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1646 XII.

Ergebnisse V: Das Frühneuhochdeutsche

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118. Zum Verhältnis von geschriebener und gesprochener Sprache


im Frühneuhochdeutschen

1. Allgemeine Axiome der Forschung zu rückten die Thesen von Mündlichkeit und
Mündlichkeit und Schriftlichkeit Schriftlichkeit als verschiedenen Denkweisen,
2. Linguistische Grobcharakterisierung vom Übergang zur Schrift als Ursache tief-
mündlicher und schriftlicher Textstrukturen greifender kultureller Veränderungen und
3. Die frühneuhochdeutschen Textsorten
zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit;
von der Beschleunigung dieses Prozesses
Textsortenstile durch den Buchdruck mit der Folge wahrer
4. Sprachliche Merkmale der Mündlichkeit und Literatur- und Lese-„Explosionen“ in das
des Übergangs zur Schriftlichkeit (anhand Zentrum der Mittelalter-, Kultur- und Me-
ihrer Behandlung in der neueren Forschung) dienforschung. Es hat jedoch in der germani-
5. Literatur (in Auswahl) stischen Sprachwissenschaft schon vorher
Ansätze gegeben, die Auswirkungen der
lange nur mündlichen Verwendung der
1. Allgemeine Axiome der Volkssprache auf die Sprachformen und Stil-
Forschung zu Mündlichkeit muster zu Beginn und während der allmäh-
und Schriftlichkeit lichen Entfaltung des Dt. als Schriftsprache
genauer zu erfassen und das sich im Laufe
1.1. Durch die Rezeption der Arbeiten von der Jahrhunderte nun ständig verschiebende
Ong, Havelock, Goody, Watt, Lord, McLu- Verhältnis von Schriftlichkeit und Mündlich-
han sowie die Wiederentdeckung der Schrif- keit zu beschreiben. Aber es blieb weitgehend
ten von Parry (1930/32), Halbwachs (1925; bei Ansätzen, denen es ⫺ nicht zuletzt wegen
1950) u. a. (vgl. die Überblicke in Schlaffer des Fehlens direkter Quellen für die gespro-
1981; Havelock 1991, 12ff. und 1992, 47ff.) chene Sprache früherer Epochen (vgl. die
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Art. 87, 97, 137 von Sonderegger, Grosse, in ‘Schriftkulturen’ und ‘Oralkulturen’ “ dif-
Löffler) ⫺ an Systematik und einem die Ein- ferenzierter gesehen wird, postuliert die
zelbeobachtungen übergreifenden theoreti- neuere Forschung generell „eine Fülle von
schen Konzept fehlte. Erst in jüngster Zeit Zwischenstufen und Verbindungsformen von
bahnen sich Kontakte zwischen diesen kon- Schriftlichkeit und Mündlichkeit“ (Assmann/
kreter grammatischen Untersuchungen und Assmann 1988, 25f.). Koch/Oesterreicher
der kulturphilosophisch-, literaturorientier- (zit. nach 1994, 587f.), die im Anschluß an
ten bzw. allgemeiner kommunikationswissen- Sölls (1974) Unterscheidung zwischen dem
schaftlichen Mündlichkeits-Schriftlichkeits- „Medium der Realisierung sprachlicher Äuße-
Forschung an, wozu die Arbeiten des Frei- rungen“ (phonisch/graphisch) und der „Mo-
burger Sonderforschungsbereichs (1985⫺ dalität“ bzw. „Konzeption, die die Äußerun-
1996) erheblich beigetragen haben (vgl. Rai- gen prägt“ (gesprochen/geschrieben), den Be-
ble 1994). griff der ‘konzeptionellen Mündlichkeit/
Schriftlichkeit’ eingeführt haben, sehen diese
1.2. Zunächst waren es v. a. Mediävisten, die als Pole an, zwischen denen Parameter wie
die von Parry und Havelock für das homeri- „raum-zeitliche Nähe oder Distanz der Kom-
sche Epos und den Übergang der griech. Li- munikationspartner“ u. a. m. „skalar zu den-
teratur zur Schriftlichkeit herausgearbeiteten ken“ sind und unterschiedliche „Mischungs-
Merkmale der oral poetry (enger verstanden verhältnisse“ eingehen. Da das „Kontinuum
als oral formula oder weiter als oral composi- zwischen ‘Nähe’ und ‘Distanz’ “ (letzere sind
tion, s. Havelock 1991, 11; Curschmann auch metaphorisch, nämlich sozial, emotio-
1977) auf die Verschriftlichung der germ. nal und referentiell zu verstehen) „für anthro-
Heldenepik in mhd. Zeit übertrugen. Mit der pologisch begründbare, universale Kommu-
zunehmenden Faszination der Philologen für nikationshaltungen“ steht, beansprucht die-
die verschiedenen Spielarten der Oralität ver- ses Konzept sowohl synchron als auch dia-
sus Literalität im Verlaufe des Mittelalters chron universale Gültigkeit.
und der frühen Neuzeit weitete sich das Inter- Modifiziert wurde das Oralitäts-Konzept
esse auf die schon länger im Blickpunkt ste- auch durch die Differenzierung von primä-
henden „Übergangssituationen“ aus: von der rer und sekundärer Mündlichkeit: Es liegt
Illiteralität zur Literalität, von der lat. zur nahe, „vor allem im Blick auf das Mittelal-
volkssprachlichen Schriftlichkeit in den ver- ter, in dem mündliche ⫺ von Schriftlichem
schiedenen Textsorten und von der „Semiora- nicht affizierte ⫺ Kommunikation weiterhin
lität“ nicht lesekundiger Rezipienten, die ei- die hauptsächliche Form zwischenmenschli-
nen schriftlich konzipierten Text vorgelesen cher verbaler Kommunikation bleibt, von ‘se-
oder (z. B. als Schauspiel) vorgeführt bekom- kundärer Oralität’ zu sprechen“ (Schaefer
men, bis zur Rezeptionssituation des indivi- 1992, 19). Zumthor (1987, 18f.) unterscheidet
duellen stillen Lesens. Durch die große Be- sogar neben der primären Oralität ⫺ auch
deutung, die speziell dem Buchdruck und der oralité immédiate oder pure genannt ⫺, die
Reformation traditionellerweise für diese gar keinen Kontakt mit der Schrift hat, spezi-
Übergänge zugeschrieben wird, kommt ge- ell für die Verhältnisse vom 6. bis 16. Jh., die
rade der frnhd. Periode hierbei besondere Re- durch Koexistenz von Schriftlichkeit und
levanz zu. Mündlichkeit gekennzeichnet sind, noch wei-
Allerdings „lockern sich die einst starren ter zwischen einer oralité mixte und einer ora-
Fronten, die eine Gegenüberstellung von lité seconde (oder secondaire). Vor allem Illich
Mündlichkeit und Schriftlichkeit kennzeich- (1991) hat darauf hingewiesen, daß die Exi-
neten“, auf: Das ursprüngliche „‘Entweder/ stenz von Schriftlichkeit eine Mentalität er-
Oder’ als Kategorisierung des Textes“ und zeugt, die auch die illiteraten Mitglieder einer
Alternativen wie litteratus-illitteratus „sind Gesellschaft mitformt. Raible (1994, 14) leitet
schon längst der Auffassung von Wechsel- daraus ⫺ gerade für unsere Periode beson-
beziehungen zwischen Mündlichkeit und ders zutreffend ⫺ ab: „Once a society has be-
Schriftlichkeit gewichen“ (Bäuml 1993, 254). come literate, it can never return to ‘authen-
Dieser Spannungszustand eines „Neben- und tic’ orality. Instead orality will be created ar-
Miteinander“ (Lienert 1997, 303), „der für tificially with the means of literacy.“
das ganze Mittelalter gültig bleibt“, wird
auch als „Bi-Medialität von Mündlichkeit 1.3. Aus der Perspektive der Schriftlichkeit
und Schriftlichkeit“ bezeichnet (Wenzel 1995, ist also im Mittelalter grundsätzlich mit fol-
10). So wie die globale Aufteilung der „Welt genden Konstellationen zu rechnen: Men-
1648 XII. Ergebnisse V: Das Frühneuhochdeutsche

