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Fight Back!

Antifaschistisches (Jugend) Info Braunschweig

Amrani Nouredine, Hasan Akdag, Berzan


Öztürk, Harrinder Singh Cheena, Juri
Palienko, Aefa Biyao Sabi Touré,
Halina Halim, Tatjana Kabakchieva,
Naimah Hadjar, Altankkou Dagwasoundee,
Arumugasamy Subramaniam, Massivi Da-
niel Lobes, Emmanuel Ehi, Emanuel

OPFER DER RASSISTISCHEN


FLÜCHTLINGSPOLITIK
DER BRD
Thomas Tout, Owusu Mensa, Zhou Zhe
Gun, Mapasi Jeancy, Moses Ganaja,
Nazmieh Chahrour, Amar Tahir, Abijou
Tilaye, El Kadaoui, Gibrel Kassimoi,
Dr. Zdravko Nikolov Dimitrov,
Purananayagi Subramaniyam, Merkebu
Getachew, Veluppilai Balachandra,
Rachid Sbaai, Marcus Omofuma,
Mirsolawa Koloiziejeska, Kwuami Azika
Prempe,
Performance von Hussein Daoud

Nr. 20 juni/juli´2001
Seite 2 Fight Back!
Madamenweg: Die “Daltons mit dem Hakenkreuz”
Sie erinnern einen irgendwie an die platz vor dem Haus und der Park
Daltons aus den Lucky Luke Comics: zwischen Madamenweg und
die Brüder Meinhardt vom Broitzemer Strasse haben sich in letz-
Madamenweg. Alle sehen irgendwie ter Zeit zum regelmäßigen Treffpunkt
gleich aus und jeder ein Kopf größer von Nazis und Boneheads (=Nazi-
als der andere. Doch mit den trotteli- Skins) entwickelt. In den letzten Mo-
gen, aber dennoch irgendwie naten tauchten in der ganzen Gegend
symphatischen Daltons haben die zahlreiche Haken-kreuzschmierereien
Meinhardt-Brüder kaum was gemein. auf. Laut einer Pressemitteilung der
Schon seit Jahren fallen diese Nach- Polizei gehören die beiden Angreifer
wuchs-Nazis durch rechte Sprüche zum “Umfeld” der rechten Szene. Nach
auf. Doch bei Sprüchen bleibt es schon Berichten von AnwohnerInnen soll am
lange nicht mehr: Überfall auf den 25jährigen neben Rene
Geffers auch ein Meinhardt beteiligt
Am 8. Mai 2001 konnte man im Lokal- gewesen sein.
teil der Braunschweiger Zeitung eine
kleine Randnotiz finden: ”Anti-Nazi- Aus ihrer Einstellung macht die Nazi-
Aufdruck: 25-Jähriger verprügelt”. Vor Bande vom Madamenweg kein Ge-
einem Supermarkt hatten zwei Ju- heimnis: Am 20. April dieses Jahres –
gendliche einen 25-Jährigen angegrif- dem Geburtstag Hitlers – feierten die
fen, weil dieser einen Aufnäher mit der Nazis am Madamenweg den Geburts-
Aufschrift ”Gegen Nazis” auf seiner tag ihres ”Führers” mit dem Aufhän-
Einkaufstasche trug. Was man dem gen einer schwarz-weiß-roten Fahne
Zeitungsbericht nicht entnehmen konn- auf dem Spielplatz vor dem Haus der
te, war der Ort des Geschehens. Es Meinhardts. Am gleichen Abend pro-
war der Plus-Markt am Madamenweg. vozierten zwei Nazis vor dem Café
Gleich gegenüber liegt das Haus der Che mit „Sieg Heil“ Rufen und dem
Familie Meinhardt (Madamenweg Zeigen des „Hitlergrußes“.
156). Der etwas zurückgelegene Spiel- In letzter Zeit sind vermehrt selbstge-

