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Genetische Vielfalt in südamerikanischen Mais-Landsorten

Eine Quelle für die Energiemaiszüchtung?


(Bachelorarbeit)

Prof. Dr. Karl Schmid


Fachgebiet Nutzpflanzendiversität und Züchtungsinformatik
Institut für Pflanzenzüchtung, Saatgutforschung und Populationsgenetik (350)
Universität Hohenheim

25. Mai 2011

1 Hintergrund
Im vergangenen Jahrzehnt hat sich Mais zu einer der wichtigsten Energiepflanzen in Europa ent-
wickelt. Dieser Erfolg wurde durch die Züchtung von Maispflanzen erreicht, die auf eine hohe Ge-
samtbiomasse selektiert wurden. Die genetischen Grundlage für die Züchtung von Energiemais ist
die Einlagerung von Genen, die den Blühzeitpunkt auf eine späteren Zeitpunkt verschieben. Da-
durch bleibt die Pflanze länger im vegetativen Wachstum, baut Biomasse auf und investiert erst
später in die reproduktiven Organe.
Die eingelagerten Gene stammen von Genotypen ab, die an Kurztagbedingungen adaptiert sind.
Da in Europa erst im Herbst Kurztagbedingungen vorliegen, wird eine lange Phase des Biomasseauf-
baus möglich.
Landsorten aus den Äquatorialregionen in Südamerika wie Peru und Ecuador sind sehr gute
Quellen für Kurztagsgene. Zusätzlich kann man in südamerikanischen Landsorten auch Gene für
Kühletoleranz finden, vor allem in Landsorten, die im Andenhochland wachsen, weil dort Nachts
empfindliche Kälte herrscht. Ein Beispiel für die Verwendung von exotischem Material in der Ener-
giemaiszüchtung ist in Abbildung gezeigt

2 Projektbeschreibung
Mais gelangte schon vor mehreren tausend Jahren nach Südamerika und hat sich seitdem in viele
unterschiedliche Landsorten diversifiziert. Ziel des Bachelorprojektes ist es, mit Hilfe eines Daten-
satzes von Einzelnukleotidpolymorphismen (SNPs) die genetische Struktur von südamerikanischen
Landsorten zu untersuchen, und mögliche Donorlinien für die Einkreuzung in moderne europäische
Sorten zu identifizieren. Des weiteren soll untersucht werden, inwiefern die Umweltbedingungen der
Herkunftsorte mit der genetischen Distanz korrelieren. Mit anderen Worten, sind sich Landsorten,
die an ähnliche Umweltbedingungen adaptiert sind auch genetisch ähnlicher? Falls dies der Fall ist,
kann davon ausgegangen werden, dass die entsprechende Anpassung an den Kurztag und an die
Kühletoleranz nur einmal oder wenige Male entstanden ist. Im umgekehrten Falle kann geschlos-
sen werden, dass die Anpassungen mehrmals unabhängig voneinander entstanden sind und somit

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Abbildung 1: Beispiel für die Verwendung von exotischem Zuchtmaterial bei der Energie-
maiszüchtung der Firma KWS SAAT AG (Quelle: Schmidt und Landbeck).

in südamerikanischen Populationen eine grosse genetische Vielfalt für diese Merkmale zu erwar-
ten ist. Ein Ergebnis dieser Arbeit ist die Identifizierung neuer Donorlinien für die Einkreuzung in
europäisches Material.

3 Methoden
Die Bachelorarbeit ist im Wesentlichen eine populationsgenetische Analyse von bereits publizier-
ten genetischen Daten von mehreren Hundert lateinamerikanischen Landsorten. Es sollen folgende
Parameter untersucht werden:

• Populationsstruktur

• Beziehung zwischen genetischer und Distanz

• Ausmass der genetischen Differenzierung von Landsorten

• Beziehung zwischen Umweltdistanz und Distanz

• Selektion einer Core Collection mit, die eine hohe genetische und Umweltdistanz aufweisen.

Die Arbeit wird mit Hilfe von SQL Datenbanken, dem Statistik-Paket R und verschiedenen
Programmen für die Populationsgenetik durchgeführt.

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4 Weiterführende Literatur
• Van Heerwaarden et al. (2011): Genetic signals of origin, spread, and introgression in a large
sample of maize landraces. Proc. Natl. Acad. Sci. USA, doi:10.1073/pnas.1013011108

• H. Burger und W. Schmidt (2011): Züchtung und Anbau von Energiepflanzen - Eine Chance
für den Ökolandbau; http://www.kws.de/global/show_document.asp?id=aaaaaaaaaainfsw

• W. Schmidt und M. Landbeck: Züchtung von Energiepflanzen aus der Sicht der Industrie am
Beispiel Mais. http://www.fnr-server.de/cms35/fileadmin/biz/pdf/energiepflanzen/
SCHMIDT_FAL_FNR.pdf