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Fight Back!

Antifaschistisches (Jugend) Info Braunschweig

Der antikapitalistische „Wir-wollen-alles!“-


Block auf der Demo am 3. April in Berlin.
Mehr dazu ab Seite 2
Performance von

Nr. 29 Mai 2004


Seite 2 Fight Back!
Europaweiter Aktionstag gegen Sozialabbau
Am 3. April wurde europaweit ArbeiterInnen und dem sozial-
gegen “Sozialkahlschlag” demon- partnerschaftlichen Schulter-
striert. Allein in Berlin gingen ca. schluss mit Regierung und Kapital
300.000 Menschen auf die Straße, befinden. Sich zum einen kämpfe-
in Stuttgart nochmals 150.000 und risch zu geben und auf der andere
in Köln über 100.000. In ganz Euro- Seite auf der Suche nach einem
pa waren es mehrere Millionen. Kompromiss mit den Regierenden
Zu den Demonstrationen hatten zu sein, führt zu keiner grundsätz-
neben Gewerkschaften auch lichen Verbesserung, sondern ver-
Erwerbsloseninitiativen, soziale hilft den Angriffen auf Arbeits- und
Gruppen und Teile der radikalen Lebensbedingungen der Massen
Linken mobilisiert und damit ei- höchstens zur Legitimation. Mit
nen Beschluss des letzten Euro- dem Verharren innerhalb der Gren-
päischen Sozialforums (ESF) in zen der kapitalistischen Logik ge-
Paris für einen zentralen Aktions- rät die klassische Gewerkschafts-
tag umgesetzt. politik der letzten Jahrzehnte in
Zeiten der verstärkten Standort-
Der Tag machte einmal mehr deut- konkurrenz und der anhaltenden
lich, dass die Angriffe der herr- Offensive des Kapitals in die Krise.
schenden Klasse auf alle Lohnab- Eine wirkliche Perspektive aus der
hängigen – ob mit oder ohne Ar- konkreten Situation kann nicht
beit – nicht einfach hingenommen gemeinsam mit den Vertretern aus
werden und die Menschen die Wirtschaft und Politik, sondern nur
Möglichkeit des Protestes auf der gegen sie und gegen die Gesetze
Straße wiederfinden. Zugleich des Kapitalismus entstehen.
wurde die Perspektivlosigkeit der
Gewerkschaften sichtbar, die sich Der Aktionstag in Berlin
im ständigen Spagat zwischen der In der ganzen BRD hatten die Gewerk-
Interessenvertretung der schaften Busse und Sonderzüge für

