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Der Nervenarzt

Leitthema

Nervenarzt Roland Veltkamp1,2,3 · Jan C. Purrucker3 · Ralph Weber1


https://doi.org/10.1007/s00115-021-01104-1 1
Neurologische Klinik, Alfried Krupp Krankenhaus Essen, Essen, Deutschland
Angenommen: 12. Februar 2021 2
Department of Brain Sciences, Imperial College London, London, Großbritannien
3
© Der/die Autor(en) 2021 Neurologische Klinik, Universitätsklinikum Heidelberg, Heidelberg, Deutschland

Neurovaskuläre Manifestationen
von COVID-19

Hintergrund und der Stroke-Units. Neben der Belas- Konfidenzintervall[KI] 0,4–8,1 %; [22]).
tung des Gesundheitssystems haben ins- 87,4 % der COVID-19-positiven Patien-
Bereits wenige Monate nach dem Aus- besondere auch Ängste von Patienten vor ten erlitten einen ischämischen Schlag-
bruch der durch das „severe acute res- einer SARS-CoV-2-Infektion im Kran- anfall und 11,6 % eine intrazerebrale
piratory syndrome corona virus type 2“ kenhaus zu einer verminderten Präsenta- Blutung. COVID-19-positive Schlag-
(SARS-CoV-2) bedingten COVID-19 tion von Patienten mit leichten Schlagan- anfallpatienten waren im Vergleich zu
(„coronavirus disease 2019“)-Pande- fällen und transitorischen ischämischen nichtinfizierten Schlaganfallpatienten im
mie wurde in einer ersten chinesischen Attacken (TIAs) geführt. Median 6 Jahre jünger und bei Aufnahme
Fallserie eine erhöhte Schlaganfallrate Die vorliegende Übersichtsarbeit fasst schwerer betroffen mit einem im Median
bei COVID-19-positiven Patienten be- zunächst die bisherigen epidemiologi- um 5 Punkte höheren Punktwert auf der
schrieben [17]. Von 219 COVID-19- schen Daten zur Häufigkeit von Schlag- Schlaganfallskala der National Institutes
positiven Patienten hatten 11 Patienten anfällen und verschiedenen Schlagan- of Health. COVID-19-Patienten hatten
(5 %) einen Schlaganfall erlitten, davon fallsubtypen bei COVID-19 zusammen. zudem eine signifikant höhere Rate an
10 einen ischämischen. Große Aufmerk- Im zweiten Teil werden aktuelle Kon- großen Gefäßverschlüssen (Odds Ra-
samkeit erlangte bald darauf ein Bericht zepte zur Schlaganfallpathogenese bei tio 2,73) und eine signifikant höhere
über 5 junge COVID-19-Patienten aus COVID-19 vorgestellt und ein Vergleich Mortalität (33,3 vs. 11,6 %; OR 5,21).
New York, die schwere ischämische zur Influenza gezogen. Anschließend Bei 52,5 % der Betroffenen lagen die
Schlaganfälle ohne erkennbare Risi- werden die bisherigen Auswirkungen Infarkte in mehreren vaskulären Terri-
kokonstellation hatten [23]. Auch aus der COVID-19-Pandemie auf die akute torien. Die Schlaganfallursache konnte
anderen Ländern wurde über eine Häu- Schlaganfallversorgung beschrieben. Die häufig (44,5 %) bei COVID-19-positiven
fung arterieller und vor allem venöser sich hieraus ergebenden Konsequenzen Schlaganfallpatienten nicht sicher geklärt
thrombembolischer Komplikationen in werden abschließend erörtert. werden. 19,1 % der ca. 1200 analysierba-
Zusammenhang mit SARS-CoV-2 be- ren COVID-19-positiven ischämischen
richtet. Diese Berichte legten nahe, dass Schlaganfallraten bei COVID-19- Schlaganfallpatienten erhielten eine sys-
eine Infektion mit SARS-CoV-2 ähnlich infizierten Patienten temische Thrombolyse. Die gepoolte
oder sogar häufiger als andere Virus- Thrombektomierate der COVID-19-po-
infektionen Schlaganfälle verursachen Seit den erwähnten ersten Fallserien sind sitiven Schlaganfallpatienten war mit
oder zumindest auslösen kann. Die Me- mehrere systematische Reviews und Me- 25,9 % sehr hoch, was zu der signifikant
chanismen der Schlaganfallauslösung in taanalysen zur Häufigkeit eines Schlag- höheren Rate an berichteten großen
Zusammenhang mit COVID-19 sind anfalls bei COVID-19-Patienten, zu den Gefäßverschlüssen passt.
bislang aber nur teilweise verstanden. Risikofaktorenund zurPrognose erschie-
In einigen europäischen und ameri-
kanischen Regionen und Metropolen hat
nen.
Nannoni und Kollegen berücksich- »und/oder
Ein möglicher Selektions-
Publikationsbias muss
die Überlastung der medizinischen Ver- tigen in ihrem systematischen Review
sorgungssysteme durch die COVID-19- alle bis September 2020 publizierten berücksichtigt werden
Pandemie zeitweise die etablierten Ver- Studien, die mindestens 5 COVID-19-
sorgungswege des Schlaganfalls erheb- positive Schlaganfallpatienten umfass- In einer im November 2020 publizierten
lich beeinträchtigt. Diese Einschränkun- ten. In der Metaanalyse mit insgesamt multizentrischen Fall-Kontroll-Studie
gen betreffen alle Glieder der Schlag- 108.571 COVID-19-positiven Patienten aus England, die insgesamt 1470 ischämi-
anfallversorgungskette einschließlich der aus Asien, Europa und Nordamerika sche und hämorrhagische Schlaganfall-
Rettungsdienste, der Notfallambulanzen, lag die gepoolte Inzidenz eines zerebro- patienten umfasste, zeigten sich im
der neuroradiologischen Interventionen vaskulären Ereignisses bei 1,4 % (95 %- Gegensatz zu den Ergebnissen der o. g.

