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Einführung Enzymatik Datum:



Misst man Reaktionsgeschwindigkeiten im Labor, dann wird schnell deutlich, dass sie vor dem
Hintergrund des sich rasch verändernden Bedarfs in einer Zelle extrem niedrig sind. Tatsächlich wären
die in der Zelle ablaufenden Stoffwechselreaktionen so langsam, dass sie nichts zum Überleben der
Zelle beitragen könnten, würde die Zelle nicht über Möglichkeiten verfügen, die Reaktionen zu
beschleunigen. Dies ist die Rolle der Katalysatoren; das sind Substanzen, die eine Reaktion
beschleunigen, und dabei aus dieser unverändert hervorgehen. Ein Katalysator kann jedoch keine
Reaktion beschleunigen, die nicht auch von alleine ablaufen würde. Er erhöht lediglich die
Geschwindigkeit von Hin- und Rückreaktion. Die meisten biologischen Katalysatoren (Biokatalysatoren)
sind Proteine; sie werden als Enzyme bezeichnet. Ein Biokatalysator bildet einen winzigen
Reaktionsraum, in dem eine bestimmte chemische Reaktion unter besonders günstigen Bedingungen
stattfinden kann. Das Enzym bindet die als Substrate bezeichneten Stoffe, die reagieren sollen
(=Reaktanden) in einer geeigneten räumlichen Anordnung und ist gelegentlich auch selbst an der
Reaktion beteiligt. Eine solche Teilnahme verändert das Enzym jedoch nicht dauerhaft. Das ist das
Kennzeichen aller Katalysatoren: Sie gehen unverändert aus einer Reaktion hervor.

Zwei Beispiele sollen Ihnen die Problematik verdeutlichen: Nehmen Sie einmal Saccharose
(Das ist der Haushaltszucker, den Sie sich in den Kaffee rühren) und lösen ihn in einem leeren
Marmeladenglas in Wasser auf. Deckel darauf geschraubt und gewartet. Selbst nach fünf Jahren, also
zwei Jahre nach Ihrem Abitur hat sich so gut wie keine Saccarose in ihre Bestandteile Glucose und
Fructose gespalten. So langsam läuft diese Reaktion ab, wenn überhaupt. In Ihrem Körper läuft diese
Reaktion bei der Verdauung in Millisekunden ab. Zweites Beispiel Feuerwerkskörper: legen Sie sich
einen unter das Bett. Es passiert nichts! Es sei denn, es wird Energie aufgewendet, um die Reaktion in
Gang zu setzen. Das Feuerwerk kann erst beginnen zu explodieren, wenn Sie es zünden; das ist die
Aktivierungsenergie. Dieser Zündfunke regt die Moleküle im Feuerwerkskörper an, sodass sie mit dem
Luftsauerstoff reagieren. Ist der Übergangszustand einmal erreicht, erfolgt die Explosion. Durch die
Zufuhr von Energie (Aktivierungsenergie) lassen sich Reaktionen starten. Man kann also auch
Saccarose trenn durch die Zufuhr von Energie.
Abb.1
Die Aktivierungsenergie bringt
Reaktionen in Gang. a Bei jeder
chemischen Reaktion muss ein
stabiler Ausgangszustand
überwunden werden, bevor eine
Änderung möglich ist. b Ein Ball
auf einem Hügel verhält sich
physikalisch analog zu dem in (a)
dargestellten biochemischen
Prinzip. Damit der Ball zu rollen
beginnen kann, wird eine geringe
Energiemenge benötigt, die
Aktivierungsenergie, um ihn aus
der Mulde herauszuholen



In lebenden Systemen ist es jedoch keine Option, einfach mehr Wärmeenergie zuzuführen, um die
durchschnittliche Reaktionsgeschwindigkeit der Moleküle zu erhöhen.
Eine derartige Maßnahme würde die Denaturierung von Proteinen herbeiführen. Um eine bestimmte
Reaktion zu beschleunigen, wird in biologischen Systemen gezielt deren Energieschwelle erniedrigt,
indem die betreffenden Reaktanden in räumliche Nähe zueinander gebracht werden. Diese

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Aufgabe wird von besonderen Proteinen, den Enzymen übernommen. Die Abbildung 2 zeigt Ihnen die
Wirkungsweise von Enzymen:


Abb. 2 Wirkungsweise von Enzymen

Die Geschwindigkeit von chemischen Reaktionen kann man durch Katalysatoren erhöhen
Die meisten nichtbiologischen Katalysatoren sind unspezifisch.
Pulverförmiges Platin katalysiert zum Beispiel fast jede Reaktion, bei der molekularer Wasserstoff (H2)
einer der Reaktionsteilnehmer ist. Dagegen sind die meisten Biokatalysatoren hochspezifisch. Ein
Enzym erkennt und bindet als Substrat gewöhnlich nur einen oder wenige eng verwandte Reaktanden
und erzeugt damit spezifische Produkte.

Aufgaben:

1. Erklären Sie die folgenden Begriffe:
Reaktand
Aktivierungsenergie
Substrat
Produkt
Katalysator

2. Leider wurden bei der Abbildung 2 die Texte abgeschnitten. Schade! Beschreiben Sie die
Wirkungsweise von Enzymen unter Verwendung der Fachbegriffe aus der Abb. 2

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