Impressum: Fight Back!, Cyriaksring 55, 38118 Braunschweig


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die Fahrten zu den Großdemonstra- Farbeier ihren Platz an der Fassade
tionen organisiert. Allein aus Braun- fanden, zog die Polizei ein massives
schweig fuhren über 20 Busse nach Spalier auf beiden Seiten des Blocks
Berlin. In anderen Städten waren es auf. Aus dem Spalier heraus griff sie
ähnlich viele. Die Demonstrationen dann zu einem späteren Zeitpunkt
stand unter dem Motto “Aufstehen, mehrfach die Demonstration an und
damit es endlich besser wird”. In Ber- entriss einige der Transparente. Dem
lin gab es drei Auftaktkundgebungen geschlossenen Auftreten des Blocks
an unterschiedlichen Orten, anschlie- und dem solidarischen Verhalten eini-
ßend machten sich die Demonstrati- ger Gerwerkschafter und anderer ist
onszüge auf den Weg zur gemeinsa- es zu verdanken, dass der Weg bis
men Abschlusskundgebung. Die mei- zur Abschlusskundgebung, bei nach
sten Forderungen der Leute auf der wie vor kraftvoller und kämpferischer
Demonstration richteten sich an die Stimmung, fortgesetzt werden konn-
Regierung, dass sie die Hartz- “Refor- te. Noch während die letzten Reden
men” und die Agenda 2010 zurück- auf der Kundgebung gehalten wurden,
nehmen und überhaupt zu einer ge- besetzten rund 200 Menschen ein
rechteren, sozialverträglicheren Poli- leerstehendes Haus in Berlin-Mitte,
tik zurückkehren soll. Andere forder- um der Forderung nach einem “Sozia-
ten eine Umverteilung des Reichtums len Zentrum” praktisch Nachdruck zu
zu Gunsten der Armen und wieder verleihen. Die Polizei rückte allerdings
andere sahen die Lösung in dem ver- sofort an, räumte das Gebäude und
einfachten Ausspruch “Schröder muss nahm über hundert Leute in Gewahr-
weg!”. Es gab aber auch Stimmen, die sam. Trotz dessen kann der 3. April für
diesem System und seinen Vertretern die radikale Linke nur als Erfolg ge-
aus Politik und Wirtschaft längst nicht wertet werden, denn es ist gelungen,
mehr glauben und von ihnen rein gar deutlich wahrnehmbar eine Position
nichts erwarten. So gab es innerhalb fernab der kapitalistischen Logik zu
des Demonstrationszuges vom formulieren und in die Proteste gegen
Alexanderplatz auch den antikapitali- den Sozialabbau eine radikale Gesell-
stischen “Wir-wollen-alles!”- Block. schaftskritik zu tragen.
Dem Block, in dem sich zeitweise
mehrere Tausend TeilnehmerInnen Die Offensive des Kapitals und die
einfanden, ging es nicht nur um eine Gewerkschaften
bessere “soziale” Absicherung, ein Der “Sozialabbau”, der sich derzeit in
bisschen mehr Lohn o.ä., sondern um allen Lebens- und Arbeitsbereichen
eine grundsätzliche Kritik am Kapita- abspielt, ist keine unangenehme Ne-
lismus. Dafür bekam man es dann benwirkung der Sanierung des Staats-
auch gleich mit mehreren Polizeiein- haushaltes oder der Preis, der für
sätzen zu tun. Nachdem am Haus der mehr Arbeitsplätze zu zahlen ist, son-
Wirtschaft (Sitz vom Bund Deutscher dern ganz klar gewollt. Die herrschen-
Industrie, der wohl wichtigsten Vertre- de Klasse macht sich daran, den ge-
tung des deutschen Kapitals) rund 30 sellschaftlichen Reichtum von unten
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nach oben umzuverteilen. Denn sie renden und Kapital festhält und sich
will die Verwandlung von Arbeit in auf die Standortlogik einlässt, trägt
Profit künftig noch billiger gestalten, den stetigen Abbau von “Soziallei-
also sich Kosten für die Lohnabhängi- stungen”, niedriges Lohnniveau, hohe
gen einsparen. Die Nation soll fit ge- Arbeitszeiten und schlechte Arbeits-
macht werden, um ökonomisch und bedingungen mit. Die Gewerkschafts-
politisch im innerkapitalistischen Kon- politik gerät daher in der aktuellen
kurrenzkampf der Staaten mitzuhal- Situation in die Krise. Denn wer auf
ten und sich als attraktiver Investitions- der einen Seite bei dem “Verzicht für
standort für Kapital erweisen, wo Ar- den Standort” mitmacht und anderer-
beit billig und Ausgaben für “Soziales” seits für “soziale Rechte” eintritt, ge-
niedrig sind. Denn auch in ein paar rät argumentativ schnell ins Strau-
Jahren will die deutsche Wirtschaft cheln.
ihrem Kapital noch kräftige Wachs-
tumsraten bescheren und seine Stel- Muss der Reichtum nur gerecht
lung im Weltmarkt ausbauen. Dazu verteilt werden?
wird der Sozialstaat, der einst die Auch die Forderung nach einer Umver-
lohnabhängigen Massen bei der Stan- teilung des Reichtums zugunsten der
ge halten sollte, kurzerhand demon- Armen, wie es beispielsweise das
tiert. Alles was vermeintlich ein Wachs- globalisierungskritische Netzwerk
tum behindert wird weggekürzt, und “attac” fordert, zeugt von einer Un-
somit sparen Kapital und Staat nicht kenntnis kapitalistischer Gesetzmä-
nur Kosten, sondern erhöhen zugleich ßigkeiten. Denn Armut und Reichtum,
den Druck auf ArbeiterInnen und Er- Mangel und Überfluss, sind in der
werbslose, wirklich jedes Arbeitsver- bürgerlichen Gesellschaft zwei Seiten
hältnis anzunehmen, egal wie schlecht einer Medaille. Es ist ja nicht so, dass
bezahlt oder miserabel in der Tätig- es zuwenig Nahrung und andere Wa-
keit. ren auf der Welt gibt, ganz im Gegen-
teil. Die nie dagewesene hohe Pro-
Vor diesem Hintergrund ist die Kritik duktivität der heutigen Zeit hat zu ei-
der Gewerkschaften an den “Refor- ner ständigen Überproduktion an Wa-
men” vollkommen zahnlos. Es bringt ren für den kapitalistischen Markt ge-
überhaupt nichts, von der Regierung führt. Dass dennoch zahlreiche Men-
zu verlangen, die Intensität des “Sozial- schen weit unterhalb des Existenzmi-
abbaus” zu schmälern oder mit Vor- nimums leben, von der Situation in der
schlägen an sie heranzutreten, wie sogenannten Dritten Welt ganz zu
man es besser machen könnte. Sie schweigen, ist allgemein bekannt. Aber
wissen was sie tun, die Folgen sind mit einer einfachen Umverteilung des
ihnen wohl bekannt, doch sie tun es Reichtums ist es nicht getan. Das
trotzdem, denn genau das ist ihre Kapital ist nämlich nur auf eines aus:
Aufgabe. Wer nun, wie etwa die Ge- seine Waren, Dienstleistungen und
werkschaften, an dem sozial- Technologien gewinnbringend zu ver-
partnerschaftlichen Kurs mit Regie- kaufen, und wem die nötige Zahlungs-
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kraft dazu fehlt, bleiben sie eben ver- nerhalb der Proteste gegen den Sozial-
wehrt. Wenn Waren oder Geld einfach abbau eine Perspektive aufgezeigt
so an Arme verteilt werden würden, werden, die nicht auf Kompromisse
würden sie ihren ureigenen Zweck, mit dem System aus ist. Das Privatei-
den der Vermehrung von Kapital, ver- gentum an Produktionsmitteln, die Pro-
fehlen und umgehend entwertet wer- duktion zur Kapitalvermehrung, der
den. So und nicht anders funktioniert Staat zur Aufrechterhaltung der Herr-
es im Kapitalismus. schaft des Kapitals und die sich aus
der Produktionsweise ergebende Kon-
Klassenkampf statt Standortlogik! kurrenz zwischen Menschen und Na-
In der aktuellen Situation, wo sich die tionen muss insgesamt in Frage ge-
Lebensverhältnisse der Lohnabhängi- stellt werden. Nur in einer klassenlo-
gen durch den Generalangriff der herr- sen Gesellschaft, wo die Produktion
schenden Klasse drastisch verschär- zur Bedürfnisbefriedigung statt für Pro-
fen, besteht auch eine gewisse Chan- fite Einzelner eingesetzt wird, ist eine
ce. Viele Menschen könnten langsam soziale Zukunft, wo die Menschheit
erkennen, dass ein an Profit- solidarisch lebt, denkbar. In diesem
maximierung orientiertes Wirtschafts- Sinne: Für den Kommunismus!
system einem vernünftigen Leben im
Wege steht. Daher muss gerade in-