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Zusammenfassung · Abstract

Metaanalyse keine signifikanten Unter- Nervenarzt https://doi.org/10.1007/s00115-021-01104-1


schiede bezüglich des Alters COVID- © Der/die Autor(en) 2021
positiver und -negativer Schlaganfallpa-
tienten [24], sodass natürlich bei allen R. Veltkamp · J. C. Purrucker · R. Weber
gefunden Assoziationen immer auch ein Neurovaskuläre Manifestationen von COVID-19
möglicher Selektions- und/oder Publi-
kationsbias berücksichtigt werden muss. Zusammenfassung
Dafür sprechen auch die Ergebnisse einer Bereits früh nach Beginn der COVID-19(„co- Mortalität beträgt mehr als 15–30 %.
ronavirus disease 2019“)-Pandemie wurden Während es in manchen europäischen
weiteren systematischen Übersichtsar-
Schlaganfälle als Manifestation oder Regionen zu erheblichen Einschränkungen
beit, die die Schlaganfallinzidenzen aus Komplikation einer SARS-CoV-2(„severe der Akutversorgung von Schlaganfällen
Studien bis Mai 2020 bei COVID-po- acute respiratory syndrome coronavirus 2“)- gekommen ist, sind die Behandlungsraten für
sitiven Patienten untersuchte [7]. Diese Infektion beschrieben. Aktuelle Metaanalysen die Rekanalisationstherapie in Deutschland
lag mit 1,8 % (95 %-KI 0,9–3,7 %) etwas berichten eine Schlaganfallrate von etwa während der 1. Pandemiewelle weitgehend
1,5 %. Schlaganfälle bei COVID-19-Patienten stabil geblieben. Es stellten sich aber
höher als bei Nannoni et al., es zeigte
treten zwar häufiger bei schweren Verläufen 20–30 % weniger Patienten mit v. a.
sich aber auch hier eine sehr hohe Hete- der Infektion und bei älteren Patienten leichteren Schlaganfällen und transitorischen
rogenität der eingeschlossenen Studien. mit kardiovaskulären Risiken auf. Nicht ischämischen Attacken in Krankenhäusern
Einschränkend muss aber bei dieser selten sind aber auch junge Patienten ohne vor. Die vorliegende Übersichtsarbeit fasst
Metaanalyse erwähnt werden, dass sie Risikofaktoren betroffen. Die Schlaganfall- die aktuellen Erkenntnisse zur Epidemiologie
mechanismen sind vorwiegend embolisch, und Pathogenese COVID-19-assoziierter
nur 3306 COVID-positive Patienten
die Thromben verschließen häufig große Schlaganfälle zusammen und beschreibt die
umfasste. Auch in dieser Metaanalyse intrakranielle Gefäße und betreffen in mehr bisherigen Auswirkungen der Pandemie auf
war die Mortalität mit 34,4 % (95 %KI als 20 % mehrere Gefäßterritorien, während die Schlaganfallakutversorgung.
27,2–42,4 %) bei den COVID-19-posi- mikroangiopathische Infarkte selten sind.
tiven Schlaganfallpatienten sehr hoch. Die genaue Emboliequelle bleibt bei über Schlüsselwörter
40 % der Betroffenen kryptogen. Die durch SARS-CoV-2 · Zerebrale Ischämie · In-
In einer multizentrischen retrospektiven
das Zusammentreffen einer SARS-CoV-2- trazerebrale Blutung · Thrombolyse ·
Analyse von 8163 COVID-19-Patienten Infektion und eines Schlaganfalls bedingte Thrombektomie
in den USA entwickelten 1,3 % einen
ischämischen Schlaganfall verglichen
mit 1,0 % ohne COVID-19. Die Mor- Neurovascular manifestations of COVID-19
talität im Krankenhaus bei Patienten
mit ischämischem Schlaganfall war mit Abstract
19,4 % (COVID-19) niedriger als in Even early at the beginning of the coronavirus The mortality caused by the co-occurrence of
disease 2019 (COVID-19) pandemic, stroke a SARS-CoV-2 infection and a stroke exceeds
vorgenannter Metaanalyse und unter- 15–30%. While acute stroke treatment was
was described as a manifestation or
schied sich nicht von Nicht-COVID-19- complication of infections with severe acute severely affected in some European regions,
Patienten (21,6 %; p = 0,66; [26]). respiratory syndrome coronavirus 2 (SARS- the rates of recanalization treatment in
Aufgrund eines sehr wahrscheinli- CoV-2). Current meta-analyses reported Germany largely remained stable during the
chen Publikations- und Berichtsbias soll a stroke rate of approximately 1.5%. Stroke first pandemic wave; however, 20–30% fewer
in COVID-19 positive patients occurs more patients with minor stroke and transient
hier kurz die Arbeit von Bekelis und ischemic attacks (TIA) presented to hospitals
frequently in severe courses of the infection
Mitarbeitern aus dem stark betroffenen and in older patients with cardiovascular during the first wave in spring 2020. The
Staat New York erwähnt werden, die comorbidities; however, young patients present narrative review summarizes the
in ihrer Analyse von Entlassungsdaten without cardiovascular risk factors are also current evidence regarding the epidemiology
von 24.808 Patienten (davon waren 2513 not uncommonly affected. The mechanisms and pathogenesis of stroke associated with
of stroke are predominantly embolic. The COVID-19 and describes the effect of the
COVID-positiv) in den Monaten Januar pandemic so far on the provision of acute
thrombi frequently occlude large intracranial
bis April 2020 keine positive Assoziation vessels and in more than 20% affect multiple stroke treatment.
zwischen einer SARS-CoV-2-Infektion vascular territories, whereas infarctions due
und ischämischem Schlaganfall fanden to small vessel disease are uncommon. Keywords
(OR 0,25; 95 %-KI 0,16–0,40; [3]). The exact source of the embolism remains SARS-CoV-2 · Cerebral ischemia · Intracerebral
cryptogenic in more than 40% of patients. hemorrhage · Thrombolysis · Thrombectomy
Landesweite Daten aus der 1. Pan-
demiewelle wurden bisher aus Däne-
mark und Deutschland publiziert. In
dem landesweiten dänischen Register, 10(International Statistical Classification und 18 einen akuten Herzinfarkt. Das
das alle Krankenhausaufnahmen sys- of Diseases and Related Health Prob- ischämische Schlaganfallrisiko in den
tematisch erfasst, wurde mithilfe des lems 10)-Kodierungen bestimmt [21]. ersten 14 Tagen nach laborchemischer
sog. „Self-controlled-case-series“-Studi- Insgesamt hatten sich in dem Beobach- Diagnosestellung einer COVID-19-In-
endesign die Inzidenz des Auftretens tungszeitraum der Studie 5119 Patienten fektion war 10-fach höher verglichen
eines ischämischen Schlaganfalls und mit COVID-19 infiziert. Von diesen er- zu dem vor der Infektion gelegenen
akuten Herzinfarktes anhand der ICD- litten 44 einen ischämischen Schlaganfall Zeitraum von bis zu 180 Tagen. Dieser

