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PIONIERE

Ausgabe 20 / Dezember 2019

Magazin der Pioniertruppe und des Bundes Deutscher Pioniere

Gefechtsbilder schaffen

Aus der Truppe Ausbildungszentrum BDPi


Editorial

Liebe Pionierkameraden und


Freunde unserer Truppengattung,

unverändert gibt es viel aus der Pioniertruppe zu berichten, wie die bunte Vielfalt der Artikel über
unterschiedlichste Projekte und Aktivitäten in diesem Heft beweist. Damit wird wiederholt klar,
dass unser höchstes Gut die engagierten, motivierten Leistungsträger unter unseren Soldatinnen
und Soldaten sind. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich bei der Dienstaufsicht, bei Lehrgängen oder
in der Truppe bewiesen bekomme, dass die Mehrzahl der Pioniere noch Dinge vorantreiben will.
Hut ab und Respekt von meiner Seite.

Unverändert ist nämlich auch, dass die Rahmenbedingungen für die Organisation des täglichen
Dienstbetriebes sich für die Macher vor Ort nicht verbessern. Überregulierung und komplexe,
bürokratische Verfahren behindern zu oft eigenverantwortliches und kreatives Handeln.

Es ist allerdings auch schwer, diese Komplexität zu reduzieren. Zumindest kann dies nicht von
Unten nach Oben geschehen. Zum Beispiel der Auftrag an das Ausbildungszentrum Pioniere, die
Lehrgangslandschafft zu reduzieren und effizienter zu gestalten, lässt außer Acht, dass die Vorga-
ben für die Lehrgänge aus unterschiedlichsten übergeordneten Bereichen der Bundeswehr kom-
men. Hierfür muss erst auf oberster Ebene der TSK und MilOrgBer Einvernehmen geschaffen
werden. Siehe dazu auch den Beitrag zur Trainingsplanung auf Seite 28.

Und selbst von Oben ist es nicht einfach, Besserungen durchzusetzen. So hatte die vorherige Mi-
nisterin im Oktober 2018 angewiesen, den Kommandeuren ein Handgeld von 25.000 Euro in 2019
zur Verfügung zu stellen, um kurzfristig auf materielle Engpässe reagieren zu können. Eine Maß-
nahme, die genau die Motivation der erwähnten engagierten Leistungsträger stützt. Umgehend
wurde diese Maßnahme in einer Art und Weise durchadministriert, dass die Kommandeure zu-
nächst kaum und dann nur unter höchstem Einsatz die Absicht der übergeordneten Führung um-
setzen konnten.

Das Fazit für mich heißt, wir alle, auf allen Ebenen, müssen versuchen, Komplexität im tägli-
chen Dienst zu reduzieren; dranbleiben! viele bürokratische Hemmnisse sind selbst gemacht und
müssen für unsere engagierten, motivierten Leistungsträger unter den Soldatinnen und Soldaten
beseitigt werden. Ist doch eine unserer Hauptaufgaben als Pionier, Bewegung fördern, Hindernis-
se beseitigen.

Anker – Wirf!

Lutz Niemann,
Brigadegeneral und Kommandeur Ausbildungszentrum Pioniere

Ausgabe 20 / Dezember 2019 PIONIERE 3


Editorial

Liebe Pionierkameraden, liebe Freunde unserer Truppen-


gattung, liebe Angehörige des Bund Deutscher Pioniere,

allenthalben ist in Reden auf allen Ebenen zu hören, dass sich die Streitkräfte nun wieder auf ihren
Kernauftrag zu fokussieren haben: die Landes- und Bündnisverteidigung (LV/BV). Allein zwischen
Wort und – umsetzbarer – Tat klaffen noch viele Lücken.

Wenn die o.g. Schwerpunktsetzung konsequent umgesetzt würde, müssten alle PzPiKp in den Ver-
bänden unserer Truppengattung ihre Aufgaben in der Kampfunterstützung im Gefecht der Verbunde-
nen Waffen – ich nutze diesen Begriff bewusst - permanent auf Kompanieebene beherrschen. Nach
den Eindrücken, die ich bei meinen Informationsbesuchen sammeln konnte, ist selbst die Beherr-
schung auf Zugebene nicht immer dauernd und durchhaltefähig gegeben. Dies hat mehrere Gründe,
wobei nach meiner Beobachtung, neben einer großen Fülle und Diversität von Aufträgen, die Not-
wendigkeit LV/BV und Nicht-ArtV-Einsatz weiter gleichrangig leisten zu wollen, ein sehr gewichtiger
ist. Ich stelle die Frage, ob wir nicht insbesondere die PzPiKp unserer Bataillone permanent auf ei-
nem pioniertechnischen Ausbildungsstand halten sollten, der dazu geeignet ist, die Truppe inner-
halb von 30 Tagen – ich nehme diese Forderung der NATO Readiness Initiative als Richtschnur –
in das hochintensive Gefecht zu schicken. Ich denke, dass diese Befähigung unsere Soldaten auch
zur Wahrnehmung der Aufgaben in allen anderen Einsätzen qualifiziert – ggf. nach einer kurzen Zu-
satzausbildung. Einen solchen Ansatz halte ich für notwendig, weil sonst das Spannungsfeld und die
immer noch größer werdende Schere zwischen Wort und – umsetzbarer – Tat nie kleiner werden.
Die Vorteile, die eine Freiwilligenarmee im Hinblick auf einen hohen Grad an Einsatzbereitschaft
und Verfügbarkeit bietet, werden sonst weiter verpuffen, und dies unabhängig von drei Divisionen –
Stichwort Division 2027 – für den Einsatz in der LV/BV erreichen, wobei wir Pioniere dort darauf ach-
ten müssen, dass in den Kategorien von Fähigkeitsprofilen und der effizienten und effektiven Zusam-
menarbeit zwischen den Truppenteilen der Kampftruppe und der Pioniere und nicht in Kästchen oder
in rechnerisch begründeten Personalumfängen gedacht wird. Dazu sollten wir auch über bisher be-
stehende organisatorische Binnenstrukturen unserer Verbände hinausdenken und ggf. neue Wege
gehen. Die Fähigkeiten zur Pionierunterstützung einer Brigade – d.h. von drei Kampftruppenbatail-
lonen - im Gefecht der Verbundenen Waffen durch die Pioniertruppe muss nicht zwangsweise zu ei-
ner Btl-Kp-Zg Struktur führen. Es kommt m.E. darauf an, eine Verbandsstruktur zu schaffen, die eine
ebenen- und dienstgradgerechte Pionierberatung auf Brigade- und Bataillonsebene sowie eine flexi-
ble Nutzung der ausreichend in der Grundgliederung jeder Brigade vorhandenen und auf LV/BV aus-
gerichteten Pionierfähigkeiten gestattet.

Die Bewältigung beider beschriebenen Herausforderungen wird allen schmerzhafte Prozesse be-
scheren. Wir müssen unseren Kommandeuren und Kompaniechefs aber ermöglichen, den Spagat
zwischen Auftrag und Mitteln, den es immer gegeben hat und den es weiter geben wird, auch künftig
noch zu schaffen. Oder, wie ich es im Editorial der Ausgabe 19 der PIONIERE ausgedrückt habe, es
muss der Truppe ermöglicht werden, es auch in Zukunft noch weiter richten zu können.

Wir als Bund Deutscher Pioniere werden um Schwerpunktsetzungen ebenfalls nicht herumkommen.
Dazu wird der Vorstand in den nächsten Monaten ausführlich beraten. Die Ergebnisse werden wir
der Mitgliederversammlung vorstellen und zur Diskussion stellen. Ein wichtiges Feld sehe ich in der
Weitergabe von Erfahrungen durch die erfahrenen aktiven und nicht mehr aktiven Führer aller Ebe-
nen der Pioniere an die jungen Führer aller Ebenen, insbesondere mit Blick auf die LV/BV, wissend,
dass die Rahmenbedingungen dafür heute anders sind als zur Zeit des Kalten Krieges.

Mit kameradschaftlichen Grüßen und Anker – Wirf!

Ihr

Franz Pfrengle,
Brigadegeneral a. D. und Präsident Bund Deutscher Pioniere

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Inhalt

Aus dem Einsatz


Deutsche Ertüchtigungsprojekte .................................................................................... 6
Kampfmittelabwehrkräfte im Einsatz .............................................................................. 8
Enhanced Forward Presence ..................................................................................... 10

Aus der Truppe


21. Modellbauaustellung in Holzminden ...................................................................... 12
Impressum Emotional und Bildkräftig ............................................................................................ 13
Herausgeber: BERGLÖWE 2019 ....................................................................................................... 14
Die Zeitschrift wird herausgegeben Kampfmittelabwehrverfahren für den Einsatz ............................................................... 15
vom Lothar Fölbach Medienservice
für den General der Pioniertruppe und
Gefechtsbilder schaffen .............................................................................................. 16
Kommandeur des Ausbildungszentrums Pioniere Tag der offenen Tür in Bogen ...................................................................................... 17
und für den Bund Deutscher Pioniere e. V.
kurz & informativ – PzPiBtl 130 .................................................................................... 18
Redaktion: Ein selten gewordener Anblick .................................................................................... 20
AusbZPi: Alexander Ebner, Alfred Wolf Neuer Kommandeur im Panzerpionierbataillon 701 .................................................... 21
BDPi: Torsten Stephan
Ausbildung Urbane Operationen ................................................................................. 22
Satz/Layout: Spezialpioniere in Belgien und Frankreich .................................................................. 24
Cornelia Danzer
Capable Logistician 2019 ............................................................................................ 25
Titel-Foto:
Bundeswehr/Ralph Zwilling
Aus dem Ausbildungszentrum
Ausbildungszentrum Pioniere NATO Senior Joint Engineers Conference ................................................................... 26
AusbZPi
Pionierkaserne auf der Schanz Week of the Bundeswehr ............................................................................................. 27
Manchinger Straße 1, 85053 Ingolstadt Immer wieder eine Herausforderung ........................................................................... 28
Telefon: 0841 88660 - 3030 / -3006
ausbzpi@bundeswehr.org Ausbildung zum Schweißfachmann ............................................................................ 30
alexanderebner@bundeswehr.org Neue LKW-Generation
alfredwolf@bundeswehr.org
für das Ausbildungszentrum Pioniere .......................................................................... 30
Bund Deutscher Pioniere e. V. IRONMASK 2019.......................................................................................................... 32
OStFw a. D. Ulrich Lisson Hauptfeldwebel-Andreas-Heine-Preis ........................................................................ 34
Bogenstraße 5, 58332 Schwelm
Telefon: 02336 12853 MAH an der FSHBauT/ZBauWes ................................................................................ 36
ulrich.lisson@t-online.de 20 Jahre Bautechnisches Unterstützungszentrum (BUZ) ........................................... 37
Oberstlt Torsten Stephan
Stab Eurokorps
PAO, Quartier Lizé, Postfach 2071
Aus der Universität der Bundeswehr
77680 Kehl Die Segelkameradschaft informiert ............................................................................ 40
Telefon: +33 (0) 388 43 2007
torstenstephan@bundeswehr.org
Aus Amt und Kommando
Website BDPi: Ausbildung im Heer 2035 plus .................................................................................. 41
www.bdpi.org
OStFw Jürgen Falkenroth d. R.
webmaster@bdpi.org Internationale Zusammenarbeit
Telefon: 0251 863430
Mobil: 0179 4683252
Die Vier lustigen Sieben ............................................................................................... 44
Mobile Training Team / Special Recce Team ............................................................... 47
Bankverbindung:
Bund Deutscher Pioniere e. V.
TRIDENT JUNCTURE MiVZg MN PiBtl VJTF (L) ....................................................... 48
VR-Bank in Südniedersachsen e. G. ALLIED SPIRIT X ....................................................................................................... 49
IBAN: DE53 2606 2433 0008 5536 45
BIC: GENODEF1DRA
Bund Deutscher Pioniere
Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht in Repräsentanten des BDPi am Standort ....................................................................... 52
jedem Fall die Meinung der Redaktion wieder.
Das Recht der Auswahl und Kürzung von Zuschriften Back to the roots in Auftrag und Führung? .................................................................. 53
und Beiträgen behält sich die Redaktion vor. Führen im Kalten Krieg ................................................................................................. 54
Militärfachliche Beratung: Enhanced Forward Presence – Zurück zu den Wurzeln.............................................. 56
Ausbildungszentrum Pioniere Kleines Land, großes Kino ........................................................................................... 58
Verlag: Prinz-Eugen-Preis ........................................................................................................ 59
Lothar Fölbach Medienservice Ritter-von-Becker-Preis ................................................................................................ 60
Heimeranstraße 6, 80339 München
Telefon: 089 5022619 Regionaltreffen beim Panzerpionierbataillon 4 in Bogen ............................................ 62
muenchen@foelbach-verlag.de

Verantwortlich für die Anzeigen: Tradition und Geschichte


Lothar Fölbach Medienservice 60 Jahre Pipelinepioniere in SCHLESWIG-HOLSTEIN .............................................. 64

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Aus dem Einsatz

Deutsche Ertüchtigungsprojekte
Haben diese einen nachhaltigen Nutzen?

Im nordirakischen BNASLAWA (BNS) auch


als ITAB bekannt, nahe bei Erbil, befindet sich
das Ausbildungscamp der Zeravani. Dieses
ist mit einem deutschen Truppenübungsplatz
vergleichbar.

Seit Beginn der Ausbildungsmission im Irak


2015 wurden hier viele Projekte entwickelt
und mit deutscher Finanzierung und baufach-
licher Überwachung gebaut. Hierzu zählen
das Ghosthouse, ein Übungshaus für das in-
fanteristische Vorgehen innerhalb eines Hau-
ses, das German Village, ein Übungsdorf für
Orts- und Häuserkampf ähnlich Bonnland, ein
CIED-Haus, ein ABC-Dichtigkeitsprüfungs-
haus, Schießbahnen mit Klappfallanlagen und
beweglichen Zielen, ein zentrales Waffenkam-
mergebäude, ein Munitionslagerhaus sowie
eine CIED-Lane mit Sondierungsstrecken.

Die mit dem Projekt beauftragten Bautechni-


ker und Bauingenieure haben sehr viel Herz-
blut in die Ertüchtigungsprojekte gesteckt: den Irak verlegen durfte, fiel hier in BNS posi- Wenn man mit den Zeravani über die Projek-
Gesprächsaufklärung, Bauplatzerkundung, tiv auf, dass die fachlichen Beratungen Früch- te spricht, merkt man genau, wie stolz die-
Ent wurfszeichnungen, Ausschreibungen, te getragen haben und die Projekte mit weni- se sind, von den Deutschen solche guten
Überprüfung des Angebotes, Zeichnungen gen Ausnahmen sinnvoll genutzt und auch ge- Baumaßnahmen bekommen zu haben. Dar-
und Bauüberwachung. Viele von Ihnen stellen pflegt werden. Also haben in meinen Augen aus machen sie auch gegenüber den ande-
sich die Fragen: Wie werden diese Projekte die manchmal schlaflosen Nächte Erfolg ge- ren Nationen keinen Hehl. Die Zeravani müs-
nach der Fertigstellung weitergenutzt? Wer- habt. Die kurdische Bauweise ist oft nicht mit sen langsam in die Eigenverantwortung ge-
den diese Projekte instandgehalten? Erzeugt unseren deutschen Normen zu vergleichen. nommen werden, um sie angemessen an
Ertüchtigung einen nachhaltigen Effekt? Manchmal fühlte man sich zeitlich zurück ver- die Projekte und den Umgang mit diesen he-
setzt, nur dass eben moderne Baustoffe zum ranzuführen. Dies erfordert aber eine ad-
Da ich auch mit einigen dieser Projekte beauf- Einsatz kamen, wenn auch nicht in der Quali- äquate Ausbildung durch eine Beratergrup-
tragt war und nach ca. 1,5 Jahren wieder in tät wie wir sie aus Deutschland kennen. pe der Pioniere wie es auch in anderen Län-

Das Ghosthouse Zentrales Waffenkammergebäude

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Aus dem Einsatz

dern (z. B. Beratergruppe der Bundeswehr im


Senegal, Beratergruppe der Bundeswehr in
Mali) stattfindet.

Die Projekte im Einzelnen

Das Ghosthouse war eines der ersten Pro-


jekte, welches umgesetzt wurde und bei dem
Deutschland noch nicht sehr viel Erfahrung
mit den kurdischen Ausführungen hatte. Die-
ses wird dauerhaft für Ausbildungen auch
durch andere Nationen genutzt und ist somit
ständig im Betrieb. Dafür ist es gut erhalten.
Es sind nur kleinere Hausmeisterarbeiten zu
erledigen. Die Setzungsrisse sind Folgen der
kurdischen Baubedingungen. Sie sind aber German Village
noch nicht statisch gefährdend und damit ver-
träglich. Das ABC-Dichtigkeitsprüfhaus in Container- sie können auf ihre Leistungen stolz sein. Um
bauweise wird leider derzeit nicht mehr ge- allerdings dauerhaft nachhaltige Effekte mit
Das zentrale Waffenkammergebäude ist in nutzt, obwohl Ausbilder vorhanden sind. Eine diesen Projekten erzeugen zu können, müs-
gutem bis sehr gutem Zustand und wird auch Einweisung in die Handhabung für die Ausbil- sen DEU Kr CBI weiter „am Ball bleiben“. Nur
sehr gut angenommen. Der gute Zustand ist dung muss hier erneut erfolgen, da das Wis- wenn eine effektive Beratung und Ausbildung
der optimierten Bauüberwachung zu verdan- sen mittlerweile verloren gegangen ist. Der die Projekte begleitet, kann ein langfristiger
ken, denn es wurden Fehler von anderen Pro- bauliche Zustand ist auch noch gut (bis auf Erfolg erzeugt werden.
jekten ausgewertet, aufgenommen und das wenige Schweißnähte), die aber schnell in-
Projekt stetig verbessert. standgesetzt werden könnten. Ich hoffe, den interessierten Kameraden ei-
nen kleinen Überblick über den Sachstand der
German Village ist ein nachgebautes iraki- Die Schießbahnen mit den Klappfallanlagen Ertüchtigungsprojekte im kurdischen Teil des
sches Dorf in Containerbauweise aus der Nä- und dem beweglichen Ziel werden weiterhin Iraks verschafft zu haben. Es wird demnächst
he von Mosul, welches vom IS besetzt war. genutzt und weisen keine Mängel auf. Die noch einen Bericht über das Materialdepot M4
Dieses Gelände wird für die Ausbildung bis nachhaltige Wartung solcher technischer An- geben. Bis zu einem Wiedersehen wünsche
zum Kp-Rahmen genutzt und ist auch oft in lagen ist aber immer noch eine Herausforde- ich ein Dreifaches: Anker wirf!
der Benutzung. Es sind einige wenige Mängel rung für die Zeravani.
vorhanden, die aber durch die Zeravani abge- HptFw Sven Rother
stellt werden können. Die CIED-Lane mit den Sondierungsstre- Zelle Ertüchtigung, Bautechniker, Erbil
cken wird derzeit nicht genutzt und verwildert Infrastrukturfeldwebel im LTG 63
Das CIED Haus ist den Zeravani besonders langsam.
wichtig und wird dementsprechend auch so Bildrechte: Bundeswehr/Sven Rother
behandelt. Es sind keine Bauschäden zu er- Die Arbeiten der Bauingenieure und -techni-
kennen. ker haben insgesamt Früchte getragen und

Das CIED Haus ABC-Dichtigkeitsprüfhaus in Containerbauweise

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Aus dem Einsatz

Kampfmittelabwehrkräfte im Einsatz
Panzerpionierbataillon 1 bei Resolute Support

„Ohne Kampfmittelabwehr ist der Einsatz Re- Personal improvisieren, um einen ausreichen- Hundeführer zielgerichtet und punktuell zur
solute Support in Afghanistan nicht denkbar.“ den Abstand zu den Kräften im SafeHaven Absuche eingesetzt. Das Vernichten von un-
Mit diesem Leitsatz waren die Kampfmittel- sicherzustellen. brauchbarer und von versagter Munition (Ver-
abwehrtrupps des PzPiBtl 1 vom September sager) gehört ebenfalls zu den Aufgaben der
2018 bis März 2019 in Masar-e Scharif einge- Weitere Aufträge waren die Begleitung eines Kampfmittelabwehrkräfte im Einsatz. Einer
setzt. Konvois, die Unterstützung verbündeter Kräf- der „anspruchsvollsten“ Aufträge des speziell
te sowie die unmittelbare Gefahrenabwehr bei dafür eingesetzten Kampfmittelabwehrtrupps
Zu den vielseitigen und verantwortungsvollen Auffinden eines sogenannten UXOs (Unex- ist die Unterstützung der Ausbildung der lan-
Aufgaben der Trupps gehört unter anderem ploded Explosive Ordnance). In unserem spe- deseigenen Kampfmittelabwehrkräfte in den
die unmittelbare Gefahrenabwehr von Kampf- ziellen Fall wurden wir auch als Reserve der Einsatzländern. Dafür wird das nötige Finger-
mitteln und improvisierten Sprengsätzen. Die- Kommando Spezialkräfte in Bereitschaft ge- spitzengefühl im Umgang mit den Traditionen,
ser Aufgabe geht ein verstärkter Trupp, beste- setzt und sollten die fachliche Unterstützung Bräuchen und Sitten der einheimischen Ein-
hend aus zwei Kampfmittelabwehrfeldwebeln für den EOD der Spezialkräfte sicherstellen. satzkräfte verlangt. Es muss eine ausführliche
und zwei Mannschaftsdienstgraden, nach. Ein Ein konkretes Beispiel eines Auftrags sah wie Leistungsanalyse durchgeführt werden, um
Einsatzszenario ist das Betreiben des soge- folgt aus: Die am Haupttor eingesetzten Si- das passende Ausbildungsniveau zu wählen.
nannten EOD (Explosive Ordnance Disposal) cherungskräfte melden im Rahmen der un-
Pit. Dieser ist zu vergleichen mit einer durch mittelbaren Gefahrenabwehr alles, was sie als Es zeigt sich, dass der Einsatz in Afghanistan
Wälle speziell gesicherten Fahrzeugschleu- gefährlich einstufen. Laut erster Meldung han- den Kampfmittelabwehrkräften weiterhin ein
se, welcher sich aufgrund des möglichen Ge- delte es sich am Haupttor des Lagers um ei- hohes Maß an Vielseitigkeit und Professiona-
fahrenbereiches, außerhalb des Lagers befin- nen verdächtig aussehenden Kompressor mit lität abverlangt und die lange Ausbildungszeit
det. Diese Fahrzeugdurchsuchungen waren außenliegenden Kabeln. In Zusammenarbeit dieser Spezialisten sich auszahlt.
immer spannend und angespannt und erfor- mit der Leitstelle, Einsatzleitstelle sowie Si-
derten neben starken Nerven einen ebenso cherungs- und Unterstützungskräften konnten HptFw Peuser
starken Magen und zeigten u. a., dass loka- wir nach unserem Einsatz Entwarnung geben, KpfmAbwFw und
le Fahrzeuge nicht den gewohnten Standards da sich der Verdacht auf einen improvisierten stvZgFhr sKpfmAbwZg 3./PzPiBtl 1
entsprachen und Beladungen wie z. B. Dro- Sprengsatz glücklicherweise nicht bestätigte.
gen, Waffen und „andere verbotene Gegen- Es handelte sich lediglich um einen externen Bildrechte: Bundeswehr/Peuser
stände“ enthielten. Anlasser des Kompressors.

Natürlich arbeiteten die EOD Trupps nicht nur Bei diesen vorab genannten Einsätzen ist der
in gesicherten EOD Pits, sondern auch au- EOD stets auf die Zusammenarbeit mit den
ßerhalb des Lagers waren Durchsuchungen Kampfmittelspürhunden, welche den Kampf-
sicherzustellen. Dies bedingte eine intensi- mittelabwehrkräften im Einsatz angegliedert
ve Planungsphase, wobei der Schutz und die sind, angewiesen. Die Hunde werden, nach
vorhandenen Möglichkeiten vor Ort die Aus- einer optischen Absuche nach Drähten und
planung bestimmten. Zusätzlich mussten wir für den Hund gefährlichen Gegenständen
mittels verstärkter Sicherung durch weiteres durch den Kampfmittelabwehrfeldwebel, vom

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Aus dem Einsatz

Enhanced Forward Presence


Bogener Pioniere in Litauen

04:30 Uhr morgens auf einem Übungsplatz in Abschließend stellte der Kommandeur der Bestandteil. Im Schießübungszentrum in
Litauen nur knapp 10 km von der weißrussi- eFP Battlegroup, Oberstleutnant Papen- Munster wurden die Pioniergruppen auf die
schen Grenze entfernt. Die Motoren der Ge- broock fest, dass der Auftrag erfüllt wurde. angreifende und verzögernde Kompanie auf-
fechtsfahrzeuge werden alle gleichzeitig ge- geteilt. Der Zugführer hat dabei „seinen“ Kom-
startet, dunkle Rauchschwaden steigen über PzBtl 104, Pfreimd Leitverband 5. Rotation paniechef in der Verzögerung beraten und
dem Verfügungsraum auf. Ohne zu funken nachts Sperren anlegen lassen. Die Zusam-
setzt sich die deutsche Kampfkompanie der Das Panzerbataillon 104 hat auf eine stringen- menarbeit mit den beiden Panzergrenadier-
eFP Battlegroup in der befohlenen Reihenfol- te Vorbereitung über zehn Wochen der ein- und Panzerzügen wurde weiter ausgebaut.
ge in Bewegung. Mit dabei – die Bogener Pi- satzgleichen Verpflichtung eFP Litauen gro-
oniere. Am heutigen Tag sind die beiden Pi- ßen Wert gelegt. Im Januar und Oktober 2018 Unbestrittener Höhepunkt in der Vorberei-
oniergruppen jeweils einem Panzergrenadier- wurde jeweils ein SIRA-Durchgang in Muns- tung war der Übungsdurchgang im Ge-
zug unterstellt. Der Zugführer selbst führt an ter durchgeführt, bei dem bereits früh die Be- fechtsübungszentrum des Heeres. Erstmals
diesem Tag seinen Pionierpanzer Dachs und ratungsleistung des PzPi-Zugführers von sei- wurde dort gemeinsam mit NLD und CZE ge-
den niederländischen Pionierpanzer Kodiak nem Kompaniechef der PzKp abverlangt wur- übt und in der Gefechtsübung Seite an Sei-
mit dem angebauten „Mine Breaching Kit“ hin- de. Beide Durchgänge haben insbesondere te die defensive Aktivität geübt. Dabei wurde
ter seinem Kompaniechef und noch vor den für den Stab die Möglichkeit geboten, das spä- schmerzhaft gelernt, wie wichtig präzise Ab-
beiden Panzerzügen im Angriff. Absicht des tere Gefechtsstandkonzept zu erproben und sprachen zwischen den Nationen sind. Die-
Kompaniechefs ist es, auf einer Achse anzu- anzupassen. Im Oktober letzten Jahres wurde ser Umstand hat dazu geführt, dass eine Pan-
greifen, um das Zwischenziel 1 zu nehmen bereits gemeinsam mit der niederländischen zerpioniergruppe eine Sperre sehr lange nicht
und somit die Voraussetzungen für den weite- MechInfKp geübt. Dabei wurde schnell klar, übergeben konnte und es im weiteren Verlauf
ren Angriff der niederländischen und tschechi- dass die Kommunikation mit den Partnernati- der Verzögerung zeitkritisch wurde. Mit wich-
schen Kompanie auf die Ortschaft „Little Vilni- onen ausschließlich in Englisch erfolgen wird. tigen Erfahrungen wurde die Vorbereitung auf
us“ zu schaffen. die einsatzgleiche Verpflichtung abgeschlos-
Im April fand ein erster gemeinsamer Truppen- sen und das nächste große Wiedersehen gab
An diesem letzten Tag der Übung IRON übungsplatzaufenthalt im Bataillonsrahmen es erst in Litauen.
WOLF werden die Panzerpioniere beweisen, auf dem Truppenübungsplatz Klietz statt. Dort
dass sich die gemeinsame Ausbildung der wurden bereits wichtige Grundsteine in der
vergangenen drei Wochen im multinationalen Zusammenarbeit mit der Kampftruppe gelegt.
Umfeld ausgezahlt hat. Die beiden Panzerpi- Die Übernahme von Sperren mit dem dazuge-
oniergruppen haben für die deutsche Kampf- hörigen Minensperrnachweis war ein wichtiger
kompanie nicht nur gegnerische Sperren er-
kundet und geöffnet, sondern die Panzergre-
nadierzüge im abgesessenen Kampf beim
Werfen der Sperrsicherung unterstützt.

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Aus dem Einsatz

Erste Übungsvorhaben gefunden. Höhepunkt war das Übersetzen im stante Beratungsleistung zu gewährleisten.
Zugrahmen mit abgesessenen Kräften. Die Besonders in der Zusammenarbeit mit den
Nach erfolgreicher Verlegung des Materials Panzergrenadiere ließen es sich nicht neh- Pionieren der beiden anderen Nationen hat
und Personals wurde mit dem Ausbildungsbe- men, bereits im seichten Gewässer das S- sich die gemeinsame Ausbildung bezahlt ge-
trieb in Litauen begonnen. Bei einer Weiter- Boot zu verlassen und die letzten Meter durch macht. Routiniert wurden für die unterschied-
bildung für die 4./PzBtl 104 präsentierte der das hüfthohe Wasser zu waten. lichen Szenarien einzelne Gefechtsfahrzeuge
Panzerpionierzug seine Einsatzmöglichkeiten unterstellt. Den Abschluss der Übung bildete
in defensiven Aktivitäten. Dazu gehörten die Kurz vor der Abschlussübung verlegten die Pi- eine dynamische Vorführung, bei der das Mi-
Fähigkeiten der beiden Kampfmittelabwehr- oniere aller Nationen zu einem gemeinsamen nenverlegesystem 85 als Unikatfähigkeit der
feldwebel und das Vorstellen der Großgeräte Übungsplatz erneut nach Pabrade. Dabei Battlegroup eingebunden wurde.
PiPz Dachs und Panzerschnellbrücke Biber. stand die Sprengausbildung im Vordergrund.
Die Bogener Pioniere demonstrierten den Zusammenfassung
Eine entscheidende Forderung des Panzerba- Verschuss mehrerer Panzerabwehrrichtminen
taillons 104 war es immer gewesen, mit dem sowie Minenräumleitern. Im Gegenzug nahm Die einsatzgleiche Verpflichtung in Litau-
Panzerpionierzug auch Flächen zu Sperren. eine Panzerpioniergruppe am Zugangsspren- en bietet die Möglichkeit, im täglichen Aus-
Um diese Fähigkeitslücke zu schließen, wurde gen der niederländischen Pioniere teil. Der bildungsbetrieb sowohl mit den Kampfzügen
der Panzerpionierzug in Litauen an dem wie- einwöchige Übungsplatzaufenthalt schaffte der deutschen Kompanie, als auch mit den
dereingeführten Minenverlegesystem 85 wei- trotz einiger Sprachbarrieren die nötige Kohä- Pionieren der Partnernationen, Ausbildung
ter ausgebildet. Diese Fähigkeit sollte für die sion zwischen den Pionieren der verschiede- und Übung auf hohem Niveau zu betreiben.
folgenden Übungen der Battlegroup essenti- nen Nationen. Bestärkt durch dieses gemein- Besonders im Rahmen der Bündnisverteidi-
ell werden. schaftliche Erlebnis freuten sich die Pioniere gung ist es für den verstärkten Panzerpionier-
aller Nationen darauf, bei der Abschlussübung zug unerlässlich, die Waffensysteme und Ver-
Für die Übung EAGER LEOPARD verlegte die endlich gemeinsam kämpfen zu können. fahren befreundeter Nationen zu kennen, um
gesamte Kompanie für zwei Wochen auf den die Zusammenarbeit zu ermöglichen und zu
Übungsplatz nach Pabrade. Während der drei Die Abschlussübung IRON WOLF vereinfachen. Sehr deutlich wurde dabei, wie
Übungsdurchgänge griff die deutsche Kampf- wichtig es ist, bereits früh die Kohäsion aller
kompanie zweimal an und verzögerte einmal Nach der Alarmierung verlegte die deutsche beteiligten Akteure voranzutreiben. Denn nur,
gegen eine angreifende niederländische Kom- Kampfkompanie zunächst in einen Verfü- wer gemeinsam übt und die Verfahren des an-
panie. Die Übungsdurchgänge boten der ge- gungsraum auf dem Standortübungsplatz deren kennt, kann erfolgreich sein.
samten Kompanie die Möglichkeit, Standards GAIZUNAI nahe Rukla. Nach einem Lageauf-
einzuüben und bei Bedarf anzupassen. Mär- wuchs wurde der Marsch in zwei Marsch-
sche im Kompanierahmen und die Verfahren bändern nach Pabrade vorbereitet. Die 140 Hptm Thilo Siegel
beim Beziehen eines neuen Verfügungsrau- Kilometer Marsch wurden lediglich von ei- ZgFhr PzPiZg bei eFP
mes mit anschließender Sicherung stellten die nem vierstündigen technischen Halt in der
4./ PzBtl 104 vor keine Herausforderung mehr. Nacht unterbrochen. Bei der taktischen Ver- Bildrechte: Bundeswehr/
Von diesen Erfahrungen konnten alle bei der legung der Battlegroup wurde klar, wie posi- Thilo Siegel
Abschlussübung IRON WOLF profitieren. tiv die Präsenz durch die litauische Bevölke-
rung wahrgenommen wird. Mit wenigen Aus-
Ein weiterer Höhepunkt in der Ausbildung war fällen erreichte die Kompanie den befohlenen
der Angriff über ein Gewässer mit abgeses- Verfügungsraum in Pabrade. Dort begannen
senen Kräften. Die niederländischen Pionie- sofort die Vorbereitungen der defensiven Ak-
re haben materiell mit drei S-Booten unter- tivität. Der deutsche Pionierzugführer Haupt-
stützt. An drei Tagen hat die Ausbildung auf mann Siegel hat seinen Kompaniechef bei al-
dem Kaunasser Meer, einem Stausee, statt- len Befehlsausgaben begleitet, um eine kon-

Ausgabe 20 / Dezember 2019 PIONIERE 11


Aus der Truppe

21. Modellbauaustellung in Holzminden


Die 700.000-Euro-Marke wird geknackt

Die Modellbauausstellung in der Holzminde- 77.000 Euro bei seiner 21. Modellbauausstel-
ner Kaserne war wieder einmal ein voller Er- lung zusammengekommen sind. Allerdings,
folg. Rund 77.000 Euro wurden zu Gunsten so betont der „Oberstaber“, sei dies alles nur
der Deutschen KinderKrebshilfe gesammelt. durch die großartige Unterstützung von vielen
Helfern aus dem Freundeskreis des Teams
Am 14. und 15. September 2019 fand in der Duntemann, freiwilligen Soldaten des Panzer-
Pionierkaserne am Solling in Holzminden die pionierbataillon 1, sowie der Mitarbeiter des
21. Modellbauausstellung zu Gunsten der BwDLZ Hannover möglich.
Deutschen KinderKrebshilfe statt. Nicht nur,
dass es zum wiederholten Male eine gelun- Insofern stellte die Jubiläumsausgabe der Mo-
gene Veranstaltung war, die mit neuen High- dellbauausstellung wieder einmal eine phan-
lights wie zum Beispiel den Star Wars Dar- Deutschen Krebshilfe in Person von Herrn Dr. tastische Unterstützung für krebskranke Kin-
stellern beeindruckte, es war auch eine Ver- Franz Kohlhuber, der Kommandeur Panzer- der dar. Oberstabsfeldwebel Duntemann, das
anstaltung, die eine weitere Marke geknackt brigade 21 „Lipperland“ Herr Oberst Mey- Panzerpionierbataillon 1 und die gesamte Re-
hatte – die 700.000-Euro-Marke. Insgesamt er sowie natürlich Initiator Herr Oberstabs- gion Holzminden freuen sich daher schon jetzt
zeigten 472 Aussteller aus ganz Deutschland feldwebel Helmut Duntemann aus Adeleb- auf die Fortsetzung im nächsten Jahr.
und Europa ihre detailgetreuen Modellbauten. sen-Wibbecke, ließen es sich nicht nehmen,
Ebenso rekordverdächtig die Zahl der Besu- Begrüßungsworte an die zahlreichen Gäste,
cher: Rund 10.000 Gäste bevölkerten an bei- Aussteller, freiwilligen Helfer und das Team Einladung
den Tagen die Pionierkaserne am Solling, die Duntemann zu richten.
rund 35.000 Modelle bestaunen durften. Die 22. Modellbauausstellung findet
Danach freuten sich die Modellbauer darü-
am 19. und 20. September 2020
Neben den Modellen stand hier der gute ber, den zahlreichen Besuchern ihre bis in das
Zweck im Mittelpunkt, und zwar die Samm- kleinste Detail ausgearbeiteten Modelle prä- in der Pionierkaserne am Solling in
lung von Spenden zu Gunsten der Deutschen sentieren zu können. 642.000 Euro wurden Holzminden statt.
KinderKrebshilfe. Eröffnet wurde die Veran- durch die von Oberstabsfeldwebel der Reser-
staltung durch den Kommandeur Panzerpio- ve Helmut Duntemann organisierten Modell-
nierbataillon 1 Oberstleutnant Flach. Auch die bauausstellungen bisher über die Jahre ins- HptFw Barbarito, PzPiBtl 1
Ehrengäste, darunter der Bürgermeister der gesamt gesammelt. Auch dieses Jahr sollte OSF d. R. Duntemann, PzPiBtl 1
Stadt Holzminden Herr Daul, der Vorstand der wieder fleißig gespendet werden, sodass rund Bildrechte: Bundeswehr/Weeger

12 PIONIERE Ausgabe 20 / Dezember 2019


Aus der Truppe

Emotional – Bildkräftig
Luftlandepioniere in der Normandie und am Bodensee

Hinter den Luftlandepionieren der Luftlande-


brigade 1 liegt bereits ein ereignisreiches Jahr.
Neben den Daueraufträgen und der Vorbe-
reitung auf EUBG 2020 (hier Schwerpunkt)
waren die bildkräftigsten und emotionals-
ten Höhepunkte sicher die Teilnahme an den
Gedenkveranstaltungen in der Normandie und
der Wassersprungdienst Langenargen.

