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TITELTHEMA

Wir rufen Pfleger - und es kommen Menschen

Anette Dowideit; Sonja Gillert; Lara Marie Müller


4,755 words
3 March 2019
Welt am Sonntag
WSONNT
WSBE-HP
11
9
German
Copyright 2019 Axel Springer SE

Deutschland braucht dringend mehr Pflegekräfte, die Alte und Kranke versorgen sollen. Also setzt man darauf,
junge Leute aus dem Ausland anzuwerben. Das klingt einfach. Doch in der Realität scheitert es oft. Warum?

Von Anette Dowideit, Sonja Gillert und Lara Marie Müller

Trâm Lê war 22 Jahre alt, als sie sich von ihrer Familie und ihren Freunden in Vietnam verabschiedete und in ein
neues, unbekanntes Leben aufbrach. Sie packte ihre Koffer, steckte all die Unterlagen ein, die sie für das
Abenteuer brauchen würde - Reisepass, Visum, Arbeitserlaubnis und Arbeitsvertrag - und bestieg die Maschine
von Hanoi nach Frankfurt. Fast elf Stunden Flugzeit, 8740 Kilometer Luftlinie, eine Reise ans andere Ende der
Welt.

Lê hatte einen Plan gefasst. Sie wollte sich ein neues Leben aufbauen im reichen Deutschland. Wollte sich dort
um kranke, alte Menschen kümmern, die nicht mehr für sich selbst sorgen können. Damit könne man viel Geld
verdienen, hatte man ihr erzählt. Man könne dort gut leben.

Zwölf Monate später stieg Lê wieder in einen Jumbojet. Diesmal in die andere Richtung. Das Abenteuer
Deutschland war für sie zu Ende. Noch einmal in das Land mit den vielen alten Menschen zurückkehren, sagt
sie heute, werde sie nicht.

Lês Geschichte erzählt nicht nur das Scheitern des Lebenstraums einer jungen Frau. Sie zeigt auch, warum eine
der dringlichsten Aufgaben der deutschen Gesellschaft so sehr stockt: die Aufgabe, den Pflegenotstand im Land
zu bekämpfen.

Es gibt heute 3,4 Millionen alte Menschen, die nicht mehr allein durch den Alltag kommen, dazu fast 19
Millionen Patienten in den Krankenhäusern. Das Land bräuchte laut Auskunft der Bundesregierung mindestens
35.000 zusätzliche Fach- und Hilfspfleger, um sie zu versorgen. Weil die Bevölkerung im Schnitt aber rasant
altert, könnte die Lücke in 15 Jahren zehnmal so groß sein - wenn sich die Politik jetzt nicht etwas wirklich
Gutes einfallen lässt.

Wie sich dieses Loch stopfen ließe, darüber zerbrechen sich mittlerweile ganze Abteilungen in drei
Bundesministerien die Köpfe: im Arbeits-, im Gesundheits- und im Familienministerium. Dort arbeitet man
unter Hochdruck daran, mehr junge Leute in den Pflegeberuf zu locken. Und weil man weiß, dass diese
Bemühungen nicht reichen werden, arbeitet man auch daran, Pfleger aus anderen Ländern anzuwerben.

Die Idee klingt logisch und simpel: Wenn wir hierzulande so viele Alte haben, die versorgt werden müssen,
anderswo aber eine Menge junger Pfleger ohne Arbeit leben - dann bringt man Letztere einfach hierher. In der
Praxis aber funktioniert dieser große deutsche Kraftakt, der Import von Arbeitskräften, oft nicht sonderlich gut.
Einige, die ins Land kommen, gehen wie Lê mit enttäuschten Erwartungen zurück. Andere wandern ab, in
andere Länder oder andere Branchen. Gerade in den Altenheimen bleiben sie oft nicht. Also klafft die
Pflegerlücke von Jahr zu Jahr weiter und schmerzhafter auf. Was läuft da schief - was lief bei Trâm Lê schief?

Sie war stolz damals, als sie den Platz an der Sprachschule in Hanoi ergatterte. Der Andrang sei groß gewesen,

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viele wollten mitmachen beim "Berufsmigrationsprojekt", einem Pilotvorhaben der Gesellschaft für
Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und des Goethe-Instituts, finanziert vom deutschen
Bundeswirtschaftsministerium. Lê hatte gerade ihre Ausbildung an der Pflegerschule abgeschlossen, sie war
fleißig, motiviert, freundlich. Also durfte sie für ein Jahr ins angemietete Haus an der Sprachschule ziehen. 70
Euro jeden Monat musste sie zahlen, das war günstig. Die Unterbringung sei zwar mies gewesen, sagt sie: sechs
Betten pro Zimmer, liebloses Kantinenessen. Die Tage waren ausgefüllt mit dem Sprachkurs. Büffeln, bis der
Kopf rauchte, dann die Prüfungen: A1, B1, B2. Lê hielt durch. Die Aussicht auf das gute Leben in Deutschland
trieb sie an.

Im Oktober 2017 kam endlich der Tag, an dem sie das Flugzeug nach Frankfurt bestieg. Dort angekommen,
brachten sie ihre neuen Arbeitgeber ins Personalwohnheim, wo sie für 66 Euro im Monat günstig Unterschlupf
bekam. Lê freute sich, dass es endlich losging. Es dauerte aber nur ein paar Wochen, das erzählt sie heute per
Skype aus Vietnam, bis die Ernüchterung einsetzte. Was in dieser Zwischenzeit passierte, dazu später. Als Lê
jedenfalls schon völlig mit den Nerven am Ende war und dann auch noch der Winter einbrach, sie den ersten
Frost ihres Lebens erlebte, war ihr klar: Das wird nichts mit ihr und Deutschland.

Dass Anwerbeversuche von Pflegern aus dem Ausland scheitern, ist offenbar nicht so selten. Für Deutschland
aber ist das einer von vielen Konflikten, die zu dem übergeordneten Riesenproblem gehören: der Frage, wie alte
und kranke Menschen überhaupt noch versorgt werden können, wenn Familien nicht mehr zusammenleben und
sich umeinander kümmern können wie früher. Und wenn kaum deutsche Schulabgänger Pfleger werden
möchten. Dass der Import von Pflegern noch nicht besser läuft, ist auch deshalb tragisch, weil das Interesse an
Deutschland als Einwanderungsland in vielen Ländern der Welt riesig ist.

Wie viel Potenzial offenbar noch besteht, zeigt eine Auswertung der Bundesagentur für Arbeit für WELT AM
SONNTAG: Von rund 975.000 Kranken- und Altenpflegern im Land kommen demnach erst 62.500 aus dem
Ausland. In der Altenpflege, dort also, wo sie besonders dringend gebraucht werden, arbeiten zurzeit gerade mal
rund 22.000 Fachkräfte aus anderen Ländern. Der Rest sind Krankenpfleger. In manchen Bundesländern stockt
der Import der Statistik zufolge deutlich mehr als in anderen. In Schleswig-Holstein etwa arbeiten nur 357
ausländische Fachkräfte in der Altenpflege, das sind weniger als vier Prozent. In Baden-Württemberg dagegen
kommen fast 5000 Altenpfleger anderswoher, 15 Prozent aller Pfleger dort.

Die pflegepolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Nicole Westig, sagt, die Zahl der bisher
angeworbenen Pflegekräfte sei "nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein". Bundesarbeitsminister Hubertus
Heil (SPD) stimmt zu: Zwar müsse es "im ersten Schritt darum gehen, die inländischen Potenziale zu nutzen",
etwa durch bessere Arbeitsbedingungen und Vergütung. Jedoch: "Ergänzend dazu brauchen wir Fachkräfte aus
dem Ausland."

Wenn sich doch aber alle einig sind, was getan werden muss, warum kommen dann nicht mehr Pfleger aus
anderen Ländern?

Es ist nicht so, dass die Verantwortlichen in der Politik in den vergangenen Jahren nichts getan hätten, um sie
anzulocken. Das Bundeswirtschaftsministerium rief schon vor sieben Jahren das Modellprojekt in Vietnam ins
Leben. Es beauftragte hierfür die GIZ, ein Bundesunternehmen, und stellte dieser knapp zwei Millionen Euro zur
Verfügung. Die GIZ wiederum engagierte das Goethe-Institut Hanoi für die Sprachkurse der jungen
Vietnamesen. Vor drei Jahren startete dann noch ein zweites vom Wirtschaftsministerium finanziertes Projekt,
diesmal mit Schwerpunkt Krankenpfleger, für noch einmal gut zwei Millionen Euro. Wieder organisiert von
denselben Akteuren. Auch Trâm Lê reiste mit dem Programm ein.

Natürlich sollte es nicht das ganze Pflegeproblem auf einen Schlag lösen, sondern eine Blaupause für
Arbeitgeber schaffen, die es später selbst nachmachen wollten. Die Frage ist bloß, ob sich das für sie überhaupt
lohnt. Wie erfolgreich die rund vier Millionen Euro angelegt waren, dazu teilt das Ministerium heute auf
Anfrage mit: Von insgesamt 350 Teilnehmern seien heute drei Viertel noch in den Heimen und Kliniken, für die
sie eingekauft wurden. Rechnet man die Kosten des Ministeriums auf die nun erfolgreich hier arbeitenden
Pflegekräfte um, war das eine Investition von 15.000 Euro pro Person. Allerdings waren die Vietnamesen dann
noch nicht gleich voll einsatzfähig, sondern mussten hier noch eine zweijährige Ausbildung nachlegen.

Mittlerweile gibt es viele kleinere Projekte, bei denen Heime ausländische Pfleger ausbilden: Derzeit machen
laut Bundesagentur für Arbeit rund 12.000 Menschen in der deutschen Pflege eine Ausbildung. Bloß: Wie viele
von ihnen danach bleiben, erfasst keine Statistik. Die Investition in jeden einzelnen importierten Pfleger ist aus
Sicht des Heimbetreibers immer auch eine Wette: Bleibt er im Land? Gefällt es ihm hier? Oder hat er anderes
erwartet und sehnt sich - wie Trâm Lê, die es nach einem Jahr nicht mehr aushielt - schon bald zurück? Der

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Schlüssel zum Erfolg muss also darin liegen, den potenziellen Nachwuchspflegern lange, bevor sie gen
Deutschland starten, ein möglichst realistisches Bild vom Leben und von der Arbeit hier zu zeichnen. Aber
passiert das tatsächlich?

Ein halbes Dutzend junge Vietnamesinnen, mit denen WELT AM SONNTAG in den vergangenen Monaten
sprach, erzählen übereinstimmend, was ihnen im Vorfeld über Deutschland vermittelt worden sei, habe nicht
dem entsprochen, was sie dann vor Ort erlebt hätten. Manche von ihnen kamen mit dem Modellversuch der GIZ,
andere mit einem Projekt des Berliner Pflegekonzerns Vivantes, das sich aus dem GIZ-Projekt entwickelt hat.
Sie alle sagen: In den Sprachschulen in Hanoi habe ihnen niemand erklärt, wie die Arbeit in deutschen
Krankenhäusern und Heimen wirklich aussehe.

Bei Trâm Lê zum Beispiel war das erste Problem ein ganz praktisches. Sie ist nur 1,54 Meter groß, schmal noch
dazu, und nun musste sie ständig Menschen herumwuchten, die viel größer und schwerer waren als sie. Vom
Bett in den Rollstuhl, auf die Toilette und wieder zurück. "Mein Rücken tat so sehr weh", erzählt sie. Nach
einiger Zeit habe sie sich regelrecht vor der Arbeit gefürchtet. Auf der Pflegeschule in Vietnam hatte sie
derartiges nicht kennengelernt. Dort war sie für rein medizinische Aufgaben ausgebildet worden, die im
Krankenhaus anfallen: Spritzen setzen, Verbände anlegen, Infusionen legen. Handgriffe und Fertigkeiten für
den Dienst an Kranken in einem jungen - jedenfalls nicht stark alternden - Land. Überhaupt kein Thema war
dort, wie man alten Menschen Essen anreicht oder wie man mit Dementen umgeht - schon gar nicht, wenn diese,
was häufig zum Krankheitsbild gehört, aggressiv sind.

Das nämlich war das zweite Problem. Viele ihrer Patienten hätten Hessisch gesprochen, was sie kaum verstand.
Und ein paar von ihnen seien richtig wütend geworden, wenn sie dann hätte nachfragen müssen. Auch die
anderen Pfleger, die Deutschen, hätten ihr nicht wirklich helfen können. Sie habe sich schwer verständlich
machen können, und die Zeitnot sei groß gewesen.

Ganz ähnlich ergeht es einer anderen Frau, die noch in Deutschland arbeitet: Huong Nguyen. Auch sie wurde
über die GIZ vermittelt. Sie lebt in Mainz, zusammen mit zwei Kolleginnen. Betritt man die Wohnung, wundert
man sich: ein Schlafzimmer - für drei Frauen? Nguyen führt durch die Räume und zeigt, wie sie sich arrangiert
haben. Eine schläft in der Wohnküche auf einem Ausziehsofa, die beiden anderen teilen sich das Schlafzimmer.
Darunter Nguyen. Um wenigstens ein Minimum an Privatsphäre zu haben, trennen sie den Raum provisorisch
mit einem Schrank ab. Die Wohnung hat ihnen die Uni-Klinik zugeteilt, in der sie zurzeit zu
Krankenpflegerinnen ausgebildet werden. Nguyen seufzt. "Ich überlege, abzubrechen", sagt sie. Die
Wohnsituation habe man ihr in der Sprachschule ganz anders geschildert. Genauso wie die Arbeitsbedingungen.
"Man muss den Patienten beim Waschen helfen, auch wenn sie ins Bett machen zum Beispiel." Hätte sie all das
vorher gewusst, sie hätte den Arbeitsvertrag für Deutschland nie unterschrieben, sagt sie. "Dann hätte ich lieber
direkt geheiratet."

Die GIZ teilt auf Fragen von WELT AM SONNTAG mit, alle vietnamesischen Teilnehmenden an den
Modellprojekten würden "bereits in Vietnam umfassend auf das Leben und Arbeiten in Deutschland
vorbereitet". Es gebe sogar ein sechswöchiges Praxismodul über die Grundlagen der Pflege in Deutschland,
entwickelt von der Uni Bremen. Auch über praktische Dinge wie den Unterschied zwischen Brutto- und
Nettolohn kläre man ausreichend auf. Trotzdem: Bei einigen kommt das offenbar nicht an.

In einer anderen Ecke Deutschlands wohnt eine Vietnamesin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will.
Was die Frau in zusammengestückeltem Deutsch erzählt, ähnelt den Eindrücken von Lê und Nguyen. Der
einzige Unterschied ist: Sie kam nicht über das Projekt der GIZ nach Deutschland, sondern wurde direkt von
einem großen Pflegeheimbetreiber nach Deutschland geholt, dem Vivantes-Konzern. Den will die Frau mit ihrer
Kritik nicht verärgern, weil ihre Aufenthaltsgenehmigung vom Arbeitsvertrag abhängt.

Um sie zu besuchen, muss man das Zentrum Berlins weit hinter sich lassen und in Richtung Osten fahren. In
Lichtenberg, neben einem Netto-Markt, steht ein Plattenbauriegel, in dem Vivantes viele seiner vietnamesischen
Auszubildenden unterbringt. Das riesige Klingelschild unten an einem der Hauseingänge ist voll mit
handgeschriebenen Aufklebern vietnamesischer Namen: Lê, Ngo, Nguyen, Lim, Phuy. Licht und Aufzug im
Treppenhaus sind kaputt. Oben öffnet eine der jungen Frauen und zeigt ihr bescheidenes Reich. Sie wohnen zu
viert hier, zwei teilen sich jeweils ein Schlafzimmer. Während zwei der Frauen vietnamesisches Essen kochen,
kramt sie aus einem Aktenordner ihren Untermietvertrag: Jeden Monat zahlt sie 350 Euro Miete an Vivantes.
Dieses Geld geht von ihrem Ausbildungsgehalt von monatlich 1100 Euro ab.Insgesamt sind das rund 1400 Euro
für eine rund 50 Quadratmeter kleine möblierte Wohnung. Sie findet, das sei zu viel Geld dafür, dass sie noch
nicht einmal ein eigenes Zimmer habe. Das habe man in der Sprachschule in Hanoi anders erklärt. Und: Sie habe
nicht gewusst, dass sie jeden Tag ans andere Ende der Stadt zur Arbeit pendeln müsse, eineinhalb Stunden pro

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Strecke. Auch mitten in der Nacht, wenn sie Frühdienst hat.

Im Nordwesten Berlins, in Reinickendorf, zuckt ein paar Wochen später ein Mann die Schultern, als ihm die
Frage gestellt wird, ob die Vietnamesinnen, die in seinen Altenheimen arbeiten, angemessen untergebracht seien.
René Herrmann ist der Geschäftsführer des Bereichs Altenpflege im Konzern. Unter all den Pflegemanagern im
Land gibt es kaum jemanden, der sich schon so ernsthaft wie er mit der Frage auseinandergesetzt hat: Wie
bekommt man Pfleger aus dem Ausland ins Altenheim - und wie bewegt man sie zu bleiben?

Mit dem Modellprojekt des Bundeswirtschaftsministeriums habe Vivantes damals angefangen, seine
Pflegerlücken mit Vietnamesen aufzufüllen, erzählt er. Es habe sich dann schnell gezeigt, dass sein Unternehmen
großen Bedarf habe, also stellte Vivantes ein eigenes Projekt in Vietnam auf die Beine, mietete dort zwei
Internate an, organisierte die Sprachausbildung - und holt auf diese Weise inzwischen pro Jahr 250 junge Leute
in seine Heime und Kliniken, plus noch einmal 50 für andere Betreiber. "Das ist arbeitsintensiv. Wir fliegen alle
drei Monate mit einem kleinen Team nach Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt und sehen dort nach dem Rechten",
sagt er.

Damit die Pfleger aus dem Ausland sich gut in den Teams aufgehoben fühlten, gebe es in jedem seiner Heime
Integrationsbeauftragte. Nur die Sache mit dem Wohnen sei eben schwierig. "So vielen Auszubildenden auf
einen Schlag günstige Wohnungen in Berlin zur Verfügung zu stellen, ist leider alles andere als einfach", sagt
Herrmann. Manche lebten näher an ihren Arbeitsplätzen, andere in den angemieteten Wohnungen in
Lichtenberg, wo sie immerhin eine vietnamesische Community um sich hätten. Insgesamt aber sei es ein Erfolg.

Herrmann ist überzeugt, dass zumindest im Vivantes-Projekt die Teilnehmer vor ihrer Reise nach Deutschland
ausreichend darüber aufgeklärt würden, wie das Leben hier funktioniere und wie die Arbeit aussehe. "Es wäre ja
fatal, wenn es falsche Erwartungen gäbe." Die Firma lege viel Wert auf Transparenz und Fairness.

Zwei Frauen allerdings, die als Unterrichtsassistentinnen für die Vivantes-Pflegerinnen in Vietnam gearbeitet
haben, erlebten das anders. Julia Kohl und Elisabeth Kucinski lebten beide mehrere Monate lang in der
Sprachschule und freundeten sich mit einigen der Frauen dort an. Kucinski sagt: Die Teilnehmer seien kaum
darüber aufgeklärt worden, was sie in Deutschland erwarte. "Sie haben sich schöne Bilder von einer Zukunft in
Deutschland ausgemalt, die sehr unrealistisch waren, und es wurde nicht ausreichend gegengesteuert."

Dass hier zum Beispiel die Lebenshaltungskosten viel höher sind, hätten die meisten "nicht auf dem Schirm"
gehabt, sagt auch Julia Kohl. "Viele sahen sich als zukünftige Versorger für ihre Familie." Und auch mit den
Sprachkursen habe es ein Problem gegeben. Diese seien nicht darauf ausgelegt gewesen, dass die Teilnehmer in
Deutschland normale Gespräche führen könnten. Stattdessen seien nur die Standardfloskeln durchgepaukt
worden. Und deshalb fühlten sich viele, mit denen sie noch Kontakt habe, jetzt in Deutschland so unwohl, sagt
Kucinski. Sie könnten sich kaum mit den Pflegebedürftigen unterhalten, vor allem, wenn diese Dialekt sprächen.

In Eichenau in Bayern zum Beispiel startete die Teilnahme am Modellprojekt der GIZ mit einem
Missverständnis. "Am ersten Tag kamen die Schüler alle hier mit dem Bus an. Wir hatten in der Cafeteria Essen
vorbereitet, aber niemand nahm etwas, obwohl ich sagte: ,Bitte, bedienen Sie sich!'", erinnert sich Dirk Spohd,
der dort ein Altenheim des kirchlichen Unternehmens "Hilfe im Alter GmbH der Inneren Mission München"
leitet. Zum Glück aber habe eine Vietnamesin mit am Tisch gesessen, die schon lange in Deutschland lebt. Eine
Mentorin, vermittelt von der GIZ. Die Frau übersetzte - auch das Nonverbale, sagt Spohd. "Sie sagte: 'Sie als
Gastgeber müssen anfangen, damit die Schüler sich trauen.'" Die Arbeit der Mentorin scheint gewirkt zu haben:
Heute sind von den 20 vietnamesischen Pflegekräften noch 16 in den Einrichtungen des Betreibers beschäftigt.

Das zeigt: Der Pflegeimport kann funktionieren, wenn sich die neuen Kollegen im fremden Deutschland nicht
alleingelassen fühlen. Heimleiter Spohd hat einen Mitarbeiter in sein Büro eingeladen, bei dem es besonders gut
funktioniert hat. Er kommt direkt im Pflegerkittel von der Station, die er mittlerweile stellvertretend leitet. Di
Tran, 28 Jahre alt, wirkt entspannt, trotz Zeitdrucks. In seiner Heimat habe er seinen Job in einem
Kinderkrankenhaus aufgegeben, erzählt er, um etwas Neues zu wagen. Und er fühle sich wohl in Deutschland -
jedenfalls mittlerweile. "Das erste Jahr war hart", sagt er. "Alles war anders, angefangen mit dem Ticketkauf für
die U-Bahn. Auch der Umgang der Deutschen hat mich erschreckt. Sie sind so distanziert und direkt, das konnte
ich anfangs überhaupt nicht einordnen." Heute könne er darüber lachen. Die Freundschaft zu den anderen
vietnamesischen Auszubildenden, die netten Kollegen und die Lehrer in der Berufsschule, auch die gute
Organisation der GIZ hätten ihm dabei geholfen, sich wohlzufühlen. Dann muss er zurück auf seine Station, die
Mittagspause ist fast vorbei. Auf halbem Weg steuert eine ältere Dame mit Rollator auf ihn zu:
"Entschuldigung, Herr Tran, können wir kurz sprechen?"

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Heimleiter Spohd sagt später: Natürlich, man könne nicht erwarten, dass die neuen Pfleger aus dem Ausland von
Tag eins an automatisch integriert seien. Man müsse schon etwas dafür tun. Das ganze Team einbinden, um
Missverständnisse zu verhindern. Und dafür sorgen, dass sie sich wohlfühlten in der neuen Stadt, in ihrer neuen
Wohnung, in der fremden Umgebung.

Obwohl das Modellprojekt zum Pflegerimport in seiner Einrichtung gut funktioniert habe, sagt Spohd: Eine
dauerhafte Lösung für den Pflegenotstand sei das nicht gewesen. Große Betreiber wie Vivantes oder auch sein
eigener Arbeitgeber könnten vielleicht noch auf eigene Faust Pfleger aus dem Ausland anwerben. Für kleinere
Einrichtungen sei das nahezu unmöglich. Das liege auch daran, dass die deutschen Behörden es den
Interessenten und damit auch den Heimen viel zu schwer machten.

Diese Nöte kennt auch der Lobbyverband der privatwirtschaftlichen Pflegeheimbetreiber, der
Arbeitgeberverband Pflege. "Die Visaanträge der jungen Leute, die sich hier zu Pflegern ausbilden lassen
wollten, werden in den Behörden oft viel zu langsam bearbeitet", sagt dessen Geschäftsführerin Isabell Halletz.
Und für Pfleger, die in ihren Heimatländern - zum Beispiel Bosnien, China oder Ungarn - schon fertig
ausgebildet sind, sei es zu kompliziert, nach Deutschland zu kommen und ihren Abschluss hier anerkannt zu
bekommen. "Es gibt ein Kuddelmuddel bei diesen Anerkennungsverfahren: In jedem Bundesland ist es anders
geregelt", klagt Halletz. "In manchen gibt es eine zentrale Zulassungsstelle für die Fachkräfte, in anderen betreibt
jeder Landkreis seine eigene. Bei manchen sind diese Stellen bei den Ausländerbehörden angesiedelt, bei
anderen aber nicht."

Über dieses Durcheinander klagt auch die Dekra Qualification GmbH, eine Tochterfirma des Prüfkonzerns, die
seit ein paar Jahren solche fertig ausgebildeten Pfleger nach Deutschland holt - und sich damit an einer
Alternative zu den Modellprojekten versucht, bei denen Pflegeheime die Kräfte erst noch selbst ausbilden
müssen.

Seit sie damit 2013 angefangen hätten, erzählt deren zuständiger Experte Peter Klingler, der gerade in Serbien
unterwegs ist, am Telefon, habe die Dekra etwa 2500 Pfleger nach Deutschland gebracht. Seine Reise nach
Serbien ist kein Zufall. Die Pfleger kommen aus Osteuropa: Mazedonien, Bosnien, Serbien und vor allem
Albanien. Der Andrang an Arbeitswilligen, die nach Deutschland wollten, sei riesig, sagt Klingler. "2015
casteten wir das erste Mal Kandidaten in Tirana. Wie mieteten uns einen Tagungsraum in einem Hotel und
rechneten mit maximal 150 Leuten. Es kamen aber 700. Die Übersetzerin war irgendwann so fertig, dass sie
beinahe in Ohnmacht fiel. Das war ein historischer Moment!", erzählt er und scheint dabei noch immer
überwältigt.

Seine Kunden seien Pflegeheimbetreiber, Kliniken und Reha-Zentren, sagt er. Wie viel Geld sie ein solcher
Pfleger-Import kostet, möchte er nicht sagen. Beim Arbeitgeberverband heißt es, der Preis pro Pfleger liege
inklusive Flug bei rund 10.000 Euro. Dafür schnürt Dekra den Heimen ein Paket: Sprachkurs und
Kenntnisprüfung für die Kandidaten, Flug nach Deutschland, Hilfe bei Einreise und Anerkennungsverfahren.

Das Problem sei aber: Welche "Kenntnisse" ein Pfleger brauche, um nach einer fachlichen Prüfung in
Deutschland in einem Heim oder Krankenhaus arbeiten zu dürfen, sei in jedem Bundesland anders.
Entsprechend kompliziert sei es, die Pfleger vorzubereiten: "In einem Kurs sitzen dann Leute zusammen, von
denen jeder etwas anderes nachweisen muss. Und wir müssen je nach Ort des Arbeitgebers für jeden Pfleger mit
anderen Behörden zusammenarbeiten. Das ist der Hammer!", schimpft Klingler. Er und Verbandssprecherin
Halletz sind sich einig: Damit der Pfleger-Import reibungsloser funktioniert, müsse sich dringend die
Behördenstruktur ändern: Eine zentrale Anerkennungsstelle bundesweit müsste es geben. Mit gleichen Regeln
für alle Pfleger.

Bundesarbeitsminister Heil sagt, das Problem sei schon erkannt. Zurzeit arbeite eine Arbeitsgruppe an
Vorschlägen, wie ausländische Abschlüsse einfacher anerkannt werden könnten. Zudem solle das neue
Fachkräfteeinwanderungsgesetz, dessen Entwurf im Laufe des Frühjahrs vorliegen soll, die Zulassungsverfahren
beschleunigen. Demnach sollen sich die Behörden künftig nur noch maximal vier Monate für die Bearbeitung
eines Antrags Zeit lassen dürfen. Arbeitgeberverbandschefin Halletz ist skeptisch, dass die Bundesländer sich an
diese Vorgabe halten werden. "In Berlin etwa hat man uns schon signalisiert, dass die vier Monate wegen der
knappen Personaldecke im Landesamt für Gesundheit und Soziales nicht einzuhalten wäre."

Die ernüchternde Bilanz ist also: Gäbe es einfachere Zulassungsstrukturen und mehr Menschen in den Ämtern,
die sich mit diesen Zulassungen befassten, dann gäbe es auch mehr Pfleger in den Heimen und Krankenhäusern,
die sich um die alten Menschen kümmern könnten. Zöge man aber daraus den Schluss, eine zentrale
Zulassungsstelle für ausländische Pfleger, gut ausgestattet mit Beamten, würde alle Schwierigkeiten des Pfleger-

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Imports lösen, wäre das nur die halbe Wahrheit. Denn es gibt da noch ein anderes Problem.

Welches das ist, sagt Barbara Kaffenberger, während sie geschäftig über die Flure ihres Altenheims läuft. Sie
schüttelt alterszarte Hände von Heimbewohnerinnen, sie tätschelt Pflegerinnen den Arm. Immer mit leiser
Stimme, unaufgeregt. Kaffenberger, Chefin im "Haus Curanum" am Wasserpark im Nordosten von Frankfurt am
Main, erzählt, während sie sich den Weg über die belebten Flure bahnt. "Ich hatte schon eine ganze Reihe an
Pflegern hier, die mit Modellprojekten aus anderen Ländern kamen", sagt sie. "Und fast alle sind wieder weg."

Die Chinesen zum Beispiel. Vor rund vier Jahren startete der Arbeitgeberverband Pflege ein Projekt, das dem
von Wirtschaftsministerium und GIZ ähnelte. Bloß kamen die Pfleger damals eben aus China, 48 Menschen. Das
Heim von Barbara Kaffenberger, das zum französischen Konzern Korian gehört, war das erste, in dem sie
eingesetzt wurden: 15 Chinesen, die tagsüber im Heim arbeiteten und sich abends in ihre Schwesternzimmer in
der obersten Etage zurückzogen. Anders als bei Pflegern aus anderen Ländern sei die Sprachbarriere kaum ein
Problem gewesen. "Die Chinesen haben alle wie verrückt gebüffelt, die konnten super Deutsch", sagt sie.

Dafür seien andere Dinge schwierig gewesen. "Wenn ich morgens in den Wohnbereich kam und mich die
chinesischen Pfleger sahen, standen sie sofort stramm. Manchmal dachte ich: Hoffentlich verbeugen sie sich
nicht gleich vor mir." Anfangs habe sie versucht, den neuen Kollegen zu sagen, sie dürften sich ruhig
lockermachen. "Aber das haben sie gar nicht verstanden." Das allein, sagt sie, wäre ja kein Problem gewesen.
Die Mentalität der Neuen habe aber immer wieder zu Schwierigkeiten in den Teams geführt. "Wenn ein Kollege
einen Fehler gemacht hat, stand dann zum Beispiel einer der Chinesen in meinem Büro und verlangte: 'Wieso
entlassen Sie den Kollegen nicht, er hat sich nicht an die Regeln gehalten!'" Sie habe dann erklärt, dass das mit
dem deutschen Arbeitsrecht nicht so einfach sei. Selbst wenn man jemanden so schnell überhaupt loswerden
wolle.

Kaffenberger hat auch schon an anderen Modellprojekten teilgenommen, sie hatte Spanier und Albaner in ihrem
Heim. Von den Spaniern seien die meisten wieder nach Hause zurückgekehrt, weil ihnen das Leben in
Deutschland schlechter gefallen habe als erwartet. Die Albaner und die Chinesen seien zwar immer noch in
Deutschland. Aber nicht mehr in Pflegeheimen. "Viele sehen die Altenpflege nur als Sprungbrett in den
deutschen Arbeitsmarkt. Sie wurden ja in ihren Heimatländern zu Krankenpflegern ausgebildet. Sie wissen, wie
man Blutdruck misst, aber nicht, wie man einen Pflegebedürftigen wäscht. Darauf haben viele auch gar keine
Lust."

Dass die Altenpflege für viele aus anderen Ländern nur als Einstieg gesehen werde, sei ein generelles Problem.
Das erzählt auch Isabell Halletz vom Arbeitgeberverband Pflege. Das Modellprojekt ihres Verbands ging so aus:
Von den 48 Chinesen sind heute noch 23 in den Pflegeheimen, für die sie geholt wurden. 22 wechselten in
Krankenhäuser, drei sind wieder in China.

Damit so etwas nicht mehr passiert, könnte Deutschland junge Leute in anderen Ländern direkt zu Altenpflegern
ausbilden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) stellte im November die Idee vor, deutsche
Pflegeschulen im Ausland einzurichten. Auf diese Weise, so die Idee, könnten die Nachwuchspfleger viel besser
für den Bedarf deutscher Pflegeheime ausgebildet werden: Was bedeutet es, wenn ein alter Mensch plötzlich
ganz fahl im Gesicht wird? Wie beruhigt man eine Demenzpatientin?

Die Frage ist - wie beim Import von Pflegefachkräften generell - , inwieweit solche Anwerbeversuche ethisch
vertretbar sind. Jeder junge Mensch, der aus seinem Land wegzieht, hinterlässt in seiner Heimat eine Lücke. Bei
Pflegern, die in vielen Ländern rar sind, ist das besonders gravierend. Die Weltgesundheitsorganisation WHO
hat deshalb einen Verhaltenskodex für das Anwerben von Gesundheitsfachkräften erstellt. Aus ärmeren Ländern,
in denen Pflegekräfte selbst Mangelware sind, dürfen Industriestaaten demnach keine Pfleger abwerben. Das
Bundesgesundheitsministerium teilt dazu mit, man achte auf die Einhaltung des Kodex.

Pflegeheimleiterin Barbara Kaffenberger hat für ihre Einrichtung mittlerweile eine andere Lösung gefunden.
Anstatt Pfleger über Projekte nach Deutschland zu holen, bildet sie junge Leute aus anderen Ländern zu
Altenpflegern aus, die sowieso schon da sind: Flüchtlinge. Kaffenberger kooperiert mit einer Frankfurter
Wohngruppe für junge, männliche Asylbewerber. Bisher haben in ihrer Einrichtung drei von ihnen eine
Ausbildung gemacht, und die Chefin sagt, alle seien damit zufrieden: die Auszubildenden selbst, die Kollegen,
die Bewohner - von denen viele sich freuten, von den jungen Männern aus Afrika Geschichten aus deren Heimat
zu hören. Geflüchtete zu Pflegern auszubilden, hält auch Bundesarbeitsminister Heil für eine kluge Idee. Der
Vorteil: Im Gegensatz zu Menschen aus China oder Vietnam - wie Trâm Lê, die wieder nach Hause zurückging -
kennen sie Deutschland, bevor sie sich für die Ausbildung entscheiden. Die Sprache lernen sie sowieso: nicht
nur Fachausdrücke, sondern Alltagssprache. Und selbst Umstände wie der harte deutsche Winter dürften sie

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nicht mehr schocken.

Über die Recherche

Die deutschen Sprachschulen im vietnamesischen Hanoi und ein Bericht über das Modellprojekt der GIZ waren
der Ausgangspunkt für diese Recherche. Mehrere ehemalige Sprachlehrerinnen berichteten, dass viele der
Vietnamesinnen in Deutschland sehr unzufrieden seien. Die Reporterinnen recherchierten, was dort los ist. Sie
stellten fest, dass das Thema Pfleger-Import viel gesellschaftlichen Sprengstoff birgt und eine ausführlichere
Berichterstattung lohnt.

Die Frankfurter Heimleiterin Barbara Kaffenberger (oberes Foto rechts) und Ilse Stumpf, Sprecherin der
Bewohner in der Einrichtung, sagen: Pfleger aus anderen Ländern bereichern das Leben im Pflegeheim. Deshalb
gibt die Einrichtung auch Geflüchteten eine Chance und bildet seit ein paar Jahren junge Leute wie Ali Ibrahim
(Bild unten) zu Pflegern aus

Die Frankfurter Heimleiterin Barbara Kaffenberger (oberes Foto rechts) und Ilse Stumpf, Sprecherin der
Bewohner in der Einrichtung, sagen: Pfleger aus anderen Ländern bereichern das Leben im Pflegeheim. Deshalb
gibt die Einrichtung auch Geflüchteten eine Chance und bildet seit ein paar Jahren junge Leute wie Ali Ibrahim
(Bild unten) zu Pflegern aus

Julia Kohl hat Pflegekräfte in Vietnam unterrichtet. Sie kritisiert, dass die Sprachkurse nicht auf den Alltag im
Heim ausgerichtet waren

In der Pflege fehlen Zehntausende Fachkräfte. Das Berliner Unternehmen Vivantes versucht, seine Lücken beim
Pflegepersonal mit Vietnamesen aufzufüllen

Viele vietnamesische Pfleger stellen sich das Leben in Deutschland ganz anders vor. Die hohen Kosten und die
harte Arbeit machen ihnen zu schaffen

Jedes Jahr holt Vivantes etwa 250 vietnamesische Pflegekräfte in seine Heime und schult 50 weitere für andere
Unternehmen

Die Vietnamesin Trâm Lê (Bild oben, im fliederfarbenen Oberteil) fühlte sich in Deutschland nur im Kreis von
Frauen aus ihrem Heimatland wohl. Besser funktionierte die Integration bei Di Tran in Bayern (Bild unten).

3,4 Mio. Pflegebedürftige In Deutschland gibt es heute 3,4 Millionen alte Menschen, die im Alltag auf fremde
Hilfe angewiesen sind. Hinzu kommen fast 19 Millionen Patienten pro Jahr in den Krankenhäusern, um die sich
Pfleger kümmern müssen.|22.204 ausländische Pflegekräfte Von den knapp 300.000 Pflegefachkräften, die sich
um ältere Menschen kümmern, stammen rund 22.200 aus dem Ausland. Davon kommen 743 aus Vietnam.|
296.008 Altenpfleger Rund 300.000 Fachkräfte arbeiten in Deutschland in der Altenpflege. Weitere 680.000 sind
in der Gesundheits- und Krankenpflege beschäftigt.|35.000 Pflegekräfte fehlen Laut Bundesregierung braucht
Deutschland mindestens 35.000 zusätzliche Fach- und Hilfspfleger, um den aktuellen Pflegebedarf zu decken.
Doch die Bevölkerung altert rasant. Ohne ein dauerhaftes Lösungskonzept könnte die Lücke in 15 Jahren
zehnmal so groß sein.

Document WSONNT0020190303ef330004d

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