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DSD II Prüfung Schuljahr 2020/2021

„Gute Besserung ...“

„Das Gesundheitswesen in der Bundesrepublik Deutschland“

I. Zum Gesundheitssystem in der DDR


- einheitliches kostenloses Gesundheitssystem mit gleichen Leistungen für alle.

NB: Geschichtlicher Vergleich - Das DDR-Gesundheitssystem war einheitlich und kostenlos mit gleichen
Leistungen für alle. Die Ärzte waren ausschließlich Schulmediziner, welche als Angestellte in der Regel in
Poli-Kliniken tätig waren. Die Leistungen waren für alle Bürger prinzipiell gleich, wobei die tatsächliche
Versorgung in Ost-Berlin zum Beispiel in besonderen Krankenhäusern wie der Charité oder in den Apotheken
in der Hauptstadt möglicherweise besser war als die auf dem Land.
Alle Bürger erhielten ein sogenanntes „SV-Buch“ (Sozialversicherungsbuch), welches bei jedem Arztbesuch
mitgeführt werden musste, und in welchem von den Ärzten alle medizinischen Diagnosen, alle Behandlungen,
alle Impfungen etc. dokumentiert wurden.

II. Zum Gesundheitssystem in der Bundesrepublik Deutschland

1. „Zwei-Klassen-Medizin“ - Gesetzlich/Kassenärztlich versicherte Patienten VERSUS


privatversicherte Patienten

Im Gegensatz zum einheitlichen und kostenlosen Gesundheitssystem der DDR spricht man in der
Bundesrepublik von einer „Zwei-Klassen-Medizin“:

Angestellte und Arbeiter sind in der Regel, wenn sie ein Arbeitsverhältnis haben, in einer gesetzlichen
Krankenkasse pflichtversichert. Unternehmer und Beamte sind in der Regel nicht in der gesetzlichen
Krankenkasse pflichtversichert und müssen sich selber privat bei privaten Krankenkassen versichern.

1.1. Gesetzlich / Kassenärztlich versicherte Patienten

Angestellte, Arbeiter und Arbeitslose sind in der Regel in einer gesetzlichen Krankenversicherung
pflichtversichert.

Gesetzliche Krankenkassen sind zum Beispiel:


 AOK (Allgemeine Ortskrankenkasse)
 DAK (Deutsche Angestellten Krankenkasse)
 HEK (Hanseatische Ersatzkasse)

NB: Auch wenn es unterschiedliche gesetzliche Krankenkassen gibt, so sind die Leistungen für alle
gesetzlich Versicherten im Allgemeinen dieselben und sichern eine „medizinisch notwendige“ und eine
Versorgung des Patienten ab.

Die Finanzierung erfolgt über Beitragszahlungen. Zur Zeit werden ca. 14,6 % vom Brutto-Lohn für die
Krankenversicherung abgezogen, wobei die Kosten je zur Hälfte der Arbeitgeber (7,3) und der Arbeitnehmer
(7,3) bezahlen.
Wer mehr verdient, bezahlt also höhere Beiträge, wobei die Leistungen jedoch für alle die gleichen sind. Man
spricht hier vom „Solidarprinzip“. Der nicht-erwerbstätige Ehepartner und die Kinder bis zum vollendeten
18. Lebensjahr, oder Kinder, welche sich in einer Ausbildung befinden, sind kostenlos mitversichert. Der
Versicherte legt beim Arztbesuch eine „Chip-Karte“ der Krankenkasse mit den wichtigsten Daten des
Patienten vor.
Die Abrechnung des Arztes erfolgt direkt mit der Krankenkasse. Der Patient erhält keine Rechnung.
Die gesetzlichen Krankenversicherungen bezahlen in der Regel nur die schulmedizinische Versorgung und
keine alternativen Heilmethoden durch Heilpraktiker etc. Alle über die „medizinisch notwendige“ Versorgung
hinausgehenden Leistungen müssen ggf. vom Patienten privat bezahlt werden.
Es gilt das „Hausarzt-Prinzip“. Erst soll der Patient zum allgemeinen Hausarzt gehen, welcher den
Patienten dann ggf. zum Facharzt / Spezialisten überweist.
Das Problem ist, dass es für gesetzlich Versicherte nicht immer leicht ist, einen schnellen Termin beim
Facharzt zu erhalten, und man oft mehrere Wochen auf einen solchen Termin warten muss.

1.2. Privat versicherte Patienten

Unternehmer durften sich bis vor kurzem nicht gesetzlich versichern und mussten sich ausschließlich bei einer
privaten Krankenkasse versichern. Große private Krankenkassen sind zum Beispiel die HUK, die Allianz, etc.
Die Leistungen sind unterschiedlich je nach dem individuell vereinbarten Tarif bzw. der Beitragshöhe.
Für junge Menschen sind die Beiträge geringer, weil die jungen Menschen im Durchschnitt weniger krank
sind. Mit zunehmendem Alter steigen jedoch die Beiträge. Die Beiträge für Frauen sind in der Regel generell
höher, weil Frauen mehr Kosten verursachen.

In der Privaten Krankenversicherung (PKV) gilt nicht das Solidarprinzip,sondern das Äquivalenzprinzip!

