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Fight Back!

Antifaschistisches (Jugend) Info Braunschweig

Bitte sagen sie jetzt nichts!

Keine Aussagen
bei Polizei und Staatsanwalt!
Keine Zusammenarbeit
mit den staatlichen
Repressionsorganen!
Performance von

Nr. 33 Dezember/JAnuar 2005/2006


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Über alle Kanäle in sämtliche Köpfe!?
Was haben Günther Jauch, Kool chen (aber auch bitte nur das), denn
Savas, Beate Uhse und Albert Ein- für das Image unseres schönen Lan-
stein gemeinsam? Richtig, sie sind des sind die schließlich überhaupt
Deutschland! Während sich ein kriti- nicht förderlich.
scher Kopf wie es Albert Einstein zu
Lebzeiten stets war, wahrscheinlich Das ist schon eine ganz besondere
im Grabe umdrehen würde bei dem Kampagne die verschiedene Medien-
Gedanken für eine derartige Kampa- konzerne wie Axel Springer, Bertels-
gne her zuhalten, drücken einige mann usw. mit anderen Unternehmen
Promis, und welche die es gerne wä- zusammen geschaffen haben, damit
ren, ihre Visagen gerne in die Kamera. das blöde Volk endlich spurt. Und
Sie erklären uns, gespickt mit den viele haben sich die Rufe zu Herzen
Kommentaren vom Chirurgen und Pro- genommen und zeigen sich sogleich
leten von nebenan, dass wir Deutsch- hundertfach mit Fotos und ein paar
land sind und endlich anpacken müs- Schlagworten auf der dazugehörigen
sen, damit es voran geht. Alle gehören Homepage unter der Rubrik „Ich bin
dazu, ob pseudo Gangster Rapper Deutschland“. Neben ein paar viel-
oder TV-Moderator, ob Ossi oder leicht gut gemeinten Kommentaren
Wessi, ob Chirurg oder Bauarbeiter, für Menschlichkeit und Toleranz usw.
ob Unternehmenschef oder 1-Euro- finden sich Unmengen von „Ich bin
Jobber. Und damit das ganze nicht stolz auf mein Land“ Einträgen und
den Ruf von allzu plumpen Nationalis- Forderung nach der Rückbesinnung
mus bekommt, mit dem es ja in der auf deutsche Tugend wie Fleiß, Ord-
Vergangenheit nicht so gute Erfah- nung und Disziplin und der gleichen,
rung gab, darfst du sogar Deutschland damit endlich wieder alle anpacken
sein wenn du eine dunkle Hautfarbe und es vorwärts geht. Anpacken wofür
hast, zumindest wenn dein Pass in eigentlich und vorwärts wohin? An-
der Tasche das bestätigt. Zum packen damit die Unternehmen selbst
Deutschland sein gehört es vielmehr ihre Rekordgewinne noch weiter stei-
dazu, sich „gegen Nazis“ auszuspre- gern können, während Arbeitsbedin-
Impressum: Fight Back!, Cyriaksring 55, 38118 Braunschweig
Erscheint regelmäßig in einer Auflage von 1000 Exemplaren. Die Verteilung
erfolgt kostenlos an Schulen, Jugendzentren und in Kneipen. Der Inhalt der
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V.i.S.d.P.: August Merges, Karl-Marx-Str. 2, 38104 Braunschweig
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gungen und Löhne immer mit den lohnabhängigen Massen in
beschissener ausfallen? Vorwärts hin anderen Ländern vielleicht mehr ge-
zu Zwangsarbeit, Billiglöhnen und 50- mein hat, als mit denen die sie hier
Stunden Wochen? Weil das auf den ausbeuten, also die Klassenunter-
ersten Blick nicht für alle einleuchtend schiede und nicht die Nation bedeu-
ist, muss eben mit medienwirksamen tend sind. In einem Werbetext der
Inszenierungen nachgeholfen und die Kampagne heißt es: “Behandle dein
Bevölkerung hinter dem Land in Stel- Land doch einfach wie einen guten
lung gebracht werden. Zugegeben, es Freund. Meckere nicht über ihn, son-
ist wirklich eine sehr moderne Spielart dern biete ihm deine Hilfe an. Bring
von Nationalismus, die uns da im welt- die beste Leistung zu der du fähig
offenen Gewand präsentiert wird, an bist. Und wenn du damit fertig bist,
der grundlegend Funktion ändert sich übertriff dich selbst.“ Mit anderen
allerdings gar nichts. Die Leute sollen Worten, werde zur bloßen Manövrier-
an die Nation gebunden werden und masse von Staat und Kapital und pass
ein allgemeines Interesse am Gemein- dich seinem Reformbedarf an, damit
wohl wird unterstellt. Das es hier, wie Deutschland auch in Zukunft in der
überall anders in der Welt, nur darum internationalen Standortkonkurrenz
geht den Reichtum in den Händen der ganz vorne mitspielt. Darum und um
privaten Eigentümer von Produktions- nichts anderes geht es, wenn uns
mitteln zu vermehren, wozu die Mas- rund um die Uhr, im Fernsehen, Radio
se der Leute darauf angewiesen ihre und auf Plakatwänden das ganze „Du-
Arbeitskraft gegen Lohn an eben die- bist-Deutschland“-Gelaber in die Köp-
se zu verkaufen, soll unsichtbar wer- fe eingehämmert wird. Bleibt abschlie-
den. Sonst könnte am Ende noch wer ßend eigentlich nur noch eins zu sa-
auf die Idee kommen, dass er oder sie gen: Deutschland du kannst mich mal!

