediatæ unter (B) ? (B) repräſentiert
uns 1 ) die Ausdehnung , als Ausdehnung .
ohne weiter mögliche Perånderung des Audges
dehnten im Objekte (unter einem A ). Was mit.
bin von der Ausdehnung , als Ausdehnung,
(unter einem A ) gilt , wie die Ariome und Pos
ftulate der Geometrie , ' wird zu den confequen
tiis immediatis unter ( B ) gehören. ( B ) reprå.
ſentiert uns 2 ) in der Veränderung ohne weiter
mögliche Verånderung des Berånderlichen , ( uns
ter einem A ) die Zeit. Was mithin von der
Zeit , als Zeit , ( unter A ) gilt , wird zu den
206

confequentiis immediatis unter ( B ) gehören .


( B ) repräſentiert uns 3 ) als Ausdehnung ohne
weiter mögliche Veränderung des Ausgedehnten
( unter einem A ) , den Organismus und das Les
ben überhaupt. Was folglich vom Organis .
mus , A18 Organismus , vom Leben , als
Leben å berhaupt, gilt , wie z. B. die Sym .
lebenden Natur , ( jenes ues
pathie der ganzen
berflieſſen in das Mitempfinden einer Creatur ,
Githe ) , das wird zu den conſequentiis im
mediatis unter ( B ) gehören . ( B ) repräſentiert
uns 4 ) den Grund , id quod eft fundamenti lo .
co ponendum , ( unter einem A ). as dem.
nach vom Grunde , als Grunde gilt , folglich
ein Eſſentiale conſecutivum der Uusbeho
nung und Bewegung ( unter einem A ) in der
Geometrie ſowohl als Mechanik und Chemie
(Waſſer bet Thales , luft bei Anarimenes,
Aether beim Pythagoras , Lichtſtoff in neuer
ren Zeiten , kurz eine Flüſſigkeit als fer
bens flåfiigkeit) iſt , das wird zu den con .
ſequentiis immediatis unter ( B ) gehören. Dhne
Empirie wiffen wir gewiß , wie der Menſch den
Mechanismus ſeiner Hånde und füffe zu gebrau .
den hat : ohne Empirle giebt es gebohrene mer
ch a niſ che , und gebohrene philofophirde
Köpfe; jenen ſind die conſequentiæ immediatæ
unter ( B ), dieſen die Conſequentiæ immediatæ
207

unter (B) mit leichtigkeit gegenwärtig , ohne daß


fie gerade dabet auch das Prius xar' i toxin
einſehen müßten. Dies fährt uns auf die u no
mittelbaren Folgerungen unter ( + b). Das
ſchwierige : Dieſes : am Objekte nothigte und
aus unſerem (B - B ) beraus zum Betſaze eines
( + b ). Auf eine Mannigfaltigkeit ohne mögliche
Ueberſicht ihrer Grenzen , ſtieffen wir beim Hero
ausgehen , und all dieſe Mannigfaltigkeit , wir
ſelbſt nicht ausgenommen , wird bei uns da ein
Dieles , dort ein Dieres , und abermal ein
Dieſes ; bei uns wirdß mithin identiſch und
Eins , was in einer Mannigfaltigkeit , ohne mog.
liche Ueberſicht ihrer Grenzen , wir ſelbſt nicht
ausgenommen , unſeren Gewahrnehmungen vors
liegt. Fdentiſch und Eins kann nichts fenn, was
zum Stoffe , als Stoffe , gehört ; identiſch und
Eins iſt das Genus (+ b) : das Genus kann
alſo nicht zum Stoffe gehören. ' Gehört es nicht
zum Stoffe, als im Stoffe ; fo gehorts zur
form , als a m Stoffe ; denn am Stoffe giebt
fich das Genus. Die Form wird und unter eis
nem Denten ; unter einem Denken wird uns mito
hin das Genus : diet Denten in einem Genus ,
nennen wir unſeren Verft and ( + b ) . Uber
unſer Verſtand kann ſo wenig als unſer Denken
etwas machen , wo nichts iſt. Sbentiſ und
Eins , wo es unſer Berſtand erkennt, Genus ,
308

wo es unſer Verſtand erkennt , muß mithin als


foentiid und Eins , und als Genus , ein
Seyn baben ; ſonſt könnt ' es unſer Verſtand
nicht erkennen , Ein Seyn haben , und doch nicht
im Denken felbſt beſtehen , und doch kein Dbjekt
ſchlechthin mehr , ſondern dieſes Objekt beiffen,
läßt einem teine andere Wahl mehr offen , als
daß man die Form des Stoffes fich ſelbſt , als
Form , unter einem A multiplicieren oder vers
vielfältigen ( + b als Uusdehnung ohne weiter
mögliche Beränderung des Uusgedehnten , dle fico
felbft unter einem A multipliciert) , das Mans
nigfaltige des Stoffes aber alsdann in fich aufe
nehmen låßt , ( + b , als in einem Stoffe
individualiſiertes feben , das aber als
( + b ) die Form des ullgemeinen , d. I. der Ausa
dehnung unter (B) , im Einzelnen genau ſo wie
im Augemeinen darſtellt , daher jedes Dieres
ein Genus , und jedes Gengs ein Dieſes ift ).
Die , tn ſich ſelbſt unter einem A multiplicierte
Ausdehnung iſt die Urſace ( + b , als Urlas
de) quæ fingulis rebus fubftat pariter ac omni
bus ; (+ b al8 Subſtanz der Einzelweſen ). Das,
was (+ b ) repräſentiert , wäre mithin das Die
fes in ſeiner Identitåt und Einheit, = Genus =
Verſtand = Uusdehnung ohne weiter mögliche
Verånderung des Ausgedehnten , wie ſie ſich
felbft im Genus und Berſtande multo
plictert ,

1
209

pliciert , = individualiſiertes leben ,nad


der Möglichkeit ſeines individualiſiertwerden !
betrachtet = Form des Allgemeinen im Deſondes
ren oder Einzelnen , = Ur , ſache = Subſtanz
( quatenus fingulis rebus fubftat pariter ac om
nibus ). Die conſequentia immediata des ( + b )
als elues Dieſes in ſeiner Fdentitåt und Eins
beit ift , daß wir reben , ſchreiben und leſen koni
nen ; denn das Können , die Möglidrett
daran , beruht auf keiner Empirie ; in allen dreyy
Fåden müſſen die ſinnlichen Attribute des Stoffs
als Stoff $ , bts auf den Impuls von auſſen ,
im Denken , als Denken vertilgt werden , um zunt
Diere 8 in ſeiner Edentitåt und Einheit durch's
Denfen zu gelangen : Deutſch tft diesfalls wie
Franzöſiſch , und Franzöſiſch wie Engliſch u. 1.
w. Die confequentia immediata des (+ b) ,
als eines Dieres in reiner Identitåt und Élni
heit iſt aber auch die Beharrlichkeit unſeres Selbfto
bewu Btſeyns überhaupt , (das mit ſeinen
oben beſchriebenen , ſinnlichen Attributen , oder
conditionibus fine quibus non zuſammengenom ,
men , unſere Individualität, als die einer Per .
pon , mithin das liebe do firiert ). Die con
fequentia immediata des (+ b) als eines Die.
fes in ſeiner Identität und Einheit , iſt ferner
die Möglichkeit einer Ueberzeugung ( ich rage :
Ueberzeugung ) durch Rüferinnerungen
>
210

u . 1. w. Die conſequentiæ immediata deb ( + b)


alb eines Genus , ſind in die Vereinigung
eines jeden Merkmals mit dem Begriffe , worinn
ed enthalten oder Neben , und Nacheinander vor ,
geſtellt iſt, ſo wie eines jeden Prädikarg mit ſeinem
Subjekte in einem Urtheile , das Urtheil rey be
jahend oder verneinend , in ſo ferne dies Urtheil
uud jener Begriff fogiid betrachtet, mishin ab.
lemal die Identitåt der Form des Allgemeinen
( im Pråditate , oder dort im Begriffe ), mit der
Form des Beſonderen , ( im Subjekte, oder dort
im Merkmale des Begriffes ). barinn ausgeſagt
wird , 2 ) die herkommlichen Såze der logik, pro
poſitiones fingulares æquipollent univerſalibus;
was vom Allgemeinen gilt , das gilt auch vom
Beſonderen welches unter jenem ſteht; was vom
Beſonderen zuſammengenommen gilt , das
1 gilt auch vom Allgemeinen (Induktion ) u . f.
w.; 3 ) die Möglichkeit einer Ueberzeugung durch
zergliederte Begriffe ( ohne vorliegende Gewahr,
nehmung ) in ſo ferne man einem dadurd die
Identitåt und Einheit des Allgemeinen auch im
Einzelnen zu erkennen , giebt , folglid, aud) die
Möglichkeit , einen durch Ermahnungen dahin zu
bringen , daß er ſich ſelbſt ungeſäumt unter einer
Allgemeinheit ( einer Regel oder einem Geſeze )
mitbegriffen denken muß. Die conſequentiæ im
mediatz des ( + b ) als Genus betradret ,
211

find auch die conſequentiæ immediatae des ( + b )/


als Verft and betrachtet. Die conſequen
tiæ immediatz des ( + b ) , als eines Indiota
dualiſierten Lebens , oder als der Form des
Allgemeinen im Beſonderen , wie fie am Leben
eines jeden Menſchen , als eine Eingelw to
fene , vorkommt , find , daß er wet $ ( nicht nut
fühlt ) , was den Bedürfalfſen ſeines Lebens
frommt, in ſo ferne er dieſes weiß , ( Selbſtera
haltungstrieb : beim Menſchen Selbſtliebeja
Die conſequentiæ immediatæ des (+ b ) als ele
ner Urſache , oder Subſtanz ſind die Identit&c
der Form des Allgemeinen mit der Form des Bén
ſonderen in Abſicht auf den eigen thůmlichen
Charakter , das eigentümliche Temperah
mént , die eigenthůmlid en Talente eines
Menden u. . w. , ferner die ( hypothetiſche )
Nothwendigkeit deffen , was Urſache oder Subi
ſtanz ift , unter ( B ) , und deß ( B ) unter ( A )
als dem einzig Absoluten , oder dem Prius
xati foxóv . Šo viel von den conſequentiis
immediatis ( oder den verſchiedenen Ausbråten
B
für dieſelbe ) aus aló bemjenigent,
( B + b) als
B

woraus der Menſch beſteht. Die conſequentiae


B + b
immediata aber aus find Šohlů Po
B
Beat by
re , und dieſe Solárfe haben nichts Reinobemono
212

B
ftratives an fio , als eben dies
BB + b)
felbſt. Das einzig Reino demonftrative

an Schlüffen wird mithin reyn


B
nun aber findet ſich eben dieſes auch an Urthet.
len und Begriffen. . Das einzig Rein , den
monftrative der Schlåfje (ober , wie man
bisher (prad , das Pogiſche Weſen der Solår
ſe ) iſt mithin auch das einzig Nein , demoni
ftrative der Urtheile und Begriffe. Es heißt
B + b
und iſt die Analyſis in threr
ABB + b),
Einfachheit an allem und jedem Erkennbaren .
Dies führt , uns gelegenheitlich , ehe wir wetter
gehen , auf eine kurze Ueberſidt deß Rein , der
monftrativen an allen Wiſſenſchaften über.
haupt.

hiloſophie Iter Groenlebre åber


Theil. haupt
(A als A, in A, durch (A als A, in A, duro
A. ) A ) geſezt in (B).

Philosophie II ter Groſſenlehre anges


heil. w andt auf Einzels.
(A al8 A, in A ,duro i ne Großen.
A) geſezt in (-B)
213

Philofophie Illter (A als A, in Adur dy


Zhetl. A) geſezt ( in B + b)
(Aald A in A , durd
A ) geſezt in (- B.
+ b)

uebergang zur Naturo *


Tehre.
( + b)
.
(Hier hången fic dann erſt
die ſinnlichen Attribute
Accidentien
wiederum an.)

Es iſt gar nicht möglid , einen Begriff zu


haben , ein Urthetl über irgend etwas im Welt
fyfteme zu fåden , einen Soluß zu machen , obo
ne daß ihm zu Grunde låge
3
( B ) enthalten in ( B + b),

ſonſt iſt es kein Begriff , kein Urthell , feln Schluß.


Rein , demonftrativ aber iſt dasjenige , ohne
welches es gar nicht möglich wäre ; einen Begriff
zu haben , ein Urtheil zu fållen ,einen Schluß zu
machen ; das Uebrige muß .anttich demonſtriert,
d . I. es muß mit Fingern darauf gedeutet
214

werden , bis es damit (in einem c tot c +)


mithin in motebertehrenden Aehnlichkeiten der Au.
ficht , zum Erkennen ſeiner finnlichen Attribute
tommt, Die ſinnlichen Attribute nun als
finnlide Medit , find oben an ihren gehörigen
Plaz verwieſen , das Weſen deß Schluſſes iſt ,
nach Hinwegräumung der erſteren , po eben dare
ge -han worden , und es ſcheint alſo , wir feven
fertig. (Veritas limata eft in diſputatione ,
Off. II , 10). Wir wåren es , wenn nicht auch
bloße Accidentien konnten in Schlöffe aufge.
pommen , und dadurch dem undemonſtrativen Fins
gerzeigen entriffen werden. So deucht einen wes
nigſteno , es muß alſo unterſucht werden. Daß
aber wirklich auch bloße Accidentien in Sdyluffe
können aufgenommen werden , beweiſſet , auffer
per tåglichen gemeinen Erfahrung , der ehrwürdi.
ge Vorgang des Baters der Kritit , welcher Ure
thelle , die , ohne Vermittlung einer drita
ten Borſtellung aus einem anderen ſich ab.
leiten laſſen , mithin die conſequentias immedia
B + b
tas aus folglich das Reino
BB + b).fo
monſtrative an unſerer geſammten Erkennt.
niß , für bloße Verſtandesi dh låfie , diejenis
ge Solåſſe hingegen , weldenoch ein anden
res Urtheil nöthig haben , um ihre Folge
zu bewirken , für echte Vernunft rolů fie ere
215

flårt ? Das Betſpiel , womit er dieſe Kritiſche


Entdekung erläutert , iſt allzupaſſend für unſere
Abſicht , als daß wir es nicht ganz , wie es S.
360 der Kritit der R. Bernunft , mitgethelft
wird , beibehalten ſollten . “ Wenn aus dem Obers
faze : Alle Menſchen ſind ſterblich (- B
+ b in x ) , gefolgert wird : einige Menschen
x
:
ſind ſterblich E B in y
bet Kant , eine confequentia immediata , und
eine conſequentia immediata heißt bei ihm ein
bloßer Verſtanded for us. Das Identitåts
gelez , angewandt unter (+ b) auf ein finnliches
Attribut , ift thm alſo eine conſequentia imme
diata , und dieſe conſequentia immediata wåre
dann der bloße Berftandesſchlu B. In ſo fers
ne , im gegebenen Falle , die Form des Algemelo
nen auch unmittelbar als Form des Beſonderen
erkannt , mithin das x und y , oder die , erſt
durch Beobachtungen herausgebrachten , finnlichen
Utrribute , wie hier das Attribut der Sterblichkeit,
hinweggedacht würden , håtte er wohl daran ger
than, dieß alsdann eine conſequentiam im
mediatam zu nennen ; eben dadurch aber wå.
re es nun fein " bloßer Verſtandesſchluß mehr ;
ſondern das reine Weſen eines jeden Schluſo
fes im angewandten Denken , mithin in der
Peruunft ſelbſt. Qüeta , da er im vorliegen
216

pen Belſpiele ausdråklich ein finnliches Attribut ,


das der Sterblichkeit nåmlich , in ſeine conſequen ,
tiam immediatam mithineinzieht : ſo ift’s keto
ne conſequentia immediata mehr , ſondern
bloß ein , in der Empirie , d. i , durch Beobad .
tungen , welche endlich auf ſinnliche Attribute
führen (Induktion), und durch finnliche Attribute,
info ferne ſie ſich an ein ( + b ) anſchliero
ren , Demonſtrativer , folglich kein Reins
demonſtratiser Schluß mehr , kein Sdiluß in fels
nem reinen Weſen mehr , dem man daher, ale
einem , mit finnlichen Attributen behafteten ,
Sdyluſſe , deſſen ſinnliche Uttribute aber ſich uns
mittelbar an ( + b ) anſchloſſen , noch eher den
Namen eines Verft andeb ( chluſſes, als ele
ner conſequentia immediata beilegen möchte.
Doch , dies find Kleinigkeiten , welche für die
Kantirden logiken keinen andern Uebelſtand
nach lid zogen , als daß je B. Kieſewetter
fechs und zwanzig Seiten hindurch . ( S. 72-98
1. c. ) von conſequentiis immediatis zu hande
len glaubt , wo er von demonſtrativen Solüſſen
aus Attributen in der Empirie unter
B + b fil x
( + b ), folglich von
B Hob *)
in .**-
y handelt.
)
daß er 2) & cht Santiſch , jede conſequentiam
immediatam , abgeſehen vom falidem Sinnea
den er før giebt , bloß für den Porhof, zur Syle
me
217 mm

logtftit , keineswegs für das eigentliche Ben


ſen eines jeden Schluſſes anſieht , und daß er
3 ) dieſe beyben unrichtigen Vorausſezungen , wie
jeden Artikel ſeiner fogit , durch eitel Quantia
tåts , Qualitats Relations , und Mobalttåts - und
terſchiede , als vermeyntliche Formen des reinften
Denkens , bis zum Ueberdruffe wiederum durch .
preßt. uber am ſchlimmſten iſt es in der Kria
tik l . c. beſtellt , wenn ſie in ihrem obigen Bets
ſpiele nun weiter fortfahrt , und dadurch auch
vollends ihre Meynung von den wirklichen
Bernunftích låfien , ohne mögliches Miße
verſtändniß , ſonnenklar an Lag giebt. Es lau .
tet daſelbſt , wie folgt : ,,bagegen liegt der Saz :
ale Gelehrte ſind ſterblich , nicht in dem unters
gelegten Urtheile (der Sterblichkeit der Menſchen ).
denn der Begriff der Gelehrten kommt in ihm
gar nicht vor , und er kann nur vermittelft eines
Zwiſchenurtheil aus dieſem gefolgert werden .
Wenn man demnach bon den finnlichen Attribu .
ten , und an denſelben , auch vollends zu den
bloffen Accidentten herausgeht , um dieſe un .
ter ( + b ) in eine Vorſtellung für ein Denken
aufzunehmen , wenn man alſo die meiſte Mates
rie , welche man in ſeiner Sinnlichkeit zuſammen ,
bringen kann , ſinnlich verknüpft, um , was ſich
darzu qualtficiert , in eine Vorſtellung für's Dena
ken aufzunehmen ; ſo offenbahrt fick der Kritik
218

erſt hieran , folglich am gröften Quantum des


Stoffs, das Weſen der wirkliden Vernunfto
folúffe. Wle's um ihre Gründlichkeit , um th .
ren angemaßten Blik in die Tiefen unſeres Wes
fens , auch hier wieder aufſehe , das mögen an.
dere beurtheilen. Ich fehre mich weder hieran
izt mehr , noch an die Schiefheiten , welde das
durch in unſere neuften Logiken übergegangen ſind ;
ſondern verfolge bloß meinen eigenen , noch nicht
vollendeten , Weg biß dahin , wo er mich zulezt
aud vollends über das Verhältniß der finnlichen
Accidentien zu meinem Denken , belehren
muß. Es iſt vielleicht die ſchwehrſte Aufgabe ,
welde ich noch vor mir habe; aber es beruhiget
midy wenigſtens dies dabei , daß fie fich mir ganz
fo ichwierig wie ſie iſt , unverholen zu erkennen
glebt. Meine obige Formel wächst nåmlid, tzt
B + b in x + c 1
an zu einem Bur d. t. zu
bin
B in y + c es )
einem antifden wirklichen Vernunftidylufſe ,
Ž. B. alle gefüllte ( c ) Tulpen find felten ,
nun aber iſt dieſe Tulpe gefüllt; und dieß c ,
dles bloße Accidens , kann ich gleichwohl in telo
nem Denken , a18 Denten , brauchen . Dies
Zwiſchenurtheil eines Kantiſchen eigentlichen
Bernunftſchluffes ( im c ) muß, als accidental, für
ein Denken , als Denken, wieder hinweggeſchafft
werden , ſo viel ſehe idh ; aber wohin damit , und
219

was denn im Denken an ſeine Stelle gelezt, da


Id dad (+ b) fchon in der Formel habe ? Mir
fådt hier zuerſt wieder eine Analogie bef. Ich
weiß aus der Sprache des Lebens , und dfe Krio
tik hat es mir bewieſen , daß ich die Gedanken
der Möglichkeit , Wirklichkeit und Nothwendige
keit , welche eigentlich nur dem Objekte ( = B
B ) in mir weſentlid ) und unveränderlich zukom .
men , auch wiükührlich auf bloße Accidentien des
Dareyns , Dortfenns , des Erſcheinen oder Vers
ſchwindens vor meinen Augen , anwenden , ja daß
ich bei dieſen Accidentien damit abwedislen , und
3. B. etwas , dad , a18 objekt , immer mögo
lich ſeyn muß , nur dann möglid, nennen kann ,
wenn es in meinen Geſichtskrets rüft , etwas ,
das als Objekt immer wirklich ſeyn muß , nur
dann wirktidy nennen kann , wenn es noch nåber
in meinen Geſichtskreis hereinrült , etwas , das
als Objekt immer nothwendig regn muß , nur
dann nothwendig nennen kann , wenn es betaſt.
bar vor mir liegt , oder auch in Rütfidht auf ſelo
ne accibentelle Abweſenheit , nur dann nothweno
dig . abweſend nennen kann , wenn es ſich meio
ner Betaltung und meinen übrigen Sinnen gånzo
lich entzogen hat. Da mir die Kritik dies , beim
Ausnieffen meiner Modalitåt unwiderſprechlich
bewieſen hat ; ſo fragt es ſic : ob ich mir izt
nicht die Freyheit nehmen dürfte , es ebenfalls mit
220

meinem ( + b ) alb Genus , zu verſuchen , und


michin das ( + b ) auch auf bloße Accidentien
anzuwenden , wo freilich eigentlich , als bei A
cidentien , kein Genus , freilich eigentlid ,
als bet Accidentten , auch kein Begriff ( als
finnlide8 Attribut des + b ) mehr iſt. Der
ſtehende Multiplikator iſt nun einmal vorhanden.
Warum ſollt' ich alſo nidot alles , was kommt,
es rey Genus , oder Nicht genas , Begriff oder
Nichtsbegriff , Attribut oder Nicht . attribut , bero
mittelft ſeiner multiplicieren dürfen , ja am En
de wohl gar måffen ? Auf dieſe Art gelangte
ich zu einem (+ b) in bloffen Arten , unter:
arten , Bartetåten , kurz in Accidentien ; ich
1 gelangte zu Begriffen , wo , als bei Acciden .
tien , etgentlich keine Begriffe mehr in demjenis
gen Sinne des Wort's fiud , nach welchem man
mir eine ganze Reihe ſinnlicher Gewahrnehmun ,
gen ſchon aus der Komplerion felner finnlichen
Merkmale unter einem ( + b ) apodiktiſch gewiß
herausdemonſtrieren könnte , ſondern wobei man
Immer , als bel Accidentien , auch noch ein
Fingerzeigen in'b Spiel ztehen müßte , wie etwa
der Begriff einer Gegend , einer Landſchaft , des
seftirnten Himmelo ( in der Aftrognoſie ) , und
alle diejenigen Begriffe find , die nichts Organis
( dh es aufſagen , für die ich folglich den Multia
plikator bloß entlehnt habe , wie für meinen Elid

1
221 1

und meine Stühle , als ſogenannte Begriffe. Dies


gåbe mir dann eine Erdbeſchreibung , eine Do.
pographie , eine Technologte u . f. w . unter einem
(+ b) , wobei aber immer ein Fingerzeigen den
unentbehrlichen Dienſtbothen für mein (+ b) mar
chen müßte. Dtes gåbe mitr die ſchöne Welt der
Dichtungen , dieſer accidentellen Konfigurationen ,
welche accidentel und gleichwohl nicht ohne Re
gel find ? Unter ( + b ) ſchloffen fie fich , wie
das Accidentelle und Indemonftrabele , ſonſt, aber
oft ſehr Sinureiche der menſchlichen Träume , an
das Denken , im Menſchen an. - Shreu ftehen

den Multiplikator unter einem A , (dem fv xati


igoxin , nicht év xai nãy , dem Unw a'n bele
baren , Ewigen , vor dem ich anbethe in dies
fer Hülle von Stoff , die ich ihm danke ) reichte
mir die Natur im Organismus dar ; darum ben
greiff' ich izt auch den Organismus : er iſt die
Konſtruktion der Natur auſſer mir , gerade wie
fie in mir unter einem A konſtruiert wird ; hlet
befinde ich mich zu Hauße in eigentlichen
Begriffen ; denn ich kann demonſtrieren
aus Begriffen . Aber der Staub ift dwehrer
zu begreiffen als die Blume; dies bemerkte icon
der Stagirite, und ich fühl es izt. Jedoch,
entweder iſt mein bisheriges prius fein prius ges
weſen , oder in demjenigen , was ich bisher bei
hauptete , mußte auch das eingewikelt feyn , was
22

Ich nun noch ſuche. Dem Stoffe ſchrieb ich mana


nigfaltigkeit zu , der Form des Stoffes Einheit
in threr Wielheit , und Blelheit in ihrer Einheit.
In drey undertilgbaren Raumdimenſionen breitet
fich die Form des Stoffes in die Ramifikationen
threr Einheit , mithin in ihre Vielhett aus , in
eine Vielheit “, welche gleich unvertilgbar wie die
Form åberall , 1 ) unter einem A (In B - B) der
Multiplikator threr ſelbſt wird ( + b ), ohne ſich
im mindeſten zu alterteren (drey iſt in ſecho,
was es in dreyhundert und drey und zwanzig ift ),
ble 2 ) alles , was von Stoff an fie kommt , in
eine Veränderung ohne weiter mögliche Veränder
rung unter einem Å aufnimmt ( B.- B ), uno
weil es unter einem A geldteht , und nur als
lein unter einem A gerdeben kann ,
Das N acheinander , als zweyte Form des
Stoffet , nun eben fo regelmäßig als unabånder ,
lid ſeine Cirkelbahn in fich beſchreiben läßt. Dies
bas Prius sati
goxhv ( A ) , dieß der Grund
( B ) , dtes die Urſaibe ( B + b ) ; und zivar beya
de leztere in ihren eigenthůmlichen , aber
aud in thren relativen Beſtimmungen zum
A , und ihren absoluten durch A. Die gan .
ze Baſis haben wir alſo ist , und baben ſie für
unſeren Zwet po kurz beiſammen als möglich.
uber der Stoff iſt nidt einfach wie dies alles ;
er iſt mannigfaltig , nichr identiſch. Úug

I
1
223

dem Stoffe und an dem Stoffe ſelbſt , als Stofu


fe , wird alſo mancherley in dieſe und jene
unter A einmal abfolut beſtimmte Einbett in
der Vielheit derForm , als in den Grund
( Fundamenti loco ponendum ) und als in fe ia
ne Urſache ( unter A ) aufgenommen , es wird
folglich auch Mancherley in einer Veränder
rung ohne weiter mögliche Verånderung zum res
gelmäſſigen Nacheinander , zur Identitåt , als
bem Grunde ſeiner Berånderungen , in fo fern
es etwas Veränderliches d. I. Stoff iſt , beför.
1 dert werden Ponnert. Man erinnere fich 3. B.
nur des Mancherley's in Farben und Zonen am
Stoffe. Dies Mancherlen giebt uns unſere A Co
cidentien. Über dies Mancherley , als u cc lo
dens von uns betrachtet , iſt ſo gut in den Grund
und in die Ursache ( unter A ) aufgenommen ,
wie ein ſinnliches Uttribut ; wird alſo vom Grun .
de und der Urſache (unter A ) eben ſo nothwene
dig beſtimmt ſeyn müſſen , alo je ein ſinnliches
Attribut von jenem und dieſer beſtimmt ſeyn kann
(nihil fine ratione ). Das überlåſtige ( + c )
unſerer Forniel , der Kantiſche Vernunftſchluß

alt Bernunftfolub, iſt alſo getilg ; )

iſt haben wir ſchon oben


:) , und ( )
6) .
vom Soluffe , al8 Soluffen weggelobaft;
224

folglich ſteht tzt unſere Formel für immer , lo


lange man in der Menſchenwelt noch ſchlieſſen
wird , geſichert und rein da , als Weſen jedes
B + b
Schluſſeb , welches heißt Hiebet
B
erinnere id bloß gelegenheitlich , daß zur Mogi
lichkeit dieſer Formel , mithin zum Weſen eines
jeden Schluſſes , wie eines jeden Urtheils und Bes
griffs, bereits eine Disjunktion in ( B - B ) vorausgen
rezt , und daß der mißhandelte Saz der Ausſchliero
fung , welcher jene auſſagt, anſtatt ſchon Merkma,
le in ihn hineinzuziehen, ſo ausgedrukt werden muſo
re : auſſer der Möglichkeit und Wirkliche
teit giebt es nicht 8 an fio 28 abres abi
w arts in der Reihe und in's Phyriſche
feben berein ; die hypothetiſchen Schlaf
fe aber ganz eigentlich die Schlüſſe får uccideni
tien lenen ; folglich ſchlechterdings nie , als hye
pothetird , zu den confequentiis immediatis
gehören können , wie sfieſewetter entdekt zu
haben ſcheint ( 1. c . S. 73 ). Allein , wie fol
man denn dieß verſtehen ,
daß Accidentten in
Räkſicht auf Grund und Ur : fache ( unter einem
A) für gleich nothwendig , wie die Attribute , aus.
gegeben , und als gleich nothwendig in Nütlicht
auf Grund und Ur. lache ( unter einem A ) wle
bieſe erwieſen , dennoch und bei dem Adem
Accidertien bleiben ? Antwort : ſo wenig die
Mate.