NB: Bei privat versicherten Patienten gilt in der Regel:

-> Freie Arztwahl – Sie können jederzeit zu jedem Arzt gehen.


-> Schulmedizinische und alternative Heilmethoden .Es werden teilweise auch Behandlungen beim
Heilpraktiker oder Nicht-Schulmedizinern bezahlt.
-> Höhere Behandlungssätze für die Ärzte – Ein Arzt darf über die „medizinische Grundversorgung“ hinaus
weitere ihm sinnvoll erscheinende Untersuchungen durchführen, welche zudem besser bezahlt werden. =>
Ärzte verdienen an Privatpatienten mehr als an Kassenpatienten.
-> Kurze bzw. keine Wartezeiten: Ärzte verdienen mehr an Privatpatienten.
- > Ehepartner und Kinder sind in der Regeln nicht kostenlos mitversichert.
-> Der Patient bekommt die Rechnung vom Arzt, muss die Rechnung bezahlen
und bekommt dann das Geld von der Versicherung zurück.

==> Achtung: Unternehmer, wie zum Beispiel kleine Buchhändler, welche die Beiträge zur privaten
Krankenversicherung zum Beispiel wegen ausbleibenden Einnahmen nicht bezahlen können, haben
keinen Versicherungsschutz und sind damit praktisch ohne Krankenversicherung !!!

1.3. Beamte: Für Beamte besteht in der Regel eine besondere Situation:

- Sie sind in der Regel nicht in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert, sondern privatversichert. Bei
Beamten zahlt aber der Staat, bzw. der Dienstherr in der Regel die Hälfte der Arztrechnung, und nur die
andere Hälfte der Kosten muss über eine private Versicherung abgedeckt werden.

2. Heilberufe in der Bundesrepublik Deutschland

2.1. Die 'Schulmedizin' - Der Arzt / Der Zahnarzt


Die Ärzte in der Bundesrepublik werden in der Regel nach den Grundsätzen der Schulmedizin ausgebildet
und müssen nach den Prinzipien der Schulmedizin praktizieren.
Das Studium der Medizin ist sehr lang und sehr anstrengend.

2.1.1. Der Arzt als Angestellter


Nach dem Studium arbeitet der Arzt in der Regel zunächst als Angestellter in einem Krankenhaus. Die
Arbeitszeiten sind dort in der Regel sehr lang und die Bezahlung ist in der Regel nicht sehr gut.
2.1.2. Der („niedergelassene“) Arzt als Unternehmer

Wenn der Arzt eine eigene Praxis eröffnet (sich „niederlässt“), dann ist er ein Unternehmer. Er muss die
Praxisräume bezahlen, die Sprechstundenhilfe und Krankenschwester etc. und muss die Abrechnung mit den
Krankenkassen machen.
Für Kassenpatienten bekommt der Arzt einen einheitlichen Satz. Bei Privatpatienten kann der Arzt viel mehr –
und viel teurere – Untersuchungen durchführen und berechnen. Er kann also viel mehr Geld verdienen.
Daher bekommen Privatpatienten in der Regel sehr schnell einen Termin.

2.2. Alternative Heilberufe - Heilpraktiker und andere

Alternative Heilberufe sind zum Beispiel Heilpraktiker. Sie wenden auch andere Methoden als die
Schulmedizin an und orientieren sich ggf. „ganzheitlich“ an der individuellen Lebenssituation des
Patienten.
Es gibt noch keine einheitliche Prüfungsordnung für Heilpraktiker und andere Heiler.
Heilpraktiker und anderen Heiler sind daher in der Regel Unternehmer und stellen für ihre Behandlungen
Rechnungen aus für die Patienten. Bei Privatversicherten übernimmt die Private Krankenversicherung oft
ganz oder teilweise die Kosten für die Behandlung. Ansonsten muss die Behandlung durch den Patienten
selber bezahlt werden.

3. Aktuelle Probleme im Gesundheitswesen der Bundesrepublik Deutschland

3.1. Immer mehr Menschen werden immer älter


=> Großer Bedarf an Ärzten und Krankenschwestern

3.2. Kostenexplosion im Gesundheitssystem


=> Alte Patienten + neue Heilmethoden kosten viel Geld
=> Krankenkassen müssen sparen => Kürzen der Leistungen für Patient + Arzt.

3.3. Hohe Arbeitsbelastung der Ärzte (vor allem in Krankenhäusern)


=> sehr lange Arbeitszeiten / schlechte Bezahlung
=> Deutsche Ärzte gehen ins Ausland (Schweiz etc.)
=> Bedarf an Ärzten + Krankenschwestern aus dem Ausland

3.4. Ärztemangel auf dem Land / vor allem Fachärzte


=> junge Ärzte wollen in den Städten leben
=> dort gibt es viele (wohlhabende/Privat-) Patienten
=> dort gibt es viel Kultur / Kindergärten / Schulen etc.

=> Auf dem Land gibt es immer weniger Menschen


=> dort gibt es immer weniger, aber ärmere Patienten
=> dort gibt es wenig Kultur / Schulen / etc.
=> Bedarf an Ärzten + Krankenschwestern aus dem Ausland