Kein Witz! Nazi-Kundgebung um 1935


Seite 4 Fight Back!
Repression 2005
Eine bundesweite Repressionswelle gegen linke Strukturen ist dieses
Jahr über die BRD hinweg gerollt. Sie erstreckt sich gegen Hausprojekte,
die Anti-AKW-Bewegung, gegen globalisierungskritische und antikapita-
listische Gruppen, soziale Protestbewegungen und die Antifa-Bewegung
fast gleichermaßen. Im folgenden Text sind einige Beispiele der politi-
schen Verfolgung im Jahr 2005 aufgeführt.

Magdeburg: überwachung der Magdeburger linken


Verurteilung nach §129a Szene und Beugehaft für Daniels Mit-
(„Bildung einer terroristischen Vereinigung“) angeklagte waren die Begleiterschei-
nungen. Nachdem Carsten aus „Man-
Am 22.11.05 endete im Justizzentrum gel an Beweisen“ frei gesprochen und
in Halle der letzte Prozesstag im Re- Marco zu 2 ½ Jahren ohne Bewährung
visionsverfahren gegen Daniel mit der verurteilt wurde, blieb nur noch Daniel
Verurteilung nach §129a. Nachdem als einziges potentielles Mitglied der
es im Hauptverfahren im Jahre 2003 vermeintlichen „Terrorvereinigung“
(eine Vereinigung ist man übrigens
erst ab drei Personen) übrig und wurde
auch prompt als solches verurteilt.

Potsdam:
„Versuchter Mord“

In der Nacht zum 19. Juni 2005 zog


sich der in Potsdam stadtbekannte
Nazi Benjamin Ö. bei einer Auseinan-
dersetzung mit linken Jugendlichen in
der Potsdamer Innenstadt mehrere
Schürfwunden und Prellungen zu, die
nicht gelang, die drei Magdeburger ambulant behandelt wurden. Daraus
Daniel, Marco und Carsten wegen „Bil- konstruierte die Staatsanwaltschaft
dung einer terroristischen Vereinigung“ unter Federführung des einschlägig
und angeblichen Brandanschlägen u.a. bekannten Hardliners Peter Petersen
gegen das Magdeburger LKA-Gebäu- „versuchten Mord“ und veranlasste
de zu verurteilen (wir berichteten), ver- Haftbefehle gegen fünf Antifaschist-
suchte die Bundesanwaltschaft knapp Innen.
drei Jahre lang, doch noch eine Verur-
teilung nach §129a durchzusetzen. Fest steht, dass die erhobenen Vor-
Hausdurchsuchungen, die Total- würfe nicht zu dem passen, was in
Fight Back! Seite 5
Potsdam seit Jahren Alltag ist: Fa- eine angebliche Aufforderung zu Straf-
schisten jagen Flüchtlinge, taten durch den Spruch „ein Cocktail
MigrantInnen, Punks und alle, die sie für jedes NPD-Plakat“, der auf einer
für links und schlagbar halten. Auch Internetseite im Zusammenhang mit
das angebliche Opfer war bereits am der Party genannt worden war. Als
darauf folgenden Tag erneut an einem Reaktion auf die Polizeiaktionen hat
faschistischen Überfall beteiligt. es eine spontane Solidemo gegeben,
bei der es zu mehreren Festnahmen
Vier der AntifaschistInnen wurden nach kam.
Bezahlung einer horrenden Kaution
und unter strengen Auflagen wieder München:
auf freiem Fuß gesetzt. Julia, die fünf- Angriff auf die Pressefreiheit
te Beschuldigte, saß ein knappes hal-
bes Jahr in Untersuchungshaft - nun Dr. Nikolaus Brauns arbeitet als frei-
ist sie endlich freigekommen, der Mord- beruflicher Journalist u.a. für die Ta-
vorwurf bleibt jedoch bestehen. geszeitungen „junge Welt“. Er hat in
der Vergangenheit wiederholt kritisch
Berlin: über die Arbeit der Münchner Polizei
Polizei stürmt Jugendantifa- sowie über faschistische Umtriebe in
Party Bayern berichtet. Am 02.06. 2005 be-
fand sich Brauns in der Gaststätte
Am Samstag, dem 27. August wurde „Waldfrieden“ in München-Laim, um
eine Jugendantifa-Party in Berlin-Mit- über das dort zur gleichen Zeit stattfin-
te von der Polizei gestürmt und aufge- dende Treffen der NPD zu berichten.
löst. Neben den Räumlichkeiten der Plötzlich betrat auch eine Gruppe
Party wurden zwei Privatwohnungen, AntifaschistInnen die Gaststätte und
zwei Büroetagen sowie ein Infoladen brachte ihren Protest gegen die Ver-
durchsucht. Anlass für den Einsatz sammlung der NPD zum Ausdruck.
von rund dreihundert Polizisten war Es kam zu einer kurzen Auseinander-
setzung mit
den Nazis
und nach er-
folgreichem
Protest ver-
ließen die
Antifaschis-
Innen den
„ W a l d -
frieden“ wie-
der. Niko-
laus Brauns
blieb weiter-
hin dort und
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die eintreffende Polizeistreife nahm durchgeführt. Dabei wurden sämtliche
seine Personalien als Zeuge auf. In Computer und Unterlagen beschlag-
derselben Nacht wurde er vor seiner nahmt. Fadenscheiniger Anlass der
Wohnung festgenommen. Tatvorwurf: Durchsuchungen war ein Flugblatt,
Er sei der Organisator des antifaschi- welches einem Schreiben der „Bundes-
stischen Protests. Ohne richterlichen agentur für Arbeit Bochum“ sehr ähn-
Durchsuchungsbeschluss wurde sei- lich gesehen haben soll - was die
ne Woh- Ermittlungsbehörden gleich als Urkun-
n u n g denfälschung auslegten.
durch-
sucht und Warum das alles?
sämtliche
Arbeitsmit- Weshalb wendet der Staat in jüngster
tel (PC, No- Zeit derart drastische Mittel an? Wo-
tizbücher, her kommt der gesteigerte Ver-
etc.) be- folgungswille?
schlag-
nahmt. Diese Arbeitsmittel wurden bis- Nicht nur unserer Einschätzung nach
lang nicht zurückgegeben und so sind die verschärften Verfolgungs-
drängt sich der Eindruck auf, dass ein maßnahmen Teil der staatlichen Wei-
kritischer Journalist zumindest zeit- chenstellung für die kommende Zeit.
weise mundtot gemacht werden soll. Angesichts der sich ändernden ge-
Durch seine engagierte Arbeit ist Ni- sellschaftlichen Verhältnisse übt der
kolaus auch in das Visier der Nazis Staat schon mal an der Linken den
geraten. Schon seit längerer Zeit ver- Umgang mit jeder Form von Unzufrie-
öffentlicht Roland Wuttke (der denheit, egal, ob sie sich in Form
bayrischer NPD-Bezirksvorsitzende) kritischer Artikel in Medien äußert,
Steckbriefe bekannter Münchner als Versuch, das Leben selbst besser
AntifaschistInnen, darunter auch von zu organisieren oder gar militant ge-
Nikolaus Brauns. In ihren Internetforen gen die miesen Verhältnisse zu kämp-
diskutieren Faschisten offen darüber, fen.
sich mit Pfefferspray und Schlagstök-
ken zu bewaffnen und Brauns zu über-
fallen.

