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Geschichte
Die Schulen der Therapie
● klientenorientierter Ansatz
● Verhaltenstherapie
● Psychoanalyse

Die Entstehung der KOP rührt aus Skinners Verhaltenstherapie (Reiz-Reaktion), jedoch
wollte Rogers & Sachse eine Nuance hinzufügen:
● der Therapeut soll echt, sympathisch sein und dem Klienten mit nicht an den Klienten
gebundenen Erwartunge begegnen

Dodo-Verdikt
alle 3 Schulen wurden auf die Probe gestellt & es hat sich herausgestellt, dass alle
gleichermaßen wirksam sind und Veränderungen im Klienten hervorrufen
→ gemeinsame Wirkfaktoren nach Grawe (s.u.)

Heutige rechtliche Lage

evidenzbasierte Therapie nicht-evidenzbasierte Therapie

KVT Gestalttherapie
systemische ...
PSychoanalyse

Abgrenzung zu anderen Therapieformen

Klassische Verhaltenstherapie
● VT: Einseitige therapeutische Beziehung → T als Änderungsagent

● KOP
○ Expertise liegt vor allem im T (rekursiver Therapieprozess)
○ therapeutische Ziele entstehen im Therapieprozess (durch erhalt valider
Informationen mittels verbessernde Bearbeitung in der sich entwickelnden
Beziehung)

Verhaltenstherapie - 2.Welle: Kognitive Therapie


KVT= Kognitionen vermittelnde Verfahren
3.Welle postuliert:
● “Wir sind emotionale, bindungsgeprägte, sinnbedürftige Wesen”
● “Wir sind abhängig von Interaktionen, Kultur, Motivation”
● Schemata weisen zum Teil eine Vielzahl an Grundannahmen auf (sind komplexer)

➢ KOP ist Bestandteil der 3.Welle der VT

Gesprächspsychotherapie
hochgradig prozessdirektive Handlungen
● Beziehungsgestaltung dient dazu, effektive Klärungsprozesse zu ermöglichen
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● gezielte Arbeit an der Veränderung von Schemata → hier benötigt K Hilfe

Zentrale Fragen der KOP


● Was sind die Probleme des K
● Welche Ziele werden angestrebt
● Wie gestaltet K die Beziehung zu T
● Wie bearbeitet K seien Probleme
● Wie kann K optimal gefordert werden

➢ KOP als Weiterentwicklung der klassischen Gesprächspsychotherapie


○ von der zielorientierten hin zur klärungsorientierten GPT

Gemeinsame Wirkfaktoren nach Grawe (1995)


die Schulen der Psychotherapie haben folgende gemeinsame Wirkfaktoren, wobei jede
jeweils verschiedene Gewichtungen setzen:

1. Ressourcenaktivierung
● Therapie soll optimal an den Möglichkeitsraum des K angepasst werden
● Anknüpfung an Ressourcen (positive Möglichkeiten, Eigenarten, Fähigkeiten,
Motivation)
● K kann sich hier von seinen positiven Seiten kennenlernen & fühlt sich vom T
gesehen
➢ Therapiebeziehung
➢ Erwartung & Motivation des K

✓ hier greift KOP sehr stark

2. Motivationale Klärung
● Klären vor Lösen
● Therapie benötigt die Klärung der Determinanten des problematischen Erlebens und
Verhaltens
○ Ursprünge
○ Hintergründe
○ aufrechterhaltende Faktoren
● Klärung durch Explikation impliziter Bedeutungen des Erlebens und Verhaltens
➢ eine gelungene Erklärung ermöglicht eine bessere Bewältigung

✓ hier greift KOP sehr stark


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3. Problemaktualisierung
● Aktualisierung der mit dem Problem verbundenen Emotionen = unmittelbares
Erfahren
● Schulen haben hierfür unterschiedliche Techniken, z.B.
○ Konfrontation mit den Situationen
○ Arbeiten mit Übertragung

✓ hier greift KOP sehr stark

4. Problembewältigung
● Therapie unterstützt den K mit direkten/indirekten problemspezifischen Maßnahmen
● Ziel: K soll positive bewältigungserfahrungen im Umgang mit seinen Problemen
machen

✓ hier greift KOP am wenigsten

KOP als eigenständiger Therapieansatz


Inhalt
● Klärung & therapeutische Bearbeitung zentraler, dysfunktionaler, problem(mit)
determinierender Schemata von Klienten
● Aufhebung der Alienation einer Person vom eigenen Motiv- & Bedürfnissystem
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● Basis ist eine vertrauensvolle, vom Therapeuten aktiv gestaltete Beziehung


● dafür ist ein bestimmter, geschützter Rahmen vorhanden (X Sitzungen, 50 min,
Schweigepflicht)
„Auf der Basis einer vertrauensvollen, vom Therapeuten aktiv gestalteten Beziehung geht es
um die Klärung und die therapeutische Bearbeitung zentraler, dysfunktionaler, problem(mit)
determinierender Schemata von Klienten“
● „sowie um die Aufhebung der sogenannten Alienation, der Entfremdung einer Person von
ihrem eigenen Motiv- und Bedürfnissystem
o Schemata sind Generalisierungen, die unser Handeln und unsere Emotionen
leiten/determinieren, sind Verdichtungen unserer bisher gemachten Erfahrungen,
z.B. Beziehungsschemata
o Wann bin ich nicht entfremdet von meinem eigenen Motiv- & Bedürfnissystem? 
wenn die Bedürfnisse befriedigt sind
 KOP an Mikroebene von Psychotherapie ausgerichtet
o Übergeordnete Schemata werden auf konkrete Ebene heruntergebrochen
o Bleibt nicht auf Abstraktionsebene, sondern auf Handlungsebene (wie kann man ein
Problem konkret angehen?)

Wagnis einer Therapie


Zumutung für Klient (K) & Therapeut (T)
● “Wandsituation”
○ K öffnet sich mit einem Problem einer wildfremden Person gegenüber, in der
Hoffnung, dass T kompetenter ist als Ke (und ein soziales Netzwerk) & durch
seine erlernten Kompetenzen und einer flexible Anwendung dieser, zur
individuellen Problembewältigung & -lösung beitragen zu können
● Beziehung ist gleichzeitig sehr fremd & sehr intim
● Beziehung auf Zeit, wo beide Akteure arbeiten müssen
Arbeit
Schemata erkennen &
verändern
Beziehung konkrete Erfahrungen
aktive Gestaltung gemacht, darauf ein
Öffnung Schema gelegt
→ kognitiv & emotional
→ Biografiearbeit

Alienation vom
eigenen Motiv- &
Bedürfnissystem
Bedürfnisse & Motive
auffassen & wieder
nahe bringen
Biografiearbeit

Therapeutische Arbeit: die 3 Ebenen therapeutischer Expertise


1. Inhalt: worüber spricht der K?
a. relevante zu bearbeitende Themen
b. was macht das Problem zu einem Problem?
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c. zentrale Aspekte des Problems


2. Bearbeitung: Wie bearbeitet K das Problem/wie spricht er darüber?
a. aktive Beteiligung vs inhaltliche Beteiligung
b. Internalisierung & Externalisierung der Problembearbeitung
c. Auseinandersetzung mit sich selbst (Vermeidung vs Annäherung)
d. → “tiefe Ebene” : Ebene der emotionalen Verarbeitung
3. Beziehung: Wie lässt sich K auf die Beziehung ein?
a. aktive Gestaltung
b. Annhme des Beziehungsangebots
c. implizit
d. Ziele, Standards erfüllen

für die Therapie gilt: Multitasking - alle Ebenen sollten im Kontext der KOP aktiviert und
präsent sein

Ziele der KOP


● Förderung einer effektiven Selbstregulation (K hat “Leben nicht mehr im Griff”)
● Freisetzung persönlicher Ressourcen
● Erhöhung der Handlungsorientierung
● Ermöglichung motivkongruenter Entscheidung

K soll in/durch der Therapie Erfahrungen machen mit neuen Möglichkeiten sich selbst zu
regulieren sowohl in der Emotion, Kognition & im Verhalten
● Ziel, das Leben nach den eigenen Wünschen, Vorstellungen & Möglichkeiten
entsprechend zu gestalten
→ motivkongruente Entscheidungen
● Wichtig!: T ist davon überzeugt, dass K alles mitbringt, um sich selber zu befreien
(Mensch als aktiver Gestalter seiner Selbst)
○ T unterstützt K darin, wieder Kontakt zum Selbst & seinen eigenen
Ressourcen herzustellen & aus der Spirale des Versagens heraus zu
kommen
● Umsetzung der Makroebene in die Mikroebene (Wissen, Theorien, Schemata, etc in
die Situation individuell auf K anwenden)

KOP ist stark an der Mikroebene von Psychotherapie ausgerichtet (schwierig, viel
Arbeit)
● klare verständliche Sätze,
● zuhören, paraphrasieren, auf Richtigkeit prüfen
● Gesagtes im therapeutischen Sprechen & Handeln umsetzen
● Reaktion auf das vom K gesagte (Stellung nehmen, prozessdirektiv) auch im Hinblick
auf die Konsequenzen auf die T-K-Beziehung

Therapeutische Grundpostulate der KOP


 Motto der KOP: Klären vor Lösen
1.Klärungsorientierung
KOP realisiert therapeutische Wirkfaktoren
● Beziehung
● Klärung
● Problemaktualisierung
● Ressourcenaktivierung
● (Bewältigung – nur in geringem Umfang  Expertise der VT)
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2.Klientenzentrierung
individuelles maßgeschneidertes Therapieangebot
 Klientenzentriertes Handeln bedeutet, dem Klienten die effektivsten Methoden anzubieten
und nicht die sauberste Ideologie (Modulbezogen, manualisiert)
● effektivste Methode
● Basis ist stets die Erfahrungen des K (Was hat die Person erlebt?)
● Klienten mit unterschiedlichen Störungen bringen ganz unterschiedliche
Eingangsvoraussetzungen mit in die Therapie. Sie brauchen unterschiedliche therapeutische
Angebote

3.Störungsspezifität (und damit wieder klientenzentriert)


unterschiedliche Eingangsvoraussetzungen durch unterschiedliche Störungen
● T hat Wissen über unterschiedliche Störungen
● klientenzentrierte Entwicklung von Strategien & Interventionen
(Eingangsvoraussetzungen & Ziele des K)
 Es werden Strategien und Interventionen entwickelt, die genau auf die
Eingangsvoraussetzungen und Ziele der jeweiligen Klienten passen.
● Ziel: möglichst früh erkennen, was K braucht  störungsspezifisches Vorgehen!!

4.Inhaltsabstinenz
K ist Inhaltsexperte & T ist Prozessexperte (aktives & direktives schmieden des Prozesses)
→ ??ist der Inhalt relevant??

5.Handlungsorientierung / Prozessdirektivität
Grundlage mit Inhaltsabstinenz ist die Arbeitsteilung von K&T

Anforderungen an T (hohe Prozessverantwortung):


● kongruent
● authentisch
● stellt sich individuell auf den K ein
○ muss sich den Inhalten des K (determinierend) stellen
○ muss sich in die innere Not des K einfühlen
○ muss K in der Beziehung und mit Vertrauen dazu verleiten belastende Inhalte
bearbeiten zu können
● bemüht sich all dies in konkrete Handlungen umzusetzen
● pendeln zwischen Vergangenheit, Gegenwart & Zukunft

6.Unterscheidung zwischen Verstehen & Intervenieren


Klären vor Lösen

7.Therapeut als Experte


T als Experte für
● Beziehungsgestaltung
● Klärung
● Umstrukturierung von Schemata

8.Dialektik zwischen Regelsystem & Expertise


Unterscheidung zwischen Manualwissen (Regelsystem) & therapeutische Expertise für die
Prozessdirektivität, Beziehungsgestaltung etc.

9.Abhängigkeit von Ausbildungsstand, Erfahrung, persönlicher Integrität


T ist auch als Person gefordert
● “immer gut sein”
● Menschlichkeit
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● persönliches Wertesystem
● Selbstreflektion, Selbsterfahrung, die eigene Person kennen

Zentrale Ebenen & Wirkprinzipien der KOP


Das konsistenztheoretische Modell nach Grawe des psychischen Geschehens

müssen im Gleichgewicht sein

Ambivalen
z

bestimme
n

Es gibt sensible Phasen in denen (Bindungs-)Erfahrungen besonders einflussreich sind:


1. im Mutterleib
2. direkt nach der Geburt
3. während der Sprachentwicklung (2-3 LJ)
Überwiegen in dieser Phase gute, positive Erfahrungen in den Grundbedürfnissen, sind dies
gute Weichen für eine gesunde und starke Psyche. In diesen erlernen wir durch die
Erfahrungen (vor allem mit den Bezugspersonen) sowohl die Emotionsregulation, als auch
die Ausbildung von Schemata (vermeidend, annähernd).

Welche Erfahrungen machen in unserem Gehirn was (neurobiologisch) & was braucht es,
um die Problematik des K auf neue Bahnen (Richtung Klärung & Lösung) zu lenken.

