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€rßf ttorfcfunfl.

$ e r SiuSbrucf „^itofo^ie ber Sinologie" fefet bie SK^t^otogie


jum Borau« in eine 5fiaffe Bon ©egenftanben, bie nidjt biofj ¿ufäflig,
nidjt etwa« bloß ©ematite«, gaftice« (faetitii quid) ftnb, fonbern bie
mit einer Slrt Bon 9ietl)toenbigfeit eyifiiren. 3)enn, 3. 93. wenn td>
foge: $f)t(ofo(>ìjte ber 9?atur, fo fefee tcf) bamit eine gewiffe SftotfywenbigFeit
ber (Sjtfìenj ber 9?atur Borau«. (Sbenfo, toenn id) fage: ißfyilofopljie
ber ©efàitye, ijtyilofopljie bei Staat«, ?tyiiofop$ie ber ffunft. Db=
giei$ e« fdjeint, taf? ber Staat etwa« ton 9J(enfd?en © e n t a r t e « fetj,
bie Äunft etwa« unleugbar Bon SDienfdjen 3lu«geübte« ift, fo fege id>
bodj »oraué, bafj bent (Staat fotoo^l ale ber ihm fi eine Bon ber 2BtH=
für ber ÜKenfdjen unabhängige SReaiität jufomtne, ba§ in beiben not§
anbere SKädjte walten al« tnenfcfylicfye SHSittfür, ober baß biefe wenig«
fttn« in beiben nodj einem ^ötyeren ©efefc unb einem über fic felbfl
erhabenen ißrincip unterworfen fetjen. © i r wollen, um ben aUge«
meinften 2Tu«brurf ju wählen, fagen : 3 n jebem ©egenfiaub, mit beut
ber 33egriff ber ißtyilofo^ie auf bie angejeigte SBeife in ©erbinbung
gefegt Wirb, müffen wir eine ©afyrfyeit Borau«fefeen; er barf nichts
Blog ©emadjte«, 6ubjeftioe«, er mufj ein toaljrljaft Objeftioe« fetyn,
wie 3. 33. bie 9?atur ein Objeftiee« ift. © f r e i e n wir alfo Bon einer
ißtyitofopljie ber SJtytfyologie, fo müffen wir audj ber -Dittologie objef»
ttoe SZBafjrfyett jufdjreiben. Slber eben bieg füllen wit un« auger ©tanbe
j u tfym, ja gerabe ba« ©egentljeil ber S B a ^ e i t fefyen wir in ber
Sinologie. (Sie erfcfietnt un« juerft, wie man au$ tnSgemein fld^

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260 (XII 4)

auéjubrüíen p f l e g t , a t é eine r e i n e g a b e l t o e l t , b i e totr u n « enttoeber n u r

o l « eine r e i n e S r b i ( $ t u n g ober toenigftené n u r a l é eine entftellte 9 B a h r h e i t

b e n f e n !i5nnen. 2 l n einem f o l g e n (5rjeugni§ aber íjatte b i e ^^tíofo^te

nichts j u t^un. ®aé toafjre SJerfyältnifj ber ißhtlofophie j u r SJtythologie

lonnte baljer fo íange nidjt gefunben toerben, a l é n i d j t b u r d j eine fort«

gefegte Ä r i t i F , bur<h E n t f e r n u n g n n b Slbfonberung atteé bloß §t)potfye=

tifien in ber bisherigen 3Iuffaffungé= unb GÉrFlarungétoeife baé rein

Ifyatfadjíidje ber SDÍtjt^clogie ermittelt toar. (Solange man eine

bloß f u b j e f t i c e ß i t t f t e i j u n g ä r o e i f e ber S D i ^ o t o g i e (tote i n a l l e n früheren

SrFlärungen) annahm, folange m a n eé f ü r m ö g l i d j a i t f e f j c n Fonnte, baß

in ber Sfttythologie ein — religiofeé ober l>í)iIofopfyifdjeé — nur auö

feinen g u g e n gefommeneé © A f t e r n e n t h a l t e n fetj, b u r f t e m a n ber íp^iío»

fopljie baé untergeorbnete ©efdjcift a n t o e i f e n , biefeé i n ber SKtjttyologie

angebli^ begrabene unb gleicfyfam serfc^üttete S o f t e m j u eruiren unb

a u é feinen Srud^ftüdfen toieber jufammenjufeßen. Slber baé SSerhältnijj

ber ^ ^ i í o f o ^ i e ertoeiét fítf» u ñ é j e ß t a í é ein g a n j »erfchiebeneé. SBJir

^aben i n b e n f r ü h e r e n V o r t r ä g e n ge3eigt, b a ß bie ÜWtythologie eine ganj

anbere DbjeFtitoität ift, alé irgenb ein toiffenfdjafttidjeö ober religiofeé

©Aftern, ffiir ^ e n fie f ü r ein i n feiner 2 l r t ebenfo r e a í e é , nothtoen«

bigeé unb allgemeines ^Phänomen eríannt, até bie Sftatur ifl. ®er

t^eogonifc^e ^3rcce§, in bem fte entfielt, erfolgt nktyt n a d j e i n e m be»

f o n b e r e n ©efefc beé S e t o u ß t f e t j n ö , f o n b e r n n a d ) e i n e m a l l g e m e i n e n , toir

f ö n n e n f a g e n , nad) einem S B e l t g e f e f c — er tyat f o é m i f ^ e S e b e u t u n g ;

fein Sn^att ifl batyer ein allgemeiner, feine SDíomente ftnb toatyrljaft

objeFttoe S J i o m e n t e , feine © e f i a l t e n b r ü i e n nothtoenbige unb in biefem

© i n n e nit^t b l o ß »orübergetyenbe, fonbern immer bleibenbe S e g r i f f e a u é .

Der t^eogonifc^e ^roceß ifl felbfl ein allgemeiner S e g r i f f , b. f). b e m

au¿h u n a b h ä n g i g b o n b e m m e n f $ l i $ e n Söetoußtfehn u n b a u ß e r bemfelben

Sebeutung juFommt. SReetle gortf(dritte (»on bloßen meift burdj fte

e r f t » e r a n l a ß t e n f o r m e l l e n 5 3 e r b e f f e r u n g e n tso^I j u u n t e r f d j e i b e n ) h a t bie

^hüofophie nie gemadjt, alé tn golge einer erweiterten Erfahrung;

nidht immer, baß neue S^atfadjen fid} h«borgethan haben, fonbern

baß m a n genötigt toar, i n b e n b e F a n n t e n ettoaé a n b e r e é j u f e h e n , alé

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(XII 5) 261

man in tfjnen ju feiten gewohnt foar. SBte §at fldj, abgefeijen öoit
feinem frittftfyen SBerbienft unb feioß materiell genommen, bie SBelt ber
ißljiiofopljie burdj ifant erweitert; »oburdj anber«, al« toeil fidj bie
ìfyitfadje ber menfd)[i(^en greifyeit, bie fetbft einem ©eifte foie Seibtiij
viel weniger tiebeutet ijatte, ifynt fo angelegen g e m a l t fyatte, baß er
efyet alle« anbere aufzugeben ftd) bereit erflärte. 9?ur ju fcatb nadj i§m
»urbe, loie befannt, ade« anbere toirflidj aufgegeben. ® a inbeß bie
»ergebenen Seiten be« menfdjlidjen SBiffen« ftd) oon felfcft immer
»oieber in« ©Ieidjge»i(fyt fefcen (ber bejìe ©eioei«, baß ber ftyftematifdje
¿ufammen^ang berfelben nidjt etloa« »on ber ißfyilofoptyie ©emac&te«,
fonbern ßbjeftioe« unb 9iatürli<$e« ift), fo trat bie anbere Seite ber
menfdjlidjen Srfenntniß uur um fo mädjtiger fjeröor. (Solange man
bie 9?atur al« ein bloß paffioe« ffiefen betrachtete, ba« nichts ju tl)un
$abe al« ftd) e r r a f f e n unb in feinem Setjn erhalten ju laffen, fonnte
man ftd) mit bem unöerftanbenen Segriff ber Sd;opfung auf ber einen,
unb einer bloß formellen QErfenntniß ber üftatur auf ber anbern Seite
begnügen. Slber feit im ©egenfafc mit einer einfeitig ibealiftifdjen fyfo
tofop^ie erfannt toorben, baß bie 9iatur fein bloße« 9<ìi$t = 3 d j , nidjt=
Setjenbeé, fonbern felbfl an<§ ein ^SofitieeS, ein ein Subjeft*
©bjeft fety, mußte fte al« notfymenbige« Element in bie ißfyilofopiiie
eintreten, »oburdj allem fdjon btefe in ifirem Onnern fo »eränbert »urbe,
baß e« ifyr unmöglich tourbe, auf einen ber früheren Stanbpunfte jurilcf--
jufeljren.
SDie man fic^ aber im 2lßgemeinen gegen Srtoeiterung einmal ge«
faßter ©egriffe firäube, erfannten £§atfa$en fann feine ned) fo einge-
wurzelte üDenfart in bie Sänge totberfteljen. 2Jìan barf al« ftdjer an=
nehmen, baß h>a« einer ¿ f i t al« ißijitofo^fjle gilt, ßet« nur ba« SRefultat
einer getoiffen S u m m e »en SC^atfa^en, ober auf biefe beregnet ift;
toa« außer biefem befdjränften Greife liegt, toirb ignorirt, im ©unfein
gehalten, ober burdj meljr ober toeniger feilte itypottyefen bet Seite ju
Rieben gefudjt. SRatürlidj, baß eine gerabe geltenbe SDenfart e« ungern
fietyt, h>eitn ifyatfadjen, bie fte befeitigt glaubte, fyerborgejogen ober audj
nur in ein bebeutenbere« £id)t geßetlt toerben, al« fte bi«fyer ifjnen ju

