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Prophetischer Dienst

in der Gemeinde des 21. Jh.

Chancen und Gefahren

Peter Winzeler

Autor: Peter Winzeler


Art: Abschlussarbeit
Version: -
Datum Erstellung: 31. August 2001
Seiten: 69 (inkl. Deckblatt)
Copyright: IGW International

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IGW-Absolventen. Jedes Jahr werden rund 40 solche Arbeiten geschrieben. Die intensive
Beschäftigung mit einem Thema ist eine gewinnbringende Erfahrung, bei der die Studierenden
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Auch die Gemeinde soll und darf von diesem Ertrag profitieren. Die Schulleitung von IGW
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Für die Schulleitung

Dr. Fritz Peyer-Müller, Rektor IGW International


Diplomarbeit:

Prophetischer Dienst
in der Gemeinde des 21.Jh.
Chancen und Gefahren

Theologie und praktischer Workshop

Prophetie in der Gemeindepraxis

Fachmentor: IGW / LRS Diplomarbeit:


Michael Winkler Peter Winzeler
Schauchertstrasse 44 Vonwilstrasse 29
D-71282 Hemmingen CH-9000 St.Gallen
GB 1799 Prophetischer Dienst Diplomarbeit

INHALTSVERZEICHNIS

A. Einleitung zur Diplomarbeit 4


1. Weshalb diese Arbeit u ber Prophetischen Dienst? 4
2. Ziel dieser Arbeit 4
3. Aufbau und Gliederung 5
4. Erklarung zum Titelblatt 5
4.1 Der Adler als Lehrer 5
5. Leitlinien und Infos fu r den Leser 6
5.1 Hintergrund dieser Arbeit 6
5.1.1 Eine Sammlerarbeit 6
5.1.2 Eigene Forschung und Erfahrungswerte 6
5.2 Durchfu hrung des Workshops 6
B. Einfu hrung und theologische Paradigmen zum Thema Prophetischer Dienst 7
1. Es gibt auch heute noch Propheten! 7
2. Theologische Ausgangslage fu r das Verstandnis von Prophetie in unserer Zeit 8
2.1 Unterschiedliche Stromungen 8
2.1.1 The MorningStar und die Stiftung Schleife-CH 8
2.1.2 Die Vineyard-Bewegung und die Kansas-Propheten 9
2.1.3 Eine biblisch-charismatische Sicht aus Amerika 10
2.1.4 Eine konservativ-evangelikale Sicht aus Amerika 10
2.1.5 Eine evangelisch-freikirchliche Sicht aus Deutschland 11
3. Personlicher Hintergrund als Workshop-Grundlage 11
3.1 Theologie und Hermeneutik AT - NT 11
3.1.1 Derselbe Gott äandere Zeiten! 11
3.1.2 Teamleiterschaft und Rechenschaftspflicht 12
3.2 Personliche Erfahrung äBerufung in den prophetischen Dienst 12
4. Der prophetische Dienst im 21.Jahrhundert 13
4.1 Hochster Level prophetischer Autoritat 13
4.2 Prophetische Gemeinde 14
4.3 Prophetischer Dienst in der Gesellschaft äAussenwirkung 14
C. Workshop: Prophetie in der Gemeinde 15
1. Einheit I: Grundlage zu Prophetie und Propheten 15
1.1 Der Geist der Prophetie 15
1.1.1 Der Heilige Geist 15
1.1.2 Der Knecht Gottes 16
1.1.3 Jesus, DER Prophet 16
1.2 Die prophetische Person und die Bedeutung von “ rofe tj t慥 Ü 17
1.2.1 Die Bedeutung des Wortes Prophet 17
1.2.2 Definitionen von Prophetie 17
1.2.3 Die Person eines Propheten 18
1.3 Praktische Anwendung und U bungen 18
1.3.1 Lernziel der Einheit I 18
1.3.2 Praxis Workshop 19
2. Einheit II: Verschiedene Ebenen des Prophetischen 20
2.1 Konnen alle weissagen? 20
2.2 Die Gabe der Prophetie und das Amt des Propheten 21
2.2.1 Unterschied zwischen der Gabe und dem Amt 21
2.3 Wachstumsprozess im Prophetischen 22
2.3.1 Das prophetische Wort 22

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2.3.2 Die Befahigung im prophetischen Dienst 22


2.4 Praktische Anwendung und U bungen 23
2.4.1 Lernziel der Einheit II 23
2.4.2 Praxis Workshop 24
3. Einheit III: Verschiedene Offenbarungsgaben 24
3.1 Die Offenbarungsgaben in 1Kor 12,8-10 24
3.1.1 Die prophetische Rede, Weissagung 24
3.1.2 Das Wort der Erkenntnis 25
3.1.3 Das Wort der Weisheit 25
3.1.4 Die Unterscheidung der Geister 26
3.1.5 Die offentliche Zungenrede und die Gabe der Auslegung 26
3.2 Motivation zur Ausu bung der Offenbarungsgaben 27
3.3 Praktische Anwendung und U bungen 27
3.3.1 Lernziel der Einheit III 27
3.3.2 Praxis Workshop 28
4. Einheit IV: Die verschiedenen Offenbarungswege 28
4.1 Die Moglichkeiten Gottes fu r das Prophetische 28
4.1.1 Traume 29
4.1.2 Gesichte und Erscheinungen 29
4.1.3 Bilder und Visionen 30
4.1.4 Ratselworte 30
4.1.5 Horbare Stimme 31
4.1.6 Unsere Sinne, geistliche Eindru cke 31
4.2 Praktische Anwendung und U bungen 31
4.2.1 Lernziel der Einheit IV 31
4.2.2 Praxis Workshop 32
5. Einheit V: Zweck und Wirkungen des Prophetischen 32
5.1 Erbauung der Gemeinde 32
5.2 Ermahnung 33
5.3 Voranbringen und Freisetzen 33
5.4 Heilung und Trost fu r die Glaubigen 33
5.5 Hilfe fu r die Leitung 34
5.6 Warnung vor dem Feind 34
5.7 Die prophetische Last der Wiederherstellung 34
5.8 Prophetische Zeichenhandlungen 35
5.9 Praktische Anwendung und U bungen 36
5.9.1 Lernziel der Einheit V 36
5.9.2 Praxis Workshop 36
6. Einheit VI: Prophetie in der Gemeindepraxis 37
6.1 Umgang mit Prophetie in der Gemeinde 37
6.1.1 Der Gottesdienst 37
6.1.2 Richtungsweisende Prophetie 38
6.1.3 Das Beurteilen und Pru fen von Prophetie 39
6.1.4 Prophetische Gaben in der Seelsorge 40
6.2 Prophetinnen in der Gemeinde 40
6.2.1 Die Frau und das Prophezeien 40
6.3 Praktische Anwendung und U bungen 41
6.3.1 Lernziel der Einheit VI 41
6.3.2 Praxis Workshop 42
7. Einheit VII: Propheten und Leiterschaft 42
7.1 Pastor und Prophet äGegenspieler oder Dream-Team? 42
7.2 Konnen Propheten auch leiten? 43
7.2.1 Die Karikatur eines Propheten! 43
7.3 Der Umgang mit prophetisch Begabten 44
7.3.1 Propheten brauchen Feedback! 45
7.4 Personliche Entwicklung von prophetisch Begabten 45
7.5 Praktische Anwendung und U bungen 46
7.5.1 Lernziel der Einheit VII 46

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7.5.2 Praxis Workshop 47


8. Einheit VIII: Missverstandnisse und Fehler bei Prophetie 47
8.1 Verschiedene Lehren, Mythen und Sichtweisen 47
8.2 Es gibt Fehler 48
8.2.1 Prophetische Fallgruben 48
8.3 Nicht eingetroffene Weissagungen 49
8.3.1 Prophetie und ihre Bedingungen 49
8.3.2 Mehrschichtige und zeitlose Prophetie 49
8.3.3 Die Sichtweise der Propheten 51
8.4 Praktische Anwendung und U bungen 52
8.4.1 Lernziel der Einheit VIII 52
8.4.2 Praxis Workshop 52
9. Einheit IX: Falsche Prophetie - Zauberei 53
9.1 Missbrauch von Prophetie 53
9.1.1 Selbstdarstellung und Manipulation 53
9.2 Charismatische Zauberei 54
9.3 Falsche Propheten 55
9.3.1 Merkmale und Wesenszu ge falscher Propheten 55
9.3.2 Der Geist IsebelÄs und der Geist EliaÄs 55
9.4 Praktische Anwendung und U bungen 56
9.4.1 Lernziel der Einheit IX 56
9.4.2 Praxis Workshop 57
10. Einheit X: Und wie geht es jetzt weiter? 57
10.1 Die prophetische Bewegung äThe Prophetic Movement! 57
10.1.1 Prophetische Gemeinschaft 58
10.2 Ein Wort an Pastoren und Gemeindeleiter 58
10.2.1 Prophetische A ltestenschaft 59
10.3 Schlusswort und Zusammenfassung 60
10.4 Praktische Anwendung und U bungen 60
10.4.1 Lernziel der Einheit X 60
10.4.2 Aufgabe Praxis Workshop 62
D. Anhang 1 62
1. Ein Gebet um den Geist der Prophetie; Eph 1,15-19 62
2. Ein Bild fu r Prophetie Ü Die Trompete; 1Kor 14,8 63
3. Prophetisches Essen 64
E. Anhang 2 64
1. Verzeichnis von zitierter Literatur zum Thema 64
1.1 Weiterfu hrende Literatur zum Thema Prophetie 66
1.1.1 Englische Literatur zur Prophetie 66
2. Quellennachweis Kassetten 66
3. U bersetzungen 66
4. Kommentare, Lexika und Einleitungsliteratur 67
5. Lexika und Worterbu cher 67

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A. EINLEITUNG ZUR DIPLOMARBEIT


1. WESHALB DIESE ARBEIT U BER PROPHETISCHEN DIENST?
Wer die Bibel kennt, der weiss, dass sie voll ist mit Aussagen u ber Propheten und ihren Dienst, sowie
u ber die Ausu bung der Gabe der Prophetie. Meiner Beobachtung nach findet dies allzu oft bei den
meisten Christen und in den Gemeinden meines Umfeldes keine Bedeutung. Doch der prophetische
Dienst in der Gemeinde ist von fundamentaler Wichtigkeit: ü Ihr seid aufgebaut auf der Grundlage
der Apostel und Propheten, wobei Christus Jesus selbst Eckstein ist. In ihm zusammengefu gt,
wachst der ganze Bau zu einem heiligen Tempel im Herrn, und in ihm werdet auch {ihr} mitaufge-
baut zu einer Behausung Gottes im Geistß(Eph 2,20-22). Die Bibel selbst ist das prophetischste
Buch, das es gibt. Ihre Inspiration und Kraft u bertrifft bei weitem alles, was ich heute an Prophetie
erlebe (2Petr 1,19-21). ä Wenn wir das Prophetische nicht in der Gemeinde wirken lassen, verpassen
wir einen von zwei grundlegenden Diensten, die Gott uns geschenkt hat. Welches Geba ude ha tte Be-
stand, wenn die Ha lfte seines Fundamentes fehlen wurde? Wenn du versuchst, ohne den propheti-
schen Dienst die Grundlage deiner Gemeinde zu bauen, so baust du ein Haus, in dem es sich gefa hr-
lich lebt.–1 Es geht dem Leib Christi nicht nur etwas verloren wenn wir das Prophetische ausschlie s-
sen, es ist sogar gefahrlich ohne den prophetischen Dienst Gemeinde zu bauen! Doch es gibt auch
noch eine andere Seite als nur den Ausschluss oder das Fehlen des Prophetischen in den Gemeinden,
namlich die Uberbetonung von Prophetie und ein Mangel an Lehre u ber den prophetischen Dienst. Ich
habe selbst erlebt wie dadurch in der Ausu bung des Prophetischen viele Fehler, ja sogar Missbrauche
entstehen ko nnen. Leider neigen meiner Erfahrung nach auch wir Christen dazu, in unserer konsum-
orientierten Gesellschaft gleich alles zu negieren und wegzuwerfen, wenn einmal etwas nicht funkti o-
niert hat. Doch man sollte “das Kind nicht mit dem Bad ausschu tten–! Das Problem ist nicht der pro-
phetische Dienst selbst, sondern die Missverstandnisse und Mythen drum herum. Es muss nicht nur
zwischen echter und falscher Prophetie unterschieden werden, sondern zwischen reifem und unreifem
prophetischen Dienst.

2. ZIEL DIESER ARBEIT


Perso nlich glaube ich, dass wir in einer speziellen und sehr interessanten Zeit leben, wie es die Bibel
sagt: ü Den [Christus] muss freilich der Himmel aufnehmen bis zu den Zeiten der Wiederherste l-
lung aller Dinge, von denen Gott durch den Mund seiner heiligen Propheten von jeher geredet
hatß(Apg 3,21). Wahrend den 80er und 90er Jahren, in Verbindung mit einer neuen Ausgiessung des
Heiligen Geistes im 20.Jh., sah man verstarkt prophetische Gaben, ja sogar vereinzelt “Propheten–

1
S. Thompson: Alle ko nnen prophetisch reden, S.149.
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hervortreten.2 Diese Zeit der Wiederherstellung des prophetischen Dienstes in der Gemeinde ist me i-
ner Ansicht nach bei weitem noch nicht abgeschlossen. Deshalb sind die Ziele dieser Arbeit folgende:
1. Eine theologische Grundlage u ber das Prophetische legen, sowie einen Uberblick geben, was der
prophetische Dienst in der Gemeinde alles beinhaltet
2. Fehler und mo gliche Formen des Missbrauches aufzeigen, damit diese in Zukunft erkannt, ve r-
mieden und verhindert werden ko nnen
3. Eine Anleitung fu r die Praxis in der Gemeinde geben, Workshop: Prophetie in der Gemeinde
4. Christen und Gemeinden sollen durch diese Arbeit ermutigt werden, das Prophetische anzune h-
men, lernen damit umzugehen, prophetisch begabte Menschen freizusetzen und den prophetischen
Dienst in ihren Gemeinden zu integrieren.

3. AUFBAU UND GLIEDERUNG


Teil I: Einfu hrung in die Diplomarbeit
Einleitende Gedanken zur Arbeit
Ziele und Aufbau dieser Arbeit
Erklarung zum Titelblatt
Leitlinien fu r den Leser
Teil II: Einfu hrung zum Thema
Theologische Paradigmen und Ausgangslage fu r das heutige Verstandnis
Perso nliches Theologisches Verstandnis als Grundlage des Workshops
Unterscheidung Altes und Neues Testament
Uberblick u ber das Prophetische allgemein
Teil III: Workshop Prophetie in der Gemeinde
Ein praktisches Arbeitsheft zum Thema: 10 Einheiten zu den Unterthemen
Anhang 1& 2: Verschiedenes; Quellen- und Literaturangaben

4. ERKLA RUNG ZUM TITELBLATT

4.1 Der Adler als Lehrer


Warum dieses Titelbild? Ich habe diesen Adler als Symbol fu r das Prophetische
gewahlt, einerseits da es ein biblisches Symbol ist, das fu r einen Wesensteil Gottes
und seine Herrschaft, aber auch fu r das Prophetische gebraucht wird (5Mo 32,11;
Jes 40,31; Offb 4,7; 8,13). Andererseits wird der Adler auch von den charismati-
schen Gemeinden, prophetischen Gemeinschaften und Schulen als Symbol fu r den prophetischen
Dienst verwendet.3 Hier auf diesem Bild fungiert der Adler als Lehrer. Die Seiten die er in den Han-

2
Vgl. B. Hamon: Apostel und Propheten, Kp 8, S.149: Die prophetische Bewegung und was sie wiederherstellte.
3
So z.B. das CTZ Ä Christliches Trainingszentrum Hannover-D; MorningStar in Charlotte-USA; Stiftung Schlei-
fe
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den halt sollen den Workshop Prophetie, die Lehre und praktische Anwendung dieser Arbeit symboli-
sieren. So ergibt sich eine zweifache Aussage des Bildes. 1. Das Prophetische will uns etwas lehren.
2. Diese Arbeit soll eine Hilfestellung sein, damit prophetisch Begabte etwas lernen.

5. LEITLINIEN UND INFOS FU R DEN LESER

5.1 Hintergrund dieser Arbeit


Diese Arbeit hat einen Hintergrund, der aus zwei Hauptteilen besteht. Einerseits die Aneignung und
das Sammeln von Wissen u ber Prophetie. Andererseits die Anwendung und praktische Umsetzung
dieses Wissens, sowie die Erfahrungen eines praktischen prophetischen Dienstes.

5.1.1 Eine Sammlerarbeit


Seit ich im Jahr 1991 zum Glauben an Jesus Christus gekommen bin, hat mich das Thema der Prophe-
tie und Propheten fasziniert. Seitdem, vor allem aber seit ich das IGW Studium begonnen habe,
sammle ich Schriften, Seminarunterlagen, Tapes und verschiedene Literatur zum Thema Prophetie.
Auch habe ich selbst Seminare u ber Prophetie besucht und einige prophetische Dienste in Aktion
gesehen. Aus dieser ganzen Fu lle habe ich das, was mir am wichtigsten erschien, also die Essenz der
Sammlung, in den Workshop eingearbeitet. Es ist natu rlich nur ein kleiner Bruchteil von der Fu lle.

5.1.2 Eigene Forschung und Erfahrungswerte


Natu rlich habe ich auch entsprechend Bibelforschung betrieben und praktische Erfahrungen gemacht.
Schon wahrend meiner Bekehrung haben prophetische Dienste eine wesentliche Rolle gespielt. Auch
spater in der Seelsorge, sowie in meiner Nachfolge als Ju nger Jesu, hat der prophetische Dienst immer
wieder entscheidende Impulse auf diesem Weg gegeben. Bei mir selbst habe ich prophetische Gaben
festgestellt, die innerhalb und auch ausserhalb meiner Gemeinde bestatigt wurden. Seit gut 2 Jahren
haben sich mir Tu ren aufgeschlossen, die mich in ein regelmassiges Ausu ben der Gabe der Prophetie,
und in einen prophetischen Dienst auch ausserhalb meiner Gemeinde gefu hrt haben. Die Erfahrungen,
die ich durch den prophetischen Dienst an mir selbst und in der eigenen Ausu bung der prophetischen
Gaben an anderen gemacht habe, sowie die Erlebnisse bei perso nlichen Offenbarungen, die Gott mir
zuteil werden liess, sind natu rlich auch pragend fu r meine Theologie und haben deshalb auch in Be-
zug auf den Workshop ihren Einfluss. Dabei habe ich mich natu rlich grundlegend an die Bibel gehal-
ten.

5.2 Durchfu hrung des Workshops


Da dem Workshop eine theologische Sicht zugrunde liegt, ist es wichtig, zuerst die Einfu hrung unter
Punkt B genau zu lesen. Der Workshop ist in 10 Einheiten eingeteilt, deren Aufbau fortlaufend tiefer
ins Thema einfu hren soll. Die Theorie habe ich versucht so verstandlich wie mo glich zu schreiben

Winterthur-CH; und andere.


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und mo glichst kurz zu halten. Am Schluss jeder Lektion findet sich eine Seite, die Anleitungen gibt
um das Gelernte, durch eigenes Bibelstudium, Gebet und Vorschlage fu r praktische Schritte in die
Praxis umzusetzen. Der Workshop kann von Mannern und Frauen, in Kleingruppen oder als Gemein-
deseminar durchgefu hrt werden. Es empfiehlt sich jedoch, genug Zeit dafu r aufzuwenden, da es sich
um ein sehr komplexes Thema handelt und es in der Praxis wirklich greifen soll. Zus atzlich sollte
auch viel Zeit mit Gott und Anbetung verbracht werden. Nur ER kann Offenbarung schenken!

B. EINFU HRUNG UND THEOLOGISCHE PARADIGMEN ZUM


THEMA PROPHETISCHER DIENST
1. ES GIBT AUCH HEUTE NOCH PROPHETEN!
In diesem ersten Abschnitt der Einfu hrung mo chte ich keine tiefgehende Apologetik betreiben. Es
geht mir vielmehr darum, die grundlegende Frage zu klaren: Gibt es heute noch die Gabe der Prophe-
tie, Propheten und Prophetinnen? Einige theologische Stro mungen wu rden diese Frage mit einem
klaren “nein– beantworten.4 Doch diese Antwort kann mit der heutigen Bewegung und Betonung des
Heiligen Geistes nicht u bereinstimmen. ä Der Kirche sind die Gabe der Prophetie, Worte der Er-
kenntnis und Worte der Weisheit anvertraut Ü weitaus mehr als alles, was der Teufel an U bersinnli-
chem zustande bringt. Trotzdem haben grosse Teile der Kirche diese Gaben entweder verdra ngt, oder
sie haben Angst vor ihnen. Beide Reaktionen sind zwar versta ndlich, aber nicht gerechtfertigt. Wir
leben heute in einer Zeit, in der es nicht la nger in unser Belieben gestellt ist, die bedeutenden Gaben
zu ignorieren, die der Herr seiner Kirche durch den Heiligen Geist gegeben hat.–5 Die Kirche und die
Gemeinden du rfen ihre von Gott gegebenen Talente nicht langer vergraben (Mt 25,15-28). Somit kann
die Antwort auf die gestellte Frage nur mit “ja– beantwortet werden. Es bedarf nebst diesem einfachen
“ja– auch einiger Klarung, wie denn diese Gabe der Prophetie funktioniert. Dazu dient dieser Work-
shop. Wir brauchen neue Erkenntnis zu diesem Thema, mu ssen aber auch lernen zu differenzieren und
zu unterscheiden. Die Anleitung zur Praxis fehlt meines Erachtens nach weitgehend in den meisten
Gemeinden im deutschsprachigen Raum. Wir brauchen eine neue Offenheit gegenu ber diesem Wirken
und Reden des Heiligen Geistes. Prophetisch begabte Menschen mu ssen einen Ubungsraum bekom-
men. Wir ko nnen nicht von Anfangern im prophetischen Dienst erwarten, dass sie fehlerlos sind. Ge-
rade nicht bei einem Dienst, der in weiten Teilen der Kirche mit so vielen Missverst andnissen behaf-
tet ist. ä Um in unseren Ortsgemeinden und in der Kirche weltweit einen ausgereiften prophetischen
Dienst entstehen zu lassen, mussen wir anfa nglich unreife, prophetisch begabte Leute aufnehmen und
fordern. Bieten wir ihnen einen sicheren Ort, wo sie >flugge< werden konnen, dann werden sie

4
So die liberale und formkritische Theologie; der Dispensationalismus, sowie versch. evangelikale Kreise. Vgl.
dazu E.B. Gentile: Eure So hne und To chter werden weissagen, S.27+266; und J. Deere: Uberrascht von der
Kraft des Heiligen Geistes, S.51.
5
R. Joyner: Eine prophetische Vision fu r das 21.Jahrhundert, S.304.
ü Peter Winzeler, Vonwilstr. 29, 9000 St.Gallen 31.08.01 7
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wachsen und heranreifen.–6 In diesem Wachstumsprozess erkennen wir, dass es im prophetischen


Dienst unterschiedliche Grade der Intensitat und Starke gibt. Es ist noch kein Prophet vom Himmel
gefallen. Jeden seiner Knechte und Magde nimmt Gott in seine Schule und trainiert sie. Zudem gab es
schon in den Zeiten des AT Prophetenschulen und Prophetenju nger (1Ko 20,35; 2Ko 2,1-7; 9,6), und
auch im NT waren sie meistens in Gruppen integriert, was einen Ju ngerschaftsprozess impliziert (Apg
11,27-28; 13,1; 21,9-11). Sollte das Prophetische heute nicht genau so integriert sein?

2. THEOLOGISCHE AUSGANGSLAGE FU R DAS VERSTA NDNIS VON


PROPHETIE IN UNSERER ZEIT

2.1 Unterschiedliche Stromungen


In diesem Teil meiner Arbeit geht es nicht darum, noch einmal die Frage nach der Existenz von Pr o-
phetie in unserer Zeit zu beantworten. Dies habe ich bereits getan. Hier geht es darum, ein Verst and-
nis von Prophetie heute zu bekommen. Ich mo chte hier die meiner Meinung nach wichtigsten und
bekanntesten Stro mungen7 in diesem Bereich kurz auffu hren und ihre Sichtweisen von Prophetie dar-
legen. Das primare Ziel dieser Aufzahlung ist auch nicht zu beurteilen, welche dieser Stro mungen
richtig oder falsch sind, oder irgendeine ihrer Aussagen zu dementieren und zu verurteilen. Mir geht
es darum, ein abgerundetes Bild zu zeichnen von der vorhandenen Theologie zum Thema Prophetie in
unseren Breitengraden. Da wir im deutschsprachigen Raum von Europa, insbesondere in Deutschland
und der Schweiz, sehr stark von amerikanisch-englischen Bewegungen beeinflusst werden, sind diese
auch in der Aufzahlung ziemlich dominierend. Der Hauptschwerpunkt, worin sich diese Stro mungen
unterscheiden, ist das Thema des Vergleiches von alttestamentlicher und neutestamentlicher Proph e-
tie. Es geht vor allem um die Frage, wo die Grundlagen, und somit auch die biblischen Richtlinien, fu r
den prophetischen Dienst und das Amt des Propheten in unserer Zeit sind. Brauchen wir nur noch das
Neue Testament als Grundlage, oder mu ssen wir uns auch vom Alten Testament her ein Fundament
fu r den heutigen prophetischen Dienst aneignen? Dieser Frage und ihrer Antwort kommt auch eine
hohe Bedeutung zu in Bezug auf den folgenden Workshop in dieser Arbeit. Dem Workshop liegt ein
perso nliches theologisches Verstandnis zu Grunde, dass ich unter Punkt 3 noch darlegen werde. Zum
Schluss dieser Einleitung gilt es noch zu sagen, das sich alle dieser aufgef u hrten Bewegungen darauf
berufen, theologisch bibeltreu und in ihren Ausfu hrungen schriftgemass zu sein.

2.1.1 The MorningStar und die Stiftung Schleife-CH


Im Zusammenhang mit MorningStar stehen Personen wie Rick Joyner und Steve Thompson. The
MorningStar ist eine charismatische Bewegung in North-Carolina, die den Dienst der Anbetung und
Prophetie sehr stark betont. Ich wu rde sie als eine heutige “Prophetenschule– bezeichnen. Die Seel-

6
S. Thompson: Alle ko nnen prophetisch reden, S.101.
7
Natu rlich ist meine Sicht begrenzt und somit die Aufzahlung der Stro mungen unvollstandig.
ü Peter Winzeler, Vonwilstr. 29, 9000 St.Gallen 31.08.01 8
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sorgebewegung Stiftung Schleife in der Schweiz steht in sehr enger Verbindung mit MorningStar und
u bernimmt ihre Lehre u ber das Prophetische als Grundlage ihrer Arbeit. MorningStar geht davon aus,
dass jeder Glaubige prophezeien kann: ä Wenn alle Gla ubigen Gottes Stimme horen konnen, dann
konnen auch alle prophetisch reden. Wenn du von neuem geboren bist, kannst du prophezeien. Dies
ist nicht auf besondere Menschen beschra nkt.–8 Trotzdem unterscheiden sie zwischen prophetisch
begabten Menschen und dem Amt des Propheten. In Bezug auf das Problem AT Ä NT sagen sie: ä Die
Geistes-
gaben der Propheten des Neuen Testamentes sind im Grunde dieselben wie im Alten Testament, aber
die Funktion des neutestamentlichen Propheten ist doch ganz anders.–9 Rick Joyner behauptet, dass
die Propheten des Alten Bundes ä unter dem Gesetz waren und deshalb des Gesetzes Strenge verkor-
pern mussten. Der Prophet des Neuen Testaments lebt dagegen im Bund der Gnade und der Wahrheit,
und genau das muss er entsprechend verkorpern. (...) Kein Prophet ist unfehlbar. Es gibt sogar Fa lle,
wo Propheten des Alten Bundes eine Voraussage oder Prophetie verpasst haben, aber vom Herrn
immer noch als Propheten angesehen wurden (Jona, Jesaja, Elia haben auch Verlautbarungen abge-
geben, die nicht echt waren oder nicht eintrafen).–10 Somit wird klar, dass MorningStar vorwiegend
das Neue Testament als Grundlage fu r das Prophetische in unserer Zeit sieht.

2.1.2 Die Vineyard-Bewegung und die Kansas-Propheten


Die Vineyard-Bewegung die John Wimber aufgebaut hat und die ja auch in der Schweiz und in
Deutschland ansassig ist, mit ihren “Kansas-Propheten– aus der Gemeinde von Mike Bickle, vertritt
eine etwas differenziertere Sicht. Wohl stehen Namen wie Paul Cain, Bob Jones und John Paul Jack-
son auch mit MorningStar in Verbindung. Sie richten sich neben dem NT auch sehr stark nach dem
AT aus. Mike Bickle unterscheidet zwischen vier Ebenen des Prophetischen, wobei er dem Amt des
Propheten mehr alttestamentlichen Charakter zugesteht als MorningStar: ä Hier geht es um Gla ubige,
deren Dienst in etwa dem der alttestamentlichen Propheten entspricht. Sie dienen oft durch Zeichen
und Wunder und die Prufung ihrer Offenbarungen ergibt immer wieder, dass sie das Wort Gottes
zutreffend wiedergeben. Das bedeutet nicht, dass sie unfehlbar wa ren, aber ihre Worte sind ernster zu
nehmen als die anderer Gla ubiger. Ihre Glaubwurdigkeit steht nicht in Frage, weil sie bereits auf
eine grosse Zahl zutreffender Prophetien zuruckblicken konnen. (...) Was ich als >Ebene IV Ü das Amt
des Propheten< bezeichnet habe, stellt eine Reife und Kraft des prophetischen Dienstes dar, die den
alttestamentlichen Auftra gen von Ma nnern wie Samuel und Elija gleichkommt.–11 Vor seinem Tod
trennten sich Wimber und Vineyard von den Kansas-Propheten aufgrund einer Uberbetonung von
Prophetie.