1
225

Materie in ein Denken , al8 Denken , übergen


hen , oder ſich darein verwandlen laſ
fen tann , ebenſo wenig kann das Prius
nat'étoxny , der Grund und die Urofache in
eine Gewahrnehmung. als Gewahrnehmung,
åbergehen , oder, ( wie ist erft zu erklären ſtand )
ſtd darein verwandlen laſſen. Wo fid
keines in das andere verwandlen låßt, und doch
das Eine auf das Andere wirft , da erwett bloß
das Eine die Thätigkeit des Anderen , oder das
Eine wird Impuls für das Undere. Gewahrneh.
mungen werden alſo Impuls für das Prius
xatoxiv , den Grund und die Urſache , folge
lich auch für's Denken in ſeiner Anwena
dung bei uns werden können ; aber das Prius
1 nat'éfoxon , der Grund und die Úr :ſache , folgo
lich das Denken in ſeiner Anwendung bet
uns , wird auch vorliegende Gewahrnehmuns
gen in uns beſtimmen können ; (ohne daß fie fico
gleichwohl als copula d. i. Formaliter beo
tradtet , im mindeſten alterterten , d. I. als co
pulæ aufhoben oder zerſtörten . ) Iſt eine Ges
wahrnehmung in einem gegebenen Falle anregend
oder beſtimmend. ( Impuls , conditio , fine qua
non) für die Zhätigkeit des angewandten A über .
haupt in uns : Po ſchieben wir in der Sprache
des Lebens die , ist eintretende , Möglichkeit eines
geviffen Gebrauchmadens vom Denken bei uns,
P
226

auf den finnlich vorliegenden Gegenſtand , und


ſagen , es iſt möglid daß es dieb oder
ienes reye , d. t. ich kann izt etwas , ein Db,
jett = ( B - B ) babet denken ; dat eintretende
Gebrauchmachen vom Denten åberhaupt in uns
für einen vorliegenden Fall konkreoziert uns alſo
hler in der Phantaſie mit dem Sinnengegenſtans
de , als Sinnengegenſtande (mit C ) ; wir
find gebohrene Kantianer. Ruft aber der
Sinnengegenſtand nåher in unſeren Geſichtskreis,
und das Denken in ſeiner Anwendung beo
ginnt tzt die Gewahrnehmung zu beſtimmen ,
wird aber auch hinwiederum wechſelſeitig in reto
ner Anwendung von der Gewahrnehmung ( alb
dufſerem Impulſe ) beſtimmt (- B + b ) , po
ſagen wir : e8 iſt wirklich dies oder jenes , un .
geachtet nicht die Sade, als Sache, ſondern
nur unſere Vorſtellung der Sache , als eines Die.
feb ( + b ) im angewandten Denken wirklide
geworden iſt ; tft's einmal ſo weit : ſo fehlt e3

auch nicht mehr am d. 1. am Ero


ABB + b);

kennen der Form des udgemeinen im Beſonderen,


oder an der Nothwendigkeit des Vorgeſtellte
werden , alb eines Dieſes mit allen den finns
lidhen Mannigfaltigkeiten , welche unſer Denken ,
ald Denken , vorher daran vertilgt , d. l. in
ein Minus des Bewußtſeyno derſelben als Mang
227

nigfaltigkeiten verwandelt haben mußte,


um felbft mit einem (- B + b) ins Bewußtſeyn
eintreten zu können ( ſonſt wåre keln Dieres ,
al 8 Gedante , daraus geworden ) , wo fid
dann ſofort jene Mannigfaltigkeiten wieder , bon
der Seite des animaliſchen Bewußtſeyng , an das
Denken , oder vielmehr zunächſt an den Gedano
ter , als Gedanken eines Dieſes ( ans – B + b)
anſchlieffen können. Geht es uns nun mit einem
Sinnengegenſtande , bei wiederholten Gewahrneho
mungen , allemal ſo , daß der duſſere Impuls, jen
desmal dabei bloß eine conditio fine qua non
iſt, um überhaupt die Thätigkeit des angewando
ten A in uns zu weken , und das A findet , fn
den wiederholten Impulſen dieſes Sinnengegen ,
ftandes, får ft c nte nichts , als (B - B ) , nichts
1 alſo , wodurch eß unmittelbar auf den Gedanken
einer Ur , fache unter einem Prius nat' foxyly
(auf A in - B + b) gebracht werden müßte, ( Ubo
fidhten , Zmede) : ſo nennen wir den Gegenftand
1 accidentel , d . t. die Urſache mit dem Prius
x « t'étoxin , daß fie abſolut beſtimmte, blieb
und aus bet ihm ( rüfte nicht in unſer Bes
wußtſeyn ein) , wir begreifen ihn nicht, das
Minus eines animaliſchen Bewußtwerdene in
Rafficht auf den Umfang feiner ( finnltden )
Merkmale , ſchlågt bei ihm 'nicht an , und das
Plus des engeren Zuſammenziehend ( großerer In .
P 2

1
228

halt ) kann daher auch nicht erfolgen ,' er bleibt


Bild ; wir müffen daher eben ſchlechthin unſeren
Multiplikator (+ b) in das Bild von demſelben
fegen ( wie wir es im Traume gewöhnlich , und
wie eß das Kind anfånglich , wenn das Denken ,
wie wir ſagen , in ihm beginnt , mit allem mas
dhen muß ). Dte ( finnlichen ) Merkmale predo.
minieren , und es kommt dem angewandten A in
uns kein Prius xatieFoxel 1 ( teine Abficht , keln
/
Zwed) an einem ſolchen Sinnengegenſtande
auſſer und entgegen ; ( kein A auffer und tritt
mit einem ( B + b ) in unſer Bewußtſeyn ; denn
tein Mious des Bewußtſeyns eines Stoffes a 18
Stoffes , hat ihm Plaz gemacht). Dies der
Grund des Accidentelen an ihm in unſerer
Borſtellung , ungeachtet es für rich ſo wenig
accidentel ſeyn tann , als ein Attribut. Ich könn .
te dieſe Anmerkung hier beſchlieſſen , indem id ) am
electdentellenwieder herausgekommen bin zur
Kantilden Palpabilitåt , von der ich ausgieng.
utteln die Ljung wichtiger Probleme , welcher ich
entgegenſehe , beſtimmt mich , auch noch den ins
neren Impuls in eben dieſelbe Unterſuchung zu
gleben , durch welche der å ufiere, nach den Råt.
fichten der Möglichkeit , Wirklichkeit , und Noth.
wendigkeit , erörtert worden iſt. Bei dem in nes
ren impulſe , wenn man ihn mit dem å ufles
sen vergleicht, waltet nåmlich der beſondere Un .
229
*
terſchied vor , daß er ſchon , vermoge des anima.
EA
tiſchen Bewußtſeyns , ein Minus des Stoffs , aus
20
dem er hervorgeht , ſelbſt beim Zhiere mit fic
bringen muß ; denn ſonſt entſtånde kein animalie
ſches Bewußtſeyn ( ſiehe oben ). Hier iſt demnach
10
kein beſtimmter , ſiunlich vorliegender Gegenſtand
00
für's Denken da ; was da tft , beſteht im en
fühle (Lebensgefühl). Das äuſſere Dieſes
(+ b) fållt mithin hier , in fo ferne das , was da
ift , bloß im allgemeinen Lebensgefühle beo
Tit
ſteht , hinweg , gleidwie es beim Denken , als
einem Denken , ( auffer feiner Anwendung )
hinwegfält. Die Möglichkeit eines Gebrauchmas
dens von ſeinem Denken in Rüfſicht auf den
tunéren Impuls wird alſo mit der Möglichkett
eines Gebrauchmachens von demſelben in Rütu
ficht auf einen å ufreren Impuls in fo ferne
zuſammentreffen , als von innen ( durch's Gefühl,
als Gefů 61), wie von auſſen ( durch einen ents
fernten Sinnengegenſtand ," als ' entfernt) ,
bloß die Lhåtigkeit des A überhaupt in " einem
Objekte ( B - B) gewekt wird; man begehrt und
will , uubeſtimmt was ? ( Laune ). Uber kann
dies feyn ? Begehrt nicht auch die faune etwas,
nur bald dieß balb das ? Nein , es kann nicht
reyn , daß man es beim Objekte , als Objekte ,
bewenden lieffe. (-B) , ohne (unter A) in eta
aem ( + b ) ſeine Form ( als B ) unabånderlid
230

( nur eben nach einem verjüngten Maßſtabe ) belo


behalten zu müſſen , wäre ein Widerſpruch. Et
ne , zur Kopula im Denten gezogene , Negation
ſezt (ſiehe oben ) ; eine zur Kopula im Stoffe ges
zogene Negatton rezt , und zwar unter Multiplis
kationen ( durch A ). A , einmal in B gerezt ,
beſchreibt eben ſowohl den utt ſeiner eigenen
Anwendung in einem ( -B ) , als es in der Pros
duktion eines ( + b ) vermittelſt des Akto ſeiner
Anwendung auf B , die Unvertilgbarkeit der einen
form durch die andere beſchreibt. Das eine kann
gar nicht ohne das andere ftatt finden ; ( ſo uns
! gereimt es geweſen wäre , dies nicht zu bemer.
ten ; eben ſo ungereimt und ſtorend für die Ungu
lyſis würde es geweſen renn , wenn man hiemtt
und mit allem , was nun noch in dieſer Anmero
tung folgen wird , don eher båtte vorfahren wol
len ; tzt er ft tann die Rechnung beſchloſſen were
ben , wenn te je biß auf das fejte
duro geführt ſeyn ſoll ). Nehmen wir das
her an , es liege noch überall kein Sinnengegens
ſtand in irgend einer Gewahrnehmung , vor ; die
conditiones fine quibus non für's Sinnenfädige
einer , durch A , vermittelſt des (B - B + b) ,
in der Mannigfaltigkeit des Stoffes ſelbſt , anzu .
legenden Wechſelwirkung und Manifeſtation ſels
nes Weſend, müſſen ſich in einem gewiſſen Uus
genbltte eben tzt erſt geben , und nehmen an ,
231

was wir annehmen måffen , (A + C ) , einmal


in B geſezt, beſtimme rich felbft , an dteſem
1 B gleich nothwendig zu einem ( - B ) , wie es
3 ſo muß das
dies B zu einem ( + b ) beſtimmt :
(A + C ) , einmal in B gelegt , und daran zum
(- B) , zur Abrigt . gum 3 wete werdend ,
1 ſchlechterdings ein ( + b ) d. I. ein individuelo
les Leben , (wår es auch nur ein Pflanzenles
ben ) , hervorbringen , d. t. das Weſen deſſelben
begründen , worzu ſich der Stoff theils als finns
1 liches Attribut thells als Uccidend verhalten , do
to woran ertheils zur conditio fine qua non ,
0 um all individuel ſo oder anders in die
Sinne zu fallen , und , je nachdem es iſt ,
zu dieſer oder jener Art von Hineinbildung
in die Welt und Hineinbildung der Welt in thn
unter einem Bewußtſeyn , zu gelangen , theils zu
den Affektionen dienen wird , ohne gleichwohl zum
11 Weſen des Lebens , als eines febeno übers
baupt , zum Weſen des Bewußtferns , alt eto
ne 8 Bewußtſeys å ber haupt , das minde
fte beitragen zu können . Dies bahnt uns den
Weg noch tiefer hinab , wenn je ste Reche
nung biß auf das fezte durchgeführt
reyn roll. Sede Monas iſt Spiegel des Welte
alls , ſprach der groffe Leibniz , und verbarg
ſeinen Seherblik hinter Bildern. Feber Urſtoff
wird zum Dbjekte ( B - B ) , ſo bald ein A dare
232

Ian geſezt ift ; lautet dies Apophthegma Peiner


Philoſophie ohne Bilderſprache. In jedem Urs
ftoffe entſteht folglich eine Ausbehnung , als
Ausdehnung ( Wirklichkeit) , und ein Gedans
te , als Gedante , ( Möglichkeit ) , eine Ab.
richt, ein zwell , ſo bald ein A darinn gerezt
ift. Nun aber kann kein Objekt als bloires
Dbiett , beſtehen ; A in B gerezt, dringt eben
fowohl auf die Manifeſtation reines eigenen Wes
ſens in einem ( -B) , als auf die Manifeſtation
des Weſens ( oder der Form ) am Stoffe in ele
nem ( + b ) ; es muß alſo unter der benannten
Vorausſezung , ein organiſches Weſen , das im
Stoffe ſelbſt , als Stoffe , nach der Koeriſtenz,
Affinttåt , dem Gegenſaje , wird gebildet werden ,
ſein Weſen erhalten. (-B + b) repräſentiert
demnach in der erſten Potenz das Pflan z eni
leben , ( B , als Diviſor bleibt , und läßt feine
Potenzen zu ) , ja das Leben eines Erdkörpers ,
nach deflen Bahn und klimatiſchem 28echſel die
Pflanzen ihre Bahn beſchreiben , Aletn das A
dominirt im Lebendimpulſe einer Pflanze nur ſo
weit über den Stoff , als es zu einem individuele
len Lebensimpulſe erforderlich iſt , zernichtet nur
ſo viel Stoff , als zur Produktion eines indivt.
duellen Lebensimpulſes unumgånglich nöthig iſt ,
ohne daß es durch eine , weiter gehende Zernida
tung des Stofft auch noch einem ( -B + b )
233

von auffen , mithin einem ( B - B2 +62 )


Plaz machte. Die Pflanze, hetßt dies , hat we
der Stanenwerkzeuge , noch Bewußtſeya durch
Sinnenwertzeuge ; andere Wefen find nicht
får fle, mithin iſt auch fie nicht für ſich ſelbſt,
wohl aber für andere Weſen da , gletchwie das
Pflanzenartige an uns nicht für fich ſelbſt da
ift ; wir erfahren nichts davon , daß und wie
wir wachſen u. ſ. w. (man rehe oben die conſe
-B + b
quentias immediatas, die ſich unter
B

gemeinſchaftlich für die Pflanzen und den Mena


den ergeben haben). Pflanzen ſind , was felb,
nig ſchlummernde Monaden nennt ; ſie eröfnen
den Menſchen die Region des Schönen ,
und durch das Schöne die Pforte zum Wahren ,
im Wabren zum Göttlichen. Einheit in der

Pielheit der Form unter einem A , tft thre Zeich ,


nung ; an dieſe Form des Stoffes hångt fich von
Seiten des Stoffes wieder ſeine Mannigfaltigkeit
an , 'und glebt ihnen den Reichthum thres ver,
fchiedenen Kolorits. Bo Sinnenwerkzeuge
find , da maden ſie ſchon einem Dbjekte , als
dieſem Objekte , durch den Stoff hindurd , in
einem Bewußtwerden Plaz ; darum ſind ſie sins
'nen werkzeuge ; obgleich das A ſelbſt dabei eben
noch nid )t gerate mit feinem ( -B) In's Bewußte
ſeyn treten muß , und machen Sinnenwerkzeuge
34

dem Objekte , als zweytem Dbjekte auffer dem


Dieſes des eigenen Plaz : ſo entſteht darauf
B2 + b 2
Das A dominiert auch hier
B

Im Lebenslmpulſe , als lebendimpulſe , ohne


gleichwohl ſelbſt mit ſeinem ( - B) in's Bewußts
feyn treten zu måffen . Die Ur : fache , das in.
dividuelle Leben , erſcheint als verlaſſen vom
Prius nat' eoxov , als bloßes Gefühl ( Inſtinkt)
im Berußtſeyu. In Ermanglung eines Bewußt.
werdend des A, mit ſeinem ( - B ), ob es ſchon ,
als feben simpuls , in einem ſolchen Ein .
zelweſen dominiert , fann auch kein Minus des
Bewußtwerdens der Menge und Manntgfaltige
teit des Stoffs an Gewahrnehmungen und ihren
Ueberbleibſeln im Semůthe , zu Stande gebracht
werden , es kann folglich auch kein A mit ſeinem
(-B) von aufren , als plus in's Bewußtſeyn
einrüfen , man kann zu feinen Begriffen , wie
fie oben erklárt wurden , gelangen . Wie das
( + b ) von innen , ( das individuelle Leben
ſelbſt ) in einem ( + b ) ohne Bewußtwerden des
A , (in Inſtinkten ) beſteht , ſo beſteht nun auch
das (+ b) von aufſen ( d. I. die individuelle
Gewahrnehmung nebſt thren Ueberbleibſeln ) in
einem ( + b ) ohne Bewußtwerden des A unter
einem ( -B ). Accidentel , wie einen deucht,
wird einem bald da bald dort ein Dieſes für
235

ſeinen inneren Impuls d. t. für die Befriedigung


ſeiner Bedürfniffe , wie fie als Fedürfniſſe im
Stoffe entſtehen , vorgehalten ; man lebt in Bila
dern nicht in Begriffen , wie fie oben beſtimmt
wurden. Allein das Accidentelle daran Itegt bloß
im Mangel eines möglichen Eintritts des A alb
A unter einem ( - B) in's animaliſche Bewußte
werden , fommt von dem Plus der Menge und
Mannigfaltigkeit des Stoffs an ſinnlichen Vor.
ftellungen her , die , als dieſe Menge und Man .
nigfaltigkeit , von dem , bloß im Lebensimpulſe ,
a18 Lebensímpulſe dominterenden A nicht
vertilgt ward ; ( hiere, trå umende Monas
den ; Menido eu in denjenigen Stüten , worian
auch ſie trå u mende Monaden ſind , 6. i. nicht
wiſſen , wie ſie zu Etwas kommen ; man ſebe
oben diejenige conſequentias immediatas , die lid
B +
unter gemeinſchaftlich für Zhler
BB + b) gemeinfobafits for
und Menſd ergeben haben). Aber es waltet
bler denn dod noch ein bedeutender Unterſchied

vor. Belm Thiere muß zum als


B

ſeinem Weſen , ( in ſo fern es etwas begehrt)


B +
auch noch ein von auffen als we .
( BB + b).
ſentlid , wenn es ſich etwas in einer Gewabro
236

nehmung ſoll vorſtellen können , hinzukommen ;


B2 + b2
denn eben darinn , mithin im
( B + 5 )
3
beſteht das Weſen oder die Möglichkeit eines Bes
gehrens ſowohl als Vorſiellens. Uber fo wenig
darum das A fn's animaliſche Bewußtſeyn tres

ten muß , ungeachtet es ja das Prias xar' itoxin


zur Möglichkeit eines Begehrens ſowohl als Bors
ſtellend iſt, eben ſo wenig folgt hieraus, daß fich
B + b
das Zhier auch des an einer Ger

wahrnehmung von auſſen gånzltch bewußt werbent


müßte. Je nachdem das Plus der Menge und
Mannigfaltigkeit des Stoffs beſchaffen iſt , welche
durch A in den Bewußtwerden eines Auſſeren
Gegenſtandes beim Thiere vertilgt wird , je nach
dem wird es auch mit dem Bewußtwerden deffen,
was jene Formel aufſagt , beim Thiere beſchafu
fen ſeyn måffen. Nun aber låßt es fich ja gar
wohl denken , daß bei der Gewahrnehmung eines
& uſferen Gegenſtandes von einem Thiere , nod
ein folches Plus des Stoffes an dieſem Gegens
ftande übrig bleiben könnte , wodurch nicht nur
der Eintritt des A als A , ſondern auch des
(- B) in fein Bewußtwerden unmöglich gemacht
B2 + b2
würde. Die formel
В b*), welche
B2B+

1
1
237

gleichwohl die Möglichkeit eines animaliſchen Bee


wußtſeyns begründet , könnte folglid im anima.
Hſchen Bewußtwerden des Thiers ſelbſt gar wohl

nur' mit ihrem eingelaſſen werden ; dies

bleſſe in Worten ſo viel , als das Zhier fann ,


all Ihler , allerdings bei einer Gewahrneh.
mung durch die Wirklichkeit ( als das Weſen ſele
ner Vorſtellungen ) , unter Borſtellungen
zur Möglichkeit ( als zum Weſen ſeines Begeh .
rens ) unter einem Begehren , und durd
die Möglichkeit unter einem Begehren hin,
wiederum zur Wirklichkeit unter Vorſtellun.
gen beſtimmt werden ; allein es kann die Mögo
lichkeit , als moglidtett , nicht ſelbſt in ſein
animaliſches Bewußtſeyn aufnehmen , kann nicht
mit Bewußtſeyn die Wirklichkeit durch die
Möglichkeit , und die Möglichkeit durch die Wirk.
lichkeit in fid) beſtimmt werden laſſen , d. t. eß
tann nicht denken. Die Gewahrnehmung ift
demnach auch für das Zhter bloffe conditio fine
qua non , ungeachtet ſie ihmi, ( wie dem , das
Zhier beobachtenden , Menſchen ) , als alle ſeine
Kraftaufferungen vollkommen beſtimmend voro
kommen muß , indem weder A noch (-B ) in 1
feln Bewußtſeyn zugelaſſen wird ; und daher das ,
+
barein aufgenommene in Ermanglung
B
238

feines Prius für's animaliſche Bewußt.


werden , ihm geradezu mit dem Stoffe fonkres .
zieren dies heißt eben , unter eitel Bildern mit
ihren Füllungen und Mannigfaltigkeiten , als lego
ten , ihm vorgeſpiegelten , Beſtimmungen ſeiner
animaliſchen Thätigkeit , ( nach Art der neuften
Deutſchen Unſchauungsphiloſophie und des ſatu .
rierten Kritiſchen Vernunft ſchluſſes) : fich
thm in ſeiner Phantaſie darſtellen muß. Beuro
theilen Menſchen die thieriſche Dekonomie , ro
bleiben auch ſie , wie geſagt , gewöhnlich bei dies
rem oder jenem uttributé des (+ b) , mithin des
individuellen lebendimpulſes , als vermeyu .
ter Urzſache ftehen, ohne auf ein Prius nat' etoxin ,
ja ohne nur auf ein B , tanquam id , quod eſt
fundamenti loco ponendum , 'oder auf das ( + b )
ſelbſt , als Wirklichkeit , beſtimmt durch die Mög.
Itchkeit , zurůkzugehen ; fie glauben daher auch ges
wöhnlich , durch Chemie , mithin durch finnenfal.
lige Verſuche , die ſie mit dem Stoffe anſtellen ,
auf den Grund der thteriſchen Dekonomie
tommen zu können , ungeachtet fie es damit bloß
etwa zur conditio fine qua non für alle andere
Bedingungen , zum Conſecutivum Eſſentize !
am Ende bringen könnten , nachdem die Drientalen
und Griechen mit dem Waſſer diesfalls angefans
gen haben . Aber ſonderbar iſt es doch , ( was
fidh mir anbiethet , obne von mir geſucht worden
239

zu reyn ) , daß im Weſen der Pflanze nur das


( + b ) ſchlechthin und in der erſten Potenz , mits
hin unſer drittes Eino als bloffer Multiplikator
der Ausdehnung unter A , ſchlechthin ſich zeigt ,
ohne daß unſer zweytes Eins (die Ausdehnung,
als Ausdehnung , die Veränderung ohne weiter
mögliche Veränderung ) vermittelft eines ( + b2 )
d. i. vermittelſt einer durch Sinnenwerkzeuge im
Weſen einer Borftellung für ſie zurükkommen .
den Auddehnung , ( vis , loco motiva animan
tium , virtualiter , fi quoad poffe data) ,
doon in der Potenz der Pflanzen vorkáme. Soll .
te mich dies nicht zu dem herzerhebenden Gedan.
ten berechtigen , daß die Empfindungen , die ein
Objekt , als Objekt ( im Leben überh a upt)
an und für ſich , ( virtualiter , f. quoad poffe)
haben muß , nebſt den Empfindungen , welche,
weil (B - B ) nothwendig ein (+ b) produciert ,
nothwendig damit zuſammenhangen , alſo die Emo
pfindungen des Vaters , der Mutter und
des Sind 8 auch der Pflanze nicht verſagt leyen ,
uneraditet ſie dieſelbe in keine Vorſtellungen tren ,
nen , ſie nicht für ſich ſelbſt , als Ind is
vid u um , genieſſen , aber dennoch genieſſen
könnte ? - Wie die Pflanze zwar Gefühl , aber
noch keine Vorſtellungen von auſſen hat , ſo hat
alſo das Thier zwar Gefühl und Vorſtellungen
von auſſen , aber noch keine Gedanken ; (ungeo
240

achtet ſein ganzes Daleyn nach Abſichten und


Zwefen , mithin nad Gedanken beſtimmt iſt ).
B +
Der Menſch beſchreibt das der
BB + 5) o
i PT nje in ſeinem Lebensgefühle als feben Bo
B2 +62
gefåhle ; er beſchreibt das
( BB + b )
des Lhters an ſeinen Gefühlen uud Vorſtellun .
gen , als Gefühlen und Vorſtellungen ;
B2 + b2
hat alſo unfehlbar auch das
( B b

zu ſeinem Weſen . Atein


& + b )
eft aud als Weſen des Zhiers befunden worden ;
wo fånde fidh mithin der Menſchheit eigentlicher
Charakter ? Dominiert das A nicht nur im Indio
viduellen Lebendimpulſe des Menſchen , als les
ben simpulfe , über den Wandel des Stoffe
befördert es ihn nicht nur da zu einer Verande.
rung ' ohne weiter mögliche Veränderung ; ſondern
nimmt eben dieſe Veränderung ohne weiter mog.
Iide Veränderung auch nod mit den , nach der
Koeriſtenz, Uffinttåt und dem Gegenfaze einges
gangenen ſowohl , als nach dieſem Typus han .
gen gebliebenen ( konkreßzterten ) Sinneneindrüfen
überhaupt bor : ſo wird daraus ein ſolches Minus
des Bewußtwerdens der Menge und Mannigfale
tigkeit
241

tigkeit ( Heterogeneitåt ) des Stoffs , beim Men.


iden a uch in Rütſidt auf ſeine Vorft e lo
lungen entſtehen , daß nun aud vollends unſer
erſte 8 Eins , mithin das höchſte und lezte Plus
( das A ſelbſt ) in'o animaliſche Bewußtſeyn wird
B3 + b3
eintreten können , 1 + 1 + 1 = 3 =
, 1 B +b )
(= B9
Wo es zuerſt eintreten wird , iſt leicht zu erad .
ten. Da nåmlib , wo es ohnehin ganz über den
Wandel des Stoffe dominieren mußte , um nur
ein Bewußtſenn , a 18 Bewußtſeyn û bero
haupt ein Poffe von Bewußtſeyn vermittelſt
des B ) hervorzubringen , folglich im lebende
gefühle , daß , als menſolides lebenso
gefühl durch den Eintritt des Azur Perſonalt .
tåt (- B3 + b3 ) erhoben wird , nicht aber zus
nådoſt in ſinnlichen Gewahrnehmungen , als Ger
wahrnehmungen . Der Menſch wird zuerſt
Perion ; empfindbar wird für ihn unmittelbar
an der Hand deſſen , der das Weltal trägt . Das,
wa & ift über ihm , und dur ihn und
in ihm , das öv xut'étoxrv , der Weſen
Wefen ; hörbar wird für ihn Gottes Stimme
im Gewiſſen durch den Uebergang des Ur.
Eins , des Erften , das iſt und war , in
ſein lebensgefů hl ; ( oine deßwegen je ſelbſt
menſchliches Lebensgefühl werden zu können. )
Vor ſeinem Bewußtſeyn geht aber auch ſo gar bef
2
272

finnliden Gewahrnehmungen die Formel


der Weſen nicht nur abgebrochen in
in einem
+ b2
wie beim Thiere , vorüber ; ſondern
be ).
fie ſteht darinn vollſtändig eingezeichnet da in einem
B2 + b 2
*B # b?), ferrf in rolben Fällen ,
wo er bei einer finnlichen Gewahrnehinung , wie
das Thier , durch die Wirklichkeit (alo das Wes
fen ſeiner Vorſtellungen ) unter Vorſtellung
gen , zur Möglidkeit (als zum Weſen ſeines Bes
gehrens ) unter einem Begehren , und ums
gekehrt beſtimmt wird ; folglich nad inftin to
ten urthellt und handelt. Die Utr:fache ( + b2 )
tommt ihn dann , wie oben vom Zhiere erinnert
wurde , citel Bilogrn mit ihren Füllungen
unter
und Mannigfaltigkeiten , jedoch unter ausdrútlite
vuriinſtehendem (-B2 ) im Verußtſenu vor. Es
tann námlich im men bliden Lebene gefühle felbft,
als menfolid , zwar die dritte Potenz nie fo
zur zweyten herabſinken , daß der Meuld , a18
Men rao , feine Perſonalttåt auf immer aus dem
1
Bewußtſeyn verlore. Allein es können fich denn
dod Umſtånde ereignen ,unter welcben tempos
rår die Menge und Mannigfaltigkeit des , durd
Giewahrnehmungen eingehenden oder im animali
fdben Bewußtſeyn ohnedtes regen Stoffes ro übers
wältigend wird , daß das Lebensgefühl i wie im
243

Traume geſchieht) zur zweyten Potenz herabfinkt.