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Unterschied blieb auch statistisch signi- Daten mit einem leicht erhöhten Schlag- mit multiplen embolischen Infarkten
fikant, wenn der Beobachtungszeitraum anfallrisiko einher. Es treten überwie- berichtet worden [38].
nach der Diagnosestellung auf 31 Tage gend embolische Schlaganfälle in größe- Das SARS-CoV-2-Virus nutzt
verlängert wurde. Das Risiko, einen aku- ren Hirngefäßen auf, die mit einer deut- den Angiotensin-converting-enzyme-2
ten Herzinfarkt in den ersten 14 Tagen lich erhöhten Mortalität einhergehen. In (ACE2)-Rezeptor, um in die Wirtszellen
nach der Diagnosestellung zu erleiden, . Tab. 1 sind die wichtigsten epidemio- einzudringen [39]. Der ACE2-Rezeptor
war ungefähr 5-fach erhöht. logischen Daten zusammengefasst. wird neben der Lunge auch im Her-
In Deutschland hatten von 68.913 Pa- zen und in Endothelzellen exprimiert.
tienten, die im Zeitraum von 16.01.2020 Mechanismen der Schlag- Das Virus kann in Endothelzellen zu
bis 15.05.2020 mit der Hauptdiagnose ei- anfallpathogenese bei einer Dysfunktion und einer prothrom-
nes ischämischen Schlaganfalls im Kran- COVID-19 botischen Veränderung der Gefäßin-
kenhaus aufgenommen wurden, 213 Pa- nenschicht führen [36]. Das Herz, eine
tienten eine zusätzliche COVID-19- Hinweise aufdie Pathogenese vonSchlag- häufige Quelle embolischer Schlagan-
Infektion als Nebendiagnose [27]. Das anfällen bei mit SARS-CoV-2 infizierten fälle auch unter normalen Umständen,
Alter der Patienten lag mit 76 ± 20 Jahren Patienten ergeben sich aus epidemiolo- gilt ebenfalls als wichtiger Angriffs-
nichtsignifikant höher als bei Schlagan- gischen Daten, aus bildgebenden und la- punkt für das SARS-CoV-2-Virus [7].
fallpatienten ohne COVID-19-Infektion borchemischen Befunden und aus dem Zu den verschiedenen kardialen Ma-
(74 ± 19 Jahre). Bezüglich der Geschlech- wachsenden Verständnis der molekula- nifestationen von COVID-19 zählen
terverteilung gab es keine signifikanten ren Pathomechanismen von COVID-19. eine Myokarditis, eine inflammatori-
Unterschiede zwischen infizierten und Die Genese von Schlaganfällen ist he- sche oder Stressmyokardiopathie, eine
nichtinfizierten Schlaganfallpatienten. terogen und multifaktoriell und hängt koronare Ischämie und Herzrhythmus-
Ebenso unterschied sich die Häufigkeit von der individuellen Konstellation bei störungen. Ähnlich wie bei den oben
der verabreichten intravenösen Throm- COVID-19-Patienten ab. Einerseits kann genannten Gefäßerkrankungen kann
bolyse bei COVID-19-positiven Schlag- die SARS-CoV-2-Infektion bei Patienten das Zusammenspiel inflammatorischer
anfallpatienten nicht von der Rate bei mit vorbestehender kardiovaskulärer Er- Prozessen die Gerinnselbildung auch im
nichtinfizierten Schlaganfallpatienten krankung ein akutes Schlaganfallereignis Herzen begünstigen. Schließlich ist die
(16,4 vs. 16,2 %), während die mechani- auslösenoderbegünstigen[31]. Anderer- häufig schwere Hypoxämie bei COVID-
sche Thrombektomie signifikant seltener seits gibt es Belege dafür, dass die SARS- assoziierter Pneumonie besonders be-
bei COVID-19-Patienten durchgeführt CoV-2-Infektion über inflammatorische, drohlich für Patienten mit hochgradigen,
wurde (3,8 vs. 7,7 %). Die Kranken- vaskuläre oder thrombotische Prozesse hämodynamisch relevanten extra- und
haussterblichkeit war in Deutschland zu zerebralen Thrombembolien bei zu- intrakraniellen Stenosen, da ihre vaso-
bei den COVID-19-positiven Schlag- vor kardiovaskulär gesunden Menschen motorische Reservekapazität zur Kom-
anfallpatienten erheblich erhöht (22,5 führen kann. pensation einer systemischen Hypoxie
vs. 7,7 %). Bei 172 Patienten, die ur- bereits erschöpft ist.
sprünglich aufgrund einer COVID-19-
Infektion stationär aufgenommen wor- »inflammatorischer
Das Zusammenspiel
Prozesse
Ein erhöhtes Schlaganfallrisiko infol-
ge einer viralen Infektion ist kein für
den waren, wurde die Nebendiagnose COVID-19 spezifisches Phänomen [31].
eines ischämischen Schlaganfalls ko- begünstigt die Gerinnselbildung Aufschlussreich ist insbesondere der
diert. Die Krankenhaussterblichkeit bei Vergleich mit der Influenza, einer an-
diesen Patienten lag bei 49,4 %. Unter Das SARS-CoV-2-Virus kann direkt deren epidemisch auftretenden viralen
Berücksichtigung beider Konstellatio- oder über inflammatorische Prozesse Atemwegserkrankung. Eine retrospek-
nen betrug die Krankenhaussterblich- eine prothrombotische Diathese her- tive Analyse administrativer Daten von
keit bei COVID-19-infizierten Patienten vorrufen [10, 12]. Die Aktivierung der akuten Schlaganfällen zwischen 1994
mit einem ischämischen Schlaganfall als Gerinnungskaskade bei Patienten mit und 2001, einschließlich Subarachnoi-
Haupt- oder Nebendiagnose in Deutsch- schwerer COVID-19-Erkrankung ist dalblutungen und TIAs, berichtete einen
land insgesamt 34,6 %. durch den Anstieg von D-Dimer und schwachen Zusammenhang zwischen
Fibrinogen im Plasma belegt. Durch die Influenzaraten und der Schlaganfallin-

