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// INSIGHT NEWSLETTER DER FINNOVA AG NR.

1 | APRIL 2014

POSITIVES ECHO CUSTOMER DAY – SEITE 3 DAS GROSSE RAUSCHEN – SEITE 10


Blick in die Zukunft Big Data. Big Chance. Big Challenge?
Liebe Leserin, lieber Leser
Der Customer Day 2014 ist Geschichte. Die dies-
jährige Austragung unseres traditionellen Kunde-
nevents hat für mich aber einen besonderen Stel-
lenwert. Vor rund einem Jahr haben wir damit
GASTBEITRAG
begonnen, die Finnova AG auf ein neues solides

DIFFERENZIERUNG IM RETAIL
Fundament zu stellen, um auch den zukünftigen
Anforderungen an unser Unternehmen und un-

BANKING?
ser Produkt gerecht zu werden. Denn die rasanten
Umwälzungen im Markt, die technologischen so-
wie regulatorischen Veränderungen erfordern die
kontinuierliche Weiterentwicklung von Organisa- «Be different – or die». Gerade Retailbanken scheint diese Marketingweisheit
tion und Strukturen. Die Verstärkung des Manage- aus den USA vor grosse Herausforderungen zu stellen. Das Angebot an
ments, die Konzentration der Kräfte im Software Produkten und Dienstleistungen gilt nämlich als austauschbar – eine klare
Development, der Auf- und weitere Ausbau des Pro- Abgrenzung im Wettbewerb scheint schwierig.
duct Managements sind nur einige der eingeleite-
ten Schritte. Erste Resultate dieser konsequent auf Wer jedoch im hart umkämpften Wettbewerb um die Gunst anspruchsvol-
die Kunden und den Markt ausgerichteten Mass- ler Bankkunden bestehen will, muss sich von der Konkurrenz differenzie-
nahmen bildeten das zentrale Thema des Customer ren und rationale sowie emotionale Mehrwerte schaffen können. Darum
Day. Mit der Finnova Banking Suite 3.0 präsentierten versucht jede Bank, sich mittels einer klaren Differenzierungsstrategie von
wir unseren Kunden einen teilweise visionären Blick den Konkurrenten abzuheben. Gestützt auf eine Umfrage unter 150 Ent-
in die Zukunft unserer Software. Ob Channel, Front scheidungsträgern von Retailbanken hat das Institut für Finanzdienstleis-
oder Expert Suite: Sämtliche Frontelemente stel- tungen IFZ der Hochschule Luzern – Wirtschaft in einer Studie untersucht,
len nicht mehr die Technologie in den Vordergrund, in welchen Bereichen sich Banken gemäss eigener Einschätzung heute
sondern sind prozesszentriert und orientieren sich gegenüber ihren Konkurrenten differenzieren und wie sich die Differenzie-
an den Bedürfnissen der verschiedenen Benutzer- rungsmerkmale gemäss ihrer Einschätzung über die nächsten fünf Jahre
gruppen. Bei unseren Kunden – so die ersten per- verändern. Die Entscheidungsträger von Retailbanken wurden gebeten, bei
sönlichen Feedbacks – sind wir mit diesen Ideen auf insgesamt 41 potenziellen Differenzierungsfaktoren anzukreuzen, in wel-
ein positives Echo gestossen. Dies belegt mir, dass chem Aspekt sie sich von ihren wichtigsten Konkurrenten unterscheiden.
wir uns auf dem richtigen Weg in die gemeinsame
Zukunft bewegen. Ich freue mich darauf, diese Visi- RESULTATE – KURZZUSAMMENFASSUNG
onen und Ideen gemeinsam mit Ihnen Realität wer- Einen zusammenfassenden Überblick über die zehn im heutigen Markt
den zu lassen. meistgenannten Differenzierungsmerkmale bietet die Tabelle 1.
Auffällig ist, dass verschiedene immaterielle Aspekte wie das Image,
respektive die Marke oder die Unternehmenskultur, als zentrale Diffe-
renzierungsvorteile gesehen werden. Anzumerken bleibt aber, dass die
Unternehmenskultur nur dann als Differenzierungsmerkmal betrachtet wer-
den kann, wenn dadurch ein höherer Kundennutzen generiert, resp. die
Kultur auch in Erfolg umgemünzt werden kann. Zu den weiteren Punkten
Charlie Matter
zählen die Beratungsqualität, die Bearbeitung bestehender Märkte oder
CEO der Finnova AG
der Besuch von Beratern bei ihren Kunden.
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Heute dafür eine umso höhere strategische Bedeutung beizumessen.