Impressum: Fight Back!, Cyriaksring 55, 38118 Braunschweig


Erscheint regelmäßig in einer Auflage von 1000 Exemplaren. Die Verteilung
erfolgt kostenlos an Schulen, Jugendzentren und in Kneipen. Der Inhalt der
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V.i.S.d.P.: August Merges, Karl-Marx-Str. 2, 38104 Braunschweig
Fight Back! Seite 3
machte Aufkleber in der Gegend ver- stritten. Ein Teil ihrer Anhänger hat
klebt worden, auf denen zu lesen ist inzwischen keinen Bock mehr auf den
”Braunschweiger Sturm – Das ist un- ständigen Ärger und will mit Nazis
ser Viertel”. Das ganze „ziert“ ein nichts mehr zu tun haben.
Reichsadler mit Hakenkreuz. Ein Pla-
kat in der selben Machart tauchte Dass die Faschisten vom
bereits vor wenigen Monaten rund um Madamenweg nun die Parole der Na-
den Frankfurter Platz auf. Dort terrori- zis vom Frankfurter Platz übernom-
sierte eine Gruppe von Nazi-Skins men hat, ist kein Zufall: Timo Anand -
über Monate AnwohnerInnen. Aus ih- Schüler der Schule Maschstrasse –
rer Wohnung über der Gaststätte Gam- der vorher zur Nazi-Bande vom Frank-
bit wurden laut Nazi-Lieder gegröhlt, furter Platz gehörte, hat sich inzwi-
BewohnerInnen des Hauses, die sich schen mit der Nazi-Bande vom
über die Nazis beschwerten, wurden Madamenweg zusammengeschlos-
bedroht und angegriffen. Ihre auf Pla- sen. Noch wenige Monate zuvor hatte
katen verklebte Parole ”Das ist unser er sich in einem äußerst lächerlichen
Viertel – wir lassen uns nicht vertrei- Drohbrief an das Antifaschistische
ben” konnten die Nazis jedoch nicht Plenum mit üblen Beschimpfungen
durchsetzen. Antifaschistische Grup- von den ”Meinhardts” abgegrenzt, mit
pen und AnwohnerInnen des Viertels denen er und seine Leute nichts zu tun
setzen sich gegen die Nazis zu Wehr haben wollten.
und machten deutlich, daß die Nazis Timo Anand war u.a. Teilnehmer des
nicht willkommen
waren und es im-
mer noch nicht
sind. Entmutigt
durch die Kündi-
gung ihrer Woh-
nung, die deutli-
che Ablehnung
die sie im Viertel
zu spüren beka-
men und einigen
handfeste Abrei-
bungen die sie
erfahren mußten,
hat sich die Nazi-
Bande vom
Frankfurter Platz
inzwischen auf-
gelöst und ist un-
tereinander zer-
Seite 4 Fight Back!
NPD-Aufmarsches am 4.3.2000 in lingrad er-
Braunschweig. Außerdem war er mit leben. Da
dabei, als ca. 15 Nazis versuchten, sie das
am 30. Juni 2000 das Antifa-Café im scheinbar
Cyriaksring 55 anzugreifen (was da- selber wis-
mit endete, das die Nazis in heilloser sen, ha-
Flucht vor den BesucherInnen des ben sie
Antifa-Café flüchteten). Doch Timo sich nun
Anand hat in seinem kindlichen Über- offensicht-
mut scheinbar immer noch nicht ge- lich darauf
nug. Am 5. März 2001 kündigte er in verlegt,
einer E-mail an das Antifaschistische erstmal an
Café an: ”Unser Gegenschlag gegen ihrem hei- Nazischmierereien am
Euch ist schon geplant!”. Bisher ist mischen Minimal Markt in der
auf diese großmäulige Drohung je- Treffpunkt Broitzemer Straße
doch nichts gefolgt. Was wohl auch am Madamenweg einzelne Menschen
besser für die Nazis ist – ansonsten anzugreifen.
könnten sie ihr ganz persönliches Sta-

Schütze Arsch ...