»BRDDiebeiMortalität war in der


COVID-19-positiven
Aktivierung des Immunsystems kann es
zur Freisetzung proinflammatorischer
zidenz [8]. Eine Verdreifachung der
Influenzarate führte zu einem 6%igen
Zytokine [11], einer daraus resultieren- Anstieg der Schlaganfallinzidenz. Eine
Schlaganfallpatienten erheblich den Plaqueruptur und einer Throm- weitere Studie berichtete ein erhöhtes
erhöht busauflagerung bei Patienten mit einer individuelles Schlaganfallrisiko nach be-
Arteriosklerose kommen [18]. Auch stätigter Influenzainfektion verglichen
Antiphospholipidantikörper und eine mit anderen Infektionen [37]. Aller-
Zusammenfassend geht eine SARS-CoV- damit verbundene Hyperkoagulabilität dings war das Zeitfenster nach der
2-Infektion nach den bisher vorliegenden sind bei COVID-19-positiven Patienten Infektion mit 1 bis 3 Tagen nach dem

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Tab. 1 Zusammenfassung wichtiger epidemiologischer Kennzahlen für COVID-19-Patienten Influenzanachweis sehr kurz und die
mit akuten Schlaganfällen Konfidenzintervalle waren sehr groß.
Schlaganfallinzidenz bei Asien 63/2348 → 3,1 % (95 %-KI 1,9–5,1 %) Eine Analyse von Registerdaten aus
COVID-19-Patienten [22, 26] Europa 83/7795 → 1,2 % (95 %-KI 0,7–1,9 %) Südlondon, die die Inzidenz in Bezug
Nordamerika 960/98.428 → 1,1 % (95 %-KI 0,8–1,4 %; auf nichtindividualisierte nationale In-
[22]) fluenzaüberwachungsdaten auswertete,
USA 103/8163 → 1,3 % [26] fand ebenfalls ein kurzes Intervall. Die
Demographische Fakto- Alter, Jahre Median 65,3 (Range 61,4–67,6; [22]) stärkste Assoziation zwischen Schlagan-
ren bei COVID-positiven Median 65,0 (Range 54,0–76,3; [9]) fall und Influenzainzidenz lag innerhalb
Schlaganfallpatienten Mittel 68,8 (Standardabweichung 15,1;
einer Woche nach Influenzainfektionen,
[26])
während nach einem 5-Wochen-Zeit-
Geschlecht (männlich) 62,4 % [22]
57 % [9] raum keine Schlaganfallhäufung mehr
44,7 % [26] nachweisbar war [33]. Durch Analyse
Verteilung zerebrovas- Ischämisch 87,4 % (Range 80,1–92,3 %; [22]) von Routinedaten aus dem Gesundheits-
kulärer Ereignisse bei 78,8 % [9] wesen konnte die größte Wahrschein-
COVID-positiven Patien- Hämorrhagisch 11,6 % (Range 10,1–13,3 %; [22]) lichkeit für einen späteren Schlaganfall
ten 15,0 % [9] innerhalb von 15 Tagen nach einer Influ-
Sinus-/ 0,5 % (Range 0,1–2.2 %; [22]) enzainfektion ermittelt werden, während
Hirnvenenthrombose 4,4 % [9] nach 60 Tagen kein erhöhtes Risiko mehr
Ätiologie der ischämi- Verschluss einer/ OR 2,73 (95 %-KI 1,63–4,57) COVID-19-pos. vorzuliegen scheint [5].
schen Schlaganfälle bei mehrerer großer hirn- vs. COVID-19-neg. [22]
COVID-positiven Patienten