Nazis angreifen und vertreiben:


auch in Wolfenbüttel!
Seit geraumer Zeit treibt eine Grup- che Angriffe und Bedrohungen gegen
pe von Nazis in Wolfenbüttel und Um- Punks, Alternative, HipHopper und
gegend ihr Unwesen. Bis zu 30 Fa- MigrantInnen.
schisten treffen sich mehr oder minder
regelmäßig in den Abendstunden am Get organized and Fight Back!
“Forum”. Dies ist ein Einkaufszen- Am 12.03.2004 kam es zu einer er-
trum, welches in der Nähe des lokalen sten organisierten Aktion gegen die
Bahnhofs liegt. Weiter sind dort zahl- Faschisten. Um die 30
reiche Haltestellen für Busse, die von AntifaschistInnen zogen durch das
Jugendlichen gerade Abends zum Tref- beschauliche Örtchen und verschö-
fen und Trinkengenutzt werden. So nerten die umgegend mit Aufklebern
eben auch von den Nazis, die des und sprühten Parolen. Als die Gruppe
Öfteren auch noch im “Check Inn” am “forum” ankam, machte sie ein
(Kneipe mit Bowlingbahn im “Cinestar”- Häuflein Nazis aus, welche sofort die
Komplex) herumlungern. Diese Tref- Beine in die Hand nehmen mußte.
fen der Nazis beschränken sich natür- Das ganze fand unter Beifall und “Haut
lich nicht auf dumm-die-Gegend-voll- den scheiß Faschos auf‘s Maul”- Ru-
stehen-und-saufen. Es gab zahlrei- fen der anderen Jugendlichen statt.
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Einige Wochen später, am 26.03.2004 Kornmarkt. Natürlich mit der “netten”
zogen ca. 75 Punks, Alternative, Begleitung der Polizei, die mit ihren
HipHopper und organisierte Blaulicht hinter der Demo herfuhr. Be-
AntifaschistInnen gemeinsam zum zeichnenderweise schrieb die Braun-
Treffpunkt der Nazis am “Forum”. Je- schweiger Zeitung in ihrem Lokalteil
doch war (rein zufällig !?!?) kein einzi- später von “75 randalierenden Jugend-
ger von denen dort zu finden. Nach lichen”. Halten wir fest: Nazis, die
kurzem warten erschien dann aber Menschen überfallen und verletzen,
plötzlich die Streifen.- und Zivilpolizei sind nicht mal ‘ne Schlagzeile wert
mit vier Fahrzeugen. Die Beamten und werden, der Schadensbegrenzung
begannen damit, die Personalien der am Image des Ortes zu Gute, einfach
Anwesenden zu kontrollieren. Bei der totgeschwiegen. Wenn aber Leute le-
Masse von Leuten und deren diglich auf die Straße gehen, um eine
Herumgewusel auf dem Platz, kamen breite Öffentlichkeit hierüber zu infor-
die Beamten nicht mehr mit, wen sie mieren, weil Polizei, Stadt und Medi-
nun schon kontrolliert hatten und wen en den Nazi- Terror totschweigen,
nicht. Als es ihnen zu nervig wurde, decken oder verharmlosen, dann tre-
drohten sie damit “hier alles abzuräu- ten die Staatsschergen auf den Plan,
men” (Zitat eines Polizeibeamten). Um um jeden Ansatz von Widerstand zu
die Situation nicht eskalieren zu las- kriminalisieren und zu verfolgen. Das
sen, formierten sich die Leute zu einer Gerede der Lokalpresse von “randalie-
Demonstration und zogen mit “Deut- renden Jugendlichen” passt da fabel-
sche Polizisten schützen die Faschi- haft rein. Nicht die Nazis werden als
sten” und “Nazis raus”- Rufen zum Problem wahrgenommen, sondern
jene, die darauf aufmerksam machen.
Unvollständige Chronik:
Schließlich bringen sie den Ort ja
Im Januar 2004 werden zwei Jugendliche im sog. “schlecht” ins Gerede. Entweder ist
“Gefängnispark” von ca. 12 Nazis angegriffen. Die
Jugendlichen konnten entkommen, bevor Schlimme-
man dann eineR von “Außen” oder ein
res passiert. “Nestbeschmutzer”. Davon mal ab
gab es am 26.03.2004 keinerlei Akti-
23.01.2004 Den gesamten Abend über kommt es zu
Übergriffen und Flaschenwürfen der Nazis auf Grup- on gegen die Nazis (waren ja keine
pen von Punks und Alternativen. Bevor die Jugendli- da) oder sonstwas, was auch nur
chen anfangen können, sich zu wehren, beendet die
eintreffende Polizei die Auseinandersetzung.
annähernd die Bezeichnung “Randa-
le” verdient hätte.
31.01.2004 Mehrere Nazis attackieren eine Gruppe
von Punks im Seeliger Park
Unite and Fight! Unite and Win!
27.02.2004 Ebenfalls im Seeliger Park attackieren In dieser Atmosphäre aus schwei-
Faschisten eine Gruppe von vier Jugendlichen
gender und gegen AntifaschistInnen
13.03.2004 Eine 15- Jährige wird von fünf Nazis am hetzende Presse, dazu noch aus-
Bahnhof angegriffen
schließlich gegen Linke vorgehende
19.03.2004 Ca. 30 Faschisten greifen Punks und Polizei, können sich die Faschisten
Alternative am “Forum” mit Flaschenwürfen an.
Mehrere Personen werden verletzt
wie Fische im Wasser oder die Flie-
gen in der Scheiße fühlen. Dennoch
Fight Back! Seite 7
sollten die Nazis nicht dem Irrglauben zu führen, desto mehr wird das Nazi-
verfallen, daß sie die Massen auf ihrer Pack in die Defensive gedrängt. Dies
Seite hätten. Wie oben schon gesagt, sollte vorläufig unser Ziel sein. Dies
fand die Aktion am 12.03.2004 unter scheint auch den Leuten in
Beifall der anderen Jugendlichen statt. Wolfenbüttel langsam klar zu werden.
Diese Jugendlichen setzen sich aus Immer öfter kommt es, seit der Aktion
Punks, HipHoppern, Alternativen und am 12.03.2004, zu gemeinsamen
anderen zusammen. Und obwohl sie Aktionen von Punks, HipHoppern,
offenkundig selber kein Bock auf die MigrantInnen, Alternativen und ande-
Nazis haben und ihnen zahlenmäßig ren gegen die Nazis. Langfristig sollte
stark überlegen sind, konnten sich die sich in Wolfenbüttel ein kontinuierli-
Nazis dort bisher fast ungestört unter cher Ansatz von antifaschistischer
ihnen aufhalten. Das Problem scheint Politik entwickeln, damit Aktionen wie
zu sein, daß sie sich ihrer eigenen die der letzten Wochen nicht immer
Stärke, die man durch geeintes und nur als Reaktion stattfinden müssen,
entschlossenes Handeln erreichen sondern man selber die Initiative er-
kann, nicht bewußt sind. Der Kampf greift! Also schließt Euch zusammen:
gegen den faschistischen Terror und mit FreundInnen, KollegInnen oder
seiner Akteure steht und fällt mit der Gleichgesinnten! Organisiert Euch!
Beteiligung von so viel Menschen wie Schlagt zurück! Allein machen sie
nur möglich. Je mehr Menschen sich Dich ein!
dazu aufraffen, den Kampf konsequent

