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Bewegungslehre

1 Motorik

• Soziale Entwicklung (Kommunikationsfähigkeit, Interaktionsfähigkeit,


Hilfsbereitschaft, Kontaktbereitschaft)
• Sprachentwicklung (Sprach- und Sprechfähigkeit, Wortschatz)
• Emotional-psychische Entwicklung (Selbstsicherheit, Selbstvertrauen, Gefühle)
• Motorische Entwicklung (Grobmotorik (Klettern, Laufen…), Feinmotorik (Malen,
Knöpfen)
• Wahrnehmungsentwicklung (Nahsinne, Fernsinne)
• Kognitive Entwicklung (Lernfähigkeit, Denken, Vorstellen)
• Biologische Entwicklung (Knochenbau, Muskulatur, NS, HKL-System)

• Einteilung in 3 Ebenen:
◦ Visceration
◦ Expression
◦ Effektuation (Zielmotorik)

1.1 Erste Ebene: Visceration (Skript S. 3 f.)

• Immobile Lebewesen: Pflanzen


◦ Still, haben Mechanismen um sich zu ernähren und fortzupflanzen
• Mobile Lebewesen: Tiere (Menschen)
◦ Fortbewegung von A nach B um sich zu ernähren und fortzupflanzen

• Ziele / Instinkte:
◦ sich am Leben erhalten
◦ Erhalten der Speze → Fortpflanzung
Umfeld / Umwelt → Atmung (O2), Ernährung → Lebewesen → Ausscheidung (CO2)
• Kontrolle durch Vegetatives Nervensystem:
◦ unbewusst
◦ reflektorisch
◦ unwillkürlich
◦ (KH: im Koma nur noch Visceration)

1.2 Zweite Ebene: Expression (Skript S. 4 ff.)

• kontrolle durch EPS → automatisch, angeeignete, erlernte Aktivitäten


• Knochen, Gelenke, Muskeln, genetisch bei jedem Menschen festgelegt
• Grundtonus + Aufrichtungsreaktion → je kleiner die Unterstützungsfläche und je
höher der Körperschwerkraftspunkt desto höher ist der Grundtonus! Wichtig für
Wahl der ASTE = Tonusregulation!
• Centre of gravity Höhe S2 , ca 55% des Körpergewichtes liegen darunter
• führendes Organ: Augen = horizontale Sicht
• + unbewusste begleitende Aktivitäten → Mimik und Gestik

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• 1. Stadium der Gleichgewichtsreaktion: kleinbogige Gleichgewichtsreaktion:
◦ Auch im Stand kleinste Bewegungen nach latero-lateral und antero-posterior
durch Kontraktion und Relaxation der dorsalen und ventralen Kette
◦ Zusammenspiel von Vestibularapparat, Augen, Propriozeption
◦ Bewegung durch Atmung, Herzschlag…
◦ „Hineinhängen“ in Fascien in verriegelten Gelenkstellungen möglich, Muskulatur
wird weniger zum Ausgleich benötigt (Schießen, Eiskunstlauf…)

• 2. Stadium der Gleichgewichtsreaktion: Widerlagerungs- / Stellreaktion:


◦ Bei allen gesunden Menschen gleiche Reaktion
◦ möglichst viel Gewicht wird in die Gegenrichtung verlagert, am Ende zurück in
ASTE
◦ Erkennung von PNF-Mustern

• 3. Stadium der Gleichgewichtsreaktion: Fallschirmreaktion:


◦ ipsilateral: Vergrößerung der Auflagefläche
◦ kontralateral (z.B. Stand, Stoß von der Seite): zunächst Kompression auf Standbein
→ Mass Extension; Traktion auf dem anderen Bein → Mass Flexion
◦ Am Ende der Reaktion: neue ASTE
◦ Reaktion der Körperteile in Richtung des Impulses

Agonisten – Antagonisten:
- Flexoren-Kette: ventrale Halsmuskulatur, Bauchmuskeln, Iliopsoas, Ischios, Fußextensoren
- Extensoren-Kette: Erector spinae, Glutaeus maximus, Quadriceps, Triceps surae
- starkes dorsales BG für Stabilität: Lig. Nuchae, Rücken-BG, Fasc. Thoracolumbalis, TIT, über
Triceps surae in Plantaraponeurose
- Bei Stress auf Fascie: Reaktion der Muskulatur!