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262 (XII 6 )
gönnen für gut gefunben Ijatte. § a t bodj felbft ©oettye nur langfam
über ftdj gewonnen, jujugeben, bag neue geognoftifdje SZBa^rneijmungen
onbere ßrflärungen nötljig madjen iönnten, als er fei« ba^in fefigefyalten
fyatte
$>ie Segriffe bet nad) 5i<$te gefommenen ^Ijilofopfyie nuteten fic^
ua<$ bem W a « f i e f a n n t e , unb audj jefct nodj fönnen ftdj »tele nic^t
torfietlen, eS fet) um eine anbere SBelt j u tfyun, als bie tynen Bor
5 0 üatyren gejeigt teorben. Stfeer eS ifi außer biefer nod> eine nic^t
weniger reelle, Weldje ju ¿eigen biefe Vorträge ben Slnfang gemalt
tyaben, bei benen eS freiließ ntan<§em, ber eine b(o§ fyiftorifdje Unter»
fudjung erwartete, nit$t anber« j u 5D?utfy fetjn bürfte, al« nad> ^erafteito«
benen, bie in bie Unterwelt §inabfleigen, bafj fíe nämlicty finben, wa«
fíe ntc^t erwarten notfy meinen 2 .
SBenn e« aber gilt, Bon Unnatur unb formeller Siufgeblafen^eit j u
SRatUr unb gefunbem, fernigem SBiffen jurütfjufüfyren, ba barf man
f i $ tnof)t an bie Strt erinnern, wie ©ofrate« in mannen platonifdjen
©efprädjen ju SEBerle gefjt, tto er, ton wtfdjeinbaren unb auf ben erflen
SBIiif fogar frembartigen Serantaffungen auégefieitb, ben ©djüler burdj
f r a g e n , bie un« alé wafyre flinberfragen erftfjetnen, Bon bent falfdj«
pfytlofopbtfdjen <3<$tt)utft ju befreien, unb bann aber, wenn biefer wie
ein 9?aud) fyinweggeblafen ift eben benfelben burd> eine unerwartete
Sßenbung unmittelbar Bor bie bödmen ©egenflänbe ju fieHen weiß, fo
bajj ifjnt, wa8 in unerreichbarer gerne fcfyien, in überrafttyenber
unb in einer Klarheit erfdjeint, beren (Sinbrurf bleibenb ift unb it>n
für immer gegen aßen 5)ünfet unb leeren ®unft ftdjet jleHt. ©ofratifdje
©efprä^e ftnb ntc^t mefyr für unfere ¿ e i t , aber auf äfynli^e Sßeife war
bodj ba« Sluégeíjen Bon 2Jtytfyologie gemeint, Tmb eg bat j u r 3 " * «
td) biefe SBorträge anfing, biefe« Sluigcfjen Bon einer großen, allgemeinen
unb für jeben offenliegenben (Srfdjeinung mir auf äfyntidie SBeife gebient.

1 92a$ge(affene ©giften 11. £f>. ©. 190.


" Adía OVA cüítovrai oiSi SOAÍOVÓIV. Clem. Alex. Strom. IV, 26.
' Sinfpieluug auf 2lu«triicfe bei ípíutar^ in ber Stfcfyanbtung de Deo So-
cratis.

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(XII 7) 263
SBettn tf einem bürren gormalifimu« unter Segfinfiigung jufaütger Um»
ftänbe gelingen fonnte, bie Duetten magrer Srfenntniß auSjntrotfnen,
bie ^ilofoptyie für eine ¿Jeit lang mit einer 8lrt Bon ©tupor ju f r a g e n
(stuporem philosophiae inducere), fo burfte man hoffen, bafj f ^ o n
ba« Jlnfötiegen an eine frifdje, »on ber ^J()ifofop^ie bis jefct unberührt
gebliebene 2^atfat^e biefer fetfeft eine neue Setoegung mittfjeiien »»erbe.
SBenn enge unb beengenbe Wrtftdjten in ber ipfytlofo^te eine gteidj enge
© p r a d j e jur goige gehabt Ijaben, in ber feine SluSeinanberfefcung
moglidj ift, unb bie, toetl fte auf alles nur einen gewiffen 5frei« »on
gormein unb Lebensarten anjutoenben Ijat, julefct in ein toaljre« 3rre»
reben ausartet, fo ifi f<$on biet gewonnen, toenn bie Unterfu^ung auf
einen ©oben »crfefct, auf einen ©egenjtonb gerietet toirb, ber neue
9Jfittel be« begreifend forbert, unb inbem er bie Hntoenbung ber alten
certoirrenben gormein nic^t mefyr geftattet, ju freiem unb flarem Änfc
brutf n ö t i g t .
2Btr toerben alfo um fo me^r un« aufgeforbert fügten, bie i^at»
fa$e ber SK^oIogie, bie toir im erften St^eil biefer Sorlefungen ju
begrihtben gefugt ^aben, ton bem ißunft au«, an toe[<$tm toir fielen
geblieben f m b , weiter ju »erfolgen. Dfynebie§ ^at un« bie frühere
llnterfu^ung auf ein Öiefuitat geführt, bei bem toir ni$t fielen bleiben
fiinnen.
®ie 5Dh?tfyo(ogie ifi un« erfannt al« Erjeugnifj eine« t^eogonif^en
ißroceffe«, in ben ba« Onnere ber 2Kenfd$«t mit bem erfien totrfit<f)en
33etoufjtfet)n »erfefct ift; aber biefer Segriff be« ttyetfgonifdjen ^ßroceffei
ift felbfl ein blofj burd? ©djlüffe, wtöertoerflidje jtoar — aber er ifi
nidjt ein » o n f i d j f e l b f t , » o n f e i n e n e i g e n e n ^ ß r ä m i f f e n au«
gefunbener unb erfannter. @r ift nur bie ©renje, bi« ju toelc^er toir
auf bem SBege ber Ijffiorifc^=^itofopfiif^en Unterfudjung gelangt ftnb,
ber ißunft, an bem toir fte »orerfl abgebrochen Ratten. ®enn ba toir
un« gefielen mußten, bafj um einen foldjen, auf einem realen, »on ber
Vernunft unabhängigen 53eri)ältniß be« menfdjlidjen Setoujjtfetyn« ju
©ott berutyenben ißrocefj ju begreifen, bie gegentoartige ^ i i o f o ^ i e feine
ÜRittel barbiete, fo »eraitlafjte un« bieg »on unferem unmittelbaren

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264 (XII8)
©egenftanbe eine ¿eit fang unö ju entfernen, auf bie rein p$iiofop^tf$e
ßnttouflung überjugefyen unb bie ganje rationale ^p^itofcptjie barjuftellen,
um ju jeigen, tote biefe felfcft jule^t mit ber gorberung ber pofitiben
<ßljitofoptyte enbigt. 2ötr fönnten nun alfo festere enttoicfeln, fomit ben
SBerfudj machen, unmittelbar bon ben Anfängen ber pofitiben ^3^itofo^ie
au?, erften« }U bem S3egriff eine« tfjeogonifdjen ^roceffe« ü b e r h a u p t ,
unb bon ba jtoeiten« ju einem foldjen i m 33etoufjtf etjn ju gelangen.
SlHein bieg ifl jefct nid>t unfere Slbfidjt; toir behalten unS biefen SBeg
für einen anberen SSortrag bor, unb treten nun bielmeljr auf unfern
früheren (anatytifdjen) 2Beg juriidf, inbem toir baa julefct gefunbene
9iefultat toieber in feine 33orau«fefcungen »erfolgen.
D i e närfjfte Soraugfegung nun aber beä tlieogonifc^en ißroceffe« if)
un8 bereits borläufig unb i m S l l l g e m e i n e n gefunben. Diefe 33orau&>
fefcung ift ber mit bem SBefen be« ÜJJenfd^en gefegte potentielle SDlono*
tfyetSmuä. Ott jenem angeblich natürlichen 9Jionotfyei«mu8 be8 S3etoufjt=
fetjn«, biefem 2ftonotfyeiSmuS, ben eS an ftcf> fyat, ben e« nidjt loS
toerben fann, — in biefem mit if)tn bertoadjfenen 3D?onot^ei«mu8 atfo
mufj ber Orunb ber tfyeogonifäen Bewegung be« Setoujjtfetyn« liegen.
®iejj boraulgefefct, ift aucfj leicht einjufe^en, baß ber Segriff be« 9Jio»
n o t t y e i ä m u S ü b e r h a u p t ba« ©efefc unb gleit^fam b e n <5<$lüffel
ber tfyeogonifdjen Söetoegung enthalten muß. SSon bortljer müffen bie
gaftoren, mufj ber ganje Onfyalt be« ttjeogonifdjen ^roceffeö gefunben
toerben.
Stuf biefen Segriff (ben be« 5MonotfyeiSmu3 überhaupt) ijat ftdj
nun alfo bie nädjfte Unterfudjung ju rieten, unb jtoar nidjt auf bie
SQSetfe, baß toir tijtt fetbft bon bont, b. lj. bon ben attgemeinften ißrin*
cipien abjuleiten fudjen, fonbern toie früher bie SDit^ologie, toerben toir
jefet b i e f e n ®egrtff als eine Sljatfadje befjanbeln, unb nur fragen,
toaS er bebeute, toaS fein eigentlicher Onljalt fety, toobei
nicfytS borauS angenommen tfi, als eben nur bieg, bafj er einen Onljalt
unb eine 93ebeutung fyabe.
®en Segriff bes 5Dionotf)ei«mu« auf biefe SSJeife felbft glet^fam
al« Sfyrtfactye ju befyanbeln, ijat um fo toeniger <5$toierigfeit, als unter