Vom Wehrsport zum Kreismeister der Braunschweiger Schützen
Die bloßen Arme vor der stolzge- selfigur der rechten Szene in Braun-
schwellten Brust verschränkt. In der schweig” hieß es z.B. in einer Presse-
Hand eine Knarre. So konnte man am mitteilung der PDS. Und auch das
18.04.2001 im Sportteil den Meister Antifaschistische Plenum wies in ei-
der Braunschweiger Schützen bewun- ner Pressemitteilung auf die Aktivitä-
dern. “Treffsicherer als der Landes- ten Arnswalds in diversen Nazi-Orga-
meister. Kreistitel für Arnswald mit nisationen, wie z.B. der FAP und der
Revolver und Pistole” lautete die Nationalistischen Front (NF), hin.
Schlagzeile. Seine Schießkünste hat Nun, das wollte der Meisterschütze
Mario Arnswald zuvor schon in ganz nicht auf sich sitzen lassen. Im Braun-
anderen Kreisen unter Beweis gestellt: schweig Report vom 2.5.2001 erklärte
bei Wehrsportübungen und er: “Das ist Rufmord. Die Vorwürfe
Kameradschaftsabenden von Nazi- stimmen nicht. Ich bin nie verurteilt
Organisationen. Nach Erscheinen des worden und ich habe mich bereits vor
Artikels in der Braunschweiger Zei- einigen Jahren, und zwar vor meinem
tung sahen sich Arnswald und die Engagement im Schießwesen aus der
Braunschweiger Schützengesellschaft rechten Szene verabschiedet”. Zwar
plötzlich mit zahlreichen Vorwürfen gibt er zu, Mitglied der NF gewesen zu
überzogen: Arnswald sei eine Schlüs- sein, aber er sei bereits Anfang der
Fight Back! Seite 5
90er Jahre ausgetreten, weil ihm die Nationaldemokraten), gleichzeitig Mit-
“Vorgehensweise und die Zielsetzung glied der NF gewesen sein. Bei Jens
dieser Gruppierung zu militant war”. Dreyer wurden Photos gefunden, die
Während seiner Zeit bei der FAP und Arnswald zusammen mit anderen
der NF schien ihm diese “Militanz” Nazis vor einer Hakenkreuzfahne zeig-
keine großen Probleme bereitet zu ten. Auch bei Treffen der JN wurde
haben. Hier ein paar Fakten zu Arnswald gesehen. So war Arnswald
Arnswalds Aktivitäten: am 23.1.93 bei einem JN-Treffen in der
Gaststätte Bienroder Krug. Nach sei-
In den 80er Jahren war Mario Arnswald nem Austritt aus der NF gründete er
Mitglied der heute verbotenen FAP. In die “Nationalpolitische Koordination /
seiner Wohnung in der Weststadt fan- Freundeskreis Braunschweig” der sich
den FAP-Kameradschaftsabende auch andere ehemalige NF-Mitglie-
statt. Die Mitglieder der FAP fielen zu der, wie z.B. Uwe Mokry anschlos-
dieser Zeit immer wieder durch brutale sen. Außerdem soll er zu dieser Zeit
Angriffe auf. So attackierten am bei Treffen der NPD/JN als Redner
13.05.88 mehrere Nazis, die gerade aufgetreten sein.
auf dem Weg zu einem
Kameradschaftsabend bei Arnswald Nun fühlt sich Arnswald durch die
waren, drei Punker mit einem Messer. Pressemitteilung der PDS beleidigt
Anfang der 90er Jahre trat Mario und erstattete Anzeige wegen “übler
Arnswald dann in die Nationalistische Nachrede und Verleumdung”. Ob er
Front (NF) ein und gehörte zum inne- sich damit eine Gefallen getan hat, ist
ren Führungskreis in Braunschweig. fraglich. Sollte es zu einem Prozeß
Um sich herum sammelte er eine
Gruppe rechter Jugendlicher (von sei-
nen Kameraden oftmals als “Arnswald
Kindergarten” verspottet). Mario
Arnswald, der auch unter dem be-
zeichnenden Spitznamen “Klein Adolf”
bekannt war, stellte auch der NF seine
Wohnung für Kameradschaftsabende
zur Verfügung. Bei diesen Treffen stan-
den unter anderem die “Ausbildung an
der Waffe mit Schießübung” auf der
Tagesordnung. Bei Hausdurchsuchun-
gen bei NF-Mitgliedern fand die Poli-
zei dann auch zahlreiche Waffen,
Munition, Zünder und Anschlagspläne.
Enge Kontakte bestanden auch zur
NPD/JN. So soll Jens Dreyer, langjäh-
riger Ortsfunktionär der JN (Junge
Seite 6 Fight Back!
kommen, könnten in aller Öffentlich- eher Konservative und natürlich Waf-
keit weitere Details seiner Aktivitäten fen-Fans. Ein Hang zur NPD kann
herauskommen. Warten wir also mal durchaus da sein, die ja noch nicht
ab. Und was die Braunschweiger verboten ist.”, ließ dieser in einem
Schützengesellschaft betrifft, da Leserbrief an den Braunschweig Re-
scheint ein gewisser Siegfried Scharf port verlauten. Er muß es ja wissen
genauer zu wissen, was für Leute sich und heimliche Sympathien für “Ökos,
dort sonst noch so tummeln: “Man Linke und Zivis” oder die PDS scheint
kann sich vorstellen, dass in der Braun- er ja nun wirklich nicht zu haben. Wohl
schweiger Schützengesellschaft kei- eher für die NPD.
ne Linken, Ökos oder Zivis sind, also