Differenzierungsfaktor Anzahl Nennungen Nennungen in % Jede Retailbank sollte in der Lage sein, ihre Alleinstellungsmerk-
1 Image/Marke 138 92.0 male (USP) nennen zu können, die einen konkreten Nutzen für
2 Beratungsqualität 120 80.0
den Kunden schaffen, und in denen sie sich wirklich von ihren
3 Unternehmenskultur 118 78.7
wichtigsten Konkurrenten unterscheidet.
4 Bearbeitung bestehender Märkte 111 74.0
(geographisch)
5 Kundenbesuche von Beraterinnen 93 62.0 GLEICHE DIFFERENZIERUNGSMERKMALE FÜHREN
und Beratern ZU ERHÖHTEM PREISKAMPF
6 Kürzere «Time to market» 87 58.0
(hohe Agilität)
7 Ältere Menschen 85 56.7 Auffällig ist, dass fast alle Banken, welche teilweise in den
8 Filialen/Filialgestaltung 83 55.3 gleichen Märkten um Anteile buhlen, sich sowohl heute als
9 Hypothekarprodukte 78 52.0 auch in fünf Jahren über die gleichen Merkmale differenzie-
10 Hoher Ausbildungsgrad der 75 50.0 ren möchten. Wenn alle Banken das gleiche Alleinstellungs-
Mitarbeiter
merkmal für sich beanspruchen, ist eine entsprechende Diffe-
Tabelle 1: Die heute 10 meistgenannten Differenzierungsfaktoren renzierung aber schwierig. Es ist deshalb zu erwarten, dass in
Zukunft der Preiskampf weiter zunehmen wird. Die Preisfüh-
rerschaft wird von den Entscheidungsträgern der Banken aber
Grundsätzlich verändern sich die gemäss Bankenvertretern unisono nicht als Differenzierungsmerkmal betrachtet. Stattdes-
wichtigsten zehn Differenzierungsfaktoren über die nächsten sen wird versucht, diesen Herausforderungen mittels Bünde-
fünf Jahre nicht bedeutend. Im Gegensatz zur gegenwärtigen lung von Produkten und sogenannt «innovativen Preismodellen»
Situation wird jedoch erwartet, dass die Bündelung von Produk- zu begegnen oder sich über das gemäss Umfrage wichtigste
ten sowie die Analysen von Kundendaten neue zentrale Diffe- Differenzierungsmerkmal – das Image resp. die Marke – abzu-
renzierungsmerkmale sein werden. Rund 63% aller Befragten grenzen.
geben an, sich in fünf Jahren über die Bündelung von Produkten
und Bankdienstleistungen differenzieren zu können. Durch diese ZUGANG ZUM KUNDEN WICHTIGER ALS ANGEBO-
Massnahme wird einerseits das Pricing weniger transparent re- TENE PRODUKTE
spektive weniger vergleichbar. Andererseits versprechen sich
die Banken dadurch eine geringere Austauschbarkeit ihrer Pro- Der Zugang zum Kunden wird als Differenzierungsfaktor höher
dukte, respektive eine valable Möglichkeit, die Kundenbindung gewichtet als die angebotenen Produkte. Die angebotenen Pro-
zu stärken. Derweil glauben die Banken, dass die Filialen bzw. dukte verlieren inskünftig als Differenzierungsmerkmal weiter
die Filialgestaltung sowie die Hypothekarprodukte tendenziell an Bedeutung. Auf der anderen Seite wird der Zugang zum Kun-
an Bedeutung als Differenzierungsfaktoren verlieren werden. den ein (noch) bedeutsamerer Differenzierungsfaktor: Neben
Der Aspekt der Beratungsqualität wird gemäss den Angaben Kundenbesuchen, dem klassischen Online Banking und der Fi-
der Bankenvertreter in den nächsten fünf Jahren noch weiter liale möchten sich in Zukunft verschiedene Banken auch ver-
an Bedeutung gewinnen und ist das meistgenannte Differen- mehrt über Mobile Banking oder Online-Hypotheken von ihren
zierungsmerkmal der Zukunft. wichtigsten Konkurrenten differenzieren. Eine längerfristig an-
haltende Differenzierung im Bereich des Mobile Banking oder
FAZIT ZU DIFFERENZIERUNGSSTRATEGIEN IM RETAIL BANKING auch im Bereich der Online-Hypothek ist allerdings nur schwer
Vor dem Hintergrund dieser oben aufgezeigten Resultate kön- zu bewerkstelligen.
nen die nachstehenden Folgerungen und Synthesen gezogen
werden:

FOKUS AUF DIFFERENZIERUNGSFAKTOR(EN) FEHLT

Laut Angaben von Umfrageteilnehmern, welche in der strate-


gischen Verantwortung der verschiedenen Banken stehen, un-
terscheiden sich ihre Angebote im Vergleich zu jenen der Kon-
kurrenz in durchschnittlich 14 Differenzierungsmerkmalen. Eine
derart hohe Anzahl an Differenzierungsfaktoren ist aus meiner
Sicht für das Massenkundengeschäft «Retail Banking» wenig
glaubwürdig. Sinnvoller wäre es, sich konsequent auf maximal
drei bis vier Differenzierungsfaktoren zu fokussieren und diesen
3

100%
90% CUSTOMER DAY
80%
70%
60%
50%
heute %
BLICK IN DIE ZUKUNFT
40%
30% in 5 J %
20% 17 Kunden seien bei seinem ersten Customer Day im Raum geses-
10% sen. Heute dürfe er über 70 Gäste im grössten Konferenzraum der
0%
Finnova AG in Lenzburg willkommen heissen. Mit diesen Worten
Filialen/Filialgestaltung

Web-Chats mit Kunden


Kundenbesuche von

Online Hypotheken
Klassisches Online

eröffnete Christopher Bywater das diesjährige Stelldichein der


Personal Finance-
Beraterinnen und

Mobile Banking

Videoberatung
Social Media

Angebote
Manager
Beratern

Banking

Bankenverteter – der Rest des Tages stand dann aber ganz im Zei-
chen künftiger Produktentwicklungen.

Differenzierung über den Zugang zum Kunden


In seiner Begrüssung ging Charlie Matter ebenfalls auf die Ver-
änderungen der vergangenen Jahre ein. Während vor wenigen
AUSBAU ALTERNATIVER DISTRIBUTIONSKANÄLE Jahren noch die Abwicklung von Transaktionen im Vordergrund
gestanden habe, blickte der CEO der Finnova AG zurück, so
Gemäss Umfrage bleibt die Filiale für Banken ein unverändert liege der Fokus heute auf geführten Prozessen und der Bera-
zentraler Differenzierungsfaktor. Gleichzeitig werden alternative tung. Gleichzeitig werde die Arbeit der Banken und ihrer Soft-
Kanäle wie die Videoberatung, das Mobile Banking, der Web wareentwickler in zunehmendem Masse von regulatorischen
Chat oder auch der Zugang zum Kunden via Social Media zuneh- und technischen Anforderungen beeinflusst, wenn nicht sogar
mend wichtiger. Auffällig ist auch, dass laut Einschätzung der bestimmt.
Banken Personal Finance Management und Online-Hypotheken Aus diesem Grund, so Matter, habe die Finnova AG im Jahr
an Bedeutung gewinnen werden. Eine entsprechende Multi- 2013 verschiedene Massnahmen umgesetzt, um die kommen-
oder Omnichannel-Strategie ist teuer. Ebenso muss hinterfragt den Herausforderungen zu meistern. In diesem Zusammenhang
werden, ob der Einsatz der neuen Kanäle nicht dazu führt, dass stellte er Dr. Anton Meier als Chief Strategy & Finance Officer
gewisse Filialen nicht mehr benötigt werden oder deren Öff- und Mitglied der Geschäftsleitung vor. Mit dem Hinweis auf die
nungszeiten kritisch hinterfragt werden müssen. Finnova Banking Suite 3.0 – und damit dem roten Faden des
Customer Day – übergab Matter das Wort an Markus Waser.
DIFFERENZIERUNG ÜBER BERATUNG

