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Über Mithras

Römermuseum
Obernburg (D)

Mithräum in der Casa di Diana (Ostia Antica)

Beide Fotos: Sainitzer

1
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
Der Mithraskult
Der Mithraskult ist ein faszinierender Teilaspekt der antiken römischen Religion: Wie viele
antike Mysterienkulte ist er geheimnisumwittert, war aber besonders wirkmächtig in Hinsicht
auf die Ausbildung vieler heute bestehender religiöser Riten und Vorstellungen, auch im
Christentum.
„(Der Mithraskult) hat die Lehren der Kirche, wenn nicht inspiriert, so doch wenigstens formell
beeinflusst, wie die Vorstellungen von den Mächten der Hölle und vom Ende der Welt“ schreibt
Franz Cumont dazu schon 1923.1
Viele Parallelen zwischen Mithraskult und Christentum sind tatsächlich erstaunlich, es gibt
eine „überwältigende Fülle von Anklängen, Übereinstimmungen und Parallelen“2: Wir wissen,
dass es im Mithraskult Vorstellungen von Kampf gegen Sünde3, Sündenvergebung und
Erlösung, Befreiung / Wiedergeburt zu einem neuen Menschen4, mystischer Vereinigung mit
dem Gott, eine Art von Priesterweihe und Weihegrade, ein gemeinsames kultisches Mahl mit
Brot und Wein5 sowie Vorstellungen zu einem Leben nach dem Tod6 gab. Weiters pflegten die
Mithrasjünger oft Askese und hielten Enthaltsamkeit, Keuschheit sowie Selbstbeherrschung
für wichtige ethische Lebensgrundlagen.7 Mithras wurde wie Christus als Mittler der
Menschen zu Gott gesehen, der durch Blut8 und Tod die Menschheit rettet – ein Opfer zum
Heil der Welt bringt.9
Die Geburt Christi wie sie im apogryphen Pseudo-Mattheus-Evangelium dargestellt wird kann
ebenso als Parallele zu Mithras gesehen werden, wird doch dort Christus - wie Mithras - in
einer Felsengrotte geboren10: (angelus praecepit) Mariam ingredi in speluncam
subterraneam, in qua lux non fuit unquam, sed semper tenebrae, quia lumen diei penitus non
habebat.11 Nicht nur die Geburt im Felsen, sondern auch die Lichtmetaphorik dieser Stelle
stellt eine wichtige Parallele zu den Vorstellungen rund um den Erlösergott Mithras12.

Wollen wir nun mehr über Mithras und seinen Kult erfahren, so stehen wir vor dem Problem,
dass kein paganer13 Kult, keine antike Religion ein geschlossenes theologisches Lehrgebäude

1
CUMONT, Mysterien S. VIII.
2
SCHÜTZE, Mithras-Mysterien S. 143: Der ganz in der anthroposophischen Tradition Rudolf Steiners stehende
und stark zu Mystizismus neigende SCHÜTZE sieht Christus sogar als neuen Mithras, quasi als die von Mithras
begonnene Vollendung der Offenbarung Gottes. BRASHEAR, Catechism S. 52 diskutiert die geäußerte Ansicht,
dass der Mithraskult der wichtigste Rivale des Christentums (the chief rival of Christianity) gewesen sei. Ebenso
SAUER, Archaeology S. 84f.
3
BRASHEAR, Catechism S. 28f.
4
BURKERT, Mysterien S. 83 – 86; DIETERICH, Mithrasliturgie besonders S. 159 - 168. Siehe Joh. 3: Wenn jemand
nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.
5
JOBST, Mithrasmysterien S. 33. BRASHEAR, Catechism S. 38f. SAUER, Archaeology S. 25 bezeichnet das
Mithrasmahl als sacred meal to commemorate this sacrifice and act of salvation und zieht damit sehr deutliche
Parallelen zum Christentum.
6
BURKERT, Mysterien S. 73f.; zum Aspekt der Erlösung im Mithraskult siehe ebd. S. 33.
7
CUMONT, Mysterien S. 181.
8
Siehe dazu die Inschrift aus Santa Prisca: Et nos servasti aeternali sanguine fuso. VERMASEREN, Mithras S. 141
– 148.
9
CUMONT, Mysterien S. 182.
10
SCHÜTZE, Mithras-Mysterien S. 143.
11
Ps.-Mt. 13, 2. Zitiert nach SMOLAK, Christentum, Textband S. 43.
12
SMOLAK, Christentum, Kommentarband S. 54: In der Verlegung der Geburt Christi in eine Grotte sieht er einen
„Rest der alten Vorstellungen aus dem Bereich orientalischer Weltschöpfungsmythen“ und bringt den auch den
Vergleich zu Gen. 1,1f., wo das Licht als Zeichen der Weltschöpfung der Finsternis gegenübergestellt wird.
13
Eine gut fassliche Erklärung des Begriffes „pagan“ bei BROWN, Schatz S. 173: Dieser Begriff wurde seit dem
Ende des vierten Jahrhunderts verwendet; ursprünglich bezeichnet paganus einen Privatmann, der nicht im
2
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
entwickelt hat.14 Dadurch gab es große lokale Unterschiede in vielen Details der religiösen
Vorstellungen und Riten.15 Wir finden auch keine geschlossenen Lehrwerke sondern nur
zahlreiche verschiedene, stark in Literatur, Epigraphik und Kunst verstreute – zuweilen auch
nicht zueinander passende - Aussagen und Zeugnisse zu den Kulten. Weiters wurden antike
Mysterienkulte meist in kleinen Gruppen gepflegt (Mithrasgemeinden umfassten sehr selten
mehr als ca. 25 Personen16), der kultische Zusammenhalt zwischen diesen Gruppen war sehr
locker - es entstand somit nie ein zusammenhängendes, einheitliches religiös-
organisatorisches System.17 Dazu kommt noch, dass die in die Kulte eingeweihten Mysten zu
Stillschweigen verpflichtet waren, kaum etwas aus dem Kreis der Eingeweihten nach außen
dringen konnte und nur sehr wenige liturgische Schriften in Umlauf kamen.18 Die als zum
Mithraskult gehörig angesehenen Schriften sind aber bis heute in Bezug auf ihre Zuordnung
und Entstehungsumstände nicht ganz unumstritten.19
Zum Problem der Rekonstruktion der Mithraslegende bzw. des Mithraskultes ein kleines
Gedankenexperiment: Man stelle sich vor, in 2000 Jahren möchte ein Wissenschaftler die
christliche Religion unserer Zeit rekonstruieren: Als Quellen hat er dazu einige hundert
Grabsteine und Weihinschriften, Reliefs und Bilder, wenige Reste und Grundrisse von Kirchen,
einige Listen aus Taufregistern, in der Literatur verstreute Halbsätze von Christen über ihre
Religion und mehrere polemische Texte von Gegnern des Christentums. Stellen wir uns nun
vor, wie genaue Aussagen ein Wissenschaftler zu unserer christlichen Religion machen
könnte.20

Ungewisser Ursprung des Mithraskultes


Der Ursprung des Mithraskultes liegt weitestgehend im Dunkel. Viele meinen, er stamme aus
dem persisch-iranischen Raum.21 Der Ursprung des Mithras liege demnach in zoroastrischer
Tradition: Viele Hinweise in Avestischen Schriften weisen auf einen Gott Mithras hin, z.B.
wenn der allweise Gott zu Spitama Zarathustra spricht: „Als ich Mithra schuf, schuf ich ihn
ebenso würdig zum Empfang der Opfer und Gebete wie mich selbst, Ahura-Mazado.“22 Aus
Persien sei die Vorstellung von Mithras dann nach Westen gewandert. Aufgrund der

Dienst des Kaisers stand, ohne Rücksicht auf seine Religion; christlich umgedeutet bezeichnet dann paganus
einen Menschen, der dem einzig wahren Herrscher/Kaiser, also Christus, nicht dient. Die Anhänger der alten
Religion sahen sich selbst aber nicht als pagani, da sie ja ihrem Kaiser und ihren Göttern dienten.
14
RÜPKE, Religion S. 69. Dieses Fehlen fast sämtlicher schriftlicher Quellen beklagt schon CUMONT, Mysterien
S. 136f.
15
RÜPKE, Religion S. 26.
16
CLAUSS, Mithras S. 63.
17
BURKERT, Mysterien S. 49 und 53.
18
JOBST, Mithrasmysterien S. 32. Über Schriften des Mithraskultes siehe BRASHEAR, Catechsism S. 45f. Am
ehesten wissen wir noch ein wenig über den Isis-Kult durch die Schilderung des APULEIUS (Metamorphosen,
Buch 11): SAUER, Archaeology S. 133.
19
BRASHEAR, Catechsism S. 54.
20
Nach CLAUSS, Mithras S. 10f.
21
Über die lateinische Form Persei (Statius, Thebais 1, 719f.: seu Persei sub rupibus antri … zu dieser Stelle sieh
auch unten Anm. 18.), die nicht „persisch“ bedeute, sondern sich auf Perseus beziehe siehe ULANSEY, Misteri
S. 38. Er zeigt viele Parallelen zwischen dem Kampf des Mithras mit dem Stier und dem Kampf des Perseus
gegen Medusa auf – wie z.B. das vom Stier abgewandte Haupt des Mithras: Diese Haltung entspreche dem von
Medusa abgewandten Haupt des Perseus: siehe ULANSEY, Misteri S. 39f und bes. 44. und ERTL, Welt der Götter
S. 368 (Bildunterschrift).
22
VERMASEREN, Mithras S. 11f.
3
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
orientalischen in Kleinasien ausgeformten Wurzeln werde Mithras meist in orientalischem
Gewand mit einer phrygischen Mütze auf dem Kopf dargestellt.23
Eine anderer Forschungsansatz sucht den Ursprung des Mithraskultes in der Kosmologie:
Mithras wäre eine ganz kosmologisch - astrologisch - astronomischen Gottheit gewesen, die
am Beginn eines neuen kosmischen Zeitalters stand24: Denn Ulansey sieht die Entwicklung des
Gottesbildes des Mithras in Zusammenhang mit der Entdeckung des Zyklus der Präzession
durch Hipparchos von Nicäa (etwa 190 - 120 v.Chr.)25. Diese Entdeckung revolutionierte das
überbrachte Bild des Kosmos und leitete quasi ein neues Zeitalter ein.26 Mithras sei der
Repräsentant dieses Wechsels, der mit der Tötung des Stieres das neue Zeitalter beginnen
lässt. Dieser Erklärung der Entstehung des Mithraskultes gemäß sei der Kult in Tarsos aus der
Vorstellungswelt der dortigen Seeleute/Piraten entstanden, sein Name leite sich von dem mit
diesen Seeleuten verbundenen König Mithridates her.27
Die kosmologische Deutung der Mithrasvorstellungen mit Mithras als Kosmokrator lässt sich
an vielen ikonographischen Beispielen festmachen. So wird Mithras oft mit einer Kugel in der
Hand dargestellt (er hält den Kosmos in seiner Hand28), in deutlichem Zusammenhang mit den
Tierkreiszeichen oder mit einem Mantel voller Sterne.29 Die Darstellung der Tauroktonie wird
somit zum „astronomischen Code“30: Der Stier selbst stellt das Sternbild Taurus dar; es finden
sich auf allen Tauroktonie-Darstellungen auch die Zeichen für die Sternbilder31 Skorpion, Canis
minor, Hydra, Corvus, Leo, Crater (Kelch) und Spica (Weizenähren, die aus dem Schwanz
sprießen).
Kosmische Vorstellungen des Mithraskultes zeigen sich auch
am sogenannten Jahreszeitenaltar von Carnuntum: Neben
dem Himmelsgott Caelus sind die Personifikationen der vier
Jahreszeiten mit den dazugehörigen Winden dargestellt.32

Der Jahreszeitenaltar (Der Adler Roms


Kat. Nr. 75, S. 187.)

23
CLAUSS, Mithras S. 14 und PORTER, Vorderer Orient S. 67. VERMASEREN, Mithras S. 17.: (man kann) den
mächtigen Einfluss der kleinasiatischen Magier auf die Formung des Mithrasdienstes nicht mehr in Abrede
stellen.
24
ULANSEY, Misteri S. 94f. und 109; auch: ERTL, Welt der Götter S. 367.
25
STÖRIG, Weltgeschichte S. 100f.
26
ULANSEY, Misteri S. 91f.
27
ULANSEY, Misteri S. 98 - 100.
28
ULANSEY, Misteri S. 105.
29
ULANSEY, Misteri S. 107 - 109.
30
ERTL, Welt der Götter S. 367.
31
Siehe die Skizze ULANSEY, Misteri S. 60f. mit den genannten Sternbildern entlang des Himmelsäquators.
32
Der Adler Roms, Kat. Nr. 75, S. 187.
4
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Der Mythos von Mithras
Frustrierender Weise müssen wir erkennen, dass keine geschlossene Erzählung über Mithras
erhalten ist, die uns die Legende im Zusammenhang erzählen könnte33. Daher seien hier die
wichtigsten Elemente der Erzählung mosaikhaft aufgelistet34, der inhaltliche Zusammenhang
bleibt uns im Detail verborgen.

Felsgeburt
Mithras wird als der „aus dem
Felsen geborene Gott“ bezeichnet.
Der Felsen symbolisiert dabei den
Kosmos wie es auch die Höhle
tut.35 Mithras ist das Licht, er wird
am 25. Dezember36 geboren (wie
auch Sol Invictus). Auf vielen
Darstellungen wird bei der Geburt
des Mithras aus dem Felsen / der
Erde auch eine Schlange als das
mit der Erde am engsten
verbundene Tier gezeigt.

Altar für Petra Genetrix, den


Felsgeburt des Mithras; Fundort
gebärenden Felsen, aus dem
Carnuntum (Der Adler Roms, Kat.
Wasserwunder Mithräum I in Carnuntum (GUGL,
Nr. 88, S. 193.)
KREMER, Mithras S. 169, Nr. 39).
Mithras schießt mit einem Pfeil auf
einen Felsen, aus dem daraufhin
Wasser hervorbricht. Mithras wird dadurch als Gott des
Lebens und der Fruchtbarkeit charakterisiert. Oft befand
sich in der Nähe eines Mithräums eine Quelle oder ein
Fluss.37 Wo eine solche Quelle fehlte, wurde oft Wasser in
steinernen Muscheln (ähnlich unseren Weihwasserbecken)
für die Kulthandlungen verwendet.38

Wassermuschel aus Carnuntum (Der


Adler Roms Kat. Nr. 89, S. 193.)

33
BURKERT, Mysterien S. 62.
34
Diese Auflistung folgt CLAUSS, Mithras S. 65 – 97.
35
Auf die interessante Parallele zur Geburt Christi in der Felsengrotte in Ps.-Mt. 13,2 wurde schon oben
hingewiesen.
36
Zur „Christianisierung“ des 25. Dezember sehr genau siehe CLAUSS, Ein neuer Gott S. 42-47 und auch WIMMER,
Lexikon S. 56. DEMANDT, Zeit S. 67 und 242f.. Der 25. Dezember wurde von Caesar in seiner Kalenderreform
46 v. Chr. als der kürzeste Tag des Jahres, also als Wintersonnenwende, festgelegt (bruma). Dass die tatsächliche
Wintersonnenwende im Laufe der Jahrhunderte nach vorne, auf den 21./22. Dezember, wanderte, tat dem
Festdatum keinen Abbruch, da man sich lieber an die Überlieferung als an die astronomischen Tatsachen hielt.
37
CLAUSS, Mithras S. 74. cf.: Beim Besuch des Mithräums unter San Clemente (Rom) hört man Wasser rauschen!
Oft befinden Mithräen sich in Thermenanlagen (in Ostia Antica und z.B. das Mithräum unter den
Caracallathermen in Rom); einen „kultischen Brunnen“ finden wir z.B. in Ostia Antica im sogenannten Mitreo
delle Sette Sphere: PAVOLINI, Ostia S. 75. So auch BRASHEAR, Catechism S. 40.
38
Der Adler Roms Kat. Nr. 89, S. 193.
5
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
Stieropfer - Stiertötung – Stierraub
In vielen antiken Mythen gilt der Stier als Symbol für
Fruchtbarkeit und Stärke, seine Tötung/Opferung39
stellt ein häufiges Motiv in vielen Mythen dar. In
dieser Vorstellung geht vom Stier eine magische
Kraft aus: diese Kraft sitzt in seinem Blut, in seiner
Haut, in seinem Samen, in seinem Schweif. So
wachsen in den Mithras-Stiertötungsszenen
(Tauroktonie) aus der blutenden Halswunde des
Stieres oft Weintrauben, sein Schweif geht oft in
Ähren aus.
Bei der Stiertötung durch Mithras geht es nicht um
die Tötung und Vernichtung des Tieres, sondern um
Verwandlung, um Wiedergeburt und
Auferstehung40, um Wandlung des Lebens aus dem
Tod: „Der Stier wird geopfert, damit neues Leben
entstehen kann, das Mithras bringt, der Gott des
Mithras als Stierträger
Lichts, der Sonnengott, ein wahrhaft allmächtiger (Mithräum Ptuj: http://www.slovenia.info/en/sakralna-dediscina/Mithras-
shrines.htm?sakralna_dediscina=9732&lng=2

Gott.“41 Mithras bringt Licht und Leben. Durch die Siehe auch: Ubi erat lupa: http://www.ubi-erat-lupa.org/monument.php?id=9325

