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Altniederländische Sprache

Als altniederländische Sprache, die auch als altniederfränkische Sprache bekannt ist, bezeichnet man die
älteste bekannte Sprachstufe des Niederländischen. Sie wurde etwa von 600 bis 1150 gesprochen und ist nur
bruchstückhaft überliefert worden. Gleich ihrer Nachfolgerin, der mittelniederländischen Sprache, war sie
keine Standardsprache im eigentlichen Sinn.

Inhaltsverzeichnis
Altniederländisch und Altniederfränkisch
Sprachgebiet
Abgrenzungen
Abgrenzung gegenüber dem Mittelniederländischen
Unterschiede gegenüber dem Altfriesischen
Unterschiede gegenüber dem Althochdeutschen
Unterschiede gegenüber dem Altsächsischen
Überlieferung
Die großen Texte
Die Wachtendonckschen Psalmen
Der Willeram
Die Rheinische Reimbibel
Einige kleinere Texte und Textfragmente
Der älteste Satz
Hebban olla vogala …
Lobesvers aus Munsterbilzen
Weitere Quellen
Erforschung des Altniederländischen
Schreibung
Kennzeichen
Lautentwicklung
Monophthongierung
h im Anlaut verschwindet
Vokalreduktion
Auslautverhärtung
hs wird zu s
h zwischen Vokalen verschwindet
Lenisierung von f und s
Siehe auch
Literatur
Weblinks
Quellen und Anmerkungen

Altniederländisch und Altniederfränkisch


Die beiden Begriffe Altniederländisch und Altniederfränkisch werden häufig gleichgesetzt, weil aus dem
Altniederfränkischen die Dialekte Brabantisch und Holländisch entstanden sind, die später die Grundlage für
die moderne niederländische Standardsprache bildeten.[1]

Gegen eine Gleichsetzung der Begriffe Altniederländisch und Altniederfränkisch sprechen die
nordseegermanischen (oder nordseegermanisch beeinflussten) Dialekte im Westen des Sprachgebietes
(Westflämisch, Holländisch), besonders in der altniederländischen Zeit.[2]

Sprachgebiet
Das Gebiet, in dem das Altniederländische gesprochen wurde, ist nicht identisch mit dem heutigen
niederländischen Sprachgebiet: Im Raum Groningen und in Friesland sowie an der holländischen Küste
sprach man Friesisch oder wenigstens nordseegermanische („ingwäonische“) Dialekte. Im Osten der heutigen
Niederlande (Achterhoek, Overijssel, Drenthe) wurden altsächsische Dialekte gesprochen. Im Süden und
Südosten war das damalige altniederländische Sprachgebiet etwas größer als heute das neuniederländische:
Französisch-Flandern und ein Teil der Gegend zwischen der Provinz Limburg und dem Rhein gehörten
damals noch zum niederländischen Sprachgebiet.[1]

Abgrenzungen

Abgrenzung gegenüber dem Mittelniederländischen

Obwohl es manchmal große Unterschiede gibt, gehen Altniederländisch und Mittelniederländisch fließend
ineinander über. Die Grenze zwischen den beiden Sprachstufen ist kaum zu ziehen. Im Allgemeinen nimmt
man 1150 oder 1200.

Der auffälligste Unterschied ist die Vokalreduktion: Im Altniederländischen gibt es volle Vokale in unbetonten
Silben, im Mittelniederländischen werden die zu einem „Schwa“ [ə] reduziert.

Beispiele:

anl. vogala ‚Vogel‘ → mnl. vogele


anl. dago, daga ‚Tag‘ → mnl. daghe
anl. brecan ‚brechen‘ → mnl. breken
anl. gescrivona ‚geschrieben‘ → mnl. gheschreven

Die Beispiele stammen aus dem Kapitel von A. Quak, in: Van den Toorn e.a. (1997) (siehe Literaturangaben).

Unterschiede gegenüber dem Altfriesischen


Ein charakteristischer Unterschied zum Friesischen der damaligen Zeit war das germanische au. Im
Altniederländischen war das germanische au zu ō (also zu einem langen o) geworden, während es im
Altfriesischen zu ā (zu einem langen a) geworden war. Beispiel: Der neuniederländische Ortsname Akersloot
heißt in alten friesischen Urkunden Ekerslat.[1]

Unterschiede gegenüber dem Althochdeutschen

Der deutlichste Unterschied zwischen dem Altniederländischen und dem Althochdeutschen bestand darin,
dass im Althochdeutschen die zweite Lautverschiebung stattgefunden hatte, im Altniederländischen hingegen
nicht.