In der Normandie errichtete ein Team der Luft-


landebrigade 1 unter Federführung Luftlan-
depionierkompanie 260 ein Feldlager für 120
Männer und Frauen aus 3 Nationen (DEU,
USA, AUT) und betrieb dieses für 3 Wochen.
Dazu nahmen wir an zahllosen Gedenkver-
anstaltungen teil, führten taktisch-historische
Weiterbildungen durch und nahmen am inter-
nationalen Sprungdienst teil. Der Höhepunkt
war sicher der Einmarsch der Fallschirmjäger
in St. Maire Eglise, bei dem Tausende Men-
schen die Straßen säumten und die Nachfah-
ren der ehemaligen Gegner mit Applaus be-
grüßten. Hier wurde Versöhnung über den
Gräbern gelebt und soldatische Professionali-
tät mit internationaler Kooperation und Ausbil-
dung verbunden.

Am schönen Bodensee unterstützten Luftlan-


depioniere im Juli den Wassersprungdienst
des Fallschirmjägerregiments 26. Vor traum-
hafter Kulisse stellten wir sicher, dass alle
Springer wohlbehalten aus dem Wasser ans
rettende Ufer gelangten und nahmen auch
selbst teil.

Beide Vorhaben haben die Bandbreite des


Dienstes in einer Luftlandepionierkompanie
unter Beweis gestellt und ein Beispiel geliefert,
wie die Welten von Pionieren und Fallschirmjä-
gern verschmelzen.

Maj Stefan Böttcher


KpChef LLPiKp 260

Bildrechte:
Bundeswehr

Ausgabe 20 / Dezember 2019 PIONIERE 13


Aus der Truppe

BERGLÖWE 2019
Vorbereitung und Lehren aus der Pionierunterstützung

Während der Gefechtsübung BERGLÖWE dieser Brigade über ein 120 Meter breites Ge- Fähren den Vorauskräften der Gebirgsjäger
2019 schaffen die Pionierkräfte aus Ingol- wässer seit zwanzig Jahren statt. Unter Einbin- der Angriff über den Inn bei Nacht ermöglicht
stadt und Havelberg gemeinsam die Vor- dung der Gebirgsjäger aus Mittenwald, Pionie- wurde. Anschließend bewältigten die Pionie-
aussetzungen für den Angriff eines infan- ren aus Havelberg sowie zusätzlicher Kräften re aus Havelberg erfolgreich die Aufgabe, den
teristischen Gefechtsverbandes über ein aus Füssen, Weiden, Mayen und Neuburg galt Übergang der Hauptkräfte zunächst im 7-fach-
breites Gewässer es für alle Teilnehmer, Verlerntes neu zu er- Fährbetrieb sowie am Folgetag mit einer 130
lernen und sich Gefechtsbilder der LV/BV wie- Meter langen Kriegsbrücke (FSB) zu gewähr-
Die Vorbereitung der zu erarbeiten – das war ein steiniger Weg! leisten.

Die Brigadegefechtsübung BERGLÖWE 2019 Bahnentladung und Kriegsbrückenschlag Lehren aus dem BERGLÖWEN 2019
war für das Gebirgspionierbataillon 8 der
Schwerpunkt des ersten Halbjahres. So wa- Die zielgerichtete Vorbereitung zahlte sich 1. Die Verlegefähigkeit eines Gefechtsver-
ren mit der behelfsmäßigen Bahnentladung aus, als es für die der Gebirgsjägerbrigade bands (LV/BV), zum Beispiel an die Ostflan-
im Inntal mittels zerlegbarer Kopframpe und 23 unterstellten Pionierkräfte ernst wurde: an ke der NATO in einem Szenario vergleichbar
der unmittelbaren Pionierunterstützung im An- den ersten Übungstagen fand nach dem über eFP Baltikum, bedingt die Fähigkeit zum Ei-
griff über 80 Kilometer bis auf das 2.300 Me- Nacht abgeschlossenen Aufbau der Kopfram- senbahntransport, einschließlich behelfsmäßi-
ter hoch gelegene Hochplateau der Reiteralpe pe auf dem Gelände des Rohrdorfer Zement- ger, gefechtsmäßiger Be- und Entladung, bei-
gleich zwei fordernde Aufgaben zu bewältigen. werks der reibungslose Entladeprozess statt: spielsweise über zerlegbare Kopframpe. Das
250 Gefechtsfahrzeuge des verstärkten Ge- muss gemeinsam mit der Kampftruppe konti-
Bei der im Frühjahr beginnenden Vorbereitung birgsjägerbataillons 233 aus Mittenwald roll- nuierlich geübt werden. 2020 erwartet uns ei-
wurde daher nichts dem Zufall überlassen. ten planmäßig von einer Station zur nächsten, ne gefechtsmäßige Bahnentladung abseits
Über mehrere Wochen hinweg übte ein Pio- wurden dabei sortiert, betankt sowie zum Auf- fester Infrastruktur auf offener Strecke.
niermaschinenzug der 4./8 auf dem Gelände sitzen der 1.000 Mann Kampfbesatzung und
des Ingolstädter Hauptbahnhofs den Auf- und für den Abmarsch aufgefahren. 2. Vor Beziehen eines Verfügungsraums ist
Abbau der zerlegbaren Kopframpe sowie das die Tragfähigkeit des Bodens hinsichtlich der
Be- und Entladen der Güterwaggons. Parallel Auch in der zweiten Phase haben sich die Befahrbarkeit für Fahrzeuge (Rad/Kette) pio-
dazu fand im April bei einer Weiterbildung al- Pionierkräfte aus Ingolstadt und Havelberg be- niertechnisch zu beurteilen. In der Truppen-
ler Kompaniechefs, Zugführer und Stabsoffi- währt. Nach eingehender Erkundung wurden ausbildung sind feldmäßige Methoden zur Be-
ziere der Gebirgsjägerbrigade 23 an der Do- bei Brannenburg zwei Übergangsstellen iden- urteilung der Tragfähigkeit des Bodens wieder
nau der erste Angriff eines Gefechtsverbandes tifiziert, an denen mit S-Booten und S-Boot- stärker zu vermitteln (z. B. Spatenprobe, Hu-
ckepack-Probe, usw.). In Verfügungsräumen
mit schmalen An- und Abmarschwegen ist un-
ter Umständen ein Verkehrsleitnetz mit Ein-
bahnverkehr einzurichten.

3. Der Angriff eines Gefechtsverbands über


breite Gewässer mit der Faltschwimmbrücke
FSB erfordert einen „Plan übergehende Trup-
pe“, um Massierungen des Gefechtsverbands
am Gewässer zu vermeiden. Eine Lehrvorfüh-
rung vor einer solchen komplexen Übung al-
lein ist nicht ausreichend. Die Einsatzgrund-
sätze und Verfahren müssen zusätzlich (z.B.
Planübung / SIRA) vertieft werden, um ein ein-
heitliches taktisches Verständnis zu schaffen.

Hptm Michael Lorke


Presseoffizier Gebirgspionierbataillon 8
Bildrechte: Bundeswehr / Thomas Vigh

14 PIONIERE Ausgabe 20 / Dezember 2019


Aus der Truppe

Kampfmittelabwehrverfahren für den Einsatz


Gebirgspioniere üben national und multinational

Stetten a. k. M., Deutschland. auch eine Ausbildungsanlage für umfangrei-


Zertifizierung für Mali che schieß- und sprengtechnische Verfah-
ren. Diese nahezu idealen Übungsvoraus-
Lageupdate! Die Kampfmittelabwehrkräfte er- setzungen konnten durch die EOD-Kräfte der
halten von der Einsatzleitstelle Informationen 2./ GebPiBtl 8 optimal genutzt werden: Mit Ab-
über aktuelle feindliche Aktivitäten im Einsatz- schluss des sechstägigen Lagetrainings nah-
raum: Malische Sicherheitskräfte haben einen men die Soldaten durch das Erlangen ihrer
Selbstmordattentäter mit Sprengstoffweste Zertifizierung die letzte Ausbildungshürde vor
gemeldet, der beim Versuch, in die Ortschaft Beginn ihres Einsatzes in Westafrika.
Lagetraining in Stetten: Der KpfmAbwFw eines EOD-
einzudringen, erschossen wurde. Der Auf- Trupps bei der Entschärfung einer Sprengstoffweste eines
trag lautet, durch das Anwenden von Verfah- Slagelse, Dänemark. Selbstmordattentäters.
ren des Explosive Ordnance Disposal (EOD, Multinational an der Nordsee
zu Deutsch: Kampfmittelbeseitigung) jegliche als zwanzig komplexe Einsatzlagen. Durch
Gefahr für die örtliche Bevölkerung wortwört- Die KpfmAbwKr der 4./GebPiBtl 8 nutzten ih- den Erfahrungsaustausch mit Marine, Luft-
lich zu entschärfen. rerseits das Marine-Herbstmanöver „Northern waffe und den anderen teilnehmenden Natio-
Coasts“ der Einsatzflottille 1 dazu, ihre Fä- nen konnten die Ingolstädter Gebirgspioniere
Dieses Lagetraining stellte den Höhepunkt higkeiten im Bereich der Ostseezugänge so- ihren Wissenstand, ihre Fertigkeiten und ihre
der Vorbereitung der 2./GebPiBtl 8 auf ih- wie in der westlichen Ostsee zwischen Kiel Einsatzbereitschaft erheblich steigern – auch
ren bevorstehenden Einsatz in Mali dar. Die und Bornholm im Zusammenwirken mit 3.000 im Hinblick auf die zukünftigen Einsatzgestel-
ab Oktober 2019 zu MINUSMA entsendeten Soldaten zu trainieren und so die unter einem lungen des Bataillons.
Kampfmittelabwehrsoldaten wurden zu die- fiktiven UN Mandat laufenden Seewege zu
sem Zweck in Stetten a.k.M. realitätsnah be- schützen. Im dänischen Slagelse absolvier- Hptm Michael Lorke
übt. Das ÜbZKpfmAbw stellte hierfür nicht ten die Männer des Kampfmittelabwehrzugs Presseoffizier GebPiBtl 8
nur Gefechtsfahrzeuge, Fernmeldemittel und im Rahmen der großangelegten, multinati- Bildrechte: Bundeswehr
Missionsausrüstung zur Verfügung, sondern onalen Übung innerhalb von 13 Tagen mehr

Wir haben unseren Kletterturm!


Feierliche Übernahme am 25. September 2019

In der Pionierkaserne auf der Schanz fand die „Er bietet somit ideale Ausbildungsmöglichkei-
feierliche Übernahme des Ausbildungs- und ten zur Vorbereitung auf das Militärische Berg-
Kletterturms des Gebirgspionierbataillons 8 – steigen“, führte der Kommandeur des Gebirg-
des ersten seiner Art in der Gebirgsjägerbri- spionierbataillons 8, Oberstleutnant Sebasti-
gade 23 – statt. an Klink, zu dieser neuen Ausbildungsstätte
aus und dankte den anwesenden Baubetei-
Der 25 m hohe Turm ist umlaufend mit einer ligten für die spannungsarme und erfolgreiche
schockabsorbierenden Oberfläche versehen. Umsetzung des Projektes.
Die Nordseite besteht aus einem modularen
Kletterstreckenverlauf, die Ostseite aus ei-
ner Steigleiter zur Aus- und Weiterbildung von HFw Deniz Cetin
Höhenrettern, die Südseite aus einem Kletter-
steig mit Griffen, Kletternetz und Leiter und Bildrechte:
die Westseite aus einer „Hubschrauberkufe“ Bundeswehr/Sabrina Kleinekort
zum Abseilen aus Lufttransportmitteln.

Ausgabe 20 / Dezember 2019 PIONIERE 15


Aus der Truppe

Gefechtsbilder schaffen
Kriegsbrückenschlag über die NAAB

In der Planungsphase ist ein Kriegsbrücken- Verständnis für die Möglichkeiten aber auch von 40 Meter möglich ist, auch wenn dieser
schlag in wenigen Sekunden eingezeichnet Grenzen der Übersetzmittel und des Brücken- unter Umständen aus Sicht der Kampftruppe
und geplant. Vielen militärischen Führern – al- gerätes des Bataillons zu erzielen, um so die nicht ideal erscheint. Aber Gewässerspiegel-
len voran dem Führernachwuchs – fehlen oft- Zusammenarbeit zwischen der Kampf- und breite, Zu- und Abfahrtswege sowie die Be-
mals dynamische Bilder für eine realistische der Pioniertruppe weiter zu professionalisie- schaffenheit des Ufervorlandes setzen unter
Planung, insbesondere für das hochintensive ren. Demzufolge waren alle Phasen eines die Forderung eines schnellen Überwindens
Gefecht. Daher muss das Stellen realistischer Kriegsbrückenschlages in Echtzeit darzustel- die Grenzen des Machbaren.
und dynamischer Bilder wieder den Schwer- len, da nur so aufgezeigt werden kann, wel-
punkt von Führerweiterbildungen bilden! Wie- che vorbereitenden Maßnahmen erforderlich Nach dem Bilden des Brückenkopfes durch
viel Zeit kostet der Übergang mit Kriegsbrü- sind und warum Pioniere nicht innerhalb we- abgesessene Panzergrenadiere mit Hilfe des
cken über ein mittleres Gewässer im Angriff niger Minuten den Übergang realisieren kön- Einsatzes von S-Booten wurde eine einge-
aber tatsächlich? Welche Maßnahmen sind nen. In der Vorbereitung der Führerweiterbil- hende Erkundung der Übergangsstelle durch-
für einen zügigen Übergang von Gefechts- dung wurde ein Gefechtsausschnitt erarbei- geführt. Hier war es dem PzPiBtl 4 besonders
fahrzeugen über ein mittleres Gewässer erfor- tet, welcher im Kern den Vorausangriff einer wichtig, die Notwendigkeit der eingehenden
derlich? Diese zentralen Fragen waren Kern PzGrenKp in Vorbereitung auf den Angriff der Erkundung herauszustellen und den erfor-
der Führerweiterbildung „Überwinden mittle- Hauptkräfte der PzBrig 12 darstellt. Aufgrund derlichen Zeitansatz nachvollziehbar darzu-
rer Gewässer im Angriff“ im Rahmen der Ge- zerstörter Verkehrsinfrastruktur muss der Vo- stellen. Nach der Feststellung, dass die vor-
fechtsübung GRANTIGER LÖWE 2019 der rausangriff der PzGrenKp über die NAAB er- geplante Übergangsstelle geeignet ist, konn-
Panzerbrigade 12 „Oberpfalz“. An insgesamt folgen, die in dem befohlenen Geländeab- te unmittelbar mit dem überlappten Verlegen
drei Übungstagen konnten sich rund 350 Wei- schnitt eine Gewässerspiegelbreite von 35 - der PzSchnBr begonnen werden. Ohne Frikti-
terbildungsteilnehmer aus allen Verbänden 50 Meter aufweist. Somit war frühzeitig klar, onen wurde so der Übergang über die NAAB
der Panzerbrigade 12 einschließlich weite- dass ein überlapptes Verlegen der PzSchnBr geschaffen und ermöglichte es der PzGrenKp
rer geladener Gäste von den Fähigkeiten der unumgänglich ist. sowie der unterstützenden PzPiGrp und
Panzerpioniere aus Bogen überzeugen. KpfmAbwGrp die NAAB mit den SPz PUMA
Abgeleitet aus den Einflussfaktoren – al- zu überwinden und den Angriff weiter fortzu-
Absicht Kommandeur Panzerpionierbatail- len voran den Geofaktoren – wurde den Teil- setzen.
lon 4 war es, die Einsatzgrundsätze beim nehmern anschaulich verdeutlicht, warum ein
Überwinden schmaler und mittlerer Gewäs- Übergang nur an dem gewählten Gewässer- Mit dem im Panzerpionierbataillon 4 verfüg-
ser zu veranschaulichen sowie ein erweitertes abschnitt mit einer Gewässerspiegelbreite baren Brückengerät kann nur durch Einsatz

16 PIONIERE Ausgabe 20 / Dezember 2019


Aus der Truppe

der Faltfestbrücke (FFB) auch ein Übersetzen die Infrastruktur aus der damaligen Zeit vor-
von KPz LEOPARD 2 über die NAAB realisiert handen und konnte sehr anschaulich vorge-
werden. Die Unterstützungsbrücke FFB ist für stellt werden. Viele junge Zuhörer waren sehr
den Einsatz im Angriff aufgrund der notwen- beeindruckt und überrascht über die damali-
digen Bauzeit jedoch unzweckmäßig. Um ein gen vorbereitenden Maßnahmen an kritischer
nachhaltiges Verständnis hierfür zu erzielen, Infrastruktur.
wurde daher auch die FFB in Echtzeit aufge-
baut. Viele der Weiterbildungsteilnehmer hat- Der Brigadekommandeur Panzerbrigade 12,
ten noch nie zuvor eine FFB gesehen, kann- Herr Oberst Schulz, hat in seinen Abschluss-
ten dieses Brückengerät noch gar nicht! worten festgestellt, dass die Komplexität eines
Gewässerübergangs mit Kriegsbrückengerät
Während der Bauphase der FFB wurde ein immer wieder unterschätzt wird. „Meine Aner-
Stationskreislauf durchgeführt. Neben der kennung für diese bemerkenswerte Leistung
Einnahme der Mittagsverpflegung, konnte der gilt den Soldatinnen und Soldaten des Pan-
Baufortschritt der FFB sowie zeitgleich das zerpionierbataillons 4 in Zusammenwirken mit
Zuführen einer PzSchnBr durch den BrErgTrp den Panzergrenadier- und Panzerkameraden.
mit Tieflader und dem Einsatz des PiPz Dachs Sie haben es geschafft, dass wir heute realis-
zum Zusammensetzen der Brücke beobachtet tische Bilder vor Augen haben, die den jünge-
werden. Außerdem wurde den Teilnehmern ren Soldaten fehlen. Man kann vieles in der
ein mittlerweile kaum noch bekannter Auftrag Theorie vermitteln, aber der Blick ins Gelände
der Pioniertruppe vor 1990 aufzeigt: das An- ist durch nichts zu ersetzen.“
legen von Sprengsperren an dazu vorbereite-
ter Verkehrsinfrastruktur. Hierzu verlegten die
Teilnehmer an eine nahegelegene Autobahn- Oberstlt René Jarschke
brücke der BAB 93, die im Rahmen des Ge- StvBtlKdr PzPiBtl 4
neral Defence Plan (GDP) baulich zur Spren- Bildrechte:
gung vorbereitet worden war. Noch heute ist Bundeswehr/Ralph Zwilling

Tag der offenen Tür in Bogen


Rückblick auf einen gelungenen Tag

Anlässlich des 60-jährigen Bestehens als


Pionierverband öffnete das PzPiBtl 4 am
13.07.2019 die Tore der Graf-Aswin-Kaserne
zum Tag der offenen Tür. Eingebunden in das
Bogener Volks- und Heimatfest und mit stän-
digem Buspendelverkehr zwischen den Ver-
anstaltungsorten des PiÜbPl(W), der Kaserne
und dem Volks- und Heimatfest konnten trotz
teilweise regnerischen Wetters ca. 4.000 Be-
sucher während des Tages begrüßt werden.
Statische und dynamische Vorführungen so-
wie der gemeinsame Ansatz mit anderen
„Blaulichtorganisationen“ und das hoch mo-
tivierte Mitwirken aller Beteiligten trugen we-
sentlich zum kurzweiligen Erleben und zur äu-
ßerst positiven Resonanz bei den Gästen bei.

Oberstlt Michael Thomas


S3 StOffz PzPiBtl 4
Bildrechte: Bundeswehr

Ausgabe 20 / Dezember 2019 PIONIERE 17


Aus der Truppe
+++ kurz & informativ +++

Panzerpioniere in Minden stellen


nach 47 Jahren neue Truppenfahne in Dienst
Nach knapp 47 Jahren hat das Panzerpionierbataillon 130
aus Minden am 20. Juli 2019 eine neue Truppenfahne in
Dienst gestellt. In den Räumen der Traditionsgemeinschaft
der Herzog-von-Braunschweig-Kaserne wurden dazu die
Fahnenbänder unter den Augen der ehemaligen Komman-
deure und der Ehrenpioniere von der alten an die neue Trup-
penfahne übergeben.

Seit damals im Ok-


tober 1972 die nun
außer Dienst ge-
stellte Truppen-
fahne dem Amphi-
bischen Pionier-
bataillon 130 in
Minden übergeben dass sie uns fast ein halbes Jahrhundert
wurde, haben un- lang treu zur Seite gestanden hat“, erklärte
zählige Soldaten Oberstleutnant Helge Lammerschmidt, Kom-
und Soldatinnen mandeur des PzPiBtl 130, „unter der Neuen
ihre Hand an die werden wir diese Traditionen weiterleben;
Fahne gehalten, zeigt es auch gleich, dass wir Mindener Pio-
um ihren Eid zum treuen Dienen und zum tapferen Verteidi- niere Neuerungen miterleben und erfahren, wir die Aufrecht-
gen für die Bundesrepublik zu leisten. Seitdem hat sich Vie- erhaltung der Werte und Normen und die damit verbundenen
les verändert, Bataillone wurden umstrukturiert und neu auf- soldatischen Tugenden respektieren und fortführen kön-
gestellt, doch hatten alle stets eines gemeinsam: Sie trugen nen.“
diese eine Truppenfahne mit der Bataillonszahl 130.
Maj André Burdich
„Auch wenn wir uns jetzt von unserer alten Truppenfahne Bildrechte: Bundeswehr/
verabschieden müssen, so sind wir überaus stolz darauf, A. Burdich

Besondere Auszeichnung
Langjähriger Freund der Mindener Pioniere
wird „Ehrenpionier“
Minden, im Juli 2019. Mit dem Militär kennt Seit Einführung dieser Tradition im Jah-
er sich aus – selbst 1966/67 Pionier ge- re 1985 wurden bisher nur 9 Ehrenpionie-
wesen – jetzt hat er einen militärischen re am Standort Minden ernannt, da diese
Ehrentitel: Egon Stellbrink, 1. stellver- Auszeichnung ausschließlich Personen
tretender Bürgermeister der Stadt Min- erhalten, die sich in besonderer Weise und
den, ist zum „Ehrenpionier am Stand- mit hohem persönlichem Engagement um
ort Minden“ ernannt worden. Oberstleut- das Kulturgut des Bundeswehrstandor-
nant Björn Krap, stv. BtlKdr PzPiBtl 130, tes Minden sowie um die Entwicklung der
würdigte damit in einem kleinen Festakt Mindener Pioniere vorbildlich verdient ge-
Stellbrinks unermüdlichen Einsatz für die macht haben.
Pioniere, damit diese zu einem festen und
integralen Bestandteil der Stadt Minden Maj André Burdich
und der Mindener Bevölkerung werden Bildrechte: Bundeswehr/
konnten. A. Burdich

18 PIONIERE Ausgabe 20 / Dezember 2019


Aus der Truppe
+++ kurz & informativ +++

Amphibienkompanie Kompaniechefwechsel im
5./sPiBtl 901 erstmals im Panzierpionierbataillon 130
Außeneinsatz Minden, im Juni 2019. Gleich drei Kom-
panien sind in diesem Jahr unter ein
neues Kommando gestellt worden.
Minden/ Hameln, im Juni 2019. Erstmalig sind die Sol- Der Kommandeur des Panzerpionier-
datinnen und Soldaten der neu aufgestellten 5. Kp des bataillon 130, Herr Oberstleutnant
schweren Pionierbataillon 901 mit ihren Amphibien M3 Helge Lammerschmidt, übergab die
im Außeneinsatz unterwegs gewesen. Zusammen mit Führung der 1./PzPiBtl 130 von Major
den am Standort Minden beheimateten britischen Kräf- Björn Iffländer an Hauptmann Marcus
te der 23 Amphibious Engineer Squadron Royal Engi- Krause. Die Führung der 2./PzPiBtl 130
neers und ihren Amphibien ging es nach Hameln Pyr- wechselte von Major Christian Wölki
mont, wo die Amphibien unmittelbar mit dem Bau der an Hauptmann Thomas Zimmermann
Fähren beginnen konnten. Gemeinsam wurde das Fel- sowie die der 3./PzPiBtl 130 von Major
genfest im Landkreis Hameln Pyrmont mit dem Bau ei- Peter Gerhard an Frau Hauptmann Oli-
ner Fähre über die Weser unterstützt. via Graack.

Im Laufe des Tages konnten so 8.000 Wanderer und Maj André Burdich
Radfahrer den militärischen Fährbetrieb nutzen und Bildrechte:
nahmen dafür bereitwillig auch Wartezeiten in Kauf. Bundeswehr/PzPiBtl 130
Das Felgenfest im Kreis Hameln Pyrmont ist für die Min-
dener Pioniere eine feste Größe im Terminkalender und
im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit bzw. Nachwuchs-
werbung eine sehr gute Gelegenheit, sich zu präsen-
tieren.
Deutsch-Britisches
HptFw Nikolaj Hildebrandt Generalstreffen in Minden
Bildrechte: Bundeswehr, 5./sPiBtl 901
Minden, Nordrhein-Westfalen,
28. August 2019. Die Amphi-
bie M3 – die Schwimmschnell-
brücke – gibt es in der Na-
to nur bei zwei Nationen. Bei
den britischen und deutschen
Streitkräften. Beide Nationen
ziehen seit 2015, am Pionier-
standort Minden, an einem
Strang. Unter den Augen von
Generalleutnant Johann Lan-
genegger, dem Kommandeur
Einsatz und stellvertretenden
Inspekteur des Deutschen
Heeres sowie Lieutenant Ge-
neral Ivan Jones CB, dem
Commander Field Army des
Vereinigten Königreiches, de-
monstrierten beide Länder er-
neut ihre in der Nato einzigar-
tige Zusammenarbeit.

Maj André Burdich


Bildrechte:
Bw/R. Lindenau

Ausgabe 20 / Dezember 2019 PIONIERE 19


Aus der Truppe

Ein selten gewordener Anblick


Anlegen einer Baumsperre durch Sprengen

Während der Brigadeübung „Wettiner Heide“ rung abseits der taktischen Lage, mit Spreng- alle Soldaten des Panzerpionierzuges aus-
der Panzergrenadierbrigade 37 auf dem Trup- mitteln ausgestattet, die umgehend auf die gebildete Sprenghelfer oder sogar Sprengbe-
penübungsplatz Bergen bot sich für uns, der Transportpanzer verladen wurden. rechtigte sind, haben die meisten bislang noch
2. und 3. Kompanie des Panzerpionierbatail- keine Erfahrung mit dem Anlegen von Baum-
lons 701, die seltene Gelegenheit, eine Baum- Nun stehen wir unweit der Sperrstelle, ei- sperren durch Sprengen sammeln können.
sperre durch Sprengen anzulegen. nem Waldweg parallel zur Schießbahn, auf Unter Anleitung durch den Leitenden und die
Gruppenführer wird deshalb ein Baum nach
dem anderen sorgsam zur Sprengung vorbe-
reitet.

Gegen Mittag schließlich werden die Vorbe-


reitungen abgeschlossen und die Soldaten
des Panzerpionierzuges begehen noch ein-
mal zusammen mit dem Leitenden, abseits
der taktischen Lage, die Sperrstelle und ha-
ben die Möglichkeit sich die verschiedenen
Formen der Ladungsanbringung anzusehen.
Die Anwendung verschiedener Formen der
Ladungsanbringung soll zeigen, wie sich die-
se auswirken können.

