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Stand: 16.09.2013 LF 1.5.

3 BFA 2 erstellt von: Andrea Mezger

Medikamente richten

Definition Arzneimittel sind nach dem Arzneimittelgesetz Stoffe und


Zubereitungen, die durch Applikation am oder im menschlichen
Körper eingesetzt werden. Arzneimittel werden u.a. verwendet, um:
 krankhafte Beschwerden zud heilen, zu lindern, zu verhüten,
 den Zustand des Körpers zu erkennen,
 vom Körper erzeugte Wirkstoffe oder Körperflüssigkeiten zu
ersetzen,
 Krankheitserreger oder körperfremde Stoffe abzuwehren oder
unschädlich zu machen,
 den Zustand oder die Funktionen des Körpers oder seelischer
Zustände zu beieinflussen.

Ziel Ziel ist es, Medikamente nach ärztlicher Verordnung zu


verabreichen.
Indikationen  tägliche Medikamenteneinnahme nach ärztlichem
Verordnungsplan,
 Sondergabe von Medikamenten z.B. bei Bedarf oder vor
Untersuchungen.

Vorbereitung der  Patientendokumentation mit ärztlicher Verordnung,


Materialien  vom Arzt verordnetes Arzneimittel
 von der Darreichungsform des Medikaments (Glasampulle,
Stechampulle, Tablette, Tropfen usw.) hängt die Vorbereitung
des weiteren Materials ab:
 evtl. Medikamententeiler, Medikamentenschieber
 evtl. Messlöffel
 evtl. Spritze mit Kanülen (Aufzieh- und injektionskanüle),
Ampullenfeile, Kanülensicherheitsbox und Tupfer
 Desinfektionsmittel

MERKE Egal, welches Medikament Sie richten, lassen Sie sich während
des Vorgangs nicht ablenken. Stimmen Sie mit Ihren Kollegen
ab, dass derjenige, der Medikamente richtet, in dieser Zeit nicht
ansprechbar ist, damit er konzentriert und in Ruhe arbeiten
kann. Durch Ablenkungen passieren Fehler!

Durchführung:  Hände nach Hygieneplan desinfizieren


Tabletten richten  benötigte Gegenstände auf desinfizierter Arbeitsfläche (z:B.
Medikamententablett) richten
 6-R-Regel beachten
 dreifache Kontrolle durchführen:
- beim Herausnehmen aus dem Medikamentenschrank/-fach
- bei der Entnahme aus der Orginalpackung,
- beim Zurückstellen der Packung
 Medikamententablett mit Name und Zimmernummer des
Patienten sowie Medikamentenschälchen bereitstellen
 Medikamente in der verordneten Darreichungsform (z.B.
Tabletten, Dragées) nach Verordnungsplan richten

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 neu angefangene Medikamentenpackungen mit einem Stift


kennzeichnen, damit nicht mehrere Packungen gleichzeitig
angebrochen werden
 Einnahmezeit berücksichtigen: manche Medikamente müssen
z.B. 30 Minuten vor der Mahlzeit eingenommen werden
(allgemein sollte beachtet werden, dass Medikamente bei
nüchternem Magen die Magenschleimhaut angreifen können,
daher sollte immer eine Kleinigkeit vorher gegessen werden),
 Medikamente dürfen nicht in der Verpackung zum Patienten
gelangen, sondern müssen vorher ausgedrückt werden.
Medikamente nicht mit den Finger berühren, sondern direkt in
den Schieber/Becher fallen lassen. Bei verwirrten Patienten
sollte die Pflegeperson bei der Einnahme anwesend sein.

Manche Tabletten brauchen die Verpackung als Lichtschutz


und dürfen daher erst unmittelbar vor der Verabreichung
ausgedrückt werden. Beachten Sie dazu bitte die
Packungsbeilage (Beispiele: siehe links)
 Zur Kontrolle den Medikamentenschieber direkt neben die
Verordnung stellen und abschließend überprüfen, wie viele
Medikamente sich insgesamt in den Fächern für morgens,
mittags und abends befinden sollten. So fällt auf, wenn ein
Medikament aus Versehen in das falsche Fach gelangt ist.
 auf den Boden gefallene oder aus anderen Gründen zu
entsorgende Medikamente sachgerecht in dafür vorgesehene
Behälter entsorgen.

Durchführung:  Hände nach Hygieneplan desinfizieren,


Aufziehen aus  benötigte Gegenstände auf desinfizierter Arbeitsfläche richten
 6-R-Regel beachten
einer Glasampulle
 Spritze mit Aufziehkanüle zusammensetzen
 Ampulle anfeilen (zwei Sägebewegungen sollten reichen) oder
aufbrechen. Die meisten Ampullen sind heute Brechampullen.
Beim Abbrechen muss der farbige Punkt am Ampullenhals zur
Pflegeperson zeigen. Zum Selbstschutz nur mit Tupfer abrechen
oder Sie benützen einen Ampullenbrecher (siehe Abb. links)
Wenn Sie vor dem Öffnen der Ampulle sehen, dass sich
Flüssigkeit im Ampullenhals festgesetzt hat, dann führen Sie mit
der Ampulle eine schnelle, großzügige Kreisbewegung aus.
Durch die Rotations- und Fliehkräfte wird die gesamte
Flüssigkeit aus dem Ampullenhals in den Ampullenbehälter
befördert.
 Aufziehkanäle unter aseptischen Bedingungen in die Ampulle
einführen und Medikament aufziehen
 Aufziehkanüle direkt in die Kanülensicherheitsbox entsorgen
 Injektionskanüle aufsetzen, Spritze nach oben halten und luftleer
machen
 Spritze mit Medikamentenetikett kennzeichnen

