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DE

DIGITAL BUSINESS
DAS EXPERTENMAGAZIN FÜR DIE SMART COMPANY CLOUD

Fokus Data Analytics:


Peter Arbitter (l.),
Telekom Deutschland GmbH
und Thomas Timm,
Teradata GmbH,
im Doppelinterview.

2025
Eine Publikation der WIN Verlag GmbH & Co. KG | Ausgabe-Nr.: 164 | D, A, CH: € 11,50 | weitere EU-Länder: : € 13,70

Big Data, ERP, KI, AR, Cloud, RPA –


wie Unternehmen mit digitalen Technologien
ihre Zukunft sichern

CDO INSIGHT BAUSTELLE POLITIK FUTURE CLOUD


Mut zu neuen Wegen – vom Ein- Der Mittelstand leidet unter der Sieht so die IT der Zukunft aus?
satz digitaler Technologien bis verhaltenen Unterstützung – nicht Unternehmen haben getrennte
zu Finanzierungsalternativen nur beim Thema Digitalisierung Silos ihrer Infrastruktur aufgelöst
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EDITORIAL /// Seite 3

Exklusiv.
ERP für Losgröße 1 +

Genialität
verpflichtet
LIEBE LESERINNEN, LIEBE LESER,
Bild: SFIO CRACHO@shutterstock.com

Sind die deutschen Unternehmen Um in der Zukunftstechnologie Data


gut gerüstet für die Zukunft? Wer- Analytics mehr Fahrt aufnehmen
den Sie auch im Jahr 2025 noch zu können, hat sich die Telekom mit
im Wettbewerb bestehen können? dem Daten-Spezialisten Teradata
Welche digitalen Technologien soll- zusammengetan. Wie aus Daten
ten sie heute noch implementieren neues Geschäft entstehen kann und
oder optimieren, um auf lange Sicht warum Unternehmen, die im Jahr
überlebensfähig zu sein? Dieser 2025 noch wettbewerbsfähig sein
Frage gehen wir in zahlreichen wollen, jetzt die richtigen Entschei-
Beiträgen dieser Ausgabe nach und dungen in Bezug auf Ihr Datenma-
ich würde mich sehr freuen, wenn für nagement treffen müssen, haben mir
Sie die eine oder andere Inspiration im Doppelinterview Peter Arbitter,
dabei ist. Leiter Portfolio & Produkt Manage-
ment für Geschäftskunden bei der
Für mich selbst war zuletzt die Teil- Telekom Deutschland und Thomas
nahme an der DigitalX in Köln sehr Timm, Deutschland-Chef der Tera-
inspirierend, insbesondere die Key- data GmbH, detailliert erläutert,
note von Telekom-CEO Timotheus
Höttges. Wie er da in grauen Schlab- Apropos 2025: Wer in fünf Jahren
berhosen und weißen Sneakers die noch vorne mitmischen will, sollte
Bühne rauf und runter tigerte und die Erfahrungen und Emotionen von
dem übervollen Saal vorhielt, wo es Kunden und Mitarbeitern – also so-
überall fehlt bei der Digitalisierung, genannte Experience-Daten nutzen.
aber auch visionär darlegte, was in Die Wünsche und Erlebnisse von
Zukunft wichtig wird, wirkte er mehr Kunden und potenziellen Neukun-
denn je wie ein deutscher Steve den zu kennen und zu verstehen, ist
Jobs. mehr denn je entscheidend für den
Geschäftserfolg. Ob ein ERP-Sys-
Seiner Überzeugung nach wird in tem dagegen in fünf Jahren noch der
den Technologieabteilungen Chinas zentrale Integrations-Hub für alle
und der USA ausgemacht, wer die Vertriebs-, Entwicklungs-, Produk-
Technologieführerschaft in der Welt tions-, Logistik- und Kundenprozesse
übernimmt. „Europa findet nur am sein wird, hängt davon ab, wie es die
Rande statt und muss die Kollateral- Anforderungen erfüllt, die das indus-
schäden ausbaden“, klagte er an. trielle Internet an eine zeitgemäße
Business-Software stellt.

Ich wünsche Ihnen interessante


Erkenntnisse bei der Lektüre,

HEINER SIEGER
Chefredakteur
DIGITAL BUSINESS CLOUD
hsi@win-verlag.de

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Seite 4 /// INHALT

SEITE 6 - 9

NEUGESCHÄFT MIT DATEN


Wie Unternehmen sich mit richtigem Da-
tenmanagement für das Jahr 2025 und
darüber hinaus wettbewerbsfähig auf-
stellen, erklären Peter Arbitter (r.) von
der Telekom Deutschland und Thomas
Timm von Teradata im Doppelinterview.

FORUM
MARKTPLATZ
INDUSTRIE 4.0


Das Forum für: Anwender, Praktiker + Macher


Im Fokus stehen: konkrete Use-Cases von
Industrie 4.0/IIoT


Plattform für: Lösungswege mit I4.0-/
IIoT-Funktionalität


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WORKSHOPS I MARKTPLATZ INDUSTRIE 4.0 I TREND-SESSIONS


INHALT /// Seite 5

6 
/// TITEL 36 
/// RPA

WIE AUS DATEN JEDEM PROZESS


NEUES GESCHÄFT WIRD SEIN EIGENER BOT
10 
/// EXPERIENCE ECONOMY

WEICHE DATEN FÜR


SIER
DOS
VOLLEN ERFOLG
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12 /// FUTURE CLOUD INFRASTRUCTURE D L
IM SCHMELZTIEGEL
ZWI
14 /// SUBSCRIPTION ECONOMY
SO SEHEN NEUE 38  DOSSIER DIGITALER ZWILLING
INDUSTRIE-4.0- ERWEITERTE SEITE 10-11
GESCHÄFTSMODELLE AUS MÖGLICHKEITEN
EXPERIENCE ECOMOMY
16 /// ERP 40 
DOSSIER DIGITALER ZWILLING Immer wichtiger für den Erfolg von
AUSGEDIENT AUF DEN ANWENDUNGS- Mittelständlern werden die Erfahrungen
ODER AUFGEBOHRT? FALL KOMMT ES AN und Emotionen von Mitarbeitern und
Kunden.
18 
/// BAUSTELLEN DER DIGITALISIERUNG 42 /// HYBRIDCLOUD
AM WENDEPUNKT DAS BESTE AUS
20 /// INTERVIEW VERSCHIEDENEN WELTEN
MITTELSTANDSPERSPEKTIVE
43 /// RECRUITING
BAUSTELLE POLITIK
KEIN PERSONAL? –
23 /// SMART CITY KEINE ZUKUNFT!
WACHSTUMSMARKT
44 
/// NEWS
METROPOLEN
FRISCH AUSGEPACKT
24 /// BAUSTELLEN DER DIGITALISIERUNG
„VIELE VERFÜGBARE DIGI-
TALISIERTE GESCHÄFTS- 3 EDITORIAL
PROZESSE WERDEN NICHT 45 DIENSTLEISTER
GENUTZT“
46 VORSCHAU
26 
/// ARBEITSZEITMANAGEMENT
46 IMPRESSUM SEITE 16-17
CHANCE
FÜR MEHR EFFIZIENZ AUSGEDIENT ODER AUFGEBOHRT?

28 
/// DISRUPTION Ob ein ERP-Sysytem in fünf Jahren noch
SOFTWARE EATS INDUSTRY der zentrale Integrations-Hub für die
wichtigsten Unternehmens-Prozesse ist,
hängt von vier wesentlichen Kriterien ab.

CDOinsight AB SEITE 29

01
DIE FINANZIERUNGS­
LÜCKE SCHLIESSEN
SEITE 26-27

02 CHANCE FÜR MEHR EFFIZIENZ


Cloudbasierte Workforce-Managament-
DIE GRATWANDERUNG Lösungen integrieren neben der Arbeits-
WAGEN zeiterfassung auch Zeitwirtschaft und
Personaleinsatzplanung.

www.digitalbusiness-cloud.de  DIGITAL BUSINESS CLOUD 06/19


Seite 6 /// TITEL

WIE AUS DATEN


NEUES GESCHÄFT WIRD
Unternehmen, die im Jahr 2025 noch wettbewerbsfähig sein wollen, müssen jetzt die richtigen
Entscheidungen in Bezug auf Ihr Datenmanagement treffen. Als versierte Datenexperten gaben
Deutsche Telekom und Teradata auf der DigitalX eine strategische Partnerschaft bekannt, um
Mittelständlern mit Data-Analytics-Lösungen noch besser unterstützen zu können. Peter
Arbitter, Leiter Portfolio & Produkt Management für Geschäftskunden bei der Telekom
Deutschland und Thomas Timm, Deutschland-Chef der Teradata GmbH, erklären, warum die
Datenanalyse der nächste und wichtigste Digitalisierungsschritt ist und Unternehmen jeder
Größe jetzt damit durchstarten sollten. VON HEINER SIEGER

Herr Arbitter, verschiedene Studien bescheinigen wünschte ich mir ein höheres Tempo, damit die Unternehmen
den deutschen Unternehmen noch Nachholbedarf ihr digitales Potenzial besser ausschöpfen. Wichtig ist mir aber:
bzw. Startschwierigkeiten in Sachen Digitalisie- Beim Thema Digitalisierung hat der Mittelstand kein Wahr-
rung. Wo stehen die Unternehmen aus Ihrer Sicht? nehmungsproblem, sondern lediglich Herausforderungen bei
PETER ARBITTER: Den Vorwurf, dass der deutsche Mittelstand der Umsetzung. Ich nenne das „Knowing-Doing-Gap“. Obwohl
sich zu langsam transformiert, die Digitalisierung gar verschläft, ihnen die Relevanz dieser Technologien bewusst ist, investieren
kann ich nicht mehr hören. Ich erlebe das anders, wenn ich mich laut einer Bitkom-Studie nur 41 Prozent aller Mittelständler in
mit Unternehmern austausche. Der Mittelstand ist längst digital Datenanalysesysteme, 7 Prozent in Künstliche Intelligenz und
unterwegs. Weiss, dass er sich verändern muss, um wettbewerbs- nur 5 Prozent in die Blockchain. Diese Lücken zwischen Wissen
fähig zu bleiben. Das bestätigt schon unser „Digitalisierungsin- und Umsetzen müssen wir möglichst rasch schließen, und dabei
dex Mittelstand“, eine Studie, die wir seit vielen Jahren gemein- sehe ich auch Unternehmen wie die Telekom in der Pflicht.
sam mit techconsult erheben. Was wir dabei ganz klar erkennen:
Die Unternehmen kommen Schritt für Schritt voran. Natürlich

DIGITAL BUSINESS CLOUD 06/19 www.digitalbusiness-cloud.de


TITEL /// Seite 7

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Thomas T

Herr Arbitter, wenn Sie mal fünf Jahre in die Zu-


kunft blicken – welche Entscheidungen sollten
Unternehmen in den kommenden Monaten in Be-
zug auf Ihr Datenmanagement treffen, um im Jahr
2025 noch wettbewerbsfähig zu sein?
P.A.: Für eine erfolgreiche digitale Transformation gibt es meiner
Ansicht nach fünf Gebote und mit diesem Regelwerk fahren die
Unternehmen auch in Sachen Datenmanagement gut. Erstens:
Sie brauchen den Mut und den Willen zur Veränderung. Zwei-
Herr Timm, Daten als Schlüsselelement der heuti- tens: Der Kunde ist die Nummer eins. Seine Daten sind immens
gen Geschäftswelt bilden das Fundament für viele wichtig! Unternehmen müssen diese Infos schützen. Drittens:
Produkte, Dienstleistungen und Kundeninterak- Digitalisierung ist Chefsache. Heißt: Wer an der Spitze steht,
tionen. Aber nur, wenn die Datenqualität stimmt. muss auch der oberste Datenmanager sein. Viertens: Unterneh-
Stimmt Sie denn in den Unternehmen? men müssen nicht alles selbst besitzen. Selbst Datenmanagement
THOMAS TIMM: Die meisten Unternehmen, ob groß oder klein, kann man einkaufen. Und fünftens: Die Transformation ist kein
erkennen jetzt, welche weitreichenden Konsequenzen schlech- Alleingang. Schauen Sie sich nach Partnern um, die werthaltige
tes Datenmanagement hat. Während sie in agile IT investiert Business-Daten beisteuern können.
haben, haben sie zugleich immer mehr Datensilos kreiert. Und
Datensilos bedeuten schlechtes Datenmanagement. Denn durch Herr Timm, ihr Unternehmen Teradata verspricht,
jedes Datensilo steigt das Risiko, dass Daten nicht richtig genutzt das Leben und Arbeiten von Menschen durch Daten
werden, Mitarbeiter keinen Zugriff auf die richtigen Daten haben zu verändern. Wie viel Veränderung im Umgang mit
oder gar mit den falschen arbeiten. Daher ist es heute wichtiger Daten ist denn überhaupt erforderlich, um im Jahr
denn je, Datensilos aufzubrechen, Daten aus den unterschied- 2025 überlebensfähig zu sein? Und noch wichtiger:
lichsten Quellen zu integrieren und miteinander zu verknüpfen. Sind die Unternehmen schon darauf vorbereitet?
Nur so – indem sie eine konsistente Sicht auf ihr Unternehmen T.T.: Die Dimensionen an Daten, befeuert durch das Internet der
und ihre Kunden erhalten – können Entscheider in einer zuneh- Dinge, Cloud, 5G, Künstliche Intelligenz oder Robotik, können
mend vernetzten Welt operative Spitzenleistung und ein gutes sich die meisten kaum vorstellen. Bis 2025 soll die weltweite Da-
Kundenerlebnis sicherstellen. Tun sie das nicht, verpassen sie tenmenge auf 175 Zettabyte ansteigen – das ist eine 175 mit 21
die Chance, Daten in neue, nachhaltige Geschäftsmodelle zu Nullen. Wenn nicht schon heute, dann aber in der nahen Zukunft
verwandeln. muss jedes Unternehmen ein Datenunternehmen sein. Überle-
ben werden aber nur diejenigen unter ihnen, die in nachhalti-
ge Technologie investieren, die es ihnen erlaubt, Millionen von
Daten, Kanälen, IT-Systemen und Anwendungen agil und ska-
lierbar zu einem funktionierenden Gefüge zusammenzubringen.
Das geht nur mithilfe von intelligenten Plattformen, die es uns
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Menschen erlauben, Millionen von Algorithmen schneller als je
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Beim The ­ zuvor aufzubauen – ohne aber die Kontrolle über sie und das au-
W a h r nehmungs tonome Entscheiden und Handeln von Maschinen zu verlieren.
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der Mitte le d iglic h Heraus
, sondern Teradata und die Deutsche Telekom gehen jetzt in
problem e r U msetzun
g. diesem Umfeld eine strategische Partnerschaft
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forderun o w in g - D oing-Gap ein. Welche Vorteile versprechen Sie sich als Unter-
das „Kn nehmen davon?
Ich nenne P.A.: Ich bin über diese Konstellation sehr froh, weil so zwei star-
kom
sche Tele ke Partner ihre Stärken kombinieren können. Davon profitieren
itter, Deut
Peter Arb
unsere Kunden. Mit unserem gemeinsamen Data-Analytics-An-

www.digitalbusiness-cloud.de  DIGITAL BUSINESS CLOUD 06/19


Seite 8 /// TITEL

gebot wird der Mittelstand auf dem Transformationsweg einen zu Wertschöpfung, Auslastung und Betriebskosten. Um zum
Riesenschritt vorankommen. Er kann künftig statt wie aktuell Beispiel jederzeit ermitteln zu können, ob die Wartungskosten
noch häufig aus dem Bauch heraus noch mehr und damit deut- im Rahmen bleiben. Wenn wir dies dann noch mit Sensortech-
lich bessere Entscheidungen auf Basis von Daten und Fakten nik verknüpfen, ermitteln die intelligenten Gebäude künftig ihre
treffen. Wir werfen unsere ausgewiesenen Stärken in die Waag- Auslastung und Wartungsaufwände selbst und veranlassen alles
schale – Kundenzugang, Service, Cloud-Portfolio, hohe Expertise Erforderliche. Unseren Industriekunden hilft Data Analytics,
in Sachen Datenschutz und Datensicherheit, Internet of Things, schneller auf Trendthemen zu reagieren. Ganz einfach, weil
M2M Kommunikation oder 5G. Veredeln mit der Partnerschaft sie an den Daten die Kundenwünsche frühzeitig erkennen. Ih-
gleichzeitig unser eigenes Portfolio und erweitern unser Know- re Marketingkampagnen können sie zielgruppengenauer über
how auf dem Geschäftsfeld Data Analytics. verschiedene Kanäle ausspielen.

T.T.: Als Teradata dürfen wir viele führende, deutsche Unterneh- Big Data wird durch Machine Learning getrieben,
men unsere Kunden nennen, darunter Siemens, Lufthansa und aber bei Big Data kommt es mehr auf den mensch-
DHL Express. Durch die lokale Expertise, das Vertrauen und die lichen Lernprozess im Umgang mit Daten an. Wie
Power der Deutschen Telekom können wir unsere Technologie finden diese Welten zusammen?
viel mehr Kunden zur Verfügung stellen als bisher; und durch T.T.: Big Data – das sind nur Zahlen und Statistik. Thick Data
die Kombination unserer Stärken nun auch dem Mittelstand das ergänzt Big Data und stellt die Daten in einen Kontext; erklärt
Potential von Data Analytics durch standardisierte und individu- warum Kunden sich auf eine bestimme Art und Weise verhalten,
alisierte Lösungen eröffnen, die einfach zu bedienen sind. wie Prozesse funktionieren, Produkte entwickelt wurden oder
wie sich Lieferketten bewegen, um nur einige Beispiele zu nen-
P.A.: Wie das dann konkret aussieht, zeigt etwa ein Blick auf unser nen. Wenn man sich als Data Scientist oder Business Analyst nur
neu entwickeltes und standardisiertes Analytics-Produkt Digital mit den Daten allein beschäftigt, ist es ohne Kontext sehr schwie-
Sales Assistant (DSA). Er gibt Vertrieblern wichtige Empfehlun- rig, die Daten richtig zu interpretieren und in neue Strategien,
gen, wenn diese ihren nächsten Kundentermin vorbereiten. Produkte, Geschäftsmodelle zu übersetzen. Thick Data bringt
den „Human Factor“ in die Daten. Es liefert eine Erklärung, wie
Herr Arbitter: Die Kooperation hat vor allem drei die Daten erhoben wurden – und ist damit ein weiterer Beweis
Branchen – das produzierende Gewerbe, den dafür, dass es bei der Digitalisierung nicht nur um Technologie
Einzelhandel und die Immobilienwirtschaft – im allein, sondern um ein sinnvolles Zusammenspiel aus Mensch
Fokus. Können Sie Beispiele nennen, wie und wo und Maschine geht.
besonders anspruchsvolle Kunden dabei von der
Datenanalyse profitieren? P.A.: Mit unserer strategischen Partnerschaft wollen wir beim
P.A.: Im Wettbewerb mit dem Online-Handel setzen Einzel- Mittelstand ein Bewusstsein dafür wecken, welche Potenziale in
händler alles daran, für ihre Kunden attraktiver zu werden. Da- der systematischen Datenauswertung stecken. Und die Einstiegs-
ta Analytics hilft ihnen dabei. Weil sie mit der systematischen hürden deutlich senken. Vielleicht denkt der eine oder andere
Datenauswertung ihren Laden intelligenter gestalten können. jetzt: Moment, in meinem ERP- oder CRM-System kann ich
Da geht es dann darum, die Bewegungsströme der Kunden zu doch ohnehin schon Datensammlungen auswerten. Das stimmt.
analysieren, den besten Platz im Regal herauszufinden oder um Aber dank künstlicher Intelligenz ist das nun in Echtzeit möglich.
temporäre Margenempfehlungen bei Saisonartikeln. Für die Im- Nicht zuletzt unterstützt KI so auch unsere Vertriebsmannschaft
mobilienwirtschaft ist unser „Real Estate Monitoring“ interes- – wie bei einem Autofahrer, der dank intelligenter Assistenzsys-
sant. Die Unternehmen brauchen gebäudegenaue Prognosen

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TITEL /// Seite 9

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imm, Tera
Thomas T

teme an Bord noch besser und sicherer unterwegs ist. Natürlich


kann keine Maschine einen Menschen ersetzen – sinnvoll unter-
stützen aber durchaus. Also deren unverzichtbaren Erfahrungs-
schatz und Einfühlungsvermögen durch wertvolle Hinweise
ergänzen, um dadurch noch besser als bisher auf die Wünsche
unserer Kunden eingehen zu können. Setzt der Vertrieb unseren
Digital Sales Assistant ein, dann können die Kollegen vor oder
sogar während eines Kundentermins ganz fix neue Vorschläge
für die „Next Best Action“ abrufen.