1.3 Dritte Ebene: Effektuation = Zielmotorik (Skript S. 12 ff.):

• Jede Bewegung ist durch ein Ziel motiviert = essentiell für jede Bewegung
• gesteuert über PBS (Entwicklung des Gehirns hat Differenzierung zwischen
unterschiedlichen Formen der Motorik ermöglicht)
• = willk. Motorik, bedingt durch einen Lernprozess (Fortbewegung, Sprechen…)
• Def. Neuronale Plastizität: Ermöglicht das (Um)lernen von Funktionen durch Willen
und Wiederholung (z.B. ander Teile des Gehirns übernehmen andere Funktionen) →
Forced Use Therapy: betroffene Extremität wird gezwungen, Funktionen wieder
aufzunehmen und auf andere Hirnareale zu projizieren (Bewegung muss so oft wie
möglich wiederholt werden, damit andere Areale die Kontrolle übernehmen)
• Spiegelneuronen: Je mehr ein Patient emotional engagiert und motiviert ist, eine
vorgeführte Bewegung durchzuführen, desto größer ist seine Nachahmungsreaktion

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2 Das Gehen und der Gangzyklus

2.1 Evolution und Geschichte des aufrechten Gehens

• Die Aufrichtung / aufrechte Haltung ist Voraussetzung der Bipedie des Homo sapiens
und hat die Körperstrukturen wesentlich verändert. Sie ermöglicht ein weiteres
Sichtfeld
• wesentliche anat. Veränderungen, die für die Bipedie wichtig sind: Annäherung des
Körperschwerkraftspunktes zum Sacrum, Foramen magnum mittiger, Veränderung des
Gebisses (ermöglicht Sehen von Hindernissen), veränderte Unterstützungsrichtung
des Foramen magnum, Aufrichtung der WS in S-Form, Erweiterung des Beckens,
CC-Höhe des Beckens kleiner, Anteversion Becken, OE kürzer, Veränderung der
Beinachse mit Entwicklung des phys. Valgus, Greiffunktion der Hand und Opposition
des Daumens, Entwicklung der Fußgewölbe, Annäherung des großen Zehs

2.2 Definition des Gehens

• Gehen ist eine zweibeinige Fortbewegung mit wiederholter, alternierender,


successiver und rhythmischer Abfolge von gleichen Bewegungen der unteren
Extremitäten
• jeder Mensch hat gen. Voraussetzung zum Gehen, muss aber durch häufiges
Wiederholen geübt werden
• Steuerung: in Medulla Spinalis = Central Pattern Generator (auch Paraplegiker ohne
komplette Nekrose des RM können Bewegungsabläufe der UE über CPG beüben)
• Gehen:
◦ Zweibeinstand: Approximation → Extension = stabil
◦ Gewichtsverlagerung nach rechts: re. Approximation → Extension, li. Traktion →
Flexion; = Ungleichgewicht, Fallschirmreaktion
◦ Einbeinstand links: Approximation → Extension, rechts: Traktion → Flexion;
kleine Auflagefläche (instabil) und Traktion re. = Ungleichgewicht nach Ventral,
Fallschirmreaktion
◦ Einbeinstand rechts: Approximation → Extension, links: Traktion → Flexion
• „Rad“ ermöglicht optimale lineare Fortbewegung mit wenig Energieverbrauch
(UE=Speiche, KSP=Zentrum)
• Energieverbrauch beim Gehen: Energie = Masse x Weg
• Ziel (nach Ökonomiegesetz): Energieverbrauch reduzieren = lineare Bewegung
• Mensch verändert sich durch Adaptation an aktuelle Lebenssituation
→ Größenwachstum, Bewegungsausmaß, Gewichtszunahme
→ Veränderung der Biomechanik und des Ganhbildes
• Zweibeinige Fortbewegung von A nach B, motiviert durch ein Ziel (Effektuation)

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2.3 Bewegung des Körperschwerkraftspunktes (KSP)

• cranio-caudal: 75mm
Ohne biomech. und anat. Faktoren, die die Bewegung des KSP reduzieren
• latero-lateral: 75mm

• Biomechanische Faktoren, die die Bewegung des KSP reduzieren:


◦ Beckenrotation (5°):
▪ im Double limb support
▪ Becken schiebt sich über Femurkopf
▪ Reduktion des Absinkens des KSP um ca 10mm
◦ Beckenkippung / Pelvic drop (5°):
▪ im Single limb support
▪ Becken kippt zur kontralateralen Seite
▪ Reduktion des Anstiegs des KSP um ca 5mm
◦ Flexion / Extension der Knie:
▪ Extension im Double limb support → Reduktion des Absinkens des KSP
▪ Flexion im Single limb support → Reduktion des Anstiegs des KSP
▪ Gesamtkorrektur: 10mm
• Anatomischer Faktor, der die Bewegungsbreite des KSP reduziert:
◦ Physiologischer Valgus der Knie:
▪ Füße sind nach median verlagert → Reduktion der latero-lateralen Bewegung
des KSP auf 50mm
• Für sinusoidale Bewegung des KSP: gute Beweglichkeit von OSG/USG, Zehengelenke

• Verlagerung des KSP beim Gehen von dorsal betrachtet:

1BS li 1BS re

Cranio-caudal 50mm

2BS li 2BS re

Latero-lateral 50mm

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2.4 Der Gangzyklus / Gate Cycle (Skript S. 25 ff.)

• Zeitintervall, beginnt mit dem Aufsetzen der Ferse (Heel strike) und endet mit dem
erneuten Aufsetzen der Ferse der selben UE
• Jede UE hat einen eigenen Zyklus
• Dauer des Zyklus: ca 1-1,5 Sekunden
• 60% Standbeinphase (Stance Phase), 40% Spielbeinphase (Swing Phase)

◦ 0%: Heel strike / Initial Contact (Ferse setzt postero-lateral auf)


Double support ◦ 7/8%: Foot flat Initial stance
◦ 15%: Loading response (Tibia senktrecht über Talus, Gewichtsübernahme)

Single support ◦ 15-40%: Mid Stance = effektive Einbeinstandphase Mid stance


◦ 40%: Heel off, Abheben der Ferse

◦ 50%: Heel off, Abrollen d. Fußes


Double support Terminal stance Pre-swing-Phase
◦ 50-60%: Toe off, Abheben der Zehen

◦ 60-75%: Initial swing, 3-fache Flexion, Beschleunigung


Single support ◦ 75%: Mid swing, Umkehr von 3-facher Flex. Zu 3-facher Ext.
◦ 75-100%: Terminal swing, Heel strike = Fallschirmphase

• Änderungen im Gangzyklus zwischen Gehen und Laufen:


◦ Kleinere Zyklusdauer
◦ Wegfall des Double support
◦ Prozentuale Umkehr von Stance- und Swing Phase

3 Gelenksbewegungen beim Gehen:

• Hüfte (mind.):
◦ Flexion / Extension → sagittale Ebene: 40°-0°-10°
◦ ABD / ADD → frontale Ebene: 10°-0°-10°
◦ ARO / IRO → transversale Ebene: 10°-0°-10°
▪ Kapselmuster: IRO-E-ABD

• Knie (mind.):
◦ Flexion / Extension → sagittale Ebene: 70°-3/4°-0°
◦ ARO / IRO → transversale Ebene: 10°-0°-10°
▪ keine komplette Extension → bessere muskuläre Reaktivität, bessere
Stoßdämpfung (bei Laufbandanalyse meist mehr Knieextension als auf normalem
Boden)

• OSG (mind.):
◦ DF / PF → sagittale Ebene: 10°-0°-20°
▪ Pro- und Supination im USG in Kombination nötig

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• Zehengrundgelenke (mind.):
◦ 70-90° Flexion, v.a. Großzehe

• Becken:
◦ Horizontale Beckenrotation: 5° im Gangzyklus
◦ Beckenkippung (pelvic drop): 5° in single support Phasen
◦ anteriore Elevation im Initial swing und anteriore Depression im terminal swing,
gekoppelt mit Anteversion (anterior pelvic tilt)
◦ Beckentranslation (=lateraler Shift des Beckens, ermöglicht Gewichtsverlagerung):
▪ 0-25%: ipsilaterale Translation
▪ 25-75%: kontralaterale Translation
▪ 75-100%: ipsilaterale Translation

• Wichtig:
◦ Standbeinphase: p.f. distal, p.m. proximal = geschlossene Kette
nur exzentrisch
◦ Spielbeinphase: p.f. proximal, p.m. distal = offene Kette
◦ Initial Swing Phase: vor allem konzentrisch (60-75%)
◦ Terminal Swing Phase: vor allem exzentrisch (75-100%)