Erläuterung
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● 1.Ebene: Systemebene - Streben nach Konsistenz


○ wir wollen, dass WAS wir erleben, Verhalten, Emotion und Kognition, auf
einer Ganzheitlichenen Ebene zusammen passt
○ ist der Motor, der uns antreibt

● 1.2.Ebene: Grundbedürfnisse
1. Orientierung und Kontrolle
● Kontrollverlust ist Gift für die psychische Gesundheit
○ giftig dann, wenn keine Möglichkeit zur Handlung
(Einflussmöglichkeit) & Rückgewinnung der Kontrolle besteht
● ist körperlich spürbar (erstarren, flucht)
● therapeutisches Wachstum durch ANregungen, Anforderungen,
Herausforderungen die etwas über unserer Kontrollmöglichkeiten
liegen
2. Lust und Unlust
● Unlustvermeidung im Sinne von körperlichen und seelischen
Schmerzen, Krankheiten (chronische)
● Lustgewinn im Sinne sinnstiftender Erfahrungen, Gesundheit
3. Bindung (wichtig für die Beziehungsgestaltung & grundlegend für Schemata)
● meint das ungeborene bedürfnis nach physischer und emotionaler
Nähe
○ Bindungstypen
1. sicher
2. unsicher desorientiert
90% der Klienten fallen hier drunter 3. unsicher ambivalent
4. unsicher vermeidend
○ Muster lässt sich über
(Familien) Generation zu 75% vorhersagen
● Entwicklung eines internalen Schemas über mich und andere (Ich
werde am Du zum Ich)
● Emotionsregulation
● Selbstwirksamkeit
➢ wer dauerhaft keine verlässliche und feinfühlige Bindungsperson
hatte, hat ein unbefriedigtes bindungsbedürfnis und sehnt sich implizit
IMMER sich sicher, geborgen, aufgehoben zu fühlen
➢ größte Ursache & Risikofaktor für psychische Störungen
➢ kann die Therapie dieses Bedürfnis befriedigen, werden neue
Erfahrungen gemacht, welche auch körperlich (neurobiologisch)
spürbar sind (Therapie als “Naturschutzgebiet” für die Seele)
4. Selbstwert (Selbstschutz)
● Bedürfnis mich als wertvollen Menschen zu erkennen
○ mich akzeptieren, nicht mit anderen verwechselbar
● entsteht phylogenetisch als letztes Bedürfnis
● Zuwendung, die ich bekomme, ist nicht an Bedingungen geknüpft
○ möglichst wenige “wenn.., dann..”s (bedingungslos!)
● Selbstwertschutz
○ negative Attribuierungen des Selbst nicht ändern wollen/
ausgebildeter Selbstwert wird geschützt

● 2.Ebene: Motivationale Schemata


○ hier besteht eine Ambivalenz zwischen Annäherungs-(Befriedigung eines
Bedürfnisses) & Vermeidungszielen (Schutz vor Bedrohung/Verletzung der
Bedürfnisse)
○ beide Systeme sind gleichzeitig aktiv & streben nach eine Bilanzierung
zwischen aktivierten motivationalen Zielen
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○ Diskordanz: motivationale Ziele geraten untereinander in Konflikt & hemmen


sich somit

● 3.Ebene: Erleben & Verhalten


○ Abgleich der motivationalen Ziele mit den realen Wahrnehmungen
○ Auseinandersetzung mit Schemata & Verhaltensweisen
○ Arbeit an der Aufhebung der Alienation & Fähigkeit eigene BEdürfnisse
befriedigen zu können
○ Integration neuer Erfahrungen in das Selbst
➢ läuft alles über Erleben & Verhalten ab
■ Wahrnehmung
■ konkretes Nachfragen (wie geht es X damit jetzt?)

○ Kongruenz
■ Übereinstimmung, Echtheit
○ Inkongruenzsignale
■ meinte all die wahrnehmbaren Unstimmigkeiten in einer Person
● Gedanken machen (Abschweifungenm Konfliktbearbeitungen,
to-Do Listen,...)
● körperliche Empfindungen (Anspannungen, Verspannungen,
Herzrasen, Kopfschmerzen, …)

Zusammenfassung:
1. Motor (Ziel) ist das Streben nach Konsistenz
2. geprüft wird Konsistenz durch das Erleben von Kongruenz in unserem Erleben &
Verhalten
3. Kongurenz besteht, wenn unsere Grundbedürfnisse befriedigt sind
● Bindungsbedürfnis ist grundlegend für unser Kongruenzerleben
○ wenn die Bindung unsicher ist, werden Vermeidungsschemata
entwickelt (“krank”)
○ diese erlernten Schemata werden aus der familiären
Beziehungsbindung weiter getragen in alle Bindungsmöglichkeiten
(Kita, Schule, Freunde, Beziehungen)
■ wir “erleben was wir erwarten”, da wir uns danach verhalten &
nur Erfahrungen machen, die das Schemata bestätigen
■ Erleben neuer, anderer Erfahrungen bleibt zumeist aus
○ nehmen Vermeidungsschemata “überhand”, dann sind psychische
Störungen “entstanden”
4. werden neue & andere Erfahrungen der Annäherung gemacht, entwickeln sich zuerst
neutrale neuronale Verschaltungen, welche zur Öffnung führen und das Potential
innehaben das alte motivationale Schema aufbrechen zu können
● Aufbrechen des Vermeidungsmodus & Aktivierung des Annäherungsmodus
➢ Vermeidung - Öffnung - Annäherung
● Therapie begleitet die Öffnung & das Erlernen von Annäherung, sowie
Schwinden von Inkongruenz
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3 Ebenen der Informationsverarbeitung

BIBS - Skalen zur Erfassung von Bearbeitung,


Inhalt & Beziehung im Therapieprozess (Sachse, 1997)
Ratings System für Klientenprozesse & Therapeuten Intervention
● Nachweis des steuernden Einflusses von Psychotherapie auf den Klärungsprozess
des K mit Hilfe einer Mikro-Analyse
● zeigt Bedeutung einer konstruktiven Prozesssteuerung

Operationalisierung der Ebenen der Gestaltung der Interaktion (Inhalt, Bearbeitung,


Beziehung)

BIBS beschreibt das Verhalten (Inhalt), die Bearbeitung & die Beziehung für & zwischen T
&K

 Zu Ausbildungszwecken (Reflektion durch Fremdurteile über das eigene Verhalten)

Ziel der BIBS


Erfassung relevanter Prozessvariablen im Therapieverlauf
● Einschätzung des therapeutischen Handelns
● Einschätzung der Prozesse die beim K ablaufen
● Einschätzung der Interaktion zwischen T & K

BIBS ermöglicht
● Kontrolle des eigenen Verhaltens
● Einschätzung von Konkreten Verhalten des K
● Supervision
● Verlaufs-/Erfolgskontrolle
● Feststellung der therapeutischen Expertise

Anwendung
● 10 minütige Ausschnitte im Audio-/Video-Format (nicht die ersten Minuten am
Anfang)
● geschulter Rater benennt gewisse Merkmale der Sitzung
○ Schemata
○ Motive
○ Images
○ Apelle
● Beurteilung auf einer 7-stufigen Likert-Skala
● Rater benötigen grundlegendes Verständnis der Prozesse in der KOP
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Struktur
Folie Übersicht Skalen
Folie Struktur

Klientenskalen
1. Inhaltsebene
wie gut ist die generelle Arbeitshaltung des K?
● hat K ein zu bearbeitendes Anliegen?

2. Vermeidung
Inwieweit lässt sich K auf die Arbeit an seinen Schemata, Motiven, etc. ein?
● Erschwert K die Arbeit mit speziellen Strategien?
● Wie geht er mit Problemen um?

3. Beziehung
wie gestaltet K die Beziehung zum T

Therapeutenskalen
1. Beziehung
Einschätzung des allgemeinen Beziehungsangebot
● Grundhaltung dem K gegenüber

2. Verstehen
Bewertung der Aussagen des T gegenüber dem K
● Hat der T den K verstanden?

3. Steuerung
Rückschlüsse auf den Einfluss des T auf das Gespräch und die Ziele

4. Bearbeitung der Vermeidung


Einschätzung der Wege, die ein T zur Bearbeitung nutzen kann
● reine Gegensteuerung
● Bearbeitung der Vermeidung

5. Umgang mit Spielen


Einschätzung der therapeutischen Kompetenz zum Umgang mit problematischen
Interaktionsmustern des K

6. Bearbeitung von Schemata


Einschätzung der Strategien des T zur Modifikation von dysfunktionalen Schemata des K

Reliabilität
 Erste Analyse (Studie von Sachse et. Al. (2011a, 2011b))
 Prüfung der Faktoren-Struktur
o Klienten- & Therapeuten-Skalen haben eine eindimensionale … Folie
Reliabilität
 Inter-Rater-Reliabilität
o 6-Rater-Paare
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 Inter-Rater Reliabilität können als sehr gut bewertet werden


 Re-Rate-Reliabilität
o Jeweils 50 Ratings
o Pro Feld 2 Rater
o Ratings im Abstand von 3 Monaten
 Berechnung mit der Intra-Klassen-Korrelation
 Re-Rater-Reliabilität gut bis sehr gut
 Ergebnisse besonders gut, wenn die Rater vorher eine gute Schulung erhalten
haben

Validität & Korrelationen


● Korrelation der BIBS-Variablen untereinander
○ Korrelationsanalyse der BIBS-Skalen
○ Klienten- & Therapeuten-Skalen der drei Messzeitpunkte miteinander
korrelieren
○ Vorsichtig geschlossen werden kann…
…dass die von der BIBS erfassten Klienten- & Therapeuten-Prozesse
relativ konstant über die Psychotherapie sind
…die Interpendenz zwischen Klienten- & Therapeuten-Variablen
…mithilfe von Klienten- & Therapeuten-Prozessen zu Beginn der
Therapie, mögliche Klienten- & Therapeuten-Prozesse zum späteren
Zeitpunkt der Therapie vorauszusagen (Methode: Cross-Korrelationen)
● insgesamt valide
● Erfassung von K-T-Prozessen, die relativ konstant über die Psychotherapie sind
○ Voraussage von Prozessen möglich
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Therapeutische Beziehungsgestaltung
Ebenen therapeutischer Expertise

Beziehung
Charakteristika:
● Serie von Interaktionen
● Erwartungen
● Emotionen
● interaktionelle Ziele / Bedürfnisse

Charakteristika therapeutischer Beziehung


● zeitlich +räumlich begrenzt
● spezifisch
○ dient der Definition, Klärung & Lösung der Probleme des K
● professionell (nicht freundschaftlich, sexuell)
● asymmetrische (nicht austauschbare Aufgaben + Expertisen)
● klare Rollen
● Berufsordnung
● Kontaktaufnahme
➢ therapeutisches Regelsystem
○ ermöglicht effektive Problembearbeitung

Rollen in einer therapeutischen Beziehung


wichtig ist die Installation der professionellen Rollenverteilung am Anfang der Arbeit
durch klare und respektvolle Kommunikation (+Einverständnis!)
→ schafft Klarheit, Grenzen, Respekt
→ muss K lernen und verstehen, wird dabei durch T unterstützt

Therapeut Prozessexperte
● theoretisches Wissen zur Problembearbeitung
● verfolgt keine persönlichen Absichten
● kann eigene bewertungen zurückstellen

Klient Inhaltsexperte
● valider Inhalts- & Informationsinput
● Entscheidungen über Preisgabe, Erklärungen, Öffnung, Ausprobieren,
Veränderungen
● muss keine bewertung/Abwertung fürchten
● kann leichter über unangenehmen Themen sprechen

→ wechselseitige Beziehung, die die Kooperation des K voraussetzt & erst möglich auf
einer vertrauensvollen Basis
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Beziehungsgestaltung - Funktion

Beziehungsgestaltung spielt sich auf der Ebene konkreter therapeutischer Handlungen


ab
→ ist eine kontinuierliche Aufgabe des Therapieprozesses

Beziehungskredit
T hat bei K einen Beziehungskredit
● auf das Konto kann eingezahlt werden
○ durch bestimmte vertrauensschaffende Maßnahmen, Fütterung der
frustrierten Bedürfnisse/Motive
● davon kann abgebucht werden
○ durch bestimmte Maßnahmen, die zwar therapie förderlich sein können,
jedoch beim K nicht als solche empfunden werden

Wichtigkeit von Beziehungsgestaltung (Forschung)


● Beziehungsgestaltung hat über den Mediator “Qualität der
Problembearbeitungen” einen sehr hohen Einfluss auf den Therapieerfolg
● am direktesten wirkt die Beziehungsgestaltung auf den Therapieerfolg bei Achse II
Störungen

Allgemeine Beziehungsgestaltung
umfasst die Aspekte

1. Verstehen
Informationsverarbeitung
● Verständnis über
○ die Schemata des K
○ innere Bezugssystem des K
○ Motive, Ziele, Werte
○ ...

Beziehungsgestaltung
● K das Verstehen vermitteln - das Bemühen um Verstehen muss deutlich werden
● Voraussetzung ist eine valide Informationsverarbeitung
● gemeinsame Kommunikationsbasis

Funktion des Verstehens


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● für den K
○ ermöglicht weitere Klärungsprozess
○ personales & Kompetenzvertrauen
● Für den T
○ Modellbildung über K
○ Grundlage für weitere therapeutische Entscheidungs- & Handlungsplanung

2. Akzeptieren
Funktion des Akzeptierens
● für den K
○ ermöglicht Vertrauen
○ Grundlage für Klärungsprozesse
○ verhindert Zensierungsprozesse
● Für den T
○ ermöglicht den Erhalt valider Information von K
○ ermöglicht wertfreie Informationsverarbeitung
○ Emotionale Wärme

dazu gehören Punkte wie


● Erzeugung eines emotional positiven Klimas
● Vermittlung von Sympathie
● Stimme, Mimik, Gestik, Körperhaltung
● wohlfühlende Therapieatmosphäre

3. Signalkongruenz
alle gesendeten Signale sollen kongruent sein
● auf allen Kommunikationskanälen gleich
● vermittelt Echtheit
● ermöglicht vertrauen

4. Respekt
einen K respektvoll zu behandeln heißt u.a.,
● keine Vorschriften machen, wie er sein Leben gestalten soll
● K die (finale) Entscheidungsinstanz zuzugestehen
● Verantwortung für sein Handeln zu geben
● K als wertvolle Person zu behandeln

5. Loyalität
dazu gehören Punkte wie
● Zusicherung von Unterstützung
● keine uneingeschränkte Solidarität
● T muss neutral bleiben
● Aussprache von unangenehme Wahrheiten

Vermittlung von Loyalität:


● beschreibende Ebene
● Bewertung kann dann durch den K erfolgen
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Bewertung - Wertungsfrei
T stellt seine eigenen Schema, Motive, Bedürfnisse zurück (Akzeptanz)
→ Wertungsfrei (bedeute nicht alles positiv zu finden)

● Wertungsfreiheit kann durch eigene biografische erfahrungen getriggert werden →


Bewertungen sollten (vor allem außerhalb des Therapiesettings) nicht immer zurückgestellt
werden

● auf der Spielebene bewertet T den K oft: Akzeptanz & nicht Bewertung ist
wünschenswert
○ Wertungsfreiheit muss vom T angestrebt & geübt werden

● Verhalten darf (manchmal) bewertet werden - nicht aber die Person (bei
gesellschaftlichen Normen, Straftaten)

Bewertung in den Phasen der Therapie


1. Beziehungsaufbau, Klärungsprozess
➢ Bewertungen sind kontraproduktiv
2. Phase der Veränderung
➢ Bewertungen des Verhaltens des K sind notwendig

Bewertungen durch den Klienten


Woran gearbeitet werden KANN bestimmt T
→ K nutzt die Expertise des T
→ K bestimmt,
● ob K den Rat annimmt entscheidet er selbst
● welche Ziele er verfolgen möchte
→ woran gearbeitet werden SOLL bestimmt der K

Vertrauen

Kompetenzvertrauen
“Der T weiß, was er tut und macht es gut”

K vertraut z.B. darauf, dass T Verantwortung für den Prozess übernimmt


● T versteht, was die Probleme des K sind
● T dem K aus negativen emotionalen Zustand wieder heraushelfen kann
● T den therapieprozess steuert

personales vertrauen
Vertrauen in sich selbst als fähige Person

Ziel: K erkennt, dass er stark genug ist, sich seinen Problemen zu stellen, negative
Emotionen auszuhalten & sie zu bewältigen
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→ Annäherungstendenz des K stärken

Wie wird das ermöglicht?


