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Reime nach der Silbenzahl/ Kadenz:

a.) Männlich oder stumpf, einsilbig

Die Zeile endet auf einer betonten Silbe.

„Es stand vor eines Hauses Tor


Ein Esel mit gespitztem Ohr.“ (Wilhelm Busch)

b.) Weiblich oder klingend, zweisilbig

Beide Zeilen enden auf reimenden Silben, die erste ist betont, die zweite unbetont.

„Womit man denn bezwecken wollte,


dass sich der Esel ärgern sollte.“ (Wilhelm Busch)

c.) Gleitende oder reiche Kadenz:

Beide Zeilen reimen auf drei Silben, deren erste betont ist.

„Wunderschön prächtige,
hohe und mächtige“

PROMETHEUS

Das Gedicht „Prometheus“, welches 1774 von Johann Wolfgang von Goethe geschrieben wurde,
stammt aus der Zeit des Sturm und Drang. Dies ist eine literarische Epoche des 18. Jahrhunderts.
Sie begann 1769 und endete 1785. Im Sturm und Drang haben die Gefühle Vorrang vor dem
Verstand und der Vernunft, diese werden besonders oft mit Hilfe von Naturerscheinungen
ausgedrückt oder verdeutlicht. Diese Epoche betont die schöpferische, tätige Lebenshaltung und
gerät oft mit gesellschaftlichen Missständen und Widersprüchen in Konflikt. Außerdem steht die
Selbstverwirklichung im Vordergrund. Einer der wichtigsten Dichter dieser Zeit ist Johann
Wolfgang von Goethe. Er wurde 1749 in Frankfurt am Main geboren und starb 1832 in Weimar.

Das Gedicht „Prometheus“ besteht aus sieben Strophen mit unterschiedlicher Anzahl von
Versen. Es gibt nur zwei Reime in diesem Gedicht. („ An Eichen dich und Bergeshöhn! Mußt
mir meine Erde doch lassen stehn…“ „ Genießen und zu freuen sich, und dein nicht zu achten,
wie ich…“). Außerdem gibt es in der ersten Strophe eine Aufzählung („…und meine Hütte, die
du nicht gebaut, und mein Herd, um dessen Glut…“) und in der fünften Strophe liegt ein
Parallelismus vor („Hast du die Schmerzen gelindert je des Beladenen? Hast du die Tränen
gestillt je des Geängsteten? ...). In der vierten und fünften Strophe sind besonders auffällig die
Fragen. Jeder Vers ist hier eine Frage. In diesem Gedicht kritisiert Prometheus, ein Titan, die
Götter, spezifisch Zeus. Es ist eine Art Monolog. Prometheus sagt sich vom Herrschergott los
und ist stolz auf seine Selbstbehauptung.
In der ersten Strophe kritisiert Prometheus Zeus, denn er beneidet den Titanen um seine
geschaffenen Dinge. („Und um mein Herd, um dessen Glut du mich beneidest…“). Seinen Zorn
lässt Zeus an der Natur bzw. an den Menschen aus, dies bezeichnet Prometheus als kindisch
(„Bedecke deinen Himmel, Zeus, mit Wolkendunst! Und übe, Knaben gleich, der Distel köpft,
an Eichen dich und Bergeshöhn!“).
In der zweiten Strophe bezeichnet Prometheus die Götter als armselig, denn sie nähren sich nur
von Opfergaben und Gebeten von Menschen. Selbst arme Leute opfern sich für die Götter,
obwohl sie selbst kaum etwas zum Überleben haben. („Ihr nähret kümmerlich von Opfersteuern
und Gebetshauch…“).
In der dritten Strophe rechtfertigt Prometheus seinen Glauben. Er wäre noch ein Kind gewesen
und hätte sich nicht zu helfen gewusst und klagte deshalb bei den Göttern über sein Leid. Der
Titan Prometheus beschuldigt in der nächsten Strophe die Götter ihm nie geholfen zu haben. Er
hat sich ganz allein von seinen Leiden befreit ohne die Hilfe der Götter. („Wer rettete vom Tode
mich, von Sklaverei? Has du’s nicht alles selbst vollendet heilig glühend Herz?“). Hier wird der
Gegensatz Zeus-Titan angesprochen.
In der fünften Strophe stellt Prometheus, wie auch in der vierten Strophe ausschließlich Fragen.
Diese bauen aufeinander auf. Sie klingen sehr vorwurfsvoll. Man kann die Aufgebrachtheit und
Verachtung aus den Fragen erkennen. Er wirft den Göttern vor, sie hätten sich nie um die Leiden
der Menschen gekümmert. („Hast du die Schmerzen gelindert je des Beladenen?“). Außerdem
stellt er die Menschen als selbstständig und Herr über sich selbst hin. In den letzten drei Versen
sagt Prometheus, dass die Zeit und das Schicksal über ihm, so wie auch über Zeus stehen.
Die sechste Strophe umfasst eine Frage. In dieser stellt er in Frage, ob Zeus gesagt hat, er solle
das Leben hassen und fliehen, weil sich das Leben anders entwickelt hat als wie er es sich als
Kind vorstellte. („Wähntest du etwa, ich solle das Leben hassen, in Wüsten fliehen, weil nicht
alle Knabenmorgenblütenträume reiften?“). Seine Selbstherrlichkeit erreicht hier seinen
Höhepunkt. („Hier sitz ich, forme Menschen nach meinem Bilde…“). Prometheus beschreibt
sich selbst als Schöpfer, der Menschen nach seinem Bilde formt und die die Götter verachten wie
er selbst.

Die ersten zwei Strophen befassen sich also mit der Beziehung Prometheus zu Zeus. In der
dritten bis zur sechsten Strophe erfahren wir etwas über Prometheus Kindheit und seine
Vergangenheit und im letzten Teil wird das gegenwärtige Leben Prometheus dargestellt.
Inhaltsangabe, Gedicht-Analyse und Interpretation Nr. 2

Das Rollengedicht „Prometheus“ von Johann Wolfgang von Goethe aus dem Jahr 1774 wird der
literarischen Epoche des Sturms und Drang zugeordnet. Prometheus, eine Figur der griechischen
Mythologie, lehnte sich gegen den Göttervater Zeus auf, um den Menschen Feuer zu bringen und
zog somit dessen Zorn auf sich. Goethes Gedicht greift aus der Mythologie genau jenen Aspekt
auf, der den Text am meisten als Gedicht des Sturm und Drang kennzeichnet: die Auflehnung
des Helden gegen die Obrigkeit, sein Kampf um Unabhängigkeit um Selbstverwirklichung.

Im Folgenden wird das vorliegende Gedicht mit Hilfe von einer inhaltlichen, formalen und
sprachlich-stilistischen Analyse erschlossen, um abschließend die Fragestellung zu klären,
inwiefern Goethes Gedicht als Programmgedicht des Sturms und Drang bezeichnet werden kann.

Das Gedicht ist als zornige Rede des lyrischen Ichs gestaltet, welche direkt an Zeus gerichtet ist.
Damit ist die Sprechsituation nur scheinbar monologisch, denn sein – freilich unbeteiligter –
Gesprächspartner ist gewissermaßen immer präsent, und sei es auch nur in Prometheus
Vorstellung.

Ausgehend von der Aufforderung Zeus, den Himmel mit Wolkendunst zu bedecken (V. 1f.)
trennt Prometheus die göttliche Sphäre streng von der weltlichen Sphäre ab, in der die
Kulturgüter der Menschen positiv hervorgehoben werden. In der zweiten Strophe (V. 11 bis 18)
bezichtigt Prometheus die Götter des Olymps als „kümmerlich“ (V. 13) und machtlos, da diese
von dem Glauben der Menschen abhängig seien. Daraufhin (V. 19-25) erinnert sich Prometheus
an seine Kindheit, in der er selbst noch Hilfe bei den Göttern suchte, aber schließlich doch selbst
helfen musste (vgl. 4.Strophe). In der 5. und 6. Strophe wendet sich Prometheus schließlich
gänzlich von Zeus ab, um dann in der letzten Strophe das menschliche Sein und das Ich als
autonom1 zu setzen.

Die postulierte Unabhängigkeit des Menschen wird bereits in der formalen Gestaltung des
Gedichts deutlich.

So entsprechen weder die freien Rhythmen noch die ungleiche Verszahl der sieben Strophen der
Norm der Lyrik um 1774. Auch das Fehlen eines festen Reimschemas lässt auf ein Aufbrechen
der gängigen Ordnung schließen. Die zornige Rede des Prometheus wird durch die hymnische
Strophenform unterstützt, da so ein sehr pathetischer und gefühlsbeladener Grundton erreicht
wird. Gleichzeitig wird der hymnische Ton auch in sein Gegenteil verkehrt, da dieser eigentlich
dem Lob- bzw. Preisgesang Gottes vorbehalten war, hier aber zur Anklage an Zeus dient.

Sowohl der emotionale Grundton, als auch das Aufbrechen der gängigen Norm in der Form
verweist auf die Epoche des Sturms und Drang.

Die Verachtung, mit der das lyrische Ich den Göttervater Zeus in seine Schranken weist, kommt
bereits in den ersten zwei Versen zum Ausdruck. Bereits hier stellt sich Prometheus mit dem
Imperativ „Bedecke deinen Himmel, Zeus“ (V. 1) dem Göttervater entgegen und stellt damit die
eigentlich zu erwartende Hierarchie auf den Kopf, wobei die nachgestellte Apostrophe „Zeus“
der Anrede besonderen Nachdruck verleiht.
Die darauf folgende bewusste Abgrenzung der Sphären – Himmel und Erde – wird durch eine
Alliteration2 betont: „Hütte“ (V. 8), „Herd“ (V. 10) stehen in antithetischen Verhältnis zu
„Himmel“ (V. 1) und „Bergeshöhn“(V.5) als dem Bereich der Götter. Der Parallelismus (V.8/10)
und die Ellipse3 „Musst mir meine Erde doch lassen stehn“ zeugen von der Heftigkeit und
starken Emotionalität, mit der Prometheus seinen Lebensbereich gegen Zeus verteidigt.

Diese stark gezeichnete Polarität beider Seiten findet sprachlich auch in der überaus häufigen
Verwendung von Personal- und Possessivpronomen ihren Ausdruck. Neben der Abgrenzung der
beiden Sphären in der ersten Strophe mit Hilfe der Possessivpronomen „mein“ (V. 6, 8, 9) und
„dein“ (V.1), dient die Verwendung der Personalpronomen in der zweiten Strophe zur
Abgrenzung des Prometheus von den Göttern: „Ich kenne nichts Ärmer’s Unter der Sonn als
euch, Götter!“. Ebenso wirkt der erste Satz der fünften Strophe: „Ich dich ehren? Wofür?“
(V.35).

In der zweiten Strophe wird zusätzlich deutlich, dass sich Prometheus nicht nur von Zeus,
sondern von allen Göttern des Olymps abwendet. Durch das Paradoxon „kümmerlich“ (V. 13)
und „Majestät“ (V. 15) entlarvt Prometheus die Machtlosigkeit der Götter. Abhängig von
„Opfersteuern und Gebetshauch“ (V. 14f.) sind die Götter auf den Glauben der Menschen
angewiesen. In der dritten Strophe wird dieser Gedanke weitergeführt, indem Prometheus seine
eigene Kindheit thematisiert und sich selbst als einer der hoffnungsvollen „Kinder und Bettler“
(V. 17) beschreibt, dessen Hilfegesuche jedoch nicht erhört wurden.

Im Anschluss daran wird die Abkehr des Sprechers von den Göttern verdeutlicht. Durch die
anaphorisch gebauten rhetorischen Fragen (vgl. V. 26/28) wird offenbar, dass es nicht sie waren,
die Prometheus vor der „Titanen Übermut“ (V. 29) und aus der „Sklaverei“ (V. 29) gerettet
haben. Vielmehr war es sein „Heilig glühend Herz“ (V. 31), das dies selbst vollbrachte.
„Glühend“ verweist hier auf Emotionalität und Begeisterungsfähigkeit des Prometheus, welche
durch das Adverb „heilig“ noch gesteigert wird. Dies steht im Gegensatz zu den „Schlafenden“
(V. 34) da droben, die somit als emotional kalt und gleichgültig beschrieben werden. Ein
genauere Blick auf die Form bringt weiter Erkenntnisse: Der Ausdruck „heilig glühend Herz“
füllt nicht nur einen ganzen Vers, sondern nimmt auch eine zentrale Stellung in dem Gedicht ein.
Es steht genau in der Mitte des Gedichts. Das „Glühen“ dieses Herzens – Symbol für seine
Lebendigkeit und Gefühlstiefe – ist es, was die Rettung bringt, und es ist selbst „heilig“ (V. 34),
ersetzt also die Götter völlig.

Schließlich wird die Ablehnung der Götter zu einer Anklage an Zeus: „Ich dich ehren? Wofür?“
(V. 35) stellt den Auftakt zu einer Reihung von wiederum anaphorisch gebauten rhetorischen
Fragen dar. Hier äußert sich die gesamte Verachtung, die das lyrische Ich gegenüber dem
Göttervater empfindet, da die mehrmalige Wiederholung des Satzanfangs „Hat“ klanglich wie
Schläge wirken, die gegen Zeus gerichtet sind.

Die letzte Strophe beginnt mit der Inversion4 („Hier sitz‘ ich“), die die räumliche Distanz und die
Einteilung der beiden Sphären noch einmal scharf umreißt und damit der ersten Strophe einen
formalen Rahmen bildet. Auch positioniert sich das lyrische Ich als fest verankert.
Prometheus formt „Menschen nach seinem Bilde“ (V. 52), das heißt, der echte Mensch ist
ebenso schöpferisch, ebenso selbstständig und ebenso kritisch all jenen gegenüber, die ihn in
Abhängigkeit halten wollen, wie Prometheus. Ein markantes „Wie ich“ bildet die letzte Zeile des
Gedichts, das nicht durch Zufall mit dem Personalpronomen „ich“ endet.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Gedicht inhaltlich, formal und sprachlich-stilistisch
eindeutig der Epoche des Sturms und Drang zuzuordnen ist.

Formal verweist das Fehlen einer festen Strophen- und Reimordnung auf die Epoche des Sturms
und Drang. Die Tatsache, dass auf die Übernahme der gängigen poetischen Gestaltungsregeln
verzichtet wird, verweist auf ein Aufbegehren der gängigen Ordnung.

Sprachlich-stilistisch fällt der große Anteil von provokativen rhetorischen Fragen, elliptischen
Sätzen und Ausrufen auf. Auch dies verweist auf die Epoche des Sturms und Drang. Zu beachten
ist auch die vermehrte Verwendung Personalpronomens Ich. Hiermit drückt Goethe das
gesteigerte Subjetivitätsempfinden des Sturms und Drang aus. Dies ist ebenso inhaltlich zu
belegen. So verweist vor allem Prometheus‘ Haltung, welche bestimmt ist durch Subjektivität,
Autonomiebestreben und einem Auflehnen gegen Zeus von einem hohen Grad an Ablehnung
von Autoritäten. Im historischen Kontext des 18.Jahrhundert kann Zeus somit als Bild für die
Autorität des absolutistischen Systems, aber auch für die dogmatischen Lehrsätze der Kirche
gesehen werden.

Prometheus kann hierbei als Bild für das Menschsein an sich und Zeus als für die zu
überwindenden Autoritäten gesehen werden. Einerseits muss Zeus hier als Sinnbild für blinden
Autoritätsglauben im religiösen Bereich gelesen werden, andererseits stellt er aufgrund seiner
autoritären Stellung auch für das absolutistische System im 18. Jahrhundert.

Somit kann und muss Goethes Prometheus als Programmgedicht des Sturms und Drang gelesen
werden.