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182 §12 Subjektsätze, Objektsätze und Attributsätze

(1) Manchen Menschen machen längere Satzglieder können aus einem Satz ausgeglie-
Arbeitszeiten nichts aus. dert und zu Nebensätzen gemacht werden,
Manchen Menschen macht es nichts d.h., Subjekte können zu Subjektsätzen (1), Ob-
aus, länger zu arbeiten. jekte zu Objektsätzen (2) und Attribute zu Attri-
(2a) Andere fordern mehr Freizeit. butsätzen (3) werden. Bei dieser Umformung
Andere fordern, dass ihnen mehr Frei- wird das betreffende Satzglied verbalisiert. Um-
zeit zugestanden wird. gekehrt können Nebensätze nominalisiert, d. h.
(2b) Viele Menschen berichten gern von in Satzglieder umgeformt werden. Inhaltlich
ihren beruflichen Erfolgen. besteht zwischen den Sätzen kein Unterschied.
Viele Menschen berichten gern davon, Stilistisch sind nominale Varianten eher schriftli-
wie erfolgreich sie im Beruf sind. chen Äußerungen vorbehalten.
(3) Jedes Jahr gibt es Tarifgespräche über Subjekt-, Objekt- und Attributsätze können mit
Lohnerhöhungen. den Konjunktionen dass (2a) oder ob (= fra-
Jedes Jahr gibt es Tarifgespräche gend) (3) oder mit Fragewörtern (2b) eingelei-
darüber, ob die Löhne erhöht werden, tet werden; sie können aber auch Infinitivsätze
sein (1).
An Stelle des ausgegliederten Satzglieds steht
im übergeordneten Satz manchmal ein soge-
nanntes Korrelat (es bzw. Pronominaladverb)
als Hinweis auf den folgenden Nebensatz. Ob
ein Korrelat obligatorisch, fakultativ oder nicht
zugelassen ist, ist jeweils festgelegt. (Vgl. Listen
im Lösungsschlüssel)
Zur Nominalisierung und Verbalisierung vgl.
§ 10; zur Möglichkeit Infinitivsätze zu bilden
vgl. §11.

l Indirekte Fragesätze
(Nebensätze mit der Konjunktion ob und mit Fragewörtern)

(1) Warum passieren so viele Tankerun- Indirekte Fragesätze, die Ergänzungsfragen wie-
fälle? dergeben, die also z. B. nach dem Warum?
Experten ist klar, warum so viele Tan- Wann? Wie? Wofür? eines Sachverhalts fragen
kerunfälle passieren. (= W-Fragen), werden mit Fragewort (+ Präposi-
(2) Mit welchen ökologischen Folgen tion) eingeleitet (1) (2).
muss gerechnet werden? Indirekte Fragesätze, die Entscheidungsfragen
Viele stellen die Frage, mit welchen wiedergeben, die also danach fragen, ob ein
ökologischen Folgen gerechnet werden Sachverhalt zutrifft oder nicht (= ja/Nein-Fra-
muss. gen), werden mit der Konjunktion ob eingelei-
(3) Ist schon wieder ein Tankerunfall pas- tet (3).
siert? Indirekte Fragesätze können Subjektsätze (1),
Jemand fragt, ob schon wieder ein Tan- Objektsätze (3) oder Attributsätze (2) sein,
kerunfall passiert ist.
§12 Subjektsätze, Objektsätze und Attributsätze 183

1 Fragewort oder Konjunktion ob!

Tankerunfälle
1. Wie viele schwere Tankerunfälle haben sich in den letzten Jahren ereignet?
Experten können Auskunft darüber geben, ...
2. Mit welchen Schäden muss bei Tankerunfällen gerechnet werden?
Experten können einschätzen, ...
3. Gibt es besonders gefährliche Tankerrouten?
Viele fragen, ...
4. Wohin wird das Öl hauptsächlich transportiert?
Jemand möchte wissen,...
5. Werden die vorgeschriebenen Routen eingehalten?
Es wäre interessant zu wissen, ...
6. Auf welche Weise kann der Öltransport sicherer gemacht werden?
Man muss überlegen, ...
7. Könnte der Schaden nicht dadurch begrenzt werden, dass Öl auf kleineren
Tankern transportiert wird?
Man muss sich fragen, ...
8. Muss der Öltransport nicht strenger überwacht werden?
Jeder stellt sich die Frage, ...

Indirekte Fragesätze mit ob oder doss-Sätze

(1) Wissen Sie, ob Herr Müller viel arbeitet? Die Konjunktion ob steht bei fraglichen Sach-
(d. h.: Der Fragende weiss nicht, ob Herr verhalten mit einer Alternative, wobei offen
Müller viel arbeitet oder nicht.) bleibt, ob die Alternative zutrifft oder nicht (1);
(2) Ich weiß nicht, ob Herr Müller zu viel ob steht auch, wenn von zwei oder mehr Alter-
arbeitet oder nicht: Er arbeitet viel. nativen die zutreffende bekannt ist (2) sowie
(3) Seinem Chef ist es bestimmt nicht nach Ausdrücken der (negierten) Gleichgültig-
gleichgültig, ob er viel arbeitet (oder keit (3).
nicht). Die Konjunktion dass steht bei eindeutigen
(4) Wissen Sie, dass Herr Müller viel arbei- zutreffenden bzw. nicht zutreffenden Sachver-
tet? halten ohne Alternative (4) (5) und bei Ver-
(d. h.: Der Fragende weiß, dass Herr mutungen, d. h. bei Sachverhalten, die für
Müller viel arbeitet.) (un)möglich oder (un)wahrscheinlich gehalten
(5) Nein, ich wusste bisher nicht, dass Herr werden (6).
Müller viel arbeitet.
(6) Ich halte es aber für möglich/wahr-
scheinlich, dass er viel arbeitet.