4 Beschreibung der einzelnen Phasen des Gangzyklus:

4.1 0-15% des Gangzyklus


Zeitintervall zw. Heel Strike und loading response, double support

• Allgemein:
◦ 0-7/8%: Zeitintervall zwischen Heel strike und
Foot flat
◦ 7/8% - 15%: Zeitintervall zwischen Foot flat
und loading response
◦ Durch Gravitationskraft: Flexionstendenz im
Knie durch KSP hinter F/E-Achse
◦ 2 Drehzentren: 1) Tuber calcanei (0-7/8%)
2) OSG / USG (7/8% - 15%)

• Gelenkbewegungen:
0 – 7/8% 7/8 – 15%
OSG: Richtung PF Richtung DF
USG: Pronation, Valgus → Tibia in Depression loading response, Bewegung der Tibia
und IRO → Valgus Knie, gleichzeitig nach ventrolateral → Valgus Fuß,
ipsilaterale Translation des Beckens → Fußskelett wird progressiv belastet (bis
Varisation Knie 60%, Ende der Stance phase), Varisation
Knie
Knie: Depression und IRO der Tibia = Valgus Tibia bewegt nach ventrolateral = Varus
0-15%: Flexion
Hüfte: Deflexion von 30° zu 20°; ADD (De-ABD); IRO (Derotation von 0-15%)

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• Muskelaktivität:
0 – 7/8% 7/8 – 15%
Fuß: M. extensor hallucis longus M. soleus
M. extensor digitorum longus M. flexor hallucis longus
M. tibialis anterior M. flexor digitorum longus
→ alle exzentrisch, Fuß richtung PF → werden gedehnt
M. tibialis posterior (von 0-15% exz. Gegen Valgusstress)
Mechanismen zur Abfederung der Überbelastung (Ferse):
- Dehnung der Haut an der Ferse nach hinten = Aktivierung der Fußheber
- Fettpolster unter der Ferse
- Exz. Arbeit der Fußheber
- Re-Stretch (peitschenartige Reaktivierung der Fußheber, arbeiten noch mehr)
- Fußheber ziehen Tibia durch exz. Arbeit proxmal nach ventral = Flexion Knie
→ Muskeln müssen angespannt sein, um „Schockwelle“ abzufangen

Fuß: Stabilisation Längsgewölbe:


(Stabi,
7/8-60%) Passive Strukturen: Lig. Calcaneonaviculare plantare (med.)
Lig. Plantare breve und -longum (lat.)
Plantaraponeurose

aktive Struktueren: M. Abductor hallucis (medial)


M. Abductor digiti minimi (lat.)
M. Flexor digitorum brevis (median)

aktiv-passive Str.: Nachzügelung des M. Soleus (da Tibia nach anterior bewegt)
= Straffung der o.g. Bänder und der Plantaraponeurose

aktiv-aktive Str.: kurze Fußmuskeln, durch Nachzügelung des M. Soleus gestrafft

aktiv lang: medial: M. Tibialis posterior (Med. Malleole = Hypomochlion)


M. Flexor hallucis longus (Sust. Tali = Hypomochlion)
→ Bei Bewegung der Tibia nach ventral wird das Fußgewölbe nach
oben gezogen und entlastet

lateral: M. Peronaeus longus (Trochlea fibulae = Hypomochlion)


M. Peronaeus brevis (lat. Malleole = Hypomochlion)
→ beide: nur ab ca. 20-25% des Gangzyklus aktiv-aktiv

aktiv-aktiv lang: Nachstraffung der Sehnen des M. Flexor digitorum longus durch
Mm. Lumbricalis und M. Flexor accessorius

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Stabilisation Quergewölbe:

passiv: hinteres Quergewölbe: Lig. Calcaneonaviculare plantare


Lig. Cuboideonaviculare plantare
mittleres Quergewölbe: Lig. Metatarsalia plantaria
vorderes Quergewölbe: Lig. Metatarsale transversum profundum

aktiv: hinteres Quergewölbe: M. Tibialis posterior (medial)


