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Xiǎo Zhōu Tiān

Shaolin Chan Tempel Luzern/Schweiz

⼩小周天
Quellenangabe:

Das Qi Pflegen, Stuard Olson (Hg.)


Illustrationen als Vorlage, neu gezeichnet.

Der kleine Himmlische Kreislauf, Dr. Reinhard Hörmann


Liqing Wu Dang Blogspot. Grundlagen

China International Book Trading Corporation: Liu Zi Jue


Beijing: Verlag für fremdsprachige Literatur.

Liu Hai Chao: (1997): Shaolin Gong Fu


Deng Feng: Henan Sciense and Technology Publishing House.

Kenneth Cohen: (2005): Qi Gong


München: Internationale Gesellschaft für Chinesische Medizin (Societas Medicinae Sinensis).
Qi Gong - Energiearbeit zur Gesundheitspflege Xiǎo Zhōu Tiān

⼩小周天
Bedeutung des Namens Xiǎo Zhōu Tiān:

⼩小 = xiǎo = klein
周 = zhōu = Umkreis
天 = tiān = Himmel

Sinngemässe Übersetzung: „Der kleine himmlische Kreislauf“

Originaldiagramm des 先天 Xiān Tiān- und 后天 Hòu Tiān-Kreislaufs.

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Qi Gong - Energiearbeit zur Gesundheitspflege Xiǎo Zhōu Tiān

Vorbereitung für Xiǎo Zhōu Tiān:





放松 – Fàng Sōng - Das Entspannen:


Die wichtigste Voraussetzung für Qi Gong ist das Entspannen (放松 Fàng Sōng) der Muskeln,
Sehnen, Bänder und Gelenke und dabei den Geist zu beruhigen. Dazu sucht man sich einen
Platz, wo man sich wohl fühlt, schaltet das Telefon aus und hält alle von aussen eindringende
Gedanken und Reize von sich fern.

Bei Nebel, Sturm oder Gewitter soll nicht geübt werden. Nach dem Essen sollten 2 Stunden
vergangen sein, bevor man Xiǎo Zhōu Tiān praktiziert.

Zum Entspannen empfehlen sich leichte Qi Gong Übungen in Bewegung. Übungen, die
körperlich anstrengend sind oder zu Atemnot führen, sind nicht geeignet, da sie dabei das
Grund Qi zu stark aufwirbeln.

Leichte Übungen aus dem Stillen Qi Gongs sind dabei sehr empfehlenswert.

Die Körperhaltung:


Xiǎo Zhōu Tiān kann im Gehen, Stehen, Sitzen oder Liegen geübt werden.

Die Daoisten praktizieren in den meisten Fällen die Sitzposition. Dabei ist aber unbedingt zu
beachten, dass die Sitzhaltung bequem ist und man sich nicht anlehnt. Am besten übt man
dies im Lotus- oder Schneidersitz. Es kann aber auch auf einem Stuhl geübt werden. 

Die Augen sollten dabei geschlossen oder halb geöffnet sein, um nicht Qi durch die Augen zu
verlieren. Hinter den geschlossenen Lidern wird der Blick in die Leere gerichtet und
entspannt.

Beim Gehen wird der Blick leer einige Schritte voraus zum Boden gerichtet. 

Bei der Sitzhaltung sollte darauf geachtet werden, dass der Rücken gerade ist und der 百会
Bai Hui-Punkt dabei in einer geraden Linie vertikal über dem 会阴 Huì Yīn-Punkt steht. 

Der Kopf ist wie am 百会 Bǎi Huì mit einem Seidenfaden im Himmel aufgehängt. Das
Becken ist leicht nach vorne gekippt, wie unmittelbar vor dem sich hinsetzen. 

Das Kinn ist leicht zur Brust gezogen, um die Halswirbel zu strecken und gerade zu richten
und für den Qi-Fluss durchlässig zu machen. Den Kopf keinesfalls nach hinten in den Nacken
legen.



呼吸 – Hūxī - Das Atmen:


Je entspannter der Körper ist und je ruhiger und entspannter das Gehirn und das
Nervensystem sind, desto langsamer verläuft auch die Atmung.