8
S. Thompson: Alle ko nnen prophetisch reden, S.33.
9
R. Joyner: Eine prophetische Vision fu r das 21.Jahrhundert, S.322.
10
R. Joyner: Eine prophetische Vision fu r das 21.Jahrhundert, S.322+323.
11
M. Bickle: Prophetie oder Profilneurose, S.140+141.
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2.1.3 Eine biblisch-charismatische Sicht aus Amerika


Ernest B. Gentile steht in einem prophetischen Reisedienst und ist zudem Dozent am “Fuller Theolo-
gical Seminary–. Er hat ein Buch geschrieben, in welchem er seine, wie er es ausdru ckt, biblisch-
charismatische Sicht darlegt. Er ist mit seiner Ansicht den Ausf u hrungen von Vineyard sehr nahe. Er
unterscheidet jedoch zwischen sechs Ebenen oder Wirkungsfeldern im Prophetischen, und weist auf
einige Unterschiede im Amt des Propheten vom AT zum NT hin. ä Der Dienst eines Propheten be-
wegt sich im Bereich von Fuhrung, Scheltwort, Gericht, Zurechtweisung und Offenbarung. (...)
Durchaus ist die Funktion des Propheten zuweilen eine leitende.–12 Diese Aussage steht in krassem
Gegensatz zu
MorningStar und unterscheidet sich in feinen Details von Vineyard. Gentile f u hrt weiter aus: “Ein
Unterschied zwischen alt- und neutestamentlichen Propheten besteht im Bereich der Rechenschafts-
pflicht. Der alttestamentliche Prophet schritt in der Kraft gottlicher Erma chtigung und Befa higung
voran, wobei ihm gewohnlich wenig Unterstutzung oder Ermutigung zuteil wurde. Seine Person ver-
korperte den aktuell massgeblichen geistlichen Dienst. Der neutestamentliche Prophet f ur seinen Teil
wirkte eng mit Aposteln und anderen geistlichen Leitern zusammen. (...) Ebensowenig wie das von
einem alttestamentlichen Propheten gesprochene Wort musste dasjenige eines neutestamentlichen als
fraglos korrekt angenommen werden. Jedwede Prophetie, ungeachtet des Reifegrades, den der Dienst
eines Weissagenden erreicht hatte, unterlag strengster Beobachtung seitens der Leiterschaft. –13 Auch
hier finden wir Differenzen zu den Aussagen von Mike Bickle und den Kansas-Propheten.

2.1.4 Eine konservativ-evangelikale Sicht aus Amerika


Eine ganz andere Sicht hat der angesehene konservativ-evangelikale Theologe Wayne Grudem. Wohl
raumt er der Gabe der Prophetie in der heutigen Zeit einen gewissen Freiraum ein, bestreitet aber,
dass das Amt des Propheten heute noch existiert. Er kommt zu diesem Schluss, da fu r ihn die im NT
genannten Propheten nur einen ausgepragten prophetischen Dienst hatten, nicht aber im Amt eines
Propheten standen, das mit dem eines AT-Propheten zu vergleichen ware. ä Meines Wissens existiert
nirgendwo im Neuen Testament ein Bericht uber einen Propheten mit jener absoluten gottlichen Au-
torita t in seinen Worten, der nicht gleichzeitig auch ein Apostel wa re.–14 Er argumentiert damit, dass
die neutestamentlichen Apostel das Gegenstu ck zu den alttestamentlichen Propheten bilden. Er macht
dies von der Autoritat des jeweiligen Dienstes abhangig. ä Wir beginnen uns zu fragen, ob solch eine
Gruppe jemals existiert hat, eine Gruppe neutestamentlicher Propheten, die keine Apostel waren,
aber mit der absoluten gottlichen Autorita t der alttestamentlichen Propheten predigten.–15 Grudem
geht dann soweit in seinen Ausfu hrungen, dass er sagt, es gabe heute auch keine Apostel mehr.

12
E.B. Gentile: Eure So hne und To chter werden weissagen, S.212+213.
13
E.B. Gentile: Eure So hne und To chter werden weissagen, S.213+214.
14
W. Grudem: Die Gabe der Prophetie, S.51.
15
W. Grudem, S.52.
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2.1.5 Eine evangelisch-freikirchliche Sicht aus Deutschland


Der deutsche Theologe Ulrich Wendel vertritt eine weitere Sicht als Grudem. Er gesteht der neu-
testamentlichen Gemeindeprophetie ein, dass sie zweifellos in der Nachfolge der alttestamentlichen
Prophetie steht, und viele Gemeinsamkeiten wie Berufung, Zukunft ansagen und Zeichenhandlungen
ausfu hren aufweist. Er klammert aber doch diverse Arten von Prophetie aus. Diese sind ekstatische
und visionare Prophetie. Darum argumentiert der Autor: ä Es wird daher nicht hilfreich sein, zu
schnell von atl. Prophetie auf Gemeindeprophetie zu schliessen. Die Ergebnisse laufen Gefahr, zu
unscharf zu werden. Ein bestimmter Aspekt neustestamentlicher Prophetie sollte erst dann auf das AT
zuruckgefuhrt werden, wenn schon innerhalb des NT allein deutlich ist, dass es den betreffenden As-
pekt gibt.–16

3. PERSO NLICHER HINTERGRUND ALS WORKSHOP-GRUNDLAGE

3.1 Theologie und Hermeneutik AT - NT


Grundsatzlich glaube ich in der Schrift zu sehen, dass es Unterschiede zwischen alt - und neutesta-
mentlicher Prophetie gibt. Doch diese sind meiner Meinung nach bei weitem nicht so gravierend, wie
sie von einigen Lehren und Bewegungen dargestellt werden. Die Bibel sagt uns etwas anderes, nam-
lich: ü Ihr seid aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, wobei Christus Jesus
selbst Eckstein istß(Eph 2,20). Perso nlich glaube ich, dass hier mehr gemeint ist, als nur die Apostel
und Propheten des NT. Ich glaube vielmehr, dass hier die ganze Fu lle von Gottes Wort gemeint ist,
das von Aposteln und Propheten geschrieben und gegeben wurde. Hierbei verko rpern die Apostel das
NT und die Propheten das AT. Zugleich sind aber auch Gaben und A mter fu r unsere Zeit gemeint, die
auf der Grundlage von AT und NT aufgebaut sind. Schon oft habe ich den Satz geho rt, dass das AT
nur im Licht des NT verstanden werden kann. Andere wu rden eher sagen, dass NT und der Dienst
des Messias, kann nur auf der Grundlage des AT richtig gedeutet und verstanden werden. ä Jesus ist
die hochste und vollkommene Offenbarung Gottes (Hebr 1,1-3), durch ihn verstehen wir das AT. Aus
der Erkenntnis des Sohnes Gottes und der Verbindung mit dem AT erkla ren sich im Wesentlichen die
weiteren Schriften des NT.–17 In Bezug auf Prophetie AT und NT ist dies fu r mich gleichbedeutend!

3.1.1 Derselbe Gott äandere Zeiten!


Die Zeiten haben sich geandert, doch Gott ist derselbe geblieben. Deshalb hat sich Prophetie nicht nur
ausschliesslich am NT zu orientieren. Der prophetische Dienst muss sich an Jesus selbst und durch
ihn am AT und NT orientieren. Deshalb glaube ich auch, dass alle prophetischen Erscheinungsformen
auch heute noch mo glich sind. Ich mo chte das Wirken Gottes nicht einschranken, nur weil einige Bei-
spiele des AT mein Verstandnis u bersteigen, wie Gott sein sollte. Zur Zeit des AT hat Gott den pro-

16
U. Wendel: Die erstrebenswerte Gabe, S.23.
17
M. Winkler: Gemeindeaufbau Ä Grundlagen, S.24.
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phetischen Dienst als eines der Hauptwerkzeuge gebraucht, um seinen Willen zu offenbaren und um
sein Volk zu leiten. Nur Ko nige, Priester und Propheten wurden eingesetzt und gesalbt. Heute verhalt
sich dies anders. Gott hat an Pfingsten seinen Geist ausgegossen, so dass jeder Glaubige ein Tempel
des Heiligen Geistes sein kann. Jesus hat auch erganzende Dienste und Gaben gegeben (Eph 4,11;
1Kor 12,28), so dass dem Propheten heute nicht mehr dieselbe alleinige Hauptfunktion im Reich Go t-
tes zukommt.18

3.1.2 Teamleiterschaft und Rechenschaftspflicht


Durch die erganzenden Dienste, die eine neue Leiterschaftsstruktur ermo glichen, ergibt sich auch ein
Unterschied in der Leitungsfunktion des Propheten, sowie in seiner Rechenschaftspflicht. Der Prophet
im AT trug in go ttlicher Ermachtigung oft die alleinige Verantwortung, fu r sein Reden und Handeln.
Der Prophet im NT fu r seinen Teil, wirkte eng mit Aposteln und anderen geistlichen Leitern zusam-
men. So sollten Propheten heute in einem Team eingeordnet leben. Sie tragen nicht mehr die alleinige
Verantwortung und werden auch nicht mehr gleich wie im AT zu Rechenschaft gezogen (Eph 4)!

3.2 Personliche Erfahrung Ü Berufung in den prophetischen Dienst


Es war am 26.01.1999 um ca. 17.00, als ich ein sonderbares Erlebnis mit Gott machte, das mein Le-
ben veranderte. Schon seit dem Morgen, als ich in der “Stillen Zeit– Gott zu suchen begann, kam ich
in eine Art Trancezustand. Ich verbrachte den ganzen Tag im Gebet und der Heilige Geist sprach in
Visionen und mit Worten u ber Menschen, die mir sehr nahe stehen, zu mir. Die Gegenwart Gottes
und seine Botschaften waren so stark, dass ich im Geist erschu ttert war. Eine schwere Last, eine pro-
phetische Bu rde fu r diese Menschen lag auf mir. Als meine Frau nach Hause kam und mich in einem
erscho pften und erschu tterten Zustand vorfand, gab sie mir den Rat, ich solle ein bisschen an der fr i-
schen Luft spazieren gehen. Trotz des leichten Regens draussen, befolgte ich ihren Rat und ging auf
die gegenu berliegende Sportanlage. Ich erhoffte mich durch diesen Spaziergang zu entspannen und
wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Doch die Verzu ckung ho rte nicht auf. Weiterhin erhielt ich
Worte und Botschaften, die ich anderen Personen u bermitteln sollte. Gerade als ich den Spaziergang
beenden wollte und mich allmahlich wieder in meinem “Normalzustand– befand, ho rte ich ein Ge-
rausch auf dem Weg hinter mir. Instinktiv machte ich einen Schritt zur Seite, da ich glaubte, ein her-
annahendes Fahrrad auf dem Kiesweg zu ho ren. Doch als ich stillstand und mich umdrehte war nie-
mand zu sehen und nichts zu ho ren. Als ich weiterging kam das Gerausch wieder und wurde starker.
Dann schaute ich mich erneut um, ob in der Nahe eine Flagge im Wind flatterte, oder ob der Regen so
stark auf eine umliegende Pfu tze prasselte. Doch von einer Flagge war keine Spur und der Regen hatte
inzwischen aufgeho rt. Ich merkte aber, dass etwas hinter mir war. Immer wenn ich ging erto nte ein
Rasseln und etwas unsichtbares verfolgte mich auf Brustho he. Wenn ich stillstand, ging es zu Boden

18
Die Unterschiede gut und kurz aufgelistet in E.B. Gentile: Eure So hne und To chter werden weissagen, S.162.
Vgl. unbedingt B. Hamon: Apostel und Propheten, S.219-222, er sieht keine wesentlichen Unterschiede!
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und stand ebenfalls still. Wenn ich die Seite auf dem Weg wechselte, dann tat es dasselbe. Nun wurde
ich unsicher. War ich nun verru ckt oder verfolgte mich etwas Damonisches? So betete ich zu Gott:
ä Herr Jesus, wenn da irgend etwas Da monisches hinter mir ist, oder wenn das Du bist, dann zeige es
mir bitte!–Kaum hatte ich gebetet, da erschien vor meinen geo ffneten Augen etwas wie ein grosses
Rad mit vielen Speichen. Das Rad war rundherum u bersat mit Augen. Augenblicklich kam mir die
Begebenheit in der Bibel aus dem Propheten Hesekiel in den Sinn (Hes 1,15-21; 3,13; 10,9-13). Dann
ho rte ich eine Stimme klar und deutlich zu mir sagen: ü Dies ist das Zeichen, dass meine Herrlichkeit
und Gegenwart mit dir ist.ßDann war alles vorbei. Die Erscheinung und das Gerausch, die Stimme
und der Trancezustand. In der darauffolgenden Nacht wurde unser Sohn geboren. Als wir vor der
Geburt am Eingang des Krankenhauses standen und ich auf die Uhr schaute (0.40 Uhr), sagte ich: ä In
genau 2 Stunden haben wir unseren Jungen.–Und so war es dann auch. Genau um 2.40 Uhr kam er
auf die Welt. Erst danach realisierte ich, dass ich die Geburt unseres Sohnes auf die Minute genau
prophezeit hatte. Dies war nicht mein Berufungserlebnis zum Propheten. Jedoch von diesem Zeit-
punkt an begann ein prophetischer Dienst, auch ausserhalb meiner Gemeinde, der weiter am wachsen
ist.

4. DER PROPHETISCHE DIENST IM 21.JAHRHUNDERT


Prophetischer Dienst hat verschiedene Gesichter, Aspekte oder Wirkungsbereiche. Diese Arbeit be-
schaftigt sich hauptsachlich mit dem Wirkungskreis “Prophetie in der Gemeinde–. Prophetie in der
Gemeinde deckt aber nur einen Teil des prophetischen Dienstes im 21.Jh. ab. Um der Vollst andigkeit
und um der Sichtweise willen, werden hier noch weitere Aspekte prophetischen Dienstes aufgefu hrt.

4.1 Hochster Level prophetischer Autoritat


Der ho chste Level prophetischer Autoritat und prophetischen Wesens ist die Bibel und Jesus Christus
selbst. Die wohl gro sste, genauste und tiefste Offenbarung Gottes ist das Leben von Jesus Christus.
Das “fleischgewordene Wort– (Joh 1,14), dessen Leben und Wirken in den Evangelien aufgezeichnet
ist. Die Inkarnation Gottes, Jesus Christus, ist fu r den Menschen die ho chste Offenbarung des Wesens
Gottes und der einzige Mittler zu Gott (Joh 14,6). In Jesus hat sich Gott den Menschen ganz klar und
deutlich offenbart. Die ganze Bibel, das Gesetz und die Propheten deuten auf ihn und erf u llen sich in
ihm (Mt 5,17; 11,13). Jesus Christus muss das Zentrum allen prophetischen Dienstes in der Vergan-
genheit, in der Gegenwart und fu r die Zukunft sein: ü In Christus liegen verborgen alle Schatze der
Weisheit und der Erkenntnisß(Kol 2,3). Dazu kommt die Bibel, die eigentlich der breiteste und
grundlegendste Kanal von Gottes Offenbarung ist. Sie enthalt und erklart alle Offenbarungskanale:
Das Leben von Jesus Christus, Traume, Visionen, Prophetie! Die Bibel ist aber nicht nur die Auf-
zeichnung dieser Offenbarungen Gottes; sie ist in sich selbst prophetisch. Darum ist die Bibel sowohl
der Bericht u ber die besondere Offenbarung Gottes, als auch ein Teil dieser Offenbarung. Sie ist von
Gott durch den Heiligen Geist inspiriert und absolut fehlerfrei. Sie enth alt den ho chsten Level von

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Prophetie. ü Und so besitzen wir das prophetische Wort um so fester, und ihr tut gut, darauf zu ach-
ten als auf eine Lampe, die an einem dunklen Ort leuchtet, bis der Tag anbricht und der Morgens-
tern in euren Herzen aufgeht, indem ihr dies zuerst wié t, daé keine Weissagung der Schrift aus
eigener Deutung geschieht. Denn niemals wurde eine Weissagung durch den Willen eines Men-
schen hervorgebracht, sondern von Gott her redeten Menschen, getrieben vom Heiligen Geistß
(2Petr 1,19-21).

4.2 Prophetische Gemeinde


Eine weitere Form wie der prophetische Dienst heute zum Ausdruck kommt, ist die prophetische Ge-
meinde. Es ist nicht zwingend, dass jede Gemeinde in ihrer Berufung prophetisch ist. Es gibt auch
Gemeinden, die von ihrer Berufung und vom Auftrag her mehr apostolisch, evangelisti sch, modern
oder traditionell sind. Doch jede Gemeinde sollte gemass der Bibel auf dem Fundament von Aposteln
und Propheten aufgebaut sein, wobei Jesus Christus der Eckstein ist (Eph 2,20). Die Endzeit wird
unvermeidlich prophetisch sein, weil es so viele Prophetien im Wort Gottes gibt, deren Erfu llung
noch aussteht. Mit prophetischer Gemeinde ist eine Gemeinde gemeint, die als Ganze so handelt, wie
es die Propheten der Bibel taten. Es wird wieder einzelne Personen als prophetische Stimmen geben,
aber sie werden mit der ganzen Gemeinde zusammenarbeiten, so dass der ganze Leib in den Ablauf
der Ereignisse einbezogen wird. Eine prophetische Gemeinde versucht, durch ihr Gemeinschaftsleben
die Antwort des Reiches Gottes in ihrer Umgebung darzustellen. In einer solchen Gemeinde sollen die
Propheten Teil der Gemeindeleitung sein, und die prophetische Gabe muss ein wichtiger Teil des
Leibes sein, haufig eingesetzt werden und dem ganzen Leib zu eigen sein. Wenn diese Gaben im
Gebrauch sind, dann helfen sie der gesamten Gemeinde zu leben und prophetisch zu handeln. Die
Gemeinde ist dann prophetisch, wenn sie eine verso hnte und verso hnende Gemeinschaft der Glauben-
den schafft und aufrechterhalt; wenn sie den wahren Feind erkennt und benennt und wenn sie der
weltlichen Definition und Art der Machtausu bung absagt. ä Die Gemeinde ist prophetisch, wenn sie in
Wahrheit die messianische Gemeinschaft ist, die das Wesen des Reiches Gottes und die Art und Natur
Jesu Christi offenbart.–19 Wahrend die Gesellschaft zunehmend gottlos wird, muss die Gemeinde sich
zunehmend selbst als Gegenkultur verstehen und das bewusst in die Praxis umsetzen. Das ist notwe n-
dig, damit die Gemeinde dem Evangelium und ihrer prophetischen Rolle in der Welt gerecht werden
kann.20

4.3 Prophetischer Dienst in der Gesellschaft Ü Aussenwirkung


Der prophetische Dienst in der Gesellschaft wird einerseits von der prophetischen Gemeinde wahrg e-
nommen, aber auch von einzelnen Glaubigen, die das Amt oder die Berufung haben, prophetisch in
die sakulare Gesellschaft hineinzusprechen. ä Die Kirche tra gt die Verantwortung, >den Nationen als

19
K. Sjo berg: Prophetische Gemeinde, S.24.
20
Der ganze Abschnitt ist auszugsweise erstellt, mit Hilfe von K. Sjo berg: Prophetische Gemeinde.
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Prophet< zu dienen und Unrecht, Unterdruckung und Ungerechtigkeit anzuprangern, die schliesslich
dazu fuhren werden, dass einem Volk das Gericht Gottes widerfa hrt. (...) Oft sprechen solche zu den
Volkern gesandte Propheten von einer sa kularen Plattform aus und sind nicht notwendigerweise Ver-
treter der Kirche.–21 Solche Glaubige setzen sich in prophetischer Weise fu r Gerechtigkeit und Recht
in der Gesellschaftsordnung ein (z.B. Josef und Daniel). Dabei sollen Bereiche wie Wirtschaft, Poli-
tik, Finanzbereiche, Erziehung und Sozialdienste nicht unberu hrt bleiben. Die Gemeinden haben so
eine prophetische Aussenwirkung und werden dadurch ihre Stadte mit Gottes Wort durchdringen.
ä Nicht, dass wir Tausende von Christen bra uchten, die durch die Gegend rennen und Ungla ubigen
ä So-spricht-der-Herr–-Sa tze um die Ohren hauen. Aber Tausende von Christen sollten so leben, dass
sie in den Krisensituationen, die unsere Gesellschaft uberall durchwuchern, zuga nglich sind.–22
Glaubige sollen befahigt und ausgeru stet werden, um gesellschaftlich, wirtschaftlich und auch poli-
tisch Einfluss zu nehmen. In der Bibel sprachen die Propheten oft mit grosser Autorit at zu Ko nigen
und Beamten (1Ko 13; Jes 36-39; Am 7; Mk 6,14ff; Apg 4+7; 25-26) . Das Volk und die sozialen
Zustande waren ihnen nicht egal. So gibt es auch heute noch Apostel und Propheten, die zu Prasiden-
ten und deren Nationen oder Bu rgermeistern und deren Stadten sprechen.23 Dieser Dienst kann per-
so nliche Wegweisung und Ermutigung fu r Prasidenten und Vo lker, aber auch Gerichtsprophetie fu r
die Nationen beinhalten.

C. WORKSHOP: PROPHETIE IN DER GEMEINDE


1. EINHEIT I: GRUNDLAGE ZU PROPHETIE UND PROPHETEN

1.1 Der Geist der Prophetie


Immer wieder wird in der Bibel vom Geist der Propheten (1Kor 14,32; Offb 22,6) oder vom Geist der
Prophetie oder Weissagung gesprochen. ü Das Zeugnis Jesu ist der Geist der Prophetieß(Offb 19,10;
vgl. 2Petr 1,21). Die Bibel sagt ebenfalls, dass die Gabe der Prophetie vom Heiligen Geist (1Kor
12,10), und das Amt des Propheten von Jesus selbst gegeben wird (Eph 4,11). Der Heilige Geist wird
einerseits von Gott Vater und vom Sohn Gottes verliehen (Lk 11,13; Joh 14,26; 15,26; 16,7), andere r-
seits ist er in seinen Wirkungen souveran und gibt wie er will (Joh 3,8; 1Kor 12,11). Weiter werden
wir ermahnt nach Prophetie, die auch “Rede aus Eingebung– genannt wird, zu streben (1Kor 14,1).

1.1.1 Der Heilige Geist


Der Geist der Prophetie ist also identisch mit dem Heiligen Geist! Prophetie ist nur eine von vielen
Ausdrucksweisen des Heiligen Geistes! Der Heilige Geist ist die Quelle der Offenbarung und Inspir a-
tion (2Petr 1,20-21). Wenn in der Offenbarung ü von den sieben Geistern, die vor seinem Thron

21
M. Bickle: Prophetie oder Profilneurose, S.219.
22
E.B. Gentile: Eure So hne und To chter werden weissagen, S.217.
23
So z.B. John Mulinde in Uganda, Bill Hamon in u ber 40 Nationen; Apostel und Propheten, S.162, u.a.!
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sindß(Offb 1,4) die Rede ist, so ist damit die ganze Fu lle des Heiligen Geistes gemeint, die Ganzheit
und Vollkommenheit des Wesens des Geistes Gottes. ä Hier liegt ein Bezug auf Jesaja 11,2 vor, wo
die sieben Eigenschaften des Heiligen Geistes genannt werden.–24 Dieser Bezug fu hrt uns ins AT.

1.1.2 Der Knecht Gottes


Viele Texte aus dem Propheten Jesaja, die vom Messias oder Knecht Gottes sprechen, erwahnen aus-
dru cklich den Geist Gottes. Die prophetische Sicht des Gottesknechtes war, dass der Heilige Geist auf
ihm ruht, und dass er dauerhaft mit dem Geist Gottes begabt ist. ü Auf ihm wird ruhen der Geist Jah-
wes, der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Kraft, der Geist der Er-
kenntnis und der Furcht des Herrn.ß(Jes 11,2; vgl. auch Jes 42,1; 61,1) Hier wird deutlich, dass
viele dieser Eigenschaften (Weisheit, Einsicht, Rat und Erkenntnis) mit go ttlicher Offenbarung zu tun
haben. Gleichzeitig wird gesagt, wie diese Eigenschaften angewendet werden: in der Furcht des
Herrn.

1.1.3 Jesus, DER Prophet


Diese Beschreibung des Gottesknechtes, wie auch die Prophetie aus 5Mo 18,15-19, treffen nur auf
eine einzige Person zu, Jesus Christus. Jesus ist der sogenannte mosaische Prophet, von dem Gott zu
Mose, und Mose zum Volk Israel gesprochen hat. Diese Prophetie wurde durch Jesus erfu llt. Dies
widerspiegelt sich in den Evangelien wo auffallt, dass Jesus sehr stark mit den Attributen eines altte s-
tamentlichen Propheten dargestellt wird. Ganz besonders tritt dies im Johannesevangelium zu Tage.
Nicht nur, dass Jesus von verschiedenen Personen als Prophet bezeichnet wird (Joh 4,19; 9,17), s on-
dern sich indirekt auch selbst als solchen bezeichnet (Joh 4,44). Das Volk erwartete als Messias den
bei Mose erwahnten Propheten aus 5Mo 18,15 (Joh 1,21), und das Volk erkannte Jesus auch als die-
sen (Joh 6,14; 7,40). Weiter finden sich in den Reden Jesu an seine Ju nger sehr viele prophetische
Aussagen, oder der Hinweis, dass Jesus selbst die Erfu llung einer vorangegangen Prophetie ist (Joh
13,18; 19,28.36). Jesus ist der Knecht Gottes. Sein Dienst geht weit u ber den eines Propheten hinaus.
Doch sein spezifischer prophetischer Dienst baut auf dem des Alten Testamentes auf. Er ist wie die
alttestamentlichen Propheten “Sprecher, Seher, Wachter und Mensch Gottes– zugleich.25 Jesus ist in
seinem Prophetendienst Vorbild fu r die Propheten in seinem Reich. Deshalb hat sich der Einsatz der
Gabe der Prophetie und auch das Amt des Propheten, am Vorbild Jesu zu orientieren! Somit ist klar,
dass der prophetische Dienst ein Dienst des Heiligen Geistes ist, dessen Auswirkungen uns am Be i-
spiel von Jesus demonstriert werden.

24
A.G. Fruchtenbaum: Handbuch der biblischen Prophetie, S.23.
25
Vgl. hierzu die sehr guten Ausfu hrungen von M. Macher: Christologie, Jesu Prophetenamt, S.148.
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1.2 Die prophetische Person und die Bedeutung von ” rofe tj t慥


1.2.1 Die Bedeutung des Wortes Prophet
Profe tes heisst das griechische Wort, das im Deutschen mit Prophet u bersetzt wird, und bedeutet so-
viel wie “Fu rredner, Redner fu r den Herrn, Verku ndiger seines Redens–. “Im AT steht im Hebra ischen
fur Prophet das Wort Nabi, was einen >berufenen Rufenden< bedeutet, einen >Rufenden im Namen
und Auftrag des Herrn<, einen Gottesboten–.26 Im ju dischen AT wird die Bezeichnung Nebiim Aha-
ronim gebraucht, dieser Ausdruck bedeutet “die Gottbegeisteten–.27

1.2.2 Definitionen von Prophetie


Weissagung ist eine u bernatu rliche A usserung in einer bekannten Sprache. Sie ist eine vom Geist
Gottes inspirierte A usserung. Prophetie geschieht durch den Geist Gottes. Das Wort weissagen bedeu-
tet, “herausstro men, u bersprudeln, herausfallen, hervorkommen–. Diese u bernatu rliche A usserung
wird uns auferbauen, ermahnen und tro sten.28 Ein Prophet ist jemand, der unter starker Gefu hlsbetei-
ligung fu r Gott sprechen soll. Propheten sind nicht bloss dazu da, etwas aufzusagen, sondern um le-
bendige Botschaften weiterzugeben, Botschaften, die lebensverandernd wirken. Mithin meint “pro-
phezeien– im Vollsinn: leidenschaftlich fu r Gott reden.29 Prophetie ist eine Art der speziellen Offen-
barung Gottes an den Menschen, sie ist eine Selbstmanifestation Gottes durch prophetisch begabte
Menschen!
1.2.2.1 Prophetie besteht aus 2 Hauptteilen
1. Die Offenbarung des Heiligen Geistes: Ursprung und Voraussetzung fu r jede Prophetie.
2. Die offentliche Verku ndigung der Offenbarung mit menschlichen Worten: die eigentliche Pro-
phetie (wobei Interpretation und Auslegung in der Verku ndigung nicht mit der eigentlichen Of-
fenbarung verwechselt werden du rfen!).
Hier ergibt sich ein guter Vergleich von prophetisch begabten Me n-
schen mit einer Bodenfunkstation:
1. Es braucht einen Empfanger fu r die Nachricht (Sehen und Ho ren).
2. Es braucht einen Sender um die Nachricht weiter zu vermitteln
(Sprechen und Schreiben, Zeichenhandlungen).
ä Prophetie auf Zukunftsvorhersage zu beschra nken engt das Versta ndnis prophetischen Dienstes
unzula ssig ein.–30 Prophetie ist Gottes Einladung zur Erfu llung seiner Absichten im Leben der Men-
schen. Es gibt jedoch zwei Hauptrichtungen im Bereich von Prophetie.

26
R. Ulonska: Gott hat gesetzt, S.81+ 84.
27
Die Heilige Schrift, u bersetzt von Naftali Herz Tur-Sinai. 2.Aufl. 1995.
28
Aus R.H. Browne: Im Strom des Heiligen Geistes, S.28.
29
Aus E.B. Gentile: Eure So hne und To chter werden weissagen, S.107.
30
E.B. Gentile: Eure So hne und To chter werden weissagen, S.49.
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1. Aufdecken: Das Aufdecken der Vergangenheit und das Anzeigen von Gottes Absicht fu r die
Gegenwart, das inspirierende Aussprechen go ttlichen Willens und go ttlicher Ziele in die momen-
tane Situation!
2. Vorhersagen: Die Vorhersage des Zuku nftigen, Prophetie, die in die Zukunft blickt und dem
Aufbau des Glaubens in die Verheissungen Gottes dient.31

1.2.3 Die Person eines Propheten


Propheten sind Manner und Frauen Gottes, die die Gabe bekommen haben, Gottes Botschaften und
Offenbarungen zu empfangen und weiterzugeben; sie sind ein Sprachrohr Gottes. ä Ein Prophet ist
nicht ein Prophet aufgrund dessen, was er sagt, sondern aufgrund seiner Beziehung zu Gott. Er ist
nicht durch sich selbst wichtig, sondern durch seine Funktion als Botschafter Gottes. –32 Sie sind zu
einem besonderen Leben in der Nahe Gottes herausgerufen und tragen die Last und Verantwortung
von Erwahlten. Dabei verlieren sie nie ihre Identitat oder Perso nlichkeit, auch wenn sie noch so
u berwaltigt sind von Gottes Wort. Ihr Wirken bedeutet oft Konfrontation, aber auch Ermutigung. Sie
sind wie die Augen des Leibes (Seher; hebr. Roeh), die oft voraussehen was geschehen wird, oder
Offenbarungen u ber die Plane Gottes erhalten. Ihr Dienst wird oft von Heilungen begleitet und ist von
Leiden gepragt. Die Essenz prophetischen Dienstes besteht darin, ein besonderer Freund und Vertrau-
ter Gottes zu sein.
1.2.3.1 Zum Charakter
So wie Glauben mit Gehorsam zusammenhangt, so ist bei der Weissagung die Reife und der Charak-
ter der Propheten ausschlaggebend. Gott ist nicht in erster Linie am Amt, dem Titel oder der Gabe der
Propheten interessiert, sondern an ihrem Leben und Charakter (Gerechtigkeit, heiliger Lebensstil).
Die Beziehung zwischen Gott und dem Menschen ist das Wesentliche der Prophetie. ä Das Allerwich-
tigste am prophetischen Dienst ist die innere, nicht sichtbare Spiritualit a t des Propheten. Was immer
an prophetischen Attributen zutage tritt, hat seine Verwurzelung in stabilen charakterlichen Eige n-
schaften.–33 Es muss klar sein, die Zielsetzung allen prophetischen Redens und Tuns liegt darin, den
Charakter Gottes darzustellen und dabei seine Heiligkeit und Liebe zu offenbaren.