Eine Roagulatfon von Bildern , welde vorliegt ,
and thn mit threm bloſſen Daleyn nad der Roerto
ſtenz , Affinitåt und dem Gegenſaze, als wirkli.
dem Objefte aft , hindert ist den Menſchen die
Möglichkeit , als Moglidrett , ohne den anle
maltſden Anhang fie bloß ſimulierender Conditio .
nen , in ſein Bewußtſeyn aufzunehmen ; er kann
nicht mehr mit Bewußtſenn die Wirklichkeit dard
die Möglichkeit , noch die Möglichkeit durch die 4
Wirklichkeit in fich beſtimmt werden laſſen , er
benkt nicht mehr in dieſem Augenblike , das A
5 fehlt ihm , fein Ergo ift kein Ergo mehr , taum
unterhält das , izt in eitel Bilder geſezte , (+62 ),
durde ein , ihm im menſchlichen Bewußtſenn im .
mer voranſtehendes , (-B2 ) d. t. durch ertråum .
te Möglichkeiten an jenen Bildern felbft und duro
fablende Entwürfe , noch einen ſchwachen Zuſama
menhang mit dem , aus dem Bewußtſeyn ausges
tretenen A ; der Menſch iſt nicht mehr Menido.
Das Objekt in ihm , und das Objekt auf
rer ihm durch das Objekt , als objekt, wie
es ſeiner menſchlichen Bewußtwerden voll und uno
berſtümmelt gegeben iſt , unter A , als dem Prius
Hati foxin , ( abgeſehen von allen , dies und jeo
nes pohon voraus fimulierenden , Conditionen , die
fido nachher erſt wieder daran anſchlieſſen müſſen ),
beſtimmt werden zu laſſen , und , well ( B - B )
D2

1
244

nothwendig ein (+ b) produciert , vermittelft deb,


durch ſeine Vorſtellungen ſowohl als Gefühle ,
( in ro fern er Meurd heiffen will) , zur
beſtimmenden Potenz erhobenen ( - B3 ) , auch
ein (+63 ), d. i. ein, jenem erſteren gemåffes, les
1 ben zu begründen , dies iſt ſeine groſſe Aufgabe,
um Meurd zu ſeyn. Unverzeyhlich iſt das
her die Unphiloſophie , welche und mit der erträums
ten Uuſtatthaftigkeit einer Phyſikotheologie den ,
dem Menſchen in jeder Pflanze entgegenkommens
den , Willen Gottes zur Tåuſdung machen
wollte , da gerade dies das allerrealſte , und für
die Schwache unſeres , der Animalitåt fogar durch
vermeynte Kultur immer mehr Preiß gegebenen ,
Charakters das weſentlidfte Bedürfniß iſt. Selbſt
die Fabellehre hat in dem Munde eines Philoſos
phen , dem das Prius nat' foxov ſchon vorher
offenbar ward , und der daber die Bilder als Mit
tel , nicht als Zwek anſieht , inehr Sinn , als eis :
ne ſolde Phtloſophie , welche unter dem Namen
eines Vertilgungekriegs gegen den Dogmatis ,
mu $ , mit Bildern , als waren ' ſte 3 wet
(oder Ding an fio) , folglich mit Windmüh
len tämpft. Wenn der ſterbende Sokrates , all
Sokrates , dieſe lezten Worte feines Lebens
zum Kriton ſagt : Freund , vergt nicht,
dem Gott der Generung einen Hahn
zu bringen ; denn wir ſind ihm einen
245

d ) uldig : To iſt er hlerinn mehr Weltweiler 0


1. M euro ; als der Deutſche , welcher in einem
groſſen difen Buche dem Denken felbſt , als et
nem Denken , die tånſchende Eigenſchaft der
Phantaſie zu unterſchieben wagt , ( ein Gedanke ,
1
der fid zerſtört ; denn der Mann mußte ja dodo
1
felbſt dies nichtsempiriſche Dogma , als Wahrhett
in reliem Kopfe ſich vorſtellen ) um durch ein
dialektira gemachtes Denken , als Denken,
1
Phantaſiebilder zu gernidten , an welden ſich
(als an bloſſen Mitteln) zur Erkenntniß des Mea
ſens der Weſen (als zum Zweke ) , emporzuarbeta
ten , der Menſdheit göttliche Beſtimmung iſt.
Nein , dies thut ſo gar auch die Skepſis udt,
1 und thut oder that fie es je : 10 verðtente ſie keine
Widerlegung ; denn ſie ger ſtórte ſich ſelbſt.
Fedoch , ohne den bisher zurüfgebliebenen Gang
der Spekulation im Verhåltniffe zu den tåglichen
Aufgaben unſeres Gewiffene , ( des Denkens , wie
o fidy's tur unferem Lebensgefühle offenbart ) , waren
die Sophiftikationen einer Kritif der reinen Ver.
uunft gar nidht möglich geweſen . Die Wirklich
telt als 20 irklichkeit durch die Möglid kett,
als Moglidkeit , unter einem A überhaupt
beſtimmt werden zu laſſen , mithin ein Weſen der
Welen , ' als Urweſen får alles , was ift , apoi
diktir o aufzufinden , ( omnibus , ex nibilo du
cendis , fufficit Unum Leibniz) , aledany aber
1
246

abwärts in's leben und in die Welt herein , die


Möglichkeit in ihrer Anwendung (als - B )
auch wieder reciprof von der Wirklichkeit , in der
nothwendigen ( vom abſoluten Willen Gottes als
des Urweſens zwar abíolut , aber auch unter Zwes
ten , folglich mit 28 et Bheit ablångigen ) Pro.
duktton eines ( + b) beſtimmt werden zu laffen ,
mithin , teine Manifeſtation deb A in un 8 ohne
ein ( + C) , ohne vorangegangene Gewahrnehmung
gen , teine Mantfeftation deſſelben für uns ohne
Koeriſtenz , Affinität, Gegenfaz im Stoffe, ( deo
nen die Wirklichkeit eben als ihr 20 eren jum
Grunde liegt) , anzunehmen , kurz , das Objekt
in uns und das Objekt a ufier uns , durch
das Dojekt, al & Dbjekt , wie es unſerem menſdb .
Itchen Bewußtwerden voll und unterſtümmelt geo
geben iſt , unter A alt dem Prins var goxin ,
( abgeſehen von allen , dies und jenes con voraus
fimulierenden , Conditionen , die ſich nachher erſt
wieder daran anſchlieffen müſſen ) , beſtimmt were
den zu laſſen , dies iſt eben ſowohl das miskannte
Ztel aller Spekulation , alt es oben , dem
Beſentlichen nad , zur Grundlage unſeres Ges
wiffens fic bergab. Dhne viele Schwierigkeiten
dürften ſich nun aber auch zur Grundlage aller
Spekulation folgende Såje hieraus ergeben. Uns
ter einem Prius nat' etoxiv iſt alles , was tft,
durch Möglichkeit und Wirklichkeit, mit Wetbheit

1
247

und Nothwendigkeit beſtimmt, wovon jene , ( die


Möglidikelt nämlid ) , auf das Weſen des Urwe.
ſens , diere, (die Wirklichkeit nåmlic) , auf das
Weſen des Stoffes zuråkwelſſet. Nichts fanu das
her wirklich ſeyn , was nicht möglid) iſt; ſonſt
wäre feine Wirklichkeit ein Widerſpruch , und nichts
kann möglich ( - B d. i, durch die Anwendung
"!
1 eines A auf daſſelbe , nach Abſichten , weiſe und
nothwendig beſtimmt ) reyu , was nicht wirklich
ift ; ſonſt wåre reine Möglichkeit ein Widerſpruch .
Dieſe Möglichkeit und Wirklichkeit aber auch

1 noch auf das Prius xat ' cxiv, auf das Urs
weſen ſelbſt , anwenden , und daſſelbe dadurch ber
ſtimmen zu wollen , da ſie doch durd daſſelbe erſt
gelezt wird , wäre ebenfalls ein Widerſprud , und
hteſſe fo viel als den Schöpfer zum Geſchöpfe
maden . Dem Unnenubaren , Unwandelbaren ,
Atlweiſen , uumådligen kommt nur ein Sena

xatu'oxýv, ein Ğv xxtº é cxriv , aber nicht


mehr der Charakter des Ridimaiſes ju , wornado
es deu Gang des Weltalls leitet , und woran
es dieffeito das Weltall ſelbſt , jenſeits ſein eiges
nes Seyn in einem menídliden Bewußtwers
den band. Ungeachtet nun dieſe Möglichkeit und
Wirklichkeit unſer eigenes Weſen , wie das Wes
ren alles deffen , was ift ( d. I. was durch ienes 1
Beyn ein Daleyn hat) , ausmacht: fo tritt fie
doch erſt nad und nach in unſer individuel,
248

les Bewußtſeyn unter den conditionibus der af


finitåt, Koeriſtenj , Attraktion und Repulfion'im
Stoffe , al8 Stoffe , von auſſen , und unter den
korreſpondierenden conditionibus der Uehnlidkeit ,
Koeriſtenz und des Gegenſajes im Stoffe , al 8
Stoffe , von innen , ( uffociation ) , welde als
von innen ( als das Anerſtorbene unſeres Ileben
Ichs , als Unſer ) betrachtet , unſer animaliſches
Bewußtſeyn individuel komponieren oder
konfigurieren ; nicht aber ſeine Möglichkeit , oder
feln Weſen ſelbſt, ( auch nicbt etumal als ind to
viduel moglich ) begründen. Indem nåma
Itd durch die Affinitåt von auſſen und die Lehna
Itchkeit von innen , burdh die Koeriſtenz von aujo
fen und Innen , durch Attraktion nebſt der Reput.
fion von auſſen und den Gegenſaz von innen , als
durch den Stoff , getrennt von ſeinem Weſen (als
Nidt.grund , Nidt . ur , fache , am allerwentgfter.
als Prius nat' egoxhv , ſondern als bloffe con .
ditio fine qua non für un 8 M en centina
der) betrachtet , mithin durch Gewahrnehmungen
von auffen und korreſpondierendes individuelles Ber
wußtwerden von innen , das Denken in uns ang
geregt wird , Gewahrnehmungen , als Gewahru
nehmungen , aber , ein individuelles Bewußt.
werden , als individuel , fic dylechterding8
In kein Denken verwandlen laſſen : ſo zernichtet
das Denken in uns alles am Stoffe oder an den

1
249

Gewahrnehmungen , als Gewahrnehm u no


gen , am individuellen Bewußtwerden , al 8 tna
dividuel , was Stoff , mithin Nicht grund ,

Nicht-ur: ſache , Nicht prius xat? etoxrv , mithin


bloſſe Affinitåt von auſſen und Uehulichkeit von
innen , Koeriſienz von auffen und innen , Attrats
tlon nebſt der Kepulſion von auſſen und Gegenſaz
von innen iſt , und bringt es daran zum Obiek,
te , zur Möglichkeit und Wirklichkeit , zur Form
des Denkens und für Form des Stoffs ( B - B ),
aber auch zum Objekte als einem Dieres , zur
Wirklichkeit beſtimmt durch die Möglichkeit ( + b ) ;
mithin bringt es das Denken in einem individuels
len Menſdenbewußtſeyn zum Prius nar? Égoxriv, .
zum Giunde und zur Ursſache. Allein dieſe dren
Stüte hangen von Gewahrnehmungen auf der et
nen , von einem individuellen Bewußtwerden , al8
individuel , auf der anderen Seite ab. Sie
find das , was ſich nicht in eine Gewahrnehmung
a16 Gewahrnehmung , verwandlen , aber
eben deßwegen dadurch erregen låßt ; ſie ſind das,
was fic nid )t in ein individuelles Bewußtwerden ,
als individuel , verwandlen , aber eben deß .
wegen dadurch erregen läßt. Die Erregbarkeit der
Ur , ſade ( o . i. der Wirklichkeit beſtimmt durd
die Mögliclelt) in unſerem individuellen Beo
wußtſeyn hångt ab von der Affinitåt in Rüfficht
auf den Stoff von aufſen , von der korreſpondierena

1
250

den Aehnlichkeit in Rükſidit auf den Stoff von


tanen ( uffociation durch denliditeit
genannt ) ; elnes wie das andere eft Medius für
die Erregbarkeit der Ur - ſache in unſerem indivio
duellen Bewußtwerden , wobel bom finnlidsen Acs
cibentien zu finnliden Attributen fortgeſchritten
wird , um rationes fufficientes ? in der Ost.
terlehre , wie ſie der Pobel derſtand ; to unfeo
ten Phyſiken fråfte ( ohne - B ) , und in der
Ferille Vernunftſdzlüſſe zu bekommen. Die
Erregbarkeit des Grundes ( ejus, quod eft Fun
damenti loco ponendum , der Wirklichkeit , oder
Uusdehnung , als Ausdehnung ) in unſerem
individuellen Bewußtwerden hångt ab von
der Roeriſtenz im Stoffe aufſerlich ſowohl als in.
nerlicb Cald von ihrem Medius) , ohnedaß dehns
Ildkelt in gewiſſen Mannigfaltigkeiten dazwiſchen
tråte , und die Koeriſtenz im Bewußtſeyn trennte .
Daher B als B , an der Koeriſtenz ohue dazwis
dentretende Mannigfaltigkeit im Bewußtſeyn ani.
geregt , vom Denken durd ein nothwendiges Se,
zen des Dentens in daſſelbe als B , ( Raum , Zeit,
Mathematik) , bom Lebendimpulſe aber durch das
Gefühl des Erhabenen d. i. durd) eine augen,
blikliche Erweiterung des + b (der Ursſache an und)
in das Fundament ihrer Wirklichkeit = B vermit.
telft des Denkens in uns = A , beantwortet wird .
Man vergeſſe nicht zu bemerken , daß dhon ein
251

Minus De ! Berpußtwerdeng der Uebolid leit


in Mannigfaltigteiten eintreten muß , um
dem Plus der Koexiſtenz als Koexiſtenz, Plaz
by >
zu machen. Die Erregbarkeit des Prius H&T étoxin
(derjenigen Nöglichkeit , die keiner Möglichkeit
mehr zur Beſtimmung ihres Seyn's bedarf , mits
#
hin der abſoluten Nothwendigkeit iin Seyu xem!
r&cxnv) , in unſerem individuellen Bewußts
werden bångt ab von der Attraktion nebſt Repule
fion in Rütfidt auf den Stoff von auſſen , dem
BF
korreſpondierenden Gegenſaze in Kufſicht auf den
M
Stoff von innen , ( Affociation durd Ger

tin genraz genannt) ; etnes wie das andere iſt Me


dius ( Bedingung ) der Erregbarkeit des Prius
natégoriv in unſerem individuellen Bewußtwer .
den . Hier muß alſo ein Minus des Bewußtwer.
deng der Uehulichkeit in Mannigfaltigkeiten , ein
Minus des Bewußtwerdens der Affinttåt im Stof
fer als Stoffe å ufrer ung , eintreten , um
dem Plus der Roertſtenz , als einer Roer to
ft enz im Phänomen der Attraktion , Plaz zu mas
den. Ullein das Plus der Koeriſtens zeigt hier
In ſeinem Gefolge felbft wieder ein Minos derſele
ben in der Repulfion ( oder im Gegenſaze , als
einem Gegenſaze mit dem vorher Geo
rezten ). Jede Annäherung zum Einen iſt Ento
fernung vom Anderen in der Welt ; jebe Bewea
252

gung iſt eine , in die Sinne fallende , Veränder


rung , die uns eine Annäherung zum Einen und
Entfernung vom Anderen in der Welt mithin dle
Attraktion und Repulfion als Phånomen , oder,
welches eines iſt , die abwechslende Veränderung
in der Koeriſtenz ſinnlich darſtellt , folglid ein
Plus und zugleich ein Minus in unſer Bewußfeyn
mitbringt. Allein jedem Minus muß wieder ein
Plus korreſpondieren. Eine Poſition der Koeris
firiz , und tą dieſer Poſition einer Koeriſtenz hins
wiederum eine Nicht poſition der Koeriſteng kann
schlechterdings nicht ohne ein Drittes , die Poſition
ſowohl als Nicht poſition Begründendes , ftatt fins
den ; denn wie ſollte eine Poſition zugleid aud
ihre Nidtpoſition begrenden fönnen ? Es muß
alſo hier entweder eine contingentia (Epikur ta
roes Ungefähr , Santirde freiheit , N heitig
holdtide Widtuhr , fidtirde , alles Ses
zende , Sjandlung , als sandlung . For

tuna volubilis errat ! ) – d. I. ein Weltſyſtem ,


das mit einem Minus , folglich ohne Kopf beo
ginnt , oder es muß ein Prius nat' foxeriv ,
ein Primus motor , ein unwandelbarer Urgrund
aller Bewegung , angenommen werden . Man hat
weiter keine Wahl ; entweder ein Nichtsdenken in
einer contingentia , oder ein Denken in einer ab.
ſoluten Nothwendigkeit , ( der die Weißheit zur Selo
te fteht ), wodurch auch dieſe anſdeinende Zufal .
--- 253

ligkeit beſtimmt feyn muß . Bel ro berpandten


Umſtånden , da die Ursache, der Grund, das Prius
xar' && cxriy erft unter den genannten Conditionen
in unſerem Bewußtſeyn erregbar wird , iſt es leicht
geldbehen , daß wir die Conditionen felbft , mithin
die Affinität ( Aehnlichkeit ) , Koeriſteng , Attrats
tfon nebſt der Repulſion für die Urſache , den
Grund , das .Prius wat' Oxrv anſehen , ( baß
und mithin , was Sade ded A iſt , mit C kons

1 trejlert) , anſtatt die Ur - fache , den Grund , daß


Prius xar' deoxyv voraubfezen zu müſſen, um das
burch eine Affinitát , Roeriſtens , Attraktion nebſt
der Repulfion erſt möglich zu maden , und ſich
dieſe lezten drey Stüke mit der Möglichkeit ihs
Bb
reb Dareyns an die Formel der Weſen
BB + b)
el anſchlieſſen zu laſſen. Der Phyfifer z. B. wird
glauben können , er habe die Urſache eines Ger
witters in der Elektrizitåt , die ihm eine
Maſchine darſtellt , herausgebracht, indem dieſe
Elektrizitåt felbſt nichts anders iſt , als ſinnliche
1
Ueuſſerung deffen , was aus der , durch die Mög
lichkeit beſtimmten Wirklichkeit , bet vorausgeſezter
Affinitåt des Stoffes nothwendig folgt, mithin ein
1 (+ b) , gegeben unter gewiffen conditionibus des
Stoffs , an welchem der Mythologe reine vermors
rene Einſicht in die nothwendige Beſtimmung der
254

Wirklichkeit durch die glidyPett ( unter


dem Bilde 'eines lupiter tonans ) , der Phyſiker
hingegen reine deutliche Einſicht in dieſe conditio
nes ſelbſt , unter denen ſich eine nothwendige Bez
ſtimmung der Wirklidkeit durch die Möglichkeit
auf eine beſtimmte Art finnlich mantfefttert , zu
erkennen glebt ; denn der Phyſiker felbft wird nicht
låugnen , daß er keine Urſache fehen tonne ; wohl
aber unter gewiffen Conditionen den Begriff einer
Urſache , die als Urſa de immer dteſelbe leyn
wird , in fid fønne erregt werden laſſen . Wenn
ich von der Urſache , als einem Begriffe rede,
fo verſtehe id , wie leicht zu erachten , das Wort
Begriff nicht ſo , wie es bisher insgemein er,
Flårt wurde ; ſondern nehme es für die Mögli da
teit einer Roniplerion finnlicher Gewahrnehniuns
gen , kurz für + b ; ich mag keine neue Wörter
maden ; das einzige neue Wort , welches ich ges
madt zu haben mich erinnere , ift bas obige eines
brillanten ürtheilers : wem dles nicht gefällt,
der reze dafür : brillanter Ralſonneur ; alss
dann iſt es ganz Franzöſiſch ). Der Mathema.
tiker wird glauben können , er habe den Grund
der Gleichheit des einen Winfeld , ( lo ſpricht
er) , an der Baſis eines gleidſdenklichten A mit
dem anderen , fu der Koexiſtenz der finien dieſes
A gefunden , ungeachtet dieſe Roeriſtenz unter ele
ner Uffinitåt nur die Bedingung iſt , unter wela
5
255

der er die nothwendige Form des allgemeinen


auch in der Form des Beſonderen al8 noths
wendig erkennt. Die , in unſerer Gewahrneh,
mung oft wiederholte Koeriſten der Sonne mit
5
dem Tage macht , daß wir ſie als conditia fine
qua non für das Lagwerden erkennen , und daß
fie daher den Begriff der Ur-fache bei uns anregt,
ungeachtet ſie, alb etwas Sinu enfälliges,
nichts weniger als eine Ur fache feyn taun , and
aus jener Vorausſezung einer , oft wiederholten
Koeriſtenz in unſerem Bewußtwerden als Begrün.
dung einer Urifache folgen würde, daß ein Somet,
mit deſſen Erſcheinung jedesmal groſſe Weltbege.
benheiten koeriſtieren , auch die Ur-fade davon ents
halten inåſe; ſo wenig die Buchſtaben Ur jade
deſſen find , was wir leſen oder ſchreiben , ſo wes
nig iſt die Sonne , als etwas Sinnen få l.
liges , Urſache des Tage . - So gar wenn man
eine Kritik der reinen Vernunft geſchrteben hat ,
wird man glauben können , die Attraftion nebit
der Nepulfion ſene daš Prius nat' ćçox sua felbft';
dodh nein , - der Gegenſaz , das Ento
weder oder des disjunctiven Schluſſes leite

auf ein Prius nat' boxriv , aber dies. Prius


nat' étoxenio rey dialektiſt , bis man ihm prak.
tlſch zu Hülfe eile. Dieſen Gegenſaz , dfeb
Entweder - oder múffen wir hier noch ſo
256

lange feſthalten , bis wir daran auch vollends zum


Endpunkte des Accidentellen gelangen ; denn
der Dinge Weren haben wir. Was in unſerer
Erkenntniß das fezte iſt , die reine Erkenntniß eis
nes Prins xat? Excns , das iſt im Weſen der
Dinge ſelbſt das Erſte , iſt der Weſen Weſen , iſt
A al8 An A durd A. In thm iſt die Mogo
lichkeit ( B ) von allem , was durch jenes Seyn
ein Daſeyn bekommt , gegeben . Es iſt unwandel.
bar , und über alles Entweder - oder , wie
über alle hypotheſis , hinaus. Aber es hat
einen Stoff vor fich , oder Tafft ſid; einen Stoff;
dies iſt der Philoſophie gleichgültig ; denn das
Scaffen eines Stoffs fållt , als Sdafo
fen eines Stoffs , in eine Region , wo ſie durch.
aus nichts mehr durd rid ausmachen kann ,
was Handlung , nicht seyn tft. Sie weiß
aur , und weiß apodiltiſch , daß, mit dem A ,
al 8 A , in A , durd A , auch nod ein Stoff
= C , mithin trgend eine Roeriſteng , ſie komme
ber , wo ſie wolle , als unumgångliche hypothes
fts (Unterlage , Vorausſejung) für die Wirt,
lidkeit angenommen werden muß ., ungeachtet
es erſt durch die Auwendung des A auf dieſe
Koeriſtenz mit ihr zur Wirklichkeit ſelbſt gedeyht ;
denn ſo wenig das (B - B ) ſchon auf A als A
angewandt werden kann , eben ſo wenig kann ,
wie leidyt ju eraďten , dies ( B - B) idon auf C
als
1
257

als C angewandt werden ; ( die Nude tft tein


Widerſpruch , aber ſie bedeutet auch nichts ohne
voranſtehendes Eins ). Attraktion nebſt der Res
pulſion , abwechslende Veränderung in der Koerlo

1 ftenz , Bewegung , war's , was uns zulezt noch


auf A als nothwendigen Primus Motor führte.
1
Attraktion nebſt der Repulſion , abwechslende Vera
ånderung in der Roeriſienz , Bewegung , wird
alſo auch wiederum das Erfte ſeyn müſſen , was
durd die Anwendung des A auf C im C vorgeht,
und wodurch dies C zu einer Veränderung ohne
wetter mögliche Veränderung , zur Ausdehnung,
3
als Ausdehnung , zur Wirklichkeit nach Boru
angegangener. Möglichkeit , zum Beginnen eines
Syſtems von Dingen nach Abſichten , zum ( B
B ) befördert wird. Ein Syſtem von Dingen
1
nach ubrichten aber kann es nicht ſeyn , wenn
nicht alles , was durch ( - B ) in feiner Verbin
dung mit B möglich iſt , eben dadurch auch wirk.
lidy , mithin ( - B + b) wird. Affinitåten werı
den ſich alſo zu dem Ende für den Organismus
ein finden müſſen , und können fich einfinden
f vermoge der vorangegangenen Attraktion und Re.
pulfion , vermoge der vorangegangenen abwechs
lenden Verånderung in der Koeriſtenz ; ungeach
tet ſie ſo wenig wie die Attraktion und Repulfion

1 får itd) , das mindeſte am Organismus , a 13


Organi6 mus , begründen können. Um
R
258

daher den Mechanismus , wie er ift ift , begreifs


lich zu finden , muß man durchaus den Drganise
mus als ſeinen Grund vorauslegen . Um aber
den Drganismus in die Phänomene , worinn er
fidh izt duſſert , all Phånomene , aufnehmen
zu können , muß man , auffer dem A , fchon ur ,
ſprünglich auch noch ein C , zum Behufe der Fors
B7
m៣ BB + b) unumgånglid reo

zen ; es rey nun dieſe nöthige Roeriſtenz ebenfalls


durch das A entſtanden , wofür ein beglaubigtes
Faktum ſpricht , oder nicht entſtanden , welches
die Philoſophie , al 8 Philosophie , muß das
hin geſtellt ſeyn laffen . Alles , was ist ein Das

reyn hat , hat ſein Daſeyn durch


B
unter einem (A + C) , ſo viel iſt unwiderſprech .
lidh ; unwiderſprechlich iſt es folglich auch , daß
alles , was uns izt auch als bloffer Med as
n 18mus , in die Sinne fåüt, jene Formel vors
ausſezt. Mit anderen Worten : die nothwendige

Hypotheſis für die Möglichkeit des


-BB + b).
nåmlich die Roeriſtenz des A mit C in ( A + C )
iſt zugleich die nothwendige Hypotheſis alles Da.
reynd , wie es uns nun überall in die Sinne fådt ;
es muß ein Stoff angenommen werden , der
259

durch ſein Dafeyn zuerſt aufs Seyn der zw e yo


all
- 'B + b
er ten Ordnung d. t. auf unter
d . ( BB + b)
1
einem A , als dem öv xati Foxriv leitet ; nun
aber auch durch's Senn der zweyten Ordo

nung , unter einem


v. t. durcs ( B + )
A fo vollkommen beſtimmt iſt , daß allt ſein Wano
del in allen Theilen des unermeßlichen Reichs
Gottes , geordnet und regiert von Gott , unter eto
B +
nem als feinem Weſen ,
( -B B + b).
B

ablauffen muß. Unter B +


einem
BB + 5)
als ſeinem Weſen , muß er ablaufen ; aber
ſein Beſen könnte es ja nicht mehr ſeyn , wenn
er durch die Zernichtung ſeiner vermittelft des
?
A biß auf ſeine form , auch ſein Dafeyrt , fete
ne , nun geregelte , Roexiſtenz mit A verloren
hätte. Es giebt alſo abermal in dieſer Welt
Gottes feine abſolute Zernichtung ; ( Kant's
aprioriſcher ſynthetiſcher ? Saz , daß in als
len Veränderungen der körperlichen Welt die
Quantitat der Materie unveråndert bleike ),
als wo eine copula zernichtet wurde , und dies
li kann ohnehin nicht feyn.Selbſt die relative Zero
nichtung des Stoffs unter A iſt Wiedergeburth
RE
200

defjelben unter einer Regel ( BB + b) , iſt


wechslende Verſezung ſeines Daſeyno mit einem
Seyn , iſt alles , was er nur immer gewinnen
kann. Bleibt der Stoff , und er bleibt : ſo bleibt
ein Wandel ; aber der Stoff bleibt tzt unter
einer Regel , mithin bleibt ein Wandel unter
einer Regel. Bleibt ein Wandel unter einer Res
gel : ſo wird die Regel , als Regel , den Mans
del , aber aud) der Wandel , a 18 unter einer
Regel , die Regel in ihrer Anwendung
beſtimmen måffen.
Wenn der Wandel , als u no
ter einer Regel, die Regel , welche er nicht
gab ſondern empfieng , in threr Anwendung
beſtimmt : ſo kann dies wieder fo viel heiſſen , als
er beſtimmt ſie zu ihrer Anwendung , und dann
wird der Wandel unter einer Regel durch Ges
wahrnehmungen ( als Impulſe ) die Regel

ſelbſt , als Regel , mithia als


6 BB + 5)
in einem Bewußtſeyn , wie das menſchliche z. B.
ift , anregen , dies heißt eben , hinwiederum in
einem Wandel unter einer Regel , nach den
Mannigfaltigkeiten der Koeriſtenz , Aehnlichkeit
und des Gegenſazes des Stoffeß , weken ; ober
es kann ſo viel heiſſen , als der Wandel unter ei.
ner Regel beſtimmt die Regel ganz eigentlich in
ihrer Anwendung , do I dieſe Regel , die ſich
261

nicht alterieren låßt , wird auch das Daſeyn des


Wandels , mithin das Daleyn des Stof
7
fes ſelbſt , wie er nun jedesmal in ſeinen Man.
nigfaltigkeiten , nach Maßgabe der Koeriſtenz ,
der Attraktion nebſt Repulſion , und der Affinitåt,
!
beſchaffen ift, an fic manifeftteren måfo
le
ren , ( ungeachtet wir es umkehren , und ſagen , ,
RO
die Regel manifefttere fich am Stoffe , da fich
doch vielmehr das Daſeyn des Stoffs an jener
Regel und nach derſelbigen manifeftiert. ) Bes
ſtimmt der Wandel unter einer Regel die Regel
ganz eigentlich in threr Anwendung : ſo entſteht
id
B + b
els Beſtimmt
B
der Wandel unter einer Regii die , bereits in
ihrer Anwendung manifeſtierte Regel auch noch
zu ihrer Anwendung : ſo entſteht ein organiſches
Weſen mit einem Vorſtellung 8 vermogen
b2
B:B + b^). Beſtimmt endlich die , in the

rer Anwendung durch den Wandel bereits ben


ſtimmte , und auch noch zu ihrer Anwendung in
einem Vorſtellungsvermogen gebiehene, Kegel den
fo
Wandel ſelbſt , wie er unter einer Regel ablauft :
ſo entſteht ein denkendes organiſches Weſen
-
B3 + b3
wadende Monas. Dieſe
( B
262

Monaß wird waden , in fo ferne fie den Bans


del ſelbſt , wie er unter einer Regel ablauft ,
durch die Regel beſtimmt. Dieſe Monas
wird fchlummern , in ſo ferne der Wandel uno
ter einer Regel die Regel ganz eigentlich in the
rer Anwendung bei ihr beſtimmt ( Gefühl in eis
ner individualitåt ). Dieſe Monas wird
tr å u men , in fo ferne der Wandel unter einer
Regel die , bereits in ihrer Anwendung manifes
ſtierte Regel , auch noch zu ihrer Anwendung bet
thr beſtimmt ( Vorſtellungsvermogen in einer in
dividualitat ). Das Minus in der Mitte ,
der Schlummer , das blorre Gefühl ,
macht ein Plus von der einen und von der andes
1
ren Seite möglich . Wird am Stoffe ( vermoge
des Wechſels unter einer Regel , wie dieſer
Wedſel in einem gewillen individu
um ftatt hat ) mithin an den Individuele
len Gewahrnehmungen eines gewiſſen Kopfes
alles vertilgt , was Stoff daran tft ; fo tann
B3 + b3
nicht nur das als. Regel ,
+53)
B
ſondern auc A felbſt mit ſeinem höchſten und
lezten Plas in ſein Bewußtſenn eintreten ; er ers
kennt das Prius nat' eoxriv , nebſt der Regel
dte es für das Weltall duf . er w a dt , und iſt
1
Menido ( effective ). Wird aber am Stoffe
(vermoge des Wechſels unter einer Regel , wie
263

dieſer Wechſel in einem gewiſlen i no


dividuum ftatt hat) , mithin an den indto
viduellen Gewahrnehmungen eines gewiſſen
Kopfø nicht alles vertilgt, was Stoff daran iſt
1 (um alsdann erſt dieſen Stoff ſich wieder an das
B3 + b3
unter einem erkannten A , ano
B