Ordnung ist das halbe Leben!


Für mehr Grün in Parks und auch unaufmerksamen Beobachter-
anderen Bereichen sorgt momen- Innen nicht entgangen, dass eine Viel-
tan mal wieder die Polizei. Die zahl von ParkbenutzerInnen sich of-
uniformierten Umweltfreunde, die fensichtlich an Zwang und Vorschrif-
- wie wir alle wissen - bereits keine ten zur Führung ihres Lebens so ge-
Kosten und Mühen scheuten, um wöhnt haben, dass auch die schein-
z.B. beim Castor, an der Startbahn bare Abwesenheit jener sie nicht mehr
West oder bei der Volkswagen- zu simpelsten eigenen Überlegungen
halle im Bürgerpark Bäume, Wie- bspw. der Art bewegen kann, dass ein
sen und anwohnende Menschen zugemüllter Park am nächsten Tag
zu schützen, haben sich nun dem weit weniger nett ist. Das soll nun
Rasenschutz verschrieben – mit jedoch staatlicherseits nachgeholt
tatkräftiger Unterstützung aktiver werden: Streifenpolizisten, Hunde-
Jungbürger.

“Hier werden ganze


Bäume gefällt”, “Müll-
sünder und Vandalen”
- die Braunschweiger
Zeitung malte am 25.
Mai ein Bild wilder
Horden, die den
Prinzenpark binnen
weniger Wochen an
den Rand des ökolo-
gischen Kollaps‘ ge-
bracht hätten. Es ist Bald Alltag im Prinzenpark?
Fight Back! Seite 7
staffel und “Zivilstreifenkommando” blöd die letzten Tage, alles düster im
werden pokemonähnlich von der Kette Prinzenpark, einzelne Feuer konnten
und auf die ParkbesucherInnen losge- von der Polizei schnell gelöscht wer-
lassen. Einzelne Feuer werden nach den ... Ob er seine Feuerstellen be-
ausführlicher Diskussion mit den Um- kommt (oder gleich eine Uniform) hängt
sitzenden gelöscht (Tipp der Polizei: nun von den Plänen des Grünflächen-
“Auch wenn acht Leute um ein Lager- amtes, der Polizei etc. ab.
feuer sitzen, angezündet haben will es Glaubt denn wirklich jemand, dass
niemand” – Sachbeschädigung muss durch ein paar Feuer und den – durch-
man nämlich Personen gesondert aus störenden – Müll der Prinzenpark
nachweisen, wenn’s aber keiner war gefährdet sei? Wahrscheinlicher ist
...), ansonsten wird Präsenz gezeigt. doch, dass die Menge an Leuten, die
Und siehe, geübte Jungsstaatsbürger hier einer nicht gänzlich kontrollierten
haben gleich erkannt, was ihre Rolle und kommerzialisierten Freizeit-
ist: Müll sammeln und andere zu sel- vergnügung nachgehen, der Ordnungs-
biger Tat anregen. Namentlich genannt macht ein Dorn im Auge sind. Unter
und im Polizeibericht gelobt waren sie genannten Vorwänden wird nun die-
kreativ und haben sogar ein Transpa- ses “Manko” behoben.
rent gemalt: “Denkt an Andere – Räumt Und die trotteligen Jungbürger? Die
auf!” (Wieso sollte das Nachdenken wirken daran mit, dass sich die Leute
nicht zu ganz anderen Ergebnissen den Vorgaben der Polizei anpassen,
kommen, als den gewünschten, z.B. um keinen Stress zu haben und damit
dazu, dass wir keinen Staat brau- wieder mal zulassen, dass sich der
chen, um unsere Belange zu regeln?) Staat in ihre Angelegenheiten ein-
Dafür darf er sich dann mehr “offizielle mischt. So, wie er das sonst auch
Feuerstellen” wünschen. War ja auch überall macht.