1.3 Praktische Anwendung und U bungen


1.3.1 Lernziel der Einheit I
Lerne den ”Geist der Prophetieäals eine Erscheinungsform des Heiligen Geistes
kennen, und verstehe, dass Prophetie einen wichtigen Platz
im Leben von Glaubigen und in der Gemeinde einnimmt.

31
Dem entgegen K. Hagin: The gift of prophecy, S.6: Zukunftsvorhersage behalt er dem Amt des Propheten vor.
32
B. Yocum: Prophet und Prophetie, S.29.
33
E.B. Gentile: Eure So hne und To chter werden weissagen, S.70.
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1.3.1.1 Bibelstudium
Es ist wichtig, dass du dich selbst mit dem Wort Gottes befasst. Studiere als Grundlage die folgenden
Bibelstellen und beachte, was sie u ber den Heiligen Geist und das Thema Prophetie aussagen.
1.3.1.2 Stellen im Alten Testament
4Mo 11,25-29; 12,6-8; 5Mo 18,15-19; 1Sam 3,1ff; Spr 29,18; Am 3,7-8; Joe 3,1-2; Jes 11,2; Hes 33.
1.3.1.3 Stellen im Neuen Testament
Lk 11,13; Joh 14,26; 15,26; 16,7; Eph 2,20-22; 3,15; 4,11-15; 2Petr 1,20-21; Offb 1,4; 19,10; 22,6.
1.3.1.4 Stichworte und Notizen
Mache dir Notizen, was du im Wort Gottes entdeckt hast, und was dir wichtig geworden ist, in Bezug
auf das Prophetische in der Gemeinde. Schreibe auf, was der Heilige Geist zu Dir gesprochen hat!

1.3.1.5 Gebet
ä Vater im Himmel, ich bitte Dich um Deinen Heiligen Geist. Zeige und offenbare Du mir Dein Wesen.
Ich mochte mehr uber Dein Wirken durch das Prophetische erfahren und auch selbst erleben. Danke,
dass Du zu mir durch Dein Wort und durch Deinen Geist sprichst. Fuhre mich in Deine Wahrheit,
und lass mich Deinen Willen erkennen. In Jesu Namen, Amen.–

1.3.2 Praxis Workshop


Das Gelernte darf nicht nur Theorie bleiben! Deshalb sind hier einige Vorschl age fu r praktische
Schritte in deinem Glaubens- und Gemeindeleben aufgefu hrt:
1. Tauscht in einer Gruppe von 2-4 Leuten u ber den Geist der Prophetie und Jesus den Propheten
aus.
2. Gott mo chte sich der Gemeinde offenbaren. Betet miteinander, dass der Heilige Geist sich offe n-
bart und prophetisches Reden in Zusammenku nften und Gottesdiensten freisetzt.
3. Finde mit Hilfe vom Leiter und anderen Menschen die dich kennen, mit Gabentest oder durch
einen reifen prophetischen Dienst heraus, ob du eine Begabung im Prophetischen hast.
4. Sprich mit deinem Hauskreis- oder Gemeindeleiter u ber das Thema Prophetie. Bitte ihn um Aus-
kunft und frage ihn nach seiner Meinung. Erklare ihm deine Fragen und dein Interesse am Thema!

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2. EINHEIT II: VERSCHIEDENE EBENEN DES PROPHETISCHEN


Es gibt verschiedene Ebenen oder Dimensionen des prophetischen Dienstes. Es ist nicht einfach, diese
klar einzuteilen oder voneinander abzugrenzen, da alles mit einem geistlichen Wachstum verbunden
ist. Doch es lassen sich drei Hauptebenen 34 festlegen:
1. Dienstgaben oder A mter zum Zuru sten der Heiligen zum Werk des Dienstes. Diese Menschen
sind die Gabe (Eph 4,8-15)! Man kann hier vom Amt des Propheten sprechen.
2. Gaben (Charismen) und Funktionen, die jedes Glied am Leib besitzt und einbringen soll (Ro m
12,4-8; 1Kor 12,8-11; 1Petr 4,10f).
3. Ein spontanes Offenbarwerden des Heiligen Geistes in den Glaubigen (1Kor 12-14).
Innerhalb des Prophetischen gilt es aber nicht nur die Ebenen zu unterscheiden, sondern auch inner-
halb der Gaben, nach dem Mass des Glaubens (Ro m 12,3), der Gnade (Eph 4,7) und Kraft (Eph 4,16).

2.1 Konnen alle weissagen?


Theoretisch muss diese wichtige Frage mit “ja– beantwortet werden. So ist es jedem Glaubigen und
geisterfu llten Christen mo glich, durch ein spontanes Offenbarwerden des Heiligen Geistes zu prophe-
zeien. Dies ware eigentlich auch Gottes Wille fu r uns: ü Mogen doch alle im Volk des HERRN Pro-
pheten sein, daé der HERR seinen Geist auf sie lege!ß(4Mo 11,29; vgl. 5Mo 18,16-19) Doch die
Praxis zeigt ein anderes Bild. Viele Christen geben dem Heiligen Geist nicht einmal die bewusste
Mo glichkeit, durch sie zu sprechen. Selten (ausser in der Theologie) wurde auch so viel um ein kle i-
nes Wort wie “alle– diskutiert. Die meist zitierte Stelle zu diesem Thema ist 1Kor 14,31: ü Ihr konnt
alle prophetisch reden, doch einer nach dem andern, damit alle lernen und alle ermahnt werden.ß
Diese Schriftstelle darf aber nicht aus dem Kontext herausgerissen we rden, da sie sonst falsch ver-
standen wird. Mit “alle– wird oftmals jeder Glaubige verstanden. Grundsatzlich sollte jeder Glaubige
in der Versammlung bereit sein, eine Offenbarung zu empfangen (1Kor 14,1.26.39). Doch ist im gri e-
chischen Urtext festzustellen, dass mit “alle– ausdru cklich diejenigen mit der Gabe der Prophetie ge-
meint sind. ä Der Ausdruck <einer nach dem anderen> steht im griechischen Original schon relativ
am Satzanfang zwischen den Satzteilen <ihr konnt> und <weissagen>. Auf diese Weise wird dem
Leser deutlich gemacht, dass es darum geht, in geordneter Reihenfolge zu prophezeien. Der Vers
bringt nicht zum Ausdruck, dass wirklich jeder in der Lage ist zu prophezeien.–35

34
Entnommen aus M. Winkler: Gemeindeaufbau Ä Grundlagen, S.13. K.E. Hagin geht von 2, M. Bickle von 4,
E.B. Gentile sogar von 6 Ebenen aus.
35
W. Grudem: Die Gabe der Prophetie im Neuen Testament und heute, S.194. Diese Ansicht wird von U. Wen-
del geteilt: Die erstrebenswerte Gabe, S.37: “Das erste ä alle–wird mit einem Verb der 2.Person Plural ver-
bunden, die beiden ubrigen ä alle–mit einem Verb der 3.Person Plural: ä Ihr konnt alle nacheinander prophe-
zeien, damit (sie) alle lernen und (sie) alle ermuntert werden. Rechnet man zu dieser grammatischen Beobac h-
tung den Umstand hinzu, dass im ersten Drittel des Verses die Betonung nicht auf ä alle–, sondern auf ä einzeln
nacheinander–liegt, so kann man ohne Schwierigkeiten annehmen, Paulus erlaube allen aus der Dreiergru p-
pe der schlangestehenden Propheten, sich nacheinander zu a ussern.–Gegen diese Auslegung ist
S. Thompson: Alle ko nnen prophetisch reden, S.33.
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2.2 Die Gabe der Prophetie und das Amt des Propheten
Das AT unterscheidet zwischen Propheten und Prophetenju ngern oder Prophetenso hnen. Das NT
unterscheidet zwischen einfacher Rede aus Eingebung und gereifter Prophetie. Es ist also eine klare
Differenz zwischen der Gabe der Prophetie (1Kor 14,1) und dem Amt des Propheten (1Kor 12,28;
Eph 2,20; 4,11) sichtbar. Nicht jeder der eine Gabe der Prophetie besitzt, ist auch ein Prophet (1Kor
12,29). Doch jeder Prophet im Amt besitzt bestimmt die Gabe der Prophetie, sowie andere Offenb a-
rungsgaben. Ein Prophet im Amt steht als Person in einem Dienst. Er oder sie selbst sind die Gabe,
die fu r den Leib gegeben ist, im Gegensatz zu jemandem, der mit der Gabe der Prophetie in einer Ge-
meinde dient. Ein Prophet hat nicht nur die Gabe der Prophetie, sondern er ist auch mit mehreren O f-
fenbarungsgaben ausgeru stet. ä A prophet is one who sees and knows things supernaturally because
he has revelation gifts plus prophecy operating in his life and ministry. He has the calling of God
upon his life. Second, has to have at least two of the revelation gifts plus prophecy operating in his
ministry. He has the word of wisdom, the word of knowledge, and / or diserning of spirits.–36 In dieser
Arbeit kann nicht das Amt und die Funktion eines Propheten vollstandig erklart werden, doch wichtig
ist vor allem zu erkennen, dass es eine Unterscheidung gibt zwischen Amt und Gabe im prophetischen
Dienst.

2.2.1 Unterschied zwischen der Gabe und dem Amt


Die Gabe der Prophetie Das Amt des Propheten
1Kor 12,10; 14,3; Rom 12,6 Eph 2,20; 4,11; 1Kor 12,28-29
Erbauung, Ermahnung, Trost und Uberfu hrung Dieselben Punkte, dazu kommt Korrektur, Weg-
(1Kor 14,3; 24;25) weisung, Weitervermittlung von Gaben (1Tim
4,14), auch Todesanku ndigung!
Besitzt die Gabe der Prophetie Besitzt verschiedene Offenbarungsgaben
(Einh.III)
Dem allgemeinen Wohl der Gemeinde dienen Zur Gru ndung von Gemeinden, zur Leitung und
(1Kor 12,7) Ausru stung der Glieder beitragen (Eph 2,20; 4,12)
Ein Glied am Leib Jesu (1Kor 12,12) Als Bindeglied am Leib Jesu viele Glieder zu-
sammenhalten (Eph 4,16)
Zu einem Leib mit vielen Gliedern sprechen Zum Leib oder zu Nationen sprechen
(1Kor 12,14-26) (Apg 11,27-28; Jer 1,5-10)
Weitergeben eines Wortes vom Herrn Erleben des Wortes Gottes (Agabus, Jesaja, Ho-
(1Kor 14,12), sie sprechen Prophetien aus! sea, Hesekiel), sie leben Prophetien aus!
Zur Gemeinde sprechen (1Kor 14,2) Innerhalb der Gemeinde, aber auch bei politischen
und o konomischen Veranderungen sowie Natur-
ereignissen sprechen (Nahum, Hosea, Obadja,
Elia, Daniel, Agabus)
Von Gottes Gu te und Gnade sprechen Von Gottes Gnade und Gerechtigkeit sprechen
Proklamieren die Wahrheit Gottes = Demonstrieren die Wahrheit Gottes =

36
K.E. Hagin: The ministry of a prophet, S.10 u bersetzt: “Ein Prophet ist jemand, der u bernatu rlich Dinge sieht
und weiss, weil in seinem Leben und Dienst Offenbarungsgaben und Prophetie wirksam sind. Er hat die Beru-
fung Gottes auf seinem Leben. Er muss mindestens zwei der Offenbarungsgaben und Prophetie in seinem
Dienst haben. Er hat das Wort der Weisheit, das Wort der Erkenntnis, und / oder die Unterscheidung der Ge is-
ter.–
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Wortprophetie Tatprophetie
Spricht in die Geschichte Beeinflusst und macht Geschichte
Teilzeitaufgabe Vollzeitaufgabe
Tabelle 1
Aus diesem Grund habe ich hier diese Tabelle37 angefu gt, die den Unterschied zwischen den Gaben
des Heiligen Geistes (1Kor 12 und 14), und A mtern, die Jesus gibt (Eph 2,20; 4,11) nochmals ver-
deutlichen soll. Das Wachsen im Prophetischen hat mit Weisheit und Lebenserfahrung zu tun. Der
Unterschied liegt in der Reife und Autoritat, in der Salbung und Vollmacht von Gott. ä Wenn jemand
Gaben oder Berufungen hat, macht das auf mich keinen Eindruck. Setzt jemand Gaben mit Weisheit
und Reife ein, imponiert mir das.–38

2.3 Wachstumsprozess im Prophetischen


Folgende Grafiken39 sollen den Wachstumsprozess im Prophetischen verdeutlichen. Ein bekannter
Bibellehrer (Derek Prince) sagte einmal in einem Vortrag, auch in der Prophetie gelte das sogenannte
“Pareto-Prinzip– (20/80 Regel) des Gemeindebaus. D.h. 20% der Aufgaben machen 80% der Produk-
tivitat aus. Im “Anfangsstadium– des Prophezeienden sind 20% Gottes-, und 80% Menschenworte.
Trotz dieses Statements ist es richtig zu Prophezeien, da ja die 20% wirklich von Gott sind. Wenn wir
in der Beziehung zu Gott wachsen, wird sich auch das Verhaltnis in 80/20 verandern. Prophetisch
begabte Menschen mu ssen gefu hrt und gefo rdert werden, damit sie wachsen ko nnen. Genauso wie bei
anderen Gaben und Diensten gilt es auch hier einen Ju ngerschaftsprozess zu fo rdern und zu begleiten.

2.3.1 Das prophetische Wort

Worte Gottes
Menschliche
Worte
Schwaches, unreifes Durchschnittliches Starkes, reifes
prophetisches Wort prophetisches Wort prophetisches Wort

Grafik 1

2.3.2 Die Befahigung im prophetischen Dienst

Worte Gottes
Menschliche
Worte
I II III
37 Einfache Prophetie Prophetische Gabe Prophetisches Amt
Erstellt mit Hilfe von Seminarunterlagen von J.P. Jackson: Seminarunterlagen Prophetie, S.56.
38
R. Joyner: Eine prophetische Vision fu r das 21.Jahrhundert, S.103.
39
Die Grafiken sind entnommen aus M. Bickle: Prophetie oder Profilneurose, S.137+140.
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Grafik 2

2.4 Praktische Anwendung und U bungen


2.4.1 Lernziel der Einheit II
Das Prophetische hat verschiedene Ebenen und ist in einen Wachstums-
oder Ju ngerschaftsprozess eingebunden. Erkenne den Unterschied zwischen
der Gabe der Prophetie und dem Amt des Propheten!

2.4.1.1 Bibelstudium
Lies die folgenden Bibelstellen aufmerksam durch. Es ist wichtig, dass du den Unterschied der pr o-
phetischen Ebene auch in der Bibel erkennst und herausfindest, was, wann und wo gemeint ist. Denn
dies hat grosse Auswirkung auf das Verhalten in der prophetischen Praxis. Teile die Bibelstellen nach
der jeweiligen prophetischen Ebene in die untenstehende Tabelle ein. Beachte, dass in einigen Stellen
mehrere Ebenen gleichzeitig vorhanden sind! Trenne die Verse dementsprechend auf.
2.4.1.2 Stellen im Alten Testament
2Mo 7,1; 4Mo 11,29; 12,6-8; 5Mo 18,16-22; Esr 5,1; Joe 3,1; Am 3,7-8; Jes 50,4; Jer 1,5; Hes 30,33.
2.4.1.3 Stellen im Neuen Testament
Apg 2,4.17; 11,27-28; 13,1-3; 19,6; 21,9; 21,10-11; 15,32; Ro m 12,6; 1Kor 12,10; 12,28; 14,1-3.24;
14,29-32.39; Eph 2,20; 4,11; 1Petr 1,10; 2Petr 1,19-21; 3,2.
2.4.1.4 Tabelle der prophetischen Ebenen
Spontanes Prophezeien Die Gabe der Prophetie Das Amt des Propheten

2.4.1.5 Gebet
ä Herr Jesus, offenbare Du mir durch Deinen Geist, wo ich im Glauben stehe. Fuhre Du mich auf der
Suche nach Deiner Berufung fur mein Leben. Stelle mich in Deinen Dienst mit den Fa higkeiten die
Du mir gegeben hast, nach dem Mass des Glaubens, der Gnade und Kraft die mir gegeben sind.
Amen.–

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2.4.2 Praxis Workshop


1. Wenn du es noch nicht getan hast, so finde nun nach den beschriebenen Schritten in der Einheit I
heraus, ob du prophetisch begabt bist. Betet in der Gruppe fu r eine Freisetzung der proph. Gaben!
2. Eifert nach der Gabe der Prophetie (1Kor 14,1), suche dir einen Mentor, der selbst in einem ap os-
tolischen oder prophetischen Dienst steht und dir helfen kann im Prophetischen zu wac hsen.
3. Nimm dir jeden Tag in deiner “Stillen Zeit– nur 5 Min., um wirklich still zu sein. Bete nicht, rede
nicht, lese nicht, sondern ho re bewusst auf des Reden des Heiligen Geistes, und schreibe es auf.

3. EINHEIT III: VERSCHIEDENE OFFENBARUNGSGABEN

3.1 Die Offenbarungsgaben in 1Kor 12,8-10


ä Prophetie umschliesst folgende Gaben des Geistes: Das Wort der Erkenntnis, das Wort der Weisheit,
die Unterscheidung der Geister sowie die Gabe der prophetischen Rede. Im Sprachgebrauch unserer
Ausbildung bezeichnen wir jede Offenbarung, die Gott schenkt und die an eine Person weitergegeben
wird als Prophetie oder als Wort der Prophetie.–40 Ich stimme mit dieser Aufzahlung u berein, fu ge
aber gemass dem biblischen Zeugnis noch die Gabe der o ffentlichen Zungenrede, sowie die Gabe der
Auslegung den sogenannten Offenbarungsgaben hinzu. Deshalb ware es ein fataler Fehler, den pro-
phetischen Dienst auf das Reden aus Eingebung oder das Prophezeien zu beschranken. Die meisten
prophetisch Begabten haben von Gott erganzende Gaben bekommen. Prophetische Menschen, vor
allem aber Propheten und Prophetinnen im Amt, leben in verschiedenen Offenbarungsgaben. Paulus
nennt diese in einer seiner Gabenlisten in der Bibel: ü Denn dem einen wird durch den Geist das
Wort der Weisheit gegeben, einem anderen aber das Wort der Erkenntnis nach demselben Geist;
(...) einem anderen aber Weissagung, einem anderen aber Unterscheidungen der Geister; einem
anderen <verschiedene> Arten von Sprachen, einem anderen aber Auslegung der Sprachenß(1Kor
12,8.10). Um ein besseres Verstandnis zu bekommen, worin der prophetisch Begabte lebt und wie
sich die Offenbarungsgaben in seinem Dienst aussern, werden diese Gaben aufgefu hrt und erlautert.

3.1.1 Die prophetische Rede, Weissagung


Bei der Definition dieser Gabe gibt es unterschiedliche Ansichten. Eine Ansicht will diese Gabe alle i-
ne auf die ü Erbauung und Ermahnung und Trostungß(1Kor 14,3) beschranken. Hier wird einfach
von einer von Gott inspirierter Rede ausgegangen, wobei der wegweisende und zukunftsbezogene
Charakter vo llig ausgeschlossen wird und es nur um Worte der Bestatigung einer Sache, des Zu-
spruchs oder der Tro stung geht.41 Doch diese Gabe beinhaltet weit mehr. ä Das prophetische Wort
wird unmittelbar von Gott empfangen. Es ist sachgema ss von gottlicher Eingebung zu sprechen. Pro-
phetie ist also ein von Gott durch Eingebung empfangenes Wort zur Lage in Vergangenheit, Gegen-

40
S. Thompson: Alle ko nnen prophetische reden, S.13.

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wart oder Zukunft.–42 Die Gabe der Prophetie aussert sich in Ratselworten, Visionen und Traumen,
Spru chen, Gleichnissen und anderen Offenbarungen ( 4Mo 12,6-8; Joe 3,1; Apg 10,10; 11,27; 21,9-
11). Es braucht viel Weisheit um diese Formen der Offenbarungen interpretieren und auslegen zu
ko nnen, da dem Ausu benden der Gabe oftmals die klare Erkenntnis daru ber fehlt, was man empfan-
gen hat.43 Darum sollte die Gabe der prophetischen Rede eingebunden und mit anderen Gaben kombi-
niert werden.

3.1.2 Das Wort der Erkenntnis


Diese Art der Offenbarung, die Gabe des Wortes der Erkenntnis, 44 hat vor allem aufdeckende Wir-
kung. Das Wort der Erkenntnis besteht aus einer u bernatu rlich offenbarten Information. Es betrifft
einen besonderen Sachverhalt, der nicht auf natu rliche Weise in Erfahrung zu bringen war Ä sei es im
Zusammenhang mit einer Person (Joh 4,16-19), einem Ereignis oder einem Ort. Dieses Wort deckt
einen Zustand oder eine Situation der Gegenwart oder Vergangenheit auf. Es gibt weder Anweisungen
was zu tun ware noch offenbart es die Zukunft, sondern es gibt Informationen u ber bestehende Tatsa-
chen. Diese Informationen ko nnen sehr detailliert sein und ko nnen Namen, Zeitangaben und Daten
enthalten. Weiter ko nnen auch Su nden, der geistliche Zustand oder Verletzungen der Vergangenheit
bei einer Person offenbart werden (1Kor 14,24-25). Das Wort der Erkenntnis aussert sich durch inne-
re Eingebung, ho ren oder sehen (Joh 1,29-34; Mt 16,16-17). ä Ein Mensch empfa ngt entweder fur ihn
horbar oder sichtbar einen Gedanken, der ein winziges Stuck des gesamten Wissens Gottes ist.–45

3.1.3 Das Wort der Weisheit


Das Wort der Weisheit ist ein prophetisches Charisma (1Kor 12,8), eine auf Inspiration zur u ckgehen-
de Eingebung, die auch geaussert wird. Dieses Wort veranlasst den betreffenden Menschen intuitiv
das Richtige zu tun. Es besteht ein Zusammenhang mit der Gabe der Rede aus Eingebung (1Kor
12,10; 14,1). Das Wort der Weisheit wird Lo sungen fu r bestimmte Probleme und Situationen (Joh
8,7) und Erkenntnis fu r zu treffende Entscheidungen bringen (Apg 27,10-31). Diese Lo sung, das Wort
der Weisheit in die entsprechende Situation, wird vom Geist Gottes offenbart. Das Wort der Weisheit
lasst sich besonders daran erkennen, dass es oftmals wegweisenden Charakter hat. Ein solches Wort
zeichnet sich besonders darin aus, dass es offenbart, was Gott in einer besonderen Situation will, plant

41
So L. Sumrall: The gifts and ministries of the Holy Spirit, S.111; und K.E. Hagin: The gift of prophecy, S.6.
Diese Autoren schreiben die Zukunftsvorhersagen nur dem Wort der Weisheit zu.
42
S. Grossmann: Handbuch Heiliger Geist, S.34. Erstaunlich ist, dass hier evangelikale Theologen eine klarere
Sicht von der Gabe der Prophetie haben, als charismatische Ausleger. Siehe auch U. Wendel: Die erstrebens-
werte Gabe, S.13.
43
Vgl. dazu die Ausfu hrungen von M. Bickle: Prophetie oder Profilneurose, S.139.
44
In evangelikalen und z.T. auch in charismatischen Kreisen werden das Wort der Erkenntnis und Weisheit als
Eigenschaften angesehen, die Gott einer Person fu r den Bereich der Lehre und Predigt gegeben hat.
45
R.D. Wead: Offenbarung des Verborgenen, S.38. Dazu unbedingt lesenswert, J. Deere: Uberrascht von der
Stimme Gottes, Kap.1, S.13-21.
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oder beabsichtigt. Dies ist der tiefere Sinn eines Wortes der Weisheit. Das Leben K o nig Salomos ist
eines der herausragendsten Beispiele der Bibel, wie sich das Wort der Weisheit aussert (1Ko 3,16-28).

3.1.4 Die Unterscheidung der Geister


Die Unterscheidung der Geister steht eng in Verbindung mit dem Wort der Erkenntnis, da auch diese
Gabe etwas aufdeckt. ä Der Begriff >Geist< wird in der Bibel fur Engel, Da monen, den menschlichen
Geist, den Heiligen Geist, Salbungen, >Ma ntel< (der Berufung) oder den motivierenden Einfluss
einer Person verwendet. Die Unterscheidung der Geister bezeichnet demnach die Fa higkeit, ver-
schiedene Arten von Geistern und Salbungen zu erkennen und zu unterscheiden.–46 Diese Gabe kann
auch die Fu hrung des Heiligen Geistes erkennen, sehen wo der Geist weht. Die Unterscheidung kann
durch ho ren oder sehen empfangen werden, wirkt aber auch u ber andere Sinne, wie fu hlen, schme-
cken, rie-
chen und ko rperliche Manifestationen. Ein Prophet im Amt muss diese Gabe haben! Sie dient auch als
Werkzeug bei der Beurteilung von Prophetien und Propheten (Siehe Einh.VI: P. 6.1.3). Besonders
klare biblische Beispiele fu r diese Gabe, sind Jesus mit Petrus (Mt 16,23); Petrus mit Ananias und
Saphira (Apg 5,1-11); Petrus und der Zauberer Simon (Apg 8,18); Paulus und die Wahrsagerin (Apg
16,16-24); Ahija von Silo und die Frau Jerobeams (1Ko 14,2-6) und Elisa und Gehazi (2Ko 5,20-27).

3.1.5 Die offentliche Zungenrede und die Gabe der Auslegung


Eine weitere Gabe der Offenbarung ist die o ffentliche Zungenrede in einer Versammlung, die ausge-
legt werden muss. Diese beiden Gaben sind im Kontext der Bibel aneinander gebunden. ü Wenn nun
jemand in einer Sprache redet, <so sei es> zu zweien oder hochstens zu dritt und nacheinander,
und einer lege aus. Wenn aber kein Ausleger da ist, so schweige er in der Gemeinde, rede aber fu r
sich und fu r Gott.ß(1Kor 14,27-28; vgl. auch 14,14) Hier ist nicht die Sprachenrede zum Lob Gottes
(1Kor 14,2) oder zur eigenen Auferbauung in der Gebetszeit gemeint (1Kor 14,4), sondern eine von
Gott inspirierte A usserung in einer uns unverstandlichen Sprache. Diese Gabe ist dem Ausdruck nach
der prophetischen Rede sehr ahnlich, nur dass sie eben nicht verstanden wird und deshalb ausgelegt
werden muss. Diese Manifestation des Geistes offenbart auf besondere Weise Gottes u bernatu rliches
Wesen. ä Dabei ist die Interpretation der Dreh- und Angelpunkt, weil es darum geht, Gottes Reden zu
verstehen. Allerdings ist die Interpretation auch der Teil, bei dem die meisten Menschen Fehler ma-
chen.–47 Deshalb ist die Gabe der Auslegung ausserst wichtig. Bei der Gabe der Auslegung, die auf
Offenbarung und u bernatu rlichem Wissen beruht, ergibt sich ein enger Zusammenhang mit dem Wort
der Erkenntnis. Wer die Gabe der Auslegung von Zungenreden hat, ist auch begabt zur Auslegung

46
S. Thompson: Alle ko nnen prophetisch reden, S.16.
47
S. Thompson: Alle ko nnen prophetisch reden, S.65.
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von Prophetien, Traumen, Bildern und Visionen (Dan 2,19.30-45; 4,16; 7,16; 8,16; Am 8,2; Apg
21,11).48

3.2 Motivation zur Ausu bung der Offenbarungsgaben


Die Offenbarungsgaben sind nicht immer klar auseinander zu halten. Sie u berschneiden sich und er-
ganzen einander. Alle sind vom Heiligen Geist gewirkt und bezwecken in erster Linie immer:
1. die Verherrlichung von Gott Vater und Jesus Christus,
2. die Grosse, Souveranitat und das Wesen Gottes aufzuzeigen,
3. sowie das Heil der betreffenden Menschen!
Die Gaben sind da, um eine geistliche Initialzu ndung auszulo sen, den Glauben des Betroffenen zu
starken und ihn voran zu bringen. Prophetie ist Stu ckwerk, doch die Liebe bleibt! Die Liebe ist bei der
Ausu bung all dieser Gaben absolut massgebend (1Kor 13). Prophetie ohne Liebe bewirkt Zerst o rung
Ä Prophetie mit Liebe bewirkt Wiederherstellung (Mal 4,5)! Der Heilige Geist ist die Liebe Gottes
(Ro m 5,5). Deshalb wirkt der Geist der Prophetie in Liebe und Ordnung (1Kor 14,32-33.40).49 In al-
lem geht es darum, kontinuierlich “im Rat des Herrn zu stehenß(Jer 23,18.22; vgl. Ps 33,11; Spr
19,21)!

3.3 Praktische Anwendung und U bungen


3.3.1 Lernziel der Einheit III
Gott gebraucht verschiedene Gaben um zu seiner Gemeinde zu sprechen.
Entdecke, welche Offenbarungsgaben in deinem Leben wirksam sind,
pru fe Deine Motivation und stehe ”im Rat des Herrnä
!

3.3.1.1 Bibelstudium
In der folgenden Auswahl von Bibelstellen werden verschiedene Offenbarungsgaben wirksam. Versu-
che beim Durchlesen zu erkennen, um welche Gabe es sich dabei handelt. Uberdenke auch, in welcher
Motivation die Gaben von der jeweiligen Person angewandt wurden. Wie hattest du gehandelt?
3.3.1.2 Stellen im Alten Testament
1Mo 37,5-7; 40,8.12; 1Sam 10,1-7; 1Ko 3,25-28; 10,1-3; 11,29-31; 14,2-6; 17,1; 2Ko 3,15-20; 5,25;
2Chro 18,16-27; 21,12-19; Jer 1,11-12; 23,18.22; 28,5-17; Hes 37,4; Dan 1,17; Joe 3,1; Hab 2,1-3.
3.3.1.3 Stellen im Neuen Testament
Mt 16,15-17.23; Lk 1,67-80; Joh 3,5-8; 4,16-19; 11,49-51; Apg 2,2-11; 5,1-11; 8,18-23; 11,28; 16,9;
19,6; 22,17; 1Kor 14,24-25.26.27-28.29-32; 1Tim 4,1; 4,14; 2Petr 1,19-21; Offb 1,10; 19,10.

48
Dazu lese unbedingt die Erfahrungen von M. Bickle: Prophetie oder Profilneurose, S.192.
49
Zur Motivation des prophetisch Redenden unbedingt auch Einh.IX: P. 9.1.1 beachten!
ü Peter Winzeler, Vonwilstr. 29, 9000 St.Gallen 31.08.01 27
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3.3.1.4 Stichworte und Notizen


Lies die in dieser Einheit aufgefu hrten Offenbarungsgaben noch einmal langsam und einzeln durch.
Bete jeweils daru ber. Finde heraus und schreibe auf, in welchen dieser prophetischen Gaben Gott dich
braucht. Notiere auch andere Geistesgaben die Gott dir gegeben hat und die du schon entdeckt hast.