Besatzung und Widerstand im Irak


Täglich berichten die Medien Widerstandes dagegen ist.
über den Krieg im Irak: wir erhal-
ten die neuesten Verlustzahlen der Terror ist der Krieg der Armut ge-
Besatzungstruppen und ausführli- gen die Reichen...
che Reportagen darüber, wie ... und Krieg der Terror des Reichtums
schwer ihnen der irakischen Wi- gegen die Armen. Rekapitulieren wir:
derstand das Leben macht. Wir Im Gegensatz zu den meisten euro-
wollen in diesem Artikel bei de- päischen Staaten erhielten die USA
nen bleiben, die tagtäglich dem ihr Öl nicht zu den von ihnen akzep-
Terror der Besatzungstruppen aus- tierten Bedingungen aus dem Irak.
gesetzt sind und mit ihrem eige- Saudi-Arabien, der größte Lieferant
nen Krieg darauf antworten, bei von Erdöl, ist in den vergangenen Jah-
den Menschen im Irak. Was hinter ren ein unsicherer Kandidat für die
dem angeblichen “Wiederaufbau” USA geworden, so dass man sich
steht, und was Besatzung bedeu- über den Irak weitere Alternativen auf-
tet, soll knapp beleuchtet werden. bauen wollte. Dass der Krieg bereits
Auch gehen wir auf die Art des vor dem 11. September geplant wor-
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den war, wurde in den letzten Wochen zent von ausländischen Firmen ge-
ja bereits schwarz auf weiß publik kauft werden können (Firmen aus
gemacht. Die präsentierten Gründe Nichtkriegsteilnehmerländern waren
sind dann auch einer nach dem ande- anfangs davon ausgeschlossen), mit
ren als absichtliche Lügen oder zu- Ausnahme der Öl- und Gasindustrie.
mindest als ungeprüft übernommene Diese Ausnahme erklärt sich ganz
“Geheimdienst-Informationen” kolla- einfach: Die Öl- und Gasunternehmen
biert. Übrig bleibt ein Krieg um Öl und bleiben zunächst offiziell Eigentum
darum, ein Standbein in der Region des Irak und werden von den Besatzern
aufzubauen, was strategisch, aufgrund nur “verwaltet”. Wenn jetzt ein Unter-
der vorhandenen Rohstoffe von “vita- nehmen für einen Spottpreis ein (von
lem Interesse” für die Wirtschaft in den Soldaten des eigenen Landes)
den Metropolen ist (s. dazu auch zerstörtes irakisches Unternehmen
FIGHT BACK! Sonderausgabe zum aufkauft und dieses im eigenen Inter-
Krieg im Irak, zu finden im Netz unter esse “wiederaufbaut”, wird ihm das
www.antifacafe.kommunikationssystem.de). vom Irak über dessen Öl bezahlt. Dar-
Doch was ist mit der Demokratisie- um bleibt das Öl im Moment offiziell
rung, mit “enduring freedom”, also der irakisch, der Irak wird “um die Ecke”
andauernden Freiheit, wie der Krieg ausgeraubt.
gegen den Irak benannt ist?
Ein Aufbau, der keiner ist
Die Invasion der Konzerne Das ist jedoch nicht alles. Der soge-
Mit der Armee kamen die Konzerne. nannte Aufbau findet nicht wirklich
Wie der Krieg selbst, so lagen auch statt. Nach über einem Jahr nach
die Pläne für die “Umgestaltung” Iraks Beginn des Krieges gibt es immer
schon seit längerem in der Schubla- noch keine funktionierende Strom-,
de. In dem hundertseitigen Papier des Wasser- und Gesundheitsversorgung,
US State Department, “Moving the so fällt z.B. in Bagdad der Strom für
Iraqi Economy from Recovery to bis zu 16 Stunden am Tag aus. Der
Sustainable Growth” wird ausführlich traurige Witz ist, dass die Unterneh-
beschrieben, wie beispielsweise die men, die den Irak heute angeblich
irakischen Gesetze umzuschreiben aufbauen, nach Aufwand bezahlt wer-
seien oder wie der Banksektor über- den, das heißt, je länger ein Unterneh-
nommen werden solle. Sogar an den men braucht, desto mehr Geld be-
Entwurf eines Antrages des Irak auf kommt es. Gewissermaßen die Um-
Mitgliedschaft in der Welthandels- kehr des Konkurrenzprinzips. Tatsäch-
organisation wurde gedacht. lich aufgebaut werden im Irak nur die
Pipelines zur Ölförderung, und das
Unter dem Begriff “Wiederaufbau” wur- immer wieder, da sie häufig Ziel von
de und wird der Irak komplett verkauft. Anschlägen sind. Um hier mehr Ruhe
Die Besatzungsbehörde hatte im Sep- und die gewünschte Ölfördermenge
tember 2003 beschlossen, dass alle hinzubekommen, boomt außerdem der
irakischen Unternehmen zu 100 Pro- Bau von militärisch genutzten Stra-
Fight Back! Seite 9
ßen und die Einstellung von Söldnern zungsmacht sie hingesetzt. Auch
zum Schutz der Pipelines. Die Stärke bewaffnete Aktionen gehören zum
dieser Truppen liegt inzwischen bei Arbeiterwiderstand im Irak. Unbeach-
mehreren zehntausend Mann. tet von der Presse, die sich auf die
Aktionen gegen die ausländischen
Die Resultate des bewusst verhinder- Invasoren konzentriert, erschossen
ten Wiederaufbaus sind vielfältig und bspw. die Arbeiter einer Speiseölfabrik
dürften zu den Hauptgründen des stär- deren Chef im Juli 2003, weil der sich
ker werdenden Widerstands gegen geweigert hatte, die vor dem Krieg
die Besatzung zählen. Zwei Beispie- entlassenen Arbeiter wieder einzustel-
le: len. Als man im Hafen von Maaql/
a) Die Säuglingssterblichkeit hat Basra die Arbeiter mit ungültigen
sich innerhalb eines Jahres verzehn- 10.000 Dinar-Noten bezahlen wollte,
facht. Jedes zehnte Baby stirbt durch griffen 600 von ihnen das Haus des
Krankheit, unsauberes Wasser, Un- Chefs an, zerstörten es und verwüste-
terernährung etc. Man muss sich nicht ten die Büros der Verwaltung. Der
anstrengen, um sich vorstellen zu Chefbuchhalter floh und wurde einge-
können, welche Reaktionen das in fangen. Als britische Panzer anroll-