Bochum:
Hausdurchsuchungen bei
LabourNet
Am 5. Juli wurden bei drei Redaktions-
mitgliedern des linksgewerk-
schaftlichen Internetportals „LabourNet
Germany“ Hausdurchsuchungen
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Pressefreiheit wird ausgelöscht, Jour- So soll verhindert werden, dass sich
nalisten werden verhaftet, Protest und der wachsende Unmut über HartzIV,
das Aussprechen der eigenen Mei- Arbeitslosigkeit, usw. organisieren
nung wird verboten, die Überwachung kann, dass die Leute anfangen, für ein
nähert sich rapide der totalen Kontrol- besseres Leben zu kämpfen, was sich
le an, kritische, fortschrittliche Grup- in einer (gewalttätigen) Auseinander-
pen werden zu Terroristen erklärt, mi- setzung gegen den Staat entladen
litanter Widerstand als terroristisch könnte. Durch die Kriminalisierung von
diffamiert und entpolitisiert. Wir wer- Gruppen, die eine Alternative zum Ka-
den noch viele dieser Übungen auf den pitalismus aufzeigen, sorgt der Staat
unterschiedlichsten Ebenen sehen. dafür, dass auch ihre Ideen isoliert am
Die WM 2006, den nächsten Nazi- Rand bleiben und diejenigen nicht er-
Aufmarsch, den G8-Gipfel 2007 in reichen, die dieses System über den
Heiligendamm,... Haufen schmeißen können.

Als Folge des Nazisaufmarsches am 18. Juni in Braun-


schweig beginnen nun die ersten Prozesse und weitere
werden wohl folgen. Und deshalb noch einmal: Gefährdet
euch und andere nicht. Macht keine Aussagen bei der
Polizei und erzählt auch nicht irgendwelche Geschichten
in der Weltgeschichte rum. Anna und Arthur halten’s
Maul!

Für alle die von der Polizei eine Vorladung erhalten:


Wer wegen des 18. Juni (oder überhaupt) eine Vorladung
zur Polizei bekommt, sollte auf keinen Fall dort
hingehen! Auch wenn es in der Vorladung bewusst
missverständlich formuliert wird, ihr seid nicht
verpflichtet, der Vorladung Folge zu leisten und müsst
keinerlei Angaben machen! Auch wenn ihr eine Vorladung
von der Staatsanwaltschaft bekommt, solltet ihr dort
nicht unvorbereitet hingehen. Meldet Euch sofort bei
der Ortsgruppe der Roten Hilfe. Dort erhaltet ihr Rat
und Unterstützung, falls es zu einem Prozess o.ä. kommt.