3.3.1.5 Gebet
ä Vater im Himmel, Du bist der Geber aller guten Gaben. Dein Geist weht und gibt wie er will. Erfulle
mich mit Deinem Heiligen Geist und setze Deine Offenbarungsgaben und Dein vielfa ltiges Reden in
meinem Leben frei. Lass mich Deine Gaben in meinem Leben erkennen und fur Dich, Deine Ehre und
zum Heil der Menschen einsetzen. Danke fur Deinen Geist und die Gaben die Du mir geschenkt
hast!–

3.3.2 Praxis Workshop


1. Tauscht in 3-er Gruppen miteinander aus, welche Offenbarungsgaben ihr bei Euch entdeckt habt.
Diskutiert u ber die einzelnen Gaben und wie sie im Leben bei Euch “funktionieren–.
2. Verbringe mehr Zeit damit, bewusst auf Gott zu ho ren, schreibe alle Offenbarungen auf, damit Du
sie auch pru fen kannst. Stehe im “Rat des Herrn–. Ubung macht den Meister!
3. Sprich mit Deinem Mentor und Deinem Gemeindeleiter, ob und wie Du die entdeckten Geistes-
gaben in der Praxis des Gemeindekontextes anwenden kannst. Gebt das nachste mal Ru ckmel-
dung.

4. EINHEIT IV: DIE VERSCHIEDENEN OFFENBARUNGSWEGE

4.1 Die Moglichkeiten Gottes fu r das Prophetische


In der Einheit III wurde klar dargelegt, dass Gott neben seinem Wort auch durch verschiedene Offen-
barungsgaben zu uns spricht. Wie schon gesagt, ko nnen diese Gaben durch sehen, ho ren oder empfin-
den wirksam werden. Das Prophetische kommt zu uns durch unterschiedliche Kanale, wobei die Quel-
le der Offenbarung immer dieselbe, namlich der Geist Gottes ist. Gott wird alle Mo glichkeiten nutzen
die er hat, damit wir sein Reden empfangen und auch verstehen ko nnen. Die Bibel sagt: ü Denn auf
eine Weise redet Gott und auf eine zweite, und man wird es nicht gewahr. Im Traum, im Nachtge-
sicht, wenn tiefer Schlaf auf die Menschen fallt, im Schlummer auf dem Lager, dann offnet er das
Ohr der Menschen und bestatigt die Warnung fu r sieß(Hi 33,14-16). So wie es verschiedene
Offenbarungsgaben gibt, so bemachtigt sich Gott auch unterschiedlicher Offenbarungswege: ü Und er
sprach: Hort doch meine Worte! Wenn ein Prophet des HERRN unter euch ist, dem will ich mich

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in einem Gesicht zu erkennen geben, im Traum will ich mit ihm reden. So steht <es> nicht <mit>
meinem Knecht Mose. Er ist treu in meinem ganzen Haus; mit ihm rede ich von Mund zu Mund,
im Sehen und nicht in Ratselworten, und die Gestalt des HERRN schaut erß(4Mo 12,6-8) und:
ü Und eure Sohne und eure Tochter werden weissagen, eure Greise werden Traume traumen, eure
Ju nglinge werden Gesichte sehenß(Joe 3,1; Apg 2,17; vgl. 1Kor 14,26). Das Ziel dieser Einheit ist
es, diese verschiedenen Wege der Offenbarung Gottes zu erkennen und sie zu verstehen.

4.1.1 Traume
Der Traum, oder das Nachtgesicht wie es bei Hiob (33,15) und Daniel (2,19) auch heisst, ist einer der
eindeutigsten Wege, die uns die Bibel von Gottes Reden belegt. Traume du rfen nicht mit Gesichten
oder Visionen verwechselt werden. Wohl ist die Erscheinungsform sehr ahnlich, doch der gravie-
rendste Unterschied liegt darin, dass ä Tra ume nur im Schlaf, bzw. im Halbschlaf vorkommen. Will
man etwas anderes beschreiben, wa re es gut, dafur irgendeinen anderen Ausdruck zu finden.–50 Gott
benutzt Traume vor allem; um uns Antworten auf unsere Fragen zu geben (Ri 7,9-15); Anweisungen
in go ttlichen Dingen (Erkenntnis und Weisheit) zukommen zu lassen (Mt 1,20-21); um uns vor un-
sichtbaren Gefahren zu warnen (Mt 2,12-23); um Fu hrung zu geben und uns vor falschem Handeln
(1Mo 31,24) oder Stolz zu bewahren (Dan 4,2.16.31-34); ja sogar um unsere Seele vor der Grube zu
bewahren und um unser Leben zu retten.51 Gott bemachtigt sich der Traumsprache und des Nachtge-
sichtes besonders gerne, denn ä der Vorteil eine Traumes liegt darin, dass Gott auf einer schnellab-
laufenden Spule spricht und dabei ein Minimum an Storung durch unser Bewusstsein vorhanden
ist.–52 Wenn Gott in Traumen spricht, brauchen wir Rat, um zum rechten Verstandnis zu kommen, da
die besondere Sprache der Traume auch oft in vielen Symbolen besteht. ä Weil Symbole sehr oft mehr
als nur eine Bedeutung haben, sind wir geschutzt, zu schnell zu glauben, wir verstunden, was wir in
unseren Tra umen sehen. Wir sind gezwungen, den Heiligen Geist zu suchen, damit Er uns die Bedeu-
tung klar macht.–53

4.1.2 Gesichte und Erscheinungen


Ein weiterer in der Bibel sehr haufig vorkommender Offenbarungskanal ist das dem Traum verwandte
Gesicht, oder eine Erscheinung. Man ko nnte ein Gesicht auch als offene Vision oder als Traum im
Wachzustand beschreiben. Hier findet auch der alttestamentliche Begriff “Seher– seine Berechtigung.
Der prophetisch Begabte sieht mit offenen Augen eine Erscheinung und erhalt eine Botschaft. Das
Gesicht oder die Erscheinung kommt zu ihm. ä Propheten sind Seher (hebr. Roeh; 1Sam 9,9.18;
1Chron 9,22; Jes 30,10). Sie mussen erst ihre Botschaft ä geschaut–haben, ehe sie sie weitergeben
konnen (1Chron 29,29). Der Prophet hort und sieht mit seinen korperlichen Sinnen, oder er ist ä im

50
G. Fitzpatrick: Traume und Visionen, S.47.
51
Vgl. dazu die Ausfu hrungen von J. Ryle: Ein Traum wird wahr, S.49-67.
52
J. Sandford: EliaÖs Auftrag, S.175.
53
J. Sandford: EliaÖs Auftrag, S.188.
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Geist–(Offb 1,10), in der Verzuckung (Ekstase).–54 Entweder tritt ein Botschafter von aussen (Engel
oder Theophanien; Dan 9,21; 10,5; Apg 10,3; 16,9) an die prophetische Person heran, oder aber der
Geist Gottes kommt mit Kraft u ber eine Person. Immer wieder berichtet uns die Bibel von Begriffen
wie “entru ckt sein im Geist– (Hes 3,14; 8,3; 11,1), “Verzu ckung– (Apg 10,10; Offb 1,10) oder “ Tran-
ce– (Apg 22,17). ä Wa hrend einer Trance bzw. Verzuckung ist der grosste, wenn nicht der ganze Teil
der Wahrnehmung unserer Umwelt vernebelt, im Gegensatz zur offenen Vision, wo wir beobachten,
was passiert. In einer Trance sind wir Teil des Geschehens. (...) Trancen liegen auf hoherer Ebene
der Offenbarung als Tra ume und Visionen, weil sie wiederum weniger subjektiver Art sind. Du kannst
dich nicht selbst in eine Trance oder Verzuckung versetzen; Trancen kommen vom Herrn und nehmen
solange kein Ende, bis der Herr ihnen ein Ende setzt.–55 Diese Erscheinungsform nennt man ekstati-
sche Prophetie.56 Der Heilige Geist ergreift einen Menschen, und nimmt in starkem Masse Besitz von
ihm (4Mo 11,25; Jes 61,1; Hes 3,22; auch emotional Jer 23,9; Hes 3,15; Offb 1,17). Auch das Los (Jo
1,7; Apg 1,26) und die Befragung von Urim und Tummim (1Sam 28,6; Esr 2,63), sowie das Auslegen
von einem Fliess (Ri 6,37) geho ren in die Kategorie von Gesichten und Erscheinungen.

4.1.3 Bilder und Visionen


Auch hier gibt es wieder Unterscheidungen in der Erscheinungsform von Bildern: ä So gibt es Geistes-
Blitze, leichte innere Visionen, starke innere Visionen und offene Visionen. –57 Ich wu rde die offenen
Visionen eher der Kategorie Gesichte und Erscheinungen zuordnen. Allerdings muss auch gesagt
werden, dass Visionen weit mehr sind als einfache Eindru cke, die Abgrenzungen jedoch wie auch bei
den Offenbarungsgaben nicht so eindeutig sind. Bilder sind innere Visionen, die entweder statisch
oder dynamisch sind. Das heisst, es handelt sich um ein einzelnes unbewegliches Bild, oder um eine
Vision, die wie ein Film ablauft, die mit den inneren Herzensaugen gesehen wird. Innere Visionen
sind die Bildersprache Gottes. ä Visionen kommen in vielen Stufen. Manchmal la sst der Heilige Geist
vor dem inneren Auge unseres Verstandes Bilder aufleuchten. (...) Solche Visionen sind nicht weniger
wertvoll, kraftvoll, zwingend oder wahr. Wir mussen bei ihnen dieselben Schritte der Prufung und des
Gehorsams gehen wie bei den lebhaftesten Visionen in einer Trance. Manchmal sind solche Visionen
symbolisch, der Heilige Geist gebraucht einen Cartoon oder irgendeine Darstellung, um uns eine
Botschaft bildhaft zu ubermitteln. Gott mochte uns durch einfache, allta gliche Dinge leiten.–58

4.1.4 Ratselworte
Oft spricht Gott in Ratselworten Ä einem Wortspiel (Jer 1,11-12), einem Ratsel (Dan 5,24-28), einem
Bild (Am 8,1-2), einem Gleichnis (Mt 13; 16; 22; 25; Lk 10;11; 15) Ä obwohl er direkt hatte reden
ko nnen. Der Hauptgrund dafu r ist wahrscheinlich der, dass er fu r uns verborgen bleiben muss. Rat-

54
M. Macher: Christologie, Jesu Prophetenamt, S.148.
55
S. Thompson: Alle ko nnen weissagen, S.58.
56
Vgl. zu ekstatischer Prophetie E.B. Gentile: Eure So hne und To chter werden weissagen, S.88.
57
S. Thompson: Alle ko nnen prophetisch reden, S.55.
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selworte widerspiegeln auch Gottes Humor und dienen dazu, dass wir demu tig bleiben. ä Ra tselworte
geben uns allgemeine Richtlinien, doch der grosste Wert solcher Worte besteht wahrscheinlich darin,
dass sie uns in sta ndiger Abha ngigkeit vom Heiligen Geist halten.–59 Selbst Jesus hat oft in Gleich-
nissen gesprochen und hielt damit die Ju nger eng bei sich (Mt 13,34-35). Manchmal erzahlt uns Gott
ein Geheimnis und mo chte, dass es eines bleibt. Im Gebet offenbart er es uns: ü Rufe mich an, dann
will ich dir antworten und will dir Groé es und Unfaé bares mitteilen, das du nicht kennst.ß(Jer
33,3)!

4.1.5 Horbare Stimme


Hier geht es nicht einfach darum, die innerliche Stimme Gottes zu ho ren, sondern um eine offensicht-
lich ho here Ebene der Offenbarung. ä Die horbare Stimme Gottes ist schwer zu beschreiben. Doch
wenn du nur denkst, Gott habe dir horbar etwas mitgeteilt, hast du in Wirklichkeit noch nichts gehort.
Wenn Gott auf diese Weise redet, wird jeder Zweifel vom Tisch gewischt. Dabei ist diese h orbare
Stimme nicht von ihrem Volumen her so laut, sondern vielmehr gewaltig in ihrer Art.–60 Doch selbst
ho rbares Reden wird von verschiedenen Menschen haufig unterschiedlich verstanden (Joh 12,28-29;
Apg 9,7). Selbst wenn Gott laut reden wu rde, wu rden manche meinen, es habe gedonnert, oder ein
Engel habe gesprochen. Gott spricht nicht sehr oft auf diese Weise.

4.1.6 Unsere Sinne, geistliche Eindru cke


Genauso wie Gott uns fu nf ko rperliche Sinne gegeben hat, so gebraucht Gott diese Sinne auch auf
geistliche Weise. ä Er schenkt uns Offenbarung, indem wir geistlich sehen, horen, riechen, schmecken
und tasten.–61 In diesem Bereich ist vor allem auch die Gabe der Unterscheidung der Geister wirksam.
Das Reden Gottes durch unsere Sinne, durch innere Bilder und Eindru cke, sowie durch das Ho ren
einer inneren Stimme ist wohl die haufigste Art und Weise, wie Gott zu uns spricht.

4.2 Praktische Anwendung und U bungen


4.2.1 Lernziel der Einheit IV
Finde Gottes Moglichkeiten und Kanale heraus, durch welche er mit dir spricht.
Suche seine Gegenwart, gib ihm Raum dir zu begegnen und h ore auf Ihn!

4.2.1.1 Bibelstudium
Die Bibel ist voll von Gottes Offenbarungen und seinen Begegnungen mit den Menschen. Entdecke
im Studium der folgenden Bibelstellen neue Wege, wie Gott dir begegnen kann. O ffne dich durch die
Schrift fu r eine neue Dimension des Redens Gottes in deinem Leben. Versuche die unterschiedlichen
Manifestationen von Gottes Offenbarung zu unterscheiden und trage sie unten in der Tabelle ein.

58
J. Sandford: EliaÖs Auftrag, S.191-192.
59
J. Sandford, S.207.
60
S. Thompson: Alle ko nnnen prophetisch reden, S.53-54.

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4.2.1.2 Stellen im Alten Testament


4Mo 12,5; Jos 5,13-15; Ri 6,11-24; 1Sam 3,1.3-10; 2Sam 12,1; 1Ko n 3,5-15; 19,5-7.9-18; 2Ko n 6,17;
2Chro 18,18-22; Hi 42,5; Jes 6,1-8; 8,1-5; Jer 1,11-12.13-14; 7,1; 11,1; 18,1-10; 28,12-14; 33,3; Hes
1,1-28; 2,8-3,3; 37,1; Dan 2,1.19; 5,24-28; 7,1; 8,1-2; 10,5-7; Am 1,2; 3,7-8; 7,1; 8,1; 9,1; Sach 1,8.
4.2.1.3 Stellen im Neuen Testament
Mt 1,20; 2,13.19; 3,16-17; 28,2.9; Mk 4,2; 12,1; 16,12; Lk 1,11.26; 22,43; Joh 12,28-29; Apg 2,3;
4,31; 5,19; 7,55; 8,26.29; 9,3-7.10; 10,3.10-19; 13,2; 16,9; 18,9; 22,17; Offb 1,10-17; 10,3-10; 19,11.
4.2.1.4 Tabelle der verschiedenen Offenbarungskanale
Traume, Erscheinun- Bilder und Ratselworte, Horbare Geistliche
Nachtgesichte gen, Gesichte Visionen Gleichnisse Stimme Sinne

4.2.1.5 Gebet
ä Herr Jesus, ich habe Hunger nach Dir! Ich brauche Dein Reden und die Begegnung mit Dir. Schen-
ke mir Gnade und offne die noch verschlossenen Kana le Deines Redens in meinem Leben. Nutze Dei-
ne Moglichkeiten und fuhre mich dadurch in eine noch tiefere Beziehung und Abha ngigkeit zu Dir.–

4.2.2 Praxis Workshop


1. Tauscht in der Gruppe u ber bereits gemachte Erfahrungen und Begegnungen mit Gott aus. Plane
regelmassige Gesprache mit deinem Mentor und sprich u ber deine Erlebnisse und Erfahrungen.
2. Verpflichte dich, von nun an regelmassig Zeit einzuplanen um auf Gott zu ho ren (Jer 33,3)!
3. Beginne ein Tagebuch, indem du alle Erscheinungen, Visionen oder Traume, Gottes Reden, sowie
Prophetien in dein Leben hinein aufschreibst. Tauscht spater u ber diese Offenbarungen aus.

5. EINHEIT V: ZWECK UND WIRKUNGEN DES PROPHETISCHEN


Der Zweck und die Wirkungen des Prophetischen sind so vielfaltig, dass sie hier unmo glich alle be-
schrieben werden ko nnen. 62 Deshalb sind nur einige der Hauptwirkungen und Zwecke aufgefu hrt.

5.1 Erbauung der Gemeinde


Prophetie baut die Gemeinde auf und erbaut die Glaubigen (1Kor 14,3.5.26; Eph 2,19-21). Dadurch,
dass wir den Willen Gottes durch das Prophetische erkennen ko nnen, werden wir gestarkt. Der pro-
phetische Dienst gibt ein starkendes und bestandiges gemeinsames Bewusstsein, dass Gott bei allen

61
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Hindernissen, Schwierigkeiten, Niederlagen und Tiefen, die wir erleben, mit uns ist und uns aufhelfen
will (Esr 5,1). Die Gemeinde, Familien oder einzelne Glaubige gehen oft durch Zeiten von Schwache,
Not und Verfolgung, des Schweigens Gottes und Mangel an Kraft. Hier kann der prophetis che Dienst
ermutigen und neue Kraft freisetzen, indem er den Willen Gottes in die momentane Situation offe n-
bart, oder aber Hindernisse um vorwarts zu kommen aufdeckt. Dies kann auch Umkehr, Busse und
neue Gottesfurcht bewirken (Hag 1,1-13). Erbauung ist eine der wichtigsten Wirkungen des Propheti-
schen.

5.2 Ermahnung
Die Ermahnung oder Zurechtbringung ist ebenfalls genau so wichtig wie der Zuspruch und die Ermu-
tigung. Durch ein Wort der Ermahnung (Ro m 12,8; 1Kor 14,3) will uns der Heilige Geist auf den
richtigen Weg zuru ckbringen, oder uns darauf behalten (Jes 30,20-21; Phil 4,2). Dieses Ermahnen
kann einerseits auf ein bevorstehendes Ereignis hinweisen (Apg 27,22-34), oder einfach einen starken
Zuspruch bedeuten, der mehr ein Befehl als eine Ermutigung darstellt (1Tim 4,12-14). Andererseits
geho rt der Aspekt des Offenbarwerdens von verborgenen Su nden dazu (1Kor 14,24). Das Ziel von
Ermahnung und Gerichtsprophetie kann nie Verdammung sein, sondern muss auf den Weg Gottes
zuru ckbringen (Jon 3,1-10). Dies ist einerseits Teil der christlichen Seelsorge (2Sam 12,1ff), kann
aber auch o ffentlich durch Aufdecken eine evangelistische Wirkung haben (1Kor 14,24 -25).

5.3 Voranbringen und Freisetzen


Das Voranbringen und Freisetzen ist mehr als Erbauung, Aufrichtung und Ermutigung. In den Prophe-
ten heisst es unzahlige Male: ü Da geschah das Wort des Herrn zuß(hebraisch: dabar; Jer 1,11-13;
Hes 1,3; Hos 1,1; Joe 1,1; Jon 3,1). Dieses Wort oder das “dabar– des Herrn bedeutet “etwas voran-
bringen, was zuru ckgeblieben ist–. ä Die prophetische Gabe entzundet Glaube, bringt innere Hei-
lungsprozesse in Gang, setzt Berufungen frei und bringt auf eine andere Ebene des Glaubens und der
Erkenntnis.–63 In diesem Fall bewirkt das prophetische Wort eine Initialzu ndung bei den Glaubigen
(Joh 1,29-37; 2Chr 29,25; Esr 6,14). Ein solches “dabar– des Herrn setzt auch verborgene Gaben und
Berufungen bei den Glaubigen frei und fu hrt sie in eine neue Dimension des Glaubens.

5.4 Heilung und Trost fu r die Glaubigen


Eine der haufigsten Wirkungen des prophetischen Dienstes, die ich beobachtet und im Dienst selbst
erlebt habe, ist, dass durch Prophetie ein innerer Heilungsprozess ausgel o st wird. Dadurch, dass Pro-
pheten genaue Worte in eine Situation hineinsprechen oder ein ganz perso nliches Problem anspre-
chen, bekommt die Person ein Bewusstsein, dass Gott darum weiss und die Not oder Krankheit heilen
will. Das Prophetische tro stet oftmals Glaubige in ihrer Not und setzt Menschen wieder frei (Joh 4,16-

62
Z.B.: proph. Fu rbitte (2Mo 17,12; 32,31f), proph. Musik (1Chr 25,1.3), proph. Schreiben (2Chr 21,12ff), usw.
63
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19; 8,7; 1Kor 14,3). Im Prophetischen findet der Glaubige nebst Trost, auch Schutz und Zuflucht
(1Sam 9,19-10,2; 19,18-20). Auch das Aussprechen von Heilung, der sogenannte heilende Zuspruch
u ber einer Person, geho rt zum prophetischen Dienst. Das Tro sten (griechisch: paraklesis; 1Kor 14,3)
und innere Heilung sind Dienste des Heiligen Geistes (parakletos; Joh 14,26), zu welchen er jeden
Glaubigen, vielfach aber prophetische Menschen braucht (Esr 5,1; Jes 40,1). Dazu kommt, dass der
prophetische Dienst, vor allem im Amt des Propheten, auch von ko rperlichen Heilungen begleitet ist
(1Ko 17,21-24; Jes 38,21; Mk 7,32ff; Apg 9,12). Dies offenbart die Nahe und Liebe Gottes zu seinem
Volk.

5.5 Hilfe fu r die Leitung


Prophetie in der Gemeinde kann fu r die Leitung sehr hilfreich sein. Gerade in kritischen Momenten
der Entscheidung ko nnen prophetische Offenbarungen und Geschehnisse die Leitung wegweisend
unterstu tzen (2Ko 3,11-18). Die Bestatigung durch den prophetischen Dienst fu r den Weg und die
Berufung einer Gemeinde, das Einsetzen von A ltesten und Diakonen (1Sam 16,7), sowie Hinweise
auf die Aufgaben und Probleme der Gemeinde ko nnen fu r die Gemeindeleitung von enormem Nutzen
sein (Apg 15,28). Dabei wirken die Propheten unabhangig voneinander im Gesprach mit der Leitung
und nur unterstu tzend. Es ist von grossem Wert, in- und ausserhalb der Gemeindeleitung (Apg
15,22.32), Mitglieder mit einer prophetischen Gabe zu haben (1Kor 14,29-30). Die Propheten ko nnen
die Gemeindeleitung auf spezielle Ereignisse und Situationen vorbereiten (Jes 37,14 -37; Apg 11,27-
30; 21,10-11) und ihr helfen finanzielle oder personelle Entscheidungen zu treffen (1Ko 1,10-14.22-
30; Apg 13,1-2).

5.6 Warnung vor dem Feind


Durch den prophetischen Dienst warnt der Herr die Gemeinde vor den direkten Angriffen Satans. Es
kommt vor, dass genaue Worte und Handlungen von Personen, sowie die Art und Weise und der Be-
reich des Angriffs vorhergesagt werden. Gott will uns dadurch vorbereiten, damit wir gewappnet sind.
ä Ein prophetisches Wort kann manchmal wie ein Wort der Warnung sein, was eine Gottesfurcht her-
vorbringt.–64 Die rechtzeitigen Hinweise starken uns im Kampf und helfen, die Perspektive zu bewah-
ren. Der Feind kann dadurch unwirksam gemacht werden. Dies ist eine Art “geistlicher Geheim-
dienst– (2Ko 6,8-12; 1Chr 14,14-15; Apg 21,11). Die Geisterunterscheidung ist hier ebenfalls von
Nutzen um gro sseren Schaden in der Gemeinde zu verhindern (Mt 7,15-16; 16,23; Apg 5,1-10).

5.7 Die prophetische Last der Wiederherstellung


Im AT finden wir bei den Propheten oftmals die Formel ü Ausspruch des Herrnß(Hes 12,10; Nah
1,1; Hab 1,1; Sach 9,1; Mal 1,1). Hier steht im Hebraischen nicht das “dabar–, sondern “massa–. ä In
alten Bibelubersetzungen findet man dafur oftmals noch den Ausdruck >die Burde des Herrn< ge-

64
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braucht, wa hrend neuere es durchweg vorziehen, einfach von >Botschaft des Herrn< zu sprechen. Im
Hebra ischen heisst der betreffende Ausdruck massa, und er meint zweifellos mehr als >Rede eines
Botschafters< (wie manche Textkritiker ihn wiederzugeben belieben). Worterbucher sagen uns, dass
der Begriff etwas mit >emporheben< zu tun habe.–65 Dieser Begriff “massa– wird zum einen auf eine
zu tragende Last bezogen, zum anderen wird eine verbale A usserung im Sinne einer Weissagung da-
mit bezeichnet. Die prophetisch begabte Person tragt eine Last oder Bu rde der Wiederherstellung auf
sich, die sie durch Gebetszeiten in der Nahe und am Herzen Gottes auferlegt bekommt. Diese Last
kann fu r ein besonderes Anliegen, eine Person oder eine Nation sein. ä Der Diener uberbrachte nicht
bloss die Botschaft seines Meisters, sondern spurte am eigenen Leib den Schmerz und die Qual, die
damit verbunden waren.–66 Wenn Menschen eine solche Bu rde tragen, dann sollen sie in besonderem
Masse dafu r vor Gott stehen, in den Riss treten (Hes 22,30; Mt 26,36ff)! Kommt es zum Durchbruch,
dann wandelt sich die Last in ein erhebendes Lied. Dies hat viel mit prophetischer Fu rbitte zu tun.67
ä Prophetie kann zu einer Burde werden, die uns an einer Sache dranbleiben la sst bis zum Durch-
bruch.–68

5.8 Prophetische Zeichenhandlungen


Eine im AT oftmals und im NT nur noch vereinzelt vorkommende Wirkung des Prophetischen, ist die
Zeichenhandlung (bei Jeremia 14x; 13,1-11; 19,1-13; 27,2). Der Zweck davon ist, durch prophetische
Handlungen, sogenannte Zeichen, auf eine andere Realitat, auf eine andere Wirklichkeit hinzuweisen.
Eine prophetische Zeichenhandlung kann ebenfalls etwas geistlich in Gang setzen. Prophetisches
Handeln bedeutet, ä eine Sache oder Tat mit der Vollmacht eines Propheten zu vollbringen; einen
Erlass zu proklamieren oder eine Aktion durchzufuhren, die etwas vorhersagt.–69 Solche Zeichen sind
gestaltgewordene Worte Gottes, eine bleibende visuelle Umsetzung von Gottes Worten. Es handelt
sich hierbei mehr um “Tatprophetie– als um “Wortprophetie– (Hes 24,16-27; Hos 1,2). Die prophe-
tisch Begabten leben ihre Weissagung aus, sie proklamieren nicht nur die Wahrheit, sondern sie de-
monstrieren die Wahrheit (Jes 20,2-4; Apg 11,28; 21,11). Der Prophet fu hrt aus, ä was Gott als zu-
kunftiges Geschehen festgelegt hatte. In gewisser Weise wohnt Gottes Autorit a t diesen Handlungen so
inne, dass wir sagen konnen: das >getane Wort< war mehr als ein Symbol Ü es war ein Zeichen, eine
Stuck beseelte, krafterfullte Realita t. Es ubersteigt das vom Propheten mitgeteilte Wort–70 (1Ko
11,29-39).

65
E.B. Gentile: Eure So hne und To chter werden weissagen, S.109.
66
E.B. Gentile, S.109.
67
Dazu B. Wentroble: Wunder erleben, mit prophetischer Fu rbitte Gottes Segen freisetzen, S.68.
68
M. Winkler: Gemeindeaufbau Ä Grundlagen, S.15.
69
B. Wentroble: Wunder erleben, mit prophetischer Fu rbitte Gottes Segen freisetzen, S.93.
70
E.B. Gentile: Eure So hne und To chter werden weissagen, S.117.
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5.9 Praktische Anwendung und U bungen


5.9.1 Lernziel der Einheit V
Los geht￟s! Tritt ein in den Raum des Prophetischen.
Erkenne die unterschiedlichen Wirkungen
des Prophetischen in deinem Leben und empfange
die prophetische Last, ”das Massaädes Herrn.

5.9.1.1 Bibelstudium
Das Bibelstudium in dieser Anwendung ist vor allem darauf ausgerichtet, die Vi elfalt und Arten von
prophetischen Wirkungen, sowie deren unterschiedliche Intensitat aufzuzeigen. Studiere die folgen-
den Bibelstellen mit begleitendem Gebet. Vielleicht bekommst du dadurch auch ein klareres Gotte s-
bild!?
5.9.1.2 Stellen im Alten Testament
2Mo 3,2-6; 17,12; 4Mo 17,1-12; Ri 7,4-7; 14,5-10; 1Sam 10,10-13; 19,23f; 2Sam 12,1; 1Ko 13,1-32;
17,1.14; 2Ko 3,15; 13,14-20; 1Chr 25,1-7; 2Chr 21,12; Jes 20,2-4; Hes 4,1-17; 12,1-7; 37,1ff.
5.9.1.3 Stellen im Neuen Testament
Mt 17,1-8; 21,19; Lk 1,63ff; Mk 14,3-9; Joh 1,48; Apg 5,1ff; 11,27f; 13,9-12; 20,22f; 21,10f; 22,17f.
5.9.1.4 Stichworte und Notizen
Notiere auf den folgenden Zeilen, welche prophetischen Wirkungen du schon gesehen oder an dir
selbst erlebt hast. Schreibe weiter auf, durch welche Zeichen der Herr schon durch dich gewirkt hat!

5.9.1.5 Gebet
ä Herr Jesus, der prophetische Dienst ist so weit und vielfa ltig. Das hat mit Deinem gewaltigen Wesen
zu tun. O ffne meinen Geist dafur und gib mir Raum darin. Eroffne Du mir neue Dimensionen Deines
Geistes und hilf mir, die Last eines Berufenen zu tragen und darin zu leben! Gib mir die richtige Er-
kenntnis uber Dein Wirken und den Zweck des Prophetischen. Leite Du mich! Ich danke Dir, Amen.–

5.9.2 Praxis Workshop


1. Seid mutig und bildet kleine Gruppen, in denen ihr jeweils fu r eine Person betet. Gebt dann der
Reihe nach weiter, was ihr von Gott fu reinander empfangen hat. Tut dies auch im Hauskreis!
2. Betet fu reinander, dass die spezifische Wirkung des Prophetischen in eurem Leben freigesetzt
wird. Frage deinen Leiter an, ob du fu r ihn Fu rbitte leisten darfst. Gib ihm jeweils deine Eindru -
cke.

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3. Suche die Nahe Gottes noch intensiver und studiere das Wort Gottes noch mehr, dann wirst du
wachsen, reifen und Erfolg haben (Jos 1,7-9; Apg 17,11).