ſchlieſſen zu laſſen ) : ſo träumt er , wenn er


ſpekuliert, ſucht unter einem , bei ihm , (alb
Menſchen ) , überall voranſtehenden (-B2 ),
7 Urſache , Grund und Prius xut'étoxen in den
Conditionen der Aehnlichkeit , Koeriſtenz und des
1. Gegenſages , verwikelt ſid, alſo , um des voran.
y ſtehenden ( - B2 ) willen , in eitel Widerſprüche,
wie , wenn er handelt , in eitel Bergehungen ,
da im Gegentheile das Thier , in Ermanglung
eines , fein Bewußtſeyn begleitenden (- B2 ) ,
durch Aehnlichkeit , Koertſtenz und Gegenſa; gang
ficher zu ſeinem Ziele geleitet wird. Was auch
ſchon die bloß hiſtoriſche Erkenntniß eines

. Gottes und ſeines Willens , ohne durch ſein els


genes Denken auf ihn geleitet worden zu ſeyn ,
was alsdann die Aufnahme dieſer hiſtoriſchen
Erkenntniß in fein individuelles Gefühl , als
Zriebfeder ſeiner Handlungen , zur moraliſchen
Emanzipation des Menſchen aus dem Stande elo
nes unglåtſeeligen Mitteldings beitragen müſſe .
und wie verderblich daher der diefe Gang einer
264

Spekulation , die das Gute al & Gottes


Willen verlå ugnete , zulezt werden könnte,
erhelt von ſelbſt. Moralide Emanzipation
des Menſchen aus dem Stande eines unglütfeer
ligen Mitteldings zwiſchen Menſch und Zhier,
na dy und durch Gottes Willen , folglich doch
wohl auch hauptſädlich durch Religion , ift
freiheit , und über die philoſophiſchen Mit
tel zu einer hohen Stuffe dieſer moraliſchen Freio
heit zu gelangen , (vom arbitrium fervum fich
Ιο8 3u maden , ενθένδε εκείσε ψεύγειν ότι

τάχιςα ψυγή δε ομοίωσις Θεώ κατά το


duvatóv. Plato ) kenne ich keine vortreflichere
Schrift, als Ehlers Lehre von der menícho
lichen Freiheit , nebſt den Werken der Stolo
ter. Zum B oder zur Uuedehnung , als
A u 3 d e ty nung , gelangt die wachende Monas
(in ihrer Vorſtellung ) unter der Bedingung der
Roeriften ; zum ( B ) unter der Bedingung
des Gegenſazes : zum ( + b) unter der Bedingung
der Aehnlichkeit ; ſo wie thr Leben ſelbſt in ſeis
ner individualitåt unter der Bedingung
der Koeriſtenz zum B oder zur Uusdehnung ; a 18
Ausdehnung : unter der Bedingung der Ato
traktion und Repulfion zum (- B) ; und unter
der Bedingung der Affinitåt zum (+ b) , mithin
unter lauter Bedingungen von Seiten deo ,
) 265

bereits unter einer Regel ftehenden ,


1 Stoffe zur Individualität , als individually
1 tåt , gelangte. Dieſe Bedingungen nun müffen
1 zwar von innen , als febensbedingungen , folglich
1 als Koeriſtenz gewiffer Theile , als Attraktion
und Repulſion , als Affinitåt , felbſt im Bewußt.
fern des Thiers vertilgt werden ; ſonſt entſteht
Pein Bewußtſeyn. Aber da der Stoff fein Dar
by feyn doch behauptet : ſo zeigen ſie ſich dafür als
Bedingungen des Vorſtellens , oder , wie
man's nennt , als Geſeze der Imagination (der
Hineinbildung in die Welt) , , und zwar ſo , daß
die Koeriſtenz unter B ein Vorſtellungs i ' rowohl
it
als Erinnerungsgeſez gleiches. Namens , die
Attraktion und Repulfion ( unter — B) ein Vors
1
ſtellungoi fowohl als Erinnerungsgeſez unter dem
Namen des Gegenſazes , die Affinitåt (unter
+ b) ein Vorſtellungs , ſowohl als Erinnerungs.
1
geſez unter dem Namen der A e holidkeit ,
wird . Alles , was von auffen an daſſelbe fommt,
wird folglid) ſchon dem Thiere nicht anders als
unter dieſen Bedingungen beigebracht ; das Mi
nus eines Bewußtwerdens des Stoffs , als
Stoff , woraus es ( individualiter ) beſteht ,
macht erſt dem Plus eines Gewahrwerbens von
auffen Plaz. Gerade ſo verhålt es fich auch bet
uns , nur daß unſere Gewahrnehmungen alsdann
reziprol das Vorgeftellte , ' nicht nur als etwas
266

Vorgeſtelltes , ſondern auch wieder als etwas Ger


dadytes , in unſer Bewußtſeyn
zurütbringen .
Kommt es , als etwas Gedachtes , zuråk : fo
kommit es , es fer auch was es ſey , als (B
B + b) , mithin als ein Wandel unter einer Reo
gel , zurüf , und offenbahrt uns in dieſem (B -
B + b) die Regel oder nothwendige Beſtimmung
jedes Atomen , ſich unter den erforderlichen Beo
dingungen der Koeriſtenz, der Attraktion und Res
pulſion , der Affinitåt , ſo bald ſie der Wandel
unter einer Regel herbeiführen wird , zum Orgas
nismus berzugeben . Was , nach obigen Reſul
taten , ( B - B + b) bei uns , als in ein Bild ,
noch in keinen eigentlichen Begriff geſezt ,
ausweiffet , eben das weiſſet ( B - B + b ) noch
in einen solchen Atomen gelezt aus , welchen
der Wandel unter einer Regel noch nicht unter
diejenige Bedingungen der Koeriſtenz u. l. w.
gebracht hat , unter welchen es nicht nur virtua
B + b
liter , ſondern auch effective zum
8B + )
bei ihm kommen muß. Gleichwie alſo das forts
daurende Dareyn des Stoffs auf der einen Seite
die unerläßliche Bedingung zur Anwendung der
Regel in einem individuellen Bewußtſeyn , !

felbſt im individuellen Bewußtſeyn des Men .


fchen , iſt : ro tſt das fortbaurende Daſeyn des
Stofft auf der anderer Seite aud wleder das

1
1
1
267

undermeibliche Hinderniß . daß die , virtualiter


überall und in jedem Aromen vorhandene , Regel
doch effective nicht überall und in jedem Atomen
angewandt werden kann , ſondern im Wandel
unter einer Regel auf die Bedingungen der Roes
xiftenz u. f. w. warten muß , bis es an ihm
B +
effective zum tommen kann .
BB + 5)
Nur der Menſch hat aud fchon effective
Macht über das Weſen dieſes Atomen ( einer ges
bundenen Monas ) , indem er in einem U ro
B + b
theile das Weſen deſſelben
( BB + b)
ausdrült , thn nicht nur als Objekt , ſondern auch
als ein Dieſes beſtimmt , wie z. B. in dem
Urthetle , dtere 23 and ift weiß , weldes
nichts anderes iſt , als , ein Besondere 8 der
Mannigfaltigkeit des Stoffs ( weiß ) , ma..
nifeſtiert im Menſchen an der Regel des udges
B +
meinen , die der Weſen Formel
B+5)
В.
ausbrått. Manifefttert fid nun eben dieſe Res
gel , nach dem Wandel unter einer Regel , aud
an den Atomen ſelbſt , woraus dieſe Band beo
fteht, effective , führt der 2Bandel unter elo
ner Regel die , hierzu erforderlichen , Bebingana
gen der Roeriſtenz 4. Po w. herbei : ſo geſchieht
268

an dieſen Atomen , was virtualiter in ihnen .


(don als Aromen , lag und was mein Urtheil
( meine Regel für ſie ) aud als ihre Regel bes
reits effective auffagte , ſie werden en to
bunden ; ihr Schlummern beginnt in einer
Pflanze , ihr Tråumen in einem Chiere , thr Er.
wachen im Menſchen. Der , thnen unterliegende
Stoff giebt alsdann das Beſondere der Mans
nigfaltigkeit ( die Art , Unterart , Varteråt ,
Individualitåt, ja ſelbſt das Genus , wie es
bisher in denlogiken als ein Merkmal.
-- B + b
genus verſtanden wurde, her; ( 3 -5
hingegen liefert den Organismus, als Organ t 8
mu8 , das Genus , als Genus , oder al8 Md ggoe
lichkeit aller Generum , den Begriff, als
Möglichkeit aller Begriffe d. I. aller Rom .
plerionen flunlicher Merkmale). - Aber fcheint
es doc) , als hätten wir , úber anderen Diskuſſion
nen , unfer obiges Entweder oder ganz ver .
geſſen ! Es iſt nicht vergeſſen ; ſondern , durch
den Stuffengang der Analyſe , feine Erörterung
vorbereitet , oder vielmehr erſt möglich gemacht
worden . Der Stoff , oder die Disjunktion mit
ber Hypotheſis mußte vorerſt auch vollends
auf's Reine gebracht ſeyn , nachdem ſchon vorher
der Dibjunction ohne Hypotheſis , dem Den .
ten in ſeiner nothwendig , disjunctiven Anwens
269

dung auf die Form des Stoffes , Genüge gee


ſchehen war ; und ist erſt ſind wir auch
mit dem Accidentellen , dabei aber doch
nothwendig Beſtimmten , dem Ziele . nahe ; die
Cirkelbahn wird ſich ſchlieffen. Oben ſteht in
ſeinem Seyn nat' etoxýv , A ( als A in A
dur d A ). Als unumgängliche Hypotheſis ſets
ner Wirkſamkeit fteht unter ihm das Daſeyo
eines Stoffs. A , ( all A in A , durch A)
zernichtet den Stoff biß auf ſeine form fo , wie
fich in der Welt eines allweiſen Urhebers etwas
zernichten läßt. Auf dieſe Art entſteht ein Obs
jett. Die Möglichkeit wird in einem ( - B) ;
die Wirklichkeit wird in einem (B) : wo ( B - B )
geſezt iſt , da iſt auch eben hiemit (+ b) gelezt ;
die Form des udgemeinen muß dann auch Form
des Beſonderen werden : ein Syſtem von Dingen
entſteht. Möglichkeit , Wirklichkeit , Nothwendig,
keit find in dieſer Region , diefſeits des Objekts
und des Genus , als Genus , mithin zwar abe
wårts in der Reihe und in's Syſtem der Dinge
herein , aber doch noch abgeſehen vom Stoffe ,
als Stoffe , als gånzlid unzertren ne
bar gegeben . Was möglich iſt , muß auch wirk,
lich ; was wirklid) iſt , muß aud) möglich : was
wirklid und möglich , und möglich und wirklich
iſt , muß nothwendig ſeyn. Was fogiſch wahr
ut , muß auch Phyfiſa wahr ; was Porfird wahr
270

ift , auch fogiſch wahr reyn . B am Objekte tann


nicht ohne ( -B) , und ( - B ) am Objekte tann
nicht ohne B , und ( B -- B) nicht ohne (+ b )
fiatt finden . Uber B tft deßwegen dodo nicot
(- B) , und (- B) iſt deßwegen doch nicht B ;
und (+ b) ift weder B allein , noch ( B ) allein ,
fondern tit die unmittelbare nothwendige Folge
von beyden in ihrer Verbindung. Hier eine Did,
junktion ; aber eine Disjunktion ohne H no
pothefi ; fie heißt Möglichkeit, Wirko
lidkeit , (B- B) ; ſie iſt abſolut in Rüt.
ficht auf alles , was unter thr ſteht , abfolut in
Kürſicht auf das ganze Weltſyſtem : fie gråndet
9das Seyn der zweyten Ordnung ; relatio
eft fie nur in Rütſicht auf das Seyn der, ers
ften Ordnung , auf das öv sat i gogov ,
relatio ift fie nur in Ruffidt auf Gott.
Wenn ich in der Mathematik die Möglichkeit ein .
rebe : po ſehe ich auch die Wirklichkeit und Noth,
wendig teit ein ; und wenn id die Wirklichkeit und
Nothwendigkeit eines mathematiſmen Sazes eins
rehe : ſo ſehe ich auch ſeine Möglichkeit ein. Eben
fo in der Moral , wo die durch die Möglichkeit
beſtimmte Wirklichkeit, (nothwendige) Verbindo
lidket (obligatio ) genannt wird. Das Des
monſtrieren ſelbſt und überhaupt genommen , was
beißt es anders , als durch die Möglichkeit die
Wirklichkeit , und durch die Wirklichkeit die Moge
271

lichkeit , durch Möglichkeit und Wirkltchkeit aber


die Nothwendigkeit einer Wahrheit darthun ? Der
durch nichts im Weltſyft eme mehr bedingte,
Grund aller möglichen Entweder - oder iſt
hiemit erörtert. Er iſt nåmlich derjenige Geo

genſaz ( fvavtićens ) , welcher durch das Entgen


genſezen getrennt , und dennoch unaufloslid vers
bunden , zwey zuſammen genommen, zur routom .
menen Einheit befördert , und wovon das Eine
wie das Andere unter dem abſoluten , ununters
brochenen Einfluſſe des A , als des Weſens der
Weſen fteht , ohne daß gleichwohl das Eine je
dasjenige würde was das Andere ift , noch die.
fes würde , was jenes ift. Er iſt das , ohne wel .
dhes kein Subjekt mit ſeinem Prädikate in der
Logik , und ohne welches kein Weltſyſtem ,
als Syſtem , möglich måre. Alles , was durd's
Senn ein Daleyn erhalten ſoll , ſtürzt über dieſe
zweytheilige Katarakte in's Leben hin ; über ihr
thronet und leitet den Strohm , und offenbart fich
und ſein Weltſyſtem , all Syftem , dem Men. 1
roben - der Ewige Unnennbare. ulein
dieſer , durch nichts innerhalb des Weltſyſtems
mehr bedingte Grund aller möglichen Entweder
- oder kann ohne Widerſpruch ebenſo wenig
felbſt wieder ein Entweder - oder , wie
diere , reyn , ebenſo wenig , als das Prius
K&T étoxyv und der Stoff, jedes für ſich bes
- 272

trachtet, ohne Widerſpruch ſchon ein Dbjekt Peyn


konnten . Nein , er muß vielmehr als ein, durch
n !chts innerhalb des Weltſyſtems mehr bedingter,
Grund jeder möglichen Alternative , ſelbſt und
in ſeinem Weren keine ausſchlieſſende
Alternative mehr zulaſſen , wenn jede mögliche
ausſchlieſſende Alternative durch ihn voll,
kommen ſoll beſtimmt werden können. In ihm
muß vielmehr , wie geſagt , die Möglichkeit auch
dle Birklichkeit , die Möglichkeit und Wirklichkeit
aber auch dieNothwendigkeit ſchon einſchlieſſen ; kurz.
er muß Disjunktion ohne Hypotheſis (ohne
eine weitere conditio fine qua non innerhalb
des Weltſyſtems) feyn ; ſonſt hatten die Dibu
junktionen mit der Hypothefts innerhalb des
Weltſyſtems durchaus keinen feſten Halt an ihnt.
Wenn nåmlich im Wandel unter einer Regel,
mithin im Weltſyſteme, der Wandel nur a 18
Wandel die Regel im Bewußtwerden ( ich
fage bloß : im Bewußtwerden ) eines Subjekts
anregt: ro regt er fie , als Wandel , in der
Eigenſchaft einer bloßen unumgånglichen Hy P Os
theſto an , um zum Bewußtwerden der Regel
B + b
zu gelangen . Die Regel
Regel ( BB + b) erwacht
alſo innerlich im Bewußtwerden , da wo ſie
einem Subjekte , als ingrediens ſeines Be.
wußtwerdens gegeben iſt , nothwendig ; eb
kommt

1
273

kommt zum Gedanken der Möglichkeit ( - B )


und Wirklichkeit ( B ) , und der Wirklichkeit bei
ftimmt durch die Möglichkeit (- B + b). Aber
das , was die Regel auf dieſe Urt anregte ,
erſchien im
im Bewußtwerden nur als W a no
del , wenn's gleich Wandel unter einer Rea
gel iſt , und feyn muß. Erſchien es nur
als Wandel , ſo erſdien es nur als Stoff ;
und erſchien es nur als Stoff : To : erſchien
e$ 1 ) nur als eine Koeriſtenz ohne Regel ,
( ohne Ihren Grund ) , mithin als zufållige
Koeriſtenj; es traf fich ſagen wir , zufäl.
ligerweiſſe. Da nun aber die Regel innerlich im
Bewußtwerden doch da ift : ſo wird von uns die
Stoeriſtenz ſelbſt zur Regel , oder zum Grunde,
zur Wirklichkeit , zum B an dem , was nur als
Wandel in unſer Bewußtwerden kam , ( ehe man
uns eines beſſeren belehrt ) , gemacht werden mů fu
fen . Die Wirklid )feit wird in ein , izt eben vora
liegendes , Stůt unſerer Welteinbildung , in ein
Dareyn , in eine Kantiſche Kategorie dieſes
Namens gerezt , welche bet Rant noch das Son .
derbare an ſich nimmt , daß ſie ohne mit Raum
und Zeit (al 8 eine Rategorie) behaftet zu
feyn , doch ein Daſeyn ausweiffet. as bloß
die unerlåsliche Hypotheſis einer Wirklichkeit für
uns iſt , wird alſo felbſt zur Wirklichkeit von uns
gemadt. Aber das , wodurch die Regel inners
274 1

lich und in unſerem Berpuftwerben , nur als


durch einen Wandel von auſſen angeregt
wird , erſcheint in dieſem Bewußtwerden 2) als
5 Koeriſtenz unter einem Gegenſaze ; es håts
te , deucht uns , entweder fich ereignen können
ober nidt , håtte entweder izt oder ein andersmal ,
entweder früher oder ſpåter , entweder da oder
dort , entweder ro oder anders , entweder in eir
nem höheren oder niedreren Grað und Maße ges
fchehen können ; zumal da unſer Erinnerungsver .
mögen (die Koeriſtenz in uns ), eine Menge der
entgegengeſezten Fålle in unſerem Bewußtſeyn auf,
fährt. Die , bereits zur Wirklidhkeit , oder zum
Grunde , fálichlich von uns erhobene Koerte
ſtenz , welche doch bloß Hypotheſis ( conditio,
fine qua non ) einer Wirklichkeit für uns tft ,
wird mithin nun auch vollends mit der Ebre els

nes Prius rat' i'fox jn von ' ung ausgeſtattet.


Das Entweder , oder , womit ſie in unſerer Vors
ſtellung , als einer blofien Vorftellung,
belegt ward , ſteigt in dieſer Vorſtellung , aber
auch nur in ihr allein , nun vollends åber
fie empor , und geht , als Fortuna , alé Epit us
riſcher Zufall , der ſelbſt die Koeriſtens
( a 18 den vermeyntlichen Grund ) übers
all und abfolut , ( als ihr Prius xaq !

içox y'r) beherrſcht , als Möglickelt.obue


275
II
Wirklichkeit , als Möglichkeit , für ein bloffed
vermeyntliches Accidens gerezt , als logiſch
möglich ? aber Phyſiſch unmöglich , als Hippos
centaur und als Chimåre , als frantiide Kan
TO
tegorie einer , erft aus dem Schwankenden eines
hal
Urtheils abzuleitenden, Möglichkeit, als Rheins
ada
boldirche, dem Entweder oder ,, ſaps rime
et laps raiſon , gleichmäßig gewachſene , Widkůhr
u . l. w . , über dem Weltall auf. Was bloß die
unerläßliche Hypotheſis ( conditio , line qua non)

für uns iſt , um ein Prius xam xoxnin ,


ein Abſolutes , das auch ſo gar den Grund ( id ,
AIT
quod eft fundamenti loco ponendum ) noch ben
herrſcht , In uns anzuregen , das wird ſelbſt zum
Prius met ' n goxov von uns gemacht , der zu
fall , die Willkühr, ( als Imagination , die
erſt auf ein Denken andringt ) . Das
th
deinbar accidentelle in einem Wandel,
der doch gleichwohl unter einer Regel ſteht , und
14 unter einer Regel ſtehen muß , mithin nichts
!!
Accidentelles zulaſſen fann ; denn widrigen Falls
Ex
gåbo eß kein Weltſyſtem , als Syſtem , und der
Ausſprud der Sdrift: ohne Gottes , eures
Paters , Willen fållt kein Haar von
eurem Haupte ; enthält diesfalls' mehr reine
Bernunft , als die ganze Kritik der reinen ſowohl
! als praktiſchen Vernunft. Aber das , wodurch
dle tegel in unſerem Bewußtwerden nur als
>

270

durch einen Wandel von auſſen angeregt wird ,


erſcheint in dieſem Bewußtwerden 3 ) als Koert
ftenz unter einer Uehnlichkeit ( dufferlid
Affinit &t ). ' Dieſe Aehnlid) feit tft bloße conditio
fine qua non für uns“, um zur Gleichheit ( Idene
tttåt ) der Form des Stoffs zu gelangen , wie
dieſe Form unter A nach allem , was ihre drey
Raumdimenſionen zulleffen , in ſich ſelbſt multi.
pltciert , oder , mit anderen Worten , wie ſie als
1
Wirklichkeit durch die Möglichkeit unter A allers
wårto vollkommen beſtimmt ift. Kurz , dieſe
lehnlichkeit iſt bloße conditio fine qua non für
uns , um auf (+ b) , auf die Ursſache an jeder
Sache zu gelangen . Da nun aber nach voran .
gegang ener Koeriſt enz überhaupt , und vorana
gegangener Koeriſtenz unter einem Gegens
faze, ( Uttraktion und . Repulſion , Veränderung
der Koeriſtenz , Bewegung) , die Koeriſtenz
unter einer Affin ität wirklic h von Sels
ten des Stoffs die Hypotheſis ohne weitere
Hypotheſis iſt , um ein (+ b) , mithin die Joens
titåt einer Form unmittelbar darein lezen zu tóno
nen : ſo kommt es gånzlich darauf an , ob die,
in unſer Bewußtſeyn tretende , Roeriſtenz unter
einer Aehnlichkeit , auch wirklich eine Koes
riftenz unter einer Affinitåt von Selo
ten des vorliegenden Stoffes ſelbſt
iſt , ( Charakter der ſcharfſinnigen Köpfe ; harmo
- 277

dia , vel qoafi præft abilita) , oder nicht,


( Charakter der philoſophiſchen u . . w. Queertöpfe,
ils aperçoivent les verités de la Geometrie,
mai elle ne leur aprend point à pe
ſer les probabilités. Ils ont pris leur pli,
ils raiſonneront de travers toute
E
leur vie , et j'en ſuis faché pour
eux , Volt. Queft. fur l'Encic. Art. Esprit
faux ). Soft ſie eine Koeriſtenz unter einer Ufo
le
finitat von Seiten des vorliegenden
EMI
Stoffes felbft : fo iſt ſie eine conditio fuf
ficiens , ein zutreffender Stoff : medius , um
( + b ) da in uns anzurégen , wo es auch auſſer
uns unter einer Sypotheſis ohne weitere Hypo .
theſis von Seiten des Stoffs , unter ſeinen
finnlichen Attributen , unmittelbar und effecti
ve in einem vorliegenden Gegenſtande geſezt iſt,
wo wir folglich zutreffend , und ohne weiteres
Entweder - ober , die Wirklichkeit daran durch
%
die Möglichkeit kategoriſch beſtimmen können ,
(poſita conditione fufficiente , f. attributo
>
fenfuali , qua attributo ti (+ b) , ponitur
effectus ). So gut man daher ſagen kann ; L
ponit M , eben ſo gut kann man auch ſagen :
1
Non L ( conditio non ſufficiens) non ponit M,
wovon freilid unſere bisherigen beſten Logiken
( Ploucquet Elementa Philof. Contempl. p . 71 ,
Maaß 1, e , S. 11 ) das Gegentheil annehmen ,
278

und im zweyten Falle bloß fagen mußten : Non


M , non ponit L. - Was demnach bloß die
unerläßliche Szypothefis einer ur : rache , eines
Gepos , eines Begriff $ (als der Mögliche
teit irgend: ctner Komplerion finnlicher Gemahrs
nehmungen ) får uns iſt , die Affinttåt der Stoffe
merkmale von auſſen , und die Komplerion ge
rade dieſer Stoffmerkmale von auſſen , welo
che Affinitåt baben , auch von innen durch
unſere Art der Hineinbildung in die Welt , ſo wie
der Hineinbildung der Welt ta uns , das wird
felbſt zur Urſache von uns gemacht. (bis wir ein
nes befſeren belehrt find ) ; indem wir z. B. tas
tegoriích fagen : der Reim oder der Saame ſen
die Urſache der Pflanze, ferner das , daß unſere
Erde ein Planet tft , fer die Urſace ihrer Bes
wegung um die Sonne. (Nun möchte auch nur
mes Einwendungen gegen den Begriff der Uro
face, ohne alle Rantilde fritit , Genů
ge gethan , und zugleich mein obiger , widerſpre
chend klingender , Uusbruk demonſtrativer Schláſ.
fe in der Empirie gerechtfertiget ſeyn. Die
/
Humifche Gewohnheit , die Rutine , kann als
lerdings zulezt auf die Affinitäten eines vorlies
genden Weltabſchnitte , mithin auf die unmittel,
bare Unregung des ( + b ) in uns , da wo es
auch von auffen effective liegt , folglido auf Den
monftrabilitåt in der Entptrie , in der Ru
)

1
279

tine , alb , der conditio fine qua non für dteſe


Art der Demonftrabilitåt, führen ). - über das
Entweder - oder in unſerem animaliſchen
Bewußtwerden (in unſerer Art der Hineinbildung
in die Welt) , iſt izt nur als . I åuſdung ab .
gefertiget, ohne daß ſeine Nuzbarkeit für die
Wahrheit ſelbſt ſchon gånzlich erörtert wåre ; mito
hin iſt es noch nicht völlig abgefertiget. Auch
die Tåuſdung nånlich kann in einem Weltſyſter
me , al6 Syſteme, nicht abſolut, ſondern ſie
muß bloß relativ feyn , d . t. fie muß der
Wahrheit Plaz machen , wie der unſterbli.
V che Reibniz vom Uebel in der Welt überhaupt
2 bewieſen hat , daß es jedesmal Mutter des Gu.
ten werde. Auf der Menſchheit wichtigſte Unges
> legenheit , auf Gott , führt das Entweder
oder den dentenden Menſchen apodittiſch ,
dies ſahen wir. Auf die Möglichkeit einer Ano
wendung feines Denkens überhaupt zur Erkennte
niß der Sinnenwelt , führt das Entweder -
oder jeden Menſchen (als unumgånglide Hypoo
theſis dieſer Möglichkeit einer Anwendung deffels
ben ) , dies ſteht noch zu erweiffen . Es iſt nicht
zu låugnen , daß dieſes Entweder - oder, das
nicht , wie man bisher wähnte , Berſtandes- und
Denkgeſez iſt , ſondern in unſerer Imagination
liegt , alle Sophiftik , allen Widerſtreit philoſophis
idher Syſteme, alle Einwendungen der Skepſis,
1
280

und zwar jedes dieſer Stute als vermennt.