Kommt zur Jugend Antifa Aktion (JAA)!

Jeden Montag ab 19 Uhr

im Antifaschistischen Café

Cyriaksring 55
Seite 8 Fight Back!
Auseinandersetzung bei
“Heldengedenken”
Circa 200 waren es, die am 02. Juni der Einladung des Bund
Deutscher Fallschirmjäger (BDF) nachkamen, um eine Gedenk-
feier zu “Ehren” der gefallenen Soldaten der faschistischen
Wehrmacht abzuhalten. Ehemalige Wehrmachtssoldaten und
Bundeswehrangehörige kamen auf dem Braunschweiger Haupt-
friedhof zusammen. Dies war wenig verwunderlich, denn der BDF
macht keinen Hehl daraus, dass er die Traditionen der faschisti-
In aller Kuerze...

schen Wehrmacht und die der deutschen Bundeswehr vereint.


Als die “Feierlichkeit” gerade begonnen hatte, tauchte eine kleine
Gruppe von AntifaschistInnen auf, um mit einem Transparent mit
der Aufschrift: “Die Kontinuität des deutschen Militarismus an-
greifen!” gegen die Veranstaltung zu protestieren. Das Transpa-
rent war noch nicht ganz entrollt, da schlugen schon die ersten
Teilnehmer des “Heldengedenkens” mit Fäusten, Schirmen und
Stöcken auf die DemonstrantInnen ein. Hierbei zeigten auch
Bundeswehrangehörige keinerlei Hemmungen, kräftig zuzulan-
gen. Aber auch mit solch heftigen Angriffen gelang es den
Veranstaltungsteilnehmern nicht, die AntifaschistInnen vom Fried-
hof zu prügeln. Erst die alarmierte Polizei, die sich anfangs auch
schwer tat, beendete den Protest , kontrollierte die Personalien
der AntifaschistInnen und erteilte Platzverweise.
Wer nun glaubt, dass eine solche Veranstaltung auch der Stadt
ein Dorn im Auge ist, irrt sich gewaltig. Vor der Gedenkfeier auf
dem Hauptfriedhof empfing die Stadt Braunschweig den Bund
Deutscher Fallschirmjäger im Altstadtrathaus.

In Harburg und anderswo:


Den antifaschistischen Widerstand organisieren!
Am 19.05.2001 mobilisierte die Antifaschistische Aktion
Harburg zu einer offensiven Demonstration gegen die lokalen
Nazistrukturen in Harburg und Umgebung. Rund 150 Leute trafen
sich am Harburger Bahnhof und zogen nach Wilsdorf - einem
Stadtteil, in dem sich seit Jahren eine Bande von Nazis trifft.
Immer wieder macht diese mit rassistischen Pöbeleien und
Übergriffen auf sich aufmerksam. So hetzten Mitglieder der
Nazibande im letzten Jahr einen Hund auf MigrantInnen und
versuchten mit ca. 20 Leuten die Party eines Antifaschisten zu
Fight Back! Seite 9
stürmen. Schon zu Beginn der Demo gab es Ärger, als die frühere FAP-
Aktivistin Stefanie Ahrends am Auftaktspunkt der Demo auftauchte und von den
DemoteilnehmerInnen verscheucht werden mußte. Die Demo ging ohne Zwi-
schenfälle durch den Stadt- teil Wilstorf. Auf dem Rück-
weg in die Harburger City lungerten schon wieder Ste-
fanie A. und ihre Begleiterin an der Demoroute rum. Inzwi-
schen hatten sie noch meh- rere kurzhaarige Kerle als Be-
gleitung dabei - unter ande- ren den bekannten Nazi Sa-
scha Kühnle (?). Als Ant- wort auf ihre blöden Sprüche
bekam einer von ihnen eine Fahnenstange um die Ohren.
Diese ging dummerweise gleich zu Bruch: Holz auf Holz
- der Klügere gibt nach.. Zur allgemeinen Verwunderung
nahm die Polizei diesmal die Nazis mit und behielt sie bis
zum Demonstrationsende in Verwahrung. Weiter ging es
zum Kulturzentrum Rieckhof, in dem sich Nazis bei Übertragungen von HSV-
Spielen treffen und nicht selten kommt es vor, daß von hier aus dann Leute
bepöbelt und angegriffen werden. Alles in allem war es eine gelungene Demo,
die dem Wilsdorfer Nazipack gezeigt haben dürfte, daß sie in Zukunft nicht mehr
ungestört ihren Terror verbreiten werden können.