Unterschiede gegenüber dem Altsächsischen

Es gibt, trotz aller Ähnlichkeiten, einige Unterschiede zwischen dem Altniederländischen und dem
Altsächsischen. Beispiele:

Der germanische Laut hl (chl) am Anfang des Wortes ist im Altsächsischen erhalten geblieben,
aber im Altniederländischen zu l vereinfacht.
Das Altsächsische hat beim Verb eine Einheitsform für 1., 2. und 3. Person Plural, während das
Altniederländische dort drei unterschiedliche Formen hat (-on, -et/it und -unt).
Beispiel: anl. blīvon ‚wir bleiben‘ - blīvet ‚ihr bleibt‘ - blīvunt ‚sie bleiben‘ gegenüber asächs.
bilīvad ‚wir/sie bleiben, ihr bleibt‘.
Das Altniederländische hat das germanische ō (das lange o) diphthongiert, das Altsächsische
nicht. So steht anl. suocan ‚suchen‘ gegenüber asächs. sōkian.
Das Altsächsische hat beim Substantiv Mehrzahlendungen auf -as und -os, während das
Altniederländische häufig -a hat.
Das Altniederländische hat schon früh eine Auslautverhärtung gehabt, also den Lautwandel
von stimmhaften zu stimmlosen Konsonanten am Ende des Wortes.

Beispiel: anl. fluot ‚Flut‘ gegenüber asächs. flōd.[1]

Überlieferung
Vom Altniederländischen sind nur einige Texte und Fragmente erhalten. Diese Texte und Fragmente sind im
Corpus van Middelnederlandse teksten (tot en met het jaar 1200) von Maurits Gysseling herausgegeben. Die
schriftliche Überlieferung ist also wesentlich geringer als die von verwandten Sprachen, wie z. B. Altenglisch
oder Althochdeutsch.

Bei den altniederländischen Textfragmenten ist nicht immer eindeutig feststellbar, ob es sich um
Altniederländisch, Altsächsisch oder Altfriesisch handelt. Dies liegt an der dürftigen Überlieferung und an der
Tatsache, dass die germanischen Sprachen (oder Dialekte) sich damals stärker ähnelten. Es gab ein
Dialektkontinuum, d. h. fließende Übergänge zwischen verwandten Sprachen oder Dialekten.

Die großen Texte

Die Wachtendonckschen Psalmen


→ Hauptartikel: Wachtendoncksche Psalmen
Die Wachtendonckschen Psalmen sind eine Psalmensammlung auf Altniederländisch. Sie sind benannt nach
dem Besitzer Arnold Wachtendonck, einem Gelehrten aus Lüttich, der 1598 dem humanistischen Gelehrten
Justus Lipsius eine Handschrift mit diesen Texten lieh. Lipsius untersuchte die Handschrift und schrieb einige
Psalmen ab. Die Handschrift selber ist verschollen. Der ursprüngliche Text ist aus dem 9. oder 10.
Jahrhundert.

Die Sprache des Textes ist altniederländisch, aber die Psalmen 1 bis 3 haben einen deutlichen
mittelfränkischen Einschlag.[1] Allgemein wird die Auffassung vertreten, dass der überlieferte Text die
altniederfränkische Bearbeitung einer mittelfränkischen Vorlage ist.[3]

Ungeklärt ist die Frage, wo der ursprüngliche Text entstanden ist. Willy Sanders nimmt auf Grund von
sprachlichen Eigenschaften ein Gebiet am Niederrhein an.[2] H.K.J. Cowan nimmt hingegen einen Ort in der
niederländischen oder belgischen Provinz Limburg an.[3]

Der Willeram
→ Hauptartikel: Leidener Willeram

Der Leidener Willeram (auch Egmonder Williram genannt) ist der längste Text, der klar altniederländische
Kennzeichen hat. Die Handschrift, die diesen Text enthält, befindet sich in der Universitätsbibliothek Leiden.
Die Sprache des Textes ist eine Mischung aus Althochdeutsch und Altniederländisch. Der Text ist eine
sprachlich oberflächliche Übersetzung eines Kommentares zum Hohelied aus der Bibel. Die Vorlage für
diesen Text stammt von dem Mönch Williram von Ebersberg. Der altniederländische Text ist aus dem 11.
Jahrhundert.

Die Rheinische Reimbibel

Die Rheinische Reimbibel (auch genannt: Mittelfränkische Reimbibel) ist eine Bibel in Reimform, die
wahrscheinlich im 12. Jahrhundert im Raum Werden entstanden ist. Sie ist in verschiedenen Fragmenten
erhalten.