Die meisten Banken geben an, sich nicht über die angebotenen
Produkte differenzieren zu können. Bei einigen Banken besteht
zwar der Wunsch, sich im Bereich der Anlageprodukte differen-
zieren zu können. Etwas paradox mutet allerdings an, dass die
Investment Performance, ein wichtiges Differenzierungskrite-
rium hierfür, unbedeutend bleibt. Auch das Research wird nicht
als Differenzierungsfaktor betrachtet.
Als wichtigster Differenzierungsfaktor gilt die Beratungs-
qualität. Es ist jedoch fraglich, ob sich eine Bank durch gute
Beratung von per se austauschbaren Produkten wirklich von
einer anderen Bank differenzieren kann – und ob die Beratung
wirklich ein Differenzierungsfaktor ist, wenn sich alle Banken
durch diesen Faktor differenzieren wollen. // BENUTZER IM MITTELPUNKT
Erst wenige Tage im Amt, führte der Chief Product Officer ad
interim souverän durch die Präsentation der Finnova Banking
Prof. Dr. Andreas Dietrich (1976) ist Dozent, Projektleiter, Studiengangsleiter des MSc Suite 3.0. Die Initiative ist prozessorientiert und stellt die un-
Banking and Finance sowie Leiter des Kompetenzzentrums Financial Services Manage-
terschiedlichen Bedürfnisse der einzelnen Nutzer konsequent
ment am Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern – Wirt-
in den Mittelpunkt. So rückt die Channel Suite die Selbstbedie-
schaft. Er studierte und promovierte an der Universität St. Gallen. Während seines
Doktorandenstudiums wirkte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität nung durch den Endkunden in den Vordergrund. Die Front Suite
St. Gallen HSG und absolvierte ein vom schweizerischen Nationalfonds unterstütztes als neuer Bereich von Finnova ist rollenbasiert und unterstützt
Forschungsjahr an der DePaul University in Chicago. Seit 2008 arbeitet er am IFZ. den Kundenberater integral. Auf regulatorische Aspekte, Fragen
der Bankführung und das Risikomanagement geht die MIS Suite
ein, während die Expert Suite die Anforderungen des Middle-
und Back-Office abdeckt.
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Finnova Banking Suite 3.0

Bankkunden Bankberater Bank- Midoffice


EVV management Backoffice
Risk- BPO
management

Channel Suite Front Suite MIS Suite Expert Suite

Zahlen Finnova
Berater Cockpit ®
Desktop E-Banking Finnova Control
Retail
Finanzieren Finnova Individual- 3rd Party
Mobile Banking entwicklungen Systems
Anlegen Berater Cockpit Management Expertenmodule
EVV Anlegen Cockpit
Kunde Cockpit
Banksteuerung CRM Risk Cockpit

Compliance

Geführte Prozesse

Interface Layer

Finnova Core DWH

Die Finnova Banking Suite 3.0 bildete mit der Familie Künzle den roten Faden durch den
Customer Day.

Nach diesem Blick in die Zukunft von Finnova setzte sich Prof. Daraufhin stellte Thomas Berndt, Product Manager Zahlen &
Dr. Andreas Dietrich, Leiter des Kompetenzzentrums Financial Vorsorge, die Kundeneröffnung als Teilbereich der «geführten
Services Management der Hochschule Luzern, in seinem Re- Prozesse» vor. Die Notwendigkeit zu radikalen Anpassungen
ferat mit dem digitalen Strukturwandel und dem Differenzie- liege, so der Experte, in veränderten Anforderungen der Ban-
rungs- und Positionierungsbedarf der Retailbanken auseinander ken und des Marktes respektive in den technologischen und
– mehr dazu ab Seite 1. Anschliessend stellte Ralph Hutter in regulatorischen Entwicklungen. Diesen Aspekten trägt die Fin-
Form der fiktiven Familie Künzle die Protagonisten aller folgen- nova Banking Suite 3.0 mit ihrer strikten Prozessorientierung,
den Use Cases vor. Er betonte dabei erneut, dass der Benut- der Gestaltbarkeit der Abläufe, den kanalübergreifenden Werk-
zer bei der Konzeption und Entwicklung der Banking Suite in zeugen und der Integration der Compliance umfassend Rech-
den Mittelpunkt gestellt werde, was sich in der weitgehenden nung. Berndt präsentierte die geführten Prozesse als integra-
Technologieneutralität und der einfachen und intuitiven Bedie- len Bestandteil der zukünftigen Lösung; die Kundeneröffnung
nung der Produkte ausdrücke. Der Product Manager E-Channel bildet den ersten Schritt auf dem Weg zur geplanten Front-to-
zeigte am Prototyp von IB NextGen, wie diese Kriterien in die Back-Umsetzung.
Bedienung der entsprechenden Kanäle einfliessen. Nach einer
Pause mit intensiven Gesprächen und angeregten Diskussio-
nen der Zukunftsperspektiven präsentierte Hutter mit der Front
Suite eine Vorstudie zum Beraterarbeitsplatz. Als zusätzliches
Produkt für den Berater ist diese Suite mit sämtlichen Funktio-
nen für die täglichen Bankgeschäfte ausgestattet. Die Freigabe
für die Vorstudie ist hier erteilt, bis Ende 2014 wird der Proof
of Concept vorliegen.
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COMPLIANCE INBEGRIFFEN
Der zunehmende Einfluss regulatorischer Aspekte auf das Bank-
geschäft wurde durch die Tatsache unterstrichen, dass sich
gleich zwei Präsentationen diesem Thema widmeten. Während
Josef Atschreiter anhand einer Übersicht zeigte, welche regula-
torischen Bereiche Finnova mit Eigen- und Fremdprodukten im
Bereich Anlegen abdeckt, ging Jürg Frei auf die Herausforde-
rung Compliance ein. Er zeigte, wie und wo die Anforderungen
von FATCA integriert sind, und wie das System diesbezüglich
wach gehalten wird. Der Product Manager Compliance stellte
zudem ein mögliches regulatorisches Cockpit vor und verwies
zum Abschluss auf die veränderte Bedeutung der Compliance:
Diese habe im Vergleich zur Vergangenheit vermehrt eine prä-
ventive Kontrollfunktion und müsse entsprechend in das Sys-
tem integriert werden.

Wie die Funktionalitäten in Zusammenhang mit dem elektroni- Rebalancing bis hin zur Generierung der Aufträge und der Aus-
schen Grundstück-Informationssystem, kurz eGRIS, in Finnova führung. Nach einem Blick auf das Cash Management stellte
integriert sind, zeigte Dr. Tim Weingärtner am Beispiel eines Blatter die Roadmap Portfolio Management mit den einzelnen
Gläubigerwechsels im Detail. Nach Angaben des Product Ma- Meilensteinen bis ins Jahr 2015/16 im Detail vor.
nagers Finanzieren stehen vorerst vier Geschäftsfälle im Vor- Nach der abschliessenden Präsentation gab der Modera-
dergrund; ein Ausbau des Systems ist vorgesehen, wie er mit tor Christopher Bywater dem CEO der Finnova AG das Wort.
einem Blick auf die Roadmap verdeutlichte. In seiner zweiten Dieser stellte in seinen Ausführungen die konkrete Verbindung
Präsentation widmete sich Thomas Berndt dem Thema Zah- zwischen der Vision und der Strategie her. Das Konzept hin-
lungsverkehr und stellte eine kontinuierliche Angleichung der ter dem Customer Day sei es aufzuzeigen, wohin der künftige
schweizerischen an europäische Vorgaben fest. Diese Verbes- Weg führe und wie diese Reise von der Finnova AG in Angriff
serungen zugunsten der Bankkunden würden massive Verän- genommen werde. Um diese Ziele zu erreichen und die Dinge
derungen des Marktes, der Aufgaben, des Nutzens und der nachhaltig zu verändern, bedürfe es jetzt gemeinsamer Anstren-
Geschäftsmodelle mit sich bringen. Ziel der Finnova AG seien, gungen, damit die Finnova-Banken auch morgen und übermor-
so der Product Manager Zahlen & Vorsorge, eine schnelle Um- gen auf eine moderne und innovative Lösung vertrauen. Damit
setzung und ein reibungsloser Übergang zu den ISO-Payments. entliess Charlie Matter die Gäste in den abschliessenden Apéro,
Den Abschluss der Präsentationen bildete das Thema der nach dem Mittagessen noch einmal genügend Raum für
«PMS: drei Buchstaben, eine Lösung». Daniel Blatter wies da- den Austausch von persönlichen Meinungen und den Ausbau
rauf hin, dass das PMS innerhalb des Lenzburger Softwarehau- des eigenen Netzwerkes bot. //
ses einen Investitions- und einen strategischen Schwerpunkt
bilde. Was das für das Produkt bedeutet, erklärte der Product
Manager Anlegen anhand des Controllings in der Vermögens-
verwaltung, von der Berechnung der Kennzahlen und der Prü-
fung der Resultate über die Analyse von Verletzungen und das
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PERSONAL FINANCE MANAGEMENT