Aktionstage gegen die Residenzpflicht in Berlin


Die sogenannte Residenzpflicht untersagt den Flüchtlingen, den ihnen
zugeteilten Bezirk ohne besondere Erlaubnis der Ausländerbehörde zu verlas-
sen. Aufgrund des Residenzpflicht - Gesetzes werden die Flüchtlinge von den
wenigen Spuren von Gemeinschaft isoliert, welche ihnen sonst noch bleiben
würden. Um gegen die Residenzpflicht zu demonstrieren, fanden vom 17.-19.
Mai Aktionstage in Berlin statt. Bereits im Vorfeld hatte die Polizei “Maßnah-
men” angedroht, falls Flüchtlinge in Berlin auf dem Schloßplatz, auf welchem
ein Großteil der Aktionen und Veranstaltungen stattfanden, übernachten
würden. Bereits am ersten Tag sollte eine Demonstration zum Bundestag
durchgeführt werden. Doch hier spielte, oh Wunder die Polizei nicht mit. Sie
stoppte den Demozug vor dem Brandenburger Tor und ließ nur 5 Vertreter von
“The Voice” zum Bundestagsgebäude weiterziehen. Hier wurde eine Petition für
die Abschaffung der Residenzpflicht übergeben. Allerdings geschah dies unter
Ausschluß der Öffentlichkeit, da das Recht, eine Petition zu übergeben, wohl
nur für Deutsche gilt. Nach einer Berichterstattung an die wartenden Flüchtlinge
zog die Demo dann wieder zum Schloßplatz zurück.

Am Freitag wurde die Ausländerbehörde besetzt. Während dieser Aktion


wurden 10 AntifaschistInnen festgenommen, nachdem die Polizei das Gebäude
umstellt und zugesichert hatte, dass es bei einer Personalienfeststellung
Seite 10 Fight Back!
bleiben würde. Am Samstag, dem
letzten Tag, wurden morgens zwei
Transparente von der Kuppel des
Reichstages heruntergelassen, an-
schließend ging es über in die große
Abschlußdemonstration, an der sich
über 4000 Menschen beteiligten. Im
Anschluß an die Abschluß-
kundgebung folge dann die Beset-
zung des Berliner Doms durch
AntifaschistInnen. Bei dieser Aktion
tat die Polizei wieder das, was wir eh
schon gewohnt sind: sich Rangelei-
en liefern, Flüchtlinge festnehmen
und in Zivil Leute beschimpfen. Wäh-
rend der gesamten Aktionstage wur- tage von den Medien fast total igno-
den mehrere Flüchtlinge und riert worden sind, und die Polizei mal
AntifaschistInnen festgenommen, ge- wieder ihren Arm der Macht ausspie-
gen welche Anzeigen u.a. wegen len konnte, waren die Aktionstage ein
Hausfriedensbruch und Verletzung der wichtiger Schritt gegen die Residenz-
Residenzpflicht gestellt worden sind. pflicht.
Trotz der Tatsache, dass die Aktions-

Abgeschoben und ermordet...