Iides Wert des Denkens felbft , veranlaßt
hat. Es iſt ferner am Lage , daß ohne die Aufa
nahme dteres . Entweder oder in die Form
bez Denkens felbſt , keine , neuerdings von uns
erlebte , Verurtheilung dieſer Form zu einem bloße
fen Blindwerke möglich geweſen wäre, udein un .
begreiflich möchte einen dies důnken , daß man
von einer Form , mithin von etwas Unveränderli
chem ,' mithin vom Weſen der Dinge , fchon fo
lange reden , und denn doch dabei ein aus,
ſchlieſſendes Entweder – oder , felbſt in die
Form und das Weſen des Denkens , als eines
Denkens , aufnehmen tonnte ; am allerunbes
greiflichften aber , daß der eigentliche Form als
philoſoph unſeres Jahrhunderts der Form ,
mtthin dem Weſen , ohne welches die Dinge
nichts wåren , dergeſtalt mitzuſpielen fåhig war,
als wäre es ein bloßfes Unweſen , welches erſt
durch Anſchauungen einen Gehalt , ein Weſen ,
einen Sinn und eine Bedeutung für uns bekoma
2 me. Was , von Seite 82 an , in der Kritik der
reinen Vernunft Neues gemeldet wird , muß das
her einem nüchternen Zeitalter , das nicht mehr
Luſt hat , fich über ſeine eigene Vernunft den
Stab brechen zu laſſen , als die lächerlichſte Saa
tyre auf den Philoſophen felbſt, der es ſchrteb,
erſcheinen . Nicht einmal in des Menſchen Smar

1
281

gination gtebt es , tro; thres Eatweber- oder,,


eine ſolche abſolute Lauſdung , wie die unſes
rer Vernunft , bei Kant , ift , welche ſogar
auch nicht als Werkzeug ( Organon ) zu etwas
$ Reellem I. c. brauchbar måre . Dies wird fidh
bald geben , wenn wir uns nur zuförderſt der gan ,
zen Reihe unſerer hieher gehörigen Gedanken wies
der berficbern . Ein U u fiero Neben, und N ad .
einander . Borgeſtelltwerden tft conditio fine
qua non , wenn in unſerem Denken ein etwas
foul vorgeſtellt werden ; dies ward oben erwieſen.
Dies Auſſer . Neben - und Nacheinander iſt und
bleibt , al& Form , unvertilgbar ; aber , weil's
ein Uuſjer. Nebens und Nacheinander iſt : ſo iſt's
to die unvertilgbare Form eines Dings , das , was
es ift , nicht ſchon alles in und durch Fid ſelbſt
ift , woran mithin , als an dieſem Dinge,
( abgeſehen von der Form deſſelben ) ein zeitiges
Werden , ein Wachſen , ein abnehmen ,
eine Gradualdifferenz ftatt findet. Es iſt
Stoff . und wechſelt als Stoff : allein Tein
1 Med ſel ſteht tzt unter einer Regel , die der Weo
fen Formel auſſagt ; unb fteht er unter einer Res
gel : ſo chlågt bet ihm , als Wechſel unter ein
ner Regel , kein Entweder oder mehr an ;
jo viel iſt evident. Aber durch das Seyin uns
ter etner Regel hat der Stoff, als Stoff , den .
noch fein Daſeyn nicht verloren ; ( fiebe obeni).
282

Hat der Stoff feln Daleyn , als Stoff , nicht


verloren : To wird fein Daſenn tzt fid) an der
Regel offenbahren entweder als ein Daſeyn , woo
durd das Seyu in uns bloß angeregt , oder aber
als ein Seyn , wodurch ein Daleyn in uns ben
ſtimmt wird. Dffenbahrt der Stoff uns feln Das
1 reyn , bloß als ein Daleyn : fo offenbahrt
er es uus ohne Negel von ſeiner Seite ,
1 folglich mit dem möglichen Gegenſaze eines Dorte
ſeyns u . f. w . ( ſimple Vorſtellung ). Offenbahrt
der Stoff uns feln Daseyn unter einem Seyn ;
( vertilgen wir im Denken den Stoff , als Stoff,
bis auf die Form) : ſo offenbahrt er es uns mit
der Regel von ſeiner Seite , folglich ohne möglia
chen Gegenſaz eines Dortſeyno , Undersſeyno u .
ſ. w . , indem er da iſt. Im erſteren Falle iſt
zwar das Dafeyn ſelbſt keine Tåuſdung; aber
der mögliche Gegenfaz eines Dortſeyus , Anderøy
feyns u . fo w . , indem er gerade izt auf
dieſe Art da iſt , iſt eine Tåuſdung. Allein
es iſt eine Läuſchung , welde als Werkzeug
( Drganon ) zu etwas hódít Reellem braud bar
wird ; indem durch's Daleyn , als keiner Tåus
ſdung ( in fo fern es bloß für ein Daſeyn ges
nommen wird ) , die wirklichkeit in einem
Bewußtſeyn , dem ſie als wirklichkeit , verliehen
iſt ; durch's mögliche Dortſeyn deſſen aber , was
doch oa ift , zwar als etner Iduſdung ,
283

die Möglichkeit, (mithin wirklich etwas höchſt


Reelles ) In einem Beipustfeyn , dem ſie , als
Möglid;keit, verliehen iſt, folglidh durd ) beybe
zuſammen (B - B ) angeregt wird , und endlich
durch die Zuſammenkunft des Daſeynd, und . Dorto
feyns in unſerer Imagination , (wie auffer uns
durd Attraktion und Repulſion ) Aehnliches fich
zum Uehnlichen hinzuthut , mithin zur Anregung
des (+ b) in unſerem Bewußtwerden vollends die
nothige Hypotheſis ohne wettere Hypotheſis von
Seiten des Stoff $ , bereitet wird. Dies lezte da,
wenn Aehnliches ſich zum Aehnlichen gefellt, glebt
uns daher die kategoriſche Auſſage über Dins
ge , zu denen wir die conditionem fine qua non
für alle Bedingungen , das finnliche Attribut , in
jener Aehnlichkeit , gefunden haben , und gab un .
ſeren bisherigen Logiken 1 ) eines Threr ſogenann .
ter oberſten Denk geſeze des Zitels : nihil fit fine
ratione fufficiente , welches die Kartianer
gar vollends in eine fubjektive Bedingung der
Moglidkeit eines Dentens überhaupt , als ele
nes Denkens , umgeſtalteten ( Sacob l. C.
S. 38. $. 82. , Kieſewetter l. c . S. 10 , S.
17. bergl. S. 11 , 12) und das ſo lauten muß :
pofita conditione fufficiente quoad materiam ,
Deceffario ponitur caufa (+ b) , et pofita cau
fa ( + b ) fub conditione fufficiente
quoad materiam , entbindet der Wandel

1
284

unter einer Regel die gebundene Monas ) , ne


ceflario ponitur effectus ; ( in feiner Reinheit
nird es lauten mufen : pofito (B - B ) , 'neceffa
rio ponitur (+ b ) , vel virtualiter , ubi deeft
conditio ſufficiens quoad materiam , vel effec
tive, ubi adeft conditio fufficiens , quoad ma
teriam ). Es gab 2 ) unſeren bisherigen Logiken
thren Stoff medius für kategoride Schlüffe.
Das Erſte hingegen ( das Daſeyn nämlid , als
keine Täuſchung in fo ferne es bloß für ein Das
reyn genommen wird , ) giebt uns die kategorie
sche Auſſage über Dinge , wovon wir Augeno
zeugen waren . Was aber die Zuſammenkunft
des Dareyns und Dortſeynd ( Undersſeyns ) in uns
ſerer Imagination noch in beſondere betrift : fo
tft fie ganz eigentlich der kurze Inbegriff alles
deſſen , was von Seiten des Stoffs geſchehen
muß , um uns Sinnengegenſtånde durch's Dens
ken erkennbar zu machen . Nicht nur dies ,
daß Uehnlichkeiten fich dadurch zu Uehnlichkeiten
geſellen , und hiemit dem ( + b ) , der Möglichkeit
einer Cauſalverbindung in uns , die erforderliche
Unterlage verſchaffen , tft der Erfolg jener Zufam .
menkunft; fondern ſie dient åberhaupt jedem , in
den Logiken bisher vorgetragenen , vermeyntlich
reinen , Denkgeleze zur unerläßlichen Hypotheſis.
Har nåmlich das Daſeyn mit dem Imaginationgo
Gegenſaje des möglichen Dortfeyns einer Sache,
285

die gleichwohl da ift , mithin nicht dort reynt


tann , elnmal die Wirklid) feit und Möglid Feit
BB
( ), in uns angeregt , und haben ſich also
dann , weil ( B - B) ein ( + b ) nothwendig pros
duciert , unter dieſem , izt nothwendig erfolgenden
(+ b ) Pehulichkeiten ( Komplexionen ſinnlicher
Merkmale , zuerſt Bilder , nachmals Begriffe im
gewöhnlichen Slune ) auch nothwendig in uns zu.
ſammengezogen : ſo kommt nun reciprok alles Da.
feyn bei uns unter B , alles Dortſeyn oder Uno
derefeyn unter (-B) , jebe Komplerion ſinnlicher
Merkmale unter ( 7.b ) ſo zu ſtehen , daß wir al.
les Daleyn und Dortſeyn ( oder Andersſeyn ) nach
( B --B ) , alle Komplexionen finnlicher Merkmas
le unter dehnlichkeiten , mady (+ b ) beurtheilen
oder erkennen ; ( lezteres giebt uns die man,
cherley Kråfte , oder Komplexionen finnlicher
Merkmale unter (+ b) , woran wir als bloqu
ren Komplerionen ſinnlicher Merkmai
le , , fålſdlich den Schlüſſel zum Innerſten de
Natur gefunden zu haben glauben). B nun , in
ſo fern es B iſt , kann nicht ( - B ) ; und (-B ),
in ſo fern es (- B) iſt , kann nicht B ; (+ b)
aber tann weder durch B allein , nod durch - B)
allein geſezt reyn ; ſondern muß durch beybe zur
ſammen erſt gelezt werden . Hiernadh urtheilent
oder erkennen wir nun 1 ) daß das Daleyn
oder die Gegenwart nach Raum und Zeit ( alſo
- 286

das unter B bei uns ftehende) , in ro fernes


da iſt nicht auch abweſend nach Raum und
Zeit, vergangen oder zufünftig, folglich, als B von
ung betrachtet , nicht auch zugleich (-B ) ; daß
aber auch umgekehrt , das Ubweſende nach Raum
und Zeit , das Vergangenene oder Zukünftige (al.
ſo das ," unter -- B bei uns ſtehende ) , in ro
fern es abweſend , vergangen oder zu
Půnftig iſt , nicht auch gegenwärtig nad Raum
und Zeit , folglich als ( B ) von uns betrachtet
nicht auch zugleich B fenn könne ; ( idem non po
teſt fimul effe et non effe ). Wäre B ; als B,
zugleich auch ( B ) : fo müßte A , als A , das
bende produzierte , und ſich in beyben manifefttert,
aber auch beyde weſentlid unters
fchied , zugleich beide nicht weſentlich unterſchels
den , folglich ſeine Nothwendigkeit als Prius
xareForchiv verläugnen , 0. t . aus A Non A
werden , welches ſich widerſpricht. Kann das

Daleyn , als unter B bei uns ſtehend , f'n ro


fern es unter dieſem B ſteht , nicht auch
als Dortfenn oder Andersienn von uns betrachtet
werden , weil ſonſt B in fo fern es B ift , aud
zugleid) ( -B ) reyn müßte : ſo folgt, daß ein
ſinnliches Merkmal, welches einmal da iſti in
ſo fern es da ift , unmöglich auch zugleich als
ein ſinnliches Merkmal fonne betrad )tet werden ,
welches dort , mithin nidt da wäre. Wenn alo
287 1
;
fo einem Dinge , als diefem Dinge , izt eben ein
ſinnliches Merkmal von jemand zugeſprochen wird :
To muß dies , izt ebent gefdjehene , Zuſprechen die.
ſes finnnlichen Merkmals bet dem , welcher es
ihm zuſprach , ſo lange für ein Seyn ( Wirko
lichkeit = B) gelten , bis etwa das Daſenn dies
res ſinnlichen Merkmals an dieſem Dinge ( im
Mandel unter einer Regel zum Dortſeyn oder
Andersſeyn ( nie aber zum abſoluten Nichtſeyn )
geworden , wiewohl ein anderer in Rüfficht auf
dieſe geliehene "Urt des Seyns nicht gerade
eben ſo zu urtheilen genothiget ift ; ſondern viel,
mehr bad beliebige Bejahen oder Berneinen , wie's
die Kritik nennt , hier beginnen mag. Bei jebem
möglichen Urtheile ( über Dinge die in das Welta
fyftem hereinfallen ) , és feny bejahend oder vernei.
nend , wird mithin 1 ) ein Senn der erſten Drda
nung ( ein Denken ) 2 ) ein Eeyn der zweyten
Ordnung ( B - B + b) , 3 ) ein geliehenes Seyn
des Dareyns oder Dortreyns unter ( B - B ) ,
aufgedrüft , wobei derjenige , welcher das , durdy
Num . 1 und 2 in ſeinem Weſen bereits beſtimm .
te , Urtheil , in Růkſicht auf das , farinn ausge.
fagte , geltehene Seyn unter B fezt, eß beja.
hen , derjenige aber , weldier eß in dieſer Rüfſicht
unter (- B) rezt , daſſelbe verneinen wird. Da
nun alſo alles in einem Weltſyſteme unter ( B -
B ) beſtimmt ſeyn muß , und es innerhalb des

I
288

Welijyſtems kein drittes Beſtimmendes giebt


( + b felbſt wird dadurch beſtimmt) : ſo folgt erſt
hieraus der deß vorangegangenen Gegenſajes
in der Imagination als ſeiner unerläßlichen Hy.
potheſis , unumgänglich bedürftige Saj ; einem
ieden Dinge kommt ein gewiſſe8 Merko
mal entweder zu oder nicht zu. Hatman
folglich einmal alles dasjenige empiriſch betſam .
mer , i was , nach unſerer Art der Hineinbildung
in die Welt , zum Daſeyn ſowohl als Dortſeyn
eines vorliegenden Slnnengegenſtandes gehört,
weiß man 8. B. einmal alle Hauptfarben , und
eine dieſer Hauptfarben ſteht bei einem gewiſſen
Daſeyn (mithin unter B ) in Frage : fo barf man
ſich durch das Fmaginationsgeſez des Gegenſajes
bloß alle , : bisher beobachteten , Abwechslungen
des Dortreynd oder Undersſeyng der Hauptfarben
( unter - B ) vergegenwärtigen , um gewiß ſagen
zu können , entweder muß dem vorliegenden Das
ſeyn , ( Sinnengegenſtande unter B ) . Dieſe , oder
jene , oder eine dritte u . f. w. Hauptfarbe zukoms
men ; denn durch BB)
( iſt alles in einem
Weltſyſteme vollkommen beſtimmt. Uber, unges
achtet deſſen , daß B , als B , nicht auch zugleich
als ( -B ) , und umgekehrt betrachtet werden
tann : fo kann doch auch keines ohne das andere
ſtatt finden. Indem alſo z. B. der Verneiner de
dasjenige unter ( -B) lezt , was der Bejahende
unter
289

unter B Pezt : ſo muß auch der Verneinende feto


nem ( - B) ein B (als Objekte) voranſtehend, und
der Bejahende ſeinem B ein (-B) , als Objekte,
angehångt haben . Dies heißt mit anderen Woro
ten : das , in der Sprache oder während der Ge.
wahrnehmung einem Gegenſtande geltehene ,
Seyn låßt zwar allerdings die Alternative des
Daleyns (unter B ) , oder Dortſeyns (unter B)
3 zu , und iſt eben darum bloß geltehen ; allein
1 Daſeyn ſowohl als Dortſeyn , an und für ſich

I betrachtet, müſſen deßwegen doch möglich wie


wirklich , und wirklid) wie möglich , was logiſch
1 wahr iſt , muß auch Phyſiſch wahr , und was
Phyſiſch wahr iſt, muß auch Logiſch wahr reyn ;
rey's nun , nach Maßgabe des Wandels

1 unter einer Regel , da oder dort , in der


Vergangenheit , Gegenwart oder Zukunft ( Proge
noſticieren) erſt zum effektiven Hervorrůken in
der Reihe der Phönomene reiff ; hierauf kommt
eß beim Seyn an ſich ( innerhalb des Weltiys
ftems) gar nicht an ; genug , daß da keine Wirke
lichkeit ohne Möglidkeit , und keine Möglichkeit
ohne Wirklichkeit ſtattfinden tann , ſo lange
das . Objekt kein Nicht, objekt werden fol. Was
teinen Widerſpruch enthält , das ift ;
und wo demnach in den Borſtellungen
eines Menſchen et pas ohne Widere
(prud oorgeſtellt, ( mithin gedacht ) ifte
2
290

da tft die Vorſtellung deßwegen rido


tig , weil mit der logiſchen Wahrheit
die Phyili che eben ſo ungertrennlid
berbunden iſt , als ( - B ) mit B , oder
als die Möglichkeit mit der Wirklid
teit verbunden feyn muß. Was hins
gegen in den Vorſtellungen eines MeA
foen vorgeſtellt wird , und nicht iſt ,
das enthålt einen Widerſpruch ; und
iſt bloß darum nicht , weil es einen
widerſpruch enthält. Einen wider.
ſprudenthalten , oder frrthum , I å u .
fcung . Sinnentrug beilien , iſt einer
ley ; måre e8 z. B. kein Widerſpruch , daß die
Sonne fich um unſere Erde drehte : fo würde fich
die Sonne um unſere Erde drehen , und der Slue
nentrug , nad welchem wir glauben müſſen ,
die Sonne brebe ſich um unſere Erde , iſt darum
Sinnentrug , weil der , auf thn gebaute , Glaube
cinen Widerſpruch enthält ; die Veranlaffung zu
dterem 28tderſpruche aber iſt , well aude bei den

7 ſem Phänomene der Stoff fein Daleyn uns blog


als ein Dareyn , mithin ohne Regel von fets
ner Seite offenbahrt , und wir nun die
blofre Hypotheſis (conditio fine qua non ),
um zur Wirklichkeit zu gelangen , für die
Wirklichkeit ſelbſt nehmen ; ( beim Thiere iſt
kein Widerſprudy , mithin auch keine Tåuſdung ;

1
291

denn das (-B ) kommt gar nicht in fein Bes


wußtſeyn , und es muß daher das Daleyn auch
nur für ein blopfes Darey n halten). Geras
i de ſo geht es uns auch beim Sündigen ; und
das träftigſte Mittel gegen das Sündigen iſt das
her , einen über das , was man , als Mendy,
tft , eines Beireren ; nicht aber über Gott,
. Bernunft und Belt , wie die erkrankte Philoſoo
phte , eines Schlechteren zu belehren, indem man
E1 Im leichten Franzöſiſchen , durdo Kant germant
→ fierten , Geſchmafe ,' das Weſen zum Unweſen,
und das Unweſen zum Weſen macht. Wer da
weiß , was unrecht iſt , und thut
of doch , dem iſt es Sünde ; weiß er es aber
(hat er es in ein Denten , nicht bloß in eine
Afſociation hypothetiſch aufgenommen ) und vers
. bindet es mit dem allerre alften Gedanken
einer Ullgegenwärtigen Gottheit : ſo wird
x er nicht fündigen . - Genug , und nun auch vol.
1 lends zum zweyten , oben angezeigten Saze , daß
(+ b) weder duro B allein , noch durch ( B )
allein geſezt ſeyn könne , ſondern durch beide zu
ſammen erſt gelezt werden müſſe. Zufolge dieſes
Gazed haben die Menſchen noch wenig geurtheilt
oder erkannt ; denn ſie erkannten die Urſache felbſt
wicht, als uria che; fondern verwe felten ſie
mit bloſſen Conditionen ( im Stoffe ). Ist aber
erkennen und urtheilen wir zufolge deſſelben II )

1
292
I
daß eine Kategorie der Urſache , Pchlechthin aus
den hypothetiſchen Urtheilen unſeres Verſtandes
ausgehoben , folglich doch wohl auch alle hypo .
thetiſchen Urtheile, als hypothetiſch , begrüns
dend , dabei aber , als urface , threr Natur
und ihrem Weſen nac) , vollkommen kategoriích ,
allerdings keinen Stan und keine Bedeutung
haben könne , ſo lange man ſich nicht Kritiſch
gewöhne , fie blind anzuſchauen ; daß aber aud
ſo lange es noch möglich war , der Urſace in iro
gend einer Philoſophenſchule alſo mitzuſpielen , übers
haupt keine Philoſophie bei uns möglich geweſen
ſeye. Ich erinnere daher bloß noch , daß die
Form des Algemeinen vergeblid in der Form
des Beſonderen würde geſucht werden , mithin
teln Weltſyſtem , als Syſtem , eriſtierte, wenn
dem nicht ſo wäre , daß (+ b) weder durch B alo
lein , noch durch ( - B ) allein geſezt ſeyn kann ,
ſondern durch beide zuſammen erſt gelezt werden
muß. Das Weſen jedes Atomen beſteht , als
Weſen , aus einer Ausdehnung , als Ausdeh
nung , die zugleid ihre Abſicht bat , mits
hin aus (B – B + b ). Nur kommt es darauf
an , wo und wann der Wandel unter einer Res
gel dieſe gebundene Monas ( im Reiche der lebo
loſen Natur , wie wir ſprechen ) , zum Werden
eines organiſchen Einzelweſens anregen wirb .
Aud dies geſchieht nach eben der Regel , und uns

1
293

ter den , jedesmal darzu erforderlichen , Conditio


nen von Seiten des Stoffs im Mafrokosmos ,
wie es bei uns Mendyen , als dem Mikrofos .,
mos , geſchieht , wenn eine Manifeſtation des
Weſens der Dinge in uns , als Menſchenindivto ,
2
duen , angelegt werden ſoll. Natürlicherweiffe muß
3
die , von uns unüberfehbare Mannigfaltig .
feit des Stoffs , die was ganz anders iſt als
Bielbeit , eine Million iſt viel , aber nicht
miannigfaltig ) , Millionen Barletåten unter
eben demſelben , ( durch A ) unendlidhmal wiedero
holbaren (B - B + b) , an uns und auffer uns,
zulaſſen. Das Weſen aller dieſer Varietåten bleibt
darum doch eines und ebendaſſelbe überall ; ſonſt
wår' es kein Weſen , und die Welt wäre fein
Syſtem . Nach dem Winke deſſen nåmlich , der
das Weltall trågt , des Nahen und des Fernen ,
des Augegenwärtigen , Emigen und auweiſen ,
wird die Vielbeit in der Einheit der Form ,
I
vermoge ihrer dren unvertilgbaren Raumdimenſion
nen , ſelbſt fåhig, jenen Millonen Varletåten , als
Grund ( B) , und als ihr jedesmaliges (+ b)
unterzaliegen. Die mögliche Summe der Viele
heiten in der Einheit der Form , welche durch ih.
re dren Raumdimenſionen geſtattet werden , wiſs
fen , hieſſe daher ſo viel als die ursrace (+ b)
einer jeden Art jener Millionen varieråten wiſe
ren ? Sit doch Zeichnung und Umriß , wie Sula
294

jer ſagt, ſelbſt die Seele der Mahlerey.


Am Objekte , am Dieſel , am Ento
weder - oder , hångt demnat die Philoſophie
des Syſtems der Dinge , als Welt ! eien ;
ſo viel , glaube ich , hat dieſe Anmerkung dien
monſtriert. Die Rebnung iſt bis auf das
Lezte hindurchgeführt ; und izt kann ich alſo auch
die Anmerkung ſelbſt ſchlieſſen . Ich thue es uns
ter einer kurzen Zuſammenſtellung ihrer Haupt.
reſultate ;

Das , was die Möglichkeit des Objekte ( B


B) begründet , kann nicht wieder Objekt (B – B),
ſondern muß Prius xut'étoxtv, Gott , ( ma
nifeftatio Effentiæ divinæ ) und unter ihm muß ,

alo Hypotheſis , Stoff reyn.

Das , was die Möglichkeit des Dieres ,


deſſen Hypotheſis im Storie die Koeriſtenz u no
ter einer uffinttåt iſt , begründet , kann
nicht B allein , und nicht (- B ) allein , ſondern
muß B , beſtimmt durch (- B) , = ( + b ) ſeyn.

Das , was die Möglichkeit des ausſchlieſſens


den Entweders oder , deſſen Hypotheſis im
Stoffe die Koertſtenz unter einem Gegens
( aze iſt, begründet , kann nicht ſelbſt wieder aude
ſchlieſſend , ſondern muß , ohne möglichen Uude
chluß, beiſammen , mithin ( B - B ) reyn.
295

B (-B + b ) virtualiter , ( fine conditione


ſufficiente quoad materiam) ; G e
bundene Monas im Wandel uns
ter einer Regel.

B ( - B + b ) effective , ( cum conditione


quoad
ſufficiente materiam ) ;
Solummernde Monas , We
10 ſen der Pflanze.

B - B2 +62 ) Weſen des Ihters ; tritt


in's Bewußtſeyn des Thiers als

; I råumende Monas ,
5 B

B ( -B3 +63 ) Weſen des Menſchen , als


3
Meniden ; tritt tn's Bewußt .
ſeyn des Menſchen entweder als

. B2 + b
; Ihrer
1
- B3 + 63
menfc ;-oder als
-B3 +b ),

da wo's bei ihm theoretiſch ſowohl


34
als praktiſch zur Anerkennung des
A a 18. A , in A , durch A ,
1 tommt ; Wadende Monas ;
Mendo.

Dieſe Formeln werden bleiben , ſo lange eine


Erkenntniß deb , bon Pythagoras , ( vielleicht
296

vom Orient her ) , “ unter Zahlen gedachten , von


Leibnizens hohem Geiſte wieder angeregten ,
aber auch mit ihm meteoriích chwindenden , fdens
titåtsgerezes , folglich eine Erkenntniß des
Denkens , folglich eine Philoſophie , unter den
1 Menſchen bleibt ; dies weiß ich , und beuge mich
tn Staub , über weldem ſie , wenn er auch meis
ne Aſche wieder mit der Aſche meiner Våter miſcht,
das , et me aliquando vixiſſe , ausſprechen mos
gen. Wie die Potenzen bei obigen Skalen und
conſequentiis immediatis da , wo die lezte,
ren ſich auf den Menſchen , als Menſchen ,
beziehen , geſtellt werden müſſen , wird der kundis
ge Refer von ſelbſt ermeffen . Es wäre eine klein
ne Mühe , die Nummern dort gehorig einzutras
gen. Utlein dort konnt ' ich nur Potenzen ahn .
den , noch nicht denken ; ſie gehören alſo noch
nicht dorthin. - So hat ſich's bei mir entwikelt :
so hab' ich's gedacht; ſo niedergeſchrieben : und
ſo ſoll es aud) gedrukt werden . Uendern werd '
Ich nichts , ſondern nur wegſtreichen , was mir
hier und da mein d im Unwillen eingegeben
haben könnte , und mein Nachdenken unbillig
findet. Daß weder das Denken als Dero
ken , noch das Objekt , als Objekt , noch das
Dieſes , als Dieres , eine andere , als later
goriiché , Relation , mithin gar keinen Res
lations unter died , zulaſſe , hoffe ich ist

1
l

297

nidht mehr erweiffen zu dürfen . Mit der Modas


litåt mag fich alſo dieſer Grundriß endigen.

g 3 ) Die Kopula in hypothetiſch en Urtheis


len iſt ſchlechthin nothwendig und ohne Modalis
tårsunterſchied ; oder , was in jedem möglichen
hypothetiſchen Urtheile 610B gedad t ( mito
hin formel und eigentlich logiſch tft fra bishe.
rigen Sinne des Worts) , das iſt ſchlechthin noth.
wendig und ohne Modalitåtsunterſchied.
Un m. Eben dies gilt vom Objekte und
vom Dieſes (B – B + b ) an jedem by po
ie thetiſchen Urtheile ; beides iſt ſchlechthin
nothwendig und Modalitat &unterſchied .
ohne
Das Wörtchen Wenn bez eichnet bloß die says
potheſis von Seiten des Stoffs , über welche
hin man gerne zum Objekte als einem Dies
fes , inithin zur Ur fache eines Phänomens
gelangen möchte ; daher in den beſten Logiken
vor kant die hypothetiſchen Schlüffe ſchon zu
den fyllogismis imperfectis gezålt wurs
den , ( Ploucquet I. c. p . 58 , 59). Iſt nun
die Hypotheſis von Seiten des Stoffs eine
conditio fine qua non , für alle åbrigen
Bedingungen , iſt ſie mit der gehörigen Sufo
ficienz verſehen : ſo wird auch das , was
daraus gefolgert wird ; richtig ſeyn .
Nur das Prius xar' & čoxy's hat eine Scouſta
298

quenz ohne alle Hypotheſis ſchon in und durch


fich felbft , ( A , als A , durch A). - Wie
es unſere bisherigen fogtfen mit dem Gruno
de und der Folge bei hypothetiſchen Såzen
hielten , erhellt aus folgender Stelle bet Kies
rewetter I. c . Seite 50 $ . 109. Wenn
man alſo den Grund rezt , muß man auch die
Folge rezen ; aber nicht umgek :hrt , wenn man
die Folge rezt , muß man aud den Grund ree
zen , denn es tann eine Sache aus
mehreren Grånden ertannt werden .“
Dles roll fogik feyn , und zwar reine allges
meine Logik , wenn man dem Denken zwar die
nothwendige Sezung der Folge durch den Grund,
aber nicht mehr die nothwendige Sezung des
Grunds durch die Folge zugeſteht , indem es
ja mehrere Gründe geben könne ? -
denn eine emplrtſche Bedingung ein Grund ?
Eine logit, welche empiriſche Bedingungen zum
Grunde madt , und welche alsdann der Fols
ge das Upodikriſdie ihres Zuſammenhangs mit
dem Grunde zugiebt , dem Grunde aber das
Upodiktiſche ſeines Zufammenhangs mit der
Folge läugnet , indem ſie ſagt : wenn man
die folge regt , måfie man nicht eben
auch den Grund regen ; " tft ſie eine fos
git ? Eine Logik ,, welche aber alsdann doch
wieder ( S. 110 S. 235 ) behauptet : wenn der
299

Nachlaz ( die Folge) aufgehoben wird , ſo


muß auch der Vorderſa ; ( der Grund im bise
herigen Sinne ) aufgehoben werden , denn
der Vorderfaz ſteht mit dem Na de
faze in dem Verhältniß von Grund
und folge , die alſo berlommlicher
mafien , tas was ſie mit der einen Hand
genommen hat , nach Befinden der Ums
ft ånde mit der andern wieder giebt , iſt ſie
eine Logik ? Iſt der Grund da , ſo iſt die Fol.
ge da ; und iſt die Folge da , ſo iſt der Grund
da. Dięg muß eine fogik , die thren Namen
verdienen fou , feſthalten , wenn ſie aud nicht
wüßte , mie fie alsdann mit gewiſſen Gewahr.
nehmungen zu recht kommen ſoll. Die Zurechto
legung gewiſſer Gewahrnehmungen muß fich
3 nadh der Logit ; nicht aber die Logik nadh der
1 ſpeciellen Anſicht gewiſſer Gewahrnehmungen
richten : und wo belde in Widerſtreit gerathen ,
da darf alſo die Ausgleichung nicht auf Unto.
ften der Logit , und vermittelft einer Einſchrån ,
kung d. i. Zernid )tung ihrer a podiktiſchen
Behauptungen , geſucht werden ; fondern der
ſcheinbare Widerſtreit muß in einer ( unlogis
ſchen ) Verwirrung unſerer Vorſtellungen von
den Dingen , wie z. B. hler in der Verwechso
lung des Grunds mit bloſſen finnlichen Bedins
gungen , liegen . Sommt , im Wandel unter
300
1
einer Regel , zur möglichen Manifeſtation des
Grunds unter gewifien finnliden Be. 1
dingungen , (gewiſſen Affinitåten ) : ſo kommt's
eo ipſo auch zur möglichen Manifeſtation reis
ner Folgen unter dieſen ſinnlichen Bedinguns
1 gen . Die Folge fezt überall den Grund ſo gut,
als der Grund die Folge. Weiß ich ferner
3. B. einmal , und weiß es apodiktiſch ,
daß die Form des Allgemeinen , auch die Form
des Beſonderen ſeyn muß . wenn die Welt
kein Chaos , ſondern ein Syſtem feyn ſoll , und 1
der Atom will ſich nicht in dieſe apodiktiſche
Behauptung ſchiken : ſo würde ich ſehr unges
reimt verfahren , wenn ich deßwegen die apos
diktiſche Behauptung beim Atomen wieder eins
Chrånken o . i. gernichten wollte. Nein , der
Atom muß alsdann die Form des Allgemeinen
an fich tragen , wie die grofte aller Sonnen ;
und wenn es ſich je damit bei ihm nicht ges
ben wil : fo tft's nicht ſein Fehler , ſondern der
meine , indem ich den Mangel mannigfaltiger
ſinnlicher Merkmale an ihm ſo aufnehme , als
entbehrte er darum auch des Antheils an der
Form des allgemeinen , das heißt mit ander
ren Worten , als gehörte er nicht ſo gut , wie
id , zu einem Weltſyſteme, wenn's Sy.
ftem , fein Chaos , ſeyn ſoll. ( Keiri
Begriff, kein Wort , keln Beweiß , nicht eins
301

mal ein Zuſammenhang in Empfindungen, tels


ne Sympathie , wäre möglich , wenn nicht die
Form des Allgemeinen auch zugleich Form des
Beſonderen wäre. Rant behandelte die Form

1 (das Weſen ) fu der, Kritik der reinen Ver .


nunft, als eine bloffe Façon , und , weil die
1
façon eines Labakspfeiffenkopfs nichts wäre
1
ohne den Tabakspfeiffenkopf ſelbſt : ſo urtheilte
1
I er ganz transzendental, die Form werde erſt
etwas durch ihren Inhalt ; denn der Stoff fey
es ja erſt, welcher thr Sinn und Bedeutung
gebe... te er dabel mit dem Objekte ſelbſt
nach einer ihm angehängten Omnitudo , - vers
mittelft der Logiſchen Converſion zu Werke
geht , ſtehet zu leſen in der Kritit der r , B.
S. 283 worelbſt man ohnehin von S. 265 C
288 , überaus viel Mertwürdiges über die Mögo
lichkeit, Wirklichkeit und Nothwendigkeit bele
=;
gebracht finden wird , ſo wie über das öv x & T'

1 étoxrv von S. 113 - 116. Dies per paren

3 thelin ).