FREIE SICHT MIT CONTOVISTA


Personal Finance Management ist nach Ansicht von Gian Reto à Porta kein Hype-Thema. In Zukunft wird PFM im Gegenteil mitentschei-
den, mit welcher Bank die Kunden eine nachhaltige Partnerschaft aufbauen. Denn dank modernster Technologien ist es den Nutzern
möglich, maximale Transparenz über ihre Einnahmen und Ausgaben zu erhalten.

Herr à Porta, Sie kommen eben aus einer Besprechung bei einer Bank dargestellt zu sehen, stösst auf Skepsis. Darum
mit der Finnova AG. Mit welchem Resultat? haben wir uns vorerst bewusst eingeschränkt.
Das Resultat ist ein Angebot, das die Finnova AG und Con-
tovista zusammengestellt haben. Uns war es wichtig, zu PFM Personal Finance Management, kurz: PFM, ist momentan
ein konsolidiertes Angebot zu entwickeln, damit wir die Banken ein Schlagwort. Was versteckt sich für Sie hinter diesem
nur einmal kontaktieren müssen. Thema?
Aus unserer Sicht geht es darum, dem Bankkunden mit
Wie sieht dieses Angebot aus? innovativen Werkzeugen die Möglichkeit zu geben, seine Fi-
Das Angebot besteht in je einer Lizenz für Contovista und nanzen vom Budgetieren bis zur Datenanalyse zu managen.
einer für die Schnittstelle zwischen Finnova und Contovista. Contovista erlaubt den einfachen und eindeutigen Blick auf Di-
Der Kunde hat dabei die Wahl, ob er die Lösung von seinem mensionen, die vorher nicht sichtbar waren. PFM bietet eine
aktuellen Anbieter oder von Contovista betreiben lassen will. visuelle Auswertung und Darstellung seines gesamten finanzi-
ellen Lebens – im Grunde genommen handelt es sich um ein
Was bietet Contovista? MIS für den Bankkunden.
Contovista bietet verschiedene Module, die in das beste-
hende Finnova E-Banking integriert werden können. Das Modul Handelt es sich bei PFM um einen kurzfristigen Hype?
Timeline liefert beispielsweise eine konsolidierte Übersicht über Ich erwarte einen ähnlichen Prozess wie bei E-Banking und
sämtliche Transaktionen aller Konten einer Bank. Eine mächtige Mobile Banking. Zuerst werden sich einige «innovativere» Ban-
Suche im Hintergrund analysiert die Buchungstexte mittels aus- ken an das Thema wagen. Langfristig werden die meisten Ban-
geklügelter Algorithmen nach bestimmten Dimensionen wie ken solche Funktionalitäten anbieten. Ich bin der festen Über-
Kategorie, Gegenpartei, Ort. Ausserdem hat der Bankkunde die zeugung, dass das Angebot auf dem Online- und Mobile-Kanal
Möglichkeit, Kommentare, Dokumente und «Tags» anzufügen. ausschlaggebend dafür ist, ob sich Retail-Kunden in Zukunft für
Anhand der vier Kriterien Kategorie, Gegenpartei, Ort und Tag oder gegen eine Bank entscheiden. PFM ist in ein paar Jahren
kann er die Buchungen durchsuchen und beliebig strukturie- Bestandteil von Easy Banking.
ren, so dass er damit jederzeit den Überblick über die getätig-
ten Transaktionen hat. Diese Daten können aber auch von der Handelt es sich bei Contovista um eine mobile Anwen-
Bank genutzt werden, etwa um ihre Kunden besser zu beraten. dung?
Unsere Lösung ist kanalunabhängig und kann in eine App
Und wo liegt der Nutzen für den Bankkunden? integriert werden. Mit der Finnova AG haben wir uns darauf ge-
Der Nutzer hat die Möglichkeit, seine Einnahmen und Aus- einigt, Contovista vorerst ins E-Banking zu integrieren.
gaben auf der Basis von effektiven Daten zu analysieren. Neh-
men Sie das Beispiel Generalabonnement der SBB: Mit der Es handelt sich demzufolge um eine zusätzliche Funktio-
Übersicht von Contovista weiss der Kunde, ob sich diese An- nalität in Finnova?
schaffung langfristig bezahlt macht oder eben nicht. Oder der Ja. Der Kunde bewegt sich im gewohnten Finnova-Umfeld
Nutzer markiert sämtliche Ausgaben fürs Geschäft und ver- und merkt punkto Bedienung nichts von der Anbindung. Im End-
rechnet diese dann als Spesen. Im Moment aktuell ist auch das effekt handelt es sich um eine funktionale Aufwertung eines
Ausfüllen der Steuererklärung… bestehenden Kanals.

ZEHN MILLIONEN IN MILLISEKUNDEN Wo liegt die technologische Herausforderung hinter


Kann Contovista auch die Daten von mehreren Konten bei Contovista?
verschiedenen Banken darstellen? Es ist die Fähigkeit, die Buchungstexte zu analysieren und
Das wäre technisch durchaus machbar. Unsere Befragung die Transaktionen nach den genannten Punkten korrekt zuzuord-
von Bankkunden hat jedoch ergeben, dass dies keinem Bedürf- nen. Zu diesem Zweck mussten wir eine riesige Datenmenge
nis entspricht. Plötzlich die Daten von verschiedenen Banken zu den Gegenparteien, den sogenannten Merchants, aufbauen.
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Wäre es möglich, dass die Bank die analysierten Daten


für die Beratung einsetzt?
Unsere Überlegungen gehen tatsächlich in Richtung Inte-
gration unserer Möglichkeiten in den Beraterarbeitsplatz.