schen, die nicht schreiben konnten und selbst dene Lesekulturen“ unterscheiden zu können
nie mit Geschriebenem umgingen; auch sie glaubt, gliedert den bislang angesprochenen
hatten jedoch, zumindest vereinzelt, Kontakt Zeitraum in die dritte „frühmittelalterliche
mit jenen, deren Sprach- und Kommunika- Lesekultur“ von 800 bis 1150, die kurze vierte
tionsformen mehr oder weniger von Schriftli- „hoch- und spätmittelalterliche Lesekultur“
chem geprägt waren (z. B. Priestern). Andere bis 1300 und die fünfte „frühneuzeitliche Le-
konnten zwar nicht schreiben, kamen aber sekultur von 1300 bis 1800“. Bei aller Bedeu-
als Zuhörer mit Werken der oral poetry oder tung, die der Eintritt der Volkssprachen in
mit von Anfang an schriftlich konzipierten die Schriftlichkeit in der vierten und fünften
Texten in Berührung (Übersetzungen oder Phase für das Verhältnis von Schriftlichkeit
autochthonen volkssprachlichen Texten), was und Mündlichkeit gehabt hat, weist Gauger
ihre mündliche Sprachform beeinflußt haben jedoch darauf hin, daß „die Zahlen derer, die
mag. Letzteres war etwa die Situation der überhaupt lesen können“, um 1500 für
Herrscher und des Adels; in dieser Gruppe Deutschland mit 5 % der Stadtbevölkerung,
finden sich daher sogar Hochgebildete. Um- „und dies heißt weniger als 1 % der Gesamt-
gekehrt dürften manche des Schreibens bevölkerung“ angegeben werde (S. 74ff.). Die-
Mächtige (z. B. Mönche) nur sehr begrenzte se Zahlen relativieren zu euphorische Vor-
Erfahrungen mit „Literatur“ gehabt, die stellungen von der allgemein konstatierten
Schreibarbeit mehr mechanisch betrieben „Schreib- und Lese-Expansion seit Mitte
und keine breitgefächerte Bildung und Text- des 14. Jh.“ (v. Polenz 1991, 101). Dennoch
erfahrung besessen haben. Wieder andere wa- bleibt festzuhalten, daß ⫺ trotz abweichender
ren als Schreibende mit den Sprach- und Meinungen über Ursachen und Zeitpunkte im
Texttraditionen des Lat. vertraut, aber zu Detail ⫺ in der neueren Forschung die wei-
ähnlichen Leistungen in der Volkssprache chenstellenden Veränderungen im Verhältnis
nicht befähigt ⫺ sei es aufgrund persönlicher von Mündlichkeit und Schriftlichkeit eher im
Ungeübtheit, sei es, weil in der Volkssprache 14. als im 15. Jh. gesehen werden (mit Litera-
für bestimmte Textsorten noch keine Sprach- turangaben Betten 1987, 21f.). Sie fallen somit
muster ausgebildet waren. Grundsätzlich ist zeitlich mit den heute favorisierten Datierun-
davon auszugehen, daß viele der Schreibkun- gen für den Beginn des Frnhd. weitgehend zu-
digen, sofern sie nicht sowieso nur abschrie- sammen bzw. dienen auch als Argument für
ben oder aber übersetzten, bei eigener For- diesen Periodisierungsabschnitt (vgl. zusam-
mulierungsarbeit nur sehr begrenzte Textsor- menfassend Roelcke, Art. 44; v. Polenz 1991,
ten- und Stilmustererfahrungen besessen ha- 114ff.; Hartweg/Wegera 1989, 18ff.).
ben (was ja letztlich bis in die Gegenwart
gilt). Wie sich dies auf die konkrete Sprach-
form einzelner Texte, aber auch auf die Aus- 2. Linguistische
bildung von Textsortenstilen auswirkt, wird Grobcharakterisierung mündlicher
im folgenden zu behandeln sein. und schriftlicher Textstrukturen
Für den Erwerb verschiedenartiger Stil-
kompetenzen spielt gewiß die eigene Lesefä- 2.1. Wenngleich gerade für die ⫺ wie auch
higkeit eine erhebliche Rolle. In der Kern- immer genau datierte ⫺ frnhd. Periode häu-
phase des Frnhd., zu Beginn des 16. Jhs., tre- fig konstatiert wird, daß gemessen an ihrer
ten zum ersten Mal Autoren ⫺ allen voran Bedeutung als Übergangs- und Vorberei-
Luther ⫺ in Erscheinung, die, profitierend tungsphase des Nhd. manche Bereiche erst
von der seit dem Buchdruck vermehrten Ver- sehr lückenhaft aufgearbeitet sind, gibt es
fügbarkeit von Texten, über ein so breites Re- doch besonders zur allmählichen Herausbil-
pertoire an Textsortenstilen im Dt. verfügten, dung der Schriftsprache so viele alte und
daß sie nicht mehr nur mit Anstrengung, son- neue Forschungsbeiträge (auch in diesem
dern mit Können und auch schon mit Ele- Handbuch), daß den damit verbundenen
ganz verschiedenartige sprachliche Register Aspekten in diesem Artikel nicht mehr so viel
beherrschten, mündliche Stile einbeziehen Raum wie in der ersten Auflage dieses Hand-
und beide souverän mischen konnten (vgl. buchs gewidmet wird. Der gleichnamige Arti-
u. a. Schieb 1975, 202ff.; Bentzinger/Kett- kel von Bremer (1985) sollte als Ergänzung
mann 1983; Wells 1990, 199; Besch, Art. 123). zum vorliegenden betrachtet werden. In der
Gauger (1994, 70), der diesen eng verzahnten Tradition der dt. Historiolinguistik haben
Problemkreis aus der Perspektive des Lesens sich Überlegungen zum Verhältnis von
betrachtet und „zumindest sechs verschie- Mündlichkeit und Schriftlichkeit häufig auf
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die Ebenen der Lautung und Morphemik, in charakteristischen sog. Gesprächswörter. Die
jüngerer Zeit auch auf die Rückwirkungen kontrastierenden Stilmerkmale sind bereits
des „Graphemsystems auf das Phonem- häufig aufgelistet worden. Ong (1987, 42ff.)
system“ konzentriert (Zitat Hartweg/Wegera nennt folgende „Eigenschaften oral begrün-
1989, 83; vgl. auch die Schwerpunkte der deten Denkens und Ausdrucks“ (als Kapitel-
meisten Artikel dieses Bandes über ‘Reflexe überschriften):
gesprochener Sprache’ in den älteren Sprach- 1. „Eher additiv als subordinierend“, 2. „Eher ag-
stufen). Im Mittelpunkt steht dabei z. B., wie gregativ als analytisch“, 3. „Redundant oder nach-
„vom geschriebenen Buchstaben auf den ge- ahmend“, 4. „Konservativ oder traditionalistisch“,
sprochenen Laut“ rückgeschlossen werden 5. „Nähe zum menschlichen Leben“, 6. „Kämpferi-
kann (Sanders, Art. 87), bzw. spezieller für scher Ton“, 7. „Eher einfühlend und teilnehmend
das Frnhd., ob das Verhältnis von Mundart als objektiv-distanziert“, 8. „Homöostasie“, 9.
und Schriftsprache, wie von Theodor Frings „Eher situativ als abstrakt“. (Vgl. dazu Schlaffer
und Ernst Schwarz postuliert, als Weg „von 1981, 16; kritischer, mit Bezug zu Bernsteins Merk-
unten nach oben“, als Eroberung der Kanzlei malslisten vom restringierten und elaborierten
Code, Goetsch 1991, 121).
durch die Volkssprache zu betrachten sei,
oder eher umgekehrt dem Schriftzeichen Vor- Chafe (1982), Raible (1992) u. a. haben ähn-
rang vor dem Laut einzuräumen sei (Position liche Listen aggregativer vs. integrativer Tech-
von Ludwig Erich Schmitt; vgl. u. a. Bremer niken aus einer spezieller linguistischen Per-
1985, 1381; Hartweg/Wegera 1989, 36ff.; spektive zusammengestellt (s. Betten 1990;
Besch, Art. 159). 1995). Am meisten benützt werden wohl die
Parameter von Koch/Oesterreicher, die Kom-
2.2. Das Hauptaugenmerk in diesem Artikel munikationsbedingungen und entsprechende
soll vielmehr auf den medial bedingten Un- Versprachlichungsstrategien für ‘Nähe’- und
terschieden zwischen schriftlichen und münd- ‘Distanz’-Diskurse polar formulieren, aber
lichen Vertextungsstrategien liegen, die für skalar bzw. im Kontinuum realisiert sehen
die Gegenwartssprache, wo beide Sprachfor- (s. o. 1.). Diskurse „in konzeptioneller Münd-
men direkt zugänglich sind, seit 30 Jahren in- lichkeit“ sind demnach durch einen geringen
tensiv kontrastiv erforscht werden. (Vgl. für Planungsgrad, Prozeßhaftigkeit und Vorläu-
die Anfänge der germanistischen Forschung figkeit charakterisiert; die Folgen sind entwe-
Betten 1977/78, zum gegenwärtigen For- der eine sparsame Versprachlichung oder eine
schungsstand Rath 1994, Koch/Oesterreicher extensive, lineare, aggregative Gestaltung und
1994). Aufgrund dieser Erkenntnisse kön- in beiden Fällen eine geringe Informations-
nen behutsam „Reflexe“ oder „Spuren“ der dichte. Unter „den Bedingungen kommunika-
Mündlichkeit in schriftlich überlieferten, aber tiver Distanz“ hingegen werden, als Ergebnis
z. B. vorher vorwiegend oral tradierten und/ des hohen Planungsgrads, hohe Informations-
oder auf Hörrezeption hin formulierten dichte und rascher Informationsfortschritt er-
Texten rekonstruiert (vgl. Grosse Art. 97) reicht; „aus der intensiven und kompakten
und „ ‘konzeptionelle[.]’ Mündlichkeit im Versprachlichung“ resultiert „ein hohes Maß
Geschriebenen“ (Gauger 1994, 75) aufge- an Integration und Komplexität sprachlicher
spürt werden. Doch ist davon auszugehen, Einheiten“ (Koch/Oesterreicher 1990, 11).
daß es sich bei einem schriftlich konzipierten
Text immer nur entweder um „artifizielle“ 2.4. Idealiter wäre eine möglichst repräsenta-
(Raible 1994, 14) oder „elaborierte“ (Koch/ tive Auswahl aller frnhd. Textsorten nach die-
Oesterreicher 1994, 593) bzw. bewußt kalku- sen Parametern zu analysieren, um durch
lierte und somit imitierte/simulierte/stilisierte synchrone und diachrone Vergleiche heraus-
Mündlichkeit handelt (vgl. generell Löffler, zufinden, welche „Mischungsverhältnisse“ in
Art. 137; Betten 1985, 394ff. und 1987, 24, dieser Phase zustande kommen und wie sie
161f.) ⫺ oder aber um Restelemente mündli- sich verändern. Hier aber gilt wirklich, daß
cher Denk- und Konstruktionsweisen, die je- das meiste noch zu tun bleibt. Es können da-
doch im Akt des Aufschreibens unvermeid- her im folgenden mithilfe einschlägiger For-
lich gewisse konzeptionelle Veränderungen schungsliteratur ⫺ die jedoch ganz hetero-
erfahren. gene Schwerpunkte und methodische Zu-
gänge aufweist ⫺ nur gewisse Linien verfolgt
2.3. Die Kernbereiche mündlicher vs. schrift- und in Richtung unserer Fragestellung zu ei-
licher Konzeption sind Satz- und Textsyntax, ner vorläufigen Skizze zusammengeführt
einschließlich der speziell für das Mündliche werden. Klare zeitliche Binnengliederungen
1650 XII. Ergebnisse V: Das Frühneuhochdeutsche

des Frnhd. werden nicht zugrundegelegt, da neuen bürgerlichen Lesepublikums entgegen-