Die Ortsgruppe der Roten Hilfe trifft sich jeden


1. Dienstag im Monat um 19 Uhr im Antifa-Café,
Cyriaksring 55 in 38118 Braunschweig.
Telefon: 0531-83828 (am besten Freitags ab 19 Uhr -
ansonsten Anrufbeantworter)
Email: braunschweig@rote-hilfe.de
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Kein Nazi-Aufmarsch ohne Widerstand
In Oldenburg setzt die Polizei ganz auf kieren oder zu stören. Die Polizei
das Einsatzkonzept aus Braunschweig hatte allerdings ein nahezu lückenlo-
und knüppelte den Nazis den Weg ses Netz aus Gittern, Polizeifahrzeu-
frei. Im Vorfeld hatte sich auch hier ein gen und Hundertschaften aufgebaut,
breites Bündnis gebildet, um gegen um die Nazis sicher durch die Stadt zu
den NPD-Umzug aktiv zu werden. Am geleiten. Es schafften zwar immer
Tag selbst gab es dann eine zentrale wieder Leute in Sichtweite an die Strek-
Kundgebung direkt am Hauptbahnhof, ke, weiter aber meistens nicht. An
von wo aus auch die nur ca. 80 Nazis einem Punkt gelang es einer Gruppe
marschieren wollten. Die Polizei trenn- ein dünne Polizeikette zu überrennen
te die Kundgebung feinsäuberlich mit und den Aufmarsch zu blockieren,
Absperrgittern vom restlichen was die Polizei allerdings schnell be-
Bahnhofsbereich ab und leitete die endete. An anderen Stellen schafften
Nazis direkt vom Bahnsteig über eine es gute WerferInnen Obst und Gemü-
eigens für den Tag gebaute Holzbrücke se in Richtung der Nazis und Polizei
über die Gleise auf ihre vorgesehene zu schleudern. Es war mal wieder so
Aufmarschroute. Damit begann der für wie es meistens ist: Die Nazis währen
Nazidemos übliche Verlauf. Zahlrei- wohl nicht sonderlich weit gekommen,
che AntifaschistInnen, es dürften den wenn nicht die Polizei unter Einsatz
Tag über wohl mehrere Tausend Leute von Knüppel und Pfefferspray immer
unterwegs gewesen sein, versuchten wieder Leute von der Naziroute zu-
immer wieder an die Route der NPD rückgetrieben und in Gewahrsam ge-
heran zu kommen, um diese zu blok- nommen hätte.
Fight Back! Seite 9
Ganz anders kam es am 29. Oktober Barrikaden aus Mülltonnen, Holz-
in Göttingen. Auch hier wollte die NPD paletten usw. die innerhalb kürzester
vom Hauptbahnhof aus einmal um die Zeit in Flammen standen. In der fol-
Innenstadt laufen. Noch bevor die Na- genden Stunde wurden es immer mehr
zis sich am Bahnhof sammelten gab und die gesamte Route der Nazis war
es eine kraftvolle antifaschistische mit meist brennenden Barrikaden
Bündnis-Demonstration mit ca. 5000 übersäht (laut Polizeiangaben sollen
TeilnehmerInnen, bei der der Antifa- es über 30 gewesen sein). Auf Höhe
Block mit Hilfe einer „Luftballonwalze“ der Weenderlandstraße wurde der
versuchte durch die Polizeiketten auf NPD-Zug vom Uni-Campus aus immer
die Naziroute durchzubrechen, was wieder mit Flaschen und Steinen an-
leider aufgrund der Absperrgitter schei- gegriffen und weiter sind die Nazis
terte. Ungefähr zeitgleich sammelten auch nicht gekommen. Der Aufmarsch
sich am Bahnhof und im Univiertel, wo wurde aufgrund des massiven Wider-
die Nazis durch mussten, weitere standes in der Stadt abgebrochen.
AntifaschistInnen. Ab 12 Uhr trafen Auf direktem Weg und mit hängenden
dann die ersten Nazis am Bahnhof ein Gesichtern trotten die Nazis zurück
und brachten sich langsam für ihren zum Bahnhof. Ein Erfolg für den anti-
Marsch durch die „linke Hochburg“ faschistischen Widerstand auf ganzer
Göttingen in Stellung. Weit sollten sie Linie. Göttingen hat gezeigt, selbst
allerdings nicht kommen. Denn auf wenn es im polizeilichen Konzept für
ihrer Strecke befanden sich bereits den Tag vielleicht als Option vorgese-
erste GegendemonstrantInnen und hen war, dass es gerade militante
blockierten ihnen den Weg. Oberhalb Aktionen im Zusammenspiel mit ei-
der Blockaden, in Höhe des Uni- nem breiten Protest sind, die einen
viertels, nutzten einige Leute die Ab- Nazi-Aufmarsch undurchführbar ma-
wesenheit der Polizei und errichteten chen.
Seite 10 Fight Back!
Es brennt!
Die Bilder von brennenden Autos und Mülltonnen aus Frankreichs
Vorstädten kennt wahrscheinlich jeder aus dem Fernsehen. Was in den
Medien für soviel Interesse sorgte ist dort jedoch normal. In regelmäßigen
Abständen kommt es zu Krawallen. Anlass ist meist, wie auch dieses
Mal, der Tod von Jugendlichen in Folge von Polizeieinsätzen. Der
Unterschied ist nur, dass die Krawalle sonst in einzelnen Stadtteilen
stattfanden und nach ein paar Tagen abflauten oder von der Polizei
beendet wurden. Nur diesmal war es eben nicht nach kurzer Zeit vorbei.
Die jahrelang aufgestaute Wut hat sich entladen.

Viele Gründe und kein Ziel... Erwerbslosen zum Langzeitarbeits-


Es heißt, die Jugendlichen, die in losen normal geworden - und man hat
Frankreich auf die Straße gehen, hät- sich daran gewöhnt, dass eben diese
ten „keine Perspektive“. Eine sehr vor- Langzeitarbeitslosen früher oder spä-
nehme Umschreibung ihres Status in ter im ökonomischen Sinne endgültig
dieser Gesellschaft: Für die allermei- ‚nutzlos‘ sind. Ironisch gesprochen,
sten von ihnen gibt
es nämlich keine
nützliche Verwen-
dung. Wie sie sich
überhaupt nur nütz-
lich machen kön-
nen, ist in dieser
Gesellschaft klar
definiert: durch Ar-
beit gegen Lohn.
Aber auch in
Frankreich haben
die Unternehmen
kein Interesse dar-
an, die Jugendli-
chen einzustellen.
Für die randalierenden Jugendlichen bleibt sehr vielen Jugendlichen in den
gilt insofern dasselbe wie für alle, die Banlieues der großen Städte - ebenso
nicht das Glück hatten, reich geboren wie ihren Eltern - der übliche Werde-
zu werden. gang eines Lohnarbeiters gleich „er-
spart“: Mit Arbeit bzw. mit dem Zwang,
Und so ist auch hier die „Karriere“ vom sich damit einen Lebensunterhalt zu
Fight Back! Seite 11
verdienen, anschließend mit dem Ver- gesetze und kündigte Massenab-
lust der Erwerbsarbeit und dem sich schiebungen an. Diese Maßnahmen
daran anschließenden Zwang, sich führten nicht etwa, wie man es viel-
doch irgendwie wieder eine zu ergat- leicht erwarten würde, zu Protesten
gegen den Innen-
minister, sondern
zu einem sprung-
haften Anstieg sei-
ner Popularität.

