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Pfälzische Dialekte

Pfälzisch (Pälzisch)
Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Hessen,
Gesprochen in Saarland, Frankreich, als Auswandererdialekt: USA,
Kanada, Banat
Sprecher etwa 1 Million (geschätzt)
Linguistische
Klassifikation Indogermanisch

Germanisch

Westgermanisch

Hochdeutsch

Mitteldeutsch

Westmitteldeutsch

Rheinfränkisch

Pfälzisch

Offizieller Status
Amtssprache in –
Sprachcodes
ISO 639-1

ISO 639-2
gem

ISO 639-3
pfl

Pfälzisch (pfälzisch Pälzisch) ist ein Sammelbegriff für die Dialekte der beiden rheinfränkischen
Dialektgruppen Westpfälzisch und Ostpfälzisch (Vorderpfälzisch),[1] die wiederum aus Einzeldialekten
bestehen. Pfälzisch gehört zum westmitteldeutschen, fränkischen Dialektgebiet.

Inhaltsverzeichnis
Sprachgeographie
Phonetik
Konsonanten
Vokale
Grammatik
Verbalsystem
Nominalsystem
Relativsatz
Pronomina
Artikel und grammatisches Geschlecht
Wortschatz
Pfälzische Dichtung
Sprachbeispiele
Siehe auch
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise

Sprachgeographie
Von den benachbarten Mundarten kann Pfälzisch mittels folgender
Isoglossen abgegrenzt werden (vgl. Rheinischer Fächer):

vom Moselfränkischen durch die dat/das-Linie (Sankt


Goarer Linie).
vom Hessischen durch die fescht/fest-Linie
vom Südfränkischen und Ostfränkischen durch die
appel/apfel-Linie (Speyerer Linie) oder die pund/pfund-
Linie (Germersheimer Linie)
vom Lothringischen durch die hus/haus-Linie

Die Übergänge zwischen den Mundarten sind fließend, und auch


innerhalb des Pfälzischen gibt es charakteristische Unterschiede, vor Verbreitung der Rheinfränkischen
allem zwischen dem Vorder- und Westpfälzischen. Bei diesen beiden Dialekte. Pfälzische Dialekte sind
Dialektgruppen kann man aber einen relativ klaren Trennstrich mit 2 markiert.
entlang der Grenzlinie der Landkreise Kaiserslautern und Bad
Dürkheim ziehen. Wie bei allen Dialekten hat jeder Ort seine eigene
Dialekttradition. So gibt es bestimmte Lautungen, die in dem einen Dorf zu finden sind, aber bereits im
Nachbarort nicht mehr.

Zum pfälzischen Sprachgebiet zählen in erster Linie die Mundarten des ehemaligen Regierungsbezirks Pfalz in
Rheinland-Pfalz. Hinzu kommen der westlich angrenzende Saarpfalz-Kreis – mit Ausnahme einiger
Mundarten im südlichen Teil, die lothringische Merkmale aufweisen – und Teile des übrigen Saarlandes, die
Kurpfalz in Baden-Württemberg (Kurpfälzisch), der äußerste Norden des Elsass (südlichster Ort Selz
(Elsass)), an die Pfalz grenzende Teile des Hunsrücks, die Region Bergstraße in Hessen sowie Teile des
Odenwalds und Rheinhessens. Damit reicht der pfälzische Sprachraum über die Grenzen der Pfalz hinaus;
andererseits werden die in der Pfalz gesprochenen Dialekte, die südöstlich der appel/apfel-Linie bzw. der
pund/pfund-Linie liegen (Verbandsgemeinde Hagenbach), zum Südfränkischen gezählt.
Im Volksmund werden dagegen diejenigen Dialekte des Pfälzischen, die außerhalb der Pfalz gesprochen
werden, i. d. R. nicht als Pfälzisch, sondern als Saarländisch, Rheinhessisch etc. bezeichnet.

Die gebroch-gebroche-Linie teilt das Pfälzische in Westpfälzisch und Ost- bzw. Vorderpfälzisch. Im
Westpfälzischen hat das Partizip der Vergangenheit bei starken Verben keine Endung (gebroch, gesung,
kumm), im Vorderpfälzischen endet es auf -e (g(e)broche, g(e)sunge, kumme).

Während der Auswanderungswellen aus Europa nach Nordamerika emigrierten von der Mitte des 18. bis zur
Mitte des 19. Jahrhunderts besonders viele Pfälzer. Sie pflegten ihren mitgebrachten Dialekt teilweise über
zehn Generationen hinweg neben dem Englischen. In den US-Bundesstaaten Pennsylvania, Ohio, Indiana und
29 weiteren US-Staaten sowie im kanadischen Ontario hält sich der Dialekt bei den Mennoniten alter Ordnung
und den Amischen sogar als dominante Sprache bis heute. Mehrere hunderttausend Amerikaner und Kanadier
sprechen noch heute diesen Dialekt, der dem rezenten Pfälzisch sehr ähnlich ist und den die Benutzer selbst
„Deitsch“ nennen. Auf Englisch heißt er Pennsylvania German, wird aber meist unkorrekt Pennsylvania
Dutch genannt. Jene Auswanderer, deren Mittel zur Weiterreise nicht reichten, siedelten am Niederrhein, daher
existieren dort einige pfälzische Sprachinseln.

Die Sprachgeographie des linksrheinischen Pfälzischen wird beschrieben im Mittelrheinischen Sprachatlas.

Phonetik
Im Pfälzischen wurde, wie bei allen mitteldeutschen Dialekten, die
Hochdeutsche Lautverschiebung nicht vollständig durchgeführt;
charakteristisch sind die erhaltenen p-Lautungen im Anlaut, wie in dem
bekannten Spruch: In de Palz geht de Parre(r) mit de Peif in die Ker(s)ch.

Weitere Eigentümlichkeiten des Pfälzischen:

Konsonanten
Tendenz zur Stimmhaftigkeit bei Plosiven; im In- und Anlaut: /t/ →
[d]; im Inlaut: /p; k/ → [b; g]
Althochdeutsch t im Anlaut wird zum d, außer in relativ jungen,
aus dem Hochdeutschen entlehnten Wörtern: Diir, Deer „Tür“; Schild einer Gaststätte in
rischdisch „richtig“; aber: Tee, Terror, Tuub „Tube“ Hainfeld an der Weinstraße

Zusammenfall der Phoneme /ç/ (ch) und /ʃ/ (sch) zu [ʃ] (sch) (fast in
der gesamten Pfalz) oder [ç] (Saarpfalz)
Besonderheiten bei der Aussprache von intervokalischem d/t:
Rhotazismus (besonders bei älteren Sprechern und/oder mit zunehmender Nähe zur
Saarpfalz), zum Beispiel guude → guure /guːrə/
Lambdazismus: in Teilen der Kurpfalz, der Nordwestpfalz und in vereinzelten Ortschaften in
der Saar- und Vorderpfalz (beispielsweise Altrip) zum Beispiel Wedder → Weller
Ersetzen des d durch ein [ð] in einzelnen Ortschaften in der Vorderpfalz. Dieses Phänomen
ist so gut wie verschwunden, der Laut wird von der jüngeren Generation durch d, r, l oder
sogar j ersetzt.
in bestimmten Buchstabenkombinationen entfällt das d ganz
furchtbar → forschbar/furschbar/furchbar „furchtbar“
du bisch(d) „du bist“
Die Kombination gh wird meist wie k gesprochen, bh selten wie p
ghowe „gehoben“ → kowe (Des hab isch ghowe/kowe „Das habe ich gehoben“), gherd
„gehört“ → keerd (Hoschd des ned kerd? „Hast du das nicht gehört?“). In geschriebenen
Texten wird die Graphie gh- benutzt, um die Morphologie sichtbar zu machen und damit
das Lesen zu erleichtern (ghowe, gheerd).
bhalde „behalten“ → palde (Des konnscht palde „Das kannst du behalten“)

Vokale
Im Standarddeutschen sind die mittelhochdeutschen Vokale/Diphthonge ei [ɛɪ̯] und î [iː] zum
Diphthong ei [aɪ̯] zusammengefallen, während diese im Pfälzischen unterschieden werden.
Dem mittelhochdeutschen ei entspricht im Pfälzischen ää (Kurpfälzisch aa/åå, Saarpfälzisch
äi): Schdää, Sääf, Klääd „Stein, Seife, Kleid“. Dem mittelhochdeutschen î entspricht im
Pfälzischen ai/oi: Woi, doi, soi „Wein, dein, sein“.

Genauso verhält es sich mit den im Hochdeutschen zu au


zusammengefallenen mittelhochdeutschen ou und û. Das
mittelhochdeutsche ou findet im Pfälzischen aa seine
Entsprechung (in der Südpfalz und Teilen der
Nordwestpfalz ää): Aag, Schdaab, Raach „Auge, Staub,
Rauch“. Das mittelhochdeutsche û wird wie im
Hochdeutschen als au gesprochen: Haus „Haus“.
Längung und Öffnung vor r, vor allem im Westpfälzischen,
zum Beispiel [eː] → [ɛː] ([ɛːɐ̯ d] „Erde“), [ʊ] → [ɔ] ([dɔɐ̯ ʃd]
„Durst“).
Mittelhochdeutsches kurzes u vor Nasalen, das im
Hochdeutschen oft zu o geworden ist, ist im Pfälzischen Der Vokal in laufen in der Pfalz
als u erhalten geblieben: Sunn „Sonne“ (mhd. sunne),
kumme „kommen“. u kommt darüber hinaus vor in
Einzelwörtern wie vun „von“ und aus dem Französischen entlehnten wie Wörtern wie Unggel
„Onkel“ (französisch oncle).
Verschleifung von -er im Auslaut zu -a [ɐ] oder [a] ist in weit stärkerer Form als in der
hochdeutschen Umgangssprache üblich.
Nicht überall, aber zum Beispiel im Vorderpfälzischen kommt Nasalierung vor, zum Beispiel
Land → [lɑ̃ nd/lɔ̃ nd] (gerne als Lånd verschriftet).
Im Südpfälzischen kommt teilweise Diphthongierung vor, zum Beispiel grouß „groß“, sowie ee
für mittelhochdeutsch ou, zum Beispiel Free „Frau“ (andernorts Fraa).

Im Pfälzischen gibt es außerdem die Laute ö, ü und eu/äu nicht, sie sind zu e, i und ai entrundet. Beispiele:

größer (mittelhochdeutsch grœzer) → greeßer


Löffel (mittelhochdeutsch löffel) → Lewwel / Leffel
Möbel (französisch meuble) → Meebel / Meewel
Hügel (mittelhochdeutsch hügel, hübel) → Hischel / Hiechel / Hiwwel / Hewwel
müde (mittelhochdeutsch müede) → miid
Häuser (mittelhochdeutsch hiuser) → Haiser

Endlaute entfallen zudem oft, der Plural bleibt aber meistens weiterhin vom Singular unterscheidbar
(Apokope):

Hund, Hunde → Hund, Hunn (Westpfalz)


Pfanne, Pfannen → Pann / Pånn, Panne / Pånne
Lampe, Lampen → Låmb, Låmbe
Affe, Affen → Aff, Affe

Auch Konsonanten zwischen zwei Vokalen können entfallen:

haben → hann (Westpfalz) / hawwe, hänn (Vorderpfalz)


tragen → draa(n) (Westpfalz) / draache, draae (Vorderpfalz)

Grammatik
Die Grammatik zeichnet sich gegenüber dem Hochdeutschen (wie bei
anderen Dialekten) durch eine starke Reduktion des Nominal- und
Verbalsystems aus.

Verbalsystem

Das Pfälzische kennt nur vier Zeiten: Präsens, Perfekt und


Plusquamperfekt und die einfache, d. h. zusammengesetzte Zukunft.
Das Imperfekt ist bis auf wenige Restformen bei den Hilfsverben
verschwunden und wird durch das Perfekt ersetzt. Es gibt nur eine mit
dem Hilfsverb „werre“ (werden) zusammengesetzte Futurzeit. Eine
Die verschiedenen Formen von
Zukünftigkeit wird meistens durch Präsens mit entsprechendem „(ich) habe“ in der Pfalz
Kontext ausgedrückt. Ohne Zeitangabe wird die Zukünftigkeit durch
besagtes Futur ausgedrückt. Das Plusquamperfekt ist selten.

Konjugation von „haben“:

Westpfalz Vorderpfalz Nordpfalz


Singular Plural Singular Plural Singular Plural
ich hann mir hann ich hab mir hänn ich hunn mir hunn
Präsens du hasch ihr hann Präsens du hoschd ihr hänn Präsens du hoschd ihr hunn
er/sie/es er/sie/es er/sie/es
die hann die hänn die hunn
hadd hod hod
Infinitiv hann Infinitiv hawwe Infinitiv hunn

Konjugationsbeispiel (schwaches Verb „gehe“ (gehen), Westpfälzisch/Vorderpfälzisch):

Präsens:

Singular Plural
i(s)ch geh(n) mir gehn
Präsens
du gehsch(d) ihr gehn
er/sie/es gehd die gehn
Imperativ geh gehen

Perfekt: i(s)ch bin gång(e) etc.


Plusquamperfekt: i(s)ch war gång(e) etc.
Futur: i(s)ch werr gehn/gehe etc., Präsens, wenn die Zeit angegeben oder aus dem Kontext
ersichtlich ist, dass die Handlung nicht in der Gegenwart erfolgen kann. Z. B.: I(s)ch geh
no(ch) Ameriga „Ich gehe nach Amerika“

Wie man sieht, sind in der regelmäßigen Konjugation alle drei Pluralformen gleich, nicht nur die erste und
dritte Person wie im Hochdeutschen.

Das Partizip wird manchmal anders gebildet als im Hochdeutschen, z. B. gesass statt „gesessen“ oder gestock
statt „gesteckt“, aber gedenkt statt „gedacht“, gewisst statt „gewusst“.

Bei den Modi fehlen die Konjunktive, mit der Ausnahme des Konjunktivs II bei einigen Hilfs- und
Modalverben:

han/hawwe „haben“: er hat/hott → er hätt


sinn „sein“: sie is → sie wär
dun/due „tun“: es dut → es deet
kenne „kennen“: er kann → er kennt

Bei anderen Verben wird das Hilfsverb modifiziert; liegt keines vor, wird „dun“ eingeschaltet:

Er hot g(e)saacht, die hott net laut genuch g(e)rufe. „Er sagte, sie habe nicht laut genug
gerufen.“ (meist Vorderpfälzisch)
Er hat gesaat, die hat net laut genuch geruf. „Er sagte, sie habe nicht laut genug gerufen.“
(meist Westpfälzisch)
Er saacht, die deet net laut genuch rufe. „Er sagt, sie rufe nicht laut genug.“ (meist
Vorderpfälzisch)
Er saat, die deet net laut genuch rufe oder Er saat, es ruft net laut genuch. „Er sagt, sie rufe
nicht laut genug.“ (meist Westpfälzisch)

Nominalsystem

Ein Genitiv ist unbekannt; er wird durch Hilfskonstruktionen unter Zuhilfenahme des Dativs ersetzt. Beispiel:

Hochdeutsch: „Gertrud Schäfers Onkel ist Harald Webers Kollege“;


Westpfälzisch: Em Schäfer Gertrud sei Unggel is’m Wewer Harald sei Kolleech.
Vorderpfälzisch: De Ungel vun de Gertrud Schäfer is’m Harald Wewer soin Kolleech oder De
Schäfers Gertrud ihrn Ungel is’m Wewers Harald soin Kolleech.
Nordpfälzisch: Em Schääfer Getrud soi Unggel is däm Weeber Harrald soi Kolleeg.

Relativsatz

Anstelle der Relativpronomina „der, die, das“ (im Sinne von „welcher, welche, welches“) wird im Pfälzischen
„wo“ bzw. wu verwendet.

Beispiel: Kennscht du den, wu do vorne laaft? „Kennst du den, der da vorne läuft?“

Pronomina

Die Personalpronomina weichen vom Hochdeutschen ab. Wichtig ist der Unterschied zwischen betonten und
unbetonten Pronomina (Genitiv entfällt, Westpfälzisch):
Betont:

„ich“: i(s)ch, mir, misch


„du“: du, dir, disch
„er/ sie /es“: der, dem, den / die, derre, die / des, dem, des
„wir“: mir, uns, uns
„ihr“: ihr, eisch, ei(s)ch
„sie“ die, denne, die

Unbetont:

„ich“: i(s)ch, ma, misch


„du“: (d), da, disch
„er/ sie /es“: a, (e)m, (e)n / se, re, se / s, (e)m, s
„wir“: ma, uns, uns
„ihr“: (d)a, eisch, ei(s)ch
„sie“: se, ne, se

Beispiel für unbetonte Pronomina:

wann (de) meensch(t) „wenn du meinst“


wann a meent „wenn er meint“
wann a meenen „wenn ihr meint“
wann se meenen „wenn sie meinen“

Das „sie“ ist dem Pfälzischen in betonter Stellung fremd, sowohl als weibliche 3. Person Singular als auch als
3. Person Plural, und wird in dieser Stellung durch die ersetzt. In unbetonter Stellung lautet „sie“ dagegen se.
Weibliche Personen sind vor allem im Westpfälzischen grundsätzlich neutral, anstelle von „die“ heißt es meist
es.

Es Elfried hat angeruf. „Die Elfriede hat angerufen.“

Artikel und grammatisches Geschlecht

Wie im gesamten süddeutschen Raum üblich, werden Personen stets unter Verwendung des Artikels genannt,
und Nachnamen werden generell vorangestellt. So entspricht dem hochdeutschen Satz „Peter Meier geht zu
Müllers“ pfälzisch De Meier Peder geht zu’s / geht bei Millers.

Das Pfälzische kennt drei Geschlechter (bestimmte Artikel: de, die, es). Der unbestimmte Artikel e [ə] ist im
Westpfälzischen für alle drei Geschlechter gleich, im Vorderpfälzischen existieren die Artikel en (maskulin)
und e/enni (feminin, unbetont/betont). Weibliche Personen sind (mit Ausnahme des Vorderpfälzischen) meist
neutrum und nicht feminin (wie im Moselfränkischen, im Ripuarischen und in Teilen des Hessischen)

Mädchen/Frauen sind:

(im Westpfälzischen) neutrum; ursprünglich immer, wenn der Vorname allein steht; bei kleinen
Mädchen und jungen Frauen; wenn es sich um eine Bekannte handelt; wenn eine Beziehung
als Besitzverhältnis ausgedrückt wird (em Oddo seins).
feminin, wenn die Person indirekt bezeichnet wird und Genus oder Endung es erfordern (die
Müllersch, em Oddo sei Freindin); wenn man das Gefühl hat, die neutrale Form sei nicht
angemessen (die Elfriede); wenn es sich um eine fernstehende und/oder prominente Person,
vor allem aus dem nichtpfälzischen Sprachraum handelt (dann wird auch die fremde
Voranstellung des Vornamens verwendet: die Uschi Glas statt es Glase Uschi)
Vor allem im städtischen Bereich (Kaiserslautern, Pirmasens) kann die Verwendung von die statt es vor
weiblichen Vornamen beobachtet werden.

Die Verwendung von die ohne Vorname hat einen abfälligen Anklang und wird bei westpfälzischen
Schimpfwörtern stets an Stelle von es verwendet. Zunehmend verbreitet sich das wertneutrale Fremdwort sie
im Sprachgebrauch.

es Uschi → die Uschi


es hat gesaat → sie hat gesaat

Wortschatz
Der Wortschatz des Pfälzischen wird im Pfälzischen Wörterbuch beschrieben.

Im Wortschatz finden sich (vor allem bei der älteren Bevölkerung) zahlreiche Lehnwörter aus dem
Französischen wie das Lawor für Waschschüssel (von lavoir), der Bottschamber (von pot de chambre
„Nachttopf“), der Hussjee (von huissier „Gerichtsvollzieher“) oder die Aufforderungspartikel alloo, alla (von
allons „gehen wir; vorwärts, los, wohlan“). Ein Teil der Wörter französischer Herkunft wurde direkt aus den
lothringischen Dialekten entlehnt und zeigt deshalb einen Lautstand, der auf nordostfranzösischer Basis
beruht, zum Beispiel Mermidd, Mermedd „Kochtopf“, das auf lothringisch mermite und nicht auf
standardfranzösisch marmite „Kochgeschirr“ basiert. Sehr viel mehr Wörter wurden jedoch zwischen dem 17.
und 19. Jahrhundert aus der französischen Standardsprache entlehnt, einer Zeit, als die französische Sprache
und Kultur eine starke Stellung im Adel und den gebildeten Schichten Deutschlands hatte. Diese wurden dann
auch von der einfachen Bevölkerung in ihre Mundarten übernommen und halten sich dort als „abgesunkenes“
Wortgut, während die deutsche Standardsprache sie längst wieder aufgegeben hat. Beispiele sind etwa
Blimmoo „Federbett“ (französisch plumeau) oder die eingangs genannten Lawor und Bottschamber. Auffällig
sind auch die vielen französischen Lehnwörter in der Verwaltungssprache wie Määr „Bürgermeister“
(französisch maire) oder der eingangs genannte Hussjee, welche in der vom späten 18. bis ins spätere 19.
Jahrhundert dauernden Zeit gründen, als die Pfalz zum französischen Rechtsgebiet gehörte.[2]

Auch manche Lehnwörter aus dem Westjiddischen sind im Pfälzischen vertreten, aus dessen hebräisch-
aramäischer Komponente beispielsweise Kazuff für Metzger oder Zores für Streit sowie aus der romanischen
Komponente ore „in der Synagoge beten, halblaut vor sich hin lernen, jammern, plaudern“ (westjiddisch ore
„beten“, von lateinisch orare) oder bemmsche „Gedichte herunterleiern“ (westjiddisch bemsche „segnen“, von
lateinisch benedicare). Diese stammen aus der Zeit, als in der Pfalz und ihren Nachbarregionen zahlreiche
Juden lebten; Speyer, Worms und Mainz waren im Mittelalter bedeutende Zentren jüdischer Gelehrsamkeit.[3]

Charakteristisch sind die pfälzischen Redewendungen ah jo, hochdeutsch „ja, klar“ (Bsp: Ah jo, nadierlich
tringge ma noch en Schobbe) und alla hopp, alla guud, hochdeutsch „na dann“ (Bsp.: Alla hopp, enner geht
noch). Vergleichbare Redewendungen wären das Eifeler da jeeh.

Pfälzische Dichtung
Es existiert eine vielfältige pfälzische Lyrik- und Prosadichtung. Diese wurde traditionell vor allem von
volkstümlichen „Heimatdichtern“ getragen, von denen etliche große Popularität genossen. Da das Pfälzische
zahlreiche Elemente, die für eine Schriftsprache unverzichtbar sind, vermissen lässt, sind die Ergebnisse in der
Rückschau manchmal von unfreiwillig humoristischer Qualität, vor allem, wenn zum umständlichen Umgang
mit der Mundart auch noch eine klischeehafte Themenwahl aus dem Bereich „Weck, Worscht un Woi“
kommt.
Beim alljährlichen Bockenheimer Mundartdichterwettstreit und den
drei weiteren bedeutenden Konkurrenzen in Dannstadt, Gonbach und
Wallhalben/Herschberg lässt sich jedoch feststellen, dass die
Reformbemühungen in der pfälzischen Mundartdichtung Früchte
getragen haben. Die moderne Dialektlyrik bringt vermehrt Gedichte
von hohem literarischem Niveau und teilweise avantgardistischer
Formgebung hervor. Zudem gibt es Ansätze zu modernen
Dialektdramen, so bei der Sparte „szenische Darbietung“, die der
Mundartwettbewerb Dannstadter Höhe ab 2001 für einige Jahre ins
Programm aufgenommen hatte.[4] In der ehemaligen Emichsburg
treffen sich die Teilnehmer nach dem
Mundartliteratur ist entstehungsgeschichtlich Volks- und Pfälzischen Mundartdichterwettstreit
Heimatdichtung mit den Hauptgattungen Gedicht, Schwank und Bockenheim.
mündliche Erzählung. Dem Dialekt als reiner gesprochener Sprache
fehlen außerdem die Mittel, um zum Beispiel kompliziertere
Zeitstellungen in befriedigender Weise zu verschriftlichen. Versuche, lange Prosaformen wie Romane im
pfälzischen Dialekt abzufassen, hat es gegeben, wenn auch keine davon nennenswerten Bekanntheitsgrad
erlangt haben. Auch sonstige Langformen sind selten. Es überwiegen Anthologien besinnlichen und/oder
humoristischen Inhalts.

Franz von Kobell (1803–1882), der in München geborene, aus einer Mannheimer Malerfamilie stammende
Altmeister der pfälzischen Mundartdichtung, hat die Problematik, in der Mundart zu schreiben, in einer
Strophe über die „Pälzer Sprooch“ so ausgedrückt:

Wer kann ’n liewe Glockeklang


so schreiwe, wie er klingt.
Un wer kann schreiwe mit de Schrift,
wie schee e Amsel singt?
Des kann mit aller Müh kee Mensch,
denk nor e bißche nooch.
Un wie mit Glock un Vochelsang
is ’s mit de Pälzer Sprooch.

Bekanntestes Werk der pfälzischen Mundartliteratur ist wohl Paul Münchs (1879–1951) „Die Pälzisch
Weltgeschicht“ (1909), formal irgendwo zwischen humoristischem Lyrikband und Versepos anzusiedeln. Die
durchaus selbstironische Darstellung des Pfälzers als Krone der Schöpfung und der Pfalz als Mittelpunkt der
Welt hat stilistisch und inhaltlich bis heute den Löwenanteil aller nachfolgender Mundartdichtung geprägt. Zu
den zeitgenössischen Autoren, die den Dialekt auch als Ausdrucksmöglichkeit für anspruchsvolle literarische
Texte nutzen, zählen der in Mannheim geborene Arno Reinfrank (1934–2001), Michael Bauer, Albert H. Keil
(beide * 1947), Walter Landin (* 1952) sowie Bruno Hain (* 1954). Sie haben u. a. versucht, die Zeit des
Nationalsozialismus auch über pfälzische Texte begreifbar zu machen und zum Beispiel mit der Verlegung von
Stolpersteinen zu verbinden.[5] Die bosener gruppe, benannt nach ihrem Gründungs- und Versammlungsort
Bosen im nordöstlichen Saarland, hat sich zum Ziel gesetzt, die Mundartliteratur aus dem rhein- und
moselfränkischen Sprachraum zu fördern.[6]

Sprachbeispiele
Das Vaterunser

Südpfälzisch (beispielhaft):

Unser Vadder im Himmel / Dei(n) Name sell heilich sei, / Dei Kenichsherrschaft sell kumme, /
Dei(n) Wille sell gschehe / uf de Erd genauso wie im Himmel. / Geb uns heit das Brot, was
mer de Daach brauchen, / un vergeb uns unser Schuld / genauso wie mir denne vergewwe,
wo an uns schuldich worre sin. / Un fiehr uns nit in Versuchung, / rett uns awwer vum Beese.
/ Dir gheert jo die Herrschaft / un die Kraft / un die Herrlichkeit / bis in alli Ewichkeit. / Amen.

Westpfälzisch (beispielhaft):

Unser Babbe im Himmel / Dei Nåme soll heilich sinn, / Dei Reich soll komme, / Was de
willsch, soll basseere / uf de Erd grad wie im Himmel. / Geb uns heit es Brot, was mer de
Daach iwwer brauche, / un vergeb uns unser Schuld / genauso wie mer dene vergewwe, wo
uns Unrecht geduhn hann.* / Un fiehr uns net in Versuchung, / sondern* erlees uns vum
Beese. / Weil der jo es Reich geheert / un die Kraft / un die Herrlichkäät / bis in alli
Ewichkäät. / Amen.

Westpfälzisch (Zweibrücken) sowie, ähnlich klingend, Saarpfälzisch (Homburg und Umgebung):

Unser Vadder owwe im Himmel / Geheilichd soll dei Name sinn / Dei Reich soll komme /
Was de willsch, soll basseere / Im Himmel genau wie uff de Erd / Gebb uns heid ess Brod,
wo mer de Daa iwwer brauche / Unn ve(r)gebb uns unser Schuld, / Wie a mer unsre
Schuldicher ve(r)gebbe. / Unn fehr uns nedd in Vesuchung / sonnern* erlees uns vum Beese
/ Weil deer jo es Reich geherd / unn die Krafd / unn die Herrlichkääd / biss in all Ewichkääd /
Ame

Vorderpfälzisch (beispielhaft):

Unsa Vadda im Himmel / Doi(n) Nåme soll hailisch soi, / Doi Raisch soll kumme, / Des wu du
willschd, soll bassiere / wie im Himmel, so aa uff de Erd / Unsa däglisch Brood geb uns haid,
un vagebb uns unsa Schuld / eweso wie ma denne vagewwe, wu on uns schuldisch worre
sin. / Un duh uns ned in Vasuchung fihre, / sondan ealees uns vum Beese. / Wail dia
s’Reisch g(e)heead / un die Grafd / un die Healischkaid / in Ewischkaid. / Aamen.

Anzumerken ist, dass „Name“ kein genuin pfälzisches Wort ist und sich die Endsilbe daher ausnahmsweise
nicht abschleift. „Geschehen“ hat im Vorder- und Westpfälzischen keine direkte Realisierung, darum die
Übersetzung mit „passieren“. Gleiches gilt im Westpfälzischen für das Wort „Schuldiger“, weshalb es durch
die oben genannte Wendung ersetzt wurde. „Sondern“ ist in der pfälzischen Umgangssprache sehr unüblich,
meist wird der Ausdruck mit „aber“ (awwer) übersetzt.

Siehe auch
Mannheimer Dialekt

Literatur
Pfälzisches Wörterbuch. Begründet von Ernst Christmann, fortgeführt von Julius Krämer und
Rudolf Post. 6 Bände und 1 Beiheft. Franz Steiner, Wiesbaden/Stuttgart 1965–1998, ISBN 3-
515-02928-1 (Standardwerk; angesichts des Preises von über 1000 € wird das Werk
hauptsächlich in den Lesesälen größerer pfälzischer Bibliotheken und deutscher
Universitätsbibliotheken eingesehen; woerterbuchnetz.de (http://woerterbuchnetz.de/PfWB/)).
Rudolf Post: Pfälzisch. Einführung in eine Sprachlandschaft. 2., aktualisierte und erweiterte
Auflage. Pfälzische Verlagsanstalt, Landau/Pfalz 1992, ISBN 3-87629-183-6.
Rudolf Post: Kleines Pfälzisches Wörterbuch. Edition Tintenfaß, Neckarsteinach 2000, ISBN 3-
937467-05-X.
W. A. I. Green: The Dialects of the Palatinate (Das Pfälzische). In: Charles V. J. Russ: The
Dialects of Modern German. A Linguistic Survey. Routledge, London 1990, ISBN 0-415-00308-
3, S. 341–264.
Michael Konrad: Saach blooß. Geheimnisse des Pfälzischen. Rheinpfalz Verlag,
Ludwigshafen 2006, ISBN 3-937752-02-1.
Michael Konrad: Saach blooß 2. Noch mehr Geheimnisse des Pfälzischen. Rheinpfalz Verlag,
Ludwigshafen 2007, ISBN 978-3-937752-03-7.
Michael Konrad: Saach blooß 3. Neue Geheimnisse des Pfälzischen. Rheinpfalz Verlag,
Ludwigshafen 2009, ISBN 978-3-937752-09-9.
Michael Konrad: Saach blooß 4. Neueste Geheimnisse des Pfälzischen. Rheinpfalz Verlag,
Ludwigshafen 2012, ISBN 978-3-937752-20-4.
Michael Landgraf: Pälzisch (Pfälzisch). Einführung und Grundkurs für Einheimische und
Fremde. Agiro, Neustadt 2014, ISBN 978-3-939233-30-5.
Georg Drenda: Wortatlas für Rheinhessen, Pfalz und Saarpfalz. Röhrig Universitätsverlag, St.
Ingbert 2014, ISBN 978-3-86110-546-6.

Weblinks
Commons: Pfälzisch (https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Palatinate_German?uselang=
de) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikipedia auf Pfälzisch
Wiktionary: Pfälzisch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Pfälzisches Wörterbuch (http://urts55.uni-trier.de:8080/Projekte/WBB2009/PfWB/wbgui_py?lem
id=)

Einzelnachweise
1. Rudolf Post: Pfälzisch. Einführung in eine Sprachlandschaft. 2., aktualisierte und erweiterte
Auflage. Pfälzische Verlagsanstalt, Landau/Pfalz 1992, ISBN 3-87629-183-6, S. 20 fasst das
Vorderpfälzische und das Kurzpfälzische unter Ostpfälzisch zusammen.
2. Rudolf Post: Pfälzisch. Einführung in eine Sprachlandschaft. 2., aktualisierte und erweiterte
Auflage. Pfälzische Verlagsanstalt, Landau/Pfalz 1992, S. 180–193.
3. Rudolf Post: Pfälzisch. Einführung in eine Sprachlandschaft. 2., aktualisierte und erweiterte
Auflage. Pfälzische Verlagsanstalt, Landau/Pfalz 1992, S. 193–218.
4. Zur Geschichte des Mundartwettbewerbs „Dannstadter Höhe“. (http://www.mundart-dannstadter
-hoehe.de/wettbewerb.php#geschi) mundart-dannstadter-hoehe.de, abgerufen am 17. April
2017.
5. Kultur gegen rechte Gewalt. (https://www.verlag-pfalzmundart.de/go-rechts.htm) verlag-
pfalzmundart.de, abgerufen am 17. April 2017.
6. Bosener Manifest. (http://bosenergruppe.saar.de/manifest.php) bosenergruppe.saar.de,
abgerufen am 17. April 2017.

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