6. EINHEIT VI: PROPHETIE IN DER GEMEINDEPRAXIS

6.1 Umgang mit Prophetie in der Gemeinde


Die Gabe der Prophetie ist im Kontext der Gemeinde und deren Umfeld sehr vielf altig einsetzbar und
wirksam. Deshalb ist mir klar, dass eine Einheit u ber “Prophetie in der Gemeindepraxis– nie alle
Punkte beru hren, Antworten auf Fragen und Hilfestellungen geben kann. Die haufigsten Anwen-
dungsbereiche sollen in dieser Lektion jedoch kurz besprochen werden.

6.1.1 Der Gottesdienst


Fu r die Ausu bung der Gabe der Prophetie im o ffentlichen Gottesdienst gibt uns die Bibel sehr aus-
fu hrliche Anweisungen. Sehr genau beschreibt Paulus in 1Kor 14 wie sich das Prophetische im Got-
tesdienst einordnen soll und wie sich Propheten in der Gemeindeversammlung verhalten sollen. Pa u-
lus lasst sichtbar werden, wie man mit den oftmals faszinierenden und oft nich t einzuordnenden Of-
fenbarungsgaben in der O ffentlichkeit umgehen soll. Wahrscheinlich gab es in Korinth Momente, wo
ein wildes Durcheinander in den Gottesdiensten herrschte. Einer wollte den anderen in der Offenb a-
rung und Erkenntnis u bertreffen.71 Paulus stoppt nicht das Ganze, sondern er wehrt der Unordnung.
Erstmal stellt er die Gabe der Prophetie u ber die Zungenrede, da Prophetie die Gemeinde erbaut
(1Kor 14,1-4). Paulus betont sehr ausfu hrlich, dass die Botschaft fu r die O ffentlichkeit klar und ver-
standlich sein muss, da sie sonst zu nichts nu tze ist (V.7-19). ä Eine unversta ndliche Sprache kann
nicht leiten, sondern wird nur verwirren und zu Zerstorung fuhren.–72 Der Apostel betont, dass die
Gabe der Prophetie in erster Linie fu r die Glaubigen, nicht fu r Unglaubige ist (V.22). 1. Prophetie hat
eine massgebliche Wirkung auf den Gemeindebau (Eph 2,20), sie baut die Gemeindeglieder auf, e r-
mutigt und tro stet sie (1Kor 14,3). Deshalb geho rt diese Gabe in die Gemeinde. 2. Wenn Unglaubige
in die Gemeinde kommen, bewirkt die Gabe der Prophetie bei ihnen Glauben, da sie u berfu hrend
wirkt und die Herrlichkeit Gottes offenbar werden lasst (V.24-25)! Dabei spielt die Liebe eine bedeu-
tende Rolle, denn nicht Verdammung, sondern Uberfu hrung ist das Ziel der Prophetie (1Kor 13,2)!
6.1.1.1 Ordnung und Reihenfolge
Paulus gibt eine genaue Ordnung fu r das Prophezeien (1Kor 14,29). Er unterscheidet zwischen einfa-
cher Rede aus Eingebung und gereifter Prophetie. Wenn namlich zwei oder drei nacheinander aus
Eingebung reden, so kann ein gereifter Prophet die anderen unterbrechen wenn er eine Offenbarung
empfangt (V.30). Doch auch dies geschehe in Liebe. ä Wenn Menschen erwiesenermassen bereits
ofter zutreffende prophetische Aussagen gemacht haben, dann kann man sie eher ernst nehmen, selbst
wenn ihre Methoden etwas unorthodox sein sollten. (...) Bei jedem, der zu unserem prophetischen

71
Vgl. dazu M. Bickle: Prophetie oder Profilneurose; Das >Duell der Propheten<, S.161.

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Team gehort, brauchte es eine Weile, bevor er oder sie bei uns den Ruf erlangte, glaubwurdig zu
sein.–73
Gemass Paulus ko nnen alle (die prophetisch Begabten; siehe Einh. II, P.2.1), einer nach dem anderen
prophezeien (V.31). “Der Vers bringt nicht zum Ausdruck, dass wirklich jeder in der Lage ist zu pro-
phezeien, sondern dass jeder in der Gemeindeversammlung uber die Fa higkeit verfugt, sich selbst zu
kontrollieren, falls er jemals prophezeien sollte.–74 Paulus bestatigt dies indem er sagt, dass der Geist
des Propheten dem Propheten untertan ist, und damit sogar der Heilige Geist gemeint ist (V.32 -33)!
Die Unterordnung des Prophetischen unter die Gemeindeleitung ist unerlasslich (V.36-40)!
6.1.1.2 Praktische Weitergabe von Prophetie
Wenn jemand prophezeit, dann sollte dies mo glichst natu rlich geschehen. Es braucht dabei nicht eine
supercharismatische Maske oder eine spezielle religi o se Form! Lass dich in der Starke der Emotionen
nur vom Heiligen Geist bestimmen. Sprich nicht mit einer veranderten tiefen Stimme. Sei natu rlich
und gib erstmals nur weiter was du geho rt oder gesehen hast. Gib die Prophetie weiter und nicht ein-
fach deine Interpretation. Ein Beispiel soll verdeutlichen, wie man es nicht machen sollte: “So spricht
der Herr: Wahrlich, wahrlich, es ziemet fu rderhin nicht, sich zum Behufe des Heroldens eines Wortes
des Herrn an alle, so da ihre Herzen zubereitet haben, williglich zu ho ren, des alten Luthers Redensar-
ten zu befleissigen. Amen.– Prophetie sollte fu r den Zuho rer verstandlich und klar sein. Auch die
Lautstarke oder Harte in der Rede, hat nicht unbedingt etwas mit Autoritat und Vollmacht zu tun!
Benutze beim Prophezeien Einleitungen wie: “Ich habe den Eindruck–; “Ich habe ein Bild gesehen–;
“Ich denke, Gott mo chte dir sagen–; oder “Ko nnte es sein, dass..–. Nur reife und bestatigte Propheten
sollten sagen; “Gott (Jesus; oder der Heilige Geist) sagt ....– (Apg 21,11)! Beachte, du verlierst nie
deine Identitat beim Prophezeien, auch wenn die Salbung noch so stark ist! Ein Prophet ist kein ge-
steuertes Medium!

6.1.2 Richtungsweisende Prophetie


Das Problem von richtungsweisender Prophetie oder auch Worten der Korrektur an eine Gemeinde
oder die Leiterschaft einer Gemeinde sollte gleich behandelt werden wie das Aufdecken von Su nde.
Es geho rt primar in einen privaten Rahmen und nicht zuerst in die O ffentlichkeit! Auch hier gilt es die
Ordnungsstruktur und das Gebot der Unterordnung im Detail zu befolgen. Richtungsweisende prophe-
tische Worte sollten zuerst intern der Leiterschaft mitgeteilt werden, auch wenn diese Worte im Go t-
tesdienst empfangen werden. Dann ist es Aufgabe der Leiterschaft, diese Worte o ffentlich frei-
zugeben, oder aber in der Verantwortung vor Gott diese Worte vorerst zuru ckzuhalten. Der Prophet
muss sich unterordnen und loslassen ko nnen. ä Wir weisen Ma nner und Frauen mit einer propheti-
schen Begabung gerne darauf hin, sehr vorsichtig vorzugehen, wenn sie Prophetien aussprechen, die

72
W. Grudem: Die Gabe der Prophetie, S.167.
73
M. Bickle: Prophetie oder Profilneurose, S.86.
74
W. Grudem: Die Gabe der Prophetie, S.194.
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eine Anweisung oder Korrektur beinhalten. Dies gilt insbesondere, wenn sie im prophetischen Dienst
noch neu sind. Diese Art von Prophetien kann zweifelsohne mehr Schmerz und Verwirrung verursa-
chen als alle anderen Arten von Prophetie.–75 Wird hier die Ordnung nicht eingehalten, muss die
Leitung solche prophetische Worte sofort korrigieren (siehe auch Einh. VII, P.7.3.1.1: Wie geschieht
Korrektur?)!

6.1.3 Das Beurteilen und Pru fen von Prophetie


In charismatischen Kreisen neigt man dazu, alles Aussergewo hnliche und dem Aussehen nach Uber-
natu rliche einfach anzunehmen. Wie in einem spirituellen Supermarkt wird alles konsumiert was i r-
gendwie geistlich aussieht (Vgl. 1Joh 4,1). Prophetie muss aber unbedingt gepr u ft werden. Dies ist ein
Befehl des Wortes Gottes (1Thess 5,19-21). In biblischen Zeiten gab es eine o ffentliche Beurteilung
von Prophetie im Gottesdienst (1Kor 14,29)! Das “Pru fungskomitee–, das sich nach o ffentlichen Pro-
phetien gemass der biblischen Ordnung (1Kor 14,29-33) im Gottesdienst Zeit zur Beurteilung nehmen
sollte, kann aus verschiedenen “anderen– (1Kor 14,29) bestehen. Es ko nnen andere anwesende Pro-
pheten sein (1Kor 14,30), oder diejenigen mit der Gabe der Geisterunterscheidung (1Kor 12,10). Es
gibt auch Situationen, in denen die ganze Gemeinde aufgerufen werden kann um eine prophetisch e
Aussage zu beurteilen, am natu rlichsten ware aber die lokale Leiterschaft, also der leitende Pastor mit
den A ltesten, die auch die Verantwortung fu r die Gemeinde tragen. ä Fur meine Begriffe liegt die bes-
te Losung, wenn man die Dinge zu Ende denkt, in der vierten Option. Sie entspricht am ehesten den
praktischen Erfordernissen und, wie ich meine, auch dem Schriftbefund. Sie la sst dem Mitwirken an-
derer Raum, fuhrt aber nicht zur Zerstorung von Inspirationscharakter und Integrita t des Gottes-
dienstes.–76
6.1.3.1 Kriterien zur Pru fung einer Prophetie
1. Verherrlichung des Namens Gottes (Jesus; Offb 19,10).
2. Ubereinstimmung und Gru ndung auf der Schrift (Bibel; 2Petr 1,19-21).
3. Das Zeugnis des Heiligen Geistes (Kraft, Manifestation; Joh 15,26; 16,13).
4. Das innere Zeugnis deines Herzens (Frieden; 1Kor 14,32-33).
5. Das Zeugnis deiner Freunde und Leiter (andere Propheten; 1Kor 14,29; Charakter des Propheten).
6. Die Gabe der Unterscheidung der Geister (1Kor 12,10).
Sicherlich sind das nicht alle Kriterien zur Pru fung einer Weissagung. Sie geben jedoch einen gewis-
sen Rahmen und einheitlichen Massstab vor. Natu rlich muss man einen prophetisch Redenden, der
nicht alle Kriterien ganz genau erfu llt, nicht gleich als falschen Propheten abstempeln. Jesus sagte:
ü Hu tet euch vor den falschen Propheten, (...). An ihren Fru chten werdet ihr sie erkennen.ß(Mt
7,15-16).

75
M. Bickle: Prophetie oder Profilneurose, S.132.
76
E.B. Gentile: Eure So hne und To chter werden weissagen, S.387.
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6.1.4 Prophetische Gaben in der Seelsorge


Meiner Meinung nach ist Seelsorge nur auf Grund von Techniken ausserst schwierig. Deshalb ist die
Seelsorge einer der bedeutendsten prophetischen Wirkungsbereiche der Gemeinde, in dem die Offen-
barungsgaben eingesetzt werden sollten. Sie decken verborgene Su nden, Flu che oder damonische
Belastungen auf und bringen Heilung und Trost. Jeder Prophet sollte in seiner Art die Liebe, Weisheit
und Reife eines Seelsorgers und Hirten aufweisen (Hes 34; Am 7,14-15). ä Die meisten Propheten
sind begabte Seelsorger und Ratgeber, weil sie in der Lage sind, uber eine bestimmte Situation uber-
naturliche Worte der Weisheit und Erkenntnis zu bekommen–77 (vgl. 2Sam 7,3; 12,1ff; 1Ko 1,24).

6.2 Prophetinnen in der Gemeinde


Was lange verschmaht war, ist heute in vielen Gemeinden zum Normalfall geworden. Es gibt sie heu-
te wieder u berall, und es hat sie schon immer gegeben, die Frauen im prophetischen Dienst! ä Dass
prophetisch dienende Frauen [in der Bibel] nur in geringer Zahl auftauchen, la sst keineswegs den
Schluss zu, Gott sei gezwungen gewesen, sich ihrer zu bedienen, weil er keine Ma nner zur Verfugung
gehabt habe. Wie Ma nner wurden auch weibliche Propheten von Gott aus freien Stucken erwa hlt. Es
mag wohl an bestimmten physischen Begrenzungen Ü wie ha uslichen Verpflichtungen, kulturbeding-
ten Einschra nkungen des offentlichen Auftretens von Frauen oder den korperlichen Belastungen, die
prophetischer Dienst mit sich brachte - gelegen haben, dass der Herr damals weniger Frauen als
Ma nner in den Dienst berief; aber berufen und gebraucht hat er auch Frauen und tut es heute
noch.–78 Im Alten und im Neuen Testament gibt es Belege, dass auch Frauen prophetisch dienen ko n-
nen und dass es Prophetinnen gibt: im AT Mirjam (2Mo 15,20), Debora (Ri 4,4), Hulda (2Ko 22,14;
2Chr 34,22), die Frau Jesajas (Jes 8,3). Im NT finden wir Hanna (Lk 2,36), weissagende To chter und
Magde (Apg 2,17f), die vier To chter des Philippus (Apg 21,9) und prophetische Frauen in Korinth
(1Kor 11,5).

6.2.1 Die Frau und das Prophezeien


Die ganze Bibel ermutigt die Frauen eindeutig, voll und ganz am prophetischen Dienst teilzunehmen.
Im Gottesdienst soll sie o ffentlich Beten und Prophezeien (Apg 21,9; 1Kor 11,5). Die Frau wurde
geschaffen um den Mann zu vervollkommnen, deshalb ist sie etwas ganz Besonderes! ä Im Rahmen
seiner Ausfuhrungen zum Thema Prophetie schra nkt Paulus zwar ein, dass die Korinther sich verhal-
ten sollten, wie es damals in den Gemeinden ublich war, d.h. dass die Frauen in den Gemeinden
schweigen sollten (1Kor 14,34). Dies bedeutete jedoch kein absolutes Redeverbot, sondern nur
Schweigen in bezug auf das laute Beurteilen von Prophetie, das Thema, das Paulus in den unmittel-
bar vorhergehenden Versen behandelte.–79 Beim Beurteilen von Prophetien gilt fu r die Frauen das-

77
C. Jacobs: Der Prophet in dir, S.253.
78
E.B. Gentile: Eure So hne und To chter werden weissagen, S.62.
79
W. Grudem: Die Gabe der Prophetie, S.218.
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selbe wie fu r das “Lehren im Zusammenhang mit Regieren und Herrschen– (1Tim 2,11-12): sie sollen
sich zuru ckhalten. Das Schweigen der Frauen bezieht sich also auf das o ffentliche Beurteilen von
Prophetien, einer Verantwortung, von der die Frau befreit sein soll. Deshalb sollte eine Frau in der
Gemeinde alles tun und jede Position beinhalten ko nnen, wozu sie von Gott berufen, gesalbt und be-
vollmachtigt wurde. In der Regel und ä meiner Erfahrung nach gibt es eine grossere Zahl von Frauen
mit einer ausgepra gteren intuitiven Begabung als Ma nner.–80 Setzen wir sie also fu r diesen Dienst
frei! Fu r Leitungsaufgaben mit letztlicher Entscheidungsvollmacht ware es der Idealfall, und dies gilt
fu r alle prophetisch Begabten egal ob Manner oder Frauen, nicht alleine die Verantwortung tragen zu
mu ssen. Prophetisch Begabte sollten in einer Gruppe, einem Netz von Propheten oder in einem Le i-
tungsteam eingebunden sein. 81

6.3 Praktische Anwendung und U bungen


6.3.1 Lernziel der Einheit VI
Erkenne die Ordnungen Gottes und die biblischen Strukturen
fu r den prophetischen Dienst in der Gemeinde. Verstehe die
Ein- und Unterordnung zur lokalen Leiterschaft und Gemeinde!

6.3.1.1 Bibelstudium
Gott hat uns Prinzipien der Unterordnung und Einsetzung gegeben. Diese sollen hier studiert werden.
6.3.1.2 Stellen im Alten Testament
2Mo 18,1-27; 4Mo 11,24-30; 12,1-15; 17,1-13; 1Sam 15,23; 26,16-24; 2Sam 6,4-8.16-23; Ps 105,15.
6.3.1.3 Stellen im Neuen Testament
Mt 8,5-10; 1Kor 12,28-29; 13,2.8-9; 14,29-40; Eph 5,15-33; 1Thess 5,19-22; 1Tim 3,1-7; Tit 1,5-9.
6.3.1.4 Praktische Fragen
Beantworte die folgenden Fragen, und denke u ber die Konsequenzen deiner Antwort nach!
1. Haltst du dich an die paulinischen Anordnungen und biblischen Strukturen in der Ausu bung dei-
nes prophetischen Dienstes?
2. Stellst du deine spezifischen prophetischen Fahigkeiten in den Dienst der lokalen Leiterschaft und
Gemeinde, oder suchst du deinen eigenen Dienst?
3. Stehst du selbst unter Gott gegebener Autoritat und Leiterschaft, damit du echte prophetische
Autoritat ausu ben kannst oder bist du “vogelfrei–?
6.3.1.5 Stichworte und Notizen
Schreibe auf diese Zeilen, was du konkret in deinem Leben und Dienst andern, und welche Punkte,
die dich perso nlich betreffen, du mit der Gemeindeleitung besprechen und angehen willst.

80
M. Bickle: Prophetie oder Profilneurose, S.207.

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6.3.2 Praxis Workshop


1. Lest gemeinsam in der Bibel 1Kor 14 und pragt Euch Strukturen und Ordnungen ein. Vergleicht
diese mit eurer Gemeindesituation und diskutiert in der Gruppe dar u ber.
2. Uberlege dir, wie du bisher Prophetien weitergegeben hast. Bitte den Heiligen Geist, dir zu zei-
gen, wo und wann du versagt hast. Betet gemeinsam in der Gruppe u ber diesen Fehlern. Gehe
spater auf die betreffenden Personen zu und entschuldige dich fu r dein Fehlverhalten.
3. Lege dich fest, deine Eindru cke und Prophetien im Gottesdienst der Leiterschaft zu unterordnen.
Mache der Gemeindeleitung und den A ltesten gegenu ber ein solches Statement und bitte sie um
eine Bezugsperson fu r die Sammlung prophetischer Eindru cke im Gottesdienst.

7. EINHEIT VII: PROPHETEN UND LEITERSCHAFT

7.1 Pastor und Prophet Ü Gegenspieler oder Dream-Team?


Eine der haufigsten Kontroversen im Leib Christi ist die Frage, wie das Verh altnis zwischen Prophet
und Leiterschaft in der Gemeinde sein soll. Grundsatzlich ist der prophetische Dienst ein grundlegen-
der, erganzender und unterstu tzender Dienst zur Leitung und hat nicht selbst eine leitende Funktion.
Die Propheten dienen mit ihrer Gabe der Gemeindeleitung. ü Ohne prophetische Offenbarung ver-
wildert das Volkß(Spr 29,18). Gemass dem biblischen Zeugnis bedeutet dies, dass ein Leiter entwe-
der selbst prophetische Gaben haben, oder aber prophetisch begabte Menschen zu Rate ziehen sollte.
Die Idealvorstellung ware es, dass ausgesprochene Propheten mit ausgesprochenen Leitern und Hirten
zusammenarbeiten. Wenn ein Pastor ohne prophetische Begabung eine Gemeinde leitet, dann birgt
dies genau so grosse Gefahren in sich, wie wenn ein Prophet alleine die Gemeinde leitet und keiner
pastoralen Aufsicht unterstellt ist. ä Der prophetische Dienst in der Ortsgemeinde funktioniert nur
dann in >geordneter Freiheit<, wenn der Pfarrer und die Gemeinde ein gemeinsames Versta ndnis
davon haben, wie die Dinge laufen sollten. (...) Das bedeutet, dass nicht nur der Pfarrer und Prophe-
ten mit dem prophetischen Dienst umzugehen verstehen, sondern auch der Grossteil der Gemeinde.
(...) Eine Gemeinde erreicht ihre grosste Effektivita t, wenn die verschiedenen Gaben und Personlich-
keiten als ein Team zusammenarbeiten.–82 Apostel und Propheten sind wohl das kraftvollste Gespann
um in der Gemeinde und im Reich Gottes Fundamente zu legen (Eph 2,20). Pastoren und Propheten
sind wohl die erfolgreichste Kombination, wenn es darum geht, den Gemeindehaushalt ausgewogen
zu halten!

81
Beachte dazu Einheit VII: Propheten und Leiterschaft.
82
M. Bickle: Prophetie oder Profilneurose, S.155 +169.
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7.2 Konnen Propheten auch leiten?


Sollen prophetisch begabte Menschen u berhaupt in einer leitenden Funktion stehen, oder sollen sie
mit ihren Gaben nur den Leitern dienen und deren Dienst unterstu tzen? Wenn jemand samtliche Funk-
tionen gleichzeitig ausu bt, kann dies zu einem Interessenkonflikt fu hren und fu r die Gemeinde eine
zusatzliche Belastung darstellen. Ein Gemeindeleiter hat andere Aufgaben als ein Prophet. Es gibt
aber genu gend Beispiele in der Bibel, die uns belegen, dass Propheten sehr wohl auch leiten und das
Volk Gottes wie Hirten hu ten und fu hren ko nnen. Da sind Mose und Aaron, die Propheten und Fu hrer
des Volkes waren (2Mo 3,10; 7,1; 5Mo 18,15). Samuel war Prophet, Richter und Fu hrer des Volkes
(1Sam 3,20). David war Hirte, Ko nig und Prophet (Apg 2,29-30). Daniel, Josef und Debora wurden
aufgrund ihrer prophetischen Begabung in leitende Positionen befo rdert (Dan 1,17ff; 1Mo 41,38ff; Ri
4,8). Amos war Hirte und Prophet (Am 1,1; 7,14-15). Agabus wird als leitender Prophet einer Gruppe
erwahnt (Apg 11,27-28; 21,9-11). Judas und Silas werden Leiter und Propheten genannt (Apg
15,22.32). Deshalb kann und darf nicht ausgeschlossen werden, dass Propheten auch leitende Funkti-
onen u bernehmen, oder dass ein Prophet auch gleichzeitig hirtliche Zu ge haben kann und pastorale
Aufgaben ausu bt.83

7.2.1 Die Karikatur eines Propheten!


Im folgenden mo chte ich ein ziemlich u berspitztes Bild eines Propheten darlegen. Einerseits, weil es
sehr gut wirkliche Schwerpunkte und besondere Qualitaten darstellt, die ein Prophet haben kann.
Andererseits, weil es auch extreme Seiten aufzeigt, und es prophetisch Begabte wie auch Leiter gibt,
die genau diese Karikatur zum Massstab eines Propheten machen. Die Karikatur wird dann zum
Schreckbild jedes Gemeindeleiters und schadet dem Ansehen von reifen und ausgeglichenen
Propheten. Einenteils ist die Karikatur begeisternd, andernteils be angstigend, da sie ein falsches Bild
vermitteln kann:

ä Der Prophet ist bildhaft gesprochen der Herde um wenigstens f unf Kilometer voraus; er liegt hinter dem
na chsten Hugel auf den Knien und betet oder ist einen Ausguck hochgeklettert, um den Horizont auszusp a hen.
Dort hort er Gottes Stimme, sieht Visionen und Bilder, erbittet und bekommt Zutritt zum Thronsaal Gottes und
sieht dort Dinge, die sonst keiner sieht. Es hat auch sein Gutes, wenn er oft der Herde weit voraus ist, weil ihn in
der Regel sowieso nur sehr wenige wirklich verstehen. Der Prophet ist weniger daran interessiert, was die Leute
denken, er will wissen, was Gott in die Situation hineinzusagen hat. Wegen dieser einzigartigen Begabung ist er
oft eher unaufgera umt und in der Regel nicht sonderlich organisie rt; das uberla sst er gerne anderen. (...) Die
Perspektive des Propheten ist radikal anders als die des Pastors. Er h ort von Gott und dann hinterfragt er aus
dieser Perspektive recht unnachgiebig alles, was ihm in den Weg kommt, einschliesslich des Pastors. Das ist
seine gottgegebene Aufgabe. Das ist auch der Grund, warum es eine historische Spannung zwischen dem Pastor
und dem Propheten gibt. Der eine ist der Verteidiger des Status Quo, der die Gemeinschaft erhalten m ochte, und
der andere hinterfragt alles und jedes und wird von vielen Ü zu Recht! Ü als Bedrohung gesehen, als einer, der
oft nur den scheinbar so harmonischen Ablauf der Dinge st ort und der immer nur Taten sehen will, am besten
sofort. Der Hirte hat bildhaft nicht nur einen Hirtenstab in der Ha nd, mit dem er die Schafe zusammenha lt und
die Wolfe fernha lt Ü sondern es juckt ihn ab und an, den Hirtenstab auch dazu zu benutzen die Propheten von
der Herde fernzuhalten. Und doch haben beide, der Pastor und der Prophet, eine g ultige, jedoch unterschiedli-

83
Beachte dazu unbedingt die Ausfu hrungen von B. Hamon: Apostel und Propheten, S.218-222.
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GB 1799 Prophetischer Dienst Diplomarbeit

che Teilperspektive des Ganzen. Beide dienen demselben Gott und derselben Gemeinde Ü der eine mit liebender
Anteilnahme, der andere mit dem Vermitteln prophetischer Perspektive. Beides ist n otig!–84

Wie gesagt hat dieses Bild zwei Seiten. Es kann Missverstandnisse im Hinblick auf die unterschiedli-
chen Perso nlichkeiten und Berufungen ausraumen. Es kann aber auch bereits bestehende Spannungen
noch verstarken und zu Extremen fu hren. Ich stehe heute in der Verantwortung einer Gemeindelei-
tung, in der ich Aufgaben eines Hirten wahrnehme und die Gabe der Leiterschaft ausu be. Dazu bewe-
ge ich mich aber auch in einem prophetischen Dienst, der u ber die Grenzen meiner Gemeinde hinaus-
geht. Dies ist immer wieder eine Spannung, in der ich stehe. Je nach Dienst versuche ich, die eine
Berufung mit den Gaben der anderen Berufung zu erganzen. Konkret heisst das, wenn ich in der Lei-
tung oder Seelsorge diene, dann arbeite ich ganz stark mit prophetischen Gaben, Eindr u cken, prophe-
tischen Worten und der Unterscheidung der Geister. Wenn ich im prophetischen Dienst stehe und
prophezeie, tue ich dies mit Barmherzigkeit und der Art eines Hirten. Wenn mir dies gelingt, ist es ein
idealer Weg, um geistliche Frucht und tiefgru ndige Heilung und Wiederherstellung zu bringen.

7.3 Der Umgang mit prophetisch Begabten


Es ist wahr, dass es nicht unbedingt einfach ist, mit prophetischen Menschen umzugehen. Man muss
sie verstehen lernen und wissen, wie man mit ihnen umgehen sollte. ä Propheten haben oft die einzig-
artige Fa higkeit, Dinge zu sehen und zu horen, die andere gar nicht wahrnehmen. Diese ubernaturli-
chen Offenbarungen mussen durch einen gesunden Gewichtungsprozess der Gemeinde gehen (1Kor
14,29), bevor sie in der Praxis angewandt werden.–85 Dies braucht oftmals viel Weisheit, Liebe und
Autoritat. ä Liebe, Annahme und Vertrauen entgegenbringen. Prophetisch Begabte haben oft Ableh-
nung erfahren.–86 Sie sind haufig verletzte Menschen und mu ssen in einem kontinuierlichen Heili-
gungsprozess heil werden, um im vollen Mass ihrer Berufung dienen zu ko nnen. Der Heuschrecken
und Honig essende, im Kamelhaarmantel gekleidete Prophet ist eher die Ausnahme als die Regel.
Prophetisch Begabte sind auch nur Menschen! Sie haben aber ä in der Regel ein Schwarz-weiss-
Denken, einen ausgepra gten Gerechtigkeitssinn, ein Gefuhl der Ungeduld und des Unmuts, wenn
>Erkanntes< nicht gleich umgesetzt wird. Er hat die Kraft zu Spalten!–87 Deshalb ist eine apostoli-
sche oder pastorale Betreuung von prophetisch Begabten, eine Vertrauensbeziehung mit pers o nlichem
Austausch notwendig! Weil Propheten oft von Gott direkt berufen werden, haben sie eine Tendenz
zur Unabhangigkeit, einen Freiheitsdrang und einen Hang zur Einsamkeit (1Ko 19,10.14; Jes 6,1ff;
Jer 1,4-10; Hes 1,1-3).

84
W. Simson: Hauser, die die Welt verandern, S.139.
85
W. Simson: Hauser, die die Welt verandern, S.140.
86
M. Winkler: Gemeindeaufbau Ä Grundlagen, S.16.
87
M. Winkler, S.16.
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7.3.1 Propheten brauchen Feedback!


Wenn prophetisch begabte Menschen auf ihre Prophezeiungen und Eindru cke kein “Echo– oder
“Feedback– bekommen, so findet auch keine tiefgru ndige Korrektur statt. Die Pru fung einer Prophetie
muss, ob das Resultat der Pru fung negativ oder positiv ausfallt, mit einem Feedback vom Leiter an
den Propheten gekoppelt sein. Ist die Prophetie eingetroffen und war ihr Wortlaut korrekt, so werden
die prophetisch Begabten ermutigt und im Glauben gestarkt. War die Prophetie ungenau, oder gar aus
dem “Fleisch–, so bekommt der- oder diejenige eine Korrektur, die zu seinem Wachstum beitragen
wird. Das Feedback ist darum so wichtig, weil die Propheten dadurch Fu hrung bekommen und weil
sie sonst in der Gefahr stehen, Menschenabhangigkeiten zu produzieren oder auch Missbrauch der
Gabe zu betreiben. Aufgrund der Ablehnung, die sie oftmals erlebt haben, ist eine apostolische und
pastorale Betreuung unbedingt no tig! Auch jemand der im Amt des Propheten steht, braucht ein sol-
ches Feedback!
7.3.1.1 Wie geschieht Korrektur?
ä Als Pastor bzw. Verantwortlicher mussen Sie darauf achten, Menschen vorsichtig zu korrigieren,
insbesondere in offentlichen Versammlungen.–88 Ansonsten werden andere nicht das Vertrauen fin-
den, ihre Gaben in der Gemeinde einzubringen. Wir mu ssen die Freiheit geben Fehler machen zu
ko nnen, diese aber auch in Sanftmut korrigieren (Ro m 12,8; Gal 6,1). Diese Korrektur ist ein Prozess,
der nicht zuerst in der O ffentlichkeit geschieht (Mt 18,15-17)! Erst nach mehrmaligem Fehlverhalten
und Ungehorsam gegenu ber der im privaten Raum von der Leitung gegebenen Korrektur, wird der
Betreffende in der O ffentlichkeit angesprochen. Die Gemeinde sollte dabei u ber den Verlauf des Kor-
rekturprozesses informiert werden. Nur wenn das gegebene Wort seinem Wesen nach ganz eindeutig
unbiblisch oder zersto rerisch ist, muss die Leitung sofort und direkt eingreifen und korrigieren (1Tim
5,19-20).