Auch die faschisti-


sche „Front Natio-
nal“ kann nach ei-
genen Angaben
seit Beginn der
Unruhen über 2000
bis 3000 neue Mit-
glieder verzeich-
nen und ihr Vorsit-
zender Le Pen be-
schwert sich ein-
tern, kommen sie gar nicht erst in zig darüber, dass Sarkozy ihn mit
Berührung. Sie starten ihr Leben gleich seiner rassistischen Stimmungsma-
als Bestandteil der „Überbevölkerung“, che kopiere.
also der Leute, die das Kapital ein für
allemal aus seinem Kreislauf ausge- Sein Rivale, Regierungschef
schieden hat, und ihre individuelle „Per- Dominique de Villepin, nutzte die
spektive“ ist, dass sie arbeitslos und Gunst der Stunde und tritt jetzt als
arm bleiben und damit immer der über- Landesvater auf, der die Krise vernünf-
flüssige Teil der Gesellschaft sind. tig regeln wird. Nebst den Notstands-
gesetzen zeigt er sich auch spenda-
So haben diese Jugendlichen zwar bel: Es werden großzügige
jede Menge Gründe für ihre Proteste - Förderungsprogramme für die
jedoch steht dahinter kein Ziel und Banlieues aufgelegt. Konkretisiert
keine Forderung. Und genau das führt wurde dies jedoch nicht, denn es ist
dazu, dass selbst nichts erreichen, auch nicht anzunehmen, dass die Un-
sondern vielmehr der Gegenseite Ar- ternehmen plötzlich Interesse an die-
gumente liefern. So nutzt zum Bei- sem Teil der französischen „Überbe-
spiel der französische Innenminister völkerung“ entwickeln.
Sarkozy, der die Jugendlichen als
„Abschaum“ und „Gesindel“ bezeich- Bestimmt würden sich soziale Ein-
net hat, die Krawalle als Grund für richtungen und Organisationen, die
verschärfte Überwachung, Notstands- schon seit Jahren in den Banlieues
Seite 12 Fight Back!
arbeiten über finanzielle Unerstützung hieraus etwas lernen kann, dann, dass
freuen, aber auch diese erfüllen trotz sich Randale ohne Forderungen im-
guter Arbeit nur eine Feigenblatt- mer nur Randale bleibt und sich gegen
funktion und können die Umstände die Akteure selbst wendet. Gewalt
nicht ändern.

Fortschrittliche
politische Grup-
pen, wie z.B.
MRAP (Bewegung
gegen Rassismus
und für Völker-
freundschaft) sind
in den Banlieues
derart marginal ver-
treten, dass sie
die Proteste nicht
in eine politische
Richtung lenken
konnten.

Und so zieht jede politische Richtung kann ein Mittel sein, aber ohne politi-
ihre eigenen Schlussfolgerungen und sche Organisierung läuft sie ins Lee-
die Randale bleibt nichts weiter als ein re.
kurzfristiges Luftablassen. Wenn man

Alle werden fallen!