Wo stehen Sie in Bezug auf die Verhandlungen mit den


Finnova-Banken?
Wir haben Proofs of Concept erstellt und eine Bank hat
Im Moment prüft unser Suchalgorithmus über zehn Millionen Contovista mit ihren Kunden getestet; die Resultate liegen in
Gegenparteien, um die optimale Übereinstimmung in Echtzeit Form von sehr positiven Kundenreaktionen vor. Im Moment
zu evaluieren. Dazu braucht es den Einsatz innovativer Big-Data- wird die Schnittstelle zwischen Finnova und Contovista pro-
Technologien, um in Millisekunden eine spezifische Suche über grammiert. Jetzt wollen wir mit diesem Angebot gemeinsam
ein Datenset von über zehn Millionen Samples zu machen. auf die Finnova-Banken zugehen. Wir werden auch in Zukunft
prüfen, wie wir – und im Endeffekt die Kunden – von unseren
DELIGHTFUL BANKING spezifischen Kompetenzen profitieren.
Wer ist Contovista?
Die Contovista AG wurde 2013 gegründet und zählt sechs
Personen. Wir betrachten uns als Technologie-Start-up, das Über die Contovista AG
Software für die Finanzbranche konzipiert und realisiert. Die Die Schweizer Contovista ist spezialisiert auf die Auswertung
Lösungen werden in der Schweiz entwickelt und bei entspre- und Visualisierung von Finanzdaten. Das im Jahr 2013 ge-
chendem Modell hier betrieben. Unsere Stärke liegt in der tech- gründete Unternehmen entwickelt innovative Technologien
nologischen Kompetenz der Mitarbeiter. Unsere Vision lautet und Algorithmen zur Analyse grosser und unstrukturierter
«Delightful Banking»: Im Vordergrund steht die Usability und Datenmengen. Die spezifischen Softwaremodule ermögli-
alle Vorteile, die Web 2.0 bietet. chen die Interpretation und die individuelle Anreicherung der
kundenspezifischen Informationen. Contovista eröffnet der
Wie weit sind Sie mit der Entwicklung? Finanzindustrie umfassende Möglichkeiten im Bereich des
Der Kern ist fertig entwickelt, und wir überlegen uns auf- Personal Finance Management (PFM) und Business Ana-
grund des Feedbacks der Banken bereits, wie wir Contovista lytics (BA). Finanzinstitute können die Softwaremodule von
weiter anreichern. Contovista einfach in bestehende Applikationen integrieren
und dadurch kanalübergreifend innovative Produkte und
Dienstleistungen anbieten.
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PFM AUF ROADMAP REGULATORIEN

Ralph Hutter*: Was versteht die Finnova AG unter PFM


und was erwartet sie davon?
PRÄSENTATION VON
Personal Finance Management ist zu einem stehenden Be-
griff geworden, dessen Verständnis wir teilen. PFM bezeichnet
FATCA
Funktionen in punkto automatischer Analyse von Ausgaben und
Zahlungen und deren Darstellung in Form eines Haushaltsbud- Nach der Annahme der US-amerikanischen FATCA-Gesetzge-
gets. Also ein zeitgemässes Hilfsmittel, um die private Finanz- bung (Foreign Account Tax Compliance Act), die durch den US-
situation im Überblick zu behalten und zu verwalten. Kongress am 18. März 2010 verabschiedet wurde, haben die
Schweiz und die USA das FATCA-Abkommen am 14. Februar
Was spricht aus Sicht der Finnova AG für Contovista? 2013 ratifiziert. Dies bedeutet, dass die schweizerischen Finan-
Wir haben neben Contovista zahlreiche internationale An- zinstitute dieses Abkommen ab 1. Juli 2014 umsetzen müssen.
bieter und Produkte geprüft. Überzeugt haben der Funktionsum- Damit die Banken der Finnova Community in der welschen
fang, die Flexibilität der Firma und die Möglichkeit, die Lösung Schweiz besser einschätzen können, was dies für sie bedeutet,
sowohl auf eigener Infrastruktur als auch in der Cloud zu be- fand in Lausanne ein Workshop statt. Dabei wurden folgende
treiben. Derzeit prüfen wir eine Schnittstellenvereinbarung und Themen näher beleuchtet:
die Marktchancen eines gemeinsamen Produkts. Wir konkreti-
sieren unsere Partnerschaft – der definitive Produktentscheid Anforderungen von FATCA
ist noch nicht gefallen. Lösung der Finnova AG zu FATCA
Einbindung von FATCA in der Finnova-Software
Inwiefern passt das Angebot von Contovista in die E-Ban- Auslieferung, Kundenkommunikation und Pricing
king-Strategie der Finnova AG? Finnova Consulting: der Beratungsservice der Finnova AG
Personal Finance Management führen wir auf unserer stra-
tegischen Roadmap. Es passt nahtlos in die strategischen The- Sämtliche eingeladenen Kantonalbanken haben aktiv an dieser
men der User-Experience, dem Ausbau der Selbstinformation Veranstaltung teilgenommen und sich so einen besseren Über-
sowie Online-Beratung. blick über die Situation im Rahmen von FATCA verschafft: die
Aufgaben, welche die Banken in diesem Zusammenhang zu er-
Welche Vorteile haben die Bank und deren Kunden da- ledigen haben, die ausgelieferten Entwicklungen der Finnova
von? AG, die Auswirkungen auf das jeweilige Bankinstitut sowie die
Zum Anfang ist es noch ein Differenzierungsmerkmal für Möglichkeiten, die ihnen die Finnova AG mit ihrem Beratungs-
die Bank. Ich gehe davon aus, dass sich dies aber sehr schnell service bietet, um die Umsetzung von FATCA zu erleichtern.
zu einem Quasi-Standard eines E-Banking Umfangs entwickeln Für weitere Fragen zum Thema Compliance in Finnova, steht
wird. Ein wesentlich grösserer Vorteil für die Bank ist allerdings Ihnen Jürg Frei gerne zur Verfügung: juerg.frei@finnova.ch. //
die Kundenbindung. E-Banking-Nutzer, welche ihre Finanzsi-
tuation mit PFM verwalten und sich damit organisieren, wer-
den eine grössere Hemmschwelle haben, die Bankbeziehung
zu wechseln.

Warum macht das die Finnova AG nicht selber?


