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blitz (13)
Representational Guidance
Externale Repräsentationen, z.B. Mind-Maps oder Flipchart-Notizen, helfen eine Diskussion zu strukturieren. Dieser Beitrag erklärt, warum das so
ist und wie externale Repräsentationen Gruppenprozesse unterstützen.

Unterstützen von Gruppenprozessen Wenn diese aber in einer Gruppe eingesetzt werden,
gibt es noch weitere Wirkprinzipien:
Vielleicht kennen Sie das: Sie diskutieren in einer Grup-
pe, welche Argumente für die Umsetzung einer Maß- Anstoßen der Diskussion: Die external verfügbaren In-
nahmen sprechen. Um die Menge der Informationen, formationen regen die Diskussion an. Offene Punkte
die im Laufe der Diskussion ausgetauscht werden zu oder Widersprüche werden deutlich und werden von
strukturieren, verwenden Sie ein für alle einsehbares den Mitgliedern der Gruppe deshalb angesprochen.
Smartboard. Auf dem Smartboard ist eine Mind-Map- Zum Beispiel zeigt die Visualisierung der Wünsche eines
Software aufgerufen, in der die Argumente baumartig Kunden deutlich, dass widersprüchliche Anforderungen
nach Pro und Contra gliedert werden. Diese externale nicht mit einem Produkt erfüllt werden können. Das regt
Repräsentationen des Wissens der gesamten Gruppe die Diskussion über Alternativen an.
steuern den Gruppenprozess. Sie helfen bei der Fokus-
sierung auf das gemeinsame Thema und unterstützen Tipp: Einer schreibt, der andere moderiert. Dann sind
die Diskussion. Das Konzept der Representational Gui- Sie nicht durch Schreiben abgelenkt und haben die
dance (Suthers, 2003) erklärt, warum das so ist. Gruppe immer im Blick.

Representational Guidance: Begriffsdefinition Reduktion von Komplexität: Gerade bei komplexen


Sachverhalten wird durch die externale Repräsentation
Um die Idee der Representational Guidance zu verste- die Komplexität reduziert. Dadurch können auch kom-
hen, ist zunächst eine Definition der zentralen Begriffe plexe Sachverhalte diskutiert werden. Die externale
notwendig: Repräsentation ermöglicht, auf Aspekte zu referenzieren,
Ein Repräsentationales Werkzeug ist eine Schnittstelle, die ohne sie im Detail erklären zu müssen. Zum Beispiel
den Nutzer unterstützt, externale Repräsentationen zu kann in der Diskussion mit der Bezeichnung „die The-
erstellen, zu verstehen und zu verändern. Im Beispiel ist men hier rechts oben“ einfach auf bereits diskutierte,
das die Software, mit deren Hilfe die Mind-Map erstellt komplexe Aspekte eines Themas Bezug genommen
wird. Die repräsentationale Notation meint die verfügba- werden.
ren Elemente, die für die Repräsentation von Inhalten
genutzt werden können, also z.B. die verfügbaren For- Tipp: Dokumentieren Sie beim nächsten Meeting die
men und Verbindungen einer Mind-Map-Software. Das Diskussion für alle sichtbar in einem Dokument an der
repräsentationale Artefakt meint dann die entstehende Präsentationswand.
Mind-Map, in der alle Argumente repräsentiert sind.
Kleinste Einheit einer solchen Repräsentation sind Wis- Geteiltes Vorwissen: Die externale Repräsentation doku-
senseinheiten. Diese Einheiten sind z.B. Argumente, mentiert den Verlauf der Diskussion. Damit ist es mög-
Hypothesen, Ideen, Daten, Statements oder Quellen. lich, auf bereits diskutierte Aspekte zu verweisen. Diese
können als geteiltes Vorwissen aller Mitglieder voraus-
Representational Guidance: Die verfügbaren Darstel- gesetzt werden.
lungsformen lenken den Gruppenprozess.
Effektiver Einsatz externaler Repräsentationen
Wie werden Gruppenprozesse beeinflusst? Die verfügbaren Darstellungsformen lenken also den
Es gibt zwei relevante Wirkprinzipien der Representatio- Gruppenprozess. Durch das Steuern der Aufmerksam-
nal Guidance: keit wird beeinflusst, welche Aspekte diskutiert werden.
Dadurch wird auch klar, wo noch wichtige Informationen
Einschränkungen. Die Verfügbarkeit repräsentationaler fehlen, die sich eine Gruppe verschaffen muss, um die
Notationen begrenzt die Möglichkeiten der Darstellung. richtige Entscheidung zu treffen. Werden externale
Ich kann z.B. in einer Mind-Map kein Diagramm erstel- Repräsentationen gezielt eingesetzt, tragen sie zu kon-
len, in dem die Argumente auf zwei Dimensionen ein- zentriertem und effektivem Arbeiten in der Gruppe bei.
geordnet werden. Die Repräsentationsform zwingt dazu,
die Argumente eindeutig zu sortieren. Literaturhinweis: Suthers, D. (2003). Representational guidance for
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collaborative inquiry. Arguing to learn: Confronting cognitions in


Aufmerksamkeit. Die externale Repräsentation steuert computer-supported collaborative learning environments. In J. And-
die Aufmerksamkeit des Nutzers. Sind in einer Mind- riessen, M. Baker, and D. Suthers (Hrsg.), Confronting Cognitions:
Map die strittigen Punkte, zu denen es noch keine Eini- Arguing to Learn, S. 27-46. Kluwer Academic Publishers.
gung gab, rot markiert, fallen diese sofort ins Auge. Die
Aufmerksamkeit wird also auf bestimmte Aspekte ge- Dr. Johannes Moskaliuk
lenkt und das hat Einfluss auf die Bewertung der zur schreibt auf wissensdialoge.de zu den Themen Social
Verfügung stehenden Informationen. Software, Lernen und Wissenspsychologie. Ein
Diese beiden Wirkprinzipien gelten ganz allgemein, Forschungsschwerpunkt ist der technologie-
wenn Menschen externale Repräsentationen nutzen. unterstützte Austausch von Handlungswissen.

© wissensdialoge.de | Bitte zitieren als: Moskaliuk, J. (2011). Representational Guidance. wissens.blitz (13).
http://www.wissensdialoge.de/representational_guidance