4) Die Kopula in disjunctiven Urthellen


iſt ſchlechthin nothwendig und ohne Modalitåts .
1 unterſchied ; oder , mas in jedem möglichen Dibi
1 junctiv'en ürthelle bloß gedacht ( mithin fors
1 mel und eigentlich Logild iſt im bisherigen

1
302

Slune des Worts) das iſt ſchlechthin nothwendig


und ohne Modalitatsunterſchied.

Unm. Eben dies gilt vom Objekte und


vom Dieſes ( B - B + b ) an jedem disjunco
tiven Urtheile ; beides iſt ſchlechthin nothwers
dig und ohne Modalitårsunterſchied. Daß mit
den disjunctiven Urtheilen in der Logit anges
fangen werden müffe , wenn ſie zum angewanda
i
ten Denken herauskommt , weil ohne voranges
!
gangene Disjunktion ( felbft ohne das a ut.
rchlieffende Entweder — oder ) kein kategor
riſches und fein hypothetiſches Urtheil in der
Empirie möglid wåre , erhellt aus dem , un.
ter der Unm. zu Num. 3 dlefet S Geſagten,
von ſelbſt. Auffallend iſt, daß auch die Ran .
tianer ( Jacob I. c . Seite 83 , 85 , Kiefer
· wetter 1, c. S. 54 , 55 ) den hypothetiſden
ſowohl als disjunktiven Urthetlen keine andere
als a podiktirche Modalität zugeſtehen : nicht
weil ſie die Kopula , als RO pula , das 9h.
jelt als Objett , das Dieres als Die
res , in ſeiner Verbindung mit den beiden ers
fteren , dabei beobachtet håtten ; ſonſt würden
fie auch von den kategoriích en Urtheilen
daſſelbe haben behaupten můffen ; ſondern well
bei hypothetiſchen und die junctiven Urtheilen
das Berhältniß des Grunde zu feiner Folge

1
3
303

ausgedrått werde , der Grund aber feine Folge


nothwendig feje. Allein , wenn denn nun
der Grund ſeine Folge nothwendig lezt, wie
konnten ſie ein paar Zellen vorher den hypos
thetiſchen Urtheilen dennoch einen Qualitäts .
unterſchied beilegen , und z. B. fagen : ( Fa.
it tob S. 84) der Qualität nach können ſie bes
> ja bend oder verneinend ſeyn . Bemies th .
nen dieſe leztere Auſſage denn nicht deutlich ,
daß ihr Grund gar kein Grund , ſondern bloß
eine , von thnen für den Grund gelezte, con
ditio von Seiten des Stoffes fen , welche als
anweſende conditio den modum ponentem ,
1 als abweſente conditio den modum tollentem
1 In ein hypothetiſches Urtheil einführe , wobei
aber die Konſequenz , als Konſequenz, inale
terabel bleibe , mithin eben ſo wenig eines
1 Qualitäts, als Modalttårsunterſchiedsfähig
feye ? Håtte eg thnen nicht wenigſtens , bet
der Ausſtattung der disjunctiven Urtheile
mit der Modalitåt des Apodiftifchen , bele
gehen ſollen , daß das , was ſie für einen
Grund halten , teiner fey ? Denn , wie fana
man doch den Saz anfſtellen ( Rieſe wetter
6. 55 ) der Modalitåt nach renen die disjunco
tiven Urtheile deßwegen a podiktird , weil
ſich die Glieder ein ander werelle to
tig als Grund und folge beſtimmen ,
304

Indem die Annahme deb einen Glieds der Grund


werde , warum man das andere (oder die ans
deren ) nothwendig ausſchlieſſen müfle ? Heißt
denn aber dies : die Glieder ſelbſt beſtimo
men einander wechſelſeitig als Grund und Folo
ge ? Auf dieſe Weiße wåre der Gelehrte
der Grund , und der Ungelehrte ſeine Folge , 1
wenn ich ſagte: entweder ift Cajus gelehrt oder
ungelehrt. Doch , dies betrift nur die Verwors
renheit der Sprache. Mithin zur Sache ! Ich
nehme den Fall an , man habe in Rükſidit auf
einen gewiffen Sinnengegenſtand nur zwiſchen
zwey Farben zu wählen , ſo daß er entweder
roth oder grún reyn müßte. Nach den Rantias
nern würde dieſe allein mögliche Wahl zwiſchen
3 wey der Grund feyn , warum man alsdann
die apodittiſche Folgerung daraus ziehen
und ſchlechthin behaupten könnte : der Gegen.
ſtand iſt nicht gelb , nicht weiß , nicht ſchwarz
u. P. w. Allein iſt dieſe Vorausſezung , daß
es nur zwey Farben fenen welche in der Wahl
ſtehen , denn nicht bloß eine empiriſche Bes
g
dingung , welche eben deßwegen durchaus keln
Orund Peyn kann ? Und wenn man alsdann
nach dem wirklichen Grunde jener , unter der
genannten Bedingung apodiktiſchen , Folgerung
fragt , d . f. wenn man das Lezte wiffen will,
worauf fie im Weltſyſteme nothwendig beruht,
wiro
1
305

wird dieſer Grund nicht in Etwas llegen ,


1 wovon bei Kant kein Gedanke ift , nåmlich
I ) in dem , weil durch B ( Wirklichkeit ) und
(-B , Möglichkeit) alles in der Welt vollkom .
l men beſtimmt iſt , und was mithin einmal un .
CA ter dieſe beiden Stủke gebracht worden , ſchlech .
terdings kein Drittes mehr zuläßt , wodurch ets
FX was noch beſtimmt werden könnte , ( omnimo
W da determinatio Logica adeoque et Phyſica ;
Kant's Appregat ? Kritik der r . V. S. 112) ;
2) in dem , weil was einmal in der Ems
ptrie unter B = jenen beiden Farben ) geſejt
tft , als unter B gerezt , rohlechterdings
nicht als unter (-B = den übrigen möglichen
Farben) gerezt , und was unter (-B) gerezt
ift , als unter (-B ) gelezt , nicht als unter B
Ed gerezt , genommen werden kann ; ungeachtet
EV (B - B) fich im Weltſyſteme unzertrennlich bes
gleiten. Es berhålt fidy hiemit wie mit dem
Gegenſaze des honeftum und utile. Das ho
neftum tft , als honeftum , allerdings kein
utile ; aber das honeftum und utile begleiten
fid in einem Weltſyſteme unzertrennlich , wenn's
ein Syſtem , kein Chaos , ſeyn roll ; man rehe
oben , und ergånze izt obige Stalen nur noc
- folgendermaſſen :

ut
306

Wirklid , Möglichs Wirklichkeit bes


Telt teit , ſtimmt durch die

1 Möglichkeit
B. ( B) I
( + b)
Nichteigens Eigennujen beo
Elgennu .
zen nuzen ftimmt durch eto
was, das kein EL
gennujen tft.

Der Elgennuzen , beſtimmt turdh etwas , das


kein Eigennuzen tſt, glebt ein Drittel , das weo
der Elgennujen allein , noch kein Elgennuzen
allein , ſondern aus beiden entſtanden , men de
lide Zugend iſt , und welches das utile
.
der Stoiter mit ihrem honeſtum unzertrennlich
verbindet ; d. t. zum einzig möglichen Moral.
fyſteme den Grund legt. Soll es aber beim
Menſchen zu dieſer Zugend kommen : ſo muß
er Menido , d. t. das (-B + b) muß bet
ihm mit Bewußtſeyn in die dritte Potenz ere
hoben , folglich (~ B3 + b3 ) reyn . Das drite
te , das weder Eigennujen allein , nod tein Elo
gennujen allein , ſondern aus beyden entftan
den , menſchlide Lugend iſt , hat zu felo
nem unzertrennlichen Begleiter den Nuzen
de $ Zheils ſowohl alb des Ganzen ,
(den wahren Nugen , utile Stoicorum ), weil
307

die Form oder das Weſen der Dinge ſo daro


an ausgedrült iſt , daß die geſammte Indiote
dualitåt des Menſchen darnach geregelt wird .

5) Die Kopula der Schlüſſe , fie reyen kao


tegoriích , hypothetiſch oder die junctio , fft ſchlechte
1
hin nothwendig uud ohne Modalitåtdunterſchied ;
oder , was in jedem möglichen Schluſſe blog
gedacht ( mithin forinel und eigentlich logiſch
iſt im bisherigen Sinne des Worts) , das iſt
ſchlechthin nothwendig und ohne Modalitåtsuna
terſchied.

Unm. Eben dies gilt von Objekte und


vom Dieres ( B- B + b) an jedem Schluſ.
re; bendes iſt ſchlechthin nothwendig und ohne
Modalitåtsunterſchied. Kant hat volo
kommen recht, wenn er die Natur der Schlaffe
darein lezt , daß ſie zum Bedingten die Bedine
gungen , und zu den Bedingungen wieder 18.
here Bedingungen ſuchen , 0. t. den meiſten
EN Stoff für's Denken im Denken gernichten ; um
) endlich auf die conditio fine qua non für alle
Bedingungen im Stoffe geführt zu werden .
Allein dies , was der Schluß hiemit leiſtet , ift
weiter nichts als eine ausführlichere En to
1 wiflung defien , was in jedem Begriffe ,
ald einer Komplerion affiner finnlto
cher Mertmale , bereits eingewitelt lag ,
U 2
308

und das der Schluß nun nach der Art und


Weiſie , wie es entſtanden und unter
B +
de aſſociert wors
B
den ift , theilweiſe aus einander legt ,
folglich auch theilweiſe vom Denten im
Denken zerrichtet werden lågt , bis man enda
lich zur finnlichen conditio fine qua non für
die ganze Reihe gewiſſer finnlicher Bedingungen
emporgeſtlegen iſt , und nun das (+ b ) als Urs
ſache unmittelbar in dieſe geſezt werden kann .
Dieſe ganze Operation aber wäre nicht mögs
lich , wenn das unbedingte , wie es fant
nennt , erſt durch dieſe Operation geſucht wers
den mußte. Nein , das durch den Lebensiin .
puls ſchon voraus in uns , a 18 Meniden ,
angeregte Unbedingte der Urſache,des Grund 8 ,
des Prius nat' ecxy'n , als eines ubrou
luten , madt eben , daß wir jene Dperation
mit dem Stoffe vornehmen , und in thm von
Conditionen zu Conditionen aufſteigen fönnen,
ja müſſen. Låge z. B. der Grund nicht
ſchon voraus abſolut und unbedingt in uns ,
wie wäre es irgend möglich , daß wir mit dem
Stoffe felbft jene Dperation vornehmen Fönn ,
ten , was ſollte uns darzu vermogen , daß wir
an ihm von Bedingung zu Bedingung giengen,
biß wir endlid zur conditio fine qua non fs
309

alle Bedingungen im Stoffe gelangen ? Auch


hler hat alſo Kant einen , bet thm bortreflich
angeregten , Gedanken wieder gånzlich verkehrt,
indem er den Menſchen das unbedingte
und abſolute , ( mithin rein eigenes Denken ) ,
erſt durch Schlüſſe ſuchen iåßt , da der
1 Menſch gleichwohl ohne das Unbedingte und
1 Abſolute in fich zu haben , weder Begriffe bilo
# den noc . Solúffe maden könnte. Dag aber
1
ſchon den Begriffen eben die Formel zum Gruns
. de liegen müſſe , welche den Schlüſſen zum
3 Grunde liegt , iſt leicht zu beweiſſen , wenn es ,
1
nady obiger Analyſis , je noch eines Beweiffes
bedarf. Indem ich ſage: homo : To jeze ich
ein Objekt , mithin eine Wirklid )keit und Mögs
lichkeit ; dort finde ich für das (+ b ) folglich
für das Genus humanum wie für das Dico
res (hic homo ) die eine Grenze feines Ur
ſprungs , hier (unter der Möglichkeit) finde ich
eine Stelle für die Prädikate f. B. für das
Praditat der Sterblidhtelt , das eine Möglich .

1 teit in Verbindung mit einer Wirklichkeit ( alſo


- B + b) ift ſonſt war es kein Prädikat.
Aber ( -B + b) habe ich ſchon bei obigem ho
mo , folglich habe ich ist in dem Urtheile : ho
B - B + b
mo eſt mortalis : die Formel
B+b
310

B2 +62
; und verſtehe , warum in
- ( B+
30 )
pen Logiken gelehrt wird , der umfang des
Pråditats reye großer als der des Subjekta .
Adein daß ich es in dem Urtheile : homo eſt mor
-B2 + 63
talis : zum Ausdrute der Formel
( B
Bitbo)
bringen kann , Pezt in mir ſelbſt, in ſo fern ich
Menſch bin , eine Manifeſtation des Weſeng
der Dinge , mithin ein , bei mir ſelbſt , als
Menſchen , zum Grunde liegendes , wiewohl
nicht eben nothwendig als das was es ifte
fondern auch bloß unter eitel finnlichen Vors
ſtellungen , zum
zum Bewußtſeyn gelangendes
B +
voraus ; uno fo habe ich alſo
B
B3 + b3
eln lichon als unumgånglich
B
nothwendige Formel zur Möglichkeit der Vero
bindung eines Subjekts mit gewiſſen Merko
malen , oder gewiffer Merkmale mit einem
Subjekte , mithin zur Möglichkeit eines Bes
griff' $ überhaupt im weiteſten Sinne des
B3 + b3
Worts ; ungeachtet dies
( 3 B + b ),ehe
{ ch's mit dem Stoffhaltigen an meinen Vore
ſtellungen auf & Reine gebracht habe , bloß ald
311

B2 +
in mein Bewnßtſeyn treten
**B
* + b ).
wird . Soll ich an dem eben gegebenen Belo
ſpiele die Sache nod deutlicher entwitlen ? -
E
Es rey. Id
Id reze die zwey genannten
alſo die
Peze alſo
Objekte für ein Denken noch einmal unter vers
ånderten Audbråten für einerley Sache :

Homo : Non homo ; DSjekt


Mortalis : Non mortalis ; Dbjekt ,
in fo ferne beides nothwendig in einem Denken
zuſammenvorgeſtellt wird , und ich mir keinen
Homo ohne ein Non homo , kein Mortalis
&
ohne ein Non mortalis denten tann . Wenn

ich aber nun den Saj herausbringen wil :

Homo eft Mortalis ;


lo tritt alſo Dbjekt zum Objekte , und ich hätte
demnach (B ? - B2 ). Allein im (- B) Ift
3f die Negation zu einer Ropula , mithin zu eto
1 ner Form ( und zwar hier zur Formam
Stoffe ) gezogen : gleichwohl kann keine Form
durch die andere zernichtet werden ; eine zur
Kopula gezogene Negation ſezt vielmehr. Das
(- B) ſezt demnach ein ( + b ) , und aus obte
gem Homo : Non homo , als in einem Dens
ten nothwendig zuſammenvorgeſtellt , muß alſo
ein Genus , oder ein Dieſes entſteheu. Uns

ftatt folglich das


312

Homo : Non homo

In meiner Formel ſo auszudrüken ( B - B ) , were


de ich es vielmehr dergeſtalt ausdrüken müſſen
B ( -B + b ) , wobei mir (B + b ) das Homo,
als Homo ( ſecundum id , quod eft Funda
menti loco ponendum Ausdehnung , als
Ausdehnung , gegeben unter einer Koerts
ſtenz ) und zugleich im (+ b) als Homo in el.
nem ,' an ihm von mir bereits erkannten Ge
nus , das ( - B ) aber die , an ihm von mir
1
bereits bemerkte , Möglichkeit ſeines Enthalten.
reynd unter einem Genus , ausſagen wird ;
- folglich das leztere mir zur Anreibung vor
Prädikaten an daſſelbe unter einem (+ b) Play
macht. Reihe ich nun das Prädikat morta
lis an : ro habe ich vermoge der Natur des
Dbjekts ſchon zwey Såze :
Homo eft mortalis
Non homo eft non mortalis ;

(denn das Homo giebt mir , vermöge der Nai


tur des Objefto , el Non - homo , und das
mortalis ein non mortalis ) , Såze , wovon der
eine , wie der andere , durch meine Formel noth.
wendig begründet iſt , und die nichts anders
aufſagen , ald 1 ) die Nothwendigkeit einer wech
felſeitigen Begleitung des Wirklichen vom Mogo
lidhen , und des Möglichen vom Wirklichen 2)
313

die Nothwendigkeit einer ununterbrochenen Uns


terſcheidung des Wirklichen vom Möglichen
und umgekehrt , ungeachtet ſie ſich ununterbros
chen begleiten. Ulein bei dem zwerten Sáze : 4

Non homo eft non mortalis


3
tritt ja doch der beſondere Fall ein , daß da
bloß eine Möglichkeit in einem 'und eben dems
felben Saze aufgeſtellt wird : gleid )wohl roll
die ganze Formel auch für dieſen Saz gelten .
Allerdings ; und zwar eben deßwegen , well fels
ne Möglichkeit ohne Wirklichkeit ſtatt fins
i
det , ungeachtet die Möglichkeit nie für die
Wirklichkeit und die Wirklichkeit nie für die
Möglichkeit genommen werden darf . Das Non
homo bringt ' mir alſo als Möglichkeit auch ei.
ne Wirklichkeit mit , ungeachtet es dieſe Wirt.
lichkeit nidit ſelbſt iſt , daß non mortalis bringt
mir als Möglichkeit auch eine Wirklichkeit mit,
ungeachtet es dieſe Wirklichkeit nicht ſelbft ift.
Die Wirklichkeit beſtimmt durch die Möglich .
keit , wie ſie ſchon im Homo als einem Ge
nus lag , die Wirklichkeit beſtimmt durch die
Möglichkett , wie ſie ſchon im mortalis als eio
nem Genus lag , kann mir das Non homo
1 und Non mortali
s nicht erſt mitbringen , denn
dieſe hatt ' ich ja ſchon im Homo und morta
lis. Durch die Zuſammenkunft des Non homo
314

mit einem non mortalis unter einem Denken ,


muß alſo nur erſt wieder eine Wirklichkeit beo
ſtimmt durch die Möglichkeit , ( eine Ur.ſache,
+ b ) , und in der Sprade ein aliquid , quod
nec homo nec mortale eft , gelezt werden ,
gleich wie aus obigem Homo : Non homo ,
als in einem Denken nothwendig zuſammenvors
geſtellt , ein ' ( + b) folglich ein Drittes , das
weder Homo ( ſecundum id , quod eft fup .
damenti loco ponendum , Ausdehnung , als
Uusdehnung , gegeben unter einer Roert
ſtenz ) , noc Non homo , fondern ein Genus
f hominum oder elu Diele & war , reſultierte.
Hieraus lerne id folgendes : wenn zwey Lb.
jette ( das in zwey Erkenntnißftåken anwends
bare Objekt) alſo zuſammenkommen , daß das
eine (Homo) unter feinem (-B Non bomo)
dem anderen (mortalis ) zum Anſchluſſe feines
(-B , non mortalis nebſt dem , davon unabs
wendbaren + b) Plaz macht : ſo entſpringt dara
aus abermal ein (+ b) , ein neues Genus re
rum , ein neues Dieres , ein aliquid , quod
nec homo nec mortale eft ; mit anderen Wors
ten : die Möglichkeit von Seiten des elucu
Dbjekts bereint mit der Möglichkeit von Selo
ten des anderen , erzeugt eine Wirklichkeit beo
Atimmt durdo die Möglichkeit , eine Subftanz
pber Urolade , die zwar allerdings auch ein
315

( + b ) , ein Dieres , ein Genus , ein aliquid ,


aber dabei im gegebenen Falle ein aliquid ,
quod nec homo nec mortale eft , fern wird.
Durch den Saz : Non homo eſt non mortalis,
KI
iſt alſo ein aliud quid quod nec homo nec
10 mortale eft , wirklich geworden ; aber es iſt
wirklid geworden unter einer Möglichkeit ;
wird alſo auch bloß wirklich fern und wirklich
reyn måfren , in fo ferne die Wirklichkeit das
bei von der Möglichkeit begleitet wird , gleich
wie es nur möglich ſeyn tannt , in ſo ferne dle
Möglichkeit dabei von der Birklichkeit begleto
tęt wird ; denn , was das leztere betrift , lo
wäre ja das (- B) , ohne ein dadurch geſejo
tes ( + b ) , Zernichtung einer Form , mithin ein
Widerſprud). Iſt auf dieſe Art das aliqd quid ,
quod nec homo pec mortale eft , bloß durch's
Denken , als ein Denken und das Objekt,
al8 Dbjelt , entſtanden , und muß es alſo
mit ſeiner Nothwendigkeit gedacht werden ; ſo
führt im gegebenen Belſpiele das nothwendige
aliud quid , in fo fern es hier auf eine
Unvergånglichkeit zeigt, den denkenden Mens
fchen nothwendig åber die Sinnlichkeit hinaus,
den finnlichen hingegen wird es ſein aliud
quid im gegebenen Beiſpiele unter Phantaſies
bildern realiſieren , mithin in fo fern einen
ET Widerſpruch begehen laffen , als er die Wirke
316

lichkeit , als wirklidteit , nad Rantto


( der Art , in der Sinnenwelt oder in etwas
Anſchaulicem , fudit, So nehme noch einen
Begriff , als Dbjekt , eh' ich weiter gehe ,
und ſehe , was folgt. Es ſoll der Begriff der
Welt feyn :

Mundus : Non mundus ; Objekt ,

Mundus drüft alſo die Wirklichkeit ( B) ,


Non mundus die Möglichkeit ( - B) am Dbs
jekte aus . Die Wirklichkeit fann nun zwar,
als Wirklichkeit, nie für die Möglichkeit, folge
lich Mundus nte für Non mundus genommen
1
werden , aber die wirklichkeit wird eben ſo ger
wig von der Möglia, feit , folglich die Welt
von Etwas , das nicht Welt iſt, übeí .
all und unzertrennlich begleitet , als die Mög.
lidikett von der Wirklichkeit ; und hier bin ich
nun mit nieinem ( B ) wieder oben bet dem ,
was feiner Möglichfelt noch Wirklichkeit von
der Urt , wie die des Objekt 8 iſt, zu
ſeinem Seyu sat' && cxriy mehr bedarf , beim ·
A al 8 A , in A , durch A , bei dir alſo Va.
ter und Herr der Welt , alles belebender ,
wohlthätiger Geiſt, der du die Menſchen ſchufft
nach deinem Bilde , und in deffen Betrachtung
meine Seele von Entzüfen aufwalt! Idſteis
ge wieder berab von dir , Ewiger , zum
- 317

Menſchen , wie ich ihn mit ſeiner finnenfåuigen


Sterblichkeit erwog , und reze ihn noch einmal
ald Dbjekt :
Homo : Non homo ; Objekt,

Durch das Non homo wird einer unüberſeh .


baren Menge anderer möglicher Dinge auſſer
dem Menſchen in unſerer Vorſtellung Plaz ges
macht; folglich dadurch nicht nur Gewahrneh.
mungen , als Erfahrungen , ſondern auch
Gewahrnehmungen als blofſen Konfigurationen
der Koeriſtenz, des Gegenſazes , der Uehnlich .
keit in unſerer Phantaſie , ein unermeß .
liches . Feld geöfnet. Erfahrungen werden
es ſeyn , wenn das , durch gewiſſe Gewahrneho
mungen in uns angeregte ( B - B + b ) den
M
Stoff an dieſen Gewahrnehmungen unter einem
Denken bis auf (B — B + b) oder bis auf die
Form daran ſo zernichtet hat , daß nun nicht
mehr bloß die Gewahrnehmung ( oder der Stoff )
die Regel in uns anregen darf , ſondern die
Regel den Stoff beſtimmt, wie er auffer uns
unter eben derſelben Regel beſtimmt iſt, wenn
mithin das Objeft in uns als ein Dieſes
(Wir ſelbſt ein Objekt auffer und als ein Dies
fes , durch das Objekt als ein Diereb ,
- B3 + b3
unter einem Denken noth .
AB B + ),
1

1
318 i

wendig beſtimmt. Dies ſind Erfahrungen ,


oder eigentlidie Begriffe , Komplerionen finn . #
lidher Merkmale in ihrer nothwendigen Bes
ziehung zunåchſt auf die Ursſache a!8 Ursſas
de , dann auf den Grund , und endlich auf
das Prius xatoxiv , eo find nicht bloß in,
duktionsmåfig einregiſtrierte Beobachtungen ges
wiſſer Bedingungen im Stoffe a ſondern Beobs
achtungen , welche nun in uns unter eben ders
felben nothwendigen Regel ftehert, unter wel.
der fie im Wettſyſteme ſelbſt ſtehen . Wåre
hiebet die Forin , die Regel oder das Weſen
des Allgemeinen (Bes Ganzen) nicht auch form ,
Regel, Wefen des Beſonderen (des Theils) :
Roperniku 8 und Kepler håtten thre Reg.
len für das wahre Weltſyſtem lange im Kopfe
haben können , ohne daß ſich das Weltſyſtem
je in den Erfahrungen ſpåtherer Uſtronomen
(z. B. eines Serichels) darnach würde ges
ridytet haben , ausgenommen Kopernikus
und Repler båtten , wie Fichte , das 2Belt.
ſyſtem geradezu erſt aus ihrem Id hervorzies
hen können , un8 Herrdel und jeder Aſtros
nom ſpåther Jahrhunderte genoffe das gleiche
Glük eines , Sonnen und Planeten in ſchönſter
Ordnung aus fidy ſelbſt ſchaffenden , dy's .
So lange bei Gewahrnehmungen und Beobach .
tungen über gewiſſe Gegenſtände der Stoff zwar

i
C
319

die Regel in uns anregt , aber die Regel den


Stoff noch nicht eben po nothwendig beſtimmt,
e als er unter derſelben Regel auſſer und beſtimint
$ iſt , ſo lange haben wir über derley Gegenſtån .
de noch keine eigentliche Erfahrungen , ſondern
14 was uns darüber verliehen iſt , find Meynuns

gen ( dóžui ), wobei immer noch ein ja oder


Nein ftatt findet , ſind Verwechlungen der
Conditionen mit der Urıſache. Die Erörterung
deſſen , was die Sprache des Lebens und was
Kant Erfahrung nennt , mithin der Urs
ſprung einer menſdlichen Erkennto
niß überhaupt , (unter dem neuen Zitel ele
ner Kritit), kann nun ohnehin keine Sowies
riglett mehr haben :

1
Bedingungen der Möglichkeit einer
Erfahrung.

. 1 ) Ein Denken (A als A in Adur do


A)

2 ) Nöthige Hop Ds ( Stoff , welcher das


therto ( Unterlage ) ; Denken affiziert in ein
Koeriſtenz in der nem Nach und Neben.
magination . einander)
.

320

3) Disjunction des ( ausſchlieſſendes Ente


Koeriſtierenden in der wederoder , Vors
Imagination. haltung des Gegentheils
von dem , was da iſt,
folglich der Möglichkeit
ohne wirklichkeit , folg .
lich einer Unmöglichkeit
durch das Geſez des Ger
genſazes in der Imagto
nation ).

Un m. Wem dieb zu hart klingt , der bedens


fe , ob die Gegenwart eines verſtorbenen Freunds
möglich ſeye ,, und doch iſt er, ihm in ſeiner
Phantaſie gegenwårtig , folglich unterhått ihn
feine Phantaſie diesfalls mit einer Unmöglich.
keit ; und unterhielte fie ihn nicht mit derley i
Unmöglichkeiten : ſo würden fich auch keine Ulfo
finitåten , feine Komplerionen finnlider Merks
male , keine Begriffe in thm 3nſammenziehen
können . Ja noch mehr , wie vermochten wir
Menſchen nur auch zur Erkenntniß und Anwen ,
1
dung des Widerſpruchsfazes zu gelangen , wenn
unſere Phantaſie uns nicht Unmöglichkeiten vor.
zuſtellen fåhig wäre , über welche alsdann das
darauf angewandte Denken das Unmöglich .
repn erſt ausſprechen kann ?

4 ) Eine
321

4) Elne durch die Koeriſtenz und Didjunction


in der Imagination zu Stande gebrachte Vere
1
einbarkeit deſſen , was im Stoffe ſelbſt zuſammen ,
taugt , der Affinit åten nåmlid .

5 ) Disjunktion im Ob: ( nicht ausſchlieffended


jekte ; die Form ſteigt . Entweder -- oder ,
über den Stoff empor , B - Bunzertrennlich
9 um den Stoff, alsstoff, betfammen , und noth.
fid ) unter (B - B + b) wendig ein + b produr
folglich unter der Form, zierend ).
mit dem Charakter der
Regelmåſigkeit und Bes
W harrlichkeit an dieſes ( B
B + b ) anſchlieffen zu laſ
ſen , ( entbundene
Monas im Wandel un.
ter einer Regel).

6 ) Eine , durch die Disjunction im Objeta


te zu Stande gebrachte , wirklice Vereinigung
( Kauſalverknüpfung , cauffatio reciproca) deſo
ſen , was im Stoffe ſelbſt zuſammentaugt, der Af
finitåten nämlich , unter ( B - B + b).
011
7 ) Wo nun die Einwirkung des ( A als A lu A
durch A ) in einen gewiffen Stoff dieſen Stoff nicht
ſo weit vertilgt , daß es zur Koeriſtenz des Ges
genwårtigen mit dem Vergangenen , des Naben
322

mit dem Fernen u. ſ. w . in einer (individuellen)


Imagination , mithin zu Gegenſåzen in einer ( ino
dividuellen ) Imagination , und dadurch zum Zuſani. 1

menfaſſen der Aehnlichkeiten in einer ( individuellen )


Imagination , kurz zu einem (individuellen ) ani,
maliſch en Bewußtwerden kommen könnte , daß
es folglio bloß bei der Vereinigung der Affinità:
ten im Stoffe unter einem ( B – B + b ) nad
vorangegangener Attraktion und Res
pulſion bleibe , da entſtehr auch bloß ein Pflani
jenleben , (idhlummernde Monas ).