Bundeswehr Gelöbnis in Bordenau
Am 12.11. fanden in Bordenau, nörd- chen Sportplatz hunderte mit Bundes-
lich von Hannover die zentralen wehr Bussen angekarrte Jubel-
Abschlussfeierlichkeiten zum 50-jäh- deutsche und eine Schar Prominenter
rigen Jubiläum der Bundeswehr, in aus Politik und Wirtschaft mit dem
Form eines großen öffentlichen Ge- scheidenden Ver(t)eidigungsminister
löbnis von hunderten Soldaten statt. Struck an der Spitze ein um an dem
So wurde der 4000 Einwohner Ort Gelöbnis teil zu nehmen.
Bordenau zum Ort eines militaristi-
schen Stell-dich-ein par excellence. Um dieses scheußliche Treiben nicht
Neben den rund 750 zu vereidigenden ungestört ablaufen zu lassen und zu
Soldaten fanden sich auf dem örtli- zeigen, dass es immer noch Men-
Fight Back! Seite 13
schen gibt die Krieg und die dahinter Gelöbnis akustisch zu beschallen um
stehenden machtpolitischen und wirt- die inszenierte Jubelstimmung der Bun-
schaftlichen Interessen zum Kotzen deswehr zu stören. Die Bundeswehr
finden, mobilisierten verschiedene stellte im Folgenden ihre schon oft an
Gruppen aus der Umgebung nach den Tag gelegte Kritikempfindlichkeit
Bordenau. So versammelten sich 200 unter Beweis und wies die anwesende
Menschen in rund 300 Metern Ab- Polizei an, die Proteste zum Verstum-
men zu bringen. Und wie
immer sprangen die Grü-
nen Büttel zur Tat. Mehrere
Trupps behelmter Polizisten
mit gezogenen Schlagstök-
ken schalteten auf Angriff,
bahnten sich mit allerlei
Geschubse und Getrete den
Weg durch die Kundgebung
um die mitgebrachte Sound-
anlage zu beschlagnahmen,
was nach einigen Hin und
Her auch gelang. Nachdem
stand zum Gelöbnis, umzingelt von die abreisenden Bundeswehrfreunde
Dutzenden Polizisten und einer extra und Soldaten entsprechend verab-
für diesen Tag eingerichteten, militäri- schiedet wurden, machten sich die
schen Sondernutzungszone in der die angereisten AntimilitaristInnen mit dem
Bundeswehr und ihre Feldjäger das guten Gefühl den militaristischen Auf-
Sagen hatten, zu einer Kundgebung. zug wenigstens ein wenig gestört zu
In den gehaltenen Redebeiträgen wur- haben, auf die verdiente Heimreise.
de auf verschiedene Punk-
te der Militarisierung der
letzten Jahre in der BRD
eingegangen. Hierbei
standen der Umbau der
Bundeswehr zu einer glo-
bal aktiven Interventions-
armee und die Kriegseins-
ätze in Jugoslawien und
Afghanistans seit dem
Jahr 2002 im Mittelpunkt.
Als dann das Gelöbnis
los ging, begannen die
Leute bewaffnet mit Tril-
lerpfeifen, lauter Musik
und Nebelhörnern, das
Seite 14 Fight Back!
Unbequeme Tote
Eine Buchbesprechung
Eines schönen Morgens stand vor der Tür des
mexikanischen Krimiautors Paco Ignacio Taibo II
ein Bote der zapatistischen Guerilla EZLN aus
Chiapas (Bundesstaat von Mexiko). Er überbrachte
einen Brief des Subkommandanten Marcos der
EZLN aus dem lankonischen Urwald. Dieser schlug
Ignacio Taibo vor, gemeinsam einen Roman zu
schreiben, allerdings ohne zusammen am Tisch
zu sitzen, sondern Abschnittsweise und ohne
direkter Einflussnahme auf die Kapitel des ande-
ren. So erschienen in der mexikanischen linken
Tageszeitung La Jornada Monat für Monat Teile
des vierhändig geschriebenen Romans, erst mehr Subcomandante Marcos •
oder weniger nebeneinander stehend und im Ver- Paco Ignacio Taibo II
lauf immer weiter zu einer spannenden Geschichte „Unbequeme Tote“
Assoziation A • 16,80 Euro
miteinander versponnen. Es entstand der explizit ISBN 3-935936-39-7
politische, aber weitesgehend fiktive Krimi „Unbe-
queme Tote“.

Ein unbekannter und eigentlich verstorbener Aktivist der 68er Bewegung


hinterlässt Nachrichten auf Anrufbeantwortern. Der unabhängige Detektiv
Héctor Belascorán wird mit dem Fall beauftragt und geht der Sache nach.
Gleichzeitig beginnt in Chiapas eine Ermittlungkommision der EZLN damit, der
Zerstörung der Lebensgrundlagen der Menschen in Chiapas auf den Grund
zugehen. Der leicht verwirrte und etwas naive, aber „herzensgute“ Elías
Contreras soll die Sache aufklären. Dafür muss er ins Monstrum Mexiko-City
und dort Kontakt zu Belascorán herstellen, denn die so unterschiedlichen Fälle
scheinen etwas gemein zu haben, denn immer ist ein gewisser Mann namens
Morales darin verwickelt. Elías Contreras und Héctor Belasorán begeben sich
auf die Suche nach Morales und dem Toten der unbequeme Nachrichten über
die herrschende Politik Mexikos auf Anrufbeantwortern hinterlässt.

Der Roman fesselt nicht nur durch seine lustigen und teilweise bizarren
Schilderungen von Situationen, sondern führt einen immer wieder in die 68er
Bewegung Mexiko-Citys, die korrupte Elite des Landes und in die zapatistischen
Gemeinden Chiapas. Wer wirklich etwas über die EZLN bzw. die politische Lage
in Chiapas oder Mexiko erfahren will, sollte vielleicht besser andere Literatur
lesen. Wer aber einen unterhaltsamen, spannenden und dennoch politischen
Roman für sich oder als Weihnachtsgeschenk such, ist mit „Unbequeme Tote“
gut beraten.
Fight Back! Seite 15
Alle Jahre wieder - Lohnarbeit macht arm
Alle Jahre wieder ergreift in den Indu- droht sind, und schneidet im Endef-
strieländern Teile der Bevölkerung ein fekt relativ gut dabei ab. Man wirkt
schlechtes Gewissen ob des Lebens- relativ „reich“ im Vergleich mit einem
standards, den der Durchschnitts- Verhungernden.Der einfache Ver-
arbeiter hier für normal und gerecht gleich produziert einen angeblich we-
hält, während in anderen Teilen der sentlichen Unterschied, den es so
Welt Menschen durch Kriege oder aber nicht gibt. Diejenigen, die ver-
andere Formen von Handelsbeziehun- hungern und wir hängen am gleichen
gen an Hunger und anderen Formen Tropf, und der heißt Lohnarbeit.
der Armut leiden. Es steht dann auch
eine ganze Armada hilfsbereiter Orga- Hungersnöte in der heutigen Form und
nisationen pünktlich zur Weihnachts- Häufigkeit sind keine Naturkatastro-
zeit bereit, das aus Gewissensgrün- phen, sie sind produziert. In den Län-
den steigende Spendenaufkommen zu dern, in denen die Menschen bis vor
verwalten und öffentlichkeitswirksam einiger Zeit noch von Subsistenz-
an Kinder mit traurigen Äuglein und wirtschaft lebten, ernteten, was sie
andere Opfer der Weltwirtschaft zu anbauten, herrscht heute das System
verteilen.