7.4 Personliche Entwicklung von prophetisch Begabten


Es ist noch kein Prophet vom Himmel gefallen! Mit jedem seiner Knechte geht Gott in die Grun d-
schule und nimmt sie in Weiterbildungskurse des prophetischen Dienstes. Von der Grundausbildung
bis zur Bevollmachtigung im Dienst besteht ein perso nlicher Entwicklungsprozess, der durchlaufen
werden muss. ä Charakter und Salbung sind auch beim Propheten zweierlei Dinge. Eine Salbung wird
bedingungslos von Gott gegeben und wa chst in der Regel an Einfluss und Auswirkung. Der Charakter
aber muss geformt, beschnitten, korrigiert und aufgebaut werden. Nimm prophetisch Begabte in kon-
tinuierliches >Mentoring<.–89 Aufgrund der u bernatu rlichen Begabung Gottes in ihrem Leben stehen
prophetische Menschen in der Gefahr, nur von Gott ho ren und nur ihm gehorchen zu wollen. Geistli-
cher Hochmut ist eine der gro ssten Fallen fu r prophetisch Begabte. Deshalb nimmt Gott sie in eine

88
M. Bickle: Prophetie oder Profilneurose, S.87.
89
M. Winkler: Gemeindeaufbau Ä Grundlagen, S.16.
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Demutsschule (Jak 4,6-8; 1Petr 5,5-6), in der er Apostel, Leiter und Pastoren, oder altere Propheten
gebraucht, um sie auszubilden. ä Propheten werden in der Regel direkt von Gott berufen; ha ufig be-
steht ihre prophetische Assistenzzeit darin, einem a lteren, erfahreneren Propheten >Wasser uber die
Ha nde zu giessen<, also zu dienen oder >die Koffer zu tragen<, wie es bei Elia und Elisa der Fall
war (2Ko 3,11).–90 Prophetisch Begabte sollen sich in der Gemeinde einordnen und zurechtfinden
ko nnen. Sie brauchen die Hilfe der Gemeinde um in ihrer Begabung zu reifen und ihrer Berufung
gerecht werden zu ko nnen. Einerseits muss die Gemeinde ihnen Raum und Ermutigung geben, ande-
rerseits darf die Ordnung und Korrektur nicht fehlen, da sonst das Chaos vorprogrammiert ist. Doch
der Geist Gottes kann auch in ein Chaos Ordnung bringen (1Mo 1,2; 1Kor 14,32-33.40). ä Bieten wir
ihnen einen sicheren Ort, wo sie >flugge< werden konnen, dann werden sie wachsen und heranrei-
fen.–91 Die Bibel gebraucht dasselbe Bild fu r Gott und sein Volk: ü Wie der Adler sein Nest aufstort,
u ber seinen Jungen schwebt, seine Flu gel ausbreitet, sie aufnimmt, sie tragt auf seinen Schwingen,
<so> leitete ihn der HERR allein, und kein fremder Gott war mit ihm.ß(5Mo 32,11-12), und fu r
den Vater und seine Kinder (Lk 11,5-13). Graham Cooke sagt, ä der Unterschied zwischen einem pro-
phetisch Begabten und einem Propheten betra gt 20 Jahre Lebenserfahrung–,92 und John Paul Jackson
fu gt hinzu, dass er niemand einen Propheten nennt, der noch nicht 50 Jahre alt ist und dass er h o chs-
tens 2 Personen auf dem ganzen Erdkreis kennt, die er als Propheten im Amt bezeichnen wu rde.93
Leiter und auch prophetisch Begabte selbst, mu ssen diesen Entwicklungs- und Lebensprozess verste-
hen um ihn miteinander begehen zu ko nnen. Als Propheten berufene gehen oftmals durch Zeiten der
Eino de (Jer 16,2) und des Zerbruchs (Hes 24,16-18), durch ü Taler des Todesschattensß(Ps 23,4),
damit sie Gottes Freunde und Vertraute werden ko nnen (2Mo 33,11; Ps 55,14-15; Jer 15,11; Am 3,7).
Dazu beno tigen sie die Hilfe von Pastoren, Mentoren, A ltesten sowie Bru dern und Schwestern im
Glauben!

7.5 Praktische Anwendung und U bungen


7.5.1 Lernziel der Einheit VII
Leiter und prophetisch Begabte arbeiten als Team!
Propheten brauchen Fu hrung und Mentoring!
Stelle dich dem Entwicklungsprozess Gottes in deinem Leben.

7.5.1.1 Bibelstudium
In dieser Einheit geht es darum, die Beziehung zwischen Leitern und Propheten, Korrektur und den
Umgang mit Propheten sowie den perso nlichen Entwicklungsprozess von Propheten aufzuzeigen.

90
W. Simson: Hauser, die die Welt verandern, S.140.
91
S. Thompson: Alle ko nnen prophetisch reden, S.101.
92
Kassette G. Cooke: Wiederherstellung des apostolischen Dienstes.
93
Kassette J. P. Jackson: Prophetie Ä Herausforderung in der Praxis.
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7.5.1.2 Stellen im Alten Testament


5Mo 18,15-22; 32,11-12; 1Sam 2,21.26; 3,1.19-20; 2Sam 7,2; 12,25; 24,11; 1Ko 18,4.13; 19,19-21;
2Ko 2,1-15; 3,11; 22,11-14; 2Chr 15,1-8; 18,6; 20,14-20; Esr 5,1-2.14; Spr 29,18; Jes 39,3; Jer 29,1.
7.5.1.3 Stellen im Neuen Testament
Mt 17,1-3; 18,15-17; Lk 11,5-13; 22,26-27; Apg 11,27; 13,1-2; 15,22.32; 21,9-11; Ro m 12,8; 1Kor
12,28; 14,29-33.37-40; Gal 6,1; Eph 2,20; 3,5; 4,11-16; 1Thess 5,15-22; Jak 4,6-8; 1Petr 5,5-6.
7.5.1.4 Beantworte folgende Fragen
1. Wie ko nnen prophetisch Begabte mit Leitern und Pastoren zusammenarbeiten?
2. Wie gestaltet sich eine Gemeinde, die von einem Propheten gefu hrt wird?
3. Wie sieht eine Gemeinde aus, in der es keinen prophetischen Dienst gibt?

7.5.1.5 Gebet
ä Herr Jesus, ich danke Dir, dass Du mich berufen und begabt hast. Schenke mir die Gnade und Hilfe
Deines Geistes, dass ich mich in Deine gottlichen Prinzipien einordnen und der von Dir gesetzten
Leiterschaft unterordnen kann. Gib mir die Kraft und den Beistand, Deinen Entwicklungsprozess in
meinem Leben zu durchlaufen und Deiner Fuhrung nicht auszuweichen. Ich danke Dir Herr, Amen.–

7.5.2 Praxis Workshop


1. Macht 2er Gruppen und betet jeweils fu r die Gemeinde und die Leitung des anderen. Haltet Ein-
dru cke schriftlich fest und sprecht u ber eure Erfahrungen mit Leiterschaft in der Gemeinde.
2. Stellt gemeinsam in der Gruppe Richtlinien auf, wie ihr die Gabe in die Gemeinde einbringen
wollt. Erarbeitet fu r die Leitung einen Vorschlag, wie Korrektur und Feedback dabei aussehen
soll.
3. Sucht spatestens jetzt auch einen Mentor im gemeindlichen Umfeld, um u ber dem prophetischen
Dienst Rechenschaft abzulegen. Gehe auf deinen Leiter oder die Gemeindeleitung zu und sage ih-
nen, dass du mit ihnen zusammenarbeiten und ihnen dienen willst (Falls du das nicht schon getan
hast!). Wenn du Leiter bist, solltest du dich auch als Mentor zur Verf u gung stellen.

8. EINHEIT VIII: MISSVERSTA NDNISSE UND FEHLER BEI PROPHETIE

8.1 Verschiedene Lehren, Mythen und Sichtweisen


Es hat wohl zu keinem Thema so viele Diskussionen und Kontroversen gegeben, wie zum Thema
Prophetie, welche vor allem negative Vorbehalte hervorgebracht haben. ä Solche Vorbehalte gedeihen
besonders gut auf dem Na hrboden von Unwissenheit und Tra gheit. Es gibt aber auch bestimmte Leh-
ren uber Prophetie und Geistesgaben im allgemeinen, die sich auf den prophetischen Dienst noch

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scha dlicher auswirken als Unwissenheit.–94 Extreme Positionen und sektiererische Lehren haben dazu
gefu hrt, dass um das Thema Prophetie eine Art blauer, geheimnisvoller Dunst entstanden ist, der sich
von der okkulten Welt nicht mehr gross unterscheidet. Es sind Mythen und Irrt u mer um die Gabe der
Prophetie kreiert worden, die ihren Ursprung vorwiegend bei besorgten Gemeindeleitern haben, die
damit auf Fehler von geistlich unreifen Christen reagiert haben. 95 Dazu haben nicht zuletzt auch Pro-
pheten mit ausgefallenem Auftreten, der Missbrauch von Prophetie und falsche Propheten beigetra-
gen.

8.2 Es gibt Fehler


An erster Stelle muss klar gesagt werden, dass es einen Unterschied gibt, zwischen Propheten die
Fehler machen und falschen Propheten. Dies sind zwei vo llig verschiedene Kategorien von Propheten,
die sich durch klare Kriterien unterscheiden. 96 Fehler wird es immer geben. Solange Gott durch gefal-
lene Menschen wirkt, werden wir auf Fehler und Irrtu mer stossen. ä Ich kenne keine prophetische
Personlichkeit, die in ihren Voraussagen perfekt ist. Sie machen alle Fehler und unterscheiden sich
darin nicht von Evangelisten, Lehrern, Pastoren oder anderen christlichen Leitern. Mitunter halten
sie ihre eigenen Eindrucke fur einen Eindruck vom Herrn. (Das kommt bei den begabtesten und ge-
reiften Propheten nicht sehr oft vor, doch es passiert). Ha ufiger geschieht es, dass sie Fehler bei der
Auslegung oder bei der Anwendung von Eindrucken machen, die der Herr ihnen eingibt.–97 Doch wie
kann es dazu kommen, dass ein von Gott berufener Prophet beim Prophezeien Fehler macht?

8.2.1 Prophetische Fallgruben


ä Auf Fehler brauchen wir nicht in ubertriebenem Masse zu reagieren; aber wir durfen sie auch nicht
ubersehen. Wir mussen aus ihnen lernen und an ihnen reifen.–98 Die Spru che sagen: ü Menschen-
furcht stellt eine Falle; wer aber auf den HERRN vertraut, ist in Sicherheitß(Spr 29,25) und ü Die
Furcht des HERRN ist der Weisheit Anfang; und Erkenntnis des <allein> Heiligen ist Einsichtß
(Spr 9,10). Die meisten Fehler beim Prophezeien haben ihren Ursprung darin, dass der Prophezeiende
in seiner Herzenshaltung nicht von der Furcht des Herrn, sondern von Menschenfurcht bestimmt ist.
Menschenfurcht ist eine Falle im prophetischen Dienst! Ist man mit dem Herzen erst einmal in diese
Falle getappt, so tun sich weitere Fallgruben auf, die nicht so leich t erkennbar sind und dem Wesen
falscher Prophetie sehr nahe kommen. Solche Fallgruben sind: Falsche Selbstsicherheit; Vertrauen
auf eigene Gaben und Fahigkeiten; geistlicher Stolz und Hochmut; Prophezeien aus Eifersucht und
A rger; Prophezeien aufgrund von Zuru ckweisung und Ablehnung der eigenen Person; der Wunsch,
den Menschen zu gefallen und Respekt einzuflo ssen; Prophezeien um Geschafte zu machen, Materia-

94
S. Thompson: Alle ko nnen prophetisch reden, S.21.
95
Einige dieser Mythen aufgefu hrt und erklart in S. Thompson: Alle ko nnen prophetisch reden, S.21-36.
96
Zu falschen Propheten siehe Einheit IX: Falsche Prophetie und Zauberei.
97
J. Deere: Uberrascht von der Stimme Gottes, S.211-212.
98
S. Thompson: Alle ko nnen prophetisch reden, S.35.
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lismus; der Glaube, Propheten mu ssen hart sein in ihren Prophezeiungen; der Zwang Su nden in der
O ffentlichkeit zu nennen und die Unfehlbarkeitsformel “Gott-hat-mir-gesagt–!99 Wir ko nnen das Risi-
ko Fehler zu machen, nie ganz ausschliessen, sollten uns aber nicht aus Angst blockieren lassen. ä Der
prophetische Dienst erfordert zuallererst Glauben und Demut. Diese Erfordernisse kannst du auf zwei
Arten umgehen: Entweder du sprichst uberhaupt nicht prophetisch oder du schwindelst, wenn du
prophezeist. (...) Die meisten Christen erliegen nicht dieser Versuchung, sondern eher der ersten. Sie
prophezeien nicht Ü vor lauter Angst, Fehler zu machen. (...) Wir mussen krabbeln, bevor wir laufen
konnen.–100

8.3 Nicht eingetroffene Weissagungen


Es gibt viele Menschen, die frustriert sind, weil sie Prophetien bekommen haben, die sich gar nicht
oder nur teilweise erfu llt haben. Meistens geben diese Menschen den Propheten und Gott selbst die
Schuld dafu r. Es gibt aber verschiedene Gru nde, warum manche Prophetien nicht eintreffen, die be-
achtet werden mu ssen und deren Ursache nicht beim Prophezeienden liegt.

8.3.1 Prophetie und ihre Bedingungen


ä Vergessen wir bitte nicht, dass es biblische Prophetien gibt, zu deren Erf ullung gewisse Bedingun-
gen erfullt sein mussen, ebenso wie solche, deren Erfullung bedingungslos ist. Die bedingungsfreien
Prophetien haben es hauptsa chlich mit der Errettung des Volkes Gottes und den umfassenderen kos-
mischen Themen zu tun.–101 (z.B. die Erfu llung der Bu nde Gottes mit seinem Volk, usw.) Es ist ganz
wichtig, dass wir verstehen, dass Prophetie oft an Bedingungen geknu pft ist! Die Frage dabei ist: Wie
lebe ich mein Leben vor Gott? Lebe ich in der fortschreitenden Heiligung, in der Gottesfurcht und
unter der Autoritat des Wortes Gottes? Ordne ich mich der von Gott gesetzten Leiterschaft unter und
lebe in Abhangigkeit zum Heiligen Geist? ä In Prophetien kommen viele Bedingungen vor, an die man
sich halten muss, damit die enthaltenen Verheissungen Wirklichkeit werden. Und auch wenn keine
anderen Bedingungen genannt werden, ist die Erfullung an unseren Gehorsam und unser Vertrauen
Gott gegenuber gebunden–102 Bsp. dafu r sind Jona (Jon 3,10); Hiskia (Jes 38); Asa (2Chr 16,9); Joas
(2Ko 13,19); Naeman (2Ko 5,13-14); der Gottesmann (1Ko n 13). Die haufigste Ursache fu r nicht
eingetroffene Prophetien und Verheissungen ist Unglaube oder Ungehorsam in unseren Herzen (1Sam
15,23).

8.3.2 Mehrschichtige und zeitlose Prophetie


Weitere Missverstandnisse und Enttauschungen ko nnen vermieden werden, wenn beachtet wird, dass
Prophetien auch mehrschichtig oder zeitlos sein ko nnen! Besonders bei Gleichnissen (Lk 15) und
Endzeitreden (Mt 25), aber auch bei perso nlichen Prophetien kann eine mehrfache Deutung und Er-

99
Zu den Fallgruben im prophetischen Dienst, J. Deere: Uberrascht von der Stimme Gottes, S.207-220.
100
S. Thompson: Alle ko nnen prophetisch reden, S.110.
101
E.B. Gentile: Eure So hne und To chter werden weissagen, S.113.
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fu llung mo glich sein. Prophetie kann mehrere Schichten aufweisen und in verschiedene Lebensbere i-
che, Zeiten oder Epochen hineindeuten. Wenn sie mehrdeutig ist, dann bedarf sie auch mehrerer I n-
terpretationen. Die Offenbarung kann verschiedene Tiefen und Erkenntnisse beinhalten. Auch das
Wort Gottes ist in sich selbst prophetisch, mehrschichtig und auf verschiedenen Ebenen zu verstehen.
Mit dem Wachstum im Glauben, wachst auch unsere Erkenntnis und das Verstandnis fu r Offenbarun-
gen aus dem Wort. Es ist vergleichbar mit einem Brunnen den man grabt, einem Tiefseetaucher, der
die Geheimnisse des Meeres erforscht, oder aber mit einem Fahrstuhl der nach oben in h o here Etagen
fahrt.
Studiere die folgenden zwei Beispiele mehrschichtiger Prophetie:

5.Mose 18,15 Joel 3,1-2


1. Einen Propheten wie dich; Bestatigung fu r 1. Sohne, Tochter, Ju nglinge, ...; Natu rliche Personen,
Mose, ein Prophet Gottes zu sein. Kinder, Erwachsene, Bedienstete.
2. Je und je aus deiner Mitte; Gott wird dem 2. Sohne, Tochter, Ju nglinge, ...; Geistliche Personen,
Volk Israel immer Propheten geben. Neubekehrte, prophetischer Reifeprozess.
3. Eine messianische Prophetie; Jesus ist der 3. Prophetie auf Pfingsten Apg 2,1ff; Ausgiessung
Messias und DER Prophet. des Heiligen Geistes auf die Glaubigen.
4. Verheissung auf weitere Propheten Gottes; 4. Beginn eines neuen Zeitalters der Prophetie; End-
im Zeitalter der Gemeinde. zeitbewegung vor dem 2. Kommen Jesu!
5. Hinweis auf die zwei Zeugen in Offb 11,3? 5. Meine Knechte und Magde; Das Amt des Prophe-
Mose, Elia (Mal 4,5) oder Henoch (1Mo 5,24). ten wird wiederhergestellt; die 2 Zeugen (Offb 11,3).
Tabelle 2
Meist ist es schmerzlich zu erfahren, dass Gott es nicht so eilig hat wie wir es ge rne hatten. Es kann
aus verschiedenen Gru nden gefahrlich sein bei einer Prophetie Zeitangaben zu machen. Einerseits
versucht der Feind, die rechtzeitige Erfu llung einer Prophetie zu verhindern (Dan 10,13), andererseits
sehen wir klar und deutlich in der Bibel, dass Gott sein eigenes Zeitverstandnis hat (Offb 22,12). ä Ich
habe schon erlebt, wie Propheten in Weissagungen sehr exakte Zeitangaben gemacht haben, aber
sich dennoch die Erfullung eines Wortes verzogert hat, (...) Bekommt man also ein Wort mit einer
Zeitangabe und ist man sich sicher, dass es im Willen des Herrn ist, dann muss man das Wort durch-
beten und von ganzem Herzen glauben. Gott druckt sich in Prophetie sehr unterschiedlich aus, und
wenn es heisst >bald<, so kann sich dieses >bald< recht lange hinziehen.–103 Weil Prophetie zeitlos
sein kann, ist es wichtig, dass wir noch einen weiteren Punkt, “die Sicht der Propheten– behandeln.

102
E. Traut: Der Herr redet, S.32.
103
E. Traut: Der Herr redet, S.34.
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8.3.3 Die Sichtweise der Propheten


Die Sichtweise der Propheten zu verstehen ist entscheidend wichtig, um Frustrationen und Missver-
standnisse zu verhindern. Die Propheten sehen einzelne Ereignisse oder Situationen hintereinander
voraus. Ereignisse der nahen und fernen Zukunft ru cken zusammen wie die Gipfel der Berge fu r den
Wanderer im Hochland. Sie sehen die “Gipfel– und sie erkennen auch deutlich, dass “Taler– dazwi-
schen liegen. Aber wie breit diese sind und was sie im einzelnen in sich bergen, erkennen sie nicht
immer. Sie weissagen mit grosser Genauigkeit in der richtigen Reihenfolge und verstehen auch, dass
eine Zwischenzeit die Ereignisse voneinander trennt.

Die prophetisch-frontale Sicht Die zeitlich-profile Sicht

Grafik 3 & 4
So werden oft Ereignisse oder Prozesse, fu r die es in Wirklichkeit Jahre brauchen kann, in wenigen
Minuten vorausgesagt. ä In einer personlichen Prophetie konnen verschiedene Zeiten und Zeitpunkte
in der Zukunft erwa hnt sein. Zum Beispiel kann jemand eine Weissagung uber Dinge bekommen, die
recht bald geschehen sollen, aber doch erst einige Jahre danach oder noch spa ter geschehen. Ein
Prophet kann zum Beispiel Ereignisse voraussagen, die erst in zwanzig Jahren geschehen sollen, und
eine anderer weissagt etwas, das im Widerspruch zu dem ersten zu stehen scheint, aber vielleicht
schon in allerna chster Zukunft geschieht.–104 Besonders deutlich wird diese Sicht in der messiani-
schen Prophetie, wo einzelne Prophetien das erste und das zweite Kommen Jesu in einem Abschnitt
beinhalten (Jes 35,1-10; 52,7-10; 53,1-12; Hos 3,5; Mi 5,1-5; Sach 9,9-17)! Das Wesen und der Dienst
der Prophetie ist nicht leicht einzuordnen oder zu verstehen. 105 Jede prophetische Erfahrung ist sub-
jektiver Natur. Letztlich ko nnen wir uns nur auf die Aussagen des Wortes Gottes 100% verlassen. Die
Bibel fordert uns jedoch auch genau in diesem Bereich heraus: ü Glaubt an den HERRN, euren Gott,
dann werdet ihr bestehen! Glaubt seinen Propheten, dann wird es euch gelingen!ß(2Chr 20,20).

104
E. Traut: Der Herr redet, S.36.
105
Vgl. zum Wesen und zu den verschiedenen Formen von Prophetie unbedingt auch W.S. La Sor / D.A. Hub-
bard / F.W. Bush; Das Alte Testament, Kp.22: Propheten und Prophetie, und Kp.30: Die messianischen Wei s-
sagungen; sowie M. Macher: Christologie, Jesu Prophetenamt, S.148.
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8.4 Praktische Anwendung und U bungen


8.4.1 Lernziel der Einheit VIII
Klare eigene Missverstandnisse auf und entlarve bei dir falsche Vorstellungen
und Mythen. Lerne das Wesen der Prophetie besser kennen
und versuche, aus Fehlern zu lernen!

8.4.1.1 Bibelstudium
Die hier aufgefu hrten Geschichten aus der Bibel oder einzelne Bibelstellen sollen durch das Studium
helfen, falsche Haltungen und Missverstandnisse im Bereich Prophetie und deren Folgen aufzuzeigen.
Die Sicht und das Verstandnis fu r das Wesen der Prophetie soll dadurch gescharft werden!
8.4.1.2 Stellen im Alten Testament
1Mo 37-41; 4Mo 11,24-30; 12,1-15; Ri 11,30-40; 16,4-31; 1Sam 1,9-20; 15,10-23; 16,7; 28,3-25;
2Sam 6,16-23; 1Ko 13,1-34; 20,35-43; 2Ko 1,9-17; 2,8-15; 5,8-27; Jer 15,10-21; Hes 12,21-28; 33,30-
33; Am 7,10-17; Mi 3,5-12; Hab 2,1-3.
8.4.1.3 Stellen im Neuen Testament
Mt 7,1-23; 16,13-23; 17,1-7; Lk 7,24-35; Joh 1, 19-34; 3,28-30; Apg 5,1-11; 8,14-25; 1Kor 13,1-13;
14,7-12.32-32.37-40; Eph 4,23-32; 5,15-21; 1Thess 5,12-22; 1Petr 1,10-12; Offb 11,1-14; 22,6-10.
8.4.1.4 Stichworte und Notizen
Schreibe in die leeren Zeilen, welche mystischen Vorstellungen u ber Prophetie du bei dir selbst ent-
deckt hast. Schreibe weiter auf, welche Fehler du selbst schon gemacht oder bei anderen propheti-
schen Diensten beobachtet hast. Lerne aus deinen Aufzeichnungen, diese Fehler in Zukunft zu ve r-
hindern!

8.4.1.5 Gebet
ü Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; pru fe mich und erkenne meine Gedanken. Sieh,
ob Falschheit an mir ist, und leite mich auf geradem Wege!ß(Psalm 139,23-24; alte ZU)

8.4.2 Praxis Workshop


1. Nehmt eure Erkenntnisse und angefertigten Notizen und sprecht daru ber in der Gruppe. Betet
gemeinsam u ber Fehler und Missbrauche, betet auch fu reinander um Heilung von Missbrauch.
2. Diskutiert miteinander u ber erfu llte und noch nicht erfu llte Prophetien und was der Grund sein
ko nnte, dass sie noch nicht erfu llt wurden. Helft einander und schreibt es auf.

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3. Lest gemeinsam aus den Bu chern von Steve Thompson “Alle ko nnen prophetisch reden–, die Kp.
II (Mythen und Tauschungen) und VI (Start ins Prophetische Ä kein Raum fu r Fehler?), sowie
Jack Deere “Uberrascht von der Stimme Gottes–, das Kp. 14 (Fallgruben im prophetischen
Dienst).

9. EINHEIT IX: FALSCHE PROPHETIE - ZAUBEREI

9.1 Missbrauch von Prophetie


Wir haben in den vorangegangenen Einheiten klar gesehen, dass man zwischen fehlerhafter, nicht
eingetroffener und falscher Prophetie unterscheiden muss. Nicht jeder, der einen Fehler begeht ist
auch ein falscher Prophet (siehe nochmals Einheit VIII, besonders P.8.2.1: Prophetische Fallgruben).
Der Ubergang oder die Bru cke, die von fehlerhafter zu falscher Prophetie geschlagen werden kann, ist
der Missbrauch von Prophetie. Wenn wir prophetische Gaben nicht in den Dienst des Leibes Jesu, der
Gemeinde oder einzelnen Menschen stellen, sondern damit unseren eigenen Vorteil suchen und uns e-
re seelischen und natu rlichen Mangel damit ausfu llen wollen, dann betreiben wir Zauberei (Apg 8,9-
25). Wenn sich unsere Motivation fu r den Dienst verschiebt, dann tritt ein Lu gengeist an die Stelle
des Geistes der Wahrheit (2Chr 18,6-27; Joh 15,26). Der Geist der Wahrheit ist der Geist der Prophe-
tie, welcher wiederum der Heilige Geist ist (Joh 16,13-15; Offb 19,10). Diesem stellt sich der Geist
der Lu ge und Wahrsagerei, sprich Zauberei entgegen (2Ko 9,22; Hos 4,12; 5,4; Mi 3,5-8; Apg 13,6-
12; Offb 2,20). Wie kommt es nun zu einem solchen Missbrauch?

9.1.1 Selbstdarstellung und Manipulation


Im folgenden werde ich 10 Punkte auffu hren, die infolge von Nichtbeachtung zu Missbrauch, Selbst-
darstellung und Manipulation fu hren ko nnen. Werden diese Punkte u ber langere Zeit nicht gelebt und
erfolgt keine Korrektur, so wird man sich allmahlich zu einem falschen Propheten transformieren.
9.1.1.1 Die 10 Anti-Missbrauch-Gebote!
1. Lass Dich nie dazu hinreissen aus egoistischen Motiven zu weissagen (Wahrsagerei).
2. Prophezeie nicht aus Geldgier oder Habsucht Ä Dies tun falsche Propheten und Zauberer!
3. Kompensiere nicht seelische No te mit Prophetie, dies erzeugt Abhangigkeiten.
4. Prophezeie nicht mit unreinem Herzen (Su nde; Unreinheit).
5. Prophezeie nicht mit hartem Herzen (Zorn; Groll; Bitterkeit; Hass).
6. Manipuliere nicht durch Weissagung die Leute, die Du nicht magst (Befehle; Kontrolle).
7. Lass Dich selbst nicht manipulieren und durch Heuchelei dazu bewegen, jemandem “ein Wort des
Herrn– zu geben!
8. Als Prophet musst Du in der Gemeinde eingeordnet und der Gemeindeleitung untergeordnet sein,
sonst neigst Du zum kontrollieren und bekommst keine Korrektur!
9. Wenn Du nicht seelsorgerlich verbindlich lebst und in der Heiligung fortschreiten willst, dann
prophezeie auch nicht.

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10. Ein verletzter Prophet kompensiert und manipuliert, ein gesunder Prophet hingegen bringt We i-
sung und Heilung!
ü Halte dich selbst nicht fu r weise, fu rchte den Herrn und meide das Bose; das wird deinem Leibe
gesund sein und deine Gebeine erquicken - die Zunge der Weisen ist Heilungß(Spr 3,7-8; 12,8).
9.1.1.2 Vorsicht ist geboten!
Sei vorsichtig mit dem Prophezeien von Daten! (Siehe P.8.3.3: Die Sicht der Propheten). Weissa ge im
Anfangsstadium auch nicht u ber Schwangerschaften, ob es ein Junge oder ein Madchen wird. Sei
behutsam mit Partnerschaften und Eheschliessungen. Aussagen wie “dies wird dein Mann / deine
Frau–, ko nnen verwirren oder sogar zersto ren. Der Wahrheitsgehalt oder Erfu llungsquotient betragt
50%, welchem der Wahrsagerei entspricht. Diese Art des Prophezeiens geho rt zu richtungsweisender
Prophetie (P.6.1.2). Solche Prophetien sollten nur von reifen und im Leib Jesu bestatigten Propheten
im Amt o ffentlich gegeben werden! Achtung: Es ist strikt verboten, Insiderwissen oder auch per-
sonliche Vorurteile in prophetisches Reden einfliessen zu lassen!