Im Dezember letzten Jahres wurde X“ (zum Projekt X - siehe Fight Back!
Hussein Daoud auf Weisung der Nr. 13 & 14) der Zentralen Anlaufstelle
Braunschweiger Ausländerbehörde in Braunschweig interniert. Man warf ihm
den sicheren Tod abgeschoben. vor, nicht genügend bei der Beschaf-
Hussein suchte in Deutschland fung persönlicher Reisepapiere mitzu-
Schutz, weil er als oppositioneller wirken. Gegen diese Behandlung setz-
Kurde in seinem Herkunftsland Syrien te sich Hussein Daoud zusammen mit
verfolgt wurde und um sein Leben anderen Flüchtlingen im Oktober 1999
fürchten mußte. Ungeachtet dieser zur Wehr. Um auf die menschenun-
Tatsache wurde sein Asylantrag ab- würdigen Verhältnisse im Projekt X
gelehnt. Seine Angaben zur politi- und die drohende Abschiebung auf-
schen Verfolgung schienen den deut- merksam zu machen, traten sie in den
schen Behörden nicht glaubwürdig zu Hungerstreik. Hussein Daoud wurde
sein. Statt ihm Schutz zu gewähren, zur syrischen Botschaft gebracht, die
wurde er als angeblicher ihm zwar bestätigte, daß er aus Syri-
„Identitätsverschleierer“ im Rahmen en stamme, sich jedoch lange Zeit
des sog. niedersächsischen „Projekt weigerte, ihm Reisepapiere auszustel-
Fight Back! Seite 11
len. Womöglich wurden die syrischen mationen oder als Bestrafungs-
Behörden erst im Zuge der behördli- maßnahme angewendet. Seit Jahr-
chen Vorführung und Passbeschaffung zehnten kommen in Syrien in unverän-
auf ihn aufmerksam. Erst im Septem- dertem Umfang und Ausmaß minde-
ber 2000 erhielten die deutschen Be- stens 38 verschiedene Foltermethoden
hörden von den Syrern ein sogenann- zur Anwendung. Wie bestialisch da-
tes „Passersatzpapier“, das die Ab- bei vorgegangen wird sei nur an eini-
schiebung nach Syrien ermöglichte. gen Beispielen belegt:
Dass dieses plötzlich möglich war, Bei der „Dullap“ wird das Opfer in völlig
mag daran liegen, daß den syrischen verrenkter Körperhaltung in einen Au-
Behörden für die Aufnahme von abge- toreifen gezwängt und dann gedreht.
schobenen Flüchtlingen aus der BRD Dabei wird systematisch mit Knüp-
im Gegenzug wirtschaftliche Hilfen peln auf alle Körperteile geschlagen.
versprochen werden. „Kursi Almani“ oder „Kursi Al Suri“,
Gleich bei seiner Ankunft in Syrien „deutscher“ oder „syrischer Stuhl“: hier-
wurde Hussein von dem dortigen Ge- bei wird die Person auf einen bewegli-
heimdienst festgenommen, in das chen Metallstuhl Stuhl geschnallt, und
„Anhörungszentrum“ Firaa Filastin die Wirbelsäule wird überdehnt; bei
verschleppt und dort zu Tode gefoltert. der syrischen Variante werden zu-
sätzlich in Höhe der Füße Rasierklin-
„In Syrien wird gefoltert...“ gen angebracht, die bei der geringsten
heißt es lapidar in einem Lagebericht Bewegung des Gefolterten seine Bei-
des Auswärtigen Amtes zur ne zerschneiden, was zu starken Blu-
Menschenrechtslage in Syrien; und
weiter: „Insbesondere bei Fällen mit
politischem Bezug wird (häufig bevor
Verhöre überhaupt beginnen) physi-
sche und psychische Gewalt einge-
setzt. Die Folter dient der generellen
Gefügigmachung ebenso wie der Er-
zwingung von Geständnissen, der
Nennung von Kontaktpersonen und
der Abschreckung. Willkürliche Fest-
nahmen und das „Verschwinden-
lassen“ von Personen sind gängige
Praxis und auch Tötungen sind nicht
auszuschließen.
Laut Bericht des Sonderberichterstat-
ters der Vereinten Nationen, Nigel
Rodley, vom Februar 1996 wird die
Folter in Syrien zur Erzwingung von
Geständnissen, Erpressung von Infor-
Seite 12 Fight Back!
tungen führt. Freundschaftsverein Osnabrück am
Beim „Faruch“, „Hühnchen“, wird das 12.Mai eine Demonstration, um die
Opfer an eine Stange geschnallt und Situation in Syrien aufmerksam zu
wie am Bratspieß gedreht und dabei machen. Nach Angaben der Braun-
wird mit Knüppeln auf den Menschen schweiger Zeitung zogen 1000
eingedroschen.
Weiterhin kommen Elektroschocks,
Scheinexekutionen, Vergewaltigun-
gen, Isolationshaft und in den vergan-
genen Jahren auch vermehrt psychi-
sche Foltermethoden (Bedrohungen
von Angehörigen oder der Zwang, bei
Folterungen anderer Personen zuse-
hen zu müssen; der Entzug von Schlaf,
Nahrung, Wasser und Luft) zur An- TeilnehmerInnen vom Braunschweiger
wendung. Hauptbahnhof zum Schloßpark. Auf
der Demonstration befand sich auch
Menschen, die diese und andere Folter-
ein Mitglied des syrischen Geheim-
methoden erlitten haben, leiden oft an
dienstes. Nach dem er aufgeflogen
starken körperlichen und immer an
war, tat er gut daran, die Demo mög-
massiven psychischen Schäden. Die
lichst schnell zu verlassen.
traumatischen Ereignisse begleiten sie
Am 9. Juni spannte die Jugend Antifa
anschließend für den Rest ihres Le-
Aktion (JAA) auf dem Braunschweiger
bens. Daß die Folter seit Jahrzehnten
Rathausmarkt zwei Transparente, auf
in Syrien systematisch gegen jeden
denen Namen der Opfer der rassisti-
Gefangenen angewandt wird, gleich
schen Flüchtlingspolitik der BRD zu
ob er nur verdächtig oder überführt,
lesen waren. Flugblätter wurden ver-
angeklagt oder verurteilt ist, und über
teilt und mit kleinen Zetteln eine “Blut-
die gesamte Haftzeit - u. U. viele Jahre
spur des Rassismus” gelegt. Obwohl
- kontinuierlich praktiziert wird, ist den
das Ganze in nächster Nähe der Poli-
deutschen Behörden bekannt. Den-
zeiwache Münzstraße stattfand, griff
noch schrecken sie nicht davor zu-
die Polizei nicht ein. Lediglich zwei
rück Menschen dorthin, also in den
Zivil-Polizisten, beobachteten aus ih-
sicheren Tod abzuschieben.
rem Auto das Geschehen. Sie waren
Das Schweigen brechen es auch, die nach Beendigung der
Während sowohl die syrischen, wie Aktion die Transparente abnahmen.
auch die deutschen Behörden einen Allerdings stellten sie sich dabei nicht
Mantel des Schweigens über das allzu geschickt an – eine alte Dame,
Schicksal Husseins decken, geben wurde von dem runter fallenden Trans-
antirassistische/antifaschistische parent fast erschlagen und nebenste-
Gruppen keine Ruhe. hende Jugendliche mußten beim Zu-
So organisierte der Kurdisch-Deutsche sammenfalten helfen.
Fight Back! Seite 13

