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Kunz, Claus; Ehmann, Rainer; Binder, Günter; Meinhold, Wilfried


BAW-Brief Nr. 1 - November 2001
BAWBrief

Verfügbar unter/Available at: https://hdl.handle.net/20.500.11970/100511

Vorgeschlagene Zitierweise/Suggested citation:


Bundesanstalt für Wasserbau (Hg.) (2001): BAW-Brief Nr. 1 - November 2001. Karlsruhe:
Bundesanstalt für Wasserbau (BAWBrief, 1/01).

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BAW-Brief Nr. 1 - November 2001

559 - B - Einige Erläuterungen und Anmerkungen zum


Ermüdungsnachweis von Stahlwasserbauten bei nichtperiodischer
Beanspruchung anhand eines Berechnungsbeispiels

1 Beanspruchungsarten und Generell ist der Ermüdungsnachweis beim Vorliegen


Nachweisformen veränderlicher Schwingbreiten komplizierter und
aufwändiger. Aus diesem Grunde soll nachfolgend der
Die Führung von Ermüdungsnachweisen ist bei ge- Algorithmus der gemäß EC 3 dafür bestehenden Nach-
schweißten Konstruktionen des Stahlwasserbaus nach weismöglichkeiten anhand eines speziellen Berech-
wie vor eine aktuelle Problematik. Für ermüdungsrele- nungsbeispiels dargestellt werden. Auch sollen damit
vant beanspruchte Verschlusskonstruktionen ist der aus- einige Besonderheiten der beiden unterschiedlichen
reichende Widerstand gegen Ermüdung (Beanspruch- Beanspruchungsarten und Nachweisformen verständ-
barkeit) durch eine Betriebsfestigkeitsberechnung nach- licher gemacht werden, sodass im Bedarfsfall darauf
zuweisen. Dies betrifft sowohl nachträgliche Nachwei- zurückgegriffen werden kann.
se für bestehende Bauwerke, als auch Ermüdungsnach-
weise, die im Rahmen der Planung und des Entwurfs
von Neubauten als Bestandteil der Tragsicherheitsnach- 2 Ermüdungsnachweis bei nicht-
weise gemäß DIN 19704-1 [1] zu erbringen sind. periodischer Beanspruchung

Beim Ermüdungsnachweis mit Nennspannungs- 2.1 Nachweismöglichkeiten


schwingbreiten wird in EUROCODE 3 (EC 3) [2] nach
den beiden Beanspruchungsarten „periodisch“ und Für den Ermüdungsnachweis mit veränderlichen Nenn-
„nichtperiodisch“ unterschieden. Im Stahlwasserbau sind spannungsschwingbreiten bietet der EC 3 (DIN V ENV
dafür die Bezeichnungen 1993 Teil 1-1) im Abschnitt 9 „Werkstoffermüdung“ un-
ter Pkt. 9.5.2.2 „Nichtperiodische Beanspruchung“1) zwei
• Nachweis mit konstanten Spannungsschwing- Möglichkeiten an:
breiten (z.B. an kanalisierten Wasserstraßen)
bzw. a) Ermüdungsnachweis mit der Schadenssumme
• Nachweis mit veränderlichen Spannungsschwing- b) Ermüdungsnachweis mit schadensäquivalenter
breiten (z.B. bei Seeschleusen infolge des Tide- Spannungsschwingbreite
einflusses oder bei Anbindung einer Kanalstrecke
an eine nicht staugeregelte Wasserstraße) Beide Nachweismöglichkeiten basieren auf der Scha-
densakkumulationshypothese nach PALMGREN-MI-
gebräuchlich geworden. NER. Der Nachweis mit der Schadenssumme war im
ehemaligen Anhang B des Entwurfs der DIN 19704-1
Bei den meisten Stahlwasserbauten liegt eine periodi- enthalten. Die Nachweismöglichkeit mit der schadens-
sche Beanspruchungsart mit konstanten Spannungs- äquivalenten Spannungsschwingbreite war generell nur
schwingbreiten vor, wofür die Nachweismethodik rela- im EC 3 aufgeführt. In der im Jahre 1998 für den Ge-
tiv einfach nachzuvollziehen ist. Der beispielsweise bei schäftsbereich der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung
Stahlbrücken oder Kränen zum Regelfall gehörende eingeführten neuen Stahlwasserbaunorm DIN 19704-
Nachweis mit veränderlichen, d.h. nichtperiodischen 1: 1998-05 ist der Anhang B entfallen. Verblieben ist
Einwirkungs-Amplituden ist bei Stahlwasserbauten eher
selten zu führen, weshalb hier eine routinierte „Behand- 1)
Künftig enthalten in EUROCODE 3: Design of steel
lung“ dieser Nachweisform kaum vorausgesetzt wer-
structures, Part 1.9: Fatigue strength of steel structures,
den kann.
DRAFT EN 1993 1-9: xxxx, ANNEX A.3.22: Variable
amplitude loading
BAW-Brief Nr. 1 - November 2001 Seite 2