● Zutrauen in den K explizit äußern
● nach problematischen Inhalten fragen
○ vermittelt dass man “dem Drachen ins Auge sehen kann”
● Probleme analysieren, rational betrachten, erklären (bei diffusen, schwammigen
Problemen: “Problemtrance”)
○ Herausarbeitung einzelner Punkte ermöglicht differenzierte Wahrnehmung
wiederzuerlangen
● Fähigkeiten/Fertigkeiten des K betonen (K erkennt eigene Ressourcen)
● Ich-Botschaften (K fühlt sich nicht bevormundet)
○ richtige Ich-Botschaft (neutrale, wertfrei, valzifizierbar; objektiver Anlass, Ich-
Gefühl & Ich-Wünsche)
○ verkapselte-Du-Botschaft (Übertragung mit Abwertung der anderen Person)

Komplementäre Beziehungsgestaltung

Definition
komplementär = bedürfnisbefriedigend, motivbefriedigend

Grundannahme: K hat in Beziehungen zu anderen Menschen bestimmte Motive, die er in


der Interaktion mit relevanten Partnern befriedigen will
● K will vom Interaktionspartner explizit/implizit bestimmte Inhalte mitgeteilt bekommen
● Mitteilung relevanter Information = Motivbefriedigung

T versucht das jeweilige Beziehungsmotiv des K zu “füttern”


● Fokus auf verletzte Motive des K
○ Hilfsmittel zur Erkennung frustrierter Motive sind reale Erfahrungen (Gift,
dass ins Gedächtnis einsickert) und die daraus entstandenen Schemata
● schwer, da Bedürfnisse oft zusammenfallen - welches “füttert” man zuerste?
○ viele bedürfnisse werden über das Bindungsmotiv befriedigt
○ Bindungsmotiv als Transportmittel
● Aufbau von Beziehungskredit
● wird ein Motiv “befüttert”/gesättigt, kann sich der K anderen Themen zuwenden

zentrale Frage: Was genau braucht K?


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Wann ist komplementäre Beziehungsgestaltung möglich?


● wenn T das relevante Beziehungsmodell des K rekonstruiert hat
● wenn K in seinem Interaktionsverhalten zeigt, dass Beziehungsmotive frustriert
worden sind (ist folglich nicht immer notwendig!)

Beziehungsmotiven

Entwicklung von Beziehungsmotiven


entwickeln sich im Laufe der Biografie in der Interaktion mit wichtigen Bezugspersonen
● abhängig von der Art der Rückmeldung, die Bezugspersonen geben (positiv, neutral,
negativ)
○ Folge sind die Entwicklungen von Selbst- & Beziehungsschemata

Therapie: Welche Beziehungsmotive wurden frustriert?

Arten von Beziehungsmotiven (siehe auch Schemata: Bezeihungsmotive)


1. Anerkennung
Person braucht vom Interaktionspartner positives Feedback über die eigene Person
● frustriertes Motiv: Kind zeigt Eltern stolz sein Bild, dieser reagieren aber nicht

2. Wichtigkeit
Information über die persönliche Bedeutung, die K für andere hat
● Person möchte Feedback darüber, dass sie im Leben des
Interaktionspartners eien wichtige Rolle spielt
● möchte in Interaktionssituationen Aufmerksamkeit erhalten, wahrgenommen
werden, ernst genommen werden

● frustriertes Motiv: “wenn du nicht wärst hätte ich Karriere machen können”

3. Verlässlichkeit
Person möchte vom Interaktionspartner Feedback darüber, dass die beziehung zu
dieser Person stabil, beständig und belastbar ist
● möchte vermittelt bekommen, dass sie sich auf die Stabilität der Beziehung
verlassen kann

● frustriertes Motiv: “wenn du dich so verhältst, kommst du ins Heim”

4. Solidarität
5. Autonomie
6. Grenzen

→ alle Beziehungsmotive sind relevant und müssen in die Therapie einbezogen werden
● in der Beziehungsgestaltung nimmt man sich das “wichtigste”/”am meisten frustrierte”
Motiv heraus und mit widmet sich diesem vorrangig

Komplementäre Beziehungsgestaltung zu den Motiven


1. Komplementarität zum Anerkennungsmotiv
dem K deutlich machen, dass man positive Aspekte des K wahrnimmt und
wertschätzt
● explizit verbal
● signalkongruente Informationen
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Bsp: “das haben sie großes Engagement gezeigt”

2. Komplementarität zum Wichtigkeitsmotiv


K steht während der Sitzung im Zentrum des Erlebens & Handelns
● eher implizit-nonverbal
● uneingeschränkte Aufmerksamkeit auf K
● Rückfragen stellen
● relevanter Aspekte merken

Bsp.: “ich bin da, ich höre zu, ich bin aufmerksam, ich nehme sie ernst”

3. Komplementarität zum Verlässlichkeitsmotiv


T bleibt in der Beziehung zum K
● unabhängig davon, welche Inhalte K thematisiert
● auch wenn K jammert, den T beleidigt/kritisiert
CAVE: T steht nur im Rahmen der Sitzung zu Verfügung, nicht rund um die Uhr

Carl Rogers: Aspekte der Beziehungsgestaltung


Ansatz von Rogers, der therapeutisches Verstehen als Basis der komplexen
psychotherapeutischen Intervention versteht
● komplexe kognitive Aktivitäten mit allen Sinnen
● soll den K zum arbeiten bringen
● Zentrierung auf den K
● Nicht an Bedingungen geknüpfte Wertschätzung

Therapeutisches verstehen enthält 3 zentrale Aspekte:

Akzeptanz
● Akzeptieren ohne Bedingungen
○ K sein lassen wie er ist
○ nicht bewerten nur wahrnehmen
● Interesse & Respekt
● wird durch K als eindringliche, tiefe Erfahrung wahrgenommen
● Umsetzung durch emotionale Wärme des T

Kongruenz
Übereinstimmung, Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit über und zum K
● zeigt sich in Kognition, Emotion & Verhalten
Tiefe Dimension
● T wirkt ohne Rolle, ohne Fassade

Empathie
T wird zum “Gefährten der inneren Welt des K”
● aktives zuhören
● keine bewertung/Beurteilung
● Einfühlungsvermögen

→ bei allen drei Aspekten muss der T das Bemühen um Verstehen zum Ausdruck bringen
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Schemata & Bearbeitung von Schemata


Schemata
Definition:
● organisierte Strukturen von Inhalten
○ gebildet durch Erfahrung und Schlussfolgerungen aus Erfahrungen
○ Aktivierung beeinflusst aktuelle Informationsverarbeitung

Arten:
● Semantisch-konzeptuelle Schemata
○ abstrahiertes Wissen
○ nach Inhalten organisiert
○ befassen sich mit der Welt/Realität (nicht der Person)

● biographisch-episodische Schemata
○ gespeicherte verarbeitete Erinnerungen
○ keine valide Abbildung sondern Interpretation des Erlebten (verzerrt)
○ befassen sich mit der eigenen Person

● exekutive Schemata
○ greifen in die Verarbeitung der Person tatsächlich ein & haben Einfluss
auf das Erleben und Verhalten der Person
○ sind für die Person hoch relevant
○ abstrahierte Schlussfolgerungen aus Erfahrungen gespeichert über sich
Selbst, Beziehungen & Relevanz von Beziehungen, Realität & Relevanz der
Realität
○ hoch generalisiert und komprimiert
○ verzerrt, aktiv interpretiert

○ Aktivierung durch relevante Situationen


○ aktivieren selbst die Informationsverarbeitung & Handlungsregulation
○ können Emotionen aktivieren, die unangepasst oder störend sind

Charakteristika
● automatisch aktiviert durch vorhandene/vorgestellte Situation (ähnlich zu
biographischem Inhalt)
○ nicht willentlich herbeiführbar
○ schnell
○ kaum kontrollierbar
○ aktiv (leicht aktivierbar, im Vordergrund, stark determinierend, “hyper
allergische Reaktion”) vs latent (nicht leicht aktivierbar, indirekt
determinierend)
● sobald aktiviert, dominiert das Schema das Erleben/Empfinden, die
Informationsverarbeitung, die Verhaltensregulation in hohem Maß
○ Folge: voreingenommene Verarbeitung
■ subjektiv, stark überzeugende Schlussfolgerungen
■ weicht mehr/weniger von der Realität ab
■ Filter-Funktion: Schema lässt Informationen durch, die mit Inhalte des
Schemas übereinstimmen → Realität bestätigt Annahmen

Inhalte
● Ichbezogen
21

● idiosynkratisch (Verarbeitungsprozesse, Emotionen und Handlungsimpulse sind


abhängig vom individuell relevanten Schema)
● nicht allgemein gültig
● mögliche Inhalte sind:
○ eigenen Motive, Ziele, Werte
○ Annahmen über das Selbst
○ Annahmen über Beziehungen
○ Annahmen über die Realität
● enthält prozedurales Wissen:
○ eigene Handlungsstrategien
○ eigene Kontingenzerfahrungen

Verarbeitungsprozesse

● Situationen aktivieren Schemata


○ diese führen zu aktuellen Verarbeitungsprozessen (Kognitionen, Affekte,
Emotionen, Handlungen)
○ Handlung wird initiiert
● Situationen führen nicht direkt zu Verhalten
○ zentral sind relevante Schemata & die durch Schemata initiierten aktuellen
Verarbeitungsprozesse

Schema-Ebenen

1.Ebene: Annahmen
Verdichtung von Erfahrungen, Annahmen über die eigene Person, Beziehungen, Realität
● Aussagen-Sätze (ich bin..)
● rein kognitiv oder verbunden mit affektivem Inhalt
22

● hoch kognitiv, wenig affektive Aspekte


➢ “automatische Gedanken”

2.Ebene: Kontingenz-/ Konsequenzannahmen


Wenn-Dann-Beziehungen
● Katastrophisierung in Form von “Kind-Katastrophen” (enthalten das, was meist ein
Kind befürchtet)
● triggern oft Bewertungen
● kognitiv und affektive Aspekte

3.Ebene: Bewertungsebene
hier wird die persönliche Relevanz entschieden
● Schema verbindet Konsequenz-Annahmen mit Motivations-(Bewertungs-)System
● Motivationssystem legt fest, ob Konsequenz für die Person
schlimm/beängstigend/o.ä. ist
● wenig kognitive, hoch affektive Aspekte

Netzwerkstrukturen von Schemata


Konzepte sind mental miteinander verbunden, sodass idiosynkratische
Bedeutungskonstruktionen entstehen
● Netzwerk wird meist als Ganzes durch eine Situation aktiviert & beeinflusst so die
Gedanken, Gefühle, Die Stimmung, die Interpretation (Ausbreitung der Aktivierung)

Zugänglichkeit
● aufeinander aufbauen hierarchische Netzwerkstrukturen
○ leicht zugängliche Schicht
○ schwer zugängliche Schicht, bedarf Klärungsprozesse
○ schwer zugängliche Schicht, unterliegt Vermeidungsprozessen
○ sehr schwer zugängliche Schicht

Dysfunktionale Schemata
sind Schemata mit kognitiven und affektiven Anteilen, welche, durch Aktivierung,
ungünstiges Erleben und Verhalten erzeugen
● “hyperallergische Reaktionenen” . minimale Auslöser rufen schnell heftige
(affektive) Reaktionen hervor

Charakteristika
● unangenehme Stimmung, welche vom gezielter positiver Stimmung abweichen
● Emotionen sind schon unangenehm, die entstehenden Konsequenzen sind nicht
akzeptabel
● Handlungen weichen von Zielen, Motiven, Werten ab
● Handlungskonsequenzen sabotieren Ziele, Motive, Bedürfnisse der Person
● undifferenziert, schwarz-weiß (Abgrenzung zu funktionalen Schema - differenziert,
nah an der Realität)
23

Folge dysfunktionaler Schemata


● ist die gestörte emotionale Verarbeitung (zB von Angst)
1. Ereignisanalyse
○ Situation kann die Person/Domäne bedrohen
2. Domänen-Analyse
○ Person/Domäne werden gefährdet, können verletzt/geschädigt
werden
3. Bedeutungsanalyse
○ Schädigung frustriert wesentliche Motive, Ziele
4. Coping-Analyse
○ kann die Gefahr abgewandt/vermindert werden?