Tötung des Stieres wird nicht nur Leben auf der Erde geschaffen, sondern es entsteht das
ganze Weltall aus diesem Akt.42

Der Tötung des Stieres gehen eine Jagd auf selbigen und ein langwieriger Kampf mit ihm
voraus.43 Mithras muss mit dem Stier kämpfen, bis dessen Kräfte erlahmen, und ihn dann
entführen - polemisch wir er diesbezüglich vom christlichen Dichter Commodian mit Cacus,
dem Sohn des Vulcan, der die Rinder des Herkules gestohlen hat, verglichen.44 Schließlich kann
Mithras den Stier wegtragen und in einer Höhle töten.
„Mithras vollbringt eine Tat, die von den Menschen nachvollzogen werden konnte; wenn er
sich dem Gott anschloss, dann hatte er Anteil an dessen Kraft. Mithras ist der unbesiegte (=
Invictus) und durch ihn wird es auch der Mensch, zumindest in der Vision als Vorgriff dessen,
was die Seele nach dem Tod erwartet.“ 45
Eine astrologisch-astronomische Deutung der Tauroktonie zeigt Mithras als Perseus, der das
am Himmel unter ihm erscheinende Sternbild des Stieres tötet. Die Darstellung der
Tauroktonie sei damit eine „Himmelskarte“46, die einen den Kosmos regierenden Gott
verheißt. Es gäbe hier einen Zusammenhang mit der Entdeckung des Zyklus der Präzession 47,
der gegen Ende des zweiten Jahrhunderts. vor Christus von Hipparchos entdeckt wurde und

39
KERENYI, Antike Religion S. 98f.
40
WEIß, Stiertötungsszene S. 17.
41
CLAUSS, Mithras S. 81.
42
WEIß, Stiertötungsszene S. 10: … durch die Tötung eines mystischen Wesens, das als göttlich gelten kann und
als Mensch oder Tier vorgestellt wird, (wird) alles was den Menschen dieser Kultur von Wichtigkeit ist,
hervorgebracht und die bestehende Weltordnung begründet.
43
CLAUSS, Mithras S. 75 -78.
44
Zu der Stelle bei Commodian, die in diesem Skriptum auch geboten wird, siehe WEIß, Stiertötungsszene S. 27.
45
CLAUSS, Mithras S. 88.
46
ULANSEY, Misteri S. 24. Zusammenfassend erklärt bei WEIß, Stiertötungsszene S. 40 – 46.
47
https://de.wikipedia.org/wiki/Zyklus_der_Präzession (29.10.2018).
6
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vielleicht zur Grundlage des Mithrasmythos wurde.48 Die Ansicht aus der geozentrischen
Perspektive, dass durch die Präzession der ganze Kosmos wanke, quasi aus den Fugen gerate.
Dieses Wanke wurde auf das Wirken einer Macht zurückgeführt, die offensichtlich größer war
als der Kosmos selbst.49 Diese Macht sei – so die damaligen Menschen – eine bisher nicht
bekannte Gottheit. Damit sei die Bedeutung der Stiertötungsszene auf den Mithrasaltären
nach dieser Deutung klar: Es handelt sich um die Darstellung des Endes der bisher geltenden
Sternenkonstellationen – das Ende der Herrschaft des Sternbildes des Taurus.

Dadophoren
Die Dadophoren (= Fackelträger) sind auf den epigraphischen Zeugnissen fast ständige
Begleiter des Mithras. Oft stehen sie mit gekreuzten Beinen da, meist gekleidet wie Mithras
in orientalische Kleidung, die phrygische Mütze auf dem Kopf: Cautes hält eine Fackel
aufrecht, Cautopates hingegen hält eine zum Boden geneigte Fackel. Der Symbolgehalt dieser
beiden Figuren geht – aller Wahrscheinlichkeit nach – wohl in die Richtung einer Licht- bzw.
Lebensmetaphorik: Sie stellen das Aufgehen bzw. das Untergehen der Sonne dar oder das
freudige Leben (Fackel oben) und den Tod (Fackel unten); oder Cautes allein als Symbol für
Fruchtbarkeit und
Wachstum, wenn er ohne
Cautopates dargestellt wird,
was zuweilen vorkommt.
Zu den Spekulationen über
den Mithrasmythos, die sich
auf bildliche Darstellungen
stützen, sagt CLAUSS: „Wir
müssen uns eingestehen,
dass viele Bilder stumm
bleiben. Es ist für die antike
Sehweise selbstverständlich,
dass keine der … hier
gebotenen Interpretationen
Cautopates weitere ausschloss.“50
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:DSC00243_-
_Cautopates,_dadoforo_di_Mithra_-_sec._III_d.C._-
_Foto_di_G._Dall%27Orto.jpg (21.08.2015).
Cautes
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Dadophor
us_Cautes_MAR_Palermo_NI1541.jpg
(21.08.2015).

48
ULANSEY, Misteri S. 91f. Über den Zusammenhang von kosmischer Herrschaft eines Gottes und der
Astronomie, auch mit Parallelen aus der Ägyptischen Mythologie und der christlichen Religion (cf.
Paulusbriefe), siehe ULANSEY, Misteri S. 94f.
49
WEIß, Stiertötungsszene S. 41.
50
CLAUSS, Mithras S. 95.
7
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
Mithraskult - Mithrasgemeinde
Zutritt zum Mithras-Kult hatten nur
Männer. Besonders beliebt war der Kult
bei Soldaten51, da ja in der Ethik des Kultes
Lebensführung oft als Militärdienst
(militia) gesehen wurde. Die
Anhängerschaft rekrutierte sich aber aus
allen Gesellschaftsschichten, besonders
aus dem Mittelstand.52
Wir können annehmen, dass der
Mithraskult in Rom gegen Ende des ersten
Jahrhunderts53 nach Christus schon so
weit bekannt war, dass der Dichter
Statius54 ihn um das Jahr 90 unter
römischen Kulten erwähnte und davon
ausgehen konnte, dass die Leser seine
Anspielung ohne weitere Erklärung
verstanden. Seine Blütezeit erlebte der
Kult dann ab der Mitte des zweiten
Jahrhunderts; er war im ganzen Imperium
Romanum verbreitet. In der zweiten Die Mithrasgrotte in Duino – Aurisina (Foto Sainitzer 2019)
Hälfte des vierten Jahrhunderts bemerken
wir einen gewissen Aufschwung des Kultes, als er im Zuge der sogenannten heidnischen
Erneuerung55 eine Rolle spielte. Im Jahre 391 wurden aber heidnische Kultdienste per Edikt
verboten; aus diesem Jahr stammt auch das letzte epigraphische Zeugnis des Mithraskultes.56
Wir wissen, dass die Feiern des Mithraskultes in höhlenähnlichen Gebäuden oder Kellern
stattfanden.57 Diese Räumlichkeiten sollten in Ermangelung natürlicher Grotten und Höhlen
einen dem Mithraskult angepassten Kultraum schaffen. Wir kennen nur wenige Beispiele von
Mithräen, die sich tatsächlich in einer natürlichen, unterirdischen Grotte befinden.58

51
CUMONT, Mysterien S. 37f. Die genaue Übersetzung des indoiranischen Wortes „MITHRA“ bedeutet „Vertrag“,
„Vertragserfüllung“ (FAUTH, Mithras Sp. 1359.), was vielleicht ein gewisses Licht auf die Anforderungen an die
Mithrasjünger wirft und einen Hinweis darauf liefert, warum gerade im militärischen Bereich der Kult viele
Anhänger fand.
52
CLAUSS, Mithras S. 36 bemerkt die interessante Tatsache, dass anders als das Christentum der Mithraskult in
der römischen Oberschichte, in der Führungsschicht des Imperium Romanum nie wirklich Fuß fassen konnte:
So finden wir nur wenige Zeugnisse von Senatoren oder Rittern als Anhänger des Mithras.
53
SAUER, Archaeology S. 138 sieht den Ursprung des Kultes schon früh im ersten Jahrhundert nach Christus. Den
Weg nach Rom fand der Kult wohl gegen Ende des ersten nachchristlichen Jahrhunderts: WEIß,
Stiertötungsszene S. 15.
54
Statius (45 – 96 n. Chr.) schreibt in seinem Werk Thebais (Theb. 1, 719f.): …(seu praestat) ... Persei sub rupibus
antri | indignata sequi torquentem cornua Mithram. (= oder es besser ist … dem Mithras zu folgen, der unter
dem Felsen einer persischen (zu „persisch“ siehe oben Anm. 13) Grotte die widerspenstigen Hörner
zurückbiegt.) Statius schildert Mithras als Gott aus persischem Zusammenhang und geht davon aus, dass der
Leser dieser Stelle die Erwähnung der Hörner mit der Tauroktonie assoziiert. (CLAUSS, Mithras S. 28.)
55
Zum letzten Aufbäumen der antiken Religion siehe z.B.: FUHRMANN, Spätantike S. 59 – 67 und PFEILSCHIFTER,
Spätantike S. 108 – 120. Sehr pointiert erzählt über das gar nicht von vornherein entschiedene politische
Schwanken zwischen Heidentum und Christentum VEYNE, Als unsere Welt christlich wurde S. 102 – 104.
56
CLAUSS, Mithras S. 27 – 35.
57
Zur Ausbildung der Kultgenossenschaften, der Priesterschaft und einer Liturgie in Rom siehe WEIß,
Stiertötungsszene S. 15.
58
PAVIA, Mitrei S. 111.
8
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
Mit der Architektur der nicht in natürlichen Grotten gelegenen Mithräen wollten die Mithras-
Anhänger ein Abbild des Kosmos schaffen59, wobei in solchen Anlagen besonderes Augenmerk
auf Lichteffekte60 gelegt wurde, die in diesem Kult eine große, den Inhalt des Mythos
unterstreichende Rolle spielten. Ein schönes Beispiel dazu ist die Platzierung der
Mithrasstatue im Mithräum der sogenannten Terme del Mitra in Ostia Antica61: Das Licht fällt
genau auf den Kopf des Mithras.

Mithrasfeier
Die Feiern der Mithrasgemeinde bestanden aus einem gemeinsamen kultischen Mahl62, bei
dem die Mithrasjünger auf den Klinen
vor dem Altar lagen. Wir wissen, dass
dabei Brot und Wein gereicht wurden.
Es wurden aber vielleicht auch
Stierfleisch (und Stierblut?) sowie
andere Speisen wie Schweine- und
Hühnerfleisch offeriert, wie uns
Speisereste und Tierknochen in vielen
Mithräen und in den dabei
befindlichen Abfallgruben zeigen.63
Genaue Details bleiben uns
verborgen.64 Weiters wurden auch
Münzopfer dargebracht – in welcher
Form, wissen wir nicht.65 Mitreo delle Terme (Ostia Antica; Foto: Sainitzer)

Wie genau eine Mithrasfeier ablief, ist bisher


kaum klar. Wir wissen, dass die Feiern der
Mithrasanhänger nie in der Öffentlichkeit
stattfanden, sondern immer in der „Höhle“.
Dies hob die Mithrasgemeinden vom
sonstigen Kultbetrieb der Antike ab und
förderte deren engen inneren Zusammenhalt,
waren doch andere Mysterien in der
Öffentlichkeit oft stark präsent (bei
Serapisfeiern traten bis zu 3000 Anhänger
öffentlich auf), der Mithraskult aber fand
immer nur in sehr privatem Rahmen statt –
wir kennen Mithräen, die nur ca. 10 Personen Mithräum unter San Clemente (Rom)
Platz boten.66 http://www.tertullian.org/rpearse/mithras/images/cimrm338_mithr
aeum-san-clemente-8966p40.jpg (21.08.2015).
Über Inhalte und Vorstellungen des Kultes
informieren ansatzweise Quellen wie die sogenannte Mithrasliturgie, die weiter unten im

59
CLAUSS, Mithras S. 62.
60
BURKERT, Mysterien S. 70f. und schon DIETERICH, Mithrasliturgie S. 85.
61
http://www.ostia-antica.org/regio1/17/17-2.htm (21.08.2015).
62
CLAUSS, Mithras S. 104 – 109 und zum verwendeten Geschirr ebd. S. 111 - 116. BURKERT, Mysterien S. 93
spricht von „reichlichen Mahlzeiten“.
63
VERMASEREN, Mithras S. 81.
64
Eine fantasievolle Beschreibung einer Mithrasfeier wagt im Jahre 1903 DIETERICH, Mithrasliturgie S. 85 - 87.
65
SAUER, Archaeology S. 153.: practise of coin offerings
66
CLAUSS, Mithras S. 63.
9
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
Skriptum ausschnittweise abgedruckt ist, wobei hier festzuhalten ist, dass es sich bei diesem
Text nur um ein kleines, wahrscheinlich nicht ganz repräsentatives Streiflicht handelt, das
stark auf seinen Entstehungsort Ägypten zugeschnitten ist.67

Wer waren die Teilnehmer an solchen Mithrasfeiern? Wir wissen aus spärlichen Quellen nur
wenig über die Zusammensetzung der sogenannten, ausschließlich aus Männern bestehenden
Mithrasgemeinden.68 Die Kleinheit der Mithräen lässt darauf schließen, dass die Anzahl der
Mitglieder der einzelnen Gemeinden nicht sehr groß gewesen sein kann: Gemeinden waren
selten größer als ca. 20 – 25 Personen; wuchs eine Gemeinde zu stark an, wurde eine neue
gegründet.69 Ein sehr interessantes Zeugnis dazu bietet das in Virunum auf dem Zollfeld
gefundene Mitgliederverzeichnis einer Mithrasgemeinde: Es lässt sich zeigen, dass in den

Tafel aus Virunum (http://www.tertullian.org/rpearse/mithras/images/supp_virunum_album_sacratorum_drawing.png


18.07.2016)

Jahren 184 bis 201 n. Chr. jährlich zwischen einer und acht Personen neu aufgenommen
wurden. Als die Gemeinde im Jahre 201 n. Chr. ca. 50 Mitglieder hatte, wurde eine neue
Gemeinde gegründet, die ein neues Mithräum errichtete.70

67
BETZ, Mithras Liturgy S. 33 - 35.
68
VERMASEREN, Mithras S. 133f. diskutiert die Frage, ob nicht auch Frauen Mithras-Jünger sein konnten aufgrund
schwer interpretierbarer Quellen.
69
CLAUSS, Mithras S. 63f.
70
CLAUSS, Mithras S. 63f. Diese Tafel aus Virunum stellt auch in anderer Hinsicht ein interessantes Zeugnis dar:
Sie zeigt, dass im Jahre 184 eine Seuche in Noricum gewütet haben muss (zu dieser Seuche neuerdings HARPER,
Fatum S. 169.): anders ließen sich die gehäuften Todesfälle in diesem Jahr, die auf gegenständlicher Tafel
verzeichnet sind, nicht erklären – ein wichtiges Zeugnis für das Alltagsleben in der Provinz Noricum; siehe
GASSNER, JILEK, Am Rande des Reiches S. 159.
10
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
Die soziale Durchmischung der Mithrasgemeinden dürfte sehr stark gewesen sein. Wir wissen
von Mitgliedern aus allen sozialen Schichten – von Sklaven bis zu Rittern und Senatoren.71 Die
gesellschaftliche Hierarchie wurde innerhalb der Gemeinden aber nicht aufgehoben, wir
erkennen aus verschiedenen Inschriften, dass die soziale Stellung der einzelnen Mitglieder
genau vermerkt wurde, also innerhalb der Gemeinschaft nicht alle gleich wurden. Die
Mitgliedschaft in einer Mithrasgemeinschaft wirkte als starkes Netzwerk und konnte sozialen
Aufstieg erleichtern.72

Mithrasmahl (Narona Museum (Vid, Kroatien); Foto Sainitzer)

Rekonstruktionsvorschlag einer Mithrasfeier


https://myfavouritenecropolis.files.wordpress.com/2011/05/p1010441.jpg
(21.08.2015).