der (normative) Anhang A, der für die wichtigsten Ver- in [3]) macht bei der Staffelung der Dauerlinie i.d.R.
schlusskörper Festlegungen zur Ermittlung der Bean- keinen Sinn, da auf diesem Wege die einzelnen Schä-
spruchungskollektive enthält. Im Abschnitt 7.5.4 „Be- digungsanteile nicht hinreichend genau erfasst werden
triebsfestigkeitsnachweis“ der neuen Norm wird jedoch können. Auch kann, wie aus Bild 1 ebenfalls erkennbar,
auf DIN V ENV 1993-1-1: 1993-04 verwiesen. Dort, bzw. die (bei der Tidekurve mögliche) symmetrische Vertei-
künftig im separaten Teil 1.9 „Ermüdungsbeanspru- lung der Zeitanteile nicht erreicht werden.
chung“ des EC 3, sind die bei nichtperiodischer Ermü-
dungsbeanspruchung gegebenen Nachweismöglich- Verschlusssystem:
keiten im Einzelnen dargestellt und somit weiterhin ent- Als Verschlusskörper soll das Untertor einer Schleuse
sprechend nutzbar. betrachtet werden, die, wie bereits erwähnt, die Verbin-
dung zwischen einer Kanalstrecke mit quasi konstanter
Wasserspiegellage und einer unterwasserseitig liegen-
2.2 Berechnungsbeispiel mit den, nicht staugeregelten Wasserstraße herstellt. Übli-
Erläuterungen che Verschlusssysteme im Bereich der Unterhäupter
solcher Schleusen sind Stemmtore oder Hubtore. Der
2.2.1 Angenommene Ausgangsbedingungen eigentliche Tortyp ist jedoch für die weiteren Betrach-
tungen ohne Belang.
Vorbemerkung:
Im Berechnungsbeispiel wird ein zwischen Kanalstrecke Wasserstände/Beanspruchungskollektiv:
und staugeregelter Wasserstraße liegendes Schleusen- Die im Berechnungsbeispiel verwendete Unterpegel-
tor betrachtet. Bei staugeregelten Wasserstraßen er- Dauerlinie und die für die vereinfachte Abbildung des
geben sich die veränderlichen Schwingbreiten aus dem Beanspruchungskollektivs gestaffelten Unterwasser-
Verlauf der anhand von Pegelaufzeichungen ermittel- Spiegellagen sind im Zusammenhang in Bild 1 darge-
ten Dauerlinie (vgl. Bild 1). stellt.

Die bei Verschlüssen im Küstenbereich übliche Auftei- Für die Oberwasser-Seite des Tores wird ein konstan-
lung des Tidehubs in fünf Abschnitte mit gleicher Höhen- ter Wasserstand angesetzt (hier: H(OW) = 56,00 m ü. NN).
differenz (vgl. hierzu Beispiel Z13 „Hubtor im Tidegebiet“ Für den Unterpegel kann von der Dauerlinie ausgegan-

Bild 1: Staffelung der Unterpegel-Dauerlinie und Zuordnung der anteiligen Spannungsspiele


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Tabelle 1: Tabellarische Ermittlung der Schadenssumme Dd


BAW-Brief Nr. 1 - November 2001 Seite 4

gen werden, die durch Auswertung der mittleren tägli- etwas ungünstigeren Kerbfall 80 und besonders deut-
chen Wasserstände für eine bestimmte Jahresreihe er- lich bei Kerbfall 56 nicht mehr der Fall ist. Das Ergebnis
mittelt wurde. Der Verlauf der Dauerlinie entspricht da- wird natürlich auch maßgeblich von der tatsächlich vor-
bei der auf ein Jahr bezogenen mittleren Häufigkeit der handenen maximalen Nennspannungsschwingbreite
nach Größe sortierten Pegelhöhen in [m ü. NN]. Die max ∆σi (hier mit 140 N/mm2 angenommen) beeinflusst.
Dauerlinie wird im vorliegenden Beispiel mit k = 5 Stu- Bei geringerer Spannungsauslastung (von zum Beispiel
fen vereinfacht nachgebildet (vgl. Bild 1 und Tabelle 1, nur max. ∆σi = 100 N/mm2) wird das Ergebnis deutlich
Zeile 1). günstiger.

Annahmen zur Schleusungshäufigkeit (sichere Seite):


Angesetzt werden 2.2.3 Nachweis mit schadensäquivalenter
Spannungsschwingbreite
• 20 Schleusungen/Tag
• 364 Betriebstage Nachweisformel:
• 70 Betriebsjahre (vgl. DIN 19704-1, Pkt. 7.5.4.1), Der Ermüdungsnachweis mit der schadensäquivalenten
Spannungsschwingbreite ist in der bereits vom Nach-
was damit einer im Nutzungszeitraum entstehenden weis mit konstanten Schwingbreiten bekannten Form
Gesamtzahl der Spannungsspiele von N = 509.600 ent- zu führen
spricht. Aus dieser Größe werden die den einzelnen
Stufen zuzuordnenden anteiligen Spannungsspielzahlen
(vgl. Bild 1 und „ni“ in Tabelle 1, Zeile 9) ermittelt.

Betrachtete Kerbfälle und angenommenes Spannungs-


niveau:
Es wurden die relativ häufig vorkommenden Kerbfälle
∆σc = 125, 112, 80 und 56 [N/mm2] ausgewählt. Ange-
nommen wird weiterhin, dass bei der größten Wasser-
spiegeldifferenz eine Normalspannungsschwingbreite in
der durchaus realistischen Größe von max ∆σ = 140 mit den Teilsicherheitsbeiwerten
N/mm2 im Bereich der betrachteten Kerbfälle vorliegt.
Diese maximale Schwingbreite wird für die von k = 1 γ Ff = 1,00
bis k = 5 kleiner werdenden Wasserspiegeldifferenzen γ Mf = 1,35 (ist als ungünstigster Wert aus EC 3,
∆W linear zurückgerechnet (∆σi in Tabelle1, Zeile 4) Tabelle 9.3.1, beim Betriebsfestigkeits -
und zur Ermittlung von ∆σi,d jeweils mit den gemäß DIN nachweis von Stahlwasserbauten zu ver-
19704-1, Abschn. 7.5.4.2 anzusetzenden Teilsicherheits- wenden; Ausnahme: γ Mf = 1,15 im Druck-
beiwerten multipliziert (Tabelle 1, Zeile 5). schwellbereich von Stauwandblechen)

und mit
2.2.2 Ermüdungsnachweis mit der
Schadenssumme ∆σc ..... Kerbfall entspr. EC 3 (im Bsp.: 125, 112,
80 u. 56 N/mm2)
Der Nachweis mit der Schadenssumme ist zu führen in NA = 2 x 106 (Lastspielzahl für Grenzwert der
der Form: Ermüdungsfestigkeit)
N ..... Lastspielzahl im Bezugszeitraum
(im Bsp.: N = 509600)
m.... Neigung der Ermüdungsfestigkeitskurve
(m = 3 für Normal- und Hauptspannungen
und ∆σi ≥ ∆σd)