ähnliche Entwicklungen nicht in allen Text- kommen (s. Betten 1987, 57ff.). Die schein-
sorten gleichzeitig ablaufen und das Phäno- bar widersprüchlichen Charakterisierungen
typische mehr als Periodisierungskriterien hängen mit dem von Anfang an breiten
Beachtung finden soll. Admonis Gliederung Funktionsfächer und der unterschiedlichen
in drei Etappen (1350⫺1500, 1500⫺1550, „Vorgeschichte“ der Prosatexte zusammen,
1550⫺1700) hat allerdings viel für sich; ge- die stilistisch schon im Mhd. in zwei „Rich-
rade die Hervorhebung der kurzen mittleren, tungen“ geteilt sind. Nach Admoni (1990, 85)
während der ganz neue Prosagattungen auf- umfaßt die eine „die allermeisten Textgattun-
treten, „die durch eigentümliche syntaktische gen der Epoche“, die „auf einfachere, zu-
Züge gekennzeichnet sind“, wird von ihm gänglichere Satzgestaltung eingestellt“ und
selbst als wichtige Neuerung hervorgehoben „größtenteils (mit Ausnahme der Fachlitera-
(1990, 5f.). Auf jeden Fall wird in der ersten tur) zum mündlichen Vortrag bestimmt wa-
Hälfte des 16. Jhs. auch im Verhältnis von ren. Ihnen steht nur eine einzige, erst in der
Mündlichkeit und Schriftlichkeit ein wichti- Mitte des 13. Jahrhunderts einsetzende Text-
ger Entwicklungsschritt sichtbar (s. Betten sorte gegenüber, die eine umfangreichere und
1987, 162f.). Wenn Norbert Richard Wolf kompliziertere Satzgestaltung erfordert. Das
im allgemein-sprachgeschichtlichen Teil von sind die Urkunden“. (Vgl. Wolf in Schmidt
Schmidt (1993, 95ff.) stattdessen die Phasen 1993, 100 zu den zwei großen „Varietäten-
1250⫺1450 (‘Deutsch des Spätmittelalters’) klassen“ im Spätmittelalter: „(1) Kanzlei-/
und 1450⫺1650 (‘Deutsch der frühen Neu- Geschäftssprache und (2) literatursprachliche
zeit’) unterscheidet und dies kommunika- Funktiolekte“). Sicherlich stellt diese Zweitei-
tions- und mediengeschichtlich begründet, lung eine gewisse Vereinfachung dar. Kuhn
steht das ⫺ wie auch andere Zäsursetzun- (1980, 78) hebt demgegenüber hervor, daß
gen ⫺ nicht unbedingt in Widerspruch zu den die volkssprachliche „Popularisierung“ im
mehr auf die sprachlich manifesten Folgen 15. Jh. „auf hundert verschiedene Weisen
dieser Umbrüche konzentrierten Datierungen Schriftkultur-Aneignung mit bisher mündli-
(vgl. o. 1.). chen Traditionen und Praktiken“ amalga-
miere. Sprachliche Analysen verweisen je-
doch immer wieder auf zwei grundsätzlich
3. Die frühneuhochdeutschen verschiedene Strukturtypen. Für Admoni ist
Textsorten zwischen Mündlichkeit das wichtigste Stilkriterium die Komplexität
und Schriftlichkeit; Textsortenstile des „Satzgefüges“, die in den Urkunden von
Anfang an besonders hoch ist. Die alterna-
3.1. Entscheidend für die neuen sprachlichen tive, mehr parataktische Satzgestaltung in
Entwicklungen ist die Form der Prosa. Der narrativen Texten verwendet hingegen noch
Übergang von gebundener Sprache („Poe- andere Mittel für die Vorder- und Hinter-
sie“) zur Prosa wurde schon von den Roman- grundsetzung bzw. Steuerung von Informa-
tikern als Resultat der Einführung der Schrift tionen, die jedoch nicht einfach, wie in der
betrachtet (vgl. Schlaffer 1981, 12f. zu Her- älteren Forschung, als Ausdruck primitiveren
der, Hamann u. a.). Auch die neueren, auf die Gestaltungsvermögens und auch primitiveren
Situation in der Antike bezogenen Arbeiten Denkens zu betrachten sind (so Gumbel
bezeichnen „prose as the vehicle of serious re- 1930, 133ff. noch zur dt. Prosa des 16. Jhs.).
flection, research, and record“ (Havelock Es handelt sich vielmehr um Techniken oder
1991, 23). Die breite zeitgenössische mittelal- „Strategien“, die noch der Hörrezeption ver-
terliche Diskussion über Bewertungen und pflichtet sind (vgl. u. 4.). Wie Schulze (1975)
Bevorzugungen von Vers oder Prosa, die an den lat.-dt. Parallelurkunden des 13. Jhs.
schon im 12. und noch im 15./16. Jh. statt- gezeigt hat, werden jedoch auch in der An-
fand, kann in diesem Artikel nicht aufgerollt fangsphase der dt. Urkundensprache die um-
werden. Außer dem Wahrheits- oder „Ver- fangreichen lat. Perioden häufig noch in
bindlichkeitsanspruch“ (Kurt Ruh) der Prosa mehrere Sätze unterteilt. Schulze führt dies ⫺
wird sie sowohl als Vermittlungsform mit im Gegensatz zu anderen ⫺ nicht auf „ge-
dem „Anspruch auf Teilhabe am Wissen der sprochenen Stil“ zurück, sondern glaubt die
lateinisch Gebildeten“ (Georg Steer) wie „umfangreichen Konstruktionsbögen“ im
auch wegen Stilqualitäten der „Unmittelbar- schriftlichen Bereich entstanden (S. 30f.). Die
keit, Nähe, Eindeutigkeit und Linearität“ Frage ist aber, ob gewisse Konstruktions-
(Ruh) geschätzt, die der Erfahrungswelt des eigenheiten schon ausreichend bewertet sind,
118. Zum Verhältnis von geschriebener und gesprochener Sprache im Frühneuhochdeutschen 1651

wenn sie etwa wie die für die dt. Fassungen niert“, sofern sie nicht als spezielle rhetori-
charakteristischen Wiederaufnahmen von sche Stilmittel gelten (z. B. Anakoluth, Pro-
Satzgliedern nach langen Einschüben (z. B. lepse u. a. Herausstellungsformen); doch
aus dem ‘Mainzer Landfrieden’ von 1235: schon Sandig (1973) hat auf die Kontinuität
Swelch sun […] der svn sol […]) nur als dieser syntaktischen Muster vom Mittelalter
Stützformen für Konstruktionen, die im Dt. bis zur heutigen Sprechsprache aufmerksam
sonst noch nicht bewältigt werden konnten, gemacht.
bezeichnet werden:
3.2. Wenn Admoni für „die erste Etappe“
Swelch sun sinen vater uon sinem eigen oder uon sinem
erbe oder uon sinem gůt uerstozet oder brennet oder des Frnhd. „einen außerordentlichen Auf-
rovbet oder wider inze sinen uienden swert mit eiden, schwung des Satzgefüges“ konstatiert, so gilt
daz vf sins vater ere gat oder vf sine verderbnusse, be- auch das wiederum v. a. für die Urkunden.
zivget ez sin vater ze den heiligen uor dem rihter mit An ihnen entwickelt er seine Unterscheidung
zwein sentbærn mannen, der svn sol sin uerteilet eigens kompositioneller Typen (1980, 35; 1990,
vn̄ lehens vn̄ uarendes gv̊tes vn̄ berlichen alles des gv̊tes, 150f.). Das umfangreichste Beispiel, bei dem
des er uon vater vn̄ von můter erben solde, ewichliche, 44 Elementarsätze zu „einem einzigen Satz-
also daz im weder rihter noch der vater wider gehel- gefüge zusammengefaßt“ sind, stammt von
fen mag, daz er dehein reht zedem gůte gewinnen
1411 (1990, 151f.). Es sind v. a. die „formalen
muge. (Zit. nach Schulze 1975, 45).
Mittel, die den Nebensatz kenntlich ma-
Dasselbe gilt für die Konjunktionen: im lat. chen“, welche „die Strukturierung des Satz-
Urkundentext leisten sie nach Schulze genaue gefüges ermöglichen“: neue, differenzierte
„logische[.] Determination“, im dt. jedoch Kon- bzw. Subjunktionen und eine klare Un-
seien sie „als Fügungsscharnier“ noch „kaum terscheidung der Stellung des finiten Verbs in
funktionsfähig“, um „einen Bezugsbogen“ Haupt- und Nebensatz (Admoni 1990, 153f.;
aufrechtzuerhalten (S. 196f.; vgl. dazu aus- Betten 1987, 78ff., 121ff.; vgl. Erben, Art.
führlicher Betten 1987, 146ff.). Admoni 114 und Härd, Art. 178). Für die Zeit nach
(1990, 122f.) wendet sich v. a. gegen Schulzes 1500 wird es dann bezeichnend, daß in immer
(1975, 196) Deutung, daß bei derartigen „Fü- mehr Textsorten derartig „durchkonstruier-
gungsprinzipien des Mhd.“ eine „Andersar- te“ komplexe hypotaktische Gefüge auftreten
tigkeit der Denkvorgänge deutlich“ werde, können, die sich einer einmaligen auditiven
„die z. T. prälogischen Charakter tragen und Rezeption entziehen (und ebensowenig spon-
erkennen lassen, daß der gedankliche Organi- tan mündlich geäußert sein könnten). Sie
sationsprozeß und seine sprachlich-syntakti- sind vielmehr Ergebnisse geplanter, „ausge-
sche Spiegelung im Rahmen der Urkunden feilter“ Formulierung und zu ihrem vollen
des 13. Jh.s in einem anderen Entwicklungs- Verständnis auf visuelle Dekodierungstech-
stadium, an einem anderen Punkt des ‘Ab- niken (Rücklauf, Teil-)Repetition, Querlesen,
straktionsprozesses’ stehen als das Lateini- Zusammenschau etc.) angewiesen.
sche“. Für Admoni ist dies nicht Ausdruck Im 14./15. Jh. ist jedoch, wie oben gesagt,
eines Mangels an Logik, sondern zunächst der Großteil der nicht-kanzleisprachlichen
eines Mangels an „formalen syntaktischen Texte noch mehr oder weniger auf die Be-
Mitteln“, v. a. an Konjunktionen, um einen dingungen der Hörrezeption eingestellt, sei
„komplizierten und verzweigten Gedanken- es aus Tradition, sei es aus pragmatischem
inhalt[.] in einem einzigen Ganzsatz“ zu be- Kalkül, sei es wegen Unkenntnis oder Nicht-
wältigen, wie es dann aber, „nach einer Zeit beherrschung anderer schriftsprachlicher Mu-
der Akkomodation“, in den frnhd. Urkunden ster. Die traditionelle Gattungseinteilung greift
der Fall ist. Betten (1987, 147f.) stellt demge- gerade in dieser Umbruchsepoche wenig.
genüber für dieselben Phänomene ⫺ die am Nachdrücklich hat dies Kuhn (zusammenge-
frühesten in den Urkunden, aber dann noch faßt 1980) in seinen exemplarischen „Versu-
mehrere Jahrhunderte lang in verschiedenen chen“, zu einer angemessenen Literaturty-
anderen Prosagattungen an den Übergängen pologie des 14. und 15. Jhs. zu gelangen, ge-
von der Mündlichkeit zur Schriftlichkeit bzw. zeigt. Seine alternativen Konstruktionsvor-
spezieller von der Hör- zur Leserezeption schläge nach ‘Gattung/Inszenierungstyp’ oder
auftreten ⫺ mehr die Ähnlichkeit mit heuti- ‘Funktions-/Strukturtyp’, unterteilt in vier
gen Formen mündlicher Satzorganisation in ‘Faszinationsbereiche’, fanden große Beach-
den Vordergrund, die die Verständlichkeit bei tung (vgl. Betten 1987, 18ff.; s. ferner Kästner
Hörrezeption sichern. Nach heutigen schrift- et al., Art. 116). Für das 14. Jh. hebt Kuhn die
sprachlichen Normen sind sie „diskrimi- besondere „Funktionsdichte“ der religiösen
1652 XII. Ergebnisse V: Das Frühneuhochdeutsche

