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Didaktisieren von Texten Vier Phasen der Arbeit mit Texten

1. Vorentlastung
Durch Lesetexte werden die Lernenden oft recht unvermittelt mit einem neuen Thema
konfrontiert. Die Vorentlastung verschafft ihnen die Möglichkeit, einen Bezug zum
Thema des Textes herzustellen. Danach beginnen sie die Lektüre mit einer bestimmten
Erwartungshaltung, welche das globale Verstehen unterstützt.
Thematische Vorentlastung
• Nach dem Vorwissen bzw. den eigenen Erfahrungen der Lernenden zum Thema
fragen. Die Aufgabenstellung ist offen formuliert, sie darf nicht den Charakter von
Überprüfungsfragen haben.
• Das Vorwissen der Lernenden durch einen einführenden Text aktivieren. Dieser Text
soll sich an das einfache Weltwissen der Lernenden wenden. Auch Titel und Textvor-
spann eignen sich dazu.
Sachbezogene Vorentlastung
• Ein Schlüsselelement aus dem Text sachlich erklären oder unter den Lernenden
diskutieren lassen.
Vorentlastung bezüglich der Textsorte
• Den Text nach seinen Merkmalen einer Textsorte zuordnen (z.B. Bericht, Kommen-
tar, Märchen), Hypothesen über den Inhalt aufstellen lassen.
Lexikalische Vorentlastung
• Redewendungen, Fremdwörter und Fachbegriffe usw. den Lernenden erklären oder in
Übungen erarbeiten lassen.

2. Inhaltserfassung
Das Durchlesen eines Textes hat nicht automatisch zur Folge, dass der Inhalt von den
Lernenden erfasst wird. Die Inhaltserfassung soll deshalb durch gezielte Aufgaben-
stellungen unterstützt werden.
Strukturierung des Lesevorgangs
• Aufgabenstellungen so platzieren, dass das Lesen von längeren Texten in übersicht-
liche Phasen unterteilt wird.
• Textinformationen zu Abbildungen oder Diagrammen in Beziehung bringen.
Aufgabenstellungen: Text ergänzen mit Informationen aus dem Bild; eine Grafik
ergänzen nach den Informationen im Text; Bildbeschreibungen; Lösungsskizzen bei
Rechenaufgaben.
Wiederholte Lektüre
• Textabschnitte unter einer neuen bzw. präzisierten Aufgabenstellung wiederholt lesen
lassen. Achtung: Eine Zweitlektüre ohne geänderte Aufgabenstellung bringt kein
besseres Leseverstehen!
• Das bereits Verstandene markieren lassen. Die Lernenden lesen den Text noch einmal
unter der Fragestellung, welche Textstellen sie verstehen. (Das Augenmerk wird auf
die Kompetenz gelenkt, nicht auf die Defizite!)
Wortschatz- und Grammatikübungen
• Übungen zu Wortschatz oder Grammatik aufgeben.
Aufgabestellungen: Wörter zu Wortfeldern zuordnen (thematische / gemäss den
Wortarten usw.); im Wörterbuch nachschlagen; Synonyme suchen; Lückentexte;
grammatische Umformungen; Begriffe oder Teilsätze kombinieren; Textfragmente in
die richtige Reihenfolge bringen; grammatische Strukturen hervorheben.

Vier Phasen.doc 2008-11-19 © Institut für Interkulturelle Kommunikation


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Fragen zur Verständnisüberprüfung
• Nach Sachverhalten im Text fragen. Achtung: Dieser Aufgabentyp hat Prüfungs-
Charakter! Das Interesse der Lernenden am Thema kann nachlassen. Die Frage-
stellung soll vor dem Lesen des betreffenden Abschnitts bekannt sein und sich auf
Informationen beschränken, welche zum Textverstehen wirklich beitragen.
Aufgabenstellungen: Richtig-Falsch-Aufgaben (Multiple-Choice); Informationen in
Tabellen einsetzen; Illustrationen beschriften; Informationen, die inhaltlich
zusammengehören, auflisten.

3. Reflexion
Die Reflexion kann sich auf verschiedene Ebenen des Textes beziehen. Sie kann sowohl
ein vertieftes Verständnis der Gesamtaussage als auch die Beschäftigung mit
ausgewählten Details anvisieren.
Inhaltliche Reflexion
• Unterschiedlich formulierte Textstellen vergleichen lassen.
Aufgabenstellungen: Passagen im Originaltext auf Grund einer Inhaltsangabe
bestimmen; Schlüsselwörter zu Absätzen zuordnen.
• Textabschnitte zusammenfassen oder benennen lassen.
Aufgabenstellungen: Titel, Zwischentitel oder Schlüsselbegriffe formulieren;
Abschnitte zusammenfassen.
• Einen Kommentar über den Text schreiben lassen.
Aufgabenstellung: die eigene Meinung zu Aussagen des Textes formulieren; eine
inhaltliche Kritik anbringen.
• Eine Interpretation des Texts veranlassen.
Aufgabenstellungen: Fragen nach impliziten Aussagen beantworten; Schlussfolge-
rungen ziehen.
Reflexion über die Struktur des Inhalts
• Den Textinhalt grafisch darstellen lassen.
Aufgabenstellungen: Text grafisch unterteilen in Teilaussagen; Zwischentitel setzen;
Informationen als Mindmap bzw. Schlüsselbegriffe als Assoziogramm darstellen;
Textinhalt in einer Tabelle organisieren.
Reflexion über die Art der Aussagen
• Tatsachen und Meinungen unterschiedlich markieren lassen; Nachrichten und
Kommentare vergleichend charakterisieren lassen.
Reflexion über die Textsorte
• Nach den Elementen fragen, welche die Textsorte bestimmen.
Aufgabenstellungen: die Pointe in einem humoristischen Text bestimmen; märchen-
hafte Elemente suchen; satirische Übertreibungen bestimmen.
Metasprachliche Reflexion
• Sprachliche bzw. stilistische Besonderheiten im Text herausstellen.
Aufgabenstellungen: ungebräuchliche Wendungen ersetzen; komplexe Formulierun-
gen vereinfachen oder umschreiben; die Bedeutung ungewöhnlicher Bezeichnungen
raten; fachsprachliche Wendungen bestimmen.

4. Inhaltserweiterung
Jede Textlektüre kann Ausgangspunkt sein für eine weitere Beschäftigung mit dem
Thema. Die Inhaltserweiterung ist ein Ansatz dazu.
• Einen Anschluss-Text schreiben lassen.
Aufgabenstellungen: eine Geschichte zu Ende führen; eine Textvariante erstellen; den
Schluss eines Textes ändern, eine Zukunftsvision zum Thema formulieren.

Vier Phasen.doc 2008-11-19 © Institut für Interkulturelle Kommunikation