71
ULANSEY, Misteri S. 16.
72
CLAUSS, Mithras S. 45 - 47. „Der Mithras-Kult fand insbesondere bei solchen Schichten Anklang, die autoritäts-
und aufstiegsorientiert waren.“ Ebd. S. 47.
11
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
Zur Ethik der Mithras-Gemeinschaft
Die Gemeinden des Mithraskultes setzten sich ethische Ziele und bekamen Hilfestellungen für
ihre Lebensführung: Das Leben ist eine Prüfung und um siegriech aus dieser hervoruzgehen,
muss man das Gesetz Halten, welches die Gottheit … gegeben hat. So fasst Cumont73 die
mithraische Ethik grob zusammen.
Wie wir aus kleinen Textstellen auf den Wandmalereien im Mithräum von Santa Prisca
erahnen können, wurden den Mysten Richtlinien und aufmunternde Hilfestellungen
geboten.74 Wir lesen dort zum Beispiel den vers: Nubila per ritum ducatis tempora cuncti. Dies
bedeutet wohl eine Aufforderung zu gegenseitiger Hilfe im Leben.
Einen Aufruf zur Treue zur Lehre und zur Gemeinschaft bedeutet wohl der Vers: Primus et hic
aries restrictius ordine currit. Man solle also Gefolgschaft leisten (ordine) und maßhaltend
leben (restrictius).
Der Ausdruck ordo weist auch auf die Auffassung des Mithrasjünger als Soldat hin. Ähnliches
drückt sich auch in den Versen aus, die das Gemeindemitglied zum Durchhalten und zum
Ertragen der Lasten des Lebens, also zu einer Art Kriegsdienst (militia) anspornen: Atque
perlata umeris tuli maxima divum. Der Mithrasdiener wird in das blendende Licht des Mithras
aufgenommen, wenn er wie Herakles und Mithras selbst die strengen göttlichen Befehle bis
ins Letzte erfüllt.75
Von diesen Inschriften springt vor allem eine ins Auge, da sie eine Erwartung der
Mithrasgemeinde ausdrückt, die sehr christlich klingt. Wir lesen den an den Gott gerichteten
Vers: Et nos servasti aeternali sanguine fuso. Das Blut des Gottes als Mittel zur Rettung der
Jünger.76
Wir erkennen aus den genannten Versen auch, wie persönlich sich die Mithrasjünger von
ihrem Gott angesprochen fühlten. Die individuelle Heilserwartung steht hier im
Vordergrund.77

73
CUMONT, Mysterien S. 125f.
74
Zu diesen Inschriften siehe VERMASEREN, Mithras S. 141 - 148.
75
VERMASEREN, Mithras S. 147.
76
Zur Deutung siehe WEIß, Stiertötungsszene S. 27.
77
VERMASEREN, Mithras S. 153.
12
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
Zur Initiation
In Paris wurden in einem Papyrus Textfragmente entdeckt, die wohl Reste eines Handbuchs
darstellen, das Fragen und Antworten zum Mithrasmysterium enthält – wohl gedacht zur
Vorbereitung eines Initianden auf die Initiation.78 Der einzuweihende Neuling soll aus diesem
Dialog lernen, wie er bei der zu erwartenden Aufnahmeprüfung zu antworten hat. Es kann
auch sein, dass es sich bei dem Text nicht um die Anweisung für eine Aufnahmeprüfung,
sondern vielmehr um die Prüfung zur Erhöhung eines Kandidaten in den Stand des Leo79
handelt; oder auch um die Prüfung zur Erhöhung in einen noch höheren Stand - eventuell in
den eines Perses.80
Dabei ist zu bemerken, dass man in der Wissenschaft lange der Annahme war, dass
Mysterienkulte nichts Geschriebenes geschaffen hätten81: Diese Ansicht lässt sich aber nicht
mehr generell halten; vielmehr ist anzunehmen, dass gewisse Teile der recht komplexen
Lehren (des Mithras und anderer Kulte) schriftlich festgehalten und zur Ausbildung der neuen
Mysten bzw. der zu Rangerhöhungen vorgesehenen Mysten verwendet wurden.82
Der gegenständliche Papyrus stellt eine sehr wichtige Quelle dar revealing Mithraism as a
viable religion there with its own canonical and catechetical book.83

Insgesamt haben wir von antiken Mysterienkulten nur sehr bruchstückhafte Informationen
über Initiationsriten.84 Dies gilt somit auch für den Mithraskult. Im Folgenden werden einige
Beobachtungen zur Initiation in den Mithraskult zusammengefasst, die aus den
auftauchenden Quellen wie bei einem Puzzle zusammengesetzt möglich sind.

Brashear sagt Prinzipielles zu Initiationsriten85:


… the basis structures, patterns and sequences are clear: The initiand having undergone
pre-initiation instruction further prepares himself fort he initiation proper by certain
cleansing rites and a period of abstinence. The initiation itself, representing the
symbolic death oft he initiand and the renunciation of his former existance, consists of
various, presumably relatively harmless, trials and tests of endurance designed to
frighten the initiand and heighten his sense of awareness and expectation. After having
successfully run the initiatory gauntlet, his symbolic resurrection and rebirth is signified
by his literal investiture with new garments ans assumption into the circle of believers,
celebrates by his participation at the communal cultic meal. This is grosso modo the
general pattern of initiatory procedure in both antiquity and more recent times.

In Bezug auf den Mithraskult können wir aufgrund der dürftigen Quellenlage aber kaum
weitere Details erkennen. Wir wissen nur, dass es nicht nur für neue Mitglieder sondern auch
innerhalb des Kultes zum Aufsteigen in den nächst höheren Grad bestimmte Initiationsriten
gab.86

78
BRASHEAR, Catechism S. 20; 44.
79
BURKERT, Mysterien S. 46.
80
BRASHEAR, Catechism S. 23; 27; 34.
81
z.B. CUMONT, Mysterien S. 136.
82
BRASHEAR, Catechism S. 45f.
83
BRASHEAR, Catechism S. 54.
84
BURKERT, Mysterien S. 78f.
85
BRASHEAR, Catechism S. 48.
86
BRASHEAR, Catechism. S. 48. ULANSEY, Misteri S. 93 behauptet, der von ihm dargelegte Hintergrund des
Mithrasmysteriums verlange eine eingehende Schulung der aufnahmewerbenden Männer, und erklärt so die
Weihegrade des Mythos.
13
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
Wahrscheinlich hatte sich der Kandidat vor seiner Weihe einer Art Unterricht bzw.
Unterweisung zu unterziehen. Tertullian87 sagt über Menschen, die in Kulte eingeweiht
werden wollten: volentibus initiari moris est, opinor, prius patrem illum sacrorum adire, quae
praeparanda sint, describere. Ein Hinweis auf die Örtlichkeiten solcher Unterweisungen
könnten die Räume sein, die beim Mithräum von San Clemente in Rom entdeckt wurden –
haben wir hier ein „Mithrasschule“ vor uns?88

Große Bedeutung besonders beim Initiationsritus des Mithrasmysteriums hatte die


Darstellung des Gegensatzes von Licht / Dunkel beziehungsweise Tag / Nacht als offenbares
Aufzeigen der Antithese von Leben und Tod.89 Die Möglichkeiten, dies deutlich darzustellen,
wurde durch die Architektur der Mithräen geboten90 und tritt auch dem heutigen Betrachter
von Mithräen deutlich vor Augen.
In diesem Zusammenhang ist sehr interessant, dass man in manchen Mithräen Schächte fand,
die auch Scheingräber gewesen sein könnten91: Der Initiandus spielte hier quasi die Felsgeburt
des Mithras nach: re-enacting Mithras´ birth from out of the petra genetrix 92. Die liturgische
Darstellung von Scheintod und Wiedergeburt war in vielen Mysterienkulten ein wesentliches
Element der Initiation. Damit wurde gezeigt, dass der Myste verjüngt wird beziehungsweise
ein neues Leben beginnt. Die Angst vor dem Tod wurde damit überwunden.93
Vielleicht musste der Initiandus auch einen Irrweg durch ein finsteres Labyrinth
durchschreiten.94 Prüfungsfragen zu den Geheimnissen des Mysteriums waren offenbar
ebenso Teil des Aufnahmerituals.95
Inwieweit der Initiandus auch schwere Prüfungen96 durch Feuer (vielleicht zur Nachahmung
der feurigen Geburt des Mithras97), Wasser und Kälte98 (vielleicht auch in den erwähnten
Schächten) sowie vielleicht durch scharfe (Folter)Instrumente99 zu ertragen hatte, bleibt
ungewiss. Als sicher kann gelten, dass oft Prüfungen und harte körperliche Proben den Weg
des Initiandus in das Mysterium begleiteten.100
Die Bilder aus S. Maria Capua Vetere (s.u.) könnten eine Art Feuerprobe zeigen101: Ein
Initiandus kniet und von hinten nähert sich eine Gestalt, vielleicht mit einer Fackel in der Hand,
um eine Feuerprobe durchzuführen.

87
Tert., Apol. 8,7.
88
VERMASEREN, Mithras S. 106. Kein Wort zu einer Mithrasschule verliert FRAIOLI, Regione III S. 318.
89
BURKERT, Mysterien S. 85. Dies war auch in vielen anderen Kulten ein wichtiges Element.
90
BRASHEAR, Catechism S. 23f.
91
BRASHEAR, Catechism S. 49. und VERMASEREN, Mithras S. 107f.
92
BRASHEAR, Catechism S. 26; ebd. 29: Bilder dazu findet man in S. Maria Capua Vetere.
93
BURKERT, Mysterien S. 83 – 86; DIETERICH, Mithrasliturgie besonders S. 159 – 168; zum Wirken dieser
Vorstellung im Christentum ebd. S. 175 - 179. Siehe z.B. Joh. 3: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird,
kann er das Reich Gottes nicht sehen.
94
BRASHEAR, Catechism S. 49.
95
BRASHEAR, Catechism S. 50.
96
VERMASEREN, Mithras S. 107f.
97
BRASHEAR, Catechism S. 23f.
98
BRASHEAR, Catechism S. 33.
99
BRASHEAR, Catechism S. 50.
100
BURKERT, Mysterien S. 87.
101
BRASHEAR, Catechism S. 33. Der Zusammenhang mit „Feuer“ würde es auch möglich machen, dass es sich am
Bild um die Erhöhung zu einem Leo handelt.
14
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
Der Initiand bekam wahrscheinlich
bei seiner Initiation einen neuen
(Kult)namen102 und wurde in einer
ceremonial investiture103 in
Leinenkleidung 104 neu
eingekleidet105 oder zumindest mit
einem Gürtel106 gegürtet, wobei der
Gürtel als Symbol für das Bestehen
gegen die Sünde gilt. Die häufige
Darstellung nackter Initianten auf
Fresken legt eine Neueinkleidung des
quasi in embryonalen Stadium107
befindlichen aufzunehmenden
Neulings in Kultkleidung und damit
seiner Erschaffung zu einem neuen Ein nackter Initiant kniet mit verbundenen Augen und auf den
Rücken gefesselten Armen vor einer Person (pater), der eine
Menschen nahe.108 phrygische Mütze und einen Mantel trägt. Hinter dem
Oft wurde der Neueinzuweihende Knieenden ein Assistent (Mystagoge) in kurzer Tunica, der den
auch rituell mit Hühnerdärmen109 in Initianten an der Schulter hält. (Santa Maria Capua Vetere)
Abbildung: HENSEN, Mithras S. 63f.
Fesseln gelegt, um dann wieder
befreit zu werden110 – die Initiation
als Befreiung aus den Fesseln des
Irrtums und der Unsicherheit zu einem neuen Leben: Alii autem ligatis manibus intestinis
pullinis proiciuntur super foveas aqua plenas, accedente quodam cum gladio et irrumpente
intestina supra dicta, qui se liberatorem appellat.111
Teil des Initiationsritus war auch das Verspeisen von Wasser und Brot.112
Trotz der vorliegenden Angaben zum Initiationsritus des Mithraskultes bleibt ein genauer
Ablauf einer Initiation völlig im Dunkel.
Ein Gelübde eines Initianten ist folgendermaßen überliefert:
Im Namen des Gottes, der die Erde vom Himmel geschieden hat, das Licht von der
Finsternis, den Tag von der Nacht, die Welt vom Chaos, das Leben vom Tod und das
Werden vom Vergehen, schwöre ich nach bestem Wissen und Gewissen, die Mysterien
geheim zu halten, die mir anvertraut werden durch unseren gottesfürchtigen Vater
Serapion und durch den ehrwürdigen und heiligen Herold Kamerion, denen die Weihen
obliegen, und durch meine mitgeweihten und sehr treuen Brüder. Treu meinem Eid
hoffe ich, dass es mir wohlergehe; aber ich schwöre auch, dass mich Strafe treffen
möge, wenn ich zum Verräter werde.113

102
BRASHEAR, Catechism S. 22.
103
BRASHEAR, Catechism S. 28f.
104
BRASHEAR, Catechism S. 35.
105
BRASHEAR, Catechism S. 30.
106
BRASHEAR, Catechism S. 49. Sehr detailreich über die Bedeutung des Gürtels ebd. S. 58 – 69.
107
BRASHEAR, Catechism S. 35: embryonic/transitional status.
108
BRASHEAR, Catechism S. 35.
109
VERMASEREN, Mithras S. 108.
110
BRASHEAR, Catechism S. 37.
111
Ps. Augustinus (Ambrosiaster), Quaest. vet. et novi Test. 114, 11 (CSEL 50, 308).
112
BRASHEAR, Catechism S. 39 und 50. Siehe dazu die Textstelle von Justin im Skriptum.
113
VERMASEREN, Mithras S. 106; dazu auch CHRIST, Kaiserzeit S. 574.
15
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
Ein nackter Initiant kniet vor einer anderen Person, die Hände auf den Rücken gefesselt. Neben
ihm liegt ein Schwert. Hinter dem Mysten ist eine Person erahnbar, die einen Kranz über den Kopf
des Initianten hält.
(Santa Maria Capua Vetere) Abbildung: HENSEN, Mithras S. 63f.

16
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
Zur Ikonographie des Mithraskultes
Die Kunst des frühen Christentums, die ihre Bildwelt unter Einfluss der hellenistischen Kunst
entwickelte, schöpfte besonders aus der paganen Bildwelt des Landlebens, der Seefahrt und
des (triumphalen) Kaiserkultes und aus Darstellungen der paganen Kulte ebenso wie aus dem
Bereich der Katakombenkunst. Wirkmächtig war hier auch die Ikonographie des
Mithraskultes.114 Die Übernahme paganer Motive garantierte die Verständlichkeit des
Dargestellten und einen Wiedererkennungswert der Symbolik für die in paganem Umfeld
sozialisierten Betrachter.
Ein interessantes Beispiel dafür bieten die sogenannten theodorianischen Mosaiken in
Aquileia. Wir finden dort die Darstellung des Kampfes eines Hahnes mit einer Schildkröte,
wobei die Schildkröte die Finsternis, der Hahn als Künder des Sonnenaufganges hingegen das
Licht symbolisieren. Der Künstler übernimmt hier offenbar das den zeitgenössischen
Betrachtern aus der Mithras-Ikonographie bekannte Motiv und deutet es christlich um.115

Schildkröte und Hahn in einem frühchristlichen


Mosaik in der sogenannten nördlichen Halle in Aquileia (Foto: Sainitzer)

Mithras-Stele aus Ptuj


(Abb.: CUSCITO, Vescovo Teodoro S. 88.)

114
CUSCITO, Cristianesimo S. 35.
115
CUSCITO, Vescovo Teodoro S. 68 und 88.
17
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
Eine Beobachtung
Die Körperhaltung des Mithras bei der
Tötung des Stieres hat – so kann man
meinen – wohl auch Einfluss auf
Darstellungen späterer Zeit gehabt. Man
kann sich denken, dass Künstler der
beginnenden Renaissance, ohne um die
eigentlichen Inhalte des Dargestellten zu
wissen, den Stiertöter betrachteten und
seine Haltung in ihre eigene Kunst
einfließen ließen.
Ist der Samson auf nebenstehenden
Beispielen aus späterer Zeit nicht ein
„Mithras“?

Fresko des 15. Jhdts. Spilimbergo, Italien (Foto: Sainitzer)

http://i.ebayimg.com/00/s/MTE0OFgxNjAw/z/CaUAAOS
wgQ9V6GEg/$_35.JPG (18.07.2016).

http://www.castle.ckrumlov.cz/img/7481.gif
(18.07.2016)

18
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
Aus der sog.
Mithras - Liturgie116

Die sogenannte Mithrasliturgie wurde


im 19. Jhdt. unter den Pariser
Zauberpapyri entdeckt: Es handelt sich
dabei um Gebete und dazwischen
gestellte Gebetsanleitungen eines
Priesters zu einer „Unsterblich-
machung“, die um das Jahr 300
wahrscheinlich in Ägypten verfasst
wurden.117
Der im 19. Jhdt. gegebene Titel
„Liturgie“ ist irreführend, da es sich um
angeleitete private Gebete, aber nicht
um eine in Gemeinschaft durchgeführte Rekonstruktion eines Mithrasmahles
https://myfavouritenecropolis.files.wordpress.com/2011/05/p1010441.jpg (21.08.2015).
Liturgie handelt. Passender wäre
vielleicht „Mithrasgebete“.
Der Text enthält Anweisungen für den Betenden und Gebetstexte, die der Myste
wahrscheinlich am Ende seiner Einweihungsproben sprechen soll.118 Vielleicht sollte mittels
dieser Gebete ein Orakel aus göttlichem Mund für eine individuelle Seele erbeten werden.119
Viele Dinge rund um den Text – seine genaue Intention, sein Gebrauch und viele Inhaltliche
Aspekte – bleiben bis heute noch ungeklärt. Interessant ist die Charakterisierung, die C.G.
Jung120 gibt:
Der Text zeigt die Absicht des Autors, den Leser selbst in die Lage zu versetzen, diese
Vision zu erleben, die der Verfasser gehabt hat oder an die er zum mindesten glaubt.
Der Leser soll in die innere Erfahrung des Autors eingeführt werden oder – was
wahrscheinlicher ist – in eine jener damals bestehenden mystischen Gemeinschaften …
Diese Vision ist somit in einen religiösen Zusammenhang von eindeutig ekstatischer
Natur gebettet und beschreibt eine Art Initiation in die mystische Erfahrung der
Gottheit.