Formel zur Ermittlung der schadensäquivalenten Span-


nungsschwingbreite ∆σE:
Dd ... Schadenssumme
ni ... anteilige Spannungsspiele
Ni ... ertragbare Spannungsspiele für den maßgeben-
den Kerbfall

Der für diesen Nachweis recht aufwändige Rechengang


ergibt sich aus Tabelle 1. Erkennbar wird, dass unter
den gewählten Bedingungen für den Kerbfall 112 der
Nachweis noch erfüllt wird, während dies bereits bei dem
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Die schadensäquivalente Spannungsschwingbreite ∆σE Ermüdungsnachweis mit der schadensäquivalenten


ergibt sich zu: Spannungsschwingbreite:

∆σi ...
gestaffelte Spannungsschwingbreiten ohne Teil-
sicherheitsbeiwert
ni ...
anteilige Spannungsspiele

Zahlenwerte für die Ermittlung von ∆σE:


Für Tabelle 2 werden aus der Nachweistabelle der Scha-
denssumme (Tabelle 1) lediglich die Werte für ∆σi (die
von der angesetzten Maximalschwingbreite ausgehen-
den, gestaffelten Spannungsschwingbreiten ohne Teil- Tabelle 3: Ergebniswerte aus Nachweis mit ∆σE
sicherheitsbeiwert) und ni (anteilige Spannungsspiele
gemäß Bild 1) übernommen. 2.2.4 Ergebniszusammenstellung und
Schlussfolgerungen

Wenn man Beanspruchung und Beanspruchbarkeit aus


dem Nachweis mit der schadensäquivalenten Span-
nungsschwingbreite ∆σE in die Form SD / RD ≤ 1 bringt,
lassen sich die in Tabelle 4 auf Seite 6 benannten Ergeb-
niswerte beider Nachweisformen in einer gemeinsamen
Grafik darstellen (vgl. Bild 2).
Tabelle 2: Einzelwerte ∆σi und ni
In beiden Fällen wäre der Nachweis Sd / Rd = 1 für den
(Zeilen 4 und 9 aus Tabelle 1)
(theoretischen) Kerbfall ∆σc = 110,5 N/mm2 erfüllt. Die
Schadensäquivalente Spannungsschwingbreite mit den Grafik zeigt des Weiteren, dass die Ergebnisse beim
Werten der Tabelle 2: Nachweis mit der Schadenssumme bei den ungünsti-
geren Kerbfallkategorien (∆σc = 80 .. 56) wesentlich stär-
∆σE = [1 / 509000 × (1403×84000+1353×168000 + ker gespreizt sind als beim Nachweis mit der schadens-
1283 ×126000 + 1173 × 84000 + 1063 × 47000)]1/3 äquivalenten Schwingbreite.
∆σE = 129,2 N/mm2

Bild 2: Grafische Zusammenstellung der Ergebniswerte der beiden Nachweisformen


BAW-Brief Nr. 1 - November 2001 Seite 6

Tabelle 4: Gegenüberstellung der Ergebniswerte der beiden Nachweisformen

Insgesamt ist erkennbar, dass sich - bei grundsätzlich 3 Literatur


gleichem Ergebnis - der Nachweis mit der schadens-
äquivalenten Spannungsschwingbreite einfacher gestal- [1] DIN 19704-1 ”Stahlwasserbauten, Teil 1: „Berech-
tet. Er erscheint auch schlüssiger, da er im Wesent- nungsgrundlagen“, Ausgabe Mai 1998, Beuth
lichen der „Philosophie“ des Ermüdungsnachweises mit Verlag Berlin
konstanten Schwingbreiten folgt, jedoch unter Verwen- [2] EUROCODE 3 DIN V ENV 1993, Teil 1-1,
dung von ∆σE. Um für entsprechende Nutzer leichter Bemessung und Konstruktion von Stahlbauten,
anwendbar zu sein, wurde er deshalb in vorliegendem Ausgabe April 1993
Berechnungsbeispiel dem Nachweis mit der Schadens- [3] Schmaußer, G./Nölke, H./ Herz, E.:
summe sowohl hinsichtlich der Vorgehensweise als Stahlwasserbauten, Kommentar zu DIN 19704,
auch hinsichtlich der Ergebnisse vergleichend gegen- Ernst & Sohn, Berlin 2000
übergestellt.
Meinhold, App. 48 20
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560 - B - gedehnten Schadensfällen zu enormen volkswirtschaft-