Arten dysfunktionaler Schemata


Selbstschemata
● Aussagen über die eigenen Person & Selbst-Aussagen
○ Annahmen einer Person über sich selbst
■ “ich bin ein Versager”
■ “ich bin nicht wichtig”
● besteht aus kohärenten Muster der persönlich wichtigen Merkmale

Beziehungsschemata
● Annahmen der Person über Beziehungen
● Bezeihungsschema besteht aus drei beziehungsspezifischen Bildern
○ Selbstbild
○ Bild der Bezugsperson
○ Interaktionsskript

Beziehungsmotive (siehe auch therapeutische Beziehungsgestaltung: Arten von Beziehungsmotiven)


die Inhalte von Selbst- & Beziehungsschemata sind eng miteinander verbunden

1. Anerkennung
2. Wichtigkeit
3. Verlässlichkeit
4. Solidarität
○ Person strebt nach Informationen zur Unterstützung in schweren Zeiten
5. Autonomie
○ Person strebt nach Informationen zur Entscheidungsfreiheit,
Selbstbestimmung, persönliche Freiheit
6. Grenzen/Territorialität
○ Person strebt nach Informationen zur Definition der eigenen Domäne
(Respekt der Grenzen & gegenüber der Domäne)

Vorkommen dysfunktionaler Schemata


bei vielen psychischen Störungen spielen dysfunktionale Schemata eine zentrale Rolle:
● Angststörungen
● Depression
● Persönlichkeitsstörungen
● psychosomatische Störungen
24

Bsp: Narzisstische PS
● Motiv nach Anerkennung
○ positives Feedback über die eigene Person zu erhalten, als Person (mit
positiven Eigenschaften) anerkannt zu werden
● Motiv nach Autonomie
○ eigene Entscheidungen über das eigene Leben treffen zu können,
unabhängig zu sein von anderen

Kompensatorische Schemata
entwickeln sich, wenn sich die Person aktiv mit ihren dysfunktionalen Schemata
auseinandersetzt & sie starke negative Konsequenzen bezüglich der motivbefriedigung
erwarten

Charakteristika kompensatorischer Schemata


● dienen dazu, die Annahmen dysfunktionaler Schemata zu falsifizieren, kontrollieren
& negative Konsequenzen zu kompensieren
➢ kompensatorisches Erleben & Verhalten
● Folge: Entstehung neuer Schemata
➢ je stärker das dysfunktionale Schema, desto stärker das
Kompensationsverhalten
● spielen sich auf der intransparenten Spielebene ab

Arten kompensatorischer Schemata


Normative Schemata
● Anweisungen darüber, wie die Person sein sollte/muss, damit die Aussage der
dysfunktionalen Schemata nicht wahr werden
○ explizite Vermeidungsziele, Vorschriften für sich selbst
○ Bsp: “Sei erfolgreich”, “Vermeide Blamagen”
● Aktivierung der Normen erzeugt das Gefühl von “getrieben sein”
○ Bsp: “Wenn ich der Beste bin, wird mich niemand abwerten” (Ausbleiben der
Konsequenzen dysfunktionaler Schemata); “Wenn ich nicht der BEste bin,
bin ich völlig wertlos” (Androhung von Konsequenzen durch dysfunktionale
Schemata)
● Bewertungskomponente: starke negative konsequenzen gefährden die
Motivbefriedigung
○ nichtErfüllung der Norm erzeugt Scham, Schuld, Angst
○ Erfüllung der Norm erzeugt kein Gefühl der Zufriedenheit, höchstens
kurzfristige Beruhigung

Regelschemata
● selbstständig verfasste Regeln, die bestimmen sollen, was andere zu tun haben/wie
andere Menschen mit der Person umgehen müssen
○ explizite Vermeidungsziele, Vorschriften für andere
○ Annahmen darüber, was der Betroffene tun kann/darf, um regelbrecher zu
bestrafen
● Arten
○ Ich-bezogene Regelschemata
■ Ich-zentrierte Regeln, wie ander mit der Person umzugehen haben
■ Regeln dürfen von der Person aber selbst verletzt werden
25

■ wenn andere betroffen sind, wird das Schema nicht ausgelöst


○ allgemeingültige Regelschemata
■ generalisierte Regeln für alle, ihnen unterliegt auch die Person
■ dürfen von der Person nicht verletzt werden
■ Aktivierung des Schemas auch wenn die Person nicht betroffen ist

Bearbeitung von Schemata


Ziel der therapeutischen Arbeit ist
● klientenzentrierte Klärung
● Integration
● Umstrukturierung
von problemrelevanten kognitiven & affektiven Schemata

typische Therapiephase bei der Bearbeitung von Schemata


1. Beziehungsaufbau
● wichtig: Vertrauen ermöglicht Commitment

2. spezielle Strategien für das jeweilige Störungsbild


● zB. Problembewusstsein herstellen, problematisches VErmeidungsverhalten
bearbeiten

3. Klärung
● problemrelevante Schema-Aspekte in die bewusste Repräsentation des K
bringen
● Klären vor Bearbeiten/Lösen
○ Übersetzung von Schema-Aspekten in Sprache:
Repräsentationsbildung & Explikation
● 2 Ebenen der Klärung:
1. Inhaltsebene (Konkretisierung schemabezogener Probleme)
2. Funktionsebene (Aufmerksamkeitsausrichtung internal/external)

4. Schema-Bearbeitung
● Veränderung dysfunktionaler Schemata durch aktive Hemmung bestehender,
problemdeterminierender Verbindungen & paralleler Aufbau alternativer,
funktionaler Annahmen
● aktive Bekämpfung & präzises kritisches Hinterfragen

5. weitere therapeutische Verfahren


● zB. Motivierungsstrategien, Kompetenztraining, Transfer in den Alltag
sicherstellen

Ablauf des Explizierungsprozesses (Klärungsphase)

erfordert aktives, prozessdirektives Vorgehen vom T:

Vor-Explizierungsphase: Aufmerksamkeit des K ist external fokussiert


1. keine Probleme im Fokus
● K spricht keine relevanten Probleme an
➢ T blockiert dies nach kurzer Zeit
26

2. Intellektualisierung
● sachliche Beschreibung des Erlebten mit eigenen Theorien
● T soll nach bestimmten Situationen fragen
3. abgehobener Bericht
● K beschreibt das Problem abstrakt
● T sollte konkretisieren
4. konkreter Bericht
● K beschreibt das Problem konkret
● T lenkt die Sicht des Ks auf internale Prozesse

Explizierungsphase: Aufmerksamkeit des K ist internal fokussiert


5. Fokus auf Situation
● K berichtete Gedanken, Gefühle, Verhaltensimpulse in konkreter Situation
● T strebt eine individuelle Problemdefinition an
6. Klärung der Verarbeitung
● K setzt aufkommende GEdanken, Affekte, Impulse zueinander in Beziehung
● T lässt den K die Bedeutung des Erlebten explorieren
7. Rekonstruktion von Schema-Annahmen
● K sieht ein, dass das Innenleben keine direkte Kausalwirkung der Situation
ist, sondern bereits vorhandene Themen aktiviert
● T rekonstruiert gemeinsam mit K sukzessive die problemdeterminierenden
Annahmen
27

Einpersonenrollenspiel
Stuhlarbeit
ermöglicht Perspektivenwechsel & Distanzierung zur eigenen Person
● Aufmerksamkeitslenkung & Unterscheide in der Selbstwahrnehmung
● spürbarer Unterschied
○ Selbsterfahrung: wie wirkt sich das Gesagte auf das innere Erleben aus?
○ Aktualisierung

Indikation für Stuhlarbeit


● Sätze wie “ja aber…”, “ich weiß nicht..”
● Festsitzen in der Bearbeitung
○ wenn man in der Therapie nicht weiterkommt, festsitzt/ der K in der
Sackgasse ist
● wenn K sich schlecht distanzieren kann

Voraussetzungen für Stuhlarbeit


● gute Beziehungsebene
● dysfunktionale Schemata sind formulierbar (keine Realitätsaussagen) & sollten
○ konkret, präzise, kurz
○ problemrelevant
○ dysfunktional
○ kognitive und stark affektive Anteile
○ für das jeweilige Schema zentral sein
● K muss ein Verständnis dafür haben, was Klärung ist & worum es geht (Ziel,
Vorhaben, Schritte)

Folgen der Stuhlarbeit (EPR)


Perspektivenwechsel ermöglicht
● Problemaktualisierung & Erlebbar machen
● Werkzeug um sich zu erinnern/lernen autonom zu sein
● Wiederablösungsprozess
● K wird unabhängig vom T

Einpersonenrollenspiel
● ist ein Rahmenkonzept, in dem mehrere Methoden angewandt und umgesetzt
werden
● K ist der Experte für sich selbst 6 kann im EPR sein eigener T sein, welcher vom
Supervisor (T) angeleitet wird

Rollen
1. Klient als Klient (KK)
● Schema wurde gefunden und wird von K expliziert
2. Therapeut als Therapeut (TT)
● normales therapeutisches Gespräch mit K
28

● Annahme/Schema finden, konkretisieren


● leitet Klärungsprozess an
● prüft gemeinsam mit dem K das Schema
3. Klient als Therapeut (KT)
● Was kann mit dem explizierten Schema nun gemacht werden?
● Finden von Gegenstrategien
4. Therapeut als Supervisor (TS)
● Regiestuhl
● Anwendung des Expertenwissens
● unterstützend, anleitend
● Metaebene
● Dinge können über den K gesagt werden (“Sie als T wissen ja, dass K..”)
● Schemata diskutieren mit KT oder Schwierigkeiten in der Interaktion
ansprechen
● ermöglicht und leitet Anweisungen zum Stuhlwechsel
5. Klient als Klient (KK)
● Prüfung der Gegenstrategien auf Stimmigkeit:
○ ”kann ich diese annehmen?”
○ “habe ich diese mir selbst aufgestellt/ermöglicht?”
○ “passt das alles für mich?”
6. Therapeut als Therapeut (TT)
● leitete Klärungsprozess an
● unterstützt KK bei der Auswertung der Gegenstrategien

wichtig: jeder soll in seiner Rolle bleiben


● T muss in TT und TS beschreibend bleiben
● KS soll immer direkt mit KK sprechen

Inhalte des Einpersonenrollenspiels: Was kann bearbeitet werden?

Kognitive Bearbeitung
● beinhalten die zentralen Annahmen mit impliziten Anteilen
● ermöglicht eine kritische Haltung gegenüber Schemata auf Metaebene

Zentrale Strategien
● Hinterfragen & Prüfen
○ kritische Haltung
○ dysfunktionale Schemata explizieren
○ in Biografie/Erfahrung prüfen
● Schlussfolgerungsfehler
○ übergeneralisiert
○ willkürlich
○ personalisiert
○ katastrophisieren
○ selbsterfüllende Prophezeiung
● Fragen stellen
○ Schema wirkt nicht passend/konkret
○ Unklarheiten auflösen
● Alternativen entwickeln
○ Neues Schema erarbeiten & Hemmung dysfunktionaler Schemata
29

Motivationale Bearbeitung
● K muss Veränderung wollen
● aktive Auseinandersetzung mit dem Schema

Zentrale Strategien
● Kosten salient machen
● Gewinne salient machen
● Aufhetzen
○ systematisch gegen Schema emotionalisieren

Affektive Bearbeitung
● Erzeugung von Affekten
● persönlich relevante bedeutung
● nicht kognitiv!

Zentrale Strategien
● Evokation eines Gegenaffekts
○ Aktivierung von Emotionen und Ressourcen

Fehler der Therapeuten


● bearbeitet keine Schema-Elemente
● geraten in Plausibilitätsfallen
● sind überfordert
● sind euphemistisch
● trennen die Rollen nicht
● geben Instruktionen nicht richtig
● lassen K die Schemaannahme zum KT gewandt wiederholen
● T lässt K mit Fragen Zeit schinden
● T beharrt nicht auf eingehende Prüfung, denn K ist geneigt schnelle Lösungen zu
akzeptieren
● T lässt kognitive Schemata bearbeiten obwohl der K ggf nicht (mehr) daran glaubt

● Wichtig:präzise Rahmenbedingungen & Instruktionen


○ ermöglicht Entwicklung von Kraft/Power, um gegen destruktive Kräfte
(biografische Erfahrungen, Traumata) anzukommen
➢ Powerinstrument

Vorteile des Einpersonenrollenspiels


● Perspektivenwechsel
● aktive Auseinandersetzung
● Ressourcenaktivierung
● K erkennt, dass er nicht hilflos ausgeliefert ist
● Selbstkonfrontation verhindert Reaktanz
● T kann KT stärker/direkter konfrontieren
● Ansetzten an aktivierten Schemata anstatt “nur” Besprechung
30

Motivierungsstrategien
Motivation
= Beweggründe des Handelns, die bestimmt werden durch
● subjektiven Wert des Ziels & die damit verbunden Erwartungen (Selbstwirksamkeit:
Realisierbarkeit des Ziels) der Person
● hoher Wert des Ziels & der Erwartung = hohe Handlungstendenz
Motivation = Stärke der Handlungstendenz

Therapieziele sind fast immer schwierige Ziele & benötigen ein großes Maß an Motivation

Motivation : Motive & Ziele


stehen in engem Zusammenhang

Motive
● beeinflussen, wie Menschen auf Situationen, Ziele emotional reagieren
● Leistungs-, Macht-, Anschluss- (Freiheits-) Motiv
● liegen unter der Oberfläche bewusster Reflexionsprozesse: unbewusst

Ziele
● gewünschte Handlungsergebnisse
● prinzipiell erreichbar, bewusst

Motive & Ziele müssen nicht immer übereinstimmen, dies führt jedoch zu Unzufriedenheit
➢ Entfremdung von eigenen Motiven: Alienation

