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Vandalische Sprache

Vandalisch ist eine ostgermanische


Sprache, die am Ende der Antike
Vandalisch, Wandalisch
erlosch. Die Sprache wurde von den Nordafrika (Karthago), Spanien
Stämmen der Vandalen gesprochen und Gesprochen in
war mit der ebenfalls ausgestorbenen
Gotischen Sprache nach heutigem
Kenntnisstand nah verwandt. Sprecher (ausgestorben)
Linguistische
Klassifikation Indogermanische Sprache

Inhaltsverzeichnis Germanische Sprache

Zeitliche und geografische Ostgermanische


Einordnung Sprache
Sprachzeugnisse Vandalisch
Forschungsgeschichte
Literatur Offizieller Status
Einzelnachweise Amtssprache in (ausgestorben)
Sprachcodes
Zeitliche und ISO 639-1

geografische Einordnung
Erstmals belegt ist die Gens der ISO 639-2
gem (sonstige Germanische
Vandalen 77 n. Chr. bei Plinius dem
Sprachen)
Älteren als Vandali oder Vindili im
Gebiet des heutigen Südpolens. Mit der
Zerschlagung des nordafrikanischen ISO 639-3
Vandalenreiches mit der Hauptstadt xvn
Karthago durch den oströmischen Kaiser
Justinian I. im Jahr 533 starb die
vandalische Sprache aus.

Die Forschung bezieht sich aufgrund der Quellenlage vor allem auf das letzte Jahrhundert der fast 500-
jährigen Geschichte der Stämme, nachdem sie ihre Heimat im Weichselgebiet und dem heutigen Schlesien
längst verlassen hatten und auf der Iberischen Halbinsel und in Nordafrika lebten.

Sprachzeugnisse
Es gibt nur wenige Sprachzeugnisse für die vandalische Sprache. Alle Zeugnisse sind Fremdzeugnisse, keines
der Zeugnisse beweist, dass die Sprache von den Vandalen selbst geschrieben wurde.[1]
Das lateinische Epigramm De conviviis barbaris (wörtlich Über fremdländische Gelage), vermittelt über den
Codex Salmasianus und die Anthologia Latina, enthält ein germanisches Fragment, das die meisten Autoren
für vandalisch halten, obschon das Fragment im Text als gotisch bezeichnet wird:[2][1]

„Inter eils Goticum scapia matzia ia drincan!


non audet quisquam dignos educere versus.“

„Zwischen den gotischen Heil[-Rufen und ihrem Geschrei] «Lasst uns Essen und Trinken
herbeischaffen!»
wagt es niemand mehr, würdevolle Verse hervorzubringen.“
– Anthologia Latina, Epigramm 285

Die Taxierung des Fragments als gotisch ist nicht weiter erstaunlich, zumal zum Beispiel auch der Historiker
Prokop im 6. Jahrhundert sowohl Goten als auch Vandalen, Visigoten und Gepiden als gotische Völker und
ihre Sprache allgemein als Gotisch bezeichnet.[2][3]

Ein zweites Zeugnis findet sich in der Collatio Beati Augustini cum Pascentio ariano, einem von einem
unbekannten Autor zwischen 430 und 450 n. Chr. verfassten und gegen die Arianer gerichteten Traktat,
nämlich die Übersetzung des liturgischen Rufes Herr, erbarme dich: frôja armês. Im Gotischen heißt dieselbe
Formel frauja armais.[4][1]

Zu diesen beiden satzartigen Sprachzeugnissen gesellen sich vandalische Personennamen aus spanischen
Quellen oder aus den Tablettes Albertini, mit Tinte beschriebenen Holztafeln, die 1928 an der Grenze
zwischen Tunesien und Algerien gefunden wurden.[1]

Forschungsgeschichte
Aufgrund der Quellenlage bestehen nur geringe Forschungsmöglichkeiten in der vandalischen Sprache.

Immerhin verfasste der deutsche Linguist Ferdinand Wrede mit seiner Dissertation Über die Sprache der
Wandalen schon 1886 ein umfassendes Werk über die vandalische Sprache.[5]

2002 wurde in der Vandalenforschung der Versuch unternommen, eine vollständige Phonetik der Sprache zu
rekonstruieren. Diese Rekonstruktion geschah vor allem auf der Basis der vandalischen Personennamen.[6][1]

Literatur
Ferdinand Wrede: Über die Sprache der Wandalen. Ein Beitrag zur germanischen Namen- und
Dialektforschung. Dissertation, Straßburg-London, 1886.
Nicoletta Francovich-Onesti: I Vandali. Lingua e storia. Rom, 2002.

Einzelnachweise
1. Tracing the language of the Vandals (http://www.academia.edu/691311/Tracing_the_Language
_of_the_Vandals) von Nicoletta Francovich Onesti, aufgerufen am 23. Dezember 2013.
2. Albrecht Greule und Matthias Springer: Namen des Frühmittelalters als sprachliche Zeugnisse
und als Geschichtsquellen. 2009.
3. Procopius of Caesarea, The Vandalic War I,2-8 (http://www.gutenberg.org/files/16765/16765-h/
16765-h.htm)
4. Adolf Hotzmann: Vierteljahrsschrift für deutsche Altertumskunde, Band 2, S 447. 1857.
5. Ferdinand Wrede: Über die Sprache der Wandalen (Erster Teil). Inaugural-Dissertation.
Straßburg & London, 1886. Über die Sprache der Wandalen. Ein Beitrag zur germanischen
Namen- und Dialektforschung (Quellen und Forschungen zur Sprach- und Culturgeschichte
der germanischen Völker. LIX.). Straßburg & London, 1886.
6. Nicoletta Francovich Onesti: I Vandali. Lingua e storia, Rom, Carocci, 2002. ISBN 88-430-
2237-7

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Diese Seite wurde zuletzt am 13. Januar 2021 um 01:58 Uhr bearbeitet.

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