TippsfürdenantifaschistischenWebsurfer
Aktuelle, unabhängige Infos und links zu antifaschistischen und
anderen Themen:

www.de.indymedia.de

www.nadir.org

www.linkeseite.de

www.info.partisan.net

Sonstiges:

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Berliner Revolutionäre Zellen-Prozeß

www.aufbau.org
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Schweiz, Themen wie Imperialismus, Frauen
kämpfe, Arbeitskämpfe, Rote Hilfe...

www.trend.partisan.net
Onlinezeitung für die alltägliche Wut, Texte
zu Ökonomie, Geschichte, Faschismus, Rassis-
mus und vieles mehr

http://go.to/online-demo
Lufthansa goes offline - Stop deportation
business
Informationen zur Blockade der Lufthansa
Homepage am 20.6.2001 aus Protest gegen die
Abschiebeflüge
e r m i n e :
T
28. Juni 2001
Kundgebung gegen die Faschisten am Madamenweg
18 Uhr vor dem Plus Markt / Madamenweg 15

29. Juni 2001


Veranstaltung: Einblicke in die faschistische Struktur
von Blood & Honour
20 Uhr Antifaschistisches Café, Cyriaksring 55

Jeden Freitag ab 20 Uhr

Antifaschistische Aktionen, Informationen, Diskussionen, Veran-


staltungen, Filme, Flugblätter, Zeitschriften, Bücher, Plakate,
Aufkleber, T-Shirts, Anstecker, Aufnäher ...

Cyriaksring 55 38118 Braunschweig


http://www.puk.de/antifacafe