den betroffenen Familien hervorruft. ten, stellte die Gewerkschaft das Ulti-
b) Die Erwerbslosigkeit liegt zwi- matum: sofortige Auszahlung der Löh-
schen 50 und 75 Prozent, dement- ne oder Tötung des Buchhalters und
sprechend sind selbst die vorhande- des von der CPA eingesetzten Mana-
nen Lebensmittel für die meisten uner- gers. Die Gewerkschaft setzte sich
schwinglich. Massenproteste und durch. Derartige Aktionen sind Alltag
Demonstrationen gegen die miesen im Irak, werden jedoch von den bürger-
Lebensbedingungen wurden von der lichen Medien nicht beachtet. Solche
US-Armee brutal angegangen, viele Nachrichten möchte kein Staatschef
Demonstranten wurden erschossen, und kein Unternehmen verbreitet wis-
noch mehr verletzt. Angriffe auf Solda- sen, denn darin könnte das Gemein-
ten wurden und werden mit Strafaktio- same deutlich werden, nämlich dass
nen gegenüber ganzen Stadtvierteln die ganze kapitalistische Welt ge-
geahndet. Neu gegründete Gewerk- prägt ist vom Widerspruch zwischen
schaften und andere Interessenvertre- Kapital und Arbeit.
tungen werden von der Besatzungs-
behörde Coalition Provisional Authority Sowas kommt von so was...
(CPA) verfolgt, die hierin einen Keim Viel mehr Bilder erhalten wir hingegen
unabhängiger Entwicklung sieht und von Anschlägen auf die Besatzungs-
befürchtet. Fast täglich gibt es De- truppen. Diese haben für alle Staaten,
monstrationen gegen die CPA, für Jobs, Kriegsteilnehmer und -gegner den
für Lohnerhöhungen, gegen die langen Zweck, ihre Position zu legitimieren.
Arbeitszeiten, gegen Mitglieder des Wie wir in den vorigen Ausgaben aus-
alten Regimes in den neuen Leitungs- führten, bestanden gute Handelsbe-
positionen – denn da hat die Besat- ziehungen zwischen EU-Staaten und
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dem Irak, die ebenfalls indirektes Ziel nicht um eine solidarische Gesell-
des US-amerikanischen Angriffs wa- schaft, die mit vereinten Kräften zu-
ren. Am Irakkrieg lässt sich die Kon- nächst Besatzer und dann die eige-
kurrenz zwischen verschiedenen im- nen Herren aus dem Lande jagt, son-
perialistischen Zentren sehen, die um dern um einen Zustand der Instabilität.
Macht und Einfluss ringen, und die Die Berechnung, dass eine weitere
Berichterstattung ist nicht anderes als Verschlechterung der Lebensumstän-
ein Teil davon. Anwohner, die voller de den amerikanischen Truppen an-
Genugtuung die Zerstörung von Militär- gelastet und dadurch der Widerstand
fahrzeugen feiern oder gar Leichen stärker wird, mag aufgehen, aber sie
durch die Straßen schleifen, dienen ist an sich menschenverachtend. Bei-
den Gegnern dieses einen Krieges, de Aktionsformen lassen sich jedoch
dazu, ihre Zurückhaltung zu rechtferti- nicht getrennt betrachten, da sie von
gen und zu “zeigen”, dass der Krieg den gleichen Leuten ausgeführt wer-
moralisch falsch war. Der Kriegsallianz den. Nach Einschätzung der linken
wiederum dienen die Bilder dazu, die und demokratischen Kräfte im Irak
Gefährlichkeit des erklärten Feindes stehen hinter den bewaffneten Aktio-
zu “zeigen” und damit die moralische nen in erster Linie Anhänger des Baath-
Rechtfertigung für den Krieg im Nach- Regimes, die am liebsten Saddam
hinein doch noch zu erhalten. “Freiheit Hussein wieder an der Macht sähen
ist es wert, dafür zu kämpfen und zu und Gruppen, die eine Religions-
sterben”, erklärt Bush seine Mission. diktatur errichten wollen. Eine ursprüng-
Das klingt gut, markig und entschlos- liche Massenverankerung dieser Kräf-
sen. Die zehn Worte umreißen vor te ging den Anschlägen nicht voraus,
allem und exakt aber die Motivation bei zunehmender Dauer der Besat-
irakischer Widerstandskämpfer. zung können sie sich aber mehr und
mehr als die “einzig wahren Verteidi-
Freiheit, die ich meine... ger” des Iraks darstellen, was ihnen
ist jedoch garantiert eine andere als die Anhänger geradezu in die Arme
diejenige, die von einem großen Teil treibt. Die Professionalität der Guerilla-
der Widerstandskräfte im Irak verfolgt aktionen lässt sich hingegen darauf
wird. Hier geht es zunächst mal um zurückführen, dass die US-Besatzer
die Beseitigung der Besatzung, aber alle Mitglieder der ehemaligen iraki-
nicht ohne entsprechende Nebenge- schen Armee entließen, die sich nun
danken. Während Anschläge auf Öl- - inklusive ihrer ehemaligen militäri-
pipelines und Besatzungstruppen der schen Köpfe – im Widerstand befin-
Ausbeutung der Ölvorkommen und des den.
Landes entgegenstehen, haben An-
griffe auf Strom- und Wasserversor- Die fortschrittlichen Kräfte im Irak
gung eine andere Qualität. Hier ist die wollen sich unter keinen Umständen
Zivilbevölkerung direkt betroffen, und in einer Allianz mit Saddam-Anhän-
so soll es auch sein. Es geht denjeni- gern und sog. Fundamentalisten wie-
gen, die diese Aktionen ausführen, derfinden. Sie setzen hingegen in ihrer
Fight Back! Seite 11
politischen Arbeit auf die Selbst- sation für die Freiheit der Frauen, ein
organisation der Bevölkerung und auf Komitee für die Bildung von Arbeiter-
die Bildung einer Gegenmacht von räten und Gewerkschaften.
unten. In diesem Zusammenhang
wurde eine Vielzahl neuer Organisa- (Weitere Informationen findet ihr unter
tionen gebildet, z.B. die Gewerkschaft anderem auf der Internetseite der
der arbeitslosen Arbeiter, die Organi- “WILDCAT” • www.wildcat-www.de )