8) Wo hingegen die Einwirkung des (A als


A in A durch A) in einen gewiſſen Stoff dieſen
Stoff ſo weit vertilgt , daß Sinnenwerkzeu :
ze , als Sinnenwerkzeuge entſtehen köns
nen , mithin ein individuelles Bewußtſeyn
möglich wird ., da wird nun auch eine individuelle
Imagination oder Hineinbildung in die Welt und
der Welt in ein ſoldes Weltweſen , mithin , nadi
borangegangenem Proceß von Num . 3-6 incl.,
ein regelmåfiges Ablauffen der Welt auffer thm
(in ſeiner Porftellung ), wie in ihm (in reto
B2 + b 2
aer Empfindung ) , mithin ein
B
= B0%+b )
ftatt haben ; animaliſdes leben , ( tr å u .
mende Monas ) ,

1
323

9 ) über ein an fich regelmäßiges Ablauffen


der Welt aufier ihm (in ſeiner Vorſtellung)
wie in ihm ( in ſeiner Empfindung ) ſchließt
das noch nicht nothwendig eln , daß ein foldes
Weltweſen auch die Möglichkeit an der Regel,
wornado beldes ablauft, einſehen müßte. Ungeach.
B2 + b2
tet daher ſein Weſen aus
=B B + ) befebe.
fo kann die Formel feines Weſens dennod bloß als
+ b2
in fein Bewußtſeyn treten , und wird
6 B )
bloß als dieſes in fein Bewußtſeyn treten můſo
ren , wenn das ( A als A in A dur do A) den,
durch die Imagination an ein ſolches Weſen ( in
Vorſtellungen ) gebradten Stoff nicht auch an die
ſen Borſtellungen bis auf die Form der Be .
ſen überhaupt , mithin nicht bis auf die Wirklich,
felt beftimmt burde die Möglichteit,
als Moglidkeit , vertilgt , folglich daſſelbe
zur Möglichkeit nur unter Empfindungen ato
bloiſen Empfindungen , ( Juſtinkt ) , zur
Wirklichkeit nur unter Vorſtellungen , als blols
ſen Vorſtellungen , nach dem Plane der ewt.
gen Weißhelt angeleitet wiffen will ; (Thter, als
tr å u mende Monas).

10 ) Ulein der , unter Num. 9 geſezte Fall


laßt fich eben ſo füglic aud umkehren. Es kana
X 2
324

eben sowohl auco Weltweſen geben , welche zur


Möglichkeit nicht nur unter Empfindungen , als
blosſen Empfindungen , zur Wirklichkeit
nicht nur unter Vorſtellungen , als bloffen Voro
ftrllungen , nach dem Plane der ewigen Weiß,
heit , angeleitet werden ſollen ; ſondern bei denen,
auſſer der Gabe eines bloß animaliſchen Bewußt.
werdens , icon threm Weſen nach , die Wirklich ,
telt a uch noch als Wirklichkeit durch die
Möglichkeit auch noc als durch die Mögo
liditeit, beſtimmt werden ſoll ( Begriff, Erfahrung ),
B2 +62
bei denen mithin zum eines anis
( B8 B+ b )
B +
mallichen Wefens noch ein hinzu .
B
kommt , welches die Eigent hů mlidkeit i ho
B 3 +63
re & Weſend in einem
B8 B + *) auffagen

wird ; (w ad en de Monas , Menſd in ſeinem


Wefen : zugleich der Materie hodoſter Zwek, daß
fie unter Gottes feitung eine Pflanzícule der Gels
fter wird ) .

11 ) Das , unter Num. 10 Geſagte , wird ges


idehen , wenn das ( A al 8 A, in A , Durd A )
den Stoff bet folchen Weſen nicht bloß zur Vers
einigung der Affinitåten unter einem (B- B + b)
nach vorangegangener Attraktion und Repulſion
325

( Pflanzenleben an und ) , und nicht bloß bis zur

j Koeriſtenz des Gegenwårtigen mit dem Verganges


nen , des Nahen mit dem Fernen in einer ( indivt.
duellen ) Imagination , mithin zu Gegenſåzen in
einer ( individuellen ) Imagination , und dadurch
zum Zuſammenfaſſen der Aehnlichkeiten in einer
EI,
( individuellen ) Imagination ( individuelles animas
Tires Bewußtwerben an uns ) vertilgt ; ſon :
MA dern da , wo ohnehin elu minus des Bewußtwer
werdens des Stoffe , als Stoffe , eintreten
mußte , um nur ein individuelles Bewußtſeyn mögo
lich zu machen , im Lebenslmpulſe , als im.
pulſe überhaupt , auch vollendo alles , was
nicht Weſen iſt , dieſen unvertilgbaren Impuls ,

? als Impuls , ausgenommen , ſo zeruiditet, daß


nun das Prias xurmaščox øv ſelbſt , das ( A als
A , in A , dur d A ) mit ſeinem Plus vollende
In's Bewußtſeyn treten , und ſolchen Weltweſen
polle Beſtimmbarkeit des Weſens der Dinge durd
IT das Weſen derſelben , in einer ist erlangten Pero
ronalitå t (im Objekte als einem izt möglid ges
worbenen Gegenſtande ihres Bewußtſenns felbft )
B3 + b3
mithin in einem als charat
( 6+ b ).
teriſtiſdem Ingrediens ihres Weſens , erthels
len kann,

EM

1
325

B 3 + b3
12 ) Iſt dies einmal barato
B & + be)
teritildes Jugrediens des Weſend einer çe
wiffen Weſenllafie felbſt : fo find wiederum drey
Fålle möglido. Entweder das Objekt mit dem ans

bangenden lebendimpulſe (das –B + b


B
als Manifeſtation des Weſeng der Dinge in und
an und) , kurz unſere Perſonalitat, nimmt ein ge .
B2 + b2
wiffes Urtheil, das ſonſt nur aus
B b )
beſtehen würde , in fide auf , und macht es das

durd für uns zum B 3 + b3


wir fte.
B + b ),
BB
hen für eine Sade ; oder es wird ein Ur.
theil durd dag , an einer Sache auffer uns
erkannte Objekt beſtimmt, und wird dadurch für

jedermann zum ; oder aber es


B
tritt keiner der beyden genannten Fåde ein , wes
der unſere Perſonalitåt , als Perſonalitet,
nimmt ein gewiſſes Urtheil in ſich auf , noch wirb
das Urtheil durch das , an einer Sache aurrer
un 8 erkannte Objekt beſtimmt, und es bleibt al.
ro damit bloß bet Beſtimmungen der Wirklichkeit
durch die Möglichkeit unter ettel Vorſtellungen und
B2 + b 2 .
Empfindungen , folglich beim
B + b ).
B%
327

wiewohl mit ausdrůklido voranſtehendem ( - B2 )


im Bewußtſeyn .

13) Im erſten Falle (der Aufnahme eines Ur.


> thello in unſere Perſonalitåt als Perſonalitåt),
find «) wir an unſerem I heile unwidero
1
Sprechlich von Etwað úberzeugt , behaupten und
o Der fichern es als unſere unſtreitige Erfahrung ,
( ſubjektive Nothwendigkeit in einer ſpeciel.
len Erfahrung überhaupt ) ; oder aber ß) wir
machen und in einem ſolchen Urtheile anbeldig
zu einer Sache , übernehmen nicht nur fcidern bere
gemiffern auch anderen die Verbindlichkeit zu eto
ner , darinn beſtimmten Leiſtung von unſerer Selo
té , (ſubiective Nothwendigkeit in einer Vers

} pflichtung , obligatio) , indem wir daſſelbe mit


unſerer Perſonalitåt , als Perſonalltåt , vers
B3 to b3
mittelft des in Verbindung rezen .
B + b )
Ein Kontrakt 4. B. , an weldem fide die anges
gebenen Bedingungen der Möglichkeit einer Ers
kenntniß, von denen der Imagination an , (wenn
man da für Affinitåten bloß die Convenienz
der Pacišcenten ſezt ) vollkommen rechtfertigen wers
den , ein Kontrakt alſo drúkt nichts anders aus,
als die Verbindung des Urtheils åber gewiſſe Ses
genſtånde mit der Perſonalitåt zweier Menſchen al 6
328

B3 + b3
Perſonalitåt vermittelft des
+53).
welches hter in der dritten Potenz das Objekt
mit dem anhangenden Gebens impulſe ,
1
zu" fich genommen hat.

1 14 ) Im zweyten Falle (des Beſtimmtwerdens


eines Urtheils durch das an einer Sache a urier
u nB erkannte Objekt ) entſtehen allgemeine
nothwendige Wahrheiten , mathematiſch
evidente und demonſtrative Såze , mithin
Erfahrungen , dergleichen diejenige find , welche
die Aftronomen ist über die Bewegungen der
himmliſchen Körper machen können , nachdem Kos
perutkus und Kepler fie ' einmal als Objekt
beſtimmt, und, unabhängig von bloffen Anſchauun,
gen , die Formel der Weſen daran realifiert haben,
welde hier in der dritten Potenz das Objekt an
einer Sache a ufier uns zu ſich genommen hat,
und nun alles was zu dieſer Sache gehört , fic 1
an ſich als ihre Regel, demonſtratto anſdlteſ.
fen låßt.

Anm. Selbſt die Beobachtungen des Em .


ptrikers biethen ſich zur Erlåuterung von Num .
13 , 14 , an. Unſere Perſonalitåt tritt aus dem
Bewußtſeyn bet den , die Geſundheit des Gels
ftes mehr als alles andere befördernden , Anſtreno
gungen des Denkens , als eine Denteno,
+

he
329

um etwas über ſeine jiunliche Auſſenſeite hins


weg als Objekt zu beſtimmen . Sezen wir
hingegen mit einem Urtheile , das an fick bloß

B? b*) feyn würde ; noch unſere Vers


ſonalitåt, al': Perſonalitåt , in Verbindung,
B3.763
i und produzieren dadurch sein 6324033
B
im Bewußtſeyn : fo iſt es in denſelben Aus
genbliken nicht möglich , daß dieſes Urtheil zu .
1
gleich auch das Objekt an einer Sade auffer
un 8 im Bewußtſeyn (demonſtratio) noch zu fidh
nehmen könnte , wie idon daraus erhellen modo
te , weil's in jenem Falle nicht wohl ohne bes
fondere Theilnehmung unſerer individualia
tåt an der Sache und ohne Gemåthåbewegun,
genzugehen kann . Wie ruhig iſt dagegen
der Mathematiker, wenn er , Schlüſſe an Solåfie
kettend , über den Stoff hinweg bei der Wirt.
lichkeit ( B , - u 8 d eb nung als Ausdeh .
nung ) , beſtimmt durch die Möglichkeit ( - B ,
Rednung ) , einkehrt.

15 ) Im dritten ( unter Num. 12 geſezten )


Falle , wo weber unſere Perſonalitåt , al 6 Pers
fonalitet , ein gewiſſes Urtheil in fido aufge
nommen hat , noch ein Urtheil durch das .. an ei .
ner Sache a uffer uns erkannte, Objekt befiimmt
! 330

worden lft , entſteht ein blofies Vielleicht, eine


Walifdheinlichkeit , ein Dafürhalten non fine for
midine oppofiti, ein Traum , wiewohl mit voro
anfiebendem (-B2 ) im Bewußtſeyn.

Dod , ich vergeſſe , daß ich blot einen Grunde


11B (chreiben , und dieſen mit der Modalitåt bes
foteffen wollte . Die Kopula jedes möglichen
Schluftes tft fchlechthin notwendig , apodikriid
und ohne Modalitirduuterſbied , hieß es oben.
Kieſewetter ( 1. c. S. 108 ) bemerkt von der
Modalitåt eines reinen kategoriſchen

Vernunftrdlufres , (wie er ſich S 232 auss


drüft) , daß , nad Num. 8 ebend. „ die Rotte
tluſton deſſelben den geringſten Grab
der , in den Pråmiſſen vorkommenden,
Modalit åt erhalte , nach Num. 9 ebend.
hingegen die Konfluſion dennoce noth.
wendig reye. " Ulſo der geringſte Grad der ,
in den Pråmiffen vorkommenden , Mobalität wúre
de der Konkluſion zu theil , und dabei wäre doch
die Konkluſion nothwendig. Man wird verſucht,
dieſes neuſte Pogliche Sidirorylon abermal får els
nen Drukfehler zu halten , findet aber , bet ges
nauerer Betrachtung der beyden Reglen , unters
232 , daß Num. 8 und 9 wirklich die Modalto
tåt elnes reinen fategoriſden Vernunftſchluſſes
betreffen , deffen Ronkluſion demnad neben dem ,
1

331 CO

1 daß fie , als Konkluſion , nothwendig und apodik,


ttſd iſt , auch noch als Konkluſion aus gewilo
20 ſen Prämiſſen , problematiſch oder affertoriſch wår
re. Id) weiß mir dieſe muſterhafte Anleitung der
berühmteſten neuen Logik ju baaren Widerſprů .
. den , diesmal nicht anders zu erklären , als daß
Ihr Verfaſſer mit der Uebertragung des geringſten
Grads der , in den Pråmiſſen vorkommenden ,
Modalttåt auf die ( in ihrer Modalitåt gleichwohl
F apodiktirde und nothwendige ) Konkluſion den als
ten logiſchen Kanon Kantiſch moderniſieren
21 wollte : conclufio fequitur partem de
biliorem , d. t. die Qualitåt (nicht aber Mos
dalitåt) der Konkluſion richtet ſich nad der Dugs
Ittåt derjenigen Pråmiſſe, welche die geringſte (els
ne negative ) Qualitåt hat , und die Quantitåt
(nicht aber Modalitåt ) der Ronkluſion ridotet fico
nach der Quantitåt derjenigen Pråmiffe , welche
die geringſte (eine partikulåre) Quantitåt hat.
-;
th

/
1

332

Berchi u B.
1
Wenn A , al & A , in A , burda A , auf C
wirft , ſo entſteht I ) B ein gedachtes Etwas
3
( eine Ausdehnung als Ausdehnung ohne
weiter mögliche Veränderung des Ausgedebuten,
eine Wirklichkeit) und 2 ) (-B ) ein Sedado.
tes , als gedactes , ( Móglidhteit , Ab .
fidht, Zwet). Aus dieſem gedachten Etwas und
dem Gedadten , als Gedadten , entſpringt als .
dann , als aus dem Grunde ( B) und der Még
lichkeit ( - B ) unter einem Prius nat' éfoxrv ,
ein ( + b ) , indem eine , zur Ropula gezogene ,
Negation die Kopula , als Form , nicht zernidten
tann , fondern dieſelbe vielmehr rezt , und zwar ,
wenn's die Kopula deß Stoffes , folglich der Ranm
mit ſeinen drey Dimenſionen , ift , unter Multi,
plikationen dieſer drey unvertilgbaren Raumdimers
fionen in und unter fich felbft , rezt ; ( durch eine,
zur Kopula ſelbft gezogene , Negation , dieſe Kos
pula , mithin eine form zernichtet werden zu
laſſen , wåre ein Widerſpruch ). Dieſe Form des
B+ b
Ganzen nun muß aud Form des
BB + 6) muß aucs Form
Zhells fenn , died fagt inir jedes meiner Urtheile
aus , welches , obne jene Vorausſezung , als Urs
theil , ( als Verbindung einer roon in ihrem
Weren unvereinbaren Sade ) gar nichr möglido

2
333

wäre , und dies fagt intr das Weltſyſtem aus ,


dag , ohne jene Vorausſezung , als Syſtem ( als
FC Einheit einer ſchon in ihrem Weren unvers
einbaren , Sade ) gar nicht möglich wäre , u . 1.
w. Allein das Wichtigſte biebet tft , daß jene
Formel unwiderſprechlich und mit apodiktirder Uns
Call umſto Blichkeit auf ein Weſen der Weſen zurák,
weiſſet , wenn kein Widerſpruch begangen , und
das Syſtem der Dinge nidit mit einem Minus
(- B ) angefangen werden fou. Es muß ein
9 Gott ſeyn , der , als Gott , alles , was er iſt,
nur in und durch ſich ſelbſt iſt. Im Gewiſſen
ell , des Menſchen offenbart er ſich ; dies erkannte, gea
W wekt durch eine funere Stimme , ſelbſt ſchon oft
der entſchloſſenſte Unglaube. Im Denken deb
Menſchen überhaupt , als einem Denken , in
jeder Identitåt , die mldo falechterdings über den
Stoff , a 18 bloffen Stoff , hinausführt , mito
hin in jeder Regel , mithin tu der ganzen Welte
ordnung als Ordnung , deren Möglichkeit ohue
ein denkendes weißes Weſen eine Unmöglichkeit
wåre , offenbart fide dieſer Gott , dies weiß to
izt , und freue mich deſſen , mit apodiktiſcher Un.
umſtößlichkeit. Verwegen würde es ſeyn , wenn
tock id mit dem , was er mir von fide an meinem
1 Denken geoffenbart hat , ſein Weſen überhaupt ers
gründet zu haben glaubte , und ich nenne dat
her das , was er mir von fic an meinem Denken
334

geoffenbart hat , auch nur den undertilgbaren mo


dus eines Seyng xatº štoxiv, das ich noch
auſſer dieſem wandelbaren Daſenn annehmen muß,
wenn ich mein Denten ſelbſt und an und für fic
betrachtet , nicht zu einer Dialeris d. t. meine
Bernunft nicht zur Unvernunft machen will. Fol.
ge ich dem Identitategeſeze , der Regel aller Rego
len in mir , nehme ich , was mir finnlich vorliegt,
in ein Denken , nicht bloß in eine uffociation : so
folge id der Wahrhett , der Pflicht und dem Rech ,
te. Der Dinge Weſen und Ordnung , die Wahrs
heit , die Pflicht und das Redt, muß alſo von
etwas ausgehen , deſſen Seyn eben darum , well
es den finnliden Conditionen des Stoffe entnom .
men , nur durch einen Widerſpruch unter die Bes
dingung einer möglichen Anſchauung gelezt were
den kann , ſich nicht richtiger als durch das Seyn
eines Entis realiffimi, eines Entis entium , els
ner reinen Intelligenz , oder eines Geift es , eis
ner getftigen Subſtanz , ausdrüfen lågt. Man
ſage mir einen Weg , der bei den zerrülteten Ums
ftånden unſerer erkrankten Deutſchen Philoſophte
noch offen blieb , jenes Kleinod der Menſchett
wieder zu ergreifen , wenn's nicht der Weg einer
folgeredoten Analyſis unſeres Denkens war . Sobe
rdlug ihn ein ohne dieſe Abſicht; dies geſteh' ich
ſelbft. Irrthümer in den logiken waren mir auf
gefallen , und nur dieſen wåre id gerne auf den
335

Grund gekommen . Daß mir aber dies Beginnen


nun abrhelten aufſchlos , - oder zurütgab ,
von welden tch als Såzen , die einer ſolchen
Evidenz fábig wåren , noch vor einem Vter.
teljahre nidyts geahndet hatte , dies iſt die fa fleſte
Belohnung , die mir kein Beifall geben , kein Las
del entziehen kann . - Sd will flieffen , und
muß alſo auch von der Kantiſchen Philoſophie
nod Abſchied nehmen. Ueber die Grenzen einer
möglichen Anſchauung hinaus erkünftelt die Ver.
nunft bloß vermittelft armſeeliger Schlüſſe
(Kriitf der reinen V. S. 283 ) In einem ſubjets
tiven Scheine eine objektte Realitåt ( 1. c. Seite
396 - 399 , welche ſie ſodann einer vermennten
überſinnlichen Wiſſenſdaft , Metaphorik geo
nannt , zum Grunde legt ; dies tft das Reſultat
dieſer Philoſophie in threm Kritiſieren der reinen
Bernunft. Eine mögliche Anſchauung båtte Dema
nach die , auf dieſe Art kritiſierte , Vernunft in

- dem , von Kant ſelbſt gelezten , Falle hinter ſido ;


åber die Grenzen derſelben wäre ſie hinaus . Uns
geachtet deffen aber , daß er fie in dem , von thm
felbſt gerezten , Falle über die Grenzen einer a u do
nur möglichen Anſdauung hinausgeråkt ans
nimmt , macht er es ihr dod zum Vorwurfe, daß .
was fie jenſeits noch wiſſen wolle , feine objet ive
d . t. keine anſchauliche , in irgend einem Sinnens
gegenſtande darſtellbare, Realttåt mehr habe , foro
336

dert alſo etwas an fie , was , nach ſeiner eigenen


Vorausſegung , nach welcher er fie ja über alle
aud nur mögliche Anſdauung berelt8 hinweg
ſenn lågt , vernünftigerwelſſe nicht mehr an ſie ges
fordert werden kann, die Bekråftigung ihrer Solüſſe
nåmlich durch Unterlegung innen fålliger Ger
genſtånde. Iſt das nicht eine Sophiſtery gleich
!
der Chikane eles Gorgias ? Kant , ſcheint es
wenigſtens , habe aus dem Sderze des ehrwürdia
gen Mendelſohn's : id ſpiele aus der
Talde : bier Ernſt machen wollen ; ( um fide
dieſe profane Behauptung mehr zu erläutern , ſo
vergleiche man damit tn der Kantiiden Phle
loſophie , was einem nur beltebt , und ſehe zu, ob
nicht jeder Grundgedanke derſelben , wenn er auch
hler und da ridottg.angefaßt ift , augenbliklich wier
der verdreht wird ; hauptſächlich aber beliebe man
ſeine Metaphyfirden Anfangsgründe
einer Rechtslehre diesfalls beizuziehen , wo
unter auderen Meiſterſtůken in der Runſt auch dies
bridtert , daß er troz feiner , in der Kritik der prako
tiſden Vernunft vorangegangenen , an ſich unvers
werflichen Auflöſung des Guten in die unwandele
baren Gereze der Vernunft , ist dennoch ebenfalls
a priori , mithin ebenfalls na di nothwendio
gen Gelegen des Denkens felbft , bald
Riechtens reyn laſſen kann , was Unrecht ift , bald
Unrecht, was Rechtens ift, S. 139, 140, je nach.
dem
337

dem ein und eben derſelbe Rechtsfall bor dle pris


1 vats rechtlich . praktiſche , oder vor die gerichtsho .
fiſch , rectlich praktiſde, beydemal aber reine
Vernunft gezogen wird.). Doch nein , ich befinne
mich ſo eben ; es ſind eitel Midperſtändniſſe wel.
de und entzweyen , und dieſe miðberſtåndniſſe, ben
ruhen bloß wieder auf einer gewiſſen Art von uns
verzenhlichem mūTOV VEūdos, dergleichen eines
ein kritiſcher Recenſent erſter Griffe mir ſchon
långſt einmal in meiner Arbeit unmittelbar aus
der Kritik berpleſen hat , wie ich noch wohl weiß
und mir unvergebli : bleiben wird. Sene objeto
tive Realität , worüber die Vernunft noch auſſer
den Grenzen der Erfahrung von Threm Ridter zu
Rede geſtellt wird und nicht mehr Red' und Anto
wort geben kann , iſt nichts weniger als objektio
im gemeinen , ſondern objektiv In einem neuen ties
feren Sinne des Worte, Da iſt nichts Raumu
zelts und finnenfälliges mehr am Objektiven ; und
dod ift's objektiv. Denn , wenn gleid in
der Kritik der reinen Vernunft , dem , was
über die Grenzen der Anſchauung hinausliegt ,
eine obiettive Realitåt abgeſprochen wird : ro
wird dennoch in der Kritik der praktirden
Vernunft ( S. 207. u. f. w. wobei jedoch die
Stelle aus Epifur'o Kanonit S. 217 eben
falls beachtet werden dürfte) und in den Meta .
phortiden Anfang og runden der Redt8.

338

Tehre ( S. 141 u . l. w.) das Dbjektide and


ro genommen , daß eb ein Ding an fidoy , und nicht
bloß Etwas , in der ſubjektiven Vorſtellung des
Meniden Itegenbes , bezeichnen muß. Objektiv iſt,
wle man's braucht, bald ſinnlido , bald dinglios
objektiv ; Wer es damit anders meynt , verſteht
.
nur das Handwert des Redt8 und Links
zugleid , noch nicht comme il faut. Ueber die
Grenzen eluer möglichen Anſchauung hinaus kann
dle theoretiſche Verhunft bloß nichts Dinglid
objektive & mehr ohne Lüge lezen ; denn vom
Sinnlid , oder Anído auilido objektiven
darf ja freilich vermoge der ſelbſteigenen Voraud ,
fezung , vernünftigerwelffe hier nicht mehr geſpro.
chen werden , dies hieſſe fo viel , als fragen ; ob
man auch da noch Unſchauungen haben oder man
chen könne , wo man ſelbſt vorher die Anſchauun .
gen für unmöglich erklärt hatte. So ift's zu neh,
men ; wer's anders nimmt , weiß nidte. Uber
warum , erlaube ich mir zu fragen , kann denn alı
ſo die theoretiſche Vernunft über die Grenzen elo
ner möglichen Anſchauung hinaus nichts Dinge
lider objektio e $ mehr Rezen ? und erhalte von
der Kritik dte Antwort : weil id dir lage ( per pe
titionem principii), daß meine Rategorieen über die
Grenzen einer möglichen Anſchauung hinaus blind
werden . Die Anſchauung , muß id daher urthelo 1
Ten iſt es folglich denn doce , welche aude das 1
339

Dinglider objektide als Realitat begründen


muß. Wo keine Anſchauung mehr möglid iſt , da
iſt mithin keine Realitåt mehr , vielmehr iſt alles
3 als leere Vernünfteley auszurdlagen , was ( im
Gebiethe der ſpekulativen Vernunft ) ſeine ob.
jeftive Realitåt nidot durch augenſcheinliche in der
Erfahrung aufzuſtellende Belſpiele beglaubigen kann ,
( eb's praktiſch hergeht Kritik der praktiſchen
Vernunft S. 217 ) , und der Saz bleibt unerſchůto
0 terlich ſtehen : Kant hat der ſpel ulativen
Vernunft noch Unſchauungen als eine
zig moglide Proben der Realität in
ihrer Auffagen , jugemuthet , nad dem
er ite oorher ſelbſt über die Grenze u
Der Möglichkeit irgend einer und au
ung hinweggerůkt hatte , und in ſo
fern er ſte vorber ſelbſt darüber hins
weggerůft hatte ; hat ihr alſo eine fels
ftung auferlegt , welcher zu entſpres
den , durd ſeine ſelbſt eigene Voraus .
regung , unter welder die leiſtung ges
dhehen sollte , von ihm in eigener Pers
for unmöglido gemadt worden war ,
und hat dann das Hodeſte, was die
Men dehelt beligt , als etwas.blo & att
und får fld betrachtetes , darüber
verda inmt, weil es not letft en tonne,
was er ihm gleid wohl durdo reine