Herr Timm, mit jedem IT-System, jeder Anwen- ihm weitere KI-Lösungen. Oder bieten Sensorik, Campusnetze,
dung, jedem Sensor und jeder Maschine steigt die Dashboards und Devices.
technologische Komplexität. Welche Hürden müs-
sen Unternehmen im Umgang mit internen und ex- Herr Timm, die anfallenden Daten aus Produktion,
ternen Daten überwinden, um den größtmöglichen Vertrieb und Back Office werden in Zukunft förm-
Nutzen daraus zu ziehen? lich explodieren. Wie bekommen Unternehmen
T.T.: Die Geschwindigkeit, mit der technologische Innovationen das in den Griff?
heute umgesetzt werden, ist schier überwältigend. Aber mit je- T.T.: Die Daten explodieren bereits heute. Zwar erfassen Unter-
dem neuen Produkt, Service, Tool, System und Software, steigt nehmen möglicherweise noch nicht alle Daten im Backoffice, in
auch die technologische Komplexität. Unternehmen können der Produktion oder im Vertrieb. Aber die Daten sind bereits da
sich schnell in der Vielfalt der auf dem Markt verfügbaren Big – und es werden jede Sekunde mehr. Als Teil des Big Data Hypes
Data-Technologien verlieren. Hinzu kommen die verschiedenen haben Unternehmen auf der ganzen Welt enorme Ressourcen zur
Datenquellen und -formate, strukturierte oder unstrukturierte Verfügung gestellt, um alle diese Daten zu erfassen. Was unsere
Daten, die verwaltet und integriert werden müssen, sowie die Kunden jetzt aber erkannt haben, ist, dass die millionenschweren
Frage der Datensicherheit und Datenhoheit, die für Data Ana- Investitionen in Data Lakes gar keine so smarte Entscheidung
lytics oberste Priorität haben muss – all dies kann gerade für waren. Unternehmen müssen ihre Daten aus den Data Lakes he-
mittelständische Unternehmen eine enorme Aufgabe bedeuten, rausholen und sie strukturieren, um Datenanalysen durchführen
die sie schwer allein bewältigen können. Darum brauchen sie zu können, die sie wirklich weiterbringen.
umso mehr Partner, die all diese technologischen Aufgaben für
sie übernehmen Herr Arbitter, wird diese Datenexplosion in Zu-
kunft nicht zu großen Speicherproblemen führen?
Herr Arbitter, in Sachen Qualität und Integration Welche Lösungen haben Sie da für Unternehmen
der Daten von der Maschine bis zum Backoffice er- parat?
wartet Unternehmen ein Berg an Arbeit. Kommen P.A.: Zunächst einmal: Niemand muss alle Daten speichern. Zu-
die Menschen in den Firmen noch mit? Wie kann allererst müssen die Unternehmen klären: Welche Daten sind
Ihre Kooperation mit Teradata helfen, diesen Berg für sie wirklich wichtig? Welche bringen ihr Geschäft nach vorn?
zu bewältigen? Heißt: Sie müssen die Spreu vom Weizen trennen. Nur so wird
P.A.: Genau das ist ein wichtiger Beweggrund für unsere Partner- aus Quantität Qualität, wird aus Big Data auf Dauer Smart Data.
schaft. Wir unterstützen mittelständische Unternehmen unab- Deshalb bieten wir den Unternehmen mit unserer Partnerschaft
hängig von ihrem Kenntnisstand und Umsetzungsgrad von Data ein Data-Lifecycle-Konzept an, das von der Entstehung der Da-
Analytics. Fehlen ihnen Daten-Analysten? Wir bringen sie mit. ten bis zu deren Löschung reicht. Wir bringen die notwendige
Brauchen sie Datenarchitekten oder Programmierer für die Mo- Sensibilität für den Umgang mit den Daten mit – von ihrer Ge-
dellentwicklung? Haben wir. Benötigen sie eine Big-Data- oder winnung über die Analyse bis zur smarten Verarbeitung, etwa
Analytics-Plattform? Stellen wir ihnen. Auch wer schon mit Data auch mit Hilfe künstlicher Intelligenz. Und die Telekom weiß
Analytics unterwegs ist, profitiert von uns: Denn wir entwickeln nicht zuletzt, wie man die sensiblen Daten schützt. 

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Seite 10 /// EXPERIENCE ECONOMY

WEICHE DATEN
FÜR VOLLEN ERFOLG
Mittelständische Unternehmen, die sich konkurrenzfähig aufstellen, dürfen nicht nur auf Umsatz
oder Verkaufszahlen schauen. Wichtiger für den Erfolg werden die Erfahrungen und Emotionen von
Kunden und Mitarbeitern – die sogenannten Experience-Daten (X-Daten). Die Brücke zwischen
diesen beiden Welten schlägt das Experience Management (XM). VON CHRISTIAN MEHRTENS

sieren müssen. Positiv ist, dass ein Großteil


Bild: pathdoc/shutterstock.com

der Unternehmen dies bereits erkannt hat:


Rund 56 Prozent der Digitalisierungsvor-
haben entfallen laut der „Unternehmens-
befragung 2019“ der KfW auf das Custo-
mer Experience Management (CXM).
Bislang konzentrieren sich Unterneh-
men darauf, aus operativen Daten („O-Da-
ten“) die Anforderungen von Kunden
herauszudestillieren. O-Daten stellt bei-
spielsweise das ERP-System bereit, etwa
über die Zahl von Online-Einkäufen oder
die Lieferzeiten von Waren. O-Daten zei-
gen, wie die Interaktion mit einem Kunden
abläuft. Doch erst die Erfahrungs-Daten –
die sogenannten „X-Daten“ – geben Auf-
schluss darüber, warum ein Kunde einem
Unternehmen den Vorzug gibt. Solche
Informationen können beispielsweise auf
Weiterempfehlungsraten und Produktre-

D
zensionen beruhen.
Daher ist es sinnvoll, beide Datentöp-
ie Wünsche und Erlebnis- ten und Preise, sondern auf die gesamte fe im Rahmen eines Experience Manage-
se von Kunden und po- Einkaufserfahrung. Mit dem Eintritt der ments (XM) zu kombinieren. Nur so erhal-
tenziellen Neukunden zu „Generation Z“ – die nach 1995 Geborenen ten Unternehmen einen 360-Grad-Blick
kennen und zu verstehen, – in die Arbeitswelt ab dem Jahr 2025 wird auf alle Aspekte des Kundenerlebnisses:
war schon immer ent- sich dieser Trend noch verstärken. Diese Wie sich harte Fakten wie die Produktqua-
scheidend für den Geschäftserfolg – das Altersgruppe erwartet erst recht, dass Un- lität, einfache Bestellvorgänge und kurze
gilt für alle Unternehmen, aber beson- ternehmen sie auf eine emotionale Weise Lieferzeiten auswirken, aber auch, welche
ders im Mittelstand. Ein unzufriedener ansprechen. Fraglos spielen Kennzahlen Rolle ein freundlicher Mitarbeiter im Sup-
Kunde benötigt nur einen Mausklick, um wie Umsatz, Gewinn und die Produkt- port für Kunden spielen kann.
zum Online-Shop eines Mitbewerbers zu und Servicenachfrage auch weiterhin eine
wechseln. Außerdem kann es sich ein mit- zentrale Rolle. Für ihren langfristigen Er-
telständisches Unternehmen nicht leisten, folg gilt es jedoch, auch weichere Faktoren Ein zentraler Daten-Hub
Angebote an den Bedürfnissen von Kun- – etwa die persönlichen Überzeugungen
den vorbei zu entwickeln. Ein Großkon- und Werte der Kunden und ihre Verbun-
hilft dabei, eines der größ-
zern mag einen solchen Misserfolg ver- denheit mit einer Marke – zunehmend zu ten Probleme im Bereich
schmerzen; für kleinere Unternehmen berücksichtigen.
XM zu bewältigen: die
kann ein Fehlschlag das Aus bedeuten.
Studien zeigen, dass das Erlebnis der X MIT O KOMBINIEREN
Einführung abteilungs-
Kunden nicht rational ist, sondern auf übergreifender Prozesse,
Emotionen und Wahrnehmungen beruht. Um diese Herausforderung zu bewältigen,
Bei ihren Kaufentscheidungen achten sie steht außer Frage, dass Mittelständler ihre um das Kundenerlebnis zu
daher nicht nur auf die Produkteigenschaf- Angebote und Kundenansprache digitali- optimieren.

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EXPERIENCE ECONOMY /// Seite 11

FEEDBACK VON KUNDEN CRM-Systems, der Call-Center-Lösungen und Wünsche tragen maßgeblich zum
SAMMELN und Marketing-Tools kombiniert wer- Erfolg eines Unternehmens bei. Gut mo-
den. Eine cloudbasierte Experience-Ma- tivierte und gut ausgebildete Mitarbeiter
Im ersten Schritt sollten Unternehmen nagement-Plattform, beispielsweise von sind unverzichtbar, um die Digitalisierung
Rückmeldungen von Kunden systema- Qualtrics, vereinfacht diesen Prozess er- voranzutreiben. Zudem sind mit dem di-
tisch sammeln und in strukturierter heblich. Die Plattform nutzt X-Daten wie gitalen Wandel erhebliche Veränderungen
Form zusammenfassen. Dafür gilt es alle Kundenfeedback oder Empfehlungen auf von internen Abläufen, Tätigkeitsprofilen
relevanten Feedback-Kanäle einzubinden: Social-Media-Kanälen und greift ergän- und Arbeitstechniken zu erwarten. Ein
E-Mails, Anrufe und Posts auf Social-Me- zend auf O-Daten aus ERP-Systemen wie „Angestellten-Management“, das über
dia-Plattformen. Im zweiten Schritt wer- SAP S/4HANA zu. eine XM-Plattform bereitgestellt wird,
den diese Informationen ausgewertet. Ein solcher zentraler Daten-Hub hilft hilft die Stimmung von Mitarbeitern zu
Ein Beispiel: Ein Hersteller von Werk- dabei, eines der größten Probleme im Be- erfassen und Änderungen zu moderieren.
zeugmaschinen erfährt aus der Analyse, reich XM zu bewältigen: die Einführung Denn nur frühzeitig erkannte Ursa-
dass Kunden aus dem Mittelstand nicht abteilungsübergreifender Prozesse, um chen für Spannungen und Unzufrieden-
nur die lange Lebensdauer seiner Produkte das Kundenerlebnis zu optimieren. Allen heit, können verhindern, dass hoch qua-
schätzen. Zusätzlich ist für sie auch wichtig, Mitarbeitern stehen dieselben Daten und lifizierte Mitarbeiter das Unternehmen
dass die Vertriebs- und Support-Fachleu- darauf basierende Analysen zur Verfü- verlassen. Das gilt vor allem
te ihnen das Gefühl geben, auf Augenhöhe gung. Damit gehören Daten-Silos und für Mitarbeiter, die jeden Tag
mit ihnen zu agieren – von Mittelständler Herrschaftswissen, das nur einzelnen Kontakt zu Kunden und Ge-
zu Mittelständler. Erfolgsorientierte Unter- Abteilungen zur Verfügung steht, der schäftspartnern haben, wie im
nehmen, verstehen es, den Kunden mit auf Vergangenheit an. Vertrieb, dem Einkauf oder
die Reise zu nehmen. der Support-Abteilung. Sie be-
MITARBEITER IN EXPERIENCE einflussen maßgeblich das Bild,
ZENTRALE ANLAUFSTELLE MANAGEMENT EINBINDEN das sich beide Gruppen von DER AUTOR
SCHAFFEN einem Unternehmen machen. CHRISTIAN
MEHRTENS
Mittelfristig sollten Mittelständler das Ex- Denn gerade in der fortschrei-
leitet bei SAP den
Eine umfassende und aufschlussreiche perience Management um einen weiteren tenden Digitalisierung macht Geschäftsbereich
Auswertung lässt sich am besten um- Aspekt erweitern: die eigenen Mitarbei- der Mensch den entscheiden- Mittelstand und
setzen, wenn die Daten des ERP- und ter. Denn ihre Erfahrungen, Erwartungen den Unterschied. Partner

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IM SCHMELZTIEGEL
So könnte die IT von 2025 aussehen: Die Unternehmen haben die getrennten Silos in ihrer
Infrastruktur endlich aufgelöst. Private und Public Cloud sowie Legacy-Anwendungen werden
einheitlich genutzt – die Barrieren der Digitalisierung sind gefallen. VON INGO STEINHAUS

D
eutschlands Unternehmen rechnen in der Wolke. 2025: HYBRIDE MULTI-CLOUD
Die Hälfte nutzt die Public Cloud, einige Sekto- IST DER STANDARD
ren wie Finanz- und Versicherungsbranche set-
zen auf die Private Cloud und Legacy-Systeme In längerfristiger Perspektive sind die heute noch oft anzutreffen-
sinken stark in der Bedeutung. Achtung: Diese den Bedenken wegen der Datensicherheit und der Umsetzung
Sätze beschreiben nicht die aktuelle Situation, sondern ein Zu- der EU-Datenschutzgrundverordnung DSGVO sowie Angst vor
kunftsszenario für 2025. dem Verlust von Unternehmens- oder Kundendaten kein großes
Allerdings deutet Einiges darauf hin, dass es so kommen Hemmnis mehr. Lediglich einige Unternehmen in der Finanz-
wird. So gibt es im Moment zweistellige Wachstumsraten beim und Versicherungsbranche setzen lieber die Private Cloud oder
Cloud Computing: Nutzten 2017 zwei Drittel (66%) der Unter- traditionelle On-Premise-Software ein. In den Unternehmen
nehmen die Cloud, so waren es im Folgejahr bereits fast drei finden sich an vielen Stellen bereits heute Cloud-Lösungen, bei-
Viertel (73%). Die aktuellen Zahlen des „Cloud-Monitor 2019“ spielsweise in Marketing und Sales sowie als Büroanwendung.
des Digitalverbands Bitkom zeigen, dass ein gutes Drittel (35%) Dieser Trend wird weitergehen: Der Weg in die Zukunft
bereits Public-Cloud-Lösungen nutzt. führt weg von herkömmlichen Applikationen. In fünf Jahren
wird die „hybride Multi-Cloud“ endgültig Standard sein. Bei ihr
werden On-Premise- und Private-Cloud-Anwendungen sowie
Public-Cloud-Lösungen einträchtig genutzt. Dabei setzt sich der
Cloud-Bereich in einer IT-Organisation häufig aus SaaS-Anwen-
dungen mehrerer Anbieter sowie unterschiedlichen Infrastruk-
tur- und Plattform-Lösungen zusammen. Diese Situation zeigt:
Zukunftssichere Anwendungsbe- Auch in Zukunft wird die Komplexität der IT nicht sinken. Die
reiche wie Industrial IoT, Predictive Anforderungen an die IT wachsen ständig, die Digitalisierung
fordert ihren Tribut.
Analytics, Machine Learning oder Zukunftssichere Anwendungsbereiche wie Industrial IoT,
Robotics Process Automation las- Predictive Analytics, Machine Learning oder Robotics Pro-
cess Automation lassen sich nur mit flexibler Infrastruktur aus
sen sich nur mit flexibler Infrastruk- der Wolke verwirklichen. Hinzu kommt die Anforderung von
tur aus der Wolke verwirklichen. Fachbereichen, speziell angepasste Lösungen zu nutzen. In vie-

DIGITAL BUSINESS CLOUD 06/19 www.digitalbusiness-cloud.de


FUTURE CLOUD INFRASTRUCTURE /// Seite 13

len Unternehmen agieren sie in einem verlässigkeit. Die IT-Organisation will verschieben. Dafür sind Anwendungen
Graubereich und bestellen in Eigenre- Workloads in die jeweils optimale Umge- und Private Cloud auf eine Weise integ-
gie SaaS-Anwendungen. So macht sich bung verschieben und Entwickler möch- riert, die sie nicht von der Public Cloud
Wildwuchs breit: Unterschiedliche Teams ten moderne Entwicklungsumgebungen unterscheidet.
und Abteilungen setzen parallel Tools mit und höchste Geschwindigkeit bei Tests
ähnlichen Funktionen ein. und Releases. Die Herausforderung dabei CLOUDS JETZT MIT EINEM
Dies hat heute in vielen Firmen dazu sind Wechselkosten, unterschiedliche Ab- FRAMEWORK INTEGRIEREN
geführt, dass eine Zwei-Säulen-IT aus pri- rechnungsmodelle, die Integration in die
vaten und öffentlichen Cloud-Lösungen bestehenden Systeme und nicht immer Einer der wichtigsten Gründe für das
entsteht. Dabei ist die Säule „Public Cloud“ völlig übereinstimmende Technologien. Wachstum der Public Cloud ist die einfa-
nur schlecht oder gar nicht mit der Säule Für einen manuellen IT-Betrieb ist che Verteilung der Ressourcen. Bei typi-
„Private Cloud“ verknüpft – kein beson- das kaum zu stemmen. Vor allem die schen SaaS-Anwendungen ist die Betei-
ders erfolgversprechendes Zukunftsszena- Aufteilung in nur schwach integrierte Si- ligung der IT-Organisation kaum noch
rio. Dadurch fahren viele IT-Organisatio- los führt somit zu unnötigen Kosten. Eine notwendig. Mit Selfservice-Portalen
nen heute mit angezogener Handbremse. strategische Gesamtlösung würde aus- legen Nutzer ihre eigenen Accounts an,
schließlich auf die Public oder die Private die Abrechnung der genutzten Ressour-
2-SÄULEN-IT ERSCHWERT Cloud setzen. Doch die Vergangenheit cen funktioniert nach dem Abo-Prinzip.
AUFBRUCH IN DIE ZUKUNFT hat gezeigt, dass eine vollständige Ver- Dagegen wirkt eine typische Anwendung
einheitlichung der IT ein Traum bleiben in der Private Cloud oft deutlich kom-
Die Unternehmensberatung Gartner wird. Die Beständigkeit von Legacy-Sys- plizierter.
hat in einem aktuellen Bericht zur Inf- temen ist in einigen Branchen groß und Eine hybride Verwaltungsschicht
rastruktur-Strategie festgestellt, dass zu Compliance-Anforderungen schreiben muss also den Public-Nutzerkomfort für
viele Firmen eine solche Zwei-Säulen-IT den Einsatz der Private Cloud fest. Neue die Private Cloud und idealerweise auch
in Kauf nehmen, da sie die Public Cloud technologische Trends entstehen dagegen für On-Premise-Systeme anbieten. Ge-
als separaten Teil in ihrem IT-Betrieb aus fast ausschließlich in der Public fragt ist letztlich eine „Future
Bild: iDEAR Replay/shutterstock.com

Hybrid/Multi-Cloud betrachten. Dadurch Cloud. Cloud Infrastructure“ (FCI)


erschweren sie die effektive Automatisie- Das richtige Szenario für – so der Name einer Private
rung und Synchronisierung der Prozesse 2025: Unternehmen behandeln Cloud-Lösung der neuen Ge-
und Daten und behindern die Ankunft in die hybride Multi-Cloud als neration von T-Systems, die
der digitalen Zukunft von 2025. Hier ist eine einheitliche und überge- bereits heute verfügbar ist. Sie
eine Lösung gefragt, die den unterschied- ordnete „Meta-Anwendung“. baut dann fortan innerhalb
lichen Anforderungen von Vorstand und Sie nutzen eine Verwaltungs- DER AUTOR der Unternehmen Barrieren
Management einerseits sowie IT-Orga- schicht, die Technologien INGO zwischen einzelnen Cloud-Be-
nisation und Entwicklern andererseits anbietet, um die Workloads STEINHAUS treibern und Rechenzentren
gerecht wird. flexibel zwischen Public und arbeitet seit mehr ab. Denn in Zukunft gibt es
Führungskräfte und Mitarbeiter Private Cloud, verschiedenen als 20 Jahren als nur noch „die Cloud“ im Un-
selbständiger Autor
erwarten auch in den nächsten Jahren Infrastrukturanbietern und für Print- und Online- ternehmen, die IT-Silos ver-
beste Qualität bei gleichzeitig hoher Zu- Rechenzentren hin und her zu medien. schwinden.

Digitalisierung
hat viele
Seiten.
Auf den richtigen Dreh
kommt es an.
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Seite 14 /// SUBSCRIPTION ECONOMY

SO SEHEN NEUE INDUSTRIE-4.0-


GESCHÄFTSMODELLE AUS
Die Verschiebung weg von reinem Produktverkauf hin zu Recurring-Modellen ist in Zukunft das
Mittel der Wahl – Schneider Electric demonstriert, wie es geht. VON JEAN-MICHEL CAGIN UND MICHAEL MANSARD

U
nter dem Begriff Subscription Economy werden EcoStruxure Facility Advisor hilft Schneider Electric, die Energie-
alle die Geschäftsmodelle subsummiert, bei denen effizienz von kleinen bis mittelgroßen Gebäuden zu verbessern.
die Monetarisierung über digitale Zusatz-Services, Der Facility Advisor ist eine von zahlreichen Lösungen der Eco-
flexible Abonnement-Modelle oder Pay per Use er- Struxure-Plattform, die in 480.000 Liegenschaften weltweit zum
folgt. Neben neuen Umsatzmöglichkeiten bieten Einsatz kommt und an die mehr als 1,6 Millionen Geräte angebun-
sich dadurch weitere Vorteile: Die Anbieter können die Nutzung den sind. Der Facility Advisor arbeitet mit einer Cloud-basierten
ihrer Produkte durch den Anwender genau analysieren und so Software, die in Echtzeit auf Daten in den Gebäuden zugreift und
ständig an den Bedarf anpassen. Damit wird echte Kundenorien- diese mit Hilfe moderner Analysemethoden auswertet.
tierung möglich, die bisher oft nur Wunschdenken war. Software- Der Kunde erhält so Informationen, die ihn beim optimalen
as-a-Service- und Medienanbieter machen es vor. Doch wie gelingt Betrieb des Gebäudes unterstützen. Gleichzeitig erhalten die
diese Transformation für Anbieter klassischer Industrieprodukte? Partner und Systemintegratoren Einblicke in die Bedürfnisse
ihrer Kunden. Diese sind hilfreich, wenn es darum geht, zusätzli-
che Dienstleistungen oder Geräte zu verkaufen. Der EcoStruxure
Facility Advisor ist ein gutes Beispiel der Subscription Economy
für die Erweiterung der Geschäftsmodelle durch digitale Zusatz-
services. Er ist im Abonnement erhältlich, arbeitet sowohl mit
neuer als auch existierender Hardware und ist herstellerunab-
hängig. Statt den Facility Advisor zu verkaufen oder in die Prei-
se für Hardware-Komponenten mit zu integrieren, schafft sich
Schneider Electric so den Vorteil, regelmäßig wiederkehrende
und vor allem zusätzliche Umsätze zu generieren.