und der „Sachliteratur in Prosa“ hervor; im secke 1980, 49f.). Sowohl die Art der lat. Be-
15. Jh. komme es jedoch zu neuen „Trennun- arbeitungen wie auch der Stil der Schriften,
gen unter neuen Literaturbegriffen“ (S. 74). die sofort in der Volkssprache abgefaßt wur-
Admoni (1990, 132) unterscheidet neben den, stoßen in der neueren Sprach-, Litera-
den Kanzleitexten vier Prosabereiche: geistli- tur- und Kommunikationswissenschaft auf
che Schriften, Reisebeschreibungen, Fach- vermehrtes Interesse. Letztere stammen v. a.
bücher, Wortkunstwerke. Die für diese Epo- aus dem Bereich der artes mechanicae, deren
che spezifische ungewöhnlich hohe Varianz Standardwerke „ungleich öfter und länger als
der Texte auf allen sprachlichen Ebenen (vgl. dichterische Denkmäler abgeschrieben und
Giesecke 1980, 42; Guchmann/Semenjuk fast alle später auch gedruckt“ und im Aus-
1981, 13) betrifft gerade auch die Syntax (vgl. land am meisten rezipiert wurden (Assion
Admoni 1990, 134). Aber es finden sich z. B. in 1987, 371). Es ist besonders Gieseckes Ver-
Legenden, Chroniken oder Prosaromanen, die dienst, auf die unterschiedlichen Wurzeln der
drei verschiedenen Sach-/Funktions-/Faszina- volkssprachlichen Verschriftlichung hinge-
tionsbereichen zugehören, sowie in anderen wiesen und auch die Auswirkungen der Ver-
narrativ gestalteten Texten ⫺ z. B. Nacherzäh- schriftlichung von vorher nur mündlich tra-
lungen biblischer Geschichten in Predigten ⫺ diertem Wissen auf die Sprachgestaltung re-
gemeinsame Strukturmerkmale, die auf Tradi- flektiert zu haben:
tionen mündlicher Textkonstitution zurück- „Es ist eben keineswegs nur eine bloße ‘Umset-
zuführen sind. Üblicherweise wird dieser die zung’ gesprochener Sprache oder eine Übersetzung
Parataxe bevorzugende Stil als linear, enu- etwa lateinischer Quellen, die für ihre Beschrei-
merativ, chronologisch reihend, berichtend bungsvorhaben zu leisten waren, sondern es wird
charakterisiert; „der Effekt, der von dieser von ihnen (u. a.) eine Symbolisierung vorher noch
Struktur ausgeht“, sei nicht die Darstellung gar nicht sprachlich repräsentierter Erfahrungen
eines komplexen Zustands „mit ineinander gefordert“ (1980, 47).
verzahnten Vorgängen“, sondern ein Bericht Wichtiger als die durch diese Anstrengungen
„von vollzogenen Aktionen“ (Roloff 1970, ausgelöste lexikalische Erweiterung der Spra-
157; dazu Betten 1985 a, 113f.). Daß es sich che (z. B. Vermehrung von Quantitativa und
dabei um eine Stilwahl (im Rahmen bestimm- Präpositionen) erscheinen Giesecke die Aus-
ter Traditionen und Rezeptionsbedingungen), wirkungen auf die Syntax. In der Anfangs-
und nicht um Nicht-Beherrschung der kom- phase wird die mündliche face-to-face-Situa-
plexen Satzmuster handelt, ergibt sich z. B. tion oft noch durch eine Darstellung in Dia-
daraus, daß derselbe Autor dagegen in direk- logform imitiert, bei der „die dort üblichen
ten und indirekten Reden ⫺ in rhetorischer und auch beherrschten sprachlichen Mittel“
Tradition mittelalterlicher Redegestaltung ⫺ benutzt werden konnten, „um die Komplexi-
oft sehr umfangreiche hypotaktische Satzge- tät der ungewohnten schriftsprachlichen Si-
füge wählt (vgl. Roloff 1970, 157ff.; Betten tuation zu bewältigen. Diese komplexitätsre-
1985 b und 1990 a). Ähnliche funktionsabhän- duzierende Funktion von Dialogen wird teil-
gige Wechsel der Stilnormen im gleichen Text, weise von den Fachautoren selbst benannt“
die das Vorhandensein syntaktisch-stilisti- (1980, 52). Vor der Adaption an die Möglich-
scher Differenzierungsmöglichkeiten belegen, keiten des Mediums Buchdruck war die Text-
lassen sich jedoch bereits wesentlich früher fin- struktur im allgemeinen durch den pragmatic
den. (Vgl. Betten 1993, 139f. zu einem Predigt- mode (Givón) bestimmt: durch parataktische
text des 12. Jhs., der von der narrativen Struk- Reihungen und Topikalisierungen durch Vor-
tur der Bibel-Nacherzählung beim anschlie- anstellung der betonten Satzteile wie in der
ßenden Kommentar zu einem komplexen ar- gesprochenen Sprache. In den ersten direkt
gumentativen Satzstil wechselt). ⫺ Zu neueren für den Druck geschriebenen Arbeiten erfolgt
Analyseansätzen dieser Stilalternativen s. u. 4. dann die leibliche Abkonterfeytung „nicht
hauptsächlich sprachlich, sondern in Form
3.3. Besondere Bedingungen beim Übergang von Holzschnitten“. Aber auch der „Tele-
zur Schriftlichkeit stellen sich für den sehr grammstil der Handschriften“ wird zugun-
weiten und heterogenen Bereich der Fach- sten von „vollständigeren Sätzen aufgege-
prosa, die sich seit dem 13./14. Jh. vom Lat. ben“. Schließlich versteht man „auch ‘mit
zu emanzipieren beginnt, wenngleich die dt. Worten abzumalen’ “ (Giesecke 1990, 347;
Sprache vielfach noch bis ins 18. Jh. für un- ausführlicher 1991, Kap. 6). Giesecke (1980,
geeignet gehalten wurde, wissenschaftliche 49) sieht die im 16. Jh. zunehmende Tendenz
Erfahrungsgehalte auszudrücken (vgl. Gie- der Schreibsprache zu hypotaktischen Kon-
118. Zum Verhältnis von geschriebener und gesprochener Sprache im Frühneuhochdeutschen 1653

struktionen (mit der damit zusammenhän- pien oder -geschick wurden vom frühen bis
genden „formalen Scheidung von Haupt- späten Mittelalter auf der Ebene, die die
und Gliedsatz“, der Verfestigung der Rah- Textperzeption des Rezipienten (Hörers)
menkonstruktion etc.) mit verursacht durch steuert, eigenständig die im (mündlichen) Dt.
die Notwendigkeit der situationsabhängigen üblichen Signale gesetzt. (Zum Vergleich der
Darstellung von Handlungen in der Fach- Luther- und der Tatian-Übersetzung s. Bet-
prosa, da diese nun „zerlegt und die Bezie- ten 1987 a und 1992; Stolt 1983; zum Ver-
hungen dieser Sequenzen zueinander expli- gleich mit vier Bibelübersetzungen des
ziert werden“ mußten. 14. Jhs. Riehl 1987). Dies ändert sich erst im
Diese „Stationen des Übergangs“ von 16. Jh. (s. u. 4.2.).
mündlicher zu schriftsprachlicher Anwei- Ähnliches gilt für die dem Bibelstil oft
sung, vom Merkvers zur Prosa ⫺ mit den Zwi- nahekommenden Legenden: Die einzelnen
schenstufen von „Bild- und Textlehren“, Leh- Übertragungen weichen zwar sowohl hin-
rer-Schüler-Gesprächen, schließlich „Relikten sichtlich der im Dt. erreichten Eleganz und
der Mündlichkeit“ (z. B. Gliederungssignalen Konstruktionsangemessenheit als auch in der
„in der Form einer Erläuterung mündlicher Wahl der Signale bzw. „Leitpartikeln“, die
Kommunikation“, S. 380), wo aber schon die Textstrukturierung bestimmen, voneinan-
die schriftliche Organisation die „inszenierte der ab, doch auch hier zeigt sich der entschei-
Mündlichkeit“ überlagert ⫺, zeichnet Müller dende syntaktische Umbruch ab dem 16. Jh.
(1994 a) an den seit dem 14. Jh. überlieferten (s. Riehl 1993 mit dem Vergleich von drei be-
Fechtlehren nach. Am Beispiel von zwei Alber- kannten Übersetzungen der Legenda Aurea
tus-Magnus-Übersetzungen des 15. Jhs. zeigt (lat. 1267) im 14. Jh. gegenüber Übertragun-
Müller (1994 b), wie „Erkenntnisse der medizi- gen aus dem 16. und dem 18. Jh.).
nischen Wissenschaft“ den „nicht-gelehrten
Praktikern verfügbar gemacht werden“ soll- 3.5. Häufig wird die Chronikliteratur, ob-
ten (S. 129). Hier hat die Volkssprache zu- wohl sie sehr verschiedene Subtypen aufweist,
nächst eher subsidiären Charakter, die lateini- in einer Vorreiterrolle für die Prosaform und
sche Schriftlichkeit wird noch vorausgesetzt die erzählenden Gattungen schlechthin ge-
(damit vergleichbar auch anderen Überset- sehen (vgl. Schnell 1984; Haug 1985, 246ff.).
zungen des 14./15. Jhs. aus dem Lat., z. B. Die interne neue Textsortenauffächerung ent-
manchen Bibelübersetzungen). In der späte- wickelt sich voll erst im 14. Jh., und der Höhe-
ren Übersetzung von 1430/40 dagegen ist punkt wird im 16. Jh. in Verbindung mit Auto-
offensichtlich ein Adressatenkreis angespro- biographie und Reisebeschreibung erreicht.
chen, der erst in die Schriftlichkeit einge- Schon die Verbreitung mancher dieser volks-
führt wird, der Übergang von Rede zu Schrift sprachlichen Chroniken in Handschriften und
wird durch Verbalisierungen der Kommunika- später im Druck verweist auf ihre Popularität,
tionsvoraussetzungen ins Bewußtsein geho- wozu speziell die „Vorliebe fürs Erzählen“ zur
ben, und es erfolgt „immer wieder der Rekurs Unterhaltung der „klugen Laien“ ausschlag-
auf eine ‘hier und jetzt’ vorstellbare Situa- gebend war (vgl. Glier 1987, 435f.).
tion“ (S. 161). In der Reihe ‘Bausteine zur Sprachge-
schichte des Neuhochdeutschen’ wird die
3.4. Kontrastive Studien an Exemplaren der- Textsorte Chronik, zusammen mit Reisebe-
selben Textsorte bzw. nach Möglichkeit an schreibung, Legende und Prosaroman, spezi-
verschiedenen Versionen derselben Texte ell in der Unterreihe ‘Zur Ausbildung der
über die verschiedenen Phasen des Frnhd. Norm der deutschen Literatursprache (1430⫺
hinweg sind auch bei den narrativen Textsor- 1730)’ als Quelle für die syntaktischen Ent-
ten besonders geeignet, die verschiedenen wicklungen herangezogen. In den einzelnen
Vertextungsstrategien der Hör- und Lesere- Publikationen findet sich viel Material, das
zeption zu vergleichen. So weisen z. B. die auf Einflüsse der Mündlichkeit zurückzufüh-
früher gering geachteten vorlutherschen ren sein könnte. Allerdings wurden mehr lo-
Bibelübersetzungen auf der Ebene der Satz- kale, soziale und funktionale Faktoren ⫺ wie
anschlußmittel (Konnektoren) und manch- die größere oder geringere „Entfernung der
mal auch bei der Ko- und Subordination der Sprache des Textes“ von der in bestimmten
Sätze größere Abweichungen von der lat. Landschaften „gesprochenen Sprachform“ ⫺
Vorlage auf als bei Luther. Dasselbe gilt berücksichtigt. Ferner galt allgemein die vor-
schon für die ahd. Tatian-Übersetzung. Das sichtige Einschätzung, die Forschung sei „nur
heißt, unabhängig von Übersetzungsprinzi- sehr selten imstande, sprachliche Besonderhei-
1654 XII. Ergebnisse V: Das Frühneuhochdeutsche