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(XII 9) 265

bet ganjen 2)íaffe pfyilofol^ifdjer ober religiofer Segriffe feiner fldj

fmben möchte, bet i n foldjer Slllgemeinfyeit a l s ber ü b e r h a u p t toaste

jugeftanben teäre, »Denn aud; über feinen «Sinn ober eigentlichen S n l j a l t

feineétoegé eine auégefprtfdjene l l e b e r e i n f t i m m u n g borfjanben feijn follte.

Sr ift 1) ber gemeinfcíjaftíidje ÜJiittelpunft ber mtytfyotogifdjen u n b ber

geoffettbartcrt S i e l i g i o i t : tn biefer ift er ofyne alle g r a g e ber ^>ötfjfte S e »

griff; erftere aber ift ofyne j u ©runbe liegenben SKonotfyeiémué nic^t

ttirflid?er í{3cít)tf)eiémuá; 2) felfcft bic fogenannte S e r n u n f t r e l i g i o n will

ii>it toenigflené e n t h a l t e n ; benn b a f ü r toill bocfy jeber, ber nictyt gerabeju

fld^ até Sltfyeift e r f l ä r t , angefe^en fet)it, Da§ er fein <ßoltjtfyeift, a i f o bajj

er e i n üJJonotfyeift i f t ; ob er eé b a r u m h>irftidj u n b i n ber toafjren Sebeu»

t u n g fet), ift freiließ nodj eine grage.

SDÍit t i e f e m 23orbefyalt a i f o , bafj fein eigentlicher O n i j a l t näfyer be<

ftimmt »erbe ( u n b eben bieg ift unfere 2J6ftdjt), iafjt ifyn j e b e r gelten,

unb eé möchte feine Unterfucfyung fetjn, bie ftc^ m i t allgemeinerer

f t i m m u n g a n f a n g e n ließe a l s eben biefe.

Um bafyer eine Ueberfi<$t beé SBegeé j u geben, ber nodj jurücf*

julegen ift, fo w e r b e n toir 1 ) ben © i n n ober näheren 3 n l j a i t beé Se=

griff« j u e r f o r f ^ e n ^aben, ein © e f d j ä f t , bem w i r bei feiner möglichen

Änfidjt u ñ é etitjieijen fönnten. 3n einer U n t e r f u ^ u n g , bie ben ißoIt)=

ttyeiSmuä j u m ©egenftanb fyat, m u ß atleS fdjtoanFenb fetjn, f o t a n g man

nic^t mit toölliger (Sicherheit toeifj, toaé fein ©egentljeit bebeutet. 3n

ber früheren S n t w i t f l u n g 3toar Rafeen toir biefen S e g r i f f f d j o n i m ®egen=>

fafc j u m bloßen í h e i é m u é , ber n u r überhaupt ober ünbeftimmter Sßeife

© O t t fefct, tf»et£ö i m ©egenfaß j u bem bíofj relativen SUÍonot^eiémuá,

ber i m © r u n b e fetyon SPoltjtheiémué i f t , beftimmt, in jener Sejie^ung

ató ben beftimmten Segriff beé magren ©otteé, in biefer alé ben

Segriff beé abfolut ober tcafjrfjaft S i n e n . Sorlauftg War bteß f)in=

reidjenb. Slber eben w o r i n bie i o a f y r e Einheit unb bemnad) überhaupt

b i e SBJa^r^eit © o t t e é b e f i e l e , b i f f j ift bie g r a g e , bie u ñ é j u Beantworten

bleibt, unb ftnb trofc aller Semii^ung in ber bisherigen ffintttjtcfiung

3>unfelljeiten ober Unbeftimmt^ieiten jurüdfgeblieben, bie toir ntdjt ent=

fernen fonnten, fo f m b eS eben foldie, bie m i t ber S e a n t t o o r t u n g biefer

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266 ( X I I 10)

grage ¿ufammenfyängen. S e i einer Unterfu<$ung8toeife wie bie gegen*


»artige, bie toorn nod) ttnbeft mimten auSgefyenb burdj aufeinanberfolgenbe
Seftimmungen erfi bag SBaljre errettet, fanti nur ba8 enbiidje lefcte
9iefuttat öoUfommene Sefriebigung g e h ö r e n . ®er Sefjrer muß Ijier
ba« Sertrauen ber ¿u^iörer in 2infprud) nehmen, baß et fte nid)t einen
» e r g e b n e n 2Beg füfjre. ©efegt fobann — unb w i r fyaben aKe ilrfadje
bieg anjuneljmen — e« fänben ftd) in bem oerftanbenen S e g r i f f (be#
2)lonotfyei«mu«) bie (Siemente, bie unä in ben ©taub fegen, einen
t^eogonifd^en ^ßrocejj ü b e r h a u p t j u begreifen, fo werben unä
audj bie SWittei gegeben fetjn, einen ttyeogonifäen ^roce§ beS Se»
m u f j t f e t j n « alä einen m ö g l i c h e n , unb unter einer getttffen SSorau«=
fegung notljtoenbigen einjufeljen, unb bann erft, Wenn bie SKöglidjfeit
eine« tfyeogonifäen ißroceffeS i m Setoufjtfeljn gegeben i f i , werben wir
3) baran beulen bürfen, bie 2 B i r f itcfyf e i t einer folgen (tfyeogonifäen)
Sewegung beä SetoujjtfetjnS an ber 3Jitjti)otogie feibfl nadjjuweifen.
®a0 Segte wirb erfi bie unmittelbare GrrHärung, e8 w i r b bie $ fy 11 o-
f o p f y i e b e r 2 J ? t j t i ) o i o g i e feibji fetyn.
* *
*

Sßir nehmen aifo jegt ben S e g r i f f be« 3Jtonofyei«mu8 al« einen


cor^anbcnen an, unb bie 5tage ift Blofj, tta« er enthält. (58
fytnbelt ftdj nidjt b a r u m , einen nod) überaß nidjt toorljanbenen Se»
griff ju gewinnen ober ju erjeugen, fonbent nur ft(§ betou§t ju
werben, toa« in einem fdjon uorfymbenen unb allgemein ¿ugegebenen
Segriff gebadjt werbe unb toa8 in tfjm nidjt gebaut werbe. ÜJian
lijnnte j w a r biefer Erörterung be« Segriff« 2J?onotfyei«mu3 gleich mit
ber grage entgegentreten, wa« benn Wo^il a n biefem ehifadjen unb jebem
Ä i n b e , baS einen <$rifHid)en SieligtonSunterridjt genoffen fyat, belannten
Segriff oiei j u erörtern fetyn werbe, unb hierauf w i l l td£> audj juerfi
antworten. — 3ebe (Erörterung eine« Segriff« fegt einen ¿toeifel über
ben toiffenfityaftiicfyen ©tun ober Onljalt be« S e g r i f f s oorauS. 2Bie
fijnnte aber ber Onfyalt eine« Segriff« jteietfetfiaft fetjn, in bem »ir
inSgefammt geboren unb erjogen ftnb, unb ben w i r al« bie fegte ®runb=
(age unfrer ganjen geifiigen unb ftttiidjen S i t b u n g erfennen müffen ?