Thrombolyserate bei
versorgender Arterien

Metaanalyse Dez. 2019 19,1 % bei COVID-19-pos.; OR 1,06 (95 %-KI


»COVID-19-Infektion
Das Schlaganfallrisiko ist bei
im Vergleich
COVID-19-positiven bis Sep. 2020 0,64–1,76) COVID-19-pos. vs. COVID-19
ischämischen Schlagan- -neg. [22]
zu Influenza erhöht
fallpatienten Metaanalyse Jan. bis 12,9 % bei COVID-19-pos. [9]
Mai 2020 Vergleichende Analysen von COVID-19
Deutschlandweit 16,4 % bei COVID-19-pos. vs. 16,2 % bei und Influenza sind derzeit noch rar. Eine
Jan.–Mai 20 COVID-19-neg. [28] Arbeit aus New York, die an zwei Kli-
USA Dez. 2019 bis 1,0 % bei COVID-19-pos., 1,0 % nikstandorten die Schlaganfallrate bei
Apr. 2020 COVID-19-neg. [26] COVID-19-Patienten aus der 1. Welle
Thrombektomierate bei Metaanalyse Dez. 2019 25,9 % bei COVID-19-pos.; OR 1,13 (März bis Mai 2020) mit denen frü-
COVID-positiven ischämi- bis Sep. 2020 (95 %-KI 0,71–1,80) COVID-19-pos. vs. herer Influenzapandemien (2016 bis
schen Schlaganfallpatien- COVID-19-neg. [22]
Mai 2018) verglich, fand eine deut-
ten Metaanalyse Jan. bis 12,1 % bei COVID-19-pos [9] lich höhere Wahrscheinlichkeit eines
Mai 20
ischämischen Schlaganfalls bei Patien-
Deutschlandweit Jan. 3,8 % bei COVID-19-pos. vs. 7,7 %
ten mit COVID-19-Infektion (31/1916;
bis Mai 2020 COVID-19-neg. [28]
1,6 %) verglichen mit Influenza (3/1486,
USA Dez. 2019 bis 1,0 % bei COVID-19-pos., 1,0 %
Apr. 2020 COVID-19-neg. [26] 0,2 %). Nach Adjustierung für generelle
Krankenhausmortalität Metaanalyse Dez. 2019 31,5 % (95 %-KI 27,3–36,0 %), OR 5,21
Schlaganfallrisikofaktoren war das rela-
von Patienten mit ei- bis Sep. 2020 (95 %-KI 3,43–7,90) COVID-19-pos. vs. tive Risiko 7,6-mal höher bei COVID-19
ner COVID-Infektion und COVID-19-neg. [22] [19]. In nur rund einem Viertel der
Schlaganfall Metaanalyse Jan. bis 34,4 % [9] Schlaganfallfälle bei COVID-19 war
Mai 2020 der akute Schlaganfall der ursprüng-
Deutschlandweit Jan. 34,6 % [24] liche Grund für die Klinikvorstellung
bis Mai 2020 gewesen. Vielmehr traten bei 74 % die
USA Dez. 2019 bis 19,4 % COVID-19-pos. vs. 21,6 % COVID-19 Schlaganfallsymptome erst während des
Apr. 2020 neg. [26] Klinikaufenthaltes auf. Die Schlagan-
COVID-19 „coronavirus disease 2019“, KI Konfidenzintervall, neg. negativ, pos. positive fallrate unterschied sich nicht zwischen
Patienten mit Symptomen einer Atem-
wegserkrankung bei Klinikvorstellung
und asymptomatischen Patienten mit
Identifikation der Infektion im Routi-
nescreening (1,5 vs. 1,9 %). Zwischen
den ersten Symptomen der COVID-19-
Infektion und der Schlaganfalldiagnose