ten eines Textes mit Sicherheit auf einen be- großräumige Satzgebilde. Sie setzen eine ent-
stimmten Faktor zurückzuführen“ (Guch- wickelte Schriftlichkeit voraus, auch wenn
mann/Semenjuk 1981, 12). Doch dürfte die zu- die Teilsätze formal noch nicht in hierar-
sätzliche Einstufung der Daten nach Graden chisch organisierte Großstrukturen integriert
konzeptioneller Mündlichkeit oder Schrift- und die Satzanschlußmittel noch die des
lichkeit manches hier einfach ‘funktional’ oder mündlich orientierten mittelalterlichen Er-
‘gattungsbedingt’ Genannte präzisieren hel- zählens sind (vgl. Betten 1980; 1987, 148ff.
fen. unter Einbeziehung der Arbeiten Schiebs zum
Die Feststellung, daß narrative Texte „län- Nebensatzrepertoire des ‘Prosa-Lancelot’).
ger mündlichen Vertextungstraditionen ver- Die Romane des 15./16. Jhs. (Übersetzun-
haftet“ bleiben als nicht-narrative (Wolf gen, Versauflösungen und autochthone) wei-
1981, 214), hat offensichtlich für den dt. sen in der Folge recht unterschiedliche Stilmi-
Sprachraum besonderes Gewicht. Riehl schungen auf. (S. schon oben zum Stilkon-
(1995) konnte im Vergleich von ital., frz. und trast epischer Text vs. Rede: Roloff 1970; Bet-
dt. Städtechroniken zeigen, daß sich im Ital. ten 1985 b; 1987, 153ff.; 1990 a). Der ‘Ama-
bereits im 13. Jh. Texte finden lassen, die dis’-Roman z. B. entwickelt großenteils unab-
nicht mehr alle Besonderheiten des Stils kon- hängig von der frz. Vorlage eine Vorliebe für
zeptioneller Mündlichkeit aufweisen (vgl. o. komplexen hypotaktischen Stil (s. Langholf
1. zu Koch/Oesterreicher), während dt. Chro- 1969). In Warbecks ‘Schöner Magelone’ fin-
niken des 16. Jhs. diese Merkmale noch besit- det Simmler (1983) eher die große Variabilität
zen. Nach Riehl müssen diese nicht mehr un- der Satzlängen bemerkenswert, doch komme
bedingt auf die medialen Kommunikations- es auch bei den bis zu 14 Teilsätze umfassen-
bedingungen zurückgehen, sondern könnten den großen Gefügen nie zu komplizierten
bereits „Stileme“, d. h. literarische Gattungs- Verschachtelungen; die Nebensätze folgen
merkmale sein. An solchen Überlegungen vielmehr „linear aufeinander“, seien daher
zeigt sich auch, wie unterschiedlich Phäno- „leicht zu lesen“ (S. 179). Lötscher (1995) ist
mene der Mündlichkeit und Schriftlichkeit diesen satzstilistischen Schwankungen in der
schon in dieser Phase verteilt oder gemischt literarischen Erzählprosa des 16. Jhs. genauer
sein können. Stolt z. B. (u. a. 1983) hat an nachgegangen. Vom ‘Fortunatus’ bis zur ‘Hi-
wieder anderen Textkonstellationen subtil storia von D. Johann Fausten’ scheint ihm
herausgearbeitet, daß die Partikelsetzung in charakteristisch zu sein, daß die „Verfasser
Luthers Bibelübersetzung nicht mehr als Sig- mit den verschiedenen zeitgenössischen Stil-
nal mündlich konstituierter Narrativität zu verfahren aus unterschiedlichen Textsorten
betrachten sei (was für den hebr. und griech. vertraut“ waren und diese auch innerhalb
Urtext durchaus noch gegolten habe), son- ihrer Werke variantenreich, „entsprechend
dern zum bewußten Stilelement geworden sei, dem dargestellten Erzählinhalt“ einsetzten
das ganz wesentlich zum sakralen Ton der bi- (S. 50). Die in literarischen Texten bis dahin
blischen Erzählung beitrage. nicht übliche Satzkomplexität erklärt er u. a.
durch Einflüsse der humanistischen Kunst-
3.6. Der Prosaroman wiederum, der im Dt. prosa und der Kanzleisprache, aus denen eine
im 15. Jh. noch einmal wie von vorn beginnt, Reihe von „syntaktischen Prestigesignalen“
weist zunächst überwiegend Parataxe und abgeleitet wurden; daraus habe sich, angerei-
gleichförmige Verkettung auf. Es ist oft nicht chert mit „Sondererscheinungen wie Sub-
klar zu entscheiden, ob dies an Übersetzungs- jektsellipse, Verbanfangs- und -endstellung
schwächen bzw. mangelhafter Kompetenz im Hauptsatz“ (S. 28), ein textsortenspezi-
der Übersetzer/innen im Deutschen oder an fisches „Sonderrepertoire“ entwickelt (S. 47).
Einflüssen der Vorlagen liegt (was auch für Besonders interessant für die neuen Vertei-
Prosaauflösungen älterer dt. Versvorlagen lungen zwischen Schrift- und Alltagssprache
gilt) oder als Anpassung an die Rezeptionser- ist, daß in der Wiedergabe von Reden im er-
wartungen eines literarisch noch ungebilde- zählenden Kontext das Ideal der rhetorisch
ten Publikums zu werten ist, um Nähe zum überhöhten Kunstsprache einer „volkstüm-
gewohnten mündlichen Erzählen herzustel- licheren“ Sprechweise zu weichen beginnt,
len. (Zur Diskussion der Fachliteratur vgl. während die Komplexität des Erzähltextes
Betten 1987, 50ff.). zunimmt. Dieser Umschwung läßt sich gut
Demgegenüber beeindruckt der einzige an den Romanen Jörg Wickrams beobachten.
große dt. Romanvorläufer des 13. Jhs., die Herkömmlich wurde zu seiner Erklärung nur
‘Prosa-Lancelot’-Übertragung, schon durch auf Einflüsse anderer Gattungen und auslän-
118. Zum Verhältnis von geschriebener und gesprochener Sprache im Frühneuhochdeutschen 1655

discher Vorbilder verwiesen. Spriewald (1971) als ‘Kunstsprachen’ (Schottel) und in jünge-
zieht erstmals zur Erklärung auch heran, daß rer Zeit als ‘Standardsprachen’ “ bezeichnet
sich in dieser Zeit des Wandels der Rezep- (S. 489; kritisch zu Giesecke: Knoop 1995).
tionsform im Laufe von Wickrams Schaffen Als „agent of change“ (Titel von Eisenstein
die Mischung von mehr hörer- bzw. leserbe- 1979) ist der Buchdruck jedoch auf jeden Fall
zogenen Sprachformen verändert hat (aus- zu sehen, und daß „die neuen Vervielfälti-
führlicher Betten 1985 b, 31ff.). In neueren gungs- und Verbreitungsmöglichkeiten einen
Arbeiten findet dieser Gesichtspunkt für den ökonomisch motivierten Standardisierungs-
Stilwandel im 16. Jh. immer wieder Beach- bedarf schufen“ (der dann durch die Re-
tung. formation noch verstärkt wurde, s. Koch/
Oesterreicher 1994, 598f.), ist schon in der
3.7. Aus Gründen der Chronologie und Wir- älteren Literatur ausführlich behandelt wor-
kungsgeschichte wären zunächst noch die den. Durch „das rapide Anwachsen der Zahl
Rolle Luthers, der Reformation und des der deutschsprachigen Drucke“ und die Schaf-
Buchdrucks für den Umbruch im 16. Jh. dar- fung „eines reichhaltigen Schrifttums, das
zustellen. Da diesen großen Themenberei- den religiösen und politischen Bedürfnissen
chen jedoch separate Artikel vorbehalten des Volkes angepaßt war“, durch Luther und
sind, müssen hier wenige Anmerkungen ge- andere erhält die Entwicklung der dt. Schrift-
nügen. sprache in „phonetischer und grammati-
Zentral für die Frage nach den Auswirkun- scher“ Hinsicht v. a. zwischen 1500 und 1550
gen des Buchdrucks auf die Sprach- (und eine „mächtige Förderung der Tendenzen
Kultur-)Geschichte ist heute die Auseinan- zur einheitlichen Gestaltung“ (Admoni 1990,
dersetzung mit McLuhans Thesen, v. a. der 160f.; s. u. 4.).
von der Förderung des „linearen Denkens“.
Illich (1991, 42), der die „complex evolution 3.8. Die innerhalb einer Generation, am
of literate life-styles and imagery“ schon mit Schreibusus ein und desselben Autors zu be-
den neuen Techniken der klösterlichen Skrip- obachtende rapide Beschleunigung der Ent-
torien des 12. Jhs. beginnen läßt, nennt es wicklung zu einer „Syntax für das Auge“
zwar „a major mistake to maintain that the (vgl. z. B. Tschirch 1966 zu Luthers syntakti-
printing press was necessary to have the schen Veränderungen im Laufe seiner Über-
Western mind moulded by ‘linear thought’ “. setzungstätigkeit) wirkt sich auch auf die
McLuhan jedoch hebt hervor, daß z. Z. der Makrostruktur der Texte, ihre optische Glie-
Manuskriptkultur, als die Praxis des Vorle- derung aus. Zwar setzt auch diese Entwick-
sens vorherrschte, der Hörsinn neben dem lung lange vor dem Buchdruck ein (vgl. Gärt-
Sehsinn noch eine große Rolle spielte: „der ner 1990), doch verstärkt er auch hier die
Autor und sein Publikum“ standen „durch Tendenz zu konsequenten und ⫺ nach einer
die Publikationsform des Vortragens in phy- Phase sehr individuellen Experimentierens ⫺
sischer Verbindung“ (1995, 106). Erst mit vereinheitlichenden Lösungen. (Zum Zusam-
dem Buchdruck trete die Alphabetkultur in menspiel der „externen“ Gliederungsmerk-
ihre entscheidende zweite Phase, der Sehsinn male des Mediums Druck mit den „syntaxre-
nehme eine privilegierte Stellung ein, und levanten Interpunktionsregelungen“ im Ma-
diese Visualisierung habe das Denken revolu- gelonenroman s. Simmler 1983 und 1990; vgl.
tioniert, weil nun alle Erfahrungen und ferner Erben, Art. 114). Richtungweisend für
Handlungen systematisch-linear organisiert die Interpunktion im 16. und 17. Jh. ist je-
wurden (vgl. dazu Goetsch 1991, 115ff.). doch noch nicht die „Grammatik“. Optisch
Trotz z. T. heftiger Kritik hat diese Sicht- gegliedert wird zunächst noch nach rhythmi-
weise, v. a. in der Umsetzung von Giesecke schen Sprecheinheiten (bes. mittels Komma
(1991), eine Reihe neuerer germanistischer und Virgel). Statt des erst später aus der Lo-
Untersuchungen inspiriert. Giesecke kon- gik übernommenen ‘Satz’-Begriffs verwenden
struiert einen direkten Zusammenhang zwi- die ersten volkssprachlichen Grammatiken
schen der Komplexität der neuen technolo- des 16./17. Jhs. hauptsächlich den Begriff
gischen (⫽ typographischen) Systeme und ‘Rede’ (vgl. Stolt 1990, Hundsnurscher 1990).
der (Um-)Prägung der europäischen Spra- Daher fordert Stolt, den Satzbau Luthers
chen in dieser Zeit durch diese „‘künstlichen’ vom (rhetorischen) Verständnis seiner Zeit
Anforderungen“; „wegen ihrer Zurichtung her zu begreifen und dabei seine Interpunk-
auf die technischen Parameter“ würden diese tionszeichen (comma, colon, periodus) als Glie-
„neuen Sprachen“ denn „ja auch zutreffend derungssignale ebenso zu berücksichtigen wie
1656 XII. Ergebnisse V: Das Frühneuhochdeutsche

die ⫺ weitgehend durch diese realisierte ⫺ schriften und Reformationsdialoge, bei denen
Gliederung nach Informationseinheiten, „un- die „Elemente der gesprochenen Sprache“
ter Beachtung von Gewichtung, Schwierig- „keine Widerspiegelung lebendigen Sprach-
keitsgrad, Fokussierung und Profilierung in gebrauchs der breiten Massen“, sondern Stil-
Vordergrund- und Hintergrundinformation, mittel seien, s. Bentzinger 1990, 199).
je nach Sprechabsicht und Affekt“ (1990, 389;
zusammenfassend Betten 1993). Vielleicht läßt 3.10. Im Zusammenhang mit der frühen Ver-
sich die spezifische Situation des 16. Jhs. wendung von syntaktischen Charakteristika
folgendermaßen umreißen: Die syntaktische der gesprochenen Sprache als Stilmittel sei
Entwicklung setzt zwar immer mehr die noch auf die Textsorte der mittelalterlichen
Bedingungen der Leserezeption voraus, die Predigten hingewiesen. V. a. die grundlegen-
dazu nötigen Mittel der Textgliederung für de Arbeit von Weithase (1961) widmet sich
das Auge aber waren aufgrund des Refle- diesem Bereich unter der Annahme, daß „die
xionsstands der Autoren (und Grammatiker), gesprochene deutsche Sprache von der Kanz-
die die Bedingungen und Konsequenzen der lei herab am längsten und intensivsten ge-
medialen Alternativen selbst noch gar nicht wirkt“ habe (S. 1). Sie betont jedoch bereits,
klar überschauen und voneinander trennen wie etwas später prononciert Kurt Ruh, die
konnten, wesentlich länger an der Hörrezep- diversen Probleme der Überlieferung und die
tion, am rhetorisch wirkungsvollen Vortra- (rhetorische) Funktion der Sprache bei den
gen orientiert. (Stolt spricht von „rhetori- großen Predigern des 13. bis 16. Jhs., beson-
scher Syntax“). ders Berthold von Regensburg, Meister Eck-
hart, Johannes Tauler (Luthers Vorbild) und
3.9. Gerade Luthers Werk, das in den Geiler von Kaisersberg. Grubmüller (Art. 18)
verschiedenen Textsorten syntaktisch schon faßt diese Problematik mit den Hinweisen zu-
ganz verschiedenen Stilmustern folgt, ist eine sammen, daß es sich in den seltensten Fällen
Fundgrube für Beobachtungen (und Spekula- um unmittelbare Hörermitschriften, sondern
tionen) über Nähe zur gesprochenen Sprache meist um nachträglich redigierte, schriftlich
einerseits und kanzlei- bzw. schriftsprachliche überlieferte, manchmal (wie bei Meister Eck-
Tendenzen andererseits. Außer Tschirch, Er- hart) vom Prediger autorisierte Fassungen
ben, Admoni, Stolt (letzere 1964 auch zum handelt. Hatte die ältere Forschung stilistisch
interessanten Mischtypus der ‘Tischreden’) auffällige Mittel, wie etwa den „Nachtrags-
u. v. a. hat besonders Rössing-Hager auf- stil“ oder das Vorkommen von Anakoluthen,
schlußreiche Detailanalysen vorgelegt. Die als Ausdruck der Spontaneität des Münd-
von ihr analysierten Briefe Luthers weisen lichen gewertet, so betonte v. a. Margetts
zwar überwiegend komplexe Hypotaxen auf, (1969), wie „weit entfernt“ die Sprache der
doch entziehen sich noch viele Einheiten (wie mittelalterlichen Predigt „von der gesproche-
„Unterbrechung durch Einschub“, Nachtrag, nen Sprache des spontanen Gesprächs“ sei
„lockere Anfügung“) einer „eindeutig zu fi- (S. 133), und „daß Meister Eckhart Kunst-
xierenden syntaktischen Funktion“; sie be- prosa schreibt und was für eine“ (S. 173).
handelt sie daher gesondert als „Parenthe- Bei den naiven Gleichsetzungen mit gespro-
sen“, in formaler Konkurrenz zu Haupt- und chener Sprache wurde häufig nicht nur die
Gliedsätzen (1972, I, 45): Eine konsequente bewußte rhetorische Gestaltung der Predig-
Neuinterpretation dieses Materials nach Tra- ten, sondern auch der allgemeine syntakti-
ditionen („Reflexen“) der Mündlichkeit in sche Entwicklungsstand der deutschsprachi-
der Schriftlichkeit wäre hier gewiß lohnend. gen Prosa, vor den folgenden syntaktischen
Wesentlich stärker im Rahmen einer Normierungen hinsichtlich Satzklammer etc.,
(noch) „hörerbezogenen Syntax“ ist dagegen zu wenig beachtet (vgl. zusammenfassend
schon Rössing-Hagers (1981) Analyse der Betten 1987, 26f., 63, 128ff.). Dennoch bleibt
Flugschriften des 16. Jhs. angelegt: Den Auto- ein detaillierter Stilvergleich der großen Pre-
ren sei an guter Verständlichkeit und daher diger des 13. bis 16. Jhs. auch unter dem Ge-
an einem Satzbau gelegen, der eine wirkungs- sichtspunkt ihrer Verwendung syntaktischer
volle und sinngemäße Intonation ermöglicht. Formen, die aus dem Mündlichen heraus ent-
(Zum Wandel des Flugschriftenstils von 1460 wickelt und auf wirkungsvolle Hörrezeption
bis 1525, unter Berücksichtigung der auch hin kalkuliert sind, ein Desiderat. (Ansätze
in anderen Textsorten der Epoche zu beob- zur Berücksichtigung des Einflusses der Re-
achtenden dialogischen Texte, bes. zwischen zeptionsweise auf die syntaktische Gestaltung
1520 und 1525, s. Schwitalla 1983; allg. zur lange tradierter Predigttexte finden sich z. B.
Charakterisierung des Textsortenstils der Flug- bei Neuendorff 1990).
118. Zum Verhältnis von geschriebener und gesprochener Sprache im Frühneuhochdeutschen 1657

3.11. Bei der Konzentration auf die syntak- Riß“ komme, da sich v. a. die Fachlitera-
tisch besonders interessanten Prosagattungen tur dem „sprachlichen Niveau“ des lat. nicht
wurden hier bisher einige Textsorten ausge- geschulten Lesepublikums „anpassen“ mußte
klammert, die gerade in jüngster Zeit eben- (ergänze: und auf seine Rezeptionsgewohnhei-
falls in die Mündlichkeits-Schriftlichkeits- ten und -fähigkeiten einstellte, s. o. 3.3.). Die
Debatte einbezogen wurden. Spriewalds sprachstilistischen Unterschiede zwischen den
(1990) ‘Literatur zwischen Hören und Lesen’ sich weiter ausdifferenzierenden literarischen,
geht anhand literarischer Gattungen, in de- fach-, kanzlei- und alltagssprachlichen Text-
nen „das ‘Hörbarmachen’ den Vorrang be- sorten nehmen zu, da auch die Möglichkeiten
saß“ (S. 6), nämlich Sangspruchdichtung und der Mischungsverhältnisse weiter zunehmen.
Meistersang bei Michel Beheim, Hans Folz Die in früherer Zeit besonders in der Kanzlei-
und Hans Sachs, den Auswirkungen der „Ge- sprache zu beobachtenden „Tendenzen zur
wichtsverlagerung“ in der Rezeption nach. strukturellen Zementierung des deutschen
Besonders an Hans Sachs lassen sich auf- Satzes“ (wie Admoni v. a. die Durchsetzung
grund seiner langen Schaffenszeit von sechs des Satzrahmens nennt, s. 1990, 178) setzen
Jahrzehnten „die Übergänge vom Zuhören sich allgemein in der Schriftsprache durch (Ad-
sowie audiovisuellen Aufnehmen des ge- moni spricht von der „Periode der Herrschaft
druckten Angebots bis zur lesenden Rezep- der Rahmenkonstruktion“, S. 200). Parallel da-
tion“ (S. 126) als verschiedene Entwicklungs- zu schreitet die Verbreitung mehrgliedriger hy-
phasen, die der Autor selbst durchläuft, auf- potaktischer Satzgefüge in weiteren Textsorten
zeigen. Spriewald beachtet v. a. die Konse- voran. Umso mehr ist in anders konzipierten
quenz für die Darstellungsformen. Sie stellt Texten die Annäherung an die Mündlichkeit
fest, daß Sachs im Gegensatz zu seinen Zeit- nun als bewußtes Stilistikum zu werten: so
genossen Wickram oder Fischart den Schritt die intendierte „Volkstümlichkeit“ der populär
zur (Erzähl-)Prosa nicht mehr vollzogen werdenden Schwankliteratur oder der Predigt-
habe: Er steuerte zwar sechs Prosadialoge märlein (vgl. Erben, Art. 114), so auch be-
bei, empfand sich aber ansonsten als Poet. stimmte Richtungen der Fachliteratur etc.
Bemerkenswert ist wohl auch Spriewalds „Die neuen deutschsprachigen Grammati-
Hinweis, „daß das inviduelle Lesen […] zu ken wirken in mancher Hinsicht normativ auf
dieser Zeit, so stark schriftbetont sie auch die Handhabung der deutschen Sprache in den
war, keineswegs als die höhere Stufe der An- damaligen Schriften“ (Admoni 1990, 176).
eignung betrachtet wird“. „Im Gegenteil: Die Das verhindert aber nicht, daß in Texten mit
Formen der Kollektivrezeption ⫺ einem Vor- bevorzugt umfangreichen Satzgefügen „un-
lesenden zuhören, einem Prediger oder Agita- präzise Konstruktionen“ vorkommen (mit ei-
tor bzw. einer Aufführung zuhören und zu- nem extremen Beispiel Admoni, S. 197): ent-
schauen ⫺ galten als ein wirksamer und Öf- weder mangelt es an der sprachlichen Beherr-
fentlichkeit herstellender Teil der Kommuni- schung solch komplizierter, auch beim Lesen
kation“ (S. 124). Epping-Jäger (1996) wählt oft den Rahmen jeglicher Verständlichkeit
Hans Sachs’ Dramen zur Illustration ihrer sprengender Konstruktionen, oder aber noch
Ausführungen über die verschiedenen (Vor-) am Bewußtsein für die Notwendigkeit ei-
Stadien des Literalisierungsprozesses (nach ner konsequenten Durchführung der Satz-
Glück ‘begrenzte Literalität’ und ‘Hypolite- schemata (s. o. 3.8. zum noch fehlenden Satz-
ralität’ genannt, S. 18). Sie interpretiert „die begriff). Solange ihre Prinzipien noch nicht
oral-öffentliche Inszenierung der Dramen als grammatisch gänzlich reflektiert und zu Re-
rezeptive Übergangsform zwischen aurati- geln erhoben sind, bleiben daher auch im kom-
scher Sinnteilhabe in ritueller Oralität und in- plexen, oft verschachtelten Stil der sich immer
dividueller Textlektüre“, deren es als „Ein- mehr durchsetzenden „Syntax für das Auge“
übungsformen“ (auch des Autors) für die Um- Relikte des lockeren Baus, der „schwebenden
setzung von Stoffen „des säkularisierten lite- Beziehungen“ (s. Erben, Art. 114) aus der kon-
rarischen Kanons […] für ein noch nicht hin- zeptionellen Mündlichkeit erhalten, die für die
reichend lesefähiges Publikum“ bedurft habe Zeitgenossen sicher nicht auffällig waren.
(S. 385).
3.13. Unterschätzt für die Verbreitung der dt.
3.12. Von der zweiten Hälfte des 16. Jhs. an Schriftsprache wurde lange die Rolle der
konstatiert Admoni (1990, 176f.) „eine immer neuen Textsorte der Zeitung seit Beginn des
tiefere Entfremdung zwischen der Sprache der 17. Jhs. Syntaktisch setzt sich hier der zwi-
Schriftwerke und der gesprochenen Sprache“, schen „Imitation“ der Sprechsprache und der
wenn es auch nicht zu einem „vollständigen Kanzleisprache schwankende Stil der Flug-
1658 XII. Ergebnisse V: Das Frühneuhochdeutsche

schriften der ersten Hälfte des 16. Jhs. noch genstand der Forschung, v. a. der histori-
fort (s. Bentzinger 1996). Zunächst ist die schen Syntax (vgl. u. a. Erben, Art. 114;
Zeitungssprache stark parataktisch geprägt, Härd, Art. 178; Betten 1987; Admoni 1990,
doch gibt es, gemäß den stilistischen Wahl- besonders zu Wortstellung, Satzrahmen und
möglichkeiten der Zeit, von Anfang an Un- Ausklammerung, Umstrukturierung des Sy-
terschiede zwischen rascher Berichterstattung stems der Satzverknüpfungsmittel u. a. m.).
mit „einer beliebig fortführbaren Addition Weniger gilt dies für ihr systematisches Zu-
von Nachrichten“ (u. a. charakterisiert durch sammenspiel, und da wiederum am wenigsten
einen hohen Anteil weiterführender Neben- für die Mittel der Mündlichkeit, die zunächst
sätze) und Medien, deren „strengere Orga- (aus den in 1. genannten Gründen) nur an
nisation der Satzgefüge“ von „einem höhe- der Gegenwartssprache studiert wurden.
ren Bearbeitungsgrad“ zeugen (Demske-Neu- Durch eine Reihe verschiedener kontrastiver
mann 1990, 243). Nach v. Polenz (1994, 272,
Textanalysen lassen sich jedoch sowohl uni-
375) ist dies der „komplizierte, locker gefügte
Satzbau der Zeitungsschreiber“, gelegentlich versale als auch einzelsprachliche Techniken/
aber auch ein „lockere[r] Erzählstil“, v. a. Vertextungsstrategien erkennen. Vergleiche
wenn mündliche oder privatbriefliche Quel- mit anderen Perioden der eigenen Sprache
len zugrunde liegen (v. Polenz stützt sich hier (für das Frnhd. mit Ähnlichkeiten und Unter-
auf Arbeiten von Mackensen und Korhonen). schieden zum Ahd. und Mhd. einerseits, zum
Nhd. andererseits), mit der gleichen Sprach-
3.14. Von weiteren Text- und Textsortenana- stufe z. B. in europäischen Nachbarsprachen,
lysen dieser Periode sind zusätzliche Facet- und allgemein sprachtypologisch mit nicht-
ten des Verhältnisses von Mündlichkeit und ide. Sprachen haben einige grundlegende Er-
Schriftlichkeit zu erwarten. Die Prozesse dürf- kenntnisse abgesichert (vgl. auch Schlieben-
ten aber ähnlichen Mustern folgen wie die hier Lange 1983, 30). Die seit den 70er Jahren in
dargestellten (für die Zeit ab 1600 vgl. Löffler, Textlinguistik und -pragmatik entwickelten
Art. 137). Auch im 17. Jh. (und danach) gibt es Verfahren schufen ein angemessenes Analyse-
in Untergruppen von Textsorten (z. B. durch raster ⫺ sofern man nicht schon Weinrichs
späte Ablösung vom Lat.) sowie in bestimm- (1964) Relieftheorie und ihre Anwendung auf
ten Regionen und sozialen Gruppen immer die Entwicklungsgeschichte des dt. Nebensat-
noch erste Übergänge zur Schriftlichkeit mit zes durch Fleischmann (1973) im Zusammen-
entsprechenden Übergangsphänomenen und
hang mit textlinguistischen Ideen sehen will.
-schwierigkeiten, doch vor dem Hintergrund
des voranschreitenden Normierungsprozesses Betten (z. B. 1987) betont in Weiterführung
der Schriftsprache. Exemplarisch hat dies z. B. dieser Arbeiten speziell für das Frnhd. die all-
Maas (1995) an einer bäuerlichen „Chronik“ mähliche, geradezu plastische Reliefbildung
des 17. Jhs. gezeigt, die noch in einem Umfeld durch Haupt- und Nebensatzstrukturen.
der „Gratwanderung an der Schwelle zur Diese differenzieren sich nicht nur deutlich
Schriftlichkeit“ (S. 75) entsteht: lautlich, gra- durch die Verbstellung; durch den Ausbau
phisch und morphologisch bemüht sie sich des Satzrahmens werden vielmehr hör- und
zwar ⫺ nach einer früheren Orientierung des sichtbare, z. T. recht massive Klammern um
Autors an der mnd. Schreibsprache ⫺ ca. seit die übrigen Satzglieder gelegt. Die Entwick-
1637 um das Hochdt., und stilistisch ist sie „in lung wurde bekanntlich einerseits durch die
der ständisch-selbstbewußten Tradition chro- Zunahme zusammengesetzter, periphrasti-
nikalischer Darstellungen“ humanistischen scher Prädikate und andererseits durch den
Vorbilds zu sehen (S. 68), doch in der Art der Ausbau des Systems der Nebensatz-einleiten-
narrativen Darstellung wird sie „noch fundiert den Subjunktoren entschieden gefördert. Im
in den Strukturen der gesprochenen Sprache Zentrum der Ansätze, die ein solches Relief
praktiziert“ (S. 95). im Satzbau herausarbeiten, steht die An-
nahme, daß damit eine Kennzeichnung von
4. Sprachliche Merkmale der Vordergrund- und Hintergrundinformation
Mündlichkeit und des Übergangs Hand in Hand gehe (vgl. Wells 1990, 276). In
zur Schriftlichkeit (anhand ihrer den USA hat u. a. Hopper mit Arbeiten über
Behandlung in der neueren foregrounding und Fokus-Bildung in narrati-
ven Texten verschiedener Sprachen und Zeit-
Forschung) stufen die Aufmerksamkeit auf derartige
4.1. Die einzelnen Phänomene, die als In- Phänomene gelenkt. Er hält es für ein univer-
dikatoren für mündliche oder schriftliche sales Merkmal narrativer Texte, daß zwischen
Konzeption gelten, sind z. T. seit langem Ge- der Hauptlinie der Geschichte und den Be-
118. Zum Verhältnis von geschriebener und gesprochener Sprache im Frühneuhochdeutschen 1659

gleitinformationen sprachlich unterschieden reich für die Einstufung des Entscheidungs-


wird. Das Vordergrundgeschehen ahme chro- spielraums sein. Es zeigt sich dann z. B., daß
nologisch die Abfolge des Geschehens in der verschiedene Bibelübersetzungen des 14. oder
realen Welt nach. Bei Hintergrundinforma- 15. Jhs. jeweils drastische Reduzierungen der
tionen jedoch schreite das Geschehen nicht im lat. Text vorkommenden Partikeln vorge-
weiter, vielmehr würden hier Erweiterungen, nommen haben, aber durchaus nicht alle in
Kommentare etc. gegeben, die simultan zur gleicher Weise (vgl. Riehl 1987). Je freier und
Vordergrundinformation einzuordnen seien. je besser, natürlicher dem narrativen Stil des
Zur Markierung dieser Funktionen können Dt. angepaßt, desto häufiger findet sich dô
sehr unterschiedliche sprachliche Mittel die- als Leitpartikel ⫺ neben wenigen anderen,
nen. Hopper (1979) nennt für das Frz. (ähn- die Wolf (1978) als „illokutive Konnektoren“
lich Weinrich und Fleischmann) die Unter- bezeichnet hat, da sie bestimmte Texttypen
scheidung der Tempora passé historique und signalisieren.
imparfait, für das Russische die Unterschei- Über die illokutive Funktion hinaus hat
dung von perfektivem und imperfektivem mhd./frnhd. dô, wie schon ahd. thô, fokussie-
Aspekt, für das Aengl. eine Kombination der rende Wirkung, was sich besonders gut im
Partikel Pa mit Wortstellungsvarianten (die Vergleich zur nur reihenden Verwendung von
noch funktional unterschieden werden konn- und(e) (ahd. inti) zeigt (vgl. mit Bsp. aus al-
ten, solange das Engl. nicht allgemein zur len Sprachstufen Betten 1987 a; 1990 a; 1991;
SVO-Abfolge überging). 1992; 1993). Riehl (1991) hat an drei Legen-
Markierungen durch Partikeln weisen denübertragungen des 14. Jhs. die Signal-
auch viele andere Sprachen auf. Hopper funktionen von dô beim Wechsel vom Hinter-
(1979 a) gibt Beispiele aus dem Suaheli für grund zum Vordergrund herausgearbeitet
eine ziemlich einfache Kennzeichnung von und sie zusammen mit weiteren Partikeln und
Vorder- und Hintergrund durch Verbpräfixe der Tempusmarkierung als wichtigsten Indi-
(ka : ki) oder aus dem Malaischen durch en- kator der Satz- bzw. Textstrukturierung be-
klitische Verbpartikeln. Fujii (1992) behan- zeichnet. Gleichzeitig lassen sich zwischen
delt den Wandel in der Subjektmarkierung den drei Versionen deutliche stilistische Un-
des Japanischen durch Funktionsverschie- terschiede erkennen: Je mehr Vordergrund-
bungen im Bereich der wichtigsten nachge- setzung (durch dô) erfolgt, desto mehr geht es
stellten Partikeln (ga, wa, mo) auf der Makro- um Herausstellung der Aktion, Erhöhung der
und Mikroebene narrativer Texte. Die Funk- Spannung. D. h. die Partikelsetzung wirkt
tionen dieser Partikeln seien, stark verein- ebenso rezeptionssteuernd wie stilmarkie-
facht: introduction, theme-creation, theme- rend. In den entsprechenden Übersetzungen
maintenance, bzw. modifizierter: staging, cen- des 16. und 18. Jhs. hingegen (s. schon o.
tral importance (wa) bzw. temporary impor- 3.4.), nach dem Übergang zur Leserezep-
tance, vivid action (ga), emphasis (mo) oder tion, erfolgt die Reliefbildung mit anderen
shift of attention. Mitteln, nämlich wie im Lat. mit der typisch
„schriftsprachlichen“ Abstufung von Haupt-
4.2. Diese Partikelmarkierungen von Vorder- und Nebensatz und Tempusdifferenzierungen
und Hintergrund, on- und off-stage, werden (wenngleich mit häufigen Veränderungen der
heute meist mit konzeptioneller Mündlich- Vorder- und Hintergrundsetzung selbst).
keit in Verbindung gebracht. Enkvist/Wårvik Noch nicht ausreichend untersucht ist die Funktion
(1987) charakterisieren das multifunktionale dieser Partikelsetzung, die für alle narrativen, über-
aengl. Pa als grounding-marker wie auch als wiegend in Traditionen der Hörrezeption bzw. der
action-signal: Es rücke sowohl statische, aber konzeptionellen Mündlichkeit stehenden Gattun-
wichtige Umstände in den Vordergrund, wie gen typisch ist, während der Übergangszeit vom
es auch die Handlungsabfolge der Haupter- 15. zum 16. Jh. (bzw. u. U. darüber hinaus). In 3.
zähllinie markieren könne. (Ähnlich Wilbur wurde bereits mehrfach darauf hingewiesen, daß
die ursprüngliche Funktion hier schon von anderen
1988 zur Funktion des Konnektors dô/dâ im sprachlichen Mitteln übernommen sein kann, das
Ahd. und Asächs., Wolf 1978 zu Konnekto- altüberlieferte Signal aber noch beibehalten wurde,
ren im Nibelungenlied gegenüber der hö- da es z. B. als gattungsübliches Stilmerkmal emp-
fischen Epik einerseits und nhd. Übersetzun- funden wurde.
gen andererseits, Betten 1987 a zu Bibelüber-
setzungen Luthers und seiner Vorgänger bis 4.3. Ein anderer Bereich, der sich als speziel-
zurück zur ahd. Tatian-Überlieferung). Zu- les Kennzeichen der Schriftsprache größeren
sätzliche Vergleiche mit eventuellen lat. Text- Interesses erfreut, ist die Epistemik. „Episte-
vorlagen können dabei besonders aufschluß- mologisches Bewußtsein“ wird (nach Ass-
1660 XII. Ergebnisse V: Das Frühneuhochdeutsche

mann/Assmann 1988, 25) von Medienfor- hungen herkommen“, gedeutet. Ágel inter-
schern, „die im Anschluß an die Oralität […] pretiert dies weitgehend als „kommunikati-
die Literalität entdeckten“, ebenso wie „hi- ven Bewußtseinswandel“ im Sinne der heu-
storische Erfahrung“, „Abstraktionsvermö- tigen Literalitäts- bzw. Literarisierungsfor-
gen“, „Innerlichkeit“ u. a. m. mit ‘Schrift’ as- schung: „Epistemifizierung ist an die zuneh-
soziiert. „Epistemifizierung“ gilt als „Spe- mende Literalisierung der Gesamtkultur, ihre
zialfall des Prozesses der Subjektivierung“; Intensivierung an die Herausbildung und
sie bringt „diejenigen subjektiven Attitüden/ Verbreitung der typographischen Kultur ge-
Sprechereinstellungen“ zum Ausdruck, „die bunden.“ Oder anders: „Ohne die schriftkul-
mit Urteilen (Überzeugungen, Meinungen, turelle, d. h. alphabetisch-visuelle, Idee eines
Annahmen usw.) über den Wahrheitsgehalt vom Handlungszusammenhang losgelösten
von Propositionen zu tun haben“ (Ágel Äußerungsinhalts kann man sich die Heraus-
1999), im Anschluß an Keller 1995 und Pal- bildung der Epistemik schlecht vorstellen.“
mer 1986). Auch die oben genannten syntaktischen
Für Modalwörter und Modalverben liegen Veränderungen finden ihren Platz in Ágels
durch Untersuchungen von Schildt (1987; Auflistung weiterer Bereiche der Grammatik,
1990; 1992) und Schieb (1976) Daten zum die „die sukzessive Ablösung der oralen Kul-
Vergleich der Zeiträume erste Hälfte des tur des Mittelalters“ belegen: so die Erset-
16. Jhs. sowie 1570⫺1630 und 1670⫺1730 zung der „Ereignisgrundierung (Vordergrund
vor, die nach Textgruppen und -sorten aufge- vs. Hintergrund)“ mittels Konnektoren wie
schlüsselt sind. Nach Schildt hängt die Zu- dô und und durch die klare Unterscheidung
nahme der Modalwörter seit dem 16. Jh. spe- von Haupt- und Nebensatz (nach Betten
ziell in Texten, „in denen Meinungen und und Riehl); die Ablösung der „eher additi-
Einstellungen geprägt werden sollen“ (1990, ve[n], durch ‘polyseme’ Satzkonnektoren ge-
160), „mit dem wachsenden Grad der Ver- kennzeichnete[n] Äußerungsfügung des Mhd.
schriftlichung des Kommunikationsprozesses durch eine eher subordinierende, durch ein-
zusammen“ (1987, 391). Der Befund kann deutigere und abstraktere Satzkonnektoren
zunächst als sprachlicher Ersatz dafür be- gekennzeichnete Syntax“ (nach Betten 1987,
trachtet werden, „was Intonation, Gestik und 87ff. zu Prosaauflösungen im 15. Jh.); ferner
Mimik in der mündlichen Kommunikation die Abnahme der Kontextabhängigkeit der
leisten“ (Hartweg/Wegera 1989, 82). Schildt Bedeutung von Nominalkomposita und der
sieht darin jedoch auch einen engen Zusam- Genitivschwund seit dem 15. Jh. (vgl. Don-
menhang mit der Befreiung der Menschen hauser/Schrodt Art. 174). Ágel setzt all diese
„von geistigen Fesseln“ und der Einbezie- Befunde in Parallele zu den Theorien und
hung breiter Massen „in die Diskussion über Thesen Ongs. Vieles davon ist noch genauer
Fragen […], die jeden angingen.“ So „entwik- auszuführen. Unumstritten ist jedoch die be-
kelten sich spezifische, für die schriftliche sondere Stellung „mediengeschichtlicher Vor-
Kommunikation charakteristische Verhal- gänge“ für den Struktur- und Funktionswan-
tensmuster und Verfahrensweisen“ (1990, del der Sprache mit der „Expansion der
161). Für Ágel ist dies v. a. Ausdruck eines Schriftlichkeit“ (Warnke 1994, 360 mit v. Po-
intensiven Epistemifizierungsprozesses vom lenz) und die Tatsache, daß bestimmte Arten
16. bis frühen 18. Jh., der aber wohl schon im und Grade „der Komplexität von Form und
frühen Frnhd. einsetzte. Schiebs Daten für Organisation nur mit Mitteln einer Schrift-
die Modalverben wertet Ágel als epistemische kultur bewältigt werden können“ (Schlieben-
„Refunktionalisierung der älteren Konstruk- Lange 1983, 54). Und richtig ist gewiß
tionstypen“, womit „eine qualitativ neue auch (nochmals in Ágels Formulierung), daß
Epoche in der Grammatikalisierung der epi- die „Idee der Grammatik so wie auch die
stemischen Ausdrucksmöglichkeiten“ begin- Ideen von Struktur, Relation, Bedeutung, Pa-
ne. Noch deutlichere Beweise für die im radigma usw.“ „literale Ideen“ sind, „d. h.
Frnhd. einsetzende Epistemifizierung findet Ideen, die in sog. primär oralen Gesellschaf-
er im Bereich der assertiven Sprechaktverben. ten (⫽ in nichtalphabetisierten Gesellschaf-
Ihren Wandel hat v. Polenz (1988, 197f.) auf- ten) gar nicht aufkommen könnten bzw. auf-
grund der bevorzugten „Wahl von Hand- gekommen wären“. Und: „Unsere Vorstel-
lungstypen und Handlungsbezeichnungen in lungen von grammatischen Relationen und
bestimmten Textsorten“ als „Stilwandel, des- Strukturen entstammen der durch die Alpha-
sen Triebkräfte primär vom Wandel des Ver- betkultur begründeten und durch die Buch-
ständnisses von Rollen- und Adressatenbezie- kultur totalisierten zweidimensionalen Visua-
118. Zum Verhältnis von geschriebener und gesprochener Sprache im Frühneuhochdeutschen 1661

lisierungskultur.“ ⫺ Auch aus diesen Grün- Dies., Direkte Rede und epischer Bericht in der
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