116
Die hier gegebenen Ausschnitte sollen weder eine vollständige Darstellung der sogenannten Mithrasliturgie,
noch ein kompletter Kommentar zu diesem schwer verständlichen Text sein. Es soll lediglich ein kleiner
Eindruck gegeben werden, wie es vielleicht in einem Mithräum zugegangen sein mag. Die hier gegebene
deutsche Übersetzung einiger Teile folgt dem griechischen Text und der englischen Übersetzung in BETZ,
Mithras Liturgy, die die fokusierteste Version der mir zugänglichen Übersetzungen darstellt. Die deutschen
Übersetzungen in DIETERICH, Mithrasliturgie oder in SCHÜTZE, Mithras-Mysterien sind stellenweise sehr
hilfreich, aber – v.a. SCHÜTZE – doch zu weitschweifig und frei interpretierend.
117
Zweifel an der Zugehörigkeit dieses Textes zum Mithraskult und an seiner Funktion seien hier nicht unerwähnt:
CUMONT, Mysterien S. 136f.
118
Eine Kurzcharakteristik des Textes bei CLAUSS, Mithras S. 102f. Zum Charakter dieses Textes siehe JUNG, Der
Begriff des kollektiven Unbewussten S. 67.
119
BURKERT, Mysterien S. 57f.
120
JUNG, Der Begriff des kollektiven Unbewussten S. 66f.
19
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
Text

Sei mir gnädig121, Pronoia und Psyche (= Vorsehung und Seele); mir,
der ich diese mir gegebenen Mysterien ohne wirtschaftlichen
Gewinn122 niederschreibe: Für ein Kind erbitte ich Unsterblichkeit,
für einen Mysten, der in diese unsere Kraft (= Lehre) eingeweiht ist.
Es ist für dich notwendig, Tochter123, dass du den Saft der Pflanzen und die Spezereien (=
Drogen, Rauschmittel) bereitest, die dir am Ende meiner heiligen Handlung bekannt werden.

(Die Kraft), die der große Gott Helios Mithras mir durch seinen
Erzengel übergeben ließ, damit ich als Adler den Himmeln
beschreite und das All (= den Kosmos = ) erblicke.

Dies ist der Beginn des Gebets (das der Myste sprechen soll):

Erster Ursprung meines Ursprungs AEIOU124


Erster Beginn meines Beginns PPP SSS.
Geist125 vom Geist, Geist in mir, dem Neuling MMM,
Feuer – gottgegeben für die Mischung (der Elemente) in mir126,
Feuer von Feuer in mir Neuling EU EIA EEEE,
Wasser von Wasser, das erste Wasser in mir OOO AAA EEE,
Erdenmaterial, das Erdenmaterial in mir Neuling ÜÜEE
ÜÜOOEEE.

121
Die Konstituierung des Textes der Vorrede bietet offenbar einige Probleme: Zuerst die textkritische Diskussion
um die Charakterisierung „ohne wirtschaftlichen Gewinn“ (BETZ, Mithras Liturgy S. 92f.) und vor allem der
Zusatz bezüglich der „Tochter“ (BETZ, Mithras Liturgy S. 93.). Eine stark interpretierende, aber dadurch
streckenweise etwas verständlichere Übersetzung (dem Text von DIETERICH folgend) bietet SCHÜTZE, Mithras-
Mysterien S. 130.
122
Zu dem Zusatz „ohne Gewinn“ (= ( statt  siehe BETZ, Mithras Liturgy S. 92.
123
Zu der Frage, wer mit „Tochter“ angesprochen werden soll - handelt es sich bei dem Mysten um einen Mann
oder eine Frau? Der Text an dieser Stelle ist verworren, da Teile aus einer späteren Glosse stammen: siehe
BETZ, Mithras Liturgy S. 95f. und DIETERICH, Mithrasliturgie S. 3. Hier ist er aber doch als interessant zu
lassen, da die Passage zeigt, dass einerseits auch Frauen irgendwann einmal mitgedacht wurden, und dass auch
Drogen zur Veränderung des Bewusstseinszustandes verwendet wurden.
124
Die hier und im folgenden Text in Kapitalen gesetzten Buchstabenkombinationen stellen im Papyrus
vorgeschriebene kultische/magische Ausrufe/Laute dar (voces magicae). Zur Beschreibung siehe BETZ,
Mithras Liturgy S. 102 – 108. AEIOU: Zu den Vokalreihen siehe weiter unten; PPP beschreibt ein dreimaliges
Schnalzen mit den Lippen; SSS beschreibt ein dreimaliges Zischen; MMM ist eher unklar, beschreibt wohl
ein mit starkem Ausstoß durch die Nase begleitetes, lautes, schnaufendes „M“: „the sound was meant to be
either a roaring or bellowing, or as a hard blowing through the nose.“ (BETZ, Mithras Liturgy S. 107.) Die
Vokalreihen sind im Gebet genau in der richtigen Reihenfolge wie niedergeschrieben wiederzugeben: Das
Griechische hat sieben Vokale (a, e, langes e, i, o, y, langes o), wobei jeder Vokal in einer solchen vox magica
(aber ohne konkrete Zuordnung) einen Planeten, einen Engel bzw. einen unsterblichen Gott repräsentiert. (dies
war quasi Grundschulwissen in der Antike: MARKSCHIES, Lehrer, Schüler, Schule S. 100.) CLAUSS, Mithras
S. 104 schreibt dazu: „In immer neuen, teils gesprochenen, teils psalmodierend gesungenen Vokalreihen steigt
der Myste hinauf, immer höher auf der Stufenleiter der Planeten in die Sphäre der Fixsterne. … Solche
Vokalreihen vermochten mit klanglich-lautlichen Mitteln eine geistig-seelische Stimmung hervorzurufen.
Zusammen mit Lichteffekten, dem Abwechseln von laut vorgetragenen Gebeten, gewaltigem Lärm und
Schweigen dienten sie der Schulung zur Erzeugung von Seelenzuständen.“ Zu den hier genannten Lichteffekten
siehe RÜPKE, Religion S. 100 und BURKERT, Mysterien S. 70f. Pfeifen und Schnalzen sollen Tierlaute
nachahmen, die vor Göttern schützen, aber diese auch herbeirufen können. (CLAUSS, Mithras S. 104.)
125
Es folgt nun die Anrufung der vier Elemente: Geist/Luft, Feuer, Wasser, Erde, wobei die Unterscheidung von
Geist/Luft  – spiritus) und Feuer  nicht deutlich ist.
126
Die Mischung der Elemente im Körper führt zu dessen Perfektion. Siehe auch Firmicus Maternus, Matheseos
libri 1, 90f.: (deus ille fabricator) … corpus hominis ut mundi ex quattuor elementorum commixtione
composuit. (BETZ, Mithras Liturgy S. 109, Anm. 119.)
20
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
Ein perfekter Körper6 von mir, |NAME|, dessen Mutter |NAME| ist,
der gemacht ist von einem noblen Arm127 und einer unsterblichen
rechten Hand in einer Welt128 ohne Licht und doch leuchtend, ohne
Seele und doch lebend mit einer Seele ÜÜEEIII AÜÜIII
EÜIOOOIEEE.
Nun, wenn es dir recht erscheint METERTA129 PHOTEEE
IEERESZSZSZA: Bringe mich zu meiner unsterblichen Geburt,
damit ich gemäß meiner Natur … den unsterblichen Beginn und den
unsterblichen Geist erblicke … damit ich wiedergeboren werde im
Geiste und der heilige Geist in mir atmen möge. …. Damit ich
bewundere das heilige Feuer130. Damit ich blicke auf das unfassbare,
erschreckende Wasser131 der Morgendämmerung NÜO THESOO
ECHOO OÜCHOIECHOA und damit der lebenspendende Äther
mich erhöre. ARNOMETERE
Denn heute werde ich mit unsterblichen Augen sehen - ich, geboren
aus einem sterblichen Leib, aber verbessert durch außerordentlich
gewaltige Kraft und die unüberwindliche rechte Hand und durch den
unsterblichen Geist, um das unsterbliche Aion132 und den Herren der
feurigen Krone133 zu sehen.
Ich bin geweiht durch heilige Zeremonien, was kurz meine sterbliche,
menschliche Seelenkraft aufrecht hält, die ich wiedererlangen werde
nach der jetzigen bitteren Notwendigkeit, die auf mich
herniederdrückt. …
Denn für mich Sterblichen ist es (sonst) unmöglich, aufzusteigen mit
den goldenen Strahlen des unsterblichen Glanzes. OEÜ AEOO EUA
EOEE ÜAEE
…..

Nun ziehe dreimal Luft von den Strahlen134 ein so stark du kannst.
Dann wirst du dich selbst in die Höhe gehoben sehen, sodass du
hinauf gehst und glaubst mitten in der Luftregion zu sein.

127
Der „noble“ rechte Arm/die rechte Hand Gottes ist Ausdruck seiner Macht: Ein in der antike sehr gängiges Bild
– so z.B. auch im AT verwendet (BETZ, Mithras Liturgy S. 110f.).
128
Hier wird der Platz des Menschen in einem Universum voll Widersprüchen und Gegensätzlichkeiten
angedeutet: Licht und Dunkelheit (cf. dazu Gnostische Vorbilder), Leben (Seele) und Leblosigkeit
(Seelenlosigkeit): BETZ, Mithras Liturgy S. 111.
129
Dies sind unübersetzbare magische Wörter: BETZ, Mithras Liturgy S. 112.
130
Die Nennungen von heiligem Feuer, Wasser der Morgendämmerung und des Äther bleiben ziemlich unklar: Es
werden hier vielleicht Vorstellungen aus der ägyptischen Religion mit hellenistischem Gedankengut gemischt:
BETZ, Mithras Liturgy S. 117 – 119.
131
Die Nennung des Wassers evoziert Assoziationen mit Styx bzw. dem ägyptischen Gott Nun, den Gott des
Urwassers, der den Himmel umgrenzt und später auch für das Jenseits zuständig war. (BETZ, Mithras Liturgy S.
119.)
132
Gemeint ist hier der Gott Aion, Gott der Ewigkeit, eine Erscheinungsform des Helios (Sol)-Mithras – daher
auch „Herr der feurigen Krone“. (BETZ, Mithras Liturgy S. 122.)
133
Zur Bedeutung der Krone im Mithraskult siehe oben den Text von TERTULLIAN, De corona militis 15.
134
Der Myste soll hier sehr kräftig Luft einatmen  die ja einerseits zum Atmen ist, andererseits aber
auch den göttlichen Geist repräsentiert. Der göttliche Geist in der Luft wird transportiert über die Strahlen der
Sonne. (BETZ, Mithras Liturgy S. 130f.) Durch das extrem intensive Einziehen der Luft wird der Myste
schwindelig, sodass er tatsächlich den Eindruck bekommen kann, eine andere Dimension zu betreten.
21
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
Du wirst nichts hören – weder Menschliches noch anderes
Lebendiges – du wirst nichts von sterblichen Dingen auf der Erde
wahrnehmen – viel eher wirst du alle unsterblichen Dinge sehen.135
Denn du wirst die göttliche Ordnung dieses Tages und dieser
Stunde sehen, die tagbeherrschenden Götter, die in den Himmel
aufsteigen, und die anderen, die herabgehen. Und der Weg der
sichtbaren Götter wird durch die Sonne erscheinen, den Gott,
meinen Vater.
In ähnlicher Weise wird auch die sogenannte Röhre136 sichtbar sein,
der Ursprung des diensttuenden Windes. Denn du wirst von der
Sonnenscheibe eine herabhängende Röhre sehen und zwar nach
dem Westen und nach dem Osten. …

Nach dieser Einleitung werden im Papyrus nun sieben (!) Szenarios geschildert, die der Myste
durchläuft. Er wird Visionen der Planetengötter, des Helios (hier zwar ähnlich aber nicht ident
mit Mithras geschildert!), der Schicksalsgöttinnen, der Planeten des Sternbildes Bär und
schließlich des Mithras selbst empfangen. Es werden im Text genaue Anweisungen zu Ritualen
und Gebeten gegeben, denen der Myste folgen soll.

Als Beispiel sei hier die Schilderung der Begegnung mit Helios ausschnittweise wiedergegeben:

Tritt nun hin sogleich und ziehe von dem Göttlichen gerade hinblickend in dich den
Geisthauch, und wenn deine Seele wieder zur Ruhe gekommen ist, sprich:

Komm. O Herr!

Wenn du das gesagt hast, werden sich zu dir die Strahlen wenden137 und du wirst mitten
unter ihnen sein. Wenn du nun das getan hast, wirst du einen Gott sehen: jugendlich,
schön, mit feurigen Locken in weißem Gewande und in scharlachrotem Mantel mit einem
feurigen Kranze. Sogleich begrüße ihn mit dem Feuergruße:

Herr, gegrüßet seist du! Großmächtiger, hochgewaltiger König, größter der


Götter, Helios, Herr des Himmels und der Erde! Gott der Götter, mächtig ist dein
Hauch, mächtig deine Kraft. Herr, wenn es dir gefällt, melde mich dem höchsten
Gott, der dich gezeugt hat und gemacht. …

135
Hier soll durch das Atemritual eine Reise aus dem Körper beginnen  Physisches Hören und Sehen
werden enden – die Götter werden wahrgenommen werden können. (BETZ, Mithras Liturgy S. 133f.)
136
Eine gängige antike Vorstellung war, dass von der Sonne durch eine Röhre alle Winde ausgehen (DIETERICH,
Mithrasliturgie S. 7 und 62f.). Diese Stelle ist inhaltlich schwer zu verstehen und verwirrend. Für uns ist sie aber
spannend, da es eine interessante Äußerung des berühmten Psychologen C.G. Jung dazu gibt: Er berichtet von
einem Fall, in dem ein Patient – ohne Kenntnis des vorliegenden Mithrasgebets oder eines sonstigen antiken
Zeugnisses zu diesem Thema (!) vier Jahre vor Entdeckung des Papyrus – ähnliche Vorstellungen äußerte: Der
Patient sprach von einem „Sonnenpenis“ (= Röhre) als dem „Ursprung des Windes“. JUNG stellt sich nun die
Frage, woher der Patient diese Vorstellung wohl hätte. Da der verwirrte Patient keine entsprechende Quelle
kennen konnte, ist die Äußerung einer solchen Vorstellung bezüglich Sonne - Röhre – Wind gemäß Jung nach
Entdeckung der Textstelle aus der Antike, die Jung bekannt wurde, ein Beispiel für einen Archetypus. Siehe:
JUNG, Der Begriff des kollektiven Unbewussten S. 65 - 69.
137
Mit sinnlich stark wirkenden Lichteffekten wurde die Epiphanie des Gottes Mithras dargestellt: RÜPKE,
Religion S. 100.
22
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
Du aber blicke zu ihm auf und gib ein langes Gebrüll wie mit einem Horn von dir, deinen
ganzen Atem drangebend, deine Seite pressend. Küsse die Amulette und sprich …:

Schütze mich! PROSÜMERII


Ab Vers 692 folgt im Papyrus die Begegnung mit Mithras138:

… blicke geradeaus in die Luft und du wirst Blitze herabkommen sehen und Lichter
funkeln und die Erde beben und (du wirst sehen) den Gott herabkommen mit
leuchtendem Antlitz, jung, mit goldenem Haupthaar, in weißem Gewande, mit
goldenem Kranz139, in weiten Beinkleidern, haltend in der rechten Hand die goldene
Schulter eines Rindes140 …
Dann wirst du sehen aus seinen Augen Blitze und aus seinem Leibe Sterne springen.
Und du erhebe sogleich ein lautes Gebrüll, pressend deinen Leib, damit du die fünf
Sinne erregst141, lange, bis du absetzen musst142. Küsse wieder die Amulette und sprich:

Herr über mich, den |Name|! Bleibe bei mir in meiner Seele, verlass mich nicht ….!

In diesem abschließenden Gebet drückt sich der Wunsch aus, dass sich der Mensch mit der
Gottheit vereinigt – der Gott soll körperlich in den Menschen hineinkommen.143

Mithrasrelief. Gefunden in Tulln. Zu beachten ist die naive Darstellungsweise im


Kontrast zu den kunstvollen Skulpturen auf den anderen Abbildungen.
http://www.ubi-erat-lupa.org/monument.php?id=5775 (21.08.2015)

138
DIETERICH, Mithrasliturgie S. 15f.
139
Vergleiche den Kranz in dem so eigenartig geschilderten Initiationsritus in dem obigen Text TERTULLIAN, De
corona militis 15.
140
Die Schulter des Rindes ist Symbol für die Tauroktonie: BETZ, Mithras Liturgy S. 183 und DIETERICH,
Mithrasliturgie S. 76.
141
Die fünf Sinne sollen so gestärkt werden zur besseren Wahrnehmung des Geistes: BETZ, Mithras Liturgy S.
186.
142
Dieses brausende Schreien beschreibt BETZ, Mithras Liturgy S. 185f.
143
DIETERICH, Mithrasliturgie S. 96f.
23
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
Mithras - Polytheismus - Christus

Nur eine nachträgliche Illusion kann uns glauben machen, das Christentum habe auf
der Bühne der Geschichte bloß zu erscheinen brauchen, um das Spiel schon gewonnen
zu haben.144
Das Imperium Romanum wird auch als „brodelnder Kessel der religiösen Konkurrenz“145
bezeichnet – viele religiöse Ideen waren im Angebot für die nach Antworten auf die großen
Fragen suchenden Menschen. In Mithras, Isis146 und Christus haben wir sehr scharfe und
bedeutende Konkurrenten der ersten nachchristlichen Jahrhunderte vor uns.
Da der Mithraskult von großer Bedeutung für das Militär147 und die Beamtenschaft wurde,
war er insgesamt von „increasing importance … to the defense of the late empire.“148 Damit
spielte er auch auf religiösem Gebiet eine große Rolle im Kampf der paganen Religion um das
Überleben.
Festzuhalten ist, dass der Mithras-Kult im Rahmen der heidnischen Erneuerung gegen Ende
des vierten Jahrhunderts in paganen Senatorenkreisen eine wichtige Rolle spielte. Das
erkennen wir aus einigen Inschriften in Zusammenhang mit der Neu-Errichtung von Mithräen.
Eine solche Inschrift eines „Gemeindemitglieds aus den höchsten Kreisen“149 zur
Neuerrichtung eines Mithräums wurde auf der Piazza San Silvestro in Rom gefunden, wo
Kaiser Aurelian im Jahre 275 einen Sol-Tempel hatte errichten lassen150:

Olim Victor avus, caelo devotus et astris,


regali sumptu Phoebeia templa locavit.
Hunc superat pietate nepos, cui nomen avitum est:
Damna piis meliora lucro: quis ditior illo est,
qui cum caelicolis parcus bona dividit heres.