Die Spendengalas und das gan-


ze andere Brimborium sind
Propagandashows für eine Be-
trachtungsweise von Armut, die
so ausgelegt ist, dass sich
nichts an diesem Zustand än-
dern wird.

Das klingt wie eine böse Unter-


stellung. Wir lassen es daher
nicht einfach im Raume stehen,
sondern werden mit diesem
Artikel versuchen, diese Aus-
sage zu begründen.

Zum Spenden, „weil es denen


so schlecht geht“ gehört immer
der Nachsatz, dass es „uns
zum Glück noch so gut geht“.
Man vergleicht den eigenen Le-
bensstandard mit dem derjeni-
gen, die direkt existentiell be-
Seite 16 Fight Back!
der Lohnarbeit. Fiel seinerzeit die Ern- vielen Regionen der Welt zu Mega-
te mal schlechter aus, bedeutete das Städten geführt, wie z.B. Rio De Ja-
Hunger bis zur nächsten Ernte, wenn neiro, Mexiko-Ctiy. Diese bestehen
keine Vorräte angelegt waren. Heute aus der einstigen Stadt und riesigen,
ist der Hunger systematisiert. Das teils das mehrfache an Einwohnern
Land gehört mittlerweile Großgrund- beherbergenden Slums darum herum.
besitzern und transnationalen
Untenehmen, das Saatgut ist hybrid, Davon, sich das Land, das sie zum
kann also nicht zur Wiederaussaat Leben bräuchten, einfach wieder an-
verwendet werden, und somit bleibt zueignen, halten die Menschen Ge-
setze und bewaffnete Institu-
tionen ab, die das Privateigen-
tum als höchstes Gut verteidi-
gen, denn auch dort gibt es
Gruppen der Bevölkerung, die
von dem System überaus gut
leben können. Nicht zufällig sind
das genau diejenigen, die über
die Produktionsmittel verfügen
können, sei es als direkte Be-
sitzer, sei es als Statthalter
großer Konzerne.

Wenn man von diesem Zustand


die historische Differenz ab-
zieht, die die heutigen Indu-
strieländer, „Schwellenländer“
dem einfachen Landarbeiter - und der und „Entwicklungsländer“ zu eben sol-
macht dort traditionell die überwiegen- chen machte, wird deutlich, dass hier
de Mehrheit aus - nichts anderes, als wie dort nach denselben Mechanis-
um Lohnarbeit zu ersuchen, die er men produziert wird. Hier wie dort sind
aber nicht bekommt. Getrennt von den wir Lohnabhängige, hier wie dort wird
Mitteln, sich ihr Brot (oder Hirsebrei, Lohn für die Arbeit an
Manjok, whatever) selbst zu produzie- Produktionmitteln gezahlt, die denen,
ren, also von Produktionsmitteln, und die daran arbeiten, nicht gehören, hier
ohne die Lohnarbeit als Einkommens- wie dort sind „Arbeitslose“ gleich „Er-
quelle, bleibt ihnen nur der Hunger, werbslose“ gleich abhängig von der
oder die Suche nach Überlebens- Wohlfahrt, sei sie staatlicher („Sozial-
möglichkeiten an einem anderen Ort. system“) oder caritativer Art.
Landflucht, also das Fliehen aus den
agrarisch geprägten Umgebungen in Staatliche Systeme zur Absicherung
die Nähe großer Städte, in der Hoff- kurzfristiger Erwerbslosigkeit finden
nung, dort Arbeit zu finden, hat in wir in vielen Industrieländern, sie sind
Fight Back! Seite 17
größtenteils Reste eines Umgangs ländern gibt es kein generelles Inter-
mit der Klasse der arbeitenden Bevöl- esse transnationaler Unternehmen.
kerung, die aus Zeiten stammen, als Dort werden hauptsächlich Boden-
sich die Lohnabhängigen noch als schätze und andere Rohstoffe geför-
„Arbeiterklasse“ verstanden und wider- dert bzw. erzeugt, die dann zur Wei-
ständig gegen die Zumutungen waren, terverarbeitung in die kapitalistischen
die mit dem Kapitalismus verbunden Zentren transportiert werden. Für die-
sind. Dort, wo es einen solchen Wi- se Produktion braucht es keine stabi-
derstand nicht mehr gibt, werden die- len Staaten, da reicht es, wenn man
se finanziellen Überlebenshilfen stetig wie Shell in Nigeria einen großen Zaun
auf ein neues Mindestmaß herunter- um die Gebiete zieht, in denen produ-
gefahren. Der einzige Grund, aus dem ziert wird und eine bewaffnete
hier überhaupt noch so etwas vom Sicherheitsfirma damit beauftragt, alle
Staat geregelt wird, liegt darin, dass über den Haufen zu schießen, die
es ein unternehmerisches Interesse diese Gebiete unbefugt betreten. Das
an den Industrieländern gibt und man ist billiger als die Erwerbslosen zu
die systemstabilisierende Wirkung füttern und erfüllt seinen Zweck für’s
eines „Sozialsystems“ für wichtig er- Kapital.
achtet. Solange die Menschen hier
nicht konkret verhungern, werden sie Wir haben das Thema Flucht weiter
wohl die Klappe halten, so lautet die oben bereits angeschnitten. Men-
Rechnung. Dann muss nur immer auf’s schen fliehen niemals aus Spaß.
Neue geschaut werden, wie weit man Schon gar nicht um die halbe Welt.
alles herunterschrauben kann, ohne Die meisten Flüchtlinge fliehen nicht
dass etwas passiert. Die aktuelle weiter von ihrer gewohnten Umgebung,
Randale in Frankreich lässt erahnen, als unbedingt nötig. Sie hausen in den
wie es aussehen könnten, wenn die Slums der Mega-Städte, oder vegetie-
Leute nichts mehrzu verlieren haben. ren in Nachbarstaaten in Zelt-
An den sogenannten Entwicklungs- unterkünften und warten zum Teil Jahr-