Bericht über die Proteste gegen die


NATO-Kriegskonferenz 2004 in München
Vom 6.-8. Februar 2004 fand in der Sicherheitskonferenz gegeben. In
München zum 40. Mal die sog. “NATO- Braunschweig nahmen rund 50 Leute
Sicherheitskonferenz” statt. Zu die- an der Veranstaltung teil.
sem Treffen des Militärbündnis NATO,
dessen hochoffizieller Name “Münche- “Je näher man an den Bayerischen
ner Tagung für Sicherheitspolitik” lau- Hof kommt, desto mehr erinnert die
tet, kamen Vertreter der führenden Bewachung an einen südamerikani-
Industriestaaten, Militärs sowie schen Polizeistaat.”(Süddeutsche
Rüstungskonzerne, im Münchener Zeitung)
Hotel “Bayrischer Hof” zusammen, um
die Zurichtung der Welt nach den Be- Das Wochenende der SiKo in Mün-
dürfnissen der globalen Marktwirtschaft chen war geprägt durch ein massives
zu diskutieren (zu Hintergrund und Polizeiaufgebot und die Versuche der
Geschichte der SiKo siehe letzte “Fight Polizei, den Protest mundtot zu ma-
back!”-Ausgabe). Gegen das Treffen chen. 6000 Beamte aus allen Bundes-
hatte sich bereits einige Monate zuvor ländern wurden zusammengezogen,
ein breites Bündnis gegründet, das um die Kriegstreiber zu schützen. Rund
von Autonomen bis hin zu Gewerk- um den Bayrischen Hof, im Münche-
schaften reichte. Neben einer eigenen ner Zentrum gelegen, wurde weiträu-
Konferenz, auf der die Inhalte einer mig mit Gittern abgesperrt.
radikalen Antikriegsbewegung disku-
tiert werden sollten, wurden bundes- Rings um diese “Rote Zone” fanden
weit Aktionstage gegen die Kriegs- am Freitag, dem Eröffnungstag der
Konferenz geplant. Auf dem Plan stand SiKo, drei Kundgebungen auf den An-
neben dezentralen Aktionen auch eine fahrtswegen zum Bayrischen Hof statt.
Großdemonstration am Samstag, den Ingesamt versammelten sich auf den
7. Februar in München. Im Zuge der Kundgebungen, die wenige hundert
Mobilisierung hatte es im gesamten Meter auseinander lagen, etwa 2000
Bundesgebiet Informationsveranstal- Menschen, um gegen Krieg zu de-
tungen zu NATO-Politik und zur Rolle monstrieren und die Anfahrt der Kon-
Seite 12 Fight Back!
ferenzteilnehmer zu stören. Begleitet Luxusrestaurant “Käfer”, unter ande-
wurden die Kundgebungen mindestens rem mit US-Außenminister Powell.
von der gleichen Anzahl Polizisten in
Kampfmontur. Die Bullen beschränk- Die Eindrücke des Freitages, eine
ten sich anfangs noch darauf, die Polizeiübermacht die versucht, mit al-
DemonstrantInnen mit Durchsuchun- len Mitteln den Protest zu stören,
gen und anderen Schikanen zu ner- wurden am Samstag bei der Interna-
ven. Als dann aber die ersten Men- tionalen Großdemonstration weiter
schen versuchten, die Anfahrtswege bestätigt. Schon zu Beginn waren wie-
zu passieren und so die Durchfahrt der der etliche Polizeihundertschaften un-
Konferenzteilnehmer zu behindern, terwegs, um eintreffende
ging die Polizei auf Angriff über. Am DemonstrantInnen zu kontrollieren.
Platz der Opfer des Nationalsozialis- Von den umliegenden Dächern filmten
mus kesselte die Polizei im Laufe des etliche Polizisten wie sich der Platz
Tages über 140 Menschen ein. Schon füllte. Ingesamt etwa 12000 Menschen
das Überqueren der Straße veranlasste versammelten sich hier. Nach einigen
die Polizei dazu, auf die Menschen Redebeiträgen machte sich die De-
zuzustürzen und sie in in Gewahrsam monstration auf den Weg durch die
zu nehmen. Rund um die Kessel der Münchener City in die Nähe des
Polizei sammelten sich immer wieder Bayrischen Hofes. Die Demonstrati-
Leute, die durch Sprechchöre ihre on, auf der Seitentransparente verbo-
Solidarität mit den Gefangenen zeig- ten waren, wurde durch ein massives
ten und die Leute in den Kesseln mit Polizeispalier begleitet. Teilweise wa-
warmem Tee und Essen versorgten. ren links und rechts der Demo jeweils
Auf einer Kundgebung wurde Tobias drei Polizeiketten postiert, so dass es
Pflügner von der “Informationsstelle quasi unmöglich war, sich der Demon-
Militarismus” nach seiner Rede hinter stration anzuschließen oder sie früh-
der Bühne brutal festgenommen. An- zeitig zu verlassen. Immer wieder ver-
dere Menschen wurden unter Einsatz suchte die Polizei, die Demonstration
von Schlagstöcken und Pfefferspray zu stoppen und einzelne Leute ohne
aus den Kundgebungen heraus- ersichtlichen Grund herauszuziehen.
gegriffen und dabei zum Teil erheblich Trotz dieser Provokationen war die
verletzt. Trotz des brutalen Vorgehens Menge lautstark und vermittelte der
der Polizei scheiterten die Versuche, Münchener Bevölkerung entschlossen
jedwede kritische Äußerung zu unter- die Kritik an der Münchner Kriegs-
binden, denn trotz allem gelang es, konferenz. Die Demonstration endete
die Anfahrtswege für gewisse Zeit dicht in Sichtweite des Bayrischen Hof.
zu machen. So konnten einige Kon- Nachdem die Demonstration aufge-
vois der Teilnehmer erst mit deutlicher löst wurde, versuchten einige Leute
Verspätung ihr Ziel erreichen. Neben noch zum Tagungsort zu kommen,
den Aktionen auf den Anfahrtswegen was sich jedoch als ein Ding der Un-
störten am Abend noch ca. 40 Leute möglichkeit entpuppte. Ingesamt wur-
das Essen einiger Kriegsstrategen im den auch am Samstag 60 Menschen
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vorläufig festgenommen. Welt-Kriegselite bestimmt. In Mün-
chen selbst herrschte eine Situation
Und unterm Strich? des Ausnahmezustands. 6000 Bullen
Die Proteste gegen die NATO-Sicher- legten den kompletten Betrieb der In-
heitskonferenz waren erfolgreich, denn nenstadt lahm und zeigten, dass sich
auf vielen Ebenen wurde Kritik an Krieg, die Gemeinschaft der Kriegsminister
Kapitalismus und ihrem inneren Zu- und Militärexperten nicht ohne ernorme
sammenhang geäußert. Das Bild des Sicherheitsmaßnahmen treffen kann.
Treffens in den Medien wurde weit In diesem Sinne: die nächste Kriegs-
über München hinaus vom Protest, konferenz kommt bestimmt – wir auch!
und nicht von Bildern der feiernden

