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1.

PRAXISERKUNDUNGSPROJEKT – PEP-FRAGE:
Was kann man beobachten, wenn die kommunikative Funktion einer Verbform (Passiv) im Vordergrund einer Aufgabe
steht und wie wirkt sich das auf die Sprachproduktion der Lernenden aus?

2. BESCHREIBUNG DES ZUSAMMENHANGS DER PEP-FRAGE ZU DEN INHALTEN DER


BEARBEITETEN DLL-EINHEIT (IMPULS FÜR DIE FRAGE, VERWEIS AUF KAPITEL, AUF
AUFGABE ETC.) (MAXIMAL 0,5 SEITEN)

Die PEP-Frage steht im Zusammenhang des Kapitels 3 (Die Wörter) der DLL-Einheit 3, die bezweckt, die Aufmerksamkeit
der Lehrenden auf die Rolle der formalen Eigenheiten und der Funktionen und Bedeutungen der sprachlichen Mittel der
deutschen Sprache in der Kommunikation aufmerksam zu lenken (S. 7). Aus diesem Grund habe ich mich für die Verbform
vom Passiv interessiert. Spezifisch auf die Verben erwähnt der Teilkapitel 3.3.3 (Aktiv und Passiv), dass die Einteilung der
Verben in passivfähige und passivunfähige Verben zur kommunikativen Darstellung der Perspektive von Bedeutung ist (S. 87).

Dem Kapitel 3 zufolge ist es oft sinnvoll, „die Lernenden zuerst für die Funktion einer Struktur zu sensibilisieren und
danach erst die Formen einzuführen“ (S. 175). Bezüglich der Einführung des Passivs ist es dann wichtig, auf seine zentrale
Leistung, und zwar die der täterabgewandten Darstellung von Vorgängen/Sachverhalten, zu fokussieren. Infolgedessen wäre
es für den Unterricht und in Folge dazu auch für das Erlenen der Form vorteilhaft, ihnen zuerst authentische Passivsätze zu
präsentieren und die kommunikative Funktion samt den Besonderheiten der Form zu ergründen.

Mit den erwähnten theoretischen Grundlagen wurde das im Unterricht benutzte Lehrwerk (deutsch.com 3) analysiert,
um zu überprüfen, ob es die Funktion vom Passiv vor seiner Form einführt und adäquat für die Durchführung des PEPs ist.
Der Analyse nach wird die typische Abwesenheit vom Akteur/Handelnden in der Darstellung eines Vorgangs/Sachverhalts
nicht optimal gezeigt, denn mit den vom Buch angebotenen zwei Sätze (Abb. 1) wird eher die unterschiedlichen Perspektiven
vom Aktiv und Passiv dargestellt, da der Passivsatz den Agens („von Ronja und Sophia“) enthält.

Ein weiterer relevanter Aspekt in der Analyse war, ob das Buch die Unterschiede in der Darstellung eines Geschehens
verdeutlicht. Dafür bietet das Buch zwei Bilder (Abb. 2) an und die Darstellung ist erfolgreich, dennoch ist die Frage
entstanden, ob nur ein Beispiel genügend für die Wahrnehmung der Unterschiede zwischen Aktiv und Passiv ist. Für die
Verdeutlichung der Funktion wird eine Tabelle (Abb. 3) angeboten, die den Lernenden dabei hilft, die unterschiedlichen
Perspektiven von Aktivsätzen und Passivsätzen zu systematisieren. Schließlich wurde untersucht, ob das Passiv in einem
kommunikativen Kontext eingeführt wird und nach der Analyse, habe ich festgestellt, dass die Verbform erst nach einer
Übung in einem kommunikativen Kontext (Rezept) eingebettet wird (Abb. 4). Nebenbei werden schon Passivsätze mit
Modalverben eingeführt, was verwirrend für die Lernenden sein kann.

Aus der Analyse schließe ich, dass die kommunikative Funktion des Passivs nicht ganz explizit in der Lektion vermittelt
wird und folglich ungeeignet für die Durchführung des PEPs ist. Als Nächstes beschreibe ich, die dafür gefundenen Lösungen
und die Durchführung vom Projekt.

3. BESCHREIBUNG DER DURCHFÜHRUNG DES PRAXISERKUNDUNGSPROJEKTS (MAXIMAL


1 SEITE)

Um den Lernenden verschiedene Beispiele von Passivsätze und ihren entsprechenden Aktivsätze samt einer
Visualisierung mit Bildern anzubieten, wurde in der Präsentationsphase zwei Videos gezeigt. Das Video 1 1 beschreibt ein
Rezept von Kokosnusskonfekte mit Aktivsätzen, sodass die Köchin hervorgehoben wird, und das Video 22 beschreibt das
gleiche Rezept, aber diesmal mit Passivsätzen, sodass die Prozesse und Handlung des Rezepts im Mittelpunkt stehen und die
Köchin komplett gelöscht wird. Nachdem die Lernenden die zwei Videos angeschaut haben, haben sie einen Fragebogen

1
Zugang unter: https://videos.mysimpleshow.com/QG0UenqoJY
2
Zugang unter: https://videos.mysimpleshow.com/dTJ6uSckfV

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(Anhang 1) beantwortet. Das Ziel dieser Phase war, die Lernenden mithilfe der Beispiele von den Videos und des Fragebogens
für die Funktion des Passivs zu sensibilisieren.

