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PRESSEMITTEILUNG

Nach ablehnender Entscheidung des Oberlandesgerichts


Dresden(OLG):Marwa El Sherbinys Familie kämpft weiter für
Gerechtigkeit und gegen Rassismus –
jetzt auch vor dem Bundesverfassungsgericht.

Das OLG muss erneut über den Antrag auf Erhebung der öffentlichen
Klage und Wiederaufnahme der Ermittlungen gegen Richter des
Landgerichts wegen fahrlässiger Tötung entscheiden, der jetzt auch
ausdrücklich im Namen des Witwers gestellt wurde –- die
Staatsanwaltschaft Dresden verzögert die Behandlung der vor drei
Monaten gestellten Strafanzeige gegen den Mörder wegen
Volksverhetzung, Beschimpfung von Religionsgesellschaften.

Mit Schreiben vom 21.2 2011 hat das Bundesverfassungsgericht den


Eingang der Verfassungsbeschwerde bestätigt. Diese war erforderlich,
weil das OLG Dresden den Antrag auf Erhebung der öffentlichen Klage
und Wiederaufnahme der Ermittlungen gegen Richter des Landgerichts
wegen fahrlässiger Tötung abgelehnt hatte; zur Begründung wurde
lediglich ausgeführt, dieser Antrag sei unzulässig, weil der Schwager und
die Schwiegermutter der Ermordeten diesen nicht stellen könnten,
nachdem nicht sie sondern der Ehemann der Ermordeten Marwa
seinerzeit die Strafanzeige gestellt hatte. Auf den Inhalt der
umfangreichen Begründung des Antrages wurde mit keinem Wort
eingegangen.

Durch diese unzutreffende Entscheidung des OLG sind die Grundrechte


der Antragsteller verletzt, insbesondere das Grundrecht auf Leben sowie
Verletzung der Prozessgrundrechte eines rechtsstaatlichen Verfahrens
und rechtliches Gehör. Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungs-
gerichts und des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte müssen
bestimmte, das menschliche Leben gefährdende Verhaltensweisen vom
Staat nicht nur unter Strafandrohung gestellt werden, sondern es müssen
auch die Maßnahmen zur Kontrolle der Einhaltung dieser
Strafvorschriften geeignet und zureichend sein.
Gleichzeitig habe ich beim OLG Dresden die fehlende Anhörung der
Antragsteller vor der negativen Entscheidung gerügt und vorsorglich den
Antrag auch noch einmal ausdrücklich namens und in Vollmacht des
Ehemannes, Elwy Okaz, gestellt, der wegen der erheblichen psychischen
Belastungen im Zusammenhang mit dem brutalen Mord an seiner
Ehefrau im Gerichtssaal mit seinem vierjährigen Sohn nach England
gezogen war und seine Verwandten, die auch in dem Mordverfahren als
Nebenkläger zugelassen waren, beauftragt hatte, sich um das weitere
Verfahren gegen die Richter wegen fahrlässiger Tötung zu kümmern.

Wegen der weiteren Einzelheiten verweisen wir auf die Pressemitteilung


vom 2.12.2010. Die darin erwähnte neue Strafanzeige gegen den wegen
Mordes verurteilten A. Wiens liegt der Staatsanwaltschaft seit der
zweiten Novemberhälfte vor. Bis heute hielt sie es jedoch nicht einmal für
notwendig, dem Bevollmächtigten Rechtsanwalt eine
Eingangsbestätigung zu übersenden geschweige denn mitzuteilen, dass
Ermittlungen wegen Volksverhetzung, Beschimpfung von
Religionsgesellschaften u.a. aufgenommen werden.

In der Pressemitteilung hatten wir bereits erläutert, worum es der Familie


der Ermordeten Marwa bei ihrem jetzt eingeleiteten weiteren juristischen
Schritten geht:

Die Familie hatte bereits in einer Erklärung zum Jahrestag der Ermordung
gefragt:
„Ist das wirklich Gerechtigkeit ?“
Und sie klagte an, dass außer dem Mörder, der zu Recht verurteilt
worden sein, andere Verantwortliche für die Tragödie unbehelligt und
unbestraft herumlaufen dürfen; „Wir sind tief verletzt, wir wollen nicht,
dass dies irgendeiner muslimischen Frau in Europa passiert, wir möchten
unsere Würde schützen, so wie wir niemals wünschten, dass
irgendjemand so viel Schmerz erfährt.“
„Ist es human, dass nach so einer Tragödie mit der.
völlig zerstörten Familie – eine schwangere Frau tot mit 18 Messerstichen
in ihren Bauch, Vater mit einen Schuss und 16 Messerstichen zwischen
Tod und Leben, ein drei Jahre altes Kind bedeckt mit den Blut seiner
Mutter – alle Verantwortlichen nach Hause gingen, ohne irgendjemanden
zu informieren: obwohl ihre Pässe, ihre persönlichen Informationen die
Nationalität enthielten, wurde niemand über den Mord informiert, weder
am Arbeitsplatz noch die Nachbarn, noch die Botschaft“
Angesichts der bisherigen Ablehnung der Dresdner Justiz, sich des Falles
erneut anzunehmen, wiederholen wir unseren Appell, und sind
überzeugt, dass dieser auf noch fruchtbaren Boden fallen wird, nachdem
die ägyptische Bevölkerung mit ihren Sorgen und Nöten durch den
Volksaufstand der hiesigen Bevölkerung noch viel näher gekommen ist -
die Menschen hier wie dort erwarten zu Recht, dass nicht nur eine
Demokratie mit rechtsstaatlichen Institutionen und Rechtsbehelfen
vorhanden ist, sondern dass diese auch tatsächlich für sie im Sinne der
Grund- und Menschenrechte arbeiten:

„In diesem Sinne bitten wir die kritische Öffentlichkeit um Unterstützung


für den Kampf der Familie um Gerechtigkeit und gegen Rassismus – es
sollte ein Anliegen unseres demokratischen Rechtstaates sein, nachdem
der rassistische Mord und seine Begleitumstände von der offiziellen
Politik bei uns erst zur Kenntnis genommen wurden, als es in Ägypten zu
ersten massiven Protesten gekommen war.“