Antifaschistische Demonstration in Hamburg


Ein Erlebnisbericht
Gegen die letzte öffentliche Prä- fern und drei Räumpanzern abgerie-
sentation der Ausstellung “Vernich- gelt. Während die Spitze der Demon-
tungskrieg - Verbrechen der Wehr- stration den Platz erreichte und die
macht 1941-1945” des “Hamburger Auschwitzüberlebende Ester Bejerano
Institut für Sozialforschung” hatten am ihren Redebeitrag begann, griff die
31.Januar 2004 sogenannte “Freie Polizei ohne Vorwarnung an. Mit Was-
Kameradschaften” zusammen mit der serwerfern, Pfefferspray und Schlag-
NPD nach Hamburg mobilisiert. Um stöcken versuchten die Bullen den
diesem öffentlichen Treiben der Fa- Platz zu räumen. Nach einer Aufforde-
schisten Widerstand entgegen zu rung der Rednerin, die Attacke zu
setzen hatte ein breites Bündnis zu stoppen, bei der bereits mehrere Men-
Gegenaktionen aufgerufen. schen verletzt wurden, zerstörte die
Am Sonnabend versammelten sich Polizei das Stromaggregat und richte-
dann ca. 6000 Menschen, um gegen te zwei Wasserwerfer gegen den Laut-
die Hetze der Nazis zu protestieren. sprecherwagen, in dem sich immer
Umringt von einem großen Polizeiauf- noch die 79jährige Ester befand. Jetzt
gebot setzte sich der Demozug in begannen sich AntifaschistInnen mili-
Hamburg- Barmbeck in Bewegung. tant zu wehren. Kleinere Barrikaden
Die Provokation der Polizei wurde ent- wurden errichtet, Flaschen und Steine
sprechend beantwortet. Zu diesem flogen den angreifenden Bullen entge-
Zeitpunkt befanden sich bereits über gen. Mehrere Polizeifahrzeuge gingen
4000 Bullen in der Stadt, um die Nazis zu Bruch. In eine Seitenstrasse des
zu schützen. Platzes konnte die Polizei nur vordrin-
Als die Demonstration den Platz der gen, nachdem mit einem Räumpanzer
Abschlusskundgebung erreichte, hat- rücksichtslos der Weg geebnet wor-
te die Polizei diesen bereits mit etli- den war. Nach einiger Zeit begannen
chen Hundertschaften, 8 Wasserwer- sich die bei -1°C völlig durchnässten
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Menschen in Ketten geschlossen zu- Propaganda skandieren. Dabei wur-
rückzuziehen, wobei die Polizei noch den auch Besucher der Ausstellung
mehrere hundert Meter nachrückte bedroht, denn noch nie zuvor konnten
und die Demonstration weiterhin mit sich die Nazis direkt vor dem Aus-
Wasserwerfern angriff. Erst danach stellungsort bewegen und damit ein
löste sie sich langsam auf. zeitweiliges Schließen der Ausstel-
Während also mehrere Tausend lung erzwingen. Jedoch nicht ganz
AntifaschistInnen von Bullen angegrif- ungestört, denn auf der gesamten
fen wurden, konnten ca.900 mit Bus- Route der Faschisten hingen Anwoh-
sen der Hamburger Verkehrsbetriebe ner Transparente aus den Häusern,
herangekarrte Nazis von der Polizei und AntifaschistInnen störten die Na-
beschützt durch die Straßen marschie- zis mit zahlreichen Pfiffen und laut-
ren und ihre menschenverachtende starken Rufen.

Wessen Sauberes Braunschweig ?!


