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26.

Prädikativität und Modalität des Satzes

Zwischen den Wortgruppe und Satz besteht eine unverkennbare Ähnlichkeit, da sie ein und
dieselbe Proposition (Argument-Prädikat-Verbindung) zum Ausdruck bringen. Die Wortgruppe
nennt den betreffenden Sachverhalt, wobei die Nennung des Sachverhalts das Ergebnis einer bereits
vollzogenen geistig-sprachlichen Operation der Verbindung der Abbilder von Gegenstand und
Merkmal (semantisches Prädikat) ist. Der Satz vollzieht oder nachvollzieht die entsprechende
geistigsprachliche Operation und gestaltet sie als eine Mitteilung über einen Sachverhalt.
Ein grammatisches Mittel der Gestaltung einer Proposition als Äußerung, denen bestimmte
Denkkategorien entsprechen, sind die Verbalkategorien der Personalität, der Zeit und der
Modalität. Sie kennzeichnen die Äußerung:
1) vom Standpunkt der Personalität (Beziehung zwischen Argument und wahrnehmender und
sprechender Person),
2) vom Standpunkt der zeitlichen Beziehung des Sachverhalts zum Redemoment,
3) vom Standpunkt der Wirklichkeit / NichtWirklichkeit. Diese drei Kategorien wurden als
Verbalkategonen, also als Kategorien der Wortartebene betrachtet. Zusammen bilden sie aber
eine grammatische Kategorie der Satzebene, die Kategorie der Prädikativität, die für den Satz
bestimmend ist.
Die Kategorie der Prädikativität bezieht die Äußerung auf die Wirklichkeit und steuert das
Verstehen der Äußerung durch den Hörer. Sie zeigt, ob von dem Sprecher, dem Angesprochenen
oder von einer dritten Person bzw. einem Gegenstand die Rede ist, wie sich der Sachverhalt zeitlich
zum Moment der Äußerung verhält, ob das Geäußerte die Wirklichkeit darstellt oder den Bereich
des Irrealen gehört.

Vgl.: Wortgruppe Satz


Die Ankunft der Delegation – unbestimmt Die Delegation ist angekommen — bestimmt
hinsichtlich derWirklichkeit, der Zeit, invariabel hinsichtlich der Wirklichkeit, der Zeit, variabel
hinsichtlich der Person. hinsichtlich der Person.
Vgl.: Die Delegation wird (bald)
ankommen.
Wäre die Delegation (schon)
angekommen1. Wann sind Sie \
bist du gekommen"} usw.
Träger der Kategorie der Prädikativität im zweigliedrigen Satz ist das
finite Verb, das die Modalität, den Zeitbezug und die Personalität der Äußerung zum Ausdruck
bringt: Vater schlaft – Gegenawart, Realität, 3. Person.
Die Kategorie der Prädikativität fungiert in erster Linie im verbalen Bereich des Satzes.

Mit dem Satztyp hängt eng die Modalität zusammen. Die Modalität eines Satzes ist eine
semantische Eigenschaft, die die Einstellung des Sprechers zum Inhalt des Satzes betrifft: Er hat
sich geweigert; Er hat sich wohl geweigert, Er soll sich geweigert haben, Er hätte sich weigern
sollen, Hätte er sich doch geweigert! Die zum Ausdruck der Modalität eingesetzten Mittel sind
vielfältig: die Partikel, genauer eine Modalpartikel, Modalverb, Modus (in einem bestimmten
Tempus). Ein Modalverb ist ein grammatisches Verb, das Modalität ausdrückt. Von den drei Mitteln
ist der Modus am stärksten grammatikalisiert.
In der deutschen Sprache zeigt sich ein Verb in unterschiedlichen Aussageweisen, Modus bzw.
Modi. Der Modus kennzeichnet die (subjektive) Sichtweise (Modalität) des Sprechers gegenüber
seiner Aussage. Man kann im Deutschen zwischen drei Modi unterscheiden den Indikativ
(Wirklichkeitsform: Er läuft die Straße entlang ), Konjunktiv (Möglichkeitsform: Ich hätte mir
schon längst ein Auto gekauft, wenn der Ölpreis gefallen wäre.) und den Imperativ (Befehlsform:
Komm jetzt endlich! Du musst kommen!).
Wird Modalität nicht durch lexikalische oder morphologische Mittel zum Ausdruck gebracht,
spricht man von verdeckter Modalität, beispielsweise im Deutschen durch unabhängige Infinitive
("satzwertige Infinitive") wie in: Den Rasen nicht betreten!, Alle aufgestanden!, Ich und an Eva
denken!, In den Müll damit!
Es gibt verschiedene Arten der Modalität:
(a) deontische Modalität bezieht sich auf die Art und Weise, wie die Welt nach bestimmten
Gesetzen beschaffen sein sollte, z.B.:
Eva darf einem nicht auf die Nerven gehen.
Eva muss verschwinden!

(b) alethische Modalität bezieht sich auf logische Schlussfolgerungen über die Wahrheit von
Beziehungen, die zwischen allen möglichen Welten bestehen, z.B.:
Wenn Eva weint oder schreit, muss auch gelten, dass sie schreit oder weint.

(c) physische Modalität bezieht sich auf physische Fähigkeiten, auf das, was jemand tun kann oder
muss, z.B.:
Eva kann einem auf die Nerven gehen.

(d) bulethische Modalität bezieht sich darauf, ob in einer möglichen Welt etwas gewünscht wird,
z.B.:
Eva will einem auf die Nerven gehen.

(e) epistemische Modalität bezieht sich auf die Erwartungen, die Sprecher aufgrund ihres
Hintergrundwissens haben, z.B.:
Eva weint, also könnte sie einem auf die Nerven gehen wollen.

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