Arten der Motivation


Motivation kann betrachtet werden als
A. Konstrukt
B. einzelne Formen

Formen der Motivation


1. extrinsische vs intrinsische Motivation
● extrinsische
○ wenn der Beweggrund des Verhaltens aus einer Selbst selbst kommt
● intrinsische
○ wenn der Beweggrund des Verhaltens außerhalb der Person und
Handlung liegt
2. Annäherungs- vs Vermeidungsmotivation
● Annäherungsmotivation
○ innere Gerichtetheit auf ein Zielzustand
○ Annäherungsziele beziehen sich auf einen positiven Zustand
● Vermeidungsmotivation
○ innere Gerichtetheit von einem Zielzustand wegdrängend
○ Vermeidungsziele beziehen sich auf einen negativen Zustand
31

✓ lösen Angst aus


✓ beeinträchtigen die intrinsische Motivation
✓ spielen eine Rolle bei der Aufrechterhaltung psychischer
Störungen

Therapie- vs Änderungsmotivation
wichtig diese beiden im therapeutischen Kontext zu unterscheiden

Therapiemotivation
● = Motivation eine Therapie aufzusuchen
● Gründe für Therapiemotivation mit
A. mit Änderungsmotivation:
1. Motivation etwas zu ändern
B. keiner (negativer) Änderungsmotivation
2. Therapie als Alibi (geben dem Druck des Partners nach, wollen in Wahrheit
aber nichts ändern)
3. Therapie als Bestätigung (Therapie soll System stabil halten, bestätigen)
4. Therapie als Erlösung (K will keine aktive Änderung, sondern
Lösungsvorschläge angeboten bekommen)

Änderungsmotivation
= Motivation, aktiv etwas dafür tun zu wollen , dass sich der eigene Zustand/eigene System
ändert
● impliziert immer, dass man für ein Problem Verantwortung übernimmt (auch für
Kosten)
● wichtiger Bestandteil der Therapie: sollte aufrechterhalten bleiben
○ K muss wahrnehmen und akzeptieren, dass K selbst durch eigene Schema
das Problemverhalten aufrechterhält & nur K etwas selbst daran ändern kann
● Abgrenzung zu Leidensdruck

Makro- & Mikromotivation


Makromotivation
=langfristiges Ziel soll erreicht werden
Mikromotivation
=kleines Ziel/ Unterziel soll erreicht werden
● wichtig im Therapieprozess: aktive Mitarbeit des K

→ Mirkomotivierung setzt eine (zumindest minimal geklärte, vorläufige) Makromotivierung


voraus. Je besser, klarer elaborierter die Makromotivierung, desto besser auch die
Mikromotivierung.
32

Das Rubikon-Modell

Phasen des Rubikonmodell


Wirkungsbereich KOP (intentionsverändernde Therapien)
1. prädezisionale Phase: Motivierungsphase
● nüchterne Bestandsaufnahme von Zielen, Erreichbarkeit, Motive, Kosten
● Was (sollte) passiert hier: Klärung
○ der Annäherungsziele
○ Lebensziele
○ übergreifend Ziele von Therapie/Beratung
○ Motivation der Kostenreduktion
● Änderungsmotivation ohne Ziele?
○ K weis zu Beginn der Therapie evtl nicht definitiv welche Ziele K
verfolgt
○ Mikroebene: K soll verstehen, dass es momentan mehr/weniger klare
Vermeidungs-/Annäherungsziele, die zu verfolgen sich lohnt
○ Makroebene: K soll verstehen, dass es notwendig ist, bestimmten
Interventionen zu folgen, wenn man diese Ziele erreichen will

2. Entscheidungsphase
● Entscheidung ermöglicht Entschlossenheit als Kontinuum (schlapp - massiv)
○ Entscheidung für eine Alternative und gegen alle anderen
○ K ist konfliktfrei
○ mobilisiert Energien, geht Hindernisse aktiv an
○ Änderungsmotivation = Änderungsentschlossenheit

Wirkungsbereich bewältigungsorientierter Therapien


33

3. präaktionale Phase: Volition: Umsetzung in der Realität


● je stärker K entschlossen ist, desto
○ ausdauernder arbeitet er
○ mehr Anstrengung wird investiert
○ stärker die Auseinandersetzung mit Hindernissen
○ mehr Frustrationen werden ertragen
● T sollte sich während der therapie vergegenwärtigen:
○ Was will K umsetzen?
○ Was kan KK tun, um seine Entschlossenheit
aufrechtzuerhalten/verstärken?
○ Wie steht K Frustrationen durch?
● ZURÜCKfallen hinter den Rubikon
○ Anzeichen dafür, dass da Ziel nicht mit überdauerndern Motiven
übereinstimmt
✓ Grund 1: anfängliche Alienation, die im Verlauf aufgehoben
werden konnte
✓ Grund 2: chronische Alienation

motivierende Strategien, Methoden & Interventions-Strategien


zum Abbau von Motivationsblockaden

Klassen von Motivationsproblemen (nach dem Rubikonmodell)


Motivationsblockaden
● psychische Faktoren beeinträchtigen die Änderungsmotivation
➢ Abbau hinderlicher Faktoren, da ohne Motivation keine Motivation gesteigert werden
kann
mangelnde Motivation
● K hat zu schwache Änderungstendenz
➢ hier greifen Motivierungsstrategien
Volitionsproblem (Umsetzungsproblem)
● K kennt Ziel, ist hochmotiviert, kommt nicht voran da Umsetzungsstrategien fehlen
➢ Vermittlung von Handlungskontrollstrategien

Motivationsblockaden

1.unklare Kosten & Ziele


=K weis nicht was er verändern möchte, nich welche Zustände er anstreben soll
● Vermeidungsmotivation
○ dem K ist unklar, dass es überhaupt Kosten gibt/rechnet sich diese
schön/sind nicht wahr
● Annäherungsmotivation
○ (zu Beginn) keine Vorstellung von Zielen/welche K überhaupt haben könnte
○ Unklarheit ist umso größer, je komplexer das Problem
■ komplexe Ziele müssen erarbeitet werden in einem komplexen
Klärungsprozess
■ je besser das Verständnis für das Problem und relevante
Determinanten, desto besser die Zielentwicklung
34

■ wichtig: vorläufige, mögliche zielformulierung zu Beginn ist notwendig


(Richtunggebend)
■ wichtig: T sll Zielklärung vorantreiben, da K stärker motiviert ist,
● je klarer ein Ziel ist & wie wichtig es ist
● je besser das Ziel mit dem Motivsystem übereinstimmt

Strategien zur Auflösung einer Motivationsblockade


1. Schema & Ziele erarbeiten/klären
2. Therapieziele erarbeiten und klären
3. Kosten erarbeiten und differenzieren
4. Alternativen erarbeiten, welche die Kosten reduzieren können
5. mögliche Gewinne konkretisieren und differenzieren

2. Alienation
= Fremdsein der eigenen Motive
● wirkt sich negativ auf die Fähigkeit aus Ziele klären zu können
○ keine Motivation ohne Motiv
○ Verwechselung eigener Motive mit Fremden/ Übernahme von Ziele von
außen
● therapeutische Gefahr:
○ K entscheidet sich für explizite Ziele, die er gut kennt aber nicht mit dem
eigenen Motivsystem übereinstimmen
○ wichtig: eingehende Klärung bevor Ziele festgelegt werden

Strategien bei Alienation


1. Vergleiche zwischen Situationen, die als angenehm & unangenehm erlebt werden
● K schildert 3 angenehme, danach 3 unangenehme Situationen
● systematisches Durchgehen aller Situationen
○ detailliertes berichten, konkrete Vorstellung ( kann Rückfragen stellen)
○ plastisches Vorstellen & Situation auf sich wirken lassen: Was löst
dies aus?
○ Konkretisierungsfragen, falls Gefühl ähnlich/gleich zur
Originalsituation (Wie spüren Sie das Unbehagen? Was würden Sie
am liebsten tun/ändern?)
2. Beobachtung & Reflexion basler Alltagssituationen & -handlungen (wie diese erlebt
werden)
● “Achtsamkeitskonzept”: Herausfinden, wie man Dinge/Handlungen findet &
ob man sie (nicht) mag
● Durchführung im Alltag, in verschiedenen Situationen (mehrfach!) mit dem
Ziel:
○ Zeit für sich nehmen
○ sich fragen, was man wirklich will
○ Hinterfragen von Handlungen/Situationen (Routine)
○ was tut einem gut
● Situation in der Therapie beschreiben & konkret vorstellen
○ Wie wirkt die Situation auf Sie? Was löst diese aus? Was würden Sie
am liebsten tun? Wie sollte sich die Situation ändern?
35

3.Motivkonflikte (Motivationsebene)
= Gelähmt-Sein durch widersprüchliche Motive/Bedürfnisse (und möglichen Alternativen)
= Gelähmt-Sein durch Konflikte zwischen verschiedenen expliziten Zielen

Folge: Konflikte werden nicht systematisch bearbeitet = Schaukeln


● K verzettelt sich in Details (verliert Überblick)
● relevante Konfliktaspekte werden nicht behandelt, weil sie nicht erkannt werden
○ keine valide Problemdefinition, keine Problemlösung
● zu kurze Behandlung von Problemaspekten durch schuakeln zwischen
verschiedenen Aspekten

Strategien zur Auflösung von Motivkonflikten


Klärung, welche Ziele am wichtigsten & Kosten am geringsten sind
● Konflikt-Heuristik
Bsp.: A Auseinandersetzung mit einem Kollegen
B Vermeiden der Auseinandersetzung mit einem Kollegen
+ -

A Problem wird Kollege versteht Problem


angesprochen nicht, Beziehung gestört

B angstbesetzter Konflikt Konflikt bleibt ungeklärt


muss nicht ausgetragen
werden

1. Konfliktidentifizierung
■ T erkennt einen Teil der Information als Konfliktschema (K betrachtet
nur A- -Feld)
2. Anwenden des Konfliktschemas
■ klären & definieren der Konfliktpole (inhaltlich, was verbindet K damit)

● Konfliktschema muss die passgenauen Ansichten des K widerspiegeln


○ dabei jedem Feld genug Zeit zur klärung widmen

4.Angst vor Risiken (Entscheidungsebene)


betrifft psychologische Erkenntnis: keine Entscheidung kann unter absoluter Sicherheit
getroffen werden
● Angst vor Kosten
● Angst vor vermeintlich unangenehmen Konsequenzen einer Entscheidung (dann
lieber gar nicht entscheiden)
● Warten auf den “Erlöser”, der die Entscheidung abnimmt
● Angst vorm Scheitern
● Angst vor falschen Entscheidungen

Strategien bei Angst vor Risiken


1. Erlösungswünsche sind schwer zu bearbeiten
● deutliche Konfrontation:
○ man kann sich nicht NICHT entscheiden: keine Entscheidung ist eine
Entscheidung für den Ist-Zustand
36


Zustand verschlechtert sich solange man wartete, einen “erlöser” gibt
es nicht
○ Entscheidungen haben stets Kosten, eine Alternative ohne Kosten ist
eine Illusion
2. Katastrophenerwartungen sind leichter zu bearbeiten
● genaue Klärung der Erwartungen & Ängste
● systematische Bearbeitung dieser
○ EPR

Therapeutische Strategien zur Steigerung der Motivation

Passprüfung und Entwicklung motivationaler Kompetenz


Imagination des Ziels in einer Imaginationsübung zur Motivklärung
● weckt Emotionen beim K
● K entwickelt Gespür dafür, was ihm gut tun, welche Ziele zur Motivstruktur passen
Folgen:
● Motivationale Kompetenz = bei Zielbindung auf sich selbst verlassen können (Fokus
auf Ziel & Weg zum Ziel)
● neuen Blick auf sein Verhalten bekommen (vorurteilsfreie Prüfung, welche
Tätigkeiten gut tun)
● Normen & fremde Erwartungen offen legen

Herstellen von Entschlossenheit


Entscheidung treffen, die mit Ziele und Werten vereinbar sind
● emotionalen Engagements herstellen
● gegen dysfunktionale Schemata aufhetzen
● positive Aspekte der Veränderung besonders konkret ausmalen
T sollte dabei
● stark direktiv
● K anheizen, emotionalisieren
● K deutlich machen, dass dieser nun handeln muss
● positive, unterstützende, stark aktivierende Atmosphäre schaffen
● Modell für Aktivität sein, für Veränderung begeistern

Steigerung der Selbsteffizienz-Erwartung


Selbstzweifel in K erkennen & klären
● was traut K sich zu?
● welche Konsequenzen, Ressourcen, Fähigkeiten fehlen K?
● gibt es Hindernisse? wie können diese überwunden werden?
sind Selbstzweifel, Hindernisse identifiziert sollt T sich fragen, ob er glaubt, dass K über
nötige Fähigkeiten/Ressourcen verfügt
● JA: an jeder passenden Stelle die Fähigkeiten/Ressourcen vor Augen führen (K
erkennt Fähigkeiten, sieht Erfolgswahrscheinlichkeit)
● NEIN: Strategien entwickeln, wie Fähigkeiten verbessert/trainiert werden können
(Kompetenztrainings, etc.)