M. Peronaeus longus (lateral)
vorderes Quergewölbe: M. Caput transversum des M. Adductor hallucis
Knie: Exzentrisch: Muskeln des Pes anserinus = Exzentrisch:
(femorotibial,
front. Ebene) M. Semitendinosus M. Tensor fasciae latae
M. Gracilis TIT
M. Sartorius Vastus lateralis
M. Biceps femoris (caput breve)
(Valgusstress durch Depression / IRO der Tibia)
(Tibia bewegt nach ventrolateral → Varus Knie)

Knie: Flexionstendenz da das Bein vor dem KSP liegt


(femorotibial,
sag, Ebene) gedehnt: Ischios, Glutealmuskulatur
Multifokale exzentrische Stabilisation gegen Flexionstendenz:
- Ischios
- Glutaeus maximus
- Quadriceps (zunächst monoartikuläre Anteile)
- M. Soleus, M. Flexor digitorum longus, M. Flexor hallucis longus
Knie: Subluxationstendenz d. Patella nach craniolateral (quadricipitaler Valgus), verhindert
(Artic.
Femoro- durch:
patellae) - Condylus lateralis femoris weiter ventral als medialer Condylus
- Lig. Meniscopatellare mediale
- Lig. Femoropatellare mediale passiv
direkt
- Ret. Longitudinale lat. u. med.
- Vastus medialis (dir. Fasern an Margo med. + kontralat. Fasern
- Verlagerung der Tuberositas tibiae nach medial durch
Rotation und Depression der Tibia, zieht Lig. Patellae mit
indirekt
- Muskulatur des Pes anserinus unterstützt IRO durch
Verhinderung des Valgus
Hüfte: (Bewegung: Deflexion, De-ABD, IRO, Beckenkippung und -Translation)

Stabilisatoren:
Tiefe kurze laterale Hüftmuskeln:
- TIT, passiv (wirkt auf Hüfte und Knie)
- tiefe Fasern d. M. Glutaeus maximus (zu Beginn), -med., -minimus

aktive kurze Stabilisatoren am Knie:


- Vastus lateralis
- M. Biceps femoris (caput breve)

aktiv-passive Stabilisatoren proximal:


- TIT in Verb. Mit Glutaeus maximus und -medius, TFL
= glutealer Deltoideus von Faraboeuf

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aktiv-passive Stabilisatoren distal am Knie:
- TIT in Verbindung mit Vastus lateralis und biceps femoris (caput breve)

hydraulische Abfederung durch Knorpel

Muskulatur:
- Pelvitrochantäre Muskulatur → p.f. in Fossa trochanterica, höher als Ursprung,
dadurch Anhebung des Beckens = Entlastung des Hüftgelenks, Kräftugung bei
Coxarthrose

4.2 15-40% des Gangzyklus:


Zeitintervall zwischen Loading response und Heel off = Mid stance / effektive
Einbeinstandphase

• Allgemein:
◦ Drehzentrum: OSG / USG

• Gelenkbewegungen:
15-25% 25-40%
OSG: Dorsalflexion von NNS bis max. 10°
USG: Tibia nach ventrolateral = Valgusstress USG Tibia nach ventromedial = Varusstress
Knie: Deflexion in sag. Ebene → KSP nach cranial → Entlastung der Gelenke
Hüfte: Beckentranslation ipsilateral → ADD+IRO Beckentranslation kontralateral →
ABD+IRO
Deflexion bis NNS in sag. Ebene (von 20° Flexion bis NNS)
zudem: maximale Beckenkippung (5°) im Mid stance

• Muskelaktivität:
15-25% 25-40%
Fuß: M. soleus - Kein Tibialis posterior mehr
M. flexor hallucis longus - Zusätzliche Aktivität der
M. flexor digitorum longus Peronaeusmuskulatur
M. gastrocnemius lat. u. med.
M. Tibialis posterior

→ Bewegung der Tibia nach ventrolateral → Bewegung der Tibia nach


wird exzentrisch gebremst ventromedial wird exzentrisch gebremst
Knie: M. quadriceps femoris, auch rectus fem. Extensionstendenz da Schwerkraftslinie
vor dem DZ liegt = Wegfall des
M. quadriceps
Hüfte: Max. lat. Stabi: M. Glutaeus medius und -minimus, TFL (in Verb. mit TIT), M. Glut.
Max. anfangs leicht aktiv, fällt dann weg (Annäherung), Deltoideus von Faraboeuf