Dann wird die Lage fortgesetzt und der Zug-


führer erhält den Befehl zum Schließen der
Sperre. Eilends verlassen die Soldaten die
Sperrstelle und räumen den Gefahrenbereich.
Auf der Schießbahnbasis, auf der sich die Be-
Einfache Mittel der Ladungsanbringung: Durch die Anbringung mit Frischhaltefolie können die Pioniere wertvolle Zeit bei sucher und inzwischen auch die Soldaten
der Vorbereitung der Bäume zur Sprengung sparen des Panzerpionierzuges eingefunden haben,
herrscht gespanntes Schweigen – dann folgt
Das Anlegen von Baumsperren, insbesondere der Schießbahnbasis. Der Zugführer hat sei- auf die Zündung die weithin hörbare Detonati-
das Anlegen von Baumsperren durch Spren- ne Gruppenführer geschart, die Sperrstelle on, und mit dem schwindenden Echo das ver-
gen, wird nur noch selten exerziert, sodass al- veranschaulicht und erläutert soeben mittels nehmbare Geräusch fallender Bäume.
lein wenige, erfahrene Kameraden substanti- des Geländesandkastens seine Absicht für
elle Erfahrung vorweisen können. Mithin wol- das weitere Vorgehen; angesichts vermute- Bei der sich anschließenden Begehung der
len wir diese gemeinsame Ausbildung – das ter feindlicher Aufklärung wird die Sperre un- Sperrstelle wird allerdings schnell klar, dass
Anlegen einer Baumsperre durch Sprengen ter Eigensicherung angelegt werden. Dann, der gewünschte Sprengerfolg nicht gänzlich
und das anschließende Verstärken der Baum- nachdem ihre Aufträge klar sind, beziehen die eingetreten ist; noch steht ein Dutzend der zur
sperre – hier schildern. Gruppen mit ihren Transportpanzern eilig die Sprengung vorbereiteten Bäume mehr oder
Sicherung und die verbleibenden Pioniere be- minder aufrecht. Während bei einigen Bäu-
Die Ausbildung begann mit folgendem Auf- ginnen, rundum gesichert, mit dem Anlegen men augenscheinlich die errechnete Spreng-
trag: Der Panzerpionierzug, bestehend aus der Sperre. ladung nicht ausreichend bemessen war, ha-
Soldaten der 2. und 3. Kompanie, sollte eine ben sich andere mit ihrem Geäst verfangen.
Baumsperre anlegen, die bereits zuvor durch Bei den Vorbereitungen für die Sprengung Mit diesem Eindruck endet, nach einer ersten
den Panzerpionierzug erkundet worden war. kann der Zugführer auf erfahrene Gruppen- Auswertung, der erste Ausbildungstag.
Sodann formierte sich der Panzerpionier- führer und deren Erfahrung bauen. Das Be-
zug zum Marsch hin zur Schießbahn, auf der messen und Anbringen der Sprengmasse Der folgende Ausbildungstag begann mit ei-
die Sperrausbildung abgehalten werden soll- stellt aber dennoch eine Herausforderung dar, nem neuen Auftrag: Die angelegte, geschlos-
te. Mit Erreichen der Schießbahn wurde der denn vor allem sollen die Bäume, der Sperr- sene Baumsperre sollte verstärkt werden.
Panzerpionierzug durch den Leitenden auf- wirkung wegen, durch die Sprengung nicht Abermals auf der Schießbahn angekommen,
genommen und, nach Einweisung und Beleh- vollständig abgetrennt werden. Wenngleich beziehen die Pioniere wieder die Sicherung

20 PIONIERE Ausgabe 20 / Dezember 2019


Aus der Truppe

und beginnen mit dem Verstärken der Baum- der abschließenden Auswertung der Ausbil- Die Ausbildung hat dahingehend den mit dem
sperre. Nachdem inzwischen das verbleiben- dung endet schließlich auch der zweite Aus- Anlegen einer Baumsperre einhergehenden
de Dutzend Bäume gefällt wurde, werden bildungstag. Aufwand und die erwartete Sperrwirkung ei-
nun Stacheldrahtrollen ausgebracht und die ner Baumsperre wie auch einer verstärkten
Baumstämme mit Drahtseilen und Eisen zu- Mit Hinblick auf die abschließende Auswer- Baumsperre verdeutlicht – nicht nur für die
sammengebunden und -geschlagen. Durch tung können wir konstatieren, dass diese Aus- Soldaten des Panzerpionierzuges, sondern
den Stacheldraht und das Verbinden der bildung den meisten Teilnehmenden eine bis- auch für die vielen Besucher aus den Verbän-
Baumstämme, und durch das anschließen- lang einmalige Gelegenheit bot, eine Baum- den der Brigade, die sich ein Bild von der Leis-
de Verlegen von Minen, soll dem Feind das sperre durch das Sprengen von Bäumen unter tungsfähigkeit der Pioniere machen konnten.
Überwinden und Öffnen der Sperre weiter er- realistischen Bedingungen anzulegen. Die Ungeachtet dessen hat die Ausbildung aber
schwert werden. Ausbildung bot aber nicht nur die seltene Ge- eben auch gezeigt, dass eine regelmäßige
legenheit, eine Baumsperre anzulegen, son- praktische Ausbildung für das Anlegen von
Wieder gegen Mittag, werden die Maßnah- dern für erfahrene Kameraden auch die Mög- Baumsperren durch Sprengen unbedingt not-
men zum Verstärken der Sperre abgeschlos- lichkeit, ihre Expertise weiterzugeben. wendig ist; der theoretische Unterricht kann
sen. Noch einmal begehen die Soldaten zu- die praktische Ausbildung und die damit ver-
sammen mit dem Leitenden die Sperrstelle; Die Anwendung verschiedener Formen der La- bundenen Bilder nicht substituieren!
die taktische Lage ist mit der Meldung durch dungsanbringung hat weiterhin gezeigt, dass
den Zugführer, dass das Verstärken der Sper- mit einfachen Mitteln die für die Vorbereitung
re abgeschlossen wurde, unterbrochen wor- der Sprengung benötigte Zeit minimiert werden OLt Wolkenstörfer
den. Der Leitende erläutert, wie später auch kann; perspektivisch können diese Erkenntnis- Bildrechte: Bundeswehr
den Besuchern aus den Verbänden der Bri- se bei der Ausstattung der Pioniergruppen mit
gade, die Sperrwirkung der Baumsperre ge- Material und konsequent bei Bemessen der
gen feindliche Rad- und Kettenfahrzeuge. Mit Zeitansätze berücksichtigt werden.

Kommandowechsel
Neuer Kommandeur im Panzerpionierbataillon 701

Zum 14. Mal wurde in Gera das Kommando nadierbrigade 37. Er wünschte dem scheiden-
über das Panzerpionierbataillon 701 seit sei- den sowie dem neuen Kommandeur viel Er-
ner Aufstellung zum 01. Juli 1991 übergeben. folg und Soldatenglück auf ihrem Weg in ihren
Neuer Kommandeur im Panzerpionierbatail- neuen Verwendungen.
lon 701 in Gera wurde Oberstleutnant Jan
Radloff, welcher in seiner letzten Verwendung In einer berührenden Rede dankte Oberstleut-
Referent im BMVg war. Er wurde damit Nach- nant Vogt allen Soldaten und Unterstützern
folger von Oberstleutnant Ronny Vogt. des Bataillons in seiner Zeit als Kommandeur
in Gera. Emotional verabschiedete er sich aus
Am 26. August 2019 übergab Brigadegeneral persönlichen Gründen vorzeitig aus seinem
Gunnar Brügner, Kommandeur Panzergrena- Kommando als Kommandeur des Panzerpio-
dierbrigade 37 „Freistaat Sachsen“, im Rah- nierbataillon 701.
men eines feierlichen Appells in der Pionier-
kaserne Gera das Kommando über das Pan- Im Anschluss an den Appell war es Oberst-
zerpionierbataillon 701 von Oberstleutnant leutnant Vogt ein Anliegen, sich von jedem
Vogt an Oberstleutnant Radloff. seiner ca. 500 anwesenden Soldaten mit
einem persönlichen Handschlag zu verab-
In Anwesenheit von über 200 Gästen aus Po- schieden.
litik, Verwaltung, Geistlichkeit, Wirtschaft, öf-
fentlichem Leben und Militär würdigte Briga-
degeneral Brügner die dienstlichen Leistun- StFw Janko Hädrich
gen des scheidenden Kommandeurs unter Bildrechte: Bundeswehr/Irmisch
anderem mit der Ehrennadel der Panzergre-

Ausgabe 20 / Dezember 2019 PIONIERE 21


Aus der Truppe

Ausbildung Urbane Operationen


Vorbereitung für die NATO enhanced Forward Presence

Die vergangenen beiden Wochen waren ge- gen als auch das dynamische Säubern der Die Ausbildung begann früh; Waffenempfang,
prägt von der Ausbildung Urbane Operationen Räume geschult werden können. Den gesam- Fahrzeuge beladen und binnen kurzer Zeit
auf dem Truppenübungsplatz Lehnin. Nach ten dritten Tag konnten wir dann unsere Fer- war die Marschbereitschaft hergestellt. Nach
den bereits absolvierten Übungsdurchgängen tigkeiten und den Umgang mit unseren Waf- ergangenem Marschbefehl verlegte auch der
des Schieß- und Gefechtsübungszentrums, fen weiter schulen und wurden dabei auf den Panzerpionierzug erstmalig zur „alten Feuer-
bildete dies nun den Schlussakzent der vor- vierten, abschließenden Tag AdA vorbereitet. wehr“, die uns Ausbildern inzwischen gut ver-
bereitenden Ausbildung des verstärkten Pan- traut war. Wie auch während unserer AdA
zerpionierzuges für die 6. Rotation der ein- Tag vier, das abschließende Gefechtsschie- wurden zunächst der Umgang mit Waffen und
satzgleichen Verpflichtung enhanced Forward ßen: hier mussten wir nun unsere Fertigkei- persönlicher Ausrüstung wie auch das dyna-
Presence (eFP) Litauen. Die 2. Rotation hatte ten als Gruppe und Trupp beweisen. Insbe- mische Vorgehen bei der Säuberung von Ge-
uns, der 2. Kp des PzPiBtl 701 die Notwendig- sondere die Handhabung der Waffen, beim bäuden geschult.
keit dieser Ausbildung vor Augen geführt, nur Schießen mit verschiedenen Anschlägen und
wenige Monate später würde mit der Verle- das systematische Prüfen der Ausrüstung und Die Folgetage sollten dann einen vorläufigen
gung des Zuges nach Litauen begonnen wer- Waffen, aber auch das zielsichere Werfen von Ausbildungshöhepunkt darstellen, das rea-
den. Der Leitende der Ausbildung, Hauptfeld- Handgranaten wurden als Schwerpunkte der le Schaffen von Zugängen durch Sprengung
webel Moser, berichtet über die Ausbildung: Ausbildung überprüft. Nachdem wir uns hier, stand an. Hierbei nähert sich die Gruppe zu-
auch unter erschwerten Bedingungen, bewäh- nächst aufgesessen dem Gebäude und er-
Nachdem wir, die Ausbilder, den Truppen- ren konnten, waren wir gut auf die bevorste- kundet einen möglichen Zugang für die Spren-
übungsplatz erreicht hatten, wurde uns zu- hende Ausbildung des Zuges vorbereitet. gung. Ist der Zugang erkundet, folgt die Vor-
nächst Zeit gegeben, uns einzufinden und ein- bereitung der Sprengladung. Dann muss
zurichten; hier würden wir die nächsten bei- Fünf Tage nach unserer Ankunft traf dann alles schnell gehen: Abgesessen und unter
den Wochen verbringen. Doch schon bald, bei auch der Panzerpionierzug in Lehnin ein und Sicherung nähern sich die Soldaten schnel-
der Einweisung durch den Ausbildungsleiter, nach einer ersten Unterrichtung konnte end- len Schrittes dem Gebäude, die vorbereite-
konnten wir einen ersten Eindruck von dem lich die praktische Ausbildung des Zuges be- te Sprengladung wird angebracht. Ebenso
gewinnen, was uns erwartete. Mit Beginn der ginnen, auf die wir während der vergangenen schnell, wie sie sich dem Gebäude genähert
Ausbildung der Ausbilder (AdA) wurden wir Tage hingearbeitet hatten. haben, verlassen die Soldaten nun den Ort
zunächst auf der Ortskampfanlage (OKA), der des Geschehens, sodass die Sprengung fol-
„alten Feuerwehr“, geschult. Beste Bedingun- gen kann. Weithin hörbar wird sodann der Zu-
gen, da hier sowohl das Schaffen von Zugän- gang gesprengt. Durch diesen Zugang könnte
nun der Einbruch der Stoßtrupps folgen!

22 PIONIERE Ausgabe 20 / Dezember 2019


Aus der Truppe

tung durch uns Ausbilder stellen, um ihre in-


dividuellen und kollektiven Leistungen zu be-
sprechen. Schließlich, nach vier erfolgreichen
Durchgängen, blicken wir zuversichtlich dem
bevorstehenden Gefechtsschießen entgegen.

Mit dem abschließenden Gefechtsschießen,


dem Höhepunkt der Zugausbildung, konnten
wir noch einmal – diesmal begleitet durch die
Kameras des Presse- und Informationszent-
rums der Bundeswehr – unsere Fertigkeiten
unter Beweis stellen. Das Zusammenwirken
des Zuges wurde hier noch einmal über drei
Durchgänge gefestigt, die Auswertung nach
jedem Durchgang bestätigte jedes Mal mehr
den Ausbildungserfolg!

Als Leitender der Ausbildung bin ich, wenn ich


Die Gruppen des von Stabsfeldwebel Napieralski geführten verstärketen Panzerpionierzuges auf ihren Fahrzeugen
nähern sich dem Gebäude unter den wachsamen Augen der Ausbilder und Aufsicht. zurückblicke, sehr stolz auf die Leistung unse-
rer Soldaten, der Ausbilder sowie der des Pan-
Aber Geduld, denn erst mit dem letzten Aus- Mit dem Erreichen der OKA nähern sich die zerpionierzuges! Ich bin nach diesen beiden
bildungstag sollten das Annähern, das Schaf- Gruppen dem vorgesehenen Gebäude ab- für uns alle fordernden Wochen überzeugt,
fen von Zugängen und das Nehmen von Ge- gesessen und unter Eigensicherung weiter. dass der Panzerpionierzug auch während der
bäuden mit einer dynamischen Ausbildung zu- Nach dem Beziehen der Stellungen gelingt, 6. Rotation der einsatzgleichen Verpflichtung
sammengeführt werden. mit einer simulierten Zugangssprengung, der eFP der Kampftruppe die Leistungsfähigkeit
Einbruch der ersten Stoßtrupps; unter Nach- der Pioniere der 2. Kompanie des Panzerpio-
Auch den fünften Tag der Ausbildung ver- ziehen der verbleibenden Stoßtrupps kämpft nierbataillons 701 beweisen wird!
brachten wir auf der OKA. Kurze Befehls- sich der Zug durch das Gebäude und Etage
ausgabe, erster Durchgang. Über vier Pha- für Etage wird, ein Raum nach dem anderen,
sen sollte der Orts- und Häuserkampf nun das Gebäude gesäubert. OLt Wolkenstörfer
dynamisch geführt werden. Zunächst nähert (basierend auf dem Erfahrungsbericht
sich der Panzerpionierzug aufgesessen bei- Direkt im Anschluss müssen sich Zugfüh- des Leitenden, HptFw Moser)
derseits der OKA von Norden und Süden. rer, Gruppenführer und Gruppen der Auswer- Bildrechte: Bundeswehr

Ausgabe 20 / Dezember 2019 PIONIERE 23


Aus der Truppe

Spezialpioniere in Belgien und Frankreich


Arbeitseinsatz für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

beschreiben war. Um hier ein langlebiges und


qualitativ hochwertiges Ergebnis liefern zu
können, wurde der Gehweg komplett aufge-
nommen und neu verlegt. Als Bonus und klei-
ne Zugabe wurde im Eingangsbereich das
vorhandene Podest im gleichen Verfahren er-
neuert.

Das Herrichten der Grabkreuze entpuppte


sich als wahre Mammutaufgabe. Nicht nur die
reine Anzahl von 625 Kreuzen, sondern die
dazugehörigen 35 kg schweren Betonfunda-
Es gab viel zu tun – Sorgfalt, Beharrlichkeit und viel Fleiß waren bei dieser Unterstützungsleistung gefragt. mente waren zum Teil widerspenstiger als ge-
dacht. Mit schweren Brechstangen als Hebel
Auf historischen Spuren des I. Weltkrieges schen Soldatenfriedhof in Steenwerck (FRA) ging es den Grabkreuzen an den „Kragen“,
waren zehn Portepeéunteroffiziere des Stütz- mit 2.048 gefallenen und verstorbenen Sol- um sie wieder lotrecht und in Reihe auszu-
punkts für zivil-militärische Zusammenarbeit daten instand zu setzen. Die hier Bestatteten richten, nachdem sie mit Winkelschleifern von
des Spezialpionierregimentes 164, unter Füh- waren hauptsächlich Opfer der deutschen An- den Witterungseinflüssen der letzten Jahr-
rung ihres „Spießes“ StFw Jan Verges, im griffsschlacht im April 1918, des nachfolgen- zehnte befreit worden waren.
Frühjahr in Westflandern. Dazu verlegten die den Stellungskampfes und der Abwehrkämp-
Soldaten ca. 830 km mit zwei 8-Sitzern von fe im August 1918. Historisch werden diese In der Gesamtschau bleibt eindeutig festzu-
Husum nach Ypern (BEL), um hier in einer bel- Kämpfe als „4. Flandernschlacht“ bezeichnet. halten, dass sich der Einsatz für den Volks-
gischen Kaserne untergebracht und verpflegt bund nicht nur aus rein fachlicher Sicht lohnt,
zu werden. Die durchzuführenden Instandsetzungsarbei- sondern insbesondere die historische Kom-
ten waren z. B. das Ausrichten, Schleifen und ponente die beteiligten Soldaten innehalten
Flandern zählte von 1914 bis 1918, neben Ver- zweimalige Streichen der 625 Gußmetallkreu- und sich ihrer Verantwortung für den Dienst in
dun, zu den am meisten umkämpften Regio- ze sowie das Ausbessern des 70 m langen den Streitkräften mehr denn je bewusst wer-
nen des I. Weltkrieges. Der Begriff des „Stel- Weges vom Eingangsbereich zum zentralen den lässt.
lungskrieges“ wurde hier geprägt. Stumme Denkmal des Friedhofes. Schon im Rahmen
Zeugen dieser Zeit sind die zahllosen Kriegs- der Erkundung wurde das reine Ausbessern
gräberstätten verschiedener Nationen mit ca. des Weges als nicht zielführend erachtet, da StFw Verges
500.000 gefallenen Soldaten. So galt es für der Natursteinweg in allen Bereichen abge- KpFw ZMZ StPkt SpezPi
die Spezialpioniere aus Husum, den deut- sackt, ausgehöhlt und als nicht trittsicher zu Bildrechte: Bundeswehr

24 PIONIERE Ausgabe 20 / Dezember 2019


Capable Logistician 2019
Die Pipeliner sorgen für Bewegung

Es herrscht brütende Hitze auf dem Flugfeld kein Problem. Die deutsch-ungarische Zusam- land, als auch die mittlerweile langjährige ge-
des Übungsplatzes Drawsko Pomorskie in Po- menarbeit wird seit Jahren aktiv gestaltet, so- meinsame Übungserfahrung die eingesetzten
len als der nächste Strassentankwagen (STW) dass zumindest einmal pro Jahr die gemein- Soldaten problemlos miteinander arbeiten las-
anrollt. Die Pipeline-Pioniere aus Husum ha- same Übung „Safety Fuel“ durchgeführt wird. sen. Da stört es auch nicht weiter, dass man
ben ihr Feldtanklager aufgebaut, um von hier sich manchmal auch mit Händen und Füßen
aus die eingesetzten Logistik-Kräfte mit Be- Die professionelle Zusammenarbeit zeigt sich verständigen muss.
triebsstoff versorgen zu können. 3400 Solda- bereits im Aufbau, der nach 1,5 Tagen abge-
ten aus 30 Nationen nehmen an der Logistik schlossen ist. Nach weiteren 2 Tagen für not- Am Ende der zweiwöchigen Übung steht ein
Übung „Capable Logistician 2019“ (CL 19) teil wendige Abnahmen ist Betriebsbereitschaft erfolgreich abgeschlossener Auftrag, der al-
und verlassen sich auf eine funktionierende hergestellt. Die Koordination der Anlieferung len Beteiligten viel abverlangt hat. Er hat aber
Betriebsstoffversorgung. und Abgabe an die Tankwagen der verschie- auch wieder dazu beigetragen, dass unter-
denen Nationen übernimmt ein multinationales schiedliche Nationen hervorragend auf inter-
Auch dieses Jahr wird der Auftrag wieder mul- Element, dass durch Deutschland und Frank- nationalem Parkett zusammenarbeiten kön-
tinational bewältigt und so haben deutsche reich besetzt wird. nen.
und ungarische Kräfte ein Feldtanklager mit
150 m³ Fassungsvermögen errichtet. Mit den Ob passende Anschlussmöglichkeiten für
Ungarn in der Planungsverantwortung stellen STW der verschiedenen Nationen oder De- Hptm Swierkosz
die Pipeliner aus der 8./SpezPiRgt 164 nur den tails in der Abrechnung, Unstimmigkeiten wie KpChef 8./SpezPiRgt 164
kleineren Teil der 26 eingesetzten Soldaten. diese zu Erkennen und Abzustellen ist Ziel der Bildrechte: LKdo Bayern/Dr. Englmann
Obwohl das eingesetzte Material mit Masse Übung CL 19. Zwischen Deutschen und Un-
von der ungarischen Seite gestellt wurde, ist garn treten sie schon lange nicht mehr auf, da
dies für die deutschen Soldaten vor Ort aber sowohl die Ausbildung der Ungarn in Deutsch-

+++ kurz & informativ +++

Wir durften im Spezialpionierregiment 164 „Nordfriesland“ begrüßen …


… bei strahlendem Sonnenschein den Parlamen- … aus dem Bendlerblock den Stellvertreter des
tarischen Staatssekretär Thomas Silberhorn, Generalinspekteurs der Bundeswehr, Vizeadmiral
der sich über unsere Leistungsfähigkeit Joachim Rühle, der uns bei ungewöhnlichen
und die alltäglichen Herausforderungen als Temperaturen um die 30° C an der Westküste
Unikatverband informierte. „Ich danke Ihnen Schleswig-Holsteins besuchte. „Es ist schön, hier
außerordentlich für Ihren Einsatz in Meppen, zu sein!“, so der Admiral gleich bei der Begrüßung.
sie haben dort Großartiges geleistet“, beendete Zum „üblichen“ Besucherprogramm berichtete
Silberhorn seinen Besuch bei den Husumer Rühle über seinen Arbeitsalltag in Berlin und
Spezialpionieren. die Gedanken und aktuellen Planungen der
politischen und militärischen Führung.

Verabschiedet in den Einsatz …


Bildrechte: Bundeswehr

… wurden 25 Einsatzsoldaten der 7./164 für das 12. DEU EinsKtgt MINUSMA
und das 4. DEU EinsKtgt Counter DAESH/Capacity Building IRQ durch den
Kdr SpezPiRgt 164 „Nordfriesland“ Oberst Zwick und Husums Bürgermeister
Schmitz. Allen Kameraden einen erfolgreichen Einsatz und eine gesunde
Heimkehr im Frühjahr 2020.
Ausgabe 20 / Dezember 2019 PIONIERE 25
Aus dem Ausbildungszentrum

NATO Senior Joint Engineers Conference


Große NATO-Fachtagung und 10-jähriges Bestehen MILENG COE

Die große NATO-Fachtagung der Pioniertrup-


pe auf NATO-Ebene fand dieses Jahr vom 23.
bis 24. Oktober am Ausbildungszentrum Pionie-
re (AusbZPi) statt. Dabei waren rund 100 hoch-
rangige Offiziere und Generale aus 21 Natio-
nen zu Gast in Ingolstadt. Auf dem Tagungs-
programm der NATO Senior Joint Engineers
Conference (NSJEC) standen verschiedens-
te Vorträge und Diskussionsrunden zu pionier-
spezifischen Themen. Neben dem offenen Ge-
danken- und Erfahrungsaustausch sollen be-
sonders die bisherigen Kooperationen vertieft
sowie weitere Synergien gefunden werden.
Schließlich ist die Absicht der obersten „NATO-
Pioniere“, dass die NATO-Staaten im Bereich
des Pionierwesens schrittweise weiter zusam-
menrücken. Bereits am 22. Oktober 2019 hat-
te das Military Engineering Centre of Excellence
(MILENG COE) zu einer vorgeschalteten Auftakt-
besprechung des Steering Comitee eingeladen,
so dass die Teilnehmenden im Anschluss nahtlos
zur NATO-Konferenz wechseln konnten.

Begleitet wurde NSJEC von einem bunten Rah-


menprogramm. Bei einem Empfang der Stadt In-
golstadt wurden vom Oberbürgermeister Dr. Lösl
nicht nur die Teilnehmenden an NSJEC begrüßt,
sondern zugleich auch das 10-jährige Beste-
hen des MILENG COE gebührend gefeiert. Da-
bei wurde einmal mehr die hohe Verbundenheit
der Pioniere mit dem Standort Ingolstadt zum
Ausdruck gebracht. Als musikalisches Highlight
fand am 23. Oktober 2019 eine Serenade unter
der Führung des Heeresmusikkorps Veitshöch-
heim statt. Diese erntete von den Tagungsteil-
nehmenden entsprechend viel Applaus. Als Hö-
hepunkt des Tages wurde direkt danach ein zünf-
tiges Host Nation Dinner durchgeführt, das ganz
unter dem Motto „bayerischer Abend“ stand.

Mit vielen Planungen und zahlreichen Impressi-


onen im Kopf traten die Teilnehmenden dann am
24. Oktober 2019 den Heimweg an. Das Fazit war
durchweg äußerst positiv. Die nächste NATO-
Tagung findet 2020 in Norwegen statt.

Oberstlt Stefan Geßner


S3-Stabsoffizier AusbZPi
Bildrechte: Bundeswehr/Sabrina Kleinekort

26 PIONIERE Ausgabe 20 / Dezember 2019


Aus dem Ausbildungszentrum

Week of the Bundeswehr


Delegation besucht Pionierschule in Fort Leonard Wood

tifikation zukünftiger Verleihung deutsches Leistungs-


Kooperationsmög- abzeichen
lichkeiten. Die deut-
schen Pioniere wur- Neben einer Vielzahl an Präsentationen bil-
den dabei durch eine dete am 21. März die Verleihung der deut-
dreiköpfige Delegati- schen Leistungsabzeichen und die Vergabe
on unter der Führung der Schützenschnur den Höhepunkt der Wo-
des stellvertretenden che. Mehr als 250 Soldatinnen und Soldaten
Kommandeurs des aus Fort Leonard Wood standen auf dem Ma-
AusbZPi, Oberst Jörg noeuvre Support Center of Excellence Plaza
Busch, in Fort Leo- in Formation für die Verleihung angetreten.
nard Wood vertreten. Die Auszeichnungen wurden durch die deut-
sche Delegation übergeben. Brigadegeneral
Das Auswärtige Amt hat im August 2018 das In dem Themenbereich multinationale Wei- Frank Schmitz, stellvertretender Amtschef des
sogenannte „Deutschlandjahr“ unter dem terentwicklung stand das ENFIRE Kit im Fo- Streitkräfteamts betonte in seiner Rede, dass
Motto „Wunderbar Together“ initiiert. Dies soll kus. Mit Hilfe verschiedener Hard- und Soft- es beeindruckend sei, wenn amerikanische
zur Vertiefung der bestehenden Beziehungen warekomponenten wird das System zur Auf- Soldaten deutsche Abzeichen tragen.Insge-
zwischen der Bundesrepublik Deutschland nahme, Erfassung und Bearbeitung von samt stellt der Austausch unter den Nationen
und den Vereinigten Staaten von Amerika bei- einsatzrelevanten Geoinformationen wie bei- einen weiteren Fortschritt in Hinblick auf die
tragen. In diesem Zusammenhang fand vom spielsweise Brücken, Flüsse, Sperren aber multinationale Zusammenarbeit dar. Gerade
18. März bis zum 22. März 2019 in Fort Leo- auch ganze Geländeabschnitte genutzt. Ziel im Bereich der Pionierausbildung nehmen im-
nard Wood die „Deutsche Woche“ statt. dieser streitkräfteübergreifenden, multinati- mer wieder Soldaten aus verschiedenen Nati-
onalen Datenbank soll es sein, Erkundungs- onen teil. Dies gilt es weiterhin zu stabilisieren
Zu dieser multinationalen Veranstaltung wur- ergebnisse in Echtzeit für alle Beteiligten zur und auszubauen.
den alle deutschen Verbindungsoffiziere in Verfügung stellen zu können.
den USA sowie Delegationen der Pionier-, Hptm Stefanie Jost
ABC- und Feldjägertruppe nach Missouri ein- Nicht zuletzt wurden Informationen ausge- AusbStPkt KpfmAbw VI. Inspektion,
geladen. Ziel der Veranstaltung war ein Er- tauscht über die Pionierausbildung der beiden Hptm Eric Rademacher
fahrungsaustausch zwischen den Einsatz- Nationen und die Kriegsführung der Zukunft HsLtr IV. Inspektion
unterstützern beider Nationen und die Iden- im Zusammenhang mit der Kampfmittellage. Bilder: Bundeswehr/Stefanie Jost

Wir wünschen allen unseren Lesern ein frohes Weihnachtsfest


sowie einen guten Start in ein friedliches und glückliches neues Jahr 2020!
Ausgabe 20 / Dezember 2019 PIONIERE
Das Team Ihres Magazins PIONIERE 27
Aus dem Ausbildungszentrum

Immer wieder eine Herausforderung


Die Trainingsplanung am Ausbildungszentrum Pioniere

te Ressourcenlage am Ausbildungszentrum gen erstellt, angepasst und überprüft werden.


Pioniere (AusbZPi). Daher ist es umso wich- Aufgrund der Komplexität der Ausbildung, der
tiger, insbesondere das Personal effizient ein- großen Zahl der Trainings und der verteilten
zusetzen und bestehende Ressourcenmängel Verantwortlichkeiten in der Ausbildungsland-
konstant aufzuzeigen. Alle Ausbildungsein- schaft müssen bei der Erstellung des Trai-
richtungen des Heeres wurden daher durch ningskataloges viele Aspekte berücksichtigt
das Ausbildungskommando (AusbKdo) beauf- und abgestimmt werden. Daher ist bis spä-
tragt, Einsparmöglichkeiten im Bereich Per- testens Ende Mai eines Jahres die beabsich-
sonal aufzuzeigen, um mit Blick auf das Jahr tigte Trainingsplanung inklusive ihrer Res-
2021 die Herausforderung der zukünftigen sourcen an die Lehrgangsmanagementstelle
Offizierausbildung zu bewältigen – beispiels- (AusbKdo) zu melden. Diese erfasst den ge-
weise durch Identifikation nicht zwingend er- samten Ausbildungsbedarf des Heeres, be-
forderlicher Trainings oder Ausbildungsinhal- wertet diesen in Zusammenarbeit mit den
te. Darüber hinaus wurde durch das AusbKdo fachlich zuständigen Stellen qualitativ und
versucht, Dienstposten für alle unterstellten quantitativ und plant, abgestimmt mit allen re-
Ausbildungseinrichtungen zu schaffen, min- levanten Stellen das Ausbildungsangebot in
Ausbildungsgang Offiziere neu destens um die zukünftige Fahnenjunkeraus- Abhängigkeit der vorhandenen Ressourcen.
bildung solange zu alimentieren, wie diese pa- Hierbei werden Ergänzungen und Änderun-
Am 22. August 2018 entschied der Inspekteur rallel zum alten Ausbildungsgang durchge- gen erarbeitet, aber auch Unterstützungsbe-
des Heeres, die Ausbildung zum Offizier des führt werden muss. Für das AusbZPi hat das darf an die Truppe systematisch aufgenom-
Truppendienstes neu zu gestalten. Ziel die- zu elf zusätzlichen Dienstposten geführt. Ne- men. Nach erneuter Prüfung aller Beteiligten
ser Neugestaltung ist es, für die jungen Offi- ben drei Hörsaalleitern liegt der Schwerpunkt erfolgt die Freigabe und „Scharfschaltung“
zieranwärtern bereits zu Beginn ihrer Ausbil- auf Stationsausbildern, die so qualifziert sein des Trainingskataloges.
dung eine Truppengattungsbindung zu errei- werden, dass es auch gelingt, Trainings in
chen und ihnen eine „militärische Heimat“ zu den Bereichen verbessert anzubieten, in de- Das Trainingsangebot 2021 wird auch auf-
geben. Mit dem Dienstantritt der Offizieran- nen wir eine „Bugwelle“ vor uns her schie- grund des anstehenden Fahnenjunkerlehr-
wärter bei den PzPiBtl 701 und 803 am 01. Ju- ben. Beispielhaft nenne ich die Ausbildung gangs und der knappen Ressourcen, Perso-
li 2020 wird diese Umstellung in die Tat um- zum Sprengberechtigten. Es scheint aber un- nal, Material sowie Unterbringung komplexer,
gesetzt. Dies bedeutet, dass sowohl die Ba- wahrscheinlich, dass die materielle Ausstat- sodass die Erstellung des Trainingskatalogs,
taillone als auch das Ausbildungszentrum tung kurzfristig nennenswert angepasst wer- insbesondere vor dem Hintergrund der aufge-
weitere Aufgaben zu schultern haben wer- den kann und auch zusätzliche Infrastruktur zeigten Ressourcenlage und der engen Zeit-
den. Neben der bereits genannten Ausbildung wird 2021 noch nicht verfügbar sein. linien für den Bereich Lehrgangsplanung/-
in der Truppe enthält dieses Modell auch die steuerung erneut eine spannende Herausfor-
Abbildung eines Fahnenjunkertrainings vor Ausbildung muss aktuell bleiben und Ideen derung darstellen wird. Da die Pioniertruppe
dem Studium, auf dem auch die Laufbahn- zur Ausbildungsgestaltung gibt es zu Hauf. An jedoch dafür bekannt ist, Wegbereiter zu sein
prüfung erfolgen wird. Ab Januar 2021 wird er dem sicherlich besonderen Beispiel der Um- und Herausforderungen positiv und mit viel
am Ausbildungszentrum durchgeführt werden stellung der Offizierausbildung erkennt man Engagement und Kreativität anzugehen, wird
(siehe Grafik) – bis 2025 wird das parallel zur jedoch, dass damit verschiedene Einfluss- am Ende des Tages auch diese Aufgabe ge-
Durchführung des Offiziertrainings 3 des bis- faktoren zusammenzubinden sind. Dieses gilt löst werden können.
herigen Ausbildungsganges erfolgen müssen. auch für kleinere Änderungen verschiedens-
Dies hat sowohl personelle, als auch materi- ter Art. Daher müssen jährlich die Trainings- Hptm Marco Obermaier
elle Auswirkungen auf die bereits angespann- kataloge sämtlicher Ausbildungseinrichtun- Bildrechte: Bundeswehr

SAVE THE DATE – Pi-RONMAN 2020


19. Mai 2020 – Ausbildungszentrum Pioniere INGOLSTADT

28 PIONIERE Ausgabe 20 / Dezember 2019


Aus dem Ausbildungszentrum
Aus dem Ausbildungszentrum Aus dem Ausbildungszentrum

Ausbildung zum Schweißfachmann

Am 24. Juli 2019 konnten 10 Soldaten bereich schweißen, überwacht die Schweiß- Sind diese Voraussetzungen erfüllt, kann sich
das Zeugnis des Schweißfachmanns in aufgaben und weist dies auf Zeugnissen nach. der Soldat in den Lehrgang einbuchen lassen
Empfang nehmen. Hierzu gratuliere ich Darüber hinaus kann die Schweißaufsichts- und 45 Ausbildungstage hier am Ausbildungs-
den Kameraden herzlichst, gut gemacht! person Schweißnähte und somit kleine Stati- zentrum genießen. Von den Soldaten wird ei-
ken berechnen, die man für geschweißte Kon- ne hohe Lernbereitschaft (!) verlangt, da der
struktionen benötigt. vermittelte Stoff am Abend nachgearbeitet
werden muss. Ausbildungsinhalte sind z.B.
Wie werde ich Schweißfachmann? Elektrotechnik, Chemie, Mathematik, Physik/
Statik, Metallurgie und vertiefende Kenntnis-
Voraussetzung für diese zivil anerkannte Aus- se der vier handgeführten Schweißverfahren.
bildung ist: Die Ausbildung erfolgt über militärische und
• Meister des metallverarbeitenden Hand- zivile Dozenten meist am Ausbildungszent-
werkes bzw. Betonbau, rum Pioniere, an wenigen Tagen auch an der
• Industriemeister Metall oder Schweißtechnischen Lehr- und Versuchsan-
• Facharbeiter/Geselle mit mindestens stalt in München.
dreijähriger Tätigkeit in der Metallver
arbeitung oder Betonbau mit dem zu Zum Abschluss erhält der Lehrgangsteilneh-
sätzlichem Lehrgangsteil "0"; mer eine ATN, ein Zeugnis/Diplom und kann
Was ist ein Schweißfachmann? • Restdienstzeit von mindestens 36 Mona- sich darüber hinaus mit dieser zivilen Qualifi-
ten. kation international bewerben.
Eine Schweißaufsichtsperson steht dem Chef
in fast allen Belangen der Schweißtechnik Die fachkundlichen Grundlagen und bestan- Maj Lars Suppe
zur Seite und koordiniert die Ausbildung der dener Prüfung Teil "0" wird für alle Lehrgangs- Inspektionschef III. Insp
Schweißer mit. Darüber hinaus ist sie verant- teilnehmer im Lehrgang des AusbZPi vorge- und Kursstättenleiter
wortlich, dass Schweißer in Ihrem Aufgaben- schaltet durchgeführt. Bildrechte: Bundeswehr/S. Veronics

Neue LKW-Generation
für das Ausbildungszentrum Pioniere
Nach über 40 Jahren im Dienst ver- Pionieren, ihre vielfältigen Trans-
lassen die markanten MAN „Ton- portaufgaben optimal zu erfüllen,
ner“ allmählich die Truppe. Lange da sie einen hohen Grad an Mo-
haben sie das Bild der Bundeswehr bilität, Robustheit sowie niedrigere
nach außen mitgeprägt und waren Nutzungskosten aufweisen. Darü-
bei der Einführung technisch rich- ber hinaus entsprechen die „Neu-
tungsweisend. Heute genügen sie en“ – ganz im Sinne der Redukti-
nicht mehr den Anforderungen und on der CO2-Emissionen – der mo-
so läutete die Trendwende Materi- dernen Euro 5 Dieselnorm. In den
al einen Generationswechsel ein. kommenden Wochen werden noch
vier weitere UTF folgen.
Die ersten beiden Exemplare der
neuen Generation ungeschützter Oberstlt Stefan Geßner
Transportfahrzeuge (UTF) wurden S3-Stabsoffizier AusbZPi
an das AusbZPi übergeben. Die Bildrechte: Bundeswehr/
neuen UTF ermöglichen es den Alt und Neu nebeneinander: LKW 5to gl (li.) und LKW UTF 15 to, Version 2 Sabrina Kleinekort

30 PIONIERE Ausgabe 20 / Dezember 2019


Aus dem Ausbildungszentrum
+++ kurz & informativ +++

Zu Besuch am Ausbildungszentrum Pioniere ...


Im Mai kam die Berufsschule Nördlingen mit 43 Schülern zu uns. Begin-
... die Berufsschule Nördlingen nend mit einem theoretischen Überblick über die Pioniertruppe wurden
den Azubis anschließend die Ausbildungsberufe des Schweißers, Be-
tonbauers und Baumaschinenführers nähergebracht. Der Besuch der
Ausbildungshallen zeigte Parallelen bzw. Unterschiede im Ablauf der
Berufsausbildung eines zivilen und militärischen Handwerkberufes auf.
Den Abschluss bildete der Einblick in die Vorbereitung einer Brücken-
sprengung der BAB 9 bei Ingolstadt. Die Schüler waren von der militäri-
schen Ausbildung begeistert.
OLt Wimmer, LehrGrpOffz
Gruppenbild BS Nördlingen mit Vertretern LehrGrp –––––
Am 17. Juli besuchte Herr Dr. Brandl MdB (CSU, Verteidigungsaus-
... Dr. Reinhard Brandl MdB schuss) das AusbZPi für eine Diskussionsrunde. Der Führungswechsel
an der Spitze des Verteidigungsministeriums in der Nacht zuvor verlieh
diesem Treffen einen deutlich anderen Charakter im Hinblick auf Verän-
derungen im Bereich Verteidigung. Neben diesem Thema wurden Fra-
gen zu Ausrüstung, Bauvorhaben im In- und Ausland sowie Personal-
veränderungen behandelt. Dr. Brandl zeigte großes Interesse an den
Beiträgen der Soldaten und freute sich über die positive Gesprächsat-
mosphäre.
OLt Wimmer, LehrGrpOffz
–––––
... Generalleutnant Thomas Am 17. September war Generalleutnant Thomas zu Gast. Im Rahmen
Kdo H, Kdr DtA MN Korps/MGO eines Kurzbesuchs informierte sich der Kommandeur Deutscher An-
teil Multinationales Korps und Militärische Grundorganisation im Kom-
mando Heer unter anderem über die Schweißerausbildung der Pioniere.
Im Rahmen einer kleinen Demonstration wurde es „heiß“, als ihm das
Lichtbogenschweißverfahren auch praktisch vorgeführt wurde. Der Ge-
neral zeigte sich sehr zufrieden und nahm einige neue Eindrücke, auch
aus dem Bereich der Metallverarbeitung, mit.

Oberstlt Stefan Geßner


Pressestabsoffizier AusbZPi
Bildrechte: Bundeswehr/
Sabrina Kleinekort

30 Jahre Mauerfall
Vom 01.07. bis 03.07.2019 führte der Unterstützungszug der
Lehrgruppe eine politische Bildung zum 30-jährigen Jahres-
tag des Mauerfalls im Raum Berlin und Potsdam durch.

Zu den Programmpunkten zählten der Besuch des deutschen


Bundestages auf Einladung Dr. Brandl MdB, das Ehrenmal der
Bundeswehr, ein Zeitzeugengespräch am Checkpoint Charlie
sowie die Bernauer Straße. Den Abschluss der Bildungsreise
bildete der Besuch des Einsatzführungskommandos in Pots-
dam mit der Führung „Wald der Erinnerung“, um das Geden-
ken an gefallene Soldaten und den Blick auf aktuelle Einsätze
aufrecht zu erhalten.

OLt Wimmer, LehrGrpOffz


Bildrechte: Bundeswehr/Jens Naber Gruppenfoto auf dem Dach des Bundestages

Ausgabe 20 / Dezember 2019 PIONIERE 31


Aus dem Ausbildungszentrum

IRONMASK 2019
Der Kampfmittelabwehrzug ABC-Kampfmittel

Die Streitkräfte von ESTONIA bitten das HQ KpfmAbwZg ABCKpfm als Unikatfähigkeit
BALFOR um Hilfe bei der Aufklärung eines
Privatgeländes. Der Eigentümer wurde Tage Die Bundeswehr verfügt als Unikatfähigkeit
zuvor von vermuteten NOMB-Kräften bedroht über einen KpfmAbwZg ABCKpfm, der dem
und genötigt, einen Bereich seines Grundstü- Ausbildungsstützpunkt Kampfmittelabwehr
ckes nicht mehr zu betreten. Aufgrund einer zugeordnet ist und dort sein Zuhause in der
Sicherheitskonferenz mit nationaler und inter- Einsatzkompanie Kampfmittelabwehr (EinsKp
nationaler militärischer und politischer Betei- KpfmAbw) in Stetten am kalten Markt hat. Der
ligung, ca. 10km entfernt, wurde der Bereich Zug besteht aus vier KpfmAbwGrp ABCK-
mit Aufklärungsdrohnen überflogen. Aus allen pfm mit je 14 Dienstposten, in denen Kpfm-
Informationen der Luftaufklärung und nach- Abw und ABCAbwKräfte zusammenarbeiten
richtendienstlichen Quellen ist eine Gefähr- und hat eine Stärke von insgesamt 58 Dienst-
dung durch ABC-Kampfmittel in diesem Be- posten. Deren Auftrag ist es, ABCKpfm auf- über neun Tage ging, hatten die Kräfte fünf
reich nicht auszuschließen. zuklären und die davon ausgehende Bedro- verschiedene Lagen abzuarbeiten, z.B. Sze-
hung abzuwehren. Hierzu zählen konventio- narien mit konventionellen ABCKpfm, bei de-
So lautet nur eine der Lagen für die Kampfmit- nelle ABCKpfm, IEDs mit ABC-Kampf- und nen der Kampfstoff von Explosivstoff getrennt
telabwehrgruppe ABC-Kampfmittel (KpfmAb- Gefahrstoffen, explosivstofffreie Ausbringvor- werden musste, die Durchsuchung eines Ter-
wGrp ABCKpfm) im Rahmen der IRONMASK richtungen für und mit ABC-Kampf- und Ge- rorlabors und Tätigkeiten nach einem Terror-
2019. IRONMASK wird durch das ABCAbwBtl fahrstoffen und explosivstofffreie, druckbetrie- anschlag bis hin zu selbst gebauten Raketen
750 als freilaufende Übung im Südwesten von bene Ausbringvorrichtungen. mit Kampfstofffüllung. Die Szenarien bauten
Deutschland, im Schwerpunkt auf und um den in der Geschichte aufeinander auf, die Kräfte
TrÜbPl HEUBERG als multinationale Übung Die spezielle Ausbildung aller Kräfte, sowie mussten vor Ort in Eigensicherung verbleiben.
durchgeführt wird. Die Übung fand vom 28.06. das besondere Vorgehen in diesem Bereich
bis zum 11.07.2019 statt und bildete alle Berei- macht die KpfmAbw von ABCKpfm zu der Dazu wurde neben allen anderen Aufgaben
che der ABC-Abwehr ab, zu der auch die Ab- höchsten Befähigung innerhalb der Kampfmit- für die ABCAbwKr, der Einsatz KpfmAbw-
wehr von ABC-Kampfmitteln zählt. Insgesamt telabwehr. Grp ABCKpfm mit allen beteiligten Unterstüt-
waren knapp 700 Soldaten beteiligt, davon et- zungskräften (UstgKr) der Dekontaminati-
wa 150 Soldaten aus dem benachbarten Aus- Bei IRONMASK 2019 wurde das komplette on, unter Einsatz des Spezialgerätes des Zu-
land, wie den Niederlanden, Großbritannien, Aufgabenspektrum von der KpfmAbwGrp AB- ges mit allen Abläufen geübt. Bei den Lagen
Tschechien, Slowenien und Österreich. CKpfm abverlangt. In der LIVE-EX, welche mit konventioneller Kampfstoffmunition kam
damit auch sämtliches Zusatzgerät des Zu-
ges zum Einsatz. Bei der Durchsuchung ei-
nes vermuteten Terrorlabors war der Schwer-
punkt die Beweismittelsicherung durch alle
Kräfte der Gruppe und der qualifizierten Pro-
benahme im speziellen durch die ABC-Aufklä-
rungskräfte (ABCAufklKr) der KpfmAbwGrp
ABCKpfm. Tatortermittlungen nach einem
Anschlag in einem kontaminierten Umfeld,
in dem ein IED ohne Explosivstoff mit einer
chemischen Beiladung in einem Pendler-
zug ausgelöst hat, war ein weiteres Szena-
rio. Hier musste der komplette Zug auf weitere
Sprengfallen durchsucht werden, ein IED ma-
nuell entschärft und der Anschlag rekonstru-
iert werden.

Zu den beschriebenen Szenarien kamen nun


alle weiteren Informationen, welche die Grup-
pe im Laufe der Übung bei den verschiedenen

32 PIONIERE Ausgabe 20 / Dezember 2019


Aus dem Ausbildungszentrum

Lagen festgestellt hatte. So eignete sich die aus Soldaten der Gruppen alarmiert, um die
terroristische Gruppe NOMB verschiedene verwundete Person zur Dekontaminations-
Bauteile für Raketen mit chemischer Füllung, einrichtung zu bringen. Dort wurde sie unter
wie Raketenmotoren und aus konventionel- größtmöglichem Schutz dekontaminiert und
ler Munition Kampfstoff an. In dem Terrorla- gleichzeitig aus der kontaminierten Schutz-
bor wurden die verschiedenen Komponenten ausrüstung herausgeschnitten. Durch Ersthel-
aufgearbeitet und zusammengebaut, es la- fer BRAVO wurde die verwundete Person an
gen auch Informationen vor, die auf die Ört- der Dekontaminationseinrichtung weiter ver-
lichkeit der IDF-Stellung in der Abschlusslage sorgt und an den MEDEVAC übergeben. Al-
hindeuteten. Dies legte die Vermutung nahe, le beteiligten Kräfte führten dieses Szena-
dass die NOMB einen Anschlag mit chemi- rio schnell und konzentriert durch. Für solche
schen Raketen auf das Lager der eigenen Fälle ist der KpfmAbwGrp ABCKpfm durch
Kräfte plant, in der auch das Sicherheitsmee- die SAN-Kräfte eine Verwundeten-Dekonta- lösenden Elemente von der Wirkladung ge-
ting stattfindet. Somit hatte die Lage Auswir- minationseinrichtung beizustellen, die eben- trennt waren und diese in der Transport-
kung auf alle Kräfte, die an der Übung betei- falls leicht und schnell verlegbar sein muss. und Verschlussausstattung verladen werden
ligt waren. Auch muss immer wieder gemeinsam geübt konnte. Der Zünder wurde im Nachgang vor
werden, um Handlungssicherheit für alle Be- Ort vernichtet. Nach einer weiteren Absuche
Der Auftrag wurde in verschiedene Phasen teiligten zu erreichen. Im Einsatzfall ist es im des Bereiches durch den GrpFhr war der Auf-
unterteilt. So mussten als erstes in der Phase Zweifel zu spät! trag der KpfmAbwGrp beendet.
der Aufklärung alle Informationen gesammelt
werden, die Stellungen der Raketen gefunden Ziel der KpfmAbw von ABCKpfm ist es, den Abschließend wird zur Teilnahme und Durch-
und der Bereich auf weitere nicht zur Wirkung Explosivstoff vom Kampfstoff zu trennen. Ein führung der Übung IRONMASK 2019 ein
gelangte Kampfmittel abgesucht werden. Es herkömmliches Beseitigen mit Spreng- und positives Fazit gezogen. Sie ist ein wichtiger
ergaben sich hier recht schnell die Informati- Schießtechnik ist nicht zielführend, da ei- Bestandteil in der Planung des KpfmAbwZg
onen, dass die Raketen auf das Feldlager ziel- ne Ausbreitung des Kampfstoffes vermie- ABCKpfm und eine Teilnahme wird auch in
ten und dies eine unmittelbare Gefahr für Leib den werden muss. Deswegen verfügt der den kommenden Jahren stattfinden. Die en-
und Leben darstellte. Die Kategorie und Priori- KpfmAbwZg ABCKpfm über die Probennah- ge Zusammenarbeit mit dem ABCAbwBtl 750
tät des KpfmAbw Auftrages wurde auf höchs- meausstattung MONICA. Mit diesem Sys- in Bruchsal findet hier immer den jährlichen
te Stufe gesetzt, um die Raketen sofort ma- tem kann das Kampfmittel mit einem Bohr- Abschluss und verbindet beide Verbände eng
nuell am Abschuss hindern zu können. Hier kopf abstandsfähig angebohrt werden, das miteinander.
arbeiteten die Kräfte vor Ort sehr schnell und Loch wird durch eine Dichtung in dem Hohl-
zielsicher, die Gefährdung konnte für alle be- bohrer gasdicht verschlossen. Im zweiten Ab- Offenkundig sind hier besondere Szenarien
teiligten Kräfte nach ca. 40 Minuten herabge- schnitt können die ABCAufklKr die qualifizier- geübt worden, die auf den ersten Blick nicht
setzt werden. Weiter gab es durch die Einsatz- te Probe nehmen. Sie wird analysiert und an- zur Priorisierung von LV/BV passen. Das lässt
leitstelle KpfmAbw für die KpfmAbwGrp AB- schließend an ein Labor übergeben. Im hier keinen Rückschluss auf eine fehlende Rele-
CKpfm den Auftrag, die Raketen unschädlich gewählten Szenario waren Proben so zu neh- vanz dieser Kräfte im Aufgabenbereich LV/BV
zu machen, Proben zu nehmen, alle Beweis- men, dass diese als Beweismittel vor Gericht, zu. In den Planungen zum Fähigkeitsprofil der
mittel zu sichern und für den Transport vorzu- bei einer Anklage verwertbar sind, d.h. jeder Bundeswehr sind diese Kräfte sowohl im Sys-
bereiten. Zusätzlich musste der Bereich und Schritt muss hier zweifelsfrei dokumentiert temverbund Wirkung (Land) auf Ebene des
die Zugänge auf nicht zur Wirkung gelangte und aufgezeichnet werden. Korps wie im Systemverbund Wirkung (Luft)
Kampfmittel untersucht werden. Dabei klärten bei Bau und Betrieb eines Einsatzflugplatzes
die Kräfte zwei weitere VOIEDs (Victim Ope- Nachdem die Proben genommen sind, wird der Luftwaffe. Gerade im rückwärtigen Raum
rated Improvised Explosive Device) an der der Kampfstoff aus der Munition entfernt. An- ist die Bedrohung vielschichtig und häufig we-
Straße auf, welche es zu beseitigen galt. schließend wird die Munition so vorbereitet, niger durch direkte Duelle als vielmehr indi-
dass diese gefahrlos an einen geeigneten Ort rekte Bedrohungen gekennzeichnet. Es wird
Um alle Aspekte abzubilden, wurde die Ver- verbracht werden kann, um sie wie konventio- daher in Zukunft auch geübt werden müssen,
wundung eines KpfmAbwFw eingespielt, der nelle Munition zu vernichten. Zuvor muss na- wie die Verbindung und das Zusammenspiel
beim Freilegen einer Schützenabwehrmi- türlich die vorläufige Transportfähigkeit her- zwischen den KpfmAbwKr der PiTr in Division
ne diese zur Umsetzung brachte. Durch al- gestellt werden. Sollte das nicht möglich sein, und Brigade bzw. des Objektschutzregiments
le Kräfte wurde mustergültig gehandelt, um ist die Munition vor Ort zu vernichten. Der der Luftwaffe mit den KpfmAbwKr ABCKpfm
den Soldaten der SAN-Versorgung zuzufüh- abgefüllte Kampfstoff wird an die ABCAbw- funktioniert. Dieses soll im nächsten Jahr in
ren. Die Besonderheit bei der KpfmAbw von Kr zur endgültigen Vernichtung des Kampf- Angriff genommen werden.
ABCKpfm ist, dass dies alles unter Vollschutz stoffes übergeben. Um die vorläufige Trans-
mit der persönlichen ABC-Schutzbekleidung portsicherheit herzustellen, wurde die Muniti- Hptm Jan Staller
stattzufinden hat. Umgehend wurde durch on durch das Wasserabrasivschneidesystem ZgFhr KpfmAbwZg ABCKpfm
den GrpFhr das Rettungsteam, bestehend MiniM.A.C.E. so zerteilt, dass die zündaus- Bildrechte: Bundeswehr

Ausgabe 20 / Dezember 2019 PIONIERE 33


Aus dem Ausbildungszentrum

Hauptfeldwebel-Andreas-Heine-Preis
Erstmaliger Verleih in Stetten

Seit Januar befanden sich 18 Kampfmittel- Maximilian Dreßler, (3./ PzPiBtl 803, Havel-
abwehrfeldwebel-Anwärter auf dem Trai- berg), der das Training mit der Note sehr gut
ning „Kampfmittelabwehrfeldwebel Streitkräf- abgeschlossen hat. Die frisch ausgebildeten
te“ (KpfmAbwFw SK) in der VI. Inspektion Kampfmittelabwehrfeldwebel und der Trai-
in Stetten a. k. M. Dieses Training ist Höhe- ningsbeste wurden anschließend mit dem
punkt und Abschluss einer der aufwändigs- Schlachtruf „Bei strenger Pflicht – getreu und
ten Ausbildungen im Deutschen Heer. Den schlicht“ beglückwünscht. Beim Sektempfang
Olymp erklimmt man nur, wenn man zunächst konnten noch gute Gespräche mit Herrn Hei-
die Grundlagen Fachkunde Munition in Aa- ne geführt werden. Dieser bedankte sich für
chen erfolgreich erlernt hat. Beim KpfmAbw- die Einladung und war sichtlich stolz bei der
Fw SK gilt es, dem Nachwuchs die komplexen Übergabe des Preises dabei sein zu können.
Grundlagen der Kampfmittelabwehr auszubil-
den und die jungen Feldwebel zu prägen. Der Wer war Andreas Heine
Bogen reicht vom Erlernen des Umgangs mit
vielfältiger und komplexer Ausstattung bis hin Hauptfeldwebel Andreas Heine wurde am 13.
zur eigenverantwortlichen Aufklärung, Identi- Mai 1968 geboren und wuchs in Bad Oeyen-
fikation und Beseitigung eines IEDs. Zum En- hausen auf. Er trat seinen Dienst bei der Bun-
de des sechsmonatigen Trainings findet ei- deswehr 1988 im damaligen Amphibischen Pi-
ne Abschlussübung statt, wo genau auf diese onierbataillon 130 an. Nach seiner Ausbildung
Bedrohung fokussiert wird. Hierbei müssen nen musste abgerufen werden, um in der Prü- in der Pioniertruppe kam schnell das Interes-
die Lehrgangsteilnehmer ihre erlernten Fä- fung bestehen zu können. Nach Auswertung se an der Fachkunde Munition. Er wechsel-
higkeiten und Fertigkeiten unter Beweis stel- der einzelnen Bewertungen stand am Ende ei- te 1991 zum Truppenübungsplatz Ehra-Les-
len. Dieses ist komplex und erfordert nicht nur nes sehr langen und fordernden Trainings der sien und ließ sich an der Technischen Schu-
die Phantasie unserer „IED-Werkstatt“ im Bau Trainingsbeste fest. le Landsysteme in Aachen zum Feuerwerker
von IED, sondern auch externe Unterstützung und KpfmBesFw ausbilden.
durch „Terroristen“ für die Vorbereitung der Erstmalig wurde am 09.07.2019 in dem Trai-
Lage im Gelände. Am Ende der Übung muss ning KpfmAbwFw SK 01/2019 der neu ins Le- Im Jahr 2001 folgte der erste Einsatz im Ko-
sich jeder Trainingsteilnehmer einer Bewer- ben gerufene HFw-Andreas-Heine-Preis in sovo und 2005 der Einsatz in Kunduz/Afgha-
tung stellen. Dabei wird das komplette Port- einem würdigen Rahmen an den Trainings- nistan, jeweils als Kampfmittelbeseitigungs-
folio von der Informationsgewinnung über das besten übergeben. Zur feierlichen Übergabe feldwebel.
Beseitigen eines IED´s bis hin zur Beweismit- unter Leitung von Herrn Oberst Gumprich wa-
telsicherung von den Trainingsteilnehmern ab- ren die VI. Inspektion und weitere Teile des Den Menschen zu helfen war sein Motto, zu
verlangt. Ausbildungsstützpunktes angetreten. Ganz Hause wie im Einsatz.
besonders erfreulich war die Anwesenheit des
Dieses wurde auch bei diesem Durchgang so Vaters von HFw Heine und dessen Schwester, Am 24. Juni 2005 galt es einen scheinbaren
durchgeführt. Das erlernte Wissen und Kön- die den weiten Weg aus dem hohen Norden Routineauftrag in Rustaq zu erfüllen: Waffen
auf sich genommen und Munition wurden auf ihren Zustand ge-
hatten, um der erstma- prüft und die Transportfähigkeit hergestellt.
ligen Verleihung des Am Folgetag war das Verladen und der Ab-
Preises beizuwohnen. transport vorgesehen. Im Zuge dieses Verla-
Nach der Verleihung dens setzte eine manipulierte 107-mm-Rakete
der Fachkundeschei- um.
ne Kampfmittelabwehr
durch Herrn Oberst Hauptfeldwebel Heine ist am 25. Juni 2005
Gumprich wurde der gefallen.
Trainingsbeste aus-
gezeichnet. Der Hör- Hptm Bernd Tönges
saalleiter, Hptm Tön- Hörsaalleiter VI. Inspektion
ges, überreichte die- AusbStpKpfmAbw
sen Preis an OFw Bildrechte: Bundeswehr

34 PIONIERE Ausgabe 20 / Dezember 2019


Aus dem Ausbildungszentrum
+++ kurz & informativ +++

AusbStpKpfmAbw unterstützt die Bundes-


schule des THW bei Einsatzausbildung
Gastländer, Feldlager- des THW. Um die theoretischen Inhalte zu
organisation, Verhalten festigen, werden dort im Ausbildungsge-
bei Geiselnahme und Mi- lände ERW, UXO und Minen ausgebracht.
ne Awareness trainiert. Sie müssen aufgeklärt und wo möglich
Letzterer Inhalt wird
mehrmals im Jahr durch der Fundort entsprechend markiert wer-
personelle und materi- den. Durch diese Praxis erst erfolgt eine
elle Unterstützung des realitätsnahe Sensibilisierung. Vielen in
AusbStpKpfmAbw ver- der Pioniertruppe dürfte dieser Auftrag
Das Technische Hilfswerk als staatliche mittelt, dabei erhalten die Lehrgangsteil- bekannt vorkommen – er gehört zu den
Organisation nimmt an humanitären Hilfs- nehmer eine grundlegende Sensibilisie- vielen Dingen, die „nebenbei“ durchzufüh-
einsätzen weltweit teil, dazu führt die Bun- rung gegenüber der Gefährdung durch ren sind und natürlich Kräfte binden.
desschule des THW in Neuhausen auf den Munition im Einsatz. Nach einer theoreti-
Fildern unter anderen den Lehrgang Ein- schen Einweisung in die Themen Kampf- StFw Heinitz
satzgrundlagen Ausland durch. Dabei mittel allgemein, deren Auffindungs- führt die Munitions-
werden ähnlich der ELUSA Grundlagen für formen sowie Verhalten bei Aufklärung mustersammlung
die Auslandseinsätze, wie z. B. das Verhal- erfolgt der praktische Anteil, auch inner- und ist verantwortlich
ten gegenüber staatlichen Organen der halb der Liegenschaft der Bundesschule für die IED-Werkstatt

Girls Day 2019 beim AusbStpKpfmAbw Preisverleihung


28.03.2019. Beispielhaft für 26. September 2019. Preis-
Bildrechte: Bundeswehr/Michael Maletz

die vielen Beteiligungen an verleihung Georg-Rimpler-


Messen, dem Tag der Bun- Preis durch Brigadegene-
deswehr in Pfullendorf, ral a. D. Pfrengle, Präsident
dem Hafengeburtstag und Bund Deutscher Pioniere,
ähnlichem steht dieser Tag an den Jahrgangsbesten
für die auch in Stetten statt- Kampfmittelabwehroffizier
findenden intensiven Be- Oberleutnant Gurr. Ober-
mühungen, Nachwuchs für leutnant Gurr verbleibt am
die Bundeswehr zu interes- Ausbildungsstützpunk t
sieren. und wird zunächst als Hör-
saalleiter in der VI. Inspek-
tion eingesetzt.

Besuch aus Frankreich


Ende Oktober besuchte der Dezernatslei-
ter GrpWE der französischen Pionierschu-
Übergabe le Oberstleutnant Charon in Begleitung des
DokZ, Leiters des Heeresverbindungsstabes OTL
Franke den Ausbildungsstützpunkt Kampf-
AusbStpKpfmAbw mittelabwehr. Von Interesse war der deutsche
Ansatz, taktische Elemente von Kampfmittel-
STETTEN 26.09.2019. abwehr als Teil der Pionierunterstützung in
Major Kloiber übergab an seinen der Lehre zu integrieren sowie das
Nachfolger Major Bugge (li.), wel- Übungszentrum für eine mögliche
cher aus der Luftwaffe in die Pio- Beteiligung zur Erhöhung der Intero-
niertruppe des Heeres wechselt. tigung der Bundeswehr in Stetten perabilität.
Er war aber bereits bis 2015 unter eingesetzt. Major Kloiber wechselt
anderem als Leiter Einsatzbereich als Teamleiter KpfmAbw zu Amt für
B im Zentrum Kampfmittelbesei- Heeresentwicklung III 3 nach Köln. 35
Aus dem Ausbildungszentrum

MAH an der FSHBauT/ZBauWes


Beton- und Stahlbetonbauer für Afrika

Seit 1974 werden an der Fachschule des Hee-


res für Bautechnik Unteroffizier- und Feldwe- Daouda Doumbia ist 31 Jahre alt und lebt in Mali, ei-
belanwärter aller Teilstreitkräfte zum Beton- nem Staat in Westafrika. Dort ist auch die Bundeswehr
und Stahlbetonbauer/-in ausgebildet. Dabei im Rahmen von zwei internationalen Missionen vertre-
handelt es sich um eine zivil anerkannte Be- ten. Doumbia ist seit 2009 Soldat der Malischen Streit-
rufsausbildung gemäß dem Berufsbildungs- kräfte und besitzt den Rang eines Oberfeldwebels. Er
gesetz, die alle Ausbildungsinhalte des Be- lebt in der Hauptstadt Bamako. Dort gehört er der Na-
rufsbildes beinhaltet. So finden in der Lehr- tionalgarde der Malischen Streitkräfte an. Mit den Mali-
werkstatt der Pionierkaserne auf der Schanz schen Streitkräften war er bereits zwei Jahre im Norden
nicht nur alle praktischen Ausbildungen statt, des Landes im Einsatz, wo seit März 2012 eine insta-
sondern auch die Berufsschulunterrichte in bile Lage vorherrscht und immer wieder kriegsähnliche
den entsprechenden Fächern. Darüber hin- Auseinandersetzungen stattfinden. Ab Oktober 2017
aus bauen die „Lehrlinge“ stets für die Truppe. war Oberfeldwebel Doumbia in Ingolstadt und absolvier-
Egal ob Fertigteil oder Truppenselbstbau vor Oberfeldwebel te am Ausbildungszentrum Pioniere den militärischen
Ort, bei den Pionieren wird nichts für die Ton- Daouda Doumbia Lehrgang zum Beton- und Stahlbetonbauer, der nach
ne hergestellt. Für Treppen, Absperrelemente Bamako, Mali 21 Monaten mit der Abschlussprüfung vor der Indust-
oder gar ganze Übungshäuser gibt es immer rie- und Handelskammer endet und ihm eine deutsche
Abnehmer in der Bundeswehr. Berufsausbildung an die Hand gibt. Als Voraussetzung
musste er 8 Monate lang in Mali Deutsch lernen. „Ich
Neben den deutschen Lehrgangsteilnehmern hatte bereits am Gymnasium Deutsch als Fremdspra-
gibt es im Rahmen der sogenannten „Militä- che, aber da war es noch nicht so gut wie heute“, sagt er
rischen Ausbildungshilfe“ (MAH) auch vie- in gut verständlichem Deutsch. Sein Ziel sei auch nicht,
le internationale Soldaten, die den Lehrgang den Lehrgang hier „nur zu bestehen“. Sein Anspruch ist,
in Ingolstadt am Ausbildungszentrum Pionie- die Berufsausbildung für ihn „bestmöglich“ abzuschlie-
re besuchen. „Es ist eine Win-Win-Situation“ ßen. In Mali erhält er mit bestandenem Lehrgang die
erzählt Hptm Gehrmann, der verantwortliche Möglichkeit von der Kampftruppe zu den Pionieren zu
Inspektionschef. „In der Regel bilden wir hier wechseln und dort als Vorarbeiter Bauaufgaben wahr-
Pioniere verschiedener Partnernationen aus. zunehmen. Aber manchmal sei es schon schwierig, al-
Wenn die internationalen Lehrgangsteilneh- le Einzelheiten der Ausbildung zu verstehen. Vor allem
mer die Berufsausbildung in Deutschland be- aufgrund der Fachbegriffe in einer fremden Sprache und
stehen, werden sie nach Rückkehr in die Hei- weil er keine Vorkenntnisse im Bereich des Bauwesens
mat meist direkt zum Bauleiter befördert. Da mitbrachte. „Wir unterstützen uns gegenseitig sehr gut
die Pioniertruppe vieler Länder Westafrikas in unserer Ausbildungsgruppe. Meine Kameraden hel-
oft auch staatliche Bauaufgaben wahrneh- fen mir immer und gerne.“ Die Gruppe besteht in sei-
men, kommt das Gelernte direkt zur Anwen- nem Fall aus weiteren zwei afrikanischen Soldaten und
dung. Auf der anderen Seite haben wir hier im vier deutschen Soldaten. Die Ausbildung empfindet er
Lehrgang hoch motivierte Auszubildende.“ als sehr gut und glaubt, dass er viel Gelerntes mitneh-
men kann. Trotzdem bleibt auch etwas Freizeit übrig.
Aktuell nehmen 16 internationale Soldaten „Manchmal gehe ich mit anderen, auch deutschen Ka-
an der Berufsausbildung zum Beton- und meraden ins Stadion zum Spiel des FC Ingolstadt oder,
Stahlbetonbauer/-in teil. wenn es kein Werktag ist, in die Disco.“ Es mache Spaß
mit anderen Leuten zu reden. Er hat in den 21 Mona-
Der hier vorgestellte Oberfeldwebel Doum- ten keinen Urlaub genommen um nach Hause zu flie-
bia hat die Ausbildung in 2019 sogar als Lehr- gen. „Ich muss ein bisschen sparen für meine Hochzeit
gangsbester (siehe S. 60/61) abgeschlossen und mein Haus“. Wenn Daouda Doumbia zurück in sei-
und ist inzwischen in seiner Heimat zurück. ne Heimat kommt, wartet seine Freundin auf ihn und er
will auf seinem noch „leeren Grundstück“ ein Haus für
Hptm Gehrmann seine zukünftige Familie bauen. „Das baue ich dann so-
InChef V. Inspektion gar selber, nach der Ausbildung in Ingolstadt!“
Bildrechte: Bundeswehr

36 PIONIERE Ausgabe 20 / Dezember 2019


Aus dem Ausbildungszentrum

20 Jahre Bautechnisches Unterstützungs-


zentrum (BUZ) am AusbZ Pioniere
Im Oktober 1999 entstand aus der Planungs- osteuropäischen Partnern ein nachgefragtes
Informations-Leitzentrale Bau-Einsatz das Thema.
Bautechnische Unterstützungszentrum (BUZ)
an der damaligen Pionierschule in München. Die hier gewonnene Expertise wurde natür-
Damit wurde auf die steigende Nachfrage lich auch in der Aus- und Fortbildung unseres
nach baufachlichen Reachback-Leistungen Baufachpersonals weitergegeben.
für unsere Pionierkräfte in den Einsatzkontin- Mit dem Umzug der Pionierschule nach In-
genten auf dem Balkan reagiert. Bautechniker golstadt und der Umbenennung zum Ausbil-
und Bauingenieure standen nun (fast) rund dungszentrum Pioniere hat sich am Aufga-
um die Uhr zur Verfügung, um die im Einsatz benspektrum für das BUZ nichts geändert.
befindlichen Kräfte der Bundeswehr mit Rat Mitte Oktober begehen wir mit ehemaligen
und Tat bei baufachlichen Problemstellungen Kameraden und Weggefährten das 20-jähri-
mit Entwürfen sowie den zugehörigen stati- ge Jubiläum im Rahmen eines großen Fami-
schen Berechnungen sowie Bauplänen zu un- lienfestes.
terstützen. BALKAN Wachturm für den Einsatz
Als fünfter Leiter des BUZ hoffe ich weiterhin
Waren es zu Beginn der 2000er Jahre vor al- Darüber hinaus unterstützte das BUZ zahlrei- auf viele erfolgreiche Jahre, so dass das BUZ
lem noch Projekte für die SFOR und KFOR- che Bauprojekte der Pioniere im Inland sowie auch in den kommenden 20 Jahren der Trup-
Kontingente auf dem Balkan, wechselte der in der Weiterentwicklung von Bauerkundungs- pe mit Rat und Tat zur Seite steht, getreu un-
Focus der Projekte Mitte der 2000er Jahre und Vermessungsausstattung für die Pionie- serem Motto:
nach Afghanistan zur ISAF-Mission. In den re. Die bei der Bewertung und Einstufung von Beständig – Unverzüglich – Zuverlässig
vergangenen Jahren wechselte der Projekt- Brücken in militärische Belastungsklassen ge-
schwerpunkt mit der verstärkten Präsenz der wonnenen Erfahrungen sind inzwischen im Maj Christian Bayerschen,
Bundeswehr auf dem afrikanischen Kontinent Rahmen der Rückbesinnung auf Landes- und Leiter BUZ
vor allem zur Mission MINUSMA nach Mali. Bündnisverteidigung vor allem bei unseren Bildrechte: Bundeswehr/AusbZPi BUZ

Ausgabe 20 / Dezember 2019 PIONIERE 37


Aus dem Ausbildungszentrum
+++ kurz & informativ +++

Staatlich geprüfte Bautechniker aus Ingolstadt


Nach zwei Jahren fordernder Ausbildung war es wieder so weit. des 50. Bautechnikerlehrganges ihre Abschlusszeugnisse aus
Anlässlich einer Feierstunde in der Aula der Pionierkaserne auf der Hand des stellvertretenden Kommandeurs des Ausbildungs-
der Schanz in Ingolstadt erhielten die erfolgreichen Absolventen zentrums Pioniere Herrn Oberst Busch überreicht. Gleichzeitig
wurden die drei besten Absolventen mit dem Meisterpreis der
Bayrischen Staatsregierung für besondere Leistungen ausge-
zeichnet. Insgesamt konnten sich 14 Lehrgangsteilnehmer über
den erfolgreichen Abschluss der Ausbildung freuen. Drei Lehr-
gangsteilnehmer haben sich darüber hinaus noch die Fachhoch-
schulreife erarbeitet.

Dem Lehrgangsbesten, Hauptfeldwebel Florian Wienen wurde


der Ehrenpreis des Bundes Deutscher Pioniere durch dessen
Präsidenten Herrn BG a. D. Franz Pfrengle überreicht. Das Saxo-
fonquartett des Heeresmusikkorps Ulm gab der festlichen Veran-
staltung einen würdigen Rahmen.

Oberstlt Alexander Ebner


Bildrechte: Bundeswehr/
S. Kleinekort

Bau einer Fußgängerbrücke aus Holz


Die PzPiKp 550 bekam den Auftrag, eine Fußgängerbrücke aus Holz
über eine Schlucht am Standort Todtnau/Fahl herzustellen. Dabei hat
diese auf das BUZ zur baufachlichen Unterstützung zurückgegriffen.
Das BUZ erstellte den Tragsicherheitsnachweis sowie sämtliche Pläne
und Materiallisten für den Aufbau der Brücke. Als Anhalt für die Kons-
truktion diente der zu ersetzende Übergang. Dessen Bauteile demonst-
rierten bereits deutliche Schäden und waren altersbedingt und geprägt
durch Umwelteinflüsse nicht mehr tragfähig. Das Vorhaben wurde er-
folgreich und termingerecht durch die leistungsfähigen Bauhandwer-
ker der PzPiKp 550 umgesetzt.

Hptm Weis, StFw Finster, BUZ


Bildrechte: Bundeswehr/BUZ

Ein Schutzdach für das Camp Pamir in Kunduz


Eine Lagebeurteilung über das Camp Pamir resultierte mit einem Auftrag
aus Afghanistan zur Berechnung eines Schutzdachs. Dieses soll bestehen-
de Unterkunftscontainer schützen. Für den Tragsicherheitsnachweis sind
neben den üblichen Lasten auch Erdbebenlasten angesetzt worden. Dies
führte dazu, dass für die Stützen des gewählten Stahltragwerks Rechteck-
Hohlprofile verwendet werden mussten. Die Herausforderung lag hierbei in
der Beschaffung vor Ort.

Nach einer positiven Rückmeldung aus Kunduz für den Erwerb des bestimm-
ten Profils konnte das BUZ schließlich in die finale Planung übergehen.

Hptm Weis, StFw Finster, BUZ


Bildrechte: Bundeswehr/BUZ

38 PIONIERE Ausgabe 20 / Dezember 2019


Aus dem Ausbildungszentrum
+++ kurz & informativ +++

3. ASTech Firmenlauf Ingolstadt Voller Elan starteten beim 3. ASTech Firmenlauf Ingolstadt 4.802
hoch motivierte Läufer und Läuferinnen auf die 5,5 km Strecke. Das
Ausbildungszentrum Pioniere hat sich mit drei Teams erfolgreich
beteiligt. Nachdem die ersten strahlenden Gesichter über die Ziel-
linie liefen, fiel auch schon der Startschuss für den 2. Startblock.
Danach ging es mit der spannenden Siegerehrung und erfrischen-
den Getränken auf dem Veranstaltungsgelände im Klenzepark wei-
ter. Bei grandioser Live-Musik der Band Project xXx" und dem ver-
lockendem Duft der Cateringstände feierten die Teilnehmer und
Teilnehmerinnen auf der großen After-Run-Party in einen unver-
gesslichen Abend hinein.

Oberstlt Bucke, InChef IV. Insp AusbZPi


Bildrechte: Bundeswehr/ M. H. Wenzel

Beton- und Stahlbetonbauer MINT-Macher Aktionstage


für zwei Kontinente am Ausbildungszentrum
Die sieben erfolgreichen Teilnehmer der 29. ZAW wurden durch den General der Pioniere!
Pioniere nach Burkina Faso, Mali, Togo und in ihre deutschen Pionierstandorte
verabschiedet. Erstmalig wurde dabei durch den Bund deutscher Pioniere der Zum Beginn der Sommerferien kamen tech-
Lehrgangsbeste, OFw Doumbia aus Mali, mit dem Ritter-von-Becker-Preis aus- nikbegeisterte Schüler in der Lehrwerkstatt
gezeichnet. Weiterhin wurde Uffz Christopher Ness, 4./PzPiBtl130, für sein Vor- der V. Inspektion auf ihre Kosten: Sechs
bild in Haltung und Pflichterfüllung mit dem Bestpreis der Inspektion ausge- Jungen und Mädchen durften sägen, schlei-
zeichnet. fen und betonieren, was das Zeug hält.
Oberstlt Alexander Ebner
Möglich machte das die Zusammenarbeit
der Initiative Regionalmanagement Region
Bildrechte: Bundeswehr/S. Kleinekort

Ingolstadt e.V. und dem Ausbildungszent-


rum Pioniere in Verbindung mit dem Karri-
ereberatungsbüro Ingolstadt.

Je nach handwerklichem Geschick und Al-


ter konnten dabei verschiedene Bauprojek-
te hergestellt werden, vom Liegestuhl für
den See bis zu Nützlichem für Haus und
Garten. Auf ihre Kosten kamen dabei nicht
Gratulation und alles Gute für die Zukunft! nur die Praktikanten sondern auch die regu-
lären Lehrgangsteilnehmer der Inspektion:
Sie durften für drei Tage die Seite wechseln
und einmal selber anleiten. Nach den drei
Wechsel an der Spitze der V. Inspektion Tagen steht für alle Beteiligten fest: Schön
war’s!
Nach knapp vier Jahren wurde die Verant-
wortung für die zivile Berufsausbildung Hptm Bernhard Gehrmann
unserer Beton- und Stahlbetonbauer von InChef V. Insp. AusbZPi
Hptm Bernhard Gehrmann an Hptm Martin
Botz übertragen. Neben den vielen deut-
schen Absolventen durfte Hptm Gehr-
mann auch 35 Teilnehmer aus acht afrika-
nischen Staaten durch diese anspruchs-
volle Ausbildung begleiten.

Oberstlt Alexander Ebner

Ausgabe 20 / Dezember 2019 PIONIERE 39


Aus der

Die Segelkameradschaft informiert

Zwei Bundeswehrstudenten berichten Empfinden starker Krängung (Schräglage),


Die Segelkameradschaft des Ausbil- über den Segelkurs von April/Mai 2019 worauf unser Ausbilder Klaus op de Hipt ei-
dungszentrums Pioniere (abgekürzt gentlich immer nur lächelte und nebenbei den
SK) wurde 1971 gegründet und hat ca. Die Ausbildung begann mit dem morgendli- Trimm des Bootes verbesserte.
250 militärische und zivile Mitglieder. chen Antreten um 9 Uhr, bei dem uns Boo-
Sie nutzt für das Segeln den Hafen des te zugewiesen und wir in 2-Mann/Frau-Crews Das Segeln lief von Tag zu Tag reibungslo-
Taucherausbildungszentrums in Per- eingeteilt wurden, auf welche jeweils ein Aus- ser ab. Wir spielten uns gut aufeinander ein
cha bei Starnberg und führt regelmäßig bilder kam. und viele Abfolgen wurden zur Routine. Spä-
seglerische Aus- und Weiterbildungen ter gab es dann doch noch ein bis zwei Tage
durch, auch für Kinder und Jugendliche. Dann segelten wir bei 7 °C, Nieselregen und mit Sonne, an denen einzelne sogar ins 10 °C
Besonders begehrt ist der jährliche Se- einer Starkwindwarnung mit nach unserem kalte Wasser hüpften – teils freiwillig, teils un-
gelkurs für erwachsene Mitglieder. freiwillig bei einer Kenterung bzw. beim Über-
Bord-Fallen.
Ich bin in der SK u.a. für die etwa 50
jetzigen und früheren Bundeswehrstu- Die Prüfung am letzten Tag bestand aus vier
denten zuständig und bin auch als Se- Teilen: dem Segeln, bei dem man den Prüfern
gelausbilder auf dem Starnberger See die verschiedenen gelernten Manöver zeigen
und als „Skipper“ bei den einwöchigen muss; der Knotenprüfung, der Motorbootprü-
Segeltörns für Bundeswehrstudenten fung und der gefürchteten Theorieprüfung.
eingesetzt.
Nach den bestandenen Prüfungen denken wir
2019 führte die SK vier dieser Törns nun schon an Segeltörns auf größeren Jach-
durch, und zwar auf der Ostsee, rund ten. Die Ausbildung war unfassbar kompetent
um Mallorca sowie auf der nördlichen und hat uns unglaublichen Spaß gemacht. Ein
und mittleren Adria. ganz großes Dankeschön an alle, die uns auf
diesem Weg begleitet haben!
Das Foto zeigt den Ostseetörn im Au-
gust mit 11 Studenten auf einem Zwei- OFähnr Max Bleicken
master. Insgesamt haben schon über Fähnr Enno von Koss
100 Bundeswehrstudenten an solchen Universität der Bundeswehr München
Törns teilgenommen. Bildrechte: Bundeswehr

Segeltörns werden aber auch für SK-


Mitglieder „oberhalb des Studentenal-
ters“ durchgeführt.

Oberstlt a. D. Klaus op de Hipt

Nächster Segelkurs:
Theorie: UniBw in Neubiberg
an 5 Abenden:
20.01./27.01./03.02./10.02./17.02.2020
Praxis: in Percha
25.04. bis 03.05.2020
Infos bzw. Anmeldungen per E-Mail:
vorstand@segelkameradschaft.de

40 PIONIERE Ausgabe 20 / Dezember 2019


Aus Amt und Kommando

Ausbildung im Heer 2035 plus


Eine Position des Amtes für Heeresentwicklung

Veränderte Gefechtsfelder und Konflikträu-


me, hybride Bedrohungen, Multinationalität
und erforderliche Interoperabilität stellen sehr
hohe Anforderungen an alle Soldatinnen und
Soldaten sowohl im Grundbetrieb als auch
im Einsatz bzw. einsatzgleichen Verwendun-
gen. Diese Anforderungen verändern sich ra-
sant und werden auch in Zukunft vielschichti-
ger und komplexer werden. Eine Ausbildung,
die Soldatinnen und Soldaten auf eben diese
komplexen und sich ändernden Anforderun-
gen und Herausforderungen vorbereitet, muss
technologische Entwicklungen und Innovatio-
nen ebenso berücksichtigen wie die fortschrei-
tende Digitalisierung, verändertes Kommu- gische Entwicklungen, bahnbrechende Neu- nungen basieren dabei stets auf den zukünftig
nikationsverhalten, veränderte Prozessland- erungen, Erfindungen, Megatrends sowie zu erwartenden Fähigkeitsforderungen an das
schaften sowie zunehmende Automatisierung weitere künftige externe Faktoren werden System Landstreitkräfte. Dabei wird ein ganz-
und Spezialisierung. unmittelbaren Einfluss auf das Heer und sei- heitlicher Ansatz gewählt und alle Planungska-
ne Ausbildungseinrichtungen haben. Diese tegorien und Gestaltungsbereiche betrachtet.
Diese Entwicklungen haben maßgeblichen Trends sind zu erkennen, ihre Auswirkungen
Einfluss auf die Ausbildung, verändern diese zu analysieren und Folgen für das Fähigkeits- Im Rahmen der Ganzheitlichkeit hat die Aus-
nachhaltig und sind deshalb im Rahmen der profil des Heeres abzuleiten. bildung einen zentralen Stellenwert. Nur die
Gestaltung und Konzeption des Ausbildungs- zeitgerechte Verfügbarkeit ausgebildeten Per-
systems zu berücksichtigen. Sie beeinflussen Aus vielschichtigen Trends und Entwicklungen sonals stellt die vollumfängliche Bereitstellung
die Lernumgebung und ergänzen die Metho- gilt es Einschätzungen und Folgerungen auf- einer neuen Fähigkeit sicher.
dik der Ausbildung um weitere Instrumente. zuzeigen wen, wie und was das Heer zukünf-
Immer schneller ablaufende Innovationszyklen tig ausbilden soll bzw. muss. Herausforderungen an die Ausbildung der
erhöhen die Bedeutung informeller und selbst- Zukunft
gesteuerter Lernprozesse. Die demografische Roadmap der Heeresentwicklung
Entwicklung in Deutschland führt dazu, dass Das Lösen wesentlicher Fragestellungen ei-
dem Arbeitsmarkt mittelfristig weniger Men- In den drei zeitlichen Teilprozessen Innovati- ner zukünftigen Ausbildung im Heer bedingt
schen aller Bildungssegmente zur Verfügung onsmanagement, Fähigkeitsentwicklung und zunächst die Betrachtung und Untersuchung
stehen. Gleichzeitig gilt es zu berücksichti- Planungsumsetzung wird die Weiterentwick- gesellschaftlicher und demografischer Trends
gen, dass die zukünftigen Soldaten und Solda- lung des Heeres gesteuert. Dabei reicht der und Entwicklungen und das damit verbundene
tinnen in einem digitalen Umfeld aufwachsen Blick bis in das Jahr 2035 und teilweise dar- Umfeld. Oder anders formuliert: Unter welchen
und daher hinsichtlich einer digitalen Lernum- über hinaus. Um das Heer für die Herausfor- Rahmenbedingungen und in welchem Umfeld
gebung eine ausgeprägte Erwartungshaltung derungen des Jahres 2035 fit zu machen, sind bilden wir zukünftig eigentlich aus? Diese Fra-
an einen modernen Arbeitgeber besitzen. mehrere Zwischenziele gesetzt worden. Zu- ge lässt sich sicherlich nicht umfassend beant-
nächst wird der deutsche Beitrag zur VJTF worten.
Für Ausbildende bedeutet dies in unterschied- 2023 der NATO mit zum Teil deutlich verbes-
lichen Ausprägungen Adaptionsfähigkeit, Fle- serten Fähigkeiten bereitgestellt. In einem Die voranschreitende Digitalisierung, Flexibili-
xibilität, Affinität für technische Entwicklungen zweiten Schritt bis 2027 wird eine Division, sierung und Vernetzung der Arbeitswelt stellen
und eine stark ausgeprägte soziale sowie Füh- die vollumfänglich zur Landes- und Bündnis- jedoch neben den folgenden Aspekten große
rungs- und Handlungskompetenz. verteidigung befähigt sein soll zur Verfügung Herausforderungen und Anforderungen dar.
stehen. Bis 2032 wird die Erfüllung der Forde- Diese wären:
Will das Heer attraktiv und absehbar voll ein- rungen des Fähigkeitsprofils der Bundeswehr
satzbereit sein, muss sich Ausbildung der Zu- (planerisch) sichergestellt. Hierbei orientieren • Steigender Innovations- und Entwicklungs-
kunft konsequent und kontinuierlich an diese sich Arbeit und Überlegungen an den Vorstel- grad in der Technologie und Technik.
Herausforderungen und sich verändernden lungen, wie sich die Gefechtsfelder im Jahr • Miniaturisierung, Robotik und Automatisie-
Rahmenbedingungen anpassen. Technolo- 2035 und darüber hinaus darstellen. Die Pla- rung.

Ausgabe 20 / Dezember 2019 PIONIERE 41


Aus Amt und Kommando

• Stetige Bedeutung der Zunahme der vir- aber auch die Aufbereitung dieser Inhalte, um tanz und die soziale Komponente des Lernrah-
tuellen Welt (Virtual & Augmented Reality, diese den aktuellen Lernarchitekturen anzu- mens.
Künstliche Intelligenz). passen.
• Rasante Veränderungen in der Kommuni- Der einzelne Lerninhalt gewinnt durch einen
kation (schneller, direkter, umfassender). Der im Heer bereits angestoßene Prozess der methodisch-didaktischen Lernmix (Blended
• Exponentielle Zunahme der Informations- Digitalisierung ist konsequent gerade in der Learning) an Attraktivität und beeinflusst das
kapazitäten und deren Verarbeitung. Ausbildung fortzusetzen. „Train as you fight“ individuelle Lernverhalten positiv. Mehrdimen-
• Vernetztes Handeln im nationalen und in- und Digitalisierung der Ausbildung stellen kei- sionales technologiegestütztes Lernen weckt
ternationalen Rahmen. nen Widerspruch dar. Einerseits erlauben Si- das Interesse der Lerner am Lernstoff, deren
mulationsumgebungen schon heute eine re- Kreativität und damit Motivation und Lernfreu-
All das verändert die Anforderungen an uns alistischere Darstellung von Gefechtshand- de. Ein methodisch-didaktischer Mehrwert im
hinsichtlich des Lernens und der Vermittlung lungen, als diese in realer Übungsumgebung Sinne eines spielerischen Erlernens lässt sich
von Lerninhalten, insbesondere vor dem Hin- darstellbar wären, und andererseits muss zu- durch den Einsatz von Simulation und Virtual/
tergrund, dass allgemein verfügbares Wissen künftig die Nutzung von Führungsinformati- Augmented Reality (VR/AR) bereits mit gegen-
immer schneller aufwächst, sich ständig ver- onssystemen auch in der Ausbildung alltäg- wärtigen Simulationstechnologien und Serious
ändert, gleichzeitig aber auch schnell überholt. lich werden. Games gewinnbringend unterstützen. Simula-
Die Prognose ist also: Innovation und Fort- tion und VR/AR ersetzen die Realität nicht, er-
schritt werden weiter anhalten und sehr wahr- Hierbei gilt es, Bewährtes zu erhalten, Neu- gänzen sie jedoch wo immer sinnvoll, so dass
scheinlich auch weiterhin in einer immer es zu denken und zielgerichtet im Rahmen der der Anwender am Modell lernen kann Möglich-
schnelleren Geschwindigkeit. Ein Nachdenken Digitalisierung im Ausbildungssystem zu etab- keiten des Handelns vorzubereiten und zu be-
über die Zukunft erfordert es daher exponenti- lieren. Digitales Battle Management einerseits werten, um eine zweckmäßige Entscheidung
ell und extrem zu denken. und Moderne Ausbildungstechnik (MAT) ande- treffen zu können.
rerseits bildet hier nur den Startschuss. Dieser
Dieser dynamische Beschleunigungsdruck angestoßene Modernisierungsprozess ist wei-
wiederum erfordert Anpassungs- und Hand- ter zu intensivieren mit dem Ziel die gesamte
lungsbedarf nicht nur bei Rüstungs- und Be- Ausbildungsorganisation im Heer flächende-
schaffungsprozessen, sondern auch auf dem ckend auszustatten und zu befähigen.
Feld der zukünftigen Ausbildung. Der nicht
aufzuhaltende Fortschrittsprozess bietet für Mensch - Maschine - (Aus-)Bildung
die zukünftige Ausbildung Chancen und Her-
ausforderungen zugleich, die das Heer anneh- Ausbildung von Morgen muss dem Anspruch
men, nutzen und denen es sich stellen muss. einer modernen, attraktiven und motivieren-
Es gilt die Ausbildung der Zukunft aktiv zu ge- den Ausbildung gerecht werden. Wissen ver-
stalten! ändert sich ständig, ist schnell veraltet und
wächst immer schneller auf. Voranschreiten-
Technologisierung der Ausbildung de Vernetzung und Digitalisierung sind dabei
die strategischen Erfolgsgaranten der militäri-
Ausbildung, deren Inhalte und Methoden sind schen Ausbildung und damit als Chance der Für die Entwicklung von Handlungskompe-
ebenso von der Digitalisierung und dem digi- Auftragserfüllung zu sehen. tenz unserer Soldaten ist die realitätsnahe Ab-
talen Wandel betroffen, wie andere Bereiche bildung der Wirklichkeit durch technologiege-
des alltäglichen Lebens und Berufslebens. Dem zielgerichteten Einsatz von Moderner stützte Mittel und Methoden – wie Simulation
Dies betrifft einerseits die Bereitstellung von Ausbildungstechnik (MAT) kommt deshalb ei- und Mixed Reality – wesentlicher Enabler für
Inhalten (z. B. über mobile Endgeräte), wie ne entscheidende Bedeutung zu. Zur Steige- einen didaktisch-methodischen Zugewinn.
rung der Qualität, der Wirtschaftlichkeit und
damit der Attraktivität der Ausbildung, sind die Virtuelle Realität und Künstliche
Mittel und Methoden der technologiegestütz- Intelligenz in der Ausbildung
ten Ausbildung noch intensiver zu nutzen und
zukunftsorientiert weiterzuentwickeln. Technologiegestütztes, flexibles Lernen und
Simulation trägt wesentlich zum kompetenzo-
Neben der Technologie und der reinen Wis- rientierten Ansatz in der militärischen Ausbil-
sensvermittlung ist der Erwerb von Hand- dung bei. Die virtuelle Abbildung praxis-, ein-
lungskompetenz verstärkt in den Fokus zu rü- satz– und realitätsnaher Ausbildungssituati-
cken. Individuelle Kompetenzen in der Aus- onen ergänzt um Elemente der Künstlichen
bildung sind zu fördern und fortzuentwickeln. Intelligenz (KI) ermöglichen eine weit über
Mehr Eigenverantwortung für den eigenen die reine Wissensvermittlung hinausgehende
Lernprozess unterstützt und fördert die Akzep- Lernumgebung.

42 PIONIERE Ausgabe 20 / Dezember 2019


Aus Amt und Kommando

Kompetenz im Umgang mit ethischen, mora-


lischen und rechtlichen Fragen einer schnell-
lebigen Welt. Der Ausbildende von Morgen
muss in der Lage sein der vernetzten, digi-
tal hochversierten Generation von heute und
von morgen digital kompetent zu begegnen.
Gleichzeitig werden bei einer stetigen Zunah-
me technologischer Weiterentwicklungen im
Bereich der Ausbildung, Bildung und Weiterbil-
dung neben den genannten noch viel stärker
die sozialen Eigenschaften der Ausbildenden
von grundlegender Bedeutung sein. Die Anfor-
derungen steigen also deutlich.

Wenngleich Computer, Maschinen und Al-


gorithmen den Ausbilder von Morgen zuneh-
mend unterstützen werden, so ist dennoch si-
cherzustellen, dass immer auch verlässliche
analoge Methoden und Mittel den gut ausge-
Insofern KI menschliches Denken und Han- se. Gelingt es in der Folge individuelles Lernen bildeten Soldaten des Heeres charakterfest
deln durch Algorithmen und maschinelle Be- messbar und auswertbar zu machen und da- und entscheidungsfreudig im gesamten Ein-
rechnungen und Schlussfolgerungen in glei- mit zu zertifizieren, könnte zugleich ein großer satzspektrum befähigen.
cher oder besserer Weise imitieren kann, so- Anteil der Präsenzausbildung entfrachtet und
wie weiter davon ausgehend, dass sich dieses gestrafft werden. Folgerungen für die Ausbildung im Heer
Technologiefeld noch am Anfang zahlreicher
und möglicherweise auch nicht absehbarer re- Anforderungen an die Ausbildenden Zusammengefasst sind folgende konkrete
volutionärer Innovationssprünge befindet, ver- Forderungen für die Gestaltung der zukünfti-
bietet sich eigentlich eine seriöse Prognose im Zukünftige Ausbildung und Übung wird auch gen Ausbildung im Heer festzuhalten: Um eine
Kontext einer Nutzbarmachung / Mehrwertab- weiterhin daran ausgerichtet sein, im Falle der zukunftsorientierte, der Digitalisierung ange-
schätzung für die Ausbildung. Landes- oder Bündnisverteidigung, sowie im passte, motivierende, attraktive und bedarfs-
gesamten Einsatzspektrum bestehen zu kön- gerechte Lernumgebung sicherstellen zu kön-
Seriös ist hingegen sehr wohl die Einschät- nen. Gefechtsfelder und deren Dimensionen nen,
zung, dass sich bereits heute eine Vielzahl verändern sich gleichwohl.
theoretischer Anwendungsfälle skizzieren las- • sind die Ausbildungseinrichtungen zielge-
sen, die mit den gegenwärtigen und fortschrei- Die Nutzung des elektromagnetischen Spekt- richtet weiterzuentwickeln;
tenden Methoden der KI (Bild-/Spracherken- rums im Cyberraum und Weltall bedeutet nicht • ist die Technologiegestützte Ausbildung
nung, Lösen komplexer Rechenaufgaben, nur die Verbesserung und Fort- und Weiter- und der Einsatz mobiler Endgeräte zu op-
Lernanalysen) für den Bereich der Ausbildung entwicklung bisheriger Führungs- und Kom- timieren und zu intensivieren;
beachtliche Effizienzgewinne bringen. munikationsfähigkeiten. Es entstehen kom- • ist das mobile Lernen uneingeschränkt ver-
plett eigene Gefechtsfelder mit eigenen Be- fügbar zu machen.
Lerninhalte ließen sich individueller und per- drohungsszenarien und Möglichkeiten der
sonalisierter gestalten. Unterschiedliche Lern- Operationsführung. Ein Angriff im Cyberraum Die Implementierung der kompetenzorientier-
typen könnten mit gemäß ihren Bedürfnissen beschränkt sich dabei aber nicht auf den virtu- ten Ausbildung sowie das formalisierte Aner-
zugeschnittenen Inhalten und Methoden an- ellen Raum allein, sondern zielt vor allem auch kennen des Informellen Lernens vervollstän-
gesprochen werden. Die Anwendung von KI auf physische Wirkung: Ein Angriff auf kriti- digen die Erfordernisse einer modernen, at-
in Endgeräten wie Mobile oder Wearable De- sche Infrastruktur, wie die Wasserversorgung traktiven und bedarfsgerechten Ausbildung,
vices erlaubt gedanklich viele Anwendungs- oder das Stromnetz ist ebenso bereits Reali- die sich insoweit aus den Aufgaben der Bun-
szenarien. Von Assistenzsystemen bis hin zur tät, wie der konventionelle Angriff militärischer deswehr, dem daraus abgeleiteten Fähigkeits-
Nutzung von Big Data des Trägers und Ler- Kräfte. Die Grenzen im Einsatzspektrum sind profil und den zunehmenden Verpflichtungen
ners selbst, wie auch dessen Umgebung. fließend. in Bündnissen sowie multinationalen Koopera-
Die Methoden der KI gilt es, mit Fokus auf den tionen ergeben.
Bereich der Ausbildung stetig weiter zu beob- Allein diese skizzierte Komplexität veran-
achten. KI ist zugleich Mittel und Zweck agile- schaulicht die Anforderungen an spezifische, Oberstlt i.G. Lammersen
rer, individualisierter Lernprozesse. Potenziale teilweise neue Kompetenzen des Ausbilder- AHEntwg - DezLtr I 2 (1)
für die militärische Ausbildung liegen daher vor personals wie Medienkompetenz und digita- Weiterentwicklung Ausbildung
allem im Bereich der individuellen Lernanaly- le Kompetenz, Innovationskompetenz sowie Bildrechte: Bundeswehr

Ausgabe 20 / Dezember 2019 PIONIERE 43


Internationale Zusammenarbeit

Die Vier lustigen Sieben


Leben und Arbeiten in der Beratergruppe Mali

Es ist Montag, 07:30 Uhr am Morgen, das Ausstattungshilfeprogramms in Deutschland packung und Abfertigung nach den gängigen
Thermometer vom Amarok zeigt 35 Grad, beschafft wurden. Vor Ort koppeln wir mit den Fracht- und Gefahrgutvorschriften, sowie der
„The Joker and the Thief“ tönt aus den Laut- malischen Streitkräften, um den Transport zu Versand werden durch den Unterstützungs-
sprechern meines Dienstfahrzeuges. realisieren. Hierbei koordinieren wir die Be- trupp der Beratergruppen Ausland am Mutter-
ladung der Fahrzeuge, denn „ortsüblich und haus in Ingolstadt sichergestellt. Selbst in Zei-
Eine schwere Smogwolke liegt über der Stadt, angemessen“ wird geladen, bis der LKW ten moderner Datenverarbeitung besteht hier
welche ich zu durchqueren versuche, umringt nachgibt. Bei dem Einsatz von Spanngurten eine Form der Zusammenarbeit, welche ihres-
von chinesischen Mopeds, Mercedes 190ern verfolgt der malische Soldat meist den Mini- gleichen sucht.
und anderen Relikten vergangener Automobil- malansatz: „Was schwer ist, kann nicht rut-
geschichte. 15 Minuten später befinde ich mich schen.“ All dem zum Trotze stehen Nachar- Der nächste Entladeort befindet sich ca. 20
im Büro der Beratergruppe der Bundeswehr beiten im Rahmen der Aus- und Weiterbildung km nordwestlich von BAMAKO, in der Gar-
Mali, im Zentrum der Hauptstadt BAMAKO. stets an der Tagesordnung. Im Anschluss folgt nisonsstadt KATI. Hier trifft man, nebst Zie-
das Entladen der LKW in den jeweiligen Pro- gen und noch mehr Mopeds, im Schwerpunkt
08:00 Uhr, Dienstbesprechung. Die Liste der jekten, weshalb wir den ersten Entladeort im die malischen Logistiktruppen an, welche seit
Aufträge ist lang. Und das hat vor allem per- Norden der Hauptstadt ansteuern. Der MB 2017 im Rahmen des Ausstattungshilfepro-
sonelle Gründe. Wir, das sind derzeit nur vier 1017 unter mir blüht geradezu auf unter der gramms ebenfalls durch die Beratergruppe
Personen, angefangen mit dem Leiter i.V. im afrikanischen Sonne, und wird an jeder Am- betreut werden, definiert in 3 Teilprojekten.
Dienstgrad Hauptmann FD, einem Oberstabs- pel beim Betätigen der Motorbremse mit Res-
feldwebel als Büroleiter, einem Stabsfeldwebel pekt und Freude über die „weißnasigen“ Pilo- Eines dieser Teilprojekte ist die zentrale Fahr-
als Beraterfeldwebel im Bereich Instandset- ten wahrgenommen. schule der malischen Armee. 2017 begann
zung und mir, Beraterfeldwebel PiMasch und der Neubau des Fahrschulgebäudes mit
Hauptfeldwebel. Aufträge und Projekte sind je- Wir beginnen mit Abladen in der A.C.G.M., Büroräumen und drei Lehrsälen, nun liegt der
doch für sieben Dienstposten ausgeplant. der Instandsetzungseinrichtung der mali- Schwerpunkt in der materiellen Ausstattung.
schen Pioniere. Hier sind es diesmal Stand- In der heutigen Lieferung befinden sich Mö-
„Materialtransport“ bohrmaschinen, Containermodule, Prüfkof- bel für die Lehrsäle: Tische, Stühle, Spinde
fer für Hydraulikanlagen und Handwerkzeu- und Mülltonnen, denn Abfallwirtschaft wird in
Gegen 09:00 Uhr verlegen wir zum internati- ge. Den Bedarf hierfür hat der zuständige MALI leider noch sehr stiefmütterlich behan-
onalen Flughafen von BAMAKO, denn wir er- Beraterfeldwebel in Absprache mit dem ma- delt. Der Aufbau und die Aufstellung des Ma-
warten Material aus Deutschland. 10 Tonnen lischen Partner definiert und zur Beschaffung terials erfolgen später.
Ausstattungsgüter, welche im Rahmen des eingeleitet. Der Kauf in Deutschland, die Ver-
Als nächstes entladen wir Material in der
E.C.C.R.A., einem anderen Teilprojekt, wel-
ches zuletzt durch einen weiteren Stabsfeld-
webel betreut wurde, dessen Tour jedoch
bereits endete. Dies war einst die zentra-
le Instandsetzungseinrichtung der malischen
Streitkräfte, welche jedoch aufgrund der Kri-
se im Norden von MALI, Missmanagement
und fehlender Struktur- und Ablauforganisati-
on nicht arbeitsfähig war. Auch hier setzte ab
2017 das Ausstattungshilfeprogramm an, be-
ginnend mit der Renovierung und Erschaf-
fung neuer Infrastruktur, sowie der begleiten-
den Beschaffung von Ausstattung. Sobald die
Baumaßnahmen abgeschlossen sind, erfolgt
die Aufstellung und Einrichtung des Materials.
Später folgt die Ausbildung am jeweiligen Ge-
rät und anschließend die Neuausrichtung der
Ablauforganisation. Derzeit, und auch in na-
her Zukunft, wird aufgrund fehlender Fach-

44 PIONIERE Ausgabe 20 / Dezember 2019


Internationale Zusammenarbeit

expertise durch den Mangel eines geeigne- taucht die Smogwolke über der Stadt in ein Niederschlagswasser erforderlich sind. Wir
ten Beraterfeldwebels der Bereich Ausbildung staubiges Orange. Nassgeschwitzt, müde, stellen fest, alles ist trocken. Falls noch Haus-
nicht durchführbar sein. aber auch stolz auf die Tagesleistung fahre haltsgelder verfügbar sein sollten, wäre der
ich durch das Tor der Cité Allemande, unse- Bau eines Regenvordaches mit Gehweg eine
Ebenso im Teilprojekt Zentrallager. Der Bau rem Wohnkomplex, wo mich der Pool förmlich sinnvolle Maßnahme. Die zukünftigen Lehr-
der 2.500 m2 großen Halle kann zwar sicher- anbettelt hineinzuspringen. Dieser Aufforde- gangsteilnehmer werden es mir danken. Die
gestellt werden, jedoch mangelt es derzeit an rung folge ich widerspruchslos, während sich Ziegen wahrscheinlich auch. Wir besprechen
Fachpersonal im Bereich Logistik, welches die die Kameraden ebenfalls einfinden. kleinere Arbeiten, die noch zu erledigen sind
Bereiche Ausstattung und Ausbildung behan- und begutachten den Baufortschritt der Klein-
deln kann. Der Bedarf an geeigneten Berater- Endlich Feierabend. Ich freue mich auf mein kläranlagen, welcher durch den Regen vorerst
feldwebeln und Berateroffizieren für MALI ist Bett, in meinem achteckigen Haus, welches zum Erliegen kam. Der Architekt weiß um die
groß. Wird dieser nicht gedeckt, wird das Zen- frei im Raum steht, da es keinen rechten Win- Notwendigkeit der Fertigstellung, Berge kann
trallager früher oder später zum Zufluchtsort kel hat. Es ist ein 100 m2 großer Pavillon mit er dadurch trotzdem nicht versetzen. Hier dre-
für malisches Weidetier verkommen. einer Palme im Vorgarten. Ein Paradies für je- hen die Uhren halt etwas langsamer, wenn
den Gecko. es um die Zusammenarbeit mit dem afrikani-
Zuletzt erfolgt die Entladung von Material für schen Partner geht. Ich fahre zurück nach BA-
die verstärkte Pioniereinheit. Die Lieferung „Baubegehung KATI“ MAKO und erledige Büroarbeit für den Rest
umfasst Zelte, Feldbetten und Werkzeugsätze des Tages.
für den Feldlagerbetriebszug, sowie Zurrket- Nächster Tag, der Himmel ist schwer und
ten und Keile für den Pioniermaschinenzug. grau. Letzte Nacht hat es stark geregnet und „Willst du Gott zum Lachen bringen,
Im hiesigen Projekt müssen wir das Material tut es noch immer. Es herrscht der Ausnah- schmiede einen Plan“
zwischenlagern, da die neue Pionierkaserne mezustand auf den Straßen. Zwischen um-
sich erst im Bau befindet. Die Sicherheitslage gefallenen Strommasten, umgeknickten Bäu- Es ist Mittwoch. Für den heutigen Tag habe
außerhalb von BAMAKO zwang uns dazu, die men, liegengebliebenen LKW und Mopedfah- ich mir fest vorgenommen Beschaffungen vor
Ausbildung vom ehemaligen Standort der ma- rern mit eingezogenen Köpfen bahne ich mir Ort zu machen. Ich brauche dringend Batteri-
lischen Pioniere, dem 26. Pionierbataillon im meinen Weg ins Büro. en für einige LKW. Da die Verfügbarkeit von
Raum SEGOU, nach BAMAKO zu verlegen. NATO-Batterien in MALI gegen Null läuft, ha-
Dazu fand der erste Spatenstich zum Neubau Nach der Dienstbesprechung fahre ich nach ben meine malischen Kameraden zum Teil
der Kaserne im Februar 2019 statt. KATI in das Projekt Fahrschule. Hier habe ich einige Batteriehalterungen der LKW-Reihe
einen Termin mit dem zuständigen Architek- MAN 5-, 7- und 10 to GL „modifiziert“. Dem-
Mittlerweile ist es 17:30 Uhr, während wir aus ten. Dass es geregnet hat, trifft sich hervorra- entsprechend abenteuerlich gestaltet sich die
KATI zurück nach BAMAKO verlegen. Die gend, denn heute zeigt sich, ob gewisse Nach- Suche nach den passenden Batterien. Doch
Sonne bewegt sich rasant gen Horizont und arbeiten oder Anpassungen auch gegenüber dann klingelt das Telefon.

Ausgabe 20 / Dezember 2019 PIONIERE 45


Internationale Zusammenarbeit

Es gibt ein Problem mit einer Baumaschine. gehen ein und aus, gegenüber auf dem Sport- „Buche Dekor vs. Saharastaub“
Der Radlader 924G von Caterpillar springt platz ist das Antreten beendet und die „Mo-
nicht mehr an. Dabei sollte er heute verladen ped-Rally“ beginnt. Es herrscht reger Betrieb Material in die Projekte zu liefern ist das Eine,
werden, um anschließend HESCO-Körbe im schon am frühen Morgen in und vor dem Bü- Aufbauen und Einrüsten das Andere. In die-
Raum GAO zu befüllen. Das ändert meinen ro der Beratergruppe. Ich mobilisiere meinen sem Sinne arbeiten wir in den Projekten auch
Plan. Ich fahre in die Petit Garage, einem Ab- malischen Kameraden und wir fahren ins Zen- schon mal als „uniformierte Innenausstatter“
leger der A.C.G.M. und begutachte das Stillle- trum von Bamako auf den Marche Dibida, ei- am Rande der Sahelzone. Bei der Beschaf-
ben welches sich mir offenbart. Unter der Ma- nen der größten Märkte von Bamako. Benö- fung des benötigten Materials wägt der jewei-
schine, inmitten einer großen Pfütze, liegt ein tigt werden bereits erwähnte LKW-Batterien. lige Berater sorgfältig ab, ob die Beschaffung
malischer Soldat in Arbeitskleidung und Flip- Also stürzen wir uns in das dichte Getümmel, lokal oder in Deutschland erfolgen soll. Bei-
flops. Ich wünsche lauthals einen Guten Mor- umringt von Menschenmassen, Lärm, Staub des hat seine Vor- und Nachteile. Lange Lie-
gen, woraufhin er unter der Maschine hervor und diversen fremdartigen Gerüchen. Bei ferzeiten und der Mangel an lokal verfügba-
kommt. Es riecht stark nach Diesel, und ich dem passenden Händler angekommen, wer- ren Ersatzteilen sprechen eindeutig gegen die
ahne Schlimmes. Bei der Suche nach dem de ich in diversen Sprachen begrüßt: Fran- Beschaffung in Deutschland, insbesondere
Fehler ist pauschal der Dieselfilter verdächtigt zösisch, manchmal Englisch, lokale afrikani- bei Material und Gerät, welches einen hohen
worden, woraufhin der neue Filter beim Ein- sche Sprachen wie Bambara, gelegentlich so- Bedarf an Verbrauchsmaterial hat. Qualitative
bau „leicht deformiert“ wurde. Somit strömte gar Deutsch, es ist ein Mix aus dem, was der Ansprüche oder die reine Nichtverfügbarkeit
bei jedem Startversuch eine gewisse Menge Sprachfundus hergibt. Denn die Begrüßung gewisser Ausstattungsgüter stehen dem klar
Dieselkraftstoff aus, und zu guter Letzt waren ist in Mali ein Ritual, welches erfüllt werden gegenüber. Bei Mobiliar setze ich persönlich
die Batterien nach den ständigen Startversu- muss. Man fragt nach dem Befinden, nach der auf robustes, einfaches Material aus Deutsch-
chen auch noch am Ende ihrer Kapazität an- Familie, nach den Geschäften. Die Antwort land.
gelangt. Mit dem eigentlichen Fehler hatte darauf ist eher Nebensache. Ich erkläre, dass
das jedoch nichts zu tun. Also dämmen wir ich eine klare Vorstellung habe von dem, was Dem lokal verfügbaren Furnier versetzt man
den Umweltschaden ein, machen gemein- ich beschaffen möchte, doch bin ich mit dem nur allzu häufig großflächige Riefen beim Ent-
sam eine Fehlersuche, werden fündig und re- Preis nicht einverstanden, wobei mir mein ma- fernen veralteter Gecko-Exkremente. Also gilt
parieren den Radlader. Am Ende war es nur lischer Kamerad beipflichtet. Also geht es in es nun 60 Tische und 120 Stühle aufzubauen
ein Wackelkontakt am Magnetschalter der die Verhandlungen, bis wir uns schließlich ei- und aufzustellen, um die 3 Klassenräume der
Hochdruckpumpe. Jetzt, am späten Nachmit- nigen. Hier zeigt sich wieder einmal, wie wich- Fahrschule auszustatten.
tag denke ich mir: Hätte man mich eine Stun- tig Kommunikation doch ist. Im Zweifelsfall
de früher angerufen, wäre der Tag jetzt nicht auch nonverbal, mit Händen und Füßen. In Doch es ist schon Freitag, und die Woche ver-
schon vorüber. Aber aus diesem Grund sind Afrika muss man halt kreativ sein. Und flexi- ging mal wieder wie im Flug. Um die anderen
wir ja hier. bel, so wie der malische Händler es im An- Räume kümmere ich mich, sobald das Materi-
schluss auch vormacht: Bepackt mit 6 schwe- al geliefert wurde, an einem anderen Tag.
„Wochenmarkt“ ren LKW-Batterien drängt er sich mit dem Mo-
ped durch den Markt, vorbei an getrocknetem Und es geht und kommt, ein weiterer Tag, in
Neuer Tag, neuer Anlauf. Nach der morgend- Fisch, nackten Kindern bei der Morgentoilet- Afrika.
lichen Besprechung im Büro möchte ich heu- te, bemitleidenswerten Hühnern und eifrigen
te die Einkäufe auf dem Markt tätigen. Da das Marktfrauen. Stolz präsentiert er seine Ware. HptFw Schulz
ganze viel Zeit und Nerven kostet, versuche Wir schlagen ein, laden auf, bezahlen und fah- BerFwPiMasch
ich den Kaffee heute ganz bewusst zu genie- ren zurück ins Büro. Jetzt erfolgt die Abrech- Bildrechte: Beratergruppe (Abb. 1)
ßen. Nebenbei klingelt das Telefon, Soldaten nung der Beschaffung. Bundeswehr/Schulz (Abb. 2)

46 PIONIERE Ausgabe
Ausgabe
20 / Dezember
19 / Juni 2019
Internationale Zusammenarbeit

Mobile Training Team / Special Recce Team


Im Einsatz bei der Beratergruppe der Bundeswehr in Äthiopien

Erneut wurde das MTT/SRT der Fachschule land der äthiopischen Hauptstadt. Aufgrund
des Heeres für Bautechnik und Zentrum für der schwierigen örtlichen Gegebenheiten so-
Bauwesen für ein Bauprojekt der Bw auf den wie des schwer zu bohrenden Untergrundes
afrikanischen Kontinent gerufen. Nach der wurde zudem ein ortsansässiges Ingenieur-
Unterstützung der Deutschen Beratergruppe büro beauftragt, die eigentlichen Bohrarbei-
der Bundeswehr in TANSANIA (DtBerGrpBw ten mittels Spülbohrgerät auf Raupenfahrge-
TZA) im Jahr 2016 war es in diesem Jahr die stell durchzuführen.
DtBerGrpBw in ÄTHIOPIEN (ETH), welche im
Rahmen des Ausstattungshilfeprogramms der Im Verlauf der Erkundungsarbeiten wurden 6
Bundesrepublik Deutschland Bedarf an geolo- Bohrungen bis in Tiefen von bis zu 12,5 m abge-
gischer und bautechnischer Expertise einge- teuft und insgesamt 55 m Bohrkern gewonnen Bodenprofil von 5,0 m bis 10,0 m unter Geländeoberkante
bis rot- bis dunkelbraune, ausgeprägt plastische Schluffe
fordert hatte. (siehe Foto), um die den Baugrund bildenden und grauer Basalt
Bodenarten und deren Lagerungszustände zu
Die Planungen des Bautechnikers der Bera- bestimmen, wobei auch der Bautechniker der gang auch der Nachweis hinsichtlich Gleiten
tergruppe hinsichtlich des Neubaus eines teil- DtBerGrpBw ETH (erneut) tatkräftig mithelfen und Geländebruch geführt werden muss.
unterkellerten, dreigeschossigen Unterkunfts- durfte.
gebäudes im Peace Support Training Centre Das SRT bedankt sich an dieser Stelle wieder
in ADDIS ABEBA sind in vollem Gange, wozu Insgesamt eine relativ anspruchsvolle Ge- einmal sehr herzlich bei allen Beteiligten für
ihm ein geotechnischer Bericht die notwendi- meinschaftsaufgabe, da sich der Baugrund die hervorragende Unterstützung!
gen Grundlagen liefern sollte. im geplanten, stark geneigten Baufeld von ca.
80 m x 40 m als sehr inhomogen und set-
Für die fachliche Begleitung der Aufschluss- zungsempfindlich herausgestellt hat, so dass Dipl.-Geol. Jörg Hermel
arbeiten verlegte daher das SRT, beste- in letzter Konsequenz ein Standsicherheits- Regierungsdirektor u. Ltr GeoInfoWes/USch
hend aus dem Geologen und dem Geomati- nachweis gegen Grundbruch alleine nicht FSHBauT/ZBauW
ker des AusbZPi, für zehn Tage in das Hoch- ausreichen wird, sondern im weiteren Fort- Bildrechte: Bundeswehr

Ausgabe 20 / Dezember 2019 PIONIERE 47


Internationale Zusammenarbeit

TRIDENT JUNCTURE MiVZg MN PiBtl VJTF (L)


Erfahrungen im multinationalen Umfeld als Zugführer MiVZg

Seit dem 01. Oktober 2017 eingesetzt als Ausbildungsabschnitt bildeten zwei DEU und
ZgFhr des MiVZg VJTF (L) 2019 durfte ich zwei LVA Gruppen einen binationalen Zug un-
in dieser Funktion die Phase personelle und ter DEU-LVA Führung im Rahmen eines Zug-
materielle Aufstellung sowie Herstellen der gefechtsschießens. Grundsätzlich verlief die
Einsatzbereitschaft für den Auftrag VJTF (L) Zusammenarbeit sowohl mit den Letten als
2019, mit Schwerpunkt auf Artikel 5 Einsatz- auch mit den Norwegern auf einem höchst-
szenarien, mitgestalten und somit hautnah professionellen Niveau. Die bis dato geschaf-
miterleben. Das Herstellen der personellen fenen Abholpunkte und Ausbildungsstände
Einsatzbereitschaft umfasste einige Ausbil- auf Zugebene waren nahezu identisch. Dies
dungshöhepunkte. Nennenswert sind hier die erleichterte die Zusammenarbeit auch auf den
zahlreichen Durchgänge im Schießübungs- untersten Ebenen. Auch wenn beiderseits bei Anlegen einer Minensperre in NORWEGEN RENA
zentrum sowie die Zertifizierung des GefVbd einigen Mannschafts- und Portepeedienstgra-
PzLehrBtl 93 im Gefechtsübungszentrum. den nur rudimentäre Englischkenntnisse vor- gen die angreifenden FIN und SWE Kräfte ge-
Zum Jahresabschluss 2018 führte die VJTF handen waren, so war eine Verständigung schaffen. Im Rahmen der LIVE-EX wurde zu-
(L) 2019 in NORWEGEN die Übung TRIDENT über taktische Zeichen oder Umschreibung, dem die Möglichkeit genutzt die NOR Solda-
JUNCTURE durch. Diese bestand für den beziehungsweise Beschreibung der Fachbe- ten an dem MiVSys 85 auszubilden, wodurch
MiVZg aus einer zweiwöchigen CET-FIT Pha- griffe schnell möglich. sich die Möglichkeit bot, im schwierigen Ge-
se und der anschließenden zehntägigen Teil- lände Minensperren noch schneller anzule-
nahme an der LIVE-EX. Im Rahmen der CET- Einzige Herausforderung auf der Verbin- gen. Die angelegten Sperren wurden über die
FIT Phase wurden Ausbildungen auf Zug- und dungsebene war die nicht vorhandene Mög- Minensperrnachweise an den NOR KpGefStd
Kompanieebene durchgeführt. Während der lichkeit der Nutzung gemeinsamer Funkkrei- gemeldet. Dieser meldete wiederum die Sper-
LIVE-EX wurde der MiVZg einem norwegi- se, aufgrund unterschiedlicher Verschlüsse- ren über das Battle Management System an
schen GefVbd unterstellt. Diesem GefVbd ge- lung der Funkgeräte. Darüber hinaus wäre das Bataillon und an die Kampftruppenver-
genüber standen ein FIN und SWE GefVbd. eine Schnittstelle von FISH zur gemeinsamen bände im Interessenbereich weiter.
Nutzung mit den NATO Partnern wünschens-
wert gewesen. Hier wurde durch den Einsatz Der NOR Sperrplan zu Operationsbeginn be-
eines Verbindungselements zur Weitergabe stand, anders als bei der deutschen Operati-
von Informationen, auf Ebene Zugführer, Ab- onsplanung, lediglich aus sperrfreien Räumen
hilfe geschaffen. Das Gelände in NORWE- und Sperrboxen, in denen der Zugführer des
GEN bot dem MiVZg, während der CET-FIT Pionierzuges im Rahmen seiner Erkundung
Phase, aufgrund des großteils offenen und und in Absprache mit der Kampftruppe die ge-
weitreichenden Geländes eine Vielzahl von naue Lage der Sperre im Gelände abstimmen
Sperrmöglichkeiten. Während der LIVE-EX, konnte.
die ca. 200 km nördlich des Raumes der CET-
FIT Phase stattfand, zeigte sich ein deutlich Die Kernchance dieser Herangehensweise
anspruchsvolleres Gelände, welches sich lag in der Möglichkeit, in direkter Absprache
durch große Moorflächen und dichte Bewal- mit der vor Ort kämpfenden Truppe, Sperren
dung sowie starke Anstiege charakterisieren auch kurzfristig anzulegen. Obwohl das Mi-
Gefechtsschießen FTX Bergen 18 DEU-LVA Zg ließ. Zusätzlich war das Gelände durch die vie- nenverlegsystem 85 bereits über 30 Jahre alt
len Flüsse und Stauseen stark begrenzt. Hier ist, so hat es sich dennoch in dem schwieri-
Unser Auftrag war es, im Rahmen der defen- war der Einsatz des MiVSys 85 an sich nur be- gen norwegischen Gelände bewährt und ist
siven Aktivität Verzögerung, in Verbindung mit dingt möglich, wobei dieses dennoch bei sei- im Rahmen von Artikel 5 Aufträgen ein wichti-
einer NOR Pionierkompanie, Sperren anzule- nem Einsatz überzeugen konnte. Brauchten ges Element, um so den Einsatzwert im Rah-
gen. Das Arbeiten im multinationalen Umfeld die Norweger für eine Minensperre per Hand men der Verzögerungsoperation deutlich zu
war dem Zug bis dato nicht fremd, da bereits teilweise bis zu zehn Stunden, so konnte das erhöhen.
auf der FTX BERGEN zusammen mit dem let- MiVSys 85 eine vom Ausmaß und Einsatz-
tischen Panzerpionierzug der 2. MN ENG BN wert gleichwertige Sperre in bis zu zwei Stun- OLt Schöps, ZgFhr MiVZg,
mehrere gemeinsame Übungstage absolviert den erfolgreich anlegen. Durch diesen zeitli- 2./Panzerpionierbataillon 130
wurden. Dabei wurde der LVA Zug an dem chen Vorteil wurden die Voraussetzungen für
MiVSys 85 ausgebildet. In einem weiteren eine erfolgreiche Verzögerungsoperation ge- Bildrechte: Bundeswehr/Schöps

48 PIONIERE Ausgabe 20 / Dezember 2019


Internationale Zusammenarbeit

ALLIED SPIRIT X
Military Engineering im multinationalen Umfeld

Mehr als 5000 Soldaten, über 800 Fahrzeu-


ge, neun Nationen, neun Tage Volltruppen-
Gefechtsübung und die Panzerpioniere mit-
tendrin. Die Übungsserie unter Leitung der US
Army Europe (USAREUR), deren 10. Durch-
gang die Abkürzung „AS X“ trägt, hat das
Ziel, die Interoperabilität zwischen den NATO-
Alliierten und weiteren Partnern auf der tak-
tischen Ebene zu verbessern. Unter Füh-
rung der Panzerbrigade 21 „LIPPERLAND“
mit Brigadekommandeur Oberst (jetzt Briga-
degeneral) Ansgar Meyer, wurden am Joint
Multinational Readiness Center (JMRC) in
HOHENFELS, die taktischen Aktivitäten An-
griff und Verzögerung, hier Schwerpunkt,
durchgeführt. Diese Volltruppen-Brigade-
übung bildet den Höhepunkt einer Vielzahl
von vorbereitenden Maßnahmen wie der Bri- den unter Führung von Herrn Oberstleutnant che Pionierberatung sowie die unmittelbare
gadetaktischen Weiterbildung (BTW) im März Gunter Flach, Bataillonskommandeur des Pionierunterstützung der Brigade und aller an
2018, dem Durchgang am Simulationszen- PzPiBtl 1 aus Holzminden in der Funktion als der Field Training Exercise AS X teilnehmen-
trum für Rahmenübungen (SIRA) im April Chief Engineer. den Kampftruppenverbände zeitgleich und
2018, einer weiteren BTW als Geländeerkun- Ebenen gerecht sicherzustellen. Dazu wur-
dung im Mai 2018 sowie dem dynamischen Absicht Chief Engineer Panzerbrigade 21 de jeweils einem Kampftruppenverband eine
Gefechtsschießen der Informations-Lehr- ZeMilEng auf Zusammenarbeit angewiesen.
Übung (ILÜ) im September 2018 und dem Auf- Absicht Oberstleutnant Flach war es, mit der Ihr Auftrag war es, neben der vollumfängli-
enthalt am Gefechtsübungszentrum Heer im ZeMilEng Brig, der 3./PzPiBtl 1 als vstkPz- chen Pionierberatung, die Verbindung zur Ze-
Januar 2019, um nur einige zu nennen. Integ- PiKp, der 2./PzPiBtl 130 als vstkPzPiKp so- MilEng Brig sicherzustellen und gleichzeitig
raler Bestandteil waren dabei die 516 Pioniere wie vier ZeMilEng Btl als Beratungselement als Drehstuhlschnittstelle zu funktionieren, da
aus Israel, Amerika und den Panzerpionierba- auf nationaler und multinationaler Ebene, an die verbündeten Nationen nicht über das Füh-
taillonen 1 aus Holzminden und 130 aus Min- AS X teilzunehmen, um so die vollumfängli- rungsinformationssystem Heer (FisH) ange-
bunden waren.

Beitrag Military Engineering zum


Führungsprozess im System Brigade

– Eingang Divisionsbefehl – Damit begann


für die ZeMilEng Brig der Planungsprozess.
„Ausdrucken und lesen“ befahl der Chief En-
gineer seinen Soldaten, der sich seinerseits
unmittelbar an die Auswertung des Auftrages
begab und innerhalb kurzer Zeit die wichtigs-
ten Gedanken zusammenfasste. Der Divisi-
onsbefehl, herausgegeben von der 1.Panzer-
division, die als Higher Command (HICON)
ebenfalls militärisches Personal für die Übung
stellte, umfasste 24 Seiten und 16 Anlagen,
darunter auch die für Pioniere so wichtige
Anlage EE. Taktische Aktivität Verzögerung
lautete der Befehl, der mit dem ersten Blick
auf die Karte auch die ersten Gedanken ei-

Ausgabe 20 / Dezember 2019 PIONIERE 49


Internationale Zusammenarbeit

ner denkbaren Truppeneinteilung zur Erfül- Zusammenwirken von KpfTr und Pionierbera- rung des gesamtheitlichen Lagebildes und
lung des Auftrages ergab. Paralleles und er- ter mit Blick auf den notwendigen Sperrein- den Einsatz von Pionierkräften führten. Zu ih-
gebnisorientiertes Arbeiten standen von nun satz umgesetzt wurden. Auf Grundlage dieser nen zählte die unmittelbare Pionierunterstüt-
an im Fokus der Erstellung des Brigadebe- Erkundungsmeldungen erstellte die ZeMilEng zung von vier Kampftruppenverbänden aus
fehls und der Anlage EE. Ein möglicher Sper- Btl den Sperrplan zum geplanten Sperreinsatz drei Nationen. In erster Linie war es jedoch
reinsatz, der in Form eines Rehearsal of Con- und sendete diesen via FisH zur Prüfung an nicht der unterschiedliche Bedarf an Pionier-
cept (ROC) Drill „durchgespielt“ wurde er- die ZeMilEng Brig, die diese zu einem Sperr- kräften, sondern vielmehr das sehr differen-
gab erste Erkenntnisse und definierte einen plan zusammengefasst und zur Genehmigung zierte Kämpfen mit Sperren, das für Heraus-
Sperrschwerpunkt, der im Ergebnis Bestand- an die Division gesendet hat. Nach erfolgter forderungen sorgte. Das GBR InfBtl kämpfte
teil des Brigadebefehls war. Autorisierung hat die ZeMilEng Brig diesen an mit Masse in panzerungünstigem Gelände mit
die ZeMilEng Btl weitergeleitet, die ihrerseits kurzen Distanzen und entsprechend geringen
– Eingang Brigadebefehl am Beispiel Pan- den genehmigten Sperrplan an den BtlGefStd Entfernungen zu den Sperren. Das US PzBtl
zerbataillon 203 und 3./PzPiBtl 1 –„Ausdru- KpfTrBtl und zeitgleich an die Pionierberater mit seinen eigenen organischen Pionierkräf-
cken und lesen“ lautete auch hier der Auf- der KpfTrKp übermittelten. Im Sinne der Par- ten und PzAbwGraben –lastigem Kampf lern-
trag für die ZeMilEng Btl. Der Fokus lag dabei allelität der Aufträge erstellte die ZeMilEng Btl te erst im Laufe der Übung die Vorzüge der
auf der Anlage EE, die neben dem Schwer- zeitgleich während der Genehmigungsphase durch den Chief Engineer assignierten Minen-
punkt des Pioniereinsatzes bereits detaillier- ihre Einsatzübersicht und gewährleistete so- verlegesystemen 85 und DACHSE kennen.
te Angaben zu Sperrnummern und verfügba- mit die verzugsfreie unmittelbare Pionierun- Das DEU JgBtl, in REAR im SP zur Stabili-
ren Sperrmitteln beinhaltete. Im Anschluss terstützung. Getreu dem Motto der Blick ins sierung eingesetzt, nutzte die leichten israeli-
nahm der Btl Kdr des KpfTrBtl mit „seiner“ Gelände ist durch nichts zu ersetzen, verleg- schen Pioniere und ihre mitgebrachten Dienst-
ZeMilEng und dem Chef der PzPiKp Verbin- te der Chief Engineer mit dem BrigKdr unter hunde. Die Zusammenarbeit des DEU PzBtl
dung auf, erläuterte mit Blick auf die Karte sei- Begleitung eines Sicherungszuges mehrfach und der DEU PzPiKp ist während der gesam-
ne Möglichkeiten des Handelns und schaffte auf das Gefechtsfeld und stellte somit nicht ten Vorbereitungsphase gewachsen und war
somit ein einheitliches Verständnis. In enger nur Herausforderungen in der Umsetzung der ein Selbstläufer. Neben Kampf mit Sperren
Zusammenarbeit wurden bereitgestellte Me- Befehlsgebung ab, sondern steuerte vielmehr zählte „Sendeverbot, Empfangsbereitschaft“
dien, wie beispielsweise 3D Karten, Luftbilder die unmittelbare Pionierunterstützung im Sin- mit Beginn des Sperreinsatzes zu einer wei-
oder Terra Explorer, über sogenannte Choke ne der übergeordneten Führung. teren Herausforderung, denen die ZeMilEng
Points (wichtige und kanalisierende Gelän- Btl mit dem Einsatz von stillen Briefkästen be-
deabschnitte) ausgewertet und für die Erstel- Military Engineering auf dem Gefechtsfeld gegneten. Sie wurden stündlich durch einen
lung des vorläufigen OpPlans in Verbindung Melder angefahren und enthielten die Minen-
mit dem vorläufigen Sperrplan herangezo- In den nun folgenden 72h, die durch den G2 sperrnachweise bereits angelegter Sperren.
gen. Mit der Befehlsausgabe durch den Kp- der PzBrig 21 „LIPPERLAND“ als frühestmög- Auch Sprünge der BtlGefStd und des Brig-
Chef PzPiKp wurden klare Erkundungsaufträ- licher Angriffszeitpunkt erarbeitet wurde, hat- GefStd führten zuweilen zu verzögert aktua-
ge an den unterstellten Bereich erteilt, die im ten die Pioniere eine Anzahl von Ereignis- lisierten Lagebildern. Stete und ständige Ver-
Anschluss bei der eingehenden Erkundung im sen, die für Herausforderungen bei der Füh- bindung zwischen den ZeMilEng Btl und der
ZeMilEng Brig war jedoch nicht durchgängig
sichergestellt. Hier war die Auftragstaktik Ge-
neralschlüssel zum Erfolg. Nach sechs Tagen
Übung kam durch die Division an die Briga-
de ein neuer Befehl mit dem Auftrag, die takti-
sche Aktivität Angriff vorzubereiten und durch-
zuführen. Die Pioniere, die in den zurücklie-
genden Tagen im Schwerpunkt das Hemmen
feindlicher Bewegung als Auftrag hatten wur-
den nun in einer anderen Kernfähigkeit gefor-
dert. Fördern eigener Bewegung war von nun
an der Auftrag. Dies setzte nicht nur maximale
Flexibilität der Pionierberater voraus, sondern
im Kern auch von den ZeMilEng Btl, die neben
ihrer Beratungsleistung auch für die Koordina-
tion des Pioniereinsatzes verantwortlich wa-
ren. War es vorher das Aufwachsen des La-
gebildes durch das Schließen von den bereits
angesprochenen Choke Points, Gassen oder
Lückenwegen, war es nun das Öffnen von
Minenräumpanzer KEILER Sperren, Markieren von Gassen o.ä., die Ko-

50 PIONIERE Ausgabe 20 / Dezember 2019


Internationale Zusammenarbeit

ordination von Kräften und das Schaffen eines achtung schenkten. Dies konnte nach anfäng-
einheitlichen Lagebildes. Herausforderungen lichen Problemen schnell und nachhaltig ge-
fanden sich auch bei dem Einsatz der Pionier- löst werden.
kräfte in ihren Kernfähigkeiten, der Interope-
rabilität im multinationalen Umfeld und dem Der Verteilung von Befehlen und Informatio-
Halten der Verbindung sowohl horizontal als nen kommen im hochbeweglichen Gefecht ei-
auch vertikal. Diese sind nur einige, denen die ne besondere Bedeutung zu. Sie müssen nicht
ZeMilEng Btl, aber auch ZeMilEng Brig ausge- nur sicher, sondern vielmehr auch schnell an
setzt waren und die es galt zu bewältigen und die Frau/den Mann gebracht werden. Ein be-
durch unabdingbare Koordination zu vereinen. reits bekanntes und bewährtes Mittel ist der
Einsatz von KRAD Meldern. Die im Rahmen
Lessons Identified der Brig eingesetzten Melder zeigten erneut
wie wichtig und zweckmäßig die Wiederein-
Nach unterbrechungsfreien neun Tagen „in führung für die Verbände ist. Eine herausge-
der Box“ kam als Funkbefehl durch die Lei- Sperreinsatz bei Nacht mit MiVSys85 hobene Lesson Identified, die die Trainings-
tung des JMRC der Befehl „Übungsende“. teilnehmer für sich mitnehmen. Dies wird auch
Neben der Nachbereitungsphase für Perso- Ende der Übung. Auch das JMRC erkann- bestätigt durch die gewonnenen Erfahrungen
nal und Material war nun auch das Erkennen te die Vorzüge des Pionierpanzer DACHS der Very High Joint Readiness Task Force
und Ansprechen der Lessons Learned/ Less- und befahl diese zur Unterstützung der „Ro- (VJTF) Übung Tridente Juncture in Norwegen.
ons Identified von wesentlicher Bedeutung. In ten Kräfte“, was jedoch unmittelbar durch den
Form von Adressaten orientierten After Action Chief Eng verhindert wurde. Ein weiterer Kern- Im Ergebnis ist sich Oberstleutnant Flach ab-
Reviews (AAR) wurden auf Kp-/Btl- und Brig- aspekt war das gesamtheitliche Verständ- solut sicher, dass die Übung Allied Spirit X für
Ebene Situationen angesprochen, durchge- nis für das taktische Vorgehen bei dem Öff- alle Übungsteilnehmer ein absoluter Erfah-
sprochen und bewertet. Für die Pionierkräfte nen von Sperren und Markieren von Gassen. rungsgewinn war, auf jeden Fall wiederholt
erstellte der zuständige Observer-Coach-Trai- Dies und andere Vorgehensweisen werden werden sollte und eine sehr gute Basis für die
ner des JMRC in engem Zusammenwirken zusammengefasst und somit einheitlich fest- weitere Ausbildung des PzPiBtl 1 bildet.
mit den Trainingsteilnehmern eine pionierspe- gelegt in der Anlage EE. Diese zu Beginn der
zifische Auswertung. Der Einsatz Pionierpan- Übung im Rahmen des Brigadebefehls zu ver- Hptm Marc Ehlert
zer DACHS und Minenverlegesystem 85 sind teilen, sorgte jedoch für eine weitere Heraus- Ltr ZePi Brig PzPiBtl 1
hier nur beispielhaft zu nennen. Anfangs eher forderung, da die amerikanischen Kameraden Bildrechte: Bundeswehr
spärlich genutzt, erfreuten sich beide Syste- eben diese Anlage „EE“ als Anlage „G“ be-
me einer herausragend hohen Akzeptanz zum nennen und somit der Anlage „EE“ keine Be-

Ausgabe 20 / Dezember 2019 PIONIERE 51


Bund Deutscher Pioniere

Repräsentanten des BDPi am Standort


Verband Standort Dstgrd Name Anschrift Telefon E-Mail

Julius-Leber-Kaserne, Matthias-
1 SpezPiBtl 164 Husum Oberstlt Poek 04841-903-7010 MarkusPoek@bundeswehr.org
Claudius-Str. 135, 25813 Husum
Putloser Chausee 35, 04361-507-2030
2 SpezPiAusbÜbZ Putlos - -
23758 Oldenburg Holstein Bw 7021-2030
6. Stff
3 Diepholz HptFw Walther Maschstr. 200, 49356 Diepholz 05441-590-4169 MirkoWalther@bundeswehr.org
Obj SchtzRgtLw

4 LLPiKp 260 Saarlouis Graf-Werder-Kaserne, 66740 Saarlouis

5 LLPiKp 270 Seedorf OStFw Stahl Twistenberg 120, 27404 Seedorf 04281-9545-2701 MarcusStahl@bundeswehr.org

Pionierkaserne am Solling,
6 PzPiBtl 1 Holzminden Hptm Zerreich 05531-5050-2409 MichaelZerreich@bundeswehr.org
Bodenstr. 9-11, 37603 Holzminden
PzPiBtl 130 und
7 Minden StFw Hilbig Wettinerallee 15, 32429 Minden 0571-3985-433 MichaelHilbig@bundeswehr.org
PiBtl 901
PzPiBtl 803 und
8 Havelberg Oberstlt a.D. Schürmann Alte Ziegelei 53, 39539 Havelberg 039387-59832 wpionier@aol.com
PiBtl 901

9 PiBtl 701 Gera OStFw Schneegaß Zum Hain 1, 07554 Gera 036695- 86-241 ChrisSchneegass@bundeswehr.org

AusbZPi und Pionierkaserne auf der Schanz,


10 Ingolstadt HptFw Wicha 0841-88660-4015 SebastianWicha@bundeswehr.org
PiBtl 905 Manchinger Str. 1, 85053 Ingolstadt
Pionierkaserne auf der Schanz, MichaelFranzJosefNoichl
11 GebPiBtl 8 Ingolstadt Lt Noichl 0841-88660-8440
Manchinger Str. 1, 85053 Ingolstadt @bundeswehr.org
AusbStPp KpfmAbw Stetten
12 Hardtstr. 25, 72510 Stetten a. k. M.
und PzPiKp 550 a. k. M.
PzPiBtl 4 und
13 Bogen Oberstlt Jarschke Bayerwaldstr. 36, 94327 Bogen 09422-808- 4001 ReneJarschke@bundeswehr.org
PiBtl 901

14 TZH Dresden Oberstlt Rönnau Marienallee 14, 01099 Dresden 0351-823-4040 OlafRoennau@bundeswehr.org

Der Bund Deutscher Pioniere trauert um

Oberst a. D. Friedrich Kordt


verstorben am 22. Mai 2019 im Alter von 88 Jahren

Oberst a.D. Friedrich Kordt war ein hoch angesehener Pionieroffizier und in seiner letzten
Verwendung sechs Jahre lang Inspizient unserer Truppengattung.

Oberst a.D. Kordt war ein Pionieroffizier mit Ecken und Kanten und ein Mann aus echtem Schrot und Korn.
In der Zeit des Kalten Krieges hat er die Pioniertruppe entscheidend geprägt. Die Entwicklung der Fähigkeiten unserer
Truppengattung, ihre qualitativ gute Ausbildung und die Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Verbände und Einheiten
waren ihm stets persönliche Verpflichtung. Dabei standen nicht nur das Hemmen der Bewegungen der
gegnerischen und das Fördern der Bewegungen eigener Kräfte im Zentrum seiner Überlegungen, sondern
auch immer die Verbesserung des eigenen Schutzes und der Überlebensmöglichkeiten der eigenen Kräfte. Seine Sorge
galt dabei immer der Einordnung seines Wirkens in die Verteidigung unseres Vaterlandes im Rahmen der NATO.

Der Bund Deutscher Pioniere wird das Andenken von Oberst a. D. Friedrich Kordt stets in Ehren halten.

Brigadegeneral a. D. Franz Pfrengle, Präsident Bund Deutscher Pioniere


Oberst a. D. Max Lindner, Vorsitzender Bund Deutscher Pioniere

52 PIONIERE Ausgabe 20 / Dezember 2019


Bund Deutscher Pioniere

Back to the roots in Auftrag und Führung?


Im letzten Heft der Pioniere hatte ich einige Auftrag, und dabei insbesondere im Vertrau- tion deutscher Kräfte der Enhanced Forward
Gedanken zur Landes- und Bündnisverteidi- en der Vorgesetzten in die Geführten und in Presence in Litauen macht deutlich, dass in
gung (LV/BV) niedergeschrieben, weil dieser deren Fähigkeit, im Sinne der übergeordneten der LV/BV künftig komplexere Aufgaben zu er-
Auftrag sowohl national als auch im Bündnis Führung unter Nutzung größtmöglicher Hand- füllen sind, als das Gewinnen des taktischen
wieder als Kernauftrag der Streitkräfte in den lungsfreiheit ihre Aufträge zu erfüllen. Dazu Gefechts alleine. In seinem Erfahrungsbericht
Mittelpunkt rückt. Der Vortrag von General- bedarf es zudem der Ermutigung und Unter- zum Einsatz als ZgFhr MiVZg bei der Übung
leutnant Jürgen Weigt im Rahmen der Mitglie- stützung der jungen militärischen Führer. Mit TRIDENT JUNCTURE 18 in Norwegen stellt
derversammlung 2019, hat deutlich gemacht, Kontrollfreaks und Absicherern auf allen Ebe- OLt Schöps vom PzPiBtl 130 seine Erfahrun-
dass die Grundsätze von Führung in unseren nen wird der Erfolg in der LV/BV nicht zu erzie- gen im Sperreinsatz, der in der LV/BV wieder
Streitkräften sowohl vor dem Hintergrund der len sein. Der Artikel von BG a.D. Keppler ent- eine wichtige Rolle spielen muss und umfang-
Erfahrungen aus der Vergangenheit im Kalten hält diesen Aspekt deutlich. Die etwas leben- reiche Investitionen erfordern wird, dar. Ich
Krieg, der Realität der Gegenwart der Einsät- sälteren Leser werden sagen: „Ja, so war es.“ empfehle die drei Artikel Ihrer Lektüre, quasi
ze und der vielfältigen Herausforderungen in Für die jüngeren Leser mag im Artikel schon als Mosaiksteine auf dem Weg zu alten Wur-
der Zukunft gültig waren, sind und bleiben. Ich ein Stück Zeitgeschichte enthalten sein. zeln und neuen Trieben.
bin gleichzeitig aber sicher, dass in der Reali-
sierung der Schwerpunktsetzung in der LV/BV Ich bin aber sicher, dass sich viele Aspekte BrigGen a. D. Franz Pfrengle
gewisse kulturelle Veränderungen des Ver- in Gedanken zur eigenen Führung reflektie- Präsident BDPi
ständnisses von Führung, so wie es sich im ren lassen.
Rahmen der unterschiedlichen Krisenreakti- Bildrechte: Bundeswehr
onseinsätze teilweise entwickelt hat, notwen- Der Artikel des Medienbeauftragten des BDPi,
dig sind. Ich sehe hier vor allem Handlungsbe- OTL Torsten Stephan, zu seinen Erfahrun-
darf in der Wiederbelebung des Führens mit gen als Pressestabsoffizier der ersten Rota-

Ausgabe 20 / Dezember 2019 PIONIERE 53


Bund Deutscher Pioniere

Führen im Kalten Krieg


Was war damals anders als heute, zum einen
in der politischen und militärischen Großwet-
terlage und zum anderen im Auftrag der Bun-
deswehr und im täglichen Dienst?

Schon 14 Jahre außer Dienst ist mein Wis-


sen um das Heute sehr begrenzt und die Ge-
fahr, die Vergangenheit in zu hellem Licht
scheinen zu lassen, steigt. Meine Erfahrung
zur Führung im Kalten Krieg stammt aus Ver-
wendungen von der Ebene Zugführer in ei-
nem Divisionspionierbataillon über die Ebe-
ne Bataillonskommandeur bis zum G3 ei-
ner Panzerbrigade im Zeitraum von 1966 bis
1987. Die bestimmenden sicherheitspoliti-
schen Konstanten in dem gesamten Zeitraum
des Ost-West Konfliktes waren die große Be-
deutung der NATO und die Militärstrategie
der „Flexible Response“ und der „Vornever-
teidigung“ entlang der damaligen innerdeut-
schen Grenze und der Grenze zur damaligen Der Bau von Kriegbrücken, hier mit Faltschwimmbrücke, war eine Schlüsselfähigkeit der Pioniertruppe während des
CSSR gegen einen großangelegten Angriff Kalten Krieges
der Streitkräfte des Warschauer Paktes.
dem Doppelbeschluss Anfang der 80er Jah- Jahre sehr positiv entwickelt hatte, wobei die
Die Überzeugung, dass wir Soldaten mit un- re zu spüren. materielle Ausstattung mit schnellen Sperr-
serem Dienst, unserer Einsatzbereitschaft mitteln und Kriegsbrückengerät einen wichti-
und unserem Können im Verbund mit unse- Für den Dienst als Führer waren die bestim- gen Beitrag leistete.
ren alliierten Kameraden einen wesentlichen menden Wegmarken:
Beitrag leisten für die Abschreckung eines • das Leitbild der Inneren Führung mit der Die Übungsintensität mit Volltruppenübun-
solchen Angriffs und damit für den Erhalt von Forderung nach zeitgemäßer Menschen- gen bis zur Korpsebene, inklusive Truppen-
Frieden und Freiheit in unserem Land und in führung und dem Staatsbürger in Uniform, übungsplatzaufenthalten (wobei diese in der
der gesamten westlichen Welt, war die primä- • der Auftrag des Zuges, der Kompanie, des Truppengattung vor allem Gefechtsschies-
re Motivation für den Dienst und die Führung Bataillons, der Brigade, der Division im sen mit Handfeuerwaffen, Sperreinsatz und
der anvertrauten Soldaten. Je mehr man als General Defense Plan (GDP), Kriegsbrückenausbildung beinhalteten) war
junger Offizier von moderner Kriegsführung • die Beherrschung der Aufgaben der Trup- hoch und nahm 10 bis 12 Wochen pro Jahr
lernte und begriff, welche enorme Bedeutung pengattung, in Anspruch. Übungen mit Volltruppe waren
neben der konventionellen Verteidigungsfä- • die Befähigung zum Gefecht der Verbun- vom Zugführer bis zum Bataillonskomman-
higkeit die nukleare Strategie für die Abschre- denen Waffen. deur die eigentliche Bewährungsprobe.
ckung eines Angriffs hatte, umso klarer wur-
de einem welch verheerende Zerstörung und Für Ausbildung und Übungen stand für den Ein ganz wesentlicher Teil der Führungsar-
Vernichtung ein solcher Krieg für unser Land Zug, die Kompanie und das Bataillons das beit war mit der Wehrpflicht verbunden. Der
bedeuten würde. Die Parole „Kämpfen kön- truppengattungsspezifische Können im Vor- permanente Personalwechsel in den Einhei-
nen, um nicht kämpfen zu müssen“ war zwar dergrund. Schwerpunkte waren der Sperrein- ten verlangte viel Planung, Organisation und
einfach, hatte aber ihre Berechtigung. satz mit vorbereiteten und feldmäßigen Sper- Koordinierung der Führer aller Ebenen. Ein-
ren, Sprengausbildung, Kriegsbrückenbau gespielte Züge und Kompanien existierten
Dieses Thema der Kriegsführungsfähigkeit und -betrieb, feldmäßiger Straßen- und Stel- immer nur für einen begrenzten Zeitraum im
als Mittel der Kriegsverhinderung war in die- lungsbau. Ausbildungsjahr. Die unterschiedliche Dauer
sen Jahren oft Thema im staatsbürgerlichen der Wehrpflicht, zunächst 18, später 15 und
Unterricht in der Kompanie und im Bataillon. Die Zusammenarbeit mit der Kampftruppe schließlich 12 Monate sowie die ständig wech-
Gleiches galt für die Öffentlichkeitsarbeit, wo- war im Sperreinsatz und beim Übergang über selnden Formen der Auffüllung der Truppen-
bei ein nicht geringer Teil der Bevölkerung ei- Gewässer fester Bestandteil. Mein Eindruck teile (kompanieweise, zugweise Auffüllung,
ne sehr kritische, wenn nicht gar ablehnende war dabei, dass sich die Einbindung unserer Verwürfelung, d.h. punktueller Ersatz der Ab-
Haltung gegenüber uns Soldaten einnahm. Truppengattung in das Gefecht der Verbun- gänge in einem Bataillon verteilt über alle Tei-
Dies war besonders im Zusammenhang mit denen Waffen von den 60er bis in die 80er leinheiten des Verbandes) nahmen viel Zeit

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Bund Deutscher Pioniere

und Energie in Anspruch. Die willigen und die allage war allerdings auch nicht immer rosig. Zwei Aspekte möchte ich abschließend noch
unwilligen Wehrpflichtigen unter einen Hut zu Als Kompaniechef erlebte ich öfter lange Zeit- erwähnen: Während sich heute schon ein
bringen und einen Teamgeist in der Gruppe, abschnitte, in denen von den neun Gruppen- Truppführer während eines Einsatzes in ei-
im Zug und in der Kompanie zu schaffen war fahrzeugen nur die Hälfte einsatzbereit war. nem multinationalen Umfeld bewegt und ent-
eine permanente Herausforderung. Auch die Pioniermaschinen hatten oft, we- sprechend in Englisch kommunizieren kön-
gen fehlender Ersatzteile, lange Stehzeiten. nen muss, war dies im Kalten Krieg erst auf
Auch die Personallage der Offiziere und Un- In solchen Lagen fanden wir auf dem kleinen der Ebene der Großverbände der Regelfall.
teroffiziere in den Kompanien und auf Ba- Dienstweg mit dem Nachbarchef Hilfe. Es gab zwar Patenschaften, z.B. mit einem
taillonsebene war oft nicht befriedigend. niederländischen Pionierbataillon sowie ge-
Ich war bestimmt nicht der einzige, der als Als Führer hatte man zuweilen den Eindruck, meinsame Übungen, da hier im Rahmen des
KpChef nur ab und zu noch einen zweiten Of- dass die Ergebnisse der ständigen materiel- GDP besonders enge und taktische Grenzen
fizier in die Einheit bekam. Die Leistungsträ- len und administrativen Prüfungen ( Mat Prüf überschreitende Zusammenarbeit erforder-
ger in den Einheiten, die auch für Kontinuität Stufe C, §29, Mat-Inspizierungen) eine über- lich wurde. Im Allgemeinen fand Ausbildung
sorgten, waren die Unteroffiziere mit Porte- gewichtige Bedeutung für die Beurteilung der und Übung aber auf Kompanie- und Bataillon-
pee, die als Zugführer und in der Kompanie- Führungsleistung spielten im Vergleich zur sebene im rein nationalen Rahmen statt. Der
führungsgruppe eingesetzt waren. Die Ergän- Leistung in der Menschenführung und in der zweite Aspekt ist die Distanz, die zwischen
zung des Unteroffizierkorps in den Einheiten Ausbildung. Kritisch zu sehen waren auch dem Dienst in der Truppe und der politischen
und Verbänden kam überwiegend nicht von die Zustandsberichte, die ab Bataillonsebene Führung herrschte. Zu meiner Zeit war die-
außen, sondern war Daueraufgabe der Füh- jährlich zu erstellen waren und die auf dem se, solange man sich an die Regeln hielt, weit
rer selbst. Das Bemühen um die Gewinnung Weg nach oben immer besser wurden. Diese weg. Wenn heute aber Soldaten in einem in-
guter Grundwehrdienstleistender (GWDL) als Fehlentwicklungen wurden aber, nach mei- ternationalen Einsatz dienen, stehen sie im
Zeitsoldaten und die Weiterverpflichtung und ner Beobachtung, in den 80er Jahren deut- Fokus der militärischen und politischen Füh-
Förderung guter Unteroffiziere ohne Port- lich korrigiert. rung ihres Landes.
epee war enorm wichtig. Dies galt auch für
die Auswahl und Weiterbildung von Reser- Ein Dauerthema war die Dienstzeitbelastung Ich komme zum Schluss. Vieles, was den mi-
veoffizieranwärter im Kompanie- und Batail- und Maßnahmen, um diese auszugleichen. litärischen Betrieb ausmachte, war damals si-
lonsrahmen. Die Quote der disziplinar auffälli- Einige kriegsgediente Offiziere mit ihrer Ein- cher leichter als heute. Die große Konfrontati-
gen Soldaten, meistens GWDL, war stets be- stellung, der Soldat sei immer im Dienst, stan- on von damals, die zur Apokalypse hätte füh-
trächtlich. Als Kompaniechef war einem die den hier oft einer flexiblen und fürsorglichen ren können, gibt es so heute nicht mehr. Die
Wehrdisziplinarordnung und das Wehrstraf- Regelung im Weg. Bedrohungslage heute ist, nach meiner Be-
gesetz sehr vertraut. Zwar stiegen die Zah- wertung, deutlich anders, deutlich vielschich-
len an Kriegsdienstverweigerern (KDV) in Trotz der geschilderten Friktionen war für tiger. Die militärische Führung muss darauf
dem genannten Zeitraum immer weiter an, mich die Handlungsfreiheit, die ich als Führer reagieren. Die Grundsätze für gute militäri-
die KDV-Anträge in der Truppe waren aber für die Gestaltung der Ausbildung erhielt, ei- sche Führung werden bleiben.
sehr gering. ne sehr positive Erfahrung. Diese Handlungs-
freiheit war Konsequenz der Auftragstaktik
Aber auch die materielle Lage war eine an- und des Prinzips der unteilbaren Verantwor- Brigadegeneral a. D. Ulrich Keppler
dere als heute. Jeder aktive Truppenteil hat- tung des jeweiligen Führers. Zu beidem wur- Bildrechte: Bundeswehr
te Vollausstattung. Die tatsächliche Materi- den wir sehr konsequent erzogen.

Mit dem Verlegesystem 85 hatte die Pioniertruppe die Fähigkeit länger wirkende Sperren Mit dem Pionierpanzer Dachs hat die Pioniertruppe seit dem Kalten Krieg die Fähigkeit
zu legen. Hindernisse zu beseitigen.

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Bund Deutscher Pioniere

Enhanced Forward Presence – Zurück zu den Wurzeln


Mit der Wiedervereinigung Deutschlands und Da Russland unter Beweis gestellt hatte, nati- belgischen Transportkompanie und diversen
dem Wegfall der Blöcke folgte eine Phase der onale Interessen gegebenenfalls auch mit mi- „Kleinteilen“. Die norwegische Panzerkompa-
Entspannung und der Reduzierung der kon- litärischen Mittel durchzusetzen, musste die nie sollte einige Wochen später folgen.
ventionellen Streitkräfte in Deutschland und NATO und ihre Mitglieder ebenfalls entspre-
Resteuropa. Unter dem Begriff der „Friedens- chend reagieren. Das Ergebnis: Deterrence Zwischen der Entscheidung in Warschau und
dividende“ wurde insbesondere die Bundes- and Presence - Abschreckung und Präsenz. der Verlegung nach Litauen im Januar 2017
wehr verkleinert, Truppengattungen gekürzt lag gerade mal ein halbes Jahr, was dem Ba-
oder Fähigkeiten sogar ganz aufgegeben Damit wurde die NATO insbesondere den taillon und Soldaten nicht viel Vorlauf gewähr-
wie zum Beispiel die Heeresflugabwehr. Ver- Schutzbedürfnissen der baltischen Staaten te. Auch die Entscheidung den Einsatz nicht
gleichbare Tendenzen ließen oder lassen sich und Polens zumindest weitgehend gerecht. als regulären Auslandseinsatz, sondern als
bei unseren Nachbarn Belgien und den Nie- Als unmittelbare Folge mussten drei Dinge sogenannte „einsatzgleiche Verpflichtung“ zu
derlanden erkennen. Gleichzeitig wurden die umgesetzt werden: bezeichnen, ein Begriff den es vorher so nicht
Streitkräfte mit Schwerpunkt auf sogenannte gab, stellte alle Beteiligten vor große Heraus-
Stabilisierungsoperationen wie in Afghanis- 1. Die NATO-Bündnisstaaten mussten und forderungen.
tan, Kosovo oder neuerdings in Mali personell müssen wieder ihre konventionellen Streit-
wie materiell ausgerichtet. Da Landes- und kräfte verstärken. Bereits ab Mitte Januar 2017 begann die Ver-
Bündnisverteidigung in der nationalen Bedeu- 2. Es mussten vier verstärkte Kampfbataillo- legung von Fahrzeugen und Material. Das Ziel
tung immer weiter sank, war eine Vollausstat- ne in die baltischen Staaten und Polen ent- war als erste Nation die Verantwortung im Ein-
tung an Material in den Einheiten und Verbän- sandt werden. satzgebiet zu übernehmen. Dabei wurden
den nicht notwendig, da das Material in den 3. Es wurde eine sogenannte Very High Rea- zahlreiche wichtige Erfahrungen gesammelt,
Einsätzen konzentriert war. Auf diese Wei- diness Taskforce mit stark verkürzter Alar- wie z.B. dass die Verlegung eines deutschen
se verfügte ich als Chef einer Spezialpionier- mierungszeit in Brigadestärke eingeführt. verminderten Panzergrenadierbataillons zeit-
kompanie gerade mal über fünf Prozent mei- gleich zu einer amerikanischen Kampftruppen-
nes Materials, da das originäre Material pri- Gerade der letzte Punkt führte zur Abkehr vom brigade bereits an der Anzahl an noch verfüg-
mär im Kosovo im Einsatz war. „dynamischen Verfügbarkeitsmanagement“ baren Eisenbahnwaggons scheitern kann. Die
und zumindest zur politischen Entscheidung Friedensdividende hatte auch vor der BahnAG
Mit der Besetzung der Krim durch Russland so- zur Rückkehr zur materiellen Vollausstattung. nicht halt gemacht.
wie den Aktivitäten entlang der russisch-ukrai- Deutschland übernahm 2016 die Führung für
nischen Grenze hat sich die Situation maßgeb- das Bataillon in Litauen. Leitverband war die Die Verlegung ging einher mit einem erwar-
lich geändert. Mit den Entscheidungen wäh- 10. Panzerdivision und als erstes sogenanntes teten Presse-Hurricane nahezu aller verfüg-
rend der NATO-Konferenz in Warschau 2016 EFP-Bataillon wurde das Panzergrenadierba- baren nationalen wie internationalen Medien-
wechselte die westliche Allianz die Strategie. taillon aus Marienberg ausgewählt. Verstärkt vertreter. Egal ob ZDF, BBC oder Washington
wurden diese durch eine Kompanie niederlän- Post. Alle nahmen Anteil, zum Teil mit sehr un-
dische mechanisierte Infanterie sowie einer terschiedlichen Herangehensweisen. Gera-

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Ausgabe
20 / Dezember
19 / Juni 2019
Bund Deutscher Pioniere

de bei den deutschen Medi- einigen Jahren entschlossen,


en dominierte die Zielrichtung: die deutsche Panzerhaubitze
„Deutsche Kampfpanzer erst- 2000 zu beschaffen (ein betei-
mals seit dem 2. Weltkrieg an ligter Zugführer hat seine vor
der russischen Grenze.“ Dass einigen Monaten abgegebe-
es sich dabei gerade mal um nen Fahrzeuge direkt wieder-
sechs Leopard 2 Kampfpan- erkannt), genauso wie den Bo-
zer handelte, führte beim Ba- xer für ihre Infanterie. Als wir
taillonskommandeur und bei mit EFP anfingen, waren die
mir regelmäßig in Interviews Hauptgefechtsfahrzeuge noch
zur Feststellung, dass wir der M113. Auch war den litau-
wohl alles richtig gemacht ha- ischen Soldaten eine gewisse
ben, wenn diese geringe An- Nähe zu den Deutschen anzu-
zahl als Bedrohung wahrge- merken, was durch die in Li-
nommen wird. Die englisch- tauen vielbeachtete Rede der
sprachigen Medien waren ehemaligen Verteidigungsmi-
eher an den Reaktionen auf nisterin Ursula von der Leyen,
Präsident Trumps Tweets inte- nochmals deutlich verstärkt
ressiert. Gerade seine Forde- wurde. Ungewöhnlich, zumin-
rung nach zwei Prozent des Bruttoinlandspro- Jahrzehnte russisch besetzt war und die Bür- dest aus deutscher Pioniersicht, waren die
duktes für Verteidigung auszugeben, wurde ger Litauens sich schützend vor ihre Soldaten Verteidigungsplanungen bzw. die pioniertech-
durch die Baltischen Staaten schnellstmöglich gestellt haben, um ein Blutbad als letzte sow- nische Unterstützung. Zum Verständnis: Litau-
umgesetzt. Aber auch die Gegenseite zeig- jetische Handlung zu vermeiden. en ist ein relativ kleines Land an der Ostflanke
te sehr schnell, dass sie die volle Bandbrei- der NATO. Es wird eingerahmt von der russi-
te der hybriden Kriegführung beherrscht. Die Dies bringt mich zu den militärischen Übungs- schen Enklave Kaliningrad und Polen im Sü-
ersten Teile des EFP-Bataillons waren noch tätigkeiten. Die litauischen Übungsplätze den, dem Russland nahestehenden Belarus
keine vier Wochen im Land, traf uns die erste zeichnen sich durch eine erfrischende Ro- im Osten, Lettland im Norden und der Ostsee
„Fakenews“. Inhalt war die mutmaßliche Ver- bustheit aus, die deutsches Vorschriftenden- im Westen. Von der Ostgrenze bis zum Meer
gewaltigung einer Minderjährigen durch deut- ken schnell an seine Grenzen bringt. Bereits sind es gerade einmal rund 200 Kilometer. An-
sche Soldaten. Es folgte eine sehr schnelle die ersten Fahrversuche waren bei nur einer ders als ich es 1993, bei meinem Eintritt in die
interne Prüfung verbunden mit einer vorbild- Drehung von gepanzerten Kettenfahrzeugen Bundeswehr erleben konnte, verfügte Litauen,
lichen Unterstützung des litauischen Verteidi- ausgesprochen erfolgreich: Drei Handgrana- mit Eintreffen des EFP Verbandes, über keine
gungsministeriums, wie auch aller anderen li- ten und diverse Handwaffenteile - alle aus dem nennenswerten Sperrmassnahmen. Der Ein-
tauischen Behörden. Auf diese Weise konnten 2. Weltkrieg. Die litauische Seite erklärte uns, satz von Mienen- und Sprengsperren war nicht
wir innerhalb von wenigen Stunden aktiv auf das auf ihrem Boden einige große Schlachten geplant und wurde auf Nachfrage auch eher
allen Ebenen gegen diese Meldung vorgehen. während des 2. Weltkriegs gefochten wurden, nicht in Erwägung gezogen. Dies hat sich,
Es sollte nicht der letzte Vorfall dieser Art blei- man aber weder die Zeit noch die Ressourcen nach meiner Kenntnis, mittlerweile geändert.
ben. Stattdessen konnte man bei jeder Aktivi- hätte die Plätze kampfmittelfrei zu machen. Für
tät von Soldaten der NATO vergleichbare Mel- die litauischen Streitkräfte gilt dies als einsatz- Mein persönliches Fazit: Ich habe selten so-
dungen bei Russia Today oder vergleichbaren nahe Ausbildung. Für Kampfmittelfunde unter- wohl bei staatlichen wie im zivilen Bereich,
Medien erleben. Das hat sich bis heute nicht halten die litauischen Streitkräfte Pionierzüge, generationenübergreifend, soviel Wohlwol-
wesentlich geändert und ist in Demokratien, in die landesweit tätig werden. Für die deutschen len und Dankbarkeit erleben dürfen. Das die
denen Meinungen und Meinungsbildung eine Pioniere bedeutet dies ein Umdenken. Ähnli- litauische Bevölkerung nach jahrzehntelanger
wichtige Rolle spielt, eine nicht zu unterschät- ches gilt für die Grösse der Übungsplätze an Fremdbestimmung ein hohes Maß an Schutz-
zende Gefahr. Andererseits zeigte dieser und sich, die sich für Zug- oder Kompaniegefechts- bedürftigkeit hat, sollte uns Deutsche, nach
ähnliche Vorfälle das volle Ausmaß der litau- schiessen in Abhängigkeit der eingesetzten unseren Erfahrungen als Frontstaat im Kalten
ischen Unterstützung: Von der Regierung bis Fahrzeuge eignen. Übungen in größeren Rah- Krieg, nicht überraschen. Umso wichtiger er-
zum normalen Bürger ist der Einsatz der NA- men müssen zwangsläufig freilaufend sein. scheint es mir, dass gerade auch wir Soldaten
TO nicht nur akzeptiert, sondern erfreut sich uns das entsprechende „mind-setting“ für ein
hoher Beliebtheit. Für die deutschen Soldaten Als Einschub seien mir einige Worte zur Ver- potentielles hochintensives Gefecht zulegen in
war es geradezu überraschend, am Wochen- teidigungsfähigkeit und zur Kooperation zwi- einer Generation von Soldaten, die mit Mas-
ende auf der Straße angesprochen zu werden, schen litauischen Streitkräften und zur Bun- se nur Stabilisierungsoperationen kennenge-
Menschen die sich bei ihnen für ihren Einsatz deswehr erlaubt. Bereits deutlich vor Etablie- lernt haben.
bedanken oder ihnen in Restaurants ein Bier rung des EFP-Bataillons gab es zahlreiche
ausgeben. Dies ist nur zu verstehen, wenn Kontakte, gemeinsame Übungen und Ausrüs- Oberstlt Torsten Stephan
man sich vor Augen hält, das Litauen über tungsvorhaben. So hat sich Litauen bereits vor Bildrechte: Bundeswehr

Ausgabe 20 / Dezember 2019 PIONIERE 57


Bund Deutscher Pioniere

Kleines Land, großes Kino


Besuch bei der DEMO 19 der eidgenössischen Pioniere

Unter der Führung des Kommandeurs des zu retten und Personal und Material zu dekon- higkeitsspektrum der eidgenössischen Pio-
Lehrverbands Génie/Rettung wurde die Lehr- taminieren. nier- und Rettungstruppen eingebettet in eine
vorführung 2019 des Verbandes vorbereitet Operation Verbundener Kräfte zu zeigen. Wie
und am 03. Oktober 2019 am Waffenplatz in Dazu wurden Spezialkräfte voraus und Droh- in allen Lehrvorführungen natürlich im Maß-
Wangen an der Aare im Kanton Bern durch- nen zur Aufklärung eingesetzt. Barrikaden im stab HO im Vergleich zur Realität der wirkli-
geführt. Brigadier Stefan Christen legte da- Zuge der Annäherung wurden durch Pionie- chen Eisenbahn, aber konzentriert, stringent
bei besonderen Wert auf eine Teilstreitkräf- re geräumt und abgesessene Infanterie auf und beeindruckend.
te-übergreifende Lehrvorführung mit Kampf- der Aare mit Sturmbooten so nah wie mög-
truppe, Kampfunterstützungstruppen sowie lich an das Angriffsziel verlegt. Danach griff Am meisten war ich allerdings davon bein-
Rettungstruppen. Die Beteiligung eines Su- die abgesessene Infanterie an, unter Über- druckt, dass die gesamte Lehrvorführung
per-Puma Hubschraubers der Luftstreitkräfte, wachung von Kampfpanzern Leopard II und mit Milizsoldaten in der 15. Ausbildungswo-
denen alle fliegenden Waffensysteme in der Schützenpanzern sowie unterstützt durch Pi- che durchgeführt wurde und dass diese nur
Schweiz gehören, gab der DEMO 19 gar ei- oniere. Nachdem erste Teile eines bebau- am Montag und Dienstag der Vorführungs-
nen Joint Anstrich. Mit diesem Ansatz konn- ten Geländeabschnitts genommen waren woche einzelne Abschnitte geübt hatten, am
te Brigadier Christen sein Credo, dass die und Feindkräfte ein ehemaliges Hotel, in dem Mittwoch einen Gesamtdurchgang, der gleich-
Pioniere nicht die Baufirma der Streitkräfte, sie Bewohner gefangen gehalten hatten, ge- zeitig Generalprobe war, absolvierten und am
sondern Kampfunterstützungstruppen sind, sprengt hatten, wurde von Infanterie und Pan- Donnerstag vor hohen Vertretern aus der Po-
besonders deutlich machen. zergrenadieren der Angriff weiter voran getrie- litik und Repräsentanten der Miliz und vor vie-
ben und ein Hochhaus, das ein Schlüsselob- len Offizieren und Feldwebeln aus der gesam-
Das Übungsszenario ging davon aus, dass jekt war, gesäubert. Als das Schweizerkreuz ten Schweiz eine klasse Lehrübung hingelegt
nach einer Phase eines hochintensiven Ver- auf dem Hochhaus wehte, ging es zur nächs- haben. Respekt!
teidigungsgefechts noch Teile des Raums ten Herausforderung: in Containern wurden
Wangen an der Aare in der Hand des Feindes Kampfstoffe aufgeklärt, die sich für den Bau BrigGen a. D. Franz Pfrengle
und von mit ihm verbündeten Milizen waren. von schmutzigen Bomben eignen. Der Angriff Präsident BDPi
Einige Bewohner wurden wahrscheinlich in ei- musste somit im Ortskampf weiter vorangetra-
nem Haus als Geiseln gehalten. Dieses Ge- gen werden und in den bereits genommenen Bildrechte: BDPi
lände war zu nehmen, die als Geiseln gehal- Abschnitten waren Rettungs- und Brandein-
tenen Eidgenossen zu befreien, mögliche Ge- sätze zu leisten.
fahren durch ABC-Kampfmittel zu erkennen,
Einwohner zu retten und zu versorgen, Brän- Mit diesem Ansatz gelang es dem Lehrver-
de zu bekämpfen, Verschüttete zu finden und band Génie/Rettung nahezu das gesamte Fä-

58 PIONIERE Ausgabe
Ausgabe
20 / Dezember
19 / Juni 2019
Bund Deutscher Pioniere

Prinz-Eugen-Preis für Hauptfeldwebel Florian Wienen

Am 25. Juli 2019 erhielten 14 Absolventen des sein Minenspürhund Amy außer Dienst ge-
50. Bautechnikerlehrganges bei einem Fest- stellt wurde, durfte sie ihn an die Schulbank
akt in der Pionierkaserne auf der Schanz ihre begleiten. Amy wurde schnell zu einer wich-
Abschlusszeugnisse und ihre Technikerurkun- tigen Stütze des gesamten Hörsaales. Mit ei-
den. Sie dürfen nun die Berufsbezeichnung nem Buch über Hundepsychologie, das er
„Staatlich geprüfter Bautechniker“ tragen. sich u. a. als Bestpreis gewünscht hat, kann
er nun sicher die Rolle seiner Amy in der Bau-
Traditionsgemäß wird der Lehrgangsbeste technikerausbildung analysieren.
des Bautechnikerlehrganges mit dem Prinz
Eugen Preis des Bundes Deutscher Pioniere Künftig wird Hauptfeldwebel Wienen als Infra-
ausgezeichnet. strukturfeldwebel im Base-Support-Wing des
Nato-Stützpunktes in Geilenkirchen einge-
Unser Präsident, Herr Brigadegeneral a. D. als Mission Commander EUTM Mali erlebten setzt werden und darf sich dort im interessan-
Franz Pfrengle, konnte den Preis in diesem erstklassigen Arbeit der Bautechniker im Aus- ten internationalen Umfeld beweisen.
Jahr an Herrn Hauptfeldwebel Florian Wienen landseinsatz.
übergeben, der die Ausbildung mit dem über- Wir gratulieren Hauptfeldwebel Florian Wie-
ragenden Notenschnitt von 1,13 abgeschlos- Nachdem General Pfrengle die vorrangigen nen und seinen dreizehn Lehrgangskamera-
sen hat. Ziele unseres Bundes Deutscher Pioniere und den zum erfolgreichen Abschluss ihrer berufli-
den Namensträger des Bestpreises vorge- chen Fortbildung und wünschen alles Gute für
Zunächst ging Herr General Pfrengle kurz stellt hatte, wandte er sich dem Preisträger zu. die Zukunft in unseren Streitkräften.
auf die Tradition und Bedeutung hochwertiger
technischer Ausbildung für unsere Truppen- Hauptfeldwebel Florian Wienen trat im Okto-
gattung ein, die sich auch in der Zahl 50 doku- ber 2009 in die Bundeswehr ein und speziali- Oberstlt Alexander Ebner
mentiert. Persönlich verdeutlichte er noch sei- sierte sich bald auf die Arbeit mit Minenspür- Leiter FSHBauT/ZBauWes
ne Wertschätzung basierend auf der zuletzt hunden. Da mit Beginn der Schulausbildung Bildrechte: Bundeswehr/S. Kleinekort

Von Reservisten – für Reservisten | Eine neue Rubrik in unserer Zeitschrift


In letzter Zeit hat man es oft gehört: Die zukünftige Bedeutung Im Jahre 2020 sollen an dieser Stelle Beiträge sowohl von An-
der Reserve wird deutlich steigen! – Aber warum? gehörigen der Reserve der Pioniertruppe, wie auch vom Bund
Deutscher Pioniere zum Reservistendienst regelmäßig erschei-
Die Refokussierung auf die Landes- bzw. Bündnisverteidigung nen.
wird für das Feldheer künftig eine stärkere und raschere Auf-
wuchsfähigkeit erfordern. Darüber hinaus wird Deutschland in Immerhin verfügt die Pioniertruppe über 6 nichtaktive Kompa-
einem solchen Fall die Drehscheibe für Truppenbewegungen nien. Jeweils eine an jedem Standort der Pionierbataillone. Da-
der Verbündeten sein. Zur Sicherstellung der hierzu erforderli- rüber hinaus bestehen zwei nichtaktive Bataillonsstäbe. Außer-
chen Unterstützungsleistungen ist eine starke, gut ausgebilde- dem sind in den aktiven Truppenteilen speziell identifizierte Ver-
te Reserve unerlässlich. stärkungsdienstposten benannt, die mit Angehörigen der der
Reserve besetzt werden sollen. Schließlich gibt es für bestimm-
Mit der Zeitschrift PIONIERE wollen wir dem Rechnung tragen. tes Führungs- und ausgewähltes Fachpersonal die Möglichkeit
Mit einer neuen Rubrik „Von Reservisten – für Reservisten“ soll der Spiegelung. Das bedeutet, die Doppelbesetzung eines akti-
neben der Berichterstattung aus den aktiven Truppenteilen der ven Dienstpostens zusätzlich mit einem Reservisten.
Pioniertruppe nun auch die Reserve unserer Truppengattung
einen gesonderten Platz für Meldungen, Veranstaltungsankün- Ich freue mich auf die Beiträge unserer Leser an meine Mail-
digungen und die Darstellung Adresse: SiPoVeranstaltungen@bdpi.org
des Dienstes als Reservist, seine
Motivation, seine Erfahrungen und Er-
lebnisse, erhalten. OStFw a. D. Ullrich Lisson

Ausgabe 20 / Dezember 2019 PIONIERE 59


Bund Deutscher Pioniere

Ritter-von-Becker-Preis
Oberfeldwebel Daouda wurde mit dem erstmals vergebenen Preis geehrt

Am 01. Juli 2019 wurden an der schirmsprungausbildung sowie


Fachschule des Heeres für Bau- die Ausbildung zum Kommando-
technik am Ausbildungszentrum soldaten schloss sich an. Nach
Pioniere in Ingolstadt sieben er- einer Verwendung im Sicher-
folgreiche Absolventen der zivi- heitsbataillon des Präsidenten
len Berufsausbildung zum Be- wurde er für die Ausbildung in
ton- und Stahlbetonbauer in ihre Deutschland ausgewählt und hat
Heimatstandorte verabschiedet. sich nun nach der Sprachausbil-
Den feierlichen Rahmen bot da- dung in der praktischen Berufs-
zu der Fahnensaal der Pionier- ausbildung auch gegen seine
lehrsammlung in der Pionierka- deutschen Kameraden durchge-
serne auf der Schanz. setzt. In Mali wird Oberfeldwebel
Doumbia im Bauzug der Natio-
Erstmalig wurde dabei durch nalgarde für den Ausbau der Inf-
den Bund deutscher Pionie- rastruktur und die Sicherheit sei-
re der Lehrgangsbeste mit dem nes Heimatlandes beitragen.
Ritter-von-Becker-Preis ausge- Der Preisträger Oberfeldwebel Daouda Doumbia aus Mali und der Vorsitzende des BDPi
zeichnet. Dieser Preis erinnert Oberst a. D. Maximilian Josef Lindner (v.r.n.l.) Wir gratulieren Oberfeldwebel
an den Baudirektor des Ingol- Daouda Doumbia und seinen
städter Festungsbaus und Chef des Bayri- In seinem Grußwort ging Herr Oberst Lindner sechs Lehrgangskameraden zum erfolgrei-
schen Ingenieurkorps Generalleutnant Pe- kurz auf die Ziele und Unterstützungsmög- chen Abschluss ihrer Berufsausbildung und
ter Ritter von Becker (1778-1848), dem dritten lichkeiten unseres Bundes Deutscher Pionie- wünschen alles Gute für die Zukunft.
Ehrenbürger Ingolstadts. re ein, bevor er dann den Namensgeber des
Ritter-von-Becker-Preises vorstellte und auch Oberstlt Alexander Ebner
Unser erster Vorsitzender, Herr Oberst a. D. die Karriere unseres Preisträgers skizzierte. Leiter FSHBauT/ZBauWes
Maximilian Josef Lindner, ehrte mit diesem Bildrechte: Bundeswehr/
Preis Herrn Oberfeldwebel Daouda Doumbia Oberfeldwebel Doumbia trat nach Abitur und Sabrina Kleinekort
aus Mali, der die Ausbildung mit einem über- einem zweijährigen Studium in die Streitkräf-
ragenden Gesamtergebnis und der Note 1 ab- te Malis ein. Zunächst wurde er als Infanterist
geschlossen hat. für die Nationalgarde ausgebildet. Eine Fall-

60 PIONIERE Ausgabe
Ausgabe
20 / Dezember
19 / Juni 2019
Bund Deutscher Pioniere

Generalleutnant
Peter Ritter von Becker
(1778 bis 1848)
Nach der vollständigen
Zerstörung der alten
Festung Ingolstadt 1790
Landesfestung durch die
französischen Truppen zu
Beginn des 19. Jahrhun-
derts, war Generalleut-
nant Peter von Becker
der bedeutendste Kopf
für den Neubau der Fes-
Festung Ingolstadt 1790 tung Ingolstadt.

Als Mitglied der Festungsbaukommission war er ab 1831 für


den Entwurf der Anlage und später als Festungsbaudirektor
auch für die Realisierung der neuen bayerischen Landesfes-
tung verantwortlich. Dabei zeichneten seine Entwürfe vor
allem eine hohe Wehrhaftigkeit und großer militärischer
Sachverstand aus.

Sein Lebenswerk ist bis


dato deutlich sichtbar,
sind es schließlich seine
Backsteinbauten, die das
Gesicht Ingolstadt noch
· 1778 in Höfen bei Bamberg bis heute prägen. Dies
ist dabei ganz im Sinne
geboren König Ludwig I. selbst,
· 1800 Übernahme zum Genie- schließlich eröffnete er
den Festungsbau Ingol-
Kadetten stadt mit den Worten,
· Seit 1809 Ritter der französischen dass die Festungswerke
Ehrenlegion „im eigentlichsten Wort- Festung Ingolstadt 1849
sinn Denkmäler der prak-
· Ab 1824 Oberst im bayerischen tischen Baukunde der
Ingenieurkorps Zeit, eine Bildungsschule
für Maurer und Stein-
· Ab 1832 Festungsbaudirektor der hauer“ sein sollten.
Festung Ingolstadt Hptm Gehrmann
· Ab 1838 Chef des bayerischen InChef V. Inspektion AusbZPi
Ingenieurkorps
· Seit 1842 der dritte Ehrenbürger
der Stadt Ingolstadt
Quellen:
· Seit 1842 Träger des Ehren- · Aichner, Ernst: „Der Ausbau und die beginnende Auflassung der bayrischenLandesfestung Ingolstadt (1848
– 1918)“ Dissertation Ludwig-Maximilians-Universität, München 1974

kreuzes des Ludwigordens · Förderverein Bayerische Landesfestung Ingolstadt. Internetauftritt vom 22.09.2017, http://www.festungin-
golstadt.de/
· Hausfelder, Edmund: „Der Briefwechsel König Ludwigs I. von Bayern und anderer Zeitgenossen mit dem
· 1845 Verleihung des Komtur- Ingolstädter Festungsbaudirektor Peter Ritter von Becker“. Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt,
107. Jahrgang, Ingolstadt 1998
kreuzes des Verdienstordens · Von Reitzenstein, Alexander: „Die Festung Ingolstadt König Ludwigs I.“ aus „Ingolstadt“ 2. Band, Verlag Do-
nau Courier, Ingolstadt 1974

der bayerischen Krone


· Oßtermair, Franz Xaver: „Die Ehrenbürger der Stadt Ingolstadt“. Sammelblatt des historischen Vereines in
und für Ingolstadt, XVI. Heft, Ingolstadt 1891

Ausgabe 20 / Dezember 2019 PIONIERE 61


Bund Deutscher Pioniere

Regionaltreffen beim Panzerpionierbataillon 4 in Bogen


12. bis 14. Juli 2019
Bereits zum sechsten Mal wurde heuer das im Landgasthof Wurm eingetroffen waren, barten Feldkirchen im Rahmen der Flücht-
Regionaltreffen des BDPi durchgeführt. Ge- wurden sie durch den Präsidenten des BDPi, lingshilfe.
mäß unserem Bestreben jährlich in einer an- BG a. D. Franz Pfrengle und dem Vorsitzen-
deren Ecke unseres Landes das Regionaltref- den Oberst a. D. Max Lindner, begrüßt und in In seinem hoch interessanten Vortrag stellte er
fen durchzuführen, hatten wir uns dieses Jahr den geplanten Ablauf der kommenden Tage sowohl die Einsatzverpflichtungen seines Ver-
für den Standort Bogen in Niederbayern ent- eingewiesen. bandes dar, als auch die personellen und ma-
schieden. Mit ausschlaggebend war die Tatsa- teriellen Herausforderungen, die das Bataillon
che, dass das dortige Panzerpionierbataillon 4 Nach der Begrüßung verlegten alle in die zu bewältigen hat. Bei aller Problematik wur-
an diesem Wochenende seinen 60.Geburts- Graf-Aswin-Kaserne nach Bogen, wo sie vom de aber auch deutlich, dass es mit Einsatzwil-
tag feierte und dies mit einem Tag der offenen stv. Kommandeur des PzPiBtl 4, Herrn OTL len und Engagement quer durch alle Dienst-
Tür verbunden hatte. Rene Jarschke, herzlich begrüßt wurden. Im gradgruppen möglich ist die Vielzahl von Auf-
Anschluss daran, ließ es sich der Komman- gaben zu erledigen. Deutlich wurde auch die
Unabhängig von dem interessanten Angebot, deur, OTL Ronny Schievelkamp, nicht neh- besondere Beziehung und Einbindung des Ba-
war es uns auch wichtig nach Möglichkeit die men, persönlich sein Bataillon vorzustellen taillons in das zivile Umfeld in Niederbayern.
Truppe durch unser Regionaltreffen nicht zu- und in Lage, Auftrag und besondere Heraus-
sätzlich zu belasten. So bot das 60-jährige Ju- forderungen einzuweisen. Das konnte man auch am Abend beim traditi-
biläum die Möglichkeit beides miteinander zu onellen Ausmarsch der Stadt und der Vereine
verbinden. In den zahlreichen Auslandseinsätzen ebenso zum Volksfest erleben, das gleichfalls an die-
wie bei einer Vielzahl von Einsätzen im Rah- sem Wochenende stattfand. Die Bataillons-
Anscheinend entsprach das ausgearbeitete men der Katastrophenhilfe, gerade bei den führung und eine große Abordnung des PzPi-
Programm durchaus den Vorstellungen der zahlreichen Hochwassern der Donau in dieser Btl 4 marschierten mit an der Spitze des Zu-
Teilnehmer, hatten sich insgesamt doch 38 Region, aber auch im Erdbebeneinsatz in Itali- ges. Ein klares Zeichen, dass die Soldaten
Personen zur Teilnahme angemeldet, die die en 1976 und 1980, konnte das Bataillon seine in Bogen bestens im zivilen Umfeld integriert
freie Auswahl hatten, welche Teile des Pro- Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen. sind.
gramms sie wahrnehmen wollten.
Eine besondere Herausforderung war zuletzt Zum Abschluss des Tages verlegten wir zum
Nachdem bis 15:00 Uhr alle Teilnehmer, die im Herbst 2015 der Aufbau eines Wartezen- Abendessen auf den Bogenberg, auf dem die
aus dem gesamten Bundesgebiet anreisten, trums in der Gäuboden-Kaserne im benach- überregional bekannte Wallfahrtskirche steht

62 PIONIERE Ausgabe 20 / Dezember 2019


Bund Deutscher Pioniere

und von dem man einen herrli- Rahmen von zwei Führungen
chen Blick in den Bayerischen noch tiefer in die Geschichte
Wald nach Norden und in den der Stadt einzutauchen.
Gäuboden nach Süden hat.
Leider war es etwas bewölkt, Im Bogenberg-Museum finden
sonst hätte man von diesem sich zahlreiche Relikte, die be-
markanten Punkt sogar die Al- sonders auf die Herkunft des
pen erkennen können. weiß-blauen Rautenwappens
eingehen.
Der Samstag stand dann ganz
im Zeichen des 60-jährigen In der Wallfahrtskirche stand
Jubiläums des PzPiBtl 4. die jährlich zu Pfingsten statt-
findende „Kerzenwallfahrt“ im
Den Schwerpunkt bildete der Mittelpunkt der Führung. Da-
Tag der Offenen Tür, zu dem bei tragen die Teilnehmer ei-
bereits seit dem frühen Mor- ne ca. 13 m hohe Kerze aus
gen zahlreiche interessierte dem 75 km entfernten Holzkir-
Besucher in die Kaserne strömten. Mit einem gen ein, wo es sich der Bürgermeister, Herr chen nach Bogen. Wobei die Kerze ein mit ro-
breiten Angebot an Stationen in der Graf-As- Franz Schedlbauer, nicht nehmen ließ, seine tem Wachs umwickelter Baumstamm ist, der
win-Kaserne und auf dem Wasserübungsplatz Stadt und ihre Entwicklung in den letzten Jahr- zum Schluss vom Marktplatz in Bogen von
an der Donau wurden den Besuchern die Auf- zehnten persönlich vorzustellen. Besonders jeweils nur einem Teilnehmer senkrecht den
gaben und die dafür verfügbare Ausstattung stolz ist man auf die Tatsache, dass das Rau- steilen Weg zur Wallfahrtskirche hinauf getra-
des Bataillons dargestellt. Mit dabei waren an tenwappen des Freistaats Bayern seinen Ur- gen wird. Dort wird sie zu Ehren der „schwan-
diesem Tag auch andere sogenannte „Blau- sprung in Bogen hat, war es doch ursprüng- geren Madonna“ in der Kirche aufgestellt und
lichtkräfte“, wie Feuerwehr, Polizei, THW und lich das Wappen des hier ansässigen Adels- verbleibt dort – ein beeindruckendes Erlebnis.
Rotes Kreuz. geschlechts der Grafen von Bogen.
Herzlichen Dank an dieser Stelle dem
Besonderer Beliebtheit erfreuten sich die Sta- Mit zahlreichen Informationen über die Ge- PzPiBtl 4 für seine hervorragende Unterstüt-
tionen am Wasserübungsplatz, da die Be- schichte und die wirtschaftliche Entwicklung zung in Vorbereitung und Durchführung des
sucher hier die Gelegenheit hatten mit ver- der Stadt versorgt, konnten wir dann im Rah- Treffens.
schiedenen Wasserfahrzeugen die Donau zu men einer Stadtführung, die von OTL a. D.
erkunden oder die diversen, im Bataillon be- Werner-Leister, einem ehemaligen Bataillon- Oberst a. D. Max Lindner
findlichen Baumaschinen, unter Anleitung ein- sangehörigen durchgeführt wurde, das Gehör- Bildrechte: BDPi
mal selbst zu bedienen. te zum Teil in der Realität besichtigen.

Um 15:00 Uhr fanden sich die Teilnehmer des Als Abschluss des Tages verlegten wir wieder
Regionaltreffens im Rathaus der Stadt Bo- auf den Bogenberg, dieses Mal aber, um im

Ausgabe 20 / Dezember 2019 PIONIERE 63


Tradition und Geschichte

60 Jahre Pipelinepioniere in SCHLESWIG-HOLSTEIN


Pipelinepioniere sind Spezialpioniere der Pumpen und Rohrleitungen in ein im Küsten- plätze, Tanklager etc.) sicherstellen sollte,
Waffengattung Pioniere des Heeres mit lo- bereich angelegtes Tanklager zu erproben. erfolgte die Errichtung eines weiteren NA-
gistischem Sonderauftrag. Sie sind Teil der TO Pipelinesystems von den dänischen Hä-
Streitkräftebasis. Im Rahmen der Einsatz- Dabei sollte auch die Verteilung der Kraftstoffe fen in JÜTLAND nach SCHLESWIG-HOL-
unterstützung für die Streitkräfte sind sie mit mittels Eisenbahnkesselwagen und Straßen- STEIN. Das NEPS (Northern Europe Pipeline
Feldpipelinegerät ausgerüstet, daran ausge- tankwagen zur Versorgung von Kampftrup- System) endet südlich des NORD-OSTSEE-
bildet und zuständig für den Betrieb und die pen im südlichen SCHLESWIG-HOLSTEIN KANALS.
Instandsetzung von stationären Pipelinesys- Gegenstand der Erprobung sein. Zu diesem
temen, den Bau von feldmäßigen Ersatzpipe- Zweck wurden Schlauch- und Rohrleitungen Zur Schadensbeseitigung am NATO Pipe-
lineanlagen, in erster Linie den Bau von Feld- vom Tankschiff über den Putloser Ostsee- linesystem in einem Kriegsfall und für den Er-
tanklagern zur Kraftstofffolgeversorgung. Im strand zu einem ca. 22 ha großen Geländeab- gänzungsbetrieb wurden für den Bereich des
Übrigen wirken sie mit ihrer Geräteausstat- schnitt des Truppenübungsplatzes PUTLOS CEPS in Deutschland zwei Pipelinepionier-
tung bei der Wasserversorgung über große verlegt und dort an ein erstelltes feldmäßiges bataillone (später Pipelinepionierregimenter)
Strecken mit. Tanklager angeschlossen. Dieses Gelände in ZWEIBRÜCKEN und WUPPERTAL aufge-
ist heute die mit Nachfolgegerät ausgestatte- stellt, mit Feldpipelinegerät ausgestattet und
Wie alles begann te „Sonderinfrastruktur Pipeline“ des „Spezial- in den Anlagen des CEPS daran ausgebildet.
pionierausbildungs- und Übungszentrums Dementsprechend war es erforderlich, auch
Im Jahr 1958 wurde die für die Versorgung mit PUTLOS“. Die jetzt über 80-jährigen Pensio- für das NEPS eine entsprechende Einheit auf-
Betriebsstoffen (POL-Petrol-Oil- Lubricants) näre und Reservisten der ehemaligen Einheit zustellen. 1964 wurde die Kompanie aus dem
verantwortliche 5. Kompanie des Logisti- werden sich mit Stolz an die Erprobungspha- Logistischen Lehr- und Versuchsbataillon 900
schen Lehr- und Versuchsbataillon 900 mit se 1958 –1960 erinnern. ausgegliedert und als selbstständige Pipeline-
amerikanischem Pipelinegerät (Pumpaggre- pionierkompanie 926 aufgestellt.
gate, Pipelines, Stahltanks, Schläuche) aus- In den weiteren Jahrzehnten
gestattet, das für einen Kriegsfall in Korea ein- In den folgenden Jahren erfolgten Umbenen-
gelagert war. Es wurde in KIEL angelandet Ergänzend zum NATO Pipelinesystem CEPS nungen und Unterstellungswechsel (Schwe-
und zum Truppenübungsplatz PUTLOS bei (Central Europe Pipeline System), das nach res Pionierbataillon 718 SCHLESWIG, Ver-
OLDENBURG in SCHLESWIG-HOLSTEIN dem Krieg und im „Kalten Krieg“ von der west- sorgungskommando 600 FLENSBURG,
verbracht. Der Auftrag für die Kompanie be- lichen Atlantikküste bis an den „Eisernen Vor- Kommandeur Logistiktruppen im Bereich AF-
stand darin, mit diesem Gerät die „Kraftstoff- hang“ in DEUTSCHLAND errichtet, stets er- NORTH KIEL). Im Jahr 1973 wurde die Kom-
übernahme von auf Reede in der Küstenlinie weitert wurde und die Kraftstoffversorgung panie als Pipelinepionierkompanie 641 von
liegenden Tankschiffen mittels Schläuchen, der NATO Streitkräfte in Mitteleuropa (Flug- PUTLOS nach SCHLESWIG, Kaserne Auf der
Freiheit, verlegt. Die Pipelineübungsanlage in
PUTLOS, „Georgenhof“ (Sonderinfrastruktur
Pipeline) verblieb in der Obhut der Kompanie
in SCHLESWIG und diente auch den Bataillo-
nen in WUPPERTAL und ZWEIBRÜCKEN für
die Ausbildung ihrer Spezialisten im „scharfen
Betrieb“, also mit Kraftstoff. Mit dem Unterstel-
lungswechsel zum Verfügungstruppenkom-
mando 41, in SCHLESWIG wurde die Kompa-
nie umbenannt und erhielt die Nummer 601,
sollte im Einsatzfall zum Pipelinepionierbatail-
lon 600 aufwachsen und für den Betrieb und
die Instandsetzung des deutschen Teils des
NEPS, mit seinen Tanklagern EGGEBECK
und HOHN sowie den Anlagen zu den Flug-
plätzen EGGEBECK, JAGEL, und HUSUM
verantwortlich sein. In der Heeresstruktur 5
nannte sich die Kompanie „Technische Spe-
zialkompanie Pipelinepioniere 601“ und un-
terstand der neu aufgestellten Pionierbriga-
de 10 in SCHLESWIG. Allerdings wurde die
Pipeline-Ausbildungsanlage, Putlos: Druckstation Pipelineanlage in PUTLOS selbstständig und

64 PIONIERE Ausgabe 20 / Dezember 2019


Tradition und Geschichte

auch zuständig für die Ausbildung von Pionie-


ren und Spezialisten der NATO-Partner, die
über von der NATO bereitgestelltes Feldpipe-
linegerät verfügen aber keine entsprechen-
de Anlage zum „scharfen Betrieb“ haben. Der
Ausbildungsverbund hat durch diese Ausbil-
dungseinrichtung eine deutliche Aufwertung
für Bundeswehr und NATO erfahren.

Pipelinepioniere heute

Nach weiteren Umstrukturierungen 1990 wur-


de 2003 die im norddeutschen Raum verblie-
bene Spezialkompanie Pipeline 200 in das
„Spezialpionierbataillon 164“ in Husum einge-
gliedert. Inzwischen zum „Spezialpionierregi-
ment 164 – NORDFRIESLAND“ aufgewach-
sen, sind die 8. und 9. Kompanie des Regi-
ments für die Pipelinepioniere der gesamten
Bundeswehr zur einzigen verbliebenen neuen
Heimat geworden. Ausbildungszentrum Pipelinepioniere, Putlos

Auch wenn sich die strategische Bedeutung seeküste 1962, den Waldbrand in der SÜD- Aus- und Weiterbildung zur Folge. Diese Aus-
der NATO Pipelinesysteme für die NATO und HEIDE 1975 oder die Schneekatastrophe in bildung in Laufbahn- und Fachlehrgängen er-
die Bundeswehr geändert hat und damit Auf- SCHLESWIG-HOLSTEIN 1978/1979 hinge- fahren die Pipelinespezialisten der Bundes-
trag, Umfang und Ausrüstung der Pipelinepio- wiesen werden. Nicht verständlich ist jedoch, wehr und der NATO-Partner bei Bedarf in der
niere dem neuen Einsatzprofil angepasst wer- warum die Erfahrungen aus dem Brandein- „Sonderinfrastruktur Pipeline“ in dem „Spe-
den mussten, bleibt der „kleine aber feine, spe- satz in der SÜDHEIDE nicht bei der Wasserbe- zialpionierausbildungs- und Übungszent-
zialisierte Truppenteil der Pipelinepioniere“ für reitstellung bei den Moorbränden in MEPPEN rum PUTLOS“, das zusätzlich die Funktions-
die Pioniertruppe und die Logistik der Bundes- 2018 genutzt wurden. fähigkeit der Pipelineausbildungsanlage si-
wehr ein wichtiger, unverzichtbarer Baustein cherstellt. Dieses Zentrum untersteht, wie die
bei Auslandseinsätzen, Friedensmissionen, Über die Jahre wurde die Ausstattung mit Kompanie vor 60 Jahren, der Logistikschule
Übungen und der Zivil-Militärischen Zusam- Feldpipelinegerät (Pumpaggregate, Falttanks der Bundeswehr.
menarbeit auch im Rahmen von NATO-Ein- etc), Brandschutzausrüstung, Ölabwehrgerät
sätzen. Zu nennen sind hier erfolgte Einsät- und Baumaschinen den heutigen Einsatzer- Insofern wird hier auch der „Agenda Aus-
ze zur Versorgung mit Kraftstoffen aus Feld- fordernissen an Sicherheitstechnik und Um- bildung des Generalinspekteurs der Bun-
tanklagern beim Airpolicing in LITAUEN, 2005, weltschutz angepasst. Das Feldpipelinege- deswehr“, mit der Forderung zu mehr Hin-
AFGHANISTAN, 2007–2014, NATO Übung rät ist kompatibel mit den stationären Einrich- wendung zur Landes- und Bündnisverteidi-
TRIDENT JUNCTURE, NORWEGEN, 2018. tungen des NATO-Pipelinesystems. Das hatte gung und multinationalen Zusammenarbeit,
Besonders muss aber auch auf die Katastro- allerdings auch eine Anpassung bei der Aus- Rechnung getragen. Der Kommandeur Aus-
pheneinsätze, wie die Sturmflut an der Nord- wahl des erforderlichen Personals und deren bildungszentrum Pioniere hat diese Forde-

Ausgabe 20 / Dezember 2019 PIONIERE 65


Tradition und Geschichte

rung im Editorial des Magazins der Pionier-


truppe und des Bundes Deutscher Pioniere
„PIONIERE“ aufgegriffen und besonders he-
rausgestellt.

Die schleswig-holsteinischen Pipelinepionie-


re haben immer – auch als Pensionäre, Re-
servisten (hier besonders eine Gruppe Ehe-
maliger aus ESSEN) und früherer Zeitsolda-
ten kameradschaftlich ihrer Tradition gedacht:
in PUTLOS erfolgten Führungen durch die
Ausbildungsanlage, Vorführungen von neuem
Gerät und der Besuch der militärhistorischen
Sammlung zur Entwicklung der Pipelinepio-
niere. Natürlich waren diese Treffen verbun-
den mit geselligen Wiedersehensfeiern. Dabei
wird auch immer der im Dienst verstorbenen
Kameraden gedacht.

Der bewegten Vergangenheit der Pipelinepi-


oniere in SCHLESWIG-HOLSTEIN in den zu- Kaffeetafel für das Wiedersehen der Ehemaligen
rückliegenden 60 Jahren wird leider seitens
der aktiven Pipelinepioniere nicht gedacht, Nachzutragen ist, dass an der DNA für die LOS! Dort weht ein frischer Ostseewind und
obwohl der neue Traditionserlass der Bundes- Tanktierchen (siehe Wappen der Kompanie), der bringt Dich auf andere Gedanken.
wehr dazu ermuntert. die zur Ölschadensbekämpfung eingesetzt
werden sollen – denn beim Tanken und beim „Molchbegleiter“ und „Molchbahnhofvorste-
Die Verfasser dieses Artikels wünschen al- Umgang mit Kraftstoff geht ja schon mal et- her“ sind geachtete Verwendungen bei den
len Aktiven und Ehemaligen Pipelinepionie- was daneben – , wird weiter geforscht. Dies Pipelinepionieren.
ren alles Gute für die Zukunft und danken geschieht in der Tanktierchenzuchtanstalt der
herzlich für den geleisteten Dienst und die Übungsanlage in PUTLOS. Oberst a. D. Dipl.Ing.(FH) Ralf Nebel,
Einsatzbereitschaft in der kleinen aber fei- Oberstlt a. D. Dr. Thomas Palaschewski
nen Pipelinepioniertruppe mit einem kräftigen Es gilt im Übrigen immer noch der Spruch der
ANKER – WIRF! MOLCH – GRAST! Pipeliner: Bist Du mutlos – geh` nach PUT- Bildrechte: BDPi

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Wiedersehen der Ehemaligen in Putlos (2016) PIONIERE Ausgabe 20 / Dezember 2019