Kommt zur Jugend Antifa Aktion (JAA)


Aktiv werden gegen Krieg,
Nazis und staatlichen
Rassismus!
Jeden Montag ab 19 Uhr
im Antifaschistischen Café
Cyriaksring 55 - 38118 Braunschweig
Seite 18 Fight Back!
zehnte darauf, zurückkehren zu kön- hara ausgesetzt. An EU-Außen-
nen. Ein winziger Bruchteil der welt- grenzen gibt es dann z.B. noch Italien,
weiten Flüchtlingsbewegungen ver- wo regelmäßig Flüchtlingsboote aus
sucht die Industriestaaten zu errei- Albanien, Nordafrika und von anderen
chen, doch die haben einen harten Mittelmeeranrainerstaaten landen. Wir
Trennstrich zwischen den Bereichen kennen alle die Bilder aus den Nach-
der Welt gezogen. Im einen Teil wer- richten.
den die meisten Menschen vom Kapi-
tal nicht gebraucht, sie sind „über“ und Im anderen - „unserem“ - Teil der Welt
werden darum auch „Überbevölkerung“ gibt es auch eine zunehmende Über-
genannt. Sie sind auf Gedeih und bevölkerung, die generell in der Pro-
Verderb auf sich selbst gestellt. Der duktion nicht mehr gebraucht werden.
Trennstrich zwischen diesen beiden Weil ihre „Stütze“ vom erarbeiteten
Welten ist Wert derjeni-
übrigens kein gen gezahlt
gedachter, er wird, die noch
ist aus Beton ihr Leben
und Stachel- durch Lohnar-
draht, er wird beit bestrei-
bewacht und ten, und weil
bewaffnet ver- die Unterneh-
teidigt. Er men diesen
nennt sich Teil nicht als
Grenze. Sol- Profit ein-
che Grenzen heimsen kön-
zwischen den nen, versucht
Welten finden der Staat, die
wir z.B. zwi- Stütze soweit
schen den es geht zu
USA und Me- kürzen. Um
xiko, an der nichts ande-
EU-Ostgrenze und dort, wo Spanien res geht es beim Unternehmergeschrei
auf Afrika trifft. Unzählige Menschen um „Lohnkosten“ und „Lohnneben-
sterben jedes Jahr beim Versuch, die- kosten“.Hier stirbt man immerhin nicht
se Grenzen zu überwinden, ertrinken, einfach auf der Straße, hier vegetiert
erfrieren oder werden erschossen, wie man vor sich hin, bis einem Alkohol,
jüngst die Flüchtlinge in Melilla, einer Mangelernährung und die Langeweile
spanischen Exklave in Nordafrika. Dut- (weil man sich ohne Kohle auch nichts
zende der Flüchtlinge wurden direkt kaufen kann, was einen über die Sinn-
beim Versuch erschossen, die losigkeit hinwegtäuschen könnte, so
Grenzanlage zu überwinden, knappe wie es der Rest der Gesellschaft
eintausend dann später durch die macht) den Rest geben - oder man
marokkanische Regierung in der Sa- versucht, auf weniger legale Weise als
Fight Back! Seite 19
mit geregelter Lohnarbeit sein Geld zu Wir wollen uns nicht darüber lustig
machen. machen, wenn einfache Leute Mitleid
empfinden und mit Spenden an Hilfs-
Dieser Realtität, organisationen helfen wollen. Aber
• dass es im Kapitalismus um ändern wird das gar nichts. Armut
die Produktion von Waren geht, gehört zum Kapitalismus dazu wie
• dass diejenigen, die die Waren Profit. Ein System, in dem man nur
für andere produzieren, einen von Lohnarbeit leben kann, in dem
Lohn erhalten, um weiterzule- diese aber von privaten Unternehmen
ben, nach Profitgesichtspunkten ausgestal-
• dass diejenigen, die für die Pro- tet wird, wird immer Überbevölkerung
duktion nicht gebraucht wer- produzieren, also Menschen, die in
den über sind, der Produktion nicht gebraucht wer-
• dass „über“ sein außerhalb der den. Ob man an der Erwerbslosigkeit
Industrieländer den Tod bedeu- stirbt oder „nur“ beschissen lebt, hängt
ten kann, einzig und allein vom Zufall des Ge-
• dass es zwischen Überleben burtsortes ab.
und Armutstod bewaffnete Gren-
zen gibt,
kann keine Spendengala der Welt bei-
kommen.

Jeden Freitag ab 20 Uhr


Cyriaksring 55 - 38118 Braunschweig
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Antifaschistisches Café
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Freitag 16. Dezember


Lecker Essen + Dessert (für 2 Euro)
20 Uhr • Antifaschistisches Café

Freitag 23. Dezember


„Antifa-Videoschnipsel-Abend“
Es erwartet euch eine cineastische Reise durch die Antifa-Proteste
der letzten Jahre. Angefangen mit den Aktionen gegen den Nazi-
Aufmarsch am 29. Oktober in Göttingen werden Videoclips zu zahlrei-
chen Demonstrationen und anderen Höhepunkten linker Aktivitäten
gezeigt. Kommt vorbei und lasst euch überraschen.
20 Uhr • Antifaschistisches Café

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