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4.3 40-50% des Gangzyklus:
Zeitintervall zwischen Heel off und Abrollen des Fußes (Double support)

• Allgemein:
◦ DZ: Großzehengrundgelenk
◦ Gravitationslinie ventral des DZ →
Schwerkraft wirkt extensorisch auf das Knie
◦ ab 25% keine Quadricepsaktivität mehr
◦ Gelenkbelastung ↑ durch Abstoßen und
Verlagerung des KSP nach kontralateral
(double support)
◦ KSP nach caudal → Geschwindigkeit ↑

• Gelenkbewegungen:
OSG: Richtung PF (von max. 10° DF bis NNS)
USG+Fuß USG → Varus durch Bewegung der Tibia nach ventromedial
Torsion des Fußes nach innen (Chopart / Lisfranc)
Extension Zehengrundgelenke
Knie: Flexion (durch Abheben der Ferse) → Flexion von 10° zu 30°
Hüfte: Extension in sag. Ebene (von NNS bis max 10° Ext.)
Becken: Translation nach vorne und kontralateral → ABD / IRO Hüfte (E/ABD/IRO)

• Muskelaktivität:
40-50%
US: - M. Triceps surae
- M. Peronaeus longus und -brevis
- M. Flexor digitorum longus
- M. flexor hallucis longus
- M. Gastrocnemius lat. u. -med.

→ bremsen Tibia nach ventromedial, M. Tibialis posterior wegen PF / Varus


inaktiv
→ am Ende der Phase: Bewegung in PF und Varus = Vordehnung der lateralen
Extensoren = optimale Aktivierung zur Vorbereitung der Spielbeinphase (M.
Extensor digitorum longus, M. Extensor hallucis longus)
Knie: Bereits ab 25%: Schwerkraftslinie ventral des DZ =
Extensionstendenz durch Schwerkraft
→ KEINE muskuläre Stabilisation nötig!
Hüfte: - keine Glutealmuskulatur mehr
- Aktivität der Adduktoren ↑ (bremsen Translation des Beckens nach vorne und
kontralateral)
- Bewegung: E / ABD / IRO = Vordehnung M. Iliopsoas (exz.)
- Funktionelle Muskelkette (Peronaeusmuskulatur + Adduktoren) = exz. Arbeit
gegen Beckentranslation

passive Stabi Hüfte:


- K-B-A verriegelt in Extension + knöcherne Stabi durch Rotation d. Beckens

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aktive Stabi Hüfte:
- anteriore Schwachstelle zwischen Bändern muss aktiv stabilisiert werden = exz.
Arbeit des M. Iliopsoas (verhindert Subluxationstendenz des Femurkopfes nach
ventral)
- M. Rectus femoris (durch E Hüfte und F Knie)
- Adduktoren (schieben nach oben/vorne durch E/ABD/IRO)
- M. sartorius

4.4 50-60% des Gangzyklus


Zeitintervall zwischen Abrollen der Zehen bis Toe off = Pre-swing-Phase, double supp.

• Allgemein:
◦ DZ: Großzehenbeere
◦ Schwerkraftslinie ventral der Drehachse → Schwerkraft wirkt extensorisch aufs Knie
verschiebt sich nach kontralateral → Entlastung
◦ Gelenkbelastung: Entlastung ipsilateral durch progressive Gewichtsübernahme
kontralateral
◦ Geschwindigkeit ↑, KSP ↓, Translation nach kontralateral

• Gelenkbewegungen:
50-60%
USG+Fuß: Zehengrundgelenke: Extension bis max 80-90°
USG → Varus durch Bewegung der Tibia nach ventromedial
Torsion des Fußes nach innen (Chopart / Lisfranc)
OSG: Richtung PF (von NNS bis 20° PF)
Knie: Flexion (durch Abheben der Ferse) → Flexion von 10° zu 50°
Hüfte: Langsame Bewegung in Flexion (von 10° bis NNS)
Becken: Translation nach vorne und kontralateral → ABD / IRO Hüfte

• Muskelaktivität:
50-60%
Fuß: - M. Flexor hallucis longus (fixiert Großzehe am Boden)
- M. Peronaeus longus und -brevis (gegen Varus)
- M. Triceps surae

Vordehnung bzw. Aktivierung der ventralen US-Muskulatur:


- M. Tibialis anterior
- M. Extensor hallucis longus
- M. Extensor digitorum longus
Knie: Rasche Flexion im Knie aktiviert ventrale OS-Muskulatur:
- M. Rectus femoris
- M. Vastus intermedius
- M. Sartorius → bremsen Flexion des Knies
- M. Gracilis

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Hüfte: Da die Hüfte in NNS / ABD / IRO ist, werden ventrale Muskeln aktiviert um die
Hüfte zu stabilisieren und die Swing Phase einzuleiten:
- M. Iliopsoas
- M. Rectus femoris
- M. Sartorius
- Adduktoren
Zusammenfassung dieser Phase:
- optimale Vorbereitung der Swing-Phase = Pre-swing-phase
- Aktivierung der ventralen Muskelkette
+ Traktion ipsilateral → bahnt Flexion (mass flexion)
+ Approximation kontralateral → bahnt Extension (mass extension)
+ reziproke Innervation im RM
= neurophysiologisch: Konvergenz (alles führt zu Mass flexion ipsilateral)

4.5 60-75% des Gangzyklus


Zeitintervall zwischen Toe off – Mid swing = Initial swing / 3-Fache Verkürzung /
Beschleunigung / Acceleration phase

• Allgemein:
◦ Fuß verlässt die Unterlage (Spielbeinphase / single support) → p.f.
der Muskeln = proximal, alle Muskeln arbeiten konzentrisch
◦ Entlastung ipsilateral (Traktion), Belastung kontralateral
◦ Geschwindigkeit ↓, lateraler shift nach kontralateral (75%=max.),
KSP↑

• Gelenkbewegungen:
OSG: DF (von 20° PF bis 10° DF)
Knie: F (von 50° bis max. 70°), passiv durch Hüftflexion
Hüfte: F (von NNS bis 40°), ADD, Derotation in ARO (bei 75% ist die Hüfte in NNS für
Rotation)
Becken: Ventrale Elevation

• Muskelaktivität:
60-75%
Fuß / US: M. tibialis anterior → arbeiten aktiv dyn. Konz. in DF, mind. MFT 3 erforderlich
M. extensor digitorum longus um Fuß hochzuziehen, wenn Schwäche: evtl. in vorheriger
M. extensor hallucis longus Phase zu wenig Vordehnung = Problem d. M. Triceps surae

Knie: Flexion durch Hüftflexion = passiv durch Trägheit und Beschleunigung der Hüfte
in Flexion („gegensinniger Pendeleffekt“)
Hüfte: - M. Iliopsoas
- Adduktoren
→ Dyn. Konz. In F / ADD / ARO (waren in pre-swing-Phase vorgedehnt)
Becken: - M. Obliquus externus kontralateral
- M. Obliquus internus ipsilateral

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• Regulations- und Kontrollmechanismen des gegensinnigen Pendeleffekts:

Flexion Hüfte Flexion Knie


M. psoas + + Gegensinniges Pendel
M. Iliacus + +
Adduktoren + +
M. rectus femoris + Bremst das Knie! Biartikuläre Muskeln
M. gracilis + +
M. sartorius + +
M. TFL + -
M. vastus intermedius Kein Effekt - Monoartik. Muskeln
M. biceps femoris c.b. Kein Effekt +

• Merke: M. Gracilis: Funktionelle Beinverlängerung in der Schwungphase


M. sartorius: Funktionelle Beinverkürzung in der Schwungphase

4.6 75-100% des Gangzyklus


Terminal swing, Verlängerungsphase / Fallschirmphase / Decelerationsphase

• Allgemein:
◦ Spielbeinphase, single support
◦ P.f. der Muskulatur proximal, Muskeln arbeiten
dynamisch exzentrisch
◦ Entlastung ipsilateral (Traktion), Belastung
kontralateral
◦ Ipsilaterale Beckentranslation
◦ Tibia „pendelt“ nach ventral („gegensinniger
Pendeleffekt“), passiv durch Hüftflexion

• Gelenkbewegung:
75-100%
OSG: PF (Deflexion von 10° DF bis NNS)
Knie: Extension (schnelle Deflexion) von 70° zu 3°/4° Flexion;
Kniebewegung nur aufgrund der Hüftbewegung!!!
→ bessere muskuläre Aktivität um Schockwelle nach cranial abzudämpfen
Hüfte: Deflexion von 40° zu 30°, ABD, ARO;
im Midswing Übergang von Hüftflexion zur Deflexion
Becken: Ventrale Depression