Therapeutische Strategien zur Überwindung von Umsetzungsproblemen


Umsetzungsprobleme entstehen durch Fehlen effektiver Handlungskontrollstrategien

Handlungskontrollstrategien sind wichtig wenn K folgenden Faktoren ausgesetzt ist:


1. fehlende Handlungspläne (welcher Weg bringt mich ans Ziel?)
37

2. innere Widerstände (Angst, Unlust, wenig Emotionsregulationskontrolle)


3. Versuchungen (Rückfall in alte Verhaltensmuster)
4. Handlungsunterbrechungen (ggf Rückfall hinter den Rubikon)
5. Misserfolg (Rückschläge reduzieren Motivation, verringern Erfolgswarscheinlichkeit
subjektiv)

Rolle von Handlungsstrategien & ihre Arten


schirmen eine Intention vor Störungen ab
1. selektive Aufmerksamkeit (aufmerksamkeit auf intentionsrelevante Informationen)
2. Enkodierungskontrolle (intentionsrelevante Informationen werden selektiv bearbeitet)
3. Sparsamkeit der Informationsverarbeitung
4. Emotionskontrolle (Stärkung handlungsfähiger & Herabregulierung
handlungshemmender Emotionen)
5. Anreiz-Aufschaukelung ((Stärkung der) Motivierung zum Weiter Verfolgen des Ziels
durch Erinnerung an Kosten & Gewinn)
6. Umweltkontrolle (vermindert Versuchungen und Rückfall in alte VErhaltensmuster)

Handlungsstrategien können automatisch oder kontrolliert ablaufen


● zu beachten: Handlungskontrollprozesse stehen nicht immer jedem zur Verfügung

Grenzen der Motivierung


1.primärer Krankheitsgewinn
resultieren aus manipulativen Spielstrukturen → therapeutische Aufgabe: Konfrontation
● wenn [Gewinn aus dysfunktionalem VErhalten & Kosten der Veränderung] GRÖßER
als [Gewinne der Veränderung & Kosten des gegenwärtigen Zustandes] ist es
schwer K zu motivieren

2.Motivation des T sollte ausreichend vorhanden sein


● um Phasen der Stagnation zu überstehen
● dranzubleiben, wenn K nicht mitarbeiten/sich verweigern will
● zugewandt bleiben, wenn K Interaktionsschwierigkeiten realisiert/ T testet

● mögliche Steigerung durch Klarmachen, dass


○ Widerstände sind Teil des Problems
○ K agiert so, weil er aufgrund seines Problems nicht anders kann
○ T den K nicht “retten/erlösen” muss
○ Motivationsprobleme des K eine Herausforderung ist
● wichtig: therapeutische Schwierigkeit sind nicht persönliche sondern sachliche
Probleme (Unterstützung durch Supervision, Fortbildungen bei
Kompetenzproblemen)
● T sollte sich von einem Fall lösen können: ist K nicht motivierbar macht eine
Therapie keinen Sinn
38

Fallkonzeption in der KOP


Definition & Nutzen einer Fallkonzeption
Teil des Diagnostischen Prozesses
● Mittler zwischen allgemeinem Wissen & individuellem Fall
● pathopsychologisches Wissen
● alle relevanten Faktoren der individuellen (Problem)Situation des K kann ständig
erweitert und verändert werden

● Formulierung eines funktionalen Fallverständnisses


○ berücksichtigt parallel möglichst viele relevante Faktoren
○ soll dem T während der Therapie ständig gegenwärtig sein
○ leitet die online Konstruktion therapeutischen Handelns an
○ bietet Basis zum Nachvollziehen
■ welche Teile des K aktiviert sind/von welchen Widerstand erwartet
werden kann
■ wo kann somit am besten angesetzt und problematisches Verhalten
bearbeitet werden

➢ Grundlage einer detaillierten Therapieplanung

Erstellen einer Fallkonzeption


für die KOP ist der Verstehensprozess elementat
● ist die Basis einer sinnvollen Therapie

Verstehensprozess kann durch diagnostische MEthoden ergänzt werden


1. Inkongruenzanalyse
● diagnostische Tests, Fragebögen etc.
2. Schemaanalyse
● Schema-Matrix
3. Beziehungsanalyse
● Beziehungstests
4. funktionales Problemverständnis
● Zusammenfassung den einzelnen Inhalten der diagnostisch erfassten Daten

Verstehensprozess
T kann durch geübtes Verstehen ein mentales und strukturiertes Modell über den K bilden

Modellbildung findet auf den Ebnen therapeutischer Expertise statt


1. Inhalt
2. Bearbeitung
3. Beziehung

Inhalt der Modellbildung:


● fließenden Informationen
○ sollten möglichst valide sein (gute Beziehung, Vertrauen vorausgesetzt)
○ verbal, nonverbal
39

● auf Grundlage der Expertise des K

Verstehen & Modellbildung über den K ermöglicht somit


● strukturiertes therapeutisches Handeln
● zielgerichtetes Handeln
● therapeutische Strategien

Verstehen ist ein schwieriger Prozess, der gelernt und optimiert werden muss;
therapeutische Verarbeitungs- & Handlungsheuristiken

Inhalte der Fallkonzeption und deren Erfassung

1.Kategoriale Diagnostik
Überblick über die psychische Störung
● erfüllte Kriterien
● komorbide Störungen, Wechselwirkung von Störungen
● Dringlichkeit der Behandlung einschätzen

methodische Erfassung
● SKID-Interview
● Protokoll der Indikationssitzung
● störungsspezifische Fragebögen

2.Sucht
(komorbide) Suchtproblematik wird schon in der kategorialen Diagnostik erfasst
● Abhängigkeit muss zusätzlich/zuerst behandelt werden
● frühzeitige Berücksichtigung bei der Fallkonzeption und Therapieplanung kann die
Ausbildung einer Abhängigkeit u.U. verhindern

Bsp.: Borderline PS
● Substanzkonsum als Teil der Erkrankung

3.Emotionsregulationsschwierigkeiten
Betrachtung einer Störung in der Emotionsregulation & Ausmaß der Störung

Welche Aspekte liegen vor?


● Stimmungsschwankungen, Wutausbrüche, Selbstverletzendes Verhalten (Art,
Häufigkeit, Gründe), Essanfälle, Suchtmittelgebrauch

4.Biografische Erlebnisse
aus biografischen Erfahrungen werden hochgradig relevante Schlussfolgerungen für die
eigene Person gezogen:
● Fähigkeiten, Attraktivität, Werte, Qualität von Beziehungen, etc.
● Entwicklung von Schemata (biografisch-episodische)
○ steuern und regulieren die Handlung
40

zentrale Fragen
● Welche Ereignisse waren relevant für die Entstehung von
Schemata/Interaktionsverhalten?
● gab es Motivfrustrationen/Traumata?
● Welche Erfahrungen können als Ressource genutzt werden?

methodische Erfassung
● SKID-Interview
● Protokoll der Indikationssitzung

Bsp.: histrionische PS
● dysfunktionale Selbst- & Beziehungsschemata aufgrund von Motivfrustrationen

5.Motive
zu den (Beziehungs) Motive gehören
● Anerkennung
● Wichtigkeit
● Solidarität
● Verlässlichkeit
● Autonomie
● Grenzen/Territorialität

wichtig zu erfassen ist, ob K Zugang zu seinen Bedürfnissen hat?


➢ Alienation

Bsp.: zentrale Motive der histrionische PS


● Wichtigkeit (wichtige Rolle für andere spielen, erst genommen werden)
● Solidarität (von anderen Hilfe, Unterstützung bekommen)
● Verlässlichkeit (verlässliche Beziehungen haben)

6.Schemata
Arten von Schemata
● Selbstschemata (Aussagen über die eigenen Person)
● Beziehungsschemata (Annahmen der Person über Beziehungen)
● Normative Schemata (sollen K verlassen Dinge zu tun/nicht zu tun: Eintreten
negativer Annahmen von Selbstschemata zu verhindern)
● Regelschemata (Regeln für andere, kompensieren dysfunktionale Schemata)

Bsp: dysfunktionale Schemata der histrionischen PS


● Selbstschema: ich bin nicht wichtig
● Beziehungsschema: In Beziehungen bekommt man keine Aufmerksamkeit

Schemaanalyse
durch Einordnung der Schemata & Motive wird ein Verständnis der motivationalen Ziele des
K ermöglicht

methodische Erfassung
● BIBS
41

● FAMOS

7.Spielebene
Ebene der manipulativen Handlungsregulation & intransparentes Handeln
● Bsp.:
○ Verfügbarkeit einfordern (Sondertermine, lange Termine, Telefonnummern)
○ Dramatik (histrionische PS)

methodische Erfassung
● MAS
● SDS-CM

Bestandteil der Spielebene


● Images
○ Bild, das die PErson von sich beim Interaktionspartner schaffen möchte
● Appell
○ eine zum Image passende Aufforderung an den Interaktionspartner, etwas
bestimmt zu tun/nicht zu tun
● Kosten
○ Beziehungskosten (streit)
○ authentische Motive werden nicht befriedigt
○ grundlegende Unzufriedenheit

8.zentrale Problembereiche
identifiziert der T aus den zentralen Problemen, die immer Thema sin
● kann zentrale Konfliktbereiche benennen und dem K sichtbar machen
● Schlussfolgerung: 2 Arten therapeutischer Intervention
○ Umgang mit dem Problembereich
○ Bearbeitung des Problembereichs

zentrale Problembereiche sind je nach Störung/Problematik unterschiedlich


● bedingen Symptomatik & Schwierigkeiten des K
● haben Einfluss auf den Therapieprozess

methodische Erfassung
● SKID-Interview
● Protokoll der Indikationssitzung

9.Kompetenzen & Ressourcen


Grundannahme: Mensch als aktiver Gestalter seiner Selbst
● Kompetenzen/Ressourcen können vorhanden sein
○ vorhandene Problemlösestrategien, welche funktional sein können
● können sinnvoll genutzt werden, um bestehende Probleme konstruktiv zu bearbeiten
● K hat u.U noch nicht erkannt, dass bestimmte Strategien auf bestimmte Probleme
angewandt werden können
○ T kann diese Ressourcen aktivieren und K anleiten diese besser zu
nutzen
○ Vermittlung von Kompetenz, Kompetenztraining
42

methodische Erfassung
● Ressourceninventar (RES)

10.Krisenhaftigkeit
Entstehungen von krisenhaften Phasen in
● Therapie (Bearbeitung von Schemata, Klärung)
● Alltag (instabile Beziehungen, Enttäuschungen, Niederlagen)
Grund sind meist Emotionsregulationsschwierigkeiten

Bsp.: Krisenhaftigkeit der Borderline PS


● Suizidgedanken, konkrete Pläne, Absprachefähigkeit

11.Bearbeitung
als einer der 3 therapeutischen Expertisen (Inhalt, Bearbeitung, Beziehung)
● aktive vs inhaltliche Beteiligung
● Internalisierung & Externalisierung der Problembearbeitung
● Auseinandersetzung mit sich selbst (Vermeidung vs Annäherung)

Bsp.: psychosomatische Störung


● vermeiden systematisch die Konfrontation mit negativen Selbstaspekten
(Externalisierung, Vermeidung)
➢ Bearbeitung der Problemaspekte ist gar nicht möglich

methodische Erfassung
● BIBS
● MAS
● SDS-CM

12.therapeutische Beziehung
therapeutische Beziehung wird gestaltet und ständig angepasst, erneuert
● Installation der professionellen Rollenverteilung am Anfang (T ist Prozessexperte, K
ist Inhaltsexperte)
● wechselseitige Beziehung mit Kooperation und Vertrauen
● Beziehungskredit
● Beziehungsgestaltung über
○ Verstehen, Akzeptanz, Signalkongruenz, Respekt, Loyalität
● Vertrauen
○ personales Vertrauen
○ Kompetenzvertrauen

zentrale Schemata des K sind auch in der therapeutischen Situation aktiviert & bestimmen
sein Verhalten in der Sitzung zumindest teilweise

methodische Erfassung: Beziehungsanalyse


● BIBS
● Inventar interpersonaler Probleme
43

13.Wie hängen Problembereiche zusammen?


Annahme: K hat nicht für alle Schwierigkeiten ein Problembewusstsein, welche dennoch
eine zentrale Rolle spielen können
● müssen vor & während der Therapie erarbeitet werden
● Relevanz der Problembereiche aktualisieren und absprechen

zentrale Fragen
● gibt es funktionale Beziehungen zwischen den Problembereichen?
● werden Problembereiche durch andere beeinflusst?

methodische Erfassung
● BIBS
● MAS
44

KOP : Depression (Achse I)


Achse I Störungen
● aktuelle psychische Störungen, die das Leben gravierend beeinflussen
● führen fakultativ (möglich aber nicht zwingend) zu starken Behinderungen des
Soziallebens
● dauern über einen längeren Zeitraum an

Zielorientierte gesprächspsychotherapie & KOP


ZGT ist eine Vorstufe der KOP (historisch betrachtet)
→ Zielspezifizierung (ZGT) → klärungsorientiert (KOP)

ZGT beinhaltet
1. Klärung
● was hält Probleme aufrecht?
○ Selbstkonzepte, Motive, Ziele, Werte, Normen, kognitive und affektive
Schemata
2. Bearbeitung
● auf welchem Weg könne Problem bestmöglich erkennbar werden?
○ Schema integrieren und verändern
○ internale Perspektive
○ gezielte Leitfragen entwickeln

→ K klärt, repräsentiert, verändert eigene Motive, Ziele, Werte, Überzeugungen &


affektive/kognitive Schemata

Depression
Einteilung: Depressive Störung (unipolar)
● depressive Episode
● Majore Depression
○ rezidivierend vs chronisch

Depressive Episoden

Symptome
● depressive Stimmung, Interessenverlust, Freudlosigkeit, Antriebsmangel, erhöhte
Ermüdbarkeit
● verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit, vermindertes Selbstwertgefühl und
Selbstvertrauen, Gefühl von Schuld/Wertlosigkeit, Suizidgedanken/-handlungen,
Schlafstörungen, verminderter Appetit

Ursachen
● neurobiologische Fehlfunktionen
● dysfunktionale kognitive & affektive Schemata
45

● Alienation

Verstärker-Verlust-Hypothese (Hautzinger)

kognitives Depressionsmodell (kognitive Triade)


relative (negative) Annahmen über Selbst, Umwelt, Zukunft
→ Denkfehler: willkürliche Schlüsse, Übergeneralisierung, Über-Untertreibung, Schwarz-
Weiß-Denken
→ Spirale die zum “fesgetfahren” führt