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vergingen im Median 16 Tage (Interquar- Blutungen könnte auf eine COVID-19- Patienten mit einem hämorrhagischen
tilsbereich, 5–28; [19]). Die längerfris- assoziierte Vasopathie hindeuten. Auch Schlaganfall [6]. Die Krankenhausmor-
tigen Auswirkungen einer COVID-19- sind zerebrale Mikroblutungen bei kri- talität bei den aufgenommenen Schlag-
Infektion auf das Schlaganfallrisiko sind tisch kranken COVID-19-Patienten im anfallpatienten unterschied sich nicht
noch nicht bekannt. Corpus callosum und in subkortikalen signifikant zwischen der Lockdownperi-
Interessant ist, inwiefern die rasch ent- Arealen berichtet worden. ode und den Vergleichszeiträumen.
wickelten Impfstoffe gegen die SARS- Venöse thrombembolische Ereignisse
CoV-2-Infektion [25] einen Effekt auf
die zukünftige Inzidenz kardiovasku-
stellen häufige Komplikationen einer
COVID-19-Erkrankung dar. Interessan- »Schlaganfall
Patienten mit leichtem
oder TIA stellten sich
lärer Erkrankungen einschließlich des terweise gibt es auch Fallberichte und
Schlaganfalls haben werden. Bei der Übersichtsarbeiten von COVID-19-Pati- weniger häufig im Krankenhaus
Influenza zeigte eine Metaanalyse von enten mit Sinusthrombose oder Throm- vor
Beobachtungsstudien aus den Jahren bose der äußeren und inneren Hirnvenen
2002 bis 2014 ein verringertes Risi- [2]. Bei einer Hirnblutung sollte daher
ko eines Schlaganfalls bei Patienten, differenzialdiagnostisch an eine venöse Aus Deutschland gab es die ersten Be-
die eine Impfung erhalten hatten [16]. Stauungsblutung gedacht werden. Bei richte anhand von Versicherungsdaten
Vergleichbare Daten zu neueren Influ- COVID-19-Patienten mit Kopfschmer- der Barmer Versicherung und aus dem
enzaserotypen und -impfungen fehlen zen, epileptischen Anfällen oder einer bayrischen TEMPiS-Teleschlaganfall-
noch. Eine gepoolte Analyse prospektiver Vigilanzminderung sollte auch eine ve- Netzwerk. In der Analyse der Versiche-
Studien berichtete von keiner Redukti- nöse Thrombose in Betracht gezogen rungsdaten aus dem Zeitraum 01.01.
on durch eine Influenzaimpfung eines werden. bis 31.05.2020 zeigten sich verminderte
gemeinsamen Endpunkts aus nichttöd- Aufnahmeraten von TIA- und Schlag-
lichem Myokardinfarkt, nichttödlichem Einfluss der COVID-19- anfallpatienten und eine erhöhte Kran-
Schlaganfall oder Tod durch vaskuläre Pandemie auf die Behandlung kenhaussterblichkeit bei Schlaganfallpa-
Ursache innerhalb eines 2-Jahres-Beob- des akuten Schlaganfalls tienten (9,8 vs. 8,5 %) gegenüber dem
achtungszeitraum nach einem kürzlich gleichen Zeitraum im Jahr 2019 [30]. Im
atherosklerotischen Schlaganfallereignis Schon in den ersten Wochen nach den TEMPiS Netzwerk gingen die Empfeh-
[15]. Eine Metaanalyse von 6 randomi- Mitte März 2020 in Deutschland ein- lungen zum Einsatz einer intravenösen
sierten klinischen Studien berichtete ein geführten Shutdown-Maßnahmen wur- Thrombolyse bei akuten ischämischen
niedrigeres relatives Risiko eines schwe- de von vielen Kollegen der deutschen Schlaganfallpatienten nach dem Lock-
ren kardiovaskulären Ereignisses nach Stroke-Units über einen deutlichen down Mitte März 2020 im Vergleich zu
einem Jahr nach Influenzaimpfung von Rückgang der stationär behandelten den 3 vorherigen Jahren zurück [29]. Die
0,64 [35]. Schlaganfallpatienten berichtet. Inzwi- Rate der mechanischen Thrombektomi-
schen liegen aus allen fünf dauerhaft en fiel nach dem Lockdown (7,6 %) auf
Hirnblutungen und bewohnten Kontinenten Daten zu dem das Niveau der Jahre 2017 bis 2019. Mit-
Sinusthrombosen Phänomen der „verschwundenen Schlag- tels einer Analyse der deutschlandweiten
anfallpatienten“ vor. Eine Metaanalyse, DESTATIS-Abrechnungsdaten konnten
Intrazerebrale und andere intrakranielle die neun regionale Studien aus China, Richter und Kollegen zeigen, dass in
Blutungen sind bei COVID-19-Patien- Europa und den USA mit insgesamt den 2 Monaten des ersten COVID-19-
ten in Fallberichten und Fallserien be- 59.233 Patienten umfasste, ergab, dass bedingten Lockdowns in Deutschland
richtet worden. In einer systematischen es während der COVID-19-Pandemie die stationären Aufnahmen von TIA-
Übersichtsarbeit waren 40 % der intraze- zu nur 64 % der vor der Pandemie Patienten im Vergleich zu den beiden
rebralen Hämatome lobär gelegen, 20 % auftretenden Schlaganfallnotfallalarmie- Vormonaten um 23 %, die von ischämi-
der Patienten hatten bilaterale Blutungen. rungen und Krankenhauseinweisungen schen Schlaganfällen um 17,4 % zurück-
Allerdings hat nur ein kleiner Anteil der kam [13]. Die Zahl der Thrombolyse- gingen [25]. Dementsprechend kam es
mit einer COVID-19-Infektion hospita- therapien verringerte sich um 31 %, die zu einer Abnahme der Absolutzahlen
lisierten Patienten eine Hirnblutung [22]. Zahl der Thrombektomien um 22 % im der rekanalisierenden Akuttherapien
Ein Anstieg der Inzidenz von Hirnblu- Vergleich zu der Zeit vor der Pandemie. bei ischämischen Schlaganfallpatien-
tungen durch eine COVID-19-Infektion In Dänemark wurden in den ers- ten. Die relative Thrombolyserate blieb
wurde bislang nicht gezeigt [34]. Poten- ten 3 Wochen nach dem Lockdown im während des Lockdowns mit 16,5 %
zielle Faktoren, die eine Hirnblutung bei März 2020 signifikant weniger Patienten aber unverändert, der Anteil der me-
COVID-19 begünstigen könnten, stel- mit einer TIA und einem ischämischen chanisch thrombektomierten Patienten
len eine COVID-19-assozierte Koagu- Schlaganfall stationär aufgenommen als nahm deutschlandweit im Gegensatz
lopathie, Organversagen und der Ein- in den Jahren 2017 bis 2019. Hingegen zu den regionalen Zahlen aus TEMPiS
satz von Antikoagulanzien dar. Die häu- zeigte sich kein signifikanter Rückgang sogar leicht während des Lockdowns
fig atypische, bilaterale Lokalisation der bei den im Krankenhaus behandelten zu (8,1 vs. 7,7 %). Dies ist wohl damit

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zu begründen, dass schwerer betroffene Schlussfolgerungen gerung personeller, ökonomischer und