2 dass oder ob? Ein neugieriger Kollege will alles genau wissen.

Herrn Müllers übertriebener Arbeitseifer


1. Arbeitet Herr Müller immer so viel? Es ist möglich, ... er immer so viel arbeitet.
Sein Chef weiß bestimmt, ... er immer oder nur manchmal so viel arbeitet.
2. Arbeitet er auch an den Wochenenden im Büro? Seine Frau wird uns sicher sagen
können, ... er auch an den Wochenenden im Büro ist.
3. Macht er keinen Urlaub? Ich weiß nicht, ... er in diesem Jahr Urlaub macht. Ich
weiß nur, ... er im letzten Jahr mit seiner Familie am Meer war.
184 §12 Subjektsätze, Objektsätze und Attributsätze

4. Wissen Sie, ... er neben seiner Arbeit überhaupt noch Zeit für seine Kinder hat?
Es ist ziemlich unwahrscheinlich, ... er noch Zeit für seine Kinder hat.
Aber fragen Sie doch seine Kinder. Die können Ihnen bestimmt sagen, ... er
Zeit für sie hat.
5. Wissen Sie, ... er mittags zum Essen nach Hause geht? Nein, ich weiß es nicht,
aber seine Frau weiß doch, ... er mittags zu Hause, in der Betriebskantine, in
einem Lokal oder vielleicht gar nicht isst.
6. Wissen Sie, ... er irgendwelche Hobbys hat? Wissen Sie denn nicht, ... er Tennis
spielt? Nein, ich wusste nicht, ... er Tennis spielt. Ich wüsste gern, ... er noch
weitere Hobbys hat.
7. Wundern Sie sich denn nicht, ... seine Frau seinen übertriebenen Arbeitseifer
akzeptiert? Ich bin gar nicht so sicher, ... seine Frau seinen Lebensstil akzeptiert.
Ich glaube eher, ... sie darunter leidet. Ich kann nicht gerade behaupten, ... sie
einen glücklichen Eindruck macht.
8. Können Sie mir die Frage beantworten, ... er sich wohl fühlt? Ich kann nur sagen,
... er nicht so wirkt, als würde er sich besonders wohl fühlen.
9. Glauben Sie, ... man seinen Arbeitseifer schon als Sucht bezeichnen kann? Ich
glaube schon, ... es eine Art Sucht ist.
10. Hat er schon mal mit einem Psychologen darüber gesprochen? Ich habe keine
Ahnung, ... er sich schon mal an einen Psychologen gewandt hat. Aber seine Frau
weiß vermutlich, ... er schon mal bei einer Beratung war.
11. Meinen Sie, ... es sich hier vor allem um Ehrgeiz handelt? Zum Teil schon, aber
ich habe Zweifel, ... es das allein ist.
12. Was meinen Sie damit? Ich halte es für wahrscheinlich, ... er sich selbst unter
Druck setzt. Meiner Meinung nach ist es ziemlich unwahrscheinlich, ... er da so
leicht wieder herauskommt.
13. Halten Sie es für möglich, ... seine Arbeitswut irgendwann mal nachlässt? Meiner
Meinung nach ist es ziemlich unwahrscheinlich, ... das je der Fall sein wird.

II Subjektsätze

(1) Energiesparen ist möglich. Wenn das Subjekt eines Satzes zum Nebensatz
(la) Es ist möglich, Energie zu sparen. (= Subjektsatz) wird, tritt im übergeordneten
(Ib) Möglich ist (es,) Energie zu sparen. Satz an die Stelle des Subjekts oft das Korrelat
(Ic) Natürlich ist es immer möglich, Energie es als Hinweis auf den folgenden Nebensatz:
zu sparen.
,_, ,..„. r Energiesparen ist möglich.
(2) Vielen
. , Leuten gefallt Energiesparen _Es ,,
ist möglich, Energie zu
Vielen Leuten gefällt es nicht, Energie
zu sparen. Es kann immer am Satzanfang stehen (1 a).
(3) Der sparsame Umgang mit Energie ist Tritt ein anderes Satzglied an den Satzanfang,
jedem freigestellt. ist es bei Adjektiven, Partizipien und Substanti-
Jedem ist (es) freigestelltQ mit Energie ven + sein fakultativ (l b), in erweiterten Sätzen
sparsam umzugehen oder nicht. aber nötig (l c). Bei Vollverben ist es im Satzin-
nern - je nach Verb - obligatorisch (2), fakulta-
tiv (3) oder nicht möglich (nur bei wenigen
Verben wie z.B. jdm. bleibt nichts anderes übrig,
jdm. fällt ein/auf, jdm. schwebt vor).