Wir stellen uns bei jeder Weiterentwicklung immer die
«Make-or-Buy»-Frage, sowohl aus produktstrategischer Sicht,
aber auch hinsichtlich Ressourcenverfügbarkeit. In diesem Fall
haben wir uns entschieden, eine Lösung mit einem Partner an-
zustreben, da wir die eigenen Entwicklungsprioritäten anders
gesetzt haben, aber trotzdem schnell mit einer Lösung auf den
Markt kommen möchten. //

Ralph Hutter ist Product Manager E-Channel der Finnova AG


Für weitere Informationen wenden Sie sich an ralph.hutter@finnova.ch
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INTERNATIONAL

HOCHKARÄTIGER BESUCH AUS SÜDOSTASIEN


Das erste «Europe CWM Executive Programme» unter Federführung der Certified Wealth Managers‘ Association stand unter dem Titel
«Lead the Way with Wealth Management Certification Programme». Die Premiere wurde von der CWMA in Zusammenarbeit mit dem
Business Engineering Institut (BEI) der Universität St. Gallen entwickelt und liess die indonesischen Top-Banker für mehrere Tage hinter
die Kulissen des Schweizer Bankenwesens blicken.

Im Jahr 2005 vom damaligen Bankers Club Indonesia (BCI) ins TOP OF EUROPE ALS PROGRAMM
Leben gerufen, setzt sich die indonesische Certified Wealth Erste Einblicke in das Konzept einer modernen Multimandanten-
Managers‘ Association für den Schutz der Kundeninteressen Installation hatten die asiatischen Gäste schon bei ihrem Besuch
im Finanzmarkt ein. Gleichzeitig fördert die CWMA in weltwei- der Finnova AG erhalten. Der Blick in die Vergangenheit und
ter Zusammenarbeit mit renommierten Organisationen den Be- die internationalen Ambitionen des Lenzburger Softwarehau-
rufsstand des Wealth Managers mittels Ausbildungsprogram- ses bildeten weitere Programmpunkte. In diesem Zusammen-
men, Forschung, Produktentwicklungen und Networking. So hang spezifizierten die Referenten die Value Proposition für die
begrüsste die Finnova AG im Rahmen eines «Industrial Visit» Retail-, Priority- und Privatbanken im asiatisch-pazifischen
eine hochkarätige Delegation mit Vertretern des CWMA, Füh- Raum. Dabei stiess die Kombination von Multimandantenfä-
rungskräften von indonesischen Banken sowie Exponenten des higkeit, hocheffizienter Systemparametrierung und Sourcing
malaysischen Internationalen Business- und Finanzzentrums. bei den Gästen auf besonderes Interesse. Die daraus resultie-
Das Ziel des Besuchs bestand darin, den Teilnehmern einen renden Möglichkeiten zur Kostenminimierung und innovativer
vertieften Einblick in eine moderne Bankingsoftware zu ver- Weiterentwicklung der Software wurden in der Folge intensiv
mitteln. Thematische Schwerpunkte bildeten dabei der Funkti- diskutiert.
onalitätsumfang, die serviceorientierte Architektur und Fragen Mit dem Industrial Visit erhöhten die Verantwortlichen der
zu Best-in-Class-Betriebsmodellen. Finnova AG die Bekanntheit von Unternehmen und Software im
indonesischen Markt. Die geknüpften Kontakte und die Dauer
PROGRAMM UND REFERENTEN TOP des CWM-Programms ermöglichen auch zukünftig den inten-
Von Makroökonomie und Europakrise über Schweizer Wealth siven Meinungs- und Erfahrungsaustausch. Das Leistungsver-
Management und Private Banking bis zum Design der Wert- mögen von Plattform und Betriebskonzepten eröffnet diesen
schöpfungskette im Banking: Die Vorlesungen und Diskussio- Banken attraktive Opportunitäten zur Sicherung von Wachs-
nen am BEI beleuchteten sowohl breite als auch komplexe The- tum, Wirtschaftlichkeit und Rentabilität bei tiefen Total Cost of
men, vorgestellt von Referenten wie Prof. Dr. Rudolf Minsch, Ownership. Auf dieser starken Basis werden die in der Schweiz
Chefökonom von economiesuisse, und Prof. Dr. Pascal Ganten- begonnenen Gespräche von den Mitarbeitern der Finnova-Ver-
bein, Professor für Financial Management der Universität Basel. tretung in Singapur weitergeführt, um den Markteintritt im asi-
Ein weiterer Industrial Visit unter dem Titel «A Perspective on atischen Raum weiter zu unterstützen. Denn wie die Vertre-
Swiss Private Banking» stand bei EY (vormals: Ernst & Young) ter der Finnova AG werten auch die Teilnehmer des CWMA
in Zürich auf dem Programm. Besonderes Augenmerk galt hier diesen Anlass als vollen Erfolg. Dazu hat mit Sicherheit auch
den volatilen rechtlichen Aspekten in der Finanz- und Bankin- das attraktive Rahmenprogramm mit der Reise auf das Jung-
dustrie, der Interaktion zwischen Gesetzgebern und Banken, fraujoch beigetragen – «Top of Europe» galt somit nicht nur für
dem transnationalen Geschäft sowie der aktuellen und künfti- den geschäftlichen Teil des ersten «Europe CWM Executive
gen Rolle der eingesetzten Technologien. Programme». //
Im Zentrum des anschliessenden Besuchs bei der InCore
Bank standen dann die Industrialisierung des Bankenwesens,
die Veränderungen des Marktes und der klassischen Bankmo-
delle. Die Verantwortlichen zeigten anhand eines konkreten
Betriebsmodells, welche Vorteile sich aus der Vernetzung von
Business-, Application- und Infrastructure-Service-Providing er-
geben. Auf grosses Interesse stiess in diesem Zusammenhang,
wie Finnova mit umfassenden Parametrierungsmöglichkeiten
die aktuellen und die zukünftigen Betriebsmodelle der InCore
Bank unterstützt.
10

DAS GROSSE RAUSCHEN

BIG DATA. BIG CHANCE. BIG CHALLENGE?


Im Rahmen eines Tischgesprächs bei der Finnova diskutierten die geladenen Gäste die Herausforderungen, die Chancen und die Risiken
des brandaktuellen Themas Big Data – Basis für den Meinungsaustausch bildete das Impulsreferat von Dr. Stephan Sigrist von W.I.R.E.