Vor dem Beginn jedes Xiǎo Zhōu Tiān ist es empfehlenswert, eine Atemtechnik zu
praktizieren, um das Energiefeld aufzubauen. Dazu eignen sich am besten „先天 Xiān Tiān“,
die Atmung des frühen Himmels, oder 后天 Hòu Tiān, die Atmung des späteren Himmels. Als
Anfänger eignet sich die Xiān Tiān-Atmung besonders gut, da diese etwas einfacher ist. Es
empfiehlt sich aber immer, beide, startend mit der Xiān Tiān-Atmung, zu praktizieren.

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先天 Xiān Tiān, die Atmung des frühen Himmels:

Von der Nase aus steigt das Qi mit Einatmen hinauf zum Punkt 百会 Bǎi Huì. Anschliessend
fliesst es auf der Rückseite des Körpers, direkt an der Wirbelsäule hinab, am Punkt 尾闾 Wěi
Lü vorbei. Das Qi zieht direkt am Steissbein vorbei zum Punkt 会阴 Huì Yīn. Dabei sollte der
Punkt 会阴 Huì Yīn kontrahiert werden, sodass kein Qi verloren geht. Dann weiter mit
Einatmen bis zum unteren 丹⽥田 Dān Tián.

Nachdem das Qi das 丹⽥田 Dān Tián durchquert hat, wird es wieder zurück zur Wirbelsäule
gezogen und an der Vorderseite der Wirbelsäule steigend ausgeatmet. Danach die Atmung
wiederholen.

„Der frühere Himmel veranlasst den späteren Himmel sich zu bewegen.“

Wirkt stark Energie aufbauend.


Achtung NICHT bei Erkältung oder Krankheit praktizieren!

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后天 Hòu Tiān, die Atmung des späteren Himmels:

Vom unteren 丹⽥田 Dān Tián an nimmt das Qi seinen Lauf, währenddem sinkend in Richtung
Huì Yīn eingeatmet wird. Das Qi durchquert den Energiepunkt Huì Yīn. Dabei sollte der Huì
Yīn-Punkt kontrahiert werden, um kein Qi zu verlieren. Anschliessend während dem
Einatmen der Wirbelsäule entlang hoch, bis zum Punkt 百会 Bǎi Huì gehen. Hier hat die
Atmung seinen Wendepunkt.

Vom Bǎi Huì an wird ausgeatmet. Dabei fliesst das Qi über das dritte Auge (天⽬目 Tiān Mù)
hinab durch den 神中 Shén Zhōng-Punkt, bis der Atemkreislauf am unteren 丹⽥田 Dān Tián
(⽓气海 Qì Hǎi) wieder geschlossen wird. Danach die Atmung wiederholen.

„Der spätere Himmel aktiviert den frühen Himmel.“

Wirkt stark Energie regulierend.


Achtung NICHT bei Erkältung oder Krankheit praktizieren!

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Die Gedanken richten sich zum unteren 丹⽥田 Dān Tián:




Diese Übung ist besonders für den Anfänger sehr hilfreich. 

Die Aufmerksamkeit wird auf das untere 丹⽥田 Dān Tián gerichtet. Dabei atmet man in der
Vorstellung sanft, rund und tief in den Unterbauch. Dabei wird die umgekehrte Bauchatmung
angewendet. Das heisst beim Einatmen zieht sich der Bauch zusammen und beim Ausatmen
füllt sich der Unterbauch wie ein Ballon. 

Menschen mit zu niederem Blutdruck und Frauen während ihrer Periode wählen anstelle des
unteren Dān Tián das mittlere Dān Tián auf dem Punkt 神中 Shén Zhōng. Einige daoistische
Frauentempel praktizieren den Xiǎo Zhōu Tiān so, dass sie grundsätzlich immer im mittleren
Dān Tián beginnen. 

Wenn Übende Probleme haben, den Xiǎo Zhōu Tiān im unteren Dān Tián zu starten, ist es
leichter, beim mittleren Dān Tián zu beginnen. Dabei ist dann aber ganz wichtig, dass der
Kreislauf auch wieder da abgeschlossen wird!


Wichtig: 

Bei allen Inneren Künsten wie Qi Gong oder Taiji liegt die Erkenntnis vor, dass das Qi der
Aufmerksamkeit folgt. Der Geist lenkt das Qi und das Qi folgt dem Geist!