Also hat hier eine hochgestellte Persönlichkeit der paganen Gesellschaft Roms namens
Tamesius Augentius151 auf eigene Kosten eine Mithrasgrotte (antra fecit) errichtet. Der Staat

144
VEYNE, Als unsere Welt christlich wurde S. 102. CLAUSS, Ein neuer Gott S. 311f. spricht vom „Enderfolg“ des
Christentums, der erst im 6. Jahrhundert erreicht gewesen wäre. MOMIGLIANO, Christentum und Niedergang S.
423 bringt hingegen einen etwas anderen Standpunkt: Die Überlegenheit des Christentums über das Heidentum
war im Punkt der Dynamik und Leistungsfähigkeit schon im vierten Jahrhundert offensichtlich.
145
HENRICH, Weirdest people S. 471: „a bubbling cauldron of religious competition“.
146
SAUER, Archaeology S. 133. Zur Konkurrenz der Mysterienkulte aus dem Osten siehe GREENBLATT, Erfindung
der Intoleranz S. 62f.
147
KREMER, Religio Castrensis S. 107 zur Bedeutung der Mysterienkulte und auch des Mithraskultes für das
Militär.
148
SALZMAN, Rethinking S. 270. Die Bedeutung des Kultes als Konkurrenz für das Christentum zeigt sich
beispielsweise in der Dedikation des sogenannten Kaiserkonferenzaltars in Carnuntum aus dem Jahr 308. Diese
Weihe sollte wohl den Mithraskult besonders fördern, da die „vier Kaiser“ ja sonst einen Altar für Iuppiter
geweiht hätten. Siehe: Der Adler Roms, Kat. Nr. 13, S. 164.
149
VERMASEREN, Mithras S. 126.
150
CAPANNA, Regione VII S. 486f. Zur zitierten Inschrift siehe ebd. S. 487: Nel portico fu accolto anche un culto
di Mitra. Die Inschriften in Zusammenhang mit Mithras finden sich CIL VI, 749, 750, 753 und 754. Der
gegenständliche Text (CIL VI, 754) wird zitiert nach VERMASEREN, Mithras S. 126. Übersetzung der Inschrift
vom Verfasser: Einst hatte der Großvater Victor, ergeben dem Himmel und den Sternen, mit königsgleichem
Aufwand einen Tempel des Phoebus hier errichtet. Diesen übertrifft nun an Frömmigkeit sein Enkel, der den
Namen des Großvaters trägt: Für Fromme sind finanzielle Verluste besser als Gewinne: Wer ist denn reicher
als derjenige, der als nicht verschwenderischer Erbe sein Gut mit den Himmlischen teilt? Eine weitere ähnliche
Inschrift aus dem Jahre 377 bringt VERMASEREN, Mithras S. 127f.
151
Der Name des Stifters befindet sich auf der Marmortafel links und rechts von den Versen: siehe die Abschrift
in CIL VI, S. 135.
24
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
hielt sich in der Finanzierung heraus (sumptus tuos nec Roma requirit), aber dennoch war es
möglich im Jahre 382 noch ein Mithrasheiligtum einzurichten, immerhin im Jahr, als der
Victoria-Altar aufgrund der „Kursverschärfung gegenüber dem alten Glauben“152 aus dem
Senat entfernt wurde, und wenige Jahre vor offiziellem und komplettem Verbot heidnischer
Kulte.153

Zu dem späten Ansehen paganer Kulte im vierten Jahrhundert schreibt Clauss:

Neben dem Liber, der Isis, der Hecate oder dem Sol Invictus ist auch Mithras in die
Palette jener Gottheiten aufgenommen, deren Priesterämter zu bekleiden oder in deren
Mysterien eingeweiht zu sein, man sich jetzt wieder mit Stolz rühmte. Für Mithras spielt
dabei seine lange stadtrömische Vergangenheit ebenso eine Rolle wie die Tatsache,
dass er als eine der zahlreichen Erscheinungen des Sonnengottes angesehen wurde.154

Dass sich die Zerstörungswut mancher christlicher Ikonoklasten besonders gegen Mithräen
richtete, ist in Hinblick auf das Geschilderte eine wichtige Beobachtung.155 Mithras wurde
offenbar als direkter und sehr gefährlicher Konkurrent des Christentums empfunden.
Dabei stellt sich aber doch auch die Frage, ob sich Mithras als endgültiger Sieger hätte
durchsetzen können: Es ist natürlich schwer zu sagen, ob der Mithrasdienst sich tatsächlich
vollständig durchgesetzt hätte, wenn das Christentum ihn nicht in seinem Siegeslauf
aufgehalten hätte.156

Viele Parallelen zwischen den Kulten für Christus und Mithras, die beide großartige
Verheißungen an ihre Anhänger brachten, sind deutlich erkennbar157: Beide versprachen
einen persönlichen Retter, beide hielten ein Memorialmahl in geschwisterlicher Stimmung,
bei beiden wirkte Blut als Mittel der Erlösung158 und schließlich hatte das Christentum kein
Monopol auf Sündenerlösung und Leben nach dem Tod.159 Vielleicht war das Christentum
152
CHRIST, Kaiserzeit S. 793. Zum Streit um den Victoria-Altar siehe ausführlich FUHRMANN, Spätantike S. 59 –
80: Der Altar wurde erstmals 357 und dann 382/383 endgültig aus dem Senat entfernt. 384 brandete die
Diskussion zwischen Symmachus und Ambrosius wieder auf, Symmachus versucht mit religiöser Toleranz zu
argumentieren: Aequum est, quidquid omnes colunt, unum putari. Eadem spectamus astra, commune caelum
est, idem nos mundus involvit. Quid interest, qua quisque prudentia verum requirat? Uno itinere non potest
perveniri ad tam grande secretum. Sed haec otiosorum disputatio est. Nunc preces, non certamina offerimus.
(Relatio 3,10). Symmachus bleib aber erfolglos: Der Altar wurde nicht mehr aufgestellt. Zu dieser
Auseinandersetzung siehe auch: TRÄNKLE, Einleitung S. 20 – 27; SMOLAK, Christentum, Textband S. 60 – 65;
MEIER, Völkerwanderung S. 72f.
153
VERMASEREN, Mithras S. 155. Das endgültige Verbot alter Kulte von 391 finden wir im Cod. Theod. 16,10,10:
Nemo se hostiis polluat, nemo insontem victimam caedat, nemo delubra adeat, templa perlustret et mortali
opere formata simulacra suspiciat, ne divinis adque humanis sanctionibus reus fiat. Iudices quoque haec forma
contineat, ut, si quis profano ritui deditus templum uspiam vel in itinere vel in urbe adoraturus intraverit,
quindecim pondo auri ipse protinus inferre cogatur nec non officium eius parem summam simili maturitate
dissolvat, si non et obstiterit iudici et confestim publica adtestatione rettulerit. Consulares senas, officia eorum
simili modo, correctores et praesides quaternas, apparitiones illorum similem normam aequali sorte
dissolvant.
154
CLAUSS, Mithras S. 34. Zu den Bedingungen für Anhänger der paganen Religion damals siehe auch VEYNE,
Als unsere Welt christlich wurde S. 97 – 101.
155
SAUER, Archaeology S. 84f.
156
VERMASEREN, Mithras S. 154.
157
JUNG, Der Begriff des kollektiven Unbewussten S. 67 spricht in Bezug auf Mithras von engem Zusammenhang
mit der Christusgestalt der Offenbarung.
158
Im Mithraeum von Santa Prisca (Rom) findet man die Inschrift: You saved us by shedding the eternal blood
(ÜS nach SAUER), gerichtet an Mithras: SAUER, Archaeology S. 135.
159
SAUER, Archaeology S. 136 - 138.
25
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
sogar von vornherein nicht die „angenehmste“ und attraktivste Verheißung im Vergleich zu
paganen Ideen über Tod und Jenseits, stellte es sich doch in mancherlei Hinsicht zumindest im
gnostischen Kontext160 als strenger dar als die meisten paganen Kulte.161
Es war nicht von vornherein klar, dass das Christentum zur bestimmenden Religion würde.
Noch für die Zeit Konstantins gibt es Schätzungen, dass 80 - 95% der Bevölkerung paganen
Kulten anhingen.162 Warum sich das Christentum schlussendlich gegen den im 4. Jhdt. noch
sehr starken und in Hinblick auf die formale Bildungslandschaft überlegenen163 Paganismus
(und somit auch den Mithras-Kult) durchsetzte, bleibt über weite Strecken unklar164 –
wahrscheinlich spielten die Beteiligung der Frauen am christlichen Kult, der Gedanke der
caritas sowie die Möglichkeit einer Beteiligung von Menschen aus allen sozialen Schichten
eine nicht unwesentliche Rolle.
Dazu kam noch, dass die pagane Religion keine religiösen Grenzen kannte165: Der
Absolutheitsanspruch der „Christentümer“166 mit seinen deutlicheren Vorgaben167 und
seinem missionarischen Eifer, der nichts anderes gelten ließ, zeigte sich der großen paganen
theologischen Offenheit168 und Unverbindlichkeit überlegen. Die pagane Vorstellung von
religiöser Wahrheit war der Ansicht des intoleranten und in Hinblick auf die jeweilige „reine
Lehre“ – auch in inneren Streitigkeiten - völlig kompromisslosen Christentum diametral
entgegengesetzt.169
Nicht unterschätzen darf man in diesem Zusammenhang, dass die nicht einheitlich agierenden
und geheimnisumwitterten Mysterienkulte aus dem Orient gegenüber dem Christentum auch
in Hinblick auf das, was man heute „Öffentlichkeitsarbeit“ nennen würde, im Nachteil waren:
Dunkle Bräuche, Schaugepränge, eine komplizierte Astrologie begannen, den eigentlichen
Weisheitskern, dessen Träger die hohen Eingeweihten blieben, nach außen hin zu
160
Die eindrucksvollste Stelle hierzu ist sicher in den sogenannten gnostischen Petrusakten aus der ersten Hälfte
des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts zu finden (Kapitel 6: PFABIGAN, Die andere Bibel S. 144 - 146.),
wo geradezu genüsslich die schlimmsten Höllenstrafen geschildert werden.
161
VEYNE, Als unsere Welt christlich wurde S. 35: Die Prüfungen, die das Christentum versprach, also das Heil
oder die ewigen Qualen der Hölle, waren hingegen eher dazu angetan, einen Neuling in die Flucht zu
schlagen, als ihn zu bekehren. ebd. S. 36: Die Verbindung von Terror und Liebe ist ein zusätzlicher Reiz, mit
dem ein Bestseller punkten kann. Die Geister, die sich die Hölle und die Verdoppelung der ewigen Strafen
ausdachten, … schufen damit einen „Thriller“, der großen Erfolg hatte. und ebd. S. 37: Die Furcht vor
ewiger Verdammnis war den Bekehrungen nicht hinderlich, weil Jesu Botschaft weniger lautete: „Wähle
zwischen Reue und Verdammnis!“ als vielmehr „Gott liebt dich!“.
162
CLAUSS, Die alten Kulte S. 39. Viele arrangierten sich auch mit der paganen Umgebung: Man konnte Christ
und Römer gleichzeitig sein: CLAUSS, Ein neuer Gott S. 128 - 135.
163
NESTLE, Haupteinwände S. 77.
164
SAUER, Archaeology S. 131f.
165
Zum Problem der religiösen Offenheit der paganen Religion: GREENBLATT, Erfindung der Intoleranz besonders
S. 37 und 45.
166
GREENBLATT, Erfindung der Intoleranz S. 71. Der hier einmal verwendete Begriff „Christentümer“ nach
CLAUSS, Ein neuer Gott S. 8f. soll zeigen, dass die christliche Lehre in ihren Anfängen keineswegs einheitlich
vertreten wurde, sondern es sehr starke innerchristliche Spannungen und harte Streitigkeiten gab; so auch ebd.
S. 301. So ist nach CLAUSS, Ein neuer Gott S. 299 ein Grund für die Verfolgung der Christen durch Diokletian
auch die dauernde politische Unruhe, die in manchen Regionen von den ständigen inneren Streitigkeiten der
Christen ausging.
167
Auch für spätere Zeiten wird als wichtiges Momentum für den Erfolg des Christentums in der Geschichte
Europas dessen strenge Vorgaben angesehen: … the important factor in explaining the Churche´s immense
success lies in its extreme package of prohibitions (and) prescriptions …“ HENRICH, Weirdest people S. 161.
168
CLAUSS, Die alten Kulte S. 39 über die riesige Anzahl paganer Kulte – er meint, man könne durchaus von 3000
verschiedenen Kulten sprechen.
169
CLAUSS, Die alten Kulte S. 14f.: Die Vielzahl an Kulten stellte gleichsam ein Angebot an die Menschen dar,
die auf dem Markt der Götter auswählten: je nach Zeit, Geld und Interesse konnte man sich etwas in der einen
oder anderen Mysteriengemeinschaft engagieren. Zum Christentum hingegen: FUHRMANN, Spätantike S. 62:
Der Sieg des Christentums brachte notwendigerweise Intoleranz mit sich.
26
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
überwuchern.170 Wobei aber der Kern der Lehre anfänglich auch von Christen im Sinne eines
Mysterienkultes behandelt wurde: Expressis verbis sagt Sozomenos um 400, nur Eingeweihte
(= Getaufte) dürften das Glaubensbekenntnis aussprechen und hören. Auch Vergleiche des
Christentums mit Mysterienkulten wurden von Christen selbst deutlich gezogen, um Anhänger
anderer Kulte für das Christentum anzuwerben. So vergleicht Clemens von Alexandria das
Mysterium des Christentums mit dem des Dionysos: „Dies sind die Dionysosfeste meiner
Mysterien.“.171
Es war nach der Erhebung des Christentums zur Staatsreligion am Ende des vierten
Jahrhunderts keineswegs so, dass die paganen Kulte plötzlich verschwanden172, die heidnische
Opposition war noch lange einigermaßen stark. Sogar noch nach dem Verbot der alten Kulte
existierten viele starke pagane Gemeinden im Imperium Romanum, was oft auch dann noch
zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Heiden und Christen führen konnte. 173
Oft kam es dabei zu Gewaltanwendung durch die Christen, seien es Bücherverbrennungen wie
in Apg. 19,19 (contulerunt libros et combuserunt coram omnibus … ita fortiter verbum Dei
crescebat et confirmabatur), seien es Zerstörungen von Tempeln, wodurch Platz für christliche
Kultorte geschaffen wurde. Sulpicius Severus schreibt dazu in seiner Martins-Vita (13,9): Nam
ubi (Martinus) fana destruxerat, statim ibi aut ecclesias aut monasteria construebat. Kann man
dazu sagen?: „Die Gewalt gegenüber konkurrierenden Kulten war ein wichtiger Faktor für den
Erfolg des Christentums.“174

Die Anhängerschaft der neuen christlichen Religion war bei weitem nicht so homogen,
begeistert und zahlreich, wie das Kirchenschriftsteller und -historiker gerne darstellen175:
Interne Streitigkeiten, Zulauf von Opportunisten, die vielleicht auch doch noch zur alten
Religion zurückkehren hätten wollen176, die Beharrlichkeit der paganen Bevölkerung sowie die
Übernahme vieler traditionell paganer Praktiken in die Festkultur schwächten die neue
Bewegung des Christentums erheblich.177 Viele Christen waren oft der Ansicht, „zwei Herren