Schlaganfallpatienten mit einem großen administrativer Ressourcen sowie der
Gefäßverschluss weiterhin ins Kranken- Angesichts der Neuheit der Erkrankung Kontaktbeschränkungen in 2020 war,
haus kamen, während sich Patienten mit und der methodischen Limitationen der dürfen sich in Zukunft nicht fortsetzen.
einem leichteren („Minor“-)Schlagan- bisherigen Studien sollten die darge-
fall oder einer TIA aus Angst vor einer stellten Erkenntnisse zur Assoziation Fazit für die Praxis
SARS-CoV-2-Ansteckung weniger häu- von COVID-19 und Schlaganfällen als
fig im Krankenhaus vorstellten. Ebenso vorläufig betrachtet werden. Dennoch 4 Mit SARS-CoV-2 („severe acute res-
zeigen Triagedaten einer großen neuro- zeichnet sich ab, dass Schlaganfälle piratory syndrome coronavirus 2“)
logischen Notaufnahme eine Abnahme ebenso wie andere neurologische Kom- infizierte Patienten scheinen ein ge-
in den nichtdringlichen Triagestufen, plikationen zum Spektrum der Mani- ring erhöhtes Schlaganfallrisiko zu
bei gleichzeitig stabiler Anzahl an Pa- festationen der COVID-19-Erkrankung haben.
tienten der dringlichsten Triagestufe gehören. Da bei COVID-19 häufig erst 4 Die Mehrzahl COVID-19(„coronavirus
[20]. Dafür spricht auch die während im Verlauf Schlaganfälle auftreten, sind disease 2019“)-assoziierter ischämi-
der 2-monatigen 1. Welle um 1 % höhe- ein klinisch-neurologisches Monitoring scher Schlaganfälle ist embolisch,
re Krankenhausmortalität ischämischer und die niedrigschwellige Veranlassung verschließt große intrakranielle
Schlaganfallpatienten im Vergleich zu bildgebender Diagnostik bei Infizierten Gefäße, betrifft multiple Gefäßter-
Januar/Februar 2020 und dem entspre- angezeigt. Eine generelle Primärprophy- ritorien und verläuft schwerer. Die
chenden Zeitraum im Jahr 2019. laxe von Schlaganfällen bei mit SARS- Emboliequelle bleibt bei mehr als
CoV-2-Infizierten – in Analogie zur 40 % unerkannt.

»ten Nicht alle Schlaganfallpatien-


erhielten in ihren Zentren die
Prävention venöser Thrombembolien –
zeichnet sich derzeit noch nicht ab.
4 Obwohl bei SARS-CoV-2-Infizierten
auch Hirnblutungen beschrieben
Bei akuten ischämischen Schlaganfällen wurden, ist unklar, ob es sich um
sonst übliche Versorgung sollten die etablierten rekanalisierenden eine Koinzidenz oder um einen
Therapien unter Berücksichtigung hy- pathogenetischen Zusammenhang
Die stabilen Lyse- und Thrombekto- gienischer Schutzmaßnahmen erfolgen handelt.
mieraten in Deutschland während der und die weitere Betreuung gegebenen- 4 COVID-19-positive Schlaganfall-
COVID-Pandemie im Frühjahr sind falls auf monitorierten Isolierstationen patienten waren in Metaanalysen
wahrscheinlich Folge der im Vergleich zu unter Einbeziehung des Schlaganfall- internationaler Studien signifikant
anderen europäischen Ländern deutlich teams fortgeführt werden. Die Sekun- jünger als nichtinfizierte Patienten.
milder verlaufenden ersten Krankheits- därprävention nach einem ischämischen 4 Die Krankenhausmortalität war bei
welle und der weniger beeinträchtigten Schlaganfall folgt bislang den üblichen COVID-19-positiven Schlaganfallpati-
Notfall- und Schlaganfallversorgung. Sie Vorgaben, wobei die ätiologische Dia- enten in einigen Arbeiten gegenüber
sind auch der hohen Anzahl an Stroke- gnostik ungewöhnliche Mechanismen nichtinfizierten Patienten deutlich
Unit- und Intensivbetten in deutschen der Schlaganfallpathogenese und insbe- erhöht und liegt weltweit bei ca.
Krankenhäusern zu verdanken [4]. In sondere auch eine Analyse von Throm- einem Drittel.
Frankreich und Spanien zeigte sich in bophilieparametern einbeziehen sollte. 4 COVID-19-Patienten sollten hinsicht-
schwer betroffenen Regionen eine deut- Aktuelle Empfehlungen für die Diagno- lich der Entwicklung von Schlag-
liche Zunahme der „Door-to-needle“- se und Behandlung gibt die Deutsche anfällen überwacht werden. Die
Zeit bei der intravenösen Thrombolyse Gesellschaft für Neurologie gemeinsam Diagnostik sollte auch ungewöhnli-
bzw. der „Bild-zu-Leistenpunktionszeit“ mit anderen Fachgesellschaften in der che Ursachen in Betracht ziehen.
bei der mechanischen Thrombektomie S1-Leitlinie „Neurologische Manifesta-
[14, 32]. In einer Umfrage der Eu- tionen bei COVID-19.“ Die Effekte der
Korrespondenzadresse
ropean Stroke Organisation, auf die Pandemie auf die längerfristige Sekun-
426 Schlaganfallexperten aus 55 Län- därprävention nach einem Schlaganfall Prof. Dr. Roland Veltkamp
dern antworteten, wurden von 77 % der sind naheliegend, aber bislang kaum Neurologische Klinik, Alfried
teilnehmenden europäischen Kollegen untersucht. Krupp Krankenhaus Essen
Alfried Krupp Str. 21,
berichtet, dass nicht alle Schlaganfall- Bei aller angemessenen Aufmerksam-
45131 Essen, Deutschland
patienten die sonst übliche Versorgung keit für die COVID-19-Pandemie darf roland.veltkamp@krupp-
in ihren Zentren erhalten konnten [1]. die Behandlung nichtinfektiöser Enti- krankenhaus.de
Dies betraf sowohl die Schlaganfallakut- täten wie Herz-Kreislauf-, Schlaganfall-
versorgung als auch die Rehabilitation. und Krebserkrankungen nicht vernach- Funding. Open access funding provided by Imperial
lässigt werden. Die erheblichen „Kolla- College London.
teralschäden“ für die klinische Schlag-
anfallforschung während der Pandemie,
die Folge der Streichung oder Verla-