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(XII 11) 267

2Benn trgenb ein anbcrer, müßte bod) (fo fcheint e«) biefer Segriff
außer ¿weifet ßcftellt fetjn, ber noch überbteß nidjt ber bloßen @<hule,
fonbern ber Sföenfchheit angehört, unb nicht bloß ein toiffenfdjaftlidjer,
fonbent ein n>eltgefdjidjtli(fyet Segriff ift. — ¿unac^fi nun »iH ich nic^t
leugnen, baß nad) ber gewöhnlichen Grrilärung ber Segriff be8 SD?cno=
t^eiSmn« freiließ ein gewiffermaßen bon feibft ftdj »erfie^enber, infofern
auch boHfommen florer ift. Äfcer eben biefe« fld) bon feibft Serfteljenbe
be« Segriff« bilbet ^ier bie ©chwierigfeit. 2Ran feilte boch glauben,
ein Segriff, beffen geflftettung in ber 2Renf<$$eit fo lange Sümpfe er»
forberte, ber erft feit etwa anbertyatb taufenb darren junt ^errfdjenben
geworben tfi, unb auch jefct, jwar bie beffere unb gefittetere, aber boch
immer nur noch bie Heinere $wlfte be« ÜJienfdjengefdjlechW be^errföt
— ein földjer Segriff müffe ein Begriff Bon befonberem I n h a l t ,
nicht ein unmittelbar unb »on feibft ftch berfte^enber fetyn. de »tätiger
unb burd) feinen weltgefch«htlichen (Erfolg bebeutenber biefer Segriff ge«
toorben ift, befio me^r atfo mu§ eö erlaubt fetyn ju 3 weif ein, ob ber
angebiidje 3n^alt beffelben aud) ber wahre unb totrflidje fei>. 2Jian
tonnte bagegen jwar einwenbeit: SEBenn biefer Segriff feinem Wahren
On^wit nach nicht berflanben ift, wie (onnte er biefc $errf$aft Aber
ben einfi$t6boHeren, burdj 2Biffenf<haft gebilbeten Streit ber 2Renf${jett
erlangen? 2Wein auch fonfl finb bie (Sachen in ber 3Reuf(^eit eher,
als bie wiffenfdjaftlidjen Segriffe berfelben, wie ba$ Äönigtfyum feit un=
benflichen 3«itett in ber SBelt ift, unb bennod), wenn man ^eute Um=
frage halten wollte über beffen eigentlichen Orunb unb tta^re Sebeutung,
Würbe man bie berf^iebenfien Antworten erhalten. — SBie oudj jener
erfie große Uebergang bon ber Sielgötterei jur STuerfennung bc« einigen
©otte« bermittelt werben, buref) SBiffenfchaft, ober bielleicht überhaupt
auf eine ber bormaligen 2T2ettfd)fjett begreifliche SEBeife, tfi er nidjt bewirft
Worben; e« tonnte atfo leidet fetyn, baß bie fpäter hinjutretenbe ¡Reflexion
über bie eigentliche Urfadje, b. h- über ben wahren Ontyalt beS Segriffe,
burdj ben btefe große Seränberung ^ercorgebracht »orben, ftch getäufc^t
hätte. Oft nun aber ein erwiinfd)ter unb jebem erfreulicher ¿ufianb
begrünbet, fo fragt man nicht mehr nach feinem Urfprung, man richtet

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268 (XII 12)
fidj barauf ein, tfyn ju genießen unb ju benufcen, ofyne feiner ©ranb=
läge t»eiter nadjjuforfdjen, ja man ttagt (ange ¿eit nic^t, biefe mit
freiem Sötidf ju betrauten, jum S^eit aus gur^t, ba8 ganje ©ebäube
ber angenommenen Eefyren unb Segriffe ju erfc^üttern. ®a« allgeineine
Slnerfanntfetyn eine« ©egriff« leiflet überhaupt feine fixere ©ürgfdjaft
für beffentoiffenfdjaftlidjeGtrgrünbung, unb man fönnte bielmefyr oljne
ißaraboyie behaupten, bietoiffenfd;aftlidjeSrgrünbitng eine« ©egriff«
flc^e meift im umgefefyrten 93erf)ältni§ mit ber Stllgemeinljeit feine« ©e»
Brauks. 3n ber SReget ftnb e« gerabe biejenigen Siegriffe, beren jebev
ftc^ berühmt unb bie gleictyfam in beflänbiger äntuenbung finb, bie am
©linbeften gebraust toerben; jeber »erlagt ficfy auf ben anbern unb benft,
ein foletyer allgemein gebrauster ©egriff müßte bod) toofyl außer allen
3»eifel gefteüt feqn.
3Ran fönnte fidj nodj fpecieH barü6er rounbern, baß fyeutjutage,
»ornandjeJfyeologen in ber i|31jtiofopf)ie fo frudjk unb erfolglos gleidjfam
nicf)t fyodj genug fiefy »erpeigen tonnen, e« nidjt einmal Einem biefer
$erren, j. ©. einem 5Daub, eingefallen ift, nur »orerft biefen erften
unb, toie e« fdjeint, etnfadjften ©egriff in« SReine ju bringen, elje fte
fidj fo bt8 in bie Untoerftänblidjfeit »erlieren. 333er toeiß aber nid)t,
baß ei ein allgemeiner giefyier be« ÜWenfdjen ift, im SOJeiten unb Unges
meffenen ju fudjert, loa« er ganj in ber 9?äf)efyabeitfönnte, unb an«
Somplicirtefte fiel) 3U ioageii, el>' er bie einfachen ©egriffe tjat.
9ßa« bie Seitreit ber rationalen Ideologen inSbefonbere betrifft, »on
benen man bod) am efjeften eroarten follte, baß fte über biefen ©egriff
»ötlig im ffiaren toären, fo muß idj aufrichtig gefteljen, baß idj in
älteren unb neueren Pefyrbüdjern mtdj »ergeben« nad) einem befriebigenber.
Sluffdjluß über biefen erften aller ©egriffe untgefefyen Ijabe. ©on ben
pfyilofopljifdjen Seijrbü^ern Ijabe tdj bemerft, baß fte meift fachte an
bem ©egriff »on ber Einheit ©otte« »orbeijufcfylei<$en fut^eit, t»afyr=
fdjeiulidj als an einem fidj »on felbft »erftefjenben, ber ju flar fety, al«
baß man nöt^ig i>ätte, bei iljm fidj ju »ertoeilen. Sßa« aber bie
pofiti»en Ideologen betrifft, unb jtoar nicfyt bloß neuere, fonbern felbft
ältere, fo loirb fein Unbefangener urntyin fönnen, aud) bei tynen in ber

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(XII 13) 269
®etyanblung btefeä Segriff« eine auffaKenbe Uttfid&erfyeit, ein ©djtoanfen
felbjt in bent 2lu«brutfe (j. 33. bie beutfdjrebenben toiffcn nidjt, foUcn
fic fagen Einheit ober (Sinjtgfeit ©otte«) unb eine getoiffe »erbä^tigc
@ile wafirjune^men, mit ber fte über biefen erflert aller begriffe fyin-
wegjufommen fucfyen, gleidj als »ertrüge er fein fejte« Auftreten ober
a l s b r a u t e tieferes ©«bringen © e f a & r ' .
®ie Urfadje biefer Skrlegenfyeit ift a u d j eben nidjt f ^ f t e r j u ent«
becfen; benn bie f o r m e t , in tocld^er fie ben Segriff unb bie Ceijre Bon
ber Qtinfyeit ©otteö auSbrücfen, ift bie befannte: baß außer ©ott
f e i n a n b e r e r © o t t iß. (Onbent tdj bei meiner Sritif be« Segriff«
t o n biefer Formel ausgeben toerbc, fo forbere idj ©ie ade a u f , fidj j u
befinnen, ob üljnen eine anbere (ärfiärung beS Segriff« SDtonotfyeiSmuS
irgcnbtoo jemals borgefommen ift).
©etradjten ttrir nämlidj biefe g r f i ä r u n g , fo leuchtet Don felbft ein,
toie jener <Sa&: baß außer ©ott fein anberer ©ott i f t , eigentiidj eine
rein überflüffige SJerfidjerung enthält. ®enn icE> fönnte tootyl berfudjt
fetyn, außer einem © o t t , ben icfy angenommen, nod) e i n e n ober mehrere
anbere j u benfen. SJiadjbem ¡ 4 aber einmal nidit e i n e n © o t t , fonbern
© o t t fctyled^in gefegt fyabe, ift f^iedjterbingö nidjt einjufefyen, toeicfye

' Sit« ©eltei« jener Unfreiheit fann fc^on bie betriebene S t e l l u n g ange«
(eben »erben, bie man tiefem SBegrtff im ©anjen ber <$riflli$en ®ogmatif g
geben I>at. SRan foöte gettifi erwarten, baß biefer Segriff, ber gleicbfam jtoei
SBelten ober jroei ©eiten ber ® e f ^ t e , bie ^eibnif^e unb bie $tiftü<§e, bon»
cinanber (Reibet, au<b gleich juerft, bor alten anbeten unb al« allen ju ©runb
liegenber unb barum a&folut felbflänbiger aufgeflettt »erbe. 3n älteren ?ebr»
bücbern finbet man auch wobt noch bor ber Stbfyanblung ber einjelnen fogenannten
Sttribute ein befonbere« Äa^itel über bie SiuEjeit be« göttlichen Sffiefeti«, noch
j. bei 3 o b a n n © e r b a r b (f. beffen Loc. Theoll. Vol. I I I , c. VI), un«
jhreitig im ©efübt, baß alle«, was in ber gotge gefagt (Derben möchte, bocb n t y
tiger SBeife nur bon bem einjigen © o t t ju fagen fetjn würbe. ®anj anber«
aber in ben früteren. §ier bat bie ©nbeit ober (Sinjigfeit fc$on gleichfam auf»
gehört, ©egenftanb einer befonberen Sehre 3« fetjn; fie erfcheint nicht mebr als
foti^e bciborgeboben, fonbern in ber allgemeinen Seilte bon ben göttlichen ©gen«
ft^aften, gleitfjfatn berfteeft neben unb unter anberen, bie al« gewiffermafjen «orau«
(bon felbft) ftch »erftehenbe angefeben werben, wie bie Gstoigfeit, ba« bon»felbft»@epn,
bie Unenblicbteit u. f. w.