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Durchführung:  Hände nach Hygieneplan desinfizieren


Aufziehen aus  benötigte Gegenstände auf desinfizierter Arbeitsfläche richten
 5-R-Regel beachten
einer
 Spritze mit Aufziehkanüle zusammensetzen
Stechampulle  Schutzdeckel der Stechampulle entfernen
 Gummistopfen desinfizieren (Einwirkzeit beachten)
 Aufziehkanüle einstechen, keine Luft einspritzen, wegen
Verkeimungsgefahr!
 Stechampulle kippen und Medikament aufziehen
 Aufziehkanüle direkt in die Kanülensicherheitsbox entsorgen
 Injektionskanüle aufsetzen und Spritze nach oben halten und
luftleer machen
 Spritze mit Medikamentenetikett kennzeichnen
 Entnahmedatum auf der Stechampulle notieren, wenn es sich um
eine Mehrfachentnahmeflasche handelt.
Medikamente sind nur eine gewisse Zeit nach der Erstentnahme
haltbar, dazu den Beipackzettel berücksichtigen.

Durchführung:  Hände nach Hygieneplan desinfizieren


Aufziehen bzw.  benötigte Gegenstände auf desinfizierter Arbeitsfläche richten
 6-R-Regel beachten
Herstellen einer
Lösung aus mit Aufziehkanüle
Trocken-  Spritze mit Aufziehkanüle zusammensetzen
substanzen  vorgeschriebenes Lösungsmittel aufziehen (z.B. Aqua ad
injectabila)
 Lösungsmittel in die Glas- oder Stechampulle spritzen, bei
Stechampullen Gummistopfen vorher desinfizieren
 warten, bis die Trockensubstanz vollständig aufgelöst ist
 Medikament aufziehen
 Aufziehkanüle direkt in die Kanülensicherheitsbox entsorgen
 Injektionskanüle aufsetzen und Spritze nach oben halten und
luftleer machen
 Spritze mit Medikamentenetikett kennzeichnen
TIPP, wenn sich die Flüssigkeit aus der Ampulle schlecht
aufziehen lässt: Es geht leichter, wenn Sie vorher Luft in die
Spritze aufziehen und in die Stechampulle spritzen. Dadurch
entsteht im Behälter ein Überdruck und die Spritze füllt sich
automatisch mit der Injektionslösung (physikalisches Prinzip
des Druckausgleichs bei Überdruck). Nicht mit zu hohen
Drücken arbeiten, weil es sonst beim Herausziehen der Kanüle
zu Verspritzungen des Wirkstoffs kommen kann. Das
Zuspritzen von Luft darf aber nur durchgeführt werden, wenn
die gesamte Flüssigkeit auch sofort verbraucht wird
(Keimbesiedelung!)

mit Überleitungskanüle
 Gummistopfen des Behälters mit Trockensubstanz desinfizieren
 Schutzkappe von einer Seite der Überleitungskanüle nehmen und
in den Behälter mit der Trockensubstanz einstechen
 zweite Schutzkappe abziehen und Trockenflasche auf
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Lösungsflasche aufstecken

 dann drehen, sodass die Trockenflasche unten steht und die


Flüssigkeit der Lösungsflasche einlaufen kann
 abwarten, bis sich die Trockensubstanz völlig aufgelöst hat
 Medikamentenlösung beschriften

Durchführung:  Hände nach Hygieneplan desinfizieren


Aufziehen von  benötigte Gegenstände auf desinfizierter Arbeitsfläche richten
 6-R-Regel (7-R-Regel) beachten
Insulingemischen
 Spritze mit Aufziehkanüle zusammensetzen oder Insulinspritze
öffnen
 Schutzdeckel der Stechampulle entfernen
 bei Verzögerungsinsulin Stechampulle langsam zwischen den
Händen rollen, da sich der Verzögerungswirkstoff absetzt
(schütteln soll wegen der Schaumbildung und Schädigung der
Insulinkristalle vermieden werden)
 Gummimembran desinfizieren und Einwirkzeit beachten
 Aufziehkanüle (oder Insulin-Einmalspritze) einstechen,
Stechampulle kippen und Medikament aufziehen
 Aufziehkanüle direkt in die Kanülensicherheitsbox entsorgen
(bei Insulinspritze ist das nicht möglich und es wird mit
derselben Kanüle injeziert)
 Injektionskanüle aufsetzen, Spritze nach oben halten und luftleer
machen
 Spritze mit Medikamentenetikett kennzeichnen
 Öffnungsdatum auf der Stechampulle notieren und wieder kühl
lagern.
Nachbereitung ► siehe „Richtlinien für alle grund- und behandlungspflegerischen
Maßnahmen“

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