9.2 Charismatische Zauberei


Wenn wir u ber Zauberei sprechen, dann denken wir meistens sofort an falsche Propheten (1K o 18,25-
30), Hexen und Zauberer (Apg 13,6-8), Wahrsager und Totenbeschwo rer (2Sam 28,7; Apg 16,16).
Dadurch bauen wir eine Distanz dazu auf, mit der wir ausdru cken, dass wir mit Zauberei absolut
nichts zu tun haben. Dies ist meiner Meinung nach eine Tauschung des Feindes, denn es geht bei
Zauberei nicht nur um Menschen, die Zauberei und okkulte Praktiken offensichtlich aus u ben (vgl. Gal
3,1). Das Problem bei der sogenannten “charismatischen Zauberei– unter Christen liegt darin begru n-
det, dass wir manchmal bewusst oder unbewusst an die Stelle des Heilgen Geistes treten wollen. Cha-
rismen sind die Gaben des Heiligen Geistes (Ro m 12,4-8; 1Kor 12,1-11). Alle diese Gaben versucht
der Teufel nachzuahmen. Fu r jede hat er ein Gegenu ber, eine Tauschung (z.B. die Gabe des Glaubens
Ä das positive Denken; die Gabe der Prophetie Ä die Wahrsagerei). Wenn wir nicht in Ubereinstim-
mung mit dem Willen Gottes beten und prophezeien, aber so tun, als ware es der Geist Gottes, der uns
treibt und der spricht, dann o ffnen wir die Tu r fu r diese Form der Zauberei. ä Der Heilige Geist ist
eine Person. Zauberei ist jede Art von spiritueller Kraft, die nicht aus der Quelle des Heiligen Geistes
fliesst. Das heisst, wenn wir im ä Fleisch–sind, uns geistlich geben und darstellen, wenn wir an die
Stelle des Heiligen Geistes treten, dann ist die Quelle der Offenbarung nicht mehr der Heilige Geist,
dann sind wir der Ta uschung zum Opfer gefallen.–106 So wird aus dem Gebet eine Beschwo rung und
aus Prophetie wird Wahrsagerei. Dadurch u ben wir Kontrolle aus und manipulieren im Leiten und
sogar im Beten. Die Haupteinfallstore fu r diese Art von Zauberei sind Ungehorsam und Rebellion
(1Sam 15,23). ä Was sie auch tun Ü gehen sie niemals in Rebellion! Wenn Sie dies tun, werden Sie der

106
Kassette S. Nikirk: Manipulation und Charismatische Zauberei.
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Zauberei ein Einfallstor offnen.–107 Prophetisch Begabte stehen gegen die Zauberei im Kampf, sind
deshalb aber besonders gefahrdet. Vor allem wenn sie von Glaubigen nicht verstanden, abgelehnt oder
verleumdet werden (Jer 15,15-19)! Propheten stehen auch in der Versuchung, sich wie Wahrsager
oder Hellseher von den Menschen befragen zu lassen, die ihr Herz vor Gott nicht in Ordnung bringen
wollen (vgl. Hes 14,1-11). Prophetie ist kein Spiel. Irren wir uns nicht, denn Gott lasst seiner nicht
spotten (Gal 6,7-8)!

9.3 Falsche Propheten


Falsche Propheten sind nicht immer leicht und sofort zu erkennen! Doch letztlich werden sie uns i m-
mer von Gott und dessen wahrer Anbetung wegfu hren (5Mo 13,2-6; 18,9-22; Jer 23,9-40; Hes 13,1-
23; Mt 7,15-23; 1Joh 4,1-6; Offb 19,20)! Jesus warnt uns eindringlich, dass viele falsche Propheten
und Gesalbte (Christus) kommen werden, die grosse Zeichen tun und wenn mo glich die Auserwahlten
verfu hren werden (Mt 24,11.24)! Dies ist eine Realitat, mit der wir uns unbedingt auseinandersetzen
mu ssen.

9.3.1 Merkmale und Wesenszu ge falscher Propheten


ä Falsche Propheten in der Kirche handeln vielmehr zerstorerisch, indem sie eine echte prophetische
Gabe ohne prophetischen Charakter ausuben. Die Frucht falscher Propheten ist Spaltung, Streit und
Zwietracht in den Gemeinden, mit denen sie in Beruhrung kommen.–108 Weitere Merkmale und We-
senszu ge falscher Propheten sind: Egoismus, Eigenmachtiges Handeln, Leben in Unreinheit, Selbst-
verherrlichung, Rechtfertigung, Rebellion, Getrieben von Lust und Menschenfurcht, Habgier und
Geiz, Gewinnsucht, Ehebrecherisches Verhalten, Stolz, Aufgeblasenheit, Torheit, Verlogenheit,
Angst, usw.! Es gabe hier noch viel aufzuzahlen, doch wichtig ist, dass wir die Gabe nicht an ihrer
Auswirkung, an Zeichen und Wundern messen, sondern am Charakter und der Gerechtigkeit des Pro-
pheten!109

9.3.2 Der Geist IsebelÄs und der Geist EliaÄs


ä Die biblische Isebel war eine der grossten Feinde eines der kraftvollsten Propheten des alten Bun-
des Ü Elia. Sein Dienst widerspiegelt speziell die Bereitung des Weges f ur den Herrn. Der Isebel-
Geist ist auch einer der ma chtigsten Feinde des wahren prophetischen Dienstes, welcher der Ge-
meinde gegeben ist, um sie auf die Wiederkunft des Herrn vorzubereiten.–110 Dieser Geist stellt sich
immer gegen die Propheten Gottes und versucht sie zu to ten (1Ko 19,1-5).111 Wenn die Bibel uns sagt,
dass Gott uns in der letzten Zeit vor der Wiederkunft Jesu den Propheten Elia senden will, der vor
allem Verso hnung bewirken soll (Mal 3,23-24), dann stellt sich auch der Geist Isebels gegen die Ge-

107
F. Frangipane: Der Ort der Bewahrung, S.178.
108
S. Thompson: Alle ko nnen prophetisch reden, S.163.
109
Vgl. dazu unbedingt auch E.B. Gentile: Eure So hne und To chter werden weissagen, S.123.
110
R. Joyner: Uberwindung des Religio sen Geistes, S.29.
111
Vgl. dazu auch K. Sjo berg: Prophetische Gemeinde, S.80.
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meinde. ä Isebel bedeutet wortlich >ohne Gemeinschaft<!–112 Dieser Geist versucht vor allem inner-
halb der Gemeinde die Propheten zur Unzucht und Zauberei zu verfu hren (Offb 2,20; Vgl. 2Ko 9,22-
37). Gelingt ihm dies, so wird das Volk Gottes verwirrt und verliert die Orientierung. Dies zeigt auch
das Beispiel Johannes des Taufers (Mt 11,2-5; Mk 6,14-29). Einer der gro ssten “Erfolge– dieses Geis-
tes ist der Glaube, dass nur Frauen diesen Geist haben ko nnen. Der Geist Isebels wird normalerweise
da gefunden, wo eine schwache Leiterschaft in der Gemeinde, Familie oder Ehe ist. Wir stehen in
einem geistlichen Kampf der sehr real ist. ä Die einzige Antwort und Befreiung von diesem Geist ist,
umzukehren und unserer gottgegebenen Rolle treu zu sein.–113 Wir brauchen die Gabe der Unter-
scheidung der Geister!

9.4 Praktische Anwendung und U bungen


9.4.1 Lernziel der Einheit IX
Erkenne falsche Propheten und lerne, sie von echten zu unterscheiden.
Schu tze und hu te dich selbst vor Zauberei!

9.4.1.1 Bibelstudium
In den folgenden Bibelstellen werden oftmals falsche Propheten den echten Propheten oder Aposteln
gegenu bergestellt. Vergleiche Motivation und Treibkraft der Propheten. Versuche Charakter und L e-
bensstil zu ero rtern und trage deine Entdeckungen in die untenstehende Tabelle ein.
9.4.1.2 Stellen im Alten Testament
2Mo 7-8; 4Mo 22-24; 5Mo 13,1-6; 18,9-22; 2Sam 28,7; 1Ko 18-19; 2Ko 9,22-37; Neh 6,14; 2Chr
18,1-27; Jes 3,1-15; Jer 15,15-19; 23,9-40; 28,1-17; 29,21ff; Hes 13,1-23; Am 7,10-17; Mi 3,5-8.
9.4.1.3 Stellen im Neuen Testament
Mt 7,15-23; 24,11-28; Mk 6,14-29; Apg 8,9-13.18-24; 13,6-11; 16,16; 19,13-20; Gal 3,1; Eph 6,10-
18; Jak 3-4; 1Petr 5,5-9; 1Joh 4,1-6; Jud 1,1-25; Off 2,20; 11,3-14; 16,13; 19,20; 20,10; 22,18-21.
9.4.1.4 Trage Unterschiede und Eigenschaften von falschen und wahren Propheten ein.
Echte Propheten Gottes Falsche Propheten und Zauberer

112
F. Frangipane: Geistlicher Kampf auf drei Ebenen, S.104.
113
R. Joyner: Uberwindung des Religio sen Geistes, S.28.
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9.4.1.5 Gebet
ä Herr Jesus ich danke Dir, dass in Deinem Namen Sieg uber Finsternis und in der Kraft Deines Blu-
tes Vergebung fur die Sunden ist. Wasche mich rein von Schuld und befreie mich von allen Einflussen
der a usserer und innerer Zauberei. Bewahre mich und meine Gemeinde vor Missbrauch, Zauberei
und vor falschen Propheten. Erwecke Du die echten, Deine Propheten in der Gemeinde. Amen.–

9.4.2 Praxis Workshop


1. Tauscht in einer Gruppe von 4 Personen miteinander aus, wie, wo und in welcher Form ihr schon
Zauberei perso nlich erlebt, beobachtet und erkannt habt.
2. Betet fu reinander, dass der Geist der Zauberei und die Macht des Isebel-Geistes u ber euch gebro-
chen ist. Tut Busse, wo der Geist Gottes bei Euch aufdeckt, dass ihr schon selbst ein Werkzeug
des Missbrauches oder der Zauberei geworden seid!
3. Lernt die “10-Anti-Missbrauch-Gebote– auswendig und fragt euch gegenseitig ab. (auch in
Einh.X)
4. Nehmt einen Gebetspartner der Gruppe und verpflichtet euch, regelmassig fu reinander zu beten.

10. EINHEIT X: UND WIE GEHT ES JETZT WEITER?

10.1 Die prophetische Bewegung Ü The Prophetic Movement!


Die sogenannte “prophetische Bewegung– ist seit den 80er Jahren voll im Gange. Leider ist, gemass
meinen eigenen Beobachtungen und Erfahrungen in anderen Gemeinden, aus dem Werkzeug von Gott
vielfach ein Wegwerfartikel oder ein Spielzeug fu r die Glaubigen gemacht worden. Prophetie und
Prophetischer Dienst sind Modeworte in unserer christlichen Konsumgesellschaft. Doch Gott ist noch
nicht am Ende mit seinem “Prophetic Movement–114. ä Die prophetische Bewegung ist in alle Konti-
nente und die meisten Nationen dieser Erde ausgegangen. Sie hat die meisten Gebiete der Gemeinde-
welt durchdrungen. Jedoch hat sie immer noch nicht ihren Gipfel erreicht und nimmt weiterhin an
Triebkraft zu. Sie wird nicht sterben oder verblassen, sondern die Propheten und prophetischen
Dienste werden weiterhin eine aktive Rolle spielen, je na her das zweite Kommen Christi ruckt.–115
Gott wird diese Bewegung noch einmal mit Kraft und Scharfe “updaten–, aber er wird auch unsere
Motivation pru fen und unsere Hingabe testen! ä Unsere Sehnsucht nach prophetischer Begabung soll-
te uns zu einer grosseren Hingabe an den Herrn selbst fuhren. Wo diese Hingabe fehlt, mussen wir
eine klare Kurskorrektur vornehmen.–116 Die prophetische Bewegung wachst und ist hier, um zu blei-
ben, aber sie geht durch den gleichen Prozess, durch den jede Bewegung Gottes in den letzten Jahr-
hunderten zu gehen hatte. Extreme sollten wenn mo glich verhindert, ko nnen aber nicht ausgeschlos-
sen werden. Damit diese Bewegung im Leib Christi vollends angenommen, integriert und ihrer Auf-

114
Der Begriff stammt vor allem aus Amerika und wurde gepragt von Bill Hamon, Cindy Jacobs, Jim Goll, u.a.
115
B. Hamon: Apostel und Propheten, S.235.
116
S. Thompson: Alle ko nnen prophetisch reden, S.202.
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gabe der Wiederherstellung gerecht wird, mu ssen diejenigen, die in dieser Bewegung stehen, sich
sauber in den ganzheitlichen Prozess Gottes mit der Gemeinde einordnen. Es liegt an einem grossen
Teil in der Verantwortung der prophetisch Begabten, ob und wie dieser Prozess ablauft. Wenn die
prophetische Bewegung aber ihr Ziel verfehlt, dann hat sie ihre Bestimmung verpasst und ihre Exi s-
tenzberechtigung verloren! Wir mu ssen uns bewusst machen, dass wir in allem Tun in der Verantwor-
tung vor Gott stehen und dass wir unserer Gemeindeleitung gegenu ber rechenschaftspflichtig sind.
ä Die Gemeinde ist kein Wassertank, sondern ein Strom von frisch fliessendem, lebenspendendem
Wasser (Mt 13,52; Hes 47,1-12; Joh 7,38). Lasst uns in der Mitte von Gottes Strom der fortwa hren-
den Wiederherstellung bleiben.–117

10.1.1 Prophetische Gemeinschaft


Einer der Gru nde, warum prophetisch Begabte miteinander Gemeinschaft haben und regelmassige
prophetische Gemeinschaft erleben und feiern sollten ist, dass sie sich gegenseitig stimulieren (1Sam
10,10-13). In dieser prophetischen Gemeinschaft schleifen und scharfen sie sich gegenseitig, reifen
und wachsen aneinander. ü Eisen wird durch Eisen gescharft; so scharft ein Mann den andernß(Spr
27,17). Dies hat fu r prophetisch Begabte eine besondere Bedeutung, da sie sich besonders oft im
u bernatu rlichen Bereich aufhalten, ihr Empfinden jedoch immer subjektiv ist. ä Prophetisch sein be-
deutet nicht, sich wie ein Einsiedler zu verhalten. Halte Ausschau nach anderen, die lebendig im
Geist und erfullt vom Worte Gottes sind. Sprich mit ihnen daruber, was Gott zu dir gesprochen hat,
und lass dich durch sie und durch das, was Gott ihnen gezeigt hat, anfeuern.–118 Prophetisch Begabte
und Propheten sind oft einsam. Sie brauchen den Austausch und die Gemeinschaft mit Gleichgesin n-
ten!

10.2 Ein Wort an Pastoren und Gemeindeleiter


Als Pastor und Gemeindeleiter hat man von Gott eine grosse Verantwortung bekommen. Man ist f u r
all die Menschen aus der Gemeinde und fu r all das Geschehen in der Gemeinde verantwortlich. Dies
ist oft nicht gerade einfach. Ich kann das sehr gut nachfu hlen, da ich selbst Teil einer Gemeindelei-
tung bin und in verschiedenen Bereichen der Gemeinde Leitungsaufgaben ausfu hre. Zugleich hat
mich Gott mit in einen prophetischen Dienst berufen und eingesetzt. Ich bin einer von ihnen und einer
von euch! Der Umgang mit dem Prophetischen als Pastor ist eine Spannung. Trotzdem oder gerade
deswegen habe ich sehr gute Erfahrungen damit gemacht und viel Frucht gesehen. Ich mo chte euch
ermutigen: Geht es an, Gott hat und behalt auch in allem Schwierigen die Kontrolle (Jos 1,5-9)!
Stoppt nicht vorschnell alles was ungewohnt oder unbekannt ist. Es gibt ein Sprichwort das sagt: ä Da
kommt die fromme Feuerwehr und loscht, wo nichts zu loschen wa r!–Um einen reifen und gesunden
prophetischen Dienst in der Gemeinde haben zu ko nnen, mu ssen wir die unreifen prophetisch Begab-

117
B. Hamon: Apostel und Propheten, S.242.
118
H. Thompson: Wesen und Dienst der Prophetie, S.59.
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ten annehmen, fo rdern und hirten. Die folgenden Punkte sollen Euch als Ermutigung und Hilfe die-
nen:119
1. Ehre und schatze das Prophetische! Lehre u ber Prophetie, predige mit Wertschatzung daru ber.
2. Raume dem prophetischen Dienst einen Platz in Deiner Gemeinde ein! Setze Menschen zum
Dienst frei, dann verlieren zugleich viele ihrer eigenen Probleme an Gewicht.
3. Sei nicht so offen fu r alles, dass du beim Verbeugen Deinen Verstand verlierst! Beurteile und
pru fe die Prophetie. Zo gere nicht und habe keine Angst. Bitte Gott um seine Weisheit dafu r.
4. Sei den prophetisch begabten Leuten ein Hirte; aber versuche nicht, Hirten aus ihnen zu
machen! Sie brauchen dich und deine Hirtenschaft unbedingt um in ihrer Berufung zu leben.
5. Setze deine Autoritat ein, wo es notig ist! Sei kein Schwachling. Lass es nicht zu, dass die Re-
bellischen und Unreifen das Ruder der Gemeinde u bernehmen. Korrigiere und weise zurecht wo
no tig. Setze Deine Mitarbeiter fu r Leitungsaufgaben mit Weisheit und Unterscheidung ein.

10.2.1 Prophetische A ltestenschaft


Eine der gro ssten Hilfen fu r eine Gemeindeleitung im Umgang mit dem Prophetischen ist eine pro-
phetische A ltestenschaft oder ein prophetischer A ltestenrat. Die Idealform einer prophetischen
A ltestenschaft ware, wenn die A ltestenschaft der Gemeinde selbst prophetisch ist oder zumindest
einzelne A lteste prophetische Gaben vorweisen und einfliessen lassen ko nnen. Es gibt aber noch eine
andere
Mo glichkeit: ä Ein prophetischer A ltestenrat ist eine Gruppe, die nur ein einziges Mal oder nur zu
bestimmten Zeiten einberufen wird, um allen, die es brauchen, Rat oder Erkenntnis anzubieten. Der
Dienst dieser Gruppe von Propheten, Prophetinnen oder prophetisch begabten Menschen ist beson-
ders vollma chtig. Wer hier Gebet und Rat empfa ngt, bekommt oft grossere Offenbarung dessen, was
Gott ihm mitteilen mochte.–120 Wo zwei oder mehr Propheten oder prophetische Geistliche der Orts-
gemeinde zusammenkommen und von der Leitung eingesetzt sind, da besteht prophetische A ltesten-
schaft. Dieser Dienst der prophetischen A ltestenschaft besteht vor allem darin, mit der Gemeindele i-
tung zusammenzuarbeiten und sie in wichtigen Angelegenheiten zu unterstu tzen. Beispiele sind: 121
1. Um den Dienst eines Gemeindegliedes am Gemeindeleib innerhalb des Leibes Christi zu offenb a-
ren (1Sam 10,1; 16,13; 2Ko 9,1-13; Apg 6,1-7; 13,1-2).
2. Um einzelnen mit einem prophetischen Wort (Rhema) von Gott zu dienen (Apg 11,27ff; 21,9-11)
3. Zur Verleihung und Aktivierung go ttlich ordinierter Gaben, Gnaden und Berufungen (1Tim 4,14).
4. Zur Offenbarung, Klarung und Bestatigung der Leiterschaftsdienste in der Ortsgemeinde (4Mo
11, 16.24-25; Apg 14,23; Tit 1,5).

119
Die Punkte sind zusammengefasst und entnommen aus S. Thompson: Alle ko nnen prophetisch reden, S.206.
120
C. Jacobs: Der Prophet in Dir, S.229.
121
Die Beispiele sind ohne die Bibelstellen entnommen aus B. Hamon: Apostel und Propheten, S.349.
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5. Zum “Handeauflegen und Prophezeien– an denen, die berufen und richtig vorbereitet sind, ein
ordiniertes Mitglied im fu nffaltigen Dienst zu sein (Apg 13,1-2; 15,22-32).

10.3 Schlusswort und Zusammenfassung


So wie Gott selbst, so wird das Prophetische nie ganz ergru ndet und letztendlich erklart werden ko n-
nen. Gott ist souveran und so wirkt er auch. ä Behalte auch im Hinterkopf, dass wir alle noch die
Schulbank drucken. Benimm dich niemals wie ein Experte und glaube nie, du wa rst einer. Die gross-
ten Propheten unserer Tage sehen nur bruchstuckhaft und in kurzen Einblicken. Wir mussen demuti-
ger werden und tiefer nach Gott hungern. Wir brauchen mehr Offenbarung, mehr Interpretation,
mehr Charakter und mehr Liebe. (...) Gott sucht nicht nur nach Leuten, die seine Worte weitergeben
konnen. Er sucht nach denen, die seinen Sohn lieben mit allem, was sie sind und haben. (...) [dann]
werden wir nicht nur mit unserem Mund, sondern auch mit unserem Leben prophezeien.–122 Wir alle
sind Lernende bis Jesus uns nach Hause holt. Dann wird die Erkenntnis nicht mehr Stu ckwerk, son-
dern vollkommen sein (1Kor 13,8-10). Es geht nicht an, dass wir ein bisschen mit den prophetischen
Gaben herum spielen und Spass dabei haben! Es geht darum, ein prophetisches Leben zu fu hren, um
Gott alle Ehre zu machen und IHN in unseren Familien, Gemeinden und in der Welt zu reprasentieren
(Heb 1,1-3; Offb 10,7; 19,10; 22,6-10)! Ich hoffe und wu nsche mir, dass ich mit dieser Arbeit ein
Stu ck dieser Erkenntnis hinzugefu gt und Gott damit Ehre gemacht habe! Deshalb bete ich ü daé der
Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch gebe <den> Geist der Weisheit
und Offenbarung in der Erkenntnis seiner selbst. Er erleuchte die Augen eures Herzens– (Eph
1,17-18a). Amen!

10.4 Praktische Anwendung und U bungen


10.4.1 Lernziel der Einheit X
Erkenne und verstehe den gottlichen Sinn und Zweck des ”Prophetic
Movementä
! Ordne Dich demgem ass in diesen Strom Gottes ein.

10.4.1.1 Beispiel einer schriftlichen Prophetie und deren Interpretation


Folgende Prophetie soll als Beispiel dienen, wie eine Weissagung, die verschiedene Komponenten
wie Vision, Schriftstellen und Interpretation beinhaltet, schriftlich verfasst werden kann. Es ist ein
aktuelles Wort vom 8.Jan.2001, an die deutschschweizer Gemeinde, das anschliessend diskutiert wer-
den soll.
10.4.1.2 Der Schmelzer Gottes kommt; Mal 3,1-4.22-24
ä Ich sah einen grossen Schmelzofen, dessen Ture offen war. Der Schmelzofen war voll in Betrieb und ich kon n-
te die Feuersglut darin durch die offene Tur sehen. Dann sah ich eine weisse Gestalt vor dem Ofen stehen, es
konnte Jesus selbst oder aber ein sehr ma chtiger Engel gewesen sein. Die Gestalt warf etwas wie Holz in den

122
S. Thompson: Alle ko nnen prophetisch reden, S.202-203.
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Ofen und feuerte den Schmelzofen noch mehr ein. Das Feuer loderte und wurde immer st a rker. Dann hob sich
der Schmelzofen und fing an wie auf Ra dern zu fahren. Der Schmelzofen fuhr uber unser Land, die Schweiz,
vorwiegend im deutschsprachigen Raum des Landes. Er ber uhrte verschiedene Orte und Sta dte, einzelne Punkte
im Land. Ich wusste, dass diese Punkte die Gemeinden darstellten. Der Ofen fuhr durch die Gemeinden und
verbrannte das, was noch nicht im Feuer der Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes gel a utert war. Es fing bei den
Leitern an und ging dann auch auf die Gemeindeglieder uber. Die ganzen Gemeinden wurden durch das Feuer
des Schmelzofens gela utert und geheiligt! Was vom Geist war, das hatte Bestand und wurde gereinigt, was vom
Fleisch war, das wurde verbrannt. Der Schmelzer Gottes wird durch die Gemeinden in der deutschsprachigen
Schweiz gehen und die Werke des Fleisches verbrennen. Jesus will seine Gemeinde la utern, reinigen und heili-
gen.–Dann bekam ich eine Bibelstelle zu dieser Vision: Mal 3,1-4 und 22-24:
ü Siehe, ich sende meinen Boten, damit er den Weg vor mir her bereite. Und plotzlich kommt zu seinem Tem-
pel der Herr, den ihr sucht, und der Engel des Bundes, den ihr herbeiwu nscht, siehe, er kommt, spricht der
HERR der Heerscharen. Wer aber kann den Tag seines Kommens ertragen, und wer wird bestehen bei sei-
nem Erscheinen ? Denn er wird wie das Feuer eines Schmelzers und wie das Laugensalz von Waschern sein.
Und er wird sitzen und das Silber schmelzen und reinigen, und er wird die Sohne Levi reinigen und sie lau-
tern wie Gold und wie Silber, so daé sie <Manner> werden, die dem HERRN Opfergaben in Gerechtigkeit
darbringen. Dann wird die Opfergabe Judas und Jerusalems dem HERRN angenehm sein, wie in den Tagen
der Vorzeit und wie in den Jahren der Vergangenheit.ß(Mal 3,1-4)
Wir alle sehnen uns nach einer neuen Beru hrung des Heiligen Geistes, nach einer Erweckung in den Gemeinden,
danach, dass der Herr selbst seine Gemeinde besucht und dass die u bernatu rliche und herrliche Gegenwart Gottes
in unseren Leben und Versammlungen sichtbar wird. Gott mo chte die Gemeinde mit dem Saum seines Gewandes
beru hren und er tut es auch bereits. Einerseits spu ren und sehen wir die Vorboten einer Erweckung, andererseits
ist uns bewusst, dass es nicht ohne Gericht Gottes, das zuerst beim Hause Gottes beginnt (1Petr 4,17), abgehen
kann. Wir wu nschen uns so sehr, dass der Engel des Bundes, dass der Herr plo tzlich zu seinem Tempel kommt.
Doch bevor er in Herrlichkeit kommt, sendet er das Feuer seiner Heiligkeit und Gerechtigkeit in die Gemeinde.
Er sendet den Schmelzer, der alles und jeden lautern und reinigen wird. Mit den So hnen LeviÖs ist einerseits das
Volk Israel gemeint, dass nicht nur eine Nation, sondern wieder ein geistliches Volk werden soll. Gott mo chte
sein Volk wiederherstellen. Andererseits stehen die So hnen LeviÖs auch fu r ein allgemeines Priestertum unter den
Glaubigen (1Petr 2,4-10). Der Herr Jesus will seine Gemeinde bauen und Dienste und Gaben freisetzen und wie-
derherstellen (Eph 4,11-15). Dafu r braucht er keine Profis oder einen Klerus, sondern jeden Glaubigen, der bereit
ist, sich dem Feuer seiner Heiligkeit und Gerechtigkeit zu stellen. Nur durch seine Gnade ko nnen wir bestehen.
Beten wir, dass wir nicht zu voreilig sind mit der Erweckung, und dem Feuer des Schmelzers, das zuvor kommt,
ausweichen wollen! Wenn Gott die So hne LeviÖs, dass allgemeine Priestertum wiederhergestellt und die Gemein-
den von Su nde gereinigt hat, dann wird auch seine Herrlichkeit und Kraft offenbar werden und manifest sein.
Dann werden wir dem Herrn der Gemeinde Lobpreis und Anbetung geben, sowie Dienste fu r IHN tun, die ihm
wohlgefallig sind und an denen er sich erfreuen kann.
ü Haltet im Gedachtnis das Gesetz meines Knechtes Mose, dem ich am Horeb fu r ganz Israel Ordnungen und
Rechtsbestimmungen geboten habe. Siehe, ich sende euch den Propheten Elia, bevor der Tag des HERRN
kommt, der groé e und furchtbare. Und er wird das Herz der Vater zu den Sohnen und das Herz der Sohne zu
ihren Vatern umkehren lassen, damit ich nicht komme und das Land mit dem Bann schlage.ß(Mal 3,22-24)

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Gott mo chte auch die Liebe und die Tiefe zu seinem Wort wiederherstellen! Der Geist Gottes wird in der nachs-
ten Zeit bereits offenbarte, aber im Laufe der Zeit verloren gegangene Wahrheiten des Wortes Gottes wiederbe-
leben und erneut offenbaren. Das Wort Gottes soll wieder seinen von Gott bestimmten Platz im Leben der Glau-
bigen einnehmen. Leben wir ein Christsein ohne die Wahrheit seines Wortes oder nur mit Halbwahrheiten, weil
wir sein Wort nicht so ernst nehmen, dann leben wir in einer Scheinwelt von Tauschung und Lu ge. Es fehlt uns
auch an Unterscheidung, weil wir sein Wort nicht mehr kennen. Gott wird neue Erkenntnis seines Wortes geben.
Dann wird der Prophet Elia kommen. Die apostolisch-prophetischen Dienste, die bereits am kommen sind. Doch
Gott mo chte dadurch nicht nur Zeichen, Wunder und u bernatu rliche Offenbarung wirken, sondern sein Ziel durch
diese Dienste ist, echte Verso hnung zu wirken und die Vaterschaft Gottes in seinem Volk wiederherzustellen.
Mose und Elia stehen fu r Apostel und Propheten, aber vor allem fu r den Dienst der Vaterschaft Gottes! Halten
wir uns nicht an sein Wort und nehmen es als unsere Grundnahrung zu uns und nehmen wir die Dienste, die Gott
der Gemeinde schenkt nicht an, dann werden wir weiterhin unter den schon bestehenden Flu chen leiden und noch
mehr Finsternis wird in die Gemeinden kommen. So lasst uns den Schmelzer Gottes empfangen, damit wir Ge-
fasse werden, gebrannt in seinem Feuer der Heiligkeit und Gerechtigkeit, damit wir auch seine Herrlichkeit und
Kraft aufnehmen ko nnen. Er will eine reine und herrliche Braut, eine vollkommene Gemeinde Jesu! Perso nlich
glaube ich, dass sich diese Vision, vor allem aber die Prophetien aus Maleachi, in unserer Zeit und vor unseren
Augen erfu llen werden.

10.4.2 Aufgabe Praxis Workshop


1. Setzt euch in Gruppen von 4 Personen zusammen und lest die Prophetie noch einmal vor. Disku-
tiert u ber die Art, die schriftliche Form und den Inhalt der Prophetie.
2. Diskutiert u ber die “Prophetische Bewegung– unserer Zeit. Analysiert Starken und Schwachen.
3. Uberlegt euch und tauscht daru ber aus, ob und wie ihr euch in eine “Prophetische Gemeinschaft–
eingliedern und darin reifen wollt. Dann fragt euch gegenseitig die 10 Anti -Missbrauch-Gebote
ab.
4. Diskutiert das Thema “Prophetische A ltestenschaft–. Ware dies in deiner Gemeinde mo glich?
Macht konkrete Vorschlage der Umsetzung. Welche Personen kamen dafu r in Frage?