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270 ( X I I 14)
Seranlaffung idj fjaben fönnte, ja »ote eS nur moglid) wäre, ©ott noc^
einmal ober ntebrmalé ju fefcen; c« märe cinc reine Ungereimtheit.
SBenn e§ aber nidjt ein möglicher Orrthum, fonbern eine reine Unge»
reimtfyeit ift, außer ©ott, ben ich einmal ató ©ott gefegt habe, nocí)
einen ©ott ober mehrere ju fefcen, fo ift bie entgegengefegte 2$erfidjeruitg
ató au«brüt!Iicf)e SBerft^erung, ató ®ef)auptimg borgetragen, felbft a u é
eine Ungereimtheit. §ierau8 mßdjte ftcf> alfo too^i hinlänglich bie Urt
uon Slöbigteit erfiären. toeldje Geologen antoanbelt, ttenn fte »on bem
Segriff be« einigen ©otte« ober bon bem 2KonotIjei«mu« Siec^enf^aft
geben folien. ®enn toie foll man betoeifen, toaS niemanb einfallen
fann ju leugnen, ober miberlegen, ma« ebenfotoenig jemanb einfallen
Fann ju behaupten? 2Benn id) auger ©ott einen anberen ©ott auch
nur benfen tonnte, fo fjätte td) jenen fc^on nid)t ató ©ott, fonbern
gleich nur ató e i n e n ©ott gefegt. Umgefefyrt alfo, toenn ich leugne,
baß außer ©ott ein anberer fet;, fo ijabe tdj ifjn bamit toieber nur ató
© o t t , nicht aber alé ben einzigen ©ott gefefet, ein 2lu«brUc!, ber tyier
ööllig pleonaftifdj toare. begegnet fyier ber Geologie getoiffermaßen
ba« ©egent^eil »on bem, toa« bei anberen Dogmen, bie ifyr toegen
ju großer iDunfel^eit ju fRaffen matten; benn íjier ift e« bielme^r bie
ju große Älar^ett, n>a« iljr Ungelegen^eit oerurfad/t; man fäämt fid>
gleidjfam, ató befonbere Se^re, ja ató ®ogma einen <Bai} aussprechen,
ber fit^ fo ganj oon felbft »erfleht.

SBenn bie ehemaligen SBolffianer ft<h nicht toenig bamit mußten,


au« i^rem fogenannten Principium indiscernibilium betoeifen §u tonnen,
baß auch ©ott außer ©ott, obtr ©ott noch «tamal gefegt, boch nur g m
©ott (nicht toirflich ein jmette« SEBefen, fonbern nur baffelbe äBefen
nochmal«) gebadjt feijn toürbefo hätten fte billig erfi jeigen folien,
nie jemanb ba« anfieHen tonne, außer ©ott noch einmal ©ott ju benten.
Uebrigené bient eben biefe Slntoenbung be8 ©runbfafce« be« nicht ju
Unterfiheibenben jum ®etoei«, baß man bie Seljre bon ber Einheit
©otte« toirflich nicht anber«, fonbern ebenfo »erflanben. O n biefern
© i n n , baß A ©ott (toirflich © o t t , nicht eineu ©ott) bebeutete unb
1
©. (EanjenS Usus philos. Leibniz. in Theologia p. 275.

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(XII 15) 271
bann bodj A + A - f A . . . gefegt würbe, fyat es niemals ißotytyeiSmuS
geben fennen; alfo fann audj ba« ©egerttljeii, in bemfeiben ©tnne ge=
bad>t, nidjt aBonotfyeiSmuS fetjn. ®enn entWeber benfe idj überhaupt
ntc^t ©ott, fo ift bieß SttyeiSmu«, ober tdj benfe ©ott, fo fyabe idj iljn
ftfyon als ben fc^fedjtfjin einjigen gebaut, gür ^ßoltJt^eiSmuS i(t Ijier
nirgenb« Siaum. On biefem Sinne Ijatte ^ermann ganj Died)t, toenn
er ben ißolt)tfyeiSmuS a(S eine Unmögii^feit anfat), unb toenn er bem=
gemäß alle« aufbot, bem gefcfyidjtlidj eorl/anbenen WenigftenS in feinem
Urfprung einen anbern unb uneigentlidjen (Sinn ju fudjen. Oft aber
bev ^oltytljeiSmuS eine Unmöglidjfeit, fo ift ÜJlonotfyeiSmu« als befonberer
Segriff nidjt weniger eine Unmögli^feit. ©eibe ^Begriffe fielen unb fallen
miteinanber.
3 d j erinnere ©ie baran, baß nodj toeiter bermöge einer alten,
aber eben barum gebanfenloS geworbenen -Kot^toenbigfeit, wenn »on
bem einjigen ©ott bie Siebe ift, ba« Spitfyeton Wafyr fyinjugefügt
ju werben pflegt, inbem man fagt: ber etnjtgtoaljrc ©ott, unb man
foflte barau« f l i e ß e n , ber watyre ©ott unb ber einjige ©ott fetjen
felbft gleidjbebeutenbe begriffe, bie SBafyrfyeit ©otteS befiele eben in
feiner ©njigfeit, unb umgefefjrt, feine ©njigfeit fety jugieitf) feine
SEBa^eit demgemäß beftimmt würbe jener © a g fo iauten: Stußer
bem einjig wahren ©ott ift fein anberer. Slber wer ift benn nun
ber ©ott, bon welkem in biefem (Sag gerebet wirb, alfo baS
©ubjeft beS (Sage« ? itntwort: ba« S u t j e f t be« S a g e « ift felbft f<f>on
ber einjige ©ott. ®ie 2lu8fage fegt felbft fdjon ben einzigen ©ott
Borau«; benn fte fagt nur tooti bem e i n j i g e n ©ott, baß fein anberer
außer tym fei). 2Ber ift benn nun aber biefer einjige ©ott, »on bem
fte fagt, baß fein anberer außer it>m fety? Stwa wieber berjenige, außer
bem fein anberer ift? Unmöglidj! £>a lautete ber S a g f o : ber ©ott,
außer bem fein anberer ift, ift ber, außer bem fein anberer ift, unb
bie legte Tautologie wäre ärger als bie erfte. Die ©injigfeit, wetdje
im ©ubjeft beS (Sage« fd)on gefegt ift, muß alfo eine anbere Gsinjigfett
feijn, als bie in ber eigentlichen SluSfage behauptet wirb. 9hm ift bie
legte a(S ©njigfeit nadj a u ß e n gemeint, wie barauS erhellt, baß nur