«Mind the Future – Thesen zur Zukunft der Banken im Zeital- durch den Markteintritt neuer, auch branchenfremder Anbieter
ter der Daten» lautete der Titel von Stephan Sigrists Ausfüh- weiter. So ist es durchaus vorstellbar, dass IT-Unternehmen mit
rungen. Der Gründer und Leiter von W.I.R.E. machte sich im ihren Angeboten den Finanzsektor auf den Kopf stellen, indem
ersten Teil Gedanken zur Auseinandersetzung mit der Zukunft. sie die Möglichkeiten von Big Data konsequent nutzen und ihr
Seine diesbezüglichen Forderungen lauten, sich mit dem gros- Wissen über die Kunden zielgerichtet einsetzen. Gemäss Sigrist
sen Bild auseinanderzusetzen und vermehrt in Szenarien zu den- gewinnen in der digitalen Wirtschaft neue Geschäftsmodelle
ken. Dies bedeutet beispielsweise, neben der offiziellen Zukunft und innovative Zahlungsformen weiter an Bedeutung und stel-
zu Big Data mit ihren Vorteilen auch die inoffizielle Entwicklung len die Banken vor Herausforderungen. In diesem Zusammen-
im Auge zu behalten. Dies bedingt eine interdisziplinäre Ana- hang nannte Sigrist das Aufkommen digitaler Transaktionen,
lyse, offenes und kritisches Denken, eine Verschmelzung von virtuelle Zahlungsmethoden, Crowd Investing und Funding oder
Wissenschaft und Praxis sowie eine breitere Definition des Be- Peer-to-Peer-Credits.
griffs Innovation. Diese Fähigkeit zur Weiterentwicklung und
Erneuerung ist für Sigrist zurzeit allerdings eingeschränkt: Die CHANCEN UND HERAUSFORDERUNGEN
gesamte Branche befindet sich zwar im Umbruch, der zentrale Nicht nur die Entwicklung der Banken erfolgte bis anhin un-
Einflussfaktor für die Gestaltung des Sektors ist die von aussen ter der Prämisse, dass mehr Daten auch mehr Transparenz in
initiierte Regulierungsflut. Diese erschwert und vereinheitlicht Bezug auf die wirtschaftliche und demokratische Entwicklung
den Beratungsprozess, was zu einer weiteren Standardisierung bringen und damit die Grundlage für Wachstum und Prosperität
des klassischen Angebots an Bankprodukten und –dienstleis- darstellen. Im Zentrum der immer präziseren Vermessung von
tungen führt. Welt, Gesellschaft und Individuum steht dabei der Versuch, den
Menschen zu verstehen. Das Versprechen von Big Data, so der
ERWACHSENE DIGITAL NATIVES Referent: Der Mensch kann die Welt im Grossen verstehen und
Diese Entwicklung steht nach Ansicht von Sigrist im Gegensatz daraus bessere Grundlagen für seine Entscheidungen ableiten.
zu veränderten Kundenbedürfnissen, die weit über die traditi- Auf Seite der Banken führt dies, so die landläufige Hypothese,
onellen Renditeziele hinausgehen. Heute stehen Fragen wie zu einem besseren Verständnis des Kunden respektive seiner
direkte Partizipation, Nachhaltigkeit in Bezug auf die finanzi- Bedürfnisse. Gleichzeitig erlaubt der Blick auf die Daten ein
ellen und persönlichen Investitionen in der Zusammenarbeit besseres Risikomanagement und die Erarbeitung von präzisen
mit einer Bank im Vordergrund. Zugleich investieren Kunden in Marktanalysen und Prognosemodellen.
den Wandel und zeigen wachsendes Interesse an Innovationen Nur, wendete der Leiter von W.I.R.E gleich selber ein, steht
und neuen Entwicklungen. Statt diese Möglichkeiten zur klaren die Informationsgesellschaft diesbezüglich vor einigen Heraus-
Differenzierung zu nutzen, ist die ganze Branche nach wie vor forderungen. Einerseits werden mehr Daten erzeugt als gespei-
geprägt durch ihre Einheitlichkeit mit Bankomaten und elektro- chert; gleichzeitig wird schneller gespeichert als prozessiert. Die
nischen Plattformen als zentrale Schnittstellen und durch ge- schiere Flut an Daten führt zu einer wachsenden Überforderung
ringes Wissen der Banken über ihre Kunden. und Verunsicherung in Bezug auf die Verlässlichkeit der Daten
Dabei wird dieser Aspekt nach Ansicht von Sigrist in naher und ihren Aussagen: Fakten verlieren an Objektivität und Fak-
Zukunft an Gewicht gewinnen. Denn ab 2017 werden die Digi- tenstatus – dies führt im Endeffekt zu weniger Transparenz bei
tal Natives auch für die Banken zur wichtigsten Kundengruppe, mehr Rauschen. Gleichzeitig schränken personalisierte Filter-
was eine veränderte Ansprache und einen neuen Umgang mit systeme die Auseinandersetzung mit Neuem ein, und der Nut-
dieser Zielgruppe erfordert. Parallel entwickelt sich das Um- zer findet nur, was er schon kennt. Zu einer weiteren Reduktion
feld kontinuierlich weiter, und der Wettbewerb intensiviert sich führt der Umstand, dass die Individuen ihre Daten nicht oder
nur selbstkontrolliert teilen wollen.

COMPUTER AUS – HIRN AN


Als Konsequenz steht der These von Kontrollgewinn nach An-
sicht von Sigrist die Antithese von Kontrollverlust und wach-
sende Intransparenz gegenüber. Aus dieser Situation und der
Tatsache, dass Computer nicht selber denken können, resul-
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tiert für den Experten die Notwendigkeit, dass der Mensch Was gilt es dabei besonders zu beachten?
dies übernimmt. Ein erstes Handlungsfeld für die Banken ist Der Kunde soll entscheiden, auf welche Daten die Bank zu-
eine Umkehrung des Paradigmas: weg von mehr Daten zu we- greift, damit er in seinem Sinn beraten wird. Gleichzeitig muss
niger ist mehr. Gleichzeitig wächst der Wettbewerb um die ihm eine technische Plattform zur Seite gestellt werden, die
Kundendaten. Diesbezüglich geht es in erster Linie darum, Kun- ihm die Entscheidungen überlässt.
denbedürfnisse zu erfassen und die besseren Kenntnisse der
Kundenerwartungen als Basis für eine massgeschneiderte Be- Und die Mitarbeitenden?
ratung zu verstehen. Ein weiteres Handlungsfeld sieht Sigrist Die Kunden werden von allen Kanälen mit Informationen
in der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, etwa die Einbin- überhäuft. Damit gewinnt der professionelle Berater wieder
dung von neuen Anbietern oder die Ausweitung des Angebots an Bedeutung – in diese Kompetenzen gilt es vermehrt zu in-
jenseits rein geldbezogener Leistungen. Insgesamt muss Inno- vestieren.
vation breiter definiert werden, da zunehmend soziale Mehr-
werte entscheiden. Ein weiterer Punkt betrifft den Aufbau einer REAL UND DIGITAL
Datenkultur in den Banken. Dabei müssen die Mitarbeitenden Online, offline: Welche Rolle spielen die Kanäle in
für Chancen und Risiken sensibilisiert, gegebenenfalls externe Zukunft?
Innovationstreiber integriert und Pilotprojekte initiiert werden. Für ausgewählte Geschäfte bleibt der persönliche Kontakt
Last but not least forderte der Referent: mehr Menschen- in der Filiale ebenso unverzichtbar wie das E-Banking. Künftig
verstand! Dies bedeutet für Sigrist den Einsatz von humanen sind zudem Lösungen gefragt, mit welchen der Kunde seine
Kontrollmechanismen bei systemrelevanten Prozessen, Kom- Kundenwünsche persönlich, aber online anbringen kann.
petenz- und Aufgabenanpassungen bei den Beratern. Zugleich
wird die Führungsrolle des Managements in diesem Umfeld Es droht also keine Entmaterialisierung der Banken?
noch wichtiger. Wieder auf die gesamte Informationsgesell- Diese Entwicklung ist nicht neu; die Zahl der Niederlassun-
schaft bezogen, schloss Sigrist seine Ausführungen mit der gen ist in den letzten zwanzig Jahren um mehr als ein Drittel
Devise: Computer aus – Hirn an. gesunken. Besteht das Kundenbedürfnis primär in Transaktio-
nen, sind vermehrt virtuelle Kanäle gefragt; bei komplexeren
Geschäften steht der persönliche Kontakt im Vordergrund. In
BIG DATA – BERATER WIRD WICHTIGER Zukunft geht es darum, die reale und die digitale Welt zu ver-
schmelzen.