170
Eva CARTELLIERI-SCHRÖTER im Vorwort zu VERMASEREN, Mithras S. 6.
171
Zu Sozomenos und Clemens siehe: CLAUSS, Ein neuer Gott S. 225.
172
So lesen wir davon, dass noch im Jahre 408, als die Not während der Belagerung Roms durch die Westgoten
besonders groß war, heidnische Opfer dargebracht wurden – sogar mit Duldung des katholischen Bischofs:
PFEILSCHIFTER, Spätantike S. 134.; BROWN, Schatz S. 186 berichtet von heidnischen Feiern für die Dioskuren
bis ins 6. Jhdt..
173
Wir kennen noch viele heftige Auseinandersetzungen der Christen mit starken Gemeinden von Anhängern
(römischer) paganer Kulte Ende des vierten Jahrhunderts bis in das 5./6. Jhdt. (SAUER, Archaeology S. 117 -
119.): Beispielsweise die Zerstörung von Tempeln (antiquissima templa) und das Fällen einer heiligen Pinie
durch Martin von Tours (SULPICIUS SEVERUS, Vita Martini 13) oder das Martyrium des Sisinnius und seiner
Gefährten im Jahr 397 in Norditalien, im Val di Non: WIMMER, Lexikon S. 755f. und detailliert dazu SALZMAN,
Rethinking S. 269f. Zu ähnlichen Auseinandersetzungen in Nordafrika zur Zeit des Augustinus siehe
REBILLARD, Christians S. 86 - 91. Die gewaltsame Unterdrückung paganer Kulte nahm natürlich zu, als das
Christentum sich der Staatsgewalt für Unterdrückungsmaßnahmen bedienen konnte: NESTLE, Haupteinwände
S. 77.
174
CLAUSS, Ein neuer Gott S. 394. Siehe dazu auch den Brief des Hieronymus (107) zur Zerstörung eines
Mithräums. Anders ANGENENDT, Toleranz und Gewalt S. 379: „Trotz allem Staatszwang sei nicht generell von
einem religiös gewalttätigen Zeitalter zu sprechen.
175
BEARD, SPQR S. 554 spricht in diesem Zusammenhang von Umschreiben der Geschichte durch die Christen:
„Sie konstruierten eine triumphale Geschichte des Christentums“. Dazu auch CLAUSS, Ein neuer Gott S. 14 -
27 und passim.
176
BRINGMANN, Kaiser Julian S. 92. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Biographie des Peregrinus
Proteus, wie sie Lukian uns in der zweiten Hälfte des 2. Jhdts. schildert: Dieser Kyniker war für eine kurze
Zeit aus – wie Lukian unterstellt – rein materieller Gier Christ, sogar ein angesehener christlicher Prediger.
Kurz als Christ inhaftiert, dann freigelassen entsagte er daraufhin dem Christentum wieder. (Lukian, Das
Lebensende des Peregrinus S. 185 – 188.
177
GIEBEL, Kaiser Julian S. 130.
27
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
dienen zu können“ vor allem im Zusammenhang mit dem Kaiserkult.178 Es benötigte einige
Zeit und Modifikationen der ursprünglich viel strengeren Vorstellungen der Christen, um in
der paganen Umgebung die neue Religion leben zu können.179

Wurde eine Kluft zwischen der neuen Religion des Christentums und der alten Religion von
Zeitgenossen whrgenommen? Hier finden wir sehr unterschiedliche Zugänge: Einerseits sah
man die Unterschiede zwischen den beiden Strömungen sehr krass, unterlegt mit rassistischen
Vorurteilen, wenn Prudentius um 400 schreibt, dass der Unterschied zwischen Christen (=
Römern) und Altgläubigen (= Barbaren) so groß sei wie zwischen Vier- und Zweifüßlern bzw.
solchen Lebewesen, die sprechen können, und solchen, die stumm sind: Sed tantum distant
Romana et barbara, quantum quadrupes abiuncta est bipedi vel muta loquenti.180
Weniger scharf zeichnet diesen Gegensatz Symmachus in seiner dritten Relation im Zuge der
Auseinandersetzung um die Wiedererrichtung des Viktoria-Altares im Senat (Rel. 3,3) – Auch
er bringt ein rassistisches Moment in die ansich religiöse Argumentation ein: Quis ita familiaris
est barbaris, ut aram Victoriae non requirat? Wobei hier für Symmachus die Christen die
Barbaren wären. Es kam eben auf den jeweiligen Standpunkt an, wer in dieser Metaphorik als
die Barbaren oder die Christen angesehen wurde.

Etwas anders stellt sich diese Sache dar, wenn man die römischen Gesellschaft des 4.
Jahrhundert abseits propagandistisch motivierter Religionsdiskussionen betrachtet:
Ambrosius stammte aus einer reichen, adeligen römischen Familie181 und war von gleichem
gesellschaftlichem Rang wie sein Zeitgenosse Symmachus. Der Christ Paulinus von Nola war
ebenso vornehmer Herkunft. Symmachus selbst empfahl Augustinus, der sich später dann
zum Christentum bekehrte, als Redelehrer in Mailand.182 Diese Männer kannten sich also
sicher alle, wahrscheinlich sogar persönlich, und lagen nicht in dauerndem Streit. Ihre
Netzwerke und Bekannschaften zeigen beispielhaft, dass das Christentum keineswegs isoliert
auftauchte und sich auch nicht quasi neben der römischen Gesellschaft entwickelte, sondern
sich in vielen Berührungspunkten an die pagane Gesellschaft anschloss und damit diese
Gesellschaft und sich selbst angleichend veränderte.183
Die Haltung des Symmachus gegenüber Christen war keineswegs feindlich, es ging ihm in
praktischen Angelegenheiten nicht in erster Linie um Religion. Das erkennen wir z.B. aus
seinem Brief 1,64, in dem er erklärt, warum er sich im Sinne des Bischofs Clemens von
Caesarea für eine Steuererleichterung der Gemeinde einsetzt: Commendari a me episcopum
forte mireris. Causa istud mihi, non secta persuasit. Symmachus geht es also um die Sache
(causa) nicht um die religiöse Einstellung des Clemens (secta).
(Symmachus) hatte einfach Besseres zu tun, als seinen Freunden und Kollegen religiöse
Etiketten anzuhängen.184

178
CLAUSS, Ein neuer Gott S. 156.
179
Dazu beispielsweise Schriften wie z.B. TERTULLIAN, De Idololatria oder CYPRIAN, De Lapsis: Es war
notwendig, den Anhängern der neuen Generation eine Handreichung zu geben, wie sie in der paganen
Gesellschaft agieren sollten und nachzudenken, was mit den nicht so Eifrigen geschehen sollte, wenn sie
abgefallen waren. Dazu auch: REBILLARD, Christians passim.
180
MEIER, Völkerwanderung S. 72: Prudentius, Contra Symmachum 2, 816f.
181
BROWN, Schatz S. 202f.
182
BROWN, Schatz S. 197.
183
BROWN, Schatz S. 197: Mit Ambrosius, Augustinus und Paulinus von Nola erreichten Regierungs-Knowhow,
Hochkultur und großer Reichtum so geballt die oberen Ränge der christlichen Kirchen, dass eine neue
Epoche in der Geschichte der lateinischen Christenheit anbrach.
184
BROWN, Schatz S. 173f.
28
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
Exkurs: Attraktivität des Christentums in Zeiten der Seuche

Im Zusammenhang mit der caritas und der mildtätigen Nächstenliebe ist der Einfluss der von
Kyle Haper als Cyprianischen Seuche 185 benannte Pandemie interessant, die von ca. 250 – 270
n.Chr. wütete. Durch diese Seuche und das daraus resultierende Massensterben wären die
verzweifelte Todesangst der Menschen verstärkt und das Vertrauen in die alten Götter
verringert worden, schreibt er: Die - zuerst wie in der Verfolgung unter Decius um 250 zu
Sündenböcken gemachten - Christen hätten dadurch einen starken Zustrom erlebt.186 Den
Wandel in der religiösen Landschaft zwischen 200 und 300 n.Chr. könne man, so Harper, zu
einem wesentlichen Teil auf das Wüten der Seuche zurückführen: Aus der verschwindend
kleinen187 Jesus-Bewegung wäre damit eine bestimmende Macht geworden.
Vor diesem Hintergrund der Seuche könnte sich tatsächlich recht schlüssig die starke
Verbreitung des Christentums im 3. Jhdt. erklären lassen: Durch die positive Wirkung der von
caritas und tätigem Mitleid geprägten Ethik, durch das sehr feste Versprechen der
Wiederauferstehung, das sich in der Ansicht der großen stets zusammengehörigen
christlichen Familie im Dies- und im Jenseits besonders manifestierte188, und durch die soziale
Öffnung, die das christliche Netzwerk bewirkte, könnte sich die neue monotheistische Religion
gegen den Polytheismus recht schnell entscheidend durchgesetzt haben.
Die Ansicht Harpers, dass die Cyprianische Seuche starken Einfluss auf die Entwicklung und
Verbreitung des Christentums gehabt hat, wird durch einige Stellen bei christlichen Autoren
gestützt.
Orosius schreibt über die Ausmaße der verheerenden Seuche, die in der Mitte des 3. Jhdts.
wütete (Hist. 7,21,5):

Incredibilium morborum pestis extenditur: nulla fere provincia Romana, nulla civitas,
nulla domus fuit, quae non illa generali pestilentia correpta atque vacuata sit.

Und etwas weiter unten stellt er die Seuche als Eingreifen des christlichen Gottes in die Welt
dar (Hist. 7,22,1f.):

Respirante paulisper ab illa supra solitum iugi et gravi pestilentia genere humano.
Provocat poenam suam obliviosa malitia. Impietas enim flagella quidem excruciata
sentit, sed a quo flagellatur, obdurata non sentit. Ut de superioribus taceam, facta a
Decio Christianorum persecutione totum Romanum imperium pestilentia magna vexavit

Die Seuche ist hier ein Strafmittel Gottes gegen die Kaiser, die die gläubigen Christen verfolgen
und nicht erkennen wollen, dass sie sinnlos gegen die Religion des wahren Gottes ankämpfen.

Den wichtigen Aspekt der Bewährung christlicher Ethik in Zeiten der Seuche betont Cyprian
von Karthago (Martyrium im Jahre 258). Er ist ja für Harper auch der Namensgeber für diese

185
Von HARPER, Fatum S. 205 als „vergessene Seuche“ benannt (dort beschrieben S. 205 – 237). Diese Seuche
wird wirklich oft nur in Nebenbemerkungen erwähnt, so z.B.: CLAUSS, Quo vadis S. 592., WOOLF, Rom S.
357., CHRIST, Kaiserzeit S. 674.
186
Zur Ausbreitung des Christentums in Zusammenhang mit dieser Seuche HARPER, Fatum S. 228 - 237.
187
HARPER, Fatum S. 231.
188
HARPER, Fatum S. 233 zeigt dies an den christlichen Katakomben.
29
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
Seuche. Cyprian beschreibt die von den Christen geforderte Ethik ausführlich189 (De
mortalitate 14,1):

Quid deinde, fratres dilectissimi, quale est, quam pertinens, quam necessarium, quod
pestis ista et lues, quae horribilis et ferialis videtur, explorat iustitiam singulorum et
mentes humani generis examinat: an infirmis serviant sani, an propinqui cognatos pie
diligant, an misereantur servorum languentium domini, an deprecantes agros non
deserant medici, an feroces violentiam suam comprimant, an rapaces avaritiae
furentis insatiabilem semper ardorem vel metu mortis extinguant, an cervicem flectant
superbi, an audaciam leniant improbi, an pereuntibus charis vel sic aliquid divites
indigentibus largiantur et donent sine herede morituri!

Cyprian meint, dass die Seuche die wahren Qualitäten eines Menschen, insbesondere eines
Christen (iustitia singulorum), auf die Probe stellt und gibt dann einen Katalog aller christlicher
Tugenden in der Not: Fürsorge für Kranke und Verwandte, Sorge um Sklaven, pflichtbewusste
Arbeit von Ärzten, Beherrschung von Gewaltanwandlungen, Bescheidenheit statt Hochmut
und Teilen mit Armen. Dies wird von Christen gefordert. Man kann sich aber gut vorstellen,
dass gerade diese hohen sozialen Ansprüche in Notzeiten anziehend wirkten, sodass das
Christentum dadurch Zulauf erfuhr.

Vor diesem Hintergrund meint Harper: Die alten Religionen hatten abgewirtschaftet190. Der
antike Polytheismus war auch durch die hellenistische Philosophie schon „ausgehöhlt und
brüchig geworden. Seine Stärke lag nur noch darin, dass er Staatsreligion war.“191 Die paganen
Kulte hatten der dynamischen, sozial engagierten und missionarischen Jesus-Bewegung trotz
einiger Versuche nichts mehr entgegenzusetzen: Der Kollaps der althergebrachten Traditionen
springt in der Tat ins Auge.192

189
Der negative - wohl stark mit Topoi gespickte - Katalog nicht erfüllter ethischer Grundsätze in Zeiten der Pest
in Boccaccios Decameron (Giornata I, Introduzione 27f. (QUONDAM, FIORILLA, ALFANO, (2019) S. 171f.)
erinnert stark an die bei Cyprian gelisteten ethischen Forderungen.
190
HARPER, Fatum S. 234. Hier sei auch erwähnt, dass auch die politische Krise des beginnenden fünften
Jahrhunderts in den Augen des Orosius zur Verbreitung des Christentums beitrug: Durch den Niedergang des
Imperiums aufgrund des Eindringens fremder Völker sei das Christentum mehr Völkern – eben den
eindringenden Barbaren - bekannt geworden (Orosius 7,41,8: etsi cum labefactione nostri, tantae gentes
agnitionem veritatis acciperent). Dazu MAZZOLANI, Galla Placidia S. 233f.
191
NESTLE, Haupteinwände S. 78.
192
HARPER, Fatum S. 234.
30
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
Julian Apostata und Christus

Im Streit um die wahre Religion im vierten Jahrhundert gab es eine starke heidnische
Bewegung, gerichtet gegen das Christentum: Besonders von Kaiser Julian (360 – 363) ging
starke Polemik gegen das Christentum aus. Für ihn war das soziale Niveau der Christen zu
niedrig, für ihn waren die Christen ungebildete, verachtenswerte Leute aus Galiläa, für ihn war
der christliche Gott kein echter Gott und die Christen Verräter an ihrer eigentlichen Religion,
dem Judentum.193
Ein für Außenstehende bezeichnendes Merkmal der jungen, straff organisierten und damit
erfolgreichen194 Christengemeinden war die - schon oben besprochene - Idee der
Barmherzigkeit und fürsorglichen Nächstenliebe (caritas) über soziale und auch familiäre
Grenzen hinaus.195 Beides wurde den Christen von ihren Gegnern als Schwäche ausgelegt:
Einerseits bewundert gerade Julian die fürsorgliche Menschenliebe der Christen, wirft ihnen
aber andererseits diese auch als eine Art Bauernfängerei vor.196
Auf diese Tatsache bezieht sich eine Polemik des Kaisers Julian in seinem Symposium (anderer
gebräuchlicher Titel auch Caesares):

… da traf er auf den Jesus, der sich dort herumtrieb und allen Leuten zurief: „Wer ein
Sittenverderber, wer ein Meuchelmörder, wer ein Verflucher, wer ein Schandkerl ist, der
komme zu mir ohne Scheu: Denn ich werde ihn, indem ich ihn mit Wasser hier reinige,
sofort entsühnen. Und wenn einer erneut mit derselben Schuld sich belädt, werde ich
ihm, sofern er sich klagend an die Brust schlägt und sich das Haupt rauft erneut
Reinigung schenken. Aufs freudigste gesellte sich Constantin zu ihm …197

Als Schlusswort des Symposiums lesen wir gleich nach der oben zitierten Stelle:

„Dir aber“, sagte Hermes zu mir, „habe ich gewährt, den Mithras zu kennen: Halte du
dich an seine Gebote, dir selbst somit einen sicheren Hort und einen Hafen bereitend
im Leben, und wenn du einmal fortgehen musst von hier, mit froher Hoffnung einen
geleitenden gnädigen Gott dir selbst gewinnend.“198

Hier zeigt sich auch ein besonderes Verhältnis des Kaisers zu Helios/Mithras, das durch eine
Einweihung des Kaisers in dieses Mysterium während seines Aufenthalts in Gallien bedingt
ist.199 Er polemisiert in gegenständlicher Stelle gegen den Barmherzigkeitsgedanken, den er
als Schwäche sieht, indem er sich auf Mat. 11, 28 bezieht:

Kommet her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe
geben. Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und von
Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen; denn mein Joch ist sanft,
und meine Last ist leicht.