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272 (XII 16)
oou bem gefyrocfyen wirb, ba$ a u ß e r ®ctt mcfit ift. Sllfo fann bte
erfte, bte fd)on int ©ubjeft beö ©afce« auSgefprocfyen, nid^t aud) bte
(Sinjigfeit nacfy außen, fie fann nur bie innere Sinjigfeit fetyn, bie @tn=
jigfeit ©ctteS bejogeu auf ftdj felbft, b. i». bie Sinjigfeit ©otte« a t «
f o l d j e n , unb nur in biefer fann UorauSfidjttid) ber eigentliche SBegriff
be8 9JionotfyeiSmu8 enthalten fetjn. •
ÜJtan i>at 33 e W e i f e für jenen S a j j aufgehellt; benn 33eweife be»
barf e8, bamit ber ©<^ein einer befonberen Seljre entfielt. (Sine ber
gewöfynlidjften Slrgumentationen für bie 6inl)eit ober Sinjigfeit ©ottei
— benn, wie gefagt, fefbft über biefe SiuSbrücfe ift man nidjt ganj einig
— beruht auf beut ©egriff ber fyödjften U r f a d j e . SWun ift ¿war nidjt
ju leugnen, baß eine fyoctyjie Urfadje, inwiefern fie bieg ift unb a l s
f o i d j e , immer nur © n e fetjn fann; aber b i e f e (Sinjigfeit wäre bod}
nid^t jene ganj unbebingte, bie man mit bem ©egriff ©ott »erbinbet;
eine foldje (Sinjigfeit Würbe fiti> ncd) immer audj mit einem bloßen
P r i m a t ober ^ r i n c i p a t »ertragen, ben man ©ott in ber $er»or=
bringung ber Dinge jufdjriebe, fie würbe aber nidjt toerfyinbern, ifym
eine jweite Urfacfye an bie ©eite ju fefeen, bie fegar an fiefy, b. i). ab»
gefefyen bon ber S B t r f u n g , ganj eben baS fetm fönnte WaS @r ift, fo,
baß berjentge, ben Wtr nun ©ott nennen, nicf>t burdj fein SBJefen,
fonbern bloß burdj bie abfolute ©uperiorität feiner S B i r f u n g — bei
$eruorbringung ber SBelt ein au«fdjließlidje8 Siecht auf ben 9?amen
©ott behauptete. SKan liinnte ftd> ba8 SJertyättniß etwa fo »orfleüen,
baß man annähme, jener ©ott, weldjer bie i)ö<$fte unb als foldje
e t n j i g e Urfa^e ift, feg bem anberit in ber erften Slnlage ju einer
©ttyöpfung nur j u b o r g e f o m m e n , biefern aber, ber nun feinen SRaum
für eine eigne ©c^öpfmtg fyabe finben fönnen — inbem alle SWBglidji
feiten einer foldjen fetyon burdi bie erfte erfüllt gewefen — biefem fet;,
ofyne baß er eben als bon Statut böfe ju benfeit märe, aber Wenn er
nidjt ju einer »eiligen unb immerWäljrenbeu Untfyätigfeit ftdj felbft be=
ftimmen tooHte, fo fety iljm nidjtS weiter übrig geblieben, al8 einen
Einfluß auf bie ©djöpfung be« anbern ju gewinnen, woburdj biefem
bann feine ©djöpfung natürlich »erfümmert Worten; ber erfte Urheber

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( X I I 17) 273
Ijabe betn SSerberben j w a r mit aller S r a f t j u fteuern g e f u g t , aber bie
SBirfung einer iljm ir e f e n t l i d j ober a n ftdj gleidjmädjtigen Urfadje
bodj littet fcöHig a u f g e b e n bermodjt; auf biefe Sffieife fei) bann biefe
gemifdjte 3Belt entftanben, in ber ein fteter SBedjfel » o n (Sntfteljen unb
Skrgeljen wahrgenommen Werbe, in ber eine« immer gegen baS anbere
gefegt, nidjtö in feiner »ölligen fauterfeit, unb gleidjfam ofjne einen
verborgenen geinb fei), ber e8 in feinem ÜDafetyn untergrabe; a n biefer
gemifdjten SBelt Ijabe alfe auf foldje 3lit ber anbere bod? audj feinen,
¿war bestrittenen unb untergeorbneten, aber benu b o i ) aud) feinen
gehabt. S o ungefähr fönnte man alfo ber Ì j o c ^ f t e n Urfadje,
ofjne biefen S e g r i f f aufjuljeben, fogar einen anbern, einen ©egengott
an bie (Seite ftetlen. SBoüte man iljr aber audj nidjt einen anbern
@ o t t an bie S e i t e fefcen, f o würbe ber 6lo§e 33egriff ber ljöd)ften Ur=
fadje wenigftené eine geringere ÜJiiturfadje nidjt aitöfdjticgen, etwa eine
urfprünglid) aller D r b n u n g unb aller Siegel wiberflrebenbe 9iatur, über
t r e i b e bann erft gleidj bem 2lnajagorcifdjett vovg bie an ftdj »erftänbige,
ató eine ftärfere, gefoinmcn w ä r e 1 , unb fie O r b n u n g unb Sßerftanb
geteert, bie wiberftrebenbe unb unwillige ber Siegel unb g o r m unter»
Werfen fjätte. Seine biefer beiben 2Tnftcf)ten lägt fidj a u « bem bloßen
SSegriff ber hödjften Urfadje wiberlegcn; noci) weniger aber liege fidj,
wenn man unter ber h o f f t e n Urfadje eine jebe äJiitwirfung abfolut
auSfdjliefjenbe »erfte^cn Wollte, — nod) weniger liege fidj eine ^öcfyfte
Urfadje in b i e f e m © i n n a u « bem Slnblict ber SBelt felbft beweifen,
bie u n « »¡elme^r burdjgängig offenbar jwei in i^rer SBirfung boneinanber
unabhängige ipttueipieu j e i g t , beren eines alter g o r m unb © e f t a l t j u
wiberftreben fdjeint, baS anbere ftetä wieber alle« in bie © g r a n f e unb
ba8 2J?ajj juriirffiiljrt ; aber ob baS eine biefer ^3rinctpten, unb j w a r
ba8 nach unfrer 2lnfidjt minber gute » o n bem befferen (waä auf ¿eben
g a l i fdjwer begreif lidj j u madjen w ä r e ) , ober ob 6eibe gemeinfdjaftüdj
» o n einem Ijöljeren abftammen, ober ob fie » o n je^er in gegenfeitiger
Unabhängigfeit coeyiftirt f>aben, barüber fann WenigftenS bie SBett fein

* Eira vovg éxeXfròv a v r à Situiti[t>j<Siv, wirb als anajragoreiftfy an»


geführt.
Greiling VI. 1H.

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274 ( X I I 18)

.ßeugniß ablegen, ©efefct ober enblid), eS itcßc fidj au« bem Hnblicf
ber SBelt, au« meiner boc§ allein auf bie Urfatfye j u frf>tte§en ftäte,
gefegt, e« ließt ftcfy a u « biefer ein b i l l i g überjeugenber S t f i l u j j ¿teijen
auf bie a b f o l u t e , fd^lecfyterbmg« (eine 2Jlitttirfung julaffenbc ®inl)cit
bet erjten Urfad)e, fo toäre audj bann biefe £>ocf)fie Urfadje, ober © o t t ,
b o $ n u r , toie m a n 3U fagen pflegt, ber J f y r t n a d j , i p s o a c t u , einjig,
nit^t aber ber 3?atur nadj. D i e Ideologen nennen aber bie © n j i g f e i t
©otte« eine ßinjtgfeit ber 9 ? a t u r ober bem SBefen na<$, fo baß eigent=
lidj n i ^ t bloß fein anberer © o t t außer ifym i f t , toie fie geloöfynücf) fidj
auibrücfen, fonbern feiner f e t j n f a n n , baß e« © o t t bur<$ feine 9?atür
unmöglich ift, ettoa« außer ftdj j u Ijaben, fotoo^l b a i ifim gieicf), al«
ba« iljm ungleich toäre '.

@« fcfyeint, m a n fyat bi« jefct bei ber Grnttoitflung be« 33egrifffl


2J?onot|)ei«inu« immer nur an ben eigentlidjen 5ßolt)tfyet«mu« gebaut.
SHTein ba« eben angeführte (Softem läßt ftcf> ntdjt a l « birefter ©egenfafc
be« Ü J t o n o t l j ) e i « m u 8 anfe^en, benn e« ifi i n ber S ^ a t nidjt <ßolt)=
ttyei«mu«. SWan fann nicfyt fagen, biefe Se^re fei) unmittelbar ber fefjre
Bon bem einzigen © o t t entgegen; benn audj i£>r ift ber con tfyr gut ge=
nannte © o t t bo(§ i n ber 22>at ber einzige ioaijre © o t t , ber anbete aber
ber 9iid>t=@ott, ber f a l f ö e , ber unred^te © o t t . Unb bennocfy betrauten
totr biefe Se^re a l « ein falfdje«, ber w a h r e n R e l i g i o n entgegengefefcte«
«Softem. D e n n ber toaste © o t t be« bualiflifdjen ©Aftern« ift eigentlitfy
nur jufällig ber toafyre, toie er audj n u r jufäflig ber g u t e fyeißt. Denn
ber anbere, ber i m ©tjftem ber jtoei ißrincipien a l « ^ r i u c i p ober Urfad)e
be« S ß f e n betrautet W i r b , Ijat angenommenermaßen mit bem erften
toöOig g l e i t e ÜJladjt, unb alfo audj oöflig g l e i t e n g u g unb gleidje« SRedjt,
j u fetyit, b. I). fidj j u äußern unb 511 toirfett, firf) mit einem <3etjn j u

1 Deus autem est unicus 11 on modo a c t u i p s o , u t t a r n e n plures


D i i e s s e n t p o s s i b i l e s , sed quia contrarium ne fieri quidem potest.
Unde patet (ut hoc obiter moneam) hanc unitatem non debere probari
ex s u f f i c i e n t i a unius D e i ; ostenderet baec ratio, non opus esse, ut
a c t u i p s o plus quam unus existat Deus, non vero plurium p o s s i b i -
l i t a t e m refellit, utpote quae, si cetera essent paria, tarnen locuro habere
posset. W e i s s m a n n . Institt. Theol. p. 198.