Probleme der Bauwerkserhaltung – lichen Schäden.
eine Wirtschaftlichkeitsberechnung
Grundsätzlich kristallisieren sich drei Vorgehensweisen
Problemlage – Stand der Kenntnisse für die Beurteilung des zu erwartenden Korrosions-
schadens eines ungeschützten Spundwandbauwerkes
Seit gut einem Jahrzehnt wird sich dem Problem der heraus:
Spundwandkorrosion verstärkt gewidmet. Maßgebliche
Untersuchungen zur Erzielung des derzeitigen Kenntnis- 1. Vergleich mit Abtragsraten von Nach-
standes hierzu sind bei der Bundesanstalt für Wasser- barbauwerken und vergleichbaren
bau (BAW) durchgeführt worden. So hat bereits Hein Medien
[1] eine Zusammenstellung und Auswertung zahlreicher
Restwanddickenmessungen geleistet. Demzufolge In den Arbeiten [1] und [2] sind Spundwandbohlen in
nimmt die Wanddicke nicht linear zur Standzeit ab, son- verschiedensten Gewässertypen auf Restwanddicken
dern entsprechend einer Exponentialfunktion. Alberts & hin untersucht worden. Aus den Einzelwerten sind da-
Heeling [2] haben, neben der Verfeinerung der Mess- bei „Korrosionskurven“ (Abtragungsgeschwindigkeit als
methodik, insbesondere die Voraussagemöglichkeit Funktion der Zeit in verschiedenen Gewässern) erstellt
über das weitere Abrostungsverhalten an bestehenden worden. Bild 1 zeigt eine doppellogarithmische Darstel-
Bauwerken vorangetrieben. Darüber hinaus konnten lung der Abtragungsgeschwindigkeiten in Abhängigkeit
Korrosionszonen für unterschiedliche Gewässer syste- zur Standzeit. Die Abtragungsgeschwindigkeiten sind als
matisiert werden. Ausgleichsgeraden einer Vielzahl von Messpunkten
wiedergegeben. Demzufolge verbleibt die maximale Ab-
In einem Forschungsvorhaben der bedeutendsten eu- tragungsgeschwindigkeit im Meerwasser (Lochfraßkor-
ropäischen Spundwandhersteller wurde speziell das rosion der Spritzwasser bzw. Niedrigwasserzone) im Ver-
Phänomen der beschleunigten Niedrigwasserkorrosion lauf der Bauwerksnutzung auf nahezu gleich hohem Ni-
behandelt [3]. Bemerkenswert dabei war die Wende der veau. Im Binnenwasser (hier z.B. Mittellandkanal (MLK))
Forschungsrichtung im Verlauf des Vorhabens: Ausge- hingegen ist eine deutliche Abnahme der Abtragungs-
hend von der Makroelementbildung als mögliche Ursa- geschwindigkeit mit der Standzeit festzustellen.
che hat man schließlich den Bogen zur Mikrobiell Indu-
zierten Korrosion (MIC) gespannt [4]. Es dürfte sich letzt- 2. Prognose durch Wanddicken-
lich, insgesamt betrachtet, um ein Zusammenspiel bei- messungen
der Korrosionsmechanismen handeln.
Bei etwaiger Kenntnis der Ausgangsdicke der Spund-
Detailuntersuchungen für gutachterliche Stellungnah- wandbohle (Rücken oder Steg sind zu definieren) kann
men an geschädigten Spundwänden bzw. Dalben im eine Restwanddickenmessung zu einem bestimmten
Bereich der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung zeig- Zeitpunkt zu einer Prognose über den weiteren Wand-
ten sowohl die Gefährdung der erdseitigen MIC [5], aber dickenverlust verwendet werden [2].
auch der MIC im Meerwasser [6].
3. Prognose durch Untersuchung der
Derzeit wird ein weiteres, von der Europäischen Gemein- Immersionsmedien
schaft für Kohle und Stahl (ECSC) gefördertes For-
schungsvorhaben gestartet mit dem Ziel, die Bemes- Bei gänzlicher Unkenntnis der Korrosivität der Umge-
sung der Spundwände auf die jeweilige korrosive Um- bung bietet sich die Auswertung der chemischen Un-
gebung anzupassen. Auch hierbei ist die BAW beteiligt. tersuchung der entsprechenden Immersionsmedien ge-
mäß DIN 50929 an. Bei Einsetzen der Ergebnisse der
chemischen Analyse in feste Algorithmen (DIN 50929,
Korrosion und Voruntersuchungen Tab. 6) können Vorhersagen zum Grad der Mulden- oder
Flächenkorrosion im Unterwasser- wie auch im Wasser-
Spundwandbauten dienen überwiegend der Uferbefes- wechsel-Bereich erzielt werden. Ähnliches gilt für die
tigung sowohl an Kanalstrecken als auch in Hafenbe- Aussage hinsichtlich der Bewertung von Erdböden (DIN
cken. Für die Planung und mögliche Gestaltung des Kor- 50929, Tab. 1). Gerade darauf ist die Aufmerksamkeit
rosionsschutzes dieser Bauwerke sind mehrere Fakto- zu richten, da Abrostungen von hinten bzw. durch das
ren von Bedeutung, von denen die beiden wichtigsten Hinterfüllmaterial nicht vor dem Schadenseintritt erkannt
hier genannt seien: Die vorgesehene Nutzungsdauer werden können.
und die Korrosivität der umgebenden Medien. Dabei ist
sowohl die Wasser- als auch die Landseite mit einzu- In Bild 1 sind vergleichend zu [1] Abtragsgeschwindig-
beziehen. Gerade die Beurteilung der Zusammenset- keiten auf Grund der chemischen Beurteilungen des
zung des Hinterfüllmaterials wird häufig übersehen. Dies MLK-Wassers, bezogen auf die Standzeit, in Form von
führt in lokalen Fällen zum Kollabieren von Uferwänden (Fehler-)Balken eingetragen. Für 30 Jahre ist die “ma-
mit Behinderung des Schiffverkehrs und in räumlich aus- ximale Eindringrate” gemäß der Wassercharakteristik
BAW-Brief Nr. 1 - November 2001 Seite 8

Bild 1: Mittlere bzw. maximale Abtragsgeschwindigkeiten im Mittellandkanal (MLK) und Meerwasser nach [1]
Schraffiertes Feld: Aktuelle Messungen (Unterwasserzone); Eingerahmtes Feld: Aktuelle Messungen
(Spritzwasserzone); Balken: Berechnung nach DIN 50929