193
BRINGMANN, Kaiser Julian S. 148.
194
GIEBEL, Kaiser Julian S. 136.
195
ANGENENDT, Religiosität im Mittelalter S. 585f.; GIEBEL, Kaiser Julian S. 131 und 135f.
196
RAEDER, Kaiser Julian als Philosoph S. 217.
197
Symposium 38 (336 a – c). Julians Symposium zitiert nach: MÜLLER Friedhelm L., Die beiden Satiren des
Kaisers Julianus Apostata. Griechisch und Deutsch mit Einleitung, Anmerkungen und Index. Palingesia 66
(Stuttgart 1998). Kommentar: ebd. S. 214.
198
Symposium 38 (336 a – c).
199
BRINGMANN, Kaiser Julian S. 147. und TANTILLO, L´imperatore Giuliano S. 87f.
31
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
Julian macht sich an dieser Stelle offenbar auch über die Taufe lustig: er sah in dieser sowie in
der damit verbundenen Sündenvergebung eine „Aufhebung der sittlichen
Selbstverantwortung des Menschen und damit die Vernichtung der auf göttlicher
Sanktionierung beruhenden gesellschaftlichen Ordnung.“200

Der Mithraskult hatte wie schon mehrfach festgehalten große Ähnlichkeiten mit dem
Christentum aufzuweisen: Die Vermittlerrolle des Mithras bzw. des Christus zwischen Gott
und den Menschen201 sowie einige zeremonielle/liturgische Parallelen. Aus der oben zitierten
Stelle bei Tertullian (Praescriptio 40) wissen wir, dass diese Tatsache den Christen durchaus
bewusst war. Wir erkennen aber auch, dass sich der Mithras-Jünger Julian in demselben
Ideenkreis wie seine christlichen Gegner befindet.202 Die christliche Bewegung fungierte
durchaus auch als Vorbild für den (christlich erzogenen und sozialisierten) Kaiser, der die
Vorzüge des im Laufe der Zeit immer besser organisierten Christentums kannte.
Julian schwebte insgesamt eine Wiedererrichtung der alten Religion vor: eine innerlich
gestärkte, straff organisierte und institutionalisierte, mit einem Priesterkader stark nach
christlichem Vorbild ausgestattete Staatsreligion, eine „Heidenkirche“203 – statt einer
katholischen Theokratie wollte er eine „Mithrastheokratie“204: Er verlangte in Sendschreiben
Priester mit einem tadellosen Lebenswandel und auch die Einrichtung karitativer
Einrichtungen - wohl nicht ohne Einfluss des Christentums.205

Christus – Sol Invictus

Was bedeutete es, in der Frühzeit des Christentums in einem noch paganen Umfeld Christ zu
sein?206 Viele „Neuchristen“ befanden sich noch in der Bild- und Gedankenwelt der alten
Religion, eine Verschmelzung von z.B. alten Göttern und „neuen“ Heiligen war oft zu
bemerken.207 Erst nach dem offiziellen Verbot des Heidentums208 und der später folgenden
Zerstörung von Tempeln und Kunstwerken209 verschwand die pagane Bild- und
Vorstellungswelt allmählich – aber eigentlich nie wirklich total.210
Sol wurde in der römischen Vorstellungswelt zu einer immer wichtigeren Gottheit: Kaiser
Konstantin wird eine „jugendliche Vorliebe für die Sonnanbetung“211 zugeschrieben, Kaiser

200
BRINGMANN, Kaiser Julian S. 110.
201
RAEDER, Kaiser Julian als Philosoph S. 211.
202
RAEDER, Kaiser Julian als Philosoph S. 210.
203
GIEBEL, Kaiser Julian S. 134f.
204
RAEDER, Kaiser Julian als Philosoph S. 217.
205
GIEBEL, Kaiser Julian S. 135f.
206
REBILLARD, Christians passim.
207
So ist beispielsweise der Nimbus schon als Zeichen des Sol und des Mithras in der paganen Ikonographie zu
finden: SAUER, Archaeology S. 136.
208
ANGENENDT, Toleranz und Gewalt S. 378 – 380.
209
NIXEY, Nel nome della Croce S. 53f. Ihren Thesen von großer, von Christen ausgehender Gewalt im 4. - 6.
Jhdt. widerspricht ANGENENDT, Toleranz und Gewalt S. 379 im Gefolge von Johannes Hahn: „Trotz allem
Staatszwang sei nicht generell von einem religiös gewalttätigen Zeitalter zu sprechen.“
210
Interessante Übergänge der Ikonographie Sol – Christus lassen sich anhand von Münzbildern zeigen: Dazu
VONDROVEC, Christliche Symbole S. 62f. Die Bedeutung des Sonnenkultes wurde auch von den Christen
wahrgenommen, geht doch z.B. Prudentius in Contra Symmachum (1,310ff.) in seiner Aufzählung der
vergöttlichten Naturereignisse als erstes auf Sol ein: cf. TRÄNKLE, Einleitung S. 31f. Zu den von Christen
übernommenen Symboliken aus der Sol-Vorstellung siehe unten.
211
Zitat nach REIDINGER, Ostern 319 S. 4: In diesem Zusammenhang hält REIDINGER fest, dass die
konstantinische Basilika von St. Peter auch dieser Vorstellungswelt folgend nach der aufgehenden Sonne
ausgerichtet wurde.
32
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
Julian erhob Sol in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts im Zuge der von ihm geförderten
paganen Renaissance zur Schutzmacht für Kaiser und Reich, um doch noch einen Kitt für das
sich in Krisen befindliche Imperium zu schaffen, indem er in dem Kult eine Vielfalt von damals
herrschenden Vorstellungen zusammenfasste: Somit konnten sowohl philosophisch Gebildete
als auch einfachere Menschen und vor allem Anhänger des Mithraskultes diesen Kult leicht
akzeptieren. Dass sich dann Konstantin lieber dem Christus-Mythos als Schutz für das
Imperium zuwandte, ist wohl der am Beginn des 4. Jahrhunderts waltenden Dynamik auf
religiösem Gebiet zuzuschreiben.212

Viele Elemente des Sol-Kultes wurden in der christlichen Vorstellungswelt neu interpretiert
bzw. übernommen: Christus wird wie Mithras als „Licht der Welt“ bezeichnet, Christus wird
„Wahre Sonne“ oder „Sonne der Gerechtigkeit“ genannt und damit in deutlich Konkurrenz zu
Sol/Helios/Mithras gebracht.213 Weihnachten, die Geburt Christi, wird am 25. Dezember
gefeiert, dem Geburtstag des Sol214, die Bezeichnung für den Tag des Herren erfolgt mit dies
Solis (= Sonntag).215
Im Zusammenhang mit dem Mithraskult ist hier auch daran zu denken, dass Mithras als „eine
der zahlreichen Erscheinungen des Sonnengottes“216 angesehen wurde, und die Ikonographie
von Sol und Mithras oft verschmolz, ist doch die Lichtmetaphorik im Mithraskult von
essenzieller Bedeutung, was eine Gleichsetzung mit Sol erleichterte.217 So werden Sol und
Mithras sehr oft in einem Atemzug genannt bzw. ikonographisch in einem nahen
Zusammenhang dargestellt.218

Eine interessante Beobachtung zum Verhältnis der beiden Gestalten Christus und Sol/Mithras
kann man in dem Anfang des 3. Jhdts. entstandenen Mausoleum M in der vatikanischen
Nekropole machen: Dieses sogenannte Mausoleum der Julier ist aufgrund der eindeutig als
christlich zu bezeichnenden Motive der Wanddekoration das einzige gänzlich christliche
Mausoleum in der Nekropole. Das Mosaik an der Decke zeigt Sol auf seinem Wagen - aber:
hier ist nicht Sol gemeint, sondern Christus in Gestalt des Sol. Das erschließen wir aus der

212
CLAUSS, Ein neuer Gott S. 46; und FUHRMANN, Spätantike S. 61f. Eine heidnische Begegnung Konstantins mit
Apollo/Sol in einer Vision wird beschrieben in Panegyricus Latinus VI/VII, 21,4f. (anno 310; in der zitierten
Ausgabe S. 152f.): Vidisti enim, credo, Constantine, Apollinem tuum comitante Victoria coronas tibi laureas
offerentem, quae tricenum singulae ferunt omen annorum. Hic est enim humanarum numerus aetatum, quae
tibi utique debentur ultra Pyliam senectutem. Et - immo quid dico ‘credo’? - vidisti teque in illius specie
recognovisti, cui totius mundi regna deberi vatum carmina divina cecinerunt. Dies zeigt, dass Konstantin
durchaus ein Kind der heidnischen Zeit war, keinesfalls von vornherein zum Christentum tendierend. Dazu
CLAUSS, Ein neuer Gott S. 306 sieht darin eine Vision des Apollo/Sol. CHRIST, Kaiserzeit S. 735 sagt in Bezug
auf diese Vision Konstantins, dieser sei für religiöse Visionen – heidnische wie christliche – geradezu
„prädisponiert“ gewesen.
213
CLAUSS, Ein neuer Gott S. 235 bringt ein Zitat aus einer Predigt des Zeno von Verona aus dem Jahre 360/80:
Dieser (Christus) ist unsere Sonne, die wahre Sonne …
214
ERTL, Welt der Götter S. 365. Zum Weihnachtsdatum siehe CLAUSS, Ein neuer Gott S. 42-47 und WIMMER,
Lexikon S. 56. In diesem Skriptum oben zum Thema Felsengeburt.
215
WEBER, Fünf Jahre S. 24, Anm. 17.
216
CLAUSS, Mithras S. 34. Zur Verwandtschaft oder auch oftmaligen Gleichsetzung von Sol Invictus und Mithras
siehe CLAUSS, Mithras S. 31f.: Wer Mithras als Sol Invictus Mithras verehrte, konnte durchaus der Meinung
sein, er pflege den offiziellen Sol-Kult, wenngleich der Mithras-Kult selbst weder offiziell noch öffentlich war.
Ebenso GENTILI, Aspetti S. 68f. und VERMASEREN, Mithras S. 153f.; zur Assoziierung Sol-Mithras auch WEIß,
Stiertötungsszene S. 16.
217
GENTILI, Aspetti S. 68.
218
ULANSEY, Misteri S. 112 - 120, bes. S. 117.; HENSEN, Mithras S. 75 zur Rückseite des Dieburger Mithras-
Reliefs: Sol – Phaeton - Mithras; auch schon VERMASEREN, Mithras S. 88.
33
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
ansonsten gänzlich christlichen Ikonographie des
Mausoleums.219 Erhellt wird die Situation auch durch ein
Zitat aus einer Predigt des Zeno von Verona, wo dieser ganz
deutlich Christus in den Sonnenwagen setzt: Er ist es, den
nicht vier stumme Tiere auf der Bahn um den Erdkreis
herumtreiben (im Sonnenwagen), sondern die vier Evangelien der
Predigt des Heils.220
Es verschmelzen die christlichen Vorstellungen mit der
paganen Vorstellungswelt und Ikonographie: Christus hat als
sol invictus, als unbesiegbarer Sonnengott, die Funktion
seines großen Konkurrenten Mithras übernommen.221 Oft
erscheinen auch in anderen Zusammenhängen Apollo und
Jesus als Varianten des Sonnengottes.222
Es manifestiert sich das Ineinander-Aufgehen223 der
konkurrierenden Göttervorstellungen Sol Invictus/Mithras –
Christus. Als Vergleichsstück zu diesem Mosaik aus Rom
kann man das Bodenmosaik von St. Mary/Hinton sehen, das
wahrscheinlich aus der Mitte des 4. Jhdt. stammt224: Dort
erscheint Christus als Sol, sein Haupt wird von einem Nimbus
überstrahlt, der das Christogramm zeigt: eine noch
Christus als Helios im Mausoleum M in der
deutlichere Verschmelzung heidnischer und christlicher Nekropole unter St. Peter (Necropoli S. 51.).
Ikonographie.

Das Mosaik von St. Mary / Hinton

219
Necropoli S. 51f.
220
Zeno von Verona (Ende viertes Jahrhundert) nimmt in seiner Predigt ganze deutlich auf den Sonnenwagen
Bezug: CLAUSS, Ein neuer Gott S. 235. Die teilweise Gleichsetzung der Evangelisten mit Tieren kommt einem
hier in den Sinn: Sie werden hier als „Zugtiere“ gesehen, die aber nicht stumm bleiben, sondern eben das
Evangelium verkünden. Zur (Tier-)Symbolik für die Evangelisten siehe LURKER, Lexikon S. 186f. und
KRETSCHMER, Lexikon S. 114.
221
HEER, Europa unser S. 226.
222
DEMANDT, Wenn Kaiser träumen S. 56. Ebd. Beschreibt Demandt die Transformation heidnischer
Vorstellungen in christliche.
223
GENTILI, Aspetti S. 69: assimilazione iconografica. Dazu auch REIDINGER, Ostern 319 S. 4f.
224
https://archaeology-travel.com/friday-find/hinton-st-mary-mosaic/ (20.04.2020).
34
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
Texte
Die folgende Textzusammenstellung enthält einige lateinische Texte von Christen, die in oft
sehr polemischer Weise über den Mithraskult schreiben; keinesfalls handelt es sich bei diesen
Zeugnissen um Darstellungen des Kultes, die um Objektivität und Tatsächlichkeit bemüht
wären. Man muss diese Texte also mit Vorsicht lesen – leider sind sie aber die einzigen etwas
ausführlicheren literarischen Quellen zum Mithraskult: So müssen wir versuchen, aus ihnen
herauszufiltern, was der Mithraskult gewesen sein könnte.
Die am Ende der Sammlung stehende sogenannte Mithras – Liturgie gibt aus Sicht eines
Mithrasanhängers einen kleinen Einblick in die oft recht verwirrende Geisteswelt des
Mithraskultes.

Mithrasrelief; Römermuseum Oberburgen (Foto: Sainitzer)

35
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
Tertullian, Praescriptio omnium haereticorum 40
Der Teufel steckt hinter den Kulten
Tertullian, der die Mithras-Mysterien sehr gut gekannt hat, schreibt hier nicht für uneingeweihte Leute, sondern für die
Christen, die vielleicht aus dem Mithras-Kult kamen: Er wollte diesen die „wahre Sicht der Dinge“ vermitteln. Er versucht – wie
Justinus Martyr (siehe unten!) – aufgrund der augenscheinlichen Ähnlichkeiten des Mithras-Kultes mit dem christlichen Ritus
(Opferung von Brot und Wein, gemeinsames Mahl, Taufe, Erlösung, Lichtmetaphorik …) so zu erklären, dass der Teufel und
die Dämonen den wahren Glauben – das Christentum – nachäffen und verspotten wollen.225

Sed quaeritur, a quo intellectus interpretentur1 1 intellectum interpretare: das Verstehen


bestimmen (interpreto 1 hier kein Deponens!)
eorum2, quae haereses3 faciant. A diabolo scilicet, intellectus im Text = Nom. Pl.!
cuius4 sunt partes interveniendi5 veritatem, qui6 2 eorum = Neutrum Plural (ÜS.: „Dinge“)
3 haeresis, -eos m. (griechische Deklination):
ipsas quoque res sacramentorum divinorum Irrlehre
idolorum mysteriis7 aemulatur8. 4 cuius sunt partes: dessen Rolle es ist (vgl. den

Ausdruck: dessen Part es ist)


Tingit9 et ipse quosdam – utique10 credentes et 5 intervenio 4: hier: unterbrechen, zerstören
6 qui  diabolus
fideles suos: Expositionem11 dilectorum de 7 idolorum mysteriis: mit den Mysterien

lavacro promittit. Et si adhuc memini Mithrae: heidnischer Götzen


8 aemulor 1: nachäffen
signat illic in frontibus11a milites suos, celebrat 9 tingo 3, tinxi, tinctum: benetzen; hier: taufen

et12 panis oblationem13, et imaginem 10 utique = scilicet


11
14 expositio, -onis f.: hier: Erlassung,
resurrectionis inducit, et sub gladio redimit Auslöschung  Verzeihung
coronam. … Habet et12 virgines, habet et12 11a in frontibus: auf die Stirn (eine

Tätowierung?); dazu VERMASEREN, Mithras S.


continentes15. … 107.
12
Qui ergo ipsas res, de quibus sacramenta Christi 13
et = etiam
oblatio, -onis f.: Darreichung, Darbringung
administrantur16, tam aemulanter adfectavit17 14 sub gladio redimit coronam: nimmt unter

exprimere in negotiis18 idololatriae, potuit dem Schwert den Kranz weg (zur Erklärung
dieser schwierigen Formulierung siehe unten
instrumenta quoque divinarum rerum et die Stelle aus „De corona militis“!)
15 continentes: hier: Enthaltsame = Asketen
sanctorum christianorum - sensum de sensibus, 16 administro 1: hier: vollziehen, feiern

verba de verbis, parabolas19 de parabolis - 17 adfecto 1: sich anstrengen


18 negotium idololatriae: Art und Weise des
profanae et aemulae fidei adtemperare20. Götzendienstes
Et ideo: A21 diabolo inmissa esse spiritalia 19 parabola, -ae f.: Gleichnis
20 adtempero 1: anpassen, angleichen
nequitiae, ex quibus etiam haereses veniunt, 21 Ordne: Quis debet dubitare (+ AcI)

dubitare quis debet? spiritalia … inmissa esse

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:RGM_Kultrelief_des_Mithras.jpg
(22.08.2015).

225
Zur Konkurrenz zwischen Christus und Mithras siehe SAUER, Archaeology S. 84f., 136 – 138. Wie die alte
Religion insgesamt, so wurde auch der Mithraskult von Christen der schädlichen Dämonie verdächtigt. Die
Christen sahen jeden „heidnischen“ Gott oder Ritus als bösen Dämon, die Irrtümer der alten Religion wurden
als von Dämonen inspiriert angesehen: NIXEY, Nel nome della Croce S. 48.
Text: https://www.uni-siegen.de/phil/kaththeo/antiketexte/mysterien/2..html?lang= (27.02.2021).
36
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
Ein Detail aus dem Initiationsritus
Ein eigenartiger Ritus
Tertullian, De corona militis 15, 2-4 (gek.) 1 Ordne: miles ... monetur, (ut) depellere(t)
coronam … oblatam …. dehinc …
accomodatam
Mithrae miles1, cum initiatur in spelaeo2 - in 2 spelaeum, -i n.: Grotte, Höhle (= spelunca)

castris3 vere tenebrarum - coronam interposito4 3 Beachte die militärische Metapher!