Emotionale Schemata
verknüpfen Kognitionen & Motivation mit Affekten & Handlungen
→ negative Selbstbewertung als Folge der Aktivierung emotionaler Schemata
→ negative Kognitionen führen zu negativen Emotionen (negativer “state of mind”), welche
negatives Gedanken & Grübeln aktiviert, dies führt zu einer negativen Stimmung & mangelnden
Handlungstendenzen
→ negatives Schema führt zu negativer Informationsverarbeitung & Übergeneralisierung der
Information (nie) & somit zur konstanten Bestätigung des Schemas

Internalisierung, Selbstaufmerksamkeit & Selbstzugang


Begrifflichkeiten
● internalisiert / externalisiert = nach innen/nach außen gerichtet
● Selbstaufmerksamkeit
○ funktional: flexible und adaptive Selbstfokussierung
○ dysfunktional: mangelnde Flexibilität und erhöhte Dauer des
Selbstaufmerksamkeitszustandes (DEPRESSION)
● Selbstzugang
○ Selbstzugang: Zugriff auf selbstrelevante Informationen
○ Selbsthemmung: negative Affekt/Stress unterbindet den Zugriff

(neuropsychologische) Beeinträchtigungen bei Depression


● Wahrnehmungsperspektive eher internal
● Neigung zu internalen Kausalattribuierung
46

● intensiver Zugang zu Selbstzweifeln


● negative Beziehungserwartungen

therapeutisch sollte folgendes in den Mittelpunkt gesetzt werden:

KOP bei Depression


Vorteile der Anwendung
● hohes Maß an Beziehungsgestaltung
● Klärung relevanter Schemata
● Klärung “typischer Verarbeitungsfehler”
● unterstützt K dabei “den Rubikon zu überqueren”
○ Klärung: wie kann K dazu motiviert werden, welche Schritte sind dazu nötig
○ K soll letzten Endes lernen sich selbst ins Handeln zu bringen
○ autonome Entscheidung dem K selbst überlassen
○ Beziehungsebene betont und unterstützt: wie, wo, bis wann überquere ich
● T arbeitet sehr dicht & kleinschrittig mit dem K am Problem, um den K nicht “zu
verlieren”
○ kann auch Beziehungskredit kosten
○ Verhalten des T sollte dabei immer beim K (gut) ankommen: empathisch,
wertschätzend, kongruent

Indikation & Kontraindikation


Indikation
● leichte und stärkere depressive Episoden
● Teilremission, dysthyme, chronifizierte und subklinische depressive Zustände
● individuelle Prävention und Rückfallprophylaxe
Kontraindikation: schwere Depression
● Salienz der Inhalte kann den Zustand ggf verschlimmern
● dosierte Klärung erst nach Stabilisierung
● Problem: kein Zugang zum Verstand, K sind zu sehr emotionalisiert und internalisiert
& KOP benötigt freien “Denk-Platz”

therapeutische Konzipierung/Voraussetzung
individuelle Prüfung
47

● sind dysfunktionale Schemata & Alienation an der Entstehung & Aufrechterhaltung


des depressiven Zustandes beteiligt?
● Hat der Klient aktuell notwendige Belastbarkeit & Fähigkeit zur Internalisierung?
○ Ja: KOP
○ Nein: VT

Ziele der KOP bei Depression


1. Klärung
2. Bearbeitung dysfunktionaler Schemata
3. Aufhebung der Alienation
4. therapeutische Beziehung
5. Problemaktualisierung
6. Aktivierung & Mobilisierung der Klienten-Ressourcen

Strategien der KOP bei Depression


● Motivation
● Perspektivenwechsel
● Ressourcenstärkung
● Bezeihungsgestaltung
● Direktivität
● Klärung
● Annahmen explizit machen
● Problem auf den Punkt bringen
➢ “Man muss irgendwo anfangen. Das Ganze nochmal von vorne.”

Schemaklärung
1. angepasstes Vorgehen: flexibler Einsatz von KOP & KVT
● je nach Störungsgrad, Belastbarkeit
● Vorliegen akuter Krisensituationen
2. Sicherheitsabstand: flexible Nähe zur Kante des Möglichen
● bei zu starker Internalisierung & Emotionalisierung vorübergehend supportiv-
lösungsorientiert, nicht klärungsorientiert arbeiten
3. kurzfristige Selbstregulation: pausierte Katastrophisierung
● bewältigungsorientierte Techniken
○ Gedankenstopp
○ funktionale Selbstverbalisierung
○ Aufmerksamkeitsleitende Skills
○ Achtsamkeitsübungen

Motivkongruentes Handeln Lernen


nach erfolgter Remission: klärungsorientierte behandlungsphase

1. K soll unter Anleitung von T herausfinden, was zu seinen Bedürfnissen passt/seine


Präferenzen sind
● Anleitung zum systematischen Abbau von Alienation
● Ergänzung: Buasteine achtsamkeitsorientierter Verfahren
48

2. Bearbeitung dysfunktionaler kognitiver & affektiver selbst-, Beziehungsschemata &


deren Kompensationsversuche

EPR in der KOP zur Behandlung der Depression


EPR wurde im Hinblick auf die Arbeit mit Depression entwickelt

integratives Therapieverfahren
Methoden der
● kognitiven & affektiven Therapie
● motivationalen & klärungsorientierten Therapie

Abweichung vom KOP-Prinzip “Klären vor Lösen”


● zeitgleiche Bewältigung & Ressourcenaktivierung
● häufiges Wechseln zwischen Klärung & Bewältigungsphasen
49

Modell der doppelten Handlungsregulation

Grundlagen
Modell soll das zum Teil verständliche/paradoxe/intransparente Verhalten von Personen mit
Persönlichkeitsstörungen verständlicher machen

● Interaktionsstörungen zeigen sich in Beziehungen = Beziehungsstörung


● man unterscheidet dabei zwischen
○ ich-synton (Persönlichkeitsstörung)
■ inneres Erleben (funktionales/dysfunktionales Verhalten/Denkmuster,
Ziel/eMotive/Bedürfnisse) wird als zugehörig zur Person empfunden
■ keine Distanz zu dysfunktionalen Mustern/Verhalten (in der Wolle
gefärbt)
■ empfinden kein Leidensdruck in der Interaktion (wenn dann nur
indirekt)
○ ich-dyston
■ funktionales/dysfunktionales Verhalten/Denkmuster,
Ziele/Motive/Bedürfnisse werden nicht als zugehörig zur Person
empfunden
■ Reflektion dysfunktionalen Verhaltens möglich
■ empfinden Leidensdruck, der nicht unbedingt krankheitswert hat

Modell der doppelten Handlungsregulation

1. Motivebene
Motivebene basiert auf der Plananalyse
50

● Planstruktur umfasst alle wichtigen Ziele/Pläne & alle bewussten/unbewussten


Mittel, die der Mensch zur Realisierung einsetzt
● Verschachtelung von Motiven (Zweck/Ziel) & Mitteln
○ 1.Mittel stehen im unteren Teil der Hierarchie
○ 2.Motive/Absichten stehen im oberen Teil der Hierarchie
● typisch sind (mehrere) Verzweigungen nach oben und nach unten
○ versuchen, mit ein und demselben VErhalten gleichzeitig mehrere Ziele zu
erreichen
○ haben mehreren Verhaltensweisen, um ein Ziel zu erreichen

Motivebene beinhaltet
● Motive 6 interaktionelle Ziele
● Verarbeitungs- & Handlungskompetenzen
● Handlungen & Konsequenzen

→der Interaktionspartner kann auf authentischer Ebene die Intention/Absicht erkennen

2. Ebene der dysfunktionalen Schema


Die Grundlage für Handlungen sind Schemata
● Selbst- & Beziehungsschemata
● mögliche Diskrepanz zu Motiven/Zielen
● Tests (wenn Diskrepanz auftritt)

interaktionelle Tests finden im Alltag & in der Therapie statt


● K testset den Interaktionspartner ob dieser bei Provokation zuverlässig, freundlich
bleibt
● K testet die Beziehung
● Aufgabe des T in der Therapie bei Tests:
○ erkennen worum es wirklich geht/zugrunde liegendes Problem finden:
Spieleben verlassen & auf Bearbeitungsebene mit Zugang und Authentizität
(Motivebene) gehen
■ T soll unbefriedigtes Bedürfnis erkennen & füttern
■ K kann erkennen erkennen, was er wirklich will/braucht
○ ernst nehmen (K verstehen)
○ Beziehung stärken (Zuverlässigkeit)
➢ muss echt sein!
➢ “ich sehe, dass Sie .. sagen/tun, was bedeutet dass für Sie?”
➢ “Sie sagen ja auch, dass Sie oft betonen welche Leistung sie erbracht
haben … haben Sie dies auch anerkannt?”

3. Spielebene
● die Spielebene zeigt sich im konkreten Verhalten des K
● sie entwickelt sich zufällig, langsam & nicht absichtlich
○ wird gelernt durch Reiz-Reaktions-Lernen
● Entwicklung einer Spielebene & Zweck
○ Gewinne: interaktionelle Ziele werden erreicht
aber unter
○ Kosten/Verlust: wesentliche Bedürfnisse werden nicht erreicht
● Spielebene ist demnach kurzfristig erfolgreich, langfristig aber (eher) nicht
51

Man unterscheidet bei der Entwicklung der Spieleben zwischen

positive Kontrolle negative Kontrolle

K wird von wichtigen K wird ständig kritisiert


Interaktionspartnern nicht beachtet ● um dies zu vermeiden, übt die
● findet heraus, dass Person negative Kontrolle aus
Aufmerksamkeit durch (Informationen vorbehalten),
Verhalte bestimmte Verhaltensweisen um sich selbst zu schützen
n erhalten kann
Person lernt bestimmte Effekte mit K übt Kontrolle über die Umwelt
bestimmten Verhaltensweisen zu aus, damit etwas schlimmes nicht
erzeugen eintritt
➢ K übt Kontrolle über die
Umwelt aus
Problem:
● Kontrolle ist eine Lösung für eine unangenehme Interaktionssituation ändert
jedoch nichts an der grundlegenden Erfahrung
● Bsp.: K bekommt nur Aufmerksamkeit, wenn sie sie “erkauft/erarbeitet”; K vermeidet
Kritik/Angriffe durch Abgrenzung zu Anderen

Images & Appelle


erzeugen bestimmte Effekte & sind nur notwendig, wenn K keine Aufmerksamkeit um seiner
selbst Willen bekommt
1. Images
● sollen beim Interaktionspartner ein bestimmtes Bild von einem selbst
vermitteln
● bereiten Appelle vor
● “ich bin klein, dick, hässlich”
2. Appelle
● positiver Appell
○ Aufforderung etwas Bestimmtes zu tun
○ Interaktionspartner soll die Sichtweise des K bestätigen, sich mit K
solidarisieren, rund um die Uhr verfügbar sein,...
● negativer Appell
○ Aufforderung etwas Bestimmtes nicht zu tun
○ Partner soll die Sichtweise der Person nicht in Frage stellen, keine
unangenehmen Themen berühren, auf Distanz bleiben,...
● explizit/implizit äußerbar

Folgen des Handelns auf der Spielebene & Konsequenzen für die Therapie
→ Ziele & Strategien sind intransparent
○ diese Intransparenz wird nicht vom K selber aber von den Interaktionspartnern
wahrgenommen
○ Interaktionspartner verstehen die Entwicklung & den Zweck der Spielebene nicht
○ Interaktionspartner nehmen K aufgrund der Intransparenz nicht ernst a
➢ gestörte Interaktionen
→ interaktionelle Ziele der Spiel- & Motivebene stimmen nicht überein: Diskrepanz
→ T muss Spielebene erkennen, K ernst nehmen & dann auf die authentische
Bearbeitungsebene dahinter gucken & nachfragen
52

○ K fühlt sich zum ersten mal gesehen/verstanden & lernt dadurch sich selbst/eigene
Bedürfnisse/Ziele kennen

Aufbrechen & Deutlichmachen der Spielebene


mit Hilfe von Biografiearbeit
● Fragen nach Informationen
● Wahrnehmung nonverbaler Signale
➢ ermöglicht Schlussfolgerung auf Schemata
➢ ermöglicht systematisches Aufstellen von Hypothesen

➢ Verknüpfung von aktuellem Verhalten/Erleben mit biografisch relevanten


Informationen
○ Rekonstruktion der Biografie mit dem K zusammen
○ “Mir fällt auf dass Sie…”
○ “Wie kommt das denn?
➢ Affektbrücke: Brücke von heute zu damals → K kann sich verstanden fühlen und
dies ermöglicht Heilung

Bewusstheit der Ebenen


Motivebene nicht bewusst
Spielebene IdR nicht bewusst

Ab wann kann man über pathologisches Verhalten sprechen?


wenn Alienation vorliegt
● Entfremdung der eigenen Motive
● wenig/keine Chancen seine eigenen Motive kennenzulernen/ danach handeln zu
können
● “fremde” Motive werden als die eigenen angenommen und auch von der Umgebung
des K befriedigt, sodass die entstehende Abhängigkeit zwischen Umwelt &
Motivbefriedigung aufrecht erhalten wird
➢ System (Modell) stabilisiert sich selbst
53

Narzissmus

Definitionskriterien nach dem Modell der doppelten Handlungsregulation


3 Typen von Narzissten:
1. erfolgreiche
2. gescheiterte
3. erfolglose

Allgemeine Merkmale
● für Beziehungshandeln ist Anerkennung zentral (ist nicht immer bewusst)
● mehr oder weniger negatives Selbstschema mit negativen Annahmen über
Kompetenzen, Fähigkeiten, Akzeptabilität
○ generiert starke Selbstzweifel
○ werden sie aktiviert folgt hohe Kritikempfindlichkeit
○ SK- =negativer state of mind: Nachdenken über Misserfolge,
vermeidungsorientiert
○ SK+ Nachdenken über Erfolge, annäherungsmotivation
➢ beide hemmen sich, sodass Zugang zu Erfolg/Ressourcen verschlossen
bleibt; Auseinandersetzung damit wird vermieden (will kein Versager sein)
● Schwanken zwischen positiven & negativen Schema mit unterschiedlicher state of
mind Modi (Stimmungsschwankungen)
● starke bis unterschwellige Selbstzweifel durch immer vorhandenes, latentes SK-
➢ Folge: Gefühl einer “Mogelpackung-Version”, Gefühl dass wie in zweiter Film
immer mitläuft
● kompensatorische Aktivitäten (wegen Selbstzweifel, negatives Selbstschema)
● negative Beziehungsschemata mit der zentralen Annahme abgewertet werden zu
können (zur Sicherheit persönlich Distanz durch hohes Maß an Autonomie)
● mehr oder weniger ausgeprägtes Regel-Setzer-Verhalten (ich-zentriert, flexibel)
● nutzen Interaktionspartner für das Erreichen eigener Ziele aus (manipulativ)
● sehen sich subjektiv als “das Zentrum des Universums”