Die 12 Punkte des Xiǎo Zhōu Tiān:

1. Qì Hǎi ⽓气海 (Energieozean, unteres Dān Tián)

2. Huì Yīn 会阴 (Tor des Lebens und des Todes)

3. Wěi Lü 尾闾 (Die Spitze eines Pferdeschwanzes, Grosse Kraft)

4. Mìng Mén 命门 (Tor des Lebens)

5. Zhì Yáng ⾄至阳 (Ankunft des Yang)

6. Dà Zhūi ⼤大椎 (Grosser Wirbel)

7. Yù Zhěn ⽟玉枕 (Jadekissen, „Tor des Schweigens“)

8. Bǎi Huì 百会 (Eisernes Tor)

9. Tiān Mù 天⽬目 (Himmelsauge, das dritte Auge)

10. Rén Zhōng ⼈人中 (Mittelpunkt des Menschen)

11. Chéng Jiāng 承浆 (Breifänger)

12. Shén Zhōng 神中 (Göttliche Mitte)

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Die Übung und die 12 Punkte:

8. Bǎi Huì 百会

9. Tiān Mù 天⽬目 Shàng Dān Tián 上丹⽥田

1.

7. Yù Zhěn ⽟玉枕
10. Rén Zhōng ⼈人中

11. Chéng Jiāng 承浆

6. Dà Zhūi ⼤大椎

Zhōng Dān Tián 中丹⽥田


5. Zhì Yáng ⾄至阳
12. Shén Zhōng 神中 2.

1. Qì Hǎi ⽓气海 Xià Dān Tián 下丹⽥田

3. 4. Mìng Mén 命门

3. Wěi Lü 尾闾

2. Huì Yīn 会阴

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Der Fluss des Qi:

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Die Anleitung zur Hauptübung:

Der Xiǎo Zhōu Tiān-Kreislauf beginnt im unteren 下丹⽥田 Xià Dān Tián. Die Übung, bei der
sich die Gedanken zum unteren Dān Tián richten, ist deshalb hilfreich, weil sich unsere
Aufmerksamkeit bereits in diesem Bereich verweilt.

Mit der umgekehrten Bauchatmung atmet man in der Vorstellung in das untere下丹⽥田 Xià
Dān Tián ein und von da auch wieder aus. Beim Einatmen zieht man die Damm-Muskulatur
beim Huì Yīn-Punkt leicht an. Beim Ausatmen wird entspannt und die Vorstellung eines
aufzublasenden, kleinen Ballons bleibt aufrecht, wenn das Dān Tián mit frischem Qi befüllt
wird. Diese Atemtechnik wiederholt man so lange, bis man das Gefühl hat, dass Qi und Atem
im unteren Dān Tián angekommen sind. Wie oben illustriert, funktioniert das wie das
Befüllen eines Wasserkanals mit miteinander verbundenen Becken.
Wenn wir also verspüren, dass wir im Energiebereich mit Aufmerksamkeit und Qi
angekommen sind, das Becken sozusagen voll ist mit Qi, richtet sich die Aufmerksamkeit auf
den nächsten Punkt im Xiǎo Zhōu Tiān-Kreislauf.
Voraussetzung dafür ist, dass zuerst alle Punkte auswendig gelernt werden, sodass man sich
dem Fluss des Qi vollumfänglich widmen kann und nicht in einem Skript nachlesen muss,
welches nun der nächste Punkt ist. Wenn man sich unterwegs im Kreislauf einmal verliert, ist
es wichtig, wieder zum Startpunkt zurückzukehren. Wenn sich dann das untere Dān Tián
wieder gefüllt hat, kann man der Kreislauf wieder starten. Am wirkungsvollsten ist es, wenn
man den ganzen Kreislauf 3, 9 oder 36 mal wiederholt.

Es ist wichtig, sich für die einzelnen „Punkte“ (werden oft auch Bergpässe genannt) viel Zeit
zu nehmen, um den Körper zu sensibilisieren. Die Atmung sollte immer mühelos fliessen,
dadurch wird auch das Qi besser geleitet.
Wenn wir alle Stationen geübt haben und wieder im unteren Dān Tián angelangt sind,
legen wir die Hände zum Abschluss übereinander auf das Dān Tián und kreisen die Hände 36
mal im Uhrzeigersinn und dann wieder 36 mal gegen den Uhrzeigersinn zurück zum
Ausgangspunkt. Mit regelmässigem Praktizieren der Übung, spüren wir den
Entspannungszustand und die innere Ruhe immer tiefer. Dabei entwickelt sich eine immer
subtilere Sensibilität in der Verbindung zwischen Körper und Geist.

Körperliche Auswirkungen:

- Im vegetativen Nervensystem kommt es zum Ausgleich von Sympathikus und


Parasympathikus, wodurch der Blutdruck geregelt wird.