Einige kleinere Texte und Textfragmente

Der älteste Satz

Der älteste altfränkische Satz stammt aus der Lex Salica, aus dem 6. Jahrhundert.

Maltho thi afrio lito


Ich sage dir: ich mache dich frei, Halbfreier

Diese Formel wurde ausgesprochen beim Frei-Erklären eines Halbfreien. Die Lex Salica enthält viele einzelne
Wörter (die so genannten malbergischen Glossen), die als Altniederländisch betrachtet werden.

Hebban olla vogala …

Der berühmteste altniederländische Satz lautet:

Hebban olla vogala nestas hagunnan hinase hic


enda thu uuat unbidan uue nu

Alle Vögel haben Nester angefangen außer mir


und dir, worauf warten wir nun

Die übliche Erklärung geht dahin, dass es sich um einen Schreibversuch handelt, also ein Ausprobieren einer
Schreibfeder (auf Latein probatio pennae). Der Text stammt nach dieser Erklärung von einem flämischen
Mönch in einem englischen Kloster.

Dieser Satz befindet sich zwischen anderen Textfragmenten auf der Rückseite einer altenglischen
Predigtenhandschrift. Bei diesen Fragmenten befindet sich auch eine lateinische Version dieses
altniederländischen Satzes:

Abent omnes volucres nidos inceptos nisi ego et tu


quid expectamus nunc

Siehe Hauptartikel: Hebban olla vogala.

Lobesvers aus Munsterbilzen

Aus der Zeit um 1130 stammt der Satz aus einem Frauenkloster in Munsterbilzen in Belgisch-Limburg.

Tesi samanunga vvas edele unde scona et omnium virtutum pleniter plena

Der erste Teil dieses Satzes ist altniederländisch, der zweite Teil ist lateinisch.

Weitere Quellen
Taufgelöbnisse
Beschwörungsformeln
Glossen (z. B. die Glossen zur Lex Salica)
Ortsnamen
Personennamen

Erforschung des Altniederländischen


2007 hat das Instituut voor Nederlandse Lexicologie (INL) das Oudnederlands Woordenboek
("Altniederländisches Wörterbuch") veröffentlicht. Es hat 4500 Wörterbuchartikel und ist über das Internet
benutzbar.[4] Es deckt den Zeitraum bis 1200 ab. Spätere Texte sind im Vroegmiddelnederlands Woordenboek
("Frühmittelniederländisches Wörterbuch") aufgenommen.

Viele der altniederländischen Texte und Textfragmente sind im Corpus van Middelnederlandse teksten (tot en
met het jaar 1300), dem so genannten Corpus Gysseling veröffentlicht.

Schreibung
Das Altniederländische wurde mit dem lateinischen Alphabet geschrieben. Da die Missionare in den
damaligen Niederlanden aus dem altenglischen und aus dem althochdeutschen Sprachraum kamen, kann man
bei altniederländischen Texten auch altenglische und althochdeutsche Elemente annehmen.

th wird verwendet, um den germanischen þ-Laut wiederzugeben. Beispiel: thāhton ‚sie dachten‘. Siehe auch
Stimmloser dentaler Frikativ und Þ.
dh wird verwendet, um den stimmhaften ð-Laut wiederzugeben. Siehe auch Stimmhafter dentaler Frikativ und
Ð.

c wird für den k-Laut verwendet, und zwar am Anfang eines Wortes vor velaren („dunklen“) Vokalen.
Beispiel: cuning ‚König‘ (nl. koning). Vor palatalen („hellen“) Vokalen steht k. Beispiel: kēron ‚kehren,
wenden‘. In lateinischer und althochdeutscher Tradition wurde c vor palatalen Vokalen als [ts] ausgesprochen.
In anderen Positionen als am Anfang eines Wortes konnten die Schreibweisen mit c und k wechseln: ic und ik
‚ich‘.

u steht für den Vokal u und für den Konsonanten v. Beispiel: uusso ‚Füchse‘ (Gen. Pl.). In diesem Beispiel
steht das geschriebenen u erst für den Konsonanten v, dann für den Vokal u. Der w-Laut wird meistens uu
wiedergegeben. Zwischen den heutigen Graphemen u und v wurde also noch nicht unterschieden, und ein w-
Graphem gab es also noch nicht. Siehe auch V und W.

g wurde wahrscheinlich spirantisch ausgesprochen, also etwa wie im heutigen Niederländisch. Das folgert
man aus dem Wechsel von uueh ‚Weg‘ (Akk.) und uuege (Dat.). Siehe auch Stimmhafter velarer Frikativ.