Der Nervenarzt
ischemic attack admission rates and prognosis in 25. Polack FP, Thomas SJ, Kitchin N et al (2020) Safety
Einhaltung ethischer Richtlinien Denmark: a nationwide cohort study. Circulation and efficacy of the BNT162b2 mRNA Covid-19
142:1227–1229 vaccine. N Engl J Med 383:2603–2615
Interessenkonflikt. R. Veltkamp ist koordinierender 7. Cheng R, Leedy D (2020) COVID-19 and acute 26. Qureshi AI, Baskett WI, Huang W et al (2021)
Projektleiter der PRESTIGE-AF-Studie, die von der Eu- myocardial injury: the heart of the matter or an Acute Ischemic stroke and COVID-19: an analysis of
ropäischen Kommission im Rahmen des HORIZON- innocent bystander? Heart 106:1122–1124 27 676 patients. Stroke. https://doi.org/10.1161/
2020-Programms (Grant agreement 754517) unter- 8. Field TS, Zhu H, Tarrant M et al (2004) Relationship STROKEAHA.120.031786
stützt wird, und hat Honorare für Beratungen, Vorträge between supra-annual trends in influenza rates 27. Richter D, Bartig D, Krogias C et al (2020) Letter
und Unterstützung für Forschungsprojekte erhalten and stroke occurrence. Neuroepidemiology to the editor: risk comorbidities of COVID-19 in
von Boehringer Ingelheim, Bayer, BMS, Pfizer, Daiichi 23:228–235 Parkinson′ s disease patients in Germany. Neurol
Sankyo, Medtronic, Biogen, Astra Zeneca. J. C. Purru- 9. Fridman S, Bres Bullrich M, Jimenez-Ruiz A et Res Pract 2:22
cker hat Honorare für Beratungen und Vorträge von al (2020) Stroke risk, phenotypes, and death in 28. Richter D, Krogias C, Eyding J et al (2020)
Abbott, Akcea, Boehringer Ingelheim, Bayer, BMS Pfi- COVID-19: systematic review and newly reported Comparison of stroke care parameters in acute
zer und Daiichi Sankyo erhalten. R. Weber hat Honorare cases. Neurology 95:e3373–e3385 ischemic stroke patients with and without
für Vorträge von BMS und Medtronic erhalten. 10. Hess DC, Eldahshan W, Rutkowski E (2020) concurrent Covid-19. A Nationwide analysis.
COVID-19-related stroke. Transl Stroke Res Neurol Res Pract 2:48
11:322–325 29. Schlachetzki F, Theek C, Hubert ND et al (2020)
Für diesen Beitrag wurden von den Autoren keine
11. Huang C, Wang Y, Li X et al (2020) Clinical features Low stroke incidence in the TEMPiS telestroke
Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt.
of patients infected with 2019 novel coronavirus in network during COVID-19 pandemic – effect of
Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort
Wuhan, China. Lancet 395:497–506 lockdown on thrombolysis and thrombectomy.
angegebenen ethischen Richtlinien.
12. Iba T, Levy JH, Warkentin TE et al (2019) Diagnosis J Telemed Telecare. https://doi.org/10.1177/
and management of sepsis-induced coagulopathy 1357633X20943327
Open Access. Dieser Artikel wird unter der Creative
and disseminated intravascular coagulation. 30. Seiffert M, Brunner FJ, Remmel M et al (2020)
Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz
J Thromb Haemost 17:1989–1994 Temporal trends in the presentation of cardio-
veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung,
13. July J, Pranata R (2020) Impact of the Coronavirus vascular and cerebrovascular emergencies during
Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe in jegli-
disease pandemic on the number of strokes the COVID-19 pandemic in Germany: an analy-
chem Medium und Format erlaubt, sofern Sie den/die
and mechanical thrombectomies: a systematic sis of health insurance claims. Clin Res Cardiol
ursprünglichen Autor(en) und die Quelle ordnungsge-
review and meta-analysis. J Stroke Cerebrovasc Dis 109:1540–1548
mäß nennen, einen Link zur Creative Commons Lizenz
29:105185 31. South K, Mcculloch L, Mccoll BW et al (2020)
beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenom-
14. Kerleroux B, Fabacher T, Bricout N et al (2020) Me- Preceding infection and risk of stroke: an old
men wurden.
chanical thrombectomy for acute ischemic stroke concept revived by the COVID-19 pandemic. Int J
amid the COVID-19 outbreak: decreased activity, Stroke 15:722–732
Die in diesem Artikel enthaltenen Bilder und sonstiges
and increased care delays. Stroke 51:2012–2017 32. Tejada Meza H, Lambea GA, Saldana SA et al
Drittmaterial unterliegen ebenfalls der genannten
15. Lavallee PC, Labreuche J, Fox KM et al (2014) (2020)ImpactofCOVID-19 outbreakinreperfusion
Creative Commons Lizenz, sofern sich aus der Abbil-
Influenza vaccination and cardiovascular risk in therapies of acute ischaemic stroke in northwest
dungslegende nichts anderes ergibt. Sofern das be-
patients with recent TIA and stroke. Neurology Spain. Eur J Neurol 27:2491–2498
treffende Material nicht unter der genannten Creative
82:1905–1913 33. Toschke AM, Heuschmann PU, Wood O et al
Commons Lizenz steht und die betreffende Handlung
16. Lee KR, Bae JH, Hwang IC et al (2017) Effect of (2009) Temporal relationship between influenza
nicht nach gesetzlichen Vorschriften erlaubt ist, ist für
influenza vaccination on risk of stroke: a systematic infections and subsequent first-ever stroke
die oben aufgeführten Weiterverwendungen des Ma-
review and meta-analysis. Neuroepidemiology incidence. Age Ageing 38:100–103
terials die Einwilligung des jeweiligen Rechteinhabers
48:103–110 34. Tsivgoulis G, Palaiodimou L, Zand R et al
einzuholen.
17. LiY,LiM,WangMetal(2020)Acutecerebrovascular (2020) COVID-19 and cerebrovascular diseases:
disease following COVID-19: a single center, acomprehensiveoverview. TherAdv NeurolDisord
Weitere Details zur Lizenz entnehmen Sie bitte der
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