- Die Übungen haben einen positiven Einfluss auf den Stoffwechsel, weil sich die
Atemfrequenz verringert und der Grundverbrauch gesenkt wird.

- Qi Gong-Meister und TCM-Ärzte in China betonen übereinstimmend mit europäischen


TCM-Ärzten, dass viele schwer heilbare chronische Krankheiten gemildert werden können.

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Wie z.B.: Tinnitus, Schwindel und Vergesslichkeit, zu hoher oder niederer Blutdruck,
Krankheiten, die mit den Nieren zusammenhängen, Herzrhythmusstörungen, hormonelle
Störungen und andere chronische Leiden.

Die Innere Übung:

Das Öffnen des Xiǎo Zhōu Tiān-Kreislauf gehört zu einer der bekanntesten, daoistischen Qi
Gong-Praktiken und wird dem Stillen Qi Gong zugeordnet.

Diese daoistische Grundübung entspricht dem daoistischen Bild der „Drei Dān Tián“ (unteres,
mittleres und oberes Dān Tián) und dem sie umgebenden Kreislauf, der auf den beiden
Hauptmeridianen „Lenkergefäss“ (Dū Mài 督脉) und „Konzeptionsgefäss“ (Rèn Mài 任脉)
verläuft. Die Verbindung dieser zwei Hauptmeridiane wird durch die Zungenspitze am harten
Gaumen hinter den oberen Schneidezähnen geschlossen.

Das Lenkergefäss Dū Mài 督脉 ist der Yáng 阳 Meridian:

Dū 督 bedeutet beaufsichtigen, Mài 脉 bedeutet Ader, Arterien oder Venen. Wie der Name
schon andeutet, regiert das Lenkergefäss als Gefäss das Ur-Yáng wie ein Gouverneur über
alle Yáng-Meridiane.
Dieser Hauptmeridian beginnt zwischen Anus und Steissbein und passiert den Steissbeinpunkt
(Wěi Lü 尾闾), dann den Lendenwirbelpunkt (Mìng Mén 命门) und steigt über die Mittellinie
des Rückens über Hinterkopf zum Punkt Bǎi Huì 百会, dann zu Stirn und Nase und tritt
zwischen Nase und Mund am Punkt Rén Zhōng ⼈人中 an seinem Ende im harten Gaumen ein.
Der Dū Mài wird auch als „Meer der Yáng-Meridiane“ bezeichnet, weil er die Energien der
Yáng-Meridiane bzw. der Yáng-Organe ausgleicht.

Das Konzeptionsgefäss Rèn Mài 任脉 ist der Yīn 阴 Meridian:

Rèn 任 bedeutet Amt. Das Konzeptionsgefäss als Gefäss des Ur-Yīn ist verantwortlich für alle
Yīn-Meridiane und Organe.
Dieser Hauptmeridian entspringt bei den Nieren, zieht hinunter zum Dammpunkt und tritt im
Punkt Huì Yīn 会阴, genau in der Mitte des Damm gelegen, an die Körperoberfläche und
steigt die vordere Körpermitte über Schambein, Nabel, Brustbein und Hals hoch bis zu der
Furche zwischen Kinn und Unterlippe am Punkt Chéng Jiāng 承浆, tritt dort in den Kiefer ein
und endet in der Zungenwurzel. Von dem Punkt Chéng Jiāng 承浆 führt auch je ein innerer
Ast links und rechts über die Wangen zu den Augen.
Der Rèn Mài wird auch als das „Meer der Yīn-Meridiane“ bezeichnet, weil er die Energien
der Yīn-Meridiane bzw. Yīn-Organe ausgleicht.

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Der natürliche Qi-Fluss verläuft also bei beiden Meridianen von unten nach oben.

Im Xiǎo Zhōu Tiān wird jedoch der Rèn Mài dazu benutzt, das Yīn-Qi in diesem Gefäss
gegen seine natürliche Flussrichtung nach unten zu drücken, während im hinteren
Lenkergefäss Dū Mài das feurige Yáng-Qi hochgedrückt wird.

1. Qì Hǎi ⽓气海 (Energieozean, unteres Dān Tián)


Der Qì Hǎi-Punkt liegt im unteren Dān Tián. Dieser Bereich wird oft auch als das Reservoir
des Energiespeichers beschrieben. Der Kern liegt ca. vier Fingerbreit unterhalb des
Bauchnabels im Innern des Körpers.