Wie weit ist es zum gläsernen Kunden?


Big Data steigert die Transparenz, denn alles wird über-
wacht, gespeichert und analysiert. Das kann aber zur Folge
haben, dass sich der Kunde dieser Entwicklung entzieht.

Hat das Bankgeheimnis angesichts von Big Data noch


eine Berechtigung?
Es könnte sogar ein Ziel sein, das Bankgeheimnis im Sinne
einer Total Security auszuweiten und alle Transaktionen platt-
formunabhängig über eine Bank gesichert abzuwickeln. Ein
Geschäftsmodell wäre es, dass der Kunde seine persönlichen
Daten bei einer Bank konsolidiert und sicher verwahren lässt.
Herr Sigrist, ist Big Data bei den Banken angekommen?
Abgesehen vom Anlegen von Kundenprofilen stecken die Wie lauten Ihre Hypothesen zur Zukunft von Big Data im
Banken noch in den Kinderschuhen. Denn Big Data entsteht Bankenwesen?
erst, wenn unstrukturierte Datenmassen von sozialen Plattfor- Der Wettbewerb um Kundendaten wird sich intensivieren.
men, Online-Einkäufen etc. gesammelt, analysiert und einge- Der Menschenverstand muss mehr Einfluss gewinnen. Eine
setzt werden. klare Strategie zu Big Data und nicht mehr – less is more. Weg
von Statistiken und Zahlen hin zu Werten. Schon heute mit dem
Und was soll das den Banken bringen? Aufbau einer Datenkultur beginnen.
Auf Basis der Auswertungen lassen sich spezifische Pro-
dukte und Dienstleistungen gestalten, die den Kundenbedürf-
nissen besser entsprechen, oder Trends früher erkennbar ma-
chen.
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W.I.R.E und Sigrist


W.I.R.E. (Web for Interdisciplinary Research & Expertise) ist Researcher am GDI, wo er für die Analyse der Life Science-
ein unabhängiger Schweizer Think Tank. Dieser setzt sich mit und Foodmärkte verantwortlich zeichnete. Sigrist beschäf-
globalen Entwicklungen in der Wirtschaft, der Gesellschaft tigt sich seit vielen Jahren mit Entwicklungen in den Berei-
sowie den Life Sciences auseinander. Ziele sind die kritische chen Pharma/Biotechnologie, Gesundheit und Food sowie
Auseinandersetzung mit etablierten Sichtweisen, das Schaf- mit generellen Makrotrends in Wirtschaft und Gesellschaft.
fen von Transparenz über Trends und die Erarbeitung neuer Er ist Autor mehrerer Publikationen: «Das grosse Rauschen
Konzepte und Ideen für die Zukunft. Auf Basis des interdiszi- – Warum die Datengesellschaft mehr Menschenverstand
plinären Forschungsverständnisses funktioniert W.I.R.E. als braucht!»* (2013), «Mind the Future – Kompendium für Ge-
Labor für den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis. genwartstrends» (2008), «Domino – Handbuch für eine nach-
Der Think Tank versteht sich als Plattform für Netzwerke zwi- haltige Welt» (2010), «Health Horizons – Guide zu den neuen
schen Akteuren und Denkern aus verschiedenen Handlungs- Gesundheitsmärkten» (2006) und «Zukunftsperspektiven
und Wissensgebieten. des Gesundheitsmarkts» (2006) im Auftrag vom damaligen
W.I.R.E. verfügt über ein internationales Board aus Exper- Innenminister Pascal Couchepin.
ten, Vordenkern und Entscheidungsträgern.
Dr. Stephan Sigrist ist der Gründer und Leiter von www.thewire.ch
W.I.R.E. und hat zum Thema «Wandel im Gesundheitswe-
sen: strategische Ausrichtung der Pharmabranche» promo-
viert. Nach dem Biochemie-Studium an der ETH Zürich war
Sigrist in der medizinischen Forschung von Hoffmann-La * Das grosse Rauschen – Warum die Datengesellschaft mehr Menschenverstand
Roche tätig, um danach als Unternehmensberater bei Ro- braucht! kann über die Finnova AG zum Vorzugspreis von CHF 20.– bestellt werden.
land Berger Strategy Consultants zu arbeiten. Er war Senior Mail an: marketing@finnova.ch

PARTNER SUMMIT 2014

Dieses Jahr wird der Partner Summit bereits zum 10. Mal ausge- Diskussion. Gleichzeitig bietet Ihnen das Schloss Lenzburg mit sei-
tragen. Das ist für uns Grund genug, dem Jubiläums-Stelldichein ner entspannten Atmosphäre den perfekten Rahmen für angeregte
unserer Kunden und Partner ein neues Kleid zu verpassen. Gespräche und interessante Begegnungen – sei es beim Apéro
oder im Verlauf des abwechslungsreichen Abendprogrammes.
Reservieren Sie sich schon heute den Donnerstag, Die persönliche Einladung werden wir den Gästen in den
3. Juli 2014. kommenden Wochen direkt zustellen. Wir freuen uns auf ein Wie-
dersehen auf dem Schloss Lenzburg anlässlich des 10. Partner
Es erwarten Sie spannende Vorträge von hochkarätigen, inter- Summit!
national bekannten Referenten sowie eine kontroverse Panel

WITH PASSION FOR BANKING

finnova AG Bankware
Merkurstrasse 6 T +41 (0)62 886 47 47 www.finnova.ch
CH-5600 Lenzburg F +41 (0)62 886 48 88 info@finnova.ch