4 interposito gladio: auf ein Schwert
gladio sibi oblatam - quasi mimum5 martyrii - aufgepflanzt
dehinc capiti suo accommodatam monetur obvia6 5 mimum martyrii: Nachäffung eines

Martyriums
manu a capite pellere dicens Mithran esse 6 obvia manu: mit abwehrender Hand
7 exinde: in der Folge
coronam suam. 8 numquam coronatur: setzt er sich niemals

Atque exinde7 numquam8 coronatur, idque in9 mehr einen Kranz auf
9 in signum: als Zeichen
signum habet ad probationem10 sui, ubi11 temptatus 10 ad probationem sui: zum Beweis seiner

fuerit de sacramento: Statim creditur Mithrae miles Meinung


11 ubi temptatus fuerit de sacramento:
(esse), si deiecerit coronam. wenn er befragt wird über sein Bekenntnis

Mithräum in den sog. Terme del Mitra,


Ostia Antica (Foto: Sainitzer)

37
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
Mithrasheiligtum zerstört – das Christentum ist am Vormarsch
Hieronymus lobt in einem Brief an eine Freundin den Stadtpräfekten von des Jahres 376/77 für seine Bekehrung und seinen
Einsatz für das Christentum.

Hieronymus, Epistula 107, 2 (leicht gek.)226


Quae apud homines impossibilia, apud Deum
possibilia sunt. Numquam est sera1 conversio. 1
2
serus 3: hier: zu spät
Lk 23, 39 – 43.
Latro de cruce transiit ad paradisum2. … 3 vetera (exempla)
4 Ordne: nonne Gracchus …, cum
Et, ut omittam vetera3 - ne apud incredulos nimis …gereret, specum Mithrae … subvertit,
fabulosa videantur - ante paucos annos propinquus fregit, exussit
5 Praefecturam Urbanam gerere: das Amt
vester Gracchus4, cum Praefecturam5 gereret des Präfekten der Stadt Rom ausüben
Urbanam, nonne specum Mithrae et omnia 6 portentosus 3: missgebildet, hässlich, hier

auch im Sinne von: abergläubisch


portentosa6 simulacra - quibus Corax, Nymphus, 7 his obsidibus praemissis: wörtl.: nachdem

Miles, Leo, Perses, Heliodromus, Pater initiantur - er diese Bürgen vorangeschickt hatte 
nachdem er so seine Gesinnung bewiesen
subvertit, fregit, exussit? Et his7 quasi obsidibus hat.
ante praemissis, impetravit baptismum Christi. … 8 di nationum: Götter der Heiden
9 bubo, -onis m.: Eule
10 noctua, -ae f.: Käutzchen
Di8 quondam nationum cum bubonibus9 et 11 culmen, -inis n.: Dachfirst

noctuis10 in solis culminibus11 remanserunt. 12 insigne, -is n.: Zeichen


13 ardentes: strahlend

Vexilla militum crucis insignia12 sunt. Regum 14 diadema, -atis n.: Krone
15 patibulum salutare: das heilbringende
purpuras et ardentes13 diadematum14 gemmas Kreuz
patibuli15 salutaris pictura condecorat. Iam
Aegyptius Serapis factus est Christianus.
Reste des Mithraeum des Felicissimus (Ostia Antica) mit Erläuterungen aus dem Römermuseum Oberburgen (Deutschland) Fotos: Sainitzer

226
Siehe dazu: FRACKOWIAK, Mithras ist mein Kranz S. 230f. und CLAUSS, Ein neuer Gott S. 392.
38
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
Mithras, der lichtscheue Viehdieb, wird in Höhlen verehrt
In seinem Werk De errore profanarum religionum (= Über den Irrtum der gottlosen Religionen) schreibt Iulius Firmicus
Maternus (um das Jahr 347), nachdem er Christ geworden war, als guter Kenner der alten Religion (quasi als Insider) über die
römische Religion und die Mysterienkulte, um die Kaiser Constantius und Constans dazu zu bewegen, gesetzliche Maßnahmen
gegen die alten Religion zu ergreifen. Natürlich wird die römische Religion aus damaliger christlicher Sicht stark verzerrt und
voll Polemik dargestellt.

Iulius Firmicus Maternus, De errore profanarum religionum 5, 2.


1
Virum vero abactorem bovum colentes
sacra2 eius ad ignis transferunt2 potestatem. 12 abactor, -oris m.: Dieb
sacra … transferre: den Kult ausrichten auf
… 3 hunc  abactorem

Hunc3 Mitram dicunt, sacra4 vero eius in 45 sacra … tradere: Kulthandlungen ausführen
squalor, -oris m.: Dreck
speluncis abditis tradunt4, ut semper obscuro 6 commentum, -i n.: Erfindung
7 cuius de sceleribus confiteris: dessen
tenebrarum squalore5 demersi, gratiam Verbrechen du offen bekennst (gemeint ist
splendendi ac sereni luminis vitent. O vera 8 hier der Diebstahl des Stieres: siehe unten!)
ritu Persico: nach persischem Ritus (der
numinis consecratio! O barbaricae legis Mithraskult wurde als persisch angesehen)
fugienda commenta6! Deum esse credis, 9 haec (sacra) sola
cuius7 de sceleribus confiteris. Vos itaque, qui
dicitis in his templis rite sacra fieri magorum ritu8 Persico, cur haec9 Persarum
sola laudatis?

Eine der vielen Darstellungen der Tauroktonie (=Stiertötung). Beachte die Darstellung der Stierjagd und des
Abtransport des erbeuteten Stieres in der Bilderreihe am rechten Rand des Reliefs!
https://de.wikipedia.org/wiki/Tauroktonie#/media/File:Mithrasrelief-Neuenheim.JPG

39
Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
Mithras, der Viehdieb: INVICTUS
Commodianus, Instructiones 1, 13.
Invictus1 de2 petra natus si deus habetur,
Nunc3 ergo retro vos de istis date priorem.
Vicit4 petra deum: quaerendus est petrae creator.
Insuper et furem adhuc depingitis5 esse.
Cum si deus esset umquam, non furto6 vivebat.
Terrenus utique7 fuit et monstrivora8 natura.
Vertebatque9 boves alienos semper in antris
Sicut et Cacus, Vulcani filius ille.
1
Das Gedicht ist in Hexametern verfasst; die Metrik des Commodianus ist eher quantitierend als akzentuierend und hinkt zuweilen erheblich: ein
großer Könner der Dichtkunst war er nicht.
2
de petra natus: aus Stein geboren (Die Geburt aus dem Stein ist ein wesentliches Element des Mithrasmythos.)
3
Dieser Vers bleibt in vielerlei Hinsicht unklar. Nach dem Kommentar in der PL ist er ungefähr folgendermaßen zu lesen: Nunc ergo (reticeo).
Date (= narrate) de istis (= Invictus & Petra) priorem (nuntium). Übersetzung (CLAUSS, Mithras S. 78. s.o.): Nun, dann schweige ich, gebt ihr
mir nicht bessere Auskunft (über diese).
4
Inhaltlich kryptisch. Übersetzung ungefähr: Ein Stein übertraf einen Gott: Dann muss der Schöpfer eines solchen Steines gesucht werden (weil
das wäre ja ganz toll!) Das ist natürlich spöttisch über die Felsgeburt des Mithras gemeint.
5
depingo 3 + AcI: darstellen, dass
6
furto vivere: von Raubgut leben
7
utique: jedenfalls
8
monstrivorus 3 (dieses Wort kommt in der latinischen Literatur nur hier vor = Hapax legomenon!): ungeheuerverschlingend = ungeheuerlich
9
vertere boves: Rinder halten

Mithras heute – zu kaufen im INternet


http://www.zazzle.at/mithras_solenoid_invictus_hemd-235300785324419774 (21.08.2015)

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Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
Das Wesen der Eucharistie und die „heidnische Liturgie“ des Mithras
Justinus Martyr, Apologia 1,66; Original in Griechisch
ÜS: https://www.unifr.ch/bkv/kapitel77-66.htm (04.06.2015).
Justinus ist ein intimer Kenner des Mithras-Kultes. Wir verdanken ihm interessante Informationen über diesen für
uns in vielem noch sehr geheimnisvollen Kult.

Die Apostel haben in den von ihnen stammenden Denkwürdigkeiten, welche


Evangelien heißen, überliefert, es sei ihnen folgende Anweisung gegeben worden:
Jesus habe Brot genommen, Dank gesagt und gesprochen: „Das tut zu meinem
Gedächtnis, das ist mein Leib“, und ebenso habe er den Becher genommen, Dank
gesagt und gesprochen: „Dieses ist mein Blut“, und er habe nur ihnen davon mitgeteilt.
Auch diesen Brauch haben die bösen Dämonen in den Mithrasmysterien nachgeahmt
und Anleitung dazu gegeben.227 Denn dass (auch bei diesen) Brot und ein Becher
Wassers bei den Weihen eines neuen Jüngers unter Hersagen bestimmter Sprüche
hingesetzt werden, das wisst ihr oder könnt es erfahren.

Tertullian (ca. 150 – 230 n. Chr.)


Frühchristlicher Schriftsteller und Apologet, geboren in Karthago, juristische Ausbildung, Rechtsanwalt
in Rom. Dort bekehrte er sich zum Christentum und ging nach
Karthago zurück, wo er eine reiche christliche 1
Montanismus: Sekte, die um 160 von einem
Schriftstellertätigkeit entfaltete. Im Jahre 207 trat er der gewissen Montanus gegründet wurde und die
Lehre vertrat, dass das Ende der Welt – wie
christlichen Sekte der Montanisten1 bei. im Johannesevangelium vorausgesehen –
Die Sprache Tertullians ist sehr kräftig, aber auch schwierig. ganz nahe sei. Deshalb folgte die Sekte einer
sehr strengen, puritanischen Lebensweise in
Tertullian gilt als Kenner des Mithras-Kultes und seiner Riten. moralischer und religiöser Hinsicht.

Hieronymus (ca. 350 – 420)


Frühchristlicher Schriftsteller und Apologet, Kirchenvater;
geboren in Dalmatien wurde er in Antiochia zum Priester
geweiht. Er führte stets ein asketisches Leben und gründete in
Betlehem ein Mönchskloster. Seine größte Leistung ist die
Übersetzung der Bibel in lateinische Sprache (Vulgata).

Justinus Martyr (2. Jhdt. n. Chr.)


In Palästina geboren kam er über die platonische Philosophie
zum Christentum. Er versucht, den christlichen Glauben mit
Hilfe der griechischen Philosophie zu erklären. Um 165 erlitt er
das Martyrium.

Commodianus (4. oder 5. Jhdt.): geboren in Gaza (oder in


Arles), christlicher Autor. In seinen „Instructiones adversus
gentium deos pro christiana disciplina“ verteidigt er den
christlichen Glauben gegen Juden und Heiden, indem er auf
viele heidnische Götter Gedichte (Akrosticha!) verfasst.
St. Hieronymus

227
SAUER, Archaeology S. 25 bezeichnet das Mithrasmahl als sacred meal to commemorate this sacrifice and act
of salvation und zieht damit sehr deutliche Parallelen zum Christentum. Dazu auch VERMASEREN, Mithras S. 78
– 85.
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Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
Die Bedeutung der Mysterien für die Eingeweihten
Cic., leg. 2, 36

Cicero diskutiert im zweiten Buch seines Dialogs De legibus die Bedeutung von Mysterien für
die römische Gesellschaft und inwieweit deren Riten eine Gefahr für die öffentliche Ordnung
sind und eingeschränkt werden müssen. Was die Mysterien für die Eingeweihten bedeuten,
charakterisiert er folgendermaßen:

… nihil melius illis1 mysteriis, quibus ex agresti immanique vita exculti


ad humanitatem et mitigati sumus;

Initiaque2 - ut appellantur - ita re vera principia vitae cognovimus, neque


solum cum laetitia vivendi3 rationem accepimus, sed etiam cum spe meliore
moriendi.

1 illis mysteriis = Abl. comp.


2 initia = principia (Diese beiden Begriffe werden von Cicero gleichgesetzt.)
3 Ordne: cum laetitia vivendi rationem … cum spe meliore moriendi (rationem) accepimus.

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Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
Übersetzungen:
Tertullian, Praescriptio omnium haereticorum 40

Aber man fragt, woher das Verstehen dieser Dinge bestimmt wird, die Irrlehren bewirken. Natürlich:
Vom Teufel. Seine Rolle ist es, die Wahrheit zu zerstören; er äfft auch die eigentlichen Dinge der
Sakramente Gottes mit den Mysterien heidnischer Götter nach.
Er tauft sogar selbst Menschen – natürlich seine Gläubigen, die ihm vertrauen: Die Vergebung der
Sünden verspricht er aufgrund einer Taufe. Und wenn ich mich an Mithras erinnere: Er markiert seine
Soldaten auf der Stirn, er feiert sogar auch die Darbringung des Brotes, er führt das Bild der
Auferstehung ein und nimmt unter dem Schwert einen Kranz weg. Er hat auch Jungfrauen228 und
Asketen. (…)
Er strengte sich auch an, die Dinge selbst, über die die Sakramente Christi gefeiert werden, in der Art
und Weise des Götzendienstes eifrig nachzuahmen, er konnte auch die Mittel der göttlichen Dinge
und der christlichen Heiligen - Inhalt nach Inhalt, Worte nach Worten, Gleichnisse nach Gleichnissen -
dem heidnischen und neidischen Glauben angleichen.
Und deshalb: Wer kann zweifeln, dass die geistlichen Dinge des Aberglaubens, aus denen Irrglauben
entsteht, vom Teufel herkommen?

Tertullian, De corona militis 15, 2-4 (gek.)

Wird ein Soldat des Mithras in einer Grotte – im Lager der Finsternis – eingeweiht, wird ihm ein auf
einem Schwert aufgepflanzter Kranz dargereicht – sozusagen eine Nachäffung eines Martyriums.
Dieser Kranz wird dann an seinen Kopf angelegt und dann wird (der Initiand) aufgefordert (diese
Krone) mit abwehrender Hand von seinem Kopf zu stoßen und zu sagen, dass Mithras seine Krone ist.
Und in der Folge setzt er sich niemals mehr einen Kranz auf und hat dies zum Beweis seiner Meinung,
wenn er befragt wird über sein Bekenntnis: Sogleich glaubt man er sei ein Soldaten des Mithras,
wenn er einen Kranz von seinem Haupte geworfen hat.

Hieronymus, Epistula 107, 2 (gek.)

Was bei den Menschen unmöglich, ist bei Gott möglich. Niemals ist eine Bekehrung zu spät. Der
Räuber kam vom Kreuz direkt ins Paradies. …
Damit ich frühere Beispiele auslasse – bei Ungläubigen sollen sie ja nicht allzu erfunden erscheinen:
Hat nicht dein Verwandter Gracchus vor wenigen Jahren, als er gerade Präfekt der Stadt Rom war,
eine Mithrashöhle und alle missgebildeten Bilder umgestürzt, zerbrochen und verbrannt? (Mit diesen
Bildern werden der Corax (Rabe), der Nymphus (Puppe), der Miles (Soldat), der Leo (Löwe), der
Perses (Perseus), der Heliodromus (Sonnenläufer) und der Pater (Vater) eingeweiht.)
Nachdem er so seine Gesinnung bewiesen hat, hat er die Taufe Christi erlangt. …
Die Götter der Heiden blieben einst mit ihren Eulen und Käuzchen auf einsamen Dachfirsten. Die
Flagge der Soldaten ist nun das Zeichen des Kreuzes. Der Purpur der Könige und die strahlenden
Edelsteine der Königskronen ziert das Heilbringende Kreuz. Schon wurde sogar der ägyptische Serapis
christlich.

228
Waren Frauen an den Mithrasmysterien beteiligt? Ein Irrtum Tertullians? Oder sind mit virgines einfach
keusch lebende Personen gemeint? Dann müsste man keusche Asketen übersetzen. Aber wahrscheinlich irrt
Tertullian hier.
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Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
Iulius Firmicus Maternus, De errore 5, 2

Die Verehrer des Viehdiebes aber richten ihren Kult auf die Macht des Feuers aus. …
Diesen nennen sie Mithras, seinen Kult aber verlegen sie in verborgene Höhlen, immer in finsteren
Dreck versenkt, und vermeiden die Güte des hellen und klaren Lichtes. Oh wahre Weihe eines
Götzen! Oh Erfindung eines barbarischen Gesetzes, die man vermeiden muss! Du glaubst, dass das
ein Gott ist, dessen Verbrechen du offen bekennst. Ihr also, die ihr sagt, dass in diesen Tempeln
rituell korrekt die Kulte der Zauberer nach persischer Art gefeiert werden, warum lobt ihr nur diese
Kulte der Perser?

Commodianus, Instructiones 1, 13

Wenn einer, aus einem Felsen geboren, für einen Gott gehalten wird, nun, dann schweige ich, gebt
ihr mir nicht bessere Auskunft. Es besiegte der Fels einen Gott: Suchen muss man den Schöpfer
dieses Felsen.
Dazu stellt ihr noch dar, dass er ein Dieb ist. Wenn es nämlich diesen Gott jemals gab, lebte er nicht
von Raubgut. Jedenfalls war er irdisch und ungeheuerlich. Er hielt Rinder von anderen Leuten in
Höhlen gefangen so wie Cacus, jener Sohn des Vulkan.

Cicero, De legibus 2, 36

Nichts ist besser als diese Mysterien, durch die wir aus einem bäurischen und unmenschlichen Leben
gebildet und sanfter gemacht wurden zu einem zivilisierten Leben.
Die Anfänge – wie man das nennt – und die Grundlagen des Lebens haben wir (durch diese) erfahren;
wir erlernten (durch sie) nicht nur mit Freuden die (richtige) Art zu leben, sondern auch die (richtige)
Art mit besserer Hoffnung zu sterben

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Sainitzer MITHRAS - 03. 2021
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