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• Muskelaktivität:
75-100%
Fuß: M. tibialis anterior
M. extensor digitorum longus
M. extensor hallucis longus
→ bremsen exzentrisch die Bewegung des Fußes in PF bis NNS

Besonderheit:
Ab 90%-100%: M. Tibialis posterior konzentrisch aktiv → USG in Supination, Heel
strike: Ferse setzt posterolateral auf

Knie: Durch Deflexion von Hüfte und Knie Aktivierung der Ischios
Reihenfolge der Aktivierung:
1. M. Biceps femoris c.b.
2. M. Biceps femoris c.l.
3. M. Semimembranosus
4. M. Semitendinosus
→ bremsen Extension im Knie, sodass das Knie im Heel strike leicht flektiert ist
Hüfte: M. iliopsoas
M. Sartorius
Adduktoren
→ bremsen dynamisch exzentirsch die Deflexion der Hüfte
→ deutliche Abnahme der Muskelaktivität proximal

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5 Pathologische Gangarten

5.1 Standbeinphase

• Dienergang:
◦ im Mid Stance
◦ Ursache: Einschränkung in DF im OSG, wird mit Genu recurvatum und Flexion
in Hüfte und Rumpf kompensiert
(z.B. bei Arthrodese des OSG, Spastik des M. Triceps surae, mangelnde
Mobilität im OSG, Verkürzung von dorsaler Muskulatur, muskuläres
Defizit des M. Quadriceps
◦ Bspw.: > Spastik bei Hemiplegie: M. Triceps surae, M, quadriceps, Adduktoren,
M. Latissimus dorsi, M. Pectoralis, M. Biceps brachii, Pronatoren und
Flexoren der Hand
> Myopathie von Duchênne → KEIN Quadricepstraining!
Verschlimmert das Krankheitsbild!

• Trendelenburg`sches Hinken:
◦ Absinken des Beckens kontralateral durch Schwäche der ipsilateralen Abduktoren
◦ Hüfte bewegt in ADD, wird vom TIT gehalten
◦ Kompensation: OK kippt nach ipsilateral → stärkere Abnutzung der
ipsilateralen Facettengelenke
◦ Dezentrierung des Hüftkopfes nach craniolateral
◦ Knie: femorotibialer Varus → Überstrapazierung des TIT

• Duchênne`sches Hinken:
◦ Im Mid Stance ABD der ipsilateralen Hüfte
◦ Elevation der kontralateralen Beckenseite
◦ Beckenstabilität durch Adduktoren gewährleistet
◦ Schultergürtel bleibt immer parallel zum Beckengürtel!
◦ Knie → Valgus = Stress für Muskeln des Pes anserinus
◦ Fuß → Valgus = M. Tibialis posterior muss ausgleichen
◦ Ursache: Schwäche M. Glutaeus medius
Coxarthrose → bessere Flächendeckung = Druckreduzierung

• Kombination aus Trendelenburg und Duchênne:


◦ Siehe Trendelenburg, zusätzliche Neigung des OK um den KSP dem Standbein
anzunähern
◦ noch mehr Druckbelastung in ipsilateralen Facettengelenken der LWS

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5.2 Spielbeinphase

• Sensengang / Circumduktion:
◦ UE ist anormal zu lang, ungenügend Knieflexion
◦ Kompensiert durch Circumduktion (ABD-F-ADD)
◦ zusätzliche Kompensation durch: Elevation des ipsilateralen Beckens
Vertikalisierter Gang kontralateral (PF)
◦ Ursache: Schmerz / Limitation
Spastik des M. Quadriceps
Oberschenkelamputation mit fixem Knie

• Steppergang:
◦ Insuffizienz der ventralen Unterschenkelmuskulatur → keine aktive DF
◦ Kompensiert durch mehr Flexion in Hüfte und Kniebewegung
◦ Ursache: > Lähmung der ventralen Unterschenkelmuskulatur (N. Peronaeus
communis / profundus, Prolaps L4 / L5
> PNP nach Diabetes oder chronischem Alkoholabusus
> Hemiplegiker in schlaffer Phase

Bsp. Hemiplegie: Standbeinphase: Dienergang mit Genu recurvatum


Spielbeinphase: Circumduktion

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