Nach der Sensibilisierung wurde eine Systematisierung durchgeführt, die den Zweck hatte, die unterschiedlichen
Funktionen und Perspektiven von Passiv- und Aktivsätze zu systematisieren. Dafür wurden die Lernenden im Plenum gefragt,
was in den zwei Videos am wichtigsten war. Die Ergebnisse wurden dann auf die Tafel geschrieben (Abb. 5), dann haben die
Schüler mithilfe einer Tabelle (Abb. 6) die Funktionen von Passiv- und Aktivsätze systematisiert. Nachdem gesichert wurde,
dass die Lernenden die unterschiedlichen Funktionen begriffen haben, wurde dann die Form vom Passiv eingeführt, indem
die Lernenden die Regel der Bildung vom Passiv (Abb. 7) ergänzen sollten.

Nach einer Übungsphase (Abb. 8), die das Ziel hatte, die Form vom Passiv zu üben und den Text chronologisch
strukturieren zu üben, haben die Lernenden in der letzten Phase das Passiv reproduktiv angewandt, um ein Rezept zu
präsentieren. Für diese Aufgabe wurden die Lernenden in zwei Gruppen geteilt und jede Gruppe hat ein brasilianisches Rezept
(Abb. 9 und 10) bekommen, dass sie im Passiv in einer Präsentation beschreiben sollten. Nach der Präsentation sollte dann
das gerade vorgestellte Rezept von der anderen Gruppe geraten werden. Die von den Lernenden gestaltete Präsentation
stehen als Anhang 2 und 3 zur Verfügung und wurden analysiert und diese Analyse ist Teil der Ergebnisse vom Projekt, die als
Nächstes vorgestellt werden.

4. ERGEBNISSE DER DATENERHEBUNG (MAXIMAL 0,5 SEITEN, BEOBACHTUNGSBÖGEN /


FRAGEBÖGEN O.Ä. ALS ANHANG)

Die ersten Daten wurden mittels eines Fragebogens (Anhänge 1 und 4) im Unterricht gesammelt, der bezweckte zu
untersuchen, ob die im Unterricht gezeigte Videos hilfreich bei der Wahrnehmung der Funktion vom Passiv waren. Außerdem
sind die Daten auf den während der Stunden Beobachteten basiert. Die durch den Fragebogen und die Beobachtungen
gesammelten Daten zeigen, dass die Lernenden sowohl die Abwesenheit der handelnden Person als auch die Hervorhebung
der Handlungen im Passiv gemerkt haben, trotzdem konnten sie nur teilweise und mit Unterstützung der Lehrkraft andere
Kontexte, in denen das Passiv oft angewandt wird, erkennen. Auf einer anderen Seite haben die Lernenden wahrgenommen,
dass das Passiv mit zwei Verben gebildet wird und dass das Hilfsverb vom Passiv das Verb „werden“ ist.

Die nächsten Daten wurden durch die Auswertung der von den Lernenden gestalteten Präsentation gesammelt und
dadurch konnte es festgestellt werden, dass die Lernenden das Verb „sein“ in der Anwendung vom Vorgangspassiv nicht
benutzt haben. Dennoch haben die Lernenden das Hilfsverb nur teilweise richtig konjugiert und auf die zweite Position
gestellt. Schließlich konnte es beobachtet werden, dass die Lernenden gemerkt haben, dass Partizip II am Ende vom Satz
steht. Alle Beobachtungen stehen in einer Tabelle als Anhang (Abb. 11) zur Verfügung.

5. BEWERTUNG DER ERGEBNISSE DES PRAXISERKUNDUNGSPROJEKTS UND FOLGEN FÜR DIE


PROFESSIONELLE WEITERENTWICKLUNG:

Aus den Beobachtungen ergibt sich die Schlussfolgerung, dass die Sensibilisierung für die Funktion vom Passiv vor der
Einführung seiner Form vorteilhaft für die Sprachproduktion der Lernenden war. In der letzten Phase vom Unterricht haben
die Lernenden zwar Fehler begangen, die die Form betreffen und die in der nächsten Stunde korrigiert werden konnten, aber
sie haben alle in ihrer Produktion gezeigt, dass die für das Passiv typische Abwesenheit der handelnden Person gut verstanden
wurde.

Hervorzuheben ist auch die positive Auswirkung, die diese Reihenfolge (Funktion zuerst, Form danach) auf die
Sprachproduktion der Lernenden hatte, denn ein üblicher Fehler von Portugiesisch Muttersprachler beim deutschen Passiv
ist die Benutzung des Verbs „sein“ als Hilfsverb, was in der Produktion der Lernenden in diesem Projekt gar nicht gemerkt
wurde. Im auf die Form fokussierten Unterricht, haben die Lernenden oft die Tendenz, die entsprechende Form in der
Erstsprache finden zu wollen, was zu Interferenzen in der Fremdsprache führen kann. Im auf die Funktion fokussierten
Unterricht hingegen kommen die Lernenden zuerst mit der sprachlichen Äußerung einer Mitteilungsabsicht so implizit in
Kontakt, dass bei der Einführung der Form ihnen schon klar ist, welche Formen sie brauchen, um eine Mitteilungsabsicht
auszudrücken.

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Vor dem Projekt hatte ich schon eine gewisse Ahnung, dass der Erwerb grammatikalischer Formen am besten geschieht,
wenn sie im Unterricht in einem kommunikativen und für die Lernenden relevanten Kontext eingebettet werden. Mit den
Ergebnissen vom Projekt habe ich jedoch festgestellt, dass auch die Funktionen der Formen eine wichtige Rolle im
Erwerbsprozess einer Fremdsprache spielt und sollte in den Vordergrund geschoben werden, sodass die Lernenden das
Bewusstsein dafür entwickeln, dass das, was sie im Unterricht lernen, wichtig für ihre Kommunikation in der Fremdsprache
ist.

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