Am 13.März lud die Stadt Braun- Projekt “Unser sauberes Braun-
schweig zum zweiten Mal zum Stadt- schweig” gehört zu den Kernstücken
putztag ein. Alle BraunschweigerInnen Hoffmanns Stadtpolitik. Es ist sozu-
waren aufgefordert, sich an der Abfall- sagen die öffentlich wirksame Beglei-
beseitigung an verschiedenen Stellen tung zu einer Politik, in der sonst kein
im Stadtgebiet zu beteiligen. Hinter- Platz für menschliche Bedürfnisse ist.
her gab es dann noch für alle, die Damit das nicht allzu offensichtlich
teilgenommen hatten, ein Fest auf wird, werden Veranstaltungen wie der
dem Rathausvorplatz mit Würstchen Stadtputztag organisiert. Man gibt sich
und Bier. Insgesamt 15.000 bürgernah und man gaukelt vor, dass
BraunschweigerInnen halfen beim alle das gleiche Interesse hätten. Vom
Reinigen der Stadt. Sozialhilfeempfänger, der zwangswei-
se bei der Stadtreinigung mithelfen
Was ist das für eine Veranstaltung, muss, da er ansonsten seine
die uns vermitteln soll, alle hätten das Sozialhilfebezüge verliert, bis hin zum
gleiche Interesse an dieser Art Sau- Chef eines Unternehmens, der von der
berkeit? Um wessen Sauberkeit geht Arbeit anderer sein Leben in Hülle und
es hier überhaupt? Fülle führt, alle säßen im selben Boot.
So die allgemeine Propaganda der
Wenn Oberbürgermeister Hoffmann & Stadtoberen, die in einer florierenden
Co. von Sauberkeit reden, spielen Ab- Wirtschaft das Allheilmittel sehen.
fallbeseitigung und Umweltschutz Denn wie Hoffmann selbst sagt, hat er
höchstens eine untergeordnete Rolle. “[...]die Ansätze von Wirtschaftsför-
Es geht ihnen um etwas anderes. Das derung überproportional erhöht und
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auch in diversen Einzelentscheidun- halten. Die Jagd der Stadt und Polizei
gen jeweils Investitionen vorrangig auf vermeintliche Müllsünder in Grün-
gegenüber anderen Belangen gewich- anlagen wirkt indes geradezu lächer-
tet” (BZ, 26.02.2004) lich, ist es doch Hoffmann selbst, der
den einzigen Park in der Braunschwei-
Während bei nahezu sämtlichen so- ger Innenstadt, den Schlosspark, für
zialen Einrichtungen, Jugendzentren das ECE-Einkaufszentrum platt ma-
und eher unkommerziellen Freizeitan- chen will. Prinzen- und Bürgerpark,
geboten die öffentlichen Gelder kon- die seit Jahrzehnten Treffpunkte für
sequent auf ein Minimum oder kom- unkommerzielle Freizeitgestaltung
plett gestrichen wurden, konnte sich sind, sollen durch die polizeilichen
die Wirtschaft an Investitionen erfreu- Kontrollen an Attraktivität verlieren.
en. Dabei handelt es sich um eine Denn wer Spaß haben will, soll die
einfache Umverteilung des gesell- profitorientierten, extra dafür herge-
schaftlichen Reichtums von unten richteten Läden in der Innenstadt auf-
nach oben. Die Stadt und vor allem die suchen und dort fleißig Geld ausge-
Innenstadt wird deshalb umstruktu- ben. Wer das nicht kann oder will,
riert. Sie soll einzig Transportband für dem bleibt dann nur noch der Blick in
Waren, Dienstleistungen und Arbeits- den heimischen Fernseher.
kräfte werden und zur Vermehrung der
Profite von Unternehmen beitragen. Der Stadtputztag nimmt also eine pro-
Damit das Ganze reibungslos funktio- pagandistische Funktion ein. Er soll
niert, drangsaliert man alle, die nicht die Menschen für eine Politik gewin-
in eine nach kapitalistischer Logik nen, die mit dem, was sie vorgibt zu
durchgestylte Stadt passen durch sein, nicht viel zu tun hat. Wer also die
Polizei und private Sicherheitsleute. Sprüche vom “sauberen Braun-
Das betrifft z.B. immer häufiger Ob- schweig” nur allzu gerne nachplap-
dachlose, die aus der Innenstadt pert, sollte sich bewusst sein, für was
vertrieben werden oder soziale Ein- er oder sie sich vor den Karren span-
richtungen, die aus dem City-Bereich nen lässt. Es geht um eine Stadt,
verschwinden sollen. Also die sicht- vollkommen strukturiert nach den In-
bare Armut wird in bestimmte Stadt- teressen der herrschenden Klasse, in
viertel gedrängt. Die Innenstadt soll der die Bedürfnisse des Menschen
künftig nur zu einem Zweck aufge- sich denen des Kapitals unterzuord-
sucht werden, zum Konsumieren. Und nen haben. Wer darauf keinen Bock
wer keine Lust hat, seine Freizeit in hat, muss für eine Gesellschaft kämp-
teuren Diskos und Kneipen zu verbrin- fen, in der die Verwertung des Men-
gen und sich beispielsweise lieber schen der Vergangenheit angehört und
selbstbestimmt im Prinzen- oder alle solidarisch, selbstorganisiert, frei
Bürgerpark treffen will, bekommt es von Ausbeutung und Unterdrückung
ebenfalls nicht selten mit der Polizei leben. Die Stadt gehört uns, wenn wir
zu tun. Hierfür muss schon wieder der sie uns nehmen.
Umweltschutz als Legitimation her-
e r m i n e :
T
Samstag 15. Mai 2004
Veranstaltung:
Fear of a Kanak Planet - Hip Hop zwischen Weltkultur
und Nazi-Rap
20 Uhr im Jugendzentrum Drachenflug, Frankfurter Straße 253
mit anschließender Party

Jeden Montag 19 Uhr


Aktiv werden gegen Nazis und staatlichen Rassismus!
Kommt zur Jugend Antifa Aktion (JAA)!
Im Antifaschistischen Café
Cyriaksring 55 • 38118 Braunschweig

Jeden Freitag ab 20 Uhr


Antifaschistisches Café
Antifaschistische Aktionen, Informationen, Diskussionen,
Veranstaltungen, Filme, Flugblätter, Zeitschriften, Bücher,
Plakate, Aufkleber, T-Shirts, Anstecker, Aufnäher ..
Cyriaksring 55 • 38118 Braunschweig

http://www.antifacafe.de.vu