Charakteristika erfolgreicher Narzissten


1. Kompensation über Leistung
2. realistisch positives Selbstschema
3. Unterscheidung zwischen realistisch & unrealistisch erfolgreiche Narzissten
● realistisch: neg Schemata leicht-mittelstark
● unrealistisch: neg Schemata stark bis extrem neg
4. streben nach Autonomie, hohe Handlungsorientierung
5. normative Schemata (extrinsisch und intrinsisch motiviert)
6. hartnäckige und ausdauernde Zielverfolgung
7. hohe (schwankende) ich-Syntonie
8. somatische Erkrankungen (unrealistisch erfolgreiche N)

Charakteristika Gescheiterter Narzissten


1. Beziehungsmotive
● Anerkennung, Wichtigkeit, Solidarität
2. hohe Erwartungsorientierung (an wichtigen Bezugspersonen)
54

3. hohe Alienation (schlechter Zugang zu eigenen Motiven/Zielen & verfolgen oft Ziele,
die mit dem eigenen Motivsystem inkompatibel sind)
4. Verpflichtung gegenüber Erwartungen
5. geringe Autonomie
6. falsche Berufswahl (durch Verpflichtung “fremder” Ziele gegenüber)
7. Festsitzen am Konfliktpunkt (Vermeidungstendenz durch inkongruente Zielverfolgung
& Annäherungstendenz aufgrund hoher Erwartungsorientierung)
8. Unmöglichkeit den Konflikt zu verlassen (=Scheitern)
9. Exkulpierende Strategien (Schuldursache wird extern gesucht, da sie selbst nicht
scheitern “können”)

Charakteristika Erfolgloser Narzissten


1. Motive: Anerkennung, Wichtigkeit, Solidarität
2. negatives Selbstschema mit geringer Selbst-Effizienz-Erwartung
3. illusionäres positives Selbstschema
4. unrealistische Ziele
5. Anstrengungsvermeidung (Anstrengung, Aktivität, Ausdauer, Engagement)
6. exkulpierendes (entschuldigendes) VErhalten
7. Regel-Setzer-Verhalten (Erwarten ähnlichen Status wie erfolgreiche N →
Interaktionsprobleme)
8. Erfolglosigkeit
9. Unterscheidung in der Leistungsbereitschaft zwischen
● völlig erfolglos: kein Leistungsverhalten, keine kompensatorischen
Leistungsbemühungen
● relativ erfolglos: Leistungsverhalten nur so viel wie unbedingt erforderlich ist,
bleiben deutlich unter ihren eigenen Möglichkeiten

Entstehung eines erfolglosen Narzissten


● Konflikt zwischen Wunsch (Erwartungen gerecht werden) & Einschätzung
(Erwartungen nicht erfüllen zu können/nur unter großer Anstrengung)
● Folgen:
○ keine realen Erfolge
○ keine Kompetenzen
○ keine realen Ressourcen

Therapeutische Grundlagen
1. nicht mit K in Konkurrenz treten
2. nicht auf Machtkämpfe einlassen
3. übertriebene Selbstdarstellung als Teil des Klientenproblems sehen & nicht positiv
konnotieren
4. starke Vermeidung des negativen Selbstschema als normale Prozessphase & nicht
als Widerstand ansehen
5. Respekt zeigen, K als “peer” ansehen

Therapiephasen & allgemeine Strategien


1. Beziehungsaufbau
● Schaffung eines Beziehungskredit
● Komplementarität zur Motivebene (!)
○ K nie defizitär definieren
○ T folgt der Auftragsdefinition des K
55

○Bedürfnisse des K füttern


○Ressourcen des K akzeptieren
○Normalisieren
○Raum für Selbstdarstellung lassen: ehrliche, wertschätzende
Rückmeldung über schon erlebte Erfolge & beim erzählen lassen
ernst nehmen, nicht werten
○ bedingungslose Wertschätzung
○ Compliance schaffen
● ggf Anfänge der Klärung
2. Entwicklung eines Arbeitsauftrages
● Erzeugung der Änderungsmotivation (von ich-synton zu ich-dyston)
● Spielstruktur transparent machen (Konfrontation mit Kosten, Intention, Spielstruktur,
Manipulation, so soll Änderungsmotivation entstehen) → kostete Beziehungskredit!!
3. Klärung
● Explikation
● Biografiearbeit
4. Bearbeitung der Schemata
● systematische Bearbeitung
● EPR

therapeutische Intervention bei Narzissten: Trojanische Pferde


● veranlassen K der therapeutischen Strategie zu folgen
● erzeugen Compliance (& lösen keine Reaktanz aus)
● “dockt” am System des K an & macht sich Annahmen des K zu nutze
● K empfindet Intervention als sinnvoll & folgt dieser aus eigener Motivation

Therapie erfolgreicher Narzissten


Ziel: Schwächen dysfunktionaler Kompetenzen & Aufbau alternativer Verhaltensweisen
● normative Schemata herausarbeiten, bearbeiten, Kosten aufdecken
● Bearbeitung negativer Schemata (SK- sind nicht wahr)
● intrinsisches Leistungshandeln (erkennen & anerkennen)
● unrealistische Ziele bearbeiten (K muss sich nicht beweisen)
● Kosten salient machen
● Anreize für Alternativen

Therapie gescheiterter Narzissten


Ziel: “Festsitzen” & zusammenhängenden Konflikt bearbeiten & lösen
● Erwartungen bearbeiten (sind gebunden an Bezugspersonen & in Frage stellen)
● Bearbeitung des negativen Selbstschemas
● Bearbeitung der Alienation (eigene Motive, Ziele herausarbeiten)
● Kompetenzerwartungen aufbauen (selbsterfüllende Prophezeiungen & generalisierte
Misserfolgserwartungen vermeiden)

Therapie erfolgloser Narzissten


in nur 25-30% der Fällen ist mit Fortschritten zu rechnen, da es schwierig ist komplementäre
Beziehungsgestaltung zu realisieren & Aufbau von Beziehungskredit sehr schwer

Ziel: therapeutisch alles versuchen, was möglich ist!: Annäherungstendenz an Leistungsverhalten


stärken & Vermeidungsniveau senken → K soll auf eigenen Beinen stehen können
● Akzeptanz! (keine Erwartungen, T hilft wenn K Änderung will)
56

● Komplementarität zu Motivebene verwirklichen


● hohe Empathie dem K gegenüber
● vorsichtiger Versuch Ks Schemata zu explizieren & den K zu konfrontieren
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KOP im Alltag
Wie ruiniere ich meine Beziehung, aber richtig?

Beziehung
2 Individuen mit eigenen Motiven, Bedürfnissen, Wünschen, etc.
● “joint venture”: gemeinsam mehr erreichen
○ Sicherheit
○ Spaß
○ Zufriedenheit
● reden miteinander, verhandeln

Konfliktbearbeitung (= Leistung)
● Kompromiss: dem Interaktionspartner entgegen kommen durch Verzicht auf
eigenen Bedürfnisse, Wünsche, Ziele
● Verlust für beide Parteien & dennoch Win-Win
● Gleichgewicht nötig
● Konfliktproblem:
○ unterschwelliges Austragen auf der Inhalts-, nicht der Beziehungsebene

Ressourcenfaktoren einer Person


● Fähigkeit zum Zuhören, Empathie
● vertrauensvolle Beziehung
● komplementäre Beziehungsgestaltung: Motive des Partners berücksichtigen

Strategien der Konfliktbearbeitung


● Klarheit
○ Leitfragen stellen und selbst beantworten
● Sprechen:
○ klares, prägnantes Sprechen
○ explizit definieren
○ relevante Aspekte direkt ansprechen
● Zuhören & Verstehen
○ aufmerksames Zuhören
○ Versuch den Interaktionspartner zu verstehen
○ Rückschluss auf zugrundeliegende Motive, Ziele, Wünsche
● Verhandeln
○ eigene Position klarmachen
○ mögliche Lösungswege suchen

Krawall- vs kooperativer Modus


● Streit gegeneinander vs Kooperation miteinander
● richtige Beziehungsbotschaften senden
○ keine Abwertung/Verletzung
○ Ich-Botschaften
○ keine Vergeltung
○ kleine Schritte
○ Reduktion der Komplexität
● Rahmenbedingungen schaffen
○ Zeit, keine Störung
58

○ Vertraulichkeit
● Motivation
○ bewusste Entscheidung zur Konfliktbearbeitung & gegen Vermeidung

“Probleme” in der Beziehung


● Typische Fehler
○ Romantischen Ideologien Glauben schenken & daraus ungünstig
Schlussfolgern
○ alles wird von selbst optimal laufen, Bemühungen sind nicht notwendig
○ Schuld für das Scheitern nur auf sich beziehen
● Konfliktvermeidung
○ führt eher zur Verschlimmerung
○ oft unterschwelliges Austragen auf der Inhaltsebene anstatt auf der
Beziehungsebene
● problematische Faktoren in der Person
○ soziale Ängstlichkeit: Vermeidung
○ Konfliktempfindlichkeit: keine Konstruktive Bearbeitung
○ Egozentrismus: keine Kompromissbereitschaft
○ Zwanghafter Persönlichkeitsstil: erschwerte Verhandlung (haben feste
Vorstellungen)
○ paranoider Persönlichkeitsstil: Vermeidung und erschwerte Verhandlung
(mangelndes Vertrauen)

Paartherapie
● T als Moderator für das Konfliktmanagement
○ Hochschaukeln verhindern
○ Kooperation statt Krawall
○ Missverständnisse & Verzerrungen aufdecken
● Aufgaben des Moderators
○ aktuelles Problem bearbeiten, nicht die Ursache diskutieren
○ keine schuldzuweisung
○ Explizierung eigentlicher Konfliktthemen
○ alles unter der Annahme “Erhalt der Beziehung ist wertvoll”
○ Interaktionelle Aufgaben
■ starke Steuerung der Interaktion
■ Kommunikation über Moderator
● Rolle des Moderators
○ neutral bleiben
○ Beziehungsgestaltung realisieren
○ keine inhaltlichen Ratschläge erteilen
○ prozessdirektiv handeln
○ Regeln setzen
○ dysfunktionales handeln unterbinden
○ Stellung Nehmen

Manipulation in der Beziehung


Vermeidung von Manipulation
● Kontakt auf ein Minimum beschränken/abbrechen
● für sich selbst sorgen: man muss sich nicht alles gefallen lassen
59

Aufdecken der Manipulation


Manipulation lebt von Tarnung, wird diese aufgedeckt, können viele Strategien nicht mehr
realisiert werden
● Grundvoraussetzung: Durchschauen
● Strategien
○ offen ansprechen
○ verbalisieren, andeuten
■ lasse mich nicht mehr austricksen
■ mache allen deutlich, was der Manipulator macht
● wirkt abschrecken, denn
○ Angst bloßgestellt zu werden
○ erkennt, dass Interaktionspartner sich nicht mehr manipulieren lässt

Spiel transparent machen & Spieler konfrontieren


● interaktionelle Ziele des Spielers aufdecken, klar machen worum es eigentlich geht
(aber was der Spieler nicht wahrnimmt/wahrhaben will
● verbalisieren
○ “du musst nicht spielen/simulieren”
○ transparent machen, welche Images der Spieler sendet
○ Implizites Explizit machen
○ vermitteln, dass man dem Appell des Spielers nicht nachkommt
● Aufdecken widerspricht der Absicht des Spielers
● geht auf den Beziehungskredit!

Entwicklung von Gegenstrategien


● Reaktion mit interaktioneller Krise (Unverschämtheit mir sowas zu unterstellen)

Standartstrategie zur Bewältigung von interaktionellen Krisen


● ruhig bleiben (Person verteidigt sich, da man ins Schwarze getroffen hat)
○ Rage ist nicht gegen einen persönlich, folglich nicht beleidigt sein
○ nicht rechtfertigen
● schnell reagieren, sonst redet der Spieler sich in Rage, unterbrechen

● Pseudo-Entschuldigung: “Ich entschuldige mich dafür, dass das so bei dir


angekommen ist.”
● Ja-Aber-Strategie:
○ Ja-Fürsorge (Ich sehe wie schlecht es dir geht und würde dir gerne helfen)
○ Aber (ich denke du solltest effektiv etwas gegen dein Leiden tun)
● man ist bis zu einem Punkt sehr hilfreich, lässt sich aber nicht ausnutzen
● das Leben & Handeln der Person liegt in ihrer eigenen Verantwortung

Erpresser-Strategie
● Spieler erpresst Interaktionspartner etwas zu tun/nicht zu tun
● mit fatalen Folgen
○ zB du bist herzlos wenn du mir nicht hilfst
● Interaktionspartner hat die Entscheidung
○ zu unterstützen
○ Beziehung abzubrechen
● Terroristen Logik
○ Zwang etwas zu tun/ zu unterlassen
Trojanisches Pferd
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● Person wird dazu veranlasst, etwas zu tun, was sie eigentlich nicht wollte aber was
gut/konstruktiv für sie ist
● greift an den Bedürfnissen der Person an
● veranlasst die Person es selbst zu wollen