2. Huì Yīn 会阴 (Tor des Lebens und des Todes)


Der Huì Yīn-Punkt liegt am Damm zwischen After und Geschlechtsorgan. Dieser Punkt nennt
man „Tor des Lebens und des Todes“. Er sollte während der Übung immer leicht kontrahiert
werden und mental nach aussen geschlossen bleiben, damit das Ursprungs-Yin nicht verloren
geht. Für den inneren Qi-Fluss muss er jedoch vollumfänglich offen bleiben, damit die
Energie nicht stagniert. Da durch diesen Punkt der Samenfluss ausgelöst wird und dabei
Leben entsteht, andererseits aber auch reines Yang durch Samen und Menstruationsflüssigkeit
verloren geht und das Leben verkürzt wird, nennt man diesen Punkt auch „Tor des Lebens
und des Todes“. Sexuelle Störungen können immer mit Blockaden im Huì Yīn-Punkt
(Bereich) zu tun haben.

3. Wěi Lü 尾闾 (Die Spitze eines Pferdeschwanzes, Grosse Kraft)


Der Wěi Lü-Punkt liegt an der Spitze des Steissbeines. Dieser Punkt ist der erste Punkt nach
dem Huì Yīn, der frei auf dem Dū Mài-Meridian liegt. Er ist demnach auch der erste
Bergpass, der beim Xiǎo Zhōu Tiān überschritten werden muss. Er ist ein wichtiges
Energiezentrum der ursprünglichen Energie „Yuán Qì 元⽓气“, welches in engem
Zusammenhang zu der sexuellen Energie „Jīng Qì 精⽓气“ steht. Impotenz oder auch
frühzeitiger Samenerguss des Mannes können auf Blockaden im Wěi Lü-Punkt hinweisen.

4. Mìng Mén 命门 (Tor des Lebens)


Der Mìng Mén-Punkt liegt zwischen dem 2. und 3. Lendenwirbel und steht in Verbindung mit
dem unteren Dān Tián. Im „Tor des Lebens“ ist das vorgeburtliche Qi, die ursprüngliche
Energie das Yuán-Qì angelegt. Zu einem Zeitpunkt, wo Vater und Mutter sich vereinigen,
wird das vorgeburtliche Qi (Yuán-Qì) festgelegt. Der männliche Samen verlässt dieses Tor
(beim Mann) und die weibliche Eizelle empfängt durch dieses Tor (bei der Frau). Dies legt
die Lebensspanne des Menschen fest. Mìng Mén ist also der Eingang (das Tor) zum Leben
und zum Schicksal. Mìng Mén muss nach aussen immer geschlossen sein, deshalb legen
ältere Menschen beim Gehen intuitiv die Hände auf den Rücken und halten Mìng Mén zu.

Mìng Mén ist als zweiter Bergpass vom aufsteigenden Yáng-Qi zu überwinden.

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5. Zhì Yáng ⾄至阳 (Ankunft des Yang)


Der Zhì Yáng-Punkt liegt zwischen dem 7. und 8. Brustwirbel, etwa auf der Höhe gegenüber
der Brustwarzen. Zhì Yáng bringt Yáng-Qi in den Brustraum zum mittleren Dān Tián. 

Der Bereich „Ankunft des Yáng “ ist der dritte Bergpass, wo eventuelle Blockaden
überwunden und aufgelöst werden müssen. Blockaden im Zhì Yáng bringen oft
Verspannungen in der Brustwirbelregion hervor.

6. Dà Zhūi ⼤大椎 (Grosser Wirbel)


Der Dà Zhūi-Punkt liegt zwischen dem 7. Halswirbel und dem 1. Brustwirbel. Hier vereinigen
sich alle Yang-Meridiane. Es ist sozusagen der Treffpunkt aller Yang-Meridiane, die das reine
Yang aufwärts zum Kopf transportieren. Dies ist der vierte Bergpass. Je älter der Mensch wird
und je schwächer der Druck des aufsteigenden Yáng-Qi im Dū Mài wird, desto höher wird die
Wahrscheinlichkeit einer Qi-Blockade. Die Daoisten sehen hier in diesem Punkt den Sitz des
Alterns. Kommt kein Qi mehr in den Kopf, werden die Haare grau, fallen aus und die Haut
wird schlaff. Die Zähne fallen aus und die Menschen fangen frühzeitig zu altern an. Das
Augenlicht wird schwächer, Geschmack- und Geruchsinn verlieren an Kraft. Durch das Üben
des Xiǎo Zhōu Tiān-Kreislaufs und auch durch andere Qi Gong-Übungen, können diese
Blockaden aufgelöst werden und das Qi kann fliessen.