1
340

elgene Voraus rezung , unter dieſer


Vorauslegung zu leiſten , ſelbſt und
in eigener Perſon , ju leift en unmogu
lid gemacht hatte , hat aber derren
ungeadotet oor wie nad wieder behau pe
tet , ſeine einzig möglichen Proben der Realitåt,
1 die Anſchauungen reiner ſowohl als unreiner Nas
tur , führen darum dod zu keiner Reali.
tåt , zu feinem Dinge an itd , ſondern zu
bloſſen Erſcheinungen , die Mathematik felbft ſene
nur unumſtößlich um der Anſdauungen , nicht um
der (ohne Anſchauungen armſeeligen ) Sdlüffe mil
len , worauf fie beruht , hat alſo auch die Mathe.
matit zu keiner Realitåt an fich gelangen laſſen ,
ſondern nur zu einer nothwendigen Eridelnung .
beiſpiellos erniedriget , die Metaphyſik hingegen als
Wiffenídaft , welcher anſchauungélore Sdlüffe zum
Grunde liegen , hat er zuerſt gånzlich verworfen ,
und hintendrein zwey threr Hauptſtufe dod) wies
der aufgebaut auf ein Faktum , all faktum ,
mithin felnem eigenen Syſteme gemäß aufgebaut
auf eine nothwendige Erfd einung ( denn
zu den Dingen an fide kommen wir bekanntlid
nicht ) , und zwar auf eine nothwendige Erſcheinung
im Denken ſelbſt , als einem Denken ?
die ſich durch zufällige Erſcheinungen , durch Sands
1
lungen , auch gróblich verſinnlichen laſſe , und ,
weil ſie ſich gråblich verſinnliden lalo
341

re , auch dem , was ſie zu threr Möglichkeit vors


ausſejen , (was alſo als Grund der Möglidos
teit , doch wohl keineswegs anſchaulido reyu tonn
te ? ) ebenfalls objektive d. t. anſdauliche Realität
zuſichern. Dieſe finnenfålige gröbliche Realitåt
(dabei aber doch and keine Realitåt , denn zu
den D'nzen an fid kommen wir bekanntlich nicht)
wäre nun hierauf das , woran alle Philoſophie vor
Kant in ihrer Einfalt nie dachte , wåre z. B. et.
ne nicht bloß fubjeftine Vorſtellung von Gott,
ſondern vielmehr die Berkündigung einer objektiven ,
4
anſdaullohen , palpabelen Eriſten , an ihm , obwohl
die Idee von ihm um ihrer Anſchauungsloſigkeit
willen zuvor får dlalektilo , d. I. für etwas , auf
blope armſeelige Schlafe und blind gewordene Ka.
tegorieen gefiúzte , mithin finns und bedeutungse
lores erklärt , dabei aber doch hinwiederum , als
et wa $ finn und bedeutung d l ores zum
Regulativ unſerer geſammten Erfahrungskennt,
niſſe geſtempelt worden war ?. Neben dieſem und
In demſelben kritiſchen Gelfte wird denn auch die
Möglichkeit des Denkens erft duro Begriffe (Ka:
tegorieen (Kritit der r. Vernunft &, 125. u.ſ. w .
und Reflerlonébegriffe), die Möglichkeit des Sdliefs
fend erft burd Urtheile begründet, da dodo das
Denken als Denken , Begriffe , oder die Vera
nunft al 8 Wernunft, Urtbelle ſowohl als Schlüſe
re erſt möglich macht. Neben dieſem und in dem
342

felben tritiſchen Gelfte muß das Denken , als ein


Unbedingtes und als eine ab rolute Möglidhkeit
weldbe über die Denkform dieſes Namens hinaus.
ſtreift , (1. c. S. 285 ) , fica felbſt erſt in Schlüſ
ſen ſuden ; um hingegen zur Möglichkeit einer Uns
chauung zu gelangen , gebiethet man dem Mens
roben nur geradezu idon a priori in Raum und
Zeit anzuſdauen , und macht ihn zum apriortiden
Bilioner , der zulezt in einen Weltenkopf auswådet,
welcher in Vifionen alles umfaßt , was Realitåt
heißt , aber feine privative aprioriſdhe Difionsgabe
( die eine und retne Philoſophie genannt) fretlich
feinem Menſchen mehr mittheilen kann. Neben
dieſem und ungeachtet deſſen , daß die Kategorieen
dle Function der Einheit des Denkens darſtellen
1. c. S. 94 , Pezt doch die Kategorie ſelbſt ſchon
Verbindung voraus S. 131 ; dieſe Verbindung aber
iſt nicht die analytiſche Form des Denkens felbſt,
(oids wåre bloß kogird nicht fritid S.
267) , ſondern die urſprünglich ſynthet le
fe? Einheit der Apperzeption , mithin das an
maltid e Bewußtſeyn mit den , thin bereits 'uns
terlegten zwe !f Denkformen , aus welchen dad :
9 do dente : reſultiert (S. 131 - 143). Neben
dleſem , und ungeachtet deffen , daß ein Gefez, zu
welchem Feine Anſchauung hinzukåme , nicht reell
coder nur halb reell ? ) feyn müßte, wird es (Krio
tit der praktiſchen Vernunft Seit. 68 ) für einen
343

platten Widerſpruch erklärt, ,, fich ein Gefühl (mit'


hin dod wohl aud eine Anſchauung ) eines Ges
Rejes alb eines folden , zu denken , und
da bjentge zum Gegenſtande der Em.
pfindung zu machen , was nur durd
Bernunft gedacht werden kann.“ Sind
dieſe Reihen von Widerſprüden nicht eben ſo viele
philoſophiſche Kireboſchåden ; und Krebsſchåden könnr
te man mit Roſenwaffer heilen ? Es entſtehe
für ihn daraus auch was da wolle , der Redlidbe
ſpricht frei von der Bruſt , wenn's der Wahrheit
gilt gegenüber som triumphirenden Sohngelächter
gehaltleerer Chikanen ? Uuf das Beladen u n .
8
tritt der Ignoranten ( beint es ja ohnehin
1
mit der Kritik angelegt gewcien zu reyn ; denn ſo
ſpricht thr Verfaſſer ( Seit. X vergl. Seit, IX der
Vorrede zu den Metapbyfiſden Anfangsgründen
der Rechtslehre ) ,wenn es ein nicht zu berachten .
der Problerſtein für die Wahrheit einer Lehre tft.
wenn ſie das Beladen aushålt : ſo mußte wohl
-
an den kritiſden Philoſophen mit der Zeit die Reihe
kommen , julegt , und ſo auch am beſten , zu
lachen .“ Wer durch ſein eigenes Beiſpiel ſo ans
1:
caulido gezeigt hat , daß den papiernen Syu
ftemen (ebenb . ) einer Metaphyfit nur durch to
derſprüche an Widerſprüden , mithin nur Durch elo
ne Endſchaft des Denkens felbft , mithin nur durch
eine Kritik unter aller Kritik , ein Ende gemacht
344

werden könne ; dem ift es zu gönnen , wenn er


wenigſtens noch am beſten ladat ; philoſophiert y
bat er nicht am beſten . Allein wie tft es zu er
klåren , daß es einem Philoſophen ſchon in primis
viis , vermittelſt einer gånzlichen Hintanſezung des
Widerſprudeslazes , ja vermittelft einer gentaliſchen
Fertigkeit , durch das Geſez des Gegenjazes in ſeto
ner Imagination , daß ftontraſtierendſte gerade am
leichteſten zu kombinteren , ( Hogarthilde Mas
nier in der Philoſophie ), alſo ergehen , und doch
dabei mit vielen hundert Seiten platter Wider's
ſprådge bet feluem Publikum ſo auốnehmenb gelins i
gen konnte ? Dieſe Frage beantwortet das Zeitals
ter , in weldes er zu fallen das Glür hatte. Es
iſt das Zeitalter des Bodmelkens , (Worte der
Rritit der reinen Vernunft Seit, 82, 83 ),
wobel , well'8 was neues tft , tauſende kommen ,
und das Sieb unterhalten . Mir genügt, dies auf
die Philoſophie einzufdranken. Reibniz hatte
fich vergeblich den Verſuchen foke's , alles am
Menſchen aus der Erfahrung zu erklären , entger
gengeſest ; fetn ttefer Blit war nur für wenige uns
ter ſeinem eigenen Volke : für Fremde, ſcheint es,
gar nicht. Britten und Franzoſen beharrten
bei fole , ( man ſehe den Diſcours preliminaire
zur Franzöſiſchen Enzyklopädie ). Im Vertrauen
auf dle. Unumſtößlichkeit der Polifd eu Grunds
fåze und unter den zuverſichtliften Erwartungen
345

des reellen Dants , den Ihnen Ihr Abgott , dle


Sinnlichkett und Imagination , dafür erſtatten
311 würde , ward endlich bei beiden Nationen eing
mechaniſche Erklärungsart des Urſprunge der
geſammten menſchlichen Erkenntniß , ein pſychom

za logiſches Gehirnfibernſyſtem , zu Stande gebracht;


die Form aus dem oſzidierenden Stoffe , das Ding
ken aus ( hypothetiſchen Anſdaulichkeiten , die
Analyſis des Denkens ſelbſt aus einer Syntheſis
des Mannigfaltigen , das Weſen aus dem Unwes
fen abgeleitet, mithin', wie die Kritik der reinen
Bernunft fpricht, in der Philoſophie , (zum
mindeſten ) , das Geſchäft des Bodmelkens zur
künftigen Tagesordnung für's Sahrhundert der
Aufklärung eingeleitet. Derer , die da tamen

und das Steb unterhielten , waren ungåhlige ,


und unter dieſen unzähligen , was ſid von ſelbſt
berſteht ( car même ce Ms. Leibniz n'étoit
qu'un Allemand ) , auch die Deutſchen , und uno
1
ter den Deatſen sant. Mit eigenen
Handgriffen ſchrtet dieſer an's Werk. Er vers
ſtand , wie2 kein anderer , das Recht und

11 fint.8.-zugleich ; feibniz und fole mußten


fich aubſobnen : die Kritit der reinen Vernunft
ward ( per Syncretismum enormem ). Leibnis
hatte , was er wußte , in Rant' Augen nur
9
halb gewußt ; dem Britten fole gleng's nicht
beſſer , (Kritik der r. V. Selt, 118, 119 :) wer
346

ég vermochte beyde Helften zuſammenzuſpielen,


nur der erhielt ein ganzes Stüt. Die oſzidies
renden Gehirnfibern wurden alſo geſchaben und
gepuzt. Geſchaben und gepuzt , bekamen ſie eine
feibniziſche Niene glengen in Aprioritäten
über , und gaben netto ein Gedeke von zwölf
Schüſſeln unter dem ausländiſchen Namen der
Kategorieen , deren Urheber ( dem Griechen
Ariftoteles) es wohl nie geträumthaben mochs
te , daß man ſeine modos enunciationis

(Ocimuata natryogías, de Decem Categor, Cap.


IV ) , je würde zu Möglichkeiten eines Deno
tens überhaupt ; misbrauchen können. Aber
der kurzſichtige Leibniz ( auch einer von den 1
1
untritiſchen Ignoranten 1. c .) hatte nicht gemerkt, .
daß die Verſtandes:aprioritåt , welche er in Schuz
nahm , von Natur blind reye, daß fie nur in eis
ner halben Realttát beftehe , welche die andere
Helfte igrer Realitåt erſt ' aus Engelland , von
Hote's Unſchauungen erwarte ; dies ( daß die
Sinnlichkeit den Verſtand realiſieren müſſe , Krbo
tik der r. V. S. 187 ) merkte man erſt am Ens
de des aufgeklärten Fahrhunderts , und zwar auch
da mur allein zu Königsberg. Kaum war
bles , ſcharfſinnig ohne Gleichen , gemerkt wore
ben : tum
347

h Vidimus flavum Tiberim , retortis


Littore Etruſco violenter undis ,
Ire dejectum monumenta regis
Templaque Veftæ .

Um die Metaphyſik , die nur eine Inkonſequenz


bei fole ( Kritit der reinen Bernunft S. 127 )
0
noch retten konnte , war es nun auf immer und
b ewig geſchehen . Ellenlang geſtrekt in zwölf Rao
tegorieen und vier paar Reflexionsbegriffen lag
der menſchlide Verſtand tzt da , und lag finns
und bedeutungolos, mithin unfähig zu jeder fünf
tigen Metaphyfit , tzt da , bis die wohlthätige
Fee ciner reinen Anſdauung ( die rein Kane
tirden Urſpru « g's ift , Vorrede zu den Meta.
phyſiſchen Unfangegründen einer Rechtslehre Seit .
VII , VIII ) , fich , in ſo weit er auf die Stůms
perey einer Metaphyfil Perzicht that , ſeiner
erbarmte , thm tiefer unten die , weiter oben ber .
mißte , Selfte einer fremden Realitåt zutrug, fyn
a priori ( ohne Augen ) anſdauen , und , was er
a priori angeſchaut hatte , a pofteriori gråblich
vollends verſieglen ließ ; nam , quid juvat aſpec
tus fi non conceditur uſus ? S. 195 Kritik der
1. V. - War auf dieſe Weiffe die empiriſche Seen
lenlehre ; ( deren Epoche mit fote begann ) , itt
threr febre von den Sinnen , dahin berzerrt
worden , daß es nun transzendental hiegi
348 m

gleichwie den Sinnen aller Menſchen eine urs


ſprüngliche gemeinſchaftliche Dispoſition zum
Grunde liegen muß , damit ſie in ſo vielen tau .
ſend Menſchenkopfen über die Farben , Idne u.
f. w. mit einander ałkordieren , (Kritik der reinen
Bernunft S. 63 ) alſo muß den Sinnen aller
Menſchen auch eine urſprüngliche ( aprioriſche)
fich aber als Zranoj endental bei weitem
son jener unterſcheidende ? Raum . und Zeitdibs
poſition (reine Unſchauung betitelt ) zum Grunde
Itegen , damit ſie mit Kant's Philoſophie aktors
dleren : ſo wurde die empiriſche Seelenlehre auch
In threr Lehre von der Phantaſie nichts weni.
ger als vom Transzendental werden vers
ſchont. Man hatte nåınlid , auſſer dem bereits
abgefertigten Berſtande, tzt noch ſeine Itebe Neth
mit der reinen Vernunft , um der Meta,
phufit den verdienten Staupbeſen , nad aller
form Rechtend , geben zu können . In der
Lehre von der Phantaſie lebrte nun der empiris
de Seelenlehrer , über die Grenzen einer nog:
lichen Gewahrnehmung hinaus haben die Phans
taſiebilder keine objektive Realttåt , indem thaen
da kein wirklicher Gegenſtand in der Anſchauung
mehr unterlegt werden könne. Erwünſchter håtte
er nichts lebren Banen für eine Kritif , in der
es ſelbſt mit der reinen Vernunft über die Grenı
zen einer möglichen Gewahrnehmung blnaus niďt
349

mehr richtig ſeyn ſollte. Für das Wort Phanto


taſte durfte dieſe ijt bloß den Auddruk reine
V er n unft unterſchieben , das was ſie von der
Phantaſie (per heteronomiam ) tn's Weſen des
EN Denkens herübergezogen hatte , für eine Trands
zendentale , nur einer Kritik mögliche , vorhin
noch nie erlebte Einſicht in die Bloſſen der ret.
nen Vernunft ſelbſt ausgeben , und ein , an 'nichts
ſo ſehr als an die Empirie gewohntes , Zeitalter
glaubte das gar gerne auch vollends von ſeiner
eigenen reinen Vernunft , wovon es an ſeiner
Phantaſie tägliche Proben fand. Das Glauben,
zu welchem Kant , wie er ſagt , erft Plaz mas
cen mußte ? erfolgte diesfalls um fo philoſophie
richer , da ja ſelbſt derjenige , welcher noch logik
gelernt hatte , dies Reſultat einer neuen Philos
ſophie fich ichon aus dem alten Saze feiner los
ET git , daß das phyſiſch Wahre zwar aud logiſd
L wahr , das logiſch Wahre hingegen nicht eben
so auch phyſiſch wahr leyn müffe , durch eine un.
gemein leichte Konſequenz, ohne ſo viele Extra .
vagancen , von ſelbſt entwiklen fonnte ; denn ,
wenn das logiſch Wahre ( Mögliche ) nicht eben
fo wohl auc phyſiſch wahr (wirklich ſeyn muß,
weil es einmal logird wahr ift , fo folgt,
daß zur logiſchen Wahrheit die Gewahrnehmung
( als integrierender Theil ihrer Realitat ?) unum
gånglich erfordert werde. Auch die Naſenweiße
350

helt der zuchtvergeffenen reinen Vernunft hatte


alſo izt vollends auf dieſe Urt an Kanten ih .
ren Meiſter gefunden . Dieſer entlokte ihr nåm.
lich , als ihr rermeyntlich beſter Freund , jenes
bisherige Geheimniß ihres Phantaſieweſens bis .
auf den Boden , ( ſo ſpricht man als ne uſter
Kritiker) ; war aber auch unvorſichtig genug , das
was fie thm allein und im Vertrauten geoffene
bahrt hatte , alsbald vor aller Welt auszuplau .
dern . Nach avthentiſden Nachrichten der Rrittt
lautete es : „ſie , die reine Bernunft , wode thm
nicht vorenthalten , wie es ihr mit ihren Aufta .
gen nicht beſſer ergehe , als threr Schweſter der
Phantaſie. Ueber die Grenzen einer möglichen
Erfahrung hinaus betrüge fie die Leute , gleich
jener , mit einem leeren ſubjektiven Scheine ; fey
aber unſchuldig dabet : denn ſie müſſe eß thun ,
und tonne ja nicht anders al 8 reine Ber.
nunft. Nur in demjenigen , was ſie über die
Grenzen einer möglichen Erfahrung hinaus tho
rem tant von ſich ſelbſt anvertraue , låge fie
gewiß nicht. Zwar rey es auf dieſe Weiffe nicht
nur um alle Metaphyſit , ſondern aud um alle
Logit , als Wiſſenſchaft , fo gar , wenn man's
beim Fichte betrachte , um alle Moral geſchehen ,
und es werde überhaupt dem Uneingeweyhten
delnen , threm erſten Auserwählten fehle es , bet
ſeinem treflichen Genie , überall an den Funo
351

damenten . Allein wenn er es fene, welder


von der Wiſſenſchaft der Metaphyſit noch einige
Stúfdben , und von den beyden anderen , ſo eben
genannten , alles , bisher zu ihnen Gehörige , zu
retten , oder auch daſſelbe mit neuen Entdekun.
gen zu bereichern gedenke : To ſoll er nur poft u.
lieren , und es werde geſchehen . Von nun an
rey ihm alles möglich ; das Dawiderreden werde
bei ihm , wie ehmals bei gewiſſen berühmten
1 Menſchen in Griechenland , ſo wenig Schwierige
feir haben als das Dafårreden ( Kritik der r . B.
S. 697 vergl. S. 353 , 355 , 369 — 399 , 170,
171 u. l. w.). Aber verrathen darf er ſie nicht ;
denn ſonft lerne , wer Weißheit ſuche, entweder
bloß , wie man , nach aufgehobener Kategorieen.

1 tafel und abgegangenen reinen Anſchauungeli , fie


ſelbſt , die Vernunft , mishandlen ; ja der ewigen
Weißheit objektiv zu ſchaffen machen müſſe , oder
er wolle auch wieder an ſeinem Theile etwas por
ftulieren , auch wieder ſeine eigenen reinen Uus
fdauungen haben , und da würden endlid Din,
ge daraus entſtehen , die der Zeit nicht gleido
wåren . Nur thm fey alſo das Geheimniß an .
vertraut ſub figillo filentii reciproci ; hiemit
entlaffe fie thn und verbleibe u. l. w . “ Da nun
aber Rant , wie geſagt , nic Wort hielt ; ſons
dern der reinen Vernunft mit beſtåndiger Bezies
hung auf thre , an ihn gethane , eigene Erkldo
352

rung , mithin durch ſich ſelbſt Offentlich den Pro.


ceß machte : ro erfuhren wir bei dieſer Gelegens
bett alle in Deutſchland , die reine Vernunft kön .
ne und müſſe als reia , folglich ganz und gar
aus fich ſelbſt , gleid einem Phantaſierenden ein
ideal ſchaffen , die reine Vernunft fónne und
müſſe als rein , folglich ganz und gar aus
fich ſelbſt , gleich einem Phantaſierenden in einen
Paralogismus und in eine Untihomie ,
d . t. in einen Widerſtrelt threr eigenen Geſeze uns
ter fich , verfallen , das Denten måffe alſo fich
felbſt , als ein Denken , nothwendigerweiffe
aufheben , und ſeinem Grund und Weſen nach
fich ſelbſt, als reines Denken zerſtören.
Das Rad der Schöpfung ſteht ſtille ; die Nacht
des Chaos bricht wieder ein : - die Vernunft
beginnt zu raſen , und muß rafen , in
o ferne te reine Vernunft ift. Kritiker,
find das keine Krebsſchaden ? Gehabt euch
wohl ; id kehre zu den Griechen zurük. Die foo
gik ſelbſt ſoll zu ſeiner Zeit folgen .

Nachs
?
1

353

Nachtrag.
31
Ein Unbekannter , welchem der Nushångebos
ar
gen B von dieſer Schrift zu Geſicht kam , fand,
ein
wie ich höre , die Probe über den 12ten S
no
S. 21 nicht perſtåndlich genug. Zum Behufe
Eu
rolcher , denen es eben ſo ergeben könnte , Reze
ich alſo hier noch bei. - Wenn man etwas Ger
B,
badtes in den Zuſtand des Nichtgedachten zu
ms
verregen ſucht: ſo wird allemal wieder etwas Ger
ht
dachtes daraus , oder aber es war nie etwas Ges
dachtes : cogitatum punquam poteft effe f. fieși
non cogitatum . Eben darum kann auch die
Kopula , als Kopula , nie negtert , d. t. nie
zur Nicht, kopula gemacht werden. Iſt z. B. in
doctus oder omnis das Denken , als ein
in
Denken , einmal gerezt , und in der Reihe der
Bar
unendlich maligen Wiederholbarkeit des A all A
im doctus oder omnis , wird durch die Imaglo
201
nation einem ein Non A vorgehalten : ſo wird
im Denken ſelbſt , als einem Denken , dies
Non A allemal wieder zu einem non Non - A =
A. Warum ? Weil keine Kopula , als Ropula ,
neglert werden kann , ohne daß fie durch das ,
an ihr verſuchte , Negieren ſelbſt , fich , in fo fer
ne fie Kopula d. t. form iſt, als unzerſtörbar
und inalterabel legitimierte. Stelle id in met

ner Imagination ein : doctus non eſt doctus ,


3
354

oder , omnis non eft omnis , zuſammen , zlehe


alſo hier in einer bloffen Vorſtellung für mein
Denken die Negation zur Ropula ( des Denkens
felbft ) : ſo wird in meinem Denten , als einem
Denlen , daraus werden müffen : doctus non
eft Non - doctus ( A = A ) ; omnis non eft Non
ompis ( A = A) ; verbiet hender Imperativ ,
Cogitatam , qua cogitatum , ſemper unum

idemque eft ( ësi) , perceptum , qua percep


tum , non ſemper unum idemque manet ( gées).
Eine gånzlide Verworrenheit der Elementarbe.
griffe muß daher in einem Kopfe vorausgeſezt
werden , welcher dem Gedachten als einem
Gedachten , unter dem Namen einer bloffen
(menſdlichen ) Subjektivität , die Realität
des Se y n' $ abſpricht ; denn das Denken , als
ein Denfen , das Gedachte , als ein Gedachtes ,
auch nur in den Begriff einer blofſen ( menſchlto
dhen ) Subjektivitåt , als in feinen , von dieſer
Subjektivität abhängigen oder durch ſie beſtimm .
ten Grund , aufnehmen , und deßhalb dem Den.
ten ſowohl als dem Gedachten theils eine bloß
ſubjektiøs eingebildete ( dialektiſche ) , theils aber
eine , erſt durd Anſchauungen herbeizuführende
Realität anſinnen zu wollen , berråth ſchon ein
vitium primæ concoctionis (ſiehe oben). Das
Gedachte , als gedacht , iſt, und iſt ohne
alle Rükſidt auf menſchliche Subjektivität , wels

1
355

dhe thm , als einem Gedachten , nichts von Rear


litåt geben , und nichts davon nehmen kann . Ein
Wefen aller Weſen z. B. , ein Prius nat' foxrv,
ein Gott , iſt ein Gedachtes , als gedacht; eto
nem Weſen aller Weſen , einem Prius variéfoxriv,
einem Gott muß demnach auch ein Seyn zum
tomnien , ohne alle Rütſicht auf menſchliche Sub .
jektivitåt , die ihm , als einem Gedachten , nichts
bon Realitåt geben und nichts davor nehmen
tann . - Sollte auch das (B B) Schwierig .
keiten finden ; ,,weil ja , wie jedermann ſchon aus
der Arithmetit wiffe ,
das B durch ein (- B )
offenbar wieder aufgehoben werde : ” fo dient
zur Antwort. 1 ) Nier ( im B - B , als eine
sig möglicher Beſdhreibung des Objekts , fier
be oben) iſt das minus durch eine Form (burch's
Denken ) auf eine andere Form ( auf die des
Stoffs ) angewandt , und keine Form tann die
andere zernichten ; ſondern manifeftiert fich bloß
an der anderen Form als ein minus ( eine Neo
gation) deffen , was diefe andere Form ift , aus
welder Manifeſtation ( eines minus beffen an ihr,
was fie ſelbſt iſt ) , alsdann eben dieſe andere Form
in einem (+ b) auch wirklich ganz unverſehrt
(aber unter Zweken ) hervorgeht. 2) Eine jede
Negation ift Sezung deſſen , was negiert wird ,
auffer demjenigen , wovon oder woran es
neglert wird ; dies muß auch der Mathematiker
32
i

356 -

zugeben. Indem er aber dieſes zuglebt , ſo giebt


er zugleich zu , daß bei jeder Negation e) etn ,
fie zwar als Negation Sejendes , aber ſelbſt und
an fich Nichtnegatives (ein Denken ) , daß ) bei
jeber Negation ein ; ſie zwar als Negation Aufe
nehmended , aber ſelbſt und an ſich Nichtnegati.
ves ( inalterabeles Auſſereinander ) vorausgeſezt
werde , wodurch alsdann die Negationen des da
oder dort , mithin die Sezungen deffen , was nes
giert wird , auſſer demjenigen , wovon oder
woran es negiert wird (negationes in concre
to ) erſt möglich gemacht werden . Das aber ,
was alle dieſe Negationen in concreto erſt mögs
lich macht , das minus nåmlich im Rbjekte
( im - B ) kann doch gewiß nicht ohne nothwen.
digen und unzertrennlichen Zuſammenhang mit
demjenigen ſtehen , was daran negiert wird ( uns
geachtet dies minus nichts weniger als das Neo
gierte ſelbſt iſt) ; fonft würde in das Unendliche
hinein negtert , und keine Negation båtte Stan
und Bedeutung : die Mulle ſelbſt ſtånde oben als
Grund der Möglichkeit alles Neglerens, Wer kann
dies denken ? Und kann man es nicht , ſo geſteht
man eben dadurd ein , daß (B - B) in der ,
hier feſt gerezten , Bedeutung des Obs
ielts , keineswegs = 0 , ſondern vielmehr = ( B
- B + b) reye. Noch eines zur leichteren Ueber,
ficht des Gangen !
357

1 ) Feber Cirtel drüft eine Komplexion son


Perhåltniſſen aus , nach welchen alles an ihm ,
als einem Cirkel , beſtimmt iſt , und die dode
nicht in ihm , als etwas , mit ſinnlichen Merko
malen behaftetem (als etwas Sichtbarem ) liegen.
2 ) Jeder Begriff drült eine Romplerion von
Verhåltniffen aus , nad welden die Merkmale
dieſes Begriffs beſtimmt ſind , und die doch nicht
in dieſem Begriffe , als etwas , mit ſinnlichen
Merkmalen behaftetem , liegen.
3) Die Verhältniffe ( von Num. I und 2)
ſind ein Gedachteg , als gedacht, = ( -- B ) =
Möglichkeit,
4) Sener Cirkel ro wie die Merkmale dieſes
Begriffes find ( abgeſehen vom Stoffhaltigen dars
an ) ein Gedachtes , al $ gedachtes Etwa 8 ,
= ( B ) = Wirklichkeit. Beydes zuſammen =
(B - B ) = Objekt.
5) ( B - B ) produciert nothwendig ein ( + b )
d. I. die Wirklichkeit , beſtimmt durch die Mög .
lichkeit , rezt die Form des Allgemeinen nothwen .
digerweiſie immer wieder an der Form des Bea
ſonderen , glebt folglich ein Beltſyſtem , als 6 ye
item .
6) Aber ( B) , oder die Möglichkeit , an
der Spize eines Beltſyſtems , wäre eine Negar
tion an der Splze eines Weltſyſtems,
358

7) 3d muß alſo über das Weltſyſtem hins


aus zu einem Plus , das , was es iſt , ſchon in
und durch rich felbft ift , zu einem Plus für die
Möglichkeit aller anderen Plus , zu einer Mogo
lidkeit alles Möglichen , das in's Weltſyſtem
tereinfällt , zu einem Seyn erſter Ordnung , zu
einem Wefen der Weſen , zu einem Geiſte aller
Geiſter , zu einer Urſubſtanz für alles Geiſtige an
dem Weltal überhaupt , zu einem Gott.
8) Einen modus inalterabilis feines Seyns
Hat' etoxis hat mir dieſer Gott an meinem
Denken geoffenbahrt; er heißt A als A in A ,
durch A , ( Gerez der Identität).
9) Beztehe ich alles an mir auf dieſen modus

inalterabilis feines Senn's rat' stogin :


ſo folge ich der Wahrheit , der Pflicht und dem
Recht.
10) U18 der unwandelbare und allgegenwäre
tige Gott , welcher er iſt , muß er alſo zugleich
Urquell deffen ſeyn , was Wabrheit , Pflicht und
Recht ift, muß ullweiſe , Allgåtig und
Gerecht regn .
11 ) Adweißheit , Augüte und Gerechtigkeit
tft folglich die Regel, nach welcher ich das Welt.
ſyſtem , als Syſtem als gedacht ) zu beurs
theilen , nach welcher ich jede meiner Erfahruns
gen , als Erfahrung ( nicht bloß als Sinnens

eindrut , Unſchauung und dávteoUC ) zu recht


359

zu legen und zu verſtehen habe. Religiofitát


iſt meine erſte Pflicht in Abſicht auf die Weltbe.
urtheilung ; (copia fapientia der Stoiker , Off.
1 , 43 , princepsque omnium virtutum eft illa
fapientia , quam copiæ Græci nominant I. c. ,
Platon nennt fie vorons. Ich bin mir kelo
ner Stelle bei den Alten bewußt , durch die mir
Cicero's ſcientia rerum divinarum atque huma
narum 1. c. deutlicher geworden wäre , als durch
folgenden Ausſpruch Antontn's Comment.
ad f. i. Libr. III , p. 37 , „ Immer , fagt er das
1
ſelbſt , feyen dir die Grundſåze gegenwärtig , nach
welden du das Osttliche und Menſchliche ertens
$
nen kannſt , um alles , auch das Geringſte , eine
- gedent der Verbindung zwiſchen beyben , zu volle
bringen ; denn ohne Beziehung auf das Göttliche
wirſt du nichts Menſchliches recht thun , und um
gefehrt , ohne Beziehung auf das Menſdliche
nichts Göttliches ) . "
12) Dieſe Art von Religiofitåt wird auch
die ſicherſte Grundlage meiner Moralitåt werden ;
denn ſie beruht ſelbſt ſchon auf der Anerlennung
deſſen , was über die Sinnlichkeit erhaben iſt ,
als der höchſten ja einziger Realttåt : und
nur unter dieſer Vorausſejung kann man mir zur
muthen , mich in meinen Handlungen , als
Menſch , durch das, was einzig Realitåt hat,
nicht aber durch das Sinnliche, beſtimmen zu laſ
ſen . Hat das Ueberſinnlide an rich keine Rego
360

Ittåt , ſondern erhält ſie erſt durch Anfdauungen ,


und man muthet mir dennoch zu , mich dadurch
leiten zu laſſen : Po weiß man nicht, was man will.
13) Was als Grund der apodiktiſchen Ge.
wißheit dieſer Såze (von Num . 6 ) gilt , eben das
muß gleichfalls fchon vorausgeſezt werden , wenn
auch nur eine logit , ale logit , eine Bernunft.
lehre aus der Vernunft , nicht bloß aus der
Indnktion , aufgeſtellt werden ſoll.
14 ) Adein , wem es nun freilich ſo gut geo
worden iſt , eine Anſchauungsphiloſophie , als
Philoſople , ertragen zu können , ſie habe den
Epikuriſch Franzöſiſchen , oder Kantiſch ,Deutſchen
Zuſchnitt , mithin ohne irgend einen Verſtoß ges
gen reinen ( ganz beſonderen ) Widerſpruchsſaz .
die Conditionen von Seiten des Stoffs in die Urs
rache , den Grund , das Prius xat t &oxcyv,
die Phyſit in eine Metaphyfit , die Chemie tu ets
ne Ontologte zu verwandlen , dieſe phyſiſche Men
taphyfik , dieſe chemiſche Ontologie aber denn doch
auch wieder ( à la Kant) får nichts weniger als
für die Erreichung des an ſich Reellen zu erllås •
ren , folglich zu philoſopbieren , ohne daß je elne
Philoſophie Herausfåme , und auf dieſe Urt allein
redt ( kritiſch ) zu philoſophieren , von dem muß
man's fich gefallen laſſen , wenn er einem fammt
aller logik , zugleich auch alle jene Såze ( von
Num. 6 an ) umftogt.
A n m . Zur Erläuterung des Unterſchieds
zmlſchen bloſſen Conditionen und der Urſache ,
dem Grunde ,dem Prius nat' gogern , dient
vorzüglich das Praktiſche. Die Detention s.
B. ( fi quid manu teneo vel corpore occupo )
kann zwar allerdings eine Condition der Up .
propriation helffen , aber iſt ſie darum auch th .
re Urſache u . f. w. ?

COLUMBIA UNIVERSITY LIBRARIES

0021101574