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(XII ig) 275
umgeben, fidj ein © e t j n , ein 9ieidj j u e r r a f f e n ; alfo er mit bem
erften auch g a n j fcaffetbe Stecht, ba8 h>a8 i h m entgegenfteht unb too=
oon e t ftc^ in f e i n e m ©etyn gehemmt, ge^inbert, ober angegriffen unb
beflritten fühlt, böfe j u nennen — ifynt ift ba8 S3öfe, loa« für un«,
bte toir in ber Schöpfung be8 anbern ©orte« leben, ba« ® u t e ift, unb
umgefefjrt, i^m ift ba8 ba8 O u t e , loa« für un« ba« © ö f e : e8 fomrnt
ade« nur auf ben ©tanbpunft a n ; e8 ift ba^er unbegreiflich, toie ein
neuerer ©chriftfteller (Jriebttd) S t i e g e t ) »on feinem <£ifer gegen ba«
©Aftern bei ißantfyeiSnmä fid} fo toeit fortreißen lieg, ba8 ©Aftern be«
® u a l t « m u « »orjüglich barum j u greifen unb al« ba« beffere barjuftellen,
toeit e« ben ewigen Unterfchieb üon © u t unb 93ö« a l s einen abfohlten
feftfteHe. T a o o n haben toir fo eben ba« ©egent^eil gefe^en, toie nämlich
»ieime^r gerabe ber ® u a l i « m u « biefen @egenfa(j in einen blofj relatioen
»ertoanbelt, ber jeberjeit nur OOII einem partiellen — aifo parteiif^eu
©tanbpunft g e m a l t toirb. Sffienn bemnadj ber ® u a l i « m u « , ber in einer
uoUftänbigen Siufjd^tung ber möglichen reiigiöfeit ©hfteme nicht über=
gangen toerben barf — e« ift eine befannte © a d j e , ba§ in einent © a n j e n
jufammenge^öriger unb auf benfelbeit ©egenftanb fidj bejie^enber Se=
griffe fein einjeiner ohne bie anberen ooUftänbig j u beftimmen ift —
e« fanu bei biefer Serürffid^tigung ober Srtoäljnung be« £>uali«mu«
übrigens g a n j ba^iit gefteüt bleiben, ob ba« ©Aftern, in bem © i n n ,
in toetdjem e« tyer genommen » o r b e n , ^iftorift^ j e m a l s ejiftirt ^at,
namentlich fann g a n j bafyingefteUt bleiben, ob ber parfifdje ® u a l i 8 m u «
in feinem Urfprung toirfltch a l s ® u a l i « m u « gemeint l o a r ; e« ift
genug, bajj ber ®iialiSmu8 al« ein tiou $ol^tl>ei8mu8 unb SDionotfyei«*
mu« gleich unterfchiebene« ©tyßem unter ben möglichen religiofen ©tj=
flemen eine befonbere ©teile einnimmt — toenn alfo biefeä ©tyftem
einerfeit« ein uuftreitig fatfd^c« unb »ertterfliche« ift, anbrerfeit« aber
bodj nic^t unmittelbar ober bireft bem ÜJ?onothei«mu« entgegengefefct ift,
fo m u ß e« in SBtbevfpruch fte^en mit einem a n b e r n S e g r i f f , jebod)
mit einem foldjen, ber j u m toahren ©hftem, alfo j u m 5D?ouothei«mu«
erforfcerlidj, ber alfo com 9KonotheiSmu« felbft fdjon »orau«gefefct wirb.
® e n n b<r mai;re Segriff ift überaß ber lefcte, ber finale unb »ollftanbige,

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276 (XII 20)

bev, ju toeldjent fortgegangen toirb, f ü r ben eS aber eben borutn


einen SluGgangfyunft gibt. ÍDtefer 8lu«gangSpunft f ü r ben ÜJlonotljei«*
mué faiin nun nidjt« anbere« fetjn al« ber biege £ i > e i « m i i « , unb
toir toerben ba^er ba« 23erfyältniß g a n j richtig befUmmeit, Wenn toir
fagen: ber ^olijtfyeiSmu« ftetye bem SDfonrtfyeiémuá, ber ®uali«niu« eben
fdjon bem ítyetómué entgegen. 2Ba3 nun aber unter bem bloßen Ítjei8=
m u s in ber UnterfReibung »on SWonotfyciSmué ju oerfteijeit fei), bieß
toirb flcfy butdj bie toeitere Siefleyion erflären, j u ber toir jefct fortgeben.
3)ie gortnel, in » e i t l e r ber 2Ronotljei«muS getoöfmltdj auágefprocfcen
toirb, ift eine leere, tautologiftfye. 2>ieß toar unfer erfter i ß u n t t Sie
ifi aber 2) audj rein iHuforifdj. D e n n auf bem © t a n b p u n f t , too bie
Ideologen Bon ber 6inl;eit ©otte« r e t e n , m u ß , toenn man fyört, baß
außer i^m f e i n a n b e r e r © o t t fet), g a n j natürlich bie g r a g e ent*
fielen, ob benn ettoaé a n b e r e é a u ß e r tfym fei). ®iefe g t a g e Jönnen
bie Ideologen aber n u r berneinen. ÜDenn fie fetbft rennen bie Sinljeit
ober ©njigfeit unter biejenigen ßigenfdjaften, bie ©ott B o r allem I f y u n ,
»or allem SlctuS, m e r ä n a t u r ä jutommen. Stuf biefent ©tanbpunft
müffett fie alfo fetbft fagen, baß nidjtá außer ©ott fei}, »eil fte alle«
außergöttlic^e (»etyn felbft n u r »on ber freien ß a u f a l i t ä t ©otte« fyer»
leiten (tote benn aUeö, toa« » o r allem 3ltíuá a u ß e r ©ott toäre, al«
ein unabhängig Bon tfym Sorfyanbene«, tfyrn g l e i d j urfprüngüdj unb
infofern überhaupt äquipoHent fetjn müßte, fo baß — audj a u s biefem
©runbe — ber © a ß : „ei i ß fein anberer ©ott außer ©ott", auf bem
gegenwärtigen © t a n b p u n f t n u r fo viel Reißen toürbe: ei ift nidjté außer
iljm). 2Benn nun aber außer © o t t riidjt bloß fein anberer © o t t , fon»
bem nidjt« i f t , fo ifi ja fotoeit ©Ott nid}t ber einjige © o t t , fonbern
ber fdjlecfytfyin Sinnige (nur ó fióvog, nic^t aber o fióvog «9 eos). 3ft
nidjt bie ©yiftenj eine« anberen ©otte«, fonbern j e b e ©¡riftenj Ijier ju
leugnen, fo fyanbelt eS ftd? aud) nid/t um bie Sinjigfeit ©otte« als
f o l g e n , fonbern nur um bie abfolute ginjigfeit ©otte«'. — Um aber
ben ©d?ein tyer»orjubringen, at« toäre ba«, toaS nur bie abfolute
1
2>arauf (bafj namli$ auger ©ott nic&t« ift) führen au<$ bie Setoeife, n>eld/e
tie Ideologen fiir bie Sinjigfeit au« ber Statur ©otteS führen, j. 8 . ber con

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(XII 21) 277
©njigfeit ift, bie ©njigfeit ©otteS al« f o l g e n , fdjalten fte jene« „fein
anberer © o t t " ein, unb batur$ i>eri»itfcin fte ftdj in jene Tautologie
ober rein überflüffige Serfictyerung.
I ) i e Tljeologen (unter benen idj nidjt gerabe immer bie ge»ijljn=
li($ fo genannten, fonbern audj bie ißfyilofopjjen berftelje, inwiefern fte
mit fpefulatioer Theologie ftdj befdjäftigen), biefe » i f f e n alfo im ©runbe
»on feiner anberen GnnjigFeit, als bie idj fdfon auSfpredje, inbem id)
fage: ©Ott (ni<$t: ein ©ctt). gragt man aber naefe bem © i n n tiefer
abfohlten GEinjigfeit, ober fragt man, toaruin © o t t nidjt ein © o t t , fon--
bern © c t t ift, fo famt idj barauf nicfjt toieber anttoorten: toeil fein
anberer aufjer ifjm ift, benn bamit toürbe idj nur in einem ßirfel mief)
$erum brefyen; baß er aife ©ott ift, fann nidjt barauf berufen, baß
fein anberer, fonbern nur barauf, baß n i c h t s außer ifym ift (roai frei»
liefe »orerjt audj noefy nidjt erflärt, toaS er felbjt ifl). £>inwieberum
baburefy, baß nichts außer ifyrn ift, fomme idj immer toieber nur auf
ben Segriff © o t t ober be« fityiedjtljin © n j i g e n , nic^t aber auf ben 53e»
griff bei eutjtgen ©otteS. @8 märe bafyer jtoar leitet mßglidj, bem ge»
n>5fynlid)en Sluibruif eine g o r m ju geben, in ber er aflerbingä e t t o a ?
fagte unb bie Tautologie beS geroöljnltdjeu »ermieben toürbe. 3Jian
müßte nämlidj ben © a ß fo auäfpredjen: baß nidjt e i n © o t t ift, außer
bem nodj einer ober mehrere anbere fetjit föitnten, — fonbern nur © o t t ;
allein bei biefem 2Iu3brucf märe eS bann audj offenbar, baß ber © a ß
nidjt rneljr enthielte alö ber frühere: ©ott 3 f t ; e8 toäre offenbar, baß
ber (Safc nicfit ettoaS ü b e r © o t t fagte, b. fy. nidjt ettoaS über ©ott
£>inauSgefyenbeS auSfprädje — baß er nidjt« »on ©ott auSfagte, fonbern
nur eben ben Segriff © o t t felbft toieberljolte; b. Ij. alfo, eS ttäre
offenbar, baß ber © a ß nicfyt 2Konotljei8mu8, fortbern eben bloßen S^eiS-
m u « enthielte. Um beu ©eljalt biefeS <Saße$: e$ ift — nidjt ein
© o t t , außer bem einer ober mehrere anbere feijn fönnten, fonbern —
nur © o t t , um ben ©eljalt tiefe« © a b e « aufyubriicfen, toäre ba« 2Bort
2 ! I j e i 8 m uä bottfommen Ijiureidjenb, bag jufammeitgefeßte 2Ronotfyei3mu3