7. Yù Zhěn ⽟玉枕 (Jadekissen „Tor des Schweigens“)


Der Yù Zhěn-Punkt liegt in der Mitte des unteren Hinterkopfes, knapp über dem Rand des
Schädelbeins und ist die hintere Projektion des oberen Dān Tián nach hinten an die
Körperoberfläche. Der Yù Zhěn-Punkt steht bezüglich des Alterns, das im Nacken und im
Hinterkopf beginnt, eng mit dem Dà Zhūi-Punkt in Verbindung und muss durch Üben mental
durchlässig bleiben. Dieser Bereich wird auch „Tor des Schweigens“ genannt und ist der
fünfte Bergpass, der überwunden werden muss.

8. Bǎi Huì 百会 (Eisernes Tor)


Der Bǎi Huì-Punkt liegt auf der Mittellinie des Schädels. Würde man die beiden Ohrenspitzen
miteinander verbinden, würden sich diese beiden Linien beim Bǎi Huì-Punkt treffen.

Das Qi, das hierher vordringt, muss das „Eiserne Tor“, den sechste Bergpass zwischen Yù
Zhěn und Bǎi Huì, überwinden. Von da an geht es dann wieder abwärts in Richtung des
mittleren Dān Tián. Mit zunehmendem Alter wird dieses „Eiserne Tor“ immer mehr zum
Hindernis und immer schwieriger, diesen Bergpass zu überschreiten.

9. Tiān Mù 天⽬目 (Himmelsauge, das dritte Auge)


Der Tiān Mù-Punkt liegt zwischen den Augenbrauen und ist die Projektion des oberen Dān
Tián nach vorne an die Körperoberfläche. Er ist das Qi-Zentrum des Kopfes. Dieser Bereich
steht mit den geistigen und intuitiven Fähigkeiten in Verbindung und wird oft auch als das
dritte Auge genannt. Dieser Bereich beim Xiǎo Zhōu Tiān wichtig für die Bedeutung des
inneren Lächelns. Die Stirn und das obere Dān Tián werden durch das innere Lächeln
entspannt und der Tiān Mù-Punkt kann besser mit Qi durchflutet werden.

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10. Rén Zhōng ⼈人中 (Mittelpunkt des Menschen)


Der Rén Zhōng-Punkt liegt auf der Grube zwischen Nasenansatz und Oberlippe. Der Name
„Mittelpunkt des Menschen“ kommt daher, dass die Nase respektive der Atem dem Himmel
zugeordnet wird und der Mund, respektive die Nahrung, der Erde. Der Mensch befindet sich
zwischen Himmel und Erde. 

Von Rén Zhōng fliesst das Qi über die Mitte in den Gaumen hinter den oberen
Schneidezähnen. Über die Zunge, deren Spitze am Gaumen hinter den oberen
Schneidezähnen liegt und als Elsternbrücke dient, gelangt das Qi zur Zungenwurzel und in
den Rèn Mài.

11. Chéng Jiāng 承浆 (Breifänger)


Der Chéng Jiāng-Punkt liegt in der Grube zwischen Unterlippe und Kinn. Ungefähr da wo
den Babys immer der Brei beim Essen hängen bleibt. Von da kommt auch der lustige Name.
Von hier kann das Qi, das über den Rèn Mài von der Zungenwurzel kommt, nach unten
gelenkt werden.


12. Shén Zhōng 神中 (Göttliche Mitte)


Der Shén Zhōng-Punkt liegt in der Mitte des Brustbeins und ist die Projektion des mittleren
Dān Tián nach vorne an der Körperoberfläche. 

Die göttliche Mitte ist für Daoisten als Sitz des emotionalen Herzens bekannt. Hier werden
Emotionen abgebaut, Mitgefühl kultiviert und Stress verbrannt. Von hier wird das Qi ins
untere Dān Tián geleitet. Hier schliesst sich der Xiǎo Zhōu Tiān-Kreislauf,

und ein neuer Xiǎo Zhōu Tiān kann beginnt. Vorzugsweise sollten 3, 9 oder 36
Widerholungen komplett gemacht werden.

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