ABRECHNUNGSSYSTEME ANPASSEN

Einer der wichtigen Aspekte bei der Transformation zu neuen Ge-


schäftsmodellen ist jedoch die Anpassung der betriebswirtschaftli-
chen Systeme. Die herkömmlichen Prozes- DIE AUTOREN
se basieren auf klassischen ERP-Systemen.
Sie sind auf die Schritte vom Angebot über
MODELLE FÜR DIE FERTIGENDE INDUSTRIE Auftrag und Lieferung bis hin zum Debito-
renmanagement festgelegt. Bei flexiblen Ge-
Das Industrial Internet of Things, Künstliche Intelligenz, Cloud- schäftsmodellen stoßen diese aber an Gren-
lösungen und Blockchain sind die technologischen Treiber von zen, da sie auf wiederkehrende Umsätze mit
Industrie 4.0. Daten sind eine wichtige Ressource. Doch die flexiblen Abo-Modellen nicht ausgelegt
passenden Geschäftsmodelle, die daraus profitablen Umsatz sind. Unternehmen benötigen eine Lösung JEAN-MICHEL
CAGIN
generieren, fehlen in der Regel noch. In solchen Geschäftsmo- zusätzlich zu ihren ERP- und CRM-Syste- ist Senior Partner bei
dellen liegen aber die größten Chancen der digitalen Trans- men, um solche neuen Geschäftsmodelle Roland Berger
formation. Wie erfolgreich Unternehmen damit sein können, einfach umzusetzen und flexibel anzupas-
zeigt der Subscription Economy Index von Zuora: Unterneh- sen. Bei Schneider Electric hilft das Abrech-
Grafikquelle: Zuora & Roland Berger

men der Subscription Economy weisen im Vergleich zum Stan- nungssystem von Zuora dabei, das bisherige
dard&Poor’s-Index in den vergangenen Jahren im Schnitt ein Geschäft um neue Modelle zu erweitern.
fünf- bis neunmal größeres Wachstum auf. „Ein wichtiger Aspekt bei der Einführung
von Abo-Modellen ist das Gleichgewicht
PARADEBEISPIEL SCHNEIDER ELECTRIC zwischen technologischer Innovation und
Innovation des Geschäftsmodells, vor allem MICHAEL
MANSARD
Eines von vielen Beispielen erfolgreicher Unternehmen der Sub- weil es das Kundenerlebnis verbessert“, sagt
ist Principal Business
scription Economy ist Schneider Electric, das bereits zahlreiche Cyril Perducat, EVP Digital Services & IoT Transformation & In-
Angebote auf flexible Nutzungsmodelle umgestellt hat. Mit seinem bei Schneider Electric. novation bei Zuora

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ANZEIGE /// Seite 15

Sanfte Migration in die digitale Zukunft


mit der OfficeMaster Suite 7DX von Ferrari electronic

SICHERER DOKUMENTENAUS-
TAUSCH INKLUSIVE VOICEMAIL
Der reibungslose und sichere Austausch von Dokumenten ist für Unternehmen wichtiger denn je
und ein wesentlicher Faktor bei der Umsetzung von Digitalisierungsstrategien. Mit der neuen
OfficeMaster Suite 7DX stellt Ferrari electronic Unternehmen eine Lösung zur Verfügung, die den
Dokumentenaustausch perfektioniert und das E-Mail-System mit den Kommunikationswegen NGDX,
Fax, SMS und Voicemail zu einer echten Unified-Communications-Lösung in IP-Umgebungen verbindet.

D
ie markanteste Neuerung der OfficeMaster Suite 7DX Das neue Major Release von Ferrari electronic steht nicht
ist Next Generation Document Exchange nur für eine sichere, sondern auch äusserst stabile und zuver-
(NGDX), ein innovatives Dokumentenaus- lässige Datenübertragung. Die integrierte Funktion DirectSIP
tauschverfahren, das die Übertragung hybrider ermöglicht die direkte Übertragung von Dokumenten an einen
PDF- und ZUGFeRD-kompatibler Dokumente in SIP-Trunk oder eine IP-Telefonanlage. War bei heterogenen Lö-
IP-Umgebungen ermöglicht. Der Austausch erfolgt dabei rechts- sungen der Umweg über Telefonanlagen, Router oder Faxkarten
und manipulationssicher. Damit schafft die neue Suite beste Vor- notwendig, wird dieser Schritt nun überflüssig.
aussetzungen für die in absehbarer Zeit gesetzlich verpflichtende
elektronische Rechnung. VOICEMAIL-LÖSUNG
NGDX basiert auf modernen ITU-Standards, ist abwärts- FÜR MICROSOFT EXCHANGE 2019
kompatibel zum etablierten Faxprotokoll und übermittelt
Dokumente im Original, verlustfrei und End-to-End an den Die OfficeMaster Suite 7DX lässt sich in der DMZ und damit
Empfänger. Formatierungen, Farben und auch hohe Auflösun- auch ohne Internet- oder Cloud-Anbindung betreiben und ist
gen bleiben erhalten. Potenziell schädliche, aktive Inhalte wie kompatibel mit allen E-Mail- und Web-Clients sowie Microsoft
Hyperlinks oder Applikationen sind vom Transfer ausgeschlos- Exchange 2019 und Notes. Insbesondere für Microsoft Exchange
sen. Die erfolgreiche Übertragung wird mit einem Sendebericht 2019, das auf eine eigene Voicemail-Lösung verzichtet, ist sie die
rechtssicher quittiert. Damit vereint Ferrari electronic sämtliche optimale Ergänzung. Voicemail von Ferrari electronic lässt sich
Vorteile von E-Mail und Fax und etabliert einen neuen Stan- in zahlreiche Messaging-Systeme integrieren.
dard für den einfachen, schnellen und revisionssicheren Do-
kumentenaustausch. Dieser erfolgt in hoher Geschwindigkeit: SCHNELLE EINRICHTUNG
Bei reiner IP-Übertragung können Dokumente mit NGDX bis AUCH IN KOMPLEXEN UMGEBUNGEN
zu hundertmal schneller übertragen werden als per Fax – selbst
ohne NGDX-Gegenstelle. Die OfficeMaster Suite 7DX ist nach Einrichtung der Telefon-
verbindung sofort funktionsfähig und lässt sich einfach in
VERSCHLÜSSELUNG ITK-Umgebungen sowie in komplexe Szenarien mit mehre-
UND STABILE ÜBERTRAGUNG ren SIP-Trunks und verschiedensten Groupware-Systemen
integrieren. Eine Kopplung an mobile Endgeräte ist ebenfalls
Seitdem die Telefonie und das Fax über IP-Strecken realisiert möglich. 
werden, ist es deutlich einfacher geworden,
Dokumente abzufangen oder zu manipulieren.
Auch die Verschlüsselung des Übertragungs-
weges ist anfällig, da sie an Gateways oder
Carriern immer wieder aufgebrochen wird.
Um eine sichere Dokumentenübertragung
zu gewährleisten, setzt die OfficeMaster Suite
7DX auf eine Kombination aus Transport- und
Dokumentenverschlüsselung. Zusätzlich wer- SECURE PDF/A E-RECHNUNG
den während des Dokumentenversands eigene DIGITAL PROZESSINTEGRATION
Hashwerte errechnet – damit verfügt die Suite
END-TO-END GLOBALER STANDARD
über ein weiteres, in die Software integriertes
Sicherheitsfeature.

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Seite 16 /// ERP

AUSGEDIENT
ODER AUFGEBOHRT?
Ob ein ERP-System in fünf Jahren noch der zentrale Integrations-Hub für alle Vertriebs-,
Entwicklungs-, Produktions-, Logistik- und Kundenprozesse sein wird, hängt davon ab, wie gut es
die Anforderungen erfüllt, die das industrielle Internet an eine zeitgemäße Business-Software
stellt. Vier Top-Kriterien für Investitionsschutz im Internet der Dinge. VON MARTIN HINRICHS

Welchen Mehrwert ein


ERP-System am Ende
des Tages bringt, steht
und fällt mit der Qualität
seiner Daten.

E
RP-Lösungen sind das Rückgrat der Unterneh- dination der verlängerten Werkbank (SCM) und das Servicema-
mens-IT. Daran gab es jahrzehntelang keinen Zwei- nagement zum festen Lieferumfang. Beste Voraussetzungen also,
fel. Doch wird sich diese Vormachtstellung auch in um in einer voll vernetzten Produktionswelt der zentrale Inte-
fünf oder zehn Jahren noch halten? Sind die Urge- grations-Hub für alle Vertriebs-, Entwicklungs-, Produktions-,
steine des Markts für Business-Software tatsächlich Logistik- und Kundenprozesse zu sein.
agil genug, um die Chancen des industriellen Internets zu nutzen Damit ein ERP-System in fünf Jahren noch Kapital daraus
und Anwenderunternehmen attraktive Entwicklungsperspekti- zu schlagen kann, muss es die Anforderungen erfüllen, die das
ven zu bieten? industrielle Internet an eine zeitgemäße Business-Software stellt.
Die Voraussetzungen dazu sind nach wie vor exzellent. Kein Die vier wichtigsten Kriterien sind:
anderes IT-System steht ähnlich stark im Zentrum der Wert-
schöpfung wie eine voll ausgestattete Enterprise-Resource-Plan- 1. OFFENE SYSTEMARCHITEKTUR
ning-Lösung: Aufbauend auf der internen Betriebswirtschaft
(dem ERP-Kern) und dem Produktdatenmanagement (PDM) Um einschätzen zu können, inwieweit ein ERP-System den Kom-
gehören das Kundenbeziehungsmanagement (CRM), die Koor- munikationsanforderungen der digitalisierten Produktionswelt

DIGITAL BUSINESS CLOUD 06/19 www.digitalbusiness-cloud.de


ERP /// Seite 17

bereits gewachsen ist, lohnt es sich, zuerst auf die Offenheit seiner lichkeit gewährleisten. Besonders rasant vollzieht sich diese
Systemarchitektur zu schauen. Warum diese Frage gerade mit Blick Entwicklung in all jenen Bereichen, wo Mitarbeiter in direktem
auf den Investitionsschutz so eminent wichtig ist, zeigt bereits ein Kundenkontakt stehen und ihre IT-Aufgaben auf mobilen End-
kurzer Blick darauf, worum es bei der vierten industriellen Re- geräten erledigen.
volution im Kern denn eigentlich geht: Ziel ist der Rollout autark
arbeitender Kommunikations- und Analysesysteme, die es Ma- 4. K ONTINUIERLICHE
schinen, Anlagen, Werkzeugen und Werkstücken erlauben, sich PROZESSVERBESSERUNG
in exakt derjenigen Weise zu synchronisieren, dass Angebot und
Nachfrage optimal zueinanderfinden. Welchen Mehrwert ein ERP-System am Ende des Tages bringt,
Um die damit einhergehenden Informations- und Materi- steht und fällt mit der Qualität seiner Daten. Ob sie stimmt,
alflüsse durchgängig organisieren zu können, müssen ERP-Sys- entscheidet sich an der Organisationsreife im Unternehmen.
teme den Aufbau einer service-orientierten Architektur (SOA) Aufschluss geben prozessbezogene Analysesysteme, sogenann-
unterstützen. Das hierzu erforderliche Datenhaltungskonzept te Process-Mining-Systeme, welche die Datenströme im ERP
sollte sich auf möglichst weitverbreitete, offene Industriestan- untersuchen.
dards stützen. In der Praxis eignet sich zum Beispiel der Einsatz Sowohl mit Blick auf den einzelnen Auftrag, als auch auf-
der Auszeichnungssprache XML und der Datenbanksprache tragsübergreifend gesehen, zeigt das Process-Mining auf, wie
SQL. Wenn das ERP darüber hinaus auch über ein objektorien- die unterschiedlichen Anwender im
tiertes Softwaredesign verfügt, so lassen sich Drittsysteme über Unternehmen ihre jeweiligen Aufgaben
schlanke, leicht zu administrierende Web-Services integrieren. erfüllen und in welcher Zeit sie dies tun.
Abgeglichen werden diese Werte mit den
2. G
 ESCHÄFTSDATEN-ANALYSE Sollwerten aus der Geschäftsprozessmo-
dellierung. Somit schaffen ERP-Systeme
In seiner Rolle als zentraler Integrations-Hub konsolidiert das eine wertvolle Informationsbasis, um ei-
ERP die Datenformate der eingebundenen Systeme, so zum Bei- nen kontinuierlichen Verbesserungspro-
DER AUTOR
spiel Leistungsparameter ausgelieferter Industrieanlagen. Dies zess (KVP) zu etablieren, über den sich
MARTIN
erlaubt den multidirektionalen Austausch aller Stamm- und Be- die Wettbewerbsfähigkeit des Anwende- HINRICHS
wegungsdaten, die für die jeweiligen Teilprozesse relevant sind. runternehmens fortwährend ausbauen ist Produktmanager
Da die Informationen in Echtzeit zur Verfügung stehen, sind lässt.  der ams.Solution AG
Ad-hoc-Analysen jederzeit möglich. Auf dieser Wissensbasis
können die an der Wertschöpfung beteiligten Systeme ihre Ent-
scheidungen fortwährend optimieren.
Dieses Kommunikationskonzept geht weit über die klassi-
sche Integration von ERP-, CAD- und PDM-/PLM-Lösungen
hinaus, die sich auf den Austausch statischer Produkt- und Auf-
tragsdaten konzentriert. Der Industrie 4.0-Ansatz eines voll inte- pointing the way
griert arbeitenden ERP-Systems reicht weiter: Das ERP überträgt
fortan nicht mehr nur die IST-Daten, sondern ermittelt auch,
wie sich die aus diesen Daten ergebenden Statusinformationen
im Zuge der fortschreitenden Wertschöpfung weiterentwickeln. Die Software für Prozess-
Als zusätzliche Herausforderung kommt hinzu, dass ein immer
und Qualitätsmanagement
größerer Teil der zu verarbeitenden Daten zunächst noch un-
strukturiert ist. ERP-Lösungen benötigen eine hochskalierbare
BI-Plattform, über die sich die unterschiedlichen Datenströme
prozessbezogen aufbereiten und analysieren lassen.

3. M
 ODERNE
BEDIENKONZEPTE

Für zukunftsfähige ERP-Systeme geht es darum, durchgängige


Workflows zu unterstützen, die weitgehend automatisiert ablau-
fen. Um Handlungsbedarfe frühestmöglich sichtbar zu machen,
empfiehlt sich der Einsatz personalisierbarer Dashboards. Zu- Prozesse Auditmanagement Matrixorganisation
sätzlich zu ihrer Funktion als Früherkennungssystem dienen sie KVP Fragenkataloge Risikomanagement Schnittstellen
als flexibler Steuerstand, der im Falle eines Falles einen schnellen
Absprung in genau diejenigen Bereiche der ERP-Lösung erlaubt,
Validierung Workflows Maßnahmen
Schulungen Formulare
in der sich die Ursachenanalyse vertiefen lässt und Ausgleichs-
maßnahmen umgehend einleitet werden können.
Datenschutz
Berichte GxP QM Social QM WIKI LDAP
Damit nicht genug. Anwender fordern zunehmend, rein International Dokumente IMS Qualifikationen Mehrsprachigkeit
intuitiv nutzbare Zugriffsmöglichkeiten, die ein Minimum an
Vorwissen erfordern und ein Maximum an Benutzerfreund-
Gefahrstoffmanagement BPMN Kennzahlen
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Seite 18 /// BAUSTELLEN DER DIGITALISIERUNG

AM WENDEPUNKT
Ohne die Digitale Transformation sind Unternehmen nicht für die Zukunft gerüstet. Diese
Erkenntnis hat sich in den Führungsetagen zwar durchgesetzt. Allerdings sehen sich die
Firmen bei der Planung und Umsetzung von Digital-Transformation-Projekten mit zahlreichen
Herausforderungen konfrontiert, wie aktuelle Umfragen zeigen. VON HEINER SIEGER

D
ie Grundstimmung gegenüber dem Thema Digi-
tale Transformation ist positiv, allerdings lassen
geplatzte Projekte, Verzögerungen und nicht er-
füllte Erwartungen die Bemühungen oft ins Leere
laufen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung
41%
der Befragten liegen bei ihrem wichtigsten Digital-
Transformation-Projekt hinter dem Zeitplan oder laufen
von Couchbase, für die unter anderem die Digital-Transforma- Gefahr, in Verzug zu geraten. (1)

66%
tion-Verantwortlichen in 100 Unternehmen aus Deutschland
befragt wurden. „Die Digitale Transformation befindet sich an
einem Wendepunkt. Eine erfolgreiche Transformation hängt
letztlich von der richtigen Kombination aus unternehmerischem
Engagement und Next-Generation-Technologie ab. Die Digitale
Transformation muss vom kompletten Unternehmen als strate-
gischer Imperativ angegangen werden und darf nicht allein in
der Unternehmen sind überzeugt, dass sich ihr Unter-
den Händen der IT-Abteilung liegen.“ Wolfgang Fresser, Country nehmen zu sehr auf die Versprechen der Digitalen Trans-
Manager DACH bei Couchbase. formation fixiert, so dass IT-Teams Gefahr laufen, an
Projekten zu arbeiten, die möglicherweise keinen kon-
kreten Nutzen bringen. (1)

87%
der deutschen Unternehmen kämpfen mit verschiedens-
60%
der befragten Unternehmen beziehen die Anwender in
Digitalisierungsprojekten nicht ausreichend mit ein. (2)
ten Herausforderungen, wie der Abhängigkeit von Le-
„Die Qualität von Digitalisierungsprojekten steht und
gacy-Systemen, der Komplexität bei der Implementie-
fällt mit der Akzeptanz bei den Nutzern, und damit
rung und dem Fehlen von Ressourcen und Skills. Diese
auch mit der Usability. Viele Standard-Softwareproduk-
Faktoren halten sie davon ab, neue digitale Services und
te sind nicht nah genug an den tatsächlichen Anwen-
Transformationsprojekte umzusetzen. (1)

82%
dungsszenarien“, Christian Biebl, Geschäftsführer des
ERP-Anbieters Planat.

der deutschen Unternehmen geben an, dass in den


vergangenen zwölf Monaten ein Projekt zur digitalen
Transformation scheiterte, sich erheblich verzögerte
297-mal
steht im Koalitionsvertrag das Wort ‚digital‘, dennoch
fällt Deutschland im internationalen Digitalvergleich
oder herunterskaliert wurde. (1)

55%
weiter zurück. Der Digitalindex der EU führt Deutsch-
land aktuell nur noch auf Rang 12, zwei Plätze schlech-
ter als 2015. Und im Kernbereich staatlichen Handelns,
der Verwaltung, ist Deutschland gerade vier Plätze ab-
gerutscht und steht jetzt auf Rang 24 innerhalb der EU.
Beim E-Government ist Deutschland damit nicht einmal
mehr europäisches Mittelmaß. (3)
der Unternehmen fühlen durch die Abhängigkeit von
relationalen Datenbanken ihre Fähigkeit zur Umset- (1)
Quelle: „CIO Survey Digital Transformation“, Couchbase 2019
zung digitaler Transformationsprojekte „etwas“ einge- (2)
Quelle: Studie „ERP im produzierenden Mittelstand 2019“ Planat GmbH.
schränkt, 21% sogar „stark“. (1) (3)
Quelle: Bitkom

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ANZEIGE /// Seite 19

SO SIND BUSINESS-APPLIKATIONEN
IN DER CLOUD OPTIMAL AUFGEHOBEN
Mit der steigenden Bedeutung digitaler Applikationen im Business-Umfeld nehmen auch die
Anforderungen an eine sichere, flexible und skalierbare IT-Plattform zu. Eine Cloud-Lösung wie die
PlusCloud bietet hier gleich mehrere Vorteile.

W
enn der Anteil von Online-Anwendungen
innerhalb eines Unternehmens steigt, rei-
chen die internen IT-Infrastrukturen oft
nicht mehr aus. Daher greifen immer mehr
Unternehmen auf externe Cloud-Ressour-
cen zurück. Laut Cloud-Monitor 2019 des Branchenverbandes
Bitkom setzen drei Viertel der befragten Unternehmen bereits
Cloud Computing ein. Der Hauptgrund ist die Digitalisierung
im Unternehmen: 57 Prozent schreiben Cloud Computing hier
einen großen bis sehr großen Beitrag zu. Doch steigen nicht alle
Unternehmen von heute auf morgen komplett auf die Cloud um.
Vielmehr lagern sie nach und nach weitere Workloads aus.

FREIE SKALIERBARKEIT
FÜR WACHSENDE ANFORDERUNGEN
nimmt die Notfallwiederherstellung oder nahtlose Weiterfüh-
Insbesondere bei sogenannten „customer-facing“ Workloads, rung dieser Applikationen jedoch eine zentrale Rolle ein.
also beispielsweise digitalen Service- und Sales-Kanälen, zählt
dabei eine hohe Skalierbarkeit. Denn so können Unternehmen CLOUD UNTERSTÜTZT
optimal auf die steigenden Anforderungen des Marktes reagie- BUSINESS CONTINUITY
ren. Cloud-Plattformen wie die PlusCloud erlauben es daher, die
Leistung jeder virtuellen Instanz, also virtuelle Prozessoren, Ar- „Mit mehreren Cloud-Standorten in Deutschland ist die
beits- und Festspeicher, beliebig zu konfigurieren. Unternehmen Plus­Cloud für Unternehmen ideal, die besonders hohe Anfor-
nutzen dadurch zu jeder Zeit nur so viel Cloud-Performance, wie derungen an die Ausfall- und Datensicherheit haben“, schil-
sie benötigen. So bleiben auch die Kosten im Rahmen. Über das dert Florian Weigmann, Chief Product Officer beim Managed
Management-Portal der PlusCloud oder per Schnittstelle können Cloud Service Provider PlusServer. Bei der PlusCloud stehen
bei Bedarf weitere Instanzen gestartet werden; auch kurzfristig, dem Kunden alle Möglichkeiten der Datensicherung offen: von
zum Beispiel als Testinstanzen. Dies kann sogar automatisch per ausgelagerten Backups über asynchrone Replikation bis hin zur
Script erfolgen, sobald eine bestimmte Auslastung erreicht wird, synchronen Datenhaltung. Zudem kann der vom Bundesamt für
was besonders bei Workloads mit hohen Lastschwankungen in- Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfohlene Ideal-
teressant ist. abstand für Georedundanz zwischen zwei Standorten erzielt
werden, sodass kritische Applikationen etwa bei lokalen Natur-
DATENSCHUTZ BLEIBT RELEVANT katastrophen weiterhin online bleiben. Diesen Abstand hat das
BSI erst Ende 2018 von nur fünf Kilometern auf mindestens 100
Wenn es um die Auswahl des Cloud Providers geht, ist laut Kilometer bzw. idealerweise 200 Kilometer heraufgesetzt.
Cloud-Monitor die Konformität mit der DSGVO das wesentli-
che Kriterium. Sie spielt für 90 Prozent der Befragten eine Rolle. MANAGED CLOUD SCHAFFT EINFACHHEIT
Aber auch den Rechenzentrumsstandort Deutschland nannten
72 Prozent als Must-have für ihre Cloud-Strategie. Damit bleiben Damit Unternehmen die Vorteile der Cloud wie Flexibilität, Ver-
Lösungen lokaler Cloud-Anbieter aufgrund der Anforderungen fügbarkeit und Sicherheit bestmöglich nutzen können, bieten
an den Datenschutz nach wie vor im Fokus Managed Cloud Service Provider eine ganze
deutscher Unternehmen. Darüber hinaus ist Reihe ergänzender Services. Dies beginnt be-
das Thema Business Continuity einer der reits bei der Beratung zur richtigen Strategie
Gründe, warum dabei immer häufiger ver- Weitere Informationen:
und setzt sich auch später im laufenden Be-
teilte Cloud-Standorte in Deutschland gewählt PlusServer GmbH trieb fort, beispielsweise durch 24/7 Monito-
werden. Zwar gehört zu einem effizienten beratung@plusserver.com ring und Support. So ist keine eigene techno-
Business Continuity Management eine ganze 02203 1045 3500 logische Cloud-Expertise erforderlich und die
Reihe von Maßnahmen. In Unternehmen, die www.plusserver.com interne IT kann sich ganz auf das Kerngeschäft
stark von Online-Anwendungen abhängen, fokussieren.