ber Unenblicfyfeit hergenommene; fte fcerceifen alte j u Biel; fte beroetfen nit&t nur,
baß außer © o t t fem anberer @ o t t , fonbern bafj nidjt« außer iljm (et).

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278 (XII 22)

aber »öflig i i b e r f l u f f i g $ i e r a u 8 evfjettt, b a § bie ijerfömmli^e Sr=


Härung be8 SSegriff« 2JJonctl)eiSmu8, menn fit auf ihren fahren
SBcvth jurtttf geführt, b. i). üon ihrem Mofj (Scheinbaren, eigentlich abec
nuv l a u t c l c g i f ^ e n Befreit i u i r b , n u r I ^ e i S m u « , nic^t aber ÜJionotfyciS
nui3 enthält. IDiefj ift ein feljr twic^ttger unb grofjer Unterbiet). 35effeu
ojjngeadjtet i n e r t e id) uidjt b e l a u f t e n , baf? eä nic^t foldje geben fönnte,
Ncldje fidf> bamit toQfommen jufrieben erfiärten unb ber ÜJteinung
Wären, e« bebürfe i n ber I d e o l o g i e nidjt3 SBeitereä, eä fei) a m bloßen
S^eiÖmuS genug unb ein befenberer S e g r i f f unter bem Sftamett SKono«
tljei#mu8 ein reiner Ueberflujj. ¿ t e a r i n früherer 3 e > { 9&»me
J ^ e t i m u S nid;t j u t n befielt angefdjriebeit, unb » e u n m a n uou irgenb
jemaub fagte: er fet) ein biojjer J f j e t f i , fo fyiefj bieg faft e6enfo biet
al3 er fetj ein Slt^eift, nämlich ein fo!d;er, ber ntc^t ben wahren
antom
@ott, fonbern ftatt beffen irgenb eilt bioßcö i ß h ober s i m u l a c r u m
beei iual;rcn ©etteS behaupte. 216er biefer unangenehme fllebenbegriff,
ber mit bem 2öort S ^ e t i m u ä fonft terbunbett w a r , f>at ftcf) neuerer
3 e i t gänjlid), j a eö fjat fidj beinah' bie S r i n n e r u n g baran bertoren*.
frf)eint j r n a r , b a § m a n iit ber djrifUichen ©iaubenSle^re ben SJegriff
be« 2Jlonothei3mu$ nicf)t entbehren föitne unb baß m a n ft^oit b a r u m
teil bisherigen tautotogifdje« S e g r i f f beibehalten muffe. 2Wait wirb toc-
nigfteni ba tiefe« SBegriffS bebiirfen, too ber U n t e r t r i e b be8 Sfjrifteti»
tfjumS »on bem £>eibenthum 3U ermahnen ift, eine (SrlDctyuung, bie

1
©(bleiennacher ficht bie tna(irc Screanbtniß ber ©ache toolpt ein, trenn er
fagt färijH. ©taube 1 . £ i ) . © . 306), bie Einheit Sötte« fönne ebenfowenig 6e»
triefen »erben, at« ba« ©eqn ©otte«, » a « fo biel heißt, al« fte enthalte "W't
mehr, al« fthoit ber ließe !Ebei«muS für fi(h enthalte.
2
SKan mochte roo^jl fragen: ffiie lann i^eiSinit« = 3ttI;eiSinu8 fetjn ? Sintttort:
SWan tann gar ni<ht bon ©ott ü b e r b a u e t reben, reeun man ibirllich »011 Sott
rebet. ffler nur bon ©ott überbaust rebet, rebet nicht Bon bem toafjren ©ott,
atfo bon irgenb ettba« anberem, ba« er mir mit bem Kamen ©ott belegt, ©ein
Sbeismu« ift atfo = 2ftf>ei«mu«, bieg fflort im negatiben © i n n genommen. ®cr
bloße Segriff © o t t , » t ü { , ift alt fic^ leer, ein bloße« SBort; um bon bem tinrf*
liehen ©ott jii reben, ber nicht bloß foog, fonbern, wie felfcft bie ©riechen untere
(Reiben, o ¿tög ift, ber beftimmte ©ott, muß eine Seftiminuitg h'njuiommen.
SDJan fagt aitcf) iric^t: d-eig ift ®iner, fonbern 0 ¿ ¿ ¿ z et; i ^ r .

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(XII 23) 279

bodj ftefyt nicfyt u m g a n g e n »erbe« fami. Stlleiu aud) b a ä tft, bei ben

SÌnfìd^ten, toeidje bisher über bie © e b e u t m i g be« i f e l t y t f y e i i m u ä fo }iem=

lidj allgemein angenommen fmb, ntd)t fo gar notfytoeubig. Denn e«

i f t j a bod) g a i t j einfad; j u f a g e n : 2RonotfyeiSmu8 fyatte u v f p r ü n g t i d j n u r

@iim unb Sebeutung i n Söejug auf ißoit)tfyei3mu$ unb im ©egenfafc

mit iljm. ittadjbetn n u n aber bie ©efaljr unb fetbfi jebe ÜJlögtidjfeit

ber SBieigöttera f i i r un8 i>erfdjteunben i f t , fo oerljiitbert n i c h t s , b e n 2Jìo*

notfyeràmuS a l s befonbeven SSegriff, toie f d j o n tangft fìitlfcfymeigenb, enb=

lid} a m i ) a u S b r ü c f i i d j »erfc^tcinben j u laffen ; nichts v e r s i l b e r t , baß ber

tautologifdje uitb ini ©runbe nur pteonaftifdje SiuSbrucf: ber einjige

©ott, i n ben fyityeren, atigemeineren, in ben S e g r i f f ©ott fid; aufiofe,

ber feineé ¿ u f a ( j e 3 bebarf. ®enn eigentiidj g i b t e$ bodj nur Steiften

unb 3lti;eiften. Steiften fmb bor allem bie O u b e n , oou benen unfer

( S t a u b e fitf) I)erfdjreibt, b a n n lotr bie S t i f t e n , u n b bie S J ì u b a m m e b a n c r ,

bie con itti3 beiben ausgegangen finb. ©neu ißoltjtljeiSmitä gibt ti

eigentlich g a r nidjt. ®ie fogeuaunten ©ötter ber R e i b e n Ì;aben n u r ju»

fällig religiofe 33ebeutuiig ermatten, unb finb a n ftd) n i d j t ©ötter, fon*

bern j. 33. bloge perfonificirte 9?aturFrafte ; ba$ Xfyeifìifd^e in tljren

SorfleEungeii ift n u r fdjembar unb mjprüiigtid) oÌ;ite a l l e r e l i g i o f e 93e-

beutuug. £>ie Sln^änger ber JBielgötterei f i n b a l f e eigentlidj n u r 2itljeiflen.

SDfan t o n n t e ftcf» Ijiitfidjtlid; biefer Grfiäruug, naefy loeicfyer bie "J>ott)=

tfyeiften etgentlidj nur Streiften fmb, fogar auf bie S l u t o r i t ä t eine« 3tpo=

ftefó b e r u f e n , ber j u ben S p l j e f e r n fagt: 1


Hre ä&eoi tv rà> xóofup,
t^r fcart of)tie © e t t — at« Reiften — i n ber SÜBett. <Sie fefyen,

ttet^e SJBidjtigfeit für unfere Unterfudjung ber S e g r i f f beS 2ftonotfyei8i

mu« Fiat, ba§ er f o g a r ü b e r bie Sigentticfyfeit ober Uneigentii^feit ber

2Jit)ti;otogie eutfdjeibet.

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