D. ANHANG 1
1. EIN GEBET UM DEN GEIST DER PROPHETIE; EPH 1,15-19
Vater, ich sehne mich danach, dass Du mir den Geist der Weisheit schenkst, die kostbare Furcht des
Herrn. Ich rufe den Geist der Offenbarung auf mein Leben herab und heisse die Fu lle Deines Heiligen
Geistes in mir willkommen. Gewahre mir die Gnade, Jesus ganz perso nlich, u bernatu rlich zu kennen.
Beschenke mich mit Deiner Gegenwart, damit ich Dich u ber verstandesmassiges Wissen hinaus ken-
nenlernen kann. Ich mo chte Dich kennenlernen, Herr, genauso wie ich von Dir erkannt bin. Ich bitte
Dich darum, mir die Augen meines Herzens zu o ffnen, wenn Du mich in meinem inneren Wesen mit
Wellen Deines offenbarenden Lichts u berflutest. Erfu lle mein Herz mit Deiner herrlichen Gegenwart,
damit ich die Hoffnung Ä die positive Erwartung des Guten - Deiner Berufung, Deiner Absichten und

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Deiner Bestimmung fu r mein Leben erkennen kann. Sei mir gnadig, damit ich mit dem reichhaltigen
Vorrat Deines herrlichen Erbes in Beru hrung komme, was Du in mich hineingelegt hast, so wie ich
schon jetzt ein Tempel des Heiligen Geistes bin. Ich verku nde, dass aus dieser Schatzkiste viele geist-
liche Guthaben und Auszahlungen weitergegeben werden. Ich bete auch, dass Dein Licht mein Wesen
durchflute, damit ich die u bermassige Gro sse Deiner Kraft fu r mich erkennen und erfahren kann. Ma-
che aus mir einen glaubenden Christen. All dies soll geschehen zur Ehre und Herrlichkeit Deines
grossartigen Namens auf der Erde. Amen!123

2. EIN BILD FU R PROPHETIE Ü DIE TROMPETE; 1KOR 14,8


“Und wenn die Posaune (man kann genauso gut “Trompete– u bersetzen) einen undeutlichen Ton gibt,
wer wird sich zum Kampf ru sten?– Die Trompete Ä ganz gleich ob sie aus Eisen, Bronze, Silber oder
Kupfer getrieben wurde Ä ist ein Musikinstrument mit einem besonders durchdringenden und oft
schmetternden Klang. Da sie im Altertum keine Ventile hatte und deshalb zum Spielen von Melodien
nicht geeignet war, blies man auf ihr fanfarenartige Signale. So gewann sie im Kult, also in der zur
gottesdienstlichen Feier versammelten Gemeinde, eine Bedeutung. Die Trompeten und die Posaunen
wurden miteingesetzt im Ablauf des gottesdienstlichen Geschehens und spielten mit anderen Musi k-
instrumenten zusammen zum Lobe Gottes (s. Ps 150). Von daher geho rten sie auch, genauso wie Wol-
kendunkel, Finsternis und Sturm, hinein in die biblischen Beschreibungen der Theophanien, der
besonderen Erscheinungen Gottes. Auch im kriegerischen Kampf hat die Trompete ihren festen Platz.
Unterschiedliche Trompetensignale rufen ganze Truppenverbande und oft genug grosse Heerscharen
zum Sammeln, zum Angriff oder zum Ru ckzug. Insofern muss das Trompetensignal im Kampf fu r die
Soldaten gut ho rbar und in seiner Botschaft klar erkennbar sein. Im Getu mmel der Schlacht verstarkt
es dazu das Kriegsgeschrei der Soldaten, erschreckt die Feinde und bringt die Reihen der Gegner in
Verwirrung. Es kann nicht falsch sein, beim Nachdenken u ber das Bild der Trompete in 1Kor 14,8
auch
u ber den Stellenwert der Trompete heute, beispielsweise in einem Symphonieorchester, nachzud en-
ken. Hier ist die Trompete neben den Blas-, Streich-, Zupf- und Schlaginstrumenten eine der wichtigs-
ten Stimmen. Oft schweigt die Trompete, oft ist sie eingefu gt in die Melodiefu hrung der anderen tra-
genden Instrumente, und manchmal geben die Trompeten einer betonten Stelle ihren besonderen
Glanz und verleihen der Symphonie Festlichkeit. Neben Klavier-, Violin- und Flo tenkonzerten gibt es
auch Trompetenkonzerte. Hier tragt das Klangvolumen des Orchesters die sich entfaltende Tromp e-
tenstimme, die sich mal sensibel und melodio s zuru ckhalten kann und die dann wiederum ihre ganze
Kraft und Eleganz, besonders in schwindelerregender Ho henlage, zu zeigen vermag. Immer hat sich
der Trompeter der Fu hrung des Dirigenten unterzuordnen und sich an die Notierungen der Partitur zu
halten; nur in der sogenannten Kadenz ist ihm allein u berlassen, wie er mit seiner Trompete an dieser

123
J. Goll: Prophetische Fu rbitte, S.110.
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Stelle des Konzertes spielt. All dies schwingt mit, wenn Paulus in 1Kor 14,8 schreibt: “Wenn die
Trompete einen undeutlichen Ton gibt, wer wird sich zum Kampf ru sten?– Das prophetische Reden
ist Ä gerade im Unterschied zu den esoterischen und ekstatischen Formen des Redens im korinth i-
schen Gottesdienst Ä wie das deutliche Blasen der Trompete vor der Truppe im kriegerischen Kampf
und wie die durchdringende Stimme der Trompete im Symphonieorchester. Prophetisches Reden ist
tatsachlich wie die Stimme der Trompete in einem Symphonieorchester; sie ist auch so wie der Ton
einer Flo te oder Harfe (1Kor 14,7); manchmal ist sie wie ein spitzer Pfeil, der l ange Zeit im Ko cher
verwahrt wurde, dann aber auf einen Bogen gespannt und abgeschossen wird (Jes 49,2); oft ist pr o-
phetische Rede wie der Schleuderstein, mit dem David Ä die Riesenru stung des Saul war ihm viel zu
schwer Ä den Goliath zur Strecke brachte (1Sam 17); und prophetisches Reden ist wie ein zwei-
schneidiges, scharfes Schwert, das trifft und scheidet (Jes 49,2; Eph 6,17; Offb 1,16). 124

3. PROPHETISCHES ESSEN
- Dein Wort ward meine Speise, sooft ich's empfing, und dein Wort ist meines Herzens Freude
und Trost; denn ich bin ja nach deinem Namen genannt, HERR, Gott Zebaoth (Jer 15,16).
- Iss diese Rolle, und geh hin, rede zum Haus Israel! Und ich o ffnete meinen Mund, und er gab
mir diese Rolle zu essen. Und er sprach zu mir: Menschensohn, deinem Bauch gib zu essen, und
deinen Leib fu lle mit dieser Rolle, die ich dir gebe! Und ich a« sie, und sie war in meinem Mun-
de su wie Honig (Hes 3,1-4).
- Es steht geschrieben: »Nicht von Brot allein soll der Mensch leben, sondern von jedem Wort,
das durch den Mund Gottes ausgeht. (Mt 4,4).
- Und ich nahm das Bu chlein aus der Hand des Engels und ass es auf; und es war in meinem
Mund su wie Honig, und als ich es gegessen hatte, wurde mein Bauch bitter gemacht. Und sie
sagen mir: Du mu«t wieder weissagen... (Offb 10,10-11a).

E. ANHANG 2
1. VERZEICHNIS VON ZITIERTER LITERATUR ZUM THEMA
- Bill Hamon: Apostel und Propheten. ü 2000 Dr. Bill Hamon. ISBN 3-930764-05-9.
- Wayne A. Grudem: Die Gabe der Prophetie im Neuen Testament und heute. ü 1994 Immanuel Verlagsge-
sellschaft GmbH, Bernhardstr. 12, 90431 Nu rnberg. ISBN 3-930168-01-4.
- Ulrich Wendel: Die erstrebenswerte Gabe. Prophetie in der christlichen Gemeinde heute Ä neutestamentliche
Erkundungen. ü 2000 Aussaat Verlag. ISBN 3-7615-5126-6.
- Arnold G. Fruchtenbaum: Handbuch biblischer Prophetie. ü 1991 Verlag Klaus Gerth, Asslar.
2.Paperbackauflage 1994. ISBN 3-89437-266-4.

124
H. Frische: Prophetische Bilder, auszugsweise S.61-68.
ü Peter Winzeler, Vonwilstr. 29, 9000 St.Gallen 31.08.01 64
GB 1799 Prophetischer Dienst Diplomarbeit

- Rick Joyner: Eine prophetische Vision fu r das 21.Jahrhundert. 1.Aufl.Sept.2000 ü Schleife Verlag CH-8411
Winterthur. ISBN 3-907827-08-2.
- Rick Joyner: Uberwindung des Religio sen Geistes. 4.Aufl. 1998. ü 1996 Neues Land, CH-3452 Gru nen-
matt.
- Steve Thompson: Alle ko nnen prophetisch reden. 1.Aufl.August 2000 ü Schleife Verlag CH-8411 Winter-
thur. ISBN 3-907827-07-4.
- Hugh Thompson: Wesen und Dienst der Prophetie. ü 1992 Deutsche Ausgabe Dynamis Verlag, 8280 Kreuz-
lingen. ISBN 3-85645-080-7.
- Ernest B. Gentile: Eure So hne und To chter werden weissagen. ü 1999 by Asaph Verlag, D-Lu denscheid.
ISBN 3-931025-46-2.
- Graham Fitzpatrick: Traume und Visionen. ü deutschsprachige Ausgabe by Verlag C. M. Fliss, Hamburg.
ISBN 3-922349-85-4.
- James Ryle: Ein Traum wird wahr. Spricht Gott auch heute durch Traume und Visionen? ü 1999 Verlag
R.Hassmann, Bussardstr.33, 90766 Fu rth. ISBN 3-932491-15-7.
- R.Douglas Wead: Offenbarung des Verborgenen. ü der deutschen Ausgabe 1977 by Leuchter-Verlag eG,
Erzhausen bei Darmstadt. ISBN 3-87482-062-9.
- Jack Deere: Uberrascht von der Kraft des Heiligen Geistes. Projektion J ü 1995. ISBN 3-89490-053-9.
- Jack Deere: Uberrascht von der Stimme Gottes. Projektion J ü 1997. ISBN 3-89490-140-3.
- Mike Bickle: Prophetie oder Profilneurose. Projektion J ü D-Wiesbaden. ISBN 3-89490-107-1.
- Mike Bickle: Schweiz 91-Schritte zur Erweckung, Kongressmaterial u ber Prophetie. ü 1989 by Mike Bickle
und Rick Coloquhoun.
- John Paul Jackson: Seminarunterlagen zum Thema Prophetie. ü 1992 Basileia Publications.
- Kjell Sjo berg: Prophetische Gemeinde. ü 1994 Immanuel Verlagsgesellschaft mbH, Bernhardstr. 12, 90431
Nu rnberg. ISBN 3-930168-02-2.
- John & Paula Sandford: EliaÖs Auftrag, Gottes Ruf in den prophetischen Dienst. ü der deutschen Ausgabe
1992, Verlag Gottfried Bernhard Solingen. ISBN 3-925968-21-0.
- Cindy Jacobs: Der Prophet in Dir. ü 1996 Asaph-Verlag, D-Lu denscheid. ISBN 3-931025-15-2.
- Ed Traut: Der Herr redet. Biblische Fakten u ber Prophetie. ü 1995 Aufbruch Verlag der Gemeinde auf dem
Weg, Berlin. ISBN 3-926395-20-6.
- Bruce Yocum: Prophet und Prophetie. ü 1990 Leuchter Verlag. ISBN 3-87482-149-8.
- Barbara Wentroble: Wunder erleben, mit prophetischer Fu rbitte Gottes Segen freisetzen. ü 2000 by Gerth
Medien GmbH, Asslar. ISBN 3-89490-300-9.
- Jim W. Goll: Prophetische Fu rbitte. ü 1.Aufl. 2000 Aufbruch-Verlag. ISBN 3-926395-27-3.
- Hartmut Frische: Prophetische Bilder. ü 2000 Aussaat Verlag. ISBN 3-7615-5127-4.
- Francis Frangipane: Der Ort der Bewahrung. ü 1996 Verlag Gottfried Bernard, ISBN 3-925968-77-6.
- Francis Frangipane: Geistlicher Kampf auf drei Ebenen. ü 1990 Verlag G. Bernard, ISBN 3-925968-28-8
- Michael Winkler: Manuskript Gemeindeaufbau Ä Grundlagen. Treffpunkt Leben, D-71282 Hemmingen
1999.
- Siegfried Grossmann (Herausgeber): Handbuch Heiliger Geist. ü R. Brockhaus Verlag Wuppertal 1999.
ISBN 3-417-24682-2.

ü Peter Winzeler, Vonwilstr. 29, 9000 St.Gallen 31.08.01 65


GB 1799 Prophetischer Dienst Diplomarbeit

- Macher Manfred: In allem muss er der erste sein. Eine Christologie. Eigenverlag von Pfr. Manfred Macher,
Ceresstr.17, 8008 Zu rich. ü 1999 Zu rich.
- Reinhold Ulonska: Gott hat gesetzt, Auftrag und Aufgabe der charismatischen A mter. ü 1995 Leuchter-
Verlag eG, 64390 Erzhausen. ISNB 3-87482-180-3.
- Wolfgang Simson: Hauser,die die Welt verandern. ü 1999 Koinonia-Verlag. ISBN 3-906644-38-3.

1.1 Weiterfu hrende Literatur zum Thema Prophetie


- Rodney Howard Browne: Im Strom des Heiligen Geistes. ü 1995 Mega Medien, ISBN 3-931550-31-1.
- James Ryle: Das Nilpferd, der Garten und die Stimme Gottes. Prophetisches Reden im 21.Jahrhundert. Pr o-
jektion J ü 1993, D-Wiesbaden. ISBN 3-89490-006-7.
- Rob Robinson: Feste Fundamente, das Kommen der apostolisch-prophetischen Dienste in unserer Generati-
on. ü 1993 Christliche Gemeinde Ko ln. ISBN 3-926784-17-2.

1.1.1 Englische Literatur zur Prophetie


- Kenneth E. Hagin: The gift of prophecy. ü 9.Printing 1982, Kenneth Hagin Ministries, Inc. Tulsa, Oklaho-
ma 74150. ISBN 0-89276-015-X.
- Kenneth E. Hagin: The ministry of a prophet. ü 9.Printing 1981, Kenneth Hagin Ministries, Inc. Tulsa, Ok-
lahoma 74150. ISBN 0-89276-009-5.
- Daniel A. Brown: Prophets, prophecy and prophesying in the local church. ü 1996 commended to the word,
280 State Park Drive, Aptos CA 95003.
- Dr Lester Sumrall: The gifts and ministries of the Holy Spirit. ü 1982 by Lester Sumrall, South Bend, India-
na 46624. ISBN 0-89274-189-9.

2. QUELLENNACHWEIS KASSETTEN
- Graham Cook und Michael Schiffmann: Wiederherstellung des apostolischen Dienstes. CTZ-Medien, Neuer
Weg 10, D-30982 Pattensen.
- Michael Schiffmann und Ju rgen Klammt: Grundlagen Prophetie & Pastor und Prophet. ü 1999, CTZ-
Medien.
- John Paul Jackson: Prophetie Ä Herausforderung in der Praxis. April 1997. Basileia Vineyard Bern.
- Wolfgang Simson: Hausgemeinde und der fu nffaltige Dienst. Kaleb-Gemeinde 1999, 9100 Herisau.
- Tony Fizzgerald: Apostel und Propheten. Kaleb-Gemeinde 1999, Eggstr. 21, 9100 Herisau.
- Michael Winkler: Prophetischer Dienst heute. Oktober 2000. MCS, Postfach, 9013 St.Gallen
- Erich Reber & Anni Bartsch: Prophetie- und Fu rbitteseminar. Pfingsten 2000 St.Moritz. Eine Vision GR.
- Gerald & Susan Nikirk: Manipulation & Charismatische Zauberei. Nikirk Ministries, Connecticut USA.

3. U BERSETZUNGEN
- Computerbibel: Bibleworks 95, Version 3.5, ü 1996 Michael S.Bushell
- New King James Version 1982
- Revidierte Lutheru bersetzung 1984
- Revidierte Elberfelderu bersetzung 1993
- Die Heilige Schrift; ü 1955 Verlag der Zu rcher Bibel, Zu rich, revidierte Auflage 1987
- Nestle-Aland: Novum Testamentum Graece. ü 1898 und 1993 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart. 27.Aufl.
ü Peter Winzeler, Vonwilstr. 29, 9000 St.Gallen 31.08.01 66
GB 1799 Prophetischer Dienst Diplomarbeit

- David H. Stern: Das ju dische Neue Testament. ü 1994 Hanssler-Verlag, ISBN 3-7751-1626-5.
- Die Heilige Schrift; Naftali Herz Tur-Sinai. ü 1993. 2.Aufl. 1995, Hanssler-Verlag Neuhausen-Stuttgart.

4. KOMMENTARE, LEXIKA UND EINLEITUNGSLITERATUR


- W.S. La Sor / D.A. Hubbard / F.W. Bush; Das Alte Testament. Entstehung Ä Geschichte Ä Botschaft. Hrsg.
von H. Egelkraut. ü 1989 der deutschen Ausgabe, Brunnen Verlag Giessen
- W.H. Schmidt; Einfu hrung in das Alte Testament. 3., erw. Aufl. Ä Berlin; New York: de Gruyter, 1985.
ISBN 3-11-010403-2.
- A.C. Gaebelein; Kommentar zum Alten Testament. Band 2, Esra Ä Maleachi. 1. Auflage 1998, ü der deut-
schen Ausgabe by Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg. ISBN 3-89436-152-2.
- D. Guthrie / J.Alec Motyer: Kommentar zur Bibel. ü 1980 der deutschen Ausgabe, 1.Taschenbuchauflage
1998, R.Brockhaus Verlag Wuppertal, ISBN 3-417-20727-4
- Fritz Rienecker: Wuppertaler Studienbibel Ä Neues Testament. Hrsg.: W. de Boor und A. Pohl. ü 1983 R.
Brockhaus Verlag Wuppertal und Zu rich.
- David H. Stern: Kommentar zum ju d. Neuen Testament. ü 1996 Hanssler-Verlag, ISBN 3-7751-2592-2.
- William MacDonald: Kommentar zum NT. ü 1994 by CLV Christliche Literatur-Verbreitung, Postfach 11
01 35, 33661 Bielefeld. ISBN 3 -89397-378-8.

5. LEXIKA UND WO RTERBU CHER


- Kurt Hennig: Jerusalemer Bibellexikon, ü 1990 Hanssler-Verlag Neuhausen-Stuttgart.
- R. Brockhaus: Das grosse Bibellexikon, Band 1-6. ü der deutschen Ausgabe 1987, R. Brockhaus Verlag
Wuppertal und Zu rich. 1.Taschenbuchauflage 1996. Hrsg. Dr. Helmut Burkhardt.
- J. Hanselmann, U. Swarat: Fachwo rterbuch Theologie. 2.Auflage, Wuppertal, Brockhaus, 1996.
- Fritz Rienecker: Sprachlicher Schlu ssel zum Griechischen Neuen Testament, nach der Ausgabe von D. Eber-
hard Nestle. ü 1950 Brunnen Verlag Giessen. 20.Auflage 1997.
- Erwin Preuschen: Griechisch-deutsches Taschenwo rterbuch zum Neuen Testament. ü 1996 Walter de Gruy-
ter & Co., D-10785 Berlin. 7. Auflage.
- G. Kittel: Theologisches Wo rterbuch zum NT, Band V, Studienausgabe 1990. ü 1990 W. Kohlhammer
GmbH Stuttgart-Berlin-Ko ln. ISBN 3-17-011204-X.
- L. Coenen: Theologisches Begriffslexikon zum NT. Studien-Ausgabe Band 2: J-Z. 4.Auflage der Gesamt-
ausgabe. ü 1977 Theol. Verlag R.Brockhaus Wuppertal. ISBN 3-7974-4849-x.

ü Peter Winzeler, Vonwilstr. 29, 9000 St.Gallen 31.08.01 67


10 PUBLIREPORTAGE ideaSchweiz l 09/2008

Umsetzung der grossen Studienreform

Neue Lernfelder bei IGW


Mit grundlegenden Neue- bildung versteht:
rungen richtet IGW sich noch Hier wird auf al-
stärker auf sein Hauptziel len Gebieten der
aus, Menschen umfassend Theologie das für
für ihren Dienst auszubilden. den Dienst not-
IGW hat die grosse europä- wendige Fachwis-
ische Bildungsreform zum Michael sen vermittelt. Die
Anlass genommen, sein Aus- Girgis Praxis, bei IGW
bildungskonzept grundsätz- immer schon ein
lich zu überarbeiten und sich, wichtiges Ausbildungselement,
so Co-Rektor Michael Girgis, wird noch stärker in den Stu-
«noch einmal neu zu erfin- diengang eingebunden, so dass
den.» im praktischen Dienst erwor-
bene Kompetenzen dem Studi-
Zum Start des Studienjahres um nun angerechnet werden
im September 07 wurden daher können. Im Bereich Praxisbe-
teilweise tiefgreifende Neue- gleitung schliesslich werden in
rungen lanciert. So orientiert neu entwickelten Kursmodulen
sich das Bachelor-Programm die grossen Ausbildungsthemen
(BA), das Männer und Frauen Persönlichkeitsentwicklung und
in 4 Jahren für ihren Dienst in Jüngerschaft über die gesamten
Gemeinden oder christlichen 4 Jahre des Studiums vertieft.
Werken ausbildet, neu an drei Ausführliche Informationen zur
«Lernfeldern»: Theorie, Praxis grossen Studienreform finden
und Praxisbegleitung. Sie auf www.igw.edu ➝ Ausbil-
Theorie deckt ab, was man ge- dung ➝ Studienreform 2010.
meinhin unter schulischer Aus- Cla Gleiser, Studienleiter IGW

Neue Fachrichtung bei IGW

Studiengang Missionale Theologie


Der Ruf nach qualifizierten und biblische Fächer), prak- Relevanz für Ge-
und missionarischen Fach- tischer Theologie, Missiologie meindebau und Studiengang
kräften in Werken, Gemein- und Sozialdiakonie steht IGW- Evangelisation in
Bachelor of Arts (BA)
deverbänden und Missions- Studenten ab September 2008 unserer Gesell- Ziel: vollzeitlicher Dienst in
gesellschaften wird immer ein Studiengang in missionaler schaft. Die Aus- Gemeinde oder Mission
lauter. Spürbar ist vor allem Theologie offen. Die neue Fach- bildung bei IGW Voraussetzung: abgeschlossene
der Mangel an klassischen richtung hat folgende Schwer- Helmut vermittelt zu- Berufslehre
Evangelisten. Für den Dienst punkte: Kuhn künftigen Pionie- Dauer: 4 Jahre (180 Credits)
an Bevölkerungsgruppen aus ren und Gemein-
orientalischen bzw. übersee- 1. Evangelisation im degründern in diesen Bereichen
Studiengang Master
ischen Ländern werden auch nachchristlichen Europa Fachkompetenz und Perspektive.
of Theology (BTh-MTh)
Inlandmissionare gesucht. Seit einigen Jahren fehlen zu-
Gerade die Ausbildung zum nehmend Evangelisten für Ge- 3. Transkulturelle Mission Ziel: vollzeitlicher Dienst in
Missionsdienst unter Mos- meinden und spezielle überge- Mission findet vor unserer eige- Gemeinde oder Mission
lems wird zunehmend an meindliche Anlässe. Wir sind nen Haustüre statt. Religionen Voraussetzung: Matura/Abitur
Wichtigkeit gewinnen. überzeugt, dass dieser Dienst und Weltanschauungen aus Dauer: 5 Jahre (300 Credits)
für die Zukunft wieder verstärkt verschiedenen Kulturen prägen
IGW stellt sich diesen neuen gefragt sein wird. IGW wird sich unsere Gesellschaft. Gerade der
Studiengang igw.network
Herausforderungen und rüstet vermehrt für die Gewinnung Dienst unter Moslems wird an
Menschen zum Dienst aus – und Ausbildung von Menschen Wichtigkeit zunehmen. IGW Ziel: ehrenamtliche Mitarbeit in
nicht nur für die bisherigen einsetzen, die in diesem Dienst wird Studierende befähigen, das der Gemeinde
klassischen Missionsländern, ihre Zukunft sehen. Evangelium in einer multikul- Voraussetzung: abgeschlossene
sondern gerade auch für das turellen Gesellschaft weiterzu- Berufslehre
europäische Umfeld. Aus die- 2. Gemeindegründung und geben. Dabei sucht das Institut Dauer: 1 Jahr (30 Credits) mit
sem Grund erweitert IGW sein Gemeindebau bewusst die Zusammenarbeit Anschlussmöglichkeit an BA
Angebot an Fachrichtungen auf Europa ist zum klassischen Mis- mit evangelistisch und missio- oder BTh-MTh
BA-Niveau: Neben Theologie sionskontinent geworden. Damit narisch tätigen Partnern. www.igw.edu
(Schwerpunkt systematische gewinnt die Thematik «Mission» Helmut Kuhn, Direktor EE

Illustration: www.gleiser.ch
10 PUBLIREPORTAGE ideaSchweiz l 14/2008

Kirche und Sozialarbeit

Virtuelle Sozialdiakonie?
«Wenn die Kirchen mehr keine sinnvolle stören so das uns anvertraute
leben würden, was sie pre- Beschäftigung Evangelium, weil wir die Bot-
digen, dann würden Leute und können auch schaft der Liebe und Gnade
wie ich auch wieder hinkom- grundlegende He- nicht leben.»
men.» In den Kirchen wird rausforderungen Die drei Ur-Aufträge, die den
zwar viel unternommen, um des Lebens nicht Zweck der Kirche ausma- IGW bietet mit seinem ge-
dieser Kritik zu begegnen. Olivier mehr alleine be- chen, wollen wieder gemein- meindeintegrierten und praxis-
Aber für den grossen Teil der Enderli wältigen. sam wahrgenommen werden: orientierten Modell seit über
Gesellschaft ist die gute Nach- Die Erkenntnis Bezeugung des Evangeliums 15 Jahren neue Ansätze in der
richt von Jesus Christus, wie wächst, dass die Kirchen ihre (Martyria), die Anbetung Gottes theologischen Ausbildung. Der
sie von der Kirche verkündet gesellschaftliche Verantwor- (Liturgia) und schliesslich der Schwerpunkt der neuen Fach-
wird, zu wenig greifbar. tung neu wahrnehmen müs- praktische Dienst am Menschen richtung Sozialdiakonie besteht
sen. Hans-Peter Lang, Gründer (Diakonia). Daraus wächst eine im Verständnis des Zusammen-
Gleichzeitig gibt es immer mehr und Leiter der Aargauer Stif- ganzheitlich aktive, lebendige spiels von Sozialarbeit, Manage-
Menschen, die am Rande stehen tung Wendepunkt, moniert, Gemeinde, wo der Dienst am ment und Theologie. Studie-
und durch die Maschen des So- dass wir «die christlichen Menschen durch die Menschen rende im Bachelor-Programm
zialstaates fallen. Die verschie- Werte Wahrheit und Fürsorge in den Kirchen geschieht und absolvieren das Grundstudium
denen Sozialwerke sind ange- – Grundlage des christlichen nicht nur an kirchliche Sozial- (2 Jahre) komplett bei IGW, bevor
sichts zunehmender Not und Abendlandes – verlassen ha- werke delegiert wird. Mit die- sie im Aufbaustudium (3. und 4.
abnehmender Mittel nicht mehr ben. Die Kirche verkündet zwar sem Bild vor Augen brechen Jahr) Kurse im Bereich Sozialdia-
in der Lage, genügend Hilfe zu gesellschaftlich relevante So- Gemeinden auf zu einem neu- konie bei der Fachschule für So-
leisten. Menschen in unserem zialdiakonie, aber diese bleibt en Abenteuer von Kirche, die zialmanagement besuchen und
Land erhalten zwar finanzielle ein rein virtuelles Angebot. Wir lebt, was sie predigt. ein dreimonatiges Praktikum in
Unterstützung, sind aber trotz- Christen haben unsere Glaub- einem christlichen Sozialwerk
olivier Enderli, Projektleiter FSSM
dem einsam, überfordert, haben würdigkeit verloren und zer- absolvieren.

Alternativ besteht die Möglich-


keit, die zweijährige, berufsbe-
IGW und FSSM: eine «sehr wichtige» Partnerschaft
gleitende Weiterbildung zum

Die Herausforderung packen


„Sozialmanager“ an der Fach-
schule für Sozialmanagement
zu besuchen. Auch auf diesem
Weg ist es möglich, nachträglich
Eine Kirche, die ihr sozial- meindearbeit ist. Ruedi Eggenberger, Jugendar-
über IGW einen Abschluss auf
diakonisches Engagement Durch die Kurse beiter der Evangelischen Kirch-
Bachelor-Stufe nachzuholen.
aufbauen will, sieht sich mit an der Fachschu- gemeinde Niederuzwil, ist Ab-
Herausforderungen konfron- le für Sozial- solvent des BA-Studienganges
tiert, denen vor dem Hin- management er- in der Fachrichtung Sozialdia-
tergrund einer rein theolo- kannte ich, wie konie, die IGW im Jahr 2006 in
gischen Ausbildung schwer Ruedi die praktische Zusammenarbeit mit der Fach-
zu begegnen ist. Häufig feh- Eggenberger Umsetzung der schule für Sozialmanagement
len Wissen und Erfahrung Theologie bei lanciert hat.
Die Fachschule für Sozialma-
für den Aufbau von Behör- Menschen ausserhalb der Ge-
Cla Gleiser, Studienleiter IGW nagement bietet eine Weiterbil-
denkontakten und die Er- meinden aussehen kann. In
dung für Menschen an, die sich
arbeitung von Betreuungs- dieser Kombination kommen
im diakonischen und sozialen
konzepten. Projekte müssen Worte und Taten in ein Gleich- Beispiele aus der Praxis
Bereich engagieren, Projekte re-
geplant, Märkte analysiert, gewicht, das mein Denken und
• Chrischona Frauenfeld, alisieren oder Führungsverant-
Businesspläne entwickelt Handeln befruchtet. Ich will
Stiftung Wetterbaum, wortung übernehmen wollen.
und Finanzen beschafft wer- für mich als Jugendarbeiter
www.wetterbaum.ch Das modular aufgebaute Kurs-
den. Die Ausbildungspartner verstehen, wie ich meine Arbeit
angebot umfasst die Fachbe-
Fachschule für Sozialma- effizienter und gesellschaftsre- • Heilsarmee Huttwil, Beschäfti- reiche Management, Sozialar-
nagement (FSSM) und IGW levanter gestalten kann. Denn gungsprogramm Leuchtturm, beit und Theologie. Es wird mit
haben sich das Ziel gesetzt, ich bin überzeugt: Mit Worten www.projekt-leuchtturm.ch einem Praxiseinsatz abgerundet.
Menschen für diesen Dienst allein verändert man keine
• GvC Winterthur, Stiftung Auch der Besuch einzelner Kurse
grundlegend und praxis- Gesellschaft – aber mit auf-
Quellenhof, www.qhs.ch als Gasthörer ist möglich.
tauglich auszubilden. opfernder Liebe und Hingabe,
Gegründet wurde die Schule im
wie das Beispiel von William • Vineyard Bern, DaN,
Jahr 2004 von der Stiftung Wen-
«Für mich ist die Zusammen- Booth, Gründer der Heilsar- www.vineyard-dan.ch
depunkt.
arbeit von IGW und FSSM sehr mee zeigt. Oder auf mich als • ICF Zürich, Stiftung ACTS,
wichtig. In meiner Ausbildung Vater bezogen: Was bedeutet www.icf.ch/acts.html www.igw.edu
am IGW bekam ich die Grund- meinem Kind mehr? Wenn ich
• EMK Zürich 4, NetZ4, www.sozialmanager.ch
lage, welche Sicht Gott von den ihm sage, dass ich es liebe oder
Menschen hat, wie Gemeinde wenn ich es einfach in den Arm www.netz4.ch
sein soll und wie wichtig Ge- nehme?»