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Seite 20 /// INTERVIEW MITTELSTANDSPERSPEKTIVE

BAUSTELLE POLITIK
Der Mittelstand als Rückgrat der deutschen Wirtschaft leidet unter der verhaltenen politischen
Unterstützung bei der Digitalisierung besonders stark. Marc Tenbieg, Geschäftsführender Vorstand
des Deutschen Mittelstands-Bund (DMB) und Mario Ohoven, Präsident des Bundesverband
Mittelständische Wirtschaft (BVMW), benennen die zentralen Handlungsfelder für die Politik, um
die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Mittelstands in der Zukunft zu stärken. VON HEINER SIEGER

MARC TENBIEG MARIO OHOVEN


Wo sehen Sie die Belange kleiner und mittlerer Wo sehen Sie die Belange mittelständischer
Unternehmen (KMU) in der Politik allzu stark Unternehmen in der Politik vernachlässigt?
vernachlässigt? MARIO OHOVEN: Der Mittelstand kommt nicht nur bei der
MARC TENBIEG: Die Politik lobt die KMUs ständig als tra- Digitalisierung zu kurz. Die Politik schaut in erster Linie auf die
gende Säule, aber in der Praxis des politischen Alltags werden Big Player wie Facebook, Apple und Co. und beschließt darauf-
die kleinen Rädchen unserer Wirtschaft vernachlässigt. Es ha- hin Gesetze, die aber genauso unsere Klein- und Mittelbetriebe
pert an der Umsetzungsgeschwindigkeit der angekündigten betreffen. Mit der DSGVO zum Beispiel sollte der Einfluss der
Vorhaben. Das sind dann nichts mehr als Lippenbekenntnis- Internet-Giganten eingeschränkt werden. Getroffen hat es am
se. Die Politik verspricht viel, hält aber wenig, zum Beispiel Ende aber vor allem Mittelständler, die oftmals nicht einschät-
in der Auswirkung auf Gesetze und deren Auswirkungen auf zen konnten, wie mit der Verordnung umzugehen ist, und lieber
die Unternehmen. Weniger Gesetze und klarere Gesetze sind prophylaktisch ihre Digitalaktivitäten runtergefahren haben.
erforderlich, die müssen KMU-verständlich sein.
Wo drückt den Mittelstand der Schuh
Wo drückt die KMU der Schuh besonders? besonders?
TENBIEG: Die Unternehmen haben sehr große Informati- OHOVEN: Um ein aktuelles Thema zu nennen: Die wertvolls-
onspflichten an Ämter und Behörden. Unternehmen werden ten Unternehmen der Welt sind heute die Digitalkonzerne, weil
nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und quartalsweise müs- sie über riesige Datenmengen verfügen. Leider konnte die Po-
sen sie Gehälter gebündelt nach Gruppen nennen. Das ist sehr litik bisher kein schlüssiges Konzept vorlegen, wie Datenmen-
aufwändig und nur eine Sache von vielen. Wird dem nicht gen, beispielsweise zur Anwendung von künstlicher Intelligenz,
gefolgt, ist das eine Ordnungswidrigkeit. Das Steuerniveau mittelständischen Unternehmen zugänglich gemacht werden
ist im europäischen und weltweiten Vergleich zu hoch und können.

Es fehlt am Wissenstransfer, um
entscheiden zu können, welche Maß-
nahmen die richtigen sind, um das
Unternehmen zukunftsfähiger auf-
zustellen. Vor allem die Integration
von Dingen wie CRM, ERP und Daten
mit Zulieferern und Partnern ist eine
einzige Baustelle.
Marc Tenbieg

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INTERVIEW MITTELSTANDSPERSPEKTIVE /// Seite 21

Leider konnte die Politik bisher


kein schlüssiges Konzept vorle-
gen, wie Datenmengen, beispiels-
weise zur Anwendung von künst-
licher Intelligenz, mittelständi-
schen Unternehmen zugänglich
gemacht werden können.
Mario Ohoven

Foto Thomas Imo

behindert den Wettbewerb, und im Bereich Fachkräfte hapert Welche Auswirkungen hat das für die Digitali-
es gewaltig: die Bachelor-Studiengänge sind nicht qualifiziert sierung allgemein?
genug, um Unternehmen gleich zu helfen. Da ist noch eine OHOVEN: Der Mittelstand ist Deutschlands Innovations- und
gewaltige Anstrengung im Bereich Ausbildung erforderlich. Wachstumsmotor. Weit über 90 Prozent der rund 3,5 Millionen
Nachfolgeproblematik, schleichendes Sterben vieler Unter- Unternehmen hierzulande sind mittelständisch. Das bedeutet
nehmen. Dazu kommend die Finanzierungsthemen: Die Aus- im Umkehrschluss, wenn die digitale Transformation im Mit-
stattung mit Wachstumskapital ist sehr dürftig, die Banken telstand aufgrund von schlechten Rahmenbedingungen, Wett-
sind enorm zurückhaltend. Die allgemeine Infrastruktur im bewerbsverzerrungen oder mangels staatlicher Unterstützung
Land, aber auch die digitale Infrastruktrur sind beide katas- nicht vorankommt, dann bleibt Deutschland insgesamt bei der
trophal. Extrem mangelhaft sind immer noch der Glasfaser- Digitalisierung auf der Strecke. Das geht letztlich auch zu Lasten
ausbau sowie die 4-G-Abdeckung im Mobilnetz der Großen. Denn auch ein Autokonzern ist in puncto Wett-
bewerbsfähigkeit von seinen innovativen, mittelständischen
Wozu führen die Versäumnisse bei der Zulieferern abhängig.
politischen Weichenstellung im
Unternehmensalltag? Halten Sie den Mittelstand für gut genug ge-
TENBIEG: Unternehmen können nicht so wachsen wie sie rüstet, um im Jahr 2025 angesichts der rasend
möchten. Sie können keine Cloudprodukte in Anspruch schnellen Veränderungen durch digitale Techno-
nehmen. Damit sind sie dann nicht attraktiv genug für die logien noch wettbewerbsfähig zu sein?
wenigen Fachkräfte die sich diese Richtung orientieren wol- OHOVEN: Ja, wenn unser Mittelstand die Rahmenbedingun-
len. Zudem gibt es kaum Platz zum Wachstum in der Stadt, gen bekommt, die er braucht, um international wettbewerbs-
gleichzeitig sind die Gewerbegebiete in den Speckgürteln fähig zu bleiben. Hier ist klar die Politik gefordert. Nach wie
nicht entsprechend ausgebaut. vor ein großes Problem ist die mangelnde Breitbandversor-
gung in ländlichen Regionen. Mehr als die Hälfte der weltweit
Welche Auswirkungen hat das speziell für die rund 2.700 Hidden Champions sind deutsche Mittelständler.
Digitalisierung allgemein? Die sitzen aber zumeist nicht in den Metropolen, sondern auf
TENBIEG: Es fehlt am Wissenstransfer, um entscheiden zu dem Land. Ein weiteres Digitalisierungshemmnis ist der akute
können, welche Maßnahmen die richtigen sind, um das Un- Fachkräftemangel, gerade im IT-Bereich. Da haben Klein- und
ternehmen zukunftsfähiger aufzustellen. Vor allem die Integ- Mittelbetriebe im Kampf um die besten Köpfe oftmals das Nach-
ration von Dingen wie CRM, ERP und Daten mit Zulieferern sehen gegenüber Konzernen. Andererseits verlassen jedes Jahr
und Partner ist eine einzige Baustelle. Der von der Politik an- 50.000 Schüler ohne Abschluss die Schule. Unser Bildungssys-
gekündigte Aufbau von Wissenstransferzentren findet nicht tem ist noch nicht im digitalen Zeitalter angekommen.
flächendeckend statt. KI-Unterstützungs-Instrumente fehlen.
Den Unternehmen muss aber klar sein, wie ihnen welche Befürchten Sie, dass viele Unternehmen auf der
Technologie weiterhelfen kann. Gerade im Bereich KI wird Strecke bleiben könnten?
wenig gehalten, was versprochen wurde oder ist kaum mittel- OHOVEN: Dass Unternehmer auch mal scheitern, gehört zu
standsrelevant. Wie Forschungsthemen in Geschäftsmodelle unserem Wirtschaftssystem dazu. Allerdings hat die durch-
transferiert werden können, ist unklar. schnittliche Lebensdauer von Unternehmen in den vergange-

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Seite 22 /// INTERVIEW MITTELSTANDSPERSPEKTIVE

Halten Sie den Mittelstand für gut genug ge- nen Jahren deutlich abgenommen, was mit dem Aufkommen
rüstet, um im Jahr 2025 angesichts der rasend digitaler Technologien zu tun hat. Der Mittelstand muss bei der
schnellen Veränderungen durch digitale Techno- Digitalisierung am Ball bleiben. Als BVMW leisten wir hierzu
logien noch wettbewerbsfähig zu sein? unseren Beitrag: So haben wir im Rahmen unseres Kompetenz-
TENBIEG: Viele Betriebsübergaben an eine jüngere Generati- zentrums „Gemeinsam Digital“ in kurzer Zeit über 36.000 Un-
on. Im internationalen Vergleich mache ich mir große Sorgen, ternehmer mit praxisnahen Lösungen direkt erreicht.
wie gesagt, vor allem in Bezug auf Infrastruktur, Fachkräfte
und Exportstrategien. Es wurde vernachlässigt, die große Zahl Welche Schwachpunkte sehen Sie beim digita-
der kleinen Unternehmen mit Unterstützung fit für die Zu- len Netzausbau?
kunft zu machen, die Unternehmen werden allein gelassen, OHOVEN: Beim Breitbandausbau und bei der mobilen Daten-
vor allem in Bezug auf öffentliche Förderungen, die zu erhal- verfügbarkeit sind in Deutschland viele ländliche Regionen nach
ten extrem kompliziert und zeitaufwändig ist. Viele werden wie vor abgehängt. Digitalisierung für die mittelständischen Be-
dann erst gar nicht beantragt, weil das zwei Wochen Zeit vom triebe ist dort praktisch nicht möglich. Laut Weltwirtschaftsfo-
Tagesgeschäft wegnimmt. rum belegen wir global Platz 72 beim Glasfaser-Netzausbau.
In Südkorea dagegen, um nur ein Beispiel zu nennen, werden
Wie bewerten Sie die nationale KI-Strategie der seit April flächendeckend 5G-Netze angeboten. Das alles sind
Bundesregierung? Was davon kommt bei den massive Wettbewerbsnachteile für den Standort Deutschland
KMU überhaupt an? insgesamt.
TENBIEG: Große Worte, wenig Taten, geringe kapitalmäßige
Ausstattung, es fehlt der Wissenstransfer. Es gibt jetzt zwar Wie bewerten Sie die nationale KI-Strategie
die KI-Trainer, aber deren Anzahl ist sehr überschaubar. Die der Bundesregierung? Was davon kommt im
KMUs brauchen sehr viel mehr Hilfestellung und Angebote, Mittelstand überhaupt an?
um komplexe Technologien und deren Nutzen für die eigenen OHOVEN: Bisher lässt sich das noch nicht genau sagen. Ich habe
Geschäftsprozesse zu verstehen. allerdings auch keine allzu großen Erwartungen. Nehmen wir
die künstliche Intelligenz: Die chinesische Regierung stellt 150
Wird das Thema Cybersicherheit unterschätzt? Milliarden Dollar staatliche Investitionen für KI und Robotik
TENBIEG: Man sagt bitte öffnet Euch, geht in die Cloud, di- zur Verfügung, aus der Wirtschaft kommt noch einmal dieselbe
gitalisiert. Aber die Cybersicherheit wird da vernachlässigt. Summe dazu. Die Bundesregierung glaubt ernsthaft, dass drei
Sehr viele Mittelständler werden gezielt ausspioniert. Auch Milliarden Euro ausreichend sind, damit Deutschland weltweit
hier greifen die angekündigten Maßnahmenbündel nicht. Ins- die führende Nation in Sachen Künstlicher Intelligenz wird.
gesamt sehe ich da ein Scheunentor, das sehr weit geöffnet ist. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Was läuft bei der Unterstützung von Start-Ups Wird das Thema Cybersicherheit unterschätzt?
und Gründern schief? OHOVEN: Das Thema Cybersicherheit ist mittlerweile zwar
TENBIEG: Unternehmensgründungen sind nach wie vor ein medial sehr präsent, wird andererseits angesichts des Schadens
riesiger Verwaltungsakt, bei dem im Vergleich zu anderen für die deutsche Wirtschaft aber immer noch unterschätzt.
Ländern noch wenig digitalisiert ist. Es fehlt der One-Stop- Wir reden hier von 55 Milliarden Euro jährlich. Deshalb sage
Shop für Unternehmensgründer. Auch die Förderlandschaft ich ganz deutlich: In den Betrieben muss Cybersicherheit Chef-
und die Transparenz, was es dort gibt, hinkt im Rahmen einer sache sein. Als Verband arbeiten wir seit langem vertrauens-
Digitalisierungsstrategie der Bundesregierung weit zurück. voll mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informations-
Die Gründer wissen nicht, wie sie an Förderungen rankom- technik und anderen Behörden auf Bundes- und Landesebene
men. Auch der Zugriff auf Netzwerke hat keine Struktur, zusammen.
nämlich dass ein Gründer mit einer guten Idee und Mut zum
Gründen die Unterstützung erhält, die ein Gründung einfach Was sollte die Bundesregierung dringend in
machen. Viele geben dann einfach auf, weil sie nicht erkennen Angriff nehmen, damit der Mittelstand seine
können, wie sie gewisse Durststrecken überstehen können. heutige Wettbewerbsfähigkeit auch in den kom-
menden fünf Jahren behält und sogar ausbauen
Was sollte die Bundesregierung dringend in kann?
Angriff nehmen, damit der Mittelstand seine OHOVEN: chnelle Ergebnisse brauchen wir beim Breitband-
heutige Wettbewerbsfähigkeit auch in den kom- ausbau und der mobilen Datenverfügbarkeit. Ohne schnelles
menden fünf Jahren behält und sogar ausbauen Internet sind unsere Unternehmen schon heute, und erst recht
kann? in der Zukunft nicht wettbewerbsfähig. Und wir müssen viel
TENBIEG: Bürokratieabbau, vieles Vereinfachen, steuerliche mehr in die digitale Bildung unserer Kinder investieren, sie
Entlastung. Wir brauchen finanzielle Entlastung, um investie- sind die IT-Fachkräfte von morgen. Im Übrigen: Viele Kö-
ren zu können. Es muss jetzt investiert werden in Zukunfts- che verderben den Brei. Es wäre ein wichtiges Signal, wenn
bereiche, damit wir dem sich abzeichnenden Konjunktur- die Bundesregierung die zersplitterten Zuständigkeiten unter
aufschwung entgegenwirken können. Also: Vereinfachen, dem Dach eines eigenständigen Digitalisierungsministeriums
Entlasten, investieren. bündeln würde.

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SMART CITY /// Seite 23

WACHSTUMSMARKT
METROPOLEN
Bild: jamesteohart/shutterstock.com

Unternehmen können in den kommenden 2019 in Berlin 1,56 Milliarden Euro, in München 0,88 Milliarden
Jahren von massiven Investitionen in die Digi- Euro und in Frankfurt 1,03 Milliarden Euro der Wirtschaftsleis-
tung aus. Auf dem zweiten Platz liegt die KI, die unter anderem
talisierung deutscher Großstädte profitieren. bei Bots oder selbstfahrenden Fahrzeugen zum Einsatz kommt,
Bis 2029 werden Technologien wie Künstliche und etwa 31 Prozent zum Gesamtwert beiträgt. Das Schlusslicht
Intelligenz, Internet der Dinge, Blockchain und im aktuellen Ranking ist die 5G-Technologie, die derzeit noch
in der Anfangsphase steckt und mit ungefähr

18
D
5G erheblich zulegen. VON CHRISTIAN ZIPP
zwei Prozent einen vergleichsweise geringen Um rund
Anteil leistet.
ie Generierung und das Teilen von Daten be-
finden sich im rasanten Wachstum. Künstliche DEUTLICHE PROGNOSEN
Intelligenz (KI), Internet der Dinge (IoT), Block-
chain und die fünfte Generation der Mobilfunk- Erwirtschaften die vier Technologien 2019 MILLIARDEN

se für 2029 deutlich anders aus: Mit einem EURO


technologie (5G) erzeugen so bereits heute einen noch 6,79 Milliarden Euro, sieht die Progno-
wichtigen Beitrag zur Wirtschaft, hat in seiner neuesten Studie
die zukünftige Entwicklung dieser Data Economy in deutschen Anstieg von 18,34 Milliarden Euro soll der Wirtschaftsleistung
Städten untersuchen lassen. Die Ergebnisse des Digital Capitals Anteil in zehn Jahren 25,13 Milliarden Eu- soll der Anteil der
Reports sind eindeutig: Bis 2029 sollen sich die aktuellen Werte ro betragen. Spitzenreiter ist in allen Digital Kerntechnologien IoT,
fast vervierfachen. Aus der Studie lassen sich für Unternehmen Capitals die KI, deren Beitrag sich gegenüber KI, Blockchain und 5G
und Städte klare Handlungsimpulse ableiten, um in der Data 2019 verfünffachen wird. Das größte Wachs- bis 2029 zulegen
Economy zukünftig mithalten zu können. tum wird der 5G-Technologie mit 3.000 Pro-
zent von 150 Millionen Euro auf 4,4 Milliarden Euro prognosti-
AUSSAGEKRÄFTIGER STATUS QUO ziert. Das liegt zum einen daran, dass sich die Technologie gerade
erst entwickelt, andererseits bringt sie zahlreiche Vorteile wie
Der Digital Capitals Report von Digital Realty, einem Anbieter höhere Geschwindigkeiten, größere Bandbreite und einfachere
von Rechenzentrums-, Colocation- und Interconnection-Lösun- Konnektivität für eine größere Anzahl von Geräten mit sich.
gen, setzt den Fokus auf die drei deutschen Großstädte Neue Technologien gewinnen weiter an Bedeu-
Berlin, München und Frankfurt. Diese sind als solche tung, werden häufiger eingesetzt und dienen oft als
Drehscheibe für die höchste Dichte an digitaler Wirt- Startpunkt für weitere Innovationen. Damit sollte
schaftstätigkeit, digital qualifizierten Arbeitskräften die Marschrichtung gesetzt sein: Für Unternehmen,
und der Entwicklung neuer digitaler Technologien die bisher nicht oder kaum in diese Technologien
und Anwendungen. Den größten Beitrag zur Wirt- investiert haben, gilt es jetzt, deren Einsatz zu planen.
schaftsleistung im aktuellen Status Quo liefert in allen Sie laufen sonst Gefahr, nicht mehr wettbewerbsfähig
drei Digital Capitals mit über 50 Prozent des Gesamt- zu sein. Eine anpassungsfähige Technologieplatt-
DER AUTOR
werts aller vier Technologien das IoT. form ist hier ein sinnvoller erster Schritt, um agil
CHRISTIAN ZIPP
IoT-Anwendungen gibt es heute bereits zahlreich, zu bleiben und die Technologieimplementierungen
ist VP EMEA Central
sie steigern die operative Effizienz und sind beispiels- & East bei Digital schnell an aktuelle Bedürfnisse und Entwicklungen
weise Basis für eine Smart City. Konkret macht IoT Realty an­zupassen. 

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Seite 24 /// BAUSTELLEN DER DIGITALISIERUNG

„VIELE VERFÜGBARE DIGITALE


GESCHÄFTSPROZESSE
WERDEN NICHT GENUTZT“
266 mittelständische Unternehmen haben sich einem Digitalisierungstest im Rahmen der
Kampagne „Digital or Dead“ unterzogen. Die Initiatoren des Tests, Mark Muschelknautz, Chief
Marketing Officer bei der abas Software GmbH und Professor Gerrit Sames, Technische Hoch­
schule Mittelhessen, zeigen auf, wie Mittelständler im digitalen Wettlauf trotz massivem
Rückstand noch den Anschluss finden können. VON HEINER SIEGER

Mittelständische Unternehmen nutzen laut Ihrem Wiege gelegt. Dazu gesellt sich häufig noch die geringe digitale
Digitalisierungstest die Möglichkeiten zur digitalen Kompetenz in den Unternehmen außerhalb der IT-Abteilung.
Optimierung kaum. Hat Sie geringe digitale Reife- Das zusammengenommen ergibt dann dieses große Manko.
grad der Firmen überrascht?
MARC MUSCHELKNAUTZ: Ja, absolut. Ich hätte erwartet, dass PROF. GS: Ich sehe drei Hauptgründe: Zu hohe vermutete Kos-
wir in Teilen der einzelnen abgefragten etablierten Technolo- ten, fehlendes IT-Personal und fehlendes Know-how im Unter-
gie-Bereiche deutlich höher liegen. Überrascht haben mich die nehmen. Vor allem die Kostengründe kann ich nachvollziehen,
vielen Rückmeldungen, dass verfügbare standardisierte digi- weil sich die erzielbaren Skaleneffekte nicht direkt aufdrängen.
talisierte Geschäftsprozesse nicht genutzt werden. Stattdessen Die Summe dieser Dinge wird die Unternehmen irgendwann
wird noch sehr viel analog und manuell gearbeitet, wo längst einholen. Dann werden sie leider den Kampf um Talente ver-
kostengünstige und effektive Werkzeuge zur Verfügung stehen. lieren. Niemand mit einen Bachelor-Abschluss möchte noch
händisch Rechnungen eingeben. Das digitale Umfeld ist einer
PROF. GERRIT SAMES: Die Auswertung hat unsere Vermutun- der großen Hinderungsgründe, warum diese Firmen jetzt und
gen bestätigt. Die Tools sind da, man kennt die Lösungen – aber künftig nicht mehr das Personal bekommen, das sie für Wachs-
die Anwendung hinkt hinterher. Allerdings wird das besser, je tum und Überlebensfähigkeit benötigen.
größer die Unternehmen sind. Sorgen mache ich mir insbeson-
dere um die Unternehmen bis 500 Mitarbeiter. In welchen Bereichen verschenken die Unterneh-
men besonders viel Digitalisierungspotenzial?
Wo sehen Sie die Gründe für die Zurückhaltung? MM: In unserer Studie sind drei Bereiche besonders auffällig. In
MM: Es ist wohl ein Mix aus unterschiedlichen Ursachen. Zum Kundendienst und Service etwa wird die Kommunikation mit
Beispiel volle Auftragsbücher in den vergangenen Jahren und Produkten nicht eingesetzt. Damit vertun Firmen die Chancen,
damit verbunden die Bestätigung: Es läuft doch gut! Also eine neue Dienstleistungen anzubieten und Kunden zu binden oder
gewisse Sattheit, und damit wenig Grund, bestehende Prozesse zu neuen Umsätzen zu ermuntern. Auch die Überwachung von
anzufassen und zu optimieren. Zudem sind Datensammeln und Maschinen und Anlagen – „condition monitoring“ – wird so
neue Herangehensweisen uns Deutschen nicht unbedingt in die gut wie nicht genutzt, obwohl die Maschinen das schon können

In Kundendienst und Service etwa wird die


Kommunikation mit Produkten nicht eingesetzt.
Damit vertun Firmen die Chancen, neue Dienstleis-
tungen anzubieten und Kunden zu binden oder zu
neuen Umsätzen zu ermuntern.
Mark Muschelknautz

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BAUSTELLEN DER DIGITALISIERUNG /// Seite 25

Besonders bei Technik und Facility-Management


hat mich erstaunt, dass so gut wie noch nichts
von condition monitoring und KI in den Firmen
angekommen ist. In vielen Firmen bleiben
verfügbare Daten ungenutzt.
Prof. Gerrit Sames

oder mit Sensoren nachgerüstet werden könnten. Damit hat man Welche Schritte auf dem Weg in die Digitalisierung
dann auch das Nachsehen im Wettbewerb, auch wenn die Ma- sollten Unternehmen jetzt unbedingt gehen, um
schine selbst besser ist. Die Betriebsdatenerfassung ins ERP-Sys- auch in fünf Jahren noch am Markt wettbewerbs-
tem erfolgt häufig noch manuell. Auch Online-Konfiguratoren fähig agieren zu können?
um sein Wunschprodukt wie ein neues Auto auf einer Webseite MM: Die Chefetage muss sich zunächst darüber klar werden,
zusammenklicken zu können, schneiden schwach ab, dabei sind auf welche strategischen Wettbewerbsvorteile sie künftig bauen
das klassische digitale Geschäftsmodelle, die hier entwickelt wer- möchte. Ich nenne fünf grundsätzliche Rezepte: Schneller als der
den können. Wettbewerb sein, digitale Mehrwerte zur Produktdifferenzierung
anbieten, agiler und reaktionsfähiger sein als der Wettbewerb
PROF. GS: Besonders bei Technik und Facility-Management hat und schneller als andere auf Trends und Märkte umstellen,
mich erstaunt, dass so gut wie noch nichts von condition moni- Produkte gemeinsam mit Kunden entwickeln oder über einen
toring und KI in den Firmen angekommen ist. In vielen Firmen erhöhten Automatisierungsgrad deutliche Kostenvorteile gewin-
bleiben verfügbare Daten ungenutzt. nen. Die Unternehmensführung muss erkennen, was davon am
besten zur DNA der Firma passt und dann in die Geschäftspro-
Wie lautet Ihre Empfehlung an Unternehmen, die zesse gehen: Was muss vernetzt werden, was neu implementiert,
sich mit dem Einstieg in die Digitalisierung schwer- welche Daten sind erforderlich und wie kann eine Kultur einge-
tun? führt werden, in der eine solche Optimierung gedeihen kann und
MM: Anfangen, dranbleiben und das Ganze als Prozess und nicht die Mitarbeiter mitziehen?
als einmalige Umstellung begreifen. Am besten beginnen mit
einem praktischen Workshop, dann mit Experten durch die Fir- PROF. GS: Es gibt verschiedene Methoden, um heraus zu finden,
ma beziehungsweise die Fertigung laufen und sich ganz konkret was für das Unternehmen jeweils das Beste ist. Zum Beispiel das
Digitalisierungspotenziale zeigen lassen. Damit kann man gleich Tool der AWF, der Arbeitsgemeinschaft für wirtschaftliche Ferti-
morgen beginnen. gung. Es beschreibt konkret die klare Vorgehensweise, wie man als
Unternehmen den richtigen Zugang zur Digitalisierung findet. Da
PROF. GS: Viele kleine Schritte hintereinander tun, vor allem mit ist es durchaus möglich, schon nach einem ersten Workshop rund
Projekten, die dem Unternehmen sofort weiterhelfen. 20 Digitalisierungsprojekte zu identifizieren.

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Seite 26 /// ARBEITSZEITMANAGEMENT

CHANCE FÜR
MEHR EFFIZIENZ
Cloudbasierte Workforce Management Lösungen integrieren
neben dem Arbeitszeiterfassung auch Zeitwirtschaft und
Personaleinsatzplanung. Sie unterstützen Unternehmen dabei,
das EuGH-Urteil rechtskonform umzusetzen. Und sie erlauben
eine Zukunft mit mehr Spielraum für eine produktive und
zukunftsfähige Arbeitszeitgestaltung. VON MARKUS WIESER

D
as EuGH-Urteil zur ver- ARBEITSZEITMANAGEMENT
pflichtenden Arbeitszei- ALS BASIS FÜR „MEHR“
terfassung wird von allen
Seiten stark kritisiert – Eine Software für Arbeitszeitmanage-
sogar vom Untergang der ment ermöglicht die lückenlose und dif-
Vertrauensarbeitszeit ist die Rede. Man ferenzierte elektronische Erfassung der
kann darin jedoch auch eine Chance Arbeitszeit, so wie das EuGH-Urteil es
sehen, die Arbeitszeitgestaltung kritisch vorschreibt. Die Zeiterfassung kann direkt
auf den Prüfstand zu stellen und sie von am Arbeitsplatz per PC, über ein Soft-
Grund auf zu modernisieren. Cloudba- ware-Terminal, Telefon oder unterwegs
sierte Workforce Management Lösungen per App auf dem Smartphone erfolgen.
integrieren Funktionen wie Zeiterfassung, Unabhängig von der Art der Zeiterfas- PERSONALEINSATZ NACH
Zeitwirtschaft, Self Services, Personalbe- sung weisen intelligente Automatismen UNTERNEHMENSBEDARF
darfsermittlung und Personaleinsatz- auf fehlende Zeitbuchungen hin und ma-
planung. Sie unterstützen Unternehmen chen die Zeiterfassung sicher und effizi- Professionelles Workforce Management
dabei, das EuGH-Urteil rechtssicher in die ent. Die erfassten Arbeitszeiten bilden die geht noch einen entscheidenden Schritt
Praxis umzusetzen. Der Nutzen von digi- Basis für die Berechnung von Zeitkonten weiter und bedeutet die Integration von
talem Workforce Management geht weit und Zuschlägen sowie die automatische Arbeitszeitmanagement und Personal-
über die administrative Ebene der Zeiter- Prüfung von gesetzlichen Vorgaben wie einsatzplanung. Die Lösungen nutzen
fassung hinaus. Unternehmen schaffen etwa der maximalen Arbeitszeit oder der die Ist-Daten aus der Zeitwirtschaft, um
damit die Basis für eine gesetzeskonforme Ruhezeit. So ermöglicht ein intelligentes bedarfs-, kosten-, service- und mitarbei-
und flexible Arbeitszeitgestaltung, die die Arbeitszeitmanagement gesetzes- und re- terorientierte Dienstpläne zu erstellen. In
Interessen von Unternehmen und Mitar- gelkonforme Prozesse und schützt gleich- der Produktion beispielsweise dienen die
beitern in Einklang bringt. zeitig die Gesundheit der Belegschaft. Auftragsdaten aus dem Produktionspla-
nungs- (PPS) oder Manufacturing Exe-
cution System (MES) als Berechnungs-
grundlage für den Personalbedarf. Diese
werden über Standardschnittstellen an
die Personaleinsatzplanung übertragen.
Der Nutzen von digitalem Workforce Manage- Die Software gibt den Personalbedarf
für ein Werk, eine Linie oder Schicht in
ment geht weit über die administrative Ebene
einem bestimmten Zeitintervall vor. Bei
der Zeiterfassung hinaus. Unternehmen schaf- der Berechnung der Nettokapazität flie-
ßen außerdem Abwesenheitsquoten, zum
fen damit die Basis für eine gesetzeskonforme
Beispiel Krankheit oder Urlaub, mit ein.
und flexible Arbeitszeitgestaltung, die die Im Einzelhandel dienen zum Beispiel
Kassendaten und Kundenfrequenzen als
Interessen von Unternehmen und Mitarbeitern
Berechnungsgrundlage. Der ermittelte
in Einklang bringt. Personalbedarf wird auf die vergleichba-

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ARBEITSZEITMANAGEMENT /// Seite 27

Maschinen einsetzen. Dabei haben sie


über eine Qualifikationsmatrix zu jedem
Zeitpunkt den Überblick über erforder-
liche Qualifikationen und deren Status.
Mitarbeiter werden beispielsweise auto-
matisch auf unterschiedliche Maschinen
verplant, wenn Mehrfachqualifikationen
es in bestimmten Zeitintervallen erfor-
dern. Drohen Qualifikationen abzulau-
fen, warnt das System proaktiv. Auch
bei der Überwachung der Fristen des
Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes und
der Steuerung der Urlaubskonten setzt
Federal-Mogul Powertrain auf das in-
novative Tool. Wenn Urlaubssalden zu
einem Stichtag einen definierten Schwel-
lenwert übersteigen, erfolgt automatisch
eine Meldung.

GANZHEITLICHES HUMAN
CAPITAL MANAGEMENT

Auch im Personalbereich liegt die digi-


tale Zukunft in der Cloud. Unterneh-
men müssen sicherstellen, dass sie eine
HR-Lösung einführen, die sich über Stan-
dard-Schnittstellen nahtlos in die vorhan-
dene Systemlandschaft einfügt, ob in der
Cloud oder on Premises. ATOSS Work-
BEI FEDERAL-MOGUL POWERTRAIN gibt es Dienstpläne auf Knopfdruck –
unter Berücksichtigung von Fristen, Gesetzen, Tarifen und Qualifikationen.
force Management lässt sich beispiels-
weise vollständig in SAP SuccessFactors
Employee Central integrieren. Funktio-
ren Verkaufstage im Vorjahr referenziert fen muss. Das ermöglicht Unternehmen nen, Informationen und Anwendungs-
und unter Einbezug von Trends sowie ge- ein flexibles Arbeiten, ohne die Bedürf- fälle können direkt unter der SAP SF EC
planten Werbeaktionen prognostiziert. So nisse der Mitarbeiter aus den Augen zu Oberfläche aufgerufen und bearbeitet
entsteht ein fundierter Kapazitätsverlauf verlieren. Gleichzeitig wird die Selbstbe- werden – ohne erneute Anmeldung. Dop-
für eine bedarfsoptimierte Personalein- stimmung und Eigenverantwortung in pelte Datenpflege entfällt, der Endnutzer
satzplanung. der Belegschaft gefördert. hat einen zentralen Zugangspunkt, der
Intuitive Self Services und mobile jedoch durch ein ausgefeiltes Zugangsbe-
Apps tragen dazu bei, Aufwände und Kos- BEST PRACTICE: PLANUNGS- rechtigungssystem definiert ist.
ten zu senken sowie die Transparenz und POWER AUS DER CLOUD Ein digitales Arbeitszeitmanage-
Mitarbeiterzufriedenheit zu erhöhen. Die ment, eine flexible Personaleinsatzpla-
Mitarbeiter übernehmen Aufgaben rund Wie sich Workforce Management in der nung und ein ganzheitliches Human
um die Arbeitszeit selbst und können sich Cloud optimal nutzen lässt, zeigt ein Capital Management in der Cloud bilden
auch aktiv in die Einsatzplanung einbrin- Beispiel aus der Praxis. Federal-Mogul, die Basis für eine flexible und zukunfts-
gen. Sie können ihre Stammdaten selbst- weltweiter Produzent von Komponenten fähige Arbeitszeitgestaltung. Organisati-
ständig ändern, vergessene Zeitbuchun- und Systemen für die Automobilindus- onen profitieren von mehr Handlungs-
gen nachtragen oder Arbeitszeitwünsche trie, plant und steuert an zwei deutschen spielraum und Kosteneffizienz, gleich-
äußern. Über ihr persönliches Dashboard Standorten der Division Powertrain mehr zeitig entstehen attraktivere Arbeitsplät-
sehen sie jederzeit ihr aktuelles Zeitkonto als 2.000 Mitarbeiter mit der ATOSS ze. Auf diese Weise haben Unternehmen
und stellen bequem per Workflow Abwe- Cloud Solution. Über einen Connector einen klaren Wettbewerbsvorsprung in
senheitsanträge. Nach der Genehmigung wird die Personaleinsatzplanung mit der zwei hart umkämpften Märkten – beim
durch den Vorgesetzten wird das Ergebnis unternehmensweiten SAP ERP HCM Absatz und beim Arbeitnehmer. 
automatisch in die Zeitwirtschaft und die PT Lösung verbunden. Auf Knopfdruck
Personaleinsatzplanung übernommen. werden unter Berücksichtigung von Ge- DER AUTOR
Eine weitere Möglichkeit, die sich durch setzen, Tarifen, Qualifikationen und Zeit- MARKUS
Self Services eröffnet, ist die Tauschbörse. daten regelbasierte Dienstpläne erstellt. WIESER,
Über dieses Tool tauschen Mitarbeiter ih- Für eine arbeitsplatzorientierte Dis- Executive Director
re Schichten selbständig nach definierten position können die Planer Mitarbeiter Product Management,
ATOSS Software AG
Spielregeln, ohne dass der Planer eingrei- ganz einfach per Drag&Drop direkt auf

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Seite 28 /// DISRUPTION

SOFTWARE
dass es durch die Einspeisung größerer
Datenmengen in die Cloud einfacher
werden wird, den digitalen Wandel und

EATS INDUSTRY
werksübergreifende Analysen zu ermög-
lichen und damit mehr Einblick in das
Unternehmen und die Produktionsdaten
zu gewinnen. Und Produktionsdaten sind
ein wichtiges Geschäft für sie.
In den USA haben Google, Amazon und Microsoft begonnen, Was wird also passieren, wenn die
Software die Industriewelt erobert? Soft-
cloudbasierte Dienste für Industriesektoren anzubieten.
ware-Plattform-Unternehmen wollen
Das erklärte Ziel: Die Herrschaft über Produktionsdaten. cloudbasierten Speicher für Produkti-
onsdaten anbieten. Wie gesagt, ist das

M
VON MICHAEL RISSE
auch deshalb ein rentables Geschäft, weil
Daten Gewicht haben. Wer die Daten
arc Andreessen, Mitbe- DIE DISRUPTION BEGINNT speichert, kann anschließend Neben-
gründer von Netscape dienstleistungen wie Datenverwaltungs-,
(das erste kommer- In den sieben Jahren dazwischen wur- Sicherheits- und Geschäftsanalytikdienste
zielle Projekt für den de die Industriewelt jedoch entgegen bereitstellen. Aus diesem Grund geraten
Vertrieb eines Inter- Andreessens Aussagen vom Modell „Soft- Automatisierungsanbieter, die Kundenda-
net-Browsers) und dem Venture-Capi- ware erobert die Welt“ übergangen. Es er- ten aufbewahren und versuchen, sie von
tal-Unternehmen Andreesen-Horowitz, eignete sich keine wesentliche Disruption anderen Anbietern und Analyselösun-
schrieb im August 2011 einen Leitarti- auf dem Markt der industriellen Software gen fernzuhalten, unter Druck, ihre Ge-
kel im Wall Street Journal mit dem Titel wie damals, als Medien durch Blockbuster schäftspraktiken zu ändern.
„Why software is eating the world“. Dazu wie Netflix und Unternehmen wie Barnes
sei angemerkt, dass sein Unternehmen & Nobles durch Amazon Einbußen ver- ICH HASSE SIE,
Andreessen-Horowitz in Facebook, Slack buchte. Bis jetzt, denn das wird sich in ABER KOOPERIERE
und GoodStory Data investiert hat und Kürze ändern.
somit über Software und Störungen bes- Wie im Wall Street Journal, der Finan- Was bedeutet Disruption noch? Über Jahr-
tens Bescheid weiß. In dem Beitrag stellt cial Times und The Economist berichtet zehnte hinweg haben sich Industrieauto-
er die folgende These auf: wurde, kommt seit Anfang des vergange- matisierungs-Anbieter um die massiven
„Von der Filmindustrie über die nen Sommers Software auf den Indust- Preisabfälle bei der Erstellung, Einholung,
Landwirtschaft bis hin zur nationa- riemarkt, die unter etablierten Anbietern Speicherung und Berechnung von Daten
len Verteidigung werden immer mehr einen disruptiven Wandel herbeiführen herumgedrückt, die auf den Endverbrau-
wichtige Unternehmen und Branchen wird. Google, Amazon und Microsoft cher- und IT-Märkten bereits erreicht
mit Software betrieben und bieten On- erklärten ihre Absicht, der Öl- und Ga- wurden. Jetzt wird auch auf den Indust-
line-Dienste an. Viele der Gewinner sind sindustrie und anderen Branchen Daten- riemärkten ein Preiskampf ausgefochten.
Unternehmenstechnologie-Firmen im speicher und damit verbundene Dienst- Fragen Sie doch einmal Jeff Bezos, den
Stil von Silicon Valley, die in bestehen- leistungen zur Verfügung zu stellen. Geschäftsführer von Amazon, der einst
de Branchenstrukturen eindringen und Um das nochmals klarzustellen: scherzte: „Eure Marge ist meine Chance“.
diese umkrempeln. Ich gehe davon aus, Ich spreche nicht von cloudbasierten Die Welt der Software strebt zudem
dass Software in den kommenden zehn DCS-Ausführungen zur Echtzeitsteu- nach „Co-Opetition“ – die höfliche Art
Jahren noch in vielen weiteren Branchen erung oder anderen Zukunftsvisionen. zu sagen: „Ich hasse Sie, werde aber trotz-
disruptiv wirken wird, und dabei wohl Vielmehr beziehe ich mich auf cloud- dem mit Ihnen kooperieren.“ Beden-
meistens die neuen Weltklasse-Unter- basierte Datenspeicherung, Analysen ken Sie, dass AWS behauptet, viel mehr
nehmen aus dem Silicon Valley ihre und Managementservices für Produk- Microsoft-Windows-Server auf virtuellen
Finger im Spiel haben werden.“ tionsdaten. Cloud-Anbieter behaupten, ASW-Rechnern zu betreiben als Microsoft
auf Azure. Obwohl Amazon AWS also mit
SOFTWARE-
Azure konkurriert, unterstützt AWS die
RIESEN aus Kunden von Microsoft. In ähnlicher Weise
den USA wol- konkurriert Microsoft mit Oracle im Da-
len zahlreichen tenbankgeschäft, kooperiert aber mit dem
Industriebran- Unternehmen im Wettbewerb gegen AWS.
chen Daten- 
speicher und
damit verbun- DER AUTOR
dene Dienst- MICHAEL RISSE
leistungen ist CMO und Vice
zur Verfügung President der Seeq
stellen. Corporation.

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CDOinsight
MEHR MUT ZU
EIGENEN WEGEN!
Es ist nicht leicht mit der digitalen Transformation. Vor allem
Mittelständler tun sich noch schwer – vom strategisch sinnvollen
Einsatz neuer Technologien bis zu pfiffigen Alternativen bei der
Finanzierung abseits der Bankenwelt. Über die richtigen Schritte
in eine erfolgreiche Zukunft.
Bild: Ilyafs/shutterstock.com

01 02
FINANZIERUNGSLÜCKE: NEUE GRATWANDERUNG - BEI KI GILT: DIE
FINTECHS UNTERSTÜTZEN KMUS BASIS MUSS STIMMEN. DANN ÜBER-
MIT DIGITALER FINANZIERUNG WIEGEN DIE CHANCEN DIE ÄNGSTE
CDOinsight

DIE FINANZIERUNGS­
LÜCKE SCHLIESSEN
Kleinere und mittlere Unternehmen (KMU’s) sind das Rückgrat der deutschen
Wirtschaft, und dennoch sind viele von ihnen dramatisch unterfinanziert. Für die
digitalen Vorhaben dieser Unternehmen bieten die aktuellen Finanzierungs-
möglichkeiten nicht die richtigen Mechanismen. Neue Fintechs unterstützen
KMU’s mit digitalen Finanzierungsplattformen. VON SASCHA RAGTSCHAA

W
enn man bedenkt, dass es in Deutsch- onen zur Verfügung stehen sollten, ist es in vielen Fällen
land rund 3,6 Millionen KMU‘s gibt, die ein langwieriges und kostspieliges Prozedere, an das
rund 60 Prozent der Bevölkerung be- Geld zu gelangen.
schäftigen, dann würde man durch- Um dieses Dilemma besser zu verstehen, wollen wir
aus annehmen dürfen, dass die Finan- die Limitierungen der vorhandenen, populären Finanzie-
zindustrie darauf eingestellt wäre, diesen Firmen zu hel- rungsoptionen näher beleuchten:
fen. Das ist nicht der Fall. Im Gegenteil: Eine große Zahl
dieser kleineren Unternehmen hat immense Schwierig- Börsengang - Ein Börsengang müsste zumindest für
keiten, an die benötigte Finanzierung zu kommen – und größere Mittelständler eine bevorzugte Möglichkeit sein,
das Problem verstärkt sich. einen zusätzlichen Finanzierungskanal und weiteres glo-
Im Verlauf der vergangenen fünf Jahre ist der Zugang bales Wachstum zu erschließen. In der Realität müssen
zu Finanzierungsmöglichkeiten von KMU‘s in Europa si- sich Unternehmen allerdings mit einem komplexen und
gnifikant zurückgegangen, wie eine Studie der Europä-
ischen Zentralbank (EZB) zeigt:
Bild: Viktoria Kurpas/shutterstock.com

Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten für KMU in Europa


Quelle: EZB, Juni 2018

Warum sehen wir einen solchen Trend, obwohl es in der


Theorie ein breites Spektrum von Finanzierungsmöglich-
keiten gibt – von einem Bankdarlehen oder einem Bör-
sengang bis hin zu Wagniskapital oder Crowdfunding?
Allerdings sind nicht alle dieser Optionen für KMU‘s ge-
eignet. Und selbst wenn den Unternehmen diese Opti-

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01
teuren Netzwerk an Intermediären sowie hohe regula-
torische Hürden herumschlagen, um eine Neuemission
zu bewerkstelligen. Für die meisten Unternehmen ist
ein Börsengang und die laufenden Kosten für Repor-
ting & Compliance schlicht zu hoch. Neben den unter-
nehmensspezifischen Kosten schlagen vor allem die
Kosten für externe Berater, Banken und die Börse selbst
zu Buche. Im Ergebnis entscheiden sich immer mehr
Unternehmen gegen einen Börsengang. Und nicht nur
bei kleineren Unternehmen ist dieser Trend abzulesen.
Selbst unter etablierten und größeren Unternehmen ist
die Stimmung alles andere als rosig. So haben in die-
sem Jahr zum Beispiel gerade einmal 25 Unternehmen
den Sprung an die Londoner Börse gewagt – das sind
weniger Unternehmen als in den vergangenen Jahren
zusammen im gleichen Zeitraum. Bei anderen Börsen Anzahl der jährlichen Börsengänge
ist die gleiche Tendenz zu sehen. Quelle:  EY, Q2 2019

Die immens hohen Zugangskosten führen zu aufgebläh-


ten Bewertungen und viele internationale Marken schei-
tern an den Erwartungen am Börsenparkett. An Firmen
wie Aston Martin, Uber, Lyft oder WeWork kann man er-
WEIL FÜR VIELE UNTERNEHMEN KEINE DER kennen, zu welchem finanziellen Schaden und Image-
HERKÖMMLICHEN FINANZIERUNGS-OPTIONEN verlust ein enttäuschender oder abgeblasener Börsen-
IN DEREN AKTUELLEN PHASE IN FRAGE gang führen kann.
KOMMT, STECKEN SIE QUASI IN EINEM
FINANZIERUNGS-NIEMANDSLAND FEST. Wagniskapital (alternativ Venture Capital) - Viele Un-
ternehmen versuchen, ihr Wachstum durch Wagnis-
kapital zu finanzieren. Allerdings ist der Prozess,
um an Wagniskapital zu gelangen, enorm in-
tensiv und Unternehmen müssen erhebli-
che Ressourcen in – zum Teil – langwie-
rige Finanzierungsrunden investieren.
Vor allem in kleineren Unternehmen
bedeutet das oft, dass wichtige Per-
sonen zeitweise nicht für die Ge-
schäfts- oder Produktentwicklung
zur Verfügung stehen.
Die Herausforderungen en-
den oft auch nicht bei der Kapi-
talbeschaffung: Häufig setzen
überambitionierte Investoren
die Firmen unter erheblichen
Druck, übernatürlich schnell
zu wachsen und zwingen
die Unternehmen dabei
häufig dazu, Kompromisse
zu machen, um publikums-
wirksame Wachstumsraten
zu erzielen. Unternehmens-
werte können dabei leicht
auf der Strecke bleiben
– trotz der Finanzierung.
Und in einigen Fällen über-
nehmen die Investoren das
Ruder, und die eigentlichen
Gründer stehen ohne ihr Le-
benswerk da.

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CDOinsight

Crowdfunding – Als Alternative zu Wagniskapital versu- für Start-ups in sehr frühen Phasen eine Option darstellt,
chen immer mehr wachsende Firmen, ihren Finanzie- scheidet diese Option für klassische KMU‘s zur Finanzier-
rungsbedarf über Crowdfunding Plattformen zu decken. zung von Digitalisierungs- und Wachstumsvorhaben in
Im Zuge der Digitalisierung ist dies auch ein sehr moder- der Regel aus.
ner und effektiver Weg, da gleichzeitig eine Community
und auch eine „Follower-Base“ aufgebaut wird. Es steht Bankdarlehen - Während die Finanzierungsoptionen,
außer Frage, dass solche Plattformen einen großen Bei- die wir bisher betrachtet haben, darauf ausgelegt sind,
trag geleistet haben, das Investieren in Unternehmen zu ein Unternehmen eher langfristig mit Kapital zu versor-
demokratisieren und Firmen eine Finanzierung zu er- gen, so benötigen Firmen doch nicht selten eine Fremd-
möglichen, die es sonst nicht geschafft hätten, an Kapital kapitalspritze. Und für dieses Szenario ist ein Bankdar-
zu gelangen. lehen die logische Option. Allerdings ist es für kleinere
Prognosen gehen von mehr als 300 Milliarden Unternehmen in Deutschland zunehmend schwierig,
US-Dollar weltweit aus, die im Jahr 2025 Crowdfunding an ein Bankdarlehen zu gelangen. Das liegt auch daran,
Plattformen zur Unternehmensfinanzierung beitragen. dass es für KMU immer seltener die Möglichkeit gibt,
Und dennoch ist diese Finanzierungsoption für KMU‘s direkt in einer Bankfiliale mit einem Bankberater über
nicht ohne Hürden zu bewerkstelligen. Vor allem ist die den Finanzbedarf zu sprechen. In den vergangenen zehn
Höhe des Kapitals, das Unternehmen auf diese Weise Jahren sind hunderte Bankfilialen geschlossen worden.
einsammeln können, deutlich geringer als im Vergleich Und selbst jene Unternehmen, die noch einen direk-
mit anderen Finanzierungsformen. Und durch die hohe ten Ansprechpartner in der Bank haben, mit dem sie
Anzahl an „Retail-Investoren“, gilt es auch regulatorische ihre Anfrage besprechen können, tun sich zunehmend
und marketingtechnische Hürden zu beachten. schwer, die Bank zu einem Darlehen zu überzeugen.
Allerdings variieren die durchschnittlichen Finanzie- Banken sind aufgrund verschiedenster Richtlinien wie
rungsspritzen je nach Typ des Crowdfunding und dem Basel III zunehmend abgeneigt, erhöhte Risiken einzu-
Land. Da jede Firma eine Crowdfunding Kampagne gehen. Aufgrund der erhöhten Prüfanforderungen sind
starten kann, unabhängig von der Größe, dem Reifegrad gerade Darlehen unter 100.000 EUR für die meisten Ban-
oder der strategischen Ausrichtung, ist es wenig verwun- ken nicht mehr lukrativ und stehen nicht im Verhältnis
derlich, dass ein signifikanter Anteil dieser Kampagnen zum potenziellen Risiko. Dennoch ist der Bedarf hier bei
nicht erfolgreich sind oder Firmen kurz nach der Finan- gesunden und profitablen KMU’s enorm, aber er kann
zierung scheitern. Während Crowdfunding also vor allem über Banken und alternative Kreditgeber aktuell nicht
gedeckt werden.

DIE FRÜHERE ROLLE DER ETABLIERTEN PLAYER


ÜBERNEHMEN GERADE IM SEGMENT DER
FINANZIERUNGEN BIS 100.000 EUR ZUNEHMEND
PORTALE, DIE ZUGANG ZU ALTERNATIVEN
FINANZIERUNGSMETHODEN BIETEN.

Höhe der Bankkredite;


Quelle: KfW Mittelstandpanel 2019

DEN MARKT ERWEITERN,


UM KMU‘S ZU UNTERSTÜTZEN
Die Einschränkungen der aktuellen Möglichkeiten of-
fenbaren zwei fundamentale Probleme im deutschen
KMU-Markt für Unternehmensfinanzierung: Für eine
kurzfristige Kapitalinjektion ist es für Unternehmen zu-

DIGITAL BUSINESS CLOUD 06/19 www.digitalbusiness-cloud.de


01
nehmend schwieriger, an ein Bankdarlehen zu gelangen. ermöglicht, KMU‘s und Investoren direkt miteinander zu
Wenn es um die langfristige Finanzierung geht, existiert verbinden. Durch einen klaren Peer-to-Peer Ansatz und
eine große Lücke zwischen Finanzierungsformen in der ein Rating-basiertes „Matching“, erfolgt die Interaktion
Frühphase wie Risikokapital und Crowdfunding und ei- auf der Plattform direkt zwischen den beteiligten Par-
nem kapital- und ressourcenintensiven Börsengang in teien. Die gesamte Abwicklungskette ist damit deutlich
einem reiferen Unternehmensstadium. Weil für viele Un- schlanker, weil rein digital, mittels regulatorisch abge-
ternehmen keine der Optionen in deren aktuellen Phase sicherten „Smart Contracts“ und ohne Abhängigkeiten
in Frage kommt, stecken diese Unternehmen quasi in von Dritten. Dabei gilt das Augenmerk nicht nur dem
einem Finanzierungs-Niemandsland fest. Finanzierungsvorhaben allein.
Um diese Finanzierungslücke zu schließen, müssen Unternehmen können auf der Plattform ihre Darle-
wir Finanzierungsoptionen näher betrachten, die wach- hensgeber – oder im Falle einer Kapitalerhöhung An-
senden Unternehmen das benötigte Kapital beschaffen teilseigner – verwalten und mit ihnen interagieren. Im
können - ohne unnötige Kosten oder dem Einsatz signifi- besten Fall ist es dadurch für Unternehmen möglich,
kanter Ressourcen. Zum Glück sind in den vergangenen ihre Darlehensgeber oder Anteilseigner zu Kunden zu
Jahren Digitale Plattformen für Unternehmensfinanzie- machen – oder andersherum, um nicht nur den reinen
rung entstanden, die sich dieser Herausforderung ange- Kapitalbedarf zu decken, sondern auch Unternehmens-
nommen haben und die Finanzierungslücke in diesem spezifisch neue loyale Kunden zu erschließen.
Marktsegment schließen.
Unser Unternehmen – selbst ein erfolgreiches Start- KEIN KMU SOLLTE DURCH
up – ist Teil dieser neuen Welle von Fintech Innovatoren, DIE FINANZIERUNGLÜCKE FALLEN
die neue Wege der Finanzbeschaffung beschreiten. KMU
erhalten damit leichteren Zugang zu Kapital, größere Wenn man sich nochmals die integrale Rolle der KMU‘s
Kontrolle über den Prozess und bessere Konditionen. vor Augen führt, die sie für die deutsche Wirtschaft spie-
Mit unserem Dienstleistungsangebot bedienen wir den len, dann ist es dringend notwendig, diesen Firmen
schnell wachsenden Markt für Alternative Unterneh- leichten Zugang zu langfristiger Unternehmensfinanzie-
mensfinanzierungen. Die starke Nachfrage zeigt deutlich, rung zu verschaffen. Wie wir gesehen haben, könnten
dass in diesem Bereich eine Lücke besteht: die etablierten Player im Markt diese Aufgabe nicht im
notwendigen Masse erfüllen. Diese Rolle übernehmen
gerade im Segment der Finanzierungen bis 100.000 EUR
zunehmend Portale, die Zugang zu Alternativen Finan-
zierungsmethoden bieten. KMU‘s haben dadurch eine
zusätzliche, interessante Option, ihren Finanzbedarf zu
decken – dank neuer, digitaler Prozesse, die Intermedi-
äre umgehen, Komplexitäten reduzieren und dadurch
attraktive Konditionen bieten können. Unternehmen wie
WeOwn bieten zusätzlich einen sekundären Handel mit
digitalen Wertpapieren wie Unternehmensanteilen oder
Darlehen und machen diesen Markt dadurch zusätzlich
liquide.
Zusammen mit anderen Unternehmen in diesem
Fintech-Bereich arbeiten wir an der Vision, die Finan-
zierungslücke für KMU‘s zu schließen und auch den
Unternehmen eine Alternative anbieten zu können, für
Volumen im Alternativen Kreditmarkt in Europa die keine der aktuellen Finanzierungsformen in Frage
Quelle: Statista, September 2019 kommt.

SASCHA RAGTSCHAA
Im Kern stellen diese Alternativen Finanzierunginstru- ist Mitgründer und CEO von WeOwn. Vor
mente komplexe, von Finanzintermediären geführte seiner Zeit bei WeOwn arbeitete Sascha
16 Jahre lang beim größten Aktien-
Finanzierungsmodelle in Frage, die zumeist große Un-
registerführer der Welt. Dabei hatte er
ternehmen bevorzugen. Der Ansatz von WeOwn ist es, verschiedene Managementfunktionen
klassische Unternehmensfinanzierungen anzubieten, die in Europa, Australien und Nordamerika
ohne Intermediäre wie Banken oder Berater auskommt, inne. In seiner letzten Funktion war
und den Gesamtprozess damit effizienter, kostengünsti- er als CIO für rund 500 Mitarbeiter in
Europa, Mittlerer Osten, Afrika und Asien
ger, schneller und einfacher im Handling macht.
verantwortlich. Sein Verantwortungs-
Dies ist dadurch möglich, dass wir auf Basis von bereich umfasste die gesamte End-to-
Blockchain-Technologie eine Digitale Plattform für Un- End Technologiewertschöpfungskette in
ternehmensfinanzierung entwickelt haben, welche es dieser globalen Organisation.

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CDOinsight

DIE GRATWANDERUNG
WAGEN
Künstliche Intelligenz (KI) ist längst kein Fremdwort mehr, sie ist in aller Munde.
In ihrer neuen nationalen Strategie betont die Bundesregierung, dass „KI made
in Germany“ an die Weltspitze des neuen Technologiefeldes gelangen soll. Es
verwundert daher, dass deutsche Unternehmen bisher kaum Anwendungsfälle
für KI an der Kundenschnittstelle – also von Marketing über Vertrieb bis zum
After Sales – entwickelt haben. VON TOM LURTZ

D
ie auffällige wie auf Sicht gefährliche Zurück- Technologien. 71 Prozent der Studien-
haltung könnte damit zusammenhängen, teilnehmer geben an, dass eine offene Kom-
dass viele Unternehmen die Bedenken der munikation über die Verwendung bzw. Sicherung
Kunden gegenüber KI ernstnehmen. Denn ihrer personenbezogenen Daten dazu beiträgt, Vorbe-
viele Kunden befürchten, dass intelligente halte gegenüber Künstlicher Intelligenz auszuräumen.
Dienste in ihre Autonomie, Persönlichkeitsrechte und Die Brisanz der Thematik ist den Verantwortlichen
Entscheidungsfreiheit eingreifen. bewusst: Fast sämtliche befragten Unternehmen geben
KI weckt zwar Ängste, aber auch Hoffnungen, Potenzi- an, dass das Thema eine ausschlaggebende Hürde ist,
ale und Erwartungen bei Kunden. In einer aktuellen Um- die sie nehmen müssen. Ein effizientes und transparen-
frage hat sich KPMG mit Fragen zu diesen Bedenken und tes Datenmanagement spielt hierbei die zentrale Rolle.
Chancen an über 1.000 Verbraucher und mehr als 200
Unternehmen in Deutschland gewandt. Die Ergebnisse SMARTER ALLTAG – KI PRÄGT SCHON
zeigen, dass Unternehmen bei der Nutzung von künstli- HEUTE DIE KUNDENINTERAKTION
cher Intelligenz an der Kundenschnittstelle zentrale Re-
geln der Customer Experience berücksichtigen müssen, Bereits 71 Prozent der Kunden nutzen KI-Anwen-
und zwar über die gesamte Customer Journey hinweg. dungen in ihrem täglichen Leben. Bei mehr als 50
Dabei gilt es die Erwartungen des Kunden nicht nur zu Prozent kommen sie auch in ihrer Customer Jour-
erfüllen, sondern zu antizipieren und zu übertreffen. Um ney zum Einsatz – zum Beispiel durch die „Produkt-
dies zu erreichen, lassen sich sechs Thesen formulieren. auswahl mittels automatisierter Filter“ oder bei dem
KI-optimierten Versand (wie Zeitfensterzustellungen,
AUCH BEI KI GILT: Tracking etc.). Der Einsatz von KI überzeugt vor al-
DIE BASIS MUSS STIMMEN lem durch mehr Schnelligkeit und Bequemlichkeit.

Für die meisten Kunden ist das Thema Datensicherheit UNTERNEHMEN SOLLTEN KEINE
nach wie vor der Hygienefaktor im Umgang mit neuen VERSPRECHEN GEBEN, DIE SIE NICHT
HALTEN KÖNNEN
HINDERNISSE BEI DER INTEGRATION VON KI AUS SICHT DER UNTERNEHMEN
Unternehmen sehen ent-
lang der gesamten Wert-
schöpfungskette Mehr-
werte durch KI und eine
Vielzahl von Einsatzpoten-
zialen. Da es derzeit aber
in den meisten Unterneh-
men (66 Prozent) noch an
Expertise und Fachkräften
mangelt, die die KI tat-
sächlich anwenden kön-
nen, sind die Unterneh-
men derzeit noch in einem

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02
HEUTIGER EINSATZ VON KI IN UNTERNEHMEN

Status, in dem sie noch PERSONALISIERUNG JA,


lernen mit der Technolo- „GLÄSERNER KUNDE“ NEIN
gie umzugehen.
Diese umfassende Digi- Die Mehrheit der Kunden (70 Prozent) steht neuen Tech-
talisierung erfordert ein neues nologien grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber. 48
Verständnis von unternehmerischer Prozent glauben, dass die Verbesserung des Kundener-
Verantwortung. Dieser strategischen In- lebnisses durch KI großes Potenzial für die Zukunft hat.
vestition muss eine klar definierte KI-Strategie Mit zunehmender Individualisierung steigt bei den Kon-
zu Grunde liegen, die vorschreibt, wann, wie und sumenten jedoch die Skepsis – insbesondere bei den
wo KI-Anwendungen eingeführt werden. Im Kern jeder älteren Studienteilnehmern. So empfindet es fast jeder
Bild: aurielaki/shutterstock.com

Entscheidung sollten dabei der Mehrwert für den Kun- Vierte der über 65-Jährigen sogar als „unheimlich“, wenn
den und der Nutzen für das Unternehmen stehen. Nur beim Onlineshop-ping individualisierte Produktangebo-
unter diesen Voraussetzungen sollten Unternehmen die te unterbreitet werden.
Gratwanderung an der Kundenschnittstelle wagen. Deswegen bilden die Phasen „Auswahl und Kauf“ so-
wie „Lieferung“ den richtigen Einstieg in die Nutzung von
KI-basierten Technologien in Unternehmen. Die KI-ge-
DER STRATEGISCHEN INVESTITION MUSS EINE stützten Anwendungen Produktnavigation, Versand und
KLAR DEFINIERTE KI-STRATEGIE ZU GRUNDE Logistik nutzen Konsumenten schon heute besonders
LIEGEN, DIE VORSCHREIBT, WANN, WIE UND WO gerne. Außergewöhnliche und nutzbringende Erlebnisse
setzen die Anwender zukünftig voraus. Allein aus Grün-
KI-ANWENDUNGEN EINGEFÜHRT WERDEN. IM
den der Convenience werden Verbraucher zukünftig
KERN JEDER ENTSCHEIDUNG SOLLTEN DABEI
Services von Unternehmen ablehnen, die diesen Wett-
DER MEHRWERT FÜR DEN KUNDEN UND DER
bewerbsvorteil nicht anbieten.
NUTZEN FÜR DAS UNTERNEHMEN STEHEN.

EMPATHIE UND PERSÖNLICHKEIT WIRD


DER KI BISLANG ABGESPROCHEN
SOLANGE DER EINSATZ VON KI DEN
PERSÖNLICHEN AUFWAND REDUZIERT, Drei Viertel der Studienteilnehmer geben an, dass ihnen
LEGEN KUNDEN IHRE SKEPSIS AB persönliche Beratung wichtig ist. Empfehlungen durch
einen Roboter lehnen sie ab. Dies gilt vor allem in den
Der Kunde ist Pragmatiker. Die Mehrheit der Befragten frühen – meinungsbildenden – Phasen
(76 Prozent) hält es letztendlich für irrelevant, ob KI hin- der Customer Journey, die durch Auf-
ter einem guten Angebot oder Service steckt, solange merksamkeit und Information gekenn-
sie davon profitieren. Ein Drittel (34 Prozent) gibt sogar zeichnet sind. Unternehmen sehen hier
an, den potenziellen Wegfall von Arbeitsplätzen durch KI jedoch mit fast 90 Prozent das größte
in Kauf zu nehmen, wenn dadurch insgesamt Zeit und Potenzial der Technologie.
Geld gespart werden könnte. Je besser es Unternehmen gelingt, die
Die Umfrage zeigt, dass die Erwartungen an den Bedürfnisse und Wünsche ihrer Kunden
Nutzen und die Prozessverbesserungen künstlicher In- nachzuempfinden und an der richtigen
telligenz ausschlaggebend für die Akzeptanz und Be- Stelle KI zu platzieren, desto eher kön-
reitschaft zur Nutzung sind. So wollen Konsumenten, nen Sie die Customer Experience für den TOM LURTZ
dass KI ihnen Routine-Aufgaben abnimmt und ihnen ein Kunden verbessern und diesen an sich ist Partner Consulting bei
schnelleres und besseres Einkaufserlebnis ermöglichen. binden. KPMG

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Seite 36 /// RPA

JEDEM PROZESS
SEIN EIGENER BOT
Mal eben die Rechnungen schnell einscannen, Lieferbelege kontrollieren oder Zahlungseingänge
überwachen: Stetig wiederkehrende Aufgaben gehören auch im 21. Jahrhundert noch oft zum
Arbeitsalltag vieler Unternehmen und ihrer Mitarbeiter. Bis ins Jahr 2025 werden aber Aufgaben
vermehrt an künstliche Intelligenz und Algorithmen übergeben. VON CHRISTIAN WOELKE UND FRANK THOLE

G
estern noch Utopie – heute bereits unverzichtbare lungen findet RPA Einsatz bei der Prüfung von Eingangsrech-
Erleichterung im Business-Umfeld: Software-Ro- nungen, Durchführung von Zahlungen, Forderungsmanagement
boter, die Geschäftsprozesse automatisieren und oder beim Abgleich von Liefermengen. Auch das monotone Er-
menschliche Mitarbeiter von monotonen Auf- stellen von Lohnzetteln, Personalstatistiken oder der Abgleich
gaben entlasten. Die noch junge Methode der von Sozialbeiträgen müssen längst nicht mehr Mitarbeiter der
Prozessautomatisierung übernimmt Anwenderrollen und intera- Personalabteilung mühsam erledigen, sondern diese Aufgaben
giert mit anderen Softwaresystemen über Systemgrenzen hinweg. können getrost Software-Robotern übertragen werden, ebenso
Roboter arbeiten in der Regel 50 Prozent schneller als Menschen wie die Analyse von Bewerbungsunterlagen. Die Marketing-Ab-
und sind zudem nicht an zeitliche Barrieren gebunden. Dabei teilung kann RPA einsetzen, um Grußkarten zu versenden und
ist die Idee der Robot Process Automation (RPA) nicht, Arbeits- um die Analyse von Trends und Umfragen über die Kundenzu-
plätze weg zu rationalisieren, sondern die Tätigkeiten zwischen friedenheit zu unterstützen. Controlling, Kunden-Service und
Mitarbeitern und autonomen Systemen so aufzuteilen, dass sich Risikomanagement sind weitere typische Anwendungsgebiete.
der Angestellte anspruchsvollen Aufgaben zuwenden kann. Ein Natürlich sind dem Einsatz der Software-Roboter im Un-
Zugewinn für Unternehmen und Mitarbeiter gleichermaßen. ternehmen keine Grenzen gesetzt. Prinzipiell kann es so viele
Bots geben, wie es Prozesse im Unternehmen gibt. Allerdings
WERTVOLLE ASSISTENTEN sollte man vorsichtig sein: Die Auswahl der Prozesse, die sich
IN ALLEN ABTEILUNGEN für eine Automatisierung eignen, sollte nicht dem Bauchgefühl
eines Mitarbeiters überlassen werden. Die Geschäftsführung ist
Den Anwendungsbereichen für die Automatisierung von zeitin- gut beraten, vor der RPA-Initiative eine gründliche Analyse und
tensiven Geschäftsprozessen sind keine Grenzen gesetzt, und die Eignungsprüfung der Ist-Situation durchzuführen. Dieser Schritt
Roboter sind zudem lernfähig. In Finance & Accounting Abtei- ermittelt vor allem ineffiziente und fehlerhafte Prozesse, an de-
nen selbst eine RPA keine Wunder vollbringen, im äußersten Fall
aber sogar scheitern kann.
Dem Einsatz der Software-Roboter
im Unternehmen sind keine Grenzen NUTZEN UND GRENZEN VON BOTS

gesetzt. Prinzipiell kann es so viele Doch welche Prozesse lassen sich in das Digitalisierungsprojekt
eingliedern? Was können die Software-Robots? Grundsätzlich
Bots geben, wie es Prozesse im
vor allem für Prozesse, die sich häufig wiederholen und lange
Unternehmen gibt. Ausführungszeiten haben. Da die Automatisierung auch dazu

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RPA /// Seite 37
Bild: RoseRodionova/shutterstock.de

dient, Fehler bei der manuellen Eingabe während des gesamten Gesprächs Hand- beispielsweise BPM (Business Process
zu vermeiden, kann dies ein weiteres Kri- lungsanweisungen gibt. Je nach Anwen- Management) respektiert RPA vor-
terium bei der Auswahl sein. Bewältigt dung verbessert der Attended Bot so den handene Geschäftsprozesse und Soft-
werden können auch Systembrüche mit Kundenservice, generiert Berichte und ware-Komponenten und baut auf diesen
mehreren beteiligten Anwendungen wie sammelt Daten.  auf. Das heißt, der Fokus der RPA liegt
Excel, Word, Outlook, Datenbanken etc. Beim Unattended Bot handelt es sich auf Effizienzsteigerung und Kostenre-
Wer die Einführung um einen autonom arbei- duktion, anstatt auf Reengineering. So
von Software-Robotern Bis zu tenden Roboter, der sich können Projekte in einem Zeitrahmen

90%
plant, sollte wissen, dass vor allem dafür eignet, von einem bis hin zu sechs Monaten
die RPA die Vorstufe der Backoffice-Prozesse zu op- umgesetzt werden. Auch der Return of
Artificial Intelligence (AI) timieren. Ein Kommuni- Investment lässt nicht lange auf sich war-
ist, also der höchsten und kationsbot antwortet zum ten. Zu Beginn sind Einsparungen von
komplexesten Ebene der kann die Bearbeitungs- Beispiel automatisch inter- 20 bis 30% zu erwarten, langfristig sogar
Prozessautomatisierung. zeit von Prozessen nen und externen Kunden, von bis zu 50 Prozent.
Demzufolge findet die reduziert werden. bestätigt E-Mail Eingänge
RPA ihre Grenzen bei durch die Versendung von FAZIT
komplexen Programmabläufen, die viele Instant Replys und führt selbstständig
Ausnahmen und unstrukturierte Einga- alle weiteren Bearbeitungsschritte durch. RPA-Projekte sind als neue Methode der
bedaten umfassen. Auch Ermessensent- Dadurch kann sich bereits eine enorme Optimierung von Geschäftsprozessen ein
scheidungen sowie neue, noch nicht auf- Kostenreduktion einstellen, die in einigen wichtiger Punkt bei der digitalen Trans-
gezeichnete Prozesse überfordern Bots. Fällen zu bis zu 80 Prozent erreicht. formation von Unternehmen. Grundlage
In diesen Fällen sind nach wie vor die Praktische Beispiele für realistische ist die optimale Auswahl der Prozesse
Intelligenz und der manuelle Eingriff des Zukunftsvisionen zeigen sich also vor und eine gut strukturierte Planung für
Menschen nötig. allem da, wo Prozesse relativ gleichblei- die Umsetzung und Einführung. Nur
ben – auch in kommunikativer Hinsicht. so stellen sich auf Dauer DIE AUTOREN
ATTENDED BOTS VERSUS So ist es nicht unwahrscheinlich, dass eine bessere Servicequali-
UNATTENDED BOTS Empfangsbereiche, Rezeptionen und tät, zufriedenere Kunden
Conciergerien zukünftig nicht mehr mit und entlastete Mitarbeiter
Wie weit sich der Roboter vom Mitar- Menschen, sondern mit intelligenten ein, die keine Zeit mehr bei
beiter loslösen kann, hängt zudem vom Systemen besetzt werden. Dies stellt auch wiederkehrenden Prozes-
Aufgabenbereich ab. Hier wird unter- einen Bruch mit bestehenden Paradigmen sen verlieren, sondern sich
schieden zwischen Attended Bots und dar: Beim Hotel-Check-In einem Robo- strategischen Herausforde-
Unattended Bots. Erstere arbeiten im ter anstelle einem Menschen gegenüber rungen zuwenden können. FRANK THOLE
Team mit dem Mitarbeiter, quasi als zu stehen, mag heute noch befremdlich Das sich verabschiedende st Partner der Wepex
dessen persönlicher Assistent. Bei der wirken – im Jahr 2025 aber schon gängige Paradigma, dass hinter je- Unternehmensbe-
beaufsichtigten Automatisierung wird Praxis sein. In Japan – einem der aufge- dem kommunikativen Pro- ratung
ein Bot für die Zusammenarbeit mit schlossensten Länder gegenüber auto- zess auch ein Mensch steckt,
dem Menschen konfiguriert, um die nomen Systemen – setzt sich eine solche wird also jetzt von einem
Produktivität zu steigern. Bearbeitungs- Lösung bereits durch. neuen Zukunfts-Paradig-
zeiten von Prozessen können so bis zu 90 ma abgelöst: Die Menschen
Prozent reduziert werden. Typisches An- UNTERSCHIED ZUR gewöhnen sich an automa-
wendungsbeispiel ist ein Callcenter oder PROZESS-SOFTWARE tisierte Systeme, sofern sie
andere Servicedesk-Umgebungen. Erhält ihnen Komfort verschaffen.
der Mitarbeiter zum Beispiel einen Kun- Der Vorteil der robotergesteuerten Exakt dies tritt ein und er- CHRISTIAN
WOELKE
denanruf, startet er manuell den Bot, der Prozessoptimierung liegt in der relativ höht zugleich die Effizienz
ist Senior Manager
ihm zum Beispiel Fragen vorschlägt, die schnellen Umsetzung. Anders als ver- der damit verbundenen der Wepex Unterneh-
er dem Kunden stellen kann und ihm gleichbare Management-Systeme wie Prozesse. mensberatung

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SIER
DOS
LER
Seite 38

I TA
D IG NG
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ERWEITERTE
MÖGLICHKEITEN
Virtuelle Technologien wie AR, MR, XR sind heute in aller Munde,
aber auch bereits in allen Köpfen? Hoffentlich. Denn sie können
die Leistung entlang der Wertschöpfungskette deutlich verbes-
sern – von der Produktentwicklung über die Fertigung, bis zu
Vermarktung und Service. VON BENNO HÄFLIGER

D
en kryptischen Abkür- lung über die Fertigung, zu Vermarktung
zungen gemeinsam ist und Service.
der Terminus „erweiterte
Realität“ (englisch Aug- AR-ANWENDUNG
mented Reality, Mixed Re- IN DER PRAXIS
ality, Extended Reality). Darunter versteht
man die computergestützte Erweiterung Einfache wie auch komplexe Inspektionen
der Realitätswahrnehmung. So vermit- an technischen Produkten oder Anlagen
telte Information kann alle menschlichen bedingen spezifische Kompetenzen der
Sinne (sehen, hören, spüren) ansprechen. Prüfenden sowie ein konzentriertes und spezialisiert auf Anlagenunterhalt. Ziel ist,

Bildquelle: Augment IT
Häufig wird jedoch unter erweiterter Re- fehlerfreies Vorgehen. Oft unterliegen die Wartungseffizienz zu steigern und die
alität nur die visuelle Darstellung von Inspektionen auch einer Nachweispflicht Wartungsqualität weltweit und über alle
Informationen verstanden. Also die Er- und sollen auswertbar sein. Jede Check- Stufen auf einem einheitlichen und hohen
gänzung der Realität mit Bildern, Videos liste oder Prüfablauf unterliegt steten Niveau zu halten. Basierend auf internen
oder computergenerierten Zusatzinfor- Veränderungen und Anpassungen, soll Workshops, unterstützt durch externe Ex-
mationen wie virtuellen Objekten mittels jederzeit, überall und eventuell auch in perten, hat sich das KMU für eine AR-ba-
Überlagerung. unterschiedlichen Sprachen verfügbar sierte Inspektionslösung entschieden.
Durch das Anzeigen von kontextba- sein. Unter Nutzung von AR können
sierten Zusatzinformationen (3D-Visua- solche Prozesse einfach und nachhaltig MARKANTE ERFOLGE
lisierungen, Texte, Bilder/Videos, usw.) optimiert werden.
auf mobilen Endgeräten und speziellen Unser Beispiel aus der Praxis ist das Die Serviceleute sind heute ausgerüstet
MR-Brillen kann die Ausführung von eines traditionellen KMUs (70 Mitarbei- mit einer App. Diese erkennt die Anlage,
komplexen Aufgaben sehr effektiv unter- tende), seit Jahren erfolgreich in der inter- lädt die entsprechende Wartungscheck-
stützt werden. So werden Beschreibungen nationalen Vermarktung von technischen liste und führt den Prüfenden Schritt für
oder Anleitungen zu Einzelteilen eines Fertigungsanlagen. Das Unternehmen Schritt durch den Wartungsprozess. Dazu
Gerätes „überlagert“ angezeigt, Arbeits- wollte oder musste aus Kostengründen werden relevante Daten jedes zu prüfenden
anweisungen oder „Explosionszeichnun- sein Servicekonzept optimieren. Der Elements einer Anlage, die Ausführungs-
gen“ eingeblendet. In der Medizin wird lokale Service erfolgt durch die eigene beschreibung (Anleitung, Videos) sowie
AR genutzt, um nicht sichtbare Elemente Service-Crew (ca. 15 Mitarbeitende). im Bedarfsfall zusätzliche Dokumente
wie Organe oder Tumore des Patien- Wartung und Reparatur bei den weltweit virtuell eingeblendet. Jede ausgeführte
ten anzuzeigen. Das führt zu einer Art installierten Anlagen erfolgt durch die Kontrollhandlung wird manuell auf dem
„Röntgenblick“ für den Arzt basierend ortsansässigen Händler oder Drittfirmen, Smartphone bestätigt, bei Bedarf mit der
auf vorherigen Tomographieaufnahmen Kamera festgehalten, der Zustand beur-

30%
oder anderen Bilddaten. teilt und Mängel beschrieben (Text oder
Erweiterte Realität schafft grundsätz- Sprachnachricht). Die so erfassten Proto-
lich auf zwei Arten einen Mehrwert: zum kolle werden direkt an das Backend über-
einen, indem sie ein Teil von Produkten Um mittelt zwecks statistischer Auswertung
wird, und zum anderen, indem sie die konnte der zeitliche Aufwand und Auslösen von Folgeaufgaben.
Leistung entlang der Wertschöpfungsket- für einen Anlagecheck reduziert Heute, rund sechs Monate nach der
te verbessert – von der Produktentwick- werden. lokalen Einführung können bereits mar-

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Seite 39

kante Erfolge gemessen werden. Der fertigt sind. Solche Digital Twins werden licht. Das alles kann auch aufgezeichnet
zeitliche Aufwand für einen Anlagecheck nicht nur in Marketing und Verkauf ein- (Nachvollziehbarkeit, Protokollierung)
konnte um gut 30 Prozent reduziert wer- gesetzt (zeigen, vorführen von Anlagen an und gespeichert sowie ausgewertet wer-
den. Die Qualität der Wartungsausfüh- Messen, etc.), sondern auch in Schulung den (Wissensaufbau).
rung zeigt ebenfalls klar nach oben, was und Ausbildung. Mit MR können digitale Erweiterte Realität verfügt auch im
dem Umstand geschuldet ist, dass diese Planungsdaten effizient mit vorhandenen Ausbildungsbereich über umfassen-
immer vollständig und dank Fotos aussa- realen Geometrien abgeglichen werden. de Potenziale. Diese bestehen aus der
gekräftiger sind. Die anfängliche Skepsis Diese Technik ermöglicht auch den brei- Möglichkeit an „digitalen Zwillingen“
der Servicetechniker hat sich gewandelt. ten Einsatz von digital-gestützten Prüfun- (3D-Darstellung von Geräten) zu lernen
Heute schätzen sie die einfache Bedie- gen von Prototypen und Konstruktionen. und zu üben. Besonders derart animierte
nung und jederzeitige Verfügbarkeit aller Weit verbreitet ist auch die Schritt- Tutorials erlauben ein interaktives Er-
relevanten Informationen. Mit der nächs- für-Schritt Unterstützung beim Zusam- schließen von Wissen. Somit werden vor
ten Ausbaustufe „Remote Assistance“ er- menbau von Anlagen, Überprüfung von allem traditionelle Ausbildungen kognitiv
hofft sich das KMU dem Fachkräfteman- Qualität oder Hilfestellung bei der Fehler- entlastet, interessanter und individueller.
gel begegnen zu können dank Anleitung behebung und Reparatur. Dadurch kön- Vor Jahren gab es schon AR-Brillen
auch minder ausgebildeter Mitarbeiten- nen weniger spezialisierte Arbeitskräfte (Google Glass). Heute ist ein großes An-
den. Ebenso soll diese Lösung nun inter- eingesetzt werden, der Zusammenbau gebot für fast jedes Einsatzgebiet vorhan-
national mehrsprachig bei den Händlern überwacht, respektive kontrolliert und den. Ob die Hololens von Microsoft oder
ausgerollt werden. Damit soll nicht nur so die Qualität gesteigert werden. Magic Leap im Highend-Bereich oder Re-
der Wartungsprozess optimiert, das hohe Im Zeitalter des verteilten Arbeitens alware HMT-1 für harsche Industrieum-
Qualitätsniveau gesichert, sondern auch kann MR auch im Bereich Remote As- gebungen sowie Tablets, Smartphones
Reparaturzeiten verkürzt werden. sistance unterstützen. Etwa, wenn ein oder Oculus Quest. Der Zweck bestimmt
Techniker vor einer Anlage steht, aber die Wahl des Endgerätes und nicht die
INDUSTRIELLE trotz aller Hilfsmittel nicht mehr weiter- Technologie oder Sexyness.
ANWENDUNGEN IM FOKUS weiß. Er ruft jemanden an, eventuell per
Skype. Dazu gibt es heute spezialisierte DER AUTOR
In der Industrie sind heute bereits zahl- Lösungen über verschlüsselte Verbindun- BENNO
reiche Anwendungsgebiete basierend auf gen mit weiteren Unterstützungselemen- HÄFLIGER
MR etabliert. So können Maschinen und ten wie „zeichnen“ (Redlining), Doku- ist Head of Sales
Anlagen dem Kunden realitätsnah gezeigt mente einblenden usw., was ein geführtes Augment IT by
Netcetera
und demonstriert werden, bevor sie ge- und freihändiges Weiterarbeiten ermög-

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SIER
DOS
LER
Seite 40

I TA
D IG NG
LLI
ZWI

AUF DEN ANWENDUNGS-


FALL KOMMT ES AN
Die virtuelle Repräsentation eines Produkts oder Systems durch einen Digitalen Zwilling bietet
enormes Potenzial für neue Dienstleistungen und Geschäftsmodelle. Um sie zu realisieren,
ist allerdings eine weitgehende Datenintegration nötig. VON MARKUS SAMARAJIWA UND DAVID SALAMON

D
er Digitale Zwilling ist die exakte virtuelle Abbil- ERFOLGSFAKTOR DATENAUSTAUSCH
dung eines Produkts oder Systems, das die indi-
viduellen Eigenschaften des realen Gegenstücks Um ein solches virtuelles Abbild erstellen und das Potenzial voll
exakt beschreibt. Es besteht also eine 1:1-Bezie- ausschöpfen zu können, müssen aber Datensilos aufgebrochen
hung zwischen digitaler und physischer Welt. und die unterschiedlichsten Datenquellen miteinander kombi-
Der Digitale Zwilling verhält sich in der virtuellen Umgebung niert werden. Wichtig ist es, dabei den Anwendungsfall nicht aus
genauso wie der physische Gegenpart in der Realität. Im Wesent- den Augen zu verlieren. Es gilt nicht, so viele Daten wie möglich
lichen besteht er aus dem Digitalen Master und dem Digitalen zu sammeln, sondern die richtigen. Das ist weniger eine techni-
Schatten. Beim Digitalen Master handelt es sich um relevante sche Herausforderung. Protokolle wie MQTT (Message Queuing
digitale Modelle aus der Entwicklungs- oder Planungsphase z.B. Telemetry Transport) oder XMPP (Extensible Messaging and
CAD-Modell, Bill of Materials (BOM), etc. Zustandsdaten des Presence Protocol) oder DDS (Data-Distribution Service for
Produkts bezeichnet man als „Digitalen Schatten“ oder „Digitale Real-Time Systems), um nur einige zu nennen, ermöglichen
Lebenslaufakte“. bereits heute einen effizienten und sicheren Datentransfer.
Um diese 1:1-Beziehung zu erreichen, wird der Zustand des Wesentlich schwieriger ist es, die Widerstände derer zu über-
Produkts laufend erfasst und mit dem Digitalen Zwilling abge- winden, die sich als Besitzer der Daten wähnen. Häufig sind
glichen. Die Kommunikation zwischen Produkt und Modell Entwicklung oder Produktion nicht bereit, Informationen
über Sensoren und Aktoren ermöglicht einen digitalen Regel- vollumfänglich anderen Abteilungen zur Verfügung zu stellen.
kreis, der je nach Integrationsstufe teilautonom oder autonom Noch schwieriger wird es, Daten über Unternehmensgrenzen
ablaufen kann. hinweg mit Dienstleistern und Kunden auszutauschen. Vor

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allem in den großen Produktionsbetrie- Augmented-Reality-Brille bei der Un-
ben muss ein Umdenken stattfinden. Sie tersuchung Röntgenbilder oder Operati- GO DIGITAL – MAKE IT WORK!
betrachten sich heute meist als Besitzer onsergebnisse direkt auf dem Körper des INTERNET OF THINGS
der Daten und sind nicht bereit, die- Patienten dargestellt. Diagnosen werden
se etwa mit ihren Zulieferern zu teilen. so schneller und zuverlässiger, Doppel-
Daher ist es ausgesprochen wichtig, die und Dreifachuntersuchungen unnötig.
Rollen der jeweils Beteiligten, ihre Ver- Auch hier spielt die Datenintegration
antwortlichkeiten und Rechte zu klären. natürlich eine ganz wesentliche Rolle –
Wer erzeugt die Daten (Datenerzeuger), neben Aspekten der Sicherheit und Ver-
wem gehören sie (Dateneigner) und wer traulichkeit.
darf sie nutzen (Datennutzer)? Diese Fra-
gen müssen vorab geklärt werden, um den PASSGENAUE DIENSTLEIS-
größtmöglichen Nutzen aus dem Digita- TUNGEN UND ANDERE
len Zwilling ziehen zu können. GESCHÄFTSMODELLE
@
LÄNGERE LEBENSDAUER, Der Digitale Zwilling hilft aber nicht nur,
WENIGER AUSFÄLLE Prozesse zu optimieren, er kann auch die
Basis ganz neuer Geschäftsmodelle und
Wenn diese Datenintegration gelingt, sind Dienstleistungen bilden. Schon heute ge-
Erkenntnisgewinne und Einsatzmöglich- hen viele Hersteller dazu über, Services
keiten nahezu unbegrenzt. Das beginnt statt Produkte zu verkaufen. Beispiele
bereits in der Produktion. Im Digitalen sind etwa „Jet Propulsion as a Service“
Zwilling kann die Fertigungsqualität ei- des Flugzeugtriebwerkherstellers Rolls
nes Werkstücks dokumentiert werden, Royce, der nach Schubstunden abrechnet
was in Kombination mit den Nutzungs- (Power-by-the-Hour) oder „Druckluft as
daten des realen Produkts eine genaue a Service“ vom Kompressorenspezialisten
Zustandsprognose über dessen Lebens- Kaeser. Der Digitale Zwilling erlaubt es,
zyklus hinweg erlaubt. Mit diesen Daten die Nutzung eines Geräts wesentlich in-
lassen sich aber nicht nur Vorhersagen dividueller und genauer abzurechnen, so
über notwendige Wartungsmaßnahmen
(Predictive Maintenance) oder die Aus-
passgenauere Angebote zu machen und
die Verfügbarkeit und Lebensdauer von
DER
fallwahrscheinlichkeit treffen. Im Sinne
des oben beschriebenen digitalen Regel-
Produkten zu optimieren.
Aber auch bestehende Geschäfts-
DIGITAL BUSINESS
kreises können Ausfälle sogar vermieden
oder zumindest hinausgezögert werden.
modelle könnten revolutioniert wer-
den, etwa der Gebrauchtwagenmarkt.
MAGAZIN
Folgendes Beispiels soll dies verdeut-
lichen: Während der Produktion eines
Über den Digitalen Zwilling wäre der
gebrauchte PKW lückenlos dokumen-
NEWSLETTER …
Zylinderkopfes wird festgestellt, dass die- tiert – von der Qualität der Bauteile über … IMMER
ser nicht zu hundert Prozent der Norm Art und Umfang der Nutzung bis hin zu
entspricht, sich aber noch im Toleranzbe- Wartung und Reparaturen. Mit intelli- WISSEN WAS
reich der vorgeschriebenen Fertigungs- genten Analysen lässt sich so nicht nur
qualität befindet. die verbleibende Laufleistung sehr exakt GERADE LÄUFT!
Diese Daten fließen in den Digitalen vorhersagen und garantieren, sondern
Zwilling des Motors ein, der schließlich auch die Wahrscheinlichkeit zukünftig
in einem Fahrzeug verbaut wird. Bei der anfallender Reparaturen und deren Kos-
Nutzung und deren paralleler Model- ten berechnen.
lierung im Digitalen Zwilling stellt sich Jetzt anmelden unter:
heraus, dass unter Volllast die Gefahr
von Haarrissen in diesem Zylinderkopf DIE AUTOREN
www.digitalbusiness-cloud.de/
steigt. Der Motor wird daher bereits bei MARKUS redaktionsbrief/
Bild: Alexander Tolstykh/shutterstock.com

98 Prozent Leistung abgeregelt. Der Fah- SAMARAJIWA


ist Lead Business
rer merkt davon praktisch nichts, die Le-
Consultant Automo-
bensdauer des Motors lässt sich so aber tive bei msg
signifikant erhöhen.
KOSTENFREI

Auch die medizinische Versorgung


könnte durch einen Digitalen Zwilling DAVID
SALAMON
revolutioniert werden, der sämtliche
ist Senior Business
Gesundheitsdaten eines Patienten zu- Consultant Automo-
sammenführt. Statt Arztbriefe hin und tive bei msg
her zu schicken, erhalten Ärzte über eine

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Seite 42 /// HYBRIDCLOUD

DAS BESTE AUS


VERSCHIEDENEN WELTEN
Vor der Entscheidung für eine Cloud-Strategie sollten Unternehmen sich klar sein,
wie schlagkräftig und wirtschaftlich sie sich aufstellen wollen. VON ARIF POLAT

W
ie finden mittel-
ständische Unter-
nehmen die für sie
richtige Cloud-Lö-
sung? Zunächst
sollten sich die Firmen über ihre eigenen
Anforderungen klar werden. Dabei hel-
fen eine Reihe von Fragen. Zum Beispiel:
Müssen wir in unserem Unternehmen
orts-, zeit- und geräteunabhängig schnell,
zuverlässig und sicher auf Daten und An-
wendungen zugreifen? Müssen sowohl
ausführungskritische als auch nicht kriti- HYBRID-CLOUD-LÖSUNGEN vereinen die Vorteile verschiedener Cloud-Modelle.
sche Daten und Anwendungen lokal und
auch auf gemeinsam genutzten, öffent- Doch das ist oft leichter gesagt als getan. EHRLICHE BESTAND­
lichen Plattformen ausgeführt werden? Denn viele CIOs wissen zwar, wo sie hin AUFNAHME HILFT
Wie groß ist der Netzwerkverkehr? Gibt wollen, aber nicht, wie sie am besten dort-
es häufig kurze Spitzenzeiten und lange hin kommen. Aus meiner Erfahrung gibt Bei der Entscheidung, welcher Weg in
Phasen mit geringer Gesamtnutzung? Je es grundsätzlich zwei Wege, eine Hybrid die Hybrid Cloud jeweils der richtige ist,
nachdem wie diese Fragen beantwortet Cloud zu implementieren: Beim ers- hilft eine ehrliche Bestandsaufnahme.
werden, können Public, Private, Multi ten Ansatz verwaltet das Unternehmen Dafür sollten Unternehmen zunächst ih-
oder aber auch Hybrid Clouds helfen, seine eigene Private Cloud und meldet re konkreten Cloud-Computing-Bedürf-
das Unternehmen schlagkräftiger und sich zudem für Public-Cloud-Services nisse und -Prioritäten ermitteln. Das ist
wirtschaftlicher aufzustellen. bei Hyperscaler-Plattformen wie AWS, nicht schwierig, aber die wichtigste und
Microsoft oder Google an. Mit anderen zeitaufwändigste Frage, die auf jeden
NACHFRAGE NACH HYBRID Worten, alle Entwurfs-, Integrations- und Fall vor der Wahl eines Cloud-Anbieters
CLOUDS STEIGT Betriebsaktivitäten liegen in der Hand des entschieden werden muss. Eine weitere
eigenen IT-Teams. wichtige Aufgabe, die CIOs oft vernach-
Besonders Hybrid-Cloud-Lösungen sind Bei der zweiten Option vertrauen lässigen, ist eine Beurteilung des eigenen
zuletzt immer gefragter. Dabei handelt es die Unternehmen auf die Erfahrung und IT-Teams. Nicht jedes mittelständische
sich um IT-Umgebungen, die aus mehre- Kompetenz eines ICT-Providers, der Hy- Unternehmen besitzt ein Team mit dem
ren Cloud-Modellen bestehen. Sie bieten brid-Cloud-Lösungen aus einer Hand nötigen Know-how und der Erfahrung,
somit das Beste aus verschiedenen Welten. bieten kann. Der Provider kombiniert die um eine Hybrid-Cloud-Plattform selbst
Zum Beispiel können Workloads ganz Private und Public Clouds für implementieren und verwal-
nach Bedarf zwischen der Private Cloud die Firmen und passt sie ganz ten zu können. Und solche
oder Public Cloud verschoben werden. genau an die Bedürfnisse des Mitarbeiter einzukaufen,
Dadurch gewinnen Unternehmen mehr jeweiligen Unternehmens an. kann sehr kostspielig werden.
Flexibilität und können etwaige Nachteile Dazu gehört auch die Beratung Dann macht es Sinn, über den
bestimmter Cloud-Typen elegant umge- zur notwendigen Architektur Einsatz externer Experten
hen. Durch eine Hybrid-Cloud-Lösung sowie alle Services rund ums nachzudenken. ICT-Provider
erhalten die Firmen den besten Mix aus Netzwerk und Rechenzent- DER AUTOR wie ITENOS haben die nöti-
Kontrolle, Geschwindigkeit, Sicherheit, rum. Hierbei handelt es sich ARIF POLAT ge Expertise und ein breites
Skalierbarkeit und Kosteneffizienz – be- dann um eine maßgeschnei- ist Leiter des Bereichs Portfolio, um Unternehmen
sonders dann, wenn sie es mit heteroge- derte Hybrid-Cloud-Lösung – Market Development auf ihrem Weg in die Hyb-
und Interconnection
nen Daten und IT-Anforderungen zu tun und der Bedarf an dieser Stelle Strategy bei der rid Cloud effektiv zu unter­
haben. wächst. ITENOS GmbH. stützen.

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RECRUITING /// Seite 43

KEIN PERSONAL? –
KEINE ZUKUNFT!
Das Recruiting der Zukunft braucht neue Weichenstellungen.
Bild: MJgraphics/shutterstock.com

An drei Stellschrauben sollten Geschäftsführer, HR-Leiter


und Recruiter heute drehen, um auch noch in fünf Jahren
wettbewerbsfähig zu sein. VON FRANK RECHSTEINER

E
inschlägige Studien belegen, iting-Profil entwickelt. Zudem trägt eine – KPI), wie sie im Vertrieb schon längst
dass rund 85 Prozent aller glaubhafte Employer Brand zum Cultu- zur Erfolgsmessung üblich sind. So kön-
Arbeitnehmer in Deutsch- ral Fit – der kulturellen Passung zwischen nen KPIs zur Time-to-Hire oder Cost-
land latent wechselbereit Unternehmen und Bewerbern – bei, die per-Hire – den Kosten für eine einzige
sind. Sie haben zwar einen als wesentliche Voraussetzung für das Ge- Einstellung – dazu beitragen, die Bewer-
Job, sind aber damit nicht so zufrieden, lingen von Stellenbesetzungen gilt. bungsprozesse effizienter zu gestalten.
dass sie einer neuen Stelle gegenüber ab- IT-gestützte Analyse-Tools helfen den
geneigt wären. Das ist die Chance für die PERSONALLEITER: HR-Managern, die anfallenden Daten-
Arbeitgeber: Wer es schafft, die passiv ERVICE-GEDANKE ZÄHLT mengen automatisch statt zeitaufwändig
Stellensuchenden für sich zu interessie- manuell auszuwerten.
ren, vervielfacht sein Recruiting-Poten- Um die Recruiting-Prozesse aus der übli-
zial. Wenig zugkräftig sind dabei Stan- chen Verwaltungsroutine herauszuholen, RECRUITER:
dardbotschaften, wie „Wir haben tolle sollten HR-Leiter ihre Abteilung als Kom- STARK NUR IM TEAM
Kunden“m oder „Wir bieten Ihnen gute petenz- und Recruiting-Center positionie-
Karrierechancen“. ren. Mitarbeiter, die bislang überwiegend Die moderne Arbeitswelt setzt auf Team-
Stellenausschreibungen schalteten und arbeit – allerdings selten im Recruiting.
GESCHÄFTSFÜHRER: passiv auf eingehende Bewerbungen warte- Hier hängt es immer noch von ein oder
AUF ARBEITGEBERMARKE ten, müssen zu Service-Kräften entwickelt zwei Führungskräften ab, welche Kan-
SETZEN werden. didaten in die engere Auswahl kommen
Ein wichtiger Baustein ist die Ver- und letztlich den Zuschlag erhalten.
Stattdessen sollten die Geschäftsführer in kürzung der Time-to-Hire, also der Zeit, Dagegen zeigt eine Studie des britischen
enger Zusammenarbeit mit den Personal- die zwischen der Erstansprache eines Behavioural Insights Teams (BIT), dass
verantwortlichen und Fachbereichen eine Kandidaten und dem Vertragsabschluss eine Gruppe viel bessere Personalent-
einzigartige Arbeitgebermarke entwi- vergeht. Beträgt diese Zeitspanne mehr als scheidungen trifft als Einzelpersonen.
ckeln und sich damit aktiv am Bewerber- vier Wochen, erhöht sich das Risiko, dass Den Recruitern kommt auch im notwen-
markt positionieren. Die Employer Brand Bewerber abspringen und sich anderen digen Prozess der Team-Bildung eine be-
umfasst das Wertesystem eines Unterneh- interessanten Jobangeboten sondere Rolle zu.
mens und seine Art zu handeln. Untersu- zuwenden. Dazu sollten die Sie müssen enge Kontakte zu
chungen zu folge gelten Arbeitgeber dann Personalleiter mit den Fachab- den Fachbereichen pflegen,
als attraktiv, wenn sie Wandlungs- und teilungen verbindliche Rück- um deren inhaltliche und kul-
Zukunftsfähigkeit, werthaltige Produkte, melde-Fristen vereinbaren. turelle Anforderungen zu ver-
ein angemessenes Gehalt und ein gutes Werden zum Beispiel gemein- stehen und gezielt nach außen
Betriebsklima bieten können. same wöchentliche Recruiting zu kommunizieren. Gleichzei-
Dazu zählt, dass sie einen respekt- Days – etwa immer freitags tig sollten sie nah am Puls der
DER AUTOR
vollen Umgang mit ihren Mitarbeitern, – fixiert, verursacht es keinen Kandidatenzielgruppen sein
FRANK RECH-
Partnern und Lieferanten pflegen und Zeitdruck, mit den Vorstel- STEINER und einen permanenten Aus-
den Beschäftigten Rückhalt und Entwick- lungsrunden nach spätestens ist Inhaber der Hype tausch mit der Geschäftslei-
lungsspielraum gewähren. Wichtig ist, acht Werktagen zu beginnen. Group, die auf Exe- tung und den Führungskräf-
dass ein Unternehmen Transparenz über Generell empfehlen sich cutive Recruiting und ten pflegen: Denn sie wissen,
Strategieberatung
seine gelebte Arbeitskultur gewinnt und auch Leistungskennzahlen für IT-Unternehmen dass gutes Recruiting nur als
auf dieser Basis ein authentisches Recru- (Key Performance Indicators spezialisiert ist. Teamwork gelingt.

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Seite 44 ///

S C H CKT DSAG-TECHNOLOGIETAGE 2020:

FRI GEPA
DER RICHTIGE DREH
FÜR DIE DIGITALISIERUNG

AUS „Digitalisierung hat viele Seiten. Auf den richtigen Dreh


kommt es an“ – so lautet das Motto der Technologietage
2020 der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e.
V. (DSAG). Am 11. und 12. Februar 2020 erwartet die
Interessenvertretung mehr als 2.000 Teilnehmende im
Congress Center Rosengarten in Mannheim. „Unsere
Unternehmen stehen unter enormem Wettbewerbs- und
Veränderungsdruck. Doch Digitalisierung hat viele Sei-
ten. Wie bei einem Zauberwürfel kommt es auf den rich-
tigen Dreh des passenden Steins zum optimalen Zeitpunkt
an“, erläutert DSAG-Technologievorstand Steffen Pietsch
das Motto der Technologietage. Aus Sicht der DSAG gibt
es mehrere Steine, die SAP richtig positionieren sollte, da-
TREND MICRO VEREINFACHT mit Unternehmen ihre Digitalisierungsaufgabe meistern
CLOUD-SECURITY können. Dazu gehört neben einer nahtlosen technischen
FÜR GRÖSSERE FLEXIBILITÄT und semantischen Integration auch, dass SAP bei der Du-
alität von Cloud und On-Premise nachbessert, Investiti-
Trend Micro hat in Trend Micro Cloud One eine Plattform onssicherheit schafft und realistische Migrationsstrategien
von Security-Diensten für Unternehmen angekündigt, die liefert. www.dsag.de/techtage
Anwendungen in der Cloud entwickeln. Cloud One ermög-
licht es Entwicklern, Applikationen möglichst schnell und
mit den Cloud-Diensten ihrer Wahl zu bauen und dabei das
Risiko für ihr Unternehmen zu minimieren. Cloud One
ELO ERWEITERT SOLUTIONS-PORTFOLIO
bietet ein umfassendes Portfolio von Sicherheitsfunktionen
in einer einzelnen Plattform. Mit ihr können Unternehmen
UM LEARNING-MANAGEMENT-SYSTEM
bestehende Anwendungen in die Cloud migrieren, neue
Cloud-native Applikationen ausrollen und die Betriebsab- Der ECM-Hersteller ELO Digital will Ende des Jahres seine digi-
läufe in der Cloud optimieren. Mit der neuartigen Plattform tale Weiterbildungsmanagement-Lösung auf den Markt bringen.
können auch kurzfristig auftretende Herausforderungen be- ELO Learning – ein modernes Learning-Management-System
wältigt werden während sie sich gleichzeitig ebenso weiter- (LMS) – vereint Lernplattform mit Kursverwaltung und inte-
entwickelt wie die Cloud-Services, die sie schützt. griertem Lernportal unter einem Dach. Das LMS umfasst eine
zentrale Lernplattform mit integriertem Lernportal und Kursver-
waltung. Die Organisation von Weiterbildungsangeboten, die
Durchführung von Kursen und deren Auswertung sind damit
automatisiert, nutzerfreundlich und intelligent umsetzbar. Die
SIEMENS UND T-SYSTEMS BIETEN Solution richtet sich neben allgemeinen Fachabteilungen vor
KOMPLETTLÖSUNGEN FÜR INDUST- allem an den Personalbereich.
RIEUNTERNEHMEN AN
T-Systems und Siemens haben auf der Digital X 2019 in
Köln eine neue Partnerschaft für das industrielle Inter- DOKUMENTE UND PROZESSE
net der Dinge (IIoT) bekanntgegeben. Die beiden Tech- CLEVER VERKNÜPFEN
nologieunternehmen werden zusammenarbeiten, um
Industriekunden Komplettlösungen in den Bereichen Die BCT Deutschland GmbH gewinnt die exapture
operative Technologien, Informationstechnologie und GmbH als neuen Channel Partner für ihr Capture-Produkt.
Telekommunikation anzubieten – auf Grundlage des of- Gemeinsam schaffen sie bei Kunden aus dem Finanz-, Ge-
fenen cloud-basierten IoT-Betriebssystems MindSphere sundheits- und öffentlichen Sektor eine schnelle und ein-
von Siemens. Die gemeinsamen Digitalisierungslösungen fache Rechnungsverarbeitung. Mit seiner speziell für MFP
zielen auf ein großes Spektrum von Geschäftsanwen- entwickelten Scan-Software scan2data verknüpft exapture
dungen: Enterprise Resource Planning, Customer Rela- Dokumente automatisiert mit Folgeprozessen. Um Kun-
tionship Management, Supply Chain Management und den vor allem bei der Verarbeitung von Rechnungen einen
Manufacturing Engineering Systems. Die Basis dafür ist höheren Mehrwert zu bieten, ergänzt der Softwareanbieter
die Kopplung von Telekommunikation mit der Betriebs- seine Lösung ab sofort um die Capture-Komponente von
technik (Operational Technology/OT. BCT Deutschland.

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Seite 46 /// VORSCHAU

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Wieser, Christian Woelke, Christian Zipp
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Der Umfang der Cyberattacken wird deutsche Firmen auch Produktion und Herstellung:
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im neuen Jahr vor große Herausforderungen stellen. Über
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/// IOT /// Verlags- und Objektleitung:
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GESPRENGTE KETTEN Bezugspreise:
Einzelverkaufspreis: 11,50 Euro in D, A, CH und 13,70 Euro in den weiteren
Mangelnde Kompatibilität der Geräte ist eine der größten
EU-Ländern inkl. Porto und MwSt. Jahresabonnement (6 Ausgaben): 69,00
Herausforderungen im Internet der Dinge. Mit der richti- Euro in D, A, CH und 82,20 Euro in den weiteren EU-Ländern inkl. Porto und
gen Plattform können auch KMUs die Firma digitalisieren. MwSt. Vorzugspreis für Studenten, Schüler, Auszubildende und Wehrdienst-
leistende gegen Vorlage eines Nachweises auf Anfrage. Bezugspreise außer-
halb der EU auf Anfrage.

/// SAP C/4HANA /// 23. Jahrgang


Erscheinungsweise: 6-mal jährlich

UNTER FEUER Einsendungen: Redaktionelle Beiträge werden gerne von der Redaktion entgegen
genommen. Die Zustimmung zum Abdruck und zur Vervielfältigung wird vorausge-
Die Kundenbedürfnisse sollen im Mittelpunkt stehen. setzt. Gleichzeitig versichert der Verfasser, dass die Einsendungen frei von Rechten
Doch die Kritik der Unternehmen an der Software nimmt Dritter sind und nicht bereits an anderer Stelle zur Veröffentlichung oder gewerb-
licher Nutzung angeboten wurden. Honorare nach Vereinbarung. Mit der Erfüllung
nicht ab: Ist die SAP-Cloud wirklich ein „Flickenteppich“? der Honorarvereinbarung ist die gesamte, technisch mögliche Verwertung der um-
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fassungen – abgegolten. Eine Haftung für die Richtigkeit der Veröffentlichung kann
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ISSN 2510-344X, VKZ B31383F


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