mit ihrer daraus folgenden Schwankungsbreite einge- maßnahmen. In den verschiedenen Beispielen werden
zeichnet. Für die Standzeit von 100 Jahren beschreibt die Materialkosten pro m² abgewickelter Spundwand (bei
die DIN 50929 “Abtragungsraten”, welche entsprechend 9 m Länge und davon 4 m Rammtiefe; die vorgesehe-
den Schwankungen des MLK-Wassers ebenfalls in ne Nutzungsdauer beträgt 50 Jahre) fallweise berech-
Balkenform eingetragen sind. Daneben sind Resultate net.
verschiedener neuerer Daten der Restwanddickenmes-
sung nach 25 bzw. 27 Jahren Standzeit ([7], [8]) in Bild Standsicherheit
1 mit einbezogen worden. Dabei können die Werte der
maximalen (Spritzwasserbereich) deutlich von jenen der Als Begrenzung hierbei werden Biegemomente für zu-
mittleren Abtragungsgeschwindigkeiten (Unterwasser- lässige Spannungen eines bestimmten Spundwandtyps
zone) unterschieden werden. Es ist ferner zu erkennen, (hier: Larsen 602) eingesetzt. Im rechnerischen Ansatz
dass diese innerhalb des Schwankungsbereiches bis bestimmt die statisch erforderliche Restwand(rücken)-
zu Faktor 2 bzw. 4 höher bewertet werden als durch die dicke (tx) im Verhältnis zur Ausgangsdicke (to) die Min-
Ausgleichsgerade nach [1]. derung gegenüber dem (Ausgangs-) Widerstandmo-
ment (Wo = 830 cm³/m). Eine exemplarische Berech-
nung für ein vorhandenes Bemessungsmoment (Mv =
Kosten für Spundwandbauwerke und 133 kNm/m) bei einer zulässigen Spannung (σ = 180
Bauwerkserhalt MN/m²) eines bestimmten Spundwandprofiltyps (S 270)
ist im Folgenden gegeben:
Für die Ausführung von Bauwerken und Korrosions-
schutz sind verschiedene Faktoren zu berücksichtigen, Wx = Mv/σ = 133 000/180 [Nx106cm³/106Nm] = 739 cm³/m
wenn man die Wirtschaftlichkeit richtig einschätzen will.
Auf Basis der Korrosionseinflüsse und der erwünsch- tx = 739 x 8,2/830 [(cm³/m)mm/(cm³/m)] = 7,3 mm
ten Standzeit kann man Typberechnungen zu Hilfe neh-
men. Dabei sollen zunächst die beiden wesentlichen Gegenüber der Ausgangsrückendicke von 8,2 mm darf
Nachweise - Tragfähigkeit und Gebrauchstauglichkeit - die Spundwand demzufolge auf 7,3 mm, d.h. um
im Folgenden betrachtet werden. Untersucht werden 0,9 mm, abrosten. Dies ist bei einer Abtragsgeschwin-
Spundwandprofil-Varianten sowie Korrosionsschutz- digkeit von 0,03 mm/a nach 30 Jahren (a) erreicht
Seite 9 BAW-Brief Nr. 1 - November 2001

Tabelle 1: Kostenabschätzungen anhand von Fallbeispielen

(s. Tabelle 1, 2. Zeile). Dabei ist die Tragfähigkeit u.a. werks ist damit üblicherweise nicht gefährdet, da das
von Stahlgüten abhängig. Eine Bohle vom Typ S 355 größte Biegemoment gewöhnlich knapp oberhalb der
z.B. kann bis zu einer zulässigen Spannung σ von 240 Sohle liegt. Aus Tabelle 1 ist zu entnehmen, dass eine
MN/m² belastet werden, wodurch sich eine statisch er- S 270er Bohle bereits nach 33 Jahren durchgerostet
forderliche Restwanddicke von 5,5 mm ergibt. Bei Be- wäre (Spundwandmaterial S 355 würde hier ebenfalls
rücksichtigung der Abtragungsgeschwindigkeit im Unter- durchgerostet sein). Zur Prävention von Schäden und
wasserbereich ergibt sich nach 50 Jahren eine Rest- zum Erreichen der Nutzungsdauer von 50 Jahren kann
wanddicke von 6,7 mm. In Ableitung der statischen Be- sowohl ein Abrostungszuschlag als auch ein Korrosi-
lastbarkeit kann bei höherwertigem Spundwandmaterial onsschutz durch Beschichten (Mindestschutzdauer: 20
(hier: S 355) eine Verlängerung der Standzeit von 30 Jahre) einbezogen werden. Die Kosten verhalten sich
auf über 50 Jahren erreicht werden. dann umgekehrt wie bei der Betrachtung der Tragfä-
higkeit: Eine Spundwand mit Beschichtung (DM 143,--/
Für die Fallbeispiele zur Kostenkalkulation wurden die m²) liegt günstiger als ein (theoretisch notwendiger)
allgemein üblichen Preise für Spundwandmaterial und Wanddickenzuschlag (DM 163,--/m²). Die Korrosions-
Beschichtung (jeweils bezogen auf einen m2 der abge- schutzdauer kann zudem durch Instandhaltungsmaß-
wickelten Spundwand) herangezogen. Die Kosten pro nahmen (mit deutlich verringerten Kosten pro m² Spund-
m² Spundwand erhöhen sich demzufolge von DM 107,-- wand) nahezu verdoppelt werden. Eine Ergänzung des
auf DM 112,-- bei Wechsel des Spundwandstahles, Korrosionsschutzes, vor allem in Hafenanlagen, bietet
wohingegen mit zusätzlichem Korrosionsschutz die Ko- der elektrochemische Schutz (Kathodischer Korrosions-
sten auf DM 143,-- angehoben werden (Tabelle 1, letz- schutz [9]).
te Spalte).

Gebrauchstauglichkeit Schlussfolgerung

Nicht selten ist die Einschränkung der Gebrauchstaug- Bereits bei der Planung ist die korrosive Aggressivität
lichkeit der bedeutendere Einschnitt für ein Spundwand- der Einbettungsmedien (Wasser und Auffüllmaterial) und
bauwerk. Hier sind vor allem die Abrostungen im Was- demzufolge das davon abzuleitende Szenarium der
serwechselbereich (Niedrigwasserkorrosion) bzw. im Spundwandschäden zu berücksichtigen. Besonders im
Überwasserbereich (Spritzwasserzone) von Bedeutung. Meerwasserbereich und in niedrigsalinaren Gewässern
Abtragungsgeschwindigkeiten bis zu 0,25 mm/Jahr sind sind enorme Korrosionsschäden in den letzten Jahren
zwar typisch für Meerwasser, aber auch in niedrigsali- aufgetreten. Aus der Erfahrung weiß man, dass gerade
naren Binnengewässern durchaus möglich. Als Folge Bauwerke mit vordergründig günstigster Investitionskos-
der Durchrostung kommt es häufig zum „Auslaufen“ des tenberechnung letztlich deutlich höhere Unterhaltungs-
Hinterfüllmaterials im korrodierten Bereich, mit gravie- kosten (z.B. durch nachträglichen Korrosionsschutz,
renden Einschränkungen hinsichtlich der Betriebssicher- Spundwandreparaturarbeiten oder Neurammung) ver-
heit und in Folge dessen zu hohen Reparaturkosten langen. Zudem ist ein nachträglicher Korrosionsschutz
(z. B. Vorplattung, Aufständern). Die Statik des Bau- relativ kostenintensiv, da die kritischen Bereiche in der
BAW-Brief Nr. 1 - November 2001 Seite 10

Unterwasserzone liegen und erhöhte Kosten zur Tro- 561 - B -


ckenlegung kalkuliert werden müssen bzw. Unterwas- Neue DIN 1076 und Programm
seranstriche besonders teuer sind. Wie die Berechnun- SIB–Bauwerke
gen zeigen, ist die Statik des Spundwandbauwerks durch
Abrostung im Unterwasserbereich im Nutzungszeitraum Die Regelwerke für die Prüfung und Unterhaltung von
kaum gefährdet. Demgegenüber sind Einschränkungen Brückenbauwerken wurden in den letzten Jahren gründ-
in der Nutzungsdauer im Wesentlichen auf Grund von lich überarbeitet und inhaltlich auf einander abgestimmt.
Durchrostungen im Überwasser-Bereich zu erwarten. Mit Erlass EW 23/14.61.31-7.08/31 BAW 00 vom 04.
Eine Spundwanddickenreserve wirkt demzufolge effektiv April 2001 wurden nun auch in der WSV die DIN 1076
nur in diesem Bereich. Dies bedeutet gleichzeitig auch, (Ingenieurbauwerke im Zuge von Straßen und Wegen,
dass über große Bereiche der Spundwandhöhe ein Di- Überwachung und Prüfung), Ausgabe 11/1999 und die
cken- bzw. Rostzuschlag eine Materialverschwendung RI-EBW-PRÜF 98 (Richtlinie zur einheitlichen Erfas-
darstellt. Wie in den Kostenberechnungen gezeigt wor- sung, Bewertung, Aufzeichnung und Auswertung von
den ist, ist gerade im Falle einer Durchrostung im Ergebnissen der Bauwerksprüfungen nach DIN 1076)
Wasserwechselbereich ein Korrosionsschutz durch par- eingeführt.
tielles Beschichten die wirtschaftlichere Lösung. Zur Ver-
längerung der Schutzdauer bietet sich auch ein kombi- Folgende wesentliche Änderungen sind in der Neuaus-
nierter Korrosionsschutz, Beschichtung im Überwasser- gabe der DIN 1076 festzuhalten:
bereich und Kathodischer Korrosionsschutz im Unter-
wasserbereich, an. Von diesbezüglich guten Erfahrun- • Klare Unterscheidung in Ingenieurbauwerke (Brü-
gen wird in [10] berichtet. cken, Tunnel, Stützwände usw.) und andere Bau-
werke, die in der Regel nur im Rahmen der Ver-
kehrssicherungspflicht zu kontrollieren sind.
Literatur • Bessere Differenzierung zwischen Hauptprüfung
und Einfacher Prüfung, wobei die Einfache Prü-
[1] Hein, W.: Zur Korrosion von Stahlspundwänden; fung im Wesentlichen eine vergleichende Prüfung
Mitteilungsblatt der BAW, Nr. 67 (1990), 1-40 zur Hauptprüfung ist.
[2] Alberts, D. & Heeling, W.: Wanddickenmessungen • Bei der Hauptprüfung sind diejenigen Schäden zu
an korrodierten Stahlspundwänden - statistische kennzeichnen, die bei der folgenden Einfachen
Datenauswertung; Mitteilungsblatt der BAW, Nr. 75 Prüfung erneut zu kontrollieren sind.
(1997), 77-94 • Die Laufende Beobachtung ist in der Regel nur
[3] Moulin, J. & al.: Prevention of accelerated low water noch zweimal jährlich durchzuführen.
corrosion on steel sheet piling; ECSC Final Re- • Der Datenumfang des Bauwerksbuches ist für
port, 7210-KB/503 (1998) Ingenieurbauwerke in der „Anweisung Straßen-
[4] Karius, R.: Niedrigwasserkorrosion an Stahlspund- informationsbank – Teilsystem Bauwerksdaten
wänden; Hansa 136 (1999) Nr. 4, 57-62 (ASB- Bauwerksdaten)“ beschrieben. Das Bau-
[5] Binder, G. & Graff, M.: Mikrobiell verursachte Kor- werksbuch ist nicht mehr im Anhang beigefügt,
rosion an Stahlbauteilen; Werkstoffe und Korrosi- sondern wird automatisch mittels eines Programm-
on 46 (1995) 639-648 systems erstellt.
[6] Graff, M., Klages, D. & Binder, G.: Mikrobiell
induzierte Korrosion (MIC) in marinem Milieu; Wesentliche Änderungen in der RI-EBW-PRÜF 98 ge-
Werkstoffe und Korrosion 51 (2000) 247-254 genüber der 94er Fassung sind:
[7] Spundwand- und Holmdickenmessungen am MLK
(km 81,4 – 82,3); WSA Minden (11/1996) • 3-teilige Zustandsbewertung des Einzelschadens
[8] Sanierungsvorschlag und Materialuntersuchungen nach den Kriterien Standsicherheit, Dauerhafigkeit
am MLK (km 30,4 – 44,2 bzw. 81,4 - 82,3); Ger- und Verkehrssicherheit.
manischer Lloyd (2/1997) • Automatische Ermittlung der Zustandsnote für das
[9] Kathodischer Korrosionsschutz im Wasserbau Gesamtbauwerk.
(143 Seiten); Fachausschuß für Korrosionsfragen, • Hinsichtlich der Verschlüsselungen von Schäden
Hafenbautechnische Gesellschaft e.V., Hamburg und Mängeln wird auf die ASB verwiesen.
(1989) • Im Anhang sind Beispiele für Schadensbewertun-
[10] Uhlendorf, H.-J. & Martin, H.: 25 Jahre Kathodi- gen aufgelistet.
scher Korrosionsschutz im Hafen Stade-Bützfleth;
Jahrbuch der Hafenbautechnischen Gesellschaft Um die beschriebenen Änderungen und Neuerungen
e.V., Bd. 51 (1997) 107-111 der DIN 1076, der RI-EBW-PRÜF 98 und der ASB IT –
technisch umzusetzen, wurde zeitgleich das Programm-
Binder, App. 32 60
system SIB – Bauwerke entwickelt, wobei SIB als Ab-
kürzung für Straßeninformationsbank steht. SIB – Bau-
Seite 11 BAW-Brief Nr. 1 - November 2001

Bild 1: Hauptmenü von SIB – Bauwerke, WSV–Version

werke ist laut Programmbeschreibung ein System zur WADABA für Brücken vorgesehenen Datenfelder sind
Erfassung, Verwaltung und Auswertung von Bauwerks- in der ASB nicht abgebildet. Für diese sind zusätzliche
daten einschließlich der Erstellung der Bauwerksbücher. Eingabemasken zu programmieren. Ebenfalls ist der
Ausdruck des Bauwerksbuches auf die Bedürfnisse der
SIB – Bauwerke löst das bisher auch in der WSV ein- WSV anzupassen. Die notwendigen Programmier-
gesetzte Brückenprüfprogramm BWPRUF II ab. Das arbeiten sollen Mitte 2002 abgeschlossen sein.
Programmsystem SIB-Bauwerke ist jedoch nicht nur ein
Programm zur Prüfung von Brücken nach neuer DIN Auch wenn die WSV – Version zurzeit noch nicht die
1076 einschließlich der Erstellung des Prüfberichtes, zuvor beschriebenen Möglichkeiten zulässt, so sollten
sondern auch ein Programm zur Erfassung der Bau- auch jetzt schon bei Neubaumaßnahmen und größe-
werksdaten (nach ASB) und Erstellung des Bauwerks- ren Instandsetzungen die umfangreichen Bauwerks-
buches. Darüber hinaus ermöglicht es eine komplette daten in Anlehnung an das Allgemeine Rundschreiben
digitale Erfassung aller Vorgänge (z.B. Instandsetzun- Straßenbau (ARS) Nr. 2/1998 (Reg.-Nr. 05.13 in der
gen) und Unterlagen (Pläne, Bilder usw.) und stellt da- Sammlung Brücken- und Ingenieurbau) erfasst werden.
mit die Grundlage für ein zukünftiges Bauwerksmana- Die WSV – spezifischen Daten sind von geringerem
gementsystem dar. Umfang und können später noch nacherhoben werden.

SIB – Bauwerke wurde im Auftrag der Straßenbau- Die Entwicklungskosten des Programmes SIB – Bau-
verwaltung entwickelt und auf deren Belange abge- werke finanziert die Straßenbauverwaltung über den
stimmt. Für eine Anwendung in der WSV waren daher Verkauf von Programmlizenzen an Ingenieurbüros und
am Programm geringe Modifikationen vorzunehmen, Baufirmen. Auch die WSV wird wie ein Externer ange-
wie z.B. das Hinterlegen der Verwaltungsstruktur der sehen und muss das Programm erwerben. Durch Ver-
WSV, Eingabefeld für die Bundeswasserstraße usw. handlungen innerhalb des BMVBW konnte erreicht wer-
Diese geringen Änderungen sind im Auftrag der BAW den, dass die WSV als Konzern angesehen wird und
durch das programmierende Ingenieurbüro WPM in von den günstigen Konditionen für Mehrfachlizenzen
Neunkirchen noch im Jahr 2000 umgesetzt worden, so- profitiert. Voraussetzung ist allerdings, dass für Support
dass jetzt eine vorläufige WSV – Version von SIB – Bau- und Programmpflege, die über das programmierende
werke vorliegt. Ingenieurbüro WPM erfolgen, nur ein Ansprechpartner,
nämlich die BAW, für die gesamte WSV benannt wird.
Es sind jedoch noch erheblich weitergehende Pro- Über Wartungsverträge profitieren die betreffenden In-
grammanpassungen erforderlich, um künftig – wie im genieurbüros und die WSV von regelmäßigen Pro-
Erlass vorgesehen – alle WSV relevanten Brückendaten grammupdates (ca. zweimal jährlich). Dadurch verfü-
mit SIB – Bauwerke erfassen zu können. Einige in der gen auch die Ingenieurbüros automatisch über die WSV-
BAW-Brief Nr. 1 - November 2001 Seite 12

spezifischen Programmmodule, die z.B. bei einer Ver-


gabe für die Erfassung der Bauwerksdaten und Erstel-
lung der Bauwerksbücher zu nutzen wären.

Im Rahmen der Brückenaussprachetage sollen die


WSV-Dienststellen über ihre Erfahrungen mit dem Pro-
grammsystem SIB – Bauwerke berichten und sich aus-
tauschen.

Ehmann, App. 37 60

562 - B -
Einführung neuer Normen für Bild 1: Übersicht über DIN-Fachberichte „Brückenbau“
Beton und Stahlbeton
Im Vorfeld der augenblicklichen Umstellung von euro- In Anbetracht der Gleichartigkeit von Brückenbauwerken
päischen Vornormen ENV auf neue europäische Nor- und der schlüssigen Konzeption der Straßenbauver-
men EN für Beton und Stahlbetonbau sind für eine Über- waltung ist die Behandlung von Brückenbauwerken der
gangszeit zur „Einübung“, zum Sammeln von Erfahrun- WSV analog zu denen der Straßenbau- und Eisenbahn-
gen und zur Dokumentation nationaler Erfahrungen Verwaltung zu sehen.
neue nationale Regelwerke veröffentlicht bzw. in Arbeit.
Die dabei gesammelten nationalen Erfahrungen sollen Die Straßenbau- und Eisenbahn-Verwaltung sehen für
bei der o.a. Umstellung der Vornormen den deutschen einige wenige Brücken eine ca. einjährige Erprobungs-
Standpunkt untermauern helfen. phase vor, in der jeweils nur Pilotobjekte im Rahmen
einer Zustimmung im Einzelfall nach neuer Normung
In der nationalen Normung spiegelt sich zudem die in berechnet und konstruiert werden. Eine flächendecken-
den einschlägigen fachtechnischen Ausschüssen be- de Einführung der DIN-Fachberichte wird – nach noch-
schlossene und akzeptierte Zweigleisigkeit der künfti- maliger Überarbeitung - daher in ca. 1,5 Jahren erfol-
gen neuen nationalen Normung für „Ingenieurbauwerke“ gen können. In diesem Zeitraum werden Schulungen
einerseits und für „Brückenbauwerke“ andererseits wie- durch Universitäten, Verbände, Fortbildungsinstitutionen
der. Nachfolgend wird daher zwischen „Brückenbau- durchgeführt werden, an die sich die WSV ankoppeln
werke“ und „Ingenieurbauwerke“ unterschieden, wobei wird. Eventuell wird für die WSV im 2. Halbjahr 2002
letztere auf „Wasserbauwerke“ konzentriert werden. eine Gesamt-Schulung „Brückenbau“ über die SAF an-
geboten werden, d.h. rechtzeitig, bevor die WSV mit
Brückenbau eigenen Brücken-Bauwerken nach neuen Normen be-
ginnen wird.
Die Straßenbauverwaltung hatte vor ca. 2 Jahren be-
schlossen, die zukünftige durch die Eurocodes gepräg- Da für die Anwendung dieser neuen Normen andere
te Normung möglichst rasch zu übernehmen. Dazu wur- Vorschriften etc. angepasst werden müssen bzw. mit-
den bereits vor der endgültigen Fertigstellung der jewei- gelten, sind Übergangsregelungen erforderlich. Die zeit-
ligen Eurocodes bzw. deren national umgesetzter Nor- lichen Vorstellungen gibt Bild 2 wieder.
men die betreffenden Normentexte auf der Grundlage
der europäischen Vornormen ENV um die nationalen Ingenierbauwerke/Wasserbauwerke
Anwendungsregeln ergänzt und als DIN-Fachberichte
erarbeitet. Mit diesen Fachberichten soll die Zeit bis zum Für die zukünftige Behandlung von Wasserbauwerken
Erscheinen der endgültigen Normen überbrückt werden, sind Normen verschiedener Richtungen heranzuziehen.
mit denen in ca. 5 Jahren gerechnet werden kann. DIN 1055 (Teile 1 bis 9 und 100), Einwirkungen, soll bis
zum Frühjahr 2002 vollständig veröffentlicht sein, DIN
In der Reihe der DIN-Fachberichte „Brückenbau“ sind 1045 neu (Teile –1, -2, -3 und –4), Tragwerke aus Be-
die Fachberichte für „Einwirkungen“, „Beton“ und „Be- ton, Stahlbeton und Spannbeton, wurde im Juli 2001
messung von Betonbrücken“ veröffentlicht, mit einer vom DIN herausgegeben. Geotechnische Regelwerke,
Veröffentlichung der Berichte für „Bemessung von Stahl- wie z.B. DIN 1054, Standsicherheitsnachweise im Erd-
brücken“ und „Bemessung von Verbundbrücken“ ist und Grundbau, sind noch in der Gelbdruckphase und
voraussichtlich zum Jahresanfang 2002 zu rechnen (vgl. frühestens zum Frühjahr 2002 zu erwarten. Weder be-
Bild 1). steht derzeit ein neues, abgeschlossenes Normenpaket
für die Anwendung auf Wasserbauwerke, noch sind die
Überlegungen der fertiggestellten bzw. in Aussicht ste-
Seite 13 BAW-Brief Nr. 1 - November 2001

Bild 2: Zeitplan „Umstellung auf neue technische Baubestimmungen“, Brückenbau, nach Naumann/Großmann in: Stahlbau
70 (2001) H.10

Bild 3: Zeitplan „Umstellung auf neue technische Baubestimmungen“, massive Wasserbauwerke im Verkehrs-
wasserbau
BAW-Brief Nr. 1 - November 2001 Seite 14

henden neuen Normen für die Anwendung für Wasser-


bauwerke abgeschlossen und notwendigerweise mit-
geltende Regelwerke angepasst.

In der BAW sind mittlerweile erste Vergleichsberech-


nungen und Überlegungen für die Umstellung auf das
neue Normenwerk vorhanden. Ziel wird es sein, die zum
Teil in den (entstehenden) neuen Normen vorhandenen
unterschiedlichen Rechen- und Bemessungsregeln zu
vereinheitlichen und ggf. zu vereinfachen.

In den fachtechnischen Ausschüssen wird die Ansicht


vertreten, dass die neue nationale Normung ca. 2 Jah-
re Übergangsfrist zur derzeit bestehenden haben soll
und insgesamt ca. 5 Jahre gültig sein wird, bevor die
europäische Normung zu berücksichtigen sein wird. Vor-
bereitet wird seitens der BAW daher eine Umstellung
auf neue Normen in der Anwendung für Wasser-
bauwerke bis Mitte 2003, wobei mitgeltende Richtlinien
und Vertragsvorschriften anzupassen sein werden, Bild
3, was zusammen mit der WSV erfolgen muss. Die letzt-
endliche Einführung der neuen Normen ist zu gegebe-
ner Zeit vorzunehmen.

Schulungen für die neue Normengeneration sollten,


sofern die erstmalige Unterweisung und die allgemeine
Anwendung betroffen sind, über auf dem freien Markt
erhältliche Angebote wahrgenommen werden. Wasser-
bauspezifische Regelungen für Einwirkungen und
Bemessung werden durch die BAW rechtzeitig vor der
Anwendung neuer Normen für Wasserbauwerke ver-
mittelt werden.

Kunz, App. 32 00