h steht für einen h-Laut (in etwa [h]) und für einen ch-Laut (in etwa [χ] oder [x]). Beispiele: holto ‚Holz‘,
(Gen. Pl.), naht ‚Nacht‘.

i wird für den Vokal i und für den Konsonanten j verwendet. Beispiele: uuitton ‚wissen‘, iār ‚Jahr‘. Es wurde
also noch nicht zwischen den heutigen Graphemen i und j unterschieden. Siehe auch J.

qu steht immer für kw. Beispiel: quāmon ‚sie kamen‘ (nl. zij kwamen).

z kommt nur selten vor und hat dann die Aussprache [ts]. Beispiel: quezzodos ‚du verletztest‘ (nl. jij kwetste).

Die Länge von Vokalen wird in der Regel nicht in der Schrift wiedergegeben. Beispiel: dag ‚Tag‘ (mit kurzem
a), thahton ‚sie dachten‘ (mit langem a). Aus Gründen der Deutlichkeit sind hier die langen Vokale mit einem
horizontalen Strich markiert: ā. In einzelnen Texten werden die langen Vokale doppelt geschrieben. Beispiele:
Heembeke (der heutige Ortsname Hembeke), der Vorname Oodhelmus (beide aus Urkunden, aus den Jahren
941 bzw. 797).

Kennzeichen
Ein wichtiges Kennzeichen des Altniederländischen ist das Vorkommen von vollen Vokalen in unbetonten
Silben.

Die folgenden Beispiele zeigen erst das altniederländische Wort, dahinter die deutsche und die
neuniederländische (nl.) Entsprechung:

vogala ‚Vogel‘ (nl. vogel), hebban ‚haben‘ (nl. hebben), geuon ‚geben‘ (nl. geven – in alten Texten wurde
nicht zwischen u und v unterschieden), herro ‚Herr‘ (nl. heer), gesterkon ‚verstärken‘ (nl. versterken),
geuuisso ‚gewiss‘ (nl. gewis), fardiligon ‚vertilgen‘ (nl. verdelgen).

Ein weiteres wichtiges Kennzeichen ist das häufige Vorkommen von grammatischen Fällen (Kasus). Auch das
Mittelniederländische hat grammatische Fälle, aber die altniederländischen Formen sind deutlicher zu
unterscheiden. Als Beispiel gilt das altniederländische Substantiv dag:

Einzahl:

dag (Nom.)
dages (Gen.)
dage (Dat.)
dag (Akk.)

Mehrzahl:

daga (Nom.)
dago (Gen.)
dagon (Dat.)
daga (Akk.)

Lautentwicklung

Monophthongierung

Die alten germanischen Diphthonge ai und au wurden im Altniederländischen zu den langen Monophthongen
ē und ō. Beispiele: hēm ‚Heim‘, slōt ‚Graben‘ (nl. sloot ‚Wasserlauf gegraben‘).

Die gleiche Entwicklung gab es auch im Altsächsischen. Eine ähnliche Entwicklung fand in den
nordseegermanischen Sprachen Altfriesisch und Altenglisch statt. Im Altfriesischen wurde ai zu ē (selten zu
ā), aber au wurde zu ā; Beispiele: hēm (oder hām), slāt. Im Altenglischen wurde ai zu ā und au zu einem ēa-
Diphthong; Beispiele: hām, slēat.

h im Anlaut verschwindet

Im Altniederländischen verschwindet der h-Laut am Anfang des Wortes im Laufe des 9. Jahrhunderts. So steht
anl. ringis ‚Ring‘ (Gen.) gegenüber asächs. und aengl. hring.

Vokalreduktion

In den Wachtendonckschen Psalmen fallen in den unbetonten Silben die Vokale e und i zusammen, ebenso o
und u. Das führt zu Varianten wie dagi und dage ‚Tag‘ (Dativ Singular) und zu Varianten wie tungon und
tungun ‚Zunge; Sprache‘ (Genitiv, Dativ, Akkusativ Singular und Nominativ, Dativ, Akkusativ Plural). Ab
dem 11. Jahrhundert sind die unbetonten Vokale wahrscheinlich nur noch ein Schwa [ə]. Dieser Laut wird
nicht nur e, sondern auch a geschrieben (im Egmonder Williram).

Auslautverhärtung

Das Altniederländische hat bereits die Auslautverhärtung. Das bedeutet, dass stimmhafte Konsonanten am
Ende eines Wortes stimmlos werden.

Beispiele:

uuort ‚Wort‘ (Nom.) gegenüber uuordes (Gen.)


gif ‚gib!‘ (Imperativ) gegenüber geuon (Infinitiv)
uueh ‚Weg‘ (Akk.) gegenüber uuege (Dat.)

Hinweise:

Das uu im ersten Beispiel entspricht dem heutigen w.


Das u im zweiten Beispiel (geuon) entspricht dem heutigen niederländischen v (z. B. in geven).
Das eh im letzten Beispiel ist kein langes e und das h ist auch kein Dehnungs-H. Das Wort
uueh wurde in etwa [wɛç] oder [vɛχ] ausgesprochen.

hs wird zu s

Die Lautkombination hs, also ch+s, wurde im Altniederländischen zu einem (stimmlosen) s. Beispiel: anl.
uusso ‚Füchse‘ (Gen. Pl.) gegenüber urgerm. *fuχsō̃ⁿ.

Die Schreibweise fuχs- für das urgermanische Wort bezeichnet kein langes u, sondern ein kurzes u gefolgt von
einem ch [χ] wie in Bach. Dieser ch-Laut wird manchmal statt h auch χ geschrieben.

Im Deutschen und im Englischen ist die Lautkombination hs zu [ks] geworden (dt. Fuchs, engl. fox).

h zwischen Vokalen verschwindet

Im Altniederländischen verschwindet der Laut h, wenn er zwischen Vokalen steht.

Beispiele:

anl. thion ‚gedeihen‘ gegenüber ahd. dîhan


anl. (ge)sian ‚sehen‘ gegenüber ahd. sehan

Im Neuhochdeutschen wird das h zwischen Vokalen zwar geschrieben, aber nicht ausgesprochen. Im
Althochdeutschen wurde dieses h tatsächlich gesprochen.

Lenisierung von f und s

Im Laufe der altniederländischen Sprachperiode wurden die stimmlosen Spiranten [f] und [s] stimmhaft, also
zu [v] und [z], wenn sie am Anfang des Wortes standen. In den Wachtendonckschen Psalmen ist diese
Entwicklung nur selten zu sehen. Bei den Ortsnamen im 10. und 11. Jahrhundert gibt es jedoch wechselnde
Schreibweisen, was darauf hindeutet, dass sich die Aussprache in der Zeit änderte.

Siehe auch
Mittelniederländisch
Neuniederländisch
Niederländische Sprache

Literatur
A. Quak und J. M. van der Horst, Inleiding Oudnederlands. Leuven: Universitaire Pers Leuven,
2002. (Ausführliche Literaturangaben: siehe dort)
Maurits Gysseling m.m.v. Willy Pijnenburg, Corpus van Middelnederlandse teksten (tot en met
het jaar 1300) reeks II (literaire handschriften), deel 1: Fragmenten. 's-Gravenhage: Martinus
Nijhoff, 1980.
M. Gysseling, "Prae-Nederlands, Oudnederlands, Vroegmiddelnederlands", in: Vierde
Colloquium van hoogleraren en lectoren in de neerlandistiek aan buitenlandse universiteiten.
Gent, 1970, S. 78–89.
M. C. van den Toorn, W. J. J. Pijnenburg, J. A. van Leuvensteijn, e.a., Geschiedenis van de
Nederlandse taal. Amsterdam: Amsterdam University Press, 1997. (Besonders S. 37–42 und
S. 69–74 für die Abgrenzung Anl. und Mnl.)

K.-P. Lange, "Zur Frühgeschichte des Niederländischen", in: 'Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache
und Literatur' 2003, S. 431–459.

Weblinks
Altniederländisches Wörterbuch (auf Niederländisch) (http://gtb.inl.nl/?owner=ONW)

Quellen und Anmerkungen


1. A. Quak, J.M. van der Horst, Inleiding Oudnederlands, Leuven 2002, ISBN 90-5867-207-7
2. Herman Vekeman und Andreas Ecke, "Geschichte der niederländischen Sprache" (= Langs
Germanistische Lehrbuchsammlung, Band 83), Peter Lang, Bern 1993, ISBN 3-906750-37-X
3. Arend Quak, "Die altmittel- und altniederfränkischen Psalmen und Glossen" (= Amsterdamer
Publikationen zur Sprache und Literatur, Band 47), Rodopi, Amsterdam 1981
4. http://gtb.inl.nl/openlaszlo/my-apps/GTB/Productie/